»t. 292.-!9i6. ilnt�attungeblatt t)ottPQtt0 21.?«�. Reichsgetreiösstelle und Nahrungsmittelamt vor 2000 fahren. Von Prof. Fr. Preisigk c.*) Die einheitliche Regelung unserer Eetreideproduktion und der Getreide- wie der Nahrungsmittelverteilung lenkt die Blicke zurück auf. ähnliche Organisationen in früheren Zeiten. Ein seder ivird sich der bekannten Maßnahmen erinnern, zu denen Joseph im Aegypterland den Pharao aus Grund der Deutung seines Traumes bestimmte. Tatsächlich ist Aegyvten nicht nur in diesem Punkte, sondern auch sonst das Musterland für die Organisation der Slaatsverivallung des ganzen Abendlandes. Unsere heutige Kultur weist hier viele Beziehungen aus, deren Wurzeln sich bis nach Aegypten hin versolgcn lassen. Organi- salion der Behörden, Ineinandergreifen der VerwaltungSzweiae, Akten- und� Schriftwesen, Finanz- und Steuerwesen, das sind die Gebiete, auf denen die Griechen von den Aegypten! lernen konnten, auf denen auch später die Römer, nachdem Aegypten römisch ge- worden war(30 v. Chr.), weher von Aegypten gelernt haben. Da ivir heute unter dem Einflüsse der römischen und anschließend der byzantinischen Welt stehen, so kommt es, daß viele Einzelheiten unseres heutigen VerwallungswefenS in ihren Wurzeln bis auf Aegypten zurückgehen. Das ist kein Zufall. Die st raffe Zcn- rrali saiion der Verwaltung war in Aegypten nicht nur daS Ergebnis des politischen Werdeganges, sondern auch ein Gebot der natürlichen Beschaffenheit des Landes. Aegypten ist eine lang- gestreckte Wafferrinne urit schmalen Rändern Fruchtlande?, darüber hinaus dehnt sich rechts und links die Wüste aus. Die jährlich zur bestimmten Zelt eintretende und von Süd nach Nord fortschreitende Ilebcrschwcmmung läßt sich nur dann für das Land genügend nutz- bar machen, loenn überall im ganzen Lande Kanäle mid Schleusen rechtzcilig und richtig bedient iverdcn. Dazu bedarf es einer ein- beitlichcn Leitung. Da von der lleberflutung wiederum Saat und Ernte abhängen, und da für den Korntransport zur Ausfuhr nur der Nil in Frage kam, so Icuchlet es ein, wie notwendig eine einheitliche Verwaltung des ganzen Landes war... Die Hauptguelle des ägyptischen Reichtums war der Getreide- bau, und die von den Bauern gezahlten Abgaben bildeten daher die Hauptnieuge aller Steuern. Der Bauer war sich seines Wertes wohl bewußt, und er wußte auch, wie sehr die Regierung bemüht war, Stockungen des Ackerbaues fetnzuhalten: darum lesen wir> häusig in den Papyri, wenn ein Bauer sich bei der Behörde über dies und das beschwert, als Schlußsatz der Klageschrist,„damit mir mein Reckt zuteil werde, und damit ich nicht behindert werde, rncinc Abgaben aus dem Landwirtschaftsbetriebe pünktlich und richtig abzuliefern". Nur bestand die Steuer des Bauern nicht in barem Gelde. Um Bargeld zu erhalten, hätte der Bauer sein Ge- treibe erst verkaufen müssen; der Staat andererseits war in vor- und nachchristlicher Zeit Großkaufmaun in Getreide, er führte riesige Mengen von Getreide über Alexandrien nach fremden Ländern aus; da war es das einfachste, wenn er das Getreide, das er brauchte, von seinen Lauern als Steuer sich zahlen ließ. Deshalb geschah es, daß der Bauer seine Abgaben vom Boden nicht in Geld, sondern in Korn zahlte. In jedem Dorse befand sich vielmehr ein staatlicher Kornspeicher, von einem Speicherdirektor mit zahlreicher Beamtenschast vcrivallet, dorthin wurde die gesamte Kornernte geschafft, hier wurden die Kornmengen ohne räumliche Trennung der Einzelbcstände in die Speicherräume verstaut und nur in den Lagerbüchcru getrennt nach den Eigentümern aufgeführt. Jetzt wurden die Abgaben jedes Bauern von seinem Bestände buch- mäßig abgeschrieben, der Rest verblieb den Bauern als Guthaben, über das sie frei verfügen konnten. Unter diesen Umständen war es sogar möglich, Zahlungen der Bauern unter sich in Korn statt in Geld zu leisten, und zwar auch Zab.tingen an einen Empfänger in einem anderen Dorfe und in einem anderen Gaue. Die ver- schiedeuen Slaatsspeicher des Landes, rechneten dann miteinander ab. Das war also dasselbe Versahren, das wir heute als Giro- verfahren bezeichnen. Die Versorgung der Städte mit Nahrungsmitteln *) Die nachstehenden, für den gegenwärtigen Zeitpunkt besonders interessanten Aussübrungen entnehmen ivir dem ini Verlage B. G. Teubncr erschienenen Bändchen der Sammlung:„Aus Natur und Geisteswelt": Antikes Leben nach den ägyptischen P a p y r i.(Geh. 1,20 M.. geb. 1,50 M.) Das Buch gibt einen Einblick in das durch die Papyri— von denen zahlreiche Proben in Ueberietzungen initgeteili werden— uns in einzigartiger Lebendigkeit vor die Augen tretende antike Leben in Aegypten, vor allem in die Verwaltungsorganisation. regelte sich bei uns bisher ohne besonderes Zutun der Behörden durch Angebot und Nachfrage von selber; erst der jetzige Weltkrieg hat ein Eingreisen der Behörden nötig gemacht. In Alexandrien bestand schon in ptolemäischer Zeit ein besonderes Nahrungs- mittclamt, das für rechtzeitige und ausreichende Herbei- schaffung der Lebensmittel für die Bewohner der Weltstadt zu sorgen hatte. In römischer Zeit(nach Ausweis der Papyri seit dem 2. Jahrhundert n. Chr.) besaß jede Gauhauptstadt ein NahrungSmittclamt mit der gleichen Verpflichtung jür den Bereich der Gauhauptstadt. An der Spitze dieses Amtes stand in Oxyrhynckos ein Kollegium von zwölf Beamten, von denen je sechs in jedein Monate abwechselnd die Leitung in Händen hallen. Ihr Arbeitsfeld muß also nicht gering gewesen sein. Sie über- wachten und regelten den Auftrieb von Schlachtvieh und die Zufuhr von Getreide, sie überwachten das Mahlen des Getreides und das Brotbocken sowie das Beschicken der Märkte mit Eiern, Früchten und dgl. Das Nahrungsmittelamt war eine städtische Behörde, doch unterstand sie der Aussicht des Gaustralegcn, also der Staatsbehörde. Der Gaustratege ist es auch, der z. B. Verträge mit den Schweine- zücktern abschließt, um den städtischen Markt mit Schweinefleisch aus- reichend zu versorgen. In der Berliner Urkunde 02(187 n. Chr.) verpflichtet sich ein Schweinezüchter eidlich, seine Verpflichtung ge- wissenhast zu erfüllen:„Ich erkläre hierinit, indem ich schwöre bei dem Genius unseres Kaisers und Herrn Markus AureliuS Kommo- dus Antoninus, daß ich 105 Schweine habe, die rch füttern will zum Auftriebe aus die Märkte von Psenbcllichcs, und ich werde sig liefern, sobald du es verlangst." Später gehen die Geschäfte der Strategen auf den Logisten über, daher empfängt nun dieser solche Erklärungen, z. B. im Lxyrbynchos- Papyrus 83 vom Jahre 327 n. Chr.:„An FlaviuS Thcnnyras. Logist des oxyrhynchiiischcn Gaues. Absender Äurclius NiloS, Sohn des DidymoS, aus Oryrbynchos, Eierhändlcr von Beruf. Ich erkläre hiermit, indem ich schwöre den kaiserlichen heiligen Eid bei nnsercn Herren, dem Kaiser und den Zäsaren«als Milregentcu), daß ich den Verkauf von Eiern auf dem Markte öffentlich vornehmen will, zum Besten der genannten Stadt, und zwar Tag für Tag ohne Unterbrechung, und nicht soll eS mir hinfort gestattet sein, unter der Hand oder in meineni Hause zu ver- kaufen." Wie zeitgemäß mutet uns dergleichen an! Kleines Zeuilleton. walöemar Nösler f. DaS Opfer einer im Felde geholten Krankheit ist in der Blüte feiner Jahre der Berliner Maler Waldemar Rösler geworden, der zu den hoffnungsvollsten Persönlichkeiten des Nachwuchses der Berliner Sezession zählte. RöSlcr war von Geburt Ostpreuße und studierte zunächst bei Neide und Dellmann in Königsberg. Zu freier Eni- Wickelung kam seine Begabung aber erst, als er nach Berlin übergesiedelt war. Er hat viel von Liebermaun gelernt und ebenio bekunde» seine Werke, daß er van Gogh mit Eifer studiert hat. � Rösler hat Figuren und Landschaften gemalt, allein der Schwerpunkt seines Schaffens hat durchaus in der Landschaftsmalerei gelegen. Er war kein- wählchischer Motivemuchcr; dem Berliner Vororte, wo er wohnte, entnahm er entschlossen die Motive seiner Bilder und hatte an einem«tück vorortlicher, halb städtischer, halb ländlicher Natur, an einer Bahn- übetsübrung aber ähnlichen Vorwürfen sein Genüge. Denn sein Hauptaugenmerk war die Darstellung des Raumes durch die Mittel der Farbe und gerade in dieser Beziehung hat RöSler durch die großen Fortschritte, die er in wenigen Jadren gemacht hat, all- gemein überrascht. Mir wenigen, sparsamen Mitteln wußte er seine Bilder räumlich zu gestalten: er war dabei in der Wahl der Mittel nicht sehr ängstlich, und seine Bilder verrieten in dieser Hin- sicht oft eine etwa robuste Hand, der die letzte Reife und. Sicherbeil wohl noch fehlte. Ein Stimmuiigsmaler iw dem üblichen Sinne des Wortes ist lltösler nicht gewesen, aber es steckte ein ehrliches Stück Natur in seinen Bildern und eine Persönlichkeit von lebendiger Tneblraft.'die allem, was er machte, einen intensiven, man möchte fast sagen: federnden Zug aufdrückte. Besonders schätzenswert waren seine Winterlaudschaften, Ivo er in den zarten Harmonien der schnccbekleideten Natur schwelgte. Für die Berliner Kunst be- deutet RöSlers Hingaug einen empfindlichen Verlust. Die Vererbung geistiger Eigenschaften. Schon vor rund 50 Jahren hatte der berühmte englische Anthro- pologe Francis Galton Untersuchungen über die Vererbung geistiger Eigenschaften angestellt und als Ergebnis derselben zeigen löuneii, daß— selbst wenn mau den Einfluß von Milieu und Beziehungen. der sicher dabei mitwirkt, entsprechend berücksichtigt— sich künst« lerische Anlagen vererben, daß hervorragende Juristen, Feldherrn, Geistliche, Wissenschaftler usw. mehr hervorragende Verwandte haben, als man bei einer rein zufälligen Verteilung der hervorragenden Be« gabungen in der betr. Faniilie erwarten dürfte. Er zeigte weiter, daß in der näheren Verwandtschaft hervorragender Leute sich mehr her« vorragende Persönlichkeiten befinden als in der cntserntcreii Ver- Ivandtschaft. 31 Proz. der hervorragenden Menschen haben hervor« ragende Väter, aber nur 17 Proz. hervorragende Großväter und 1 8' Proz. hervorragende Onkel, nur 3 Proz. hervorragende Urgroß- Väter und 5 Proz. hervorragende Großonkel. 11 Proz. der hervor- ragenden Leute haben hervorragende Brüder, aber nur 13. Proz. hervorragende Cousins. 48 Proz. hervorragende Söhne, 22 Proz. hervorragende Neffen, 14 Proz. Hervorragende� Enkel und 3 Proz. hervorragende Urenkel. Man sieht ans diesen Zahlen auch, daß hervorragende Menschen häufiger hervorragende Brüder und Söhne als hervorragende Väter haben. Anknüpfend an die Galtonschen Uniersuchungen hat nun Prof. W. Peters in Würzburg in aut Vergleichung der Schulzeuginsse von ganzen Familien ausgebauten staiislischen und experimenlellen Unter- sllchungcn die Vererbung psychischer Eigenschaften festzustellen versucht. Er untersuchte die Schulzeugnisse von 1102 Vollsschülern resp. Schüleriimen auf ihre Aehulichkeit mit denen ihrer Eltern und ihrer Großeltern. Dabei' stellte sich klar und deutlich heraus, daß die Kinder von solchen Eltern, die(beiderseits) gute Zensureu ge- habt haben, im Durchschnitt auch viel bessere Zensureu auswiesen. als die Kinder von Eltern mit schlechten' Zeugnissen. PeterS stellte ferner fest, daß die Kinder, welche von Ehern abstammen, deren einer gute, der andere schlechte Noten hatte, nicht, ivie zu erwarten wäre im allgemeinen eine Diirchschnittszensur aus beiden aufweisen. sondern einige Kinder solcher Eltern haben gute, andere wieder schlechte Zensuren. Das spricht dafür, daß hie Eigenschaften„gut" und„schlecht" sich beim Nachkommen nicht mischen, sondern ab- Ivechselnd austreten. Die erperimentellen GedSchtiiiSunterslichungen. die der Autor an Geschwistern ebenfalls zum Zwecke seiner Untersuchung über die Vererbung geistiger Fähigkeiten anstellte, zeigen eine weitgehende Uebereinstimmung- der> Gedächtnisfähigkeit bei Geschwistern. Ist diese Ileberciustinimuiig nun als eine Vererbungstatsache aufzufasseit oder ist sie das Ergebnis des gleichen Milieu?, in dem Geschwister aufwachsen? Gewiß spielt die Gleichheit des Milieus eine bedeutsame Rolle dabei, aber bei der genauen Prüfung ganz bestimmter Ergebnisse seiner Untersuchungen, so besonders der Tatsache, daß bei gleichen Leistungen der Eitern diejenigen Kinder, welche Großeltern mit guten Zensuren gehabt haben, bessere Zeugnisse aufweisen, alS die Kinder, deren Großeltern schlechte Schüler gewesen sind, kommt Peters zu der Annahme, daß es die Vererbung geistiger Eigeuschasten sei. die deutlich hier zum Ausdruck kommt. Auf jeden Fall dürfte in den gründlichen und tiefschürfenden Untersuchungen von Peters neues wertvolles Bewcismaterial für die Vererbung psychischer Eigen« schaften zu erblicken sein. Seine als'Heft 4—6 des dritten Bandes der von Prof. Marbe herausgegebenen„Fortschritte der Psycho« logie" veröffentlichte außerordentlich fleißige Arbeit zeigt übrigens noch, daß seine Ergebnisse mit dem Meudelscheit VererbuugSgesctz übereinstimmen, daß also dieses Gesetz' nicht nur für die Vcrclbuug körperlicher, sondern auch psychischer Eigenschaften gilt. Notize». — Theaterchronik. Die kleinen Hauskomödien weihen ihr neues Heim am Nollendörfplatz(Bülowstr. 104), am ersten Wcihnachtsfeiertoge ein. Ein Drama von R. Schickele: HanS im„Schnaken« loch", das den seelischen Zwiespalt eines Elsässers behandelt und darüber hinaus ein Drama des Elsaß' selbst ist, hatte bei der Ur» aufführnng im Neuen Theater in Frankfurt a. M. starken Erfolg. Schickele, der selbst Eksässer ist, gibt die„Weißen Blätter" heraus, eine Zeitschrift, die den Mut hat, eigene Wege zu gehen. — Die Aussprache von— ow. Die in Norddeutschland übliche Aussprache„Büloh",„Hagcnoh",„Lützoh", die das Auslaut-w nick».spricht, ist bei russischen und überhaupt slawischen Namen falsch. Mau spricht„Sasonoff",„Trepoff",.Radoslawoff". Schon in süddeuisch-österreichlschen Dialekten wird daS Schkuß-w stets ausgesprochen; seine Nichiaussprache ist niederdeutsch und für die Namen dieses Sprachgebiets berechtigt. zz� Ums Menschentum. Ein Schiller-Roman von Walter von Molo. „Oder ein Brite! Ein Brite! Das gehet auf Shakespeare! Zeig' cher, Hoven, wenn du mein Freund bist!" Das Papier kreischte auf. Heller und schärfer denn je, sah die Sonne durch die Fcnsterfront auf Schiller, dessen lesender Kopf, wie abgebrochen, nach vorne hing. Totenstill war's im Saal, nur eine Fliege stieß an die harte Wand. Keinen Blick ließ Hoven vom lesenden Freund. Die Lippen bewegten sich nnunterbrochen, das Gesicht zuckte� die Hand wühlte im Haar und der Fuß stampfte auf. Stoß- Iveise und zusammenhanglos kanien Worte aus einer gewürgten Kehle.—„Zwei Söhne von ungleichem Eharatter... Karl! Ein Genie! Duckmäuserisch und zelotisch der andere!... Verbummelter Student... Brief unter- schlagen! Kanaille!! Kanaille!! Er rettet unerkannt den alteir Edelniann, den der zweite will beiseite schaffen lassen..." Er sah auf, gegenstandslos, wie ein Blinder. Gleich einer Tigerpranke zerknüllte seine Faust Herrn Schu- barts Erzählung. Ehern und wuchtig baute sich die kühne Stirn über der willensstarken Nase, die Lippen verachteten wie ein Herrscher die Welt!„Der Schluß muß tragisch enden!" sagte er hastig, als erhöbe sich tausendfacher Widerspruch gegen ihn. „Kannst du's brauchen?" fragte Hoven zitternd vor Freude, und seine treuen Augen bettelten um eine gute Ant- wort. Da kam jäh die Sicherheit des Stoffbcsitzes in Schillers Hirn. Ein Blitz zeigte ihm, für einen Augenblick, bezivungencn Weg. Jubelnd unischlang er den kleinen Freund, daß dem die Rippen krachten. Eine sinnlose Tollwut der Freude er- faßte ihn.„Hoven! Hoven! Merk dir den Tag! Es ist vollbracht! Ich will ein Werk schreiben, das sie verbrennen werden, ich will ihnen den Spiegel vorhalten, daß sie schaudernd ihre Kuechtscclen verhüllen müssen, daß ihnen das Mark in den Knochen starrt im Erkennen ihrer Kleinheit! Nun Hab' ich das Schiff, in daS ich mich verstauen kann l.Ter ver- lorene Sohn" soll's heißen und— Franz ist die Natternbrut, in der sich alles Gift, alle Gemeinheit des irdischen Welten- jammers vereiniget!" Mit geballten Fäusten stand er und starrte nach des Herzogs ovalem Brustbild, das den Saal schmückte. Ein Trompetensignal schmetterte im Hof. „Es ist Zeit, an die Propretö zu denken!" sagte Hoven ängstlich,„aber, nicht wahr, Fritz, du kannst den Stoff brauchen?" „Brauchen? Wie Labsal dem Dürstenden, wie Balsam in die eiternde Wunde, so ist dein Geschenk! Hoven, Hab Dank!!" Die Trompete schrie von neuem. Schillers Zähne knirschten und die Augen flammten.„Da soll der Mensch gedeihen!" Er fetzte in den Haren herum, daß der Puder flog.„Alles ist Schnürbrust!" „Fritz", sagte Hoven kleinlaut,„du�mußt heute vier Papillottcn(Haarwickel) tragen, an jeder Seite, in zwei Etagen; heut ist die Parade.von Wert'." „Hyänengezücht!!" ♦ Karl Eugen ging gemächlichen Schrittes mit Profeffor Abel den knospenden Akademicgartcn entlang. Die Fontänen der Badebassins plätscherten. Leise schwank- ten die kleinen Nachen im wohlig kühlen Wasserspiegel, auf den die Pappeln der Allee verschwenderisch ihre Blüten- kätzchen warfen. Im blauen Himmel jubilierten die Lerchen. „Professor." sagte der Herzog und hielt die Faust ans dem Rücken,„ihr könnet sagen, was ihr wollt; der Rousseau- sche Freiheitsstaat, die Abkehrung bon der schlechten Welt, ist bei niir realisieret!" Er blieb stehen und sah Abel be- fehlend ins Antlitz; er fand nämlich, daß es Zeit wäre, ihm nun endlich und unbedingt recht zu geben.„Jeder Kerl hat sein eigenes Gartenbeet, eine Ouadratrute!, das er umbauen und bepflanzen ninß. So sorge ich auch, daß sie nicht den Zusammenhang nnt der allmächtigen Erbe verlören und auch sonst: Wir lassen ihnen niannigfache Freiheiten, damit der Mensch erstarke. Sie piachsen wie die Tulpen dort, schlank und frei." „Die Tulpen werden enttopfet und herausgesetzt, loenn es die herzogliche Durchlaucht befiehlt. Die Freiheit, die gewährt wird, ist keine Freiheit! Sie Muß als Selbst- Verständlichkeit vorhanden sein, als etwas, das, wie Luft und Sonne, danklos angenommen wird. Nicht wie die Tulpen sollen die Burschen wachsen. Wie die Tannen im Wald I Hier seh ich Westum keine Tanne!. Landesfürst und Rektor in einer Person! Das ist nicht logisch! Dem Rektor muß man widersprechen dürfen; wer aber dem Rektor loider- spricht, der widerspricht dem Landesfürst.— Diese Verwandlung wird gerne vorgenommen und das bringt dann Unglück." „Er redet inimer für die Buben! Ich trage niemals nach!" Karl Eugens Blick, der von viel gutem Wollen sprach und doch in die Irre ging, wurde vom dicken Pro- fessor fest zurückgegeben.„Ich kenne die Philosophen, lieber Abel, loenn er auch innerlich lächelt. Ich weiß schon. Er ist ein kluger Kopf, aber..." Karl Eugens Nebendenken wurde übermächtig und brach die ungeordnete Rede ab,„ich will von Seiner Meinung profitieren!" Hastig nahm er die Nvtiztafel und notierte Abels geistiges Eigentum.—„Wenn ich das nächste Mal öffentlich disputiere, foll's�über die Selbst- Verständlichkeit der Freiheit— wie Luft und tsonne!— sein." Er stellte das Täselchcn in die Tasche zurück und schritt bc- friedigt weiter. „Daran, daß ich jetzt Ueberstnnden der geistigen Arbeit anordnete, daran wird Er nichts ändern I Und die Privat- arbcitszeit muß auch durch Vorschriften geregelt sein, sonst nützen sie die Pursche nicht richtig auS. Ich will mich vor der kaiserlichen Majestät nicht blamieren; ich Hab' so meine Pläne; die zu Tübingen sollen sich schwarz giften! Ich will der kaiser- lichcn Majestät imponieren! Sollen den jungen Herren tmr deswegen ein bißle die Köpfe rauchen, das schadet nichts. Man imponiert der kaiserlichen Majestät nicht leicht; sie ist ein sehr gescheiter Herr, der ein scharfes Maul hat und Augen, die alles sehen. Seine Frau mmnau scheint nicht sehr entzückt von ihm, er behandelt den Glauben etwas ns»UZeatst lnachlässig).— A propos!(da fällt mir ein) Glaubt Er, daß eS wirklich ein gerechtes Jenseits gäbe, wie iininer geprediget lvird? Ich niach' mir nicht viel aus den Choscn nach meinein Tod, denn— nichtwahr!— was ist Glück und Seligkeit? Für den einen ist's so, für den andern so; für mich ist's sicher höchst errnuyant(langweilig)." Als er sah. daß sich Abels Stirne verfinsterte, griff er beschwichtigend nach des Gefragten Arm.„Laß' Er die Antwort! Ich vergaß, daß Er geistlich gebildet wäre. Lassen wir das Raten; wir er- fahren's ja doch l.. Gorts. folgt.) Direktion; Max Reinhardt. Deutsches Theater. Doutscher Zyklus. T'/a Ubr: Danton!« Tod. Kammerspiele. 8 UTir;(«ospcnKtcpsonate. VotkMbüliuc. Theator a. BUlowpl. 8'/, Uhr: Xachtaw.vl. Ttieafer I. d. Königgrätzsrstr. 8 Uhr: Erdgeist. Komödge�haus 8 Uhr: Der 7. Tag. Berliner Theater. 8 Uhr: Auf Flügeln des Gesanges. Homiabend nachm. 3'/, Uhr: Elsl's Milrehenrelse. Ssssing-Theater. Direktion: t'ictor Barnowsky. T'/jU" PeerGynt. Mus.v. Gricg. Freitag; Jnllns Cäsar. Sonnabend: Die Troerinnen. Deutsch. Xönstler-Theater. Allabendlich 8 Uhr; MOFäl URAÜIA Taubenstraße 48/49. 8 Uhr: Hindenburgs Mauer. Theater für Donnerstag, 21. Dezember, Residenz-Thealer Warschauer Zitadelle. Deutsches Opernhaas, Charlottcnb. s uhr: Carmen. Frledrlch-Wilhclmstädt. Theater. s uhr: Das Dreimäderlhaus. Gebr. Herrnfeld-Thcater 8'/, Uhr: Der doppelte Buchhalter. Posse mit Gesang und Tanz. Kleines Theater s uhr: Am Teetiseh. Komische Oper Anfang 8 Uhr, Ende 10'/« Uhr. Der Puszta-Kavaüer. Lustspielhaus 8'/.u.- Der selige Balduin mit Henry Bender. Metropol-Theater s uhr: Die Csardastürstin. Neues Operettenhaus Kassentelophon: Kordon 281. s uhr: Der Soldat der Marie. Schiller-Theater O. 8 uhr: seine einzige Frau. Schlller-Th.Charlottenbg. uhr: Kater Lampe. Thalia-Theater. s uhr: Das Vagabundenmadel. Theater am.Vollendorfpl. y'/v ü.: Der Trompeter v. Säckingen. 8>/< Uhr; Blaue Juugcnit. Theater de» TTcHten» 8 uhr: Die Fahrt ins Glück mit Guido Thielscher. Trlanon-Theater s'/.v.-..... als Gast. Hose-Theater s uhr: Das GlQeksmädel. Walhalla-Theater s uhr; Das Musikantenmädel, llontag, den SS. Bez., 8 Lhr Dienstag, den ISO. Dez. Nachmittags 3 Uhr Abends 8 Uhr Vorverkauf an der Theaterkasse 10—1, sowie bei A. Werthoim u. Invalidendank. Casino-Theater. Lothringer Str. 37. Täglich 81/. Hör Sic Schlagit-Poise dieser Spielzeit Lwvi heU@ Berliner Berliner Figuren! Berliner Humor! Borher erstklassige Gpezialitäte». Am 1. und 2. Feiertag Nachmillag 4 Uhr: V�eilinsohtzurlzuh. Reiehsdaüen-Theater. LlMter BSugcr. Friadcnsglccken. Ansang 8 Uhr. Am 1.«nd 8. Ketertag nachmittag 3 Uhr: (Errnä». Preise) Weihnachtsabend l. Schlitze..graben Gircu» MSCIl- Anfang 8 Uhr: Das neue groSe Welhnachtsprogr. Dir. Wilke jr.. fyrcihcitäbreffurcn. Reitertamilie Xaver Brumbaoh: 4 fach Jockey usw. Die Geierpiizessin. � Sonnab. nachm. 3'/, U. wiederum Beim Weihnachtsmann. 1 Kind frei. Vorverkauf für den 1., 2. und 3. Feiertag nachmittags u. adends. täglich 10—9 Ubr. Heiligabend geschlossen. Volgt-Theatee. Sadsir 53. Badstr. 58 Tätlich; Spottrögel. 1. Feiertag 3 U.: Das goldene Buch. 8 U.: Rückkehr am Weihnachteabend. 2. Feiertag 3 U.: Uädel ohne Geld. 8 U.: SpottvSgel. 3. Feiert. 3 U.: Wenn die Siegesglocken läuten. Ab 28. Dezember: Die LSwenbraut. Kassencröffnung 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. Adrniraispaiasl. Das herrUche Eiehaliett �rau �fantasie. Anf. 8'/, Chr.*,», 4 M. Possen-Thealer. Täglich 8'/, Uhr: Des Eätrcn Erwachen Ent oder weder Hotlmann's Schmnß. Tägl. 8Uhr. Sonnt. 8 Uhr. Scnsations- Gastspiel Mabel May Yong und das grobe, neue Dezember- Programm. Sonnabend, den 23. Dezember (Karten U,Ö0— 2,00:, nachm. 4 U.: Bäuscl und Gretcl. Prlzgarnilurc»! Eckst e tilaSla- siichse! Alaskamufsen! Ekunksgarni- luren I Skunksmufsen I istoldsüchse! Fuchsmusseu! Lpossumsilchse! Back' lischgarniturrn! PelzslolaS, FuchS- jonn 15,75! 17,50! 22,50! ßyliisen 17,50! 22,50! Beilenberlaui! Teppiche! Tischdecken! Vorleger! Tischdecken! Diwaodecken! Uhren! Ketten! Schmucksache»! Teilweise Auklions- piänder, spottbillig! 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