Hr. 270.— 1916. Utlf Cül)OltUtt00bI dtt �05Wd��0 Sounabeud. 35. November. Die Zarben der Trauer. Von Dr. Johannes Kleinpaul. Wie sich die Zeiten ändern— und wir mit ihnen! Vor zwei Jahren um diese Zeit, als die Nachrichten von unseren ersten großen Siegen, und danach auch von unseren schweren Verlusten zu uns gelangt waren, wurden überall Slimmen laut, wir sollten alles tun, uns das farbensrohe Stratzenbild und die Heiterkeit des Lebens zu erhalten und sie nicht allzu sehr durch düstere, dunkle Trauer- kleider dämpfen. Die dunkle, freudlose Farbe war ja damals plötzlich„Mode" geworden, und dagegen wandten sich nun be- sonnene, ruhige, ernste Leute. Im Frühjahr darauf gelang es wirklich, diesen allzu schweren Grundlon lvieder aufzuhellen. Da wurde— Schwarz-Weiß Mode I Und heute— fragt kein Mensch mehr nach allen diesen nebensächlichen Dingen. Denn die Trauer ist inzwischen allgemein geworden. Jetzt trauert das ganze Volk; ober was wir als äußeres Zeichen unserer Trauer anlegen, ist gleich- gültig geworden.... Ob sich der einzelne Mensch in dieser jetzigen Zeit schwarz kleidet oder nicht, es kommt wirklich wenig darauf an. Alles das ist im letzten Grunde persönlichen und somil verschiedenen Stimmungen und Gefühlen unterworfen, und eS erscheint daher heute fast miigig, der Frage nachzugehen, welches denn nun eigentlich wirklich und ur- sprünglich d i e Trauerfarbe sei. Andererseits läßt aber eine ein- gehendere Beschäftigung mit diesen Dingen erkennen, daß die ver- tchiedenen Völker zu verschiedenen Zeiten schon in allen möglichen Farben getrauert haben, und das gibt somit ebenfalls denen recht, die mahnen, auf solche Fragen kein allzu großes Gewicht zu legen. Einige behaupten, zum Beispiel schwarz sei die eigentliche, ursprüngliche Trauersarbe, andere: weiß, aber für beides lassen sich gleich gewichtige Gründe anführen. Mehr als einmal spricht der alte Homer vom schwarzen Tode. Die Römer sprachen von einer schwarzen Tür, die zur Unterwelt führt, und von einem (lies ater(schwarzer Tags, von einer dora atra(schwarze Stunde); das ist ihr Todestag und ihre Todesstunde. Ebenso war bei einigen germanischen Stämmen, die im Dunkeln und Düstern das Bereich des Unglücks und der leidbringenden Gottheiten sahen, Schwarz die Farbe der Trauer; daher hüllten sich die Witwen der Franken zur Merowingerzeit für ihr ganzes Leben in schwarze Gewänder. Aber andererscils bedeutet doch das Wort Witwe nichts anderes als witrvs Frouw(Wittib, weiße Frau, Willfra»), und sagl uns, daß ältester deutscher Sitte und Anschauung gemäß die Wittib nach dem Ableben ihres Gatten in weißen Kleidern ging. Wenn also in alten Sagen und Geschichten davon die Rede ist, in dem oder in jenem Schlosie werde man bald einmal wieder die»weiße Frau" zu sehen bekommen, will das nichts anderes besagen, als daß das Ende des Schloßherrn nahe ist; seine Frau wird also bald die Witwen- kleider tragen; mit irgendwelchem Spuk hat das ganz und gar nichts zu tun. Begreiflicherweise findet die Ansicht, daß Weiß die natürliche Trauerfarbe sei. eine starte Stütze in der freien Natur, wo wir ja, wenn die winterliche Schneedecke sich über Felder und Wiesen breitet, oft von einem.Bahrtuch", in das die Erde gehüllt ist, reden. Auch sprechen unsere Dichter wohl vom»bleichen Tod", und auS allen diesen Umständen ist es begreiilich, daß Freia, die Hauptgötlin unserer Vorfahren, in ihrer Eigenschaft als Totengöllin in ein weißes Kleid gekleidet war. Eine symbolische Erinnerung daran hat sich insofern bis jetzt erhalten, daß ivir heute noch unser» Toten zumeist weiße Blüten in die Hände geben und Kränze mit weißen Blumen aufs Grab legen; andererseits werden weiße Rosen vielfach als Unglücksblumen, weiße Lichtnelken als Totenblumen bezeichnet. Bis in dieMitte desvorigen Jahrhundertshatman bei uns allgemein weiß getrauert, und die Herrnhuter Brüdergemeinde tut das jetzt noch. Es gab aber auch früher schon Zeilen, in denen schwarz ge- trauert wurde, denn die Mode bewegt sich nun einmal mit Vorliebe in Gegensätzen. Besonders am Hofe Louis XIV., des Sonnen- königS, konnte man sich darin gar nicht genug tun. Unter dem Ein- flusse der Mme. Maintenon wurden damals zuerst die Trauer- gemächer schwarz ausgeschlagen, die Möbel schwarz drapiert, die Degen, die Karossen, ja selbst die Pferdegeschirre mit schwarzen Floren umhüllt, und selbst bei Tische benutzte man Messer mit schwarzen Ebenholzgriffen. Diese»große Trauer' war freilich nur denen vom Adel vorbehalten. Die Bürgerinnen durften nur.Grau" anlegen; daher stammt für die Frauen von niederem Range die Be- zeichnung Grisetten. Zeitweilig wurden auch die beiden gegensätzlichen Farben mit- einander vermischt. Dann trauerte man Schwarz-Weiß. So nahmen die Bürgerfrauen im Mittelalter die dunkle Tracht der Nonnen mit ihren das Gesicht fast ganz verhüllenden großen weißen Hauben an, und die Frauen der höheren Stände trugen mit Vorliebe zu ihren uj Ums Menschentum. Ein Schiller-Roman von Walter von Molo. »Hoven! Wie kannst du das fressen, lvaS man dir in den Kot schmeißt?" Fritz Schiller maß den Freund; seine Lippen wurden schmal und hochmütig. „Sie sind gut und knusperig," kam die schmatzende Ant- wort.„Probier!" Arglos hielt im Hoven ein Stück des Gebäckes hin. Mit wilder Wut hieb Fritz Schiller von oben auf seines Käme- raden Hand hernieder.„Auweh!" schrie der und die Waffel rollte in den Schmutz. Als sich Hoven die schmerzende Hand rieb, auf der der heftige Schlag rot brannte, sah er, daß Fritz Schiller hochaufgcrichtet schon weit in der Straße schritt. Wie Scham und Schuldbewußtsein überkam's ihn; er lief dem Freunde nach. Aus dem Schloßhof drang Trommelwirbel. Die Porte- chaiscn-(Sänften) träger rannten ans der schnurgeraden Straße, was sie nur laufen konnten. Man durfte nicht zu spät zum herzoglichen lover(Morgenaufwartung) kommen. Eine Turmuhr schlug gemessene Schläge in die stille Luft. Fritz Schiller bekam rote Flecke auf den Wangen. Er begann mit einem Male weit auszuschreiten.„Du, Fritz," sagte er hastig und unfrei, während sein Blick stach,„sag' nichts daheim, daß ich mich mit'm Rcichenbach geprügelt Hab'." Immer schneller wurden seine mageren Beine; am Ende trabten die beiden Freunde ein Stück. In der Flur des Cottaschen Hauses, in dem die Familien Schiller und Hoven wohnten, trafen sie Phinelc. „Du!" sagte Fritz Schiller und fing sie unruhig beim Zopfband,„ischt der Batcr schon zu Haus?" »Ja." Wenn dir die Ludovika Reichenbach erzählt, daß ich ihren Bruder gehänselt hätt', so sag's nicht vor dem Papa; der Mutter kannst du's allein sagen." Eilig schluckend, schlich er auf den Zehenspitzen zur Tür. Aufrecht und stramm schritt Hoven in seiner Eltern Heim. Gottlob! die Mutter saß allein. Frau Dorothea besserte„Kittleins" für das Jüngste aus, das unermüdlich in der Nebenkammer schrie. Sie sah auf und legte hastig das Flickzeug zur Seite. Fritz Schiller uiu- schwarzen Gewändern zum Zeichen der Trauer weißen Pelz oder sie versahen ihr schwarzes Kleid sonst, besonders an den Aermeln, mit weißen Streifen. Einzelne Bestandteile dieser eigenartigen Tracht, wie das weiße Ueberschlagetuch und das breite, weiße Kinntuch, das sogenannte Vorgebinde, dos den unteren Gesichtsteil verdeckte, haben sich noch lange in den ländlichen Kreisen erhallen. Auch das Traucrkleid der Männer paßte sich dieser Geschmacks- Veränderung an. Sie trugen eine schwarze Gugelkappe, niit einem über die Schultern reichenden Kragen, der in einem langen Zipfel auf den Rücken herabfiel. An diese merkwürdige Trauerkleidung er- innern heute noch die eigenartigen Trauermänielchen, die in Hessen bei Begräbnissen angelegt werden, und die langen, wehenden schwarzen Trauerflore der ostsriefischen Leichenbilter. Im Mittelalter trauerte man auch eine Zeitlang braun, in Aethiopien trauert man heute noch grau, die alten Acgypter trauerten gelb, ebenso die Kelten l noch heute trägt daher in einigen Gegenden der Bretagne das weibliche Trauergesolge gelbe Hauben. Die Chinesen trauern blau und schreiben während der Traucrzeit blaue Briefe, die sie auch blau siegeln. Alle diese scheinbar will- kürlichen Trauersarbcn lassen sich bei einigem guten Willen sinn- fällig deuten. Blau ist die Farbe der Ferne, gelb und braun die der fallenden Blätter im Herbst, grau ist die Farbe der Erde und der Asche.»Zu Erde sollst du werden, von der du genommen bist..." Auch alle anderen leuchtenden und lachenden Farben waren zu verschiedenen Zeiten, besonders im Zeitalter de? farbenbunten. Pracht- liebenden Rittertums einmal Mode. Die Jungfrau von Orleans trug z. B., als sie ihren festlichen Einzug in Orleans hielt, ein Klerd aus karmoisinrotem Brüsseler Tuch, aber dazu, znnr Zeichen der Trauer darüber, daß der Herzog von Orleans in englische Gc- fangenschaft geraten war, einen Ueberwurf von„ver- lorenem Grün". Gerade dem Grün, der Farbe der neu ver- jüngten, lebensvollen Nalur erwartet man in diesem Zusammen- hange kaum zu begegnen. Ebenso vcrwundcrlichcrweise trauert der englische Hof beute noch hochrot. Auch in Frankreich bc- stimmte schon König Louis XI. bei seinem Regierungsantritte die Farbe der Trauer um seinen Vater Scharlachrot, während Louis XV. im Jahre 1726— und nach ihm Napoleon I., nachdem inzwischen wieder einmal Weiß Mode geworden war— das Violett zur allgemeinen offiziellen Trauersarbe machte. Wahrscheinlich machten sich bei den letzteren Entscheidungen lirchliche Einflüsse geltend, denn die katholische Kirche verwendet bekanntlich zum Zeichen der Trauer außer der schwarzen Farbe ebenfalls das Violett. Mit violetten Tüchern werden bekanntlich zu Beginn der Fastenzeit, die der Leidcnswoche vorangeht, die Altäre in den Kirchen verhängt, und im Konklave tragen die Kardinäle zum Zeichen der Trauer um den verstorbenen Papst statt des roten einen violetten Ueberwurf. In der gegenwärtigen ernsten und schweren Zeil haben alle diese Modefcagen weniger Wichtigkeit als je. Vielleicht daß uns der große Krieg mit seiner reinigenden, läuternden Kraft auch für unsere Trauer eine neue Anschauung und neue Formen gibt... kleines Zeuillston. Der Schöpfung Meisterstück. Das Haager Blatt.Vadcrland" veröffentlicht ein Gedicht, das sämtlichen Abgeordneten der holländischen Kammern von der Ver- einigung für Fraucnwahlrecht zugeschickt wurde: Gott schuf die Welt in wenig Tagen, zuletzt ein Männerexemplar. Daß Gott schon müd' nach diesen Plagen, bewies er damit sonnenklar. Und als er alles dann beschaute, da fehlte dies, mißhagte das... Es war der Mann, vor dem ihm graute, eine e i n z' g e Rippe taugte was. Die wurde ihm noch abgenommen, und nach viel Wägen und Bedacht ist endlich dann das Weib gekommen, zwar spät, doch mit Verstand gemacht! Darum ist sie für Männer, Burschen das Ideal im irdischen Glück.— Der Mann war nur die Probearbeit, sie ist der Schöpfung Meisterstück! Die Leistung üer Kriegsgefangenen. Nach einer Darstellung von„Rußkoje Slowo" wird in Nußland jetzt gar nicht mehr über den Wert der Gefangenenarbeit gestritten. Sie be- schlang sie, sie küste ihn auf die Stirn.„Du." sagte sie leise und sah ihm mild in die Augen.„Vater hat schon zwei- mal nach dir gefragt! Er ist jetzt in der Druckerei. Nimm dir ein Büchle und setz' dich her, datz�er vermeinet, du repetierest für den Nachmittag." Fritz Schillers Kopf sank auf die Brust; die Mutter streichelte ihn und wollte ihn auf- richten.„Heut' Mittag gibt's Lebcrspätzlc mit Sauerkraut. Freuest dich?— Nächste Woch' geh' ich nach Marbach zu dcu Großeltern..." „Nimm mich und's Phinele mit!" „Hast' sie gern, meine Eltern?" fragte sie weich. „Ja, Mutter, das sind arme, verlaufene Menschen, denen man helfen muß." Sie machte sich hastig los und griff nach der Nadel.„Setz' dich," bedeutete sie und winkte mit den Augen; sie stach schnell in die Leinwand,„der Vater kommt!" Sie zeigte, mit dem Kopfe niahnend, zur Tür. Vater Schiller trug einen langen Vogen bedruckten Lösch- papiercs in der Hand. Ein stolzes, zufriedenes Lächeln thronte auf seinem energischen Antlitz. Er tat einen verlorenen Blick durchs Zimmer.„Komm' Er her, Fritz," sagte er mild, fast feierlich, „und auch du, Dorothea!" Fritz studierte, che er aufstand, noch schnell eine Zeile zu- ende. Mechanisch taten die Lippen, als repetierten sie. Phinelc, die von ungefähr aus der Küchentür kam, ver- steckte eilig unter der Schürze die Papierpuppcn, die sie eben fürs Puppenspiel ausgeschnitten hatte und trat, ohne Einladung, näher. „Heut' ist ein großer Tag vor mich!" Vater Schiller hob den Papierbogcn und nickte.„Das ist nämlich ein Kor- rektions-Bogen vor mein Werk. Den muß ich also korri- gieren für Herrn Cotta. Ich halt' in meinem Werk— müsset ihr wissen!— der bürgerlichen Fahrlässigkeit die Promptitude (Schnelligkeit und Ausdauer) und Pcrseverance(Befehle) eut- gegen, mit welcher im Militärstand die Exekution deS ordres (Befehle) betrieben wird. Was ich in der moncls(Welt) zu Brüssel, London und anderswo gesehen und auch was ich durch die Fatiguen(Beschwerlichkeiten) des Herrn Kodweiß gelernt Hab', tu' ich zu Nutzen der Nation allhier publizieren, lieber die flüchwürdigen jüdischen Wuchereien, so sich vom gehenkten Jud'n Süß Oppenhcimer herleiten, über die Räuber- und Zigeuner- Unsicherheit ini Land, sowie die Auferziehung der jeuuesss währt sich durchweg auf der ganzen Linie, selbst auf den Steppen- wirtschaften, wo man anfangs gar keine Kriegsgefangenen zur Arbeit nehmen wollte. Jetzt wird überall zugegeben, daß die Oesterreicher und die Deutschen mehr oder weniger vom Geiste ihrer geschulten und systematischen Arbeit und von ihrem Ordnungssinn in das russische Volk hineintragen. Mitunter kommt aller- dingS der unrechte Mann an den unrechten Platz, aber seine Kultur setzt sich trotzdem zum Nutzen des Arbeitgebers durch. In russischen Gärtnereien brachten Kriegsgefangene wunder- volle Blumen und prächtige Gemüse zur Blüte durch eine kundige und äußerst sorgfällige Pflege. Ein Barbier, der sich auf einen, ländlichen Gehöfte gar nicht einzuarbeiten vernrochle, kam auf den Gedanken, die vernachlässigten Viehställe zu reinigen, schuf eine un- gekannte Ordnung und Sauberkeil in der Wirtschaft und sorgte so- dann noch für eine angemessene Verwendung kostbarer Dünger. An mehreren Orten ist österreichischen bezw. tschechischen Kriegs- gefangenen die Bildung von Musikkapellen zu danken, die jetzt in Dörfern freudig begrüßt werden, lleberdies lernen die Bauern von den Kriegsgefangenen, die bei ihnen arbeiten, manch wertvolle Dinge, z. B. wie man besser dreschen, das Korn bergen, das Vieh versorgen, das Geflügel füttern kann usw. ES kommen auch nicht selten Fälle vor, da die Bauern von den Kriegsgefangenen in Geschichte und Geographie und in anderen Elementarwisscnschaften unterrichtet werden.___ Franzmann. Das Wort Franzmann, das unsere Feldgrauen so gerne ge- brauchen, und zlvar ohne jede häßliche Zlebenbedeuiung, könnte den Anschein erwecken, als sei eS neueren Ursprungs. Und doch reicht es schon weit zurück, wie in der„Lköln. Volksztg." festgestellt ivird. Als der französische König Heinrich II. im Jahre 1552 durch Verrat in Metz eingezogen war, dachte er ebenso Straßburg zu uehmen. Aber die Straßburgcr waren auf ihrer Hut und verweigerten dein König den Einzug in ihre Stadt, ausgenommen, tvenn er vierzig EdeUculc mit sich führe. Darauf ließ sich Heinrich nicht ein. Sein Oberbefehls- babcr, der Herzog von Montmorency, versuchte es nun auf andere Weife. Er bat um die Erlaubnis, daß wenigstens die Gesandten des Papstes und der Städte Venedig, Florenz und Ferrara die Stadl Straßburg besichtigen dürften, und erhielt sie auch. Als aber die Straßburger merkten, daß sich so nebenbei auch noch viele Edel- lcnte und zweihundert Soldaten einschmuggeln lvollten, richteten sie die Kanonen auf die bewaffneten Begleiter und löteten deren zehn dder zwölf, die anderen entkamen. Ein Abgesandter MontmorencyS erhob deshalb Bcschlvcrde bei den Behörden der Stadt. Allein diese antworteten:„Die Bürger von Metz, die doch französisch reden. haben sich überreden lassen. Diejenigen aber, die nur deutsch sprechen, wollen sich von den Franzmännern(I'nmohimcmta) nicbr übers Ohr hauen lassen." So berichtet der zeitgenössische Franzose de Vieillcville in seinen Memoiren; er fügt dem Worte die Be- merkung hinzu, daß die Straßburger mit diesem Namen die Franzosen belegten._ viotize«. — Theaterchronik. Da der Andrang zu der P a r s i s a I- Vorstellung im Deutschen Opernhaus am Totensonntag überaus groß geworden ist, wird die Vorstellung am Montag und Dienstag wiederholt. — Totenfeier für Müller-Lhcr. Der Monistenbund veranstaltet am Totensonntag, abends 7 Uhr, im Choralion-Saal, Bellcvuestr. 4, eine Totenfeier für seinen verstorbenen Bundes- Vorsitzenden Dr. Miiller-Lyer. — Gin vorbildlicher Preisträger. Romain Rolland, dem der Nobelpreis für 1615 zugefallen ist, tzsill die Gesamtsumme Werken der Menschenliebe zuwenden. Er hat damit den Sinn der Stislung richtig erfaßt: Nobel wollte selbstverständlich nicht einzelne (meist so schon begüterte) Koryphäen der Wisscuschast und Kunst individuell bereichern, sondern ihnen Mittel zur Verfügung stellen, um im Dienste der Allgemeinheit Nützliches zu leisten. — Der letzte europäische Tunguse. Die letzte Volkszählung im Zarenreich hat einen Bevölkerungsstand von 178 378 860 Einwohnern ergeben. Man berechnete in allen Gouver« nemcnls einschließlich Finnland ans 166 Männer ÜO'/o Frau, so daß in Rußland tatsächlich der Mann auch im rechnerischen Sinne des Worts von seiner„Hälfte" sprechen kann; nur in den Provinzen Zentralasiens ist das Verhältnis für die Frauen noch günstiger. Hier kommen auf 166 Männer gar nur 87 Frauen. Die behördliche Klassifizierung der zahlreichen Völkerrassen Rußlands ergibt manch interessante Einzelheit. So erfährt man aus dieser Aufstellung, daß die Tungusen, deren Zahl man überhaupt nur auf 60- bis 70 00» schätzt, in Europa nur noch durch ein einziges Exemplar vertreten sind. (Jugend) zu energischem Handeln, an welcher es bei uns noch sehr fehlet, Hab' ich mich bemüht, allgemeine Regeln und Grundsätze aufzustellen, die nur einzig Wert haben. Gehet die Gemeinsamkeit vorwärts, gehet mau es selber auch!" „Der Vater hat also wirklich ein Büchle g'schricbc?" fragte Fritz Schiller mit ehrfurchtsvollen Augen die Mutter, „ein wirklich' und wahrhaftiges Büchle?" „Ja. Fritz, du hast einen gescheiten Papa!" Wichtig und dröhnend schritt Kaspar Schiller durch die Stube und ließ sich breit und schwer auf den Sessel fallen, daß es krachte. Mit selbstgefälligem Begreifen empfand er, daß die Kinder ihm von der einen Seite, Frau Dorothea von der andern Seite, ehrfurchtsvoll über die Schulter blickten. Mit der Gänsefeder rührte er den dicken Tintcnsaft. Im Nebenzimmer lallte des Schillerschen Familienbaumes jüngster Trieb. „Ockononnsche Beyträgc zur Beförderung des bürgerlichen Wohlstandes," las 5h«: spar Schiller laut und auf die Wirkung lauschend vor. Hochachtungsvollcs Schweige» der Ehrerbietung folgte.„Aufgesetzt von einem herzoglichen Offizier." Er lachte.„Da wird sich das Publikum den Kopf zerbrechen, wer das mag sein. Das Hab' ich fein gemachet! Neugierde unterstützet die Nachfrage, so erfahret der Herzog davon und stehet, ivas vor einen Mann er im Besitze hat.— Wisset ihr!" wendete er sich gnädig be- lehrend um,„wenn nun eine Letter schief geraten oder falsch gegriffen ist, so vermerk' ich das am Rande und die kam all (Setzer) müssen's reparieren. Oh dien," er sah plötzlich seinen Fritz an,„der Herr Faktor saget nur, daß zwei Malefizjungen, so er namentlich kennet, ihm die Druckerbürstcn mit Sand gc- füllet hätten. Davon kommen die braunen Wischer auf der Revision." Drohend schlug er das Papier.„So Er den Hoven, Seinen Sozius trifft, kann Er Ihm sagen, er hätt' schon eine davor bekommen!" Treffsicher saß die Maulschelle über Nase und Aug.„Hiuo iilac lacrymac!" donnerte der lateinische Licblingssatz an falscher Stelle. Die Mutter fing heimlich ihres Kindes Hand und drückte sie. Doch Fritz Schiller wich heute heftig der tcucrn Lieb- kosung ans, und seine Augen konnten nicht los vom bedruckten Papier, das seines Vaters Name in die Welt trug. Wie Gier stand es ini heißcrregten Knabenantlitz und die Wangen glühten. Eine Stunde grub sich für's Leben ein. (Forts, folgt.) Direktion: Sias Seinh&rat Deutsches Theater. Deutscher Zyklus. Uhr: Soldaten. Sonntag: Kabale und Liebe. Kammersplele. SUhr: Uespenstersonatc. Sonntag: Gespenstcrsonate. Volksbühne. Theater a. BDIowpI. S'lt Uhr: Ein Sommernachtstraum. Sonntag: Kose Bernd. Tlieafer i. d, Königgrätzerstr, S Uhr; Vaul I.asige und Tora Parsbersf. S Uhr: Der 7. Tag. Theater 6 Uhr; Auf Flügeln des Gesanges. Sessittg-Theafer. Direktion: Victor Bamowsky. 8 U.: Die beiden Kllngrsberg. Sonntag: Peer Gynt. Montag: Die beiden Klingsberg. Öentsch. Künstler-Theater. 8 Uhr: Tloral. Sonntag: Die Wildente. URANIA Taubenstraße 48/19. 4 Uhr(halbe Preise); Die Dagdadbahn. 8 Uhr: Im U-Boot gegen den Feind. Hürsaal 8 Uhr: Prof. Dr. Donath Die tiefsten Temperaturen. Theater am Sonnabend, 25, Noyember. Residenz-Theater uÄ: Die Warschauer Zitadelle. Schiller-Theater O s uhr: Frennd Fritz. Schiller Th. Cbarlottcnb. s uhr: Das Älter. Thalia-Theater sv. u.: filondiachen. Theater am Xollendorfpl, 31/, Uhr: Kabale und Klebe. 81/. Uhr: Diane Jangens. Theater des Westens s uhr: Die Fahrt ins GlQck mit Guido Thielseher. 4 Uhr: Kotküppchen. Trlanon Theater 4 Uhr: Sneewltlchen u. d. 7 Zwnrne. S'/j Uhr:.... als Gast. Rose- Theater 8 U.: D. Glücksmädel. Vereinsvorst. 4 Uhr: König Drosselbart Walhalla-Theater 3 uhr: Die Dollarprinzessin. üeutsebes Opernhaus, Cbarlottenb. 3 uhr: Eugen Onegin. Frledrlch-Wilhelmstädt. Theater s uhr; Das Dreimäderlhaus. Gebr. Herrnfeld-Theater Vj, Uhr: Villa Pschcsina. Totensonntag 8 Uhr: Die Ehre. Kleines Theater s uhr: Am Teelisch. Komische Oper vi, uhr.- Der Fuszta-Kavaiier. Totensonnt. 7V2U:D.HÖttenbc8it20r. Lustspielhaus VI, Uhr: Der selige Balduin. il'/.U.: D. zerbr. Krug u. D. Geschwlst. Sonntag 81/. Uhr; hfora. Metropol-Theater '> Uhr: Wohltätigkeitsvorstellung. 8 Uhr: Die Csardasfürstin. Totensonntag 8 Uhr: IVachtasyl Gastsp. des Deutschen Theaters. Neues Operettenhaus Kassen telephon: Norden 281. 8 Uhr: Der Soldat der Marie Totensonnt. 8 U.: Das Glück im Winkel Possen- Theater, f*.|«Vfi Täglich 8'/. Uhr: UM lA-, Ein unnatfirl. Sohn Sagen wir— die Hälfte mit Leonhard Haskol. Reiehsliallen-Tlieater. Stettiner Sänger. Zum Schluß: Trisdens-GMen. Z-Ifblld oon Meysel. Httfang 8 NHr. V oigt-Theater. Badstr. 58. Täglich i Badstr. 58. MsgOkNkKrch Staflcnevöfinutifl 7 Uhr. ülnsang S NHr. Totensonntag geschlossen. Ab 5?!onlaq: Der Lö«e do, Tages. Ädmiralspaiast. Das herrliche Eisballett Auf. S1/. Uhr.», 3, 4 M. Sonnabend 2 Vorstellungen. ■j-J-J 2 droll. Pantomimen: r"" 1 u. Oer listige Barbier. I an-°uf allen fapl geh.«bt»*» Sitzplatz. Trel rnDle EeierprinzessiDl Hmipl Große """'l Märch..Prunk-?anf.i In beiden Vorstellungen: Afra, das geheimnlSn. Ralsel und da? übrige glänzende Programm. Totenlonntag geschlossen! Casino-Theater. Lothringer Str. 37. Täglich 8'/, Uhr Nur noch kurze Zeit die Berliner Schlagei-Posse Meine gute Olle. Vorder: Erstklassige Spezialitäten u.a.: Karl Groth herbcfanntelfomifcr. Totensonntag geschlossen. F�/d»MF Heute 8 Uhr das groSe November-Programm. Totcnaonntag. den 26. November, 8 Uhr Einmalige Aufführung: „Jugend" mit Harry f Jedtke». Q, Serliner Konzerthans. Mauerstr. 82. Zfmmerstr. 90/91. Heute: Großes Konzert Kcrliner Konzcrthana-Orcheater, Leiter: Komponist Frz. v. Blon. Anfang 8 Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfang 8 Uhr. Morgen ab-1 Uhr nachmittags: WM" Großes Konzert. Garderobe auf bequemste Teilzahlung manmnilnn Kostüme, Ulster, Mäntel in Tuch, uuiliCUliluliCil Samt u. Astrachan. Binsen u. HOcke in gr. Auswahl. Xnr Xenhelten am Kager. as*. 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ZlnsschuH-Sitzung vom Mittwoch, 29. November 1916. Wir geben bekannt, dast die SatzungS- ändening, Punkt 5 der Tagesordnung, nicht den§ 55, sondern§ 54 der Zntiiing betrifft und bitten Hiervon Kenntnis nehmen zu wollen. Der Borstaud. 272/11 Dr. med. Woekenlnü, Friedrichstr. 125(Oranienb. Tor), für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrllch-Hata-Kur(Dauer 12 Tage), Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Heilung ohne Borufs- 222/6* Störung. Teilzahlung. Sprechstunden: 10—1 und 5— 8 t/Tw cJtiw IcuifchrMörn Winter- lllsier Winter-Lleberzisher Winter» Zoppen Wetter»Mäntel fürSerren» Jünglinge» Knaben Große Auswahl!- Billige preise! Hochfeine Anfertigung nach Maß! - Sezugscheinfreil Summi-Zlegenmäntel- - in eckter Gummlewng: | Sejugfchelnfrel! Seh. pelze/ pelz-Zoppen- ÄaerSoh ahouss-estr»«« 2?— 30 ®r. Sranffurier Sir. 20 25e rf in Oegr.lSOl e»MI lag von 12—2 geSffnell 11 Zlnlckrnflra»« II Gtöneb.. 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