flt. 298.- 1916. bc0 Dori»att0 Z«m°dt«d,zo.?elmbn. Line oerwickelte und öunkle Gesihichte. Von Arkadxj Awert schenk o. 1. Der Stiefelhändler Podljnkin zog seinen schäbigen, an den Nähten aufgerissenen Ueberrock ohne Kragen an und ging zu Fuss in den Laben des Spezereihändler» Chamow. Er begrüßte ihn und sagte:„Brüderchen, gib mir zwei Pfundchen Schinken."—„Bitte, Brüderchen, für Dich zwei Rubelchen."—„Was fällt Dir denn ein, noch vorgestern habe ich doch nur 80 Kopeken bezahlt!"—„Nun, das war vorgestern, und das ist heute," lächelte Chamow ver- schlagen.—„Nun gut, Bruder Chamow, Du wirst noch an mich denken!" Er verließ den Laden, indem er Zahlen und Ziffern vor sich her flüsterte. 2. Der Kaufmann Chamow zog seinen Ueberrock mit dem Kragen aus Hundefell an und fuhr auf der Straßenbahn zum Stiefel- Händler Podljukin:„Tag!" sagte er, als er eintrat.„Nun, Täub- chen, zeig mir mal' so ein Stiefelchen."—„Bitte, bitte," sagle Podljukin, und lief unruhig hin und her.„Da ist schon ein Paar, 16 für Sie."—„Was 16? Noch vor einer Woche habe ich doch für meinen Onkel bei Dir für 13 Rubel gekauft!"—„Was heißt denn das, vor einer Woche! Vor einer Woche kostete der Schinken bei Dir auch noch 86 Kopeken."—„Ach. so willst Du es machen?" Warte nur, bis Du zu mir kommst, ich werde Dir schon einen Dienst erweisen!" 3. Der Kaufmann Podljukin zog seinen neuen Ueberrock mit dem Schaffellkragen an, setzte sich in eine Droschke und fuhr zum Spezereihändler Chamow.„Bitte, fünf Pfund Schinken."—„Bitte sehr, zehn Rubel an der Kasse."—„Ach, jetzt kostet das Pfund schon zwei Rubel? Vorzüglich, vorzüglich, jetzt weiß ich, was ich zu tun habe!" 4. Der Kaufmann Chamow schickte sich an, zum Stiefelhändler Podljukin zu fahren und warf dazu seinen Biberpelz auf die Schul- tern, setzte seine Zobelmütze auf und rief, als er unter die Türe trat:„Nikifor, vorfahren!" Der wohlgenährte Kutscher zwickte mit der Peitsche, und das Pferd flog dahin. Podljukin empfing Chamow sehr stolz:„Stiefclchen brauchen Sie? Bitte sehr, 38 Rubel das Paar, kaufen Sie nur schnell, später werden Sie auch die nicht mehr kriegen."—„Ach, so kommst Du mir," lächelte spöttisch Chamow,„natürlich nehme ich die Stiefel- 'chen, aber ich rate nicht einmal Deinem Bruder mehr, sich bei mir tm Laden zu zeigen, ich werde euch schon kommen." 5. Podljukin zog seinen Pelzmantel an, der mit Silberfuchs ge- füttert war, ergriff seinen Stock mit der dicken massiven Goldkugel und trat unter die Tür:„Michail, vorfahren!" Das Automobil fuhr pustend und zitternd vor und blieb auf dem Pflaster stehen. Podljukin fuhr zu Chamow. Zwischen den beiden entwickelte sich folgendes Gespräch:„Ich, Bruder, bin ein gerechter Mensch, Du nimmst mich mit Deinen: Schinken, ich Dich mit den Stiefeln, Du mich mit der Wurst, ich Dich mit den Galoschen."—„Du wirst uns nicht unterkriegen, bisher hast Du mir für Deine Stiefel 62 abgepreßt, dafür verkaufe ich Dir die Wurst zu 83, Du nimmst 16 von mir für ein Paar Galoschen, und ich verkaufe Dir geräucherte Kalbsbrust zu 18,56." Verbittert schaute einer den anderen' an und dann trennten sie sich._. - 6. � Lieber Leser! Ich glaube, daß weder Dich noch mich der Kampf dieser beleidigten Helden interessieren- würde, wenn Nicht... In diesem Falle bestand das„wenn nicht" in dem kleinen Beamten Publia Owetschkin, der, Gott weiß warum, zwischen die beiden beleidigten Helden geriet. Als er am 26. des Monats sein Gehalt bekam, zog er seinen warmen, mit Schaffell gefütterten Ueberrock an und fuhr in der Droschke zum Stiefelhändler PMjuiin. ,'n Paar Stiefel."—„Bitte sehr, 22 Rubel."—„Entschuldigen Sie, aber früher kosteten sie doch 13."—„Das ist noch billig, auch der Schinken kostete früher 86 Kopeken und jetzt zahlen wir schon 1 Rubel 46." Nach einer Woche mußte Publia Oweffchkin Schinken kaufen. Er zog einen dünnen Frühjahrsüberrock an und fuhr zitternd vor Kälte in der Straßenbahn zu Chamow.„Bitte, etwas Schinken." —„Bitte sehr, 2,16 das Pfund."—„Was fällt Jonen ein? Früher kostete es doch einen Rubel?"—„Ach, früher!— Ja, früher, Herr, sq ilms Menschentum. Ein Schiller-Roman von Walter von Molo. „O Scharffeststein! Vergiß nicht: du bist mein Freund!" Verloren sprach Fritz Schiller diese Worte in die leere Luft, mit dem siegesstolzen Blicke triumphierend in seinen fernen, unsichtbaren Welten wandelnd. Krampfhast und bange ging die Brust auf und nieder, vom Ueberschwang der Kraft umpreßt. „Sag, Schiller, wie ist das mit mir; ich find mich «immer.. „Scharffenstcin, bin ich ein Künstler? I „Du weißt, daß ich es stets sagte; auch dann, wenn du selbst zweifeltest. Aber jetzt höre einmal mich! Schiller! steig zu mir herunter; ich bin zerfahren und.. „Was bin i ch und was sind die andern!" Zwischen den hellen Betten der zwei Menschen stand etwas düsteres, flügelschlagendes auf! Es wehte kalte Schleier über sie und war Scharffensteins Menschenrecht, das wider Schillers gewaltige Herrschaft aufzuspringen suchte. Noch einmal riß das stärkere Fühlen der verehrenden Freundes- seele den zornigen Geier nieder. Noch einmal strömte in maßlosen Worten die Bewunderung und vergaß noch einmal das eigene Ich. Doch die Lunte brannte und brannte; immer näher und näher schlich das Feuer dem Herzen. Solange die Kranken- slube die beiden umgab, fehlte der glimmenden Flamme der nährende Sauerstoff. Der Rückhalt fehlte an die tausend Dinge der Welt, die hilfreich nahten, wenn ein Scelenpalast in Trümmer fiel. Als sie widerwillig, der bittern Ahnung voll, wieder in die Gänge und Säle des glänzenden Kerkers niedertauchen mußten, da brach lodernd und verheerend das Schadenfeuer aus. Zumsteeg komponierte die Gesänge für Schillers brausende Sinfonie gegen die kleinliche Menschensatzung, Abel und Petersen strichen, so viel ihnen der heftige Poet, im zügelfreien Be- geislerungslauf des endlichen Erkennens, zugestand. Alles war stolz und hilfbereite Begeisterung. Auf einem Sonntagspgziergang im Bopserwäldchen las Schiller einer kleinen Schar seiner Getreuen das Werk im Waldesrauschen vor. Wie betrunken, taumelnd vom atcm- kosteten Stiefel zum Beispiel 13 Rubel und jetzt kosten sie 24."— „Allerdings," seufzte Publia Oweffchkin,„entschuldigen Sie!" Nach einer Woche zog Publia Owetschkin schon seinen Sommer- Überrock an und ging, vor Kälte von einem Fuß auf den anderen stampfend, zu Podljukin hin. Ich brauche Stiefel."—„56 Rubel." —„Ach!"... Und man trug ihn ohnmächtig ins Hinterzimmer. Die Stiefel nahm er aber doch. Ein fürchterlicher Sturm wütete, als Publia Owetschkin in seiner Alltagsuniform ohne Ueberrock, die Fäuste vor dem Munde, zu dem Laden Chamows eilte.„Etwas Wurst möchte ich, ein Achtelchen!"—„Hundert!"—„Was, hundert, wofür denn hun- dert?"—„Hundert, uns ist alles egal, wenn man für Stiefelchen schon 56 bezahlt, da müssen auch wir, Sie verstehen schon, entschul- digen Sie, wir können uns nicht ausplündern lassen." Und Chamow hüllte sich in seinen mit großen Smaragden geschmückten Pelz und schaute mit strenger Miene auf Publia Owetschkin.„Soll ich denn sterben?" frug Owetschkin ganz bescheiden.—„Bitte. sehr, nur mach' ich Sie darauf aufmerffam, daß bei den jetzigen Preisen auch ein Sarg nicht leicht zu erschwingen ist, und daß die Gäule, mit denen man in die Grube fährt, auch Geld kosten!" Owetschkin aber war schon alles ganz gleichgültig, er legte sich hin, seufzte und starb.„Junge," rief Chamow,„trag doch dieses Opfer der Teuerung hinweg!" Und dann setzte er seine mit einem gewaltigen, von Rubinen umgebene, mit Brillanten geschmückte Mütze auf und ging spazieren. Ihm folgte für alle Eventualitäten ein im Schritt fahrendes Automobil, in dem Körbe mit Aepfeln, Birnen und Ananas lagen. 7. Mag sagt, daß alles teurer wird, weil die Nachfrage das Angebot überwiegt. Es werden aber auch solche Waren teurer, wie -hänfene Stricke, für die die Nachfrage nicht groß ist. Leider! Die Nachfrage danach sollte eigentlich ganz erheblich größer werden. * Diese und andere russische Satiren aus der Kriegszeit hat Walther W c i b e l in einem Büchlein:„Herren, Bauern und B e a m t e"(Verlag von Julius Hoffmann, Stuttgart, Preis 1 M.) gesammelt. Sie geben ein Bild der russischen Volksseele— gesehen mit den Augen-des unter Tränen lächelnden Humors, aber auch einer scharfen Satire, die freilich schließlich in einem Nitschewo (hat nichts zu sagen) endigt. kleines Feuilleton. Maciu. Macin ist der alte türkische Hauptort des nordwestlichen Zipfels der Dojbrudicha, den das rumänische Heer noch verteidigt. Er liegt unmitielbar an dem rechten Arm, dein Allwasser der Donau, wo dieser sich aus südnördlicher Richtung im rechten Winkel nach Westen wendet,- um im Bogen auf den Hauptarm zuzuströmen, den er un- mittelbar unterhalb von Braila erreicht. Die letzten Ausläufer des Hügellandes der Norddobrudscka schieben sich hier von Südost nach Nordwesten vor, kreuzen die Straße, die von Mocin im großen Bogen nach Jsaccea führt und schneiden Macin im Norden von dem gewaltigen Sumpfgebiele ab, das zwischen dem umgekehrten lateini- ichen W liegt, das hier von der Donau gebildet wird. Fährt nian von Braila das Aliwasier' der Donau stromauf— Braila hat eine regelmäßige Schiffsverbindung mit Macin, so hat man zunächst links wie rechls ungeheuer auSgedchme Sumpfflächen, in denen größere lagunenartigc Becken liegen, die durch kleine, in dem sumpfigen Gelände sich ansammelnde Bachläufe gespeist werden, bald erblickt man vor sich das Städtchen Macin, daZ schön an einer Halde liele Watten._____ Theater i. d. Königgrätzerslr, 7'/, Uhr: Erdgeist. liomtfdlenhans. 7 Uhr, zum 1. Male; I>lc verlorene Tochter. Berliner Theater. 7'/, Uhr: Auf FlügBln lies Gesango», Nachm. 37. Uhr: Eisl's närchonrcise. Sessing-Theater. 77, Uhr: Jinllns Cdsar. Sonntag: Die beiden Klingsberg. Montag: Peer Cynt. Deutsch. Jtönstler-Theater. 8 Uhr: WUlfe In der Macht, Sonntag: Moral. Montag: Wblfe in der Nacht. URUNIA Taubenstraße 18/49. 8 Uhr: Hlndcnbnrgs Man er. Hörsaal 5 Uhr: Professor Dr. Donath: Versuche Uber den Blitz. Theater tör Sonnabend, 30. Dezember. Ucutgclies Opernbans.Charlottcnb. 7 uhrs Das Testament, Frledrlch-Wilbelmstädt, Theater. s Uhr-. Das Dreimäderitiaus. «ebr.Herrnfeld-Theater 67« Uhr: Der doppelte Buchhalter. Silvester und Neujahr: 07« Uhr: Oer HUttenbesItzer. 77, Uhr: Der doppelte Buchhalter. Kleines Theater s uhr: im Teetiseh. Komische Oper Äku. Oer Puszta-Kavaliet Sonnt. 37, U.: D.Raub d. Sabinerinnen, Lustspielhaus 87, Uhr: Der selige Bnldnln Sonntag 3 Uhr: Pension Schüller. Sonntu. Mont. 77,: Der»ei. Balduin, Metropol-Theater 77. V.: Die GsardasfOrstin, Sonnt, n. Mont. 8/43 U.: Dlo Kaisonn. Neues Operettenhaus Kassentelephon: Norden 281. 8 uhr; Der Soldat der Marie. Residenz-Theater Die Warschauer Zitadelle. Schiller-Theater O. 8 uhr: Seine einzige Frau. Schlllcr-Th.Charlottenbg. 4 Uhr; Sncewlttchcn. s uhr: Novella d'indrea. Thalia-Theater. 4 Uhr: AschcnhrOdeL 77, Uhr: Da» VagabundenmJdel. Theater am Siollendorfpl. 37, Uhr: Schneewittchen. 77, Uhr: Blaue Jungen«. Theater de« Weaten« 4 Uhr: Dornröschen. 8 uhr: Die Fahrt ins Glück mit Guido Thielscher. Trlanon Theater 4 Uhr: Sehneewlttchen. 8 Uhr: Willi« Hochzeltstag Hose Theater 37, Uhr: Dornröschen. 77, Uhr: Das Hlhehsmödel. W alhalla Theater 77. H.: Das Musikantenmädel. Reiehshaiien-Theater. Ststtiner Sänger. Veibnaehts-PropiDiii! Anfang 8 Uhr. Sonntag, 31. 18. Montag, 1. 1. 17 nachmitt. 3 U. zn ermäB. Preisen: Weihnachtsab. i.Scbützengrab. Anfang 77, Ende 107, Vorletzter Tag! n. d. gr. Dez.-Progr. CTrcus M t-1 OSCH. Zirkus Ä. Schumann! Heute S Vorstellungen 1 Belm Q 1 �Welhnachlsmannuä ISN- �:..S auf aßeit»..p. geh.•wiiif Sitzplatz, frei BU Die n U Geierprinzessin 0 In beiden Vorstellungen vorher: Da» groüart.Weihnachtspragramm Morgen Sonnt,, wiederum 2 Vorst. Nehm. 3'U: Beim Weihnachtsmann. Abends 8; Die Geierprinzessin� Heute und täglich: Grske Vorslelliiog. Sonn- und Feieriage: 2 Vorstellvogev. In allen Verstellungen: Die Seeräuber. Kr. AuSstaitungspaiii. i» 4 Slflcit Friedriohstraßa 218. 4 14 — xaglicb— abends 8 Uhr Populäre Humoristen insgesamt erstklassige Variet�nummern Vorverkauf ab 10 Uhr ununterbrochen Theaterkasse, sowie A. Wertheim u. Invalidendank. Casino-Theater. Lothringer Str. 37. Täglich 87« Uhr Die Schlager-Posse dieser Spielzeit TweineNsSerUner Berliner Piguren! Berliner Humor! Vorher erstklassige Spezialitäten. Zlm 3t. Dezember und 1. Januar, Nachmittag 4 Uhr: Weihnachtsurlaub. Joseph Diane (Nur kurzes Gastspiel) Helene Ballot „Die gpilne Fiöle" BaUettpontomime. Musik von Mozart. Inszenierung von Max Reinhardt sowie der neue Varietö-Splelpian. Jeden Sonn- und Feiertag: Nachmittag 3 Uhr Vorstellung Kl. Preise. Kinder die Hälfte. Gr. Silvesterafeiep. Zimmerstr. 90/91. 2 Kapelleü. Ers.-Kapelle de» Ers.-Batl. 7. Garde-Regis. Dirigent: Musikleiter Pauck. Berliner Konzerthans-Orchester. Leiter: Komp. Frz. v. Bicn. Solisten; Therese Hodderich, Opernsüngerin vom Stadttheater Köln. Ernst Wilhelm, Opernsänger v, Hoftheater Wiesbaden. Felix Robert Mendelssohn, Cello-Virtuose. Am Flügel: Frau Dr. Bornernann-Dorn. Gastdirigent Oscar Fcträs.— Anfang 6 Uhr, Kintritt ä M. Tischbeslsil. b. d. Geschäftsiiihr. i, Berl. Konzerth. erb. Aiia Vergünsl. aufgeh. Voigt-Theater. Sadstr SS. Badstr. 58. 38— 30. Dezember 1916: Dägliel,: Rilckkeiir am«vMaiNi!. Lebensbild mit Gesang in 3 ülkten van Hugo Schulz. Kasseneröffnung 7 Uhr. Nnfang 8 Uhr possev- Idezier. 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