Nr. 246.- 1916. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Freitag, 27. Oktober. Das öritte Kriegslicht. Der dritte Kriegswinler tiicft immer näher, ia, er ist eigentlich schon da. und fleißige Leute müssen Vorsorge lreffcn, dag sie in den langen Winterabenden das nölige Lichr haben. Der Slödler, insbesondere der Groksladter, kennt diese Sorgen nicht oder braucht sie wenigstens nicht zu leimen. Ihm steht in der GaSlampe oder in der elektrischen Birne eine ausgezeichnete billige Lichtquelle zur Ver- sügung. Auch auf das flache Land sind Ferngaslverke und Heber- landzentralen vorgedrungen, aber trotzdem ist das Bedürfnis nach Lampen, die nicht zentral gespeist werden, ein sehr grotzes. Braucht man doch auch da, wo GaS oder Strom vorbanden ist, noch eine Lichtquelle mit uneingeschränkter Bewegungssreihcil. So Halle diesen Dienst die Petroleumlampe zu versehen. Dann kamen im Vorjahre der Spirrtns- und der AzetylenkriegSbrenncr. Beide hatten sozusagen amtlichen Charakter. Kein veinünftiger Mensch wird im drillen KriegSwinler daran denken, Spiritus für Veleuchtungszwecke zu be- nutzen, und der Brennstoff für die Azetylenlampe, das Kalziumkarbid, ist zu teuer geworden, um als Volksbeleuchlungsmiltel in Frage zu kommen. So kommt nun für diesen Winter als Kriegslichr der Benzolbrenner in Betracht, der gleichfalls amtlichen Charakter trägt. Er ist ein Kind der Kriegsbeleuchtungsgesellschaft. Sie vermittelt den Verkehr zwischen den Fabriken und den Grotzhändlern, ihre Aus- gäbe ist es auch, die richtige Verteilung des Benzol» herbeizuführen. Die Aufgaben, die zu lösen waren, sind, wie»Licht und Lampe" ausführt, keine kleinen gewesen. Ehe man nämlich zur Ausarbeitung des Brenners schritt, mnstte man den Brennstoff schaffen. Wenn man Steinkoblenteer destilliert, erhält man keine einheitliche Substanz, sondern ein Gemisch von Benzol und Toluol. Das letztere muff also zunächst entfernt iverden. Dann müssen erst noch dem nun verbleibenden Benzol bestimmte Eigenschaften gegeben werden, um es zum Kriegslichlbenzol zu machen. Reines Benzol gefriert nämlich schon bei 4 Grad Wärme. Durch bestimmte Fusätze wurde erreicht, daß da? Kriegslichlbenzol erst unterhalb des Gefrierpunktes von Waffer erstarrt. Für die BcleuchlungSzwccke darf und kann nur das Kriegslichlbenzol Verwender iverden, jcdeS andere Benzol bat andere Eigenschaften. Diesen Eigenschaften ist der Benzol- kriegsbrenner angepatzt. Der BenzolkriegSbrctiucr wird zum Laden- preise von 4.S0 M., der amtlich festgesetzt tvurde, zu haben sein. Versuche haben ergeben, datz er etwa 500 Brennstunden aushält, also für einen strammen Winter ausreicht. Die Kriegs- bcnzollampe gibt zwischen 40 und 60 Kcrzcnstärken an Licht und verbraucht für die Kerzcnstunde etwa 1 Gramm Benzol. Bei einem Preise von 60 Pf. für das Liter Benzol tvürde also die Brennstnnde 3>/., Pf. kosten. Die gleiche Lichtmcnge würde bei Spiritus auf 4t/.;, bei Petroleum auf 5l/g Pf. zu stehen kommen. Der Grotzhändler mutz der Rrregsbelenchlungsgcscllschafl von jedem Kleinhändler, an den er verlauft har, Mitteilung machen, damit diese Vorsorge dafür treffen kann, datz tatsächlich überall dort, wo solche Brenner vorhanden sind, auch das Kriegslichlbenzol erhält- lich ist. Nun ist das Kriegslichlbenzol feuergefährlich, es zeigt ein dem Benzin ähnliches Verhalten. ES iit deshalb beim Füllen die grötzte Vorsicht geboten, und der Händler darf das Kriegs- lichtbcnzol nur an Leute abgeben, die sich über den Besitz eines sogenannten FüllkorkcnS ausweisen können. Dieser Füllkorken, ein fester Kork, trägt in der Mitte das Füllröhrchcu, das so bemessen ist, datz nur ein feiner, gleichmätziger Bcnzolstrahl hindurch treten kann, der die Füllung der Lampe ohne jedes Vorbeigietzen gestattet. Um noch ein übriges zu tun, hat die Regierung rote Klebezettel ausgearbeitet, die auf jedes Gefätz. in dem das Kriegslichlbenzol verkauft wird, anzubringen sind. Sie enthalten Hinweise auf alle für die richtige Behandlung notwendigen Matznahmen. Hoffentlich wird alles sich in der Praxis ebenso gut abspielen, wie es durchdacht ist. Auch der dritte Kriegswinter wird uns nicht im Dunkeln finden. Englands /luslieferung verfolgter Ruflen. Während des ganzen Krieges ist ein ziemlich starker Strom von wehrpflichtigen Rüsten durch Kristiania geflutet, weil sie b-imkehren mutzten, um sich unter die Fahnen zu stellen; aber in den letzten Wochen sind Russen einer anderen Kategorie dort eingekehrt. Es sind russische Flüchtlinge, die nun aus England fortgezogen sind, wo sie sich ein paar Jahre aufgehalten haben, weil vor kurzen» ein Um- schlag im englischen Asylrecht für politisch Verfolgte slatlgefnnden hat. Sie gehören zur gebildeten Klaffe. Advokaten, Künstler. Studenten. Und alle miteinander hatten sie Dinge mitzuteilen, die in hohem Grade geeignet sind, Aufmerksamkeit zu erwecken. Die Flüchtlinge erzählen— so berichtet die norwegische Zeitung »Verdens Gang"— datz die englische Obrigkeit während der letzten Wochen russische Flüchtlinge, aber nicht eltva Deserteure, sondern politisch Verfolgte und Jude», die während der Judenverfolgungen geflohen waren, zu Tausenden über die Nordsee nach Archangelsk und Alexandrow sandte, nachdem man ihnen die Wahl gestellt Halle, an die russische oder englische Front geschickt zu Iverden. Wenn man mit diesen Menschen spricht, merkt man gleich, datz es nicht Angst vor den lein physischen Anstrengungen des Krieges ist, die sie gegen England erbittert hat. Der Grund liegt tiescr. Er liegt in einem moralischen Schmerz. Sie hatten zu wählen gc- habt zlvischen Sibirien und LandeSflucht, oder vielleicht zwischen dem Galgen und denr Exil. Es gelang ihnen, ivohlbehalten über Nutz- lands Grenzen zu entkommen und sie fanden einen friedlichen Zu- fluchtsorr, Ivo sie vor Verfolgungen geschützt waren. Nun erzählt ein russischer Advokat in„Verdens Gang",»datz allein in London über 300 000 russische Flüchtlinge sich aushalten, von denen die meisten Juden sind. Bisher haben sie durch Tag und Nackt an den Ausrüstunqsarbeilen für das englische Heer teil- genommen. Sie waren Handwerler, die sich emsig und arbeitsam ihren Unterhalt daniit erwarben, Taufende von Uilisormrn, Stiefeln. Zellen und Beltzeugen anzufertigen. Aber aus einer Kolonie von 300 000 Russen kann man ein hübsches kleines Heer schaffen. Die englische Obrigkeit hat 2ä 000 junge Männer aus dieser Schar russischer Flüchtlinge ausbeben lassen und ihnen die Wahl gestellt, sich an die Westfront schieben oder an Nutzland ausliefern zu lassen, Diese 25 000 Mann stehen Tag und Nacht unter polizeilicher Bewachung. Ich war einer von ihnen, aber es gelang nrir, zu entkommen. Rutzland schlägt auf dieie Weise zwei Fliegen mit einer Klappe. Es bekommt 25 000 vcrhatzlc Juden, und das ist ein gutes Kanonenfutter. und zugleich bekommt es olle die in seine Geivalt, die es früher vergeblich zu greifen suchte. Vielleicht wollen sie uns an die Froitl schicken und so verineiden. datz sie uns so schnell ivie möglich loswerden. Aber eS iit wahrscheinlich, datz sie uns an den Galgen oder nach Sibirien schicken wollen. Unsere Namen sind ja blotz unseren Angehörigen und der Geheimpolizei bekannt. Keiner wird uns und die verhatzren Juden vermiffen." »In der FricdenSzeit lebten wir unter schlimmeren Verhält- nissen, als wenn es Krieg gewesen wäre. Wir wurden Tag und Nacht verfolgt, ausspioniert und beleidigt. Nun sind wir gut genug und allesamt dazu verpflichtet, für unser Vaterland in den Kampf zu gehe». Vaterland I— Wir wurden an Bord von Segelschiffen verstaut, genau wie die Negersklaven in alten Zeiten, und die Schiffe gehen direkt nach Alexandrow oder Archangelsk. Jeden Tag während mehrerer Wochen sind solche Fahrzeuge über die Nordsee gegangen, und auf diese Weise wird man fortsahrcn. bis wir sogenannten Landesverräter auf russischer Erde in Sicherheit gebracht sind." »Ich sage, datz wir nie eine andere Bcbandlinig erwartet hätten, aber ich frage: hätten wir nicht mehr Humanität von England er- warten dürfen, dem grotzen Beschützer der Kleinen und Unter- drückten—— Dies ist der Hauptinhalt der Klagen des russischen Advokaten in»Verdens Gang". kleines Feuilleton. ?m rumänischen petroleumlanöe. Fast genau in der Mitte zwischen Kronstadt und Sinaia, wo König Karol sich seinen Sominersitz erbaut hatte, liegt Prcdcal, der jetzt in deutscher Hand befindliche Grenzort. Unsere Truppen schicken sich an, von hier aus längs der Eisenbahn, die dem Tale der Prahova folgt,.ins rumänische Petraleningebiet vorzustotzen, das südlich von Predeal beginnt. Prcdcal selbst, ein etwa tausend Meter hoch gelegenes Städtchen, hat einen ziemlich dorfartigen Cha- ratter; allerdings weist es zahlreiche Villen aus, die reiche Nu- mänen sich als Sommersitze gebaut haben. Die Prahova ist ein echter Alpenflntz, wird und unbändig, zu anderen Zeilen sanft und rnkig. Man sieht ihm an, datz er die Ufer cinreitzen und die Brücken zerstören kann. Er sucht und bahnt sich seinen Weg in Windungen durch ein breites Bett von Steingcröll, gleich den Muren in den österreichischen Alpen. Von beiden Seiten stürmen ihm rauschende Bäche zu, herabstürzend zwischen grünen Bergen oder hochgetürmten Felsen, lieber Felder und Wiesen erheben sich Wälder von stolzen Tannen und Buchen, darüber zerrissene Fels- wände oder rundliche Bergkuppen mit kurzem Rasen bewachsen, auch wohl mit ewigem Schnee auf den Gipfeln und Schluchten, denn es ist mitten im Hochlande der Karpathen; droben ist noch der Horst von Adlern, der Aufenthalt nicht seltener Bären und zahl- reicher Gemsen, die Stätte von Sennhütten und weidenden Schaf- Herden, die im Herbste zu Tal treiben. Oben blüht auch eine Alpenflora, darunter das Cdelweih, dem das rumänische Volk den Namen„Blume der Königin" gegeben hat. Unten, wo vor wenigen Jahrzehnten kaum noch eine Stratze war— denn römische Legionen und römische Kultur sind nicht dieses Weges nach Transsylvanicn hineingegangen, sondern durch den Rotenturnipah—, unten liegen freundliche Häuser und Dörfer, und ein gewisses Leben bewegt sich auf der Stratze, selbst Fabriken siedeln sich bereits im Tale au. Schon gibt es in Azuga Tuch-, Zement- und Glasfabriken, eine Papierfabrik in Busteni, eine Nagelfabrit und eine Töpferei in Sinaia. Pclroleum wird gewonnen in Campina, und Mühlen. Sägemühle», Kalköfen neben den Steingrubcn finden sich das ganze Tal hinunter. In Busteni, der letzten Station vor Sinaia, loinkt ein neues griechisches Kirchlein mit seinem Ltuppelturm herüber. Seit der deutsche Kunsthistoriker Jakob v. Falke(vor mehr als zwei Jahrzehnten) diese Schilderung geschrieben hat, hat die In- dustrie im Prahobatale einen gewaltigen Aufschwung genommen, und namentlich das Petroleum ist nicht nur in Canrpina, sondern allenthalben im weiten Umkreise erschlossen worden. Die herrliche Natur dieses südliche» KarpathcnftrichcS hat sehr unter der Petroleumindustrie gelitten, wie man aus der Schilderung Netz- Hammers ersieht: in diese reizvollen Gefilde passen herzlich schlecht die weitzgestrichenen zylinderförmigen Petroleumbehälter, denen das Auge der Eisenbahn entlang häufig begegnet. Wenn man auf Campina zu fährt, stehen anfeinem Plateau Hunderte von Sonden- türmen; sie kommen sogar mitten in das Flutzbctt des Prahova hinab, stellen sich ganz nahe der Eisenbahn auf, kraxeln auf der anderen Seite an dem Berge herum und beherrschen selbst dessen Kulmhöhe. Diese schmierig- schivarzen Türme und die ebenso schmutzigen Baracken davor verschandeln geradezu die Landschaft. Aber sie sind Gcldbrunnen, die dem Lande jährlich Millionen spru- dein lassen.__ Sinti je». — Der Äle istpreis, der jedesmal von einem einzelnen Vertrauensmann der Stiftung an junge Talent: verteilt wird, wurde für 1910 der ostpreuhischen Dichterin Agnes Micgcl und dem früheren Kesselschmied Heinrich Lersch zuteil.— Lersch hat in der Tat fördern»- werte Talcntproben aufzuweisen, aber der Arbeuerdichter, der am tiefsten und nachhaltigsten, seine Kriegscrlebnjsse gestaltet hat, ist Karl Bröger. Wenn er nicht den Preis erhielt, so wollen wir uns damit trösten, datz er sich als reifer Meister erwiesen hat.. — D e n t i Ä e Bücher in Rutzland. Der Abgesandte des dänischen Büchcrkomitces für Kriegsgefangene ist von einer längeren Reise nach Rutzland znrückgelehrl. Cr hat dort mit ver- schiedcnen Behörden über die Lieferung von Büchern an KricgS- gefangene erfolgreich vcrbandelt. In Petersburg' wurde nun ein beiondercS Bureau eingerichtet, das die Verteilung der Bücher leiten soll. In Kasan ist eine sogenannte KricgSunivcrsirät eröffnet worden, in der Kriegsgefangenen mit akademischer Bildung Gelegenheit gegeben wird, die Bibliothek und die Laboratorien der dortigen Uni- versiiät zur Fortfetzmig ibrcr Studien zu benutzen. In der kurzen Zeil seines Bestehens sandte das Bkichcrkomitce bereits allein an misienschafUicken deutschen Werken 2000 Pakete nach Rutzland. Das Komitee verfügt gegenwärtig über 300 000 Bücher, die teils vom Komitee gekauft, teils von Deutschland unentgeltlich zur Verfügung gcüelll worden sind. An der Spitze des Komitees sieht der deutsche Philosoph Höffding. — D i e Asche den Winden. Der Dichter Otto Born- gräber, der im Krankenlwuse von Lugano am Herzschlag gestorben ist, war schon längere Zeit schwer leidend. Er hatte sich deshalb seit ciüigen Wochen in der Naturbeilanstalt„Monte Verita" bei Locarno aufgehalten. Am Sonntag, den 15. Oktober, war er nach Lugano gereist, weil die.iTMppratux dprt sp�Mt.LunKnlctdM besser zu entsprechen schien. Keiner seiner Freunde glaubte,.datz. sein Ende so nahe sein könnte. Seinem Wunsche gemätz wurde die sterbliche Hülle Borngräbers verbrannt. Die Asche des Dichters wird gemätz seiner testamentarischen Bestimmung auf einem Berge„den Win- den übergeben" werden. — E b r u n g polnischer Freiheitskämpfer. In Lublin fand die feierliche Uebcrsührung der Gebeine der Teilnehmer am Ausstände von 1363 von der Hinrichiuttgssiütte aus den slädti- schen Fiicdhof statt. Hier erfolgte die feierliche Beisetzung in cincin Ehrengiabe. — Der neue Trollbaettan-Kanal, der- bedeutend vergrötzerte und verbesserte Verkehrsweg zwischen Wcencrsec und Nordsee, ist am Mttiwoch, den 25. Oktober, nach jicbenjäbrigcc Arbeir feierlich eröffnet worden. Dem neuen Wasserweg- wird sehr grotze Bedeutung für das Verlehrswösen ür wichtigen Teilen Schwedens beigelegt. 62] Jane Heimweh. Eine Geschichte aus dem Wärmland von Selma Lagerlöf. „Du hast nicht nachgelassen, bis ich mit hicrberging, weil ich da vergessen tvürde, was heut für ein Tag ist. Und nun Hab' ich dafür diese Warnung bekommen." Noch einmal setzte er die Branntiveinflasche an den Mund; aber seine Frau warf sich über ihn und weinte und flehte. Da stellte er sie wieder auf den Tisch und stieß ein lautes Gelächter aus. „Behalt sie, behalt sie nur I" sagte er, indem er aufstand und den Stuhl wegstieß.„Und gut Nacht, Ol' Bcngtsa! Ihr entschuldigt mich wohl, wenn ich schon aufbreche. Heut muß ich an einen Ort, wo ich in aller Ruhe trinken kann." Er ging nach der Pforte, und seine Frau folgte ihm. Aber als er an der Gittertür angekommen war und eben hindurchgehen wollte, stieß er seine Frau zurück. „Was willst du noch bei tnir? Ich Hab meine Warnung bekommen. Mit mir geht's dem Verderben zu." Sommernacht. An dem Tag, wo bei dem Netzstrickcr die große Gasterei gegeben wurde, war Jan von Skrolycka zu- Hause geblieben. Erst als es Abend tvurde, setzte er sich nach seiner Gewohnheit aus die steinernen Stufen vor der HauStür. Er war nicht gerade krank, fühlte sich aber matt und schwach; in der Stube war es»lach dem langen sonnigen Tag drückend heiß, und so freute er sich, draußen frische Luft zu schöpfen. Aber auch im Freien war noch nicht viel vvn Abkühlung zu spüren, das merkte er sehr bald; trotzdem blieb er draußen sitzen, hauptsächlich deshalb, tvcil eS da gar so viel Schönes zu sehen gab. Der Juni war außerordentlich heiß und trocken gewesen, und die Waldbrände, die in allen trockenen Sommern wüteten, hatten auch ihren Anfang genommen. Das merkte Jan an den schönen blauweißcn Rauchschichten, die sich gerade vor ihm über den Bergen jenseits des Duvsees aufstürnitcii. Bald sah er auch weit gegen Süden ein hellglänzendes lockiges Wolkcnhaupt, und als er seinen Blick auf den Storsnipa im Westen richtete, gewahrte er auch dort große, mir Feuer unter- mischte Wolken aufsteigen. Es war, als sollte die ganze Welt in Brand geraten. Von der Stelle aus, wo Jan saß, sah er keine Flammen; aber es war ihm doch recht unheimlich zumute bei dem Gedanken, daß im Walde das Feuer raste und sich ungehindert ausbreiten konnte. Hoffentlich beschränkte es sich auf die Waldstrccken und verheerte nicht auch noch Häuser und Bauernhöfe. Die Luft war überaus drückend, und Jan fiel es schiver, Atem zu holen; es war ihm fast, als sei schon sehr viel Lust verbrannt und nächstens keine mehr da. Nicht immer gleich mäßig, aber in kurzen Zwischcnräunien kam eine Woge Brandgeruch daher, der einem die Nase beizte. Aber dieser Geruch kam nicht aus einer Herdstclle in Askcdalarna, sondern es war ein Gruß von dem großen Feuer aus Tannennadeln und MooS und Reisig, daS mehrere Meilen entfernt brannte und zischte. Die Sonne war schon vor einer kurzen Weile fcurigrot untergegangen, hatte aber noch so viel Purpurfarbe zurück- gelassen, um den ganzen Himmel rot zu malen. Nicht nur nach der Seite, Ivo die Sonne vor kurzem noch geleuchtet hatte, war der Himmel mit zartem Rot übergössen, sondern in seiner ganzen iveiten Ausdehnung. Und zu gleicher Zeit wurde das Wasser des Duvsees dunkel wie ein schwarzer Spiegel, und über diese sckwarze Fläcbe ergossen sich Streifen von purpurschimmerndeni Blut und glänzendem Gold. Das war eine Nacht! Eine von den Nächten, in denen man für die Erde gar keinen Blick mehr übrig hat, in denen man nur noch Augen hat für den Himmel und für das Wasser, in dem sich der Himmel widerspiegelt. Aber während Jan da vor seinem Häuschen saß und ganz in den wundervollen Anblick versunken war, stieg Plötzlich ein Gedanke in ihm auf. Es lvar wohl ganz ausgeschlossen, daß er recht sah, aber ihm war, als sei daS Himmelsgewölbe herabgesunken. Für seine Augen wenigstens war es der Erde heute viel näher alS gewöhnlich. Ganz bestimmt war das nichts Verkehrtes, er konnte sich doch nicht vollständig täuschen. Die große blaßrosa Kuppel senkte sich auf die Erde herab. Zugleich nahmen auch der Qualm und die Hitze zu, und Jan war drauf und dran, hineinzugehen. Er fühlte schon die große Hitze, die von dem zum Schmelzen heißen Himmelsgewölbe, das auf ihn herunter- kam, ausging. Jan hatte ja oft und viel davon reden hören, daß die Erde einmal untergehen werde, und meistens hatte er sich gedacht, der Weltuntergang werde unter furchtbarem Doniier und Blitz und Erdbeben vor sich gehen, wobei die Gebirge in die Meere stürzten und die Wasserivogcu sich über die Täler und das ebene Land ergießen und allöS Lebendige vernichten würden. Aber niemals hatte sich Jan gedacht, das Ende könnte auf die Weise kommen, daß die Erde unter dem Himmels- gcwölbe begraben würde und die Menschen von der Hitze und dem Qualm umkämen. Das kam ihm fürchterlicher vor als alles aitdcre. Er legte die Pfeife weg, obgleich sie erst halb ausgeraucht war, blieb aber sonst ruhig auf demselben Fleck sitzen. Denn Ivas hätte er tvohl tun sollen? DaS war nichts, das er von sich abwehren, nichts, dem er aus dem Wege gehen konnte. Man konnte nicht zu den Wassen greifen, um sich zu ver- tcidigcn, auch nicht ein Versteck suchen, um sich darin zu ver- bergen. Ja, ob man auch so mächtig gcivescn wäre, alle Seen und Meere zu leeren, so tvürdcn alle Wasser nicht hin- gereicht haben, die Glut des Himmelsgewölbes zu löschen. Wenn man die Berge aus ihrem Grund hätte herausreißen und sie als Stützen unter das Himmelsgewölbe aufrichten können, dieses schwere Gewölbe hätten sie doch nicht zu tragen vermocht, wenn es hcruntersinkcn sollte und mußte. Aber eins ivar sehr merkwürdig dabei: es lvar, als merke außer ihm gar niemand etwas von dem, was vorging. Doch jetzt, seht, seht! Was war daS, tvas dort über dem Bergkamm emporstieg? Wurde dort nicht eine Menge schwarzer Punkte auf den hellen Rauchwolken sichtbar V Diese Funken fuhren sehr schnell durcheinander und dehnten sich dann zu kurzen Strichen aus, ungefähr so, wie wenn Bienen schwärmen. Das waren natürlich Vögel. Aber wie merkwürdig, sie hatten sich von ihrer nächtlichen Ruhestätte erhoben und waren mitten in der Nacht hoch in die Luft Hiuaufgcflogen! Ja, die Vögel wußten immer mehr als die Menschen. Sie hatten es gefühlt, daß etwas Außerordentliches im An- zug ivar. Es tvurde nicht früher Nacht als sonst, im Gegenteil, die Hitze nahm noch immer zu. Und etwas anderes war ja auch gar nicht zu erwarten, denn das rote Getvölbe kam immer näher. Jan kam es vor, als sei es nun schon so tief herab- gesunken, daß es den Gipfel des Snipa, der dort drüben so hoch aufragte, berührte. (Forts, folgt.) AJandorfeG Belie-Alllonce-Strasse Gr. Frankfurter Strasse Brunnen-Strosse Kettbuser Botnni Wlinendorfer Strasse Zusendung ausgeschlossen Kohlrüben.............. Mairüben................ Sellerie...............KnonellSj 20 pl Pfund 8 PL Pfund 8 PL Weisskohl................ Phmd 8pl Rotkohl.................... Pfund 18 pl Wirsingkohl............ pfundlSpt Mohrrüben...»......... pfand12pt Konservengläser Liter Liter Vi Liter PL ßetfige................. srtcklO, ISpl Märkische ßübchen..pfDnd22pL Tafeläpfel.................... pfand45pL Tafeibirnen.............-...Pfund 55 pl Kochbirnen............. �48� RäucherherinsestckSS, 60 pl Bücklinge.......... 8�20, 30 pl Maiigerste............... PhndSSpL bss Direktion: Majc Reinhardt. Oeatachea Theiacep. "'/i Uhr: Moidnten. Sonnabend; Ko>« Bernd. Sonntag nachm. 3 Uhr(ki Pr.): J>cr Biborpolx. Kamm erspiele. S Uhr; tiespcnstersonate. Morgen: Bcspenstcrsonate. Sonnt. 21/,(kl. Pr.): Wclterlauchten. Volksbühne. Theater«. BBIewpl. H't, Uhr; Anchtnsyl. Theater i. d. Königgrätzerstr. 6 Uhr: Der Vater. Komödienhaus 8 Uhr: Der 7. Tag. Berliner Theater 8 Uhr; Zum 50. Male; Anf Flttgelw dewCiesaayea. Sessing-Theater. Direktion: Victor Bamowaky. 8 Uhr: Wenn wir Toten erwachen. Sonnabend, Sonntag: Dia oeitfen Klingsberg. fleutseh.Künstler-Theater. 8 Uhr: Der Salamander. Sonnab., Sonntag: Dar Salamander. URANIA Tanbenatr. 48/49. 8 Uhr: Lata Rorodt! Siebenbürgen, Land und Leute. am Freitag, den 27. Oktober. heater Oeatecbes Opernhans, Cbariottenb. S Uhr: 08�61». Frledrich-W IlhelmstAdt Theater s uhx: Das Drsimaderta. KebP. Herrnfeld-Theater S1/, Uhr: Villa Pschcslna. Sonntag 3 Uhr bei klein. Preisen: Z. letzt. M.: Die Ehr. V Sudermann. Vorverkauf von 11— 2 Uhr. Kleines Theater 8 Uhr: Warpen HaatlnM, tioavcracnr von Indien. Komische Oper &•/. uhr: Die scböne Kubanerin, Sonntag 4 Uhr: Heimat. Lustspielhaus B /. u. Der selige Balduin Sonnabend 31/, Uhr; Emilla Calotti. Realdenx-Thenter Metropol-Theater s uhr: Die CeardasfOrsfln. Sonntag 3 Uhr: Die Kaiserin. Neues Operettenhaas Kassentelephon: Norden 281. 8 uhr: Oer Soldat der Marie. Seblller-Theater O s uhr; Glaube und Heimat. Sehlller-Th. Cknrlotteab. e uhr: Die Frau vom Moore. Thalia-Theater sv. v.. Blondinchen. Theater am Siöllenderfpl. 8'/. u.: Blaue Joogeos. Theater de« Westen« 8 Uhr: Die Fabrt In« filflek mit Guido Thiel: Trlanoa-Theater 8' u u.: Der gutsitzende Frack.| n u.< Der Himmel an! Erda. JL Berliner Konzerthans. Mauerstr. 82. Zimmentr. 9v/Sl, Heute: Großes Konzert Berliner Konaerthana-Orohester Leiter: Komponist Frt.«. Bio«. Anfang 8 Uhr. Eintritt SO Pf. Anfang 8 Uhr. Ab 4 Uhr nachmittags: Konaert bei voller Orehe«ter- ___ bcaetgung nnd freiem Eintritt._ Gewerk sch nftshnns. Am Aonnabend. den 28. Obisber fSIS, vcranstaiien die Angestellten der Airma l�oren T Hnc l�icbtbUdvorfiihrung J? zur Unterstühung der im Feld« stehenden Sollegen von Adteilimg IL „Tie Donau von der O.««Ue bis zur Müuduug.' Vortragender: Herr Redakteur E. D i t t m a r. Humoristisch«' Vortrag«. Sonzert von Direktor VI««. Ansang de« Konzert« 7 Uhr. Ansang der vorsührung?'/, Uhr. Am Sonntag, den 29. Obtobn 1916, veranslaltct die 1. Fraucnabtciluug des TuruvtreitlS„Fichte'«wen dtitcrhaltungsabeifd mit turnerischen Vorsllhrunge«. Frl. Trete Wolsf wird uni«inen Hechtsprung mit Taltomortale»eigen und Geschwister Beyer werden am Reck noch nie Dagewesene« vorsuhren. Uonzert von Herrn Direktor Kramer. «änsebraten....... 8.00 Steierische Pute...... 2,50 Kompott, Salat...... 0,80 Speis«......... 0,40 Sonntag mittag: Tchlldfrötensupp«..... 0,25 Hecht, grün....... 2,00 Schellfisch mit Senstunte... IAO Spinat mit St...... 1,26 Im Mahagonisaal erweiterter Restaurationsbetrieb. Abends l Spezialität:»00 Fettgstnle mit Kraut, a Portion S M. Heute u. morgen: Ein sehr biiliger Zchnkllverbanf! Ein grogcr Posten fette Gänse... da« Psund von 4,00—4,50 W. Ein grosier Posten fette tönten....... da« Osunb 4,00 S». Ein groger Posten fette Hühner....... da» Psund 2,»5 M. Ein großer Posten Gänsepöfelfletsch..... da» Psund 4,50 M. Ans eigener Räucherei: Ein großer Posten Kieler Sprotte«..... da« Psund 3,00 M. Ein grofier Posten Spickaale........ da« Psund 5.50 TO. Ein groszcr Posten geräucherte Fetthrringe.. 10 Stück 0.00 TO. Kisten von 100 Stück 50,00 TO. RoscTheater« 8 Uhr: Ullis Vergeltung. Walhalla-Theater. 8 Uhr: Seetnannsliebelien. T&gl. 8 Uhr. Sonnt, 8'/,u. 8 Uhr. Nur■« oh bis 31. Oktobsr! l Der geheimnisy. J ■ Kraose' it und das groll« heiter« VarietA-Programm. 44 wirkungsvoll« Schlager i« Possen- Theater. Tiglioh 8';. Uhr: Bin unnatfirl. Sohn Sagen wir— die Hälfte mit Leonhard Hasksl. Verkaufe Depvich-Dboma», Oranienstr. 44 spottbillig iarbseblerbafte Teppiche, Gardwen. Vorwärislejern d Prozent »xtrarabatt. Kia« i-ethha«» TOoritiPta» 5S» ver> kanst Sfunf«stvla», Muffen, Marder, «er,. Alaska, Blau- und Weifisüchse, Pelzmäntel, Wagenpelze, Plüsch- und Astrachanmäntel. Kostüme, Ulster. infolge de« Kriege« statt 40—250 jetzt 20— 125 Mark. 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