8t. 255.- 1916. dC6 Jitislij, 7. Itamrttt. Das Lernen. Ei» Kapitel aus der Pädagogik von Prof. W. Peter Z.*) DaS Lernen-Können bildet einen Teil dessen, was man G e- d ä ch t n i s nennt. Ohne die Fähigkeit, wiederholt Wahrgenommenes oder Gedachtes so einzuprägen, daß es nach kürzerer oder längerer Zeil wieder inS Bewußtsein gerufen werden kann, müßten alle Lern- versuche ergebnislos bleiben. Man darf die Zugehörigkeil des Lernens zu den Gedäcktnissähigkeiten aber nicht etwa in der Weise miß- verstehen, daß man Lernen-Können und Gedächtnis einander gleichsetzt. So paradox es klingt, es gibt Leute, die nur schwer lernen und dennoch ein gutes Gcdäcknis haben, und umgekehrt Leute, die leicht lernen und dennoch ein schlechtes Gedächtnis haben. Daß man den letzteren ein schlechtes Gedächtnis zuspricht, trotzdem bei ihnen eine Gedächtnissähigkeit, das Lernen, offenbar gut entwickelt ist, rührt daher, daß man den Begriff des Gedächtnisses hier etwas strenger faßt und darunter nur die Fähigkeit versteht, das Gelernte nach längeren Zeiträumen wieder ins Bewußtsein zu rufen, es nicht zu vergessen. Psychologische Untersuchungen haben mehrfach die alte Erfahrungsregel zu stützen vermocht, daß, wer schnell lernt, auch schneller vergißt, und wer langsam lernt, langsamer vergißt. Es scheint aber, daß diese Be- ziehung zwischen Lernen und Vergessen nicht die Regel, sondern eher noch die Ausnahme ist. Es scheint nämlich häufiger vorzukommen, daß der schnell Lernende auch weniger rasch vergißt. Die Fähigleit, eine Reihe von wahrgenommenen Gegenständen, Ereignissen, Worten einzuprägen, kann in ihrer Wirkung dadurch ge- steigert werden, daß die Gegenstände, Worte usw. in Beziehung zu« einander gebracht werden. In Versuchen, in denen das mit Absicht geschah, stieg der Lerneffekt bei verschiedenen Personen um das zwei- bis zehnfache gegenüber dem Lernen ohne Beziehung zwischen den einzelnen Worten. Stellt sich das Bewußtsein der Beziehung oder tubaltlichen Zummmenbangee von selbst ein, dann ist die Lern- leistung größer, als wenn es fehlt. DaS ist wohl der Grund, weshalb in sinnlosen Sätzen angeordnete Worte leichter gelernt werden, als zusammenhanglose Worte. Das durch das Bewußtsein ge« förderte, das sinnvolle, inhaltliche oder»logische� Lernen hat also einen gewissen Borrang vor dem„mechanischen* Lernen. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß die primitive seelische Fähigkeit der Einprägung im mechanischen Lernen am reinsten zum Ausdruck ge- langt. Tritt der«Sinn* des Gelernten hinzu, um die EinPrägung zu ermöglichen oder zu vollenden, so wird dem Lernenden dadurch schon eine gewisse Lernbilfe geboten. In Verlauf und Wirkung erweist sich daS Lernen als ein lieber« gangsvorgang. Es ist ein besonderer Fall von Uebung, ein beson« derer deshalb, weil es neben der Lernübung auch noch eine Uebung des bereits Gelernten gibt. Der Volksschüler der untersten Klassen übt das Schreiben, indem er eS lernt, der Schüler der Fortbildungs- schule übt es, nachdem er es gelernt hat. Die Hebung in der Fähigkeit des Lernens, die da? Lernen selbst herbeiführt, ist ein Erfolg desselben, der auch dort zutage tritt, wo der unmittelbar durch das Lernen angestrebte Erfolg, daS Wissen und Können nicht erreicht wird. Ein zweiter Erfolg, de« das Lernen auch überall dort herbeisührt, wo es ein dauernd verfüg- bares Wissen und Können nicht zustande bringt, liegt darin, daß es ein rascheres Wiedercrlernen ermöglicht. Was heute gelernt und morgen schon vergessen ist, kann nach experimentellen Unter- suchungen mit einer Ersparnis von einem Drittel bis zur Hälfte der ersten Wiederholungszahl neu gelernt werden. Ueber die Bedingungen, unter denen daS Lernen mit größt- möglicher Wirkung bei geringstem Aufwand an Zeit und Arbeitskrast erfolgt und über die verschiedenen Faktoren, welche die Wirksam- keit des Lernens beeinflussen, haben die experimentellen Unter- suchungen der beiden letzten Jahrzehnte reiche Erfahrungen *1 Aus dem soeben in der Sammlung.Wissenschast und Bildung* erschienenen Bändchen.Einführung in die Pädagogik'(Verlag Ouclle u. Meper, Leipzig. Preis geb. 1�2S M.). 611 Jane Heimweh. Eine Geschichte aus dem Wärmland von Seltna Lagerlöf. „Tie, die mich entführt hätten!" erwiderte Klara Tnlla aufs höchste überrascht. „Auch ich bin sehr überrascht gewesen und Hab ihn ge- fragt, wen er denn meine. Nun ja, er meinte die, die im Hinterhalt gelegen hätten, während die Kaiserin daheim ge- Wesen war. Alle die Heinde, vor denen Klara Gulla so große Angst gehabt habe, daß sie es nicht wagte, ihre goldene Krone aufzusetzen oder auch nur von Portugallien zu reden, und die sich nun auf sie geworfen, sie überwältigt und gefangen fort- geführt hätten." „Ach so, so hat er's gemeint?" meinte Klara Gulla. „Ja, gerade so hat er's gemeint. Klara Gulla," sagte Linnart Björnsfon mit großem Nachdruck.„Versteht mich recht, Klara Gulla, Euer Vater hat nicht darum geweint, weil er verlassen und allein gelassen worden war, sondern weil er geglaubt hat, seine Klara Gulla sei in Gefahr." Lintia. Björnsfon war es schwer gefallen, die letzten Worte herauszubringen. Sie wollten ihm im Hals stecken bleiben. Er dachte vielleicht an den alten Björn Hindriksson und an sich selbst. Sicherlich war es die Erinnerung an seine eigene Geschichte, die ihn erkennen ließ, wie hoch man eine Liebe schätzen sollte, die nie weicht und wankt. Aber das erkannte Klara Gulla noch nicht. Seit sie nach Hause gekommen war, hatte sie nur mit Widerwillen und Entsetzen an ihren Vater gedacht. Sic murmelte etwas vor sich hin, daß ihr Vater ein Narr gewesen sei. Linnart Björnsfon hörte, was sie sagte, und es verletzte ihn. „Ich weiß doch nicht, ob Jan wirklich verrückt gewesen ist." wendete er ein.„Ich Hab ihm geantwortet, daß ich keine Feinde bei Klara Gulla gesehen hätte. Doch da erwiderte er: .Habt Ihr wirklich nicht gesehen, wie eifrig sie Klara Gulla umlauert haben, als sie an Euch vorbeigekommen ist? Ja- wohl, mein guter Linnart Björnsfon, die Feinde waren da, der Hochmut und die Härte und das Laster und die Begierde, alle miteinander, gegen die sie in ihrem Kaiserreich zu kämpfen hat." Klara Gulla blieb wieder stehen und sah Linnart Björnsfon an. „Ach so!" sagte sie nur. „Und ich Hab ihm erwidert, diese Feinde hätt' ich auch gesehen", versetzte Linnart Björnsfon barsch. Da lachte Klara Gulla laut auf; doch Linnart fuhr fort: .Aber ich Hab sofort bereut, daß ich das gesagt Hab. Denn jetzt weinte Jan zum Verzweifeln. ,Ach Linnart, mein guter Linnart Björnsfon'. sagte er,.bitte den lieben Gott, daß es mir gelingen möge, das kleine Mädchen von allem Bösen zu erretten l Es ist einerlei, wie es mir geht, wenn nur ihr geholfen wird'." Klara Gulla schritt rascher aus und erwiderte nichts mehr. In ihrem Herzen hatte sich etwas erhoben, das riß und zerrte, aber sie zwang es zur Ruhe. Wenn das, was gesammelt. Es sind schon die Umrisse einer zukünftigen Lehre vom Lernen sichergestellt. Eine solche Lehre vom Lernen ist, wie wenige andere Kapitel der theoretischen Pädagogik, dazu berufen, praktisch verwertet zu werden. Das Lernen erfolgt durch Wiederholung des zu lernenden Stoffes. Wie oft er wiederholt werden muß, um erlernt zu werden, hängt zunächst von seiner Schwierigkeit und seiner Länge ab. Sinn« volles Material wird leichter erlernt als sinnloses, Bezeichnungen anschaulicher Gegenstände leichter als abstratte Begriffe. Eine Person, die zum Erlernen von 7 sinnlosen Silben nur eine Wieder- holung brauchte, braucht zum Erlernen von 12 Silben 16 Wieder- holungen und zum Erlernen von 36 Silben bereits 55 Wiederholungen. Eine andere, die zu 8 Silben 5 Wiederholungen brauchte, erlernte 12 Silben mit 10 Wiederholungen und 37 Silben mit 33 Wiederholungen. Eine dritte brauchte zu 16 Silben 6, zu bv nur 2» Wiederholungen. Ein bestimmtes Gesetz, nach dem die Zahl der Wiederholungen mit der Größenzunahme des Stoffes wachsen muß, läßt sich, wie dieie Zahlen zeigen, noch nicht formulieren. Der Wert der einzelnen Wiederholung für das Erlernen ist ein der« schiedener. Die unmittelbar auf die erste Wiederholung folgenden Wiederholungen tragen zum Erlernen weniger bei als diese selbst. Den verhältnismäßig größten Wert für die Erlernung hat immer die erste Wiederholung. Es liegt auf der Hand, daß bei jedem fortgesetzten Lernen eine Grenze erreicht werden muß, jen« seits welcher die weitere Hinzusügung von Wiederholungen für das Erlernen wertlos wäre. Wo diese Grenze liegt, läßt sich noch nicht angeben. Versuche haben ergeben, daß sie noch keineswegs er- reicht ist, wenn das Gelernte bis zum fehlerfreien Hersagen er- lernt ist. Zahlreiche Untersuchungen haben ferner ergeben, daß daS Lernen im allgemeinen wirkungsvoller ist, wenn die Wiederholungen auf einen größeren Zeitraum verteilt werden, als wenn sie so gehäuft werden, daß.in einem Sitz* das zu Lernende erlernt wird. Wenn die Wiederholungen z. B. auf drei Tage verteilt werden, so genügen bedeutend weniger von ihnen, um einen Stoff zu er- lernen, als beim Erlernen in unmittelbar aufeinanderfolgenden Wiederholungen. Verteilt man auf den gleichen Zeitraum die gleich« Zahl von Wiederholungen, so zeigt sich im allgemeinen, daß drese um so wirk- samer sind, je kleiner die Zeitabstände sind, in denen die Wieder- holungsperioden aufeinanderfolgen. Beim Auswendiglernen zerlegt man sich das zu Lernende in der Regel in kleinere Teile, die man sich nach und nach einzuprägen sucht. Die experimentellen Untersuchungen haben im allgemeinen ergeben, daß das Lernen in größeren Partien oder im ganzen wirkungsvoller ist als das Lernen in kleinen Teilen. Sicherlich gibt es hierbei eine obere Grenze, ein Höchstausmaß des zu Lernenden, das wir nicht überschreiten dürfen, ohne des Vorteils des Lernens im ganzen ver- lusttg zu gehen. Vielleicht ist cS auf die Ueberschreitung dieser Grenze zurückzuführen, wenn erst jüngst wieder gezeigt wurde, daß Kinder manchmal vom Lernen in Teilen den größeren Gewinn ziehen als vom Lernen im ganzen. Denn diese Grenze dürfte bei Kindern niedriger liegen als bei Erwachsenen. Beim Auswendiglernen eines Stoffes, der keine deutliche rhhth- mische Gliederung aufweist, stellt sich meist von selbst eine gewisse iubjeltive Rhythmisierung ein. Der Lernerfolg ist größer, wenn mit Absicht ein Rhythmus in den Lernstoff hineingelegt wird. Den besseren Gedächtnisleistungen, die das weibliche Geschlecht im allgemeinen aufweist, entspricht es, daß es dem männlichen auch in der Wirksamkeit des Lernens in gewisser Hinsicht überlegen ist, daß es zumindest rascher lernt. kleines Feuilleton. Theater i. ö. Königgrätzer Straße:»Crügeist''. Famos sprach H a S l a u den Prolog, in dem der Dichter nach einem flotten Auftakt zirkusmäßiger Musik in Löwcnbändiger-Livree posaunend dem Publikum die Bestien anpreist, die in seiner Menagerie drinnen verborgen lag, frei wurde, dann wußte sie nicht, wie sie weiterleben sollte. „Ja, das sind so gleichsam seine Abschiedsworte gewesen," sagte Linnart Björnsfon.„Und es hat ja dann auch nicht mehr lange gedauert, bis er beweisen konnte, daß es ihm mit dem, was er sagte, Ernst gewesen war. Glaubt doch ja nicht. Klara Gulla, daß er ins Wasser gesprungen ist, um seinem Schmerz zu entgehen. O nein, einzig und allein, um seine Klara Gulla von ihren Feinden zu erretten, hat er sich dem Dampfboot nach ins Wasser gestürzt. Rascher und rascher stürmte Klara Gulla dahin. Die ganze Liebe ihres Vaters von Anfang bis zu Ende offenbarte sich ihr und wurde ihr allmählich klar. Aber sie wollte ihr entfliehen. Sie konnte diese Erkenntnis nicht ertragen. „Hier im Dorf weiß man so ziemlich alles voneinander," fuhr Linnart Björnsfon fort, der ohne alle Anstrengung Schritt mit Klara Gulla hielt.„Gleich nachdem der Kaiser er- trunken war, hat allgemeine Entrüstung über Euch geherrscht, Klara Gulla. Und was mich betrifft, so Hab ich Euch nicht für wert gehalten, die letzten Worte und Gedanken Eures Vaters zu vernehmen. Aber wir sind jetzt anderer Meinung geworden. Es hat uns gefallen, daß Ihr die ganze Zeit über drunten auf der Brücke gestanden seid und auf ihn gewartet habt." Jetzt hielt Klara Gulla an. Ihre Wangen glühten und ihre Augen funkelten vor Zorn. „Ich steh nur dort, weil ich Angst vor ihm Hab," lautete ihre Antwort. „Ihr habt Euch nie besser zeigen wollen, als Ihr seid, das wissen wir wohl," sagte Linnart Björnsfon ruhig.„Aber wir verstehen vielleicht besser als Ihr selbst, was unter diesen Worten dort verborgen liegt. Wir haben auch Eltern gehabt. Und auch wir haben nicht recht an ihnen gehandelt." Klara Gulla war so zornig, daß sie gerne etwas Schreck- liches gesagt hätte; aber sie brachte es nicht heraus. Sie hätte gern auf den Boden gestampft, um Linnart zum Schweigen zu bringen; aber auch das vermochte sie nicht. Da sah sie keinen anderen Ausweg mehr, als sich abzuwenden und aus Leibeskräften zu laufen. Linnart Björnsfon folgte ihr nicht mehr. Nun hatte er gesagt, was er hatte sagen wollen, und er war nicht un- zufrieden mit der Arbeit dieses Vormittags. K a t r i n e s Tod. Als Klara Gulla in die kleine Hütte in Skrolycka trat, lag Katrine leichenblaß und mit geschlossenen Augen auf ihrem Bett. Es sah aus, als sei das Ende schon eingetreten. Aber sobald Klara Gulla neben ihr stand und ihr die Hand streichelte, schlug sie die Augen auf und begann zu sprechen. „Jan will mich holen", brachte sie mit großer Anstrengung heraus.„Er trägt's mir nicht nach, daß ich von ihm fort- gegangen bin." Klara Gulla zuckte zusammen. Sie fing an zu verstehen, warum die Mutter starb. Sie, die ein ganzes Leben lang treu gewesen war, grämte sich zu Tode, weil sie Jan zuletzt im Stich gelassen hatte. zu schauen wären. Das Stück, dessen Aufführung vor anderthalb Jahrzehnten bei Reinhardt den Namen Wcdekinds zuerst in weite Kreise trug, läßt freilich der Ankündigung Verbeißungen zum größten Teile unerfüllt. Statt des phantastisch-tollen kraftgenialischen Titmults, den man erwartet, gibts eine Bilderfolge, die ohne Spannung, ohne Steigerung, ja auch im Grunde ohne Variationen ein und dasselbe Thema bis zur Ermüdung wiederholt. Man sieht nicht Bestien im wilden Ringen, doch auch nicht Menschen, die im Tun und Reden das innere Triebwerk ihrer Seelenart dem Sinne überzeugend offenbaren. Die Männer sind samt und sonders erotische Manomanen, doch solche, deren Wahn einförmig ohne individuelle Nuancierung sich nur int Leiden, nicht im Kämpfen auswirkt. Sie haben keinen andern Zweck, als den zu illustrieren, wie die treulose schöne Lulu unter solchem Volke aufräumt. Auch Lulu selber, deren Grausamkeit letzthin aus einem krankhaft trägen Phlegma des Empfindens zu fließen scheint, hat wenig von der geschmeidig ungezähmten Kraft des Raubtieres. Ihr fehlt zum Dämon, der sie doch wohl als das Organ des Erdgeistes sein soll, durchaus die Furchtbarkeit der Größe. Sie ist nicht nur moralisch, auch geistig eine armselig Entartete. Ein Zug, der, an mancherlei Stellen vom Dichter deutlich unterstrichen, doch bei der Anlage des Ganzen und den damit gegebenen Prätentionen nicht zu restlos klarer Durchführung gelangt. Mit feinfühligem Verständnis war Maria OrSkaS Spiel auf die Betonung des animalisch Seelenlosen eingestellt. Ihre Lulu ist ein zierliches Püppchen mit eigensinnig niederer Stirn, das in dem Augenblick, wo es mit seinem Gltederrciz nicht mehr betören könnte, vollständig wehrlos wäre. Höchste Verschlagenheit der Koketterie verbindet sich, verblüffend echt, mit dem Eindrucke absoluter Stupi- diät, wo das Gespräch, wie etwa in der Szene mit dem Prinzen, in eine andere Richtung lenkt. Die Enge dieses in körperlicke Selbst- bewunderung cingesponnenen Egoismus grenzt abwechselnd anS Grausige und an burleske Komik. Eine eindrucksvolle, hie natura- listischen Momente der Charakteristik mit gutem Rechte den unbe- stimmten symbolischen voranstellende Leistung. Die flüchtig bin- geworfenen Männerskizzen erhielten eine sorgsam ausgefeilte Wiedergabe. Die Hauptdarsteller und der Regisseur, Direktor Bernauer, wurden am Schlüsse stürmisch gerufen. dt. Sin neues Gemüse. Die KriegSzett hat uns schon mehrfach gezeigt, daß der Bestand der als Gemüse verwendungSsähigen Pflanzen noch nicht erschöpft ist. sondern daß die vorhandene Menge von Gemüsepflanzen durchaus noch einer Bereicherung fähig ist. Jeder neue Versuch in dieser Richtung muß willkommen geheißen werden. Besondere Beachtung verdient ein Zuwachs unseres Gemüsebestandes, auf den der bekannte Berliner Botaniker Prof. Haberlandt in hen.Naturwissenschaften" hin- weist. Er meint die als Futterpflanze sehr bekannte Luzerne, die auch MonatSklee genannt wird. Ihr hoher Eiwettzhalt, der daS Doppelte der gebräuchlichen Blatt- und Stengelgemüse erreicht, nimmt von vornherein für ihre Verwendung bei der menschlichen Ernährung ein. Die genauere chemische und anatomische Unter- suchung scheint diese günstige Beurteilung zu bestätigen. Der Gehalt an Stickstoffsubstanzcn beträgt bei jungen Hand- hohen Pflanzen 6,25 Prozent, vor der Blüte 4,56 Prozent, ist also reichlicher als bei Weiß- und Rotkohl, Spargel, Blumenkohl, Spinat, Rosenkohl und anderen Gemüsen. Die Hauptmasse des Ei- weißes ist in den Blättern enthalten. An Zucker und Stärkegehalt steht die Luzerne ebenfalls über Spargel und Spinat und kommt Rosen- und Rotkohl gleich, an Rohfett erreicht sie fast den Winter- kohl. Der einzige Nawteil ist die nicht unbeträchtliche Rohfascr« menge von 4,52 Proz., die sich jedoch durch feinmaschiges Sieben des gekochten Pflanzenbreies ausschalten läßt. Bei der Ernte, die am besten abends erfolgt, begnügt man sich mit den Spitzen der Haupt- und Seitcnäste bis zu 5 Zentimeter Länge und den Blättern. Durch Abbrühen wird ein Anflug bitteren Geschmacks vertrieben. Die übrige Zubereitung des angenehm und leicht bitter schmeckenden Ge- müses kann in der Art des Spinats erfolgen. (Leider kommt diese Entdeckung zu einer nicht eben günstigen Jahreszeit ans Licht.) „Deshalb werdet Ihr Euch doch keine Sorgen machen?" wendete Klara Gulla ein.»Ich bin's ja gewesen, die Euch zu der Reise gezwungen hat." „Jedenfalls ist mir der Gedanke daran schrecklich gewesen. Aber jetzt ist alles wieder schön und gut zwischen uns," sagte Katrine. Sie schloß wieder die Augen tmd lag ganz regungslos da. Ueber das abgezehrte Gesicht flog ein heller Schein wie ein Glücksschimmcr. Aber schon nach kurzem sprach sie wieder. Sie hatte noch allerlei auf dem Herzen, was notwendig gesagt werden mußte, sonst fand sie keine Ruhe. „Sei deinem Vater nicht böse, weil er dir nachgesprungen ist. Er hat's nur gut gemeint. Du hast's nicht gut gehabt, seit du von uns gegangen bist. Und das hat er gewußt, llnd auch er hat's nicht gut gehabt. Ihr seid alle beide in der Irre gegangen, jedes auf seinein Weg." Klara Gulla hatte gewußt, daß die Mutter wohl etwas Aehnliches sagen würde, und sich zum voraus dagegen ge- wappnet. Aber was die Mutter eben gesagt hatte, rührte sie mehr, als sie gedacht hätte, und so versuchte sie, eine freund- liche Antwort zu geben. „Ich will an Vater denken, so wie er früher war," sagte sie.„Ihr wißt doch, wie gute Freunde wir immer gewesen sind?" Es sah aus, als sei Katrine von dieser Antwort befriedigt, denn sie legte sich wieder zur Ruhe. Sie hatte auch gewiß nicht im Sinn gehabt, noch mehr zu sagen, aber plötzlich lächelte sie die Tochter voller Liebe an. „Ich bin so ftoh, Klara Gulla, denn du bist jetzt wieder schön geworden," sagte sie. Bei diesen Worten und bei diesem Lächeln verließ Klara Gulla alle Selbstbeherrschung. Sie fiel neben dem niederen Bett auf die Knie nieder und sing an zu weinen. Jetzt zum erstenmal seit ihrer Heimkehr brach sie in richtiges Weinen aus. „Ich begreif nicht, daß Ihr so gut gegen mich sein könnt, Mutter," schluchzte sie.„Meine Schuld ist's ja, daß Ihr jetzt sterbt, und an Vaters Tod bin ich auch schuld." Kattine lächelte noch immer und bewegte die Hände zu einer kleinen Liebkosung. „Ihr seid so gut, Mutter, Ihr seid so gut gegen mich", sagte Klara Gulla, während sie noch immer heftig weinte und schluchzte. Da faßte Katrine plötzlich Klara Gullas Hand mit festem Griff und richtete sich im Bett auf, um ein letztes Zeugnis abzulegen. „Alles Gute, was in mir ist, verdanke ich Jan", sagte sie mtt deutlicher Stimme. Dann sank sie zurück, und von da an drangen Max klaren verständlichen Worte mehr über ihre Lippen. Di'r Tod kam herbei, und am nächsten Morgen war es zu Ende. Aber während des ganzen Todeskampfes lag Klara Gulla weinend neben dem Bett auf dem Fußboden. Da lag sie und weinte sich die Angst und die Fieberträume und die Schuldenlast vom Herzen. Ihre Tränen flössen, sie konnte nicht aufhören zu weinen.(Foets. sslgtJ A. Dandorf&€ Belle-filliance-Stese Gr. Fronkforter Strasse Brannen-Strasse Koitbuser Damm Wümersiiortet Strasse Porflimerien 55 2 Paketu Pudoppapier.... 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Steglitz: Meyer, Forststr. 11. Lanlwitz: Hiltzmann, Alarienstr. 7. Temvelhos: Müller, Ringbahnstr. 4042 Reulölln: Föbst, Steinmetzstr. 98. Uilnaa» kaust Hob. Sali Nchs., Münzen- MMVU hdlg.. Berlin, Wilhclmstr.46,47 Verkäufe Psandieihhaiis Hermannpiax v, Vorteiihastcste Rausgelegenheil, Pelz- garnituren, StunIStragen, Stuntj. mufien, Fuchstragen. OvofiumsloIaS, Jltisgarnttuien, Bisamsluntse. Ver- schicdcncS halbumsonst. Spottbilliger Bcttenvertaus. Gardinenvertaus, Tep- pichverlaus, Ubrenverlauf, Schmuck- lachen, Brillanten. RicsenauSwahl Herrenanzüge. Herrenpaletots, Herrenulster, Herrenhosen.• Fontane, Theodor, Havelland, die Laudschast um Spandau, Potsdam »md Brandenburg. Illustriert. Gc- bundew Statt 10 Marl für 4,25 Mark. Buchhandlung Vorwärts, SW. 58. Lindcnstraße 3. Pelzgarniturr»! Riesenauswahl neuer Pelzgarnituren, spottbillig! Siuntstragen! FuchSgarnituren! Opossumstolas I Muffen allerlei! Betlcnverkaus! Prnchtteppiche I Äar- dinenauswahl! 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