Nr. 252.- 1916. Unterhaltungsblatt des Vorwärts Fttitlly.Z.Novtmbrr. Jm wiesental. CSun Jakob Altmcier. (Schluß.) Acußerlich ist der Meister hart wie sein Handwerk, und der Lehrjunge wagt nicht in seiner Gegenwart zu sprechen. Dennoch hat der Alte ein gar wei&es Herz. Kürzlich war er zwei Tage >cher Feld, um bei einem Müller Oer aus der gcpflanzten Frucht schlagen zu lassen. Als ich am dritten Tage in die Werkstatt komme, fliegen die Funken diel wilder durch den Raum als sonst. Trotzdem er kräftiger dreinschlägt als sonst, spitzt der Schmied oft den Mund, als pfeife er in Gedanken. Nach einer Weile erzählt er mir von seiner Reise. Keine langen Geschichten. Nur ein paar kurze, ad- gehackte Lmtzc....„Wisse sc, i hüb de Knecht e Trinkgeld gewwe, daß se vora mache; i häd wcrkli Hämweh g'hat." In der Schmiede fliegen lustig die Funken»ach allen Seiten. Ein andermal sehe ich: der Schmied hat etwas auf dem Herzen. Als der Nachbar fort ist, lvinkt der Alte mir zum Amboß heran. soll. Gelehrt isch mer was. 11« es mutz aach ebbes Hehersch gewwe: Wonn i mei Hammer nid uffheb, vun sclbscht dut er sich nid recke. Awwer i Waas nid, i Waas nid. Wonn mer on all des dill Blud denkt. Un es sein doch all Mensche. I werr bal der- ruckt!" Eine Weile ist es ganz still in der Schmiede, datz den Worten ein stummes Echo entsteht. Dann faucht wieder der Blasbalg, und der Ambotz tönt hell unter den schweren Schlägen. Drüben geht der alte Pfarrer voricher, gebeugt von den Jahren. Der Schmied zieht in der Werkstatt eilig die Kappe. Aus dem unweit entfernten Kirrlach haben sie einen plötzlich erkrankten Urlauber bei uns eingeliefert. Zu Sause liegt seine kranke Frau. Das kümmert ihn am meisten. Kein Mensch vorn und kein Mensch hinten, der die Arbeit besorgt. Dabei stehen zwei Kühe im Stall und die Ernte will herein. Am Sonntag waren die fünf Kinder des Kirrlachers bei dem Vater. Der älteste ist ein Knabe von elf Jahren. Heute ist Samstag. Um drei Uhr in der Frübe höre ich unten am Tore rappeln. Zwei Stunden später wird geöffnet. Und schnaufend kommt jemand barfuß die Treppe herausgerannt, öffnet leise, ängstlich die Zimmertür. Es ist der elfjährige Bub, der zu dem schlafenden Kirrlachcr schleicht „Vaddcr, Vadder, die Müdder isch gestorwe."— Jesses Maria un Josef!" fährt der Kranke auf. In der Ecke schluchzen zwei. Der Alte ganz tief, der Junge>)cll und leise; wie die Abendglocken. Die Schläfer werden wach, richten sich auf, begreifen nicht, legen sich wieder um mü» schlafen weiter. Zum Fenster herein kommt der junge Tag! » Rund um Wiesental zieht der Badische Wald. Stolz und schön stehen die Eichen und Tannen, wie nirgendwo. Der Wald trauert! Es ist unheimlich still darin. Kein Ruf erklingt und keine Axt klingt. Man erschrickt, wenn sich ein Eichhörnchen plötzlich hoch- schwingt Und wenn gegen Abend der Wind gegen die Kronen streicht, so ist es, als schluchzte der Wald. Manchmal hört man von Verdun herüber die Kanonen zittern. Weint der Wald, weil dort drüben so viele fallen, die hier gewurzelt sind? Gestern erst haben sie dem Peter Rolli geläutet Es ist der siebenundsechzigste. Wir gehen zurück ins Dorf. Es ist gegen acht Uhr. AuS der Kirche kommt der Pfarrer im schwarzen Metzgewand mit drei Mehdiencrn. Einer schreitet voran und trägt das Kreuz. Aus den Häusern eilen schwarzgekleidete Frauen. Hier und da trägt eine einen Kranz. Die Totenglocke hebt zum dritten Male an. Man muß jetzt am Abend begraben; denn tagsüber hat man keine Zeit. Heute bringen sie eine fremde Frau zur Ruhe. Ihr Mann, ein-geborener Wiescntaler, stand bei Kriegsausbruch als Grenz- Wächter an der französischen Grenze und wurde gefangen. Kinder haben sie keine. Als sie ihr Ende kommen sah, ließ sich die Tote in die Heimat ihres Mannes bringen, um dort begraben zu werden. „Und Ruth sprach zur Noimi: dein Gott sei mein Gott, und dein Land sei mein Land. Wo du hingehst, will ich auch hingehen, und wo du stirbst, will ich auch sterben, und daselbst begraben werden." Der Priester hat die Leiche eingesegnet. Der Trauerzug bc- wcgt sich langsam zum Kirchhof. Durch die Stratze klagt das Miserere; vorbei an dem alten Totenacker, der längst keinen Platz mehr hat und auf dem neben den vielen Einheimischen auch die sechs Preußen Heimatrccht erworben haben, die in Wiesental bei dem Badischen Aufstand gefallen sind. Schön dünkt uns Soldaten der Leichenzug und keine Trauer will in uns aufkommen. Wir haben auch bei Verdun den Tod nicht gefürchtet. Nur ein Grab hatten wir uns gewünscht. Die sie da vorn hinaustragen, geht beneidenswert ihren Gang und wo man sie hinlegt, ist Friede. Sonntags wird man siejbesuchen und stets ihre Stätte finden. Die untergehende Sonne wirft ihr Gold über das hochge- tragciie 5?rcuz, auf den schwarzen Sarg, die Menschen, den Kirch- Hof, über die braunen Ackerschollen und weit über das Land! * Wir sitzen zu viert in einem Nobenzimmer des Gasthauses zum Löwen. Rur spärliches Licht fällt durch den einen, geöffneten Fensterladen. In der Ecke steht �cin Klavier. Einer von uns, der Lehrer, spielt. Wie lange haben wir Musik entbehrt? Die Klänge wärmen den Raum und uns selbst. Wir find ganz trunken von den Tönen. Ein Reif fällt von uns ab. Wir leben wieder in der Vcr- gangenheit und sprechen von der Zukunft. Von Frieden und Glück, von Menschen und Freude Und Arbeit und Segen. Mittlerweile ist es dunkel geworden. Die Unterhaltung ist eingeschlafen. Jeder sinnt für sich und keiner denkt mehr an den anderen. Da klingt es auf einmal ganz leise und innig in wunderbaren Tönen, datz einem das Herz stockte: „Ein Vöglcin satz im Lindenbaum in lauer Sommernacht...." Und scheltet uns vier Narren: Als der SchlutzverL berklang: „Ich habe leis geweint" da weinten vier. Und keiner wußte warum?.... * Es ist Nacht in Wiesental! Aber die Ruhe findet man nicht. In den Ecken drücken sich Arbeit, Sorge und Kummer. Tag ist wie Nacht, und Nacht wie Tag! In dem Lärm des Tages gähnt uns die Leere entgegen. In der Stille der Nacht hören wir den Krieg branden und brausen. In der Ferne rollen unaufhörlich schwere Güterzüge die Strecke entlang. Unaufhörlich! Von der Front— nach der Front. Hin und zurück; zurück und hin!(r) Kleines Feuilleton. Das Kunstgewerbemuseum. Ucber das Klinstgewerbemuseum sprach im Zentralinstitut für Erziehung und Unterrichl der Direktor dieser Sammlungen Professor v. Falke am Mittwoch. Die Kunstgewerbemuseen sind im Zusammenhang mit einer Reformbewegirng der kunsttechnischen Erziehung cnlstanden, die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts durch ganz Europa ging. Zwar reichen kunstgewerbliche Sammlungen bis in die römische Kaiserzeit zurück; sie gehen im Mittelalter und der Renaisianee als Kirchenschätze und fürstliche Schatz- kammern weiter. Aber diesen Vorstufen fehlte noch das Merkmal der neuen Kunsigewerbemusecn, der ausgesprochene Zweck der Erziehung und Geschmacksbildung, der Cbarakter der Lehrmittel- sammlungen. Die erste Weltausstellung 1351 in London hatte das durch die antiklassizistische Reaktion, die Romantik und den Natura- lismuS hervorgerufene Stilchaos im Kunstgewerbe, die Mängel de» damaligen lunsttechnischen Unterrichts enthüllt und den Anstoß zur Reform gegeben, die die Kunstgewerbemuseen von London, Wien, Berlin als die ersten Bildungsstätten ihrer Art ins Leben rief. Sic wirkten zunächst, technologisch geordnet, nicht gegen, sondern für das bereits seit mehreren Jahrzehnten geübte stilnachahmendc Kunstgewerbe, da sie mehr als Musterlager ausgenützt als studiert wurden. Mir dem Ausleben der nachahmenden Richtung, um 1999, war ihre Rolle als unmittelbare Vorbildersammlung vorüber. Sie treten in die Reihe der Kunstmuseen und vermitteln in diesem Zu- sammenhang die deutlichste Darstellung der stilistischen und kullur- geschichtlichen Entwicklung. Demgemäß ist ihre Aufstellung vom tech- nologischen zum stilgeschichtlichen System übergegangen. Eine Ver» besierung ist iünftig noch durch die Trennung in Schausammlungen und Studiensammlungen möglich. Wie die deutsche hanöelsschiffahrt stch für den frieden rüstet. Zweifelsobne wird eine der wichtigsten Fragen nach dem Kriege für jeden Staat darin besteben, möglichst sofort die Handclsschiffahrt in vollem Umfange in Wirksamkeit treten zu lassen. Darum wurde bei uns die Wichtigkeit einer fortgesetzten shsteniätrschen Rüstung der HandclSschistahrt während des Krieges für die Friedensbedürfuisfe erkannt wobei es vor allem gilt, die verloren gegangene Tonnage durch Neubauten von Handelsschiffen zu ersetzen und außerdem den Tonnengehalt unserer Handelsflotte überhanpr zu vermehren. In toelch hohem Matze dieser Aufgabe bei nnS genügt wird, läßt sich den Tatsachen entnehmen, die Georg Schultze-Bahikc in»lieber Land und Meer" zusammenstellt. Die deutsche Haudelsschiffahrt verfügte bor dem Kriege über 5 Millionen Brnttoregistertonnen Ueberseedampser. Die Friedens» rüstung für unsere Haudelsschiffahrr besieht in dreierlei: im Ausbau der binneuländischen Wasserstraßen mir unseren Welthandelshäscu, im Ausbau der städtischen Hafenanlagen_ und in der Kon- stcuktion neuer Dampfer. Ilnler den Reichslvassersiraßen sind vor allem der Rhein— Main— Donau-Kanal und der Rhein— Mosel— Douau-Kaiial voir Bedeutung. Sehr rege wird auch die Erweiterung der städtischen Häsen durchgeführt. Berlin baut den „Westhofen mit zwei Hafenbecken von nicht weniger als 3 Hektar Wasserfläche und 2599 Meter Kaimauerlänge. Der Berliner West« Hasen wird nach seiner Fertigstellung in einem Jabre nicht weniger ats 1 999 999 Tonnen fassen können. Mit bedeutenden Hafenbauten ist man auch in Stettin beschäftigt, und in Hamburg arbeitet man an der Fertigstellung der bereits im Frieden bcgoiincnen neuen Hasenanlagen. Die Bautätigkeit unserer kleineren und großen Schiffährtsgesell- schaften kann an einigen Beispielen erläutert werden. Bei der DampsschissahrtSgeiellschaft„Hansa" in Bremen wurden während des Krieges sechs bei Kriegsausbruch im Bau besindliche Dampfer abgenommen, zwei Neubauten wurden in diesem Jahre gc- schaffen und außerdem wurden noch sechs neue Dampfer bestellt- Zahlreiche Gesellschaften, wie die Kosmos-Linie, die zehn Schiffe bauen läßt, die Bremer Roland-Linie und die Kouliuentale Reederei in Hamburg haben ihr Aktienkapital infolge ihrer Neubauten vergrößert. Ganz Außerordentliches leislen in Bezug auf Neubauten unsere führenden Schiffahrtsgescllschaften, die Harn- burg-Amerika-Linie an der Spitze. Die Hapag_ vollendete ihren größten Amerikadamvser„Bismarck" und baul außerdem ein neues Turbinenschiff„Tirpitz" mit 32990 Bruttorcgisterionncu. Außerdem werden für die Hambnrg-Amenka-Lmie gebaut drei 32 00S-Toimen-Schiffe, neun Frachtdainpfer, von denen vier mit je 13 909 Tonnen als die größten der Welt bezeichnet iverden müssen, fünf kleinere Frachtdampfrr und für den Verkehr durch den Panama- kanal zwei besonders bequeme und elegante 17 999-Toniien-Dampfer, die von der Tecklenburger Werft in Geestemünde durchgeführt werden. Insgesamt sind also gegenwärtig für die Hamburg- Amerika-Linie 350 000 Tonnen im Bau gegen 299 909 Tonnen Ende des Jahres 1913. Außerordentlich ist'auch die Bautätigkeit für den Norddeutschen Lloyd. Hier sind die beiden in Danzig gedanten Schnelldampfer„ColumbuS" und„Hindenbucg" mit je 35 090 Tonnen zu nennen, weiter die 16999- Tonnen- Dampier„München" und„Zeppelin", sowie noch 12 andere Schiffe mit je 12 999 Tonnen. Insgesamt also 246 090 Tonnen Neubauten. Auch die Hamburg-Südamerilanische Dampf- schiffahrtsgesellschaft. die Levante-Gesellschaft und die Afrika-Linie haben zahlreiche und bedeutende Neubauten in Austrog gegeben. Demnach sind die deutschen Werften im Kriege für unsere Handels- marine mit dem Bau von mehr als 3ji Millionen Handelstonnage beschäftigt, was der beste Beweis für die unbeugsame LeishmgS- fähigkeit unserer Handelsschiffahrt ist. Der neue Siberechts öer Gemäldegalerie. Als im Jabre 1910 die drei Hauptwerke des Flamen Jan Siberechts in Brüssel zum ersten Male gemeinsam zur Ausstellung gelangten, wurde die Aufurerlsamkeit der Kunstverständigen und der Kunstfreunde stark auf diesen vis dahin nickt ganz nach Verdienst gewürdigten Maler hingelenkt. Nun ist. wie die„Amtlichen Berichte aus den Königlichen Kunstsammlungen" mitteilen, ein schönes und besondels charakteristisches Werk des Antwerpener Meisters durch Vermächtnis an die Berliner Gemäldegalerie gefallen. Es stellt, wie viele andere Schöpfungen Siberechts, eine Furt dar, durch die eine hochgeschürzte Hirtin ihre Tiere treibt. Im Hintergrund sieht man eine Waldlmidsckaft, im Zwischengrund eine Wiese, die von weidenden Kühen belebt wird. Das Bild_ ist in schönen, klüftigen Farben mit starler Hervorhebung der einzelnen Figuren gemalt und zeigt hübsche Lichtesiekle. Die Maltveise Siberechts erinnert zuweilen stark an die Paulus Potters, v. d. Veldes und andere Niederländer. Ucberhaupt darf Siberechts als der holländischste unter allen flämischen Malern airgesprochen werben. Der„Maier der Furten", wie man ihn füglich nennen könnte, ist 1627 in Antwerpen geboren und wanderte 1672 nach England aus, loo er in den ersten Jahren deS 13. Jahrhunderts starb. ß8J ?ans Heimweh. Eine Geschichte au» dem Wärmland von Selma Lagerlöf. „Da ich dein alter Lehrer bin, Älara Eulla, so sage ich dir jetzt meine Meinung gerade heraus. Du willst einer Pflicht entfliehen, aber es ist nicht gewiß, ob dir das gelingt. Ich habe aitdere gesehen, die dasselbe versucht haben, aber es hat sich gerächt." Als Katrine dies hörte, richtete sie sich auf und tat einen tiefen erleichternden Atemzug. Das waren die Worte, die sie selbst gern zu der Tochter gesagt hätte. Aber Klara Gulla antwortete ganz gelassen, sie wüßte durchaus nicht, wie sie es anders einrichten sollte. In eine fremde Stadt könne sie einen Verrückten unmöglich mitnehmen, aber sie könne auch nicht in Svartsjö bleiben, dafür habe ihr Vater selbst gesorgt. Wenn sie an einem Hofe vorbeigehe, so kämen die Kinder herausgestürzt und riefen ihr Kaiserin nach, und am letzten Sonntag in der Kirche hätten die Leute sie so angestarrt sind umdrängt, daß sie sie fast umgeworfen hätten. Aber der Küster-blieb trotzdem bei seiner Ansicht. „Ja, ich begreife, daß dies schwer ist," sagte er.„Aber du und dein Vater„ ihr seid gar so innig verbunden gewesen, das läßt sich nicht so leicht zerschneiden, glaub es mir, Klara Gulla!" Als dies gesagt war, verließen beide das Warenlager, und Katrine folgte ihnen. Sie war jetzt ganz anderer Meinung als vorher und> wollte den Küster gerne sprechen, aber che sie zu ihm hinging, drehte sie sich um und spähte nach dem Hügel binüber, denn sie hatte das Gefühl, daß Jan nun bald kommen würde. „Hast du Äugst, Vater köimtc hierherkommen?" fragte Klara Gull», als sie von dem Küster weggegangen und wipdcr zu ihrer Mutter getreten lvar. „Angst?" antwortete Katrine.„Ich bitte den. lieben Gott um Nichts.' weiter, als daß er Jan hier cintreffen läßt, ehe ich abgereist: bin." Dann nahm sie all ihren Mut zusammen und führ fort: „Klara Gulla, ich Hab das Gefühl, daß ich ein Unrecht begangen Hab..und ich glaub, ich werd mein ganzes Leben lang ddsür leiden müssen�" .Das sagt ihr nur, Mutter, well ihr euer Leben lang in Elend und Dunkelheit habt sitzen müssen," erwiderte Klara Gulla.„Das wird anders werden, wenn ihr nun in die Welt hinauskommt. Und Vater kann keinesfalls hier- herkommen, denn er weiß ja nicht, daß wir fortgereist sind", fügte sie hinzu. „Glaub das nicht zu fest!" sagte Katrine.„Jan weiß trotzdem, was er zu wissen braucht. Seit du für uns per- schollen gewesen bist, ist er hellseherisch geworden, und das hat mit jedem Jahr zugenommen. Der liebe Gott hat wohl gedacht, dafür, daß er ihm seinen klaren Verstand gcnonmien hat, müsse er ihm ein anderes Licht geben, mit dem er sich leuchten könnte." Und um Klara Gulla zu beweisen, daß Jan das zweite Gesicht hatte, wie man eS nennt, erzählte ihr Katrine in gedrängter Kürze von Lars Gunnarssons Tod, sowie ein paar andere Ereignisse der letzten Jahre. Klara Gulla hörte aufmerksam zu. Verhcr schon hatte Katrine versucht gehabt, ihr zu berichten, lvie gut Jan gegen mehrere arme Leute gewesen sei; aber davon hatte Klara Gulla nichts hören wollen. Jetzt aber schien sie tief ergriffen zu sein, und Katrine hoffte schon, sie werde Jan nun mit anderen Augen betrachten und überdies sogar mit ihr nach Hause zurückkehren. Aber diese Hoffnung durfte sie nicht lange festhalten. „Da ist das Danipfboot, Mutter," unterbrach sie Klara Gulla mit froher Stimme.„Jetzt geht alles gut und wir kommen endlich vom Fleck. Als Katrine das Dampfboot am Landungssteg anlegen sah, traten ihr die Tränen in die Augen. Sie hatte den Küster Svartling bitten wollen, für sie und Jan ein gutes Wort bei Klara Eulla einzulegen, damit sie miteinander in ihrem Häuschen bleiben dürften: aber dazu war nun keine Zeit mehr, und sie sah keinen Ausiveg, der Reise zu entgehen. DaS Boot mußte sich verspätet haben, denn es hatte es sehr eilig, wieder abzufahren. Richt einmal das Gaugbrctt wurde hinausgeschoben. Ein paar arme Reisende, die aus- steigen wollten, wurden von den Bootsleuten auf den Landungssteg beinahe hinübergeworfen. Klara Gulla faßte Katrine am Arm, ein Mann zog sie hinüber, und dann war sie an Bord. Sie weinte und wollte umkehren, aber da gab eS kein Erbarmen. In dem Augenblick, wo Katrine auf Deck gekommen war, trat Älara Gulla zu ihr und legte den Arm um sie, wie um sie zu stützen. „Komm, wir wollen auf die andere Seite hinübergehen," sagte sie. Aber es war zu spät; jetzt eben sah die alte Katrine einen Mann eilig den Hügel herablaufcn, und sie crkamiic ihn auch sofort. „Da ist Jan!" sagte sie.„Ach, was wird er nun tun?" Er stürzt sich am Ende ins Wasser!" Jan blieb ganz außen auf dem Steg stehen. Da stand er, klein und jammervoll. Er sah Klara Gulla auf dem ab- fahrenden Boot, und größere Verzweiflung und tieferen Gram kann ein Gesicht nicht ausdrücken, als das seinige jetzt zeigte. Aber mehr als der Anblick ihres Mannes war für Katrine nicht nötig, um ihr die Kraft zu geben, sich der Tochter zu widersetzen. „Wenn du durchaus reisen willst, so tu'?," sagte sie. „Ich aber steig an der nächsten Haltestelle aus und geh wieder heim." „Tut, ivas Ihr ivollt, Mutter," sagte Klara Gulla verdrossen. Sic sah lvohl ein, daß sie hier nichts ausrichten würde. Und vielleicht fühlte sie auch, daß sie gegen den Vater zu grausam geivescn waren. Aber es ward ihnen leine Zeit zum Wiedergutnmchen gewährt. Zum zweitenmal wollte Jan der Freude seines Lebens nicht verlustig gehen. Er sprang vor und warf sich ins Wasser. Vielleicht hatte er zu dem Danipfboot hinüberschwimmen wollen, vielleicht aber hatte er auch ganz einfach emgeschcn, daß er das Leben nun nicht mehr ertragen könnte, wer konnte es wissen? Aus dem Landungssteg erhob sich lautes Geschrei; sofort wurde ein Boot ausgesetzt, und ein Frachtdampfer legte bei und schickte seine kleine Jolle aus. Aber Jan- war sofort untergegangen, und er tauchte nicht ein einzigeSmal mehr an der Oberfläche des Wassers auf. Der 5laiserstock und die grüne Ledermütze schwammen auf dem Wasser, aber der Kaiser selbst war verschwunden, ganz still und spurlos; wenn diese Kleinode nicht auf den Wellen gespielt hätten, würde man kaum haben glauben können, daß er da verschwunden war. (Forts, folgt.) Sind j die Anrn, Geh' ta Ruhnkel Friedenau: Nur keine Vrille! So denlen diel« und haben recht, denn der Ruhtike- Finger-Kneifer ist der Srill» überlegen. Er fiyt ebenso gerade, ebenso fest, aber er ist fast un licht- bar und drückt nicht. Dabei läht er sich viel leichter auf- und absetzen, ein Griff mit 2 Fingern genügt dazu. Lassen Sie also die Brille jenen, die würdig und ülter aussehen möchten. Tragen St« aber«inen lleidsamen Stuhnle-Finger-Kneifer, der genau patzt. Unser Lager darin enthält so diel« ISittrn, Stegformrn. Grützen und Preislagen, datz Sie sicher sein können, bei uns da« Rechte zu finden. Nubnke-Finger-Kneiser kosten ohne Randeinsaffung in Nickel S.— Sit, in Doublb 8.50, 10 und 12.— Ml., in Gold 22.- und 2t.- M. Rost«nlo» prüfen wir klugen und Sehkraft mit Sorgfalt und garantieren für paffend« Gläser sowi« für Halt- barkeit aller Faffungen von 4.50 M. an. Dafür erhalten Sie bei uns schon gut« Kneifer oder Brillen(obn, Gläser) und dazu noch ein Jahr Garantie, d. h..so lang« alle Reparaturen umsonst', selbst wenn die Faffung durch Ihr» Schuld zer- brachen wird. 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Pr.): Wetterleuchten. Volktibühno. Theater i. BDIewpL S'l, Uhr; Uamlet. Sonnabend:> aohtasyl. Nachm. 8U.: Sondervorsteü. des Klaasischen Th.; Kabale und Liebe. Theater i. d. Königgrätzerslr. 8 Uhr: Panl T.ang« nnd Tora Paraberjr. EComödienhaus 8 Uhr: Der 7. Taff. Berliner Theater 8 Uhr: Auf Fltlgeln de« Gesanges. ßessing-Theater. Direktion; Victor Bamowsky. 7'l, Uhr: Peer Oynt. Sonnabend, Sonntag: DI« beiden Kllngsberg. f)eutssii.Kunsfl8r-Tlieat8r. 8 Uhr: Moral. Folgende Tage; Moral, URANIA Tanbenatr. 48/4B. 8 Uhr: Qeheimrat Prot Dr. F. W. Lehmann-Leipzig: Rumänien als Kriegsschauplatz. RosesTheater. S Uhr: Bei auigehob. Nbonnement: _______ Ullis Yergelmng. Theater am Freitag, den 3. November. Deutsches Opernhans, Cbarlottenb. L vhr: vis toten Aogen. Frledrlct-Wilhelmslädt. Theater 8 Uhr: Das Dreimaderlhaus. Gebr. Hcrrnfsld 8'l4 Uhr: Zum ISO. Male: Villa Pachealna. Sonnt. S'/i: Die goldene Eva. Lnatep. v.F.v.Sohönthan u. Koppel-Ellteld. Kleines Theater 8 Uhr: Warren Haatlnjpa, Goaverncnr von Indien. Komische Oper s'/, uhr: Die schöne Kubanerin. Sonntag 4 Uhr; Heimat, Metropol-Theater s uhr: Dia Csardasfürstin. Sonntag 3 Uhr: Die Kalaerln. Hetild enx-Theater s'u u.: Der gutsitzende Frack. Walhalla-Theater. 8 Uhr: Seemannsliebclien. Casino-Theater. Lothringer Str. 37. Täglich 8'lt Uhr Nur noch kurze Zeil der Berliner Poffen-Lchlager Meine gnte Olle. Vorher das neueNovemheriirograimn, u. a. Karl Grotii als FeuerwehrhornisL Souniag 4 Uhr: Vaterna Wundorkur. kelehLhällell-Ihestef. ZMm Sänger. Zum Schlutz: Prleden�xloolien. Zeitbild V.Meqsel. Auf. 8 II. Tonntag nach- mittag Z Uhr: (Ermäg. Preise): VellmclitsaM ImSehiitzcngralien Possen- Theater. Täglich 8'/. Uhr: Ein unnatfirl. Sohn Sagen wir— die H&lfte mit Leonhard Haskel. Lustspielhaus sv. u.; Der selige Baldnin Sonnabend S1/. Uhr: Emiila Galottl. Neues Operettenhaus Kassentelephon; Norden 281. s uhr: Oer Soldat der Marie. Sehlllcp-Tbeatep O 8 uhr: Der Herr Senator. Sehlllcr-Th. Cbarlottenb. s uhr: Die Räuber. Tballa-Theatcr sv. u.t filondlnchen. Theater am Nlollendorlpl. sv. u.; Blaue Jungens. Theater de» Westens 8 uhr: Die Fahrt Ins Glück mit Qnido Thielaoher. 3'/. Uhr: Colberg. Trlan on-Theater s uhr:£...... als Gast. Büsdv 8 Uhr Kellte 8 Uhr das groste sensationelle UoVemberxrogramm l tlr- � da» geheimnisvolle psychologische . Rätsel•. 8 Ulkige Backet s in ihren drolliaen©Bielen" sl II in ihren drolligen Spielen I sowie alle übrigen Nummern. Die beispiellos erfolgt. All batt.MSrchen-Prmitpanl. II I! 2 Die GeierpriszessiiL 3 2 Norverlaul täglich ob 10 Uhr; für Sonnabend u. Sonntag Nachm. ».Abend berehs ab Donnerstag. Gonnahead nachmittag 2 lustig« pantomims,: »Die schöne Gärtnerin- und .Hanne» Piepenbrinks Abenteuer-. Berliner Konzerthans. Mauerstr. 82. Zimmerstr, 90/91. Heute: SSourgei-Konzert veranstaltet vom Verein ehemaliger Elisabether Berlin. Mitwirkende: Quartott„Elisabeth" unter Leitung des Dirigenten der Berliner Liedertafel, Kamerad AilbouL Kam. Jacques Bilk. Operneäagor im Dt. Opernhaus. Kam. Pancho Kochen, Opernsänger im Hoftheater Karlsruhe. Kam. Otto Knei«, Opernsänger in der Hofoper München. Berliner Konzerthaus Orchoster. Leiter: Komponist Franz v. Blon. Anfang 8 Uhr. Eintritt 60 Pf. Alle Vergünstigungen aufgehoben. V oigt-Tlieater. Badstr. 58. Badstr. SB. Däglich- Das letzte ftlort. Kasseneröffnung 7 Uhr, Ansang 8 Uhr. Sonnt. 3 Uhr: Die smöne Ilngarin. Ah Montag: verwaist. TägL 8 Uhr. Sonnt. S'/.u. 8 Uhr. Otto oder Otto? Operette m. Else BSKIoher, Adele Sandrock. Ingo Brandt usw. Ferner; K. täteldl und die neuen Novemb.-Spezialitäten. idmlralspalasl Dae herrliche Eisballett �frau �Jantasie. Anf 8V, ühr.». 8, 4 M. Pflanzt Obstbäume! Grolle Auswahl aller Baumformen von Aepfeln, Birnen, Pflaumen, Kirschen, StaoheU und Johannisbeeren, Pfirsichen usw. im Hof unseres Qssohllts. 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