Hr. 286.- 1916. Unterhaltungsblatt des vorwärts Der Wille siegt. NuS dcnBckettittnisssn deutscher Kriegsverletzter. fiScm: auch die während des Krieges gemachten ganz auxcrordent-- lichc» Fvilschritle der ärztlichen Behandlungsmethoden sowie der Technik hinsichtlich der Ersatzgliedniagen, Blindenlcscmaschincir usw. ihr gut Teil dazu beitragen, die Kriegsbeschädigten>vcil niehr als dies früher nivglich lvar, trotz ihrer Gebrechen neuem tätigen Leben wieder zuzuführen, ist und bleibt doch ein Hauptsaltor für die Er- reichung dieses leider für so viele Tansende wichtigen Zieles die Stählung des persönlichen Willens. Auch die beste technische Unter- stützung bleibt wertlos, wenn nicht unbeugsamer Wille und festes Selbstvertrauen dem Verletzten beistehen. Auf wie außerordentliche Weise diese besondere Art des Heldentums unter den deutschen Kriegern verbreitet ist, geht aus einer Sammlung von Lebensschicksalen und Bekenntnissen wieder arbeitsfähig gewordener Kriegsvcrletztcr her- , vor, die der Leiter des Zehlendorfer Oskar-Helene-Heims unter dem Titel.Der Wille siegt" im NeichSverlag Hermann Kaltofs, Berlin, erscheinen läßt. Diese Dokumente sind nicht nur der beste Beweis für die in jeder Lebenslage aufrechte Volkskraft des Deutschen, sondern mögen auch KriegSvcrletzten, denen ibr Weg zum neuen Leben schwer wird, Trost und Hoffnung bieten. Was der Wille z. B. bei einem Bein- amputierten zu leisten vermag, gehl aus der Geschichte des Haupt- manns Biunrf hervor, der im September 1914 bei Bitry le Fran-aiö durch einen Granalsckuß im Kniegelenk verwundet wurde und sich dann im Oktober daö linke Bein abnehmen lassen mußte.„Nach langem Pro- Vieren." so schreibt der Hauptmann,„erhielt ich mein künstliches Bein etwa Mitte Dezember. Während der ganzen Zeil halte ich trotz allen Zweifeln der Aerzte, Sachverständigen und Angehörigen nicht eine Sekunde den Willen, Soldat zu bleiben, und die Hoffnung, noch einmal ins Feld zu kommen, aufgegeben.... Mir meinem Bein ging ich sofort, und begann nach Ivenigen Tagen zu reiten auf Grund ganz eigenen Entschlusses. Selbst meinem Professor war dies ein anscheinend ganz ungeheuerliches lintersangen."... Tat- sächlich gelang es dem Hauvtmann, durch fortgesetzte willensstarke Hebungen, wieder dienstfähig zu werden:„Am 2?. Dezember verließ ich das gastliche Hindcnburgbaus und meldete mich nach wenigen Tagen bei rneiner Garnison Koblenz zum Dienst.... Am 20. Februar wurde ich durch Verfügung des KriegsmhnsteriumS wieder mobil. Nun bin ich schon fast vier Monate wieder in Feindesland. Mein Reiten ist längst über das Stadium de-j Versuchens hinaus gediehen, und wenn es auch kein Sport mehr ist. den ick treibe, so sind leichtere Sprünge zum Beispiel schon längst an der Tagesordnung." Das beste Tokmnen! für die Möglichkeit, einen verlorenen Arm durch die Kraft des Willens wenigstens zum großen Teile zu er- fetzen, bietet die Geschichte des Leutnants Papke, der an der Westfront den rechten Arm verlor.„In dein Buche des Einarmigen von Zickh", so berichtet der Leutnant,„fand ich manche Anregung zur besseren Aus- bildung der linken Hand. Das Schreiben>nit der linken Hand er- lernte ich dank der guten Anleitung in kurzer Zeit im Linksschreib- kursuS der Rackolvichen Handelsakademie. Ende März erhielt ich meinen künstlichen Arm....Und kurz entschlossen stelle ich mich dem Stellvertretenden Generalkommando des GardckorpS zur Verfügung, um als Erzieher an einer Kadettenanstall Verwendung zu finden. Ich sende meinen mit der linken Hand geschriebenen Lebenslauf ein und wcrdp zu meiner großen Freude als Erzieher an die Hanvt- ladet tcn ansialt Berlin-Lichtersclde berufen. Hier tue ich nun fast tst/e Jabre Dienst wie jeder andere Leutnant." Bis zu welcher Voll- kornmenheit der Leutnant, der auch toieder die Schreibmaschine bc- nistzt luid ein guter Radfahrer ist, seine Fähigkeit ausbildete, geht daraus hervor, daß er trotz des Verlustes deS einen Armes als der beste Schwimmer in der Anstalt gilt und auch als Schwimmoffizier die Schwinnnausbjldnng von fünf Kadcttsnkoiiipagnicn leitet. Em. drittes Dokument. stammt von einem Kriegsblinden. Dieser KriegSverletzte hatte seinen Willen so in der Gewalt, daß er sofort nach Heilung seiner Wunden alle Möglichkeiten erwog, um derAlii--' tätigkeit zu entrinnen und seine Arbcilskrait wieder ßu erlange». In kurzer Folge lernte er die Punklschriit lesen und schreiben, ge- wann stch durch die Kenntnis der ziemlich schlvicrigcn Nolenpunkt« i.chrift die Freuden der Musik zurück, bereits nach weitere» zwei Monaten hatte er die Kurzschrisl erlernt, und wenige Wochen später war er mit der Schreibmoschine so gut vertraut loie vorher. Nebenbei- nahm er sogar Klavicrstundcn. Auf diese Weise vermochte dieser Kriegsblinde verhältnismäßig schnell wieder die Stelle zu be- kleiden, die er im Frieden iimegehabt hat:„Ich nehme jetzt wieder beim Versicherungsamt die Protokolle auf und entwerfe ivie früher die einschlügigen Verjügungen.... Auf der Straße habe ich mich zu bewegen gelernt, ohne mich des Armes des begleiienden Sehenden zu bedienen. Das Schwimmen setze ich jetzt auch im freien Fluß fort, ich spiele mit in Punktschrift gezeichneten Karten, und beim Kegeln gelingt es mir sogar oft, einen einzelnen Kegel heraus- zustechen." Die? sind nur wenige auS einer Unzahl von Beispielen, die den unumstößlichen Beweis dafür liefern, daß die modernen Errungenschaften im Verein mit äußerster Willenskraft die Kriegs- beschädigten in einer Weise arbeitsfähig zu inachen vermögen, wie dies noch vor wenigen Jahren ganz unmöglich erschienen wäre. kleines Feuilleton. wie viele Men/chen kann Sie Eröe ernähren! Im 2. Jahrhundert n. Chr. lebten in den europäischen Pro- vinzen des römischen Reiches ungefähr Millionen Menschen; beule leben in denselben Ländern Kit) Millionen. In siebzehnhnndert Jahren hat sich also die Menichcnmenge in diesem Teile unseres Planeten noch nickst vervierfacht und nur eine Jahreszunahme von 3U Proz. erzielt. Bei gleichem Verhältnis würde die Erdbevölkerung in 2000 Jahren nicht mehr als 7003 Millionen betragen. Kann unsere Mutier Erde gegebenenfalls diese 7 Milliarden ernähren? Matthius Meyer nisterzicht diese für die Zukunft der Menschheit bekanntlich hochbedeutsame Frage in_ seiner soeben bei Eugen Diederichs in Jena erscheinenden Schrift„Das Zölibat der Lehrerin" einer interessaisten Besprechung. Der englische Geograph Ravenstein hat im Jahre 1891 eine Berechnung auf- gestellr, bei der er die trockene Erdoberfläche nach ihren Ertrags- möglichkeilen in drei Regionen teilte. Die erste bildet das frucht- bare, die Bebauung lohnende Land, dessen Ausdehnung Ravenstein auf 73,2 Millionen Onadrnikilometer berechnet, davon sind zurzeit erst 40 Proz. unter dem Pfluge, 18 Proz. sind Weiden. 23 Proz. sind Wald, der Rest ist bebaut, mit Wasser bedeckt oder Oedland. Die zweite Region ist die der Steppen, der armen Grasländer, die jedoch durch sorgfältige Kultur noch oft in fruchtbares Gelände zu verwandeln sind. Sie bedeckt 30 Millionen Ouadratlilomcter., Tie dritte Region Ravensteins umfaßt die'Scknd- und Polarwüsten und bedeckt.10,8 Millionen Ouadrcktkilometer. Ravenstein rechnet damit, daß nach dieser Schätzung., die....Erde für..sechs Milliarden Menschen Unterhalt gewähre. Bei einer Bevölkerungszunahme von 8 Proz.' iin Jahrzehnte, einer Zunahme, die etwa. jener in Deutschland in den siebziger Jabren entspräche, würde Ravensteins Grenze allerdings schon im Jahre 2072, also nach scht rund 150 Jahren erreicht' sein. Ändere Forscher über setzen die Zahl der Menschen, die die Erde ernähren kann, weil höher an. So hat, sie Firls im Jahre 1898 ans 8 Milliarden berechnet, und viel iueitcr geht noch Oppenheiiner, der folgende Erwägungen anstellt.' Theoreilicb listmen auf einem Ouadratkilomeicr bewohnbarer Erde 30 000' Menschen leben. Ohne Ilebertreibung kann man init einer Bevölkerung von 4000 auf Ravensteins fruchtbarer Region rechnen. DaS heißt: diese kann 292 800 Millionen Menschen ernähren. Rechnet man von ihr 83 Prozent' für Wald, Wiese. Siedelungcn' und Wasserläufe ab, die doch auch bei der Ernährung eine Rolle spielerr, so bleibt immerhm Raum und Unterhalt für 100 00d Millionen noch. 12 Milliarden werden sich immer noch in den Regionen der Steppen und Wüsten ernähren können, so daß auch bei großen Abstrichen immer noch da- mit gerechnet werden darf, daß unsere gütige Mutler Erde für 200 Milliarden Menschen den Tisch zu decken immer bereit ist. Was etwa cinnial geschieht, wenn diese Höchstziffer erreicht sein sollte, darüber brauchen wir uns wirkirch beute ebensowenig den Kopf zu zerbrechen, wie ctiva über die zukünftige Abkühlung der Sonne oder- über das einstige Schwinden unserer Kohlenvorräle. Wie kärglich heute noch uusere Erde bevölkert ist; das wild recht anschaulich durch das folgende' Bild verdeutlicht: der Bodensee hgt eine Oberfläche von 338.» Ouadrätkilömetcr. Rechnet nian. daß auf ciiicu Onadraimeter drei Personen, zlvcl Erwachsene'und ein Kind, bequem'stehen kbliiie», so hat die'ganze gegenwärtige Bevölkerung dcr�Erde ans dpr Eisdecke des Sees Platz. Sollte stz:,.wgS wohl anzunehmen wäre, unter dem starkem Drucke brechen, so würde das Niveau des SceS uin nicht ganz �0'Zentimeter steigen.� Man muß, unr dieses Bild ganz zu ivürdigen; sich' vorstellen,' daß öcr. Lodensee ans einem Globus von'20 Zentimeter Durchmesser eine größte Ausdehnung von 1,4 Millimeter hat! Eine öeutsche elektrische Schreibmaschine. Bor einiger Zeit ging eine beherzigenswerte Anregung W. Porst- manns durcki die Presse, die in dein Satze gipfelte: schreibe elektrisch I Eine elekirische Schreibinaschuie, wie sie dort vorgeschlagen wurde, ist nun bereits vorhanden; sie ist im Juni dieses Jahres durch deutsches Reichspalcnt geschützt worden. Wie sie gebaut ist und wie sie arbeitet, beschreibt ihr Erfinder Fürst zu Isenburg im„Prometheus." Nachdem der Erfinder jahrzehntelang vergeblich versucht hatte, eine ganz elektrisch arbeitende Schreibmaschine zu bauen, verfiel er darauf, eine elektrische Vorrichtung zu ersinnen, die an jede gewöhn- lichc Tastenschreibmaschine angeschlossen werden kann, und damit hat er einen Erfolg erzielt. Diese Vorrichtung, in einem Kasten von 30 Zentimeter im Geviert und 10 Zentimeter Höhe eingeschlossen, enthält 24 Elektromagnete, ferner Hebel und Verbindungen, die die einzelnen Tasten der gewöhnlichen Schreibmaschine herunterdrücken. Den Bedürf- nissen der deutschen Schrift entsprechend rechnet die elektrische Schreib- Vorrichtung mit 24 häufiger vorkommenden Zeichen. Ihre Klaviatur, die von der rechten Hand, allein bedient wird, wird rechts neben die der Schreibmaschine gelegt; sie besteht aus vier Tasten, auf die die vier Finger vom Zeigefinger bis zum kleinen Finger aufgelegt werden;'je nachdem diese Tasten durch den Finger um ein geringes nach unten gedrückt oder nach vorn oder hinten geschoben werden, wird einer der Elektromagneten eingeschaltet. Tie Daumentaste kann nur eine Bewegung ausiübren, und zwar von rechts nach links, wirkt als Umschalter und steigert so die Anzahl der Buchstaben- zeichen auf 24. Die linke Hand liegt beim Schreiben so, daß der Zeigefinger die Leertaste, der Mittelfinger den Umschalter für die großen Buchstaben bedient und dazu muß die linke Hand auch die iehlcnden. sehr seltenen Buchstaben q, x und ß anschlagen, sowie die Zahlen und gegebenenfalls einen zweiten Umschalter betätigen. Jede beliebige Lichtleitung kann zum Betriebe benutzt werden, aber auch Elemente Ivnnen dazu dienen, denn es wird nur, die Kraft erfordert, wie sie etwa eine sünfkerzige Lampe' braucht. Da der Anschlag durch die Elektromagneten.sehr schnell ist, wird eine dent- liche, nie verschlvommene Schrift erzielt, mit der' auch nrebr Durchschläge geschrieben werden können, als bei Bedienung mit der Hand. Ferner kann man mit geringer Uebnng ziemlich rasch schreiben, und da beide Hände nri� der MauZ still aufliegen, ist das Schreiben weniger ernuidend, als bei der gewöhnlichen Schreib- Maschine. Schließlich könnte man für die Bedienung der Lecrtastcr und- des Umschalters Pedale anbringen, so daß auch einanNige Kriegsbeschädigte diese elektrische Schreibmaschine benutzen könnten. ES versteht sich von selbst, daß sie bei spiegelbildlicher Anordnuilg auch für die linke Händ eingerichtet werden kann. Notize». — Der„Vorwärts'-Kahender ist auch dieses Jahr wieder erschienen. Er bat sich von Jahr zur Jahr neue Freunde erworben. Wer ihn einmal benutzt' haß wird ihn nicht wieder misien wollen.-Bietet er doch T?g siir Tag aus der Rückseite deS� großen und klär gedruckten Datums eine Fundgrube sozialer und sozio- listischer Lescftiichte. Was immer die Weltliteratur an kraftvoller Besreiungs- und sozialer Lyrik bietet, i>'t hier glücklich für die Be- dürfnisse des Tages ausgewählt. AuS Dichtern und Denier» werden Sinnsprüche und gehaltvolle Abschnitte geboten, die dem neuen»Tag eine ernste Weihe. und einen tiefen Gedaickcn mit ans den Weg geben. Darüber wird das Sozial- und Wirtschaftsleben beleuchtet durch gedrängte Uebersichten rmd statistische Tabellen aus allen Gebieten. So ist dieser Abreißkalender zu einer kleinen sozialen Enzhklopädie geworden, die die bunte Reihe der Tage schmückt mit Edlem und Wichtigen. Jeder Tag wird so einige Minuten zur An- dacht, zum Nachdeilleii, zum Kunstgenuß, zu einem guten Wort oder zu einer neuen Kenntnis einladen— und mancher wird sich das beste daraus in eine Mappe sammeln. Der Preis ist 1,80 M. — Die S i e m e n s st i f t u n g. Bei der Fesifeicr, die zu Ehren von Werner Siemens.in' der Charlottenburger Technischen Hochschule am Mittwoch, den 13. Dezember, stattsand, wurde Mit- teilung von eiiidr' Sieinensslistüug' genracht. Alle drei Jahre soll cur. Riiift,- ein Lorbeerkranz ajff«Mieje Unterlage an Per- sonen verliehen werden, die sich hervorragende und ancrlännte Verdienste um die Förderung der Dechnik in Verbiahung.mit der Wissenschaft erworben. habe«. Der erste Ring wurde Professyr.Karl von Linde in München- zuerkannt, der die Wissenschaft durch seine Theorien der Wärme- und Kälteerscheinungcn besruchtetc und sie iprakiisch in seuicn Kälteinaschiiftii und. znr.-Verflüssigung der Luft' �verwertete.''\-1*■■■' �> i Die Stiftung will weiter das Andenken des Verstorbenen ehren und'die weitesten Schichten, mit verdienten Männern der Wissenschaft und. Technik bekannt machen.'" Ernst Abbe, der sozialgesinnte'Bc- gründer der Zeißwerke', soll zuerst dieser Ehrung durch eine Bio« graphie teilhaft werden.' j — Efl n e zeitgemäße Ausstellung soll in Brüssel der« ansiältet werden.' Die' Stadt hatte aus. der Genter Ausstellung von 1013 eine Sammlung von vennlichten Lebensmitteln zur Schau gc- stellt.' Die wird jetzt'— zeitgemäß ergänzt und dauernd bereichert— wieder erneuert. Sie soll ein Schandpiahl für alle die sein,- die sich gegen das Vvllswohl und die Bolksgesundheit. vergehen. 27] Ums Menschentum. Ein Schiller-Roman von Walter von Molo. Fritz Schiller hob das verinnerlichte Auge, mit glücklichem Ruhe lächeln sah er fern über den Bergen den Äbcndstcrn. Er empfand sich als ein totiid! deS Ganzen. Seine Seele lob- pries die Schöpfung, die dem Gestirn befahl, die Nacht dem einen Erdteil, das Licht dem andern, im Wechselspiel der Drehung, täglich iien zu schenken. Wie mild mar das Leben, das aus der Natur entwuchs! Und sie mar mächtiger als alle irdische Macht. Tag und Nacht wachte etwas über ihm, das stets' da mar: Gott, der Herr! Leiser rauschten und andächtig die Bäume, der rauschende Fall der Wasserspiele hinter den Gewächshäusern stürzte lang- sanzer, der Duft der Rose schwebte, hingegeben zum Preis deS Schöpfers, in der lauen Abendluft, die paradiesisch den ge- schorcncn Rasen überstrich. Wohlig und entspannt empfing alles den belohnenden Tau und ward Gefühl des Abends, Gefühl des Geborgenseins. Fntz Schiller'sas; aufrecht und es lohte in seinen Augen. Er war stark Ivie nie. Gefühl! Gefühl! — für Könige, für Große isl's geringe, Die Niederen besucht es nur— O Gott, du gäbest mir Natur, Teil Welten unter sie— nur, Vater, mir Gesänge I Ein schwerer Schritt knirschte auf dem Kiesweg. Lang- sam und schinerzlich kam Fritz Schiller in diese Welt zurück. Wer stahl ihm den Frieden, der so kurz gewesen war? Ten Hut im Arm,. stand unter der.Modeperrücke der Herzog vor ihm. Er musterte den bleichen Eleven mit stechendem Blick und stieß den Krückstock mit der Onyx- zivinge auf. „Bleib' Er.sitzen und laß' Er für heute, den Rockkuß! Er ist ja maftule« krank); das cntschllldigt Ihn!— Was macht Er mir für unangenehme Ehoscn? Er ist da, um den Geist zu bilden, nicht um siech zu liegen. Es fehlet Ihm ivahrlich an nichts bei mir; warum will Er nicht froh sein? Basedow könnt' Ihn nicht anders erziehen und die Ronsseanschen Prinzipien, soweit sie was taugen, sind die meiner Anstalt, auf die die Welt stehet. Herr' Voltaire ließ sich darüber berichten und lobte sie.— Ach halte Ihn fern von Sünde und Weltschlechtigkeit, Ach lasse Ihn aufwachsen unter Bauin- und Tierseelcn, damit* Er die eigene fände. Statt, daß Er jubilieret, hängt er den Kopf. Freiheit ist deS Menschen höchstes Gut, ich verschaffe! sie Ihm, ich befreie Ihn von allen Ketten der Sorge, selbst von den unsichtbaren, die am schwersten• lasten: vom Elternhaus!- Ich hab's am eigenen Leibe gesehen, wie die Familie die Persönlichkeit tötet; ich bin gegen Verwandte � und gegen meine Erzieher' zu Felde gezogen, mein Lehrer wurde gebüßt wie jeder andere, der mir widersprach... „Doch ich verzeihe als Philosoph. Ad exernplufn(zum Beispiel): gestern haben Wir Seinen Taufpat', der einmal gegen Uns häßlich konspiriert hat,' den Riegcr, in Ehren und Gnaden wieder aufgenommen, weil sich's für intelligente Menschen nicht geziemet, nachzutragen. Von inorgcn ab heget er nlir am Hohcn-Aspcrg die Gefangenen. Der einmal wilderte, ist nachher der beste Heger! „A. propos, was ich Ihm sagen wollte:- Seine Mutter hat A'hin Backwerk gesendet zur Heilungsfeier. Das muß Er noch heute zurückschicken! Schreib' Er dazu. Er verbitte sich in Hinkunft solche Jncomnioditäten von daheim. Ten Brief hat Er mir vorzulegen, ehe er abgeht. Zur Schlväche erziehe ich nicht; ich bin ein Mann von prinoipss I Ich kehr' mich an niemanden, an- gar niemanden, denn: an meinen Kopf. Er ist ein schlechter Schüler, aber ich vertraue doch Seinem iugenium; die Schulsäcke sehen nur, solange die Zeile reicht. Aber: mach Er mir's nicht so schwer, mich daran' zu ver- gniigen, andere glücklicher zu machen als ich es selber bin. Geh' Er unter die Menschen, schließ Er sich nicht ab: Leut- seligkcit ist das Sinnbild der Tugend.. Seh' Er mich!" Sinnend hob Karl Eugen den Stock und starrte' zer- grübelt in die sinkende Nacht.„Professor Abel sagt mir, daß Er einen guten Kopf für die Philosophie hätte. Denk. Er ein wenig für mich und quäl' Er sich, wenn Er' doch von mir lebet und durch mich Sein eigenes Denken grast; Er ist da für mich! Denk Er nach über das Thema, so Uns momentan beschäftigt. Weiß Er'was von der Standhaftigkeit' tugendsamer Frauen? Sind tugcndsameFrauen standhaft? Repondier'(antwort)Er mir auf die Frage mit all Seiner Kenntnis von innen und außen, so Er von alten Autors weiß;' die jungen verstehen nichts; ich Hab' mich überzeugt! Je mehr Er denket, desto gesünder wird Er sein. Er hat für die Arbeit noch drei Tage Kranken- urlaub. Lon«vir(Guten Abend)!" ' Langsam und gesenkten Hauptes wandelte Karl Eugen dem Kavalicrsbau zu.. Mit verschränkten Armen trug er den Hut auf dem Rücken und dachte an Franziska von Hohenheim. die so glcichniäßig kühl und begehrenswert blieb. Grübelnd und verlorenen Schrittes versank er hinter den ziigestutzten Hecken..-- - Knallrot war Fritz von Hoven im Antlitz, als' er in Schillers Frieden bra'ch:"-- i■"„Schiller, wir haben ein neues Buch!' Komm mit! Wir lesen es im Repetitionssaal. Der- Petersen. geht, herum'und' schreit. Weltgeschichte.vor, damit der NicS vermeinet, wir studierten gemeinsam; der Scharffenstein Pest vor, damit wir's alle hören. Den Kaps! dcr's Buch nicht gelten lassen Ivollte, weil er sagt, r hätte sich am Ende nicht umgebracht, den haben wir rauSactan!' Komm, o komm doch! /.Warum so grenzenlos an Gefühl und warum so eingeengt in der Kraft des Vollbringens.'" Fritz von Hoven verdrehte die Augen und zog den Freund heftig beim Arm. „Hoven? Stehet das im Buch? Wer hat'S geschrieben? Wie heißet das Buch?. Sag! O sag!" Fritz Schiller um- klammerte den Freund.'.'-■ � ..„Vom Goethe ist's,.der den Götz schrieb und heißet: Die Leiden des jungen Werthcrs." „Hoven! Hoven!!" Erschauernd stand Fritz Schiller, ein Schauder durchrann ihn, er verehrte sich selbst..„Hoven!" er riß den Freund fast zu Boden.„Den gleichen Gedanken Hab' ich mit Zaudern gedacht und wollte in Tränen zerfließen." Alles in ihni bäumte und warf Blasen. Soll'.i ch nicht berufen sein, wenn ich ähnliches denk', wie die Größten,'die ich verehre! Gib mir einen Stoff, und.ich.will glücklich sein! Einen Stoff!". 1„Deswegen komme ich!• Wir wollen zusammen-einen Roman schreiben ü in Werthcr und ihn Herrn Hang' senden. der zu Stuttgart das„Schwäbische Magazin" dirigieret. Der hat von der Mapia.Theresia,.ans die er ein. Gedicht gemacht hat/ den Dichterkranz bekommen> und ist kaiserlicher Hof- tind Pfalzgraf,' der den Lorbeer. vergibt, der muß unsere Namen ins Ausland tragen. Der Friedrich Hang muß uns bei' seinem Vater' protegieren. Der Petersen- und- der-Scharffenstein machen auch mit.- Sei du der Führer!"Wir wissen, du hast schon manches gedichtet. Ich mach'.die breiten.'Stellen und du � die kurzen; du hast"den dramätischcn, Schwung! Der Scharffenstein' ist der Lyriker, cr'hat's'selber gesagt!" „O Freunde, wo reißt- ihr mich hin! Die Ruhe ist still und einfach; größer als das größte Wort; ich häb's gefühlt! doch es sei;"ich spür'-in meiner Brust die Lbse! Ich will, ich will und es muß gelingen! /Mensch will ich sein, nicht Herzogsknecht!" .„Komm', komm'; wir wollen'heute noch beginnen.". >'(Forts, folgt.) wunfthen Sie auch um Fest jemand mit einem nützlichen und doch chnen Geschenk erfreuen, so wählen Sie gehos! eiir Ruhnle-Thealer-GlaS, eine Lorgnette oder einen Barometer, vor allem aber in geeigneten Fällen ein guicS Nuhnke- Augenglas. Sie werden damir stets Ehre einlegen, denn mit jedem Ziuhnke« Augengla» von M, 4,50 aufwärts ist die Nuhnke- Garantie verbundeir und die lautel auf Zuirieden- hcit, Sie erstreckt sich also nichi nur ans die Haltbarkeit, den rechten Sitz und mu die passenden Gläler, sondern Ivir verpflichlen uuö, den Empiänger aus alle Fälle zufrieden zu stellen, ganz gleich, ob Sie einen Nlemmer oder eine Brille siir 4.b(Z, 8.—, 10— oder 15— SfJ, in Gold-Toublb oder in echt Gold iii' M 20— bis M. 40— wählen. Tie Anpassung der Fassung und der Glüier auf Grund sorgfältiger Augenuntersuchung nehmen wir sehr gerne nack dem Feste vor. damit Sie den Beschenkten wirklich überraschen können. Kostenlos prüfen wir Augen rmd Sehkraft mit Sorgfalt und garantieren für passende Gläser solvie iür Haltbarkeit aller Fassungen von 4.S0M. au. 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Dlrolctiou: Aaoc liLinllurllr. 0eul5edes imitv. Deutscher Zyklus. 7'/, Uhr; Kabale und Liebe. Kammerspiele. 8 Uhr: Gespenstersonate. Volksbühne. Thealer a. Biilowpl. S1/« Uhr: STachtasyl. Theater i. d. Königgratzerstr. 8 Uhr: Erdgeist. Komödienhaus 8 Uhr: Der 7, Tag. Berliner Theater. 8 Uhr: Auf FIQgeln des Gssanges. Sonnabend nachm. ll1/« Ühr: T-lsl's mirchenrelse. Eessing-Theater. posseil. Theater. Direktion:> ictor Barnowsky, 8 Uhr: Cie beiden Klingsberg. Drei tag: Peer Gynt, Deutsch. Künstler-Theater. AllabendUch 8 Uhr: Moral. Komödie von Ludwig Thoma. URANIA Taubenstraßo 48/19. 8 Uhr; Skagerrak. önsere Joeliseeflotte im WellkFieg, Theater für Donnerstag;, 14. Dezember, Residenz-Theater Deutsches Opernhaus, Cbarlottcnb, 8 Uhr; Hoffmanns Erzählungen. (Gastsp. Herrn. Bosetti), Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. 8 uhr: Das Dreimäderlhaus. C«ebr. Hermfeid- Theater sv.u.: Der doppelte Buchhalter, Posso mit Gesang und Tanz. Kleines Theater s uhr: im Teetiseh. Komische Oper 8'/. uhr: Der Puszta-Kavalier. Lustspielhaus h'/.u.: Der selige Baidoin mit Henry Bender. Metropol-Theater 8 uhr: Die CsardasfOrstin. Sonntag 3 Uhr: Die Kaiserin. Neues Operettenhaus Kassentelephon: Norden 281. 8 uhr: Der Soldat der Marie. u�Die Warschauer Zitadelle. Schiller-Theater O. s uhr: Seine einzige Frau. Sehlller-Th.Charlottenbg. 4 Uhr: Schneewittchen. 8 uhr: Nofella d' Andrea. Thalia Theater. 8 uhr> Das Vagabundenmädel. Theater am Vollcndorfpl. 31/» Uhr: Die Anna Kdse. 81/, Uhr: Diane Jungens. Theater de» Wentens 3V( Uhr: Maria Stuart. 8 uhr: Die Fahrt ins Glück mit Guido Thielscher. Trianon Theater sv.u.:..... als Gast. Rose-Theater s'u u..- Das Glücksmädel. Wathalla-Thcatcr Das Musikanfenmädel. Täglich LH'. Uhr: De» Löwen Lrwachcn Knt oder weder Mollmann"» SciimnB. Admiralspalast. Das herrliche Kisballett 7» :au �antasie. Anf. 8'/, Uhr. S». 3, 4 M. Konzert- und Festsäle Telephon: Alexander 4314. Jnh. Paul Lbiglo. Koppenstr. 29. 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