Nr. 229.- 1916. Unterhaltungsblatt öes vorwärts lreitag. 29.5eptembtr. Staöt im Operationsgebiet. (Schluß.) Ich hatte geschworen, in lein Kino mehr?u gehen. Aber hier bin ich dem Schwur doch unlreu geworden. Ja, ich bin nicht nur hingegangen, ich habe mich sogar eine Viertelstunde in dichlgeleilter Menge vor dem Eingang gedrängt, um nur ja einen Platz zu er- hallen. Und ich war froh, als ich trotz Qualm, Hitze und allen anderen Unbequemlichkeiten meine zwei Stunden Kinodramatik ge- niesten konnte. Es ist eben doch ein Unterschied, ob man irgendwo daheim ist, seine Familie, seine BüÄer, seine Gemütlichkeit hat. oder ob man hier brausten an der Front steckt, im Massenquartier einer ehe- maligen Schule, ohne die gewohnten geistigen Anregungen, in einein sremden Milieu, das zwar seine Reize hat. aber doch Reize, die erst mühsam entschleiert werden wollen. Man hungert nach ein bihchen leichter Abwechselung, und doppelt, wenn sie an die Hei- mar erinnert. Es war sicher kein schlechter Gedanke der Militärbehörden, hier, einige Kilometer hinter der Front, ein Soldatenkino aufzumachen. Täglich von drei bis halb zehn Uhr Vorstellungen, Eintrittspreis 10 Pfennige. „ttnmci Oinema" prangt in grosten Buchstaben über dem Ein- gang des stattlichen Hauses, dessen Erbauer wohl an solche Gäste, wie sie ihm jetzt tagaus, tagein in dichter Menge zuströmen. nicht gedacht haben. Es bietet Raum für(500 und noch mehr Per- sonen. Sein Inneres ist kahl, hästlich. Aber das stört hier nicht. Die Hauptsache ist, dast es genug Platz gewährt für die vielen, vielen, die hier in den kargen Tagen der Ruhe, die ihnen der Dienst an der Front gewährt, ein wenig Zerstreuung und Unterhaltung suchen. Em Klavierspieler klimpert; ganz wie daheim, nur dast der Virtuose hier den gleichen feldgrauen Rock trägt wie alle Zuschauer. Das Publikum ist rein militärisch; kein Zivilist; kein weibliches Wesen. Dafür darf hier aber auch geraucht werden, lind es wird geraucht. Gegen Abend steht die Llufr dick und steif über der Menge. Einerlei: GuteAugen können sie noch durchdringen und die lebenden Bilder auf der umrahmten Leinewand verfolgen. Das Programm ist nicht anders, als wie man es von„zu Hause' her gewohnt ist. Ein.Drama", ein paar Raturaufnahinen oder dergleichen, eine.Wache", etwas„Humor". Starke Anforderungen an die Glaubenskraft der Zuschauer, noch stärkere an das künstlerische Gefühl derer, die noch etwas mehr gewohnt sind als Kino. Immer- hin: Auch wenn man sich über dies und jenes ärgert, man unter- hält sich. Uebrigcns: das große Publikum ärgert sich augenschein- lich nicht einmal über irgend etwas. Es genietzt mit ungestörtem Vergnügen. Die Grimassen der„Kcmischen Alten" wecken dröhnende Heiterkeit; neigen die Lippen der Liebenden sich zueinander, klingt hier und dort im Saal verständnisiniiiges Schnalzen auf; die„graste Szene" des Dramas wird mit ateniloser Spannung aufgenommen. Nur ein paar der Kriegsbilder regen zu kritischen Bemerkungen an. Einige meiner Nebenmänner haben das Programm augenscheinlich schon gestern genossen; sie machen im voraus auf das Wichtigste aufmerksam und trösten, wo die Handlung Schlimmes befürchten lästt, mit der Versicherung, dast sie sich am Ende schon„kriegen" werden. „Gute Nacht, auf Wiedersehen," sagt das Bild auf der Lein- wand. Geräuschvoll erhebt sich die vielköpfige Gesellschaft, die bis zum Ende ausgehalten hat.„Sonntag is Programmw echs el. Da jebn wir wieder hin," sagt einer.„Selbstverständlich," antwortet ihm der Nachbar.„Is blost die Frage, ob wir Sonntag noch hier sind. Ick habe jehört, det wir dct zweete Batalljon ablösen sollen. Na, und denn is et Essig mit det Kino."... Während ich so durch eine der winkligen Strasten schlendere, fällt mir an dem Giebel eines der L>äuser, das sonst nicht unter den anderen hervorragt, ein großes Schild auf mit der Inschrift: „Leve den 1. Mai! Hnlde a a n den Arbeid!" Wie vertraut das klingt! Ich bleibe stehen und sehe weiter zu. Unter den Schilde läuft eine zweite Aufsckirift, aus der hervor- geht, dast die Konsumgenossenschaft„Die Pflicht" Eignerin des Grundstücks ist. An den Fenstern des Erdgeschosses aber kleben Plakate:„Voortdurend gesloten", auch in deutscher Sprache: .Zutritt für Soldaten und Zivilisten dauernd verboten." Vor der Tür steht ein Mann. Ms er sieht, wie ich das Haus mustere, spricht er mich cm:„Dat is ons Volkshuis." Unser Volks- hauS! Ein Gefühl der Freude, des Stolzes, ja, einer gewissen Heimatlichieit komnrt mit dem Worte über mich. Ich trete heran, und bald bin ich mit dem Genossen, der mir so bereitwillig die Auskunft gegeben, in angeregtem Gespräch. Ein alter, bewährter Vorkämpfer der Bewegung am Orte, klug und lebhaft, voller Eifer und Freude, einen teilnehmenden Mitstreiter aus„Feindesland" gefunden zu haben, wird er dem Fremden ein wertvoller Berichterstatter und liebenswürdiger Füh- rer. Mit leuchtenden Augen erzählt er dann, wie im Orte vor dem Kriege die Bewegung, emporblühte; wie der sozialistische Pro- pagandaklub, die„Junge Macht", der Fraucnleseverein sich enl- falteten, wie die Partei ihren Abgeordneten fürs Parlament durch- brachte, wie sie in der Stadt an Macht und Einfluß gewann; wie die Fachvereine die Arbeiter der Stadt zusammenzuschließen wutz- ten, siegreiche Kämpfe durchfochten, eigene Streikküchen errichteten, bei dem letzten großen Kampf von den Kollegen des benachbarten Gent einen Ochsen zum Geschenk erhielten, um ihn für die eigene Küche zu schlachten, wie sie allmählich die Löhne in die Höhe trieben und so manche segensreiche Einrichtung schufen; wie aus kleinem Anfang— in engster Verbindung mit den Gewerkschaften und den Parteivereinigungen— das genossenschaftliche Unternehmen emporwuchs, sich und den befreundeten Verbänden das Volkshaus baute, eine moderne große Bäckerei einrichtete und eifrig dabei war, es dem vielbewunderten Genter„Vooruit"(„Vor- wärts") nachzutun, von dessen großartigen Häusern, ausgedehnten Fabrikanlagen, zahlreichen Läden und Apotheken, von dessen Volks. park und so vielen anderen Unternehmungen der Sprecher mit schönem Stolze sprach.... Dann aber war der Krieg gekommen. Versammlungen konnten nicht mehr stattfinden. Von den arbeitslosen Mitgliedern der Par- teivereine und Gewerkschaftsorganisationen noch Beiträge zu er- heben, wurde unmöglich. Die Militärbehörden, die ihr Regiment antraten, schlössen den Restaurationsbetrieb des Volkshauses und zwangen die Bäckerei, ihren Betrieb zu verkleinern und zu ver- legen. Dem Wochenblatt, das bis dahin am Orte erschien, wurde das Erscheinen verboten. Die schöne Entwicklung ward unter- Kunden, ja, alles konnte zerschlagen und zertrümmert erscheinen. Aber nein, nein! Der Sprecher gestikuliert mit den Händen. Nach dem Krieg wird alles wieder aufleben. Der sozialistische Ge- danke wird weitere Kreise gezogen haben als zuvor. Die Gewerk- schaften werden nötiger erscheinen als vor dem Kriege. Die Ge- nossenschaft wird neuen Aufschwung nehmen. Ter Krieg wird manchem die Augen geöffnet haben, der vorher abseits stand____ Schließlich sind die, welche bis dahin die Träger der Bewegung waren, auch während des Krieges nicht müßig gewesen. Durch Ein- gaben und Unterredungen haben sie für die Arbeiter gewirkt, im örtlichen Ausschutz des nationalen Unterstützungskomitees wie der hispano-amerikanischen Versorgungsstelle haben sie sich Plätze ge- sichert, um die Interessen der Proletarier wahrzunehmen, mit Rat und Tat stehen sie denen, die sie einst zu ihren Führern berufen, auch jetzt noch zur Seite. Der Genter„Vorwärts", der auch wäh- rend des Krieges erscheinen darf, wird lebhaft verbreitet, und schon sind von den 800 Abonnenten, die er am Orte vor dem Kriege zählte, an 000 wieder gewonnen. Ich frage, wie die Genossen am Orte über die Deutschen den- ken. Mein Gewährsmann versichert mir, datz seine Freunde von den deutschen Arbeitern eine gute Meinung hätten. In den Fa- briken der Gegend arbeiteten vor dem Kriege hier und dort Deutsche als Lehrmeister und Kollegen der einheimischen Arbeiter. Da lernte man sich kennen und achten. Die Bilder des„Wahren Jakob" haben nicht wenigen am Orte einst Spaß gemacht.... Wir kommen auf die deutsche Partei zu sprechen. Liebknecht ist es. dessen Name hier am höchsten im Kurse steht. Aber mein Ge- währsmann zeigt für die Verhältnisse in Deutschland doch auch ein Verständnis, das gerade bei einem so schlichten Manne aus dem Volke aller Beachtung wert ist. Und lebhaft stimmt er zu, als ich davon spreche, wie gut es loäre, wenn die Genossen der Weststaaten ihren Widerspruch gegen eine Zusammenkunft der Vertreter aller Parteien der alten Internationale aufgeben würden.„Der Friede muß kommen. Und die Internationale muß einig und sich schlüssig sein, bei den Friedensverhandlungen ihre Stimme in die Wagschale zu werfen..." Das Wort„Friede" gibt der Stimme des Sprechers einen eigenen Klang. Ja, der Friede— wann wird er endlich kommen! Wie sehn- süchtig wartet hier alles auf ihn!... Unter dem Gespräche sind wir stehen geblieben. Mein Freund muß mir doch sein„Volkshaus" zeigen. Das Gebäude mit der schönen Inschrift, das mir zunächst ins Auge gefallen, ist nur ein Teil der Anlage. Von einer Nebenstraße führt ein Torweg auf den Hof des Grundstäcks, um den sich die ganzen Gebäude gruppieren. Für ein Städtchen wie dieses mit seinen 15— 20 000 Einwohnern ein ganz stattlicher Komplex. Dort das Haus mit der Wirtschaft, oben Woh- nungen und Bureaus. Hier ein langgestreckter Bau, der einen großen Saal beherbergt. Und daneben ein neues Gebäude, das unten für die Zwecke der Bäckerei eingerichtet wurde, während es oben kleinere Säle für Vereinszwecke enthält. Dem Ganzen hat der Krieg eigen- artig genug seinen Stempel aufgedrückt; das Lokal vorne hat er für den öffentlichen Verkehr geschlossen; die Bäckerei der Genossenschaft hat er ausquartiert. In die Räume aber, die sie sich geschaffen, hat er eine Feldbäckerei gesetzt; weitzbestaubte Militärbäcker stehen jetzt an der großen Knetmaschine, formen die graugelben Brotlaibe und schieben sie, Reihe für Reihe, in die großen, neuen, blankgekachelten Backöfen. Still stehen wir im Eingang des rauchigen Saales und sehen uns das militärische Leben an, das sich da entfaltet. In einer Ecke singen sie:„In der Heimat, in der Heimat, da gibt's ein Wieder- sehn!"... Mein Begleiter wendet sich.„Wann endlich, wann endlich wird er kommen, der Friede?" Wir schütteln uns herzlich die Hände und scheiden. Aus der Ferne grollen die Geschütze herüber.—(z) kleines Feuilleton. Cm Sekenntnisbrief Noger Casements. Die Berichte über den Prozeß Roger Casements sind nur wenig bei uns bekannt geworden. Man wird es daher begrüßen, dast sie jetzt in einem in den nächsten Tagen bei Karl Eurlius in Berlin erscheinenden Buch„Sir Roger Easement. Ein irischer Märtyrer" eine ausführliche Wiedergabe finden. Prof. Schiemann leitet die Sckrifl, der eine Abhandlung Casements„Warum ich nach Deutsch- land ging" sowie vier aufschlußreiche Briefe von ihm an den ameri- konischen Journalisten Prulrney Bigelow beigefügt sind, mit einem Vorworte ein, in dem er einen an ihn gerichteten bedeutsamen Brief Casements veröffentlicht. Darin heißt es:„Einige meiner Träume sind bereits Wirklich- keit geworden— man hat mich oft als Träumer verlacht—, aber ich Inn eine sonderbare Mischung von Träumer und Mann der Tat und habe oft nieine Träume in Talsachen übersetzt. Ich kam 1893 in den Kongo als Generalkonsul mit dem festen Entschluß, König Leopolds unbarmherziges Regiment über die Eingeborenen zu brechen. Und es gesckiah. Wiederum kam ich 1910 ins Gebiet des Amazonen- stroms mit dem„Traum", die Kaulschnk-Jndianer zu retten, und mein Trmim wurde eine internationale Tat. Sir Edward Grey sagte y,ir Januar 1912, als ich zurückkehrte, nachdem ich Präsident Taft für die Pntumayo-Aktion gewonnen hatte,„daß zum ersten Male seit sews Jahren(das sind seine eigenen Worte» seine Politik verstanden und allein in diesem besonderen Fall erfolgreich durch- gesührl worden sei. Nun wohl, es mag mein Traum sein, dast ein freies Irland, ein freier Ozean, ein befreites und freies Deutsch« land, das die Schicksale einer besseren und ehrlicheren Welt leitet ebenfalls Wahrheit wird. Nicht bei meinen Lebzeiten— aber früher oder später." Dann setzt er auseinander, warum er Hochverrat beging und doch kein Verräter war, und er schließt mit einer Familienerinnerung: „Etwas von alledem liegt mir im Blut. Mein Vater hat Aehnliches getan. 1813 fand der schwache Versuch einer Rebellion in Irland statt. Er war damals Offizier in Indien und fürchtete, datz sein Regiment nach Irland geschickt werden könnte. Er nahm seinen Abschied, die irische Erhebung brach zusammen. Er konnte nicht für Irland und wollte nicht gegen Irland kämpfen. So zog er nach Ungarn, um Kossuth zu helfen. 5iossuth selbst erzählt die Geschichte meines Vaters in seinen Tagebüchern und Memoiren. Mein Vater kam ihm in Widdin zu Hilfe und leistete ihm andere erhebliche Dienste. Es ist eine gute Geschichte. Er hat keinen Hochverrat be- gangen, ober er opferte sich für die Sache eines anderen Volkes, da er nicht für das eigene Volk kämpfen konnte." Notizen. — Vorträge. In der Humanistischen Gemeinde findet am Sonntag, den 1. Oktober, abends 6 Uhr, in der Aula der Friedrich- Werdcrschen Oberrealschule, Niederwallstr. 12, ein Vortrag de§ Herrn Dr. Rudolf Penzig über Trost im Leid statt. Gäste willkommen. — Musikchronik. Im ersten Konzert der Freien Volksbühnen ain Sonnlag, 1. Oktober, mittags 12 Uhr, wird Leo Bloch mit dem Philharmonischen Orchester Schuberts U-rnoll- Sinfonie(unvollendete) und Beethovens Eroica zur Aufführung bringen.— Das Blüthner-Orchester veranstaltet am Sonn- tag, den 1. Ottoder, im Blüthner-Saal sein erstes Sonntagskonzert unter Leitung von Paul Scheinpflug(Beelhoven-Wagner-Abend). Lös �ans Heimweh. Eine Geschichte aus dem Wärmland von Selma Lagerlöf. Das Wetter war vollkommen klar, kein Lüstchen rührte sich, das alle die kleinen Instrumente in Bewegung gesetzt hätte. Nein, man konnte sich nichts anderes denken, als datz die Tannen ganz von selbst hier musizierten, um ihrer Freude Ausdruck zu verleihen, weil sie so jungfrisch waren, weil sie hier an der verlassenen Landstraße so schön und friedlich wachsen durften und weil sie noch so viele Jahre vor sich hatten, ehe es einem Menschen einfallen würde, sie zu fällen. Aber selbst wenn es sich so verhielt, so war das immer noch keine Erklärung, warum die Bäume gerade an diesem Tag so laut musizierten. Ueber alle diese guten Gaben konnten sie sich ja an jedem schönen Sommertag, den Gott gab, freuen, darum brauchten sie nicht gerade heute ein besonderes Konzert zu geben. Jan saß ganz still auf der Landstraße und lauschte. Wie schön war dieses Tannenrauschen, obgleich es immer in ein und demselben Tone weiterging, auch gar keine Pausen machte und keine Spur von Takt und Melodie zu er- kennen war! Ja, wonnig und gut war es hier auf dem Waldhügel, wahrlich, es war nicht verlounderlich, datz die Bäume sich froh und glücklich fühlten I Aber warum konnten denn die Tannen nicht besser musizieren, als sie es taten? Das war sehr sonder- bar! Jan betrachtete ihre kleinen Zweige: jede ihrer schönen grünen Nadeln war wohlgeformt und saß an ihrem richtigen Platz. Er sog den harzigen Duft ein, der ihnen entströmte. Die ganze Luft war mit Wohlgeruch erfüllt. Kein Kräutlein auf der Wiese, kein Blümlein am Haag war ohne würzigen Duft. Jan betrachtete aufmerksam die halb ausgewachsenen Tannenzapfen, deren Schuppen gar so kunstgerecht geordnet übereinanderlagen, um den Samen zu beschützen. Ja, diese Bäume, die sich so gut auf ihre Sache ver- standen, sie mutzten doch eigentlich auch so musizieren können, daß mau verstehen konnte, was sie damit wollten! Aber es waren nur immer und immer wieder die gleichen Töne, immer dieselben. Jan wurde schläfrig, während er darauf lauschte. Und er dachte:»Es wäre vielleicht gar nicht dumm, wenn ich mich hier auf dem schönen reinen Kiesweg ausstreckte und mir ein kleines Schläfchen gönnte!" Aber wart einmal! Was war denn das? Gerade als er den Kopf auf die Erde legte und eben die Augen geschlossen hatte, war ihm, als hörte er etwas anderes. Jetzt kam Plötz- lich Takt und Melodie in die Musik. Aha, alles bisher war nur ein Vorspiel gewesen, wie beim Orgelspiel in der Kirche, ehe das Lied beginnt! Und siehe, jetzt kamen auch Worte dazu, Worte, die Jan verstehen konnte. Ja, ja, baS war eS, was er die ganze Zeit über ge- fühlt hatte, obgleich er sich's nicht einmal in Gedanken hätte zugestehen wollen. Die Bäume wußten alles, was geschehen war, ja, auch sie wußten es! Seinettvegen, einzig und allein seinetwegen hatten sie schon gleich, als er hierher- kam, so laut musiziert. Und jetzt sangen sie auch um ihn her; er konnte sich nicht täuschen. Jetzt, wo sie glaubten, er schlafe, sangen sie. Er sollte vielleicht nicht hören, wie sie ihn feierten. Ein solches Lied, ein solcher Gesang! Jan lag mit ge- schlossenen Augen ganz ruhig da, aber er hörte darum um so besser. Kein noch so leiser Ton entging ihm. Als die ersten Verse zu Ende waren, kam ein Zwischen- spiel ohne Worte, und gerade das war das Herrlichste. Ja, das war Musik! Nicht nur die kleinen jungen Bäume an der alten Fahrstraße, sondern der ganze Wald spielte mit. Orgeln, Trommeln, Trompeten erklangen. Dazu Drosselflöten und Buchfiukenp seifen, plätschernde Bäche und lockende Nixen, blaue Glockenblumen und dröhnend hackende Spechte, alles mischte sich darein. Noch nie hatte Jan etwas so Großartiges gehört. Und noch nie in seinem Leben hatte er einer Musik so gelauscht. Sie setzte sich in seinen Ohren so fest, datz er sie nie wieder vergessen konnte. Als das Lied zu Ende und der Wald wieder still geworden war, fuhr Jan wie aus einem Traum auf. Und dann sang er sofort das Lied, dieses Kaiserlied des Waldes, von Anfang bis zu Ende durch, damit es ihm ja nicht wieder aus dem Gedächtnis entschwände. Dem Vater der Kaiserin Ist es gar froh zu Sinn. Hier kam der Refrain; den hatte er zwar nicht ordentlich auffassen können, aber er sang ihn trotzdem, ungefähr so, wie er ihn zu hören vermeint hatte. Die Zeilung hal's gesagt, Oestreich und Portugal, Metz. Japan und sie all, Bum, bum, bum rataplan, Bum, buml Goldkronen sind seine Mützen. Goldsäbel tragen die Schützen. Die Zeilung hat's gesagt, Oestreich und Portugal, Metz, Japan und sie all, Bum. bum, bum rataplan, Bum, buml Er mag nicht Rüben beißen, Nur goldne Aepsel speisen. Die Zeitung hat's gesagt, Oestreich und Portugal, Metz, Japan und sie all, Bum, bum, bum rataplan, Bum, bum! Wohin er auch mag gehen, Gebückt Hofdamen stehen. Die Zeitung hat's gesagt, Oestreich und Portugal, Metz. Japan und sie all, Bum, bum, bum rataplan, Bum, bum! Geht er im Wald spazieren, Die Blätter jubilieren. Die Zeilimg hat's gesagt, Oestreich und Portugal, Metz, Japan und sie all, Bum, bum, bum rataplan, Bum, buml Gerade dieses„bum bum" hatte großartiger geklungen als alles andere. Bei jedem Bum stieß er den Stock hart auf den Boden und ließ seine Stimme so tief und laut er- schallen, wie nur möglich. Er sang und sang, daß es im Walde widerhallte. Dieses Lied war geradezu wunderbar! Er wurde es nicht müde, es einmal ums andere von neuem anzustimmen. Aber es war ja auch auf ganz ungewöhnliche Weise ent- standen, und einen Beweis dafür, wie ganz ausgezeichnet dieses Lied war, sah Jan darin, daß dies das einzige Mal in seinem Leben war, wo es ihm geglückt war, eine Melodie im Ohr festzuhalten. (Forts, folgt) Direktion; Max Reinhardt ilcutincheH Theater. 7>/„: Kose Bernd. Sonnabend: Kose Bernd. Sonntagnachm. 3(klein. Preise): Der Biberpelz. läamnt erspiele. 8 Uhr: Der Welbstenfel. Sonnabend, zum ersten Male,?>/,: Jonathans Ttfchter. Volksbühne. Theater t. BOIewpl. 8 Uhr: Meister Olaf. Dir. Melnhard-ßernauer. Theater I. d. Königgrätzerstr. S Uhr: Ein Tramnsplel. Komödienhaus 8'/» Uhr: Der 7, Tax. Berliner Theater 8 Uhr; Auf Flügeln de» Besänge».___ Theater am Freitag, 29."Septem her. Sessing-Theater. Direktion: Victor Barnowsky. 7'/, Uhr: Beer vynt. ' Musik v. Beleg, Sound., Sonnt.: Die belli. Klingtberg. Deutsch. Künstler-Theater. Allabendlich 8 Uhr: Oer JDngllRg mit de« Ellenbogen. URANIA Tanbenetr. 48/48. 8 Uhr: Die Bagdadbahn. Deutsches Opernbaas, Cbarlottenb, 7 uhr: Die Walküre. Frledrlch-Wilhelmstldt. Theater ev. uhr: Das Dreimäderltiaus, Gebr. Herrnfeld-Theater. KV. Uhr: Villa Pseheslna. Sonnt nachm. 3 Uhr: Die Ehre. Kleines Theater 8 Uhr: lottchen« Geburtstag. Beetz und Fanny Eisler. Paul und Paula. Komische Oper 8'/. Uhr: Die sohline Kubanerin. Sonnt. 4 Uhr: Dan Glück im Winkel. Lustspielhaus sv.v.-Der selige Balduin Sonnab. 2>/, Uhr: Kabale und Liebe. Metropol-Theater s uhr: Die Gsardesfflrstfn. Sonnt, nachm. 9 U.: Die Kaiserin. Neues Operettenhaus s uhr: Oer Soldat der Marie, Scblller-Thoater O s uhr: Kater Lampe. 8ehllIer-Th. Cbarlottenb. Zum ersten Male; Der Herr Senator. Thalln-Ttaenter n v.: Blondinchen. Theater am MolIendorfpL ev. n.: Blaue Jungens. Theater de« Westen« s uhr: Die Fahrt Ins GlQck mit Guido Thielncher. Trlaaon Theater 8«/.T7.i Der Difflinel an! Erdeii Beslden« Theater 8v.ü.= Frieden Im Krieg. Istiligsi-fdeste!' KBpenlSrStr'68 . Der Schlager von Berlin! junge Ausstattungsposse in 3 Akten. Musik von Walter Bromme. Tüxlleh ausverkauft! Großer Erfolg:! RosesTheater. 8',.UHr: Renaissance. Walhalla-Theater. 8 Uhr: Seemannsliebcben. Reichshallen-Tlieater. Stettiner Sänger. Zum 101. Male: Schippers Heimkehr Tonntag nachmittag U Uhr zu crmätz. Preis.: im Schützengraben, Circus Casino-Theater. Lothringer Str. 87. Täglich 8'/. Uhr Einzig in seiner Art in Grotz-Berlin. Berliner Humor in ernster Zeil. Meine gute Olle. Original-Posse in 8 Auszügen. Vorher orotklasslger bunter Teil. Sonntag 4 Uhr: Die Milcbsohulzen. JU Berliner Konzerthaus. Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. Heute: Großes Konzert Berliner Koncerthan«. Orchester Leiter: Komponist Frz. v. Glon. Anlang 8 Uhr. Eintritt SO Pf. Anfang 8 Uhr. Ab 4 Uhr nachmittags; Konzert bei voller Orchesterbesetzung und freiem Eintritt. Oewerkschastshaus. Sonntag, den 1. Oktober A.910: Im großen Saal findet vom Schwimmverein Vorwärts das W ohltütlxkoltaf est zum Besten der im gelbe stehenden Mit, giieder statt. U. a. humoristische und lomische Vortrage der Geschwister Elmenhorst. Ferner Austreten der Herren Varrschat und Wallenborn. Im Mahagonisaal Konzert der Künstlerkapelle Falkner. Abend- Spezialität:«''s stM Vi Wildente mit Sauerkohl 8 SR. Sonntag Hübnersuppe....... 0,25" Schellfisch mit Lenstunke.. 1.0D Stcinbulte, holländ..... 1,00 Blumenkohl mit kalter Beilage 1,50 mittag: Münsebralen mit Alotkohl >/, Hahn...... Kompott oder Salat.. Lpeisc....... 2,60 2,00 0,80 0,30 Heute u. morgen: Ein sehr biDiger Schnellverkniif! Ein grotzer Posten FettgSnse 7—2 Psund schwer. a Psund 3,50 M. »SN 10—13 Psd. schwer... 4.—. Ein groß. Post. Gänseptlkelsleilch u. sette«Snserümvfe,, 4,—. Svv Gänsekleine a Stück 3.SV M. Ein Riesenpostcn Fettenten.......... a Psund 3,60 M. 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