»M-m Llnterhaltungsblatt des Vorwärts Brüsseler Alltäglichkeiten. Bon Kurt Hcinig-Brüssel. D e r Z i e h h u n d. Er ist nicht nur da, wie cm Tier eben da - ist, das für den Menschen arbeitet. Man hat bier seine Arbeits- siluation wohl von langher studiert, er ist im Taylorsystem ein- gefangen, Er zieht zumeist zweirädrige Handwagen. Hinter ihm, die Hände� an den beiden Deichselstangen, schreilct der Laufjunge, die Gemüsefrau, d« Sandverkäufer. Der Hund zieht, zwischen den Rädern, die Achse und den Wagenlasten über sich, die eisernen Wagenstützcn, das Geschirr und die zuschreitenden Füße des Wagen- Icnkcrs hinter sich. Stürzen die links oder rechts wirbelnde» Rad- spcichen plötzlich auf den immer mit gesenktem Kopfe ziehenden , Hund zu, so ist ihm das stummer und auiomatisch-uncrbiltlicher Befehl, zu schwenken, Brüssel ist hügelig. Seine Ziehhunde arbeiten schwer. Und doch habe ich bisher nur zweimal gesehen, daß sie beachtet wurden. Das eine Mal konnte er nicht weiter, da diskutierten die Um- stehenden über ihn. Das andere Mal wollte er nicht mehr bergauf, trotzdem sein Huitdegefährte sich ehrlich Mühe gab. Er ließ sich ruhig Eisen und Stiefelsohlcn an die Hinterbeine kommen: er wurde ausgespannt— da lachte man. Der Bettler. Das genußfrohe Brüssel ist reich an wirklichen und berufsmäßigen Jammergestalten. Bor dem Kriege soll cS damit noch schlimmer gewesen sein. Sie stehen nicht an lebhaften Verkehrspunkten. Meist erwarten sie dich gedrückt wie geprügelt, in ruhigen, besseren Straßen,-«ie erwarten dich aber auch ganz sicher, du mußt an ihnen vorbei. Wenn eS nicht Krüppel sind, dann sind es Frauen mit ihrem Kinde auf dem Arm. Der Jammerspruch des bettelnden Elends ist überall der gleiche. Aber hier hat das Elend seine besondere Rote; seine eigene entsetzliche Höflichkeit: Die Bettelnden danken auch, wenn man nichts gibt. Ab f a lle xi st cnz e n. Morgens stellen Dienstmädchen und Diener Müllkästen an den Rand des Bürgersleiges. Diese eisernen Kästen und Kübel ziehen Menschen an Meist sind sie alt. Eine bat ordentlich und solid verschiedene geflickte Säckchen bei sich, sie sortiert halbverbrannte Kohlenstückchen von Küchenresten und anderem. Einer hat wohl noch einen Rest Distanz zwischen sich und den. Ab- soll, er wühlt mit einem langen, löffelartig ausgebildeten Eisen- ende. Ich sah aber auch ein zehnjähriges Mädchen mit ernsthasten. braunen Augen und schmutzigen Händen, durch die die Kinderweich- heit� kaum noch durchschimmerte, arbeitssicher in nassen Küchen« obfällen, Kehricht, Aschenresten und sonstigem Weggeworfenen wühlen. Pferdemi st indu st rie. Brüssel bat nicht nötig, hinter seinen Pferden herzuräumen. und die Bogelproleten, die Sperlinge, kommen hier schwer zu ihrer Grundnahrung. Durch die ganze Stadt zieht dauernd die Zunft der Pferdemistiucher. Die Anfänger sind kleine und kaum in die Schule hineingewachsene Jungen und Mädchen. Auf die Hälfte eine« KinderwagengestellS ist ein Holzkasten gesetzt, eine Leiste wird als Deichsel angenagelt und daS Geschäftsfuhrwerk ist fertig. Zur weiteren, aber schon besseren Ausrüstung gehört Kchrichtschippe und alte Bürste oder ein Bürsten- besen ohne Stiel. Ist das Gcichäft größer, dann schiebt ein Er- wachsener den Handwagen, mitunter läuft unter ibm sogar ciiz Ziehhund. Kinder mit alten Eimern am Arm streifen dann die Straße ob, schleppen ihren Arbeitsertrag zum Wagen, um dann von neuem auszuschwärmen. Der Muschelesser. Das Volk ißt Muscheln: sse sollen recht nahrhaft sein: und sie sind billig. Wenn man in einen Muschel- keller geht— auf dem Grand Place, dem herrlichen Brüsseler Platze mit Rathaus. Königshaus und graue», vergoldeten Gildenbäuiern, ist einer bekommt man die Portion für 10 Centimes, schön beiß. mit würziger Brühe. Hier ejsen Arbeiter, kleine Leute mit Markt- taschen und bitter Hungrige. Auf den volkreichen Straßen des Arbeft erbrüssel werden Berge frischer Muscheln auf Handwagen, der Ziehhund zwischen den Rädern, herumgefahren. Der Vorübergebende kauft, ißt, wischt sich den Mund und wird selbst wieder voin Menschengequirl verschluckt. In den kleinbürgerlichen Lokalen trifft man das Schneidsrmädchen, den sparsam lebenden jungen Mann, die Familie, das Liebespärchen und jetzt recht häufig den deutschen Soldaten. Muscheln sind auch hier billig, aber man kann hier dazu trinken: Bratkartoffeln werden dazu gegessen, cS gibt kaltes Büfett. DaS ist im Innern der Stadt. Draußen findet man auch einmal einen Handwagen mit gekochten Schnecken. Begehrliche Kinder stehen herum, ein Kupfersous erscheint in irgendeiner Hand. Mit geschickt 43j Ums Menschentum. Ein Schiller-Roman von Walter von Molo. Fritz Schiller stand vor dem herzoglichen Rektor, um dessen Urteil über seine Probcschrift empfangen. ..... Ja. wie gesagt. Schiller! Das medizinische Pro- sessorcnkollegium hat mir Seine Arbeit als nicht vor den Druck ratsam erklart, wenn auch unter Anerkennung Seines kühnen Wollens. alles besser zu wissen, als es die gründlichste Wissen- schaft an den Tag gebracht hat. Er hat zu blühenden, aus- schweifenden Stil und Er hat auch zu viel geschimpset! Ja- wohl! Er hat geschimpfet contrv Haller. den ich sehr verehre, und dem auch Er vieles verdankt. Was heißt denn das! Zum Beispiel:.Zuweilen macht auch der gute Haller sein Schläfchen,' oder: dem Bonnet wirft Er unverzeihlichen Leicht- sinn eines französischen Gauklers vor, und vom Lavater saget Er:.Tie Physiognomik organischer Teile dürfte wohl so bald nicht erscheinen, wenn auch Lavater noch durch zehn Ouart- bände schwännen sollte/ Hat Er schon ein Buch geschrieben?— Er weiß doch, daß ich in jungen Jahren ein Verzeichnis aller Tugenden und Laster in Druck erscheinen ließ?" Um Friedrich Schillers Mund verriet sich ein über- legener, spöttischer Zug, den er nicht meistern wollte. Der Ter Herzog maß ihn und freute sich innerlich über des Zög- lings Frechheit, die er in seinem Erdengottgesühl natürlich nicht auf sich bezog. Da hatte er den zopftgen Professoren, die doch eigentlich nur die Hausknechte seines Kopfes waren, ein Kuckucksei ins Formclnest gelegt. Der Seelcnexperimeutator dachte an Kaiser Josephs Worte und sagte mohlgefällig:„Mir geiäjlt ja eigentlich Sein Unbekümniertscin. Rur durch Ungestüm kommet die Menschheit weiter: aber: Sein Feuer muß gedämpft werden und dazu wird— meine ich— ein Jahi/ genügen. Er bleibt also noch ein Jahr in der Akademie! Ich meine. Er kann mit seinem alles fressenden Geist— nutursUoweut. wenn Er fortfährt, fleißig zu fein— späterhin ein recht großes Subjektum werden, nur: Er muß mehr Ruhe und Gelassenheit bekommen, dafür will ich übrigens schon sorgen!— Aber er ist ein unordentlicher Schwcinepelz! Weiß Er nicht, daß er heute, am Festtag, nur drei Knöpfe der Weste zu schließen hat. damit der Busen- streif weiter ausliegt? Knöpf' Er sofort den Gilet-Knopf auf! Daß mir das nimmer vorkomnit!— Ja, und benutzter Gabel ist die von heißer Sauce tropfende Schnecke aus dem fein gedrechselten Gehäuse herausgeholt, hastig greift die Kinderhand zu--. D i e Alten. Mem Weg führt mich täglich durch die Rue Belliard: es ist eine stille und breite Straße; auch ein geistliches Stift hat hier seine ernst geschlossene Front. � Der schwere Holz- flügel, behutsam, schweigsam, von einem StiffÄruder regiert, bat sich noch nicht ausgetan. Die Alten rauchen imd— spucken. Die breiten Granitplalten des BürgersteigcS sind naß von diesem Regen an Verachtung, Gleichgültigkeit, Tabaksast und Mürbesein. Die Alten murmeln und diSlulieien, leise, gedrückt: die Mehrzahl bat die unbarmherzig tiefen Schnitte des crstillten Schicksals im Gesicht. Auch die Hände sprechen stumm.— O, diese Hände! Rur die Augen verfolgen dich einen Moment, dann sehen sie leer an dir vorüber ins Leere— die Männer spucken und warten. Die wichtigen II e b er f lü s s i g c n. Sie stehen im be- sonderen in der Dämmerstunde, auch noch später, aber auch schon früh und mittags, an der halboffenen Tür des zurückhaltend und reserviert stehenden Hauses. ES sind normal gewachsene, gesund aussehende Männer. Vormittags haben sie eine eng gestreifte Leinenjacke an, nachmittags siehst du sie mit Lockschuhen, schwarzem Anzug, oft der unechten Eleganz des SonntagsstehkragenS und der weißen Krawatte. DaS Gesicht ist glatt rasiert. Es ist der Diener. Der Diener, der hier zum vornehmen BourgcoiShauShalt neben Köchin und Dienstmädchen gehört. Er ist eine volle, gesunde Arbeitskraft: sie verrichtet Reben- arbeit, Mädchen- und Fraucnan gelegenheilen. Ja, die Männer sind in Belgien noch billig. Männerspiele. Ter Brüffeler spielt. Im Kaffee hockt er beim Dame- oder Würfelspiel' er sitzt mir seiner Frau zuhause und spielt am B»it, er muh Wielen, mit Leidenschaft und mit Spczialinteresic. Selbstverständlich ist er auch in einem Klub oder V ercin. Die jungen Leute spielen in den Straßen und Anlagen den ganzen Sonntag über eine Art Handschlagball mit Tennis- bällen. Das ist offiziell zugelassen. Die Straße ist mit breiten, weißen Farbsirichen"eingeteilt: ist's ein Wettspiel, dann findet man wohl gar eine hohe Sackleinwand an dünnen Latten ausgestellt: eö kostet dann Eintritt, wenn man. ungeniert darüber staunen will, wie ernst die Männer das Spiel nehmen. Im Wolde des Vorortes erlebte ich eine Spielbant junger Leute, muten auf dem einsamen Fußgängerwege. Ein- und Zweisrankscheine lagen im Schmutz, rund herum kauerten die Spieler. Im Park zu Tcrvucren besitzt ein Spielklub ausgewachsener Leute einen großen Rasenplatz. In der Milte steht ein kolossal hoher Gittermast, der in einem System von Knöpfen ausläuit, ähnlich den Porzellanisolatoren der Tclegraphenstangen. Aus den Knöpfen fitzen Popierziele. Man schießt nach ihnen mit mannshohen Bogen und sausenden Pfeilen. Montags find die belgischen Zeitungen voll von Berichten über Radwetlfahren. Ballspielkämpfe, allerlei Art Kegelturniere, Fußball- matchs und Atbletikmeisterichasten. ES ist Weltkrieg— Brüssels Männer können Sonntags spielen.— kleines Feuilleton. Eine Gehschule für Beinamputierte. Jede Amputation schafft«inen Zustand mehr oder weniger mangelnder Bewegungsfreiheit, der durch die Plötzlichkeit seines Eintritts dem Patienten ebenso plötzlich seine Erfahrung im Ge« brauche des betreffenden Gliedes raubr und ihn von vorne anzu- sangen zwingt. Eni systematisches Umlernen und Gewöhnen an die neuen BewegungSmöglichkeilen wird aber erst den wahren Ersatz des Verlustes eures gesunden Gliedes verbürgen, auf den der Amputierte, soweit immer möglich, Anspruch haben muß. Während jedoch die Arm- und Handamputiertc» die vielseitige Gebrauchs- fäblgkeit der gegebenen Protheie lErsatzstückeS) am' besten durch Atbeftstheravie, die in immer weiterem Umfang durch Anschluß besonderer Weitstätten an die Lazarette zur Geltung kommt, er- langen, müssen die Beinamputierten in regelrechten Gehsckulen korrektes Gehen und Laufen wiedererlernen. Der einzelne neigt dazu, sich an unnötige Hilfen, wie Krücken usw., früh- zeitig zu gewöhnen, so daß er die Gelegenheit zu einer möglichst weitgehenden Ausbildung leicht verpaßt. Zu so außerordentlichen Hebungen, wie Springen, Hüpfen, wird sich von selbst ohnehm kaum jemand aufraffen. Diese WillenSunterstiitzung ist daher mitunter die wichtigste Aufgabe einer Gehickiulc. Ihre Einrichtungen sind an sich. wie aus einem Bericht von Dr. Fr. Kirchberg'in der„Münchener Medizinischen Wochenschrift' zu ersehen ist. lveder besonders kost- spielig, nocki stellen auch die Uebuugen überraichende Komplikationen was ich noch sagen wollte: Hör Er nicht zuviel den Abel an: der ist ein Philosoph und verstehet nichts von der Medizin. Ich wcrd Ihm die Krankenravporte zuschanzen und die nächt- lichen Revisionen in den Krankenstuben: so kqnn Er'was Ordentliches lernen, denn ich Hab' tüchtiges mit Ihm vor. Sei Er froh, daß Er mich hat! Und � heul abend, bei den Disputationen, halt' Er sich wacker, damit Er Preise be- kommt und damit Er mich vor seinen Professoren nicht des- avouieret. Ich Hab ihnen gesagt. Er könnte trotz alledem 'waS! Also: laß Er mich nicht im Stich und schlag Er sich tapfer!" Eines Verzweifelten schärfste Wehr fühlten die Zöglinge Karl EugeuS, die bejohlen und wortbewaffnet in die Arena traten, um den Beifall der Stuttgarter Spießbürger zu er- kämpfen. Schillers Kralle hauste schrecklich in manchem müh- selig und sauber gezimmerten Gedankenhag. Schillers Würg- cngcl schmiß Verwirriiis um sicb. Wegwerfend blinzelten die Augen, der schimmernde Geists versetzte Hieb auf Hieb. Es waren Triumphe im Käfig. Siegesfahnen in Blut getaucht. Er gab Petersen und Elwert ein Fcuerivcrt' seines Geistes zum Abschied. Wieder schuf der tiefste Schmerz in ihm neue Erkenntnis. Und dann wari� der Zopf gesteckt, die Galamontur angelegt. Die Geistesgladiatoren des Herzogs marschierten in den festlichen, geschmückten Saal, in dem die Preisverteilung stattfand. Wieder war ein Jahr zu Ende, wieder versanken Freunde, wieder mußte er bleiben und weiterhin neue Unfreiheit erdulden. Die hohen Gäste standen Vorire. neben dem Tisch, auf dem die Preise lagen, und bekomplimentierten sich. Ein Lakai rannte durch die Reihen der Eleven und meldete atemlos dem Herzoge den Kammerpräsidenten Heribert von Dalberg ans Mannheim an. Doch Karl Eugen hatte diesmal erlauchte Gäste, der Kavalier galt heute nichts. Mit flüchtiger Hand- bewcgung ward er begrüßt. Er schloß sich siimmungsgewandt dem Kreise jener an, die auf dem erhöhten Podium um Franziska von Hohenheim standen oder saßen, derweil das „Volk" den großen Balkon und Saalhintergrund füllte und so mit Schnattern die Kulissen stellte zum herzoglichen Gottes- dienst der Selbstberäucherung. Schillers Blicke gingen die Reihen der Gäste entlang. denen heute sinnfällig die ersterbende Dankbarkeit der?lka- demisten vorgeführt werden sollte. Es war die Parade der Zerschmetterung des eigenen Ichs. Karl Eugen strahlte: seine Schlußansprache hatte rauschenden Beifall geweckt; Professor dar. Die Prothese muß. wenn der Stumpf die Prothese regieren soll, leichter als das verloren gegangene jiörpcrglicd fein. Diese Veränderung wirlt in jeder Körperlage in anderer Weise überraschend; bloße Gehübungen können daher nichl genügen, vielmehr muß der Patient mit seiner Prothese turnen lernen. Er soll auf dem gesunden und dem Prothesenbeiu stehen, ebenso beide Beine nach allen Richtungen spreizen lötinc». Rumpfkreisen und-beugen erhöht ebenfalls die Sicherheit im Ba- lancieren. Hindernisse in der Gebbabn werde» langsanr vermehrt und vergrößert. Erst eine gerauhte Flachbahn, die dann mit der schiefen Ebene oder einem besonders glatten Boden vertauscht wird, um allmählich mit Iliigleichheileu, wie Vertiefungen, Erhöhungen, ja regelrechten Bretterhinderuiffen versehen zu werden. Ein höheres Stadium der Ausbildung verlangt bereits Treppensteigen, Leiter- gehen. Herabspringen von Erhöhungen und Steigerung der Gc- schlvindigkeit. Spaziergänge in welliger Gegend, in dem wurzelreichen Walde bilden für das Gelernte dann die erste Rutzanwendung. vie veredelte Heidelbeere. Während die gartenmäßige Kultivierung der Erdbeere schon zu jedes Gartenbesitzers?cutz und Frommen durchgeführt ist. hat die an'pruchsloseste und in kargen Felsenritzen ebenso wie im märki- scheu Föhreuwalde gedeihende Heidelbeere bisher noch keine Vcr- edelmig erfahren. Der Nutzen, der daraus erwachsen könnte, tvird schon aus der starken Verbreitung der Beere, die allein in Deutsch- land aus em halbes Dutzend Namen„hört", ersichtlich. Die Schwierigkeiten bei cnft'prechendcn Versuchen schienen jedoch unübcr- windlich, da alle gebräuchlichen Kulturmethoden mit völligem Fiasko abschloffen, bis man auf einen mikroslopischen Pilz ausmerksam wurde, an dessen Gedeihen daS der Pflanze gebunden schien. Er wächst auf den Wurzel« und hat eine eigenartige Vorliebe für saure Böden, am stärksten für Mischungen von Sand und Torfcrde. Mit dieser Erkenntnis waren aber auch, wie aus den von P. V. Eoville im„Rational Geographie Ma- gazine' geschilderten amerikanischen Versuchen deutlich hervor» geht, alle Wege in auffallender Weise geebnet. ES wurde festgestellt, daß die Vermehrung durch Stecklinge der durch Sämlinge überlegen ist, daß die Stecklinge einer Anpflanzung verschiedener Pflanzen an- gehören müssen, daß die Winterkälto für das nächste Blühen sörver- lich ist. so daß ein Kuliivicren in Treibhäusern sich von allein er- übrigt. Die Fichlcnbeiden, also Boden, der für sonstige landwirt- schaftliche Zwecke wenig geeignet ist, stellen die günstigsten Be- dingungen für Heidelbeertullur dar. Die Pflanzen bringen schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit, spätestens nach drei Jahren, Früchte und bleiben ein gutes Menschenalter hindurch erttagfähig. Die Beeren treten an den veredelten Pflanzen büschelweise auf und werden größer und wohlschmeckender als bei der wild wachsenden Heidelbeere._ 92 oti je«. — Die Humboldt-Akademie Freie Hochschule veröffentlicht für das Lehrvicrteljahr Januar-März 1917 ein Ber- zeichnis von etwa 235 VortragSrethcn aus allen Gebieten. Reben den Geistes- und Kunstwissenschaflen ist dieieSmal ein besonderes Augenmerk auf die Pflege der angewandten Naturwissenschaften und aus die fremden Sprachen gelegt worden. ES werben auch wieder besondere Vorlesungen und Führungen für Arbeiter angezeigt. — Das Marionettentheater München er K 2 n stier versteht eS, bur-i, Neubelebung des Spielplan» immer aufs neue anzuziehen. Me gar erschrockliche Tragödie vom König Biolon und Prinzessin Klarinette von A. Matlmanst erweckte durch ihre Parodien auf die alten Hof- und Staatsaktionen und durch den ulkigen Sercnissimusstil erhebliches Gelächter. Be- fonders die sich überstürzenden Selbstmorde waren aber auch gar effektvoll eyekutiert. Im schönsten Kontrast dazu stand Adams naiv- heitere und zierlich-puppcnhafte Oper„D ie Nürnberger Pupp e". Die reizende Musik(gar trefflich von dem kleinen Orchester und den guten Singstimmen vorgetragen) entzückte nicht minder, als das graziös-lustige Spiel der Puppen. Man hatte den Eindruck, daß diese köstliche Kleinigkeit nur auf die kleine Bühne und nickt aus das große Operntheater mehr paffe. An der künstle- rischen Ausstattung konnte man wieder viel Freude haben.— r. — Der Prozeß H e r m i n e Körners gegen das DreS- dener Hostbeater soll durch Vergleich erledigt werden. Der Verruf gegen die Schauspielerin wird ausgehoben, die ihrerseits die son- stigen Bedingungen de» Hosthcatcrs annimmt. lWärc dies Ergeh- ms nicht auch von vornherein ohne langwierige Prozesse zu erzielen gewesen?) ( Abel, der ungenannte Autor, hatte seine Aufgabe zu hoher Zufriedenheit gelöst. Der Herzog dozierte eifrig in den jungen Herrn zu seiner Rechten hinein, er floß über vor Höflichkeit. Baron von Wedel, der mit zwei anderen Herren im Adler logierte und gestern reitend aus der Schweiz gekommen war, hörte etwas gelangwcilt zu; er lachte öfter, wie es schien, mehr uni sich selbst die Situation zu erheitern, als entzückt von einem herzoglichen Ausspruch. Tausend Teufel sprangen in seinem Gesichte herum, wenn er sich an den Herrn seiner Begleitung wandte, der links vom Herzog stand und mit ernster Höflichkeit und verbindlichem Lächeln seines Gefährten Liebenswürdig- kciten entgegen nahm. Der junge Herr war schön gewachsen und sein Blick leuchtete hell und durchdringend, wenn er über die Akadcmistenschar hinweg schritt. Das gesund- farbige Antlitz zeichnete die weiße Pudcrlinie der Frisur scharf aus. was dem feurigen Gesicht, über dem wie eine AbaSke die Selbstbeherrschung lag, einen seltsamen Ausdruck verlieh. Wie eine neue, lebenheischcnde, ungeahnte Kraft, die aus alter Form wächst, erschien Schiller das vornehme Antlitz, das aus dem Puder des Rokoko blinkte. Gelangwcilt streiften die flugbcreitcn Blicke die wechselnden gekrümmten Akademistcn- rücken, deren Arme demütig, mit Kratzfüßen, die Preise aus des Herzogs Hand entgegennahmen. „Schiller! Schauen Sie sich den Mann gut an," sagte Professor Abel leise und heiser von seltsamer Erregimg; er prangte heute in Uniform und fühlte ärgerlich, daß der Degen an-seine Waden schlüge.»Wissen Sie, wer der Herr zur Rechten des Herzogs ist? Er reiset ineognito! Das ist der Herzog von Weimar! Und der andere, der schöne Mann, der so überlegen dreinsieht, das ist der Geheimrat Goethe!" „Goethe!" Wie eine Windhose, wie ein plötzlicher Taifun, bäumte daS Blut in Schillers Adern auf. Goethe! „Gestern hat er beim Herzog für Schubart gebeten." „Und?" „Er hat leider die Erfüllung der Bitte verweigert." „Der Hund! Der Hund!" „Schiller! Wollen Sie sich um den Hals reden!" Pro- fessor Abel stieß in Todesangst seinen Freund mit den Fäusten. „Bedenken Sie doch, wo wir sind! Nehmen Sie Vernunft an! Sie sind manchmal zu fürchten! Hören Sie die Rede des Professor Eonsbruch? Was sagen Sie dazu? Er spricht von den Folgen der Wollust." Eorts. folgt.) Augen find der Seele Spiegel Sind« diu Augen, Geh' 99* Rahnkc] Wilmersdorf: Sttßoec Str. 132-3 a». ItSIaul-SIt. Friedenau: Rheia-Sk 1«, es, anü-str. »«ge>la»«r v«r»aiilr-Stch« darum beivahre niaii sie dnb.ir. dag sie trübe werde, l. dag rot entzündete Lider, sie verunzieren. dag sie infolge Uebcranstrengung matt, glanzlos in die Welt schauen, beim genngsten rauben \ Liiitchen liänen und dasi sich schon im jugendlichen Alter in der Slugengegend jene unzäbligen isältchen l bilden, die cine-volge des umvilllürlichen Zusammen« I tueisens der Singen bei anaeitrengtem Seben sind Ileberansirengle Augen verurlachcn Kopsschmerz, vorzeitig« Ermudnng und Nervosität und geben dem ganzen Gesicht einen matten, nervösen Zug, machen es vorzeitig alt und altern selbst vorzeitig, d, b, sie leisten weniger. Kommen Sie zu uns, wenn Ihre Augen überan« strengt sind, wenn sie beispielsweise bei Ihrer gewöhn- lichen Beleuchtung nicht mehr icharj sehen können, OptiZssi' KuknkG Die Untersuchung ist koste«!«». Wenn sie»iwa bereit« über«0 Jahre alt sind und noch keine Augengläser haben, so sollten sie uns unbedingt besuchen, denn in diesem Alter brauche», mit ganz wenigen Ausnahmen, selbst sehr gesunde Augen eine Unterstützung durch Augengläser, wenn es mit deren Leistungen nicht bergab geben soll Gute Augengläser, die man ja durchaus nicht dauernd zu tragen brauch!, erhöhen die Leistung Ihrer Augen, steigern Jbre Arbeiiskrait unter Umständen bis auf« Doppelt« und halten Ihre Augen klar und blank. Vir legen beiondeten Verl aus gutes Aufpassen der Fassungen, also auf orthozenirisch richtiges und sichere« Sitzen, weil auch da« beste Glas nicht da« Beste leisten kann, wenn e« schlecht sitzt,— Sir liefern punktuell abbildende Punktorik» Gläser für 3 2)J da« Paar, au« Sanoslop-Gla« sür 5 M, V Aeu: Schöneberg Liauxt-Str. 2? am Saiser-Mlh.-?!atz Sonntag» von J3—2 geosinet C2km Alexander-Platz • neben Aschinger, Spittelmorkt. ts, x rinvla« 58a verkauft SkunlSstvlaS, Muffen. Marder, Nerz, lüaila, Blau- und Welsifüchfe, Pelzmäntel. Wagenreize. Pluich- und Astrachanmäntcl, Aoltüme, Ullter, inialge deS.ilriegeS statt 10—250 jetzt 20— 125 Mark. GelegenbeitSkäuse von Ztaralicren im Versatz gewesene Jackett-. Rock Anzüge. Ulster, teils auf Seide. Serie I U>-S5. Serie II 36— 15Mt.(txlra-Angebat in Lombard aewelencr Teppiche. Gardinen. Por- tieren, Betten. Uhren. Brillanten, enorm billig. Lelbhan« Moribplatz öSa. Staunenerregend! ZiiesenauÄvahl neuer Pelzgarnlluren. ivoltbillig! Skunk« kragen! ftilchSgarniturcn! LpoffumtlolaS! Muffen allerlei! Bettenverkauf! Drachitcpviche! Gar- binenauswabk! Pküichd-cken! Tiwau« decken! Herresgardrrvde! Ilbren- verlauf I Schmlicklachen! Leihhaus Larschanersiratze 7.' »uuiLuimuuuuiiuuuuuimi.uiuuuuiuiimtuiuu>.uiii.iiuuuuuu(uiiuiimuuuiiuxiuiiuuuDU ;4,»z«kv Pü-!, W/MUWMkÄKtwi piMinöininiiraniiinniiiiiininiiiiiüiinffliiiiiinüiiPÄiMü® S | Laut Bundesrats-(Polizei-) Verordnung ist die Anfangszeit der Lichtbildtheater Werktags auf VaS Uhr Sonntags auf 3 Uhr und der Schluss der VorfUhruns auf 10 Uhr festgesetzt Wir richten an das hochverehrte Publikum die höfliche Bitte, den geschätzten Besuch danach einrichten zu wollen. Versin der Lichiliildtheafirbesitzer Gross• Berlins und der Provinz Brandenburg E. V. Näheree die Anzeigen der einzelnen Theater. liiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiaiiiHiiiiwiiiiioiiiMiiiiiiiiiiiiim Teppich- Tboma«. Dramtnitr. 11 ivottbillig ior&iebicrbcfte Teppiche, G arbinen. VorwärlSleicrn 5 Broxrnt Extrarabatt. 61* Prlzsachcn, MonatSgarderobe und neue Herrenanzüge, Burschen- anzligc, Winterpaleiotg, Uliler. elc- gaute Kostüme, dlstrachanmäntel, Blülchmäntcl, Ulster. Blusen. Röcke, Änaben- und Mädchengarderobe. Billige Preise. Neukölln, Berliner- strage 11 I 32" Musikinstrumente Mandolineu 15,—, Uauemsche 25,—, feinste Ausführung 35,—, Konzertlaute 43,—. tinjochcre 25,—. Gitarren 12,—, bessere 20,—, prima Qualiiät 30,—. eingespielte Urchettcr- geigc mit Etui 2ö,—, Solovioline 50,—. Berger u. Co., Eugroölager. Oranienstratze 166 IN. löOK' Harmoniumipiel, odne Rot««- kenntnisie. Harmonium« ivoltbillig, Harmonium-Spielapparat mit zirka 5!» Noten 50,—, Lranien- strage 15« III. loOft* Kaufgesuche Beinölfirnt« 7 Mark per Kilo- gramm, Standöl 6 Mark. Lack« 3 bick 1 Mark per Kilogramm, Terpentin, auch Eriatz, Schellack bis 12 Mark per Kilogramm, auch kleinftc Mengen, kamt C. Ubticke, Adalbert- itratze 76. Berlin SO 26.- Lippmann. . Citu. uilisbud) sür die Dreherei mit 262 Abbildungen, Gebunden Mark 3,10, Buchhandlung Vorwärts, Lindcustratze 3.' Mobei Spetsczimuter 1 schwereichcn, moderne reizende Form, komplclt 658.—, Herrenzimmer, gediegene dreitürlge, rimdvorgebaute Bibkiötbek komplett 733,—, echteichen Schlaf- zimuier 373,—, regulär bedeutend leiiter. MöbeihanS Osten, nur ZtndreaSftrahe 30.___ Drtngeub michtin für jeden Mobesi suchenden ist die Besichtigung meiner Ricscnläger nioderner Sprise-, Herren-, Sch!afzlmu:rr. Einige' kam- pleite SadnungSeiilrichlunzeii noch ganz besonders billig. M. Hirsch». ivitz. Berlin nur Südosten, Skalltzer- stratze Nr. 25. Platinabsältc! Glamm bis 7,30 Zobngsbiiie Silbcrlochcn! Schmuck« lachen: Ketlen! Ringe! Militär- tresten! Kupler! Messing! Nickel! ?l!mn!»ium! Bierrobrlettung! Blei! Zink! iSlübstiumptasche! Film- absälle! böchltzahlend! Silber- schmelzerrl. Memll. ElnkausSbureau, Weberftratze 31. Telephon Alexander 1213. 98» Sektkorken 20Vsenn!g. Belnkorken 1 Psennig, aller'Art, Schallplatten, Walzen, iedcn Posten, kauft höchst- zahlend Matthäus, Alle Leipziger- stratze 21.- Wachs, rein, per Kilogramm 6,— Mark. Schellack bis 12.— Mark per Kilogramm, Seresin, Paraffin, Sandarac laust, auch kleinste Mengen, C. Ubticke, Zldatberttiratz« 7V, Berlin SO 26. 197/8'' Kuvieradfälte!?.>!eisinzabfälle, Zinlabiälle, BI«;abfällc,?llumüt!um, Süberabsälle, Äililärli eisen, Ketten, R!:lge, Glübstrumpiasche. Händler DorzugSprei'e. Metallschmelze Cobn, Brunnenstroste 25 und Neiikölln. Lerlinerstrajie 76. 189114- Raturftahl Schncllausbohrer kamt Krüger, o 31, Matternstratze 8 II.- Zah ngebille, Plattnabsälle, Gram« 7L0. Staniolpavier. Metalle, höchst« zahlend. Silberschmelze Ehristionat. «öpenickerktratze 20a(gegenüber Manleustelstraste). � �- Wattnadfülle.SNeräbsälle.Silber- fachen. Zckmucklochen, Kelten. Ringe, alle Mrcn, Treffen. Glühstrumv'- olche, vhaiographilche Rückstände, Film- gbiälle, Kupfer, Resstng. Nickel, Alu- minium, Blei. Zink, Stanniol, sowie sämtliche metallhaltigen Absälle kaust Brob, Berlin, Kövemckernratze 29, Telephon Mpl. 3476. Eigene Schmelze, direkte Berwertunz, Tcrlreterbesuch. Plalliiankaus erlolgt sür die Krieg«- melall-A.-G. bis M. 7,10 pro Aramm. Vermietungen htietgesuaffe (Phcpaar'ucht möbliertes Zimmer mit zr,ci Beltstellen und Koch- gelegenbeit, Nähe Lft-Rctnickendcrf oder Pankow. Offerten Gardow, Reinickendorf. Brienzerstratze 3. 1. Amgang 2 Treppen. 7 41 Arbeitsmarkt . Stellenangelsate Mitfahrer und Rollfuttcher unt guten Zeugnissen für sosorl gc'ücht. Spediteure Brasch v. Rothenstem. Lüneburgerstratze 22. iTOlh- Kutscher zum Aktenwagen. zu erfragen Helmke, MarluZftrai,: 36. Kohlcukutscher und Arbeiter suchen zu böchtten Löhnen in Dauer- stelliing Beiger u. Kiüp. N. m.H.H. Berlin R\V, Schönebergeritratze 25.* Kntkcher, zimerlässtge, suchen Aklien-Gesellschast für Kohlensäure- Industrie. Berlin-Niederschölieweibe.- Steinmol, ober Bildhauer, welcher Schritizeichnen und mit Verkauf Be- scheid wcitz, für meine Aitiaic per- Silbersgchcu usw., Brillanten, Hcrlei'. Psandscheine kaujl höch't- zablcno Ourvelier Kowalewbki, Sey- delstratze 80a, Zeitungs- und Inseratenselzer »nebt Baebdruekerei„Der Bolzraarkt", Lindenstr. 3. Suche für sofort Zementfacharbeiter und Eivschaler b-zw. Zimmrrleutr, Arbeite» und Maurer. Ten Maurern iit Akfard zu»hcruellmeu. Eisenbrtouda»«nllba, Berlin-Halensee. j_ SurffirtieuBnmm 115. sUHland 5289.) 17066- Werkzeugdreher bei hohem Sohn, verlangt in Tagschicht �roitikeirn& Rudert, SU langt. stöSlci, Lrunnenstraße 10Sb. Zeltungsausträgerin mit Hilfe solorl verlangt. ,BorwärtS"