Hr. 288.- 1916. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Sonnabtud, 16. Depilier. Serlin— öle dachgartenftaöt. LZiele Veränderungen, viele Entschlüsse zu Neuem im Rahmen be-Z öffentlichen Lebens— mag eS sich nun um Verwallungs- maßregeln, um Nahrungs», Wohnungs- oder Verkehrssragen handeln— find, wenn sie nicht aus den augenblicklichen Kriegs- umständen entspringen, doch geeignet und bestimmt, auch über die Kriegszeit hinaus gültig und wirksam zu bleiben. Dies gilt weniger von den Einschränkungen, als vielmehr von den Z�ort- schritten, die aus manchen Kriegsbestimmungen zu lesen sind. Denn unsere im Kriege gestalteten Gesetze und Verordnungen kennen nicht nur Verbote, sondern auch Zugeständnisse größerer Freiheiten. Einen solchen Schritt voran bedeutet— auf dem Gebiete der bau- polizeilichen Verordnungen— das stark erweiterte Recht der Anlage von Dachgärten in Berlin. Luft, Sonne und Grün sind drei Grundbedingungen für die Ge- sundheit des Körpers und der Seele; Luft. Grün und Sonne sind ober zugleich die drei Elemente des primitiven Lebens, die dem Großstädter verhältnismäßig am meisten versagt bleiben. Ganz be- sonders der Berliner liebt das Grüne, und wenn er es an manchem strahlenden Frühlings- oder Sommersonntag mit Stullenpapier be« deckt, so bedeutet auch dies nichts weiter als eine wortlose Handlung, t>ie nur wegen Platzmangel und Ueberfülle rhr Symbol im auf- gehäuften Butterbrotpapier am Waldrand und Wiesenabbängen findet. Denn Platzmangel ist die ständige Krankheil fast aller Millionen- siädte— je größer die Stadt, desto größer scheint auch der Platz- Mangel zu sein. Auch Berlin und die Berliner kennen dieses Uebel. Wir be« sitzen zwar den Tiergarten und einige wenige Gärten, aber sie sind nicht zahlreich genug, um von allen Schichten. auS allen Stadtteilen ständig ausgenutzt werden zu können. Darum wurden die vielen Laubenkolonien angelegt, die namentlich der unbemittelteren Bevölkerung den Garten ersetzen sollten. Aber die Laubenkolonie hat naturgemäß den Fehler der unzentralen Lage— sie aufzusuchen, ist meist selbst ein kleiner Ausflug. Doch noch gibt eS für die Großstadt zwei andere Systeme, um der Allgemeinheit der Bevölkerung den ständigen Genuß von Lust, Grün und Sonne zu gestatten. Diese beiden Möglichkeiten heißen: Einfamilienhaus und Dachgarten. Das Einfamilienhaus hinwiederum verlangt besondere Vorbedingungen der Bodenbilligkeit, der Arbeits- und Zeiteinteilung, und bleibt auch dann noch für sehr Viele ein vorläufig nicht erschwinglicher Luxus. Die ideale Lösung ist der Dachgarten, der aus jedem entsprechende Flächen bietenden Hause angelegt werden kann. Der Dachgarten hat zweifelsohne die Zu- tunft für sich. Die Stadt der Zukunft wird die Stadt der Dach- gärten, der.hängenden Gärten"'— die Stadt der Semiramis sein. Bisher war in Berlin die Anlage von Dachgärten baupolizei- lich nur in verhältnismäßig wenigen Einzelfällen gestattet. Fast immer nur im Westen, in der Gegend des KurfürstendammS, wo es keine industriellen Gebäude gibt und wo neue Wohnhäuser mit zum Teile flachen Dächern, besonders für Dachgärten geeignet schiene». Damit war aber nur sehr wenigen Famtlien gedient und zwar meist solchen, die sich ohnedies kostspieligere Ausflüge und Badereisen zu gönnen Pflegen. Nunmehr hat endlich ein baupolizeilicher Erlaß verfügt, daß vom kommenden Frühjahr ab die allgemeine Anlage und Benutzung von Dachgärten im ganzen Bereiche Groß-Berlins gestattet, ja sogar gefördert werden soll. Man ging hierbei anscheinend von der Er- wägung aus, daß die größeren Anstrengungen der arbeitenden Be- völkerung auch größerer und allgemeiner Erholungsgelegenhesten bedürfen, und von der Möglichkeit, auch die Ernährung des Durch- schnitlshausstandes auf diese Weise nicht unerheblich zu erleichtern. Denn warum sollte man auf einem Dachgarten nicht Kohl. Rüben, Salat usw. pflanzen, warum sollte man auf dem Dachrasen nicht Hühner oder Kaninchen halten können, die immerhin, trotz einzelner Versuche, nicht dre geeigneten Geschöpfe als Wohnungs- und Zimmer- genossen sind?... Der Dachgarten entspricht den KriegSbedllrfnisien und dient auch den Friedensfreuden. Er birgt in sich eine ganze Anzahl von.Er- satz'-Möglichkeiten. Er ist ein Gemüsemarktersatz, ein Hühner- und Kleintterhof und eine.Laubenkolonie im oder besser auf dem Hause". Im Frieden aber werden an Stelle der Kohlköpfe und Mohr- rüben vielfach Rosen und Nelken erblühen, zwischen denen die Kinder — ohne das Haus zu verlassen— einen ebenso gesunden wie un- gestörten Spielplatz finden. Und wenn die neuen Häuser flachere Dächer erhalten, kann Berlin eines Tages wirkich einer.Stadt der Semiramis" gleichen, einer Stadt, die von Blumen und Grün ge- krönt ist, von Laub und Pflanzen, die zwischen Schornsteinen und Schloten gedeihen, Ruß, Rauch und Ausdünstungen des Groß- stadlbetriebeS neutralisieren und oben gut machen, was unten ge- sündigt wird. Wenn in der Tiefe nach wie vor Lärm, Dunst und Asphaltgeruch herrschen, werden die Dächer, dem Himmel nah, im wahrhastigsten Sinne de» Wortes ein.Auswärts" bedeuten, ein »Oben", das besser, reiner und schöner ist. Arbeit als ehanölungsmittel für nervenkranke Soldaten. Theoretische Erkenntnis und praktische Beobachtung haben in allen großen Lazaretten Deutschlands verhältnismäßig schnell die Einführung von Arbeitskursen zur Ergänzung der rein ärztlichen Behandlung gezeitigt. Es ist bekannt, daß z. B. die Kriegs- beschädigten in besonderen Werkstätten von neuem im Gebrauch ihrer körperlichen Fähigkeiten geübt und, wenn nötig, in neuen Berufsarten unterwiesen werden. Für die Behandlung der nervenkranken Soldaten war aber bis vor kurzem die sogenannte Arbeitstherapie noch nicht regelrecht in Anwendung gebracht worden. Daß aber Arbeit den Zustand Nervenleidender günstig zu beeinflussen vermag, war schon im Frieden in den Irrenanstalten bekannt, wo die Patienten systematisch zu regelmäßiger, meist landwirtschaftlicher Arbeit verwendet wurden. Nunmehr wurde, wie der Stabsarzt Dr. PH. Jolly im neuesten Heft der„Deutschen Medizinischen Wochenschrift" ausführt, in einem Nürnberger Re- servelazarett der Versuch gemacht, durch Heranziehung der Patien- ten zu Arbeitsleistungen die Heilung zu fördern. Für Nerven- kranke hatte zuerst Prof. Wollenberg in den Straßburger Nerven- lazaretten Einrichtungen zur Beschäftigungstherapie getroffen; auch in einer Filiale der Bonner Klinik werden landwirtschaftliche Arbeiten von Nervenkranken ausgeführt. Nunmehr wurde das Nürnberger Reservelazarett besonders für diesen Zweck eingerichtet. Es wurden Werkstätten und Lehrräume geschaffen, so daß folgende Einrichtungen zur Verfügung stoben: eine mit fünf Hobelbänken ausgestattete Wcrkstätte für Holzbearbeitung, eine Werkstätte für Metallarbeiter, in der zugleich kunstgewerbliche Treibarbeiten aus- geführt werden, ein Saal für Bauhandwerker und schließlich ein kunstgewerblicher Saal für Maler, Lackierer, Bildhauer und ähn- liche Berufe. Außerdem unterrichtet ein akademisch gebildeter Kaufmann die Kranken in den verschiedensten kaufmännischen Fächern. In dem in Frage stehenden Lazarett befinden sich keine aus- gesprochenen Geisteskranken, dagegen werden dort verschiedene Formen von Neurosen, Psychopathien und organische Schädigungen des zentralen oder peripherischen Nervensystems behandelt. Der Zweck der neu eingeführten Arbeitsmethode ist ein doppelter. Erstens sollen die Nervenkranken von die Heilung verlangsamen- den Gedanken und Betrachtungen abgehalten werden, systematisch erneutes Interesse für das praktische Leben fassen und so— was von besonderer Wichtigkeit ist— wieder ihr altes Selbstvertrauen gewinnen, und zweitens sollen sie dazu erzogen werden, durch Ge- wöhnung an die Arbeit die frühere Leistungsfähigkeit in ihren Be- rufen wiederzuerlangen. Zu diesem Zweck wird so verfahren, daß man nach Möglichkeit jedem Kranken eine eigene, von Anfang bis zu Ende möglichst selbständig durchzuführende Aufgabe stellt. Nach den von Dr. Jolly angestellten Beobachtungen über das Verhalten der Nervenkranken zu dieser Arbeitsbehandlung � lehnt nur ein kleiner Teil die Betätigung ab. Unter keinerlei Umständen wird ein direkter Arbeitszwang auf die Nervenkranken ausgeübt. Der überwiegend größere Teil der Nervenkranken, vor allem die Hysteriker, nehmen die Arbeitsgelegenheit gerne auf, und die �Er- folge sind unleugbar. Schnelle Besserung wurde bei nervösen Erschöpfungszuständen beobachtet, und bei den Arbeitenden wurde das Auftreten hysterischer Krampfanfälle merklich seltener, um in vielen Fällen schließlich ganz auszubleiben. Auch leichte Psycho- pathie, Versttmmungszustände usw. werden mit: Hilfe, der Arbeit beseitigt. Daher läßt sich schon jetzt sagen, daß eine systematische Durchführung der Arbeitstherapie viele Nervenkranike,'die bisher auf Lebzeiten wenigstens teilweise geschädigt blieben, heilen dürfte. kleines Feuilleton. Der kriegslieferant. Du wohntest irgenwo am Friedrichshaine. Auf deiner Ehe ruhte Gottes Segen (sechs Kinder). Deine säuerlichen Weine ernährten nebst Versicherungsverträgen, den Renntips, auch wohl einem Spielchen.Meine nnd deine Tante" dich noch allerwegen. Bald hattest du nichts, bald hatt'st du blaue Scheine. Oft sah man deine Frau die Treppe fegen. Doch als der Welt vor Angst die Pulse stocke» wirfst du dich auf die Wtarte„Suppenlrafl"—. Da stieg dein Stern! In der Gemahlin Locken blitzt die Agraffe auf dem Band von Tast. Von Paulchen Thumann, Stoewer und Van Gocken hast du dir schnell das Nötigste errafft. Und läuten einmal uns die Friedensglocken: Was kost' Berlin?— Du hast das Ding geschafft! (Theob, Tiger in der„Schaubühne".) /lus der Geschichte öes Erdöls. Neben der rein militärischen und politischen Bedeutung des Siegeszuges in Rumänien ist, wie auch die Entente zugibt, der Besitz der rumänischen Petroleumquellen für uns von größter Wichtigkeit. Unser Durchhalten wird damit ganz wesentlich erleichtert, denn unsere Feinde rechneten nicht nur darauf, daß uns die Nahrungs- mittel ausgehen könnten. Diese Hoffnung mußten sie bereits ziem- lich aufgeben. Dafür trösteten sie sich damit, daß wir allmählich Mangel an bestimmten Betriebsstoffen haben müßten. Vor allein handelte es sich um Benzin und Schmieröle, die aus dem Rohpetroleum gewonnen werden. Damit sind wir nun mehr als genügend der- sehen, ebenso wird auch dem Mairgel an Brennpetroleum abgeholfen, unrer dem wir, trotz Gas und elektrischem Licht, immerhin zu leiden hatten. Gekannt hat man das Petroleum schon sehr lange, teilweise bereits in vorgeschichtlicher Zeit. Doch wußte man kaum etwas damit anzufangen. Das Steinöl oder Bergöl, Oleum petrae, war früher als Heilmittel besonders gegen Rheumatismus in Gebrauch, und auch als Wagenschmiere hat inan es verwendet, sofern es dazu nicht zu teuer war. In Amerika schöpfte man es aus den Quellen mit wollenen Decken nnd vor 100 Jahren kostete ein Liter davon etwa 20 M. Am 27. August 1859 wurde das erste Bohrloch in Amerika bei Titusville von einem gewissen Drake angelegt und dann begann das„Oelfieber", das dem berüchtigten.Goldfieber" kaum nachstand. Bettler wurden über Nacht zu Millionären, Städte wuchsen aus der Erde und in der Mitte der sechziger Jahre trat auch das Petroleum seinen Siegeszug an und verdrängle alle die dürftigen Lichtquellen— Talg, Stearin, Nüböl usw. Wir können also in der Gegenwart ungefähr da? fünfzigste Jubiiäuin der Petroleumbeleuchtung feiern. Es wurden bald auch andere Quellen, außer den anfangs allein beachteten amerikanischen. erschlossen, oder, sofern sie bereits in Betrieb waren, erst richtig aus- genutzt. In Lemberg versuchte man schon seil 1843— Lukasiewicz und Zeh waren die Urheber— die palizischen Quellen auszuarbeiten. Man nannte dort das Erdöl„Ropa". Seine Gewinnung und Reinigung kam aber ebenfalls erst durch die amerikanische Oelindustrie in Fluß. Die galizischen Oelquellen gehören zu einer großen Oelzone, die sich durch ganz Galizien sowohl in die Bukowina als gegen Schlesieir nnd Mähren hin und endlich in die Moldau und Walachei herein erstreckt. Ihrem Gebiet gehören also die für uns nun so wich- tigen Quellen bei Ploesti usw. an. Die Frage, woher eigentlich das Petroleum, das sich hier und anderwärts anscheinend in mächtigen Lagern unter der Erde befindet, stammt, ist noch nicht durchaus einwandfrei beantwortet. Doch scheint soviel festzu- stehen, daß wir es mit VerwesungSproduklen teilweise pflanz- licher, vor allem aber tierischer Nanir zu tun haben. Massen- gräber von Meerestieren, deren stark fetthaltiger Organismus sich in Erdentiefen zersetzt, sind es wohl, denen wir das wertvolle Produkt verdanken. Auf den verschiedenen Ursprung deutet auch der Umstand, daß die verschiedenen Erdöljorten, wie man sie außer in Amerika und Rumänien resp. Gatizien, in Hannover, im Elsaß, in Japan, aus den Sundainseln usw. findet, eine durchaus verschiedene Zusammensetzung zeigen, nicht zwei Perroleumsorten, selbst� wenn ihre Fundstätten nahe beisammen liegen; liefern auch nur ein ähnlich zusammengesetztes Oel. SZutizeB. — Eugen Reichel, der unermüdliche Vorkämpfer Gott- vscheds, ist in Schwcverg im Atter von 63 Jahren gestorben. Er hatte seit. 1!� Jahrzehnten einen Riesenfleiß eingesetzt, um das Andenken des großen poetischen Bakelmeisters zu retten. Und er hat in der Tat es noch erlebt, daß das allgemeine Urteil über Gottsched ein anderes geworden ist. Man begreift ihn heute aus seiner Zeit und sieht ihn nicht bloß mit den Augen der Späteren, die auf seinen Schultern standen. Um die Schaffung urrd Verbreitung einer gc- reinigten deutschen Schriftsprache hat sich der im übrigen gänzlich verstandesmäßig arbeitende Gottsched— sobiel steht heute fest— erhebliche Verdienste erworben. — Verhaeren— Verächter de? FlämisSen. Der große Lyriker Verhaeren war trog seiner flämischen Abstammung nnd trotzdem in seine Kunst das Germanische voll strömte, em er- klärter Gegner flämischer Sprache und Literatur. Er schrieb nur französisch und behauptete, wie die„Köln. Ztg." mitterlt, die flämisch- niederländische Sprache habe in der Vergangenheit nichts an Wert- vollem hervorgebracht und ermangele für alle Zukunft der künst- leriichen Bildsamkeit. Mit Maeterlinck, der nr ähnlicher Weise von dem„abstbeuli-ben Wirrwarr barbarischer Dialekte" gesprochen hat, bekämpfte Verhaeren auch die flämische Hoch- schule schon vor dein Kriege und sah mit diesem die Zeit gekommen, wo sich Flandern ganz der fralizösischen Kultur hingeben werde. Die„Köln. Ztg." vergleicht dieses Fehlurteil, das aus der Hin- gäbe an eine fremde Kultur erwächst, nut den irrigen Anschauunge» Friedrichs II. von der deutschen Sprache, die noch zu seinen Lebzeiten so klassisch widerlegt wurdem_ 29] Ums Menschentum. Ein Schiller-Roman von Walter von Molo. „Scharffenstein. Gott muß mir helfen, denn er ist barm- herzig. Du hast recht: er wird mir helfen! Ruhig werd ich dereinst vor seinem Throne stehen, wenn die Posaune ruft. Dann will ich hellen Blickes vortreten und sagen: O Herr, das Pfund, das du mir gabst, ich Hab' es redlich gemehret zum Wohle der andern. Scharffenstein, Scharffenstein und Er: ruhend auf seiner Wolkenbank! Wird er mir verzeihend winken und mich eingehen lassen ins Land der ewigen Selig- keit, weil ich mir treu war und wahrhaft lebte? O Scharffcn- stein, meiner liebsten Freunde Allerliebster, steh' mir zur Seite im grausen Jammertal, auf daß ich Kraft finde zu wider- stehen den bösen Mächten. Sei mein Freund für ewig und immerdar und glaub' an mich!" Krampfhaft umfing er des Freundes starke Faust. Als er das besonnene Feuer in den treubewundernden Augen sah, wollte er andächtig und dankbar die Hand küssen. Doch der Freund zog ihn an die Brust und strich ihm seine heiße Stirn, hinter der ein Krater dampfend qualmte, der stürmischen Aus- bruch vorbereitete. Sie saßen schweigend, bis das Blut wieder ruhiger strömte. „Hast du meinen Eroberer gelesen? Was sagst du dazu, Scharffenstein? Dem Hoven gefällt er nicht; dem ist er zu wild I" Schillers Blick bohrte und wühlte im Freund. „Er ist schön und hat Kraft für drei. Kraft kann ich nicht tadeln! Ich meine, Schiller, die Welt wär' besser, läse und beherzigte sie deinen ehernen Worteprall. Man höbe die Menschheit höher, wenn Ehrgeiz und Ehrbegier schwänden." „Und das Versmaß? Die Bilder? Sitzt jedes Wort am andern? O sag I Der Petersen hat drüber weggelesen, als glaubte er nimmer an mich." .Ich glaub' an dich!" „O Scharffenstein!" Vor innerer Erregung schluchzend umfing er aufs neue den Freund.„Du glaubst an mich! Weißt du, was das Wort in meine Adern gießt? Zehntausend Höllen reißt es ein und tötet den pestilenzialischcn Anhauch der Kleinmütigen. Es schmeißt die Pygmäcnbrut ins Dunkel und gibt mir Kraft." Er ballte die Faust, daß der magere Arm erzitterte; unter den buschigen Brauen schoß ein fremder Blitz hervor.„Kraft! Kraft! O Ewiger, ich fühl' mich am Grabesrand noch einmal so stark und die Harpyen weichen! Scharffenstein, Scharffenstein, ich muß ein Dichter werden, dessen Name durch die Welt läuft. Aus diesem Schwaben- Hirn muß sich ein Werk aufbauen in die Ewigkeit, und ich werd' das ragende Haus den Menschen schenken, damit sie wohnen in Freiheit; ich aber � will dann still beiseite gehen und weinen vor Glück, das ich Armer schenken durfte, weil es mir selber versagt war." � „Du bist groß, Schiller!" „Doch ich sitze da und erlebe nichts! Scharffenstein, ich sitz' in Papieren, statt in der pulsenden Welt, deren eisernes Räderrollen ich kaum höre. Heißes Wollen und Eingeengt- sein rennen wider einander an in mir. Lasest du Klingcr? Wie die feindlichen Brüder, Karl, der Edle und Kühne, mit der Brudcrkanaille, voll Heuchelei und Feigheit, kämpft, so kämpft Gutes und Böses in mir und ich kann'S nicht gestalten, weil ich nicht Ruhe der Betrachtung Hab'. Meinen „Studenten von Nassau" Hab' ich- verbrennen müssen; man hat mir zu oft hineingetronimelt und hincingelärmt mit unnötigen Dingen; sonst Hütt' ich früher klar ge- sehen: ein Libertiner(Freigeist) darf nicht durch Selbst- mord enden. Gib mir die Fassung der Ruhe, die gefestigte Gelassenheit im Schicksalswalten, die Fähigkeit, falsch zu sein und anders zu reden als zu denken. Das Rück- grat, daß ich nicht zittre, wenn der Seeger winkt. Wie des göttlichen Beaumarchais' Anschleichen in der hinterhältigen Rede, so muß des Dichters Wesen sein! Göttlich, göttlich ist das gebracht. Scharffenstein! Wie ein heuchlerischer Schmeichler und Schuft benimmt er sich, um Gutes zu wirken. Wer das so könnte! Wer die behagliche Temperatur des Gemütes hätte I Wer daS Geld oder die Macht dazu hätte oder: nein, laß' mich leiden, aber gib mir einen Stoff. Scharffenstein; zehn Jahre meines kurzen Lebens, mein letztes Hemd, für einen Stoff, an dem ich mich weisen kann! Ich bin wer, vertraue mir I Ich darf dir ja glauben, Scharffenstein. Scharffenstein. wenn sie in mir läsen! Wenn sie in mich sähen! Gott wird mir viel zu verzeihen haben, denn ich sündige viel in jähen und wilden Gedanken I Doch: ich will Gutes!" Mit der Hand fuhr er die schwcißnasse Kehle entlang; seine Rede ging nun in scheuer Freude bebend, an die ringen- den Mächte in ihm, die nicht mehr zur Ruhe kamen.„Wohin reißt ihr mich noch, stürniischc Gefühle? Wollt ihr mich segnend ins Verderben schmeißen? Es sei! I" Und er breitete strahlenden Auges die Arme.—„Scharffenstein. Scharffenstein! Trau' mir und keinem andern! Halt zu mir und in einer kleinen Weile liegt die Welt uns zu Füßen I" Im sehnenden Ucbcrschwang umarmte er den heißgeliebten Freund, sie küßten sich— eine unschöne Stimme riß sie aus- einander. „Kommet hinunter in den Saal, ihr Verliebten! Eine Neuigkeit! Die Akademie ist nach Stuttgart verlegt! Wir übersiedeln!" „Von lvem weißt du'S, Boigeol?" „Kühlt euch erst ab l" Er stob mit anzüglichem Lachen zur Tür hinaus. „Boigeol ist kein edler Mensch! Scharffenstein, hüte dich vor dem!" Schillers Augen warnten. „Juchhei!" Ter Kaps sprang durch die Tür herein.„Nun kriegen meine Fähigkeiten die große Welt, die sie zur Ent- faltung brauchen I In Stuttgart mach' ich Karriere I Dort gibt's Weiber, die einen kräftigen Kerl soutenieren! Und dein Vater, Schiller, wird Garten-Jntcndant auf der Solitüde! Weißt du's schon?" „Scharffenstein!!" Fritz Schiller preßte hocherregt, in jäher Angst, des Freundes Hand.„Ich Hab' seit Tagen nicht an zuhause gedacht. Das gab es in mir noch nie! Vater und Mutter vergaß ich über dir. Scharffenstein! Sprich mich ledig durch dreifache Lieb'! Scharffenstein! I" Korti. iolat.) Direlttion: Max Heiniardt. Deulselies Theater. Deutscher Zyklus. T'/a Uhr: liantonH Tod. Kaniraerspiele. S Uhr; 4><>M|i(>n«iterMoiiatc. > eiliKbiiliiio. Theater a. Biilowol. fc1/« Uhr: Ein Sommcrnachtstraum. Theater i, d. Königgrätzerstr. 8 Uhr: Krdgeist. Komddienhays 8 Uhr: Oer 7. Tag. Berliner Theater. S Uhr: Auf Fiüneln des Gesanges. Heuto o'/j Uhr: I/isU» IHftrclienreiac. Sessma-Theafer, DireUtion: Victor ßarnowsky nowsky. Julius Cäsar. duilu« t iisitr. ßentseh�ilusiler-Theater. Moral. 7'/, Uhr: Sonntag: Alhthendlich 8 Uhr: Komödie von Ludwis Tlioma. URAMIA Tauhcnstraße 48/19. 8 Uhr: Skagerrak. Unsere Hochseetioite te Weltkrieg. Theater für Sonnabend, 16. Dezember. Resideriz-ThealeF u�:Die Warscter Zitadelle. Üenfschcs Opernhaus, Charlcffenb. 8 uhr: Bie toten Augen. Friedrich-Wilbelmstädt. Theater. o1/, Uhr; Oer Troubadour. 8 uhr; Das Dreinräderihaus. Vehr. Herrnfeld- Theater sv.u.: Der doppelte Buchhalter. Posso mit Gesang und Tanz. Kleines Theater s utr: im Teeliseh. Komische Oper tv.uhr: Der Püszta-Kavalier. ßount. 3'/. Uhr; Der Hiittenbcsilzer. Lustspielhaus 3'/« Uhr: Die deutschen Kleinsiütjter. 81/« Uhr: Oer selige Oaldulu Sonntag ö'.'s Uhr; A'ora. Metropol-Theater 4 Uhr: Frau Holle. 8 uhr: Die Csardasfürstin. Sonntag 3 Uhr: Ole Kaiserin. Neues Operettenhaus Kassentelopbon: Korden 281. 8 uhr: Der Soldat der Marie. fSchiller-ThesitcP O. 4 Uhr; Saecsvittchcn. 8 Uhr: S&s Aller. Schiilcr-Xh.Churlottenbg. s uhr: Seme einzige Frau. Thalia-Theater. 4 Uhr: Asehenbrildel. 8 Uhr-: Das Vagabututozinädel. Theater am K'ollcndorlpl. ö1/. Uhr: Schnecivittclien. ä'l, Uhr: Klaue Jungens. Theater des VTcstcns 1 Uhr: HorurSscIicn. 8 uhr: Die Fahrt ins Glück mit Guido Thielscher. Tri an o a-Th eater 4 Uhr: föncowittehon. S'/j Uhr:... als Gast. Hose Theater 4 Uhr: EiskSnig und Goldppinzcssin. 8 Uhr: Oas Glüciisiuädcl. Walhalla-Theater s uhr: Das Musikanlenniädei, Voigt-Theater. Badstr. 58. ßadstr. 58. Täglich: fesii öie Sieiesploeleii IHM. Eonnf. 811. abcnds. Lot goldsneDuch. Svnnt.üll.: D.Tocht. d Herrn Fabricius Ab ÜJiontng: Spottvögel. 5Iaf)cncröf[nung 7 Uhr.'Anfang 8 Uhr. Reiehshallen-Tliealer. Stettiner Sänger. Friedensglocken. Zeitbild Bon Heycel. Ansang 8 Uhr. Morgen nachmittag 3 ttlir: (Etmäg. Preise) Weihnachtsabend i. Schützengraben Clrcus M iisck Casino-Theater, Lothringer Str. 37. Täglich 81/, Uhr Einzig in seiner Art: Tie Schlager-Posse dieser Spielzeit Zwei helle SerÜMr Berliner Figuren! Berliner Humor! Vorher erstklassige Epezialiiiite». Sonntag 4 Uhr: litaihnsciitsurlaub. Tiigl. 8 Uhr. Lotmt. 3>/,u. 8 Uhr. 8eu»atlou b- Gastspiel Habel Ha; Yong uad da* groSe, neu» Dezember- Programm. Sannabend L gr. Vorslellungen: öTiHeini WelnsEiitsiBaBBfar � WeihnachtSmärch.i.OA.! � i2 i;;; aitib"4Sfwi Weitere halbe Preise. hl- Bie Geierprlazessis. ül Märch.-Prnnk-Panlomime i. 5 Akt. In beiden Vorslellungen vorher: Das groBartigo Dezember-Progr. U. o.: Afra, das Stadtgespräch. Hat it. Korlfz. b. Iftg. Shänd.ikünstL 3 fficschlu. Schenk,(frjcnir.-Sltvob. Possen- Theater. Täglich 8'/i Uhr: Des l-üwcii Erwachen Ent oder weder Hottmann'M MchiuuB. Admiraispaiast. Das herrliche Eisballott �frsu �antaste. Aufruf. Zur Erbschastsieguliernng der oer- sioibenen Pnuline Schmidt zu Korst wird der oor 27 Jahren in die slreinde gegaiigene Weber Julius Robert Schmidt oder dessen etiva oorhandenen Kinder ooui Tef'.a'.nentSBolls'.rccker ausgc- sordcrs, sich bald zu melden. Iran Anna Pfeiffer, Forst(isausih), Vahnhosstr. 70. Gänse Stück 37 Mark so, Hoyenstralie 26. stehen z. Hunderten täglich zum Aus, suchen, schlachlreise sosoit zum Verlaus. 123/12 8peÄslsrÄ Dr. med. Wockenfuß, Friedrlslisir. 125(Oranienb. 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