Nr. 279.- 1916. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Mltwl!ch,6.Dt;embkr. Mbeitskben in der Rüstungsinöuftrie. j Von R i ch a r d W o l d t. Seit Ausbruch des Krieges bin ich jeden Tag zu den der- ichiedensten Zeilen auf der Stadtbahn an einer kleinen Fabrik vorbei- gefahren. Durch die großen Fenster kann man die vordersten vier Arbeitsmafchinen genau erkennen, und diese vier Drehbänke sind mir inimcr während dieser Kriegsmonale durch ihre waraklcristischen Wandlungen in den Produklionsmelhoden als ein kleiner einziger Ausschnin aus dem Gelriebe der Rüsmngsindustrie erschienen. Vor dem Krieg haben die Maschinen für friedliche Zwecke Armaturen zu Dampfmaschinen und Pumpen hergestellt, sosorr nach Kriegsbeginn find Granatenbänke daraus geworden. Auch hier fand eine Umfckaltung von der Friedenswirtschaft zur Kriegswirtschaft statt und schon äußerlich machten sich diese Aenderungen bemerkbar. Als die ersten Aufträge für Granaten der Fabrik übergeben wurden, bekamen sofort die vier Maschinen besondere Drchstähle und Hilfseinrichtungen. Für die neuen Arbeitsoperationen wurden die dafür notwendigen bestgeeignelcn Spczialwcrkzenge angeschafft. Auch die Menschen hinter den Maschinen wurden ausgewechselt. Zuerst waren es noch vier jüngere Metallarbeiter, die nun die Granaten ebenso sachverständig in Äl?beit nahmen, wie sie bisher ihre Dampfmaschinen-Armawren oder Pumpeuteile gedreht hatten. Aber schon in den ersten Monaten des Krieges verschwand einer nach dem anderen der Arbeiter. Eingezogen! Die Arbeiter an den vier Maschinen wurden immer älter, d. h. es wurden jüngere Leute ersetzt durch immer ältere Männer. Nach etwa einem Jahre kon- stalierte ich eines Morgens aus meiner Stadtbahnfahrt, daß nun an allen vier Drehbänken Leute beschäftigt wurden, die schon die be- rühmte 40 Jabrcsgrenze überschritten hatten, den Wendepunkt im Leben des modernen Arbeiters, von dem an er vor dem Krieg als zu alt aus dem kapitalistischen Apparat ausgeschaltet wurde. Aber auch das war nur ein Uebergang. Eines Tages hielt die Kriegerfrau ihren Einzug in den industriellen Arbeitssaal, denn auch die älteren Männer wurden ins Feld geschickt. Heute sind alle vier Drehbänke durch Frauen besetzt, schon längst ist das Dreischichten- system eingerichtet worden, und nieine vier Arbeitsmaschinen stehen nicht mehr still, sondern sind immer in emsiger Tätigkeit. Wahr- schcinlich haben sie nur dann ein paar Minuten Ruhe, wenn beim Schichtwechsel eine Arbeiterin die andere ablöst und die Maschine gereinigt, das Abfallmoterial sauber abgekehrt und gesammelt wird. Durch Zufall erfuhr ich. daß Mensch und Maschine an diesen vier Arbeitsplätzen aber auch gelernt hatten, ihre Produktivität in der Granatenbearbeitung zu steigern, jetzt im Vergleich zu früher nrehr zu liefern und billiger zu arbeiten. Um 150 Proz. sind die Produktionsziffern in der Woche gestiegen und um 30 Proz. die Produktionskosten für das Arbeitsstück im Arbeitslohn gefallen(das Material ist allerdings nickst billiger geworden, der Unterlieferant läßt sich im Gegenteil jetzt höhere Preise zahlen). An den Maschinen selbst hat sich eine Jntensifikatioi! der Arbeit vollzogen, und was wir hier in diesem kleinen Ausschnitt beobachten können, sind industrielle Reiseformen, die eine allgemeinere Bedeutung haben. Die Arbeit ist durch die Maschine in höchstem Maße mechanisiert worden. Eine Reihe von Spczialmaschinen hat sich erst in den letzten beiden Jahrzehnten herausgebilder. Die Arbeil des modernen Metallarbeiters ist ebenfalls aus handwerklichen Formen kultiviert worden. Die Drehbank als die erste Maschine erforderte noch niaucherlei Handgeschicklichkeit rind individuelles Können. Für Spezialfunktioncn hatte man dann Spezialmaschinen gebaut, und es zergliederte sich der Prozeß der formgebcndcn Metallbearbeitung in eine ganze Anzahl von Sonderopcrationeu. die wiederum an speziell dafür konstruierten Maschinen zur Ausführung kain. Es ist vorgeschrieben und ausgerechnet, wie schnell eine Maschine laufen muß. Leistungsversuche und Gewallsproben hat man an- gestellt, um zu den besten Resullaren zu kommen, um zu ermitteln, welche Höchstleistungen an einer Maschine erreicht werden kann. Die entsprechenden betriebsorganisatonschen Maßnahmen kommen dann zur Aussührung, damit die jeweilige Höchstleistung auch er- reicht werden muß. Besondere Tabellen zeigen, welche Geschwindig- leiten zu leisten sind. Und so sind im letzten Grunds diese Skalen daran schuld, daß in den Munirionsfabriken eine hohe Jntensifilation der Arbeit auch tatsächlich erreicht wird. Tag und Nacht drehen sich in den Munitionsfabriken die Spindeln, gleiten die Schlitten, bewegen sich Hebel und Gestänge der Arbeitsmaschinen, unermüdlich, gleichmäßig und mit unver- mindcrter Kraftleistung. Am Morgen, am Abend, in der Nacht, immer der gleiche Rhythmus der Arbeit, die gleiche Aufeinander- folge der Operationen, immer und immer wieder Granatenringe oder Schrapnellzünder, Patronenhülsen oder Gewehrteile, es ist. als wenn der Bedarf unerschöpflich wäre. Denn draußen ist Krieg....(z) kleines Feuilleton. ?m Tale öes Wirges. Mackensens siegreiche Truppen stehen nach Ueberwindung der Noajlef-Niederuug vor den Toren Bukarests; nur noch das sumpfige Tal des windungsreichen Arges liegt zwischen ihnen und dem Festungsgürtel, der in fast kreisförmigem Ringe die rumänische Hauptstadt umzieht. Der Arges, der da, wo ihn die von Giurgiu kommende Straße kreuzt, nur noch 18 Kilometer vom Mittelpunkte der Stadt entfernt ist, nimmt unter den großen Strömen der Walachei insofern eine Sonderstellung ein, als er der einzige ist, der auf rumänischem Boden entspringt, während die anderen ihre Quellen in Siebenbürgen haben. Hier, an seinem Unterlaufe, kurz che er von links den Sabar aufnimmt, zeigt er eine Fülle von Windungen; nördlich der Straße nach Alexandria, die zwischen Arges und Sabar in Form einer schattigen Allee auf einem erhöhten Damme verläuft, findet sich fruchtbare schwarze Ackererde auch unmittelbar an den Flußufern, südlich von dieser Straße aber echte Flußniederung. Das bereits versumpfte Tal setzt den unzähligen Schlingen und Windungen des Flusses nirgend einen Widerstand entgegen, mit Aus- nähme der Gegend des Dorfes Popesti, das in längst verschollenen Zeiten einmal eine Bedeutung als Festung gehabt haben muß, deren Werke auf der äußersten Spitze eines kleinen Landrückens in einer Flußniederung gelegen waren. Hier stößt man auf zahlreiche Neste der Vorzeit, die für die Archäologen von Bedeutung sind; allenthalben fördert der Pflug aus dem Erdreich Scherben von Töpferwaren ans Tageslicht, die zuweilen Zeich- nungen zeigen. Diese vorgeschichtliche Festung von Popesti fällt auf drei Seiten mit einer Höhe von 18 Meter steil gegen Fluß und Tal ab. So gering diese Erhöhung nun ist, in dem vollkommen flachen Lande im Südwesten Bukarests genügt sie doch, um einen lieber- blick über die Gegend zu geben. In weiter Runde sieht man Sumpf, Teiche, Wiesen. Aecker, Buschwerk und zuweilen auch ein kleines Wäldchen; ab und zu sällt der Blick auf den Herrensitz eines reichen Bürgers aus Bukarest, Crajcva oder Alexandria. allenthalben aber erblickt man in der reich besiedelten Flußniederung Ortschaften. Besonders— wir folgen den trefflichen Schilderungen Nctzhammers— nach dem etwas weiter östlich, annähernd parallel fließenden Sabar hin sind die Ortschaften so dicht aneinandergedrückt, daß sie am Laufe deL Flusses selbst zu einem einzigen, viele Kilometer langen Dorfe ver- schmolzen scheinen. Das Land zwischen Arges und Sabar und über den Sabar hinaus zeichnet sich durch außerordentliche Fruchtbarkeit aus, und die Kette von Dörfern am Sabar entlang ist durch eine fast ununterbrochene, wohlgepflegte Allee von Riesen- bäumen verbunden. Nähert man sich weiter der Haupt- stadt, so ändert sich das Bild rasch. Zwischen Sabar und Bukarest stößt man noch auf eine zweite, fast endlos scheinende Reihe von stattlichen Bäumen, die nur an wenigen Stellen Unterbrechungen aufweist. Diese Baumreihe, die im Südwesten von Bukarest eine ziemliche Strecke lang fast geradlinig verläuft, bieg! sich jedoch zu einem Ringe um die Hauptstadt zusammen und ist nichts anderes als eine Maske für die Festungsbahn, die Bukarest in einer mittleren Entfernung von 11 Kilometern umkreist. Innerhalb der FestungSbahn liegt ein ungeheueres, freies Feld; bis zu den Vorstädten Bukarests dehnt sich ein vollkommen flaches Gelände, nichts, als ein reizloses Ackerland. Die einzigen Ruhepunkte für das Auge bilden hier und da Brunnen, die ihre knorrigen Gabeln mit dem langen Arm für den Wasserkübel in die Luft recken und die— im Gegensatz zu den niedrigen Bauern- Häusern— einstöckigen, aus Mauerwerk aufgeführten Häuschen der Straßenwärtcr, die alle nach derselben Schablone gebaut und so- gleich nach der außen zum ersten Stock führenden Treppe erkennt- lich sind._(z) Srialmont, öer Sefestiger öukarefts. Die Befestigungen Bukarests sind augenblicklich Gegenstand all- genieinen Interesses. Sie sind auch geschichtlich interessant, insofern ihre Anlage den seit lange bestehenden Gegensatz zwischen Oesterreich und Rumänien erstmalig zur öffentlichen Kenntnis brachte. Zur Aufstellung eines Befestigungsplans hatte die rumänische Regierung im Jahre 1833 den belgischen Generalleutnant Brialmont, welcher als Besestiger Antwerpens schon Weltruf genoß, berufen. Brial- mont bereiste Rumänien und entwarf die Befestigungen für die Grenzen und für die Hauptstadt Bukarest. Hierin nun sah Oester- reich eine feindliche Kundgebung und veranlaßte daher BrialmontS Abberufung, der sogar vorübergehend in die tzkichtaktivität versetzt wurde. Er blieb aber auch nach seiner Wiederanstellung in Belgien mit der rumänischen Regierung in Verbindung und gab den Anstoß zu Vergleichsversuchen zwischen einem französischen und einem deutschen Panzerturm, die 1885 und 1886 bei Bukarest vorgenommen wurden. Im Anschluß hieran wurden dann die Befestigungen Bukarests bis zum Jahre 1896 ausgebaut, und zwar im wesentlichen nach dem ersten Entwurf Brialmonts vom Jahre 1883. Der 75 Kilometer lange Fort- gürtel ist nach reicherem Maße, als Brialmont es geplant hatte, mit Panzerdrehkuppeln französischer Herkunft(248 Geschütz- und 54 Beobachtungspanzern) ausgestattet. Brialmont hat außer Antwerpen und Bukarest auch noch Luttich und Namur nach seinem System be- festigt. Die Erprobung seiner Werke im Ernstfall hat Brialmont, der am 21. Juli 1903 in Brüssel gestorben ist, nicht mehr erlebt. Bei den drei belgischen Festungen Antwerpen, Lüttich und Namur sind sie ja in wenig Tagen zuschanden geworden.(ch Die Entstehung öes Norölichtes. In der letzten Sitzung der malhematisch-naturwisienschaftlichen Klasse der Gesellschaft der Wissenschaften zu Kristiania, teilte der Dozent Dr. L. Vegard die jüngsten Entdeckungen über die Ent- stehuug des Nordlichtes mit. Sie beruhen auf der Art der Photo- graphischen Bestimmung der Nordlichthöhe, die Professor Stürmer, Norwegens bedeutendster Nordlichtforscher, im Jahre 1910 zuerst an- gewandt hat, und die im Laufe des Jahres 1914 auf dem Obser- valorium Helddo mit größtem Erfolge angewandt sind. Es sind dabei etwa 800 Parallaxenbilder erzielt worden, von denen über die Hälfte im Physikalischen Institut der Universität zur Berechnung von Nordlichthöhen ausgewertet wurden. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind für die Erklärung der Entstehung des Nordlichtes von größter Bedeutung. Störmers Ansicht, daß ein großer Teil der Nordlichter auf bestimmte Gruppen elek- irischer Sirahlen zurückzuführen sei, die von der Sonne ausgehen, ist dadurch so gut wie sichergestellt. Es handelt sich dabei um zwei verschiedene Slrahlengruppcn: eine dringt bis in die Erdatmosphäre bis zu einer Höhe von 106 Kilometer über der Erdoberfläche, die Strahlen der anderen Gruppe bis zu einer Höhe von 100 Kilometer. Eine Reihe der häufigsten Nordlichtlypen werden durch diese beiden Slrahlcngruppen erzeugt. Die Berechnung der Nordlichthöhen und der dadurch ermöglichle Nachweis der beiden Strahlengruppen ist von höchster Bedeutung für die physikalische Natur der kosmischen Strahlen, die von der Sonne ausgehen und beim Eindringen in die Erdatmosphäre das Nordlicht erzeugen. Die berechneten Nordlichthöhen sind geeignet, wichtige Auf- schlüsse über den elektrischen Zustand der Sonne zu geben. Das Ergebnis der bisherigen Untersuchungen weist mit Bestimmtheit dar- auf hin, daß die Strahlen durch radioaktive Vorgänge auf der Sonne hervsrgerufcn werden, und weiter kann man den Schluß ziehen, daß die Sonne ein nur verhältnismäßig geringes elektrisches Feld besitzt und daß sie in der Zeileinheit gleich große Mengen positiver und negativer Eleklrizität aussendet. Vegard war bereits auf Grund anderer Betrachtungen zu dem Ergebnisse gelangt, daß die Sonne solche Gruppen homogener elektrischer Strahlen aussenden müsse und das Ergebnis dieser Nordlichtbcobachiungen hat seine Annahme bestätigt._ Notize». — Vorträge. In der Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur spricht Freitagabend 8 Uhr im Bürgersaal des Berliner Rathauses Wolfgang Heine über»Kulruraufgaben nach dem Kriege". Eimritt frei. — Hohe Bilderpreise. Bei der Versteigerung der Ge< mäldesammlung Hölscher wurden für ein Altarge'mälde des alt- deutschen Meisters Wilhelm von Köln(Triptychon) von einem Pri- baten 100000 M. bezahlt(Iva» mag dieser lyrische Schwärmer seinerzeit dafür erhallen haben— und wie paßt die holdselige Andacht in die Gemächer dieses modernen Kapitalisten?)— Zahlreiche holländische Bilder kamen auf 10 000 bis 20 000 M. — Malzbrot. Der Getreidemangel, der sich auch in den neutralen Ländern geltend macht, hat in Dänemark die Arbeiter- Genossenschaftsbäckerci veranlaßt, ein neues Brot herzustellen: das Malzbrot. Das Brot besteht aus Moggenmehl und Gerstenmehl. Dr. Hindhede, eine bekannte Autorität auf dem Gebiete des Er- nährungswesens und Leiter der staatlichen Ernährungsuntersuchungen in Kopenhagen, hatte bereits ähnliche Versuche zur Streckung des Roggenmehls vorgenommen mit gutem Erfolge. Der Geschmack des Brotes soll durch den Gerstemehlzusatz, der bei Dr. H. 20—80 Proz. betrug, nicht wesentlich verändert sein. — Kastanienöl. Im Kaiserlichen Gesundheitsamt find Fütterungsversuche mit Kastanienöl unternommen worden, die sehr gute Ergebnisse zeitigten. Auch die chemische Untersuchung des Kastanwnöles hat ergeben, daß eS sich in seinen Eigenschaften dem Riiböl nähert. Das Oel war von klarer, goldgelber Farbe und wurde in einer Ausbeute von 5 Proz. gewonnen. Es soll daher möglichst die gesamte Kastanienernte auf Oel verarbeitet werden. 20] Ums Menschentum. Ein Schiller-Roman von Walter von Molo. Festen Trittes ging Karl Eugen ein paarmal über das verschiedenfarbige Holzparkett seines Zimmers. Plötzlich hielt er dicht vor dem Hauptmann und richtete die übergroßen Augen scharf auf seinen Offizier. Der stand in dienstlicher Stellung. den Hut unterm Ann und stemmte seinen Blick dem des Herzogs entgegen. Als das ungleiche Augenduell einige Se- künden gedauert hatte, sagte Karl Eugen jovial: „Na, laß' Er's gut sein und ruh' Er! Er hat also ver- nieint, daß mein Hirn so kurz sei, daß ich vergesse? Dem ist nicht so; Er hat außerdem liebe Freunde, die mich erinnert hätten. Wohnet die Frau Hoven im gleichen Haus wie Er? Die kennet meinen ersten Kammerdiener! Ja, Hauptmann Schiller: Gottes Wege sind krumm und die Mutterkreatur ist kleinlich I Im Ernste: Warum hat Er mir eigentlich auf meine proxosmoiis(Vorschläge) von neulich keine Antwort gegeben? Ist Er so ein großer Herr, daß man Ihn in Audienz bescheiden muß, um seine oximons(Meinungen) zu hören? Weiß Er'was contra zu sagen? Nein? Dann geb' Er mir seinen Sohn!" „Ich und meine Frau werden es als größte Gnade Eurer herzoglichen Durchlaucht aufnehmen, wenn unser Sohn der Neigung zum geistlichen Berufe folgen darf, mit gnädigster zicnmssion ausgesprochen." „Das hat Er mir schon zweimal erzählt! Sind noch nicht Kuttenspriugcr genug im Land? Wo Er hintritt, tritt Er auf einen Pfaff! Ich brauch jetzt Beamte. Die will ich mir selbst elevieren; die Ausländer sind zu teuer. Sein Pursch soll nicht schlecht im Kopfe sein, saget mir Professor Jahn; warum spreizt Er sich? Andere wären todglücklich, wenn ich sie umsonst futterte. Na?" er zwinkerte Haupt- mann Schiller zu,„verstatt' Er mir's huldv«llst," und er wiegte sich lächelnd, die Hände in den Taschen, hin und her. „Wenn ich mich, untertänigst ersterbend, noch einmal erkühnen darf, wider Eure herzogliche Durchlaucht eigener Meinung zu sein, so sei mir die Bemerkung freigegeben, daß es meine und meiner Frau schönste und einzige Hoffnung ist, unfern Sohn zu Tübingen auf der hohen Schule zu wissen." „Was seid ihr für Viehkerls I Zu Tübingen sind nasse Löcher, mit Mäusedreck und anderm, was uian nicht gern nennet. Bei mir haben die Pursche ein funkelnagelneues Waldschloß zu versauen. Groß und licht und Atzung wie für Mastsäue!"— Karl Eugen machte einen unwilligen Rund gang durchs Zimmer. Dem weißen Windspiel, der unter dem geschwciftbeinigen Schreibtisch liegen mußte— das hatte er vom Hofe des großen Prcußenkönigs gelernt— gab er einen erbosten Fußtritt. Hauptmann Schiller sah, daß seine Sache schlecht stände. Hastig sagte er:„Eure herzogliche Durchlaucht! Wir wären glücklich, wäre es Fritzen vergönnt, auf der Solitüde zu studieren. Aber die Fakultät Theologie ist nicht in der Pflanz- schule, so viel ich weiß, und vorher muß er durch die niederen Klostcrschulen gehen." „Wär' die Tatsache nicht, meint Er, Wir sprächen so lange mit Ihm? Er hätte Uns einfach zu gehorchen." „Ich weiß die großmütige Gnade der herzoglichen Durch- laucht dankbarst zu schätzen und will ihrer bis an mein Lebensende gedenken; sie zeugt von der Herzensbildung und geistigen Freiheit unseres geliebten Landesherrn; aber man unterrichtet nicht Gotteswissenschast in der Pflanzschule; das ist der einzige Haken, so im glatten Wege steht; drum heißt es für uns, mit Schmerzen verzichten." „Wähl' sich Sein Sohn ein anderes Fach! Die Jurisprudenz zum Beispiel, ernähret auch ihren Mann. Sei Er, Haupt- mann, nicht so zimperlich, als gälte nur des Buben Wille! Ich werd' für seinen Filius sorgen, auch wenn er die Schul- hosen durch hat.— Also? Ich Hab' einen Eleven mehr?" Rasch ging er zum Schreibtisch und nahm den Kiel.—„Glaub' Er mir's, Hauptmann", wandte er sich noch einmal und sah den schwer erregten Mann,„mir wär's egal, ob Sein Pursch Theologie studieret oder nicht; aber die säubern Herrn Land- stand', die's immer mit dem Ausland halten, wenn's dort contrs mich geht, fürchten ja, ich könnt' Württemberg katholisch machen, drum hao' ich's beeidigt, daß ich mich um die theolo- zischen ecols(Schulen), eigentlich um die ecols überhaupt, nicht kümmern wollte." Er lächelte.„Hat der Eid schon drei Lucken, kann er mit der Zeit auch die vierte kriegen." Der Kiel kratzte; Friedrich Schillers Name stand in der Liste der herzoglichen Brutanstalt.„Faktum I" schlug der Herzog auf den Faszikel.„Erledigt! Nach Weihnacht bringt Er ihn mir! Bei meiner sonstigen Ungnade! Weg- getreten I" Dunkelrot war das Vaterantlitz und das gichtrsche Bein stach,>vie der Teufel, bis zum Herz hinauf. Schwerfällig machte Kaspar Schiller die Ehrbezeugung.„Wir danken, herzogliche Durchlaucht, vor das Interesse und die Gnad'." Er wandte sich zur Tür, die seine trüben Augen nicht gleich fanden. Die Hoven hätte er jetzt zerreißen können. Wie Mitleid flackerte es in Karl Eugens Augen auf. „Hauptmann I" sagte er rasch,„komm' Er her zu mir." Er legte ihm die Hand auf die Schulter.„Seiner Willfährigkeit werd' ich im uvanccincnt(Beförderung) gedenken und ihn, so er alt lvird, außerhalb des nexus miÜtaris(Militärverbandes) verwenden. Vier Kinder hat Er? Ich Hab' nicht mehr Geld fürs militaire; ich muß es negligieren! Lieber Haugtmann", sagte er und wies mit der starken Nase zum sonnenhellen Riesenfenster nnt der gelben, zierlich und vielfach gerafften Jalousie,„es kommt eine neue Zeit, die die Philosophie brauchet, nicht das Schwert! Neues Leben bahnt sich an; nur spüren's die wenigsten. Man zwingt nichts mehr mit den Waffen; niit dem esprit(Geist) wird's getan I" Er schlug sich mit der Linken vor die Stirn, daß es schallte.„Sei Er froh, daß Seines Sohnes Zukunft in meinen Händen liegt I"— Erst vor dem Opernhause ward sich Kaspar Schiller be- wüßt, daß er durch die Schloßanlagen schritt. Er sah Plötz- lich, daß der Prunkbau, trotz all der Zierraten und gleis- nerischen Verkleidungen, die ihm des Herzogs Befehl gegeben hatte, aus Holz wäre, aus Holz, das im sumpfigen Grunde bald verfallen mußte. Und er freute sich in sinnloser Weise darüber. Die Hinterwand des größten deutschen Komödien- Hauses stand offen. Des Herzogs Husaren, die einstmals, für ein Trinkgeld, bravouriös die Elbe wider den Preußcnfritz durchschweinmen hatten, jagten nun über den Wiesenplan, der die Bühne gleichsam ins Freie dehnte. Sie übten den „Hintergrund" fürs abendliche Ausstattungsstück. Die Augen schmerzten, als sähen sie erwachend grelles Licht. Er wandte sich und zog die schnurgeraden Straßen auf und nieder, vorbei an Wittleders Bude, in der man einstmals Amt und Würden alljährlich kaufen mußte, sonst verlor man sie; haltlos und ruhelos wanderte er, wie die Gedanken in ihm... Sie saßen verstört nm den Mittagstisch und erwarteten ihn, als er heimkam. Oto&lpiati Sirektiea: Xsz Seinhardt Jientsches Theater. Deutscher Zyklus. "■/j Uhr: Kabale andlilebe. Donnerstag: Minna von Barnhelm. KammerBpiele. 8 Uhr: Ciespenatersonate. Donnerstag: Jonathans Töchter. Tolkubtihne. Theater a. BQIowpl. «'/. Uhr: Sfachtasiyl. Donnerstag: yachtaayl._ Theater i. d. Königgrätzerstr. s uix:PaüILaDgeu.Tofa Parsberg. Komödienhaus s uhr: Der 7. Tag. BerSinsr Theater Nachm. S'/j ü.; zum 1. Male: LlBel'a Mhrchenrelse. 8 Uhr: Auf FIDgeln des Gesanges. Sessing-Theater. Direktion: Victor Barnowsky, v,t uhr: Julius Cäsar. Donnerstag: J alias Cäsar. Freitag: Oie beiden Klingsberg. DeatsehÄstler-Thsater. AUabe�dlich URAÜBA Taubenstraße 18/19. 4 Uhr(halbe Preise): Die Bagdadbahn. 8 Uhr: Professor Dr. B. Donath: Die höchsten erreichbarea Temperaturen, Theater für Mittwoch, 6. Dezember. Deoteches Opernhaas, Cbarlottenb. 8 uhr: Der Troubadour. Friedrich-Wühelmstädt. Tbeater. s uhr; Das Dreimaderlhaüs, Kleine» Tbeater. s uhr: im Teeliseh. Gebr. Derru�oid" rbeater 8'/.u.: vkldoppslte kuMaltss. komische 0per. 8-/« uhr- Des Piiszta-KavaHös. T.uslspie!haus. 8./.u.-Der selige Dalduiu Metropol-Theater S uhr: Die Csardastdrstin, 4 Uhr: Frau Holla, MärohenauH Neues Operettenhaus Kasaentelephon: Norden 281. 8 uhr; Dei Soldat dar Maria. Residenz-Theater uhr: Diß Warschauer Zitadelle. Schlller-TheateF O. 8 Uhr: Zum 1. Male: Seine einzige Frau. Sehliler-Tb.Chariottenbg. 4 Uhr: Schneewittchen. 8 uhr: Das iller. Thalia- Theater. s uhr; Das Vagabundenmädel, 4 Uhr: Aschenbrödel. Theater am Xollendorfpl, sv. u.; Blaue Juugens. 3V, Uhr: Schneewittchen. Theater des Westens 1 Uhr: Rotkäppchen. 8 uhr: Die Fahrt ins Glück mit Guido Thielscher. Trlanon Theater. »v.u.-..... als Gast. Rose-Theater »v. u: Das GlQeksmädel. Walhalla-Theater 1 Uhr: Goldhärchens Himmelfahrt s uhr: Die Doliarprinzessin. JU Berliner Konzerthaus. Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. Täglich Reichsballen-Theater. Stettiner Sänger. r Heute zum Benefiz Vir bte Mltg lieder zu 1. Male: Cabaret- Feldgrau Militär. Humor, n. Meyscl. Anfang 8 Uhr. Sonntag nach. mittag B Uhr: Weibnacbtsabend . Schütze.. graben Jossen-tkeater. Sagen wir— die Hältte JEln annatttrlicher Sohn. Freitag, den 8. Dezember: Zum ersten Male: Des T öwea Erwachen Ent oder weder Hoftmann's SchmaB. idmlralspalast. Das herrliche Bisballett �jprau �antaste. „ Auf 8V. Ehr. 8, 8, 4 M. ......... III SB— B— B—— Volgt-Tlieater. Badttr 58. Badstr. 68 «fSglich; „Die Tocliter des Herrn Fabricius". Kafseneröffnung 8 Uhr. Anfang 7 Uhr. TägL 8 Uhr. Bonnt. 3-/,u. 8 Uhr. 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Ubr, in der Aula der Gemeindefchnle Hierselbst, Pols« d am er Straße 7. hierdurch ergebenst eingeladen. Tagesordnung: 1. Wahl deS RechnungSanSschnffeS für die Prüfung der Rechnungen des laufenden Jahres. 2. Festsetzung deS Boranschlages für 1917. 3. Bewilligung der Mittel zum Umbau deS Grundstücks zu Bureau- räinnen. 4. Vorlegen imd Genehmigung der Dienstordnung für die Angestellten. Zehlendorf, den 4. Dezember ISIS. Der pellvertrende Borsitzendr H.««HL. TausencSe befreit I m iKuteu«nr�alfic nnracriDuimi f Seil 21 3ab«« erfolftri� de- ' wlht. Für«öo-chfene 2 38 BL, fiik Kinder(WieiaOKgiibO IAO JH. allein echt mit Marie.webte»-. Hlleinig" Snbritant Otto Reichel, abiHa 4. Man i satznOttel. Wo nicht er» . diskrete Zusendung. Große Konzerte des Berliner Konzerthaus- Orchester Leiter: Komponist Frz. t. Glon. --■= Einiritt 30 Pfg. 3 nFreien Stunden. Romane und Erzählungen süi das arbeitende Voll Pro Heft 15 Ps Buchhandlung Vorwärts, Berlin SA KS. Lmdenslrabe 3 teppdecken gröstte Auswahl. 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