Nr. 284.- 1916. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Nsuntrstag,5.O!'.tobtr. Krepels Zahrt ums Glück. Eine Spreewaldgeschichte von Max Bittrich. I. In Krepels Hause wußten sie nicbtS von FkaruZ, obgleick der Großvater des Besitzers Dutzende großer Gänseflügel. kunstreich zu zwei mächtigen Schwingen vereinigt halte und, statt mit ihrer Hilfe gen Himmel zu fliegen, in das Sprccwaldflicß gestürzt und ertrunken war— wie Ikarus im Meer. Des verunglückten LuftschifferS Enkel, der Bauer Gottlieb Krepel, sah aber auf seinen Vorfahren doch nicht als auf einen lräu»Henden Schwärmer zurück:»Großvater bat unS unser Häuschen gebaut, und obgleich er Schneider gcwcst ist, bat er die Mauern selber auß gerichtet, bat mir Vater oft erzählt. Und da? HauS ist so standhaft, daß es gewiß ewig und noch drei Tage hält!* Mit der Bewunderung des vielseitigen Schneiders war auch die Abentcurerlust in Gottlieb Krepel wieder aufgelebt. Die Sehnsucht nach unbekannten Fernen und leicht zu hebenden Schätzen wurzelte in ihm, und als er das Glück junger Liebe genoflen und mit seinem Weibe anderthalb Jabrzehnte zufrieden gelebt halte kam daS alte Verlangen abermals über ihn und ließ ihn nicht mehr los. Während er bis dahin mit selteneren Pausen ein Draufgänger in aller Arbeit gewesen war, begann er nun nicht ungern wahrzu- nehmen, wie sein neuer dürrer Schimmel öfter vor dem Pflug stehen blieb und ausruhte. Da setzte sich Krepel auf den Grenzstein und ließ das ganze mächtige, vom Großvater ererbte Verlangen seinen Körper weh und doch wohlig durchströmen: »Fliegen können! Fliegen können I Hoch— weit Er meinte damit nicht, ihm müßten Flügel beschieden sein zur kürzesten Reise in die Wolken, sondern der Tod dcS alten Vorsahren lehrte ihn, vorsichtiger und klüger zu sein: erst wollte Gottlieb in die Weite gehen und dann den Flug zu einem Glück wagen, von dem er den Anblick rasch erworbenen blinkenden Gutes nicht zu trennen vermochte. Amerika, von dem alle den Spreewald durchziehenden Hausierer sprachen— das ferne Land, in dem die Leute das Gold auflasen wie Fallobst oder doch wenigstens mit silbernen Pflügen auS der Erde holten, das war KrepclS Zieh Dahin wollte er gelangen. Während er sich in solche Gdpinnste verstrickte, sah er öfter und öfter plötzlich sein Weib vor sich stehen: »Rühr dich, Wirtschaft! Wer läßt sinken die Hand, hat nur Unkraut im Land I* Da reckte er sich denn wieder:„Hü, Schimmel!— DaS liebe Vieh wollte Ruhe habend »Ja— du und das liebe Vieh!" antwortete Marie.»Unsereins muß auch die Knochen rühren: da fragt kcins danach! Und nian hat etwas durchgemacht in fünfzehn Jahren: im HauS und Stall und Feld zugreifen, zu Markte gehen und die Kinder--' Dabei lenkte sie selber mit sehnigen Armen den Pflug eine Weile, während ihr Gottlieb Krepel solgl«; sie teilte Hiebe aus mit dem Mund und mit der Peitsche zu gleicher Zeit und ließ die Pflug« schar schnurgerade Furchen ziehen. Und ehe sie ihren Posten am Pfluge verließ, sprach sie dem Genossen ihres Lebens auch wieder Mut zu, auszuharren. Sie goß Balsam aus die schmerzenden Stellen. Er packte wieder daS Steuer, ging vor seinem Weibe her und führte den Pflug durch die Wellen der sandigen Scholle weiter. Doch er dachte sich bald auss Neue: »Das Wcib lömitc die Wirtschast gut und gerne ein paar Jähr« chen allein sühren, und Karl und Malthes könnten mit Hand an« legen!" Ja, seine beiden Jungen wuchsen sehnig und stark heran. Im Geist sah er sie schon— fünf, sechs Jahre vergingen rasch I— nicht nur mit der Mutter den Acker bauen, sondern auch beim festlichen Siollereiien die Augen der Mädchen aus sich lenken ini kecken, un- erschrockenen Ritt, freilich auf fremden Rosien, den» in der eigenen Wirtschaft würden sie wohl noch lange nur den Schimmel haben, der zwar den Pflug und auch ein Fuderchen Tors zog, doch den Wctllauf liebte wie der Kater den Ouark. Da stand Gottlieb Krepel abermals in Träumereien versunken beim Pferde. „Hü, hü!* rief Marie.»Beim Stillestchen rosten die Pflüge]' „Schinderei und kein Endel Wenn man nur sähe, was sie einbringt!* „Wer will mähen, der muß säen! Und so ffie hob die Arme gleich Flügeln) sät man bei Krepels nicht mehr!' Du wunderte er sich aufs neue, welch starkes Weib aui dem ehemaligen geschmeidigen Mädchen geworden war, und geraden Weges oder im Zickzack kam er zu der ihm lieb gewordenen Er« wägung:»die würde die Wirrschasl gewiß allein führen, wenn ich eines TaacS nicht mehr da wäre. Bei der würde alle» gchn wie Seide. Ja, das muß wahr seinl* DaS Pflänzchen der Auflehnung gegen sein bisheriges Leben hatte tiefe Wurzel geschlagen, und da er das Bedürfnis fühlte, es zu begießen, so trank er lieber als früher ein Gläschen Palenz in der Schänke und unterhielt sich mit dem unzufriedenen Kätner Laugsch über daS freie Land Amerika, in dem die Goldkörner— sagten die Hausierer— umherlägen, wie Bier die Frucht auf der Tenne und der Weizen ganz anders wachse und blühe und das Rindvieh in Gestalt von lauter Mastochsen wild umherlaufe. Nur so zum Zugreifen. Die beiden Männer berauschten sich an den Bildern ihrer Träume, bis Laugsch den heißen Kopf auf den weichen Sckaipelz senkte und zu heulen begann:»Brüderchen Krepel— da drüben ein einziges Mal zugreifen! Nur ein einziges Mal, Brüderchen!" So schwebten sie ohne sichtbare Flügel weiter und weiter von der heimischen Erde auf und malten allen Dorfnachbarn die Bilder ihrer trunkenen Sinne so oft, bis man lachte und ihnen entgegnete, sie seien verlorene Menschen und verlören den besten Pfad zum Er« folg und rennten dafür Jrrlichtchen nach. Da trumpften die Unzufriedenen auf und schlugen um sich: »Jrrlichtchen, sagt ihr?" Wir werden euch die Jrrlichtchen be« weisen und werden nach Hamburg gehen, über das Wasser fahren und in Amerika ernten und immer ernten!" „Für andere Menschen am Ende I Und säen werden derwcile wir!" antwortete Marie ruhig, denn sie halte kein Vertrauen mehr, Gottlieb Krepel zu ernüchtern. Ihr Gefühl täuschte sich auch nicht. An einem Herbsttage, als die Felder bestellt waren, gingen Krepel und Laugsch nach der Stadt zum Agenten, um sich mit anderen Leuten nach Amerika schicken zu lassen, zuerst zu einem Farmer, der schon der neuen Hilfskräste harrte, und dann wollten sie dem Goldland näher rücken, das ihrer Phantasie gleich dem nächtlichen Himmel winkte; als weites, weites wunderbares Reich mit glitzernden Punkten,— nur daß man den Fuß darauf setzen und die goldenen Sterne in die Schürze sammeln konnte gleich den Früchten der Erde. Angst vor dem Verhungern hatte die Frau Gottlieb Krepels nicht mehr, doch sie weinte bei seinem Abschied heimlich, weil sie an dem Wiedersehen zweifelte. Die Söhne dagegen sahen nicht nur Wolken, sondern auch die Sonne hinter ihnen: die Arbeit werden wir nun ein paar Jährchen allein tun müssen, doch dann wird Vater mit kostbaren Schätzen heimkommen, und wir werden ohne Sorge leben und gutes Land.laufen und werden auf eigenen herrlichen Rosien beim Stollereilcn sein und den ersten Preis erobern. Und die Mädchen werden in die Hände klatschen und sagen:»Nu guck ein Mensch an, diese Krepels, wie die sich herausmachen!" Auch dachten Krepels Söhne, sie würden mit den Mädchen tanzen bei der Fastnacht oder beim Erntefest in Burg oder Lübbenau, oder in Vetschau auf dem Marktplatz, auf dem sich nach dem Flachs» nrarkt immer ein paar hundert rolröckige Mädchen zu den Tönen des Dudelsacks und der HuSzla drehten. Und ferner dachten die Brüder Krepel daran, die besten zwei der vielen Mädchen heimzuführen an den Herd und mit ihnen in eitel Glückseligkeit zu leben. Vater und Mutter aber würden allen Menschen von Amerika erzählen, und der ganze Spreewald würde nur so staunen! _(Schluß folgt.) kleines Zeuilleton. Die Sonne im Oktober. Der Beginn des neuen Monats brachte uns die Rückkehr zur initteleuropäiscben Zeit und damit die Wiederübercinstiinmung der Tagesstunden mit dem ungefähren Sonnenstande. Auf dem Meridian von Stargard und Görlitz, 1ö Grad östlicher Länge von Greenwich, ist die mitteleuropäische Zeit auch mit der wahren Ortszeit identisch; die Abweichungen werden natürlich um so größer, je weiter man sich nach Osten und Westen von dem 15. Längengrad entfernt. In unserer bürgerlichen Tageseinteilung wird sich der Uebergang von der Sommerzeit zur mitteleuropäischen Zeit mir dem Monatsbeginn in einer gerade jetzt besonders auffälligen Verschiebung der Helligkeitsstunden bemerkbar gemacht haben. Während Frühaufsteher in den letzten Septembertagen morgens bereits künstliches Licht brauchten, leuchtete ihnen am 1. Oktober schon in der Mitte der sechsten Morgenstunde daS Tageslicht; denn die Sonne ging bereits wenige Minuten nach 6 Uhr auf. Am Abend dagegen kann man, durch die Sommerzeit verwöhnt, mit gelinder Verwunderung wahrnehmen, daß schon gleich nach 6 Uhr die Dunkelheit sich herniedersenkt, da der Sonnenuntergang bereits um Uhr erfolgt. Am MonatSschlusse erscheint daS TageSgestirn nicht ganz eine Stunde später, um 7 Uhr früh im Südosten, während es sich einige Minuten nach Uhr nachmittags wieder im Südwesten unseren Blicken entzieht. Der Oktober bringt also den eigentlichen Uebergang von der bellen zur dunklen Jahreszeit; wandert das TageSgestirn in diesem Monat doch um volle 11 Grad auf seiner scheinbaren Sahn nach Süden. Die südliche Abweichung vom Aequator, die die Sonne zu Beginn des Monats hat, beträgt 3 Grad, um im Oktober bis auf 11 Grad hinabzusinken, wobei die MitiagShöhe der Sonne, berechnet für Berlin und das mittlere Norddeutschland, von 31'/, auf 23'/» Grad abnimmt. Die Ver« kürzung des Tagesbogcns,"den die Sonne durchläuft, drückt sich durch die Vcrichiebung des Zeitpunktes ihres Auf« und Untergang» aus; immer kürzer wird die Zeit, während der uns der Sonnenball leuchtet, und immer schräger und schwächer werden seine Licht« strahlen. Die abkühlende Wirkung der langen Nächte übertrifft bei weitem die Wärmewirkung der Sonnenstrahlen; meteorologisch zeigt sich dieses in dem entschiedenen Uebergang zum Spätherbst. Der Krkegsb!möenhunö. Die schwerwiegendste aller Verletzungen, die Vernichtung dcS Augenlichts, erfordert die umfassendsten Maßregeln, um deni Be« troffencn das schmerzliche Dasein im Dunkeln zu erleichtern und ihn allmählich einer gewissen Sicherheit und inneren Ruhe zuzu« sühren. In direkter Weise wird durch die Technik der Gesichtssinn teilweise ersetzt. So sollen in jüngster Zeit vielfach genannte Apparate den Blinden den früher nur in beschränkter Weise er« reichbaren Genutz der Zerstreuung und Belehrung durch Lesen — in diesem Falle„Hören"— innerhalb ziemlich aus« gedehnter Grenzen möglich machen. Doch neben diesen und den rein wirtschaftlichen Forderungen für den Kriegsblinden gibt es ein anderes, für feine Stimmung und das Matz seiner Anteil- nähme am Leben grundlegendes Bedürfnis, dessen Befriedigung in erster Linie erreich! werden mutz. ES ist das Unabhängigleitsgefühl, und hier konnte und kann die Technik wohl kaum entscheidend ein« greifen. Nunmehr wurde der glückliche Gedanke gefaßt, den treuesten Freund und Diener deS Menschen— den Hund— zu entsprechender Hllfeleistung boranzuziehcn, Der, Kriegsblindenhund" wird, wenn nicht alle in ihn mit Berechtigung gesetzten Hoffnungen trügen, für seine Bestimmung äußerst verwendbar sei. Die Verwendung des HundcS im Pflegedienst hinter der Front ist vollkommen neu und eröffnet ein sehr aussichtsreiches Feld. Der Blinde bedarf der Führung, und die hierdurch geschaffene Ab- hängigkeit von anderen Menschen wird ihn oft behindern und auch innerlich belasten. Oft sind auch Führer nicht zur Hand, und hundert Kleinigkeiten sind in diesem Belang gc- eignet, dem Blinden das Dasein unnötig zu erschweren. Darum haben die mit dem Saniiätshundekorps arbeitenden Organ!« salionen sich die Aufgabe gestellt, mit Hilfe der so vielfach und günstig erprobten Hunde auch in dieser Beziehung einzugreifen. Vorläufig werden eine Anzahl besonders geeignet erscheinender Hunde als Führer für Kriegsblinde ausgebildet. Es ist keine geringe Arbeit, die damit unternommen wird, denn die Dressur der Hunde sür diesen besonderen Zweck ist noch neuartig und wird langer und energisch betriebener Versuche bedürfen. Aber dafür ist auch der Lohn besonders hoch, da es gilt, den des Augenlichts Beraubten einen Teil ihres Verlustes zurückzuerstatten: sie auf Straßen und Plätzen unabhängig und sicher zu machen. Der vierbeinige Führer und Beschützer des Blinden wird seinem Herrn den edelsten Dienst erweisen, und der Blinde wird nicht mehr auf die ihm häufig peinlichen Rücksichten seiner Umgebung Anspruch erbeben müsien. So vermag mitsühlendcS Nachdenke» auch dort Möglichkeiten zu erspähen, wo die vollkommenste Technik ratlos ist.(z Notize». — Theaterchronik. Die Kleinen HauSkomödien von Erich Fischer gelangen am nächsten Sonnabend und Sonntag, abends 8 Uhr, im Theatrrsaal des Deutschen Lyzeum-Klubs, Lützow« platz 8, zur öffentlichen Aufführung. Hierbei werden zum erstenmal gegeben:»Mutter Schrödern", ein kleines Berliner Volksslück mit Musik von Konradin Kreutzer;»Die Wahrsagerin", ein Rümpel- kammererlebniS(Gluck) und»Die Weinprobe* eine Buschiade (Marschner).— Hcrmine Bosetti wird in Deutschen Opernhause am 12., 13. und 11. Oktober die Titelrolle von Verdis.Traviata" singen. — Vorträge. Im Monistenbund spricht Freitag, den 6 Ok- tober, abends 8'/, Uhr, im Humbser-Bräu, Tauentzicnstr. 7, Dr. Hans Janke über»Die wissenschaftlichen, speziell biolo- gischen Grundlagen der Ethik." — Maisölgewinnung als Staatsmonopol. Die Maiskeime enthalten ein fettes Oel. dessen fabrikmäßige Gewinnung in Amerika seit langem üblich ist. Die Gewinnung von Maisöl wird demnächst in Ungarn als Staatsmonopol eingeführt werden. Die Preßkuchen werden als wertvolle» Viehfutler Verwendung finden. Die Fechsung Ungarns beträgt ungefähr 15 Millionen Doppelzentner Mais, was bei einem Gehalt von 2 Proz. einen Ertrag von 300 000 Doppelzentner fetten OeleS liefern würde, dcffen Wert mit 270 Millionen Kronen angegeben wird. 10) Jcme Heimweh. Eine Geschichte aus dem Wärmland von Selm« Lagerlö f. Aber da hatte der Sohn eine offene Antwort gegeben. „Nein", hatte er gesagt,„ich will nicht hier daheim bleiben und Knecht unter dir sein, und wenn du auch mein Batcr bist. Da will ich lieber in die Welt hinaus und mir meinen eigenen Herd gründen, denn ich muff ebensogut Herr sein wie du, sonst wäre cS bald aus mit der Freundschaft zwischen unS." Darauf hatte Björn HindrikSson geantwortet:»Die Freund- schast kann auch zu Ende sein, wenn du deine eigenen Wege flehst." Alsdann war der Sohn in die großen Wälder gezogen, die nördlich und östlich vom Duvsce liegen, hatte sich dort mitten im schlimmsten Oedland niedergelassen und sich einen Hof urbar gemacht. Sein Eigentum lag im Broer Kirchspiel, und er zeigte sich nie mehr in Svartsjö. Seit dreißig Jahren hatten ihn die Elern nicht ein einziges Mal gesehen; aber siehe. am letzten Sonntag war er plötzlich daheim erschienen, gerade als der alte Björn im Sterben lag. �.leL erzählten die beiden Frauen, und da wurde eS Jan recht froh zu Mru- Das waren gute Nachrichten. Am letzten Sonntag, als Katrine von der Kirche nach Hause gekommen war und berichtete, es werde mit Björn Hindriksson bald zu Ende sein, hatte �an gleich nach dem Sohn gefragt und hätte gerne gewußt, ob man uicht nach ihm geschickt hatte. Aber das war nicht geschehen. Katrine hatte gehört. Björn Hindriksons Frau habe inständig gebeten, ihm Nach- richt senden zu dürfen, aber eS sei ihr streng verboten worden. Der Alte habe erklärt, er wolle auf seinem Sterbebette den Frieden haben. Aber daniit hatte sich Jan nicht beruhigen können. «ommcrfort hatte er an Linnart BjörnSson denken müssen, der dort weit drinnen in seinem Walde wohnte und von nichts mußte. Und dann hatte er. Jan. beschlossen, dem Wunsche ,*.0lten �lörn gerade entgegenzuhandeln und dem Sohne iS/t zu bringen. ..hätte nachher nicht gehört, wie alles abgelaufen war; erft zetzt hwr Begräbnis erfuhr er eS. Voller Eifer "äu, während die beiden Frauen von Linnart und jeurem Batcr erzählten, und dabei vergaß er vollständig, wer schließlich zur ersten und zur zweiten Abteilung der Tischgäste bestimmt wurde. Die eine der Frauen erzählte dann weiter. Als der Sohn zu Hanse ankam, waren alle beide, Dater und Sohn, äußerst freundlich gegeneinander gewesen. Der Alto hatte gelacht und den Anzug dcS Sohnes verwundert betrachtet.—„Du kommst in diesem Arbeitsanzug?" hatte er gesagt.—„Ja. ich hätte mich wohl in Staat werfen sollen, da es Sonntag ist," hatte Linnart Bjömsson geantwortet. „Aber seht, Vater, in diesem Sommer hatten wir eine wahre Sintflut von Regen da draußen, und da Hab ich am Sonntag- nachmittag etwas Hafer einfahren wollen."—»Nun, und hast du tüchtig hereingebracht?" fragte der Alte.—„In eine Fuhre hatr' ich schon daheim: aber als dann der Bote kam, Hab ich alles liegen und stehen lassen und mich sofort auf den Weg gemacht, ohne auch nur noch die Kleider zu wechseln."—„Wer war denn der Mann, der dir die Nach- richt gebracht hat?" fragte nach einer Weile der Vater.— „Es war ein Mann, den ich noch nie gesehen Hab," antwortete der Sohn.„Ich Hab gar nicht daran gedacht, ihn zu fragen, wer er sei. Er sah eigentlich wie ein alter Bettler aus."— „Den Mann mußt du ausfindig machen, Linnart, und ihm in meinem Namen danken", hatte der alte Björn mit großem Nachdruck gesagt.„Und wo du ihn triffst, da sollst du ihm Ehre erweisen. Er hat's gut mit uns gemeint." Recht friedlich und gut war alles zwischen den beiden ge- svcscn ganz bis zuletzt. Beide waren sehr beglückt über die Versöhnung, fast war es, als wollte ihnen der Tod nicht Kummer sondern Freude bringen. Jan war erschreckt zusammengefahren, als er hörte, daß Linnart Björnsson ihn einen alten Bettler genannt hatte. Aber natürlich, er hatte ja weder die Mütze noch den Kaiser» stock mit in die Wälder hinauf genommen, da begriff er es. Dadurch kehrten Jans Gedanken wieder zu seinem gegen- wärtigen Kummer zurück. Nun hatte er sicherlich lange genug gewartet. Er müßte jetzt wirklich schon aufgerufen worden sein, wenn es nicht zu spät werden sollte. Er stand auf und ging entschlossen über den Hofplatz und die Veranda, stieg die Treppe hinauf und öffnete die Tür zum großen Saal im oberen Stocklvcrk. Das Essen war schon im vollen Gang, das sah er gleich. Der große Tisch in Hufeisenform war mit Güsten vollbesetzt, und das erste Gericht war schon herumgereicht worden.> Man hatte also nicht die Absicht gehabt, ihn bei der ersten Abteilung mitkommen zu lassen. Da saß der Pfarrer, da saß der Küster, da saßen der Leutnant von Lövdala und seine Frau, kurz, da saßen alle, die hier sitzen mußten, nur er allein nicht. Eines der jungen Mädchen, die die Speisen austrugen, eilte zu Jan hin, sobald er unter der Tür erschienen war. „Was habt Ihr hier verloren, Jan?" fragte sie ihn leise. „Geht wieder hinunter!" „Aber, meine liebe Schaffnerin!" sagte er.„Der Kaiser von Portugallicn gehört doch an den ersten Tisch." „Ach, schweigt doch still, Jan I" erwiderte sie.„Heut paßt das nun einmal gar nicht, daß Ihr mit Euern Dumm- heiten kommt. Geht hinunter, dann bekommt Ihr auch was zu essen, sobald Ihr an der Reihe seid." Der Fall war ja nun so, daß Jan für dieses HauS mehr Hochachtung empfand als für irgendein anderes in der Ge- meinde. Aber gerade darum hätte er auch großen Wert darauf gelegt, hier so empfangen zu werden, wie es ihm zu- stand. � Und wie er nun so mit der Mütze in der Hand an der Türe stand, überkam ihn eine ganz merkwürdige Nieder- geschlagenheit. Er hatte das Gefühl, als falle seine ganze Kaiserwürde auf einmal von ihm ab. Aber mitten in dieser schwierigen Lage hörte er, wie Linnart Björnsson dort am Tisch plötzlich einen leichten Ruf der Ueberaschung ausstieß. „Da steht ja der Mann, der letzten Sonntag mit der Nachricht, daß Vater krank sei, zu mir gelaufen kaw!" rief er. »Was sagst du?" fragte seine Mutter.„Bist du deiner Sache auch ganz sicher?" „Ja. gewiß, es kann ja niemand anders sein. Ich Hab' ihn schon früher gesehen, aber ich Hab' ihn nicht wieder- erkannt, weil er so sonderbar gekleidet ist. Jetzt seh ich, daß cr's ist." „Wenn er'S wirklich ist. so soll er nicht länger wie ein Bettler dort an der Türe stehen", sagte die alte Hofbäuerin. „Dann müffen wir hier am Tisch Platz für ihn machen. Wir sind ihm Dank und Ehrerbietung schuldig, denn er ist's ge- wesen, der dem allen Björn das Sterben leicht gemacht hat. Und mir hat er den einzigen Trost verschafft, der mir das Leid um so einen Mann, wie ich einen verloren habe, lindern kann." Gorts. folgt.) r K* z Königstraße 35 Am Vahnhof Alexanderplah Chausseestr.-1-13 Ätim Stetttner Dahnhos. Sonntags geschlossen. -mmmm Für jeden Geschmack etwas 158 |pjp Nicht bezugsscheinpflichtig: Wunderbare Neuheiten, Gardinen, Stores, Vitrages. Tüll- bot'decken usw. in allen Stilarten. Abgepaßte Dekorationen mit Quei behäng, Spezial-Katalog ,Vorwärts''-Lesern 3 0/0 Rabatt Natnrstahl, ganze Drehereien. Drehbänke taust sortlausend Maschinenfabrik Waither. ivcrti». 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