Nr. 27J.- 1916. Unterhaltungsblatt öes vorwärts 5ilNntag>36.No!!tUber. Die Lebenöen an öie Toten. Die Lebenden haben der Toten immer gedacht. Pflicht und Pietät, uralte religws-echische Grundsätze, Liebe und Treue, tief in der tWenschenseele schlummernd, jini» der unveränderliche Antrieb, den Verblichenen diesen Tribut zu zollen. Aber an diesem dritten Kriegs- totensonntag vcrwellt unser schmerzliches Gedenken lveniger bei den wohlgepslcgten Totenäckern des.Heimatlandes, sondern es fliegt stürmisch zu den ungezählten Massengräbern der Schlachtfelder: zu den toten Millionen, die in Ostpreußen und Kurland, Polen und Galizicn, aus dem blutgebadetcn Balkan, in den kleinasiatischen Gc- silden, anr Jsonzo, aus dem Karst, die in den Bergen von Verdun, in dem Krcidegrund der Champagne, in den verwüsteten Fluren der Pikardie, in der weiten flandrischen Gbene und aus tiefem Meeres- gründe den ewigen Traum träumen. Zu Freund und Feind! Denn rm Tode sind alle gleich und friedlich, und sie alle sind das Opfer des einen waltenden Schicksals. Millionenfacher Schmerz quillt aus den Totcnlväldern in Ost und Süd und West und mündet in die brechenden Herzen der Heimatländer. lieber dem einst mit allen Schätzen und Fortschritten gesegneten Europa rauschen die schwarzen Schatten des Todes. Jede Hütte, jeder Palast steht in dem Banne des furchtbaren Würgeengels, tschlveigen wir heute von den materiellen Verlusten. Tic Seelennot der Men- schon um die Menschen steht himmelhoch über den leblosen Ruinen, den verwüsteten Ländern, den Milliärden Staatsschulden. Um ihre Söhne, chre Zukunft klagen die Mütter und Väter, um den Gatten die Frauen, die Kinder um den Bater und Ernährer, die Bräute bc- weinen den Liebsten, und der Freund betrauert den Freund. Der kalte, Massenernte treibende Sensenmann hat sie alle geschlagen. Und die Zukunft ist finster! Weitere Taufende, Hunderttausende, Millionen kann der schreckliche zerschmettern. Warum und wozu dies furchtbare Geschehen?... An diesem Punkte beginnt die riesengroße Ausgabe der Leibenden, die unabweisbare Pflicht gegenüber den Toten. Wahnsinn scheint über die Kulrnrwclt getommen zu sein, Millionen- opser verschlingend. Aber die Lebenden haben darob nicht nur ohn- mächtig zu klage», sondern die Tat allein ist die Rettung. Die Toten fordern die rettende Tat von den Lebenden! Der katastrophale Wahn- sinn schlägt in sein Gegenteil um, wenn die Lebenden aus dem schließlich Überstandeneil Unheil die bewußte Erkenntnis schöpfen und den tatkräftigen Willen, der Vernunft und Gerechtigkeit aus allen öffentlichen Leoensgebicten zum Siege zu verhelfen. Auf daß dieser willkürliche Millionentod der letzte sei, daß statt Barbarei, Haß. Feindschaft und Anarchie Humanität, Duldsamkeit, Ordnung und Frieden die Völker lenen. Das fordern die Toten gebieterisch von den Lebenden— da-- geloben die Lebenden den Toten!(z) Ho-tthes„Sou/T im Weltkriege. Von H. F a r w i g. Als noch im Herbst llU! der stürmische Bcwcgungolricg sich «n den. immer noch andauernden Stellungskrieg umwandelte, stellte sich bei den HcereSangehörigen wieder das Bedürfnis ein, sich in den wenigen Mußestunden auch geistig zu beschäftigen. Wie" schon in normalen Zeiten dies Bedürfnis sich sehr verschieden äußert, so natürlich auch im Schützengraben. Sind doch alle BildungSschichtcn hier vertraten, und auch Menschen„von sebr verschiedenen Jahren", »des Wachstums Blüte" wie auch das reifere Alter. Meistens wird jeder das. was er zu Hause gewöhnt war, auch im Felde draußen lesen wollen. Meistens; aber doch nicht immer. Gar mancher, der sich sonst mit seichter Unterhaltungs- lilktüre die Zeit vertrieb, greift jetzt auch mal zu einem besseren Buche. Das ist neben dem Ernst, wozu der Krieg alle mehr oder weniger zwingt, auch der stillen und emsigen BildungSarbeit der Arbeiter-, insbesondere unserer Jugendbewegung zu danten, die sich in ihrer Wirkung bis in die Schützengräben hinein bemerkbar macht.■— Wie man oft genug beobachten kann, läßt man sich in der Befriedigung seines Los ebedürsnisses auch jetzt nicht von natio- nalen Motiven beeinflussen. Dort sitzt einer in der hintern Ecke seines Unierstandes beim trüben Kerzenlicht über Shakespeares »Hamlet" gebeugt, während die Kameraden Kurien spielen. Hier sehen wir einen anderen bei Rousseaus„G es c ll s ch a f t s v er- trag". Auch sonst äußert sich der Bildungshunger sehr mannig faltig: Neben dem»Neuen Testament" und'des Kirchen- Vaters Augustinus..Bekenntnisse" Häckels„Welt rät sei" und Darwins„Abstammung des Mens ch c n". Hätten wir Marx'»Ä a p i t a I" in einer handlichen Ausgabe, würde man eS dort sicher auch finden. Ein Werk aber, das man viel häufiger findet, als man viel- leicht glauben möchte, ist Goethes ,,F a u st". Sehr vielen hat es über manche trübe Stunde hinweggeholfen. Dieser Weltkrieg, der so viele mit all chrcn verschiedenen Gc- schmacksrichtungen und Weltanschauungen zusammengeführt hat, predigt gerade jetzt, wo er wieder in seinen Ausgangspunkt zurück- gekehrt ist, daß die Zeiten endgültig vorbei sind, wo der Bürger„an sonn- und Feiertagen" aus der Ruhe seiner engeren Umgebung heraus sich über die Weltereignissc als Unbeteiligter unterhalten konnte. Dieser Bürger durfte noch»Fried und Friedenszeiten" segnen, wenn in der Welt draußen alles drunter und drüber ging, »wenn hinten weit in der Türkei die Völker aufeinander schlagen". Vorbei sind für ihn die Zeiten, wo er beim SonntagnachmittagS- spazicrgang ausrufen konnte:„Sic mögen sich die Köpfe spalten, mag alles durcheinander gehn; doch nur zu Hause blcib's beim alten." Heute heiß! es vielmehr:„Ein jeder schlägt und wird er- schlagen." Auch im Stellungskriege geht das Erschlagen und Erschlagen- werden, wenn auch in etwas weniger rasendem Tempo, weiter. Aber neben die Waffe iriR nun mehr und mehr der Spaten. An jeden ergeht der Ruf:„Bcgieb Dich gleich hinaus aufs Feld, fang an zu hacken und zu graben." Da darf keiner sagen:„Das bin ich nicht gewöhnt, ich kann mich nicht hcqusmen. den Spaten in die Hand zu nehmen." Gar mancher, der sich früher mit ganz anderen Dingen beschäftigt hat, denkt bei der ungewohnten Arbeit an die Worte:„Nicht Kunst und Wissenschaft allein, Geduld mutz bei dem Werke sein." Denn wenn jeder bei Wind und Weiter und im Kanonongcbrüll ein bombensicheres Dach über dem Kopfe haben will, müssen eben alle mitwirken:„Wölben wir in dunklen Grüfte troglodhtisch unser Haus." Troglodtzten sind sie wirklich, unsere Schützengrabeninsassen, moderne Höhlenbewohner. Das zum Bau ihrer Unterstände nötige Holz müssen die Feld grauen oft selbst fällen und auch an Ort und Stelle transportieren, und häufig genug mag es heißen:„Wir brauchen Räume, wir fällen Bäume, die krochen, schlagen; und wenn wir tragen, da gibt es Stöße." Oft genug wird aber diese„friedliche" KriegSavbeit unter brechen durch iagelangeS Artilleriefeucr. Besonders des Nachts entfährt es dem einsamen Horchposten:„Welch ein greuliches Ent sehen droht mir aus der finftern Wcli." Die in Flandern haben nicht erst nötig zu fragen:„Sind Briten hier? Sie reisten sonst so viel, Schlachtfeldern nachzuspüren.. Heut kämpft der Brite wieder mal selbst auf Europas Schlachtfeldern. Im Angesicht all der fremden farvigen Hilfsvölker mag der Krieger auch wohl im Zorn Mephistos Worte hervorstoßen:„Sie streiten sich, so heißt's, um Freihcitsrechte, genau beschn, sind'» Knechte gegen Knechte." Ein erheblicher Teil der waffenfähigen Mannschaft ist zurück- geblieben und arbeitet daheim in Werkstätten, besonders auch in Bergwerken, und schafft das noüvendige Metall zutage, damit: »nübt Eisen fehle dem stolzen Mann, der allgemeinen Mord er- sann". Wer aber ist dieser fürchterliche Mann? Heute werden wohl die wenigsten Menschen irgendeinen einzelnen, und sei er noch so mächtig, für all das Unheil verantwortlich machen wollen, das der Weltkrieg bis jetzt gebracht hat und noch weiter bringen wird. Wer wüßte heute nicht, wie nahe die materiellen Interessen, besonders die des Handels, m:t dem Kriege verknüpft sind:„Krieg, Handel und Pirateric, dreieinig sind sie, nicht zu trennen." lieber all das mag manch einsam des Nachts auf Posten stehender Krieger nachdenken. Von hier aus werden seine Ge- danken immer wieder seinen Lieben, die er daheim zurückgelassen, sich zuwenden. Ihnen gilt seine Sorge:„Man denkt an das, was man verließ." Wenn die Sehnsucht nach seinen Angehörigen mal gar zu stark wird, entringt sich seinem Herzen FaustS Stoßseufzer:„O, sähst du, voller Mondenschcin, zum letztenmal auf meine Pein..." Alle, alle da draußen ersehnen ein Eitee dieses unseligen Krieges herbei: „Schrecken ist genug verbreitet, Hilfe sei nun eingeleitet." Möchte doch endlich, so denken Millionen, der Oelzweig sich zeigen:„Frie- deliszetchen jeder Flur." Weiter schweifen die Gedanien. Wenn der Friede endlich wieder da ist, was wird nachher? Wird der Krieg, nach oll den unberechenbaren Schäden an Gut und Blut, an materiellen und geistigen Gütern, der Menschheit, den Völkern und Staaten das bringen, was man von ihm erhofft hat? Hoffentlich heißt es dann .nicht:„Ein großer Aufwand schmählich ist vertan." Aber eben darum werden die Völker in Zukunft alles daran- setzen müssen, eine gleich furchtbar-' Katastrophe, wie sie dieser Krieg vedeutet, ein für allemal unmöglich zu machen. Wenn endlich der Friede wieder da ist und die geplagte Menschheit sich seiner Sag- nungen wieder erfreut, wird niemand mehr nach Krieg verlangen: „Wer im Frieden wünschet sich Krieg zurück, der ist geschieden vom Hoffttungsglück." kleines Zeuiveton. Künstliche Mgen aus Gummi. Nach den„Deutschen Blättern für Kriegsverletzte" ist es zwei französischen Ersindern namens Lemaitve und Touillieres nach langwierigen Versuchen gelangen, einen ganz neuen Ersatz für vor» lorcne Augen zu schaffen. Da Glasaugen uitbequem sind, suchten sie einen Ersatz zu finden, der vor allein genügend Elastizität und Weichheit besitzt, um sich der Form der Augenhöhle anzuschmiegen, und doch gleichzeitig genügend Festigkeit hat, um einen möglichst lebenswahren Eindruck auf den Beschauer hervorzurufen. Jrn� Verlaufe ihrer Versuche nahmen sie vor allem einen genauen Abdruck der Augenhöhle, um nach dieser Form ein künstliches Auge herzu- stellen, das genau für den Betreffenden patzt. Sie lösten die Auf- gäbe, indem sie die sichtbare Seite aus Hartgummi, der vulkanisiert und emailliert wird, herstellten. So gelang es ihnen, die natürliche Erscheinung recht gut wiederziigeben; der rückwärtige Teil besteht ans weichem Kautschuk. Das Auge selbst ist hohl und mit Luft�c- füllt. Diese hohlen Augen sollten ihrem Zweck entsprechen. Sie sind weich und elastisch und sollen sich den natürlichen Bewegungen anschmiegen, ohne die Augenhöhle zu reizen. Außerdem besitzen sie den Torteil, unzerbrechlich zu sein. Nottze». — Musikchronik. Das Sonntagskonzerk de? Schiller- Theaters am 26. November, mittags 12 Uhr, bringt Kompost- iionen von Bach und Havdn sowie Beethovens Streichquartelt L>p. 05 in F-inoll. Lieder singt Sydney Biden. — 5t u n st ch r o n i k. Eine Ausstellung und Verlosung von Gemälden, graphischen Arbeiten, Kunstgegenständen, Schmuck usw. zum Besten kriogsbeschädigter Künstler findet bei freiem Eintritt in der Schule Neimcmn, Landshuter Straße 68, statt. Die Aus- stellung ist geöffnet vom 26. November bis 0. Dezember werktäg- lich von 12 bis 6 Uhr, Sonntags von 12 bis 2 Uhr. — K u n fta b e nid. Hermann S-ndermann wird am letzten Vortragsabend des Berliner Goethebundes(Dienstag, 28. Ztooem- bcr, 81- Uhr abends) eine noch ungcdvucktc litauische Geschichte „Miks BumbuliZ" vorlesen. — Theatcrchronik. Der„Deutsche Zyklus" des „Deutschen Theaters" wird vor den Professoren und der Studenten- schuft der Berliner Universität zur Tarstellung gelangen. Am näch- sien Sonnabend wird nachmittags mit„Kabale und Liebe" be- gönnen. — Das alte Puppenspiel vom Dr. Faust, in an- nähernd der Form, in der sie der junge Goethe sah, ist jetzt vom AtarionettenUieater Münchener Künstler dargestellt. Vom Goethe- scheu„Faust" fällt noch ein Abglanz auf dieses Vorlänfcrsiück. Ein „Faust" ohne Gretchen. und statt der hohen Menschenziele ein reli- giös-moralisches Abschreckungsmittel— das kennzeichnet � die himmelweite Entfernung der beiden Pole. Freilich auch abgesehen von dem kulturgeschichtlichen Interesse bietet dieser Urfaust tress- liche Gelegenheiten für die barocken Teufeleien und die Humore des HanS Wurst.— Vielieicht wäre es aber doch angemessen, daß die verschiedenen Dtarionettentheater, die in Berlin spielten und spielen, mehr für Abwechslung sorgten. Sic haben alle drei den „Faust" auf dem Spielvlan. Tic Münchener sollten uns mehr Opern und Singspiele, sowie einiges aus den Schätzen von Papa Schurid geben.— r. — Vorträge. Im I n st i t-u t für Meereskunde spricht Dienstag Dr. L. Wagemann über das Deutschtum in Süd- amcrika, Freitag Dr. W. Sehrameier über die dentsch-chinesischen Handelsbeziehung.— In der„Urania" spricht Mittwoch Pros. Dr. Schlinr über„Unser Flugzeug vor und im Kriege", Donners- lag Prof. Dr. Flamm über„Unterseeboote".— Ucber„Uranus und Neptun" spricht Dr. Archenhold am Dienstag, abends 7 Uhr, in der Treptow-Sternwarte.— In der Berliner Gesellschaft für Rassenhygiene wird im Museum für Völkerkunde Mittwoch. abends 854 Uhr. Dr. Mjöen aus Kristiania einen Vortrag über „ ssi asscnhygi enis che Rcformvorschläge in Norwegen" halten. Gäste willkommen. i2j Ums Menschentum. Ein Schiller-Roman von Walter von Molo. Scharf kontrollierte Kaspar Schillers Kielfeder die Zeile entlang und die Lippen murmelten sehr vernehmbar den Text....„Es ist doch wohl kein Mensch ohne Ehrbegierde, die einen palpablcn(greifbaren) Nutzen verspricht. Es gibt nicht bloß einzelne Menschen, sondern ganze Nationen in der Welt, welche um der Ehre willen alles tun und leiden können."—„Schön gesagt!" lobte er sich selbst und iviegte zufrieden den Kopf,„es ist auch brav gcsetzct, das kommt von der guten Handschrift." Er wandte sich auf dem Sessel und zog den Blick in die Länge, ohne ihn von der Zeile loSzu reißen. „Wenn du, Fritz, jemals zu dem Geiste steigen solltest, daß jemand deinetwegen Druckerschwärze in Bewegung setzet, so wird's greulich sein: deine.Handschrift ist allzu schlecht und flüchtig. Hinc illae lacryrnae!" Nach einigen neuen ZeUengängen hob der Autor schnup- pernd die Nase und fragte befremdet:„Riechest du nichts, Dorothea?" „Freilich," sagte die verstört und hilflos, ob ihrer Ver- getzlichkeit,„die Spätzle brennen an." und rannte, mit plötzlich srcigewordenen Gliedern, verzweifelt in die Küche. „Du wirst ein tüchtiges Frauenzimmer werden, Christo- phinc," nickte Vater Schiller seiner älteren Tochter strafend zu, „wenn du nicht einmal der lieben inaman beim Kochen hilfst. Was seid ihr von heute nichts wert!" Mit„iffino illae lacryrnae". las er lauernd weiter. 'Das Phinele hielt krampfhaft die Pavierfignren unter der Schürze fest und sah verstimmt zu Boden. „Wirst du endlich in die Küche gehen!?" herrschte er sie an und hob den Kiel wie einen Speer. Sic lief eilig zur Tür und wäre fast an Frau Dorothea angerannt, was der irdenen Schüssel, die die trug, sicherlich nicht zum Vorteil gereicht hätte. Man setzte sich zu Tisch. Vater Schiller begann das Tischgebet zu sprechen. Ernster und machtvoller als sonst klang heute seine Stimme.� Verstohlen sah Fritz Schiller seinen Vater: die behäbige Selbst- gefälligkeit� schwand, tiefe, schürfende Selbstzerguälung stand an ihrer Stelle im andächtig erhobenen Antlitz. Er bat und. flehte um Erleuchtung, um Hebung aus der Menschennot, um I Verbesserung des inneren Zuslanöes mit dem äußeren. Kein Zweifel, er klagte sich der Eitelkeit und des Stolzes an, die er gerade früher geübt hatte. Tieferschüttert griff auch Fritz Schiller ins eigene Herz. Dort fand er Verstocktheit und manche Lüge aus Not.... „Was hat Er vor morgen im Latein zu lernen auf- gekriegt?" fragte ihn der Vater im neugeschaffenen Gleich- gewicht. „Morgen ischt kein Latein, Herr Vater; morgen ischt Deutsch." „Es kommet immer mehr in die Mode! Einen ganzen Tag in der Woche wird das Deutsch jetzt schon betrieben, als wär's eine Gelehrtensprach! Sprech' Er nicht so im Dialekt; Deutschland ist nicht Schwaben! Die Zeichen mehren sich. Dorothea: Herr Schubart, der fürtreffliche Organist, will auch demnächst Vorlesung halten über einen Herrn Klopstock aus Hamburg, der ein bemerkbares geistlich Lied in deutsch geschrieben hat." Fritz Schiller horchte hoch ans. Er vergab Herrn Schubart die Waffel-Affäre.„Erlaubet das der Herzog?" fragte Frau Dorothea,„der liebet doch nur die Welschen! Er hat erst letzthin verfüget, daß, neben Jomelli, der Salzburgcr Xlapell- meister darf nicht aufgeführet werden— wie heißet er denn gleich?..." „Mozart; übrigens ist die permiLsion(Erlaubnis) noch nicht herabvertangt vor die Vorlesung!— Fritz; streß' Er nicht so viel; Er hat jetzt genug!" 5kaspar Schiller nahm seinem Sohne den Teller vor der Nase weg.„Meine medi- zinische memoria(Erinnerung) saget niir, daß sich der junge Mensch den Magen nicht überfüllen dürfe, soll sein Geist da- für hell bleiben. Ein Diener Gottes aber, so du ivirst, hat sich vor allem zu gewöhnen, daß er das Irdische negligiere (vernachlässige)." Fritz Schiller hob nicht den Kopf, doch etwas unbeeinftuß- bares in ihm dachte unbeirrt: Der Dekan Zilling ist dick wie ein Schwein und ist geistlich der Höchste zu Ludwigsburg! Bescheiden und etwas verlegen, ob des ihrem Manne gegenüber ungehörigen Widerspruches suchte Frau Dorothea die verlorene Position ihres Buben zu halten:„Bedenke, Kaspar, der Fritz ist stark im Wachsen; er strecket sich aus jedem Höste, so ich ihm mach', und die sind aufs Wachsen ge- richtet! In solcher Zeit brauchet der Körper mehr als der Geist, vermein' ich." .Wie ich es gesagt habe, so bleibt es!" sprach Kaspar Schiller mit Nachdruck und zornrotem Gesicht.„Ich Hab' mich der Richtigkeit meiner Meinung versichert, indem ich ganz unmerklich, en passant, drüber im Gespräch die Herren Me- dikusse Elwert und Reichenbach konsultieret Hab'; sie denken ebenso!" Er sah böse auf die Uhr und stand auf.„Ich geh' noch ein weniges in den Garten, zu meinen Bäumleins schauen. Will sehen, wie die neu okulierten Fruchtgewächse gedeihen.— Phinele, du hilfest, zu deinem eigenen Besten vor einst, der maman beim Abwaschen der Teller und putzest das Zinn und Er, Fritz, darf mit mir kommen, damit Er stehet, wie man jede Viertelstunde nützen muß.—— Dorothea, bürste mir die Gardemontur. um vier Uhr haben wir Ma- növers im herzoglichen Lustgarten zu machen; es sind Gäste da!" Festen Trittes verschwand er. Die„Oekonomischen Bey- träge" und den Fritz nahm er mit in den Garten. „Schneid' nuk weiter deine Docken aus," sagte die Mutter zu Phinele, die Anstalten traf, der Mutter wirklich zu helfen. „Du und der Fritz wollet ja doch wieder Theater spielen nach der Schul'; mit dem Geschirr komm' ich schon allein zu End'. Aber setz' dich'nein zur Luise, damit sie nictzt gar so viel schreiet; es ist ja grab als wolle sie weg von uns." In den sonnigen Gnadentälern klangen jauchzend die Osterglocken, ans der grünen Bergeshöhe sang leise und freu- big der Wind. Fruchtbar und grün lag Alt-Würtiemberg. Die Weiler rauchten mit bläulichen Fähnlein, wie sauberes, spiegelblankes Kinderspielzeug schimmerten und glitzerten in der Sonne die Dörfer und Märkte. Mitten durch lief der silberne Neckar und empfing mit funkelndem Blitzen den Wärmercgen des segnenden Gestirns. Fernher winkte die Marbacher Ringmauer. Der Wein stand hügelab, Hügelauf in duftender Blüte. Und über all der neugeborenen Frühlings- Herrlichkeit hing, wie ein blaues Tuch, der ewige Himmel und predigte Glück. Frohes Wandern war's mit erhobenem Herzen. Die Frau Hauptmann Schiller erzählte mit beweglichem Ton: „... und die zweie, so nach Emaus wandelten, waren schwach und weibischen Herzens, sie glaubten nicht, daß der Herr erstanden sei. Der Dritte aber, der sich unterwegs zu ihnen gesellt, war männlicher und klüger als sie und legte ihnen alle Schriften aus, die von Jesum gesagt waren.. (Forts, folgt) Tcrwaltang Berlin. ZeWbBt Morchplatz 10623, 35781 Bureau: Zkmgestratze 30. Mitglieder Nersi»mml«ng für sämtliche Bezirke des Ostens Montag, den 27. November, gleich nach Feierabend, i» den Prachtsäle« des Osteus, Frankfurter Allee 48. Tagesordnung: 1. Bericht Bon der Generalversammlung. 2. Bericht über die gezahlten Teuerungszulagen. 3. Verbands angelegenheiten. Bodenleger. Montag, den 27. November, abends 8% Uhr, bei Abendroth, Adalbertstr. 61. Branchenkonumssions- Sitzung 7% nhr. Krauchen- Versammlungen: Vergolder. Dienstag, den S. Dezember, abends 6 Uhr, in den Andreas-Festsälen, Andreasstr. 21. Tagesordnung: 1. Bericht Boa den beiden Generaloersammlungen, t Branchen- angelegenheiten. Bürsten-«. Pinselmacher. Mittwoch, den 29. November, abends 8 Uhr, bei Krngmann, Kleine Andreasstr. 10. Tagesordnung: S3/lö 1. Bericht Bon der Generalversammlung. 2. Besprechung Wer unsere Teuerungszulagen. 3. Sonstige Branchenangelegenhcilen. Stellmacher. Donnerstag, de» 30. November, abends 8'/z Uhr, im„Rosenthaler Hof", Rosenthaler Str. 11/12. Tagesordnung: L Bericht von der Genesalversammlung über die Tarifbewegung ht der Holzindustrie, und welche Stellung nehmen unsere Kollegen dazu ein? 2. Sonstige Branchenangelegcnheiten. ___ Die Ortsverwaltnng. Allgemeine Orts-Krankenkass e für Kerliv.Wilmnsiilirf. Ansschuft-Sitzmig vom Mittwoch, 29. November 1916. Wir geben bekannt, dag die SatzungS» änderung, Punkt S der Tagesordnung, nicht den H 55, sondern§ 54 der Satzung betrifft und bitten hiervon Kenntnis nehmen zu wollen. Der Borstand. 272/11> KnsdvnsmEU||v, PulctotH and Pyjacli«. Der Einzelverkauf zu Fabrikpreisen befindet sich Jetxt ♦ Königsir. 55'■ SSS™. BegngBgchelne vorrtttig! Dreherei mechamschk Merkßott nicht zu klein, zu pachten od. zu kaufen gesucht, l-anlt,!, Oranirnstr. 101. «der Sozialdcnwilr. Zentralwahlverein CeltoW'ßeeskoW'Gllarlottenburg. Ortsverein Schöneberg. DienStag. den 28. November 1316. abends 8l/,Ubr, in de» Neuen Rathanssälen(Tunnel). Martiu.Lueher-Str. 68: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Bortrag deS ZtetchStagSabgeordneteu Genossen Dr. Paul Lenfch: .Die freie Donau ew Ersolg des Weltkrieges.' 2. Diskussion. 3. Ver. schi ebenes. Zahlreichen Besuch erwartet 193/8 Der Vorstand. I. H.: Wild. Frltzscd, R. KOtsr, H. Lazar. Verband der Sehneider, Sehneiderinnen Filiale Berlin. Militärschneider Herlins! Montag, den 27. November, abends 8'!, Uhr, im Gcwertschafts- Haus» Engeluser 14/15: Versammlung. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Kündigung des Tarifs. Tascsiensahrvlan der Köuigl. Eisenbahudirettion Halle(Saale). Der hiesige Taschenfahrplan er. scheint Ende November in neuer Aus« gäbe.Dezember 1916', was durch Aushang an den Fahrkartenschaltern auf den Stationen bekanntgemacht wird. Der Fahrplan wird bei den Fahr- kartenausgaben und den Bahnhvis. buchhändlern zum Verlaus vorrätig gehalten. 223/10 Halle, im November 1916. Königliche Eisenbahndirektion. Rammler, Otto MSbich. Uni. versal-Briessteller. Geb. 3 M. Buch- Handlung Vorwärts, Lindcnstratze 3 Diskussion. 164/4 etracht der wichtigen Tagesordnung werden die Kollegen zahlreich zu erscheinen. Die Kommission. 3. Branchenangelegenheit. In Anbetracht ersu�'- brauch« cht/zai Allgemeine Orts- Krankenkasse Niederbarnim. Bekanntmachung. Die nächste 272/12« Ausschutz-Sitzung findet am Mittwoch, d. 6. Dezember 1916, «achmittags 4 Uhr, im Kreishaus zu Berlin, Friedrich, Karl-Usrr 5, KreiStagSfitzungSsaal, statt. Tagesordnung: 1. Festsetzung deS Voranschlags für 1917. 2. Wahl deS RechnungsausschusseS für die Prüfung der Jahres- rechuung. 3. Meldestellcnangelegenhetten. Anträge von Mitgliedern zur AuS- schutzfitzung sind spätestens 5 Tage vor dem Sitzungötage beim Unter» zeichneten emzursichen. Berlin, den 23. November ISIS. Allgemeine Orts- Krankeokasse Niederbarnim. KOlin. Bekanntmachung der Sttnebs-Kraudellküsse der Aglllgölnsisslle kgslili. Einladung zur oilZöntlSlilign Ausscliuüsltzung der Betriebs-Krankenkasse der Stadtgemeiude Berlin am Freitag, den 8. Dezember 1916, abendS 6 Uhr, im Zimmer Nr. 63 des Ratdauses, Berlin, König- strafj- 15/13, Eingang Jüdenstratze, linker Aufgang. Tagesordnung: L Festsetzung des Voranschlages für 1917, 2. Verschiedenes. 3. Wahl deS RechnunaSauSschusses zur Prüsung der JahreSrechnung für 1916. 272/9 Anfragen und Beschwerden, für welch« Alleneinficht erforderlich ist, müssen mindestens 3 Tage vorher beim Vorstände eingereicht werden. Berit«, den 20. November 1916. Der Borstand. gez. I, B. T i m m Ble Srikettprodnktion betrug im Jahre 1885 ** 1895 *„ 1905 „ 1915 21 500 t 67000 t 693500 t 1932300 t 8. Vrrnyüch Süddeutsche (234. Kömtgl. Vrenst) Kiassenlotterle 5. Klasse 16, ZiehungStag 25 November 1316 Bonnittag Stuf Itbt titfUffttit Nmnnici find jtoel gleich hob» Sewiuv«-efatlen. inid zwar je einer out die Los« gleicher ivriumier in de» beideu SNiieiluoge« l u. ll. Nur die Gewinne über 240 M. find w Klammern beigefügt. tOhne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 5 14 22(3000) 115(1000) 74 629 744 821 16 1297 339 621 77 98 714 627«3 932 OßOB 308 21 27 66 88»83 66 103 906 86 e«0 90 SM 1 l(600) 67 762 920 1 66 103 206 86 MO 90 SM 17 68 613 4900 464 626 70 604 19 31 SlIS 341 872 816 86«016 26 64 80 137(600) 207 337(KMO) 43) 39 772 832 77 7 068 M6 64 68 406 613 36 79 857 65 908 82 86 0028 61 200 8 HC«# 96 410 33 663 80 603 813 33»137 283 642(1000) 77 689 969 86 90 894 KU 93(1000) 623 62 763 87 810 963 11028 103 77 228 630 (600) 40 60 706 840 12313 664 62 820 814 13048 381 497 622 23 34 806 1-4067 120 90 2M 38 311 23(608) 624 667 76 715»5629 623 MS 726 46 87 883 ftf»SO 48 11« 304 63 68 407(ICOOI 661 617 740(MOO) 933 1 720« 523 30 65 9 38 716 36 —(1000) 77 10063 68 67 120 220 388 646 66 740 64 823 1 646 731 927 !H85 287 380 468 601 773 838 43 OCOO) 47 812 2«C47 178 I1CDOT sS 627 84 97 620 724 39 36070 160 71 216 42» 34 68 BW 763 2004, ,74 89 692 948 70 34541 682(600) 766 894 832 SOWS 631 80 607 66 56 70 88 731 808 93(1000) 900 33 20134 64 102(3000) 66 A 2 366 64« 724 687 883 2 7040 336 410 44 638 2A 844 78 2W29 3!4 425 63 716 668 61 MC 18 42 178 212 23 367 464 93 604 76 67 876 826 «1004 61 1« 62 87(IM« 411 19 96(600) 669 737(600) 81061 164 89 847 87 737 80064 123 287 451 92 686 626 88106 208 60 310 60 423 633 884 34860 666 603 35287 348 430 630 46 56 794&«&( S»2 631 34 626 63 74 80(1000) 658(600, 37014 248 640 ICOCh 813 80060 401 13000) 614 606 24 761 81(1000)»240 466 68 664 641 66 754 73 40011 168 678 747 691 8»! 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Nrrnlstsch-Süddentsche (884. König!. Krentz.) Klalsenlatterie b. Klasse 16. ZiehungStag 25, November ISIS Nachmittag Aul tede«ezegene Nummer lind zwei gleich hohe ivrlolnne gesalleu, und jn,or je einer auf die Los» gleicher Nummer in den beideu Abteilungen« n. 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Noveniln uschui-ttagZ: Nicht 129 071 (1000), leuder» ISS 029(1000), 170 996(500). Nn» die Gewinne über 240 M. find w klammern beigefügt. (Ohne Gewähr A. St.-A. s. Z.)(Nachdruck verboten) 227 436 824 950 i027 97 189 87« 486«13 26 61 789 so« 962 2062 193 889 416 57 631(600) 49 633 710 86 896 902 3054 (1000) 67 67 121 3« 70 262 76 445 648 66 944«002 21 92 (1000) 257 308 64 678(600) 638 87 816 ,600) 971 8019 278 826 406 623 859 94? 0156 211(600) 64 482 620 796 839 954 7148 209 322(609) 521 25 30 924 76 8063 319 62 97 462 66« 92 764(600) 67 931 0130 47 64(600) 261 335 653 634 96 731 846 96 10336 SO 461 514 20 29 86 SM 76 919 11047 ISS 68(1CC0) 248 417 S37 824 67 916 78 1 2229 333 482 99 544 85, 600) 747 660»«00) 911 40 1 3040 137 275 364 728 825 14118 23 633 626 86 958(500) 15337 98 408 829(3000) 69 929 79 ,500) leeoa 114(1000) 314 16 88 696 641 869 913 72 17336 67 471 864 704 1 8221 417 74 689 781 87 920 33 47 89 1 8171 362 614 730 83(1000) sc« 943(3000) 66 2O0I6(600) 299 349 85 437 649 703 837 92 21105 88 125 216 369 76 616 612 718 864 965 2 2 021 73 125 64 234 96 432 66 737 830 23106 34 78 477 82 882 980(1000) 24 063 193 258 473 696 962 11000) 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Lempelhof. Für dm Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, 6433 673(600; 965 100016 222 802 953 66 67 1 07101 7 Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.S6.