sit 2B9- 1916 Unterhaltungsblatt öes Vorwärts RbylbniuS einer von innen her bewegten Handlung anpaßt und Charaktere schafft, die ihren Kern im Handeln offenbaren, flutet im Werke Büchners uferlos tumultuarisch hin. Der Prozeß der Gärung ist da. che noch ein gegliedertes Gebilde sich kristallisieren konnte, abgebrochen. Büchners Inspiration lehnt sich, nach der Losung, die einst die Sturm- und Drangperiode gab. nicht nur gegen äußere Regeln, auch gegen die Forderung zusammenhängender und klarer Aus- gesialtung auf. So kommt das Drama bei aller Kühnheit in dem Wollen über die Zerstreutheit einzelner farbiger Eindrücke und Stimmungen nicht hinaus und fügt sich zu keinem einheitlichen Bau. Der Gegensatz von Dantons urwüchsig originaler Person- lichkcit. seiner inipoiiierenden, wenn auch durch einen Einschuß sinnlicher Genußsucht und zynischer Skepsis gedämpften Kraft, zu dem ganz doktrinären Robespierre, dessen blinder in oie Wahnideen des blutigen Schreckensregimenls eingesponnener Fanatismus den geistig überragenden Rivalen zu Fall bringt und auf die Guillotine schickt, verquickt sich in dem Schauspiel mit einem solchen Maße von anderen Zügen, daß das historisch und menschlich Bedeutsame jenes Kontrastes nicht zureicht, die Spannung bis zum Ausgang fest- zuhalten. Bei allem Abscheu Büchners vor dem Terrorismus, der sich in RobespierreS und seines Anhangs Charakteristik, wie in der Aus- malung der Bolksszenen ausspricht, war der junge Dichter ein be- geistertcr Anhänger der revolutionären Sache. Noch mehr: einer der ersten, die den sozialen Kampf als Kampf der Massen wider die ausbeulenden Klassen entfesseln wollten. Erst ein- undzwanzigjährig gründete er 1884 an der Gießener Universität den geheimen„Bund der Menschenrechte' und sandte seine berühmt gewordene Flugschrift, dem.Heisischen Landboten" mit dem Motto: Friede den Hütten, Krieg den Palästen, vielleicht das früheste literarische Dokument des Sozialismus auf deutschem Boden— ins Land hinaus. Täglich seine Gefangensetzung er- wartend, hat er in fünf Wochen fiebernder Arbeit sein Drama aufs Papier geworfen. Noch nicht fiebenundzwanzigjährig raffte den rastlos Schaffenden in Zürich der Tod dahin, vernichtete die Fülle all der Keime, die nach Entfaltung drängten. Raichen Fluges, mit einem bei Reinbardt ja g-wobnten phan- tanevoll-stimmungSmätzigen Arrangement der Massenszenen zog daS Schauspiel auf dem Deutschen Theater vorüber. Der erste Auftritt iührt den großen RevotutionSmann vor, wie er im Kreise seiner an dem Spieltisch versaminetten Freunde, des Politisierens müde, von einem leichte» Dämchen ihre Abenteuer sich erzählen läßt. Eine Verdunkelung der Bühne— und unter gellendem Geschrei ver- wandelt sich das Bild leichtherzigen Genusses in ein Gemälde der furchtbar nahen Not des Volkes. Em Betrunkener will seine Tochter. die ihn init ihrem Prostituiertencrwerb erhält, prügeln. Jobtend drängt sich die zecluinple Menge, rote pbrygiiche Mützen auf den Häuptern, um den Alten. Ein in den Schwärm hineingeratener Aristokrat soll zur Strafe für seine heilen Kleider an der Laterne baumeln und entwischt dem Tode nur im letzten Augenblick. WaS nützen Euch, so ruft ein Straßenagitator. die abgehakten Aristokraten- köpfe, wenn Euere Röcke voller Löcher, Euere Mägen leer und hungrig bleiben. Mut und Lerzwcifluno mischt sich mit auigereglem Lachen und dem Tctuz der Karmagnole. Noch steht der Name Danton, der, als der Anmarsch feindlicher Heere das revolunonäre Frankreich be- drohte, in dem Konvent das Stichwort für den Terror gab und die Septembermorde vorbereitete, bei der Menge hoch in Guiist.— Iii der Darstellung des Rliigens, da§ sich zwischen RobeSpierre und ihm entspinnt, folgi der Verfasser wesentlich dem Gange der geschickt- lichen Ereignisse. Vergebens sucken Danions Freunde ihn aus seiner Sorglosigkeit aufzurütteln. Er steigert die Gefahr noch, indem er den Gegner tödlich beleidigt. In großen Massenbildern entrollt sich das Treiben revolutionärer Klubs und des Konvents. RobeSpierre und Saint Just besteigen die Tribüne und fordern die Bestrasung des Verdächirgen. Wir sehen Danton vor den Schranken des Ge- ricklS, wie er mit Löwenkrast sich wider die Verleumder wendet und auf Koiivcntsbefchl verstummen niuß. Aber die Häufung der politi- schen Massenszenen, soviel Bühnenkunst in ihren Dienst gestellt war, tat ihrer Wirkung Abtrag. Namenilich zum Schlüsse hin wären ein- greisende Streichungen erwünscht gewesen, Die Ueberlegenhcit und Kraft des Helden gelangte in dem Spiele Bonns voltrefflich zur Vetkörperung. Decarli als Robespierre ging im Pedantischen für mein Gefühl zu weit und dehnte seine Worte allzusehr durch Pausen. Sehr eigenartig war der mädchenha't gezierie, mit honigsüßer Stimme seine blutigen Theorien entwickelnde St. Just des Herrn Werner K r a u ß. Die zahllosen anderen Rollen boten nur in geringerem Maße die Mög- lichkeit einer individuellen Ausgestaltung. Am Schlüsse wurde Reinhardt stürmisch gerufen. ckt. Der Hunger als Erneuerer öes Organismus. Daß der Hunger Schmerz bereitet und ermattet, ist gewiß keine unbekannte Tatsache. Er ist ein Warnsignal des Körpers, nicht unter das für die Fortführung der Lebensprozesse notwendige Maß an Nahrungsstoffen herunterzugehen, das bei Nichtbcrück- sichtigung seiner Forderungen zum stürmischen Läuten an allen lebenswichtigen Kträngen werden kann. Der umgekehrte Fall, bei dem dem Hunger die Rolle zufällt, ein kritisches Stadium in /der Entwicklung des Organismus überwinden zu helfen, tritt beim Menschen in nur sehr übertragener Weise und� nur als außer- gewöhnliche Erscheinung auf. Immerhin vermögen in manchen stagnierenden Krankheitszuständen verständig angewandte„Hunger- kuren" eine— wie die ältere Medizin gesagt hat—„Reinigung der Säfte" zu bewirken. Die Funktion des Hungers wird aber in krassem Maßstab in all den Fällen bestätigt, wo eine bereits eingeschlagene Enttvicklnug nochmals abgebaut und umgelenkt werden soll, so bei der Verwand- lung der Amphibicnlarven in das eigentliche Stammtier und ebenso bei der Metamorphose der Insekten. Es treten dabei bekanntlich bedeutende klmbildungen des Larvenkörpers auf. bei der Kaul» quappe die Reduzierung des Schwanzes sowie die Verwandlung der Kiemenattnung in Lungenatmung, die naturgemäß von einer allgemeinen Umbildung der Äörpergewebe begleitet sind. Wäh- read dieser ganzen Periode hungert die Kaulquappe, was zur Folge hat, daß der endlich zur Ausbildung gelangende junge Frosch leichter und kleiner ist als die vorher dicke Kaulquappe. Alle zur Verfügung stehenden Stoffe des eigenen Körpers, die nicht unmittelbar der Erhaltung der Lcbensprozesie dienen, werden dabei aufgebraucht, vor allem natürlich die allmählich überflüssig werdenden Larven- Organe. Eine unterdessen stattfindende Ernährung würde gerade der Beseitigung dieses Ballastes zuvorkommen und die Entwicklung hemmen. Die Raupe bereitet sich für den ganz entsprechenden Uebergang in das Puppenstadium und iveiterhin in den Schmettcr- Itng ganz augeuscheinlich vor, indem sie als Raupe unsinnig viel Nahrung zu sich nimmt und gewaltige Fetimassen aufspeichert. Auch hier geht dann unter dem Einfluß des Hungers die Aufsau- gung der Larvcnorgane schneller von statten. Ein noch auffallenderes Hungerexperimcnt, auf das Professor Dr. Rates im„Prometheus" eingehend hinweist, bietet der ström- auf wandernde Rbcinlachs. der, ohne sich in einer ähnlichen Umwälzung seiner Äprperkonsfttution zu befinden, sich alljährlich bei dieser Gelegenheit einem wochenlangen freiwilligen Fasten unter- zieht. Am Köder der stets bereiten Angel zieht er stolz vorüber, ivas zu der eigentümlichen, den Lachsfischern bekannten Tatsache führt, daß der stromauf ziehende Rheinlachs niemals mit der Angel gefangen werden kann. Dabei scheint es, daß gerade diese Hünger- kur den immerhin einschneidende!! Prozeß der Artcrhaltung er- leichtert. Auf dieser mühevollen Wanderung gegen den Strom kommen die Eier zur Reife und erst, nachdeni sich der Lachs ihrer entledigt, kehrt er— freilich mit eingefallenen Seiten und schmalem Hiingcrrücken— in das Meer zurück, um sich dort in einigen Mo- naten wieder heranzumästcn. Notize». — Theatcrchronik. Die Thcaicrvotsievungen müsse» zum Teil infolge der früheren Polizeistunde früher beginnen. So ist im Deutschen Opernhause vom M. Dezember der Thealerauiaug auf 7 U h r angesetzt.— In der V o l k S b ü h n e findet Sonnabend die Elstaufsührung von Haupiinanns Tragikomödle»Die Ratten" statt. — M u s i k ch r o n i k. Im SonntagSkonzert de?� Blüthner- Orchesters wirll der Madrigalchvc(Prof. C.Thiel) und Ch. Luboviski sViotiue) mit. — B o r t r ä g e. In einem Vortrag„HindenburgS Mauer" tBildcr von der Ostsronl von Kurland bis zu den Karpathen) wird am 19. und 29. Dezember in der Urania Kriegsberichterstatter Fritz Wertheimcr seine Erlebnisse an der Ostsront schildern. — DaS Deutsch d e S deutschen Mannes. Ein beut- scher Mann»st Oskar Slam m in Firma Sülzer Eisenwerk. Denn er bar an Kaiser und Reichskanzler Eingaben gerichtet, mit der bescheidenen Bitte. London durch Zeppeline dem Erdboden gleich zu machen. Er hält seine, keineswegs am Stammtisch entstandenen Ideen für so wertvoll, daß er die Eingaben in Broschürensorm herausgibt. Da muß sich denn leider der Leser überzeugen, daß der deutsche Mann mit der deutschen Sprache arg auf dem Kriegs- fuß steht. Herr Stamm will uns z. B. beweisen, daß die Zeppeline alle heil zurückkehren würden, denn.'„In sicherer Höhe kreisend, würden die Abwehrkanone n Nichts vermögen." Sicher nicht. denn der Luft würden sie kaum schaden, die Kanonen nämlich! Ratten. Ich will nicht von Gerhart Hauptmanns..Ratten' erzählen, die über die Bühne tanzen und in Diatogen die Theaterbesucher zu ergötzen trachten. Auch nicht von den„Ratten", die Abend für Abend in Friedenszeiten die Ballsäle und Varietvs füllen und hier autzutallen verstehe». Die Ratten, von denen ich erzählen tvill, leben, sind Tiere, die man in der Naturgeschichte mit diesem Namen bezeichnet. Häßliche Tiere, groß wie junge Hunde, mit widerlichen, trügerischen Augen, einem langen Schwanz, dick und vollgefressen wie die Hamster.— Mit ihnen leben wir zusammen; müssen mit ihnen leben. Im Unterstand, im Barackenlager, im Ruhequartier. In dem Lager, wo wir uns jetzt befinden, ist eS besonders schlimm; mitunter ist es nicht zum aushalten. Am Tage ist es verhältnismäßig ruhig. Nur dann und wann, wenn sich die Tiere um das eingebrachte Gut streiten, dringt ein Quieken von den undichten Wänden der Baracken her, hinter denen sie ibre Wohnungen haben. Ihre uns io wenig zusagende.Arbeit' beginnt am Abend: nach Eintritt der Dämmerung. Dann verlassen sie ibre„Gemächer", inid scharenweise, in langsamem Schritt, ergießen sie sich über die Wiese, die vor unserer Baracke liegt. Zwischen Fichten wurzeln, in Erdlöchcrn und an anderen Stellen haben sie auch hier ihre Schluviwinkel. Manche Ratte muß bei diesem Spaziergang ihr Leben lassen, denn Dutzende der Kameraden stehen mit dicken Stöcken bereit, inöalichst vielen dieser„nützlichen" Tiere das Lebenslicht auszu- blasen. Wenn es möglichst dunkel geworden ist, in der Baracke die Kerzen ausgelöscht sind, kehren sie zurück. Dann begiynt auch ihre eigentliche Tätigkeit. Wir, die Soldaten, liegen auf den Strohsäcken, in unseren Decken eingehüllt, die Decke selbst über den Kopf gezogen. Aber zum Schlafen kommen wir kaum. Nur ganz wenigen festen Schläfern ist dieses Glück beschieden. Denn vot uns. hinter uns, über uns beginnt dos Leben. Mit dem uns so bekannten Quieken geht es an. Die Familie streitet jedenfalls noch darum, wer den„ersten Gang' unternimmt, ob der Herr oder die Frau. Deutlich hören ivir, wie die Ratten— ganz gemächlich, ihrem dicken Wanst entsprechend— aus den Borten hin- und hertrippetn. Jeder Teil, an den sie herankommen, wird benagt. Jedes Stück Papier, das auf dem Boden oder auf den Borten herumliegt, wird genau untersucht. Der Tornister, den wir als Kopiunterlage benutzen, wird angeireiien. Eine Schachtel, die hoch auf dem Querbalken liegt, hin- und her- gezerrt, bis sie heruntersälli. Kein Laib Brot, der nicht frei in den Lüsten schwebt, ist vor ihren Raubliergelüsten sicher. lieber uniern Bauch, über unscrn Kopf selbst trippeln sie binweg und sind nur ein wenig schneller, wenn wir ihnen nackhelfen und sie zu erwischen tiachlen.... Und dazwischen das Quieken, das immerwährende Quieken der Streitsüchtigen, die den anderen den Raub nicht gönnen.— Wird cS einmal zu schlimm und flammen darum ein paar Taschenlampen aus, fleht man sie, in Reihen hintereinander, ans den Börtcn hin- und herlauien. Aber sie gehen nicht, auch wenn man sie verjagen will. Im Gegenteil: ihre srcchen, trügerischen Augen glotzen den Menschen an und auf ihren langen Schwanz zurückgelehnt hocken sie, als wären sie zum Sprung bereit. Die lange Nacht geht es so. bis der Morgen graut. Daun ver- schwinden sie, ziehen sich in ihre Schlupfwinkel zurück. Aber jedem von uns fehlt etwas am anderen Morgen: dem einen das Brot, dem anderen der Zwieback der eisernen Portion, dem dritten die schöne, runde Hanwurst, die die Mutter gestern im Paket schickte-- Geschützdonner, Gcwehrsalven, Mineneinschläger, die von der nahen Ftonr herüberschallcn, stören uns nicht oder nur wenig in unserer Ruhe. Nur die— Ratten l...(z) K. J. Kleines Feuilleton. Deutsches Theater:„datitons Tod*. Der„Danton' Büchners ist eines jener Werke, die wie die „Räuber" Schillers einzig von einem Jüngling geschrieben werden konnten. Die von dem Drang nach Ungeheuerlichem ergriffene junge Phantasie, die sich bei Schiller« eingeborenem Bühnensinn dem soz Ums Menschentum. Ein Schiller-Roman von Walter von Molo. Uebor den sonnenhellen Vorhof des riesigen Kasernen- gebäudcs, das die Landstände dereinst dem Herzog zu Stutt- gart erbauen mutzten und das nun seine Akademie barg, schritt eine Gruppe von Menschen. Ein kleiner, behäbiger Herr ging in der Mitte, lebhaft mit lachenden Augen herumioandernd. in denen die Güte und Fröhlichkeit einer selbstlos zufriedenen Seele wohnten. Ge- senkten Hauptes und aufmerksam horchend, zogen die jungen Gestalten an seiner Seite, die Zöpfe wehten im Wind und die Rocksckötze flogen. Wen« der dicke Herr sprach, drängte die jugendliche Schar in ausnehmender WissenSgier näher, um nur ja keines der Wörtlein seines klugen Mundes zu ver- licren. v .. Vom kleinsten Teil aufwärts baut sich durch jede Kreatur und durch den Menschen die Zweckmäßigkeit der Welt. bis hinaus in die Ewigkeit des Weltganzen zum Welten- schöpfet. Eines jeden Leistung bereichert die Gesamtheit, eines jeden Missetat beleidigt die Welt!" Er machte im Dozieren eine kleine Wendung nach rechts. Das müssen Sic auch. Schiller, in Ihrem„Kosmus von Mcdici" bedenken! Wenn Sie den Franz Pazzi mit den schlechten Eigenschaften eines Rachsüchtigen begaben, mit der Gehässigkeit eines liebe- girrenden Verbrechers wider die hochstehende Brudersecle, so müssen Sie folgerichtig auch zeigen, wie der Böse am Ende in die eigenen Schicksalsstricke fällt. Denn jiie darf das Böse triumphieren im Weltenbau! Denken Sie immer, daß das jüngste Gericht am Ende steht; das ist die Belohnung und Bestrasung aller I Des Dichters Verpflichtung ist es, auch den Kampf in der eigenen Brust, zwischen leiden- schaflichcm Drang, den ich bei Ihnen hochachte, und willensbeherrichter Pflicht, in die Sie sich noch schicken müssen, siegreich zu Ende zu führen. Denn der Dichter... Hören Sie mir zu! Was ist denn heute wieder los mit Ihnen? Schiller? Warimr so kleinmütig und niedergestimmt? Es ist doch wahrlich kein Grund dazu vorhanden. Ganz im Gegen- teil. Schiller! Es ist schönes Wetter und die Sonne lacht. Schauen Sie nur I Lachen Sie mit!" Fritz Schiller ließ die Blicke nicht vom Boden? ver- zweifelt und hastig schüttelte er den Kopf zu seines Lehrers gütigem Wort.„Sagen Sie nicht„Dichter" zu mir! Ich bin schwach lind kann nichts! SllS Jurist Hab' ich's zu nichts ge- bracht und..." ..... Und als Mediziner haben Sie jetzt gute Atoten," fiel Professor Abel kopfschüttelnd ein.„s o ist es, Sic Grillen- fänger! Seit Sie umgesattelt haben, geht es doch prächtig! Iii der Arzncigeschichte haben Sie sogar.recht gut'! Na also! Was wollen Sie denn noch? Philosophisch seid ihr gegen den Ehrgeiz und faktisch fritzt er sin euch, wie der Adler an de» Prometheus' Leber. Ja. ja: es ist euch in jungen Jahren zuviel in den Kopf gefchoppt worden, sit voniq verbo (mit Verlaub zu sagen), davon kommet die kranke Gier nach oben! Na also! Schiller, das ist mit der Zeit zu reparieren. Kopf hoch! Nur nicht gleich wieder aus allen Himmeln ge- fallen! Gut Ding will Weile haben, drum gehet es zähe am Anfang. Nützte der heutige Unterricht so wenig?" Er hob lächelnd den dicken Zeigefinger.„Frei angewendet hictz es doch;.der Himmel verhüte, daß ihr mich fähig haltet, eure ernsthaften und großen Angelegenheiten zu vernachlässigen, wenn sie bei mir ist../ Wohl ist's im Poctenstück die DcSdemona, die der tapfers Mohr meinet lind bei Ihnen, Schiller, ist's, sagen wir: die Kleinmut! Weil lachte er von neuem und rezitierte feierlich,„.der erste Genuß die Hitze junger Begierden mehr gereizt als befriedigt hat.'— Nicht wahr, Freund Schiller?" und er lachte, daß ihm das Bäuch- lein flog. „Zitieren Sie nicht, Herr Professor", bat Schiller und biß gequält in die Lippe,„ich verkröche mich am liebsten; wenn ich das höre!" „Hoven, Scharffenstein! Was hat er denn heut'? Ihr seid doch von der ästhetischen Assoziation?» Wisset ihr nicht. was er hat?" Aufrichtig besorgt sah Professor Abel im Kreise seiner Getreuen herum,„in der Psychologiestunde war er doch noch lebhaft wie je?" „Das da ist schuld!" sagte Scharffenstein und zeigte auf das Buch, das der geliebte Professor unter dem kurzen Arme eingeklemmt trug,„der hat's ihm angetan. Und ich verstch'S! Aber, eS wird Vorübergehen!" „Das Buch ist schuld?" Fast entsetzt fuhr Professor Abel herum und starrte argwöhnisch den dicken Pappband an, alS brennte er.„Shakespeare, Theatralische Werke, übersetzt vv'b Herrn Wieland?" „Der Engländer! Solche Kunst wächst nur in freiem Land!" Fritz Schiller fuhr mit flackernden Augen auf und. die Seelenpein entlud sich:„Den kann ich dulden über mir!" Wie eine Last ftel's von ihm.-..Herr Professor!" bittend streckte er die Hand und die ganze Gestalt flehte iliid drängte.„Wollen Sie mir das Buch leihen? Ich bitte drum! Sie wissen nicht, was es mir werden kann l" Die sehnsüchtige Hand zitterte und das sommersprossige Slntlitz war todbleich. Wie Gier war's im entrückten Blick der JüngliugSaugc». „Bon Herzen gern! Bon Herzen gern! Da haben Sic's!" beeilte sich der freundliche Lehrer und lieferte hastig das Buch ans,„aber wcnn's aufgegriffen wird, sagen Sie nicht unnötig, daß es von mir' sei. Denn es ist ja verboten!" bc- tonte er mit listigem Ausdruck.„Na, ist jetzt ivicder alles gut, Schiller? Er schlug ihn ermunternd auf die Schulter. Wie ein Heiligtum verbarg Schiller das Buch in der innersten Tasche seines stahlblauen Rockes, der nun noch eckiger und unförmiger von ihm abstand, als früher.„Sic sind ein Engel, Herr Professor glühte sein dankbares Wort auf.„Nun bin ich stark c Shakespeare tveilt unter meinem Dach!" „Na, na!" lachte Abel.„Nicht übertreiben! Ich weiß zwar, daß Sic billig sind mit der Verleihung großer Titel und Worte. Ich tveiß! DaS ist die Licentia poetica(dichterische Freiheit)! Aber; man kann auch übertreiben l Gestern haben Sie, Schiller, den Kapf„Allmächtiger" genannt. Mit solchen Ausdrücken sollten Sie vorsichtiger sein; bei aller Hoch- achlung vor Kapfs großen Verdiensten im Schwimm- lind Turnunterricht!— Spüren Sie'was, Kapf," wandte er sich sarkastisch an den Grinsenden,„von einer Allmächtigkeit in sich?" Sie blickten sich schlau und augenwinkend an. Petersen lachte dröhnend.„Sollen wir'S ihm sagen?" „Natürlich nickten sie, ein wenig verlegen, und Schiller rief:„Professor Abel verrät keinen Freund!" „Schiller heißet mich nämlich den.Allmächtigen'", sagte Kapf und warf sich in die Brust,„weil ich der kühnste Akademieversorgcr bin imd die Konterbande ohne Tadel einschmuggle. Gestern waren es Schnupftabak und Knack- tvürste." (Forts, folgt.) WreWon: Mai Helnharflt l>entsches Theater. Deatsoiier ZyHas. 7'/. Uhr: Dantons Tod. Montag: Dantons Tod. fäammerspiele. $ Uhr: tiespenstcraonate. Montag; Gespenstersonate. Volksbühne. Theater a. BDIowpl. H ühr: Kose Bernd. Montag S'l, U.: Hose Bernd. Theater in der Königgrätzcr Str. 8 Uhr;.Erdgeist. Komödienhans. 8 Uhr: Der 7. Tag. Kachm. 3 Uhr: Filmzauber. Berliner Theater. 8 Uhr: Auf Flügeln des Gesanges. 3 Uhr: Wenn zwei Hochzeit machen. Mittw. u. Sonnab. nachm. 37, Uhr: Eisl's Miirchenreisc. Ifertanil fler Freien MWnen Sonntag, 17. Dezember 1916; Nachmittags 3 U b r: Volksbühne, Theater am Bülawplatz: Fuhrmann Henschel. Schillcr-Theater, Charlottenburg: Di« gelbe Nachtigall. Lelsing-Theatcr; Tie gntgcschmttene Ecke. KüniUcr-Theaicr: schwarzer Peter. Abends 8 Uhr: Volksbühne, Theater am Bülowplatz: Montag, Dienötag und Freitag: Rose Bernd. Mittwoch: Hamlet. Tonnerstag: Nachtasyl. § Hlff-I � M. d. A.-S.-B. □ � ]□□□□□□□□[ M » Chormeister: E. Thilo. Zlontag, den Sä. Dezember 1910(1. feiertag) Weümachts- Winter-Konzert :g □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ V oigt-Theater. Badstr 58._ Badstr. 58 Heule Sonntag nachm. 3 Uhr: ßie Tocliter des Herrn Fabrieius. Heute Sonntag 3 Uhr abends: Das golden« Bnch. Ab Montag: Bpoitvogel. Kaffeneröffnung 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Reiehshallen-Thealer. Stettiner Sänger. Heute nachm. 3 Uhr: Weihnachtsabend im Schuvengraben. �(Ermäg. Preise: X>S Parkett 39 Pf.. JS* Balkon 75 Pf. /ÄM Logen 1 M.) Abends 8 Uhr: FrietegloekeD Theater für Sonntag, 17. Dezember Deatscbes Opernhaas, Cbarlottcnb. 7 uir: Tannhänser. Friedrich-Wühelmstädt. Theater. 3 Uhr: Der Wildschütz. 8 Uhr; ÜBS vskiMösllMZ. Gebr. Hemifeld-Theater 87. u.: Der doppelte Buchhalter. V orverkaui v. 11 Uhr ab ununierbr. Kleines Theater 37, Uhr: Henriette Jacoby. s uhr: Am Teetiseh. Komische Oper 37, Uhr: Der Hültentesitzer. Anfang 8 Uhr, Ende 10'/« Uhr. Der Puszta-Kavaller, Lustspielhaus 3"a Uhr: Vorn. 87. Der selige Baiduio Metropol-Theater 3 Uhr: Die Kaiserin. 8 uhx: Die CsardasfOrstin. Neues Operettenhaus Kassentelephon: Norden 281. 3 Uhr: Der Vogelhändler. 8 U.: Der Soldat der Barle. Residenz-Theater S'/j Uhr: Jagend. x�vDie Warschauer Zitadelle. Schiller-Theater O. 4 ühr: Schneewittchen. s uhr: Alt-Heidelberg. Schlller-Th.Charlottenbg. 3 Uhr: Die gelbe Nachtigall. sm�Seine einzige Frau. Thalia-Theater. 3 Uhr: Blondinchen. 8 Uhr: Das Vagabundenmädel. Theater am Vollendorfpl. 37« Uhr: Immer feste drall! 87, Uhr; Blaue Jungens. Theater des Westens 3'/, Uhr: Da» Fräulein vom Amt s uhr; Die Fahrt ins Glück mit Guido Thielscher. Trianon Theater 1 Uhr: Heimat. 87a Uhr:... als Gas«. Kose Theater 4 Uhr: Die goldene Gans. 8 Uhr: Das GlttcksmädeL Walhalla-Theater 3 Uhr: Die Dollarprinzessln. 8 Uhr: Das Musikantenmädel. Eessmg-Theater. Direktion: Victor Barnowsky. 77. uhr: Julius Cäsar. Nachm. 3 Uhr: Die gutgeschn. Ecke. Deutsch. Künstler-Theater. Allabendlich 8 Uhr: Moral. Nachm. 3 Uhr: Schwarzer Peter. URANIA 1-af4Ö.tr- 4 Uhr(halbe Preise): Die Bagdadbahn. 8 Uhr: Skagerrah. Unsere Hochseetlotte Im Weltkrieg. Montag 8 Uhr: Im U-Boot gegen den Feind. Clrcus V iisck Sonntag 2 gr. Vorstellungen: IBeimWeihnachtsmannliiT 21 W->hnachiSmärch.i.3A.I»IZ l;;; Stint s',;Kt«i Weitere halbe Preise. ül Bis Gßlerpriozessin. ül Märch.-Prnnk-Pantomime i. 5 Akt. In beiden Vorstellungen vorher; Das großartige Dezember-Progr. U. a.; Afra, das Stadtgespräch. Max u. Moritz, b. Iftg. 8händ. ffiünftl. 3(Reschro. Schenk, Exzentr.-Atrob. 2 Heute Vorstellungen 31/ Nachm. jed. Erw. O /» 1 Kind frei.® u- In beiden VorsteUungen: Das ungekürzte Dezember-Progr. Eetztep Sonntag top Weihnachten! Kdmirals-?alast Heute 2 Vomtellungen 47, u. 87, Uhr. Das herrliche Eisballett �fran Fantasie Casino-Theater. Lothringer Str. 37. Täglich 87, Uhr Einzig in feiner Art! Die Schisger-Posse dieser Spielzeit Zuiei helle BerUtter Berliner Figuren! Berliner Humor! Vorher erstklafsige Spezialitäten Sonntag 4 Uhr: Weiknachtsurlaub. Possen- Theater. Täglich 87, Uhr: Des EUwen Erwachen En« oder weder Hollrnaan 7» 8chmnB. 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