Hr. 291.- 1916. Unterhaltungsblatt ües vorwärts Mittwoch, 20. ZeMbtr. Zeröinanö /tvenanus. feinem 60. GebnrtStcige. 2V. Dezember. Ferdinand AvenariuS' Name und Lebenswerk ist unzertrennlich mit seinem„Kunsiwart" verbunden. Zwar hat die Zeitschrift nun irvon wiederholt ibren Namen geiinden und heipt jetzt„Deutscher Wille": auch bat sie neben dem Bereiche der Kunst inzwischen noch weite andere Gebiete unseres Lebens in ihren Bereich gezogen— allein geschichtlich wird sie nun einmal der„Kunstwort" sein und blerben, und io liegt auch die Bedeutung ÄvenariuS' in seiner Wirksamkeit sur Kunst und Kunstpolitik. Er batte bereits das ilO. Lebensjahr überschritten, als er die Zeitschrift gründete. In Berlin geboren, in Leipzig und Zürich ausgebildet, baue er damals außer einem Romane bereit-s eine Reihe lyrischer Bände berausgegcben, die er später noch um die Sammlung „Lebe l" vermehrt hat. Seine Lyrik zeichnet sich durch einen mann- lichen Zug, durch Schwung und Idealität, durch Gesundheit des Empfindens und durch gepflegte Sprache aus; sein guter lyrischer Geschmack hat ihn später besonders geeignet gemacht zur Zusammenstellung jener Auswahlbände, die als Hausbücher deutieyer Lyrik weite Bcrbreiiung gesunden haben. Damals aber, Anno 87. war AvenarinS noch recht unbekannt; seine Zeitschrift hielt sich' zunächst recht bescheiden und sie erschien, wie damals in den literarischen Kreisen gespöttelt ivnrde. unter Ausschluß der Oefsenl- lichkeit. Bon vornherein verstand eS AvenariuS, den„Kunstwart" außerhalb aller literarischen und künstlerischen Cliquen zu halten; und so sammelte er denn auch einen Kreis von Mitarbeitern um sich, die dem Part'eiwesen fernstanden und es vorzogen, selbst zu denken und selbst zu urteilen. ES war die Zeil, wo Hauptmann mit seinen ersten Werken hervortrat und aus dem Gebiete der bildenden Kunst die Schilderhebung der Modernen sich vollzog. AvenariuS nahm entschieden die Partei der Jungen und zeigte sich bestrebt, an den neu erscheinenden Persönlichkeiten und Kunst- iverken das Fruchtbare herauszufinden und anzuerkennen; zugleich aber erwarb er sich das Berdienst, weite Kreise mit Nachdruck auf den Reichtum unserer Kunst und unseres Schnsttums an noch kaum ge- hobcnen, sicherlich nicht genug ausgemünzten Schätzen immer von »cuem hinzuweisen. Das Verständnis von Dichtern wie Keller und Meyer, Storni und Raabe, von Künstlern wie Böcklin und Thoma, Richter und Feuerbach sowie das unserer neuen Tonmeister ist durch AvenariuS und seinen„Kunstwart" rege gefördert worden. Semer Persönlichkeit entsprechend, drückte AvenariuS der Zeitschrist einen gewissen lehrhaften Zug aus. Er wandte sich nicht an die Künstler, er wandte sich an das Publikum und suchte eS durch Schulung des Auges und des künstlerischen Denkens in Fühlung mir dem dichte- rischeu und künstlerischen Schaffen zu setzen. Allmählich fand sich zum„Kunstwart" ein Publikum; heute gehört die Zeitschrift zu der Verbreitelsten und einflußreichsten aller deutschen Kunstzeilichriflen. Es bleibt AvenariuS' ehrenvolles Verdienst, daß er sich init diesem schönen Erfolge nicht zufrieden gab. Ihn drängle es viel- mehr, die im„Knnsiwart" theoretisch und literarisch vorgetragenen Gedanken zum Wohle einer nationalen Kultur und Kunst in die Tat umzusetzen. Durch die Unterstützung eine-Z wohlhabenden Kunstfreundes gelang eS ihm, die bekannten„Äunstwartmappen" zu begründen, die sich unter seiner Leitung zu der besten und bedeutend- slen aller auf Popularisierung der Kunst gerichteten Unternehmungen entwickelten. Eö ist das Werk AvenariuS', wenn heut Tausende von deutschen Häusern, Schulen und öffentlichen Anstalten sich mit schönen Wiedergaben klassischer Werke schmücken können, ivie sie zu so billigen Preisen lein anderes Land keunl. Einen weiteren be- deutenden Schritt tat er dann mit der Gründung des Dürcr- bundes, der sich als Organ aller die lünstlerische Kultur Deutschlands berührenden Fragen geblldet und mir den Be- strebungen sur Heimal- und Naturschutz enge Fühlung genommen hat. AvenariuS hat dainit der deutschen Kunstpolitik einen wichtigen und wirksamen Mittelpunkt gegeben. ES sind ihm, wie das bei einer so laugen und vielseitigen öffentlichen Tätigkeit unausbleiblich ist, Kämpfe von allerlei Art nicht erspart geblieben. Die natürliche Begrenzung seines Wesens hat ihm manchen Widersacher geschaffen, aber Freund und Feind werden unbedingt darin übereinstimmen, daß AvenariuS ein Mann ist, dem die Kunst nicht melkende Kuh, sondern idealer Lebensinhalt bildet, daß cr eine aufrechte Persön- lichkeit von vornehmer Gesinnung ist, der nach redlichen Kräslen und mit reinem Willen zum Besten deutscher Kunst und deutscher Kultur gearbeitet hat. Während des Krieges hat cr sich durch seine Unter- suchungen über die Ailderlüge, in denen cr die Btlderfälschungeu unserer Feinde urkundlich nachgewiesen hat, ein besonderes Verdienst erworben. * AvenariuS' Kunstauffassung hat Kultursinn, und sie sticht das Volk. Im Ausbauen der persönlichen Tüchtigkeit der Einzelnen will sie dem Volke den Weg zu einer höheren knltursozialen Einheit bahnen. Dazu dient AvenariuS alles Große, was der Menschengeist geschaffen. Es ist ganz selbstverständlich, daß er als Bildner den deutschen Besitz an edlen Gütern voranstellt. Dem ist unser Fühlen vorweg zugänglich. Aber er faßt niemals das Nationale als Sperr- schranke. Warum sollen wir uns vom Fremden nicht aneignen, was unseren Leibern und Seelen dient? Wenn es uns zu neuem Eigenen reiser macht, dann her mit allem Erreichbaren! Nur sollen wir uns nicht daran verlieren. Gerade während des Krieges find für dieses Feld prächtige Ge- danken von AvenariuS ausgegangen. Auch hier dringt er vor zum Ausschaun nach dem, was in hohem Sinne das Getrennte verbünden könnte, nach den„Edelerzen, die in den rinnenden Quellen gelöst sein können, Edelerzen, mit denen das eine Volkstum das andere stärkt." An Romain Rolland geht das Wort:„Was an Gut ge- ineinsam ist, das müssen wir auch mitsammen hüten!" Und an die Jugend:„Ziel dieses Krieges jetzt ist der Friede, wer den nicht im Blicke behält. siebt zu kurz. Uebt euere Augen, iveithili zu sehen, wenn ihr einst führen wollt! Bis dabin. wo als unablveisliches Muß das Zusammenarbeiten im Frieden um der Entwicklung der Menschheit Willen verlangt wird. Auch mit dem Feinde von heute. Es gibt gemeinsame Güter iür uns und ihn, arbeiteten wir nicht mit ihm zusammen dafür, so schwächten wir un§." Als ein treuer Wächter bat AvenariuS sich um viel köstliche Güter der Vergangenheil gemüht, daß sie— oft aus Verstaubung hervor— wieder lebendig wurden und weiter wirken können.AlS ein froher Bauineister liebt er die Zinnen, auf denen sich in beglückender Stunde er- leben läßt, wie noch däirnnerverbängte Fernen der Zukunft sich sonnig durchbellen. Aber das Wichtigste an ibm ist das unerinüdlich umsichtige Schalten und Walten ans den Schwellen unserer Gegen- wart. Da finden sich seine besten Eigenschaften, da eint sich alles. was er je begonnen hat, da zeigt sich, wie sein Lebensiverk organisch geschlossen ist. Die Kunst, das Leben anzuwenden und der Lebens- mut, sie könnten beide von ihm lernen. * Aus dem reichen Schaffen des Dichters und VolkSerzieLerS hat Wilhelm Stapel eine alle Seiten seines Wesens spiegelnde Anßwabl zu einem Avenariusbuch zusammengefaßt lBerlag Callwey, Münchens. Ein auf eigner Kenntnis gestütztes Bild seiner Persön- lichkeit steht zuin Einqana. und dann folgen in organischer Ordnung Gedickte und viele Aufsätze. Von dem, was an Kultnrgedauken in so vielen Jahrgängen der Zeitschrift zerstreut war, ist Dauerndes hier vereint und kann nun bildend und zum Schauen weckend weiter« wirken.__ kleines Feuilleton. Ein Weihnachtsaufruf. Max Jungnickel läßt aus dem Felde einen WeihnachtSaufruf in der„Franks. Ztg." ergehen: Da haben die Leute gesagt, es müßte ein Geschenktag für Kinder gemacht werden. lind manche haben auch gesagt, die Kinder sollten nicht lachen und tanzen, iveil ja Krieg ist. Das Lacken gehört sich überhaupt im Kriege nicht. Das ist ja manchmal ganz richtig, aber Kinderlachen tut doch nicht weh. « Eins möchte ich doch so gerne: vergeßt die armen lieben Kinder nicht, die ihren Vater im Felde haben und die eine Mutter haben, die vom frühen Morgen an arbeitet und arbeitet und nur einen Gutenachtkuß für ihre Kinder hat. � Vergeßt die lieben traurigen Kinder nicht, die ibren Vater schon lange verloren haben, irgendwo in Frankreich oder Rußland. Der Vater gab sein Blut her, damit Ihr ein Weihnachtsfest feiern könnt. Vergeßt die armen lieben Kinder nicht I * Es wäre ja st) traurig, wenn seine Kinder, die er um Euret- willen mit verließ, nicht einmal sonnige Augen hätten zum GeburtS- tage des Heilandes. Vergeßt die armen lieben Kinder nicht! Macht es nicht mit Kindergeichcnltage». Macht'S ganz heimlich und herzig, wie der liebe Knecht Rupprecht. Und denkt daran: der da draußen tin kalten Dczemberwinde liegt, die Backe an den Gewehrkolben gedrückt, der wird zufrieden sein und aushalten, wenn er weiß, daß daheim feine Kinder voller Seligkeit wnndergroße Augen kriegen. Und auf die Gräber der toten Väter werden zur Weihnachtszeit aufs morsche Holzkrcuz die Sterne fallen. Vergeßt die armen lieben Kinder nicht! Räucherfische. Keine Zeit hat den Wert des Räucherfisches so schätzen gelehrt wie die gegenwärlige, denn durch seinen dohcu Näbrwerr muß cr cinen Teil"der gewohnten Fleischnahrung ersetzen. Es mag daher auch gerade jetzt interessieren, einiges über die Verfahren zu hören, die den frischen Fisch in Räucherware verivandeln(obwohl inzwischen die phantastische Kostspieligkeit dieser höchst schätzbaren Tiere das Interesse zu einem rein historischen gemacht bat!. SSct_ der Fisch- räucherung bedient mau sicy zweier Methoden: der Kalträucheret und der Warmräucherel, deren Anwendung ans die ettizelnen Fischarteu jedoch in den verscbiedenen Ländern Europas und Amerikas weckiselr. In Rachstehendem sollen nur die in Deutschland angewendeten Ver- fahren betrachtet werden. Beim Kalträuchern muß der Fisch vorher schon eine Zeitlang in einer kräftigen Salzlake gelegen haben, worauf man ihn in einer ziemlich weiten Entfernung vom Feuer längere Zeit hindurch dem Rauch aussetzt, dessen Temperatur aber nicht mehr als höchstens 25 Grad betragen soll. Bei dieser Behandlung bleibt der Fisch allerdings ziemlich roh, dagegen erhält sich sein Fleisch weich, saftig und vollfett. Der einzige Fisch, der in Deutschland lalt geräuchert wird, ist der Lachs, bisweilen auch die Lachsforelle, für deren Fleisch sich die Kalträucherei besonders eignet. � Lei allen übrigen Räucherfischen erfolgt die Zubereitung ans dem Wege der Warmräuchcrei, Dieses Verfahren besteht darin, daß der nur wenig gesalzene Fisch zuerst entschuppt und gewaschen, dann zuni Trocknen ausgebängl oder. � wie. der Kunstausdruck lautet „airfgcspillr" und hier aus kurze Zeit einein Rauch von Eichyn', Erlen- und Buchenholz, bei etwa lOO bis 140' Grad ausgesetzt wird. Soll der Fisch einen besonderen Goldglanz erhallen, so unterwirst nran ihn noch einer leichten zweiten Räucherung, woraus er bald den gc- wünschten hübschen Glanz zeigt. Diese zweite Räucherizng erhöhl außerdem die Hallbarkeil der Fische. Das Fleisch der warm geräucherten Fische wird somit gewissermaßen durchgekocht, ist also vollständig gar und im Gegensatz zum kalt geräucherten Fisch nur schlyach gesalzen,. verliert aber dafür an Sasr, so daß es.im all- gemeinen trockener und oft auch etlvas fettärmer lvird. Der Haupl- sacke nach ivcrden bei unS Heringe, Sprotten, kleinere Schellfische, Aale und Flundern warin geräuchert, und zwar gewöhnlich un- geleilt; manche größere Fische werden indes auch in einzelnen Stücken oder, wie z. B. die sogen. Fleckhermge. in zwei geteilten, aber zusammenhängenden Hälften durchgeräuchert. Die ausgedehntesten deutschen Warmränckereien befinden sich.au den Küsten der Ostsee, hauptsächlich an der Ostküste von Schleswig- Holstein, wo Kiel cinen Haupthandelsplatz geräucherter Fiichwaren bildet. Was die Haltbarkeit der nach beiden Methoden geräucherten Fische betrifft, so sind die kaltgeräucherien Fische in der' Regel halt- barer als die warmgeräucherten, deren Haltbarkeit immerhin etwas begrenzl ijl, während sich kaitgeräucherie Fische mehrere Monate lang frisch hallen lassen. Im Herbst, wenn die großen Mayen von Sprotteii an die Küsten Schleswig-Holsteins kommen, beginnt die Hauptarbeit in den Fischräuchereien._ Notize». — P r o f. v. L i s z t, der hervorragende Vertreter des Siraf- und Völkerrechts an der Berliner Universität, der jetzt ins 03. Jahr geht, will sein Lehramt nicht weiter ausüben. — Ein T h c a r e r b o y k o t t. Es gibt ihrer mancherlei: die Bühlienangestelllen. die Kritiker, die Besucher haben schon ösler die Theater boykottiert. Jetzt kommen die deutschen Bühncnfchrifisteller dazu. Auf ihrer Generalversammlung wurde bcschlofien. dem Mann- heimer Nationalthealer leine Siücke mehr zu überlajien, solange der jetzige Intendant Karl Hagemaim im Amte ist. Hageinann hat einem Bvhiienfchriflstellxr in Aussicht gestellt, kein Stück mehr von ibm auf- zifführeii. iveil' cr eine Kviiventionalstraje' wegen Nichtaufführung ciileS Stückes einzogt•-....... .— G e>! o s i e n s ch östliche Restaurants, Infolge der unverhältnisinäßig hoch gestiegenen Preise der Stockholmer Nestau- ränt?, die sich mehr und mehr den geldstreuenden„Gulaschbaronen" sKriegSlieferanten) anpaffen, hat sich aus Beamten- und Geschäfts« kreisen eine Vereinigung gebildet, dem entgegen zu wirken. Ihr Ziel ist die Gründung eines' eigenen RcslanrantS, dessen Gewinn den Gästen zufallen soll. Es haben sich bereits so viele Mitglieder gemeldet, daß der Bau eines eigenen Lokals vorgesehen ist. Der Preis der Anteilscheine beträgt 5 Kr.: keiner der Inhaber darf mehr als 50 davon besitzen. Es sollen höchstens 3 Proz. Gewinn ausgeteilt iverden, was darüber ist, fällt den Konsumenten zu.— Auch die Stockholmer Mediziner habeir sich zu einer solchen Vereinigung zuiantmengetan. Ams Menschentum. Ein Schiller-Roman von Walter von Molo. „Wenn du den Schiller angibst. Boigeol," flüsterte Petersen,„dann hau' ich dir, lebenslänglich, jeden Tag dreie herunter!" Karl Eugen fuhr los: „Herr Intendant, bemühen sich selbst? Zum Teufel hinein; sind meine Akademisten schlechter als Seine Flöh'? Tie betreuet Er sicherlich und weiß, ivas sie treiben." Herr bon Secger keuchte noch vom schnellen Lauf. „Herzogliche Turchlaucht, wir hielten heute Razzia durch die privaten Schatullen und Verstecke der Zöglinge, da brauchten wir alle Mann; es wird nie mehr vorkommen!" »Laß Er's gut sein! Habt Ihr was gefunden?" Karl Eugen war nun ganz kleinliches Interesse und Neugier. „Papier und Kiele beim Schiller, die nicht aus der Anstalt sind, und llntcrhaltungsbücher von neuniodisch min- derer Ware. Auch sonst und bei andern war viel Beute zu konfiszieren." „Papier und Kiele! Lasset cr das Spielen noch nicht sein? Schiller! Komm' Er her!" fuhr ihn Karl Eugen an. „Fürwahr, im häßlichen Bau ivobnct auch eine häßliche, un- aufrichtige Seel'. Ta hat Er Seine Maulschelle!— lind -Ihm. Sceger," wandte cr sich an den ergebenen Inten- danten,„Ihm schick ich ein paar neue Unteroffiziers, wenn Er zu wenig Kontrolleure hat. Ich Hab' genug, die unnötig fressen! Ucbrigcns: ich bin Ihm wieder wohl affektionierct!" Herr von Sceger strahlte, cr senkte dankend das tadellos frisierte Haupt. Vielleicht war die Gelegenheit günstig? Er sagte:„Mir porin issiau und im Gehorsam ersterbend meine ich. daß die Herren vom Zivil mit allzu freien Worten im Unterricht verdürben, was wir von der Zucht in Wochen bauten. Es wäre doch profitabel, die Professoren temporär auch..." ■ Zur Zucht heranzuziehen? Ich kenn' Seine Raun- zercl auswendig. Doch da wird nichts daraus, so sehr es Ihm auch paßte." Karl Eugen lächelte tlug.„Tie Pro- fessorcn sind für die Köpf' und nicht für die Hintern da! Wer den Geist bildet, der soll keinen Zwang ausüben. Wie ich's erdacht und angeordnet Hab', ist's gut und so bleibt's. Aber ich schick' ihm auf jeden Fall ein paar neue Ilntcrosfiziers, damit Er die„Rotte Korah" besser zu Paaren treibt.— Ja, Bürschle," cr sah lächelnd �ie Akadcmisteuschar an.„In einer verführerischen Stadt wie Stuttgart, man muß euch den Freß- korb höher hängen." Und mit gekinffencm Aug' dachte er an die volle Nackciiforin der jungen Wienerin in der eeois des demoisselies(Damenschule), die sein gutes„Franzele" leitete. Er seufzte. Die Wienerin war ein verflucht schönes Frauenzimmer; cr spürte das Blut im Kopfe hämmern. „Ich geh' jetzt die öcols des demoisellcs im alten Schloß inspizieren," sagte cr mit Kälte und Fassung zu Herrn von Sceger.„ivenn ich zurückkomme, ist Konferenz über das sitt- liche Betragen der Zöglinge. Laßt inzwischen die Professoren holen, damit sie alles vorbereiten." * Des Freunde» höchste Gabe ist eS. selbstlos den Worten des andern zu horchen, der feste Punkt zu sein, auf den die wirren Gedankensträhne des Ringenden sich schieben dürfen; die horchende Güte glättet, wie eine sanfte Mutterhand, wortlos, daS EhaoS. Fritz Schiller lief im Labyrinthe seines Shakespeare-Ficbers herum und fand nicht den Ausweg: „Scharffenstein, so herzlos wie Shakespeare muß ich werden; ich muß in höchsten Flammen der Begeisterung den frechen Witz zur Stelle haben, dann erst steh' ich über den andern. Üeberhanpt: Shakespeare!! Der Kerl zermalmt mich. Nirgends ist er zu fassen und stehet doch überall. Plutarch überlieferte des Themistokles Worte:.Die Lorbeeren des Aciltiades lassen mich nicht schlafen!' Mich lassen des Briten Siegeskränze nicht mehr ruhen! Du �weißt. Scharf- fenstcin, daß ich seit Tagen keine Stunde Schlafes fand. Doch das ganze Leben muß gewagt werden für eine heilige Sache!" „Sei ruhig! Es kommt jemand." sagte Scharffenstein hastig, der auf Schillers Bettrand in Ruhe saß und rutschte eilig herab,„tu' auf jeden Fall die Bücher unters Bett, sonst mußt du wieder in den Karzer." Und cr horchte angestrengt, durch die schwarzen hölzernen Stäbe, in den Mittclgang des Schlafsaalcs hinaus, in dem ein schneller Schritt kam. Haar- genau ausgerichtet standen die perlgrauen Betten der Zög- linge in ihren käfigartigen„Zlppartcments". „Fürchtest du dich?" fragte Schiller verächtlich,„.furchtlos und treu' ist ein Männcrwort!" „Sei ruhig; es kann der Herzog sein! Ich will nicht als Lügner.vor ihm stehen: ich Hab' ihm versprochen, jetzt an der Rede zu feilen, in der ich seine Meinung verteidigen soll." „Darf, mußt du sagen, Scharffenstein! Lausch' nicht. als fürchtetest du dich! Wer nichts fürchtet, ist mächtiger als der, den. alles fürchtet!" „Es ist der Hoven!" sagte Scharffenstein erleichtert. Schillers Brauen schlössen sich witternd, cr sah, daß der Kommende etwas in der Hand ans dem Rücken trüge. Die Nasenflügel bebten; gierig auf neue Erregung fragte er: „Was bringst du?" Fritz von Hoven war dunkelrot im Gesicht; der schnelle Lauf und die augenscheinliche Erregung taten das ihre. Er schüttelte trotzig den Kopf.„Ich zeig' dir's nur Schiller. wenn du allein bist." Er sah eindeutig auf Scharffenstein. „Na, da will ich gehen." sagte der gutmütig und nickte freundlich Schiller zu:„Du liest mir halt am Abend vor, ivas du an deinem„Kosmus" neu geschrieben hast. Adieu!" Und die aufrechte Gestalt verschwand, in Ruhe schreitend, hinter den Säulen, die die schön gegipste Decke trugen. „Was hast du, Hoven?" „Ich bin aus dem Anatomieziimner davoneglaufen," sagte Hoven schmeratmend,„trotzdem wir heute einmal eine ivirkliche Leiche haben. Du verdienst es nicht..." Ter eifersüchtige Vorlvurf gelang nicht, als cr seines Jugend- freundes fiebrige Blicke sah.„Du willst einen dramatischen Stoff? Ich hab'� einen! Da! Im„Magazin" Vervssent- lichet ihn Herr Schubart ,Zur Geschichte des mettschlichen Herzens'." „Zeig her!" Fritz von Hoven hielt krampfhaft das Blatt fest, das ihm seltene Gewalt gab.„Er stellt den Stoff ausdrücklich einem deutschen Genie zur Verfügung, damit, wie cr sagt, bewiesen werde, daß auch in Teutschland große Leidenschaften und große Charaktere zu Hause seien. Warte!— Er schreibet wörtlich: ,... obgleich wegen der Regierungsform der Zu- stand eines Teutschen bloß passiv ist, so sind wir doch Menschen, die ihre Leidenschaften haben und handeln; so gut als ein Franzos oder ein Brite.'" ffioitf,{olflU IMr«ktloii: Max Kelnharät. Deutsches Theater. Deutscher Zyklus. V'/j Uhr: Moldaten. Kammerspieie. S Uhr: Oeapenütersonate. Tolliabühne. Thoaler a. Blilowpl, S'/4 Uhr: Hamlet. Diester i. d. Königgrätzerstr. 8 Uhr: l*anl I/anso nnd Tora Parsberg. Komödien bans. 8 Uhr: Der 7. Tag. Berliner Theater. 8 Uhr: Auf Flügeln de* Gotangei. Heute u. Sonnab. nacbra.'J'/. Uhr: I/IsUm Hörrhenrelae. Cessing-Thcater. Direktion; Victor Barnowsky. 8 Uhr: Die beiden Klingtberg. Donnerstnar: Peer Gynt. Freitag: Jaliua CUsar. Dentseb. Künstler-Theater. Allabendlich 8 Uhr: MOfal. URANIA Taubenstraße 48/19. 4 Uhr(halbe Preise): Die Ba�dadbahn. 8 Uhr- Dr. F. Wartheime*: ________________ Hlndewbiirga Haner. Theater für Mittwoch, 20. Dezember. Residenz-Theater � vis Warschauer Zitadelle. Seblller-Theater O. s uhr; Oer Herr Senator. Sichlllor-Tb.CharlottuBbg. 4 Uhr: Maroerlttcbon. s ubx: Novella d'Andrea. Thalia-Theater. 4 Uhr: Anehenbradel. S Uhr: Da* Vagabundenmlldel. Theater am Kolleadorfpl. 3'/, Uhr: Schneewittehen. 81/, Uhr; Blaue Jnngene. Theater den W entens 4 Uhr; Dornrönchcn. s uhr: Die Fahrt ins Glück mit Guido Tbielsoher. Trlanon-Thcator s'/.v.,..... als Gast. Bosc.Tlieater 8 uhr. Das GIQeksmüdel. Walhalla Theater 4 Uhr: EiakSnlg und Goldprlnzeaaln. 8 Uhr: Pas Muaikantenmiid.l. I ITT» tf JSuscIl 8 Ufir Anlang: Das grofie Dezember-Programm. tk Die CeierpriDzessiD.«ü eonnab, nachuu!/>/, U. wicdcrum .MWIüiMMül!". 1«i»b frei. Borverfaus lür den l., 2. und 3. Feiertag nachmillag-Z u. abends. Ab Zöllners!., 21. d.M. lägl.: 10— il. kB Deutsches Opcrn)iaa*,Charlottenb, s uhr: Die toten Augen. Frledrich-Wiltielmstädt. Theater. s uhr: Das Dreimdderlhaus. Gebr. Herrnteid- rdcater 8" Uhr: Der doppelte Ducbbalfer. Posse mit Gesang und Tanz. Kleines Theater s m*: Am Teetiseh. Komische Oper Anfang 8 Uhr, Ende IG'/, Uhr. Oer Puszta-Kavalier. Lustspielhaus 8';.u.;Der selige Balduin mit Henry Bender. Metropol-Theater 4 Uhr: Frau Holle. Märchen auffiihr. S uhr: Die Csardastorstin. Neues Operettenhaus Kassentelepbon; Korden 281. 8 uhr; Der Soldat der Marie. JU Berliner Konzerthaus. Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. He'"e: Grosses Konzert des Berliner Konzerthaus-Orchesters. Leiter: Komponist Frz. v. Glon. Anfang 7'/, Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfang 7»/, Uhr. An allen Wo:hentagen; yachmiitaga-Kenxert bei freiem Eintritt _ und»eller Orehesterbeeetzung. WasschenkeichzuWechnachten? 'Klarv MAler�cchllke' Gedichte �nhalt:- Alte wieder"Mit roten Kressen"Eturmlieder vom Meer" Wach auf!" Soziale-Lieder» An sonnigen Äorden"Wintersaat"Ausklang Reich illustriert von Oskar Zahnte-» Preis M 3,50 Buchhandlung Vorwärts Berlin EW. 68, Lindenstraße Z nnualliiiejielleD für„Kleine Anzeigen" Iterlln C. A. Habniich. Adeiftr. 174. O. >«. \ w. MW. ». MO. R.Wenzels. Marfusftratze 36. Pischer. vaManftratze 6. I. Hönisch. Mällerslr. 3ta Zlarl Melle, Ptfersbnrgcr Pia» 4. 1'. Ziidir. ftmmnmm'fuififtr. 12. Sl. Wolgast, Wallstraß« 9. H. Narl Mars. Greifenhagener Str. 22. ib. Ztogel. C'orBiitgftr. 8. .?nlomo» Joicvli. WilhcimZhavcne: Str. 48. G. Schmidt. Bärivaldiir 42. Sl. S-rin, UrmjtnfR. 81. H. Lehmann. Kottbuser Damm». Paul Böhm. Lnniitzer Viag 14/1!-. P. Harsch. 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