Nr. 263.- 1916. erhaltungsblatt öes Vorwärts s-«"- 16. November. Schinkel. tftann Kurier sagt bort diesem töniglich preuszischen Oberlandes- baudireklor:„Schinkels änszeres Leben erscheint uns einfach als das eines Geschäitsmannes." In der Tal gibt es aus dem Leben dieses Architekten, der 1781 Neuruppin geboren wurde und 1841 zu Berlin starb, nichts Merkwürdiges zu berichten. Er hat studiert, machte dann die üblichen Reisen und begann praktisch zu arbeiten. Die Aufträge strömten ihm zu und bald reichte sein Einfluß über die ganze Bautätigkeit der Monarchie. Schinkel war der Architekt des monarchischen Preußen, das sich großgehungert halte, senes Preußen, dem Sparta die Ethik bestimmte. Schinkels Architektur ist steingewordener Parademarsch. In ihrer Schichlheil ist sie heroisch; dem zopfigen Schwulst, der ihr boranging, bewußt ab- gekehrt, dient sie mit Anmut der Notwendigkeit. Mit Schinkel beginnt die moderne Baukunst; er ist berufen, den Geist des Eisens zu enl- decken. Als er das neue SchampielhauS bauen soll, schreibt er an den König:„Es ist zu bemerken, daß die Schönheit eines Gebäudes nicht in dem borgebrachten Schmuck zunächst besteht, sondern bor- züglich aus der Wahl der Verhältnisse erivächsi, welche aber ihren ersten Grund in der Verteilung und Anordnung des Planes haben, aus dem die Verhältnisse der Profile und Fassaden erst bestimmt werden können." Die Linie, die bon solcher Baugesinnung bis in die Gegenwart des Peter Behrens führt, ist deutlich. Wenn Schlüter die eine, bis zur Mystik gesteigerte, Phantasiebolle Leidenschast in die Baustoffe strömen ließ, so war Schinkel der ruhige Sachwalter der gegensätzlichen Lebensart dcS rechnenden MrklichkeitssinneS. Die deutsche Kunst kreist um diese beiden Pole, um die Golhik und die Antike. Die Geschichte der deutschen Kunst ist der Kämpf dieser beiden Weltausfassungen; Schinkel strebte, aller Romantik abgewandt, nach der Klarheit einer errechneten Form, dennoch liebte er das Abenteuer. Die Heftigkeit, mit der er die bernimftigs Schönheit suchte, war das Gotische in Schinkel:„Ueberall ist man nur da wahrhaft lebendig, wo man Neues schafft, überall, tvo man sich ganz sicher fühlt, hat der Zustand schon etwas Verdächtiges. Ueberall da, wo man ungewiß ist, aber den Drang fühlt und die Ahnung hat zu und bon etwas Schönem, da ist man wahrhaft lebendig." Auch in der herben und knappen Klassik Schinkels, in dieser dorischen(oder berlinischen) Sachlichkeit, regt sich etwas bon der milden Wildheit Dürers. Zu solchen Eindrücken und Ueberlegungen berhilst uns eine Aus- stellung, die das Schinkel-Museum(untergebracht in der Charlotten- burger Technischen Hochschule, geöffnet wochentags bon 10—2. Sonn- tags bon 10—?1) bcranstaliet hat: Abbildungen nach Denkmälern. die Schinkel aufgestellt hat, und Entwürfe für solche Bauten. Die Vorführung geschieht mit großer Liebe; es ist bersucht worden, neben die Arbeiten Schinkels jedesmal das gotische oder das antike Vorr bild zu stellen. Ein Beweis für den historischen Eklektizismus dieses Künstlers, zugleich aber eine Bestätigung seiner gepflegten Meister- schaft. Es ist sehr interessant zu sehen, wie etwa das. Scharnhorst- Denkmal, das auf dem Berliner Jnbalidenfriedhof steht, aus dem Grabe PetrarkaS zu Argua entwickelt worden ist, oder ein Sarkophag für die Majorin bon Klinggraef aus einer antiken Grabkapelle bor der Porta Latina zu Rom. Schinkel hat sich bewußt au bollendete Vorbilder angelehnt, hat sie aber nicht kopiert, hat sie abgewandelt, auch nicht nur per- ändert, sondern nach dem Rhythmus einer eigenen Idee neu belebt. Die Antike Schinkels ist spröder, kühler, ängstlicher, dünner, bielleicht auch intellektueller und literarischer als die des Altertums. Man spürt ein wenig den Profeffor und Baurat, der in königlichen Diensten korrekte Arbeit zu leisten hat. Darüber hinaus aber ist in jeder dieser kalligraphischen Abschriften eines antiken Themas das Gefühl Preußens lebendig, der Instinkt für die Knappheit und eine kühle Leidenschaft für den Wohlklang. Eine Beobachtung, die durch- aus bestätigt wird, wenn wir bergleichen, was Schinkel ans der Gotik zu abstrahieren wußte, z. B. das Denkmal am Berliner Kreuzberg aus dem Schönen Brunnen in Nürnberg. Drei Bemerkungen feien hinzugefügt. Zum ersten, auf einem der Blätter, das einen Grabstein für den General bon Köckeritz zeigt� steht geschrieben:„Nach den Allerhöchsten Bestimmungen fällt die Spitze weg". Man ficht, der Baural Schinkel hat sich Pom König korrigieren lassen; so bestätigt sich die Definition der Archi- teltur als einer diplomatisch gewählten Diagonale zlvischen einer Mehrheit bon Willensäußerungen. Zum anderen: eine Ansichts- Postkarte zeigt das Tabernakel, das Schinkel über dem Schwedenstein bei Lützen errichtet hat, und im Hinlergrund die Gedächtnislirche aus neuester Zeit, eine böllig mißlungene, blindlings in Stein übertragene Nachahmung einer nordischen Holzkirche. Man erkennt die dumme Faul- heit des Abschreibons neben dem geistreichen und vergeistigten HistoriziS- muS. Zum dritten: mehrere Blätter zeigen den Entwurf eines gewaltigen gotischen Gcdächtnisdomes, den Schinkel für die Mitte des jetzigen Potsdamer Platzes geplant hatte. Man ist zufrieden, daß dieser Entwurf, diese Phantasie aus Quadern und Spitzen, nicht Wirklich- keit geworden ist. Man besinnt sich, daß diese Ausstellung eine An- regung für die Denkmalsabsichten der allernächsten Zeiten sein soll, und wünscht heimlich, daß das Schicksal dieies golhischen Domes recht vielen der kommenden Absichten beschieden sein möchte. Wie peinlich würde heute Schinkels Monument den Potsdamer Platz ber- stellen. K. Br. kleines Zeuiveton. Iliegenplage und Sislsgie. Es will einem oft nicht in den Kopf, wie bestimmte Leute sich Zeit ihres Lebens mit Dingen beschäftigen können, die scheinbar nickt den geringsten praktischen Vorteil für uns haben. Wenn einer Mineralien sammelt und sich für deren Lagerstätten interessiert, so leuchtet einem der Wert solcher Tätigkeit ein. Wie aber soll es sich rentieren, wenn man ununterbrochen Pflanzen oder gar Käfer sammelt? Und doch haben alle Wissenschaften immer wieder gc- zeigt, daß sie es sind, die den Fortschritt bestimmen. Entdeckungen, die zunächst nur ein rein wissenschaftliches Interesse hatten, haben ihrem glücklichen Urheber die größte Dankbarkeit der Menschheit ein- getragen. Es sei nur an die Anfänge der Elektrophysik erinnert, die zunächst nur wie ein besseres Gesellschaftsspiel betrachtet wurde. Auch die Zoologie und die Botanik zeitigen nun immer Dinge von allgemeinstem Interesse. Man spricht jetzt sogar von angewandter Botanik und Zoologie und wertet systematisch die Errungenschaften dieser Wissenszweige für die Praxis aus. Dassolgcnde kleine Beffviel ist zwar von geringerer Bedeutung, wird aber bei jedem Beachtung finden, da es jeden angeht. Gerade weil es jeden angeht, ist dieses Beispiel besser als andere schwerwiegendere, und so möge es dazu dienen, einen kleinen Einblick in die praktische Verwertung scheinbar ganz ausgefallener Wissenschaften zu geben. Will ein beliebiger Mensch ein Mittel gegen die Flieqenplage erfinden, so kommt er zu Fliegenstöcken, Fliegenfallen und ähnlichen Dingen. Um derartiges zu erfinden hat man kein Vorstudium nötig, mögen solche Apparate auch bestimmte Lebensgewohnheiten der Fliegen geschickt ausnutzen, die auch den Zoologen interessieren. Wie handelt nun aber der Botaniker und Zoologe, an den die gleiche Anforderung herantritt? Es gibt einen Pilz, der den Körper der Stubenfliege als Nährboden braucht. Er verbreitet sich unter den Fliegen wie unsere ansteckenden Krankheiten und bereitet, wo er auftritt, vielen Millionen den Tod. Es ist das die Fliegen- p e st. Könnte man nicht, so fragt sich der Gelehrte, diesen Pilz überall zur Verbreitung bringen, wo man die Fliegen der- tilgen will? Ein anderes sehr einfaches Mittel, daS schon gute Erfolge gezeitigt hat. teilte H a e ck e r kürzlich in der„Zeitschrift für angewandte Entomologie"(Insektenkunde) mit, einer Zeitschrist, die lediglich der- artig praktische Dinge veröffentlicht. Dem Zoologen ist eS bekannt, daß die meisten Fliegen nur die besonnten Stellen der HauSwände anfliegen. Nur von hier aus dringen sie dann durch die Fenster. Fenster, die im Schatten liegen, werden von diesen Insekten nur als Ausweg ins Freie benutzt. Aus dieser Beobachtung ergab sich die praktische Folgerung, die Fenster zu schließen, ehe die Sonne ihnen nahe gerückt war. In der Privatwohnung Haeckers bewährte sich diese einfache Methode sehr. Ebenso in einem Lazarett, das sehr unter der Fliegenplage zu leiden hatte. Weit mehr wirkte diese Maßnahme als alle bisher bekannten Hilfsmittel. Die tzerkunfi See Eskimos. Vor vier Fahren wurde von Schweizer Gelehrten eine Forschungs- reise nach Grönland ausgeführt, an der sich als Arzt Dr. Hößly be- teiligte. Diesem Teilnehmer waren außer seinen eigentlichen Be- rufspflichten die Untersuchungen der Bevölkerung zugewiesen, und er hat jetzt in den„Denkschriften der Schweizer Natursorschenden Gesell- schaft" eine Arbeit veröffentlicht, die an die Betrachtung einer Reihe von 36 Eskimoschädeln aus Ostgrönland anknüpft. Er leitet daraus über die Herkunst der Eskimos ab, die schon manche Forscher be- schäfligt hat. Die Meinung bedeutender Grönlandforscher ging da- hin, daß die Eskimos von Nordamerika nach Nordgrönland ein- gewandert seien, was ohnehin naheliegt, aber zuerst nach dem von den Europäern erst so spät erreichten Nordgrönland. Sie wären zu- nächst an der Ostküste entlang nach Süden gewandert und hätten dann erst den Weg»m die Südspitze bort Grönland herum nach den verhältnismäßig wohnlichsten Fjorden der Westküste gefunden. Daß die Besiedlung Grönlands nur von dem nabegelegenen Nordamerika aus hatte erfolgen können, scheint selbstverständlich. Aber die Au- nähme, daß die Eskimos zuerst nach der Westküste übergesetzt hätten, könnte als wahrscheinlicher gelten. Hößly bestätigt jedoch die erst genannte Auffassung. Besonders wichtig ist seine Feststellung, staß die Eskimos eckte Mongolen sind und sogar den ältesten, ursprüng- lichsten TypuS der gelben Rasse vertreten, der heute überhaupt noch zu finden ist. Dadurch ist auch der Zusammenhang der Völker Asiens und Nordamerikas gegeben, der schon durch andere Forschungen über jeden Zweifel festgestellt ist. Sie§elözeitungen. Die Feldzeitungen gehören mit zu den Errungenschaften des Krieges. Sie dienen der Pflege der Kanieradschaft, dct geistigen Erbauung unserer feldgrauen Brüder und sind nicht zuletzt ein Bindeglied zwischen der Heimat und den Schützengräben geworden. Zurzeit bestehen, wie der„Korrespondent für Deutschlands Buch« drucker" mitteilt, etwa 85 deutsche Feldzeitungen, die sich inhaltlich und technisch meistens als hervorragende Tages-, Wochen- und Monatszcitungen repräsentieren. Die Auflage dieser von Feld- grauen für Feldgraue hergestellten Zeitungen richtet sich nach dem Erscheinungsbezirke; mit 100 000 Exemplaren steht die„Liller Kriegs- zeilung" obenan. Von der Gesamtzahl der Feldzeitungen sind II Armee- zeitungen, 5 Korpszeitungen, 7 Divisionszeitungen, 10 Zeitungen für kleinere Heeresverbände und 2 Festungskriegszeitungeit. Mit einem Formate von 19:23 Zentimeter ist die„Düna-Zcitung" die kleinste aller Feldzeitungen, indes die„Kricgszeitung der XI. Armee" mit 21: 29 Zentimeter die kleinste Armeezeitnng darstellt. Während alle Zeitungen, mit Ausnahme der autographisch vervielfältigten für kleinere Heeresverbände, in stehenden Buchdruckereien hergestellt werden, ist die Wochenschau der 54. Infanteriedivision„Im Schützengraben". das einzige Feldblatt, das seine Druckerei stets bei sich führt und im Schützengraben gedruckt wird.„An Flanderns Küste" ist das erste Feldblatt unserer Marine. Eingegangen sind während des Krieges 10 Feldzeitungen, als letzte infolge der Sommeoffensive „Der Schützengraben", der für jede Nummer einen neuen Tirelkopf, ein Motiv aus dem Schützengraben, halte. Außer den aufgeführten KriegSzeilungen erscheinen oder sind erschienen noch etwa 40 Feld« zeitungen, die für einzelne Bataillone, Kompagnien oder Spezial« truppen bestimmt sind, zum Teil auch nur bei besonderen Anlässen herausgegeben wurden. Neben den deutschen Feldzeitungen bestehen ebensolche bei unseren Verbündeten, auch unsere westlichen Gegner verfügen an 50 Feldzeitungen; während in der russischen Armee nur ein Feldblatt, der„Xasll. Westnik", vorhanden ist, desfett Re» daktion der Generalstab des Höchstkommandierenden besorgt. Notize». — Theaterchronik. Die Kleinen Hauskomödien veranstalten Volksabende am Freitag und Sonnabend in der Aula der Chamisso-Schule in Schöneberg, Barbarossaplatz 5. — Vorträge, lieber„Das Entstehen und Vergehen von Wollen mit besonderer Berücksichtigung der Beobachtungen unserer Luftschisfer und Flieger" spricht Dr. Archen hold am Donners- lag. abends 8Vz Uhr, im Viktoria-Studienhaus, Berliner Str. 87/33 (nähe ant Knie). —„Noch i st Polen nicht verloren". Wenn wir Deutsche eine Sache noch nicht verloren geben wollen, führen wir häufig die bei uns sprichwörtlich gewordene Redensart„Noch ist Polen nicht verloren' an. Dieses Wort hat jetzt durch die Prokla- mierung Polens zum Königreich eine ganz neue Bedeutung erlangt. Es bildet die Uebersetzung des ersten Verses des polnischen sogen. DombrowSki-Marsches:„Jeszoze Polska nie zginela" dar. Dieser DombrowSli-Marsch, der eine der bedeutendsten polnischen National- lieber von einem unbekannten Verfasser ist, bildet die polnische Ant- wort auf den ihrein heldenhaften Führer Kosciuszko fälschlich zu« geschriebenen Ausruf Bims Poloniae(Das Ende Polens). — Einstaatliches Theater- und Fil in in onopol. Eine einschneidende Neuerung wird, wenn man einer Mitteilung des „Journal deS Debats" Glauben schenken darf, in Rußland aus dem Gebiete der staatlichen Monopolisierung geplant: die Theater- und Filmbühnen solleir unter ein einheitliches Staatsmonopolgesetz gc- bracht werden. Damit werden zwei Ziele verfolgt: erstens eine un- erwartete Vermehrung der StaatSeinnabme und zweitens die Mög- lichkeit ständiger Beeinflussung der„Volkserziehung" von der Bühne und der Filmleinwand herab. 4j Ums Menschentum. Ein Schiller-Roman von Walter von Molo. Gott! Was hätte sie jetzt angefangen, wenn's Büblc an allzu cligent Darmlauf gestorben war? Zweimal war der Bader schon dagewesen und hatte nicht reüssieren können. Oh, wie sie gebetet hatte, und selbst das Phinele hatte dabei helfen müssen. Natürlich sagte die Großmutter jetzt, s i e hätte dem Fritzle geholfen, iveil sie ihm bekömmliches Salz in die Milch getan. Wer geholfen hatte in seiner Güte, das wußte sie, der wohnte über den Sternen, der war nicht in Marbach, der war überall zu Haus. Jawohl! Fruchtbringend sank der warme Regen zur Grdc nieder. Er balgte sich in den Dachrinnköpfen und zählte langsam ailf dem Fenstersims die Tropfen vor, wie ein Geizhals das Geld. Die Eltern! Die fielen ihr jetzt ein. Denen konnte sie nun weniger helfen, wenn der Kaspar nach Hause kam. Das plumpste mächtig in ihren HostnungStraum und zerschlug den glatten Spiegel ihrer Seele. Was tat sie da? Wo tva'r der Ausweg? Sie saß in der breiten Bettlade aufrecht und hörte, daß sich ein Wind aufmachte und an die Scheiben fuhr. Das gab schönes Wetter für morgen, da konnte man schon fröhlich sein. Das Büblein schrie.———————— Stundenlang war Frau Dorothea gewandert, den Säug- ling auf dem Arm, das andere Kind an der Hand. Die Freude hob ihr federnd die Füße, nun stand das junge Weib und sah die heißersehnte Erscheinung: Mit geschwungenem Stock und zugeknöpftem Rock kam auf der Straße, sicher und breit, eine mittelgroße Offiziers- gestalt. Der warme Wind blies einen schrägen Blütenregen, aus den weiß- und rosafarbenen Ballen der Obstbäume, vor den Wandernden nieder. Das gab ein hübsches Bild in die Augen der Frau, wie mit Pastell gefälbelt. Noch sah er sie nicht. Taktmäßig schritten die stämmigen Gamaschenbcine, sie marschierten fest darauf los. Die Schöße des blauen Uniform- rockes flatterten niit dem steifen Zopf um die Wette. Frau Dorothea fühlte sich mit einem Male in wohliger Sicherheit. Sic tat die Hand aufs Herz und sah freudig zu, >oie ihr Mann näher schritt. Immer näher! Die braven Beine! War die Gicht weg? Nun sah er sie und hob den dunklen Hut und schwenkte ihn durch die frühlingshelle Sonnenlufst zum Willkomm. Dann blieb er halten und setzte den Chapeau fürsorglich wieder auf das Puderhaar. Als er damit fertig war, breitete er die Arme. „Darf ich?" fragten Phineles Augen. Doch schon rannte raschelnd die Mutter und hob jubelnd dem Vater sein Büblein entgegen.„Kaspar, da ist dein Fritz!" Er stand unbewußt stramm, wie man salutierte und atmete schwer. Lang sah er dem Kinde in die Augen. Die Derbheit seines Gesichtes vorsckwand, die gewölbte Stirn und der kluge Blick herrschten im Vaterantlitz. Das Phinele studierte das alles aus dein Versteck des mütterlichen Rockes hervor, den sie fest umklammert hielt. „Gib mir das Büblc," sagte Kaspar Schiller weich und riß die frischgewaschenen Crispins von den breiten Händen. Sorgsam hob er mit den sehnigen Armen das Wickelkind an seine Brust. Er kam von den kleinen Augensternen nicht mehr los: das war der, der den Namen Schiller in die Zeit tragen sollte, wenn er nimmer war? So eitt kleiner Mensch war ein Stück der rätselhaften Zukunft, die man nicht leben, nicht einmal ahnen konnte. Und jetzt hielt man sie leibhaftig im Arm und wußte— wieder nichts von ihr. Die linke Hand griff fester zu und die Rechte suchte der Ehegattin Hand. Die fand sich gar bald, weil sie schon sehnlich wartete. Zwei Menschcnherzen sprachen durch einen Händedruck. Nun glitten Vaters Finger auch über Phineles Scheitel und umfingen dann von neuem den Sohn. „Dorothea," sagte er langsam und feierlich,„mir ist ganz eigen zumute. Mir ist, als erhielte ich mein eigen Leben noch einnial zu Besitz, damit ich's diesmal bewußt formen könnte. Nun soll was Rares draus werden! Ich will das Büble ge- leiten und ziehen und Gott wird fürs weitere sorgen. Möge Er ihm an Geistesstärke zulegen, was ich aus Mangel an Unterricht nicht erreichen konnte! Vielleicht erringt der Sohn, was deni Papa verwehrt gewesen; dann hätt' ich es schließ- lich auch bekommen."— In ehrfürchtigem Glauben suchten seine Augen den blauen Maienhimmel, in dem die Schwalben konzertierten. Ueber die farbige Blütenpracht und das Blättcrgriin, das ungeduldig aus der dampfenden Erde drängte, glitten seine Blicke zur Mutter. Befriedigt sagte er zu ihr: t „Bist ein gehorsames Weib und mir in Sittsamkeit Untertan; ist ein schönes Büble, das du mir getragen hast." Feuerrot schoß das frohe Blut, unter der blauen Haube mit den Goldspitzen hervor, in ihr Antlitz. Kaspar Schiller umschlang seine Frau und küßte sie auf den Mund. Das Phinele getraute sich nicht zuzusehen. Der Offizier hielt ihrer Mutter Kopf an den seiuen, daß sich ihr Rothaar mit dem Puder seiner Haare bestäubte.—„Ist doch wohlig, sein eigen Frauenzimnier im Arm zu haben," sagte er laut und bestimmt, wie er's vom Kommandierenden gewöhnt war.„Ich habe die kriegerischen Occasionen allmählich satt; sie sind nichts mehr vor einen Mann, der in gesegneten Jahren ist mit Weib und Kind. Wir haben wieder Schläge gekriegt, Dorothea. Die Preußen haben merkwürdig nationalen Elan". Er seufzte sorgmvoll; erschauernd sah das Phinele, wie die Feldschärpe auf der Brust schwankte.„Ich Hab' nicht xermission (Urlaub) vor lange; kannst du, Dorothea, mit mir ins Lager gehen? Du bist ja honett gekleidet!" Er sah musternd an ihr nieder; sie verstand die Worte nur allzu gut. „Es ist das Daffeten Miele," sagte sie schnell,„so du mir vor elf Jahren als Brautgeschenk verehrtest." Sic strich den Rock und senkte den Mick.„Ich Hab recht gespart." Wie ein Schulkind stand sie vor ihm. „Sparsamkeit ist des minderen Menschen Pflicht, Doro- thea.— Das Phinele hat ein neues Rockzeug an! War daS alte auch am Ende?" „Es foar reichlich am Ende.—— Einen Gulden und neun Kreuzer Hab ich mir den Winter erspart, so ich dir ab- liefern will," und sie nestelte hastig am Busentuch. Er nickte freundlich und wollte endlich die Frage nach den alten Kodweiß' tun— er sprach nicht gern von Leuten, die niedergingen, außerdem war die Mitgift so klein gc- Wesen!— da klang Hufschlag auf der Landstraße. Er sah gegen Vaihingen und befahl eilig:„Nimm das Kind, der Herr Herzog kommt mit seiner suits!" Eilig schoppte er die Handschuhe auf die Finger und griff energisch nach dem Degenknauf.„Sitzt mir der chapeau(Hut) in der Mitte?" fragte er streng, sein bartloses Antlitz war nun ganz Dienst und Pflicht. Die Frau Leutnant neigte den Kopf und stand in demütiger Haltung, als die Pferde angaloppierten. 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Friedrlch-Str. 180, fetjt Tauben-Str, NW �'5dchch.Str. 150, * � vv.«cke Dor-tSesn-Str. JSI� Chaussee-Slr. 72, Znoaltden-Skr. 164. f\- rf m«v»_(71 4 1 Sonntag» von X2—2 geSftnet Lharlotlenburz: Dauentzien-Str. 15, SUe Marburger«tr, Ioachimithaler Str. 2. aui Aabnhof zoo. Dirsution: dlux J.seTnEärdt, JOcutKChcM Ttaeatf-r. T'/j; Minna von Barnhelm. Freitag 7 Uhr, neuoinstudiort: Kabale und X-lebe. Kamm erspiele. 8 Uhr:<»e»peiisterBonate. Freitag: Bei* Wetbsteulol. Volksbühne. Theater a. BOlowpl. 81/, Uhr: llnmlet. F reitüg; Das Wiiitermirclien. Tlieatsr Dir. ö. Königgräfzsrstr. C. MeinhErij— R. Bernauer. ts Uhr: l'IrdgeJst. ICc!röcii©filBay$ 8 Uhr: Der 7. Tag. BeriSner Theater 8 Uhr: Auf Flüjein des Gesanges. Lsssing-Titsster. Direktion: Victor Barnowsky. 8ü.:Die beiden Klinj�Hberg. Freitag. Sonnabend; Die beiden Klingsberg. Sonntag: Peer Gynt Deutseh. Künstler-Theater. Allabendlich 8 Uhr: Moral. URANIA TanbenstraJSe 48/19. 8 Uhr: Skagerrak. Untere Hochseeflotte im Weltkrieg. Hörsaal 8 Uhr: Dr. Wilh. Bemdt: DarwiiiH Kehre II. Theater am Donnerstag, 16. November. Deutsches Opernhaus, Charlottenb, 8 Uhr: Die toten Äugen. Friedricli-Wilhelraslädt. Theater 8 uhr: Das ßrsini&iefüiaus. biebr. Herrnfelil-Theater LH, Uhr: Villa I'»ehe«lna» Kiemes Ikester s uhr: m Teeüscli. Koiuisclic Oper 8'/, uhr: Die schöne Kubanerin. 12 U.: Gencralpr.; Der PuBlakavalier. Metropol-Theater s uhr: Die Csardasfürstin. Sonntag 3 Uhr: Die Kaiserin. Neues Operettenhaus Kasseutelephon: Norden 281. I. Totale: OßF SOifet Ößf Mt Kesldcn K-Thcater tjhr: Die Warschauer Zitadelle. Lustspieihaus s /.xr: Der selige Balduin Schiller-Theater O s uhr: in Behandlung. Schiller-Tb. Charlottenb. Ä.:Mai9 Das Aller. Thalia-Theater «-/. u.: Biondincben. Theater mn Vollendortpl. 3'/, Uhr: Wohltätige Frauen 8'/, Uhr: Blaue Jungons. Theater den Westen« 8 uhr: Die Fahrt ins Glück mit Guido Thielscher. S'j4 Uhr: Don Carlos. Trianon-Ttaeater s'i, u.;..... als.Gast. Rose-Theater sv.wxr: Lolos Vater. 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