Nr. 283.- 1916. Unterhaltungsblatt öes vorwärts 16. Dtittübtr. Sucher zum Kriege. Wilhelm Tchinidtbonn: Menschen und Städte im Kriege(Tgon Fleischet u. Co.). Wilhelm Schmidtbonn: Krieg in Serbien(Egon Fleische! u. Co.). Crniin Bcrghans: Bier Monate mit Mackensen(FuliuS Hofsmann, Stuttgart). Max Krell: Ter deutsche Soldat(Erich Neig, Berlin). Wenn auch im Amt des Kriegsberichterstatters, spricht Schmidt- bann über das Kriegsgeschehen doch als Tichtcr. Tenn es kommt fa schliesslich nur darauf an, wie Dinge von erschütternder Tat- sächtichkcit gesehen werden. Schön und gütig sind diese beiden Bücher von Schmidtbonn, denn sie kennen eins nicht, das erbarm- tich macht: den Hasj. Sie sind erfüllt von einer Menschenliebe, die alle Furchtbarkeit der Wirklichkeit versöhnend überstrahlt. /Liebend zu allem, was lebt, sei es Mensch oder Tier, osjcnbart der Erzählende hier sein Bewundern und seine Andacht vor dem brüderlichen Geschöpf, das jäh und bestürzt in die ungeheure Ge- Zvalttat des Krieges gestellt ward. Er sucht nicht da, wo die ine- chanische Kraft und Gtllvalt der Vernichtungstechnik sich kundgibt, die hinreißenden Beweise für den siegreichen Aufschwung des Menschen; er will nicht von Granaten und zerreißenden Todcn geruhsam plaudern noch mit Anekdoten auf die Sentimentalität .spekulieren. Er gibt nur jene zitternden Momente, aus denen ihm künstlerische Visionen aussprangen und in denen Menschliches sich ihm zu tiesst verriet. In diesen Büchern ist der Geist der Zeit, von dem heute so viel gesprochen wird und der so selten sich tu Büchern ofsenbart. Die einzelnen Stücke sind wie Strophen eines gewaltigen Liedes. Was heute in diesem Chaos des zcr- jrissenen Europa zu erkennen ist, sagt hier der Mund eines Tich- tcrs, dessen Geist die Welt umspannt und dessen Liebe sie um- faßt, dessen Seele vom tausendfältigen Schmerz durchstrahlt ist mild der milleidcnd mit dem Elend der Menschheit zur Küste des ?tordniecrcs und durch die Provinzen Frankreichs und Belgiens, durch den Schnee serbischen Gcbirgs und bis an das blaue Lächeln der Adria gewandert ist. Wenn dort ein Dichter das Erleben des Krieges und seiner Handlungen erzählend formte, so wird im dritten Buche, von Erwin Berghaus, die Mitteilung dichterisch gesteigert. Es liegt etwas Dhonisisches in dieser Schilderung eines vicrnwnatigcn SiegeSzuges mit den Stationen Gorlice— Tarnow," Przemhsl, Grvdck, Lemberg, Cholm— Lublin, Brest-Litowsk. Manchmal brausen die Worte mit einer jubelnden Trunkenheit. Sie werden hymnisch, wenn hier der Kämpfer vom Siege spricht. Unbändige /Fugend und Lebensglut trotzen den tausend täglichen Toten. Tie Innigkeit, mit der von der Welt gesprochen wird, von Sonne und Landschaft, von jagenden Ritten, von Abenden und von Sternen, versöhnt mit der brutalen Wirklichkeit kriegerischer Zerstörungen. Denn über allem steht die grosse Liebe eines Menschen, die Liebe, die den Kämpfenden veredelt. In diesem Buche verkündet«in Mensch im Kriege selbst sein Erleben. Es ist ein Dokument für die Zeit. Je unverfälschter die Daheimgeblicbenen wissen, wie die Kämpfenden den Krieg erleben, um so besser für unsere Gegen- wart und unsere Zukunft. Max Krells Buch vom»Deutschen Soldaten' betrachtet den Krieger im Spiegel der Zeitgenossen und weist die EntWickelung des wehrtragenden Mannes auf vom Germanen bis zum Feld- grauen. Hier sprechen die berufenen Repräsentanten des Schrift. tums aller Zeiten, und in charakteristischen Ausschnitten gibt der Herausgeber eine farbige Bildreihe jenes Standes, der jähr- hundertclang ein besoldeter Berns blieb, um erst spät eine Bürger- Pflicht zu werden. Schöne Stücke älterer Dichtungen, wie die Schlussstrophe des»Ludwigsliedcs' und das.Vesperspiel' aus Eschenbachs..Parzival', unterbrechen dkb knapperen Darstellungen der Geschichtsschreiber und Militärs. C. M. KuttMätter als wanöschmuck. Bor dem Kriege waren wir in der Schaffung von billigen, für den Schmuck der Wohnung gecigneten Kunstblättern erfreulich vorangekommen. Ter Sehnsucht, in die graue Nüchternheit des Alltagslebens Farbe zu bringen, die Wand mit künstlerischen Dar- stcllungen zu beleben, hatten sich uiancherlei Möglichkeiten eröffnet. Auch der Arbeiterhaushalt konnte sich jetzt stimmunggebende Bilder verschaffen. Die Reproduktionstechiiiteii. vorzüglich die farbige Lithographie, und die Einstellung von Künstlern aus dieics Ziel boten die Voraussetzungen dafür. Ter lange Krieg hatte diese Kullurbercicherung zunächst unterbrochen. Aber wie sich die Bücher- Produktion allmählich wieder erholt hat, so hat auch die Heraus- gäbe neuer Kmnstblätter wieder eingesetzt. Zu der reichen Aus- wichl an erprobten und beliebt gewordenen Blättern sind dieses Jahr wieder neue gekommen. Der Verlag von Teubner in Leipzig hat noch gerade rechtzeitig zu Weihnachten sechs neue Künstlersteinzeichnungen herausgebracht, die als liebe Gaben und Spenderinnen stiller Freuden willkommen sein werden. Einen Vorgang ans dem Kriege hat W. Rogge erwählt: Weihnachten vordem Feind.(41 xllO Zentimeter 2,50 M.) Winternacht. Die Natur liegt unter schwerem Schnee. Ein Krieger öffnet eine Bretterbude, in deren hellem Lampenlicht ein Bild trau- lichen Zusammenseins von Feldgrauen sich anftut. Sic denken der Heimat und des deutschen Festes. Der Gegensatz der kalten Winter- lichen Landschaft und des warmen Lichtes gibt die besondere male- rische Wirkung. Städtebilder und Wiedergaben unS teurer kulturgeschichtlicher Stätten haben unier den Darbietungen des Verlags immer eine wichtige Rolle gespielt. Diesmal ist Goethes Haus am Frauenplan in Weimar(41 X 30 Zentimeter 2,50 M.) erkoren, dargestellt von Hans M a ck o w s k y. Das breite gelbe, schmucklose Hau» mit dem blauen abgesetzten Mansardendache ist an einem Winterlage gesehen. Schnee konturiert und gibt Stim- tnnng, ans dem Frauenplan ergeht sich der kleinstädtische Verkehr, wie er in Goethes Zeit sein mochte. Das Bild, das in erster Linie der weihevollen Erinnerung dienen will, entbohrt keineswegs der malerischen Reize. Sehr farvenfreudig bietet sich Jul. S a il e r s„Flucht nach Aegypten' dar.(4l X 30 Zentimeter 2,50 M.) Es ist die Ge- mütlichkeit und Innigkeit deutscheir Familienlebens darin, ein recht altdeutscher Zug ist in der künstlerischen Ausfassung ausgeprägt. Stimmungsvolles, farbiges Leben atmet in H e r r in a n n s „Blumen markt in Hollan d".(60 x 50 Zentimeter 5 M.) Im Vordergrunde prunkt die Ueppigkeit der Blumen, um die hollän- disckie Typen herumstehe». Im Hintergrund ragt die höhe Wind- mühte, an die sich Baum und Haus lehnen. Ein prächtiges Stück Holland. Zwei Blumenstillebcn entfalten die Schönbcit deS Tones ans dunklem Grunde: weisse Azalee(100 X 70 Zentimeter 8 M.) und gelbe Rosen(71 X 55 Zentimeter 6 M.). Beide sind von G. D e t h l e s s. Der Maler versteht es, nicht bloss die Freude am schönen Material auszunutzen, sondern auch künstlerische Qualitäten Hinzuzutun. Rote Orangen und das andere Mal blaue Vasen geben gute farbige Kontraste und kompositionelle Gegengewichte. Der Verlag bietet auch Künstlersteinzeichnungen im Postkarten- format dar, und liefert zu allen Bildern passende Rahmen, worüber der Katalog mit 200 farbigen Bildern(50 Pf.) orientiert. D. kleines Zeuilleton. kgl. Schauspielhaus:„Könige' von Hans Müller. Ein jüngerer Wiener Autor, der sich erst auf anderen Bahnen versuchte, lenkt hier tu die Gleise des klassizistischen Epigonenstückes ein. Dem Publikum des SchauspielbauieS schien die Geschichte ausscrordeullich zu gesalleu. Man hat dort lange nicht so schallenden Applaus gebölt. Fragwürdig, wie das ganze Genre diewr nach grossen Muster» billig und schemalisch produzierenden Poetik ist, in der meist nur dgS Unvermögen lebendig individualisierender Ge- stalten seine Armut hinter den historischen Kulissen zu verbergen sucht, rangieren Müllers«Könige' dock zu den besseren Exemplare» der Gattung. So wenig Blut auch in den Adern der Personen fliesst, der szenische Aufbau zeigt bühnenmäßiges Geschick, die jam« bi'che VerSiprache Fluh und Wohllaut, und die„Idee', trotz ge- legcntlichem patriotischen Tendenzgellirre im allgemeinen ein sympa- tisch menschliches Gepräge. Nicht dnwch Kriegstaten, durch den des Friedenswillen wird Ludwig der Bayer in dem Stück verherrlicht.� Die Läuterung des Rivalen, die diesem Ludwigs Herz gewinnt, stellt sich zugleich als eine Ileberwindung des blind egoistischen Machltricbs dar. Der Einwand, dass die Gestalten, bei scstcher Einstellung ans die Idee, vom Typu? der historischen llibildcr sich wcit entfernen, brauchte den Verfasser nicht zu kümmern. Geschichtlich überliefert ist, dass der zum deutschen König ge- wählte Ludwig den Habsburger Friedrich, der Anspruch aus den Thron erhob, besiegle, gefangen sctzlc und ihn nach langer Hair gegen das Versprechen freigab: endgültig zu verzichten und feine CD»•*' Sk<«%•- O: v«t /> S f»: 1 1:* an 3 lllkTtrt l»bm da? Weib, das plötzlich sich in die Tbellarolle umschlägt, zurust: Tu. was Du musst. Dann stürmt er fort. Zum Schlüsse: Rührung Ludwig?, der ibm nach dieser Probe auf oie Treue, willen?, den inneren Krieg um jeden Preis zu enden— zum Genossen seiner Herrschaft macht. Helene T b i», i g lieh der Eliuibeib. so wenig die Zuge der Figur im Stück zusammenstimmen, den Ton ivarmherzigen, natnr- hast wahren Fühlen?. Die beiden männlichen Hauptrollen waren durch die Herren K r a u tz n l!(Ludwig) und C l e Iv i n g(Friedrich) eindrucksvoll verlrclcn. � ät. Notizen. — Musik chronik. Drei Jahrhunderte deutscher Orgel- musik in ausgewählten Meisterwerken führt in der Friedrich- stadtkirche am Gendarmenmarkt am Montag. It. Dezember, abends 8(4 Uhr. I. G. Rohrbach vor.— Alfted Piccaver, der viel- genannte Tenor der Wiener Hosoper, wird am 16. Dez. d. I. zum erstenmal in Berlin in einem Konzert singe», das für die Kriegs- Konz«: „Berliner Presse" singen, in der Philharmonie' statt- Hilfe des Vereins findet. — Thcaterchronik. Das Deutsche Theater läßt in seinem „Deutschen Zyklus" am Freitag Georg Büchner mit seinem Drama „D a n t o n s To d" zu Worte kommen. — Vorträge. Im Institut für Meereskunde spricht Dienötag Dr. Hennig über die drahtlose Telegraphie im überseeischen Nachrichtcnvcrkchr.— lieber„Die Sternbilder und praktische Anleitung zu ihrer Auffindung" spricht Dr. Archenhold Dienstag, abends 7 Uhr, in der Treptow-Sternwarte.— In der Urania referiert am Freitag Direktor Peter Jessen über „Kriegerehrung im Felde und da hei ml".— Am Mittwoch hält Prof. Schwahn einen Vortrag über«Die Ergebnisse der Sonnenforschung". — Die Aspirationen. Der italienische Ministerpräsidenr hat in seiner Rede bei Eröffnung der Kammer auch die Konstskation de» früher österreichischen Palazzo Aenezia in Rom berührt. Mit der Logik, die alle eigenen Interessen als edel und erhaben feierr und alle fremden als nnmenschlich und barbarisch verdammt, recht» fertigte er diesen Akt purer Gewalttat als geboten durch die „italienischen Aspirationen". Solllen die Ocsterreichcc in die Lage kommen, Venedig oder Mailand z» erobern und dann die berühmtesten Kunstloerke— nach napoleonischcm Muster— entführen, so könnten sie sich darin auch mit gleicher Rhetorik auf ihre Afp:- rationen berufen. Sollte aber diese erhabene StaatSmoral ans Privalverhältnisse Anwendung finden, so wird jeder Dieb und Gauner in Zukunit sich auf seine Aspirationen berufen können. 24] Ums Menschentum. Ein Schillcr-Roman von Walter von Mol». „Habet Acht I Der durchlauchtigste Herr Rektor spricht,' schrie der Intendant. Lautlos stand die dressierte Schar. In ununterbrochenen parallelen Streifen lief das Hellblau der Zöglingsröcke mit dem Weiß der Hosen und Westen durch den Saal. Scheu sank vor den grossen Fenstern der Schnee zur Erde nieder, die Flocken getrauten sich nicht hcrcinzusehcn. Karl Eugen las mit erhobener Stimme:„Mit reichs- väterlicher Sorgfalt hat die kaiserliche und gloircrciche Majestät zu Wien der Freifrau von Lcutrum, meiner getreuen Käme- radin und Nektorin der öcols des demoiselles(Damcnschule), den Titul einer Rcichsgräfin von Hohenheim allergnädigst und höchsteigenhändig zu führen gestattet. Dieser Titnl gebühret ihr von heute ab— bei böser Strafe im Verwcigerungssalle! Man schreie: Vivat die Frau Reichsgräfin!" Man schrie dreimal, im gleichen Tempo,„vivat die Frau Reichsgräfin!" und schwenkte, auf den ermunternden Wink des Intendanten die schwarzen Zweispitze mit den Silber- borten und dem Fedcrbusch. Dann erfolgte der scharfe Befehl: „Wendet euch! Wir marschieren zu Tisch!" Die Degen klapperten, die Sohlen hingen sich an die Schrittmclodie, in peinlichem Takte folgte der hungrige Mensch, der seit der frühesten Frühe Wifscnschast srass.——— Griechisch, Latein, Mathematik und Französisch füllten den Nachmittag. Um sechs Uhr begann das einstündige Privatstudium für morgen. Die Pumplampen brannten dunkel und stanken, unab- lässig tappte deS militärischen Wächters Schritt im Saal. Es ivar bitter kalt und der übermüdete Kopf schuf schweres Denken. Um sieben Uhr klang m der Kaserncnschulc die Trompete, nun lstess es, sich wieder der„kro�rets'(wörtlich: Reinlich- keit, hier--- Putzstunde) widmen. Scharffenstein band dem verschüchterten Neuling den falschen Zopf fest, den sedcr, der Wahrung des AnstandeS wegen, zu tragen hatte. Dann ging es zu Rapport und Musterung. Stramm und getrennt mar- schierten die adeligen und bürgerlichen Reihen. Peinlich genau in Tritt und Schritt schwärmten die müden Beine aus; sie standen hinter den Sesseln, die der Eleven Namenstäselchen trugen, und warteten bis der Befehl kam: „Zum Gebet!" Mit einem Klatschen schlugen die kalten Hände zu- sammcn, vorschristsmätzig sahen alle Köpfe nach des Herzog? Bild, unter dem der Eleve vorbetete, an dem heute die Reihe Ivar. Dann hiess es:„Rechts die Augen!" Der Herzog trat ein und schritt durch den Saal. Beim „Kavalierstisch" blieb er halten und befahl mit hallender Stimme: ,j)ine� measieurs!"(Zum Essen, meine Herren!) Da rückte alles im Takte die Sessel und Schiller bekam einen neuerlichen Unterosfizierspuff, weil er nicht im geschulten Tempo der anderen nach dem Löffel griff. „Warum stehet denn der Dannecker?" fragte er ängst lich den Scharffenstein,„sagen Sie ihm doch, er sollte sich niedersetzen!" „Er hat Strafe und muß carieren, weil er gestern einen Teller en pieccs(in Stücken) legte. Drum stehet er vor leerer Schüssel und kriegt nichts zu essen; er muß zur Straf' uns zusehen, wie wir soupieren." Weit oben am„KavalierStisch", unter den andern, die daS Glück hatten, adelige Väter zu haben, sass Freund Hoven mit den silbernen Achselschnüren, die ihn von der bürgerlichen Meute unterschieden. Mit rcichbcsetzten duftenden Schüsseln, die die gierigen Elevengaumcn rebellisch machten, eilten Lakaien und Küchenträger nach dem rückwärtigen Saalonde. Dort speiste der Herzog mit seiner Freundin, in der Nähe des„Chevalierstisches," an dem die Preisträger und besten Schüler, die Leuchten der Anstalt saßen, angetan mit den Ehrgcizstacheln. den Auszeichnungen und Orden, in großer Gala. Auch August von Hoven, deS Freundes Bruder, genoss alS tüchtiger Jurist dies viel beneidete Vorrecht. Alles war wie ein schwcrbedrückendcr Traum, der nicht enden wollte; es war kalt. Mit niüdcn, rotgerändcrten Augen sah Fritz Schiller in seine Brotsuppe. Kärglich schwirrte um ihn die offizielle Unter- Haltung seiner Genossen; allzunahe waren die Wächter der „Konduite"(Aufführung). Doch das heimliche Flüstern der Zöglinge lief tvild und aufgeregt, wie allzu gestautes Wasser, den Tisch entlang, derweil die funkelnden Augen Schildwache standen.„Quel uom?(Wie heißt es?) Petersen?" „Emilia Galotti! Vom Lessmg; ich zeig' dir'S im Bett; xS handelt von der Fürstenwillkür l Sst!" Petersen sprach laut weiter und behielt den Leutnant Nies, der näher kam, im Blick:„Sehet, ivie es dem Professor Abel schmecket, und der Jahn ist froh, daß die Historie tvicdcr einmal hinter ihm liegt. Gesegnete Mahlzeit, Herr Leutnant Nies!" „Halt Er's Maul!" sagte der ehemalige Schneidermeister, der nun Württembergs Geister bewachte,„sonst kostet's Ihn ein Strafbillett. Ucbcrhaupt: i Hab Ihn am Zug! Er riechet nach Tobak und i kann nicht finde, wo Er ihn hat." Wie ein derbgimger, bösartiger Jagdhund zog er, mit der plumpen Nase seines DickkopfcS schnüffelnd, weiter. „Er stinket selber nach Tobak!" sagte der büßende Dannecker, ohne die Lippen zu bewegen, und machte ein so frommes und zerknirschtes Gesicht, als betete er. „Wissen Sie." weihte Petersen den Schiller ein,„wir treiben nämlich heimlicherweise Literatur. Sie werden uns doch nicht verraten? Wir sind aus die„Deutsche Chronik" abonniert, die Herr Schubart zu Augsburg herausgibt. Der getrauet sich loszuhauen:„Als Dionys von Syrakus auf- hören muß Tyrann zu sein, da ward er ein Schulmeisterlein." Wissen Sie, auf wen das gehet? Er nennet unsere Anstalt eine Stlavenplantage und des Herzogs Maitresse„Donna Schmergalina". Interessieret Sie überhaupt die Literatur? Wir halten sie im Strohsack cniballicrt(versteckt). Wollen Sie mitbczahlen?" „ES ist verboten? Nickst wahr?" „Sind Sie ein Hasenfuß? Das gewöhnen Sie sich ab! Sie müssen schlau werden und srech, sonst kriegen die hier Sie klein." „Ich trau' mich schon, aber ich Hab' nur drciundvicrzig Kreuzer von daheim mitbekommen; die hat man mir ab- genommen; ich weiß nicht, ob ich erst zahlen darf, wenn ich später'mal Geld verdiene als Beamter?" „Laß' ihn, Petersen!" sagte Scharsfenstein, und schüttelte mißbilligend das Haupt,„willst du Geschäfte mackcn? Zahlet doch Professor Abel alles, was unS fehlet!— Sie, Schiller, zu Äbel können Sie aben eonsi-mco(Vertrauen). Wenn Sie saus conseil(Rat brauchen), wenden Sie sich an ihn; er ist ein Mann energiejue. Sein Vater ist Oberamtmann und hat den cöldbrs(berühmten) Räuber, geheißen Sonitewirtle, zum Tode gemackt, nein: gebrackt. Die verfluckte Sprack! Wollen Sie nickt. Freund Schiller, mir immer mir die deutsche Wort Verbessern, wenn ick unnötig ftane-ris treibe? Ick will lesen Klopstock in seiner Sprack und auffassen mit die Scel l" „Klopstock?" Fritz Schillers Hand umkrampfte Scharffen- steins Arm; hier war ein Halt, er fühlte eS.„Klopstock wallen Sie lesen? Er ist mein einziger Trost. Er ist gross und..." „Zum Gebet!" erscholl das Kommando. Taktmäßig standen sie aus. mit eine m Klatschen schlugen wieder die kalten Hände zusammen, vorschriftsmäßig sahen alle Köpfe nach des Herzogs Bild. Heißer> andächtiger flanimie Schillers Blick; er dankte Gott für seinen neuen Freund! Gott verließ ihn nicht! „Abmarsch in Reihen! Rechts um! Links um!" Jäh erkannte Schiller, dass er sein inbrünstiges Gebet zu dem Bilde des Herzogs getan hatte, als wäre der der Herr seiner Seele. Er taumelte, fast lvärc er in die Liethe der Adeligen geraten, die taktschrittig vorüberzog.(Forts, folgt.) Jedes Wort 10 Pfennig. Das feftgednickte Wort»Pfg.(zulässig 2 tettgedr. Worte*. 1 gesuche und Schlafstellen-Anzeigen SPfg.j das erste Wort(fettgedruckt) lOPfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. Anzeigen PfandleiHHaus HennimnpIciZ 6 Vorteilhafteste(kaufgelcgenheit, Pclz- garnituren, Sknnkskraaeii, Skunks« nnifjen, Fuchskra-ien, Opoffumstolas� Jltisgarnitui en, Bisamskunkse. Ver- schiedencs halbumsonst. Spottbilliger Bettenverlaust Gardincnverkauf, Tep- pichverlaust Ilhrenverkaust Schmuck- lachen, Brillanten. NicsenauSwahl Herrenanzüge, 5zerrenpaletotZ, Hcrrcnulster, Herrenhosen.' Stauneiierregend t Riejcnauswahi neuer Pelzgarniluren, spottbillig! 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