Hr. 249.- 1916. Unterhaltungsblatt öes Vorwärts Der ltarnes-��rm. Der Krieg hat das Bedärfnis nach künstlichen Gliedern ins llngeheure wachsen lassen. Zumeist begnügt man sich für die oberen Extremitäten mir alrappcliarttgen Nachbildungen der Glieder, die den Mangel nicht so in die Erscheinung treten lassen. Für die Arbeit bedient man sich sogenannier Prothesen, die nur in geringem Grade willkürlich bewegt werden können, vielmehr mit der gesund gebliebenen Hand in eine durch Zahneinichlog oder Reibungs- luppelung festgelegte Stellung gebracht und dann mit besonderen Ansatzstücken für den Arbeitsvorgang versehen werden. Versuche, den menschlichen Arm wirklich zu ersetzen, gibt es eine Unmenge t keiner konnte bisher voll besriedigen. Da gelangte aus Amerika die Kunde zu uns, datz dort in dem sogenannten Carnes-Arm ein nach sehr vielen Richtungen hin befriedigender Ersatz für verloren ge- gangene natürliche Arme oder Arniteile gefunden worden sei. Die gemeinnützige Gesellschaft zur Beschaffung von Ersatzgliedern machte sich daran, diesen Arm nach Teutschland einzusühren. Das sollte nicht leicht werden. Die Einfuhr der Modelle wurde von den Engländern hintertrieben. Erst als ein mit diesen Armen aus- gestallerer Amerikaner selbst die Reise antrat, ließ man ihn passieren, ohne seine Anne als Bannware zu konfiszieren. Nun hatte man die Modelle. Der Verfertigung der Arme stand aber noch eine Reihe von Patenten entgegen, die auch für Deutschland die Nachahmung der Erfindung unmöglich machten. Auch dies Hindernis wurde beseitigt. Freitag konnte der Carnes-Arm in der Geschäftsstelle des Ver- eins deutscher Ingenieure einem geladenen Publikum gezeigt und seine Verwendung vorgeführt werden. AZie bei jeder größeren Er- findung besteht auch bei dieser das Hanptgcheimnis in der Verein- fachung der gestellten Aufgaben. Von allen Möglichkeiten, die uns der Gebrauch des natürlichen Armes und der Hand bieten, werden nur die drei notwendigsten ins Auge gefaßt. Der Carnes-Arin kann im Ellenbogengelenk gebeugt, die Hand kann in der Wurzel gedreht und die Finger können alle zugleich, nicdt aber jeder einzelne, ge- krümmt werden. Der Oberkörper des mit dem Carnes-Arm Aus- gestatteten trägt eine An Geschirr, von dem aus starke Lederschnüre als.Sehnen" nach dem Arm gehen. Die Bewegung des Unterarmes wird von einer Sehne besorgt, die vom Rücken aus den Oberarm durchtritt und von der Mille des Oberarms auf der Beugungsseite de» Gelenkes nach der Mitte des Unterarmes führt. Ungekehrl tritt die Sehne für die Beugung der Fingergelenke, mit der die Drehung der Haird verbunden werden kann, von der Brustseite her in den Arm ein. Durch Bewegung der Schultermuskulatnr und der noch vorhandenen Armstümpfe können nun die wichtigsten Verrichtungen des Armes und der Hand mit diesem künstlichen Arm nachgeahmt werden. Herr Smith, der den Arm praktisch vorführte, hat das Un- glück, beide natürliiben Arme verloren zu haben. Vom linken hat er nur noch einen Stummel, vom rechten zwar das Ellenbogen« gelenk, aber so wenig vom Unterarm, daß dies wenige als Hilfe nicht mehr in Betracht kommt. Mit Hilfe seiner beiden Carnes- Arme versuchte er sich zu rasieren und zu frisieren, was vielen Leuten mit gesunden Gliedern nicht gelingt. Er knöpfte unter Zuhilfenahme eines Schuhknöpfers seine Stiefel aus und zu, handhabte Messer und Gabel, und zwar recht energisch, trank ans einem Glase und steckte sich nach der Mahlzeit eine Zigarette an, die er einer Papicrtüte entnahm. Schreiben kann Herr Smith in etwas großen und energischen Buchstaben, die aber den Vorzug der Deutlichkeit haben. Dann verbrachte Herr Smith das schier Un- glaubliche, daß er ohne jede Beihilfe seine tünstlichen Glieder ab- legte, seine Armstümpfe zeigte, und die Kunslarme wieder an den Stümpfen befestigte. Dann kleidete er sich— ebenfalls ohne fremde Beihilfe— an. Im ganzen kann man sagen, daß der Gebrauch des CarneS- Armes den damit versehenen Amputierten von fremder Hilfe völlig unabhängig macht. Ja es ist nicht zuviel behauptet, wenn man sagt, daß Unbefangene den Träger des Carnes-ArmeS nur durch Zufall als einen Krüppel erkennen werden. Weiß man wie die Konstruktion des Armes ist, dann allerdings fallen einem eine An- zahl von Bewegungen auf, die an die unwillkürlichen Glieder- zuckungen stark Nervöser erinnern. Diese Bewegungen kommen da- durch zustande, daß die Muskelarbeit der nicht mehr vorhandenen Arme von dem Oberkörper des Amputierten übernommen werden muß, da von hier aus die Ledersehnen des künstlichen Armes in Bewegung gesetzt werden. Bedenkt man, daß der Fall einer doppelten Amputation, wie er vorgeführt wurde, zu den größten Ausnahmen gehört, daß in den allermeisten Fällen nur ein Arm oder nur ein Teil davon zu ersetzen sein wird, dann kann man sich vorstellen, welch ein Segen für die Betroffenen der Carnes-Arm sein muß. Fehlt nur ein Arm oder 651?ans Heimweh. Eine Geschichte aus dem Wärinland von S e l m a L a g e r l ö f. Es traf sich auch nicht einmal so glücklich, daß Jan gerade daheim in seinem Hause war und Klara Gulla, als sie ankam, empfangen konnte i gerade da war er auf einen kleinen Schwatz nach Falka hinübergegangen zu der alten Groß- muttcr, die jetzt aus dem Wohnhaus ausgezogen war und das Ausdingstübchen bewohnte. Sie gehörte zu den vielen einsämen alten Menschen, die der Kaiser sich bisweilen zu be- suchen verpflichtet fühlte, um ihnen ein freundliches Wort zu sagen und ihnen den Mut zu stärken. Nur Katrine stand zum Empfang auf der Schwelle des Hauses, als das kleine Mädchen in seine Heimat zurückkehrte. Katrine hatte den ganzen Tag am Spinnrocken gesessen und eben das Rädchen angehalten, um einen Augenblick aus- zuruhen, als Wagengcrassel vom Weg her an ihr Ohr drang. Es war ein sehr ungewohntes Ereignis, wenn ein Gefährt durch Askedalarna kam; Katrine trat an die Tür, um hinaus- zuschauen, und da merkte sie, daß es nicht ein gewöhnlicher Karren, sondern ein Stuhlwagen war. In diesem Augenblick fingen Katrinens Hände heftig an zu zittern. Das war eine Schwäche, die sich jetzt immer bei ihr einstellte, so oft sie erschrak oder sich über etwas aufregte. Sonst war sie trotz ihrer zweiundsiebzig Jahre noch recht ge- sund und kräftig. Sie hatte nur Angst, das Zittern könnte zunehmen und sie schließlich am Arbeiten hindern, und sie würde dann am Ende nicht mehr imstande sein, für sich und Jan den Unterhalt zu verdienen, was ihr bisher immer ge- lungen war. Um diese Zeit hatte Katrine die Hoffnung, die Tochter je wieder zu sehen, so gut wie aufgegeben, und an diesem Tag hatte sie noch mit keinem Gedanken an sie gedacht. Aber sie sagte später, von dem Augenblick an, wo das Wagen- geraffel vernehmlich geworden sei, habe sie bestimmt gewußt, wer komme. Sie ging an ihre Klcidcrtruhe, um eine reine Schürze herauszunehmen; aber ihre Hände zitterten zu heftig, sie konnte den Schlüssel nicht ins Schlüsselloch stecken. Es war ihr darum nicht möglich, sich ein wenig herauszuputzen, sie mußte so, wie sie war, hinausgehen und die Tochter be- grüßen. i eine Hand, so wird naturgemäß die Haupttätigkeit auf die noch vorhandene gesunde Hand übergehen und die künstliche nur zur Aushilfe in Frage kommen. Handelt es sich dabei nicht um die Leistung sehr schwieriger körperlicher Arbeit, so wird die Carnes-Hand den Verlust der natürlichen bei- nahe loelt zu machen vermögen. Das Beispiel des Herrn Smith zeigt aber, daß sogar ein Mensch mit nnr noch zwei Armstümpfen bei Anwendung dieser Armersever nicht hilflos zu sein braucht. Für schwere Arbeiten wird man natürlich zu den gebräuchlichen Prothesen greifen müffen. Es mutz aber verlangt werden, daß den auS dem Felde lriegsverleyt Zurückkehrenden in allen Fällen für den Ge- brauch außerhalb der Arbeitsstelle auch der Carnes-Arm geliefert wird, der nicht bloß ein Maschinenteil, sondern wirklich ein tünst- liches Glied ist, das seinen Träger in höherem Maße als andere Notbehelfe in die Reihen der Gesunden einzureihen vermag, xi. /isthermittwoch in Sukareft. Unter der Ueberschrift:„Das Leben Bukarests" schreibt der Sonderberichterstatter, Litowzew, des„Rußkoje Slowo" in der Nummer vom 8. Oktober: Bukarest ist nicht wiederzuerkennen. Das elegante, sorglose und fröhliche Bukarest hat stets seinen Namen„Stadt des Vergnügens und der Freude" gerechtfertigt. Ueber Nacht hat es alle seine leicht- fertigen Reize verloren und sich in eine höchst traurige Provinzstadt verwandelt. Scharf hat sich das äußere Ansehen der Stadt verändert. Einer ihrer Reize waren die einzigartigen Fahrten in Eguipagen. Die Toiletten der Damen und der Glanz der Brillanten machten jeden Alltagsabend zum Vorabend eines großen Festes. Es schien, als sei die Stadl eine Stadt der ausruhenden Paschas. Die Beschlagnahme hat in einem Tage diese ganze Eleganz der Straße hinweggefegt. Die schönen Pferde wurden requiriert und mit ihnen verschwanden irgend wohin die glänzenden Equipagen. Droschken sind zur Seltenheit geworden. Ganz selten trifft man auf den Straßen einen alten verstaubten Wagen, der von zwei elenden Klappergäulen gezogen wird. Eine weitere Besonderheit Bukarests bilden seine CaseS. Hier liest man keine Zeitungen, sondern überfliegt nur kurz die Depeschen, denn das Bukarester Cafe ist ein Klub, in welchem alle einander kennen und in welchem man ganze Stunden in der Unterhaltuvg über verschiedene Gegenstände verbringt. Dort entsteht die öffentliche Meinung, dort entspringen und ersterben die Gerüchte, dort wird der Ruf von Personen geschaffen und wieder veniichtet. Die Regierung hat an einent der ersten Kriegslage auf eiumal alle Cafes geschlossen, selbst das berühmte CafS Äapscha, das Cafe der früheren und künftigen Minister, sozusagen die Hochburg des ganzen Bukarestcr Klaffches. Man muß in Bukarest gelebt haben, um zu verstehen, welch ein Mut dazu gehörte, das Cafe Kapscha zu schließen. Die leidenschast- liche und träge, leichtfertig, nachdenkliche und kapriziöse Musik, welche die Bukarester Mittagessen in den offenen Gärten und Restaurants erheiterte, wurde andersten Kriegstage auf einen Befehl des Polizei- präfekten stumm. Sie half den Gästen zu vergessen, daß man nur dreimal wöchentlich Fleisch bekommt, daß das Gemüse teuer und das Wild unerschwinglich ist. Die Kinos und kleinen Theater sind ge- schlössen, die Kabaretts, welche eifrig und gewiffenhaft die Jugend Bukarests erheiterten, haben ibre schreienden Plakate entfernt und ihre Kontrakte mit den Französinnen aus Frankfurt und Breslau gelöst. Um 9 Uhr abends erlöschen alle Straßenlaternen. Nur auf der Kalea-Viktoria brennen an zwei bis drei Stellen je eine Laterne, aber sie sind so stark mit schwarzer Farbe angestrichen, daß das Licht nach außen nur durch einen kleinen Kreis in Größe eines russischen Fünfkopekenstückes hindurchscheint. Wenn Sie nicht ver- geffen haben, wie ein russisches Fünfkopekenstück aussieht, so werden Sie ungefähr ernresien können, wieviel Licht der Vorübergehende in dieser liefen Finsternis erhält. Um 9 Uhr abends müffen alle Häuser völlig verdunkelt werden. Die Polizei achtet mit großer Strenge auf die pedantische Aus- führung aller Regeln. Wenn in einem Fenster auch nur ein leichter Lichtschimmer entdeckt wird, so fliegt sofort ein Stückchen Kohle, oder sogar ein kleiner Stein hinauf. Wertvolle Dienste leistet der Polizei auf diesen Gebieten die Jugendwehr, welche der Kampf mit dem Licht und das Werfen der Steine höchstlich amüsiert. Schließlich sind auch alle Privattelephone abgestellt. Zur Ehre der Bukarester muß bemerkt werden, daß sie alle diese Unbequemlichkeiten ohne Murren tragen. Nur die Schließung der Cafes, welche in gewisser Weise als Mißtrauensvotum gegen die Reife des Publikums empfunden' wurde, hat im Publikum und in der Preffe Widerstand hervor- gerufen._ Das kleine Mädchen kam nicht in einer goldenen Kutsche dahergefahren, ja sie saß nicht einmal auf dem Wagen, sondern ging zu Fuß. Der Weg nach Askedalarna war nämlich noch ebenso schlecht wie zu der Zeit, als Erik in Falla und seine Frau mit dem Kinde zum Pfarrer gefahren waren, um es taufen zu lassen; jetzt ging sie auf der einen Seite des Wagens und der Fuhrmann auf der andern, um zwei große Koffer zu stützen, die hinter deni Wagenstuhl aufgestapelt und in Gefahr waren, in den Graben herunterzufallen. Groß- artiger ging's bei der Heimkehr nicht zu, aber mehr konnte vielleicht auch nicht verlangt werden. Katrine hatte eben noch die Haustür aufmachen können, als der Wagen auch schon vor der Pforte hielt. Eigentlich hätte sie hineilen und die Gittertür öffnen sollen; aber sie tat es nicht. Ganz plötzlich fühlte sie einen so schweren Druck auf der Brust, daß ihr der Atem versagte und sie keinen Schritt machen konnte. Obgleich der Gast, der jetzt die Pforte öffnete, wie eine Dame gekleidet war, wußte Katrine bestimmt, daß es ihre Tochter Klara Gulla war. Sie trug einen mit Federn und Blumen geschmückten Hut und ein Kleid aus feinem Stoff; aber es war trotz allem und allem das kleine Mädchen von Skrolycka. Klara Gulla eilte vor dem Gefährt in den Hof hinein und trat mit ausgestreckter Hand auf Katrine zu. Aber Katrine blieb starr und steif stehen und schloß die Augen. Gerade in diesem Augenblick stieg eine große Bitterkeit in ihrem Herzen auf. Sie meinte, der Tochter nicht vergeben zu können, daß sie lebte und nun gesund und munter daherkam, nachdem sie ihre Eltern alle diese vielen Jahre hindurch vergeblich auf sich hatte warten lassen, ja, sie wünschte beinahe, die Tochter wäre überhaupt nicht auf den Gedanken gekommen, sich wieder zu zeigen. Klara Gulla mußte gesehen haben, daß die Mutter am Umsinken war, denn sie schlang hastig die Arme um sie und trug sie fast in die Stube hinein. „Liebe Mutter, du wirst doch nicht erschrecken I" sagte sie. „Kennst du mich nicht mehr?" Katrine schlug die Augen auf und bettachtete ihre Tochter genau. Sie war ein verständiger Mensch und hatte nie er- wartet, daß das Mädchen, das fünfzehn Jahre lang fort ge- Wesen war, ganz genau so wiederkehren würde, wie sie ge- gangen war; aber sie erschrak doch über das, was sie sah. Das Mädchen, das sie vor sich hatte, sah viel älter aus. I kleines Zeuilleton. Soche und Iranzos. Im„Vorwärts" vom 2(3. d. M. finde ich im Schlußartikel der „Bilder aus dem besetzien Frankreich" eine Behauptung, die nicht unwidersprochen bleiben darf. Ich weiß nicht, wie weit E. D. der französischen Sprache mächtig ist. glaube aber aus seinen Berichten schließen zu dürfen, daß es dainil hapert und daß er daher in den Gesprächen mit den Bewohnern des okkupierten Landes manchen und manches miß- verstanden haben muß. Ich bin einige Monate während des Krieges in mehreren Departements gewesen und babe im Gespräche mit Hunderten von Franzosen und Französinnen aus der städtische» sowohl wie aus der bäuerischen Bevölkerung, mit Handelsleuten, Lehrern, Arbeitern, stets von neuem hinler das Geheimnis des Wortes„buobe�, dieses in seiner Ableitung, Herkunft und Verwendung noch immer nicht richtig aufgeklärten Schimpfworts für den Deutschen, zu kommen gesucht. Wer den Franzosen auch nur ganz oberflächlich kennt, weiß: er mag sein, wie und was er will, Taktgefühl hat er. Und so ist es mir all die hundert Male ohne Ausnahme so gegangen, daß Franzosen, denen gegenüber ich die Rede auf den „boolie" brachte, geradezu erschraken, weil wir Deutsche dieses Scherz- und Schimpfwort überhaupt kennen. Mit der ihnen eigenen Lebhaftigkeit in Gebärde und Sprache, halb bittend, halb ent- schuldigend, lehnen sie den Gebrauch, beinahe die Existenz dieses Ausdrucks ab. Und E. D. will gehört haben, daß sie einem Deutschen ins Angesichr hinein sogar sole boche sdreckiger Boche) gesagt haben sollen!?— Niemand, der die Franzosen kennt, wird dem Berichterstatter hier Glauben schenken. Ich für meine Person bestreite darüber hinaus noch folgende Behauptungen: 1. daß das Vertrauen der französischen Bevölkerung, ins- besondere der Landbevölkerung, zu ihrer Regierung jetzt noch unerschütterlich ist; 2. daß der Umgang mit den Leuton dort schwer ist: 3. daß sie etwa in ihren Volksschulen von der Geschichte Frank- reichs weniger lernen als die deutschen Volksichüler in den deutscheu Volksschulen von der deutschen Geschichte,(ü) Georg Davidsohn. vie rote Rübe als Kriegsgemüse. Jedes Gartengemüse, das zur Erleichterung der ErnährungS- frage beizutragen vermag, ist beute von besonderem Wert. Es ist daher zu begrüßen, daß die„Deutsche Landwirtschaftliche Presie" mit einer Reihe guter Vorschläge auf die große Verwendbarkeit der bis- her bei uns auffallend wenig beachteten roten Rübe als Kriegs- Volksgemüse hinweist. Die rote Rübe ist schon dadurch als Nährmittel wertvoll, daß sie einen hohen Natrongehalr hat und daher überall dort auszuhelien vermag, wo in der Ernährung die notwendige Menge Natron fehlt. Außerordentlicki vielartig ist die Verwendungsmöglichkeit dieses Gemüses, deren eine jüngst vom Kriegsernährungsamt selbst mitgeteilt wurde, daß nämlich die Blätter der roten Rübe sehr gut wie Spinat zubereilet werden können, dem sie dann auch im Aussehen gleichen, da die roten Blätter durch das Kochen grün werden. Eine vorzügliche Suppe erhält man, wenn man die rote Rübe zu gleichen Teilen mit Rhabarber oder auch Falläpseln mischt. Da gerade jetzt die Zeit der roten Rüben ist, empfiehlt es sich, sie als festen Brei in Gläsern einzukochen, da man sie dann beliebig verwenden kann, so z. B. auch als Gemüsezutat. Bekannter ist der Rote-Rüben-Salat, der durch Mischung mit Sellerie an Wohlgeschmack gewinnt und einen Oelzusatz leichter entbehren kann als andere Salatgerichte. Zum Einmachen der roten Rüben wird empfohlen, die gewaschenen, gekochten und geschälten Rüben in Scheiben geschnitten in einen Steintopf mit in Streifen geschnitte- nem Meerrettich und einigen Senfkörnern schichtweise zu legen und mit zur Hälfte wasserverdünntem E'sig zu übergießen. Die wichtigste und beste Verwendungsart der roten Rübe aber ist ihre Benutzung zur Herstellung von Mannelade. Hierzu kann man sowobl die jungen Rüben wie auch Rübenmus verwenden. Die Mischung erfolgt am besten wieder mit Rhabarber und sauren Fall- äpfeln, wobei sehr vorteilhaft ins Gewicht fällt, daß durch diesen Zusatz jede Hinzufügung von Zucker sich erübrigt. Nottze». — Eine deutsche Schule in Warschan. In der pol- nischen Hauptstadt wurde eine achtklassige deutsche Schule eröffnet. Ueber 41)0 Kinder sind dafür bereits angemeldet. als cs eigentlich sollte, denn sie war ja erst im Ansang der Dreißiger; aber das kam nicht daher, daß ihr Haar an den Schläfen schon grau schimmerte oder daß die Stirne voller kleiner Falten war, sondern weil Klara Gulla hätzlich ge- worden war. Das Gesicht hatte eine merkwürdig fahle Hautfarbe, und ein verschwommener, grober Zug lag um den Mund. Das Weiße des Auges hatte einen grauen Ton und war blutunterlaufen, und unter den Augen hing die Haut dick herab. Katrine war auf einen Stuhl gesunken und hielt die Hände fest um die Knie geschlungen, um sie am Zittern zu verhindern, und dachte an das strahlende achtzehnjährige Mädchen in dem roten Kleide. So hatte sie in Katrinens Erinnerung bis jetzt immer weitergelebt. Und die arme alte Frau fragte sich ängstlich, ob sie cs je so weit bringen würde, sich über die Rückkehr von Klara Gulla zu freuen. „Du hättest uns schreiben müssen," sagte Katrine. „Wenigstens einen Gruß hättest du uns schicken müssen, damit wir gewußt hätten, daß du noch am Leben bist." „Ja, das hätt ich tun sollen, ich weiß es wohl," ent- gegnete die Tochter. Und ihre Stimme wenigstens war die alte geblieben, sie klang frisch und froh wie früher.„Aber im Anfang ist's mir ja schlecht gegangen--- Ja, das habt ihr vielleicht gehört?" „O ja, so viel wissen wir", sagte Katrine mit einem tiefen Seufzer. „Deshalb Hab ich zuerst nicht geschrieben", sagte Klara Gulla und lachte dabei laut auf. Auch jetzt hatte sie etwas Gesundes und Tatkräftiges an sich, gerade wie früher. Sie gehörte sicher nicht zu denen, die sich mit Reue und Selbst- Prüfungen quälen. „Denk jetzt nicht daran, Mutter!" sagte sie, als Kattine fortgesetzt schwieg.„Jetzt geht's mir sehr gut, Ich bin Gast- Wirtin gewesen, das heißt, ich führe die Küche auf einem großen Dampfboot, das zwischen Lübeck und Malmö fährt, und jetzt im Herbst Hab ich mir eine eigene Wohnung in Malmö gemietet. Bisweilen Hab ich freilich gedacht, ich müßte euch eigentlich schreiben, aber ich Hab nicht recht gewußt, wo ich anfangen soll. Dann Hab ich gedacht, ich will's lassen, bis ich so weit sei, daß ich Euch und den Bater zu mir nehmen könnte. Und jetzt, wo alles geordnet ist und ich euch auf- nehmen kann, dacht ich, es sei eine größere Freude, wenn ich selbst komme, als wenn ich schriebe." Sorts. folgt) Sozialdemokratischer Wahlvereia I¥eakölln. Bureau: Neukölln, Neckarstratze S. Mittwoch, den 27. November, abends 8'/, Uhr» in den»Passage-�cstsälen", Bergstraße 150/131: Avftrsrdrlitliche Ge«krsl-Dcrsammlll«g. Tagesordnung! i. Bericht von der Derbandsgeneralversammlung GroK-Derki». L. Diskussion� 3. Verschiedene». Es wird um zahlreichen Besuch gebeten, da e» fich mn wichtige Sc. schlösse handelt. 239/12 l»er Vorstand. Zentral'filahlvereiD CdtoW'BceshoW' Charlotten bürg. Ortsverem Schöneberg. Dienstag, de» Zt. Oktober ISIS, abends 8'/, Ubr, t» den Neuen RatliauSsäleu(Tunnel). Martin- Luther- Ztr. S8: Mitglieder- Bersammlung Tagesordnung: 1. DaS Ergebnis der ReichSlonserenz. R-serent: M. Groaer. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. B Zahlreichen Besuch erwartet 198/4 ttor Vorstand, g. g.: Wilh. Frltztcha, R. KBter, 1. Lazar. Verrvaltnnjj Berlin. Tel.-Amt Moritzplatz 10623, 3578. Bureau: Rungesiratze 30 Vertra&gnstnänner-Versamnilttngen; Mittwoch, den 1. November, abends 8 Uhr, in folgenden Lokalen: Veugolber bei Hcdmann, Engelufer 1». Korbmacher bei flrause, Mariannenplatz 8. Tischler! Südost I u. H, Stellmacher, abends«'/- Uhr, bei Hummel, Sophienstr. v. Tischler, Bezirk Südwesten: 8 Klavierarbeiter: R«ng/strAl«den»g:leclren. Zeitbild o.Mcysel. Ans. 6 U. Sonntag nach, mittag 3 Uhr: (Ermäg. Preise): MüsiMelil! imSctiiitzenpbea Clrcua«B Öliscll 8 Uhr Täglich 8 Uhr � Die ersolgreiche sönsaktige Märchen-Prunl-Pantomime llio lZölesliMmio. Vorher da« grohe EircuS. Programm. V oigt-Theater. Badstr. SS. Badstr. 58. Täglich- Das lkhte Watt. Kasscneröflnung 7 Uhr, Ansang 8 Uhr. TägL 8 Uhr. Sonnt. 31/, u. 8 Uhr. Nur noch bis 31. Oktober! 7 Der geheimnisv. J ! Krause• und das große heitere «Yarietb-Programm. 44 wirkungsvolle Schlager*• Uirehtion: Max Reinhardt Dentschos Tneater. 7'/, Uhr; Soldaten. Mittwoch:«tose Bernd. Kamniersplele. 8 Uhr; OcHpenistersonate. Mittw.: Ucspensterwonate. Volksbühne. Theater a. Bülowpl. S1/. Uhr: Nachtasyl. Mittwoch: Xachtasyl. Theater i. d. Königgrätzerstr, 8 Uhr: Paul Bange nnd Tora Parsberg-. §Com5di@nhau$ 8 Uhr: Der 7. Tag. Berlinsr Theater 8 Uhr: Auf Flügeln des Gesanges, Sesslwg-Theater. 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Nickel! Aluminium! Biet I Zink i GlüHstrumplasche! HöchstzaHIeud Silhcrschmelzcrei! Meiall-EtnlausL- hureau, Weherstratze 31. Amt Alexander 4243.* Scktkorken, Weinkorken aller Art, jeden Posten, Stanniolpapier, Flaschen- kapseln, lauft HöchslzaHlcnd Malchaus. Alte Leipzigerstratze 21._* Quecksilber, Zinn Sianniol. Aluminium, Messing, Kupscr, Blei, Zink, Sian Bruchsiiber, Glübstrumpiasche höchst- zahlend. Metallschmelze Cohn. Brun- nenstratze 25 und Neukölln, Berliner stratze 76._' flahrradankauf, Weberftratze 42. auch defekte 185/9* Säcke, auch zerrissene, sowie Packleinen, kaust höchstzahlend Fröhlich, lvlagazinstratze 1. 238/5 Jk Sertmer Konzertbaas. Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. Meute: Großes Konzert Berliner üiouzert Ii uns- Orchester Leiter: Komponist Frz. v. Glon. Anlang 8 Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfang 8 Uhr. Ab 4 Uhr nachmittags: Konzert bei voiier Orcbestefbesetzung und freiem Eintritt. Possen- Theater. Täglich 8V, Uhr: Ein unnatürl. Sohn Sagen wir— die Hälfte mit Leonhard Haskel. t i. Ql geheimnis- i volle psycho- logische HePfaujauilaDist ®ö!,in DireksenstFaße 20 zwischen Bahnhof Aleranderplatz und Polizeipräsidium.—Amt Kst. 3208. Für Damen Frauen-Bedienung.* Lieferant sür alle Krankenkasse» Unterricht Klavierkursus. Erwachsenen Schnellmethode, Monatspreis 3,—. Klavierüben steh Musikakademie Oranienstratze 63(Moritzplatzst_* Klavicrstunden erteilt ehemaliger Schüler der Königlichen Hochschule. Engest Neukölln, Harzerstratze 37. Englischen Nnterrrcht sür An- sänger und Fortqcichrütenc. sowie deutsche und französische Stunden er- teilt G. Swienty, Charlottenhurg, Sttlttgartcrvlatz 9. Ganenbaus IV, Nlandoltnenspiel, Gitarren-, Laulengesangshegleitung, Solospiel, DreimonatSkurse zur perfetten Aus- hildung,6,— Monatshonorar.Klavier-, Violmunterricht. ErnslQranienstr.166. Lehrinstrumente hilligst. Nachtrag 1916. Die Seplcmher Lagerhalter vom 12. gegen den Herrn Schievitz, Neukölln,'Wilden bruch stratze 89, ausgestreuten Ver« däcktigungen und Verleumdungen nehme ich mit dem Ausdruck des Bedauerns und als unwahr zurück. Hulda Poddanh, Anzengruher. stratze 23. 43 Patentauwalt Müller. Gilschiner. stratze 16. Kunftftopfcrei GrotzeFranffurler. stratze 67. 68K* Vermietungen Schlafstelle vermietet Jahnke, Manteuffelftratze 89, parterre. 3j- Arbeitsmarkt Steilenangebote Sargtischler und Bandsägen- schneider hei Hohem Lohn verlangt Sargsahrikation G. m. h. H., Berlin« Lichtenberg, Hauptstraße 5. Meldung beim Portier. Korbmacher auf Gestelle, Dril- linge, Unterteile Weide, verlangt Max Höst Neukölln, Berlinerstratze 32. Zeitungsaustriigerin. Tour Nonncndanrm, sofort verlangt.»Vor- wärlS'-Spedition Spandau, Brette- stratze 64 ZeitungSauSträgerin sofort ver- langt.VorivärlS'-Spcditton Tempel- hos. Bvrussiastr. 62. Job. Krohn.* Wrr suchen einige L* iUnhilg« K«»n�i*«»Iisui*« zrun sofortigen Einlrilt sür unsere Kontrolle. Die Stellung ist dauernd. gut bezahlt und iiir Kriegsbeschädigte geeignet. Bewerber, welche Erfahrungen im Maschinen- und Flugzeugbau besitzen, wollen ausführliche Angebote unter Angabe der bisherigen Tätigkeit, Alter, MstitSrocrhältnisse und Gehaltsansprüche nebst Bild mid Zeugnisahschristen einreichen an Sansa- und Krandendurgische Flugttugiverkt A.-G. Flugplatz Briest bei Brandenburg. llpskep, Msph-suNms«ksp, Svhlosssp für unsere GeschotzdreHerei gesucht. Panzer A.-G., Bastianstr. 13. TCchtägsa1 Mechaniker sür Präzistons-Wcrkzeuge in dauernde Stellung bei liobem Lohn gesucht. Bewerber mutz selbständig und exakt zu arbeilen vermögen. Anerbieien mir Angabe der bisherigen Tätigkeit erbeten an(185/141 lJiipeF-VöFke, Aklieagesellschaft, Dresden. Allgemeine Orts- Krankenkasse Dttiin-Sitglitz. Kekannimachuug. Die Berireter her Arbeitgeber und Versicherten im Ausschutz werden Hiermit zu der am Mittwoch, den 8. November 1916, abends SV-Uhr, im Wirtshaus»Hohenzolleru«, Bcrliiiickestr. 2 hier, stattsindenden Ansschnüsitzuna eingeladen. 271/9 Tagesordnung: 1. Geichäfiliche MUteilungen. 2. Erledigung der Dienstordnung. 3. Beschlutzsassung über den Haus- baltsanschiag sür 1917. 4. Wahl des Ausschusses filr die Prüfung der Rechnung des laufeu- den Jahres. S. Verschiedenes. Berlin-Sieglitz, den 28. Ölst 1916. Der Borstand. SS. Alfermann, Borsitzender. Bertäufcrinneu. tüchlige, sür ver- schicdcne Abteilungen, sofort gesucht. Meldungen von 1—2Uhr mittags oder 7— 8 Uhr abends. Ist Jandorj u. Co., Lelle-Allianceftratze 1/2.____ Zeitungsansträgerin mit Hille verlangt VorwärlS-Spedilion Pankow. Mühlcnstratze 30.* Maurer werden sofort eingestellt aus dem Fabrikncnba« der Nationalen �.otonlodil-liesellzchalt vherschgnowelds, Ostend« Ecke Buuffelstraffe. Zu melden heim Polier. 224/6* Zimmerleute werden sofort eingestellt auf dem Fabrikneubau der Nationalen Automobil-Gesellschaft Oberschöneweide, Ostend. Ecke Bunkelstraffe. Zu melden beim Polier. 224/7* Bauarbeiter werden sosort eingestellt aus dem Fabrikneubau der Nationalen Automobil< Gesellschaft Ober. schöneweide. Ostend-, Ecke Buntzcl- stratze. Zu melden beim Polier.* Zimmtllklite, Tischler und Ivhotfor finden dauernde Bclchäs- Aiviilt'k ligung t84/7 Zimmerpled. tSSfSHX für dauernde Arbeit bei guten Löhnen gesucht. �vulzx, Kttckcn dt Co., • Koloniestr. 89—90. Tüchtige Schmiede, Schlosser, Werkzeugmacher, Gesenkbauer, Dreher, Fräser, Hobler und Stellmacher sür Waggonbau und Hecrcofahr« zeuge werden noch eingestellt. Orenstsin& Kappel- Arthur Koppel A. G. Spandan,* Hamburger Straffe Nr. 44. 15 Arbeiter auf Drillingsuntergestelle verlangt LedUll. Charitdstr. 3. Maurer werden eingeilcllt. Ncubeu Gottsohslk 4 Uiehaells, N e u t ö l l n, Lahnstr. 32/35. Karbidtischlampe», Sturmlaternen 4,50, 5,75, 7,50, Karbid billig. Händler Kubatd, Weberitratze 42. 185/1 :\kkordmaurer und Steinfahrer für großen Berliner Fabrikbau sosort gesucht. Meldungen von 8—10 und 5-7 Ubr im Bureau der sl86/11 HeliUFpamke Äktieipellsebalt, Berlin!SO 10, Am Äölluischen Pari 1.___ Verantwortlicher Rehaktenr:»Ifreb Wielevv. Neulölln. Für de? Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck u-Lerlag: Vorwärt« Buchdrucker«» u. VerlagSanstalt Paul Singer& To, Berlin SW.