Hr. 273.- 1916. Utlt Cltt 6�6 MW-lh.NHDmdn. zügen der gleiche. Jede Gärung zeichnet sich aus durch enorme .Stoffvergeudung'(wenn das eine Auszeichnung ist). Indem nun aber bei der alkoholischen Gärung der Zucker den Stoff darstellt, der durch die Heiepilze in Masjen„verschwendet' wird, findet bei der„pflanzlichen Gärung", um mich so auszudrücken, eine riesige Vergeudung des Protoplasmas statt. Das Protoplasma stellt das eigentliche Lebensclement der Pflanze dar,„bei Pflanzen und Tieren ist das Leben an ein und dieselbe.Grundsubstanz' gekettet, die sich in den Zellen befindet, an das Protoplasma.' Diese wunderbare .Grundsubstanz' enthält in der Hauptsache Eiweifistoffe. Der ganze Vorgang— der verschwenderische Abbau der pflanzlichen Eiweiß- stoffe— wird als Fäulnis bezeichnet. So hat die Naturwissenschaft die Vorgänge beobachtet und dar- gestellt. Aber sie hat noch weiter gesorschl, sie hat sich nicht mit dem scheinbaren Ende begnügt. Bis jetzt führte der Weg immer mehr abwärts, ja, wir haben die Bahn des Niederganges noch nicht einmal völlig durchmessen. Wir wissen alle, daß durch das Verfaulen irgendeine" organischen Körpers, in unserem Falle eines Blattes, kein völliges Verschwinden eintritt. Nichts in der Natur vergeht, ohne eine Spur zurückzulassen, die von seiner einstigen Existenz Zeugnis ablegt. Auch das faulende Blatt macht von der allgemeinen Regel keine Ausnahme. Seiner zer- fallenden Neste bemächtigen sich Mikroorganismen, die durch Wechsel- seilige.Unterstützung' bewirken, daß endlich, endlich von dem einst» malS grünen Blatte nur noch leblose,„anorganische' Stoffe vor- banden sind. Das Blatt als solches existiert nicht mehr, es ist an- scheinend völlig verschwunden. Aber diese nunmehr vollkommene„Auflösung' ist auch zugleich der Anfang der Auferstehung, der Beginn neuen LebenS. Es ist ja letzten Endes N a b r u n g, was durch den Fäulnisprozeß geschaffen wurde, Nahrung für neue Pflanzen. In Stengel und Stamm steigen die Säite. angefüllt mit diesen Nahrungsstoffen, empor, wenn der Frühling kommt. Ja, der Frühling!„Barhäuptig und mit einem Lächeln aus Sonne geht er vor wie ein junger Niese, der sich einen Rausch an seiner eigenen Stärke getrunken hat, breitet die Arme aus und erweckt trällernd das Ganze. Nichts kann ihm widerstehen! Er kitzelt die schlafende Erde unters Herz und ruft ausgelassen hinab in ihren dunklen Schoß: Ruf einmal Kuckuck I Und tief unten zappeln die Wurzeln des Lebens und erwachen; sie bringen die Säfte wieder in Umlauf, Stachelschwein und Feld- maus tummeln schlaftrunken hervor und fangen an, in der Hecke zu pusseln. Unten aus der Finsternis gärt und bubbelt es auf von all dem Allen, was da verwest, und das saure Waffer der Gräben fängt an, dem Meere zuzulaufen." lPelle der Eroberer, II. Teil.) Es ist ein gewaltiger chemischer Prozeß, den wir beute in seinen großen Umrissen verfolgt haben. Vom Leben über scheinbaren Tod zu neuem Erwachen: ein ewiger Kreislauf I C. D. kleines Feuilleton. flnatole§rance über den Irieöen. Anatole France äußerte sich kürzlich, wie die„Friedenswarte" vom November meldet, in einem Gespräch mit einem angesehenen schweizerischen Gelehrten wie folgt:„Ich habe mich während des Krieges von allen Erklärungen ferngehalten, weil ich auf dem Standpunkt stehe, daß der wabre Kulturmensch erst dann ein Urteil fällen soll, wenn er von den Dingen, die er beurteilen will, den nötigen Abstand erlangt hat. Wir stehen zu dicht vor dem grauen- vollen 5lriegsgemälde und empfinden infolgedessen noch nicht die große, erschütternde Wirkung des ganzen Bildes, sondern sehen nur wüste, seltsame Farbenflecke. Bis jetzt sind auch die Ursachen des Krieges nicht klar zu erkennen; was darüber gesagt wurde, kann nian glauben oder nicht. Wir werden erst nach vielen Jahren, und dann auch nur durch gründliche un- parteiische Unternehmungen, imstande sein, festzustellen, was zum Kriege geführt hat. Das Unwetter stand schon seit vielen Jahren am Himmel, und wir haben es alle heraufziehen sehen. Wir wußten, daß eine Auseinandersetzung kommen müsse; eine kluge Diplomatie hätte sie vielleicht verschieben, aber nicht verhindern können. Was kluge Diplomaien nun aber vorbereiten und zustande bringen können, ist die Arbeit für den Frieden. Es wäre töricht, wenn man leugnen wollte, daß der Friedens- Wille überall stark entwickelt ist. Ich gebe zu, daß der Deutschenhaß im französischen Volk sehr groß ist, aber das Verlangen nach Frieden ist noch größer und stärker. Wir in Frankreich glauben natürlich. daß wir siegen werden, und ebenso natürlich ist es, daß die Deutschen an ihren Sieg glauben. Aber es scheint beinahe, daß l wir Franzosen, um den Sieg zu verlangen, die ganze männliche Kraft Frankreichs opfern müssen. Ich weiß nicht, ob ein verständiger Diploms unserem gemarterten Lande dieses fürckitbare Blutvergießen nicht durch einen diplomatischen Sieg, der die Strategen entlastete, ersparen könnte. Der Friede iviirde vielleicht nicht mehr so fern sein, wenn man auf der einen Seite zu erkennen gäbe, daß man bereit sei, die andere ruhig anzuhören. Aber bis jetzt klingt bei uns aus jeder halbamtlichen Erklärung nur Haß und Wut, und das Schlachten geht weiter. Berge von Leichen stapeln sich auf und ein Hagel von Eisen durckwühlr den schönen französischen Boden. Jede am:- liche Erklärung läßt den Eisenregeu zunehmen, jedes Wort des Hasses von seilen der Leiter der Negierung(die nicht innner die Meinung des Landes aussprechen) mordet Hunderl- tausende. Es wäre besser, wenn in Ministerien und Parlamenten vorläufig nur hinter geschlossenen Türen gesprochen würde. Die Menschheit will keine Worte des Hasses und der blinden Wut mehr hören, ihre Ohren sind des gifterfüllten Geschreis müde geworden. Jeder verlangt nach der himmlischen Musik des Friedens. Mütter, Frauen und Kinder wünschen, daß der Sohn, der Mann, der Vater wieder zurückkehre, wieder mit ihnen am Tische fitze und wieder den Spaten zur Hand nehme, um den vaterländischen Boden zu bebauen. Wenn die Männer wieder in die Werkstätten, in die Fabriken, in die Kontore und in die Hörsäle zurückgekehrt sein werden, werden nicht mehr die Namen genannt werden von denen, welche sie in den Krieg ge- führt haben, sondern der Name des Mannes, der sie aus der Hölle von Feuer und Eisen, von Mord und Blut wieder nach Hause brachte, des MauneS, der den Frieden brachte. Wer wird dieser Mann sein?"..._ Curtea ü'�rges. Aus dem schönsten Fdlzll ist, gleichsam über Nacht, ein blutiges Drama geworden, in den Frieden von Curtea d'Arges ist der wilde Krieg mit all seinen Schrecken eingedrungen. Die große Zierde und Lelühmtheit von Curtea d'Arges ist seine Kirche, die älteste und wohl auch die interessanteste, die Rumänien überhaupt besitzt. Sie hat auch die Teilnahme des Königs Karol erregt, der eine um- fassende und streng stilreine Wiederherstellung durchführen ließ. Da» durch ist sie in einer wundersamen orientalischen Pracht neu er- standen. Die feinsten asiatischen und griechischen Marmorarten, die reichste Bildhauerarbeit und prachtvolle Mosaiken dienen zu ihrer Ausstattung. Die Kirche ist in hellgrauem Stein aufgeführt, grün und blau demalt und leicht vergoldet, und jedes Fenster ist anders gemeißelt. Sie sind nur zehn Zentimeter breit; da aber das ganze Innere der Kirchs auf Goldgrund gemalt ist, so scheint sie, wie die Königin Elisabeth einmal bemerkt hat, in goldenem Lichte zu schwimmen. Die Kunsthistoriker sind sich über die Stil- zngehörigkcit dieses Bauwerkes nicht einig. Es klingt an armenische Motive an, bleibt aber doch in seinem Grundtone, wie Rumäniens Kirchen überhaupt, byzantinisch.� Am rauschenden Arges-Flusse liegt Curtea am Fuße der Kar» pathen. Tritt man auf den weilen, in Rosen schirnmernden Platz vor der Kirche, so umfaßt das Auge mit einem Blicke das ganze ge- waltige GebirgSpanorama in all seiner großartigen Schönheit. Berg nach Berg, Kette nach Kette, alle waldbekrönt, und durch sie bricht der brausende Bergfluß sich Bahn. Zunächst Curtea d'Arges liegen noch schöne weile Wiesen, auf denen in glücklicheren Zeiten Schweine und Kühe friedlich weideten. Aber folgt man der kleineu, für die Beförderung des Holzes erbauten Bahn, so befindet man sich bald in einer völlig veränderten Szenerie: das Tal wird enger, das Gepräge der Landschaft wilder. Hoch droben, von der Höhe des Gebirges, trägt das wilde Waffer die dort gefällten Stämme der weiten Wälder herab, bis sie von Gumpana aus mit der erwähnten Bahn nach dem großen Sägewerk von Curtea d'ArgeS befördert werden. Dies ist gleichsam der letzte Vorposten modernen LebenS gegen das wilde Waldgebirge hin, in dessen dunklen Forsten noch heute Meister Petz sein Wesen treibt. In Curtea d'Arges hat das rumänische Königspaar seine letzte Ruhestätte gefunden._ Notize». — Deutsches Gastspiel in Skandinavien. Das Lessing-Th eater beabsichtigt in Stockholm, Kopenhagen. Kristiania und Bergen mit Dramen von Schiller, Ibsen und Haupt- mann Gastspiele zu geben. — Ein neues Brich von Wilhelm B ö l s ch e erscheint unter dem Titel: Neue Welten, die Eroberung der Erde in Dar- stellungen großer Naturforscher, im Verlag der Deutschen Biblio- thek. — U e b er Polen spricht Herr Feldmann-Krakau am 2. Dezember im Beethovensaal in der Vortragsreihe.llnsere Feinde und die unterdrückten Völker". �aulenöe pflanzen. Faulende Pflanzen!— Puh! Unangenehme„Düste", schmierige, verwesende Substanz sind ihre Begleiterscheinungen, so daß Nase und Hände in gleichem Entsetzen zurückfahren, wenn die allmächtige Neugierde, die man so gern mit dem Mänrelchen„Wißbegierde" um- hängt, uns treibt, Untersuchungen anzustellen, wenn das Auge von einem geheimnisvoll phosphoreszierenden Leuchten in milder Sonuner- nacht angezogen wird, das uns irgend ein Geheimnis, ein der- borgenes Wunder vortäuscht. Nun, dieses nächtliche Leuchten, dieses bläuliche oder grünliche Schimmern ist wenigstens wert, poetisch behandelt zu werden. Die schemenhaften Sagengestalten des altgermamsche» Götterglaubens werden in uns lebendig, wenn wir in der Geisterstunde am stillen Flusse entlanggehen, wenn die Weiden zu gespenstischen Gestallen werden, der Ziegenmelker lautlos durch die laue Luft schwebt und unser Auge plötzlich jenes Leuchten wahrnimmt. Aber die ganze phantastische Poesie gehr zum Teufel, wenn wir der Sache auf den Grund gehen. Wir wissen ja längst, daß jene Licht- Erscheinungen in der Hauptsache durch Pilze und Bakterien hervorgerufen werden, deren Träger moderndes Holz ist, oder daß sie— wie es beim„Irrlicht" der Fall ist— durch Verbrennung von Schwefelwasserstoff und Phosphorwafferstoff entstehen. Wir können den beim faulenden Holze beobachteten Lichlschimmer sogar selbst hervorzaubern, wenn wir irgend ein Stück Schlachtfleisch mit einer schwachen Kochsalzlösung anfeuchten. Durch die Benetzung entwickeln sich bei niedriger Temperatur Leuchtbakierien in großer Zahl— wie gesagt: man kann auf diese Weise jeden Ochsen im Tode mit einem Glorienschein umgeben. Aber zieht uns nur der Glanz an? Nur das Leuchten? Un- endlich viel stirbt in der Natur ohne Glanz. Es vergeht, wie es gelebt: in Dunkel und Bescheidenheit, wir wissen nichts davon. Der tobende Herbststurm reißt die Blätter von den Bäumen; fußhoch be- deckt das tote Laub den Boden, wir schreiten darüber hin, geschäfts- gierige Menschen, denen das alles gleichgültig ist oder abgehetzte Brotverdiener, die nichts davon wissen können, weil sie„leben' müssen. ToteZ, faulendes Laub! Gut! Es ist unter Umständen ein gutes Düngemittel, zum mindesten liefert es eine lockere Erde, für die Gärtner und Bauer paffende Verwendung haben. Und doch offenbart die Natur auch in dem verwesenden, glanzlos ver- schwindenden Laubblatt eine wunderbare Poesie des Zarten und Schönen! Ich habe mir kürzlich zwei Blätter mit nach Hause genommen, zum Teil bereits durch Fäulnis zersetzt, die ich zwischen Fließpapier trocknete: ein Weißdorn- und ein Ahornblatt. DaS Weißdornblatt ist verhältnismäßig noch gut erhalten. Frei- lich trägt es schon die Farbe des Todes. Hellbraun mit dunkler Schattierung, ist eS auf beiden Seiten mit noch dunkleren Pünktchen gemustert. Ich halte es gegen das Licht: die Spuren des Verfalls sind deutlich genug zu erkennen. Winzig feine Löcherchen lassen das Licht klar durchfallen, aber indem ich es aufhob, rettete ichs vorder- Hand vor einer weiteren.Benagung' durch den allbekannten„Zahn der Zeil'. Aber da ist das andere! Die linke Hälfte des AhornblatteS ist noch fast unzerftört, jedoch die Mitte und die rechte Hälfte ist Brüsseler Spitzengewebe. Die feine Aederung ist wunderbar er- hallen. Sie reiz: zrnn Nachzeichnen; doch nur schwer.gelingt es, die zarten Formen durch den Blei aufs Papier zu bannen. Rechts unten ist auf dem Zellgewebe eine„glänzende" Versammlung von irgend- etwas. Tiere? Vielleicht Insekten? Das Vergrößerungsglas zeigt nur runde, schwarze, plattgedrückte Körnchen. Doch heute wirkt das tote Blatt lediglich als solches auf mich. Die geheimnisreichen Zellchen und Gänge, im Sommer die Wohnzimmerchen des Chloro- phylls, des Plasmas, sie liegen, durch die Fäulnis von ihren LebenS- elementen getrennt, klar vor mir. Sie enthüllen mir, ein kunstvolles Gilierwerk, einen Teil der Geheimnisse des Blattes, sie geben mir in ihrem Tode ein Bild von des Blattes grünem, lichtstrebenden Leben im Sommer. Die Fäulnis enthüllt all' diese Wunder. Sollte es nicht ebenso lohnend wie anregend sein, sich die Vorgänge etwas näher anzusehen? Wir wollen gern ein bißchen Verwesungsgeruch mit in Kauf nehmen, du lieber Himmel, in unseren Arbeits. räunzen' herrscht oft genug eine ganz anders Luft. Der Fäulnisprozeß stellt nichts andere? dar wie eine Gärung. Die Gärung ist uns bekannt, beispielsweise aus der Bier- und Wein- bereitung. JDie bei der Erzeugung dieser„geistigen" Getränke ein- tretende Gärung(man bezeichnet sie als„alkoholische Gärung") ist dos Prototyp, das Urbild aller Gärungsarten, das heißt: der sich bei der alkoholischen Gärung abspielende chemische Prozeß ist bei allen anderen GäningSarten in seinen wesentlicken Grund- u] Ums Menschentum. Ein Schiller-Roman von Walter von Molo. Der Vater ging im Räume mif und nieder. Fritz hörte die Dielen knacken. Die Mutter lag wohl schon im Bett und die Kleinen schliefen. Fritz Schiller erschrak, der Atem stockte, nun stand der Vater dicht bor der Kammertür. Doch Fritz Schiller floh nicht! Diesmal nicht! Sein Ohr war wie an- gebunden. Der Vater las vor. «... Höre zu, Dorothea, wie daS klingt und in die Herzen beißet: „Ihr habt der Menschheit heilige Wunde Tief herunter entweiht. Sie hätten Engel mit Jauchzen, Und mit weinendem Dank von der Könige König empfangen. Oh, Ihr standet erhaben; um Eure Throne versammelt, Stand das Menschengeschlecht. Weit war der Schauplatz, der Lohn groß, Menschlich und edel zu sein. Die Himmel sahn Euch. Es wandten Alle Himmel ihr Angesicht weg, wenn sie sahen, was Ihr tatet; Wenn sie sahen den mordenden Krieg des Menschengeschlechtes Brandmal alle Jahrhunderte durch, der untersten Hölle Lautestes, schrecklichstes Hohngelächter, den ewigen Schlummer Eurer Augen, daß neben Euch drückte der kriechende Liebling, Keine Tugend belohnt, und keine Träne getrocknet!..." und als er das Herrliche gelesen hatte, Dorothea, hat er die Augen zu uns ausgetan und mit heiligem Eifer und zündendem Wort von der teutschcn Dichtung geredet, so sich endlich aufrecket. Daß die Menschheit das Joch der Herr- schaft abschütteln müßte, hat er gesagt— denk', Dorothea, was er wagt!— wie die Bäum', Sträuche und jegliche Kreatur der Natur vergewaltiget seien nach dem Willen eines einzigen Herrn, die Menschen nicht ausgenommen! so sei die tcutschc Dichtung bis heute gewesen. Eine neue Zeft steiget auf, die alle stark ersehnten, die eignen Herzens seien, eine Zeit, die siegen werde und der Tüchligkeit die Palme reichen würde. Nun nahe bald das Gericht! Und dann las er; Dorothea, höre zu I— wo ist es denn gleich?— Da I Höre zu!— „Als Gott iein Angesicht wandte, Schauert' eS unter der Könige Fuß in den weiten Gefilden, Kam ein Sturm von dem Thron, und in den Nächten des Sturmes Alle Todesengel herab. Die Könige flohen. Kein Erdbeben erbarmte sich ihrer, sie vor dem Anschaun Und dem kommenden Schweben der Todesengel zu decken." und dann hat er, selbst ein Poet, zur Subskription vor Klopstock aufgefordert. So reißet das Genie die andern mit fort!— Wirst sehen, Dorothea, das bricht Herrn Schubart das Genick. Etliche waren da, so schiefe Köpfe machten, auch Zilling, der Dekan. Der muß ihm nicht grün sein. Der hat einen Zahn auf alles, was denket. Meinst du, er hat mir vor die Zusendung der„Ockonomischcn Bcyträge" gedanket?" Des Vaters fester Schritt ging zur Kammertür. Wirk- lich? Ja? Er kam! Kein Zweifel! Fritz Schiller flog, instinktgeleitet, ins Bett.„Kein Erdbeben erbarmte sich ihrer, sie vor dem Anschaun und dem kommenden Schweben der Todesengel zu decken." Wie schön das war! Ein Lichtschein kroch durch die geöffnete Tür. Fritz Schiller preßte die Augen zu, fast glaubte er selbst, daß er schliefe. „Fritz?— Halloh! Fritz, ermuntere Er sich; ich will Ihn'was fragen," erklang des Vaters Stimme. „Ja?— Was ist, Herr Vater?" er tat ganz benommen vom Schlaf und zog schnell die Füße unter die Decke; er hatte nämlich vergessen, die drüberzuziehen.„Was ist?— Ich bin schon erwachet," und rieb sich zum Scheine die Augen. „Komm' Er zur Tür, ich will nicht so laut reden, sonst wachen die weiblichen eniants(Kinder) auf. Seh' er mich nicht an, ich bin halb entblößet und mein Zopf ist nicht ge- flochten. Stell' Er sich niit dem Rücken zur Tür gewandt! — So! So ist es recht!" Mit wirbelnden Schläfen und in tiefster Seele bewegt, starrte Fritz Schiller zu Boden. Wie ein atemhcmmender Sturm war's gewesen. Das hatte gebraust, wie das markige Bibelwort, wie Luthers Mund im Federkiel. Nein, noch viel schöner... „Sag' Er mir, wie stehet eigentlich der hoch zu venerierende Herr Dekan Zilling mit dem Organisten Schubart? Das muß Er wissen, wo Er sie täglich zusammen sieht! Sag' Er?" „Der Herr Dekan bläuet uuS oft, weil wir lieber Herrn Schubart's Orgclspiel lauschen, denn der Christenlehr'." „Das ist auch unziemlich," nützte Kaspar Schiller mit einen: Verweis die Gelegenheit.„Weiter!" „Aber Herr Schubart getrauet sich'was! Er ist ein kühner Kopf, der Hochachtung heischet. Er hat auf Herrn Zilling ein schlagend' Verslein gemacht, weil er ihn mit„Er" titulieret. Das Verslem gehet: Wenn Zilling, Er, kein Flegel war', Dann spräch er nicht per Er.." „Aber, Fritzle!" sagte leise mahnend die Mutterstimme aus dem elterlichen Ehebett. Woher nahm der Bub auf einmal den Mut? „Was sind daS vor respektlose Reden 7" ging des Vaters Rede los.„Troll' Er sich ins Bett, Er Frechdachs l So'was höret man nicht, geschweige denn, memorieret man's nach. Das kommet davon, wenn man Buben ernst nimmt und sie Dinge fraget, die nur Erwachsene besprechen sollen. Ich hätt's wissen können. Geschieht mir recht! Troll' Er sich, sonst schaff' ich ihm Beine, Er Galgenstrick!— Heda! Was hat Er für blaue Fleck' auf Seinem Hinterteil blühen? Komm' Er her!" Gesenkten Hauptes und rastlos mit den Händen den Hemd- zipfcl drehend/ gab Fritz Schiller die geziemende Antwort: „Gott hat mich durch den hochzuverehrenden Herrn Präzeptor vor das nächste Mal, im voraus, strafen lassen; der hoch- ehrwürdige Herr Präzeptor hat gemeinet, ich hätt' mit der Papicrkugel geschmissen; es war ein anderer." „Was ist Er vor ein merkwürdig Küchlein! Geh' Er schlafen!" Des Vaters Stimme war mild geworden. Halb besiegt schloß Kaspar Schiller murrend die Kammertür.„Fast hätt' ich mein nöglige(Nachtgcwand) vergessen," meinte er bc- dächtig.„Es hat also seine Richtigkeit mit dem, waS ich vorhin sagte, Dorothea; so einen Mann, wie den Schubart, gebrauchen sie nicht zu Lndwigsburg; so einen Mann gebraucht man nicht!" lind er begann die Polster seines Lagers in eine bestimmte Ordnung zu legen, die niemand außer ihm kannte, die aber für seinen geruhigen Schlaf sehr von- nöten schien. Frau Dorothea dachte nach, wie sonderbar ihr Fritzle jetzt wieder gewesen war. Sie wurde nicht recht klar ans ihm... DaS„Fritzle" sinnierte nebenan: Im Fenster standen die Sterne und leuchteten unersorsch- lich. Jede Nacht waren sie dort. Jedes Sandkorn fand seinen Platz in der Ewigkeit. Jeder Planet kreiste in fester Bahn, >vo war des Menschen Ort und Ankerplatz? Fritz Schiller stützte sich ini Bette aufrecht.„Keine Tugend belohnt und keine Träne getrocknet." Eines der Kleinen nebenan weinte, dann sprach>vieder Vaters Stimme, er hörte sie, fern und verschwommen. (Forts, folgt) Sb-eHIoa: Kar Reinhardt llentHctaeii Theater. Deutscher Zvklus. 7'/.: TEinna von tiarnhelm. Donnerstag: Kabale und Liebe. Kaninterspiele. 8 Uhr; fjienpenHtereionate. Donnerstag: Gespenstersonate. Volksbühne. Theater a. BDIowpl. f>yt Ulir: Oer eingebildete Kranke. Nachm. 3 Uhr; Sondervorstellung für das Klassische Theater; Kabale und Lilebe. Donnerstag: Kokc Bernd. Theater i, d. Königgrätzerstr. 8 Uhr: JPanl Tvange und Tora Parsberg. Komödienhaus 8 Uhr: Der 7. Tag. Berliner Theater 8 Uhr: Auf FlUgeln das Gesanges. Lsssing-Tksster. Direktion: Victor Barnowsky. S'/« Uhr: Zum 50. Male: Die beiden KUngsberg. Donnerstag: Die beiden Klingsberg. Deutsch. Jfönstler-Theater. Allabendlich 8 Uhr: Doral. URANIA TaubenstraGe 48/19. 4 Uhr(halbe Preise): Die Bagdadbahn. 8 Uhr: Professor Dr. Schlink Lnscr Plagzeug vor and In dem Kriege. Theater für Mittwoch, 29. November. Deutsches Opernhans, Charlottcnb. 8 uhr: Die toten Äugen. Friedrich-Wilheltnsfädl, Theater. s uhr: Das Dreimaderlhaus. Gobr. Berrnfeld- Theater 8'/. Uhr, zum 1. Male: Oer doppelte Buctilialter. Kleinen Theater. s uhr: Am Teetiseh. Komische Oper. 8'/. u�- Der Puszta-Kavalier. Lustspielhaus. 6v.u.:Der seiige Balduin Metropol-Theater s uhr; Die Csardasfürstin. Neues Operettenhaus Kassentolephon: Norden 281. sehr: Der Soldat der Marie. Residenz-Theater u�vDie Warschauer Zitadelle. Schiller-Theater O. s uhr: Freund Fritz. Sehlller-Tb.Charlottenbg. s uhr: Rater Lampe. Thalia-Theater. 8'/.u.- Blouüinelien. Theater am XoIIendorlpl. S>:4 Uhr: Bhnael u. Grctcl. S'i, Uhr: Blaue Jungenz. Theater dea Weatena s uhr: Die Fahrt ins Glück mit Guido Thiolscher. i Uhr: Rotkttppchen. Trlanon-Theater. s'/. u.:..... als Gast. Roae Theater S Walhalla-Theater 4 Uhr: König Drosselbart S Uhr: Die Dollarprlnitessln. uhr: Das GlQeksmädel. Possen- Theater. Täglich 3'/. Uhr: Ein unnatfirl. Sohn Sagen wir— die Hälfte mit Leonhard Haskel. Toigt-Tlieater. Badstr. 58. Badstr. 58. Täglich: Statten evö ffnunfl 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. TägL 8 Uhr. Sonnt 31/, u. 8 Uhr. Vorletzter Tag! Otto oder Otto? Robert Steidl u. d. ipr. Progr. %1| Circua Wj JBiBsdi TägL 8, Sottnah.«. Etz. 3'/, u. SIL Ifpo da« gebeimnlZ- Patcol ÄlF« volle vtychoiog. nalacl. Drollige Dackelsplale etc. etc. ö'/i DI« Geierprinzessin. 91/, Gr. Märch-Prunk-BanL l 5 AlL Ven! Voranzeige. Ven! Sonnabend, 2. Dez., 3'/, US/r, Erstauttübrnng: Beim Weihnachtsmann, Mr. WetknachtSmärchen in 3 Akt. 1°Z Kind AK frei � Berels, ab DennerZlag 10 Uhr. � Casino-Theater. Lothringer$tr. 37. Täglich 81/« Uhr Nur noch bis inll. 5. Dezember: Meine gute Olle. Am Mittwoch, den S. Dezember. die neue Schlager.Posse Zwei helle Oerllner. Senntag 4 Uhr: Vaterns Wunderknr. Reiehshailen-Theater. Stettiner Sänger. Zum Schluß: Friede naglocken. Zeitbild von MeyleL Ansang 8 Uhr. Sonntag nach. mittag 3 Uhr: (Ermüß. Preise): Weihnachtsahend i. 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