Nr. 223.- 1916. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Freitag, 22. Zeptember. Pete? Breuers SeeLhoven. Weltschicksal und Beethoven! Der Krieg, der mit blutigen Keulen philosophiert, hat auch die Künstler getroffen. Was von ihren Feldern beute eingefahren wird, sind schwere Verluste. Nie werden wir wissen, wie groß sie sind: sie ruhen in unauffindbaren Gräbern, zertrümmerte junge, neue Schvpferlräste an die sich Hoffnung band. Aber ihr schmerzliches Verstummen wird nicht das Chaos bedeuten. Wir halten trotz allem den Glauben fest, daß wir eine werdende Welt sind, und rufen zu verstärktem Dienst die Worte herckn, die wir schon vor dem Kriege besaßen. Große Werte, heutige Werte, die der Krieg nicht vernichten wird I Wir denken der Zeit, die sie in rübrig begeisterter Arbeit erhob, so daß immer neue Maffen von Menschen sahen und fühlten, was in den Schatz- Häusern vergangener Kunst gesichert gtänzt. Diese Arbeit, wie war sie Lebensgut! Und nun ein furchtbarer Krieg uns ungeheure Lasten des Entbehrens aufbürdet, wagt unser Gefühl, an Ketten rüttelnd, die Voraussage, die Notwendigkeit jener Arbeit werde fich kortan erst recht erweisen. Der Schrei nach dem täglichen Brot des Geistes dringt aus so tiefaufgewühlier Brust herauf, daß nur das Gewaltigste ihn sättigen kann. Was sich auskämpft aus Weh und Schmerz, um das Leben, das heutige Leben zu betonen, das werden wir tiefer zu begreifen reif sein. Wer unser seelisches Verlangen befriedigen will, muß die stärksten Werke, die mäch- tigsten Meister heranführen: Taten und Namen der Menschheit. Alles andere bleibt gering, flüchtig, eine Zumutung. Ein Heil kann nur aus zusammengesetzter Kraft kommen. Und aus de» Wünschen dieser Stimmung heraus sei das ergreifende Werk gegrüßt, das der Berliner Peter Breuer unseren schweren Tagen sichtbar macht: das Monument Beethovens. Bei Keller u. Reiner in Berlin, in dem Saale, wo vor zehn Jahren das Lebenswerk Konstantin Meuniers in großer Uebersicht zur Fahrt durch Deutschland ansetzte, wird jetzt die Schöpfung Breuers, die in mehr als zehnjähriger Arbeit erwuchs, erst- mals gezeigt. In schlichtgrünwaudigem Raum, vor lila- farbenem Hintergrund, erhebt sich das überraschende Werk. Tief in steingeformien Stuhl zurücklehnend, das haarüberwölbte Haupt in kämpfendem Schaffen auf die nackte Brust vorgeneigt, das Ganze im Ton grauen Granits, für den das fertige Werk gedacht ist, so wirbt dies neue Zeichen Beethovenicher Gewalt über das Sinnen seiner Nachwelt auf uns ein. Die Form ist so neu, daß vor ihr die Erinnerung an all die anderen gemalten und gemeißelten Bildnisse, die sich um die Mienen und das Wesen des Großen mühten, schweigt. Sie hat die Macht, Auge und Seele auf sich zu sammeln, die Macht, die aus der Geschlossenheit aller Teile zur Einheit stammt. Einfach wie ein bedeutendes Wort baut diese Einheit sich auf. Sie ein Symbol markiger äußerer Ruhe, die sich um über- menschliche innere Bewegung zusamnienschließt. Aus Peter Breuers bisherigen Leistungen, die sich über zwei Jahrzehnte verteilen, weiß man, daß hier ein Künstler schafft, der überzeugt ist, daß sich mit der schlichten Sprache der Wirklichkeit eindringlich reden läßt. Von dieser gefunden Art aus gewinnen seine Gestalten Stil. Ihr Liuienbau bat das Gefühl des Notwendigen. Das eben sagt, daß er einfach ist. Am Beethoven- Monument vollzog diese Arbeit sich verstärkter betont. Aus einem klaren, feiten Grnndgerüst abgemildert senkrechter und wagerechter Linien, die der mir abgestuften Arm- lehnen abschließende Stuhl und die bis zu den Fuß- spitzen reichende Bedeckung des Unterkörpers bestimmt, entwickelt sich das bewegter lebende Linienspiel des nackten Oberkörpers. Der Ausbau beginnt architektonisch und wächst harmonisch gesteigert zu ruhender Menschenkörperlichkeit empor, um im Seelischen des Antlitzes die Krönung zu finden. Und Krönung ist wirklich hier. Sie ist dem Werke einaeglicderl und gibt sich unmittelbar. Tic Gegenwart ringt um Beethoven. Sie hat in ihm die Welt ihres Innern erkannt, der in ungeheuren Maßen erschütternde Ab- gründe der Finsternis und befreiende Höhen sichernde Lichtheit be- wüßt geworden sind. Sie begreift in ihm die schöpferische Kraft, fühlt in ihm den Uebertvinderwillen, der sich aus allen Nächten cmporkämpft und einender Menschheitsgipfel wird. Es ist geschicht- lich natürlich, daß auf Klingers Beethovenwerk nach anderthalb Jahr- zehnten ein anderes folgt. Ganz falsch wäre es, dieses im Werte an jenem abschätzen zu wollen. Es ist ja auch nicht das nächste nach dem Klingerschen: um Beethovens Antlitz haben inzwischen mehrere Künstler mit neuem Empfinden, neuen Ausdrucksmitteln ge- worden. Aber Breuers Werk ist das nächste große und wird vermut- lich nicht das letzte sein. Klinger rang um die Verlörperlichung des schöpferisch tätigen Künstlermenschen, den das Werk auf einsame Adlerhöhen erhob, wo die Freuden der Vollendung ihm entgegen- strahlen. Ein Gottmensch in leuchtender Jugendschönheit ist dieser Beethoven. Breuers Gestalt aber braucht eine ganz andere Deu- tung. Hier ist irdische Schwere und Wucht gewollt, und hinter dem Antlitz, dem schicksalsgezeichneten, ringt eine Seele, die über Ge- waltiges Herr werden will; sie hat noch nicht überwunden und voll- endet, aber sie hat die Herrschkraft, die vollenden wird: auf das Beethovenantlitz, das hier vom Ueberlicferten aus geworden ist, be- zogen, schlägt das Gigantische der äußeren Körperlichkeit des Monu- mentes ins Seelische um, setzt es sich darin fort, und die Ruhe, die Breuers Werk wollte, wird in dieser Vergeistigung umspannendes Schauen und übermächtiges Selbstvertrauen. Herrlich ist Beethovens dithyrambischer Jubel, dessen Pforten Klingers Gestalt aufgehen sieht und den Breuers Werk nicht bedeuten wollte; herrlich aber ist auch der Schmerzbewältiger Beethoven, der noch in der Stunde des Sterbens faustballend unter Gewittern auffuhr, und den hat Klinger nicht gemacht, aber Breuer hat ihn gestaltet. Beethovens Worte, die unvergänglich leben, wachen bei diesem Gebilde auf:„Für dich, armer Beethoven, gibt es kein Glück von außen, du mußt dir alles in dir selbst erschaffen, nur in der idealen Welt findest du Freude"—„für dich gibt's kein Glück mehr, als in dir selbst, in deiner Kunst"—„wir Endliche mit dem unendlichen Geist sind nur in Leiden und Freuden geboren, und beinahe könnte man sagen: die Ausgezeichnetsten erhalten durch Leiden Freude"— und endlich das Donnerwort:„Ich will dem Schicksal in den Nachen greifen; ganz niederbeugen soll es mich gewiß nicht". Nur die Stim- mung soll angedeutet sein, die Breuers Beethoven erwirkt; es soll nicht heißen: von diesen Worten ging der Künstler aus, wie nahe sie immer seinem Schauen und Formen gewesen sein mögen. Denn das Entscheidende wird in der Bedeutung zu suchen sein, die Beet- Hovens Werkwelt im Leben des Künstlers gewann. Diese Welt, mag alles Leid und Weh des Daseins darin zucken und wogen, atmet den Kampf um die Freiheit des Willens, der das Herrlich- Höchste ist, das sich im Leben bewähren kann. Und so ist auch das Beethovenantlitz, das Peter Breuers kraftbegehrliche Art schuf: leidbeladen, aber nicht leidbesiegt, bezeugt es die überlegensfreie, in sich feste Willenswucht, die seine Schöpferstunde segnet. Dem Werke sei gewünscht, daß zahlreiche deutsche Städte es sehen. Denn es hat ein starkes Wort zu sagen, das die Herzen trotz des Krieges treffen wird und gerade in den Schauern des Krieges treffen sollte. Sie werden ihm offen sein. Es wird zum Besten des Werkes gehören, daß man von chm sagen kann: es ist ein Werk hoher Kunst und Volkssprache. Ur. D. kleines Feuilleton. Die seelische Entwicklung öes Kleinkindes. Ueber dieses Thema sprach am Mittwoch im Rahmen des Kursus für Kleinkinderfürsorge Prof. W. Stern- Hamburg. Es ist ein merkwürdiger Gegensatz, daß die Liebe zum klein»« Kinde, das Interesse für das Kind so alt ist wie das Menschen- geschlecht, daß sich aber eine Wissenschaft vom Kinde und ins- besondere von seinem Seelenleben erst in allerjüngster Zeit ent- wickeln konnte. Man mußte erst das Staunen lernen über das große Wunder dieses ersten geistigen Werdens und Wachsens z man mußte erst lernen, den Maßstab der Erwachsenen abzulegen, um ein wirk- liches Verstehen für diese uns so fernliegende seelische Früh- zeit zu gewinnen. Der Redner gab eine kurze Vor- orientierung über Aufgaben und Methoden der jungen Kindes- Psychologie, um dann zu einigen Hauptproblemen überzugehen. Grundlage aller Betrachtungen ist ihm die„Konvergenztheorie", die untersucht, wie die im Innern des Kindes verwurzelten Anlagen mit den von außen auftretenden Bedingungen der Umwelt gemeinsam am Seelenleben des Kindes bauen. Durch die Mittel der Nachahmung und der Suggestion, die näher besprochen werden, finden die äußeren Einflüsse Eingang in die Kindesseele und bilden ganz allmählich die noch labilen Anlagen zu festen Eigen- schaften um. Die Zeit der Kleinkindheit wird oft der Schul- zeit durch die Ausdrücke„Spielalter",.Lernalter" gegenübergestellt. Der Redner bespricht den unschätzbaren Wert des kindlichen Spielens, das als Vorübung aller Kräfte selber einen gewaltigen Lernprozeß darstellt. Dieser Uebungswcrt des Spielens ist aber um so größer, je freier und spontaner das Kind spielt; und daher können unter Umständen manche geistreich ausgeklügelte„Lernspiele" weniger für das Kleinkind bedeuten, weil sie seinem Tun allzu sehr eine ge- bundene Marschroute geben. In einem dritten Teil seines Vortrage? musterte der Vor- tragende einige angebliche Laster des Kleinkindes und zeigte, wie hier ein unzureichendes Verständnis und eine fälschliche Uebertragung� der Erwachsenenmoral starke Irrungen zur Folge haben kann. So die Lügenhaftigkeit; die meisten„Lügen" der ersten Lebensjahre sind keine solchen, sondern Erinnerungstäuschungen, Fabulierspiele oder Abwehrreaktionen harmloser Art; andere sind unmittelbare Erzeug« nisfe des Erziehers. Es besteht bei angemessener Erziehung normaler Kinder die Möglichkeit für einen viele Jahre währenden Zustand der Lügenfremdheit ja des Wahrheitssanatismus; und die pädagogische Aufgahe sollte weniger in Lügcnbcstraiung als in Lügenvorbeugung bestehen. Achnlich wurde der angebliche Egoismus(Selbstsucht, Teilnahmlosigkeit, Grausamkeit) des Kleinkindes auf das rechte Maß zurückgesührt und die Theorie von der kindlichen Sexualität be- kämpft. Die Seelenkunde vom Kinde dürfte allen denen, die es mit kleinen Kindern zu tun haben, nicht mehr ein unbekanntes Gefilde bleiben. Jede künftige Muller müßte wenigstens eine allererste Einstellung auf diese Erscheinungen des knospenden Seelenlebens erhalten— eine Aufgabe für das zu erhoffende weibliche Dienstjahr— alle beruflichen Vertreter der Kleinkinderfürsorge müßten aber eine Pflicht- weise gründliche Einführung in die Kindespsychologie erhalten. Der Redner legt dem Ausschuß für Kleinkindersürsorge ans Herz, für eine solche Vorbildung einzutreten. Sruöerschaften unö Nachbarschaften in Siebenbürgen. Kein deutscher Volksstamm hat die alten deutschen Sitten und Bräuche so erhalten, wie die Sachsen in Siebenbürgen, deren Hei- mat jetzt von den Rumänen bedroht wird. Wenn man fragt, wie sich die Sachsen in Siebenbürgen ihr Deutschtum so lange und so unverfälscht bewahren konnten, so wird besonders auf zwei Einrichtungen im siebenbürgischen Familien- und Volksleben hin- gewiesen werden müssen: auf die Bruderschaften und auf die Nach- barschaften. Bis zu ihrer Konfirmation wachsen die Knaben in ziemlicher Freiheit auf. Mit dem Tage der Schulentlassung muß sich aber der Junge schon einer festgefügten Gemeinschaft � anschließen, der Bruderschaft. Jedes Dorf hat eine solche Bruderschaft mit bestimmten alten Gesetzen, den Bruderschafts- artikeln, und außer von den Eltern loird jetzt das Treiben deS jungen Burschen auch noch von dieser Gemeinschaft überwacht. Das Haupt der Bruderschaft ist der Altknecht, dem als Vorstands« Mitglieder noch der Worlknecht, der Redner der Bruderschaft, zwei Untcraltknechte, der Schaffner und die„Jrtenknechte"(Vorstands- Mitglieder, die die Vergnügungen leiten) zur Seite stehen. Jeder Streit, der außerhalb des Hauses entsteht, muß vor die Bruder- schaff gebracht werden, und diese greift dann schlichtend oder auch strafend ein. In der Bruderschaft bleibt der Bursche bis zu seiner Verheiratung, dann tritt er in die Nachbarschaft ein. Jede? Dorf hat meistens vier Nachbarschaften, die auch wieder ihre bestimmten Gesetze haben. Sind die Bruderschaften mehr Ein- richtungen, die den Zweck haben, die jungen Burschen zu gesitteten Menschen heranzuziehen, so sind die Nackibarschafte» in höherem Maße Einrichtungen zur gegenseitigen Unterstützung und Hilfe- leistung. Vorsteher der Nachbarschaft ist der Nachbarvater, der jedes Jahr neu gewählt wird. Hat ein Angehöriger der Nachbarschaft eine Arbeit auszuführen, die er nicht allein ausführen kann, wie z. B. die Errichtung einer Scheune, ist er durch Krankheit in der Familie in der Erntezeit zurückgeblieben, so wendet er sich vertrauensvoll an den Nachbarvater, und dieser hat dann durch Zu- Weisung von Arbeitskräften aus der Nachbarschaft zu sorgen. Der Nachbarvater hat aber auch darauf zu sehen, daß in seinem Bezirk im Familienleben nichts Anstößiges geschieht, und wo es doch vorkommt, hat er schlichtend, mahnend und strafend vorzugehen. Jährlich einmal versammelt er seine Bezirksangehörigen an einem Sonntag zum Nichttag oder Sittag. An diesem Tage, der als Festtag gilt und an dem die Vorsteher der Familien im besten Kleid erscheinen, wird alles durchgesprochen, was im Laufe des Jahres in der Nachbarschaft vorgekommen ist. Außerdem werden im Jahre noch drei Versöhnabende abgehalten, an denen etwa ent- standene Feindschaften begraben werden müssen. Aufgabe der Nach« barschast ist es auch, für ein würdiges Begräbnis der Verstorbenen zu sorgen._ Notize». — Kunst abend. Der erste Autorenabend der„Neuen Jugend" wird mit Becher, Däubler, Ehrenstein, GroSz, Herzfelde usw. am Freitag, den 22. d. M., im Graphischen Kabinett Neumann, Sezessions- hauS, Kurfürstendamm 232, Sffz Uhr, wiederholt. — Zwei Kurios a. Zwei Kuriosa russischer Etädtebilder hat der Krieg geschaffen. Ein Petersburger Vorort ist in eine Chinesenstadt umgewandelt, um die zahlreichen importierten Kulis unterzubringen. Die Kiewer Stadtverwaltung beschloß wegen Pferde« mangels den Einkauf von Kamelen für die städtische Holzzufuhr. 29] Jans Heimweh. Eine Geschichte aus dem Wärmland von Selms Lagerlöf. Erbkleinode. Eines Tages im Spätherbst befand sich Jan auf dem Heim- weg von Falla, wo er den gauzen Tag über gedroschen hatte. Seit er jene Unterredung mit dem Netzstricker gehabt hatte, war ihm die Arbeitslust wieder gekommen. Er meinte, er müsse tun, was er könne, um nicht von Kräften zu kommen. Wenn das kleine Mädchen wiederkam, sollte es nicht die Schmach erleben müssen, seine Eltern in Armut versunken an- zutreffen. Als Jan so weit gegangen war, daß er von den Fenstern des Bauernhauses nicht mehr gesehen werden konnte, kam ihm eine Frau entgegen. Es dämmerte bereits, aber Jan sah doch sofort, daß es die Bäuerin von Falla war. Nicht die neue, die Frau von Lars Gunnarsson, sondern die alte, die richtige Mutter in Falla. Sie war in einen großen Schal gehüllt, der ihr bis zum Kleidersaum hinunterreichte. Nie vorher hatte Jan sie so warm eingehüllt gesehen, und er fragte sich, ob sie wohl krank sei. Sie hatte in der letzten Zeit immer recht schlecht ausgesehen. MS im Frühjahr Erik in Falla gestorben war, hatte sie noch kein weißes Haar gehabt, und jetzt, kaum ein halbes Jahr später, war kaum mehr ein schwarzes auf ihrem Kopfe zu entdecken. Sie blieb stehen und grüßte, und dann kamen die beiden miteinander ins Gespräch. Sie sagte zwar nicht gerade heraus, sie sei einzig und allein ausgegangen, um auf ihn zu warten, aber Jan fühlte sofort, daß dies der Fall war. Da stieg gleich der Gedanke in ihm auf, sie werde über Klara Gulla mit ihm reden wollen, und er war recht verdutzt, als sie von etwas ganz anderem anfing. „Sagt mal, Jan, tönnt Ihr Euch an den alten Besitzer von Falla erinnern, an meinen Vater, dem der Hof gehörte, ehe er an Erik kam fragte sie. „Natürlich kann ich mich an ihn erinnern," antwortete Jan.„Ich war doch schon mindestens zwölf Jahre alt, als er starb." „Er hat einen guten Schwiegersohn bekommen," sagte die alte Bäuerin. „Ja, das ist gewiß wahr," bekräftigte Jan. Darauf schwieg die Alte eine Weile, und dann seufzte sie erst ein paarmal, ehe sie wieder zu sprechen anfing. „Ich wollt' Euch gern in einer Sache um Rat fragen, Jan. Ihr seid ja keiner von denen, die in alle Welt aus posaunen, was man ihnen sagt." „Ach nein, ich kann schweigen." „Ja, das weiß ich, ich hab's schon lang gemerkt." Jan wurde wieder voll Erwattung. Es wäre ja gar nicht unnatürlich, wenn sich Klara Gulla an die alte Mutter in Falla gewendet und sie gebeten hätte, ihren Eltern das große Glück, das ihr widerfahren war, mitzuteilen. Der alte Netzstricker war kurz nach der Unterredung, die durch seine Schwiegertochter abgebrochen worden war, in ein Gichtfieber versallen und seither so elend gewesen, daß Jan mehrere Wochen lang nicht mit ihm hatte reden können. Jetzt war er zwar wieder auf, aber schwach war er immer noch, und das schlimmste war, er hatte durch seine Krankheit offen- bar das Gedächtnis verloren. Jan hatte gewartet und ge- wartet, ob er von selbst etwas von Klara Gullas Brief sagen werde, als dies aber nicht geschah und er auch keine An- deutungcn verstehen wollte, hatte. Jan ihn gerade heraus ge- fragt. Und da hatte der Alte behauptet, er habe keinen Brief erhalten. Er hatte sogar die Tischlade aufgezogen und den Deckel der Kleiderttuhe aufgeschlagen, um Jan zu zeigen, daß kein Bttef vorhanden sei. Nun, er hatte natürlich vergeffen, wo er den Bttef hin- getan hatte. Und da wäre es ja gar kein Wunder, wenn sich das kleine Mädchen jetzt an die alte Mutter in Falla ge- wendet hätte. Es war nur schade, daß sie das nicht gleich von Anfang an getan hatte. Die alte Mutter in Falla hatte eine lange Weile schweigend und zweifelnd dagestanden, und Jan war inzwischen seiner Sache immer sicherer geworden; es fiel ihm deshalb schwer, ihr zu folgen, als sie nun doch wieder von ihrem Vater anfing. „Als mein Vater auf dem Totenbette lag, ließ er Erik kommen und dankte ihm, weil er immer so gut gegen ihn gewesen sei, obgleich er seit vielen Jahren vor Schwäche nichts mehr habe nützen können.—.Denkt doch nicht daran, Vater', hatte Erik gesagt. ,Wir freuen uns nur, je länger Ihr noch bei uns bleibt.' Ja, das hat er gesagt, und es ist auch seine ehrliche Meinung gewesen," versichette die Mutter auf Falla. „Ja, das ist gewiß wahr", erwidette Jan.„Ettk ist kein Heuchler gewesen." „Wartet ein wenig, Jan! Wir wollen einstweilen nur von dem Alten reden", sagte die Bäuettn.„Erinnett Ihr Euch an den langen Stock mit dem silbernen Knopf, den mein Vater zu tragen pflegte?" „Ja, und auch an die hohe Mütze, die er auffetzte, wenn er zur Kirche ging." „Was, Ihr könnt Euch auch noch an die Mütze ettnnern? Wißt Ihr, was mein Vater tat, als er auf dem Totenbette lag? Er ließ mich die Mütze und den Stock holen und gab Erik beides.— ,Jch könnte dir wohl was geben, was einen größeren Geldwert hätte/ sagte er..Aber ich schenk dir diese beiden Stücke, weil es eine größere Ehre für dich ist, wenn du diese bekommst, die jedermann kennt und von denen jedermann weiß, daß ich sie gebraucht habe. Das ist ein gutes Zeugnis für dich/ sagte mein Vater. „Ja, das ist sicher und gewiß, und wohlverdient waren sie auch," pflichtete Jan bei. Aber als Jan diese Motte sagte, merkte er, wie eigentümlich die Mutter in Falla den Schal um sich zog. Ohne Zweifel hatte sie etwas darunter versteckt, und das konnte wohl etwas sein, was Klara Gulla geschickt hatte. Nun, mit der Zeit würde sie auch darauf kommen, er mußte noch Watten, dieses Gerede von ihrem Vater war nur der Ueber- gang. „Ich Hab' das meinen Kindern oft erzählt und Lars Gun- narsson auch," begann die Bäuettn in Falla wieder.„Als nun im Frühjahr Erik krank lag, werden wohl Lars und Anna erwartet haben, Lars werde an sein Bett gerufen, wie Erik einst an das meines Vaters. Ich hatte die Sachen hervorgeholt, damit sie zur Hand seien, im Fall er sie Lars geben wolle. Aber er hat mit keinem Gedanken daran ge- dacht." Die Stimme der Bäuettn bebte bei diesen Motten, und als sie wieder anfing zu reden, kamen die Worte ängstlich und zögernd heraus. „Ich Hab ihn einmal gefragt, als wir allein waren, wie er's gehalten haben wolle, und da sagte er, ich könne nach seinem Tode Lars die Sachen geben, wenn ich wolle. Er sei nicht mehr imstande viel zu reden, sagte er."(Forts, folgt.) Direktion: Max Koinhardt deutsches Tbcater. T'/j: Kose Bernd. Sonnab. Ein Sommernachtstraum. Sonnt nm.3(Kl.Pr.); Der Biberpelz. Kammersplclo. 8 Uhr: Oer eingebildete Kranke. Sonnabend: Hcdda Gabler. Sonnt. 3(Kl. fr.): Wetterleuchten. Volksbühne. Theater a. Bülowpl. 8 Uhr: Zum 1. Male; Meister Olaf. Dir. Meinhard. Bernauer. Theater i. d. Königgrätzerstr. S'/« Uhr: Kameraden. Homckäsen�aus 8'/« Uhr: Der 7. Tag:. Berliner Theater 8 Uhr: Auf Flügeln des Gesanges. Sessing-Theater. 7'/, Uhr: Die Wildente. Sonnabend: Zum 1. Male: Die beiden Kllnjxsherx. Deutseh. Künstler-Theater. 7'/, Uhr; Zum 1. Male: Der Jüngling m. d. Eilenbogen. URANIA Tanbcnstr. 48/40. 8 Uhr: Aegypten, der Suezkanal und der Weltkrieg. Theater am Freitag, 22. September. Deutsches Opernbaus, Cbarlottenb. � Uhr: ffthrung: DOU Jlian. Fricdrich-Wilhelmsfädt. Theater 8'/. uhr: Das Dreimäderlhaus. Gebr. Herrnfeld-Theater. H'i, Uhr: Villa Pacheslna. Sonnt, nachm. 3 Uhr; Die Ehre. Kleines Theater s uhr: Der Goldschmied (Das Fräulein von Scuderl). Komische Oper 8'/, Uhr: Die schöne Kubanerin. Sonnt, nachm. 3'/,: Das Glückskind. Lustspielhaus 8/�-Der selige Balduin Metropol-Theater s uhr: Die Csardasfürstin. Sonnt, nachm. 3 U.; Die Kaiserin. Neues Operettenhaus s uhr: Der Soldat'der Marie. Residenz-Theater 8'/,u: Frieden im Krieg. Schiller-Theater O 8 uhr: Kater Lampe. Schlller-Th. Charlottenb. 8 uhr: Das grobe Hemd. Thalia-Theater s'i. u.: Blondinchen. Theater am Kollendorlpl. s'i, u.: Blaue Jungens. Theater des Westens s uhr: nie fahrt ins Glück mit Guido Thielsoher. 3»/» Uhr: Die goldne Eva. Trlanon-Theater 8-/. u.: Der Hiirol aul Epflen. llaiional-TheaterX�to�s.;.T68 5 Minuten von iannowltz- Brücke, — Untergrundbahn InselstraBe.— Täglich'1,9 Uhr: Was junge Mädebenträmii...! Ausstattungsposse in 3 Akten. Ein unbeschreiblicher Erfolg. Rose-Tkeater. S'U Uhr: Renaissance. Walhalla-Theater. 8 Uhr: Seemannsliebehen. Admiralspalast. Das herrliche Eisballett �ran �antaste. Anf. 9 Uhr. 8, 3, 4 M. Voigt-Theater Badstr. 58. Badstr. 58. Täglich: ßvOnrOs Erben. Kcsseneröffnnng 7 Uhr, Ansang 8 Uhr. Hetebsballen-Tbeater. Stettiner Sänger. Schippers Hoimkehr Ansang 8 Uhr. Sonntag nachmittag S'I, Uhr zu ermäß. Preis.: Im Schützen- Gebrttder Kermfeld- Theater. Sonntag, den 24. September, nachmittags 3 Uhr: Volkstümliche Vorstellung: Die 8hre. Schausp. in 4 Akt. v. H. Sudermann, Logen u.Orch.-Faut. l,50M.,Park.- Faut. 1,00 M., Park. u. Rang 50 Pf. Vorverk. tägl. 11— 2 Theaterkasse. r Possen-Theater UnienetraSe a. d. FnedrichstraBe. Täglich S'I, Uhr: Oebr. Hirsch. Fängste schon wieder an. Berliner Konzertbans. Je Mauerstr. 82. Zlmmerstr. 90/91. Heute: Großes Konzert Berliner Konzerthans-Orchester Leiter: Komponist Frz. v. Blon. Anfang 8 Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfang 8 ühr. Ab 4 Uhr nachmittags: Konzert bei voller Orchesterbesetzung und freiem Eintritt. GewerkschaftsHaus. Sonntag, den September 1916: Im R-ngreftsaale- TlMMkrtlN„FllHtt", 13. Männer. Abt. �ntevKaltungs-)Iben«A zum Besten unserer Feldgranen. Konzert, turnerische und Humoristische Aufführungen. Austreten deS Ult-Trios und der Geschwister Elshauser. Erüfsnung 5 Uhr. Anmerkung I An: Dienstag, den 26. September, findet in der Turn. Halle Giirlttzer Straste Sl— SS, abends 8—10 Uhr, ein WerhnnKs- tarnen für die 13. LehrlingS-Abieilung statt und find junge Leute von 14—18 Jahren gern willlommen. Der MonalSbeitrag beträgt für Lehr- linge ab 1. Oltober nur 20 Ps. und das Einschreibegeld nur 10 Ps.— Sliiherdem findet am Donnerstag, den 28. September, in der Turnhalle Görlther Ufer 2, abends 8—10 Uhr, ein Werbnnsstarnen für die 7. Frauen-Abteilung statt und sind alle jungen Mädchen und Krauen hierzu sreundlichst eingeladen. m den Hoch- UfpaurßtionöMdflj n. Konzerte. parterre-Sälen Ochsenschwanzsuppe.... 0,25 Fischmajcnnaise...... 1,00 Erüne Bohnen m. Hammelfleisch 1,50 Rhein. Rüben mit Pöteisleisch. 2,00 Sonntag mittag: Gänsebraten...... Wildente mit Sauerkraut Kompott oder Salat... Käse......... 2,50 2,00 0,25 0,50 Heute u. morgen: Ein sehr billiger SchnellverKanf! ßiil grofier Posten Zhettgänse.... a Psund 3,— M. bis 8.50 M. ,, Ketthühner.... a Psund 3,— M. bis 3,25 M. ,. Gänsepüfelfleijch...... a Psund 4,— M. ,,, Fettrümpfe........ a Psund 4,— M. a Psund 2,— W. Ans eigener Räucherei: Ein Riesenposten Makrele» und Flunder» CfrcuS M Besch (Täglich 8, Sonntags S'i, u. 8 Uhr j das greße Schlager- Programm 7 hnmorlstlscho Eisbären und L Tigerdoggen S. Tom-Jack der Eiskönig, ein seltsam. Mensch, ein interess. Künstl. Fliegende Hunde. da? Unerhörteste der Dressur. Ward, der Phramiden-Mann. Zoe, die Luftsee, in ihrem Zahn-Krast-Schwebe-Aft. Sonntag nachm. 3'/, Uhr: Die lustige Pantomime Hannes Piepenbrinks ähenteusr. 1 gehör. Kmd frei. Weitere Kinder Haide Preise. Ververk. ohne Ausschl. lägl. ab 10 II.- für Sonntags nachm. und aben ds immer schon ad Donnerstag. Preise 50, 83. IIS. 149. 103 u. höh. extl. Steuer. Tägl. 8Uhr. Sonnt. S'j.u. 8 Uhr. Nur noch bis 30. September Rndolt Schildkraut und das crstklaszlge September-Programm. Casino-Theater. lothringer Str. 37. Täglich 8'/, Uhr. Einzig in seiner Art in Groz. Berlin. Berliner Humor in ernster Zeit. Ä?iei»ie gute Olle. Original-Posse in 3 Auszügen. Vorher erstklassiger bunter Teil. Sonntag 4 Uhr: Die MMchschulzen. Innungs- Krankenkasse IM. der zn Berlin. Das Kassenlokal befindet sich Com 1. Ollober 1316 bei 1283b Herrn Horn» Ackerstr. 133, oorn II. Etage. I. A. des Vorstandes: Herrn. Passet, Otto Koch, Schristsührer. 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