Nr. 295.- 1916. Unterhaltungsblatt des vorwärts §oMag.�.ZtMbtt. Wethnachtsbrauche. Bon Dr. 15. F eh r l c.*) Än Wcrhnactmn treten die nicht christlichen Glaubenkäutzc» rnngen unseres Voltes heute nicht mehr stark herlior. Man findet sie aber doch noch mehrfach. Auf verschiedene Weise kann man die Zukunft erforschen: man läßt Wasser gefrieren und ersieht aus den tanögcftalteu kommende Ereignisse, besonders den zukünftigen 'Gatten. Oder man geht in der Christnacht vor fremde Häuser und horcht an den Fenstern. Dabei denkt man sich einen Wunsch. Hört man von drinnen zuerst ein Ja. dann geht er in Erfüllung: bei uinem Rein nicht. Au» dem WeihnachtSwettcr kann man auf die Witterung de» ganzen Jahre» schließen. Ein Kirschbaumzweig, der an Weihnachten ins Wasser gesteckt wird und an Neujahr blüht. zeigt für da» kommende Jahr gutes Wetter an. Man kann ihn auch an Nikolaus- oder Barbaratag in» Waffer stecken. Er mutz dann an Weihnachten blühen, um gutes Wetter in Aussicht zu stellen. In Thüringen zieht man Stroh aus dem Dache eines ererbten Hauses; findet man dabei noch Körner, so hat man im kommenden Jahr Glück. Mädchen kehren am Weihnachtsabend die Stube aus, tragen den Kehricht in den Hof nnd warten, darauf sitzend, bis der erste Hahn kräht. Woher er kräht, daher kommt der zukünftige Schatz. Solcher Aberglaube ist nicht willkürlich erfundener Hokuspokus, sondern setzt bisweilen«ine ganze Keite der Entwicklung des BolkSglaubens vorau». Man glaubt z. B.. datz geisterhafte Wesen ain Boden und in den Ecken sitzen und mit dem Kehricht hinaus- gefegt werden können. Setzt man sich auf den Kehricht, so ist man in citgcr Sktbinöinig mit ihnen und kann von ihnen die Zukunft erfahren. Dieser Brauch ist in der eben genannten ZukunftS- erforschung verbunden mit dem Glauben an die prophetische Gabe des Hahnes. Wie er den Tag verkündigt und das Licht bringt, kann er auch die Zukunft zeigen. Der Glänzpunkt der Weihnachtsfeier ist der Christbaum oder Weihnachtsbaum. Er ist ebnso weit bekannt wie die Bescherung, ja Weihnachten ist für sehr viele Deutsche ohne einen Christbaum gar nicht denkbar. Und doch ist der lichtcrgcschmückte Bamn noch ziemlich juicg, alt aber seine Vorläufer. Im Jahr« 1434 schreibt Sebastian Braut in seinem Narrenschiff: Und wer nit«ttoa» nuweS hat und umb das nuw jor shngen gat und gryen tann risz steckt jn syn hutz, der meynt, er lebt däs jar nit uß. Damit haben wir einen wertvollen alten Beleg stir den durch mehrere Jahrhunderte bezeugten und heute noch üblichen Brauch, grüne Zweige ins Haus zu hängen oder aufzustellen. Dies sind entweder Zweige von Nadelbäumen, Buxbaum, Rosmarin, Stech- palmc oder von Kirsch-, Weichsel- und anderen Laubbäumen oder Blumen. Sind sie nicht immergrün, so steckt man sie einige Zeit vor Weihnachten ins Wasser und stellt sie in die warme Stube, damit sie bis zum Fest 5hiospen, Blätter oder Blüten treiben. Hier sind zwei Anschauungen ineinander übergegangen: man glaubte in Deutschland, datz mit Beginn eines neuen JahreS auch die Natur anfange neu zu erwachen und erzählte sich allerlei Wunderdinge von Bäumen, besonders Kirschbäumen, die an Weih- nachten blühten. DaS war in den Augen der Christen«ine Ver- herrlichung des Christkindes durch die Natur und wurde in der Literatur viel behandelt und in Verbindung gebracht mit dem Baum der Erkenntnis im Paradies und durch ihn mit dem Kreuz Christi. Mit diesem Glauben verband man den Brauch, Kirsch- *) Aus der im Verlag von B. G. Teubner-Leipzig soeben er- schieiwnen Schrift:„Deutsche Feste und Volksbräuche."(Aus Natur uicd Geisteswelt. Geh. ILO M., geb. 1,50 M.), in der der Verfasser mit Hilfe einer Anzahl reizvoller Bilder den tieferen Sinn, den urprünglichen Kern aufzeigt, der in unseren Fest- und sonstigen Volksbräuchen als Geist bewahrt ist. baumzweige vor oder an Weihnachten ins Wasser zu stellen. Neben» her ging eine andere Anschauung. Den Pflanzen, die sogar im Winter grünen, und denen, die im Frühjahr zuerst Knospen und Blüten treiben, schreibt man ganz besondere Lebenskraft zu. Diese gilt cS sich nutzbar zu machen. Wenn man die Pflanzen im Haus aufstellt oder Menschen, Tiere und Bäume damit berührt, so glaubt man, datz ihre starke Lebenskraft auf die Berührten oder überhaupt die Umgebung übergehen, Ucbel abwehren und Segen spenden könne. Die Zweige werden deshalb an der Haus- oder Stalltür angebracht oder im Stall, in der Wohnstube, im Speicher, wo sie meist gegen Feuersgefahr schützen. Man pflegt in der Wissenschast einen solchen Zweig Lebensrute zu nennen.... Ter Ursprung des heute üblichen Weihnachtsbaums scheint im Elsatz oder überhaupt im alemannischen Gebiet am Lbcrrhein etwa zwischen Basel und Stratzburg zu sein. Von hier aus sollte er sich über ganz Deutschland und die Welt verbreiten. Zunächst wird der Weihnachtsbaum an einigen Orten Süd- und Nord- deutschlands erwähnt. Aber weder Name noch Aussehen ist ein- heitlich. Er heißt bald Weihnachtsbaum, dann Christbaum, Lebens. bäum oder wird sonst gekennzeichnet. Oft ist er ein Tannenbaum, anderswo, wie in Westfalen, eine Stechpalme oder ein Wacholder- bäumchen oder eine Birke, ein Kirschbäumchen oder sonst ein Laub- bäum, den man öfters schon einige Monate vor Weihnachten in einen Topf setzte und ins Zimmer stellte und auf Weihnachten zum Blühen brachte. Jn Ostfriesland hatte man bis vor kurzem kein Bäumchen, sondern ein Gestell, an dem Laub, Zucker und etwas Gebäck angebracht war. Dies war am Fenster aufgestellt, wo das Christkind in der Silvesternacht Geschenke für die Kinder hinlegte. Bisweilen steht der Weihnachtsbaum neben den blühenden Laub- däumchen. Erst Ende des 13. Jahrhunderts, z. B. 1782 in Stratzburg, finden wir den Weihnachtsbaum mit Lichtern. Lichter brannte man an Weihnachten auch ohne oder neben dem Baum, so am MarttnStag.' Wie dort werden sie hier zunächst die bösen Geister vertreiben sollen. Licht und Leben sind schon früh einander gleichgesetzt. Dem Licht schreibt man allgemein scgenspcndende Wirkung zu. Die WeiHnachtSsitte, Lichter anzustecken, war zuerst ein selbständiger Segcnsbrauch und ist Ende deS 18, Jahrhunderts mit dem Baum verbunden. Weihnachtsbaum und Lichterglanz sind jetzt für uns unzertrennliche Vorstellungen. Goethe lernte den Weihnachtsbaum in Leipzig kennen. Bei ihm und Schiller war er noch eine Seltenheit, die beide Dichter im Elternhause nicht kannten. I. P. Hebel verherrlichte ihn in seinen alemannischen Gedichten. UeberkMupt wurde er am Anfang des 13. Jahrhunderts öfters in der Literatur erwähnt und fand in der Stadt immer mehr Eingang. Jn und nach den napoleoni- schen Kriegen brachten ihn bei den großen Umwälzungen deutsche Offizier- und Beamtenfamilien ins Ausland, fremde Soldaten lernten ihn bei uns kennen. Die Franzosen sahen ihn 1870 wie jetzt wieder bei unseren Soldaten. Ueberhaupt kam der Weihnacht?- bäum von Deutschland aus ins Ausland. Heute fehlt er wohl in keinem Erdteil mehr..*. Einen solch herrlichen Siegeslauf durch die Welt hat sonst kein deutscher Volksbrauch aufzuweisen.... Kleines Zeuilleton. Ein propaganüa'Iilm. Im Auftrage der Kommandantur von Berlin hat der Dr. Richard Otto Frankfurter einen Film verfaßt. Im Union-Thcatcr am Kurfürstendamm ist diese wirtschafts-statistische Komposition, die dazu dienen soll, in augenfälliger Form für die Leistungsfähigkeit Deutschlands Zeugnis abzulegen, zum erstenmal gezeigt worden. Um die eigentliche Absicht, die Vorführung unseres ungestörten StratzenlebcnS, unserer Markthallen und Nahrungsmittclbetriebe, unserer großen Restaurant», unserer Fabriken, unserer Werften, unserer Häfen, unserer Unterseeboote gefällig einzukleiden, wurde eine Fabel im Etile Jules Vernes erfunden. ES mag sein, datz solcher Trick den Instinkten de? größeren Publikums entgegenkommt-, unbedingt notwendig wäre cS nicht ge- wcsen, die interessanten Vorgänge, den Auftrieb von Schweineu, die Herstellung von Granate», daö Fertigmachen eines Torpedos, in die romantisch- Erdenwanderung dreier Marsbewohner einzu- spinnen. Die Wucht der wiedergegebcnen Tatsachen konnte jedenfalls nur gewinnen, wenn das belletristische Beiwerk beschnitten werden würde. Wozu die Sentimentalität reizen,>w:nn so gewaltige Wirklichkeit zu zeigen ist?, �, Wie kompliziert, wie phantasievoll, wie dämonisch ist dock»»olch ein Gvwirr von Radern. von Dampf und Feuer! Die cschmiede des Vulkans ist eine Puppenstube, gemessen an den Werkhallen von Krupp oder denen der A. E. G. Es ist sehr nützlich, datz die bürgerlichen Kreise, die von diesen Jndustriestäticn nur selten eine klare Vorstellung haben, derartiges einmal zu sehen bekomme!!. Heldenlieder der Technik, der Organisation der rechnenden Ver- nunft und des zivilisierten Möllens. Eines freilich mutz den fühlenden Zuschauer tief ergreften: Ist es sinnvoll, datz solche Fülle der menschlichen Leistung, solche gi- gantischen Anstrengungen, soviel Energie und soviel ar!bsit»ame Tugend aufgewandt werden, um den Krieg zu betreiben? Dieser Film, der eine Apotheose deutscher Leistungsfähigkeit ist und der zu seinem bescheidenen Teil ein Mittel unser unbeugsamen Krieg- sührung sein soll, kann eine sehr ernste Predigt gegen die Zcr- störung von Menschenleben und Kultur werdein R. Br. �dazu hat Suchholh kein GelS�. Wenn sernand an uns mit der Anforderung herantritt, eine an sich wohl ganz nützliche, aber doch entbehrliche oder mindestens am- schiebbare Ausgabe zu machen, io pflegen wir ihm wohl scherzhaft zu erwidern:„Dazu hat Vuchholtz kein Geld!" Der Urheber des in Rede stehenden geflügelten Wortes ist kein anderer als Friedrich II. »nd dieser hat das Wort, das seitdem unvergessen blieb, zum ersten- mal vor 150 Jahren gebraucht. Ende Dezember des Jahres 170« reichte das preußische'Ministerium dem Könige einen Anschlag ein. i» dem zu einer notivendigcn Reparatur der Langen Brücke in Berlin, der jetzige» Kursürsteii-Brücke. 1082 Taler, 17 Groschen und 3 Pfennig gefordert wurden und die Bitte hinzugesiigt wurde, diese Summe auf die HofstaatSkasse anzuweisen. Der Amchlag kam aber aus dem Kabinett zurück, und zwar mit dem einfachen Vermerk von de? Königs Hand:„Dazu hat Buchholtz kein Geld". Die Minister begriffen ivohl, datz das ein„nein" war. Da ihrer Ansicht nach aber der Zustand der Brücke gefährlich war, so machten sie eine zweite Em- gäbe, die indessen kein besseres Schicksal halte, al» die erste; denn auch sie kam mit de», Vermerk zurück:„Dazu hat Buchholtz kein Geld". Da« machle in Berlin einen solchen Eindruck, datz man hier von nun ab, wenn man eine Ausgabe aufsckiieben wollte oder mutzte, sich und andere damit tröstete:„Dazu bat Buchholtz kein Geld". Von Berlin aus verbreitete sich dam, dieses Wort über ganz Deutsch- land. Das preußische Ministerium lietz übrigeus die in Betracht kon, inende Berliner Brücke doch in Stand setzen, erhielt aber dafür noch einen königlichen Verweis, indem der Monarcki schrieb:„Ick, habe die Brücke passiert und außer dem Geländer nicht« Schadha'teS an ihr wahrnehmen lönnen, auch sie ist ja von Stein und massiv gebaut." Wirklich mutzte die Dringlichkeit der Reparatur noch einmal nachgewiesen werden, ehe der Zahllmgsbefehl erfolgte. Der hier genannte Buchholtz, dessen Name durch die Redensart unsterblich geworden ist, war der Schatzmeister des König». der Kriegs« und Domäuenrat August Buchholtz, der im Jahre 1708 in Berlin gestorben ist.__ Notize». — Theater. Da» Lustspielhau« beginnt in den Feiertagen nachmittags um 3 Ilhr, abends um lili Uhr. — Der Berliner V o lks- C h o r veranstaltet am 26. Dezember(1. Feiertag», nachmittags 4 Uhr, im„Deutschen Hof", Luckauer Straße, eine Weihnachlsfeier, bei der Kinderaufführungcn, Weihnachislicder, Szenen aus„Häusel»nd Grctcl" geboten werden. Eintritt für Erwachsene 20 Pf., iür Kinder 10 Pf. 3Ss Ums Menschentum. Ein Schiller-Roman von Walter von Molo. „Das ist der junge Schubart," sagte plötzlich halblaut Elwert und erschrak zu Tode, weil sein unbewußtes Wort in der stockgeborenen Stille entsetzlich hallte und ihn Herr von Seeger, der gestern zum Oberstleutnant avanciert war, tiefböse und strenge ansah. Ein flimmerndes Zittern lief durch die Augenlinien der Schar, dann standen die Blicke wieder Habt-Acht. Karl Eugen schritt langsam näher, bis er tu der Mitte der Front angekommen war. Er lüftete feierlich, komödien- Haft, den Hut.„Guten Morgen, meine Söhne!" sagte er * bedächtig und würdevoll. Prüfend sah er die reglosen Reihen entlang. Er befahl:„Heideloff, einen Achtelschrttt nach links!" AIS das geschehen war, stellte er SchubartS Sohn vor sich hin, daß dessen ängstliche Augen in die Reihen der Aka- demisten sahen. Die schmalen Bubenschultern dienten den herzoglichen Händen als Stütze und Kanzelbrüstung. „Liebe Söhne," begann Karl Eugen im Predigerton und sah mit tiefem Ernst die strammen Glieder seiner zukünftigen Diener entlang,«ich hoffe, daß ihr es alle am eigenen Leibe erfahren habet, daß ich ein wahrer Fürst und Vater meines Volkes sei. Ihr seid mir hier in meiner Akademie, die in wenigen Tagen deS Kaisers Majestät auszeichnen wird, ein Symbol fürs Land Württemberg. Jn gesteigertem Maße er- fahret ihr meine Obhut I Meine gottaufgetragenen Pflichten erfüllet? ich stets über das Maß! DaL kann mir eines jeden Blick und Wort bezeugen. Ist'S so? Hoven?" „Ja. Herr Vater!" würgte eine gezwungene Kehle, die vor Sckam erstarb. „Weil wir aber alle Mensch sind, das heißet, da wir alle dem vorzüglichen Grad der Vollendung nur in die Nähe kommen können und ihn nie erreichen werden, so ist es unsere erste Pflicht, wenigstens der Vollendung näher zu streben! Es ist freventliche Missetat, wenn wir dies gottgefällige Streben leichten Sinnes imterlassen, wenn wir unsere guten Gaben in Schmutz verwandeln und böses Beispiel geben. Solche» hat. bis in die jüngste, Zeit dieses Knaben Vater, mein ehemaliger Organist Christian Daniel Schubart, in un- flätiaer und himmelanstinkender Weise getan. Er hat seine im Grunde nicht üblen Gaben dazu zu verwenden gewagt, Unsere geheiligte Person anzutasten und zum Gespött Ehr- furcht- und Gehorsamloscr gemacht, was übel enden mußte, da er sich über Angelegenheiten zu urteilen vermaß, die seinen Untertanenverstand weit überstiegen. Die böse Sinnlichkeit, die Fleischeslust, war sein schlimmster Feind."— Karl Eugen schlug im Feuer der Rede so heftig auf sein Menschenfleisch- Katheder, daß dem Knaben die Tränen flössen. Franziska von Hohenheim getraute sich nicht näher, sie hielt ihr fein- seidenes Taschentüchlem untätig in der Hand und»vartete, bis ihres Gebieters wohlvorbercitcte Rede gewunden zu Ende kam. „Wir haben Uns also auf Unsere göttliche Sendung bc- sonnen und Uns bemüssigt gesehen— nicht zuletzt zum eigenen Besten deS Frevlers, um seiner Antastung fast aller gekrönter Häupter auf diesem Erdboden ein Ende zu machen und von der Erwägung ausgehend, daß es ihm bei Uns noch sicherlich am gelindesten ergehe, infolge unserer aufgeklärten Denk- weise— ihn auf dem Hohen-Asperg in sehr enge Ver- Währung zu nehmen und ihn dort die Enthaltsamkeit von seinen Lüsten �u lehren, damit er unschädlich sei und in sich gehe und geistig gesunde, zum Lobe des Schöpfers, den er so hintangesetzet, gar nicht zu reden von dem, was er Uns von Gottes Gnaden Gesalbten und zur Herrschast Erwählten an- getan hat.. Karl Eugen holte Luft und hob die Stimme.„Doch Wir sind Mensch I Daß heißet, daß auch Wir als Landesherr nicht immer frei von Sünde waren, was Wir hiermit anS drücklich und freimütig bekennen, was die Schuldigkeit eines Rechtschaffenen ist und die besondere Pflicht eines Herrn dieser Erde l Darum haben Wir dieses Kindes sündigen Vater nicht peinlicher gestrafet, sondern ihm bloß die Freiheit und daS Licht genommen, festen Glaubens, daß auch er zu bessern sei. ES wäre auch nicht väterlich und Unser unwürdig, wollten Wir des VaterS Sünden an den unschuldigen Kindern oder an der schwer gebeugten Gattin strafen. Wir haben drum verfüget, daß des Verbrechers Ehegcsährtin eine Jahrespension erhalte und die 5kinder in die Akademie unentgeltlich auf- genommen iverden, um sie zu tüchtigen Menschen und Unter- tauen zu erziehen! Des Frevlers Tochter wird also von der Dame behütet, die er am frechsten beschimpfte, und ich werde seinem Sohne ein echter Vater sein..." Karl Eugens Stimme dröhnte an die kalten, leblosen Wände.„Und so verbiete ich jedem, der mir dadurch zu schmeicheln vermeinet, dem Sohne seines Vaters Sünde und Freveltat vorzuhalten!— Herr von Seeger, hier übergebe ich Ihm Seinen neuen Schützling!" Mit großartigem Arm- schwung schob er das Büblein von sich. Franziska von Hohenheim kniete vor dem schluchzenden Knaben und wischte ihm die Tränen ab.„Wird noch alles gut werden, Büble." tröstete sie gütig und umfing das Kind mit den weißen Armen, deren Handgelenke schwarze Samt- bänder mit blitzenden Brillanten umschlossen,„ich Hab' deinem Herrn Vater versprochen, daß ich zu dir lieb sein wollte. Der Herr Herzog ist ein guter Herr; er sorget für uns alle; er wird'S für dich und die Mutter und die Schwester auch tun." „Herr von Seeger," sagte Karl Eugen, der gern den Schein erweckte, alö spräche er ohne Vorbereitung,„geh' Er sofort in Seine Kaiizlei und schreib' Er meine Rede aus dem Gedächtnis nieder; die besten Einfälle gebiert der Augenblick. Sie ist nicht übel und soll als gnädiges Reskript, vom Abel ausgearbeitet, an meinem fünfzigsten Geburtstag, der leider bald nahet, von den Kanzeln herab im Lande verkündigt werden, als Dokument meines väterlichen Sorgens. Meine Regentenpflichtcn sind drin enthalten; was von den Pflichten der Untertanen, der Rotiirc(Bürgerstand) und Canaille, zu sagen ist. Iverde ich noch nachdrücklichst hincinsetzen!" Karl Eugen nickte zufrieden,»vcil er SeegerS untertänige Bc- wnndcrung sah; er gab sich nun te�örs(ungezwungen): „Man lasse die Pursche zu Tisch marschieren; sie werden Hunger haben!" ... Im taktmäßigen Schleifen der marschierenden Fuße, sagte Scharffcnstetn mit ticferregter Stimme, die um Klar- heit rang:„Was sagest du, Schiller?" Keine Antwort kam. „Meinet er es gut mit Schubart?" Keine Antwort kam. „Sag, Schiller!" �. Daö Feuer der einseitigen Anschauung war in Schillers Augen ausgegangen und gnalnite nur mehr schwelend. Langsam, zögernd schlich endlich die Antwort ans seinem Munde: „Es ist so schwer, gerecht zu sein, so furchtbar schwer!— Ich weiß nicht, ob er recht hat!" sagte er heftig, als des andern Blick nicht von ihm wich.„Gott selbst weiß wohl manchmal nicht, ob daS recht ist, ivas Er tut." „Schiller!? Du frevelst an Gott!" „Nein, Scharffenstein! Ich beuge mich vor ihm, aber es bereitet mir jetzt immer öfter Seelenpein l Der Geist pariert nicht tvie das Herz I Man darf den Glauben nicht sezieren, will man nicht die schöne Meinung verlieren. Sich: der Schubart setzt sich für tcutsche Einfachheit nnd Sitte ein und führet ein Luderleben! Ter Herzog kerkert ihn ein und sorget für seine Kinder! Der Mensch hat zwei Ich; wir sehen zumeist nur die Masken, und daS ist traurig. O, Scharffenstein, halt' du zu mir. denn ich brauch' den Glauben an die Menschheit! Ich brauch' ihn!!" Sie marschierten Hand in Hand.„Schiller!" sagte Hoven hastig und stach eifersüchtig nnt dem Kopfe zwischen die beiden, „Du mußt mir heute abend'was ins Stammbuch schreiben I 'Was schönes! Du tust's anderen auch; ich bin Dein ältester Freund! Vergiß das nicht!" Fritz Schiller sah und hörte nicht, er ging wie im Fieber. Gut und Böse, Wollen und Müssen, Ideal und Wirklichkeit, sie drangen aufS neue in ihm nnd hämmerten sein glühendes Herz.———————————— (Forts, folgt.) •'YT�er selbst neben der Tageszeitung eine alle 14 Tage erscheinende Zeitschrist lesen möchte, i • die alle wichtigsten Vorgänge im In- und Auslande vom sozialdemokratischen: i Standpunkte aus beleuchtet, viele Stimmen aus dem Felde und anregendes llnterhalwngs- : Material enthält, wer seinen Angehörigen und Freunden im Felde eine besondere l Freude bereiten will, der bestelle bei der Post die i Sozialdemokratische Keldposi : für 50 Pfennig vierteljährlich. Wie die feldgrauen Genossen über die, MuSt. Schroof..Diese Feldpost ist das schönste was es gibt. Eine Erbauung trotz der traurigsten Stunden, die man hier erlebt. Uns enger verbindend mit dem was unsere Hoffnung, Den Weg weisend, und zugleich geistiger Stoff, den man hier leider sehr entbehren muß, Ttatrose Aug. Lampe. Die.Feldpost" hat mehr beiden Kamerade» gewirkt als meine fast zweijährigen Auseinandersetzungen, Zch selbst habe hieraus viel Kraft gewonnen, zu jeder Zeit eine Auseinander- setzung aufzunehme». Gefr. Paulleck, Ein wohltätigere« Werk könnten Sie nicht vollbringen, als uns so ein Labsal Ins Feld zu senden. Lange erwarteten wir etivas Derartiges, denn alle anderen Zeitungen konnten uns den Mut und die Erfrischung nicht bringen, die wir so nötig Sozialdemokratische Feldpost" urteilen: brauchen. In der.S, F," finden wir sie und deshalb haben wir alle solch großes Bertrauen zu ihr. Ldstm. Gustav Otto. Die.S. F." ist bei meinen Kameraden deliebt, wie selten eine Zeitung oder ein Fachblatt. Kan. Rose. Ich und alle meine Kameraden find ganz versessen auf die Zusendung unserer lieben ,S,F," Wenn heute z, B, meine Nummer ankommt, so wan- derl ste zuerst— von mir gelesen— von Sand zu Sand in unserer Feuerstellung sowie im Lager herum Aber immer vorsichtig, damit fie nicht zerrissen oder beschmutzt wird. So gehl ste dann nachher gut ver- packt zu meinem Freunde,., in der Batterie, Dieser war früher Gegner unserer Sache, jetzt aber denkt er ganz anders und ist wie»ersessen auf meine Sendung, Mehr als 25 000 begeisterte, in diesem Sinne geschriebene Anerkennungen erhielten die Herausgeber derSozialdemokratischen Feldpost in kurzer Zeit. Verlangen Sie Probenummern vom Verlag für Sozialwiffenschaft G.m.b.H. Berlin SW. 68, Lindenstraße 114. sind meine Läger für Artikel ohne Bezugsschein wie Teppiche, Möbelstoffe, Gardinen, Läuferstoffe, Tisch- u. Diwandecken eto. noch reich sortiert!! Viele dieser Artikel zu alten Preisen!! Teppich-Spwa'haus Emil Lefevre Berlin-Süd. 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