Hr. 5.- 1917. Unterhaltungsblatt öes Vorwärts Ssnntag, 7.I(ittMr. Der Krieg im Silö. Dieser Krieg ist nickt nur daS Ungeheuerlichste nn Waffen- u«> Menschenaufgebot. Er ist nicht bloß das Unerhörteste an tech- nischec Leistung. Er ist auch der größte literariscke Kampf, den die Weltgeschichte gesehen: wahre Armeen von Büchern sind aus- marschiert und führen den Streit daheim und im Schützengraben und bei den Neutralen. Neben diese Angriffs- und Verteidigung-- literatur tritt die nachgerade nicht mehr zu überblickende beschrci- bende und darstellende. Und sie ruft wieder das Bild zur Hilfe— in einem Maße, von dem keine Vergangenheit eine Ahnung haben konnte. Tie Photographie und die photographischc Verbiclsältigungs- technik schaut die Vorbedingungen, um alles, was vom Kriege nach außen in die Erscheinung tritt, sestzuhalten und aufzubewahren. Wir können— sawcü nicht Zensurrücksichten mitsprechen— den Krieg im Bilde so unmittelbar miterleben und uns seine alles umfassende Maschinerie so anschaulich vor Augen führen, wie nie eine Zeil Auvor. Die illustrierten Zeitschriften überschütten uns mit Bildcrstofs, zum Teil auch mit mehr oder weniger subjektiven und Phantasiebegabtcn Zeichnungen der Kricgszeichuer. Unter den dielen aktuellen Blättern sei hier auf Rcclams»U n i v e r s u in" hingewiesen, das sich vor andern durck Vornehmheit und Enthaltung von Sensation auszeichnet. Es sind auch besondere Kriegszeib schritten und Lieferungswerke entstanden, die eine fortgesetzte Gc- schichte des Krieges mit reichem Bildmaterial liesern. Hier ist zu nennen: die Illustrierte Geschichte des Well- krieg es, die die Union Deutsche Verlagsgesellschaft herausgibt. Es sind bereits über IM Hcü:(zu je 25 Pf.) heraus. Das hervor- ragend sie Bilderwerk des Kriege? gibt der Verlag F. Brückmairn in München unter dem Titel: Großer Bilde ratlas deS Weltkrieges heraus. Bisher liegen zwei Bände vor, je 10 Lieferungen zu 2 M. s>n großem Quersoliosormat wird ein Urkunden- und Lucllcnwerk ersten Ranges geboten, das in musier- basten Reproduktionen auf gutein Papier wirklich ein umfassendes Bild des Krieges in seiner ganzen geographischen, technischen und ökonomischen Ausdehnung gibt. Der Herausgeber Hermann Kons- brück hat cS verstanden, in guc gewählten und planmäßig ge- ordneten Gruppen authentische Dokumente von dauerndem Wert zu vereinigen. Es sind durchweg nur photographische„Wahrheit?- bilder" aufgenommen. Trotz des scheinbaren Einerlei, das der große Zerstörer bietet, ist dock überall das Charakteristische und Besondere herausgefunden. Und fo ziehen denn, nachdem die Mobilmachung und der Arstnarsch vorgeführt ist, die Kriegsschau- Plätze in Frankreich und Belgien, in Ostpreußen, Polen und Ga- lizien, in der Türkei, tu Serbien und den übrigen Balkanstaaten in einigen Tausend Bildern an unserem Auge vorbei. � Die Nahkämpfe sind natürlich nicht aufgenommen, doS Furchtbarste bleibt uns verborgen. Aber überall ist es das gleiche trost- lose Bild der Zerstörung, da? laut die Kullunragödie des Krieges predigt. Erireulichcr sind die Eindrücke von Land und Leute», die geradezu mit den Augen d?S Künstlers auf die Platte gebracht wurden. Was unsere Saldaten da draußen sehen, das ist hier in vortrefflich gelungene» Aukiiahmen vereinigt. Dazwischen kommen Serien aus dem Inland: die innere Mobil- niackung. Frauenarbeir, Gefangenenlager. Die Kriegsfürsorge und die ErnährnngSfrage tverdcn in. Bilde lebendig. Karren erläutern die KrwgSvorgänoe. Personen und Sachen sind in großer Fülle berücksichtigt. Auch der Seclrieg wird mit vielem Abbildungs- Material bedacht: daneben sind Einblicke in neutrale Länder eröffnet. Bon dem durch klare Anordnung gebändigreu Reichtum ist hier nur ein« Andeutung zu geben; welches Kapitel man auch aufschlägt, eS überrascht durch die Fülle und Güte der Illustrationen. ES sind LandschartSbilder und Porträts dabei, die den höchsten künstlerischen Ansprüchen genüget:— man sieht Abbildungen von hervorragenden Kunstwerken, auf die der Krieg das Interesse lenkte,»nd Nachbildungen von Urkunden, die Helles Licht auf Zeitereignisse werfen. ?!ebett dem großen dokumentarischen Wen des Photographen, der ja auch nicht bloß wahllos aufnimmr, sondern bildmäßig sehen muß. tritt die rein künstlerische Arbeit zurück. Es sind viele Künstler an der Front gewesen, aber was sie mitgebracht haben, scheint dem nicht zu entsprechen, was der Krieg sonst an Superlativen leistet. Für den Künstler und die Kunst wird der Krieg zunächst nickt Epoche machen. ES gibt viele gute Zeichnungen und Agnarelle. die die Künstler iin Felde gearbeitet haben, sie sind..gewiß ein Stück ihres Schaffens, aber sie bereichern eS so wenig, wie sie es steigern. M a p S l e v o g i hat eS mit anerkennenswcrrcm Freimut ausgesprochen, warum dieser Krieg und die Kunst einander so wenig zu sagen haben, Ivatmn diese auf den Kopi gestellte Welt der Zet- stviung den Darsteller abstoßen muß. Sein eigenes Kriegs- tagebuch(Bruno Cafsirer, Berlin) bestätigt es. Es gibt male- tstiche. hockst lebendige und momemare Skizzen von Plätzen. Straßen, Ktrcheiiinncrn mit kriegerischer Staffage, die Oed« des Schlachtfeldes weitet sich vor uns,' die Wüstheit der Zerstörung tut sich auf und die Verlassenheit des toten Soldaten ergreift uns. Aber bei aller Anerkennung der Naturtreue, bei aller Bewunderung der künstlerischen Auffassung— ist das da? große Erlebnis— ist daS der Krieg? Leichter hat sich der berichterstattende Illustrator, der sich ohne große Absichten»n das hält, wa- ihm der Tag Interessantes bietet. So hat A l b c r t R e i ch ein Skizzenbuck aus Serbien beigesteuert: Mit meinem Korps durch Serbien(Verlag von N. Oldenbourg. München und Berlin). Hier sprich: das Geographische und Elbnographische mit: es sind leicht mit dem Bleistift festgehaltene Bildchen, die uns mancherlei Einblicke in diese fremde Welt eröffnen und auch von den Mübieligketten de« Marsches auf den Schlammstraßen und über verschneite Berge und der Flußübergänge irisch genug berichten. Manchem, der dabei war. wird«S eine wertvolle Erinnerung sein, und uns andern kann es eine lebhafte Vorstellung geben von diesem Kriegsschauplatz?, intimer und persönlicher, als es die Photographie vermag. Angeregt durch den Krieg, aber ganz frei von dem Schweren und Lastenden, ganz unbekümmert»., um sein« aktuelle Würdigung, erleb: Aruir V o l k m a n n den Flug ins freie Reich der Kunst. In 20 Federzeichnungen, die vorn Heidelberger Roten Kreuz bei E. Diederichs in Jena herausgegeben werden(Aus der Kriegs zeit— gegen Kriegs leid), führt er nnS fort ans dieser Welt der Schrecken in ein idyllisches Arcadien, wo sich eine freiere, schönere Menschheit in einsacken Bahnen des HirteulebenS und der Ackerbestelluug, im trauten Verein mit der Tierwelt be- wcgt. ES geht der gleiche Grundzug durch dies« Gabe, die die nicht gerade sehr starke und originelle, aber liebenswerte Kunst Volk- mannS immer erfüllte. AIS Kontrast zu der Wirklichkeit, als Ruf zur Einkehr und Wecker zur Freude an: unverbildeten Nackten und Natürlichen soll sie unS froh tvillkommen sein. Der Krieg hat das Interesse an vielen nahen und fernen Gegenden und Ländern mächtig gefötdert. Dadurch, daß ein Land Kriegsschauplatz wurde, gelangte cS zu der— ach so kostspieligen — Ehre, beachtet und geschildert zu werden. Was ein deutscher Spötter vom Krieg gesagt bat, er diene nur dazu, unsere geo- graphischen und statistischen Keimtnisse zu mehren. daS hat sich im positiven Teil voll bewährt. Eine Flut von länder« und Völker- kundigen Werken ist über das Land gegangen— und auch hier wieder hat da» illustrierte Buch seinen großen Anteil. Ostpreußen, uns verhältnismäßig so nah und doch so fern, wurde zuerst entdeckt. ES hieß mit einem Mal« das schöne Ostpreußen— unh die inasnrische Seenplatte rückte in die Steche der interessanten Landschaften. Diese!» Jntereffe verdanken wir neben manchen Büchern. die der Tag bring: und entführt, ein gediegenes Werk über O st- Preußen, seilte Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft iheraus- gegeben vom Heimatschutzbnnd im Verlag von Calltvey in München, 2 Hefte). E» will ntchr bloß unsere Kenntnis von dieser Provinz, ihrem Städtebau und ihrer Dorsanlage, deren Kirchen und dem Hausgerät mehre», sondern vor allein Richtlinien für den Wieder- ernfban tuid die weitere Ausgesialiung des HeiiitalichutzeS geben. Die vortrefflichen Abbildungen zeigen demzufolge das zerstörte Ost- Preußen, dann aber wichrige imd historisch oder künstlerisch uuer« csianle Bauten, typische Straßen und Plötze, und sie weisen ouck an guten Vorbilder» und Entwücsen den Weg zum Neuen und Bessern im Anschluß au da? Alle. Belgien ist eine alte und höchstbedeutrnde Pflanzstätte der Künste. DaS Bedanern über die Zerstörung belgischer Kunstwerk«, die dem Krieg und nichl dem besonderen Barbarencharakter der Deutschen aufs Schuldlonto zu schreiben ist, war deshalb im klassischen Lande der Kunstwiffenschaft und der Begeisterung für die Kunst— vorzüglich wenn sie alt ist— eben nr Deutschland— besonders lebhast. Erfreulicherweise sind die Zerstörungen nicht so groß, lvie sie die Ententcfreunde aus leicht begreiflichen Gründen gemackn haben. Em neutraler Architekt, Eugen Probst ouS Zürich, hat auf Grund eigener Anschauung sie ge- wissenhast festgestellt(Belgien, Eindrücke eines Neutralen, Verlag von Orell Füßli, Zürich) und alle böswilligen Märchen bündig widerlegt. Unerlctzlickrs und Einzigartiges ist kaum verloren gegangen, nur Aperii, das nicht in deutscher Hand ist, scheint wie ausgelvschtt. Uebetldas Land sind jahrhundertlang die Kriege gebraust und immer blüht eS nach in alter Schönheit. Viele Tausende von Deutschen haben lvährend des Kriege? davon gekostet. und in manchen ist das Bedürfnis rege geworden, daS Andenken daran nicht bloß durch illustrierte Postkarien zu erhalten. Diesem Bcdürsnisse kommen zwei Jllnstrationswerke auis schönste entgegen. Prof. Li. Graul hat 200 photographische Großguarraufnahmeii von Städtebildern, Baudenkmälern und Jnnenräamen ans Belgien und Franzöftsch-Flandetn zufa-iimrugestellt: Alt-Flandern(Rokand- Berlaz, Dachau b. München. Preis 1,90 M). Dieic Bilderschan de» Sehenswertesten und Bedeutendsten, die durch knappen Text er- läutert wird, zeigt die üppige Fülle flandrischer Städiebankunst, die des malerische Element wie kaum eine zweite auszunutzen gewußt hat. Ist in diesem höchst preisivenen Buch aller Nachdruck auf daS Bild gelegt, so führt der Klmstkritiker Eugen L ü t t g« n tiefer in den Geist deS belgischen baukiinstlerischen Schaffens an der Hand der großen Hallen und Rathänser, Kirchen und Städtebilder ein sBelgische Baudenkmäler mit SS Vollbildern. Jnsek-Berlag Leipzig. Preis geb. ö 911 Dem feinen Verständnis für die bewundernswerten Bauten ist der Zufammenhänge nachweisende hisio- rische Sinn gepart. Den baltischen Provinzen, die aus der historischen Versenkung wieder zu lebendigster Gegenwart emporgestiegen sind, wendet sich ein umfangretcheS Unternehmen zu, das mit deutscher Gründlichkeit Sand und Leute und ihre Kulturleistungen behandelt.(Ost je e und O st l a n d, die baltischen Provinzen. Verlag Felix Lehmann. Charlottenburg.) Der l. Band(Stadt und Land) gibt die Natur, die in Wald, See und Steilkliste größere Reize hat, als wir dachten. dazu malerische Städtebilder. Im 3. Baude(Bauten und B t l d e r) hat Otto Grautoff mit Hilfe hochinteressanter Bilder dargetan, wie lief die Kunst dieser weiten Gebiete mit der deutschen verwachsen ist, wie sie von den Hansezeiten her stire Entwicklung initmacht und sich auch neiterdingS gegen die Russtfiziecung zu be- Haupte» versucht. In vielen deutschen Soldateubriefeit ist angedentc:, wa» hier Bild und Wort wurde: manchem, der wiederkehrt, wird die Kunde willkammen sein, die hier sich ihm bietet. Gleich»die ganze Welt im Bild" will der Delphin-Verlag in München in Bilderbänden vorführen. Uns liegl der Band Türkei vor(mit 215 Abbildungen, Preis 3 M). Alle Seiten der Land« und Volkskunde werden berührt. Knappe Einleitung orientiert über allerlei Wissenswertes, Anmerkungen helfen nach. Aber im übrigen: ei» außer ordentlichstiutkrhalisameZ und durch das Auge unterrichtende Bilderbuch. Lcmdschafi, Kunst, Leben, Städtebild und Häuslichkeit, Völker- typen, Tierwelt— alles ist herangezogen. Ter halbe Orient ersteht vor nnS. Die Sehnsucht nach seinen Wundern, die allen Nordländern int Blute steckt, kann sich hier Genüge tun, und die Phantasie gewinnt spielend ein unerschöpfliches BeobachtimgSniaterial. Die Wiege abendländischer Itultiir, das alte Griechenland— das Land der Sehnsticht deutscher Generationen/, brauchte uns durch den Krieg nicht erst erschlosseit zu werden. Es ilt deutscher Besiy von jeher. Seit Winckelinann und Goethe sind wir dvrt heimal- berechtigt. Aber wir sind trotzdem dankbar, daß ein prächtige? Buch uns aufs iteue Fühlung mit den Landschasten von heute und den Resten der großen Kunstdeulmäler von einst gewinnen läßt. (Griechenland, Schilderungen deutscher Reisender, heran-?- gegeben von Ernst Reisinger. Jnselveriag, Leipzig. Geb. 4 M.) Das Buch enthält eine Fülle mustergültiger Ausnahmen der wichtigsten Bauten und Landschasten Griechenlands, aufgenommen von' der Kgl. Preußischen Meßbtld-Äiistalr. Sie zeigen in einem großen Maßstabe nicht mir die bedeutendsten antiken Bauten, sondern auch zahltetcke Denkmäler der byzantinischen und türkischen Periode. Der Text � sieht zu diesem Schatz an bildliche» Darstellungen in Wechselwirkung. Er vereinigt die besten Berichte bedeutender Griechenlandteisender. Auch biete KriegSgaüe, die mit ihren 33 bewunderilugswürdig reproduzierten Bildtajeln eine wahre Augenweide ist. jiihrr in ein vom Krieg tmibrandete? Land— aber es lenkt Blicke und Herzen darüber hinaus in andere Zeiten, in denen der SchönbeitStraum europäischer Menschheit Gestalt gewann. iE dl. D. Ntsttge». — Borträge. Am Montag spricht im Hörsaal 3 de» Ost- flügelö der Umversiiät Prof. Gimmel über„den platonischen und den modernen Epos".-- Dienstag, 7 Uhr abend?, in der Treptow- Sternwarte Lichtbildervortrag von Dr. Arche»hold:„Bewohm barkeit der Welten".— Im Zentralinstitut sür Erziehung und Unter- richt. Potsdamer Str. 120, spricht Mittwoch, abends H Uhr. Prot. W a l l i ck s über„Die Psychologie des Arbeiter» und seine Stellung im industriellen Arbeiikproieß".— In der Urania spricht Sonnabend Alice S ck a l e k über„Eindrücke an der Isertzosroin".— Institut für Meereskunde: DienStag, Dr. Stttbman»: Die Wirkungen deS Weltkrieges zugunsten der fremden Handelsschiffahrt. Freitag: H er kn e r: Die Zukunft deS deutsche» AußenhandekZ. — Der 10 Ubr-Theatersckluß wurde Sonnabend-zum ersten Male durchgeführt. Die meisten Theatex helfen sich durch früheren Beginn, der auf 7 und Vl3 Uhr angesetzt ist. Einige Bühnen fürchten sütan stelle Einbußen, da ihr Publikum so früh nicht kommen könne und auch Nerschleckterung des Spielplanes, da viele und gerade die yetvorragendsten Bühnenwerke sich in in 2 bi» 2Vs Stunden nicht abhaspeln lassen. — Eine totale Mondfinsternis findet am Montag, den 3. Januar, statt. E» ist eine totale Mondffnjtetnis. Die Ver- finstmmg beginnt um(i Uhr 50 Minuten vormittags mit dem Ein- tritt des Erdschattens in die Vollmondscheibe. Der Anfang der totalen Bedeckung fällt auf S Uhr 4 Mmuten, um 9 Ilhr 2t» Minuten ist ihr Ende erreicht. Im mittleren Norddentschland geht«rn Montag der Mond bereits um 8 Uhr 14 Miimten vorntmag» unter; die Fstisterni« kann als» bei nnS nur in ihrem ersten Teile wabr- gettmnmen werden. Zn Beginn der partiellen Bedeckung steht der Mond bereits tief unirn am Aordtveuhnpmel; er geht wenige Minuten nach dem Eintritt der totalen Versinsterung unler. 45j Ums Menschentum. Ein Schiller-Rommt von Walter von Molo. Aufrichtig bedauernd entließ endlich die trostlose Anstalt ihr«ngehorsameS Kind, dessen Geist sie nicht brechen, dessen pseucr sie nicht dämpfen konnte. Tes Herzog» Gnade glimmte wie schwelendes Licht, das nickt leuchten will; deS Herzogs Gnade war ein Wortbruch am alternden Dater: Zum Portepee- losen MedikuS wurde Friedrich Schiller ernannt, bei einem Veteranen Regiment, mit achtzehn Gulden MonatSgage! So hing der kühne Nenner im Joch de» Alltags. Abhängig von der väterlichen Unterstützung, ciilgebunden in des despotischen Herzogs Machtbereich, so sech Friedrich Schiller sein Eltern- hauL wieder, daS ihm die Zeit, die herzogliche Absicht und das Wachstum seines Kopses in gleicher Weise entfremdet hatten.... Hochaufgerichtet schritt er an seines Daters Seite, mit den Blicken im hellen Eck de» WinterhinimelS verankert. Gesenkten Hauptes ging KasparSchiller und gebrauchte schwer- fällig den Wandcrsiock. Mißliches Schweigen trepnte sie, Kaspar Schiller durchbrach es. «Der Fritz von Hoven ist also auch vor würdig befunden worden?" sagte er und sah mckt auf vom gefrorenen Boden, der häßlich und hart die Eifenzwinze des Stockes von sich stieß.„Sein Herr Vater hat mir die freudige Hoffnung an- gedeutet." „Er wird HofmedikuS zu LudwigSburg. Sein Latcr schickt ihn auf Reisen." „So. so— ja! Hofmedikus, das ist'was Rares." Die Daterhand zitterte und der Kopf blieb gesenkt. ES ist mir richtig leid, Fritz, daß ich Ihm daS nicht auch verschaffen kann, aber: Er weiß ja!?" „Wir sind nicht von Adel! Ich weiß!" „Das und: es fchleten unS auch die Geldmittel, denn die drei Mädels kosten viel Geld. Fritz. Man sieht gar nicht auS, wohin das noch sührcn soll, wenn der Putz und alles, was drum und dran hänget, um gesellschaftlich zu gefallen, kein Ende nimmt. Das Leben ist streng; man kann nie wie man möchte! Die mamau ist zu schwach; sie erlaubet den Mädels alles!" Wieder ginget» sie ein paar Schritte nebeneinander, wie fremde Wanderer, die gleiches Tempo zufällig auf einer Straße zusammenhält. Der Atem rauchte zwei getrennte Fahnen in die kalte Lust. Kaspar Schiller raffte sich zu ewem wohlgemeinten Klapse auf, durck den er wehmütig mit feinem losgetrennten Kinde Fühlung suchte i er schlug ihn sachte auf die Schulter.„Kops hoch, Fritz! Es ist schwer zu ertragen, aber Gott hat sein letztes Wort noch nicht gesprochen: auch ich trat mit einem döningcment(auf ungebahnten Wegen) ins Leben und bin doch weiter gekommen. Nicht?" „Eine Demütigung ist kein ddrangement!" „Ich war in Seinem Alter auch nicht mehr als Er." „Sie haben nicht acht Jahre studiert! Sie kämet» aus der Barbicrstubc! Sie durften nicht mehr verlangen! Ich muß die salutieren, die mit mir auf der gleichen Schulbank saßen." „Was soll das Räsonieren? Und das mit der Barbier- stube brauchet Er jetzt nicht an die große Glocke zu hängen! Füg' Er sich, wie ich'S getan Hab' �ind wie'S alle getan haben, die einmal ganz hoch oben'naus wollten." „Haben Sie sich schon in der Jugend gefügt? Die trau- rigen Lehren, die das Leben gibt, sind, Gottlob, nicht vererb- bar; jeder muß sie stets von neuem an sich erleben. Vater! Sind Sie. weil Sie sich gefügt hatten, den Frangipane-Husaren in die Bataille nachgelaufen?" Kaspar Schiller blieb bedrückt �und gepreßt atmend stehen, er suchte senieS SohncS Augen. Sitz wurden ihm verweigert. Traurig schüttelte der Vater dctt Kopf und stieg mühsam weiter, derweil die Landschaft ihn eisiger umfror. Als ein paar schreiende Krähen sich schwerfällig vom Schneeweiß zur Höhe mühten, begann er von anderen Dingen zu sprechen, scheu und gezwungen. Ter entblätterte Wald stand ratlos auf der Höhe. „Der Herr Better ist jetzt in England und will nach den Niederlanden, um dort eine Druckerei zu gründen." „Der„Herr Vetter" ist ein leerer Sprudelkopf, der das Wollen, aber nicht das Können hat. Lasten Sie mich mit dem„Vetter" in Frieden! Soll er mir vielleicht wieder zum Vorbild dienen?" Blaurot war Kaspar Schiller» Antlitz. Er widersprach nicht, weil er sich neben seinem Kinde lvie schuldig fühlte; er sah angelegentlich die Straße voraus, vll denn die Mutter, mit den Töchtent, noch nicht zur Begrüßung käme.„Erzähl' Er mir von Seinen Kollegen, so mit Ihm absolvieret haben," bat er. „Ruß demi immer geredet fein?" „Tie närrische Christophinc hat uns von manchem Seiner Freunde vorgeschwärmt, aus Seinen Briefen heraus. Uns schrieb Er ja nicht solche Sachen." Wortlos ging Friedrich Schiller und starken Schrittes. Er� spreizte die Anne weg von seiner neuen Unifotm, die er haßte, und die ihn demütigte. Er trug sie wie ein ekles Totenkleid und blickte geradeaus in' den Wintcrhimmel hinein, als sähe er nicht die Welt, die um ihn war. „Fritz! Gebe Er doch Antwort! Was ist mit den andern?" „Die andern? Sie gehen ins Ausland. Der Herzog sendet sie nach Paris; der Dannccker und Heideloff dürfen auch nach Paris. Der Plebs verstehet nur die Kunst, die zu sehen und zu hören ist; sür's andere brauchte das Herz erst Brillen und Horchrohrc dazu." „Mit dem Stuttgarter Quartier, so ich Ihm aufgenominen Hab', wird Er zufrieden seilt. Die Frau Hauptmännin Bischer wird Ihm nichts abgehen lassen; ich habe ihren seligen Mann gut gekonnt; er war Quartiermeistcr mit mir. Ihre Kinder? werden Ihn. hoff' ich, nicht allzusehr stören beim Studieren. Er studieret doch weiter?!" „Natürlich studiere ich weiter!" „Und mit Seinem Stttbengenoisen, dem Leutnant Kaps, wird Er sich vertragen?" „Natürlich! Wir waren doch zusainiiien in der Akademie! Was die wahre Liebe bindet, lässct nimmer von sich!.. „Gott sei Dank!" sagte Kaspar Schiller verwirrt und hastig,„dort kommet die maman. Geh' Er ihr, schneller als ich, entgegen. Sic freuet sich sehr aus Ihn!" lind er blieb erleichtert halten und sah mit dampfendem Antlitz dem Davon- wandernden nach, dessen Schritte weit und heftig wäre». Wie ein Alp wich eS von ihm. als der fremde Sohn nicht mehr neben ihm war. Sörts. folgt.) Direktion Max Reinhardt. l'cntftehcs Theater. T Uhr: I>aiitoiiK Tod. Xaehm. ä1,. Uhr(kl. Pr.); Hamlet. ilontag; Figares Hochzeit K um in erspiele. T1 m Uhr: Der eingebildete Kranke. -Vachni. 2';, Uhr(kl. Pr.): Minna von Barnhelm. .'dem tag; Armut. VolkiifolilEMe. Thcat a.BUlowplatz. ■'» Uhr: Das Winlepmilrchen. XaeJuu, 21.. U.(kl. Pr.): Fuhrmann Henschal. Mo.rtag: Wie Hatten. Ttieater i. d. Käniggrälzerstr. T1/, Uhr: I IrdReis». Xailiui./« Uhr: Das Vagahundenmädel. Thvater am A'oilcndorfpl. 3l/s Uhr: imme r feste drutT. 7vs u.: Blaue Jungeus. Theater de.: Weatem. ZV« Uhr; Ein Walzcriraum. tv.u.: Die Fatirt ins Glüsk mit Guido'Xh:tiicjier. Trlanon-Theater ZV- Uhr: Heimat. V«8 Ubr; Willis Hochzeitstag. 2™ Berlmer Konzerthans. Vnnl� Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. Heute- Qr. K des Berliner K«nzerthaai,-Or«hcKtei*s Leiter: Komponist Frz.*. Blon. ku/ang 4 Uhr. Anfang 4 Uhr. „"kforjrcii: tieselliger Abend voranstaltet von der Zeitschrift „Die Welt der Frau und Matter." m'uju uumuuuumitmuumiuuu mmuimuiiuiiimmnmui' u vq � d Laut Bundesrats-tPolize!) Verordnung ist dio Anfangszeit Lichtbildtheater * Werktags au/ 1 sS Uhr Sonntags auf 3 Uhr und der Schluss der Vorführong auf 10 festgesetzt %= Wir richten an das hochverehrte Puoli- kum die höfliche Bitte.den geschätzten Besuch danach einrichten zu wollen. IHB 10 Jahre Garantie MÖBEL Beste Verarbeitung Verein der LkhtbildiheaSerbesitzer Gross-BerHns u. d. Provinz Brandenburg E.V. Naheros die Anzeigen der einzelnen Theater. 1 1 Ein-, Zwei- und Drei- Zimmer- Einrichtungen In erstklassiger Auslührung u. vorztigllchem Material Sshlafziirntert M. 219, 270. 326, 428 bis 4000 Speisezimmer: M, 333, 926, 505, 622 vis 4500 Herrenzimmer! WS. 323, 487, 530, 027 bis 3500 Wohnsalons; M, 242, 369, 429, 543 bis 2500 Keuzcitl.Küche(i;M. 63, 76. 93. 125 bis 630 Utnfansrelchste Ausstellung eingerichteter Zimmer in aparten zweck mässlRcn Hermen und in allen Preslagen Besichtigung lohnend und erwünscht AUerbilligstc Hreise. Sorgfältige, teste Arbeit selbst bei den einlacbsten Möbeln Illustrierter Katalog gratis. Franko Ueferung durch ganz Deutschland direkt ab Fabrikgebäude an Private Möbcl-Enoros-Lager Berliner Tlsehlop- u. Tapezierer-Meister G. FJSllsdl iRiikys ü. Schumann I Ä««rtfo"* nWVIVA,»•.- S>onnf. S Yorstellnnjen zum ersten Male auch nachmittags ungekürzt: 51 Die£11 üuOeierpriuzessiBä" Ian- auf alle» geh. S4»k!0 Sitzpläh. s Die erfolg'.. gr.�Zlusstatj.-Pantoin. iZ-BelLFDFMiesZlo h In beiden Vorstellungen eorher: Das glänzende ianuarprogramm. RosesTneater. 3 Uhr: Die zärtlichen Verwandten. 7'/. u-: Das GlOcksmädei. Walhalla-Theater. ö Uhr: Jscemannslicbrhcn. v,u.; Das Müsikentenniäde!. Scule«annlag,.. Lanuar er. Grotze b> Borstellungeu r& nachm. 3 Uhr u. abends U» Nachmittags 1 tingehör. Uind frei. Teves weitere Kind ba-bcn H-reis. .Tn beiden Votflelluttacn: Das vollilündize große Zirkus- Progranini-und Sie Zeeräuber. Gro-ze Austtaliungs-Pantomime in 4 Akten. Friedriahdir. SIL. Tel. l.Sizew7Z4l Uente: 2 Vorütelinngen v,....®>Uhr zu ggF" ermaß. Kaclu». sj Ptei�n.-»S Aboads ljcginn 7 Uhr In beiden Vorstellungen ?| Das glänzsnda s f Variflte-Prcgranim■« Hierauf: Nepfyn auf Reisen 'Ausshatbaitgsposse vou Arnold und Bach. Musik von E. Kelson. Sensationeller Lactieifdg I I Hrnic'S Vorsfeüungeu [ Nachm. 3 Uhr Kleine PreiselKinder die Hälfte. Abends 7'/, Uhr In beiden Vorstellungon „Die grüne Fiale" Baliettpantomime. Musik von Mozart. Inszenierung von Max Reinhardt sowie der nenr, abwechslungsreiche Variete-SplelpiaD. ■DSSBimcÄÄaeKeBSöeiimMe***» Pössen- Theater. Täglich 7V, Uhr u De» LOwen Ernacbcn Ent oder weder Hoffirsann"» Schran». Anfang Sonnt. S'/j u. 7V- Voigt-Theater. Badstr. 53. Badstr. 53. Täglich: Uchttts IHiüißarn. ÄolfSjlütf mit Gelang in 3 Akten von G.«chahc. Kasseneröffn. 7 Ubr. Anfang';,8 Ufir. .fdcuie nachnt 3 Uhr: Rückkehr am Weihnaohlsabcnd. ReütersWerke ———— 3 Va.'ide 5 Mar»— Buchhandlung Vorwärts „Berliner Bilder" Ms Keuiter u. d. große Januar-Programm. Gefi2i!ia-Fraehtsäle,csh,ar"nT C. Richter. .Tod�onntg. P. Mantbcys Lust. Sänger u. Konzert. ni Neues Prog. Anf. 6'', Uhr. Kintritt 50 Pf.. 10 euer. Militär 30 Pf. Erste Deutsche Ersaizmittel-Aussteiiung . verbunden mit Lebensmittelmesse EineRriegsscIiau deutschen Geweriiefleiiles AUSSTFXLrXtiS- HALtl-EX AM ZOO» Täglich 10 Uhr bis abends 9 Uhr geöffnet. Eintritt 50 PL Die Brikettpro duktion betrug im Jahre I8S5 21 500 t *„ 1895 67000 t „„ 1905 693500 t „„ 1915 1932300! Redctftcur: Hrrmann MüUrr, Tempelhof. MrdeqJnseratentell verantw.: TH.Tlöckr, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei und BdckagsmtstzN Paul Smger L.Co., Berlin. SZS.SZ. �ldsrt Cleksri vEKLtt« 0 zz AIezanderetr.42 ?,IU»It»iIIItI»UtIUII>i'I!«MllINMfTk? MiN77:NTTl>TNAIIIII!!IITfll!