8t. 265.- 1916. Unterhaltungsblatt öes vorwärts ZinnltoM8.Dll?emdei. wie Tiere schlafen. Von Dr. Alexander Lipschütz. Wir Menschen schlafen gut ein Drittel unseres Lebens. Es ge- bört mit zu unserem Leben, daß dem Wechsel von Hell und Dunkel, von Tag und Nacht ein Wechsel von Wachsein und Schlaf entspricht. Ist es auch bei den Tieren so? Ueber den Schlaf der Tiere liegen zahlreiche Berichte der- schiedener Tierbeobachter bor, und der bekannte Baseler Zoologe Prof. Jschokie hat in einem geistvoll geschriebenen Büchlein „lieber den Schlaf der Tiere" sBasel lölö, bei Schwabe u. Co.) ver« sucht, sich in manchen Fragen zurechtzufinden, die mit dem Schlaf der Tiere zusammenhängen. Nach Zschokke sei hier einiges erzählt. Daß bei den höheren Tieren, die uns Menschen in ihrem 5törperbau so außerordentlich ähnlich sind, ein regelmäßig wieder- kehrender Schlaf vorhanden sein muß. ist von vornherein vorauszu- setzen. Namentlich, wenn man daran denkt, daß die höheren Tiere ein sehr wobl entwickeltes Nervcnstzste», besitzen: es sind ja vor allein die Nervenzellen, die schlafen. Wir wissen, daß die Tiere, mit denen wir zusammenleben, d. h. alle unsere Haustiere, regelmäßig schlafen. Hund, Pferd, Katze— wir kennen sie auch als Schläfer. Auch die Vögel schlafen. Sobald die Dämmerung herabsinkt, zieht der Vogel zu seiner Schlasstelle— ob eS der ragende Fels, der Ast eines Baumes, der Spiegel von Teich und See"oder eine kleine Schlamminsel ist. Von den Säugetieren und von de» Vögeln üt uns auch bekannt, daß sie ganz eigentümliche S ch l a f st e l l u n g e n haben: der Hund legt sich auf den Boden mit nach vorn gestrecktem Kops, das Pferd schläft stebend, der Vogel birgt seinen Kopf unter dem Flügel. Fledermäuse hängen sich mit »ach unten gerichtetem Kops zum Schlaf auf. Die kleinen Papa- geien tuen es ebenso. Die Ente, die auf der Wasserfläche schläft, bewegt leise schlagend den einen Fuß und beschreibt ununterbrochen einen Kreis, wie ein einseitig gerudertes Voot. So entgeht die schlafende Ente dem durch Wind oder Strömung drohenden Schiff- bruch am Ufer. Der uns nahe verwandte Affe pflegt sich auch sein Ruhebett sehr sorgsam zu behüten. Der große menschenähnliche Orang-Utang der Sundainscln baut sich jeden Abend seine Lagerstätte neu. Auf der Krone hober Bäume biegt er starke Aeste zusammen, durchflicht sie mit abgebrochenen weichbelaubten Zweigen und kleinem Reisig, bis ein fester Sitz entsteht, der eine behagliche Nachtruhe gewährt. Auch Gorilla und Schimpanse bauen sich Schlafnesler. Sie werfen ab- gerissene Aeste unordentlich zniammen■*- und ihr Ruhebett ist fertig. So stehen diese afrikanischen Menschenaffen in ihren Ansprüchen wert Himer ihrem ostasiatischeit Vetter zurück. Mit gutem Recht sagt Zschokke, daß der Orang-Utang fast wie ein Träger höherer Affen- Zivilisation erscheint. Sehr verbreitet ist bei den Tieren die Sitte des geselligen Schlafes. Ganze„Schlafvers ammlnngen" finden statt. Zschokke berichtet über die von ihm beobachteten Schlasversammlungen der Fledermäuse in den' hochgewölbten unterirdischen Gängen und Grotten von St. Canzian auf dem Triestiner Karst. Zu Tausenden waren da die schlafenden Tierchen oneinder geklammert und sie formten mäch- tige Zapfen, die von der Gewölbedecke herabhingen. Auf dem Boden der Höhle aber wachsen die von den Schläfern seit Jahrtausenden ab- gesetzten Exkremente zu umfangreichen Hügeln heran. Aus ihrem leicklen Schluminer werden die Fledermäuse durch den flackernde» Fackelschein gestört, den die Besucher in ihr dunkles Schlafgemach gebracht. Lautlos lösten sich die dunklen Zapfen, die aus Stein ge- bildet schienen, in ein ganzes Heer von Schatten, die gespenstisch im Zicktackflug unter dem Gewölbe huschten. Die Sitte des Gesell- iwaftsschlafes ist auch unter den Vögeln sehr verbreitet. Dohlen und Krähen verlassen am Abend das offene Ackerfeld, auf dem sie nach Nahrung gesucht, sie verlassen Gemäuer und Kirchturm, um zum ge- meinsamen Schlafplatz zu fliegen. Sie wählen sich ein leichtes Ge- bölz oder eine vorspringende Waldecke als Herberge für die Nacht. Von Geschlecht zu Geschlecht wird an ein und demselben gemein« iamen Ruheplatz für die Nacht festgehalten. Auch Drosseln, Berg- sinken und Stare folgen der Sitte deS GesellschaftSschlafeS. Sie drängen sich in dichten Scharen im Gezweig zum Schlaf zusammen. Andere, wie die Rebhühner, bilden im Schlaf einen Kreis, wobei jedes einzelne Tier den Kopf nach außen ivendet. Sie schützen sich vielleicht auf diese Weise gegen die Gefahr, die ihnen drohen könnte. Wohl das großartigste Bild einer Schlafveriammlung von Vögeln hat der Fr-uburger Zoologe Doflein ans Grund eigener Beobachtungen im iivrdüchen Ceylon entworfen. Des Abends zieht die bunt befiederte Vogelwelt des Dschungels nach einem ruhigen Schlafplatz— nach flachen Schlomminseln, die aus dem untiefen Wasser hervorragen. Es kommen Vögel zusammen, die sich am Tage hehig befehdet, um friedlich neben einander zu schlafen. Di« Nachtquartiere der einzelnen Arten sind allerdings streng geschieden. Nochtreiher, große und kleine, weiße und graue, Ibisse, Marabus und Pelikane, See- schwalben, Schlangenhalsvögel, Eulen und Raubvögel, wie Fisch- adler, Weißkopfadler und BraHnüuenweiHe— alles friedlich bei- saminen. Nicht nur die warmblütigeil Tiere, auch die kaltblütigen kennen den Schlaf. Die Schildkröte, die Eidechse und der Laubfrosch halten Nachtruhe. Auch die Fische. Bewegungslos halten sie sich stunden- lang im Grün der Wasserpflanzen oder über den Steinen des Uniergruiides. Jeder Aquarmmliebhabsr kann diese Beobachtung niacheii. Die Kiemendeckel heben und senken sich kauni merklich, fast bewegungslos sind die Flossen. Manche Fische lieben es, sich ii» Scklaf auciiiandcr zu lehnen oder sich gegen Schilsstengel und Fels- slücke zu stützen. Ich beobachtete längere Zeit ein init etwa(50 ganz kieinen jungen Aalen besetztes Aquarium. Wurde in das Aquarium, in dem sich außer dem Wasser nichts befand, eine Glasröhre versenkt, die einen Durchmesser von etwa sieben Millimetern hatte, so sammelte sich bald der größte Teil der Aalbevölkerung des Aquariums in dieser Zlöhre. Die ziemlich enge Röhre war dicht erfüllt von den schwarzen wurniähnlichen tleinen Tierchen, die be- wegungSloS in ihrem engen Ruhebett verharrten. Auch Infekten und Spinnen, Krebse, Tintenfische und sogar die Seeanemonen haben einen regelmüßigen Schlaf. Bei den Insekten gibt es auch Schlasversammlungen auf Aesten und Zweigen. Zschokke erwähnt, daß die wilden Bienen des Urwaldes in Klumpen wie Knoipen und Blüten auf dem Astwerk der Bäume ihren Schlaf halten. Einige Bienenarten wissen auch so etwas wie ein Nachmittags- schlätchen einzuschätzen. Der Tierfreund wird sich nun die Frage stellen, ob die Tiere auch träumen. Der Schlaf des Menschen wird regelmäßig durch lebhafte Träume unterbrochen. Manche Leute behaupten allerdings, daß sie niemals träumen. Es ist jedoch schwer zu sagen, ob das wirklich so ist. Denn man vergißt seine Träume sehr bald. Einem fede» ist es gewiß schon aufgefallen, daß er sich zuweilen erst im Laufe des Tages oder sogar erst in den folgenden Tagen eines Traumes erinnerte. Ist es schon schwer, darüber sein Urteil zu stillen, wie es um das Träumen beim Menschen steht, wie viel schiverer.muß eS sein, zu sagen, ob die Tiere träumen I Für die höheren Tiere werden wir in Analogie mit dem Menschen Wohl mit gutem Recht die Annahme machen dürfe», daß bei ihnen der Traum vorkommt. Zicholke sagt, daß doch wahrlich eine nur be- fcheidene Einbildungskraft dazu gehört, um anzunehmen,„daß der Hund von einem Knochen träume oder von einem saftigen Stück Fleisch, daß ihm im Traum das Bild einer Katze erscheine, oder deS gejagten Hasen, oder die Gestalt scineS Herrn und Freundes." Man hört den Hund im Schlafe zornig knurren und winseln, man hört sein unterdrücktes Bellen, man sieht ihn mit dem Schwanz wedeln. Das alles deutet daraus hin, daß der Hund ein Traumleben hat. Nach Zichokle icheinen auch die kurz abgerissenen Tonstropben, die der auf dem Ast schlafende Bogel erklingen läßt, auf ein Traum- leben binzndeuien. Eine andere Frage ist es, wie weit da? Traum- leben der Tiere, vor allem unseres vertrauten Freundes, des Hundes, mit dem unsrigen ähnlich ist. Da dürfen wir sagen, daß wohl der Unterschied zwischen dem Traumleben der Menschen und demjenigen des Hundes derselbe ist, wie zwischen dem wachen Denken des Hundes und dem des Menschen. Der Traum ist ja nichts anderes als eine Art Wachsein, ein verzerrtes Denken. So bringt uns das Viele, was wir von Schlaf und Traum bei den Tieren erfahren, das Tier näher, knüpft fester die verwandt- schaftlichen Bande zwischen Mensch und Tier. kleines JeuiUeton. Charlottenburger Schiller-Theater: ,das flUet', Diese tbüringische Kleinstadtkomödie don Paul O u e n s e I, in deren Mittelpunkt der auf die Siebzig gehende.StadtmusiiuS' Lindner mit seiner bunt zusammengewürfelten Lehrlingskapelle steht, hat Tugenden und Fehler eines Bolksstllcks. Der übersprudelnd opti« mislische Alte, sein braveS HauSmüllerchen, sein llug-bescheidener Jugendfreund und stiller Kunstgenosse der Kantor, sind iinverschnörkelt klar geichaute, gemütvoll nachempfundene Gestalten. Ein freundlich menschlicher Humor mischt da die Farben und versteht eS, bei aller eigensinnigen Unvernunft der Hauptfigur, im Zuschauer die Shm- paihren für sie wachzuhalten. Der gute Lindner will den Dirigenten« stab, den er Jahrzehnte führte, nickt aus den schwachgewordenen Händen legen. Die Begeisterung für Kunst strömt nach wie vor im Herzen und gilt ihm als vollwertiges Zeugnis, daß einzig neidischer Banousensinn den Gedanken fasten konnte, ihm bei der Neuwahl einen Jüngeren vorzuziehen. Wie sein besonnener Kamerad, der Kantor, in gutmütigem Zureden ihn umzustimmen sucht, uns allgemeine Menfchenlos des Wechsels mahnt, wie im Ge- ipräch der beiden die Erinnerung an lang vergangene Schönheil auf- steigt, au jene Lindneraufführung von Handels Schöpfung in der Kirche, die alle Herze» feierlich ergriff— das ist schlicht und warin gefühlt, im besten Sinne des Wortes volksstückmäßig. Aber die Handlung, die den liebenswürdig versöhnlichen Ausweg findet, daß der Sohn dem Alten iin Amte folgt, arbeitet teil- weis mit verstimmend grellen Farben in dem Geschmack des schlechten Volksstücks. Die tendenziös outrieris Rüdheit der Berliner Theaierdame, die der Sohn als Braut ins Haus führt— das hübsche sonst so gewandte Fräulein M a r k o l f unterstricb»och besonders diesen Ton— fällt auch geduldigen Hörern auf die Nerven. Die beiden Alten, Musikus und Kantor, waren durch die Herren Adolf Menzel und Richard W i r t h ganz ausgezeichnet vertreten. Die seelische Innerlichkeit deS Spieles erreichte in jener Szene festlich gehobener Jugend- und Kunsterinnening den Höhepunkt. Fanny Wolfs traf gut den Ton der nüchternen, verständigen Hausfrau. Alsred Braun fand sich geschickt mit der recht undankbaren Nolls des Sohnes ab. Das Publikum ging dankbar bis zum Schlüsse mit. ckt. kriegssaat. Langsam scheidet sich in der ungeheuren lyrischen Flui, die den Krieg umspült, Festes und Fließendes. Der übermächtige Wogen- schwoll der ersten Monate ist verrauscht. Das Kriegserlebnis, da- mals eine Bewegung des Masiengefühls, ist jetzt Ausfluß einer per- fönlichen Anschauung geworden... Ueber Wert und Unwert der Weltlriegslyrik wurde schon viel geschrieben und gesprochen. Es wäre verschwendete Kralt, darüber noch Worte zu machen. Soviel steht fest: Auch in der KriegSlyrik wird wie in der Kunst überhaupt nur dauern, was, nicht beirrt von den Meinungen des Tages, sich zum Mund ungehemmter Menschlichkeit berufen fühlte. Wir Sozialisten dürsen mit berechtigtem Stolz hinweisen ans die Verse, die dem Acker unserer Gesinnungen entsprossen sind. Bis weit in die bllrgetlichcii Kreise hinein wird heute schon anerkannt, daß die Kriegslyrik der deutschen Arbeiter für das Erlebnis unserer Zeit repräsentativ ist.... Sprechen in den bei Diederichs in Jena verlegten Büchern aus- schließlich jüngere Genossen, so meldet sich nun auch eine Stimme aus dem alteren Geschlecht der Partei: Franz Diederich bat im Verlag der Buchhandlung Vorwärts, Berlin, unter dem bedeutsamen Titel„K r i e g s s a a t" seine KriegSverio herausgegeben. An Zahl eine spärliche Ernte, noch nicht zwanzig Gedichte, an Gewicht der Gesinnung und des geistigen WollenS aber ein gar nicht leichtes Buch... Das KriegSerlebniö Diederichs ist aus rein geistigen Antrieben gespeist. Diederich kennt nicht die Kriegswirklichkeit und enthält sich darum oller Schilderungen, die realistischen Eindruck vortäuschen sollen. Das ist Ehrlichkeit des Er- lebens und der Gestallung. Ihn bewegen die Ideen, die tm Hinter- grund der Tatsachen stehen und die ihres Aufrufs harren. Fest in den Anschauungen und Gesinnungen des Sozialismus und seiner Ziels wurzelnd, hat der Krieg nicht vermocht, ihm das Gefühl zu verwirren. Diederich hofft auf den Sieg, nicht auf den Sieg im patriotischen Sinn allein, sondern ouf den Sieg des sozialistischen Gedankens in der Welt mit allen feinen Folgen: Brüderliciikeit unter den Menschen, Befreiung der tätigen Arbeit, Einigkeit und gegenseitiges Verständnis unter den europäischen Itaiionen. Er glaubt weiter an die Macht des einigenden Zieles unserer Bewegung und fordert in anfeuernden. wortstarken-atrophen zur Erkenntnis dieses Zieles auf.»Unser Macht- ruf heißt: Organisation!" Diesen beiden Themen weiß er immer neue, eindrucksvolle Wendungen abzugewinnen, ein Zeichen, wie sehr sie ihm am Herzen liegen. Wir haben alle Ursache, dieser beschwörenden Stimme zu lauscben. Wir freuen uns aber auch der Kraft des Glaubens� und der Inbrunst, die diese Stimme in alle Verse zu legen weiß, in in denen von Ausgang dieses Weltsiebers und von der endlichen Ge« sundung der Menschheit die Rede ist.... Du Glück, ersehnt in Nacht, sei morgen wahr! Welteinklang will's.... Die rein intellektuells Dichtung Diederichs ist nicht leicht auf« zunehmen. Ihr Mangel an anschauender Sinnlichkeit kann auch durch da? Streben nach dem erlesenen Wort nicht ausgeglichen werden. Eine gewisse Härte und Spröde ist zu überwinden, aber diese Arbeit lohnt sich. Wer sich die Verse Diederichs erarbeitet hat, dem werden sie in manchem Gedanken eine Sicherheit wiedergeben, die vielleicht im ChaoS dieser Zeit verloren zu gehen drohte. Wir enipfehlen das auch buckicchnisch sehr gute VerSbuch Franz Diederichs und wollen mit dem Dichter hoffen, daß die von ihm in die aufgerissenen Furchen der Zeit gestreut« Kriegssaat bald, recht bald die ersehnte Friedensernte bringen wirb b... r. 61 Ums Menschentum. Ein Schiller-Roman von Walter von Molo. Die derben Schuhe lärmten wieder ein paarmal hin und her, dann legte er entschlossen Hut und Degen auf die Bank und sah ernst zu den Kindern, denen ums Christfest bangte. .Das liebe Christkindlein kommet eventuell auch früher," sagte er feierlich,„wenn gläubige Christen bitten und brave Kinder im Hause sind. Soll ich," schloß er, sich wendend, einen früher angefangenen Gedankenweg ab, der zu Frau Dorotheas Meinung führte,„soll ich opponieren, damit es mir gehet wie Herrn Ricgcr? Auf offner Parade hat ihm der Herzog die Orden abgerissen und ihn degradieret. Soll ich auch im Hohentwiel Quartier nehmen?" „Herr von Rieger hat mit Preußen konspirieret", mahnte zag Frau Dorothea, und wußte, daß ihre Worte nichts nützten. „Sagt man I" Er blieb heftig stehen.„Und was hat der Oberamtmann Huber getan, der den Landtag beriet? Er fitzet auch!" Sie schwieg und streichelte sorgsam ihreS Buben Kopf. Der hob sich mit einem Male und fragte mit Kinderfreimut: „Ders denn der Herzich daö mache?" „Aber Fritzlc", sprach die Mutter wohlgefällig und er- schrocken,„er ist doch Herr über Leben und Tod, er darf alles! Wie kannst denn so dumm fragen?" „Weil dann fei Unterschied ischt zwischen'em Herrgöttle und.. „Dorothea, geh' mit den Kinders auf die Gassei" sagte Vater Schiller rasch, ehe daS sinnierende Söhnlcin zu Ende kam.„Ich will mit dem Christkindlein reden und es um Ver- zeihung bitten, daß ich einen so unheiligen Buben Hab!" Er sah strenge das Kind an und nickte seiner Frau bedeutend zu: wir müssen uns eilen I „Des hätt'scht net sage solle." flüsterte Phinele dem Bruder zu. Sie gingen. „Aber marschieret nicht zu den Großeltern," rief ihnen Kaspar Schiller nach und setzte, etwas pharisäerisch, hinzu: „es wird sonst zu spät." Kaspar Schiller sah zum Bäumchen auf, daS den Abend hätte in Ruhe segnen sollen und dachte seines Sohnes. Was sich der kleine Fant für Gedanken machte? Vater Schiller jeufcte: Man metüc oben den Mangel dcr väterlichen Erziehung. Doch das wurde jetzt besser. Er seufzte wieder: Wcrbeoffizier I Sein Geschmack war es gerade nicht, mit Tücken und Qucrgängcrcicn arme Menschen einzusaugen. Doch das Wohl des Ganzen heischte Gehorsam und Unterordnung; anders lebte der Mensch nicht im Leben.. Er schlug energisch Feuer und zündete die vier Lichtlein aus Unschlitt an, die das Tännlein schmückte.„Das ist die neueste moäs," sagte er wohlgefällig und sah, wie die Aepfel und Nüsse im harzigen Grün schwankten,„man muß mit der kmür gehen." Vor dem Fenster wisperten die Kinderstimmen und stampfte der Gaul.„Dorothea!" rief Kaspar Schiller und gab deni Wachsenglein auf dem Tannenwipfcl einen Stoß'mit der Degenspitze, damit cS schwankend schwebte— das schuf mehr Illusion.„Das Christkindlein war schon da; habet ihr es nicht davonfliegen sehen?" Schon wurde das aufgeregte Zappeln der LAnderbcine Im Vorraum hörbar.„Kinder," sagte die gütige Stimme der Mutter,„am Ende hat's ein paar Sternle vom Himmel aufs Baumle g'hängt? Gucket nur fleißig!" „Ach. ischt daS schön!" sagte Phinele. Sie standen mit ehrfurchtsvoll erhobenen Blicken in der Tür. Tiefgerührt sah die Mutter ihren Fritz: der hatte mit Inbrunst die kleinen Hände gefaltet und das rötlichgelde Haar umwallte seine feine, weiße Stirn. Die frommen blauen Augen sahen an- dächtig zum Lichte empor. Wie selber ein Englein stand er vor dem Weihnachtsbaum. „Fritz," sagte der Vater ernst und gesammelt,„bring' Er mir die alt' Bibel 1" Frau Dorothea tat hastig die Schürze ab und fühlte, ob ihre Haube zur Andacht in Ordnung säße. Sie knieten in einer Reihe vor dem vorzeitigen Weihnachtsbaum, und die Weihe der einsamen Stunde floß auf sie nieder. Der Vater betete mit lauter Stimme vor: „... Als Maria, seine Mutter, dem Joses vertrauet war. erfand sich's, daß sie schwanger war vom heiligen Geist. Doch der Engel des Herrn sprach:„Sie wird einen Sohn gebären, des Namen sollst du Jesus heißen; denn er wird sein Volk selig machen, von ihren Sünden..." Frau Dorotheas friedliches Glaubenswort und der Kinder helle Stimmlein klappten nach:... von ihren Sünden." „Haltet immerdar Gottes Gebote!" sagte der Vater und wischte, sich erhebend, die Knie. Er küßte verehrungsvoll die vccdltchuie Seite, ine er aägelqcn hatte,«nd schlug Sie Wdel zu, daß eL klappte.„Tu Er das heilige Buch an seinen Ork Fritz I" befahl er und hing anzüglich und nachdrücklich die Mahnung an:„Ehret die, so euch vorgesetzet sind! Ihm, Fritz, wär's besser gewesen, Er wär' mehr in die Kirch' ge- gangen— Er kann nicht gut beten im Toni— denn an den Neckar, Kiesel schmeißen l— Nun muß ich reiten, Dorothea," er wandte sich und nahm Hut und Degen. Sie gingen mit ihm vor die Tür. Als er auf dem struppigen Gaule saß und fich fest in den strohumsponnencn Bügeln zurecht schob, musterte er noch einmal bedcnksam das hochgiebclige Häuschen mit den Riegel- wänden, das sie nun verlassen mußten.„So was umschließet den Menschen und heget ihn und er meint, es sei sein Alles. Dann ziehet er fort und daS Haus macht's dem andern, der nachfolget, ebenso.— Ja, Fritzle", sagte er mit Nachdruck, als er die großen Augen seines Buben sah,„nun kommet Er unter meine Zucht I— Lebet wohl!" Mit der Hand grüßend, ritt er davon. Die Hufschläge verhallten. Die Dreis liefen verstört ins armselige Kodweiß-LogiS. »« Fritz Schiller und das Phinele lagen im leise wandern- den Schatten der Riescnlinde, hinter sich das alte Gemäuer des zerstörten Klosters Lorch, und horchten des Vaters Stimme, die belehrend zu ihnen sprach. Kaspar Schiller war behaglich im Grase gelagert und schmauchte sein Pfeiflcin. Jni gesegneten Remstal läuteten feierlich die Sonntags- glocken und die Mücken summten den Chor dazu in die Sommcrluft. „Ja, Kiuders," sprach Vater Schiller,„der Herr Ober- amtmann, mein Freund, hat's erzählt und ich weiß eS auch von anderen Quellen: Hier vorbei haben sie. bei Nacht und Fackelschein, vom Hohenstaufen herüber, die Leiche der schönen Iren' getragen. Die Käuzlein mögen gejammert haben ob dem grausigen Bild. Das ist lange Jahrhunderte her, vermerket euch die Geschichte im Gedächtnis I" Langsam drehte sich Fritz Schiller im Grase um und maß scheu die dunkle, eisenvcrgitterte Lücke deS alten Rundturms. der friedlich ins Blaue ragte. Dort mochten um die Mitter- nachtsstunde die Seelen der Toten stöhnen, aus den tiefen Steingrüsten herauf zum ewig verlorenen Erdenlicht. War dies das Ziel, zu dem Gott die Seinen auf blutvollen Wegen führte? Schauder und Anbetung schüttelten ihn. Ueber der blitzzerschlagcnen, unverdrossen blühenden Linde, deren Stamm sich nicht umfangen ließ, üate ein Geterjchrs.(Forts, folguj Sossig-Theater. Direktion: Victor Barnowsky. Süt I>le beiden lillugsbcrg. Sonntag: Peer Cynt. Montag: Die boitien ICIingsborg. Seutschjimstlsr-Tlißater. AUabendlicli 8 Uhr: Slornl. Direktion: Max Reinhardt üentsehes"J'tieater, Deutscher Zyklus. T'/a Uhr: Soldaten. Sonntag: Soldaten. iJachm. 3 U.(kl. Pr.): Der Biberpelz. KaiiiinerHpiete. 8 Uhr: Gessjietistoi-Konate. Sonntag: Oef.peishtei-soiuitc. Nachm. �'/a(kl. Pr.): VleUcrleuchtcn. Volksbühne. Tiicalor a. Bülowpl. SV�Uhr; Machtasyl. 3 Uhr: Sondorvorstelhmg für das Klassische Th.: Kabale und Liebe. Sonntag ö Ulir:\achtasyl. Ttieater i. d. Königgrätzerstr. Dir. C. Meinhard— R. Bernauer. 8 Uhr: llrdgelst. Komödienhays 8 Uhr: Der 7. Tag. EerSspier Theater 8 Uhr: Auf Flügeln des Gesanges. Theater am Sonnabend, 18. November. Deutsches Opernhaus, Charlottcnh. 8 uhr: Bie Fledermaus. Friedrich-Wilhclrasfädf. Theater 8 uhr: Das Dreimäderlhaüs. «Chr. Eemifeld-Theater B'l, Uhr: Villa I'schcMna, URANIA Taubenstraßo 48/49. 4 Uhr(halbe Preise): Die Dttgdadbahn. 8 Uhr: Professor Dr. Donath: Die bOeiüstcn erreichbaren Tcmpcratarcn. SST Sonnt. S'/aU.: Die gold. Eva. Lustsp. v.P.v.Schönthan u.Koppel-EUfeld. Komische Oper s'uuhr: Der Puszla-Kavalier. Sonnt. 4 U.: D. Raub d. Sabinerinnen. Lustspielhaus S1/, Uhr: Der selige Baldnln. 8'/, Uhr: Die deutschen Kleinstiidter. Sonntag S'/aUhr: Die Logenbrüder. Metropol-Theater s uhr: Die CsardasfOrstin. Sonntag 3 Uhr: Die Kaiserin. Kesädcnz-Thcater Die Warschauer Zitadelle. Th alia-Thcater 4 Uhr: AschcnbrödeL h'/t Uhr: Dlondinciicn. Kleines Theater a um: Am Teellsch. Neues Operettenhaus Kassontelephon: Norden 281. 8 uhr: Der Soldat der Marie. Schiller-Theater O 8 Ukr: Ii] LShSMlUDg. Schiller 1 h. Uharlottenb. 8 uhr: Bas illeF. Theater am Voticndorfpl. 3llt Uhr: Wohltätige Frauen. S'lt Uhr: Diane d ungenau, Theater des Westen« 8 uhr: Die Fahrt ins Olück mit Guido Thiolscher. 4 Uhr: liotkilppchcn. Trianon Theater S'l, Uhr;.... als Gast. 4 Uhr: Illinsel und Grete!. Rose-Theator 4 Uhr: Rotkäppchen, 8'/, Uhr: Dolos Vater. Walhalla-Theater 8Uhr:Seemaniisllebelien. V oägt-Tlaeater. Badstr. 58. Badstr. 58. Täglich: Vis Hose vom See ober: Die Salonbäucrin. Rancncröfinung 7 Uhr, Slnjong 8 Uhr. Sonntag 3 Uhr; Bcrwaist. Ab Monlag: DaS goldene Buch. Casino-Tfoeater. Lothringer Str. 37. 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