Nr. 9.- L917. Unterhaltungsblatt des Vorwärts Fmkg,t2.Iaiiuar. Ein Kampf im Osten. (Schluß.) llnleudeffen hagelte es weiter, immer lebhafter. Es war ein Blitzen, Krachen, Damp�tr ohne Ende. Da— wir atmeten erlöst auf, das Signal, auf das wir noch nicht zu hoffen wagten:„Feindlicher Angriff" setzte ein. Gleichzeitig hörte auch das Artilleriefeuer auf. Wie der Blitz waren wir am Ausgang des Unterstandcs. Aber, o Graus, der Verbin- dungswcg nach dem Schützengraben war uns abgeschnitten— verschüttet. Doch da half kein enttäuschtes Dreinschauen. Wie die Ameisen krochen wir am Erdboden entlang und hatten auch bald nur noch einen kleinen Hügel vor uns, der uns vom Schützengraben trennte. Nur noch ein Sprung, und wir waren gerettet. Jetzt standen wir an der Brustwehr, das Gewehr im Anschlag. Rechts hörten wir das bekannte tak— tak eines Maschinengewehrs, sicher- lich war dort der Angriff schon im Gange. Doch da drüben, ja richtig, ein Russe, noch einer, und jetzt kamen immer mehr. Rrrrr.., einen einzelnen Schuß konnte man nun überhaupt nicht mehr hören.„Nach rechts Munition" durchsagen. Ter Feldwebel kam gelaufen, und wir hörten ihn poltern:„Kerls, Ihr seht ja nichts, schießt nicht so toll." Wie ein kalter Wasserstrahl wirkten seine Worte aus die Gewehre. Zu uns, die wir im Tale lagen und die Anhöhe rechts und links gut übersehen konnten, sagte er:„Zeigt denen mal da oben, wie man einen Angriff abschlägt." Doch das war leichter gesagt als getan. Die Sonne, die uns ins Gesicht schien, blendete uns. Nur ganz verschwommen konnten wir das Korn in der Kimme erkennen. Der Schweiß, der uns immer wieder in die Augen lief, machte uns das Zielen nicht leichter. Das Platzen der Schrapnells über unserem Graben störte uns weniger. Jetzt aber mehrten sich die Treffer. Die Sonne war hinter einer dicken Wolke verschwunden. Nur noch selten gelang es einzelnen Russen, von einem Granattrichter in den anderen zu springen. Ihr Führer mußte nun wohl auch das Zwecklose seines Beginnens ein- gesehen haben, denn jetzt wurden keine Verstärkungen mehr hinaus- geschickt. Dadurch geriet der Angriff ins Stocken. Die wenigen Russen, die noch außerhalb des Grabens lagen, versuchten, sich in denselben zurückzuziehen. Dabei benutzten sie jeden Hügel geschickt zur Deckung. Aber keinem gelang das Vorhaben. Sie mußten es mit dem Leben bezahlen. Kaum war der Angriff zum Stehen gebracht und ab- geschlagen �worden, so setzte das Artilleriefeuer mit unver- miiedertcr Heftigkeit ein. Im wahren Sinne des Wortes: es regnete jetzt Granaten. Aber die Russen schössen zu weit. Nach- dem sie einige Stunden die Erde hinter unserem Graben zivecklos aufgewühlt hatten, verlegten sie ihr Feuer nach hinten, wahrscheiu- lich um den Reserven, die sie dort vermuteten, das Vordringen unmöglich zu machen. Sie trafen jedoch rasch genug ein. Mit ihrer Hilfe wurde auch der zweite Angriff abgeschlagen. Ebenso wie vor- her ließen auch jetzt wieder die Russen ihre Geschosse durch die Luft schwirren, ihre Zahl war aber bei weitem nicht mehr so groß. Mit zunehmender Dunkelheit ließ der ohrenbetäubende Lärm, den das Explodieren derMeschosse verursachte, mehr und mehr nach. Abends gegen Vil Uhr herrschte Stille.— Grabesstille. Kein Schuß fiel. Auch das beliebte Pinien der feindlichen Infanterie hatte aufgehört. Dafür aber wurde gearbeitet— fieberhaft. Die eingeschossenen Stellen im Graben mußten frisch ausgeworfen und die einge- fallenen Brustwehren erneuert werden. Das erforderte Zeit und viel Mühe. Die Zahl der Posten wurde deshalb auf das mindeste beschränkt. Die ausgestellten Horchposten hatten die Kompagnie im Falle eines Angriffes, der eigentlich nicht zu erwarten war. zu alarmieren. Trotz der Dunkelheit ging die Arbeit rasch vorwärts. „Kerls, haltet Euch dazu, morgen kriegen wir wieder Arbeit," er- munterte uns unser Zugführer. Es hätte aber dieser Aufmunterung nicht bedurft. Jeder war sich seiner Lage bewußt; sie für den kommenden Tag auszubessern, war das Bestreben eines jeden ein- zclnen unter uns. Es war 1 Uhr als ich mit N... von meiner Gruppe meine Kameraden auf Horchposten ablöste. Schnell sind die Handgranaten einer genauen Prüfung unterzogen, ebenso das Gelände vor un». Nichts Verdächtiges. Der sternenbesäte Himmel machte uns das Orientieren leicht. Auch der Mond half uns dabei; er zeigte uns sein lächelndes Gesicht. Eine herrliche Nacht, flüsterte ich, zu meinem Kameraden gewandt. Er nickt. Rasch eilen die Ge- danken zurück in die Heimat. Ein stummer Gruß an die Lieben, die wir beschützen sol... tatsch.— Da? war die Strafe für meine Unaufmerksamkeit. Eine leichte Schramme am Ohr— Streifschuß. Zufallstreffer. Der Schaden ist bald gehoben. Hin und wieder wird das spärlich rieselnde Blut mit dem Taschentuch abgewischt. Nach und nach trocknet es schon an. Etwas vorsichtiger spähe ich jetzt über den Hügel, hinter dem ich kauere. Horch! Dumpfes Rollen— es kommt näher. Unwillkürlich ziehe ich den Kopf ein. Darauf ein Feuerstrahl rechts im feindlichen Graben, dann wieder das Rollen, jetzt aber links und nun auch vor uns. Unter den aufeinander folgenden dumpf dröhnenden Explosionen erzittert die Erde. Mächtige Erdklumpen, die durch die Wucht der einschlagenden Ge- schösse hochgeschleudert wurden, stürzen herab— doch verschonen uns. Das wiederholt sich vier-— fünfmal. Tann Ruhe. Doch nein. Vor nus leises Wimmern, zuerst zaghaft, dann immer lauter werdnrd und jetzt schreit er.—' Wer? Sollte sich der mir vorhin verabfolgte Denkzettel schon gerächt haben?— Armer Kerl. Doch jetzt Iribbelts in den Fingerspitzen. Da dxüben, wo der Himmel mit der Erde zusammenstößt, werden zwei Gestalien sichtbar. Zuerst undeutlich, dann unterscheidet man sie besser. Schon sucht das Auge das Korn in der Kimme, es ist schwer zu erkennen. Nun endlich zeigt sichs. Jetzt beides auf die erste Gestalt scharf eingerichtet. Ein Frösteln geht durch den ganzen Körper, der Finger krümmt sich am Abzugsbügel— langsam, bis zum Druckpunkt. Im nächsten Augen- blick muß der Schuh krachen uird er fallen. Da, ein Rascheln hinter mir. Finger lang, absetzen. Ein Griff nach der gerade neben mir liegenden Handgranate. Was?— Leises Flüstern? Ablösung— och so. Die zwei Stunden sind uns nicht lang geworden hier draußen. Nach einer kurzen Instruktion überließen wir den beiden unseren Posten und erreichten mit wenigen Sprüngen unseren eigentlichen Graben. Tort waren unterdessen die Schanzarbeiten rüstig fortgeschritten. Weil der von unserer Gruppe besetzte Teil verhältnismäßig wenig beschädigt war, durften wir uns ganz dem Genutz des noch warmen Essens, das ein paar Mann von unserer Gruppe während unserer Abwesenheit geholt hatten, hingeben. Aber den sonst üblichen Appetit ernwickelteir wir bei dieser Mahlzeit kaum. Tie Müdigkeit übermannte uns. Nach kurzer Ileberlcgung cnt- schloffen wir uns für ein paar Stunden Ruhe. Wir streckten uns unter dem fragwürdigen Dach unseres Unterschlupfes aus und schliefen alobald fest ein. Es war schon heller Tag, als ich auswachte. Schnell weckte ich die anderen und nahm dann meine Knarre vor. Eine gründliche Reinigung, das sah ich auf den ersten Mick, war hier sehr notwendig. In der gehobensten Stimmung machte ich mich an meine Arbeit. Unterdessen vkars wieder lebendig geworden, hüben und drüben. Abschüsse ließen sich vernehmen. Im Vorbei- gehen sagte der Feldwebel, unser Zugführer:„Die ersten Morgen- grüße". Ich nickte... gedanteiivoll...(z) W. D. kleines Feuilleton. Die Geographie öer Serechlinie. Wer eins Karte des Krieosschmiplatzes zur Hand nimmt, auf dein sich jetzt die wichtigsten Ereignisse abspielen, wird auch ohne viel geographische Hebung eine auffällige Erscheinung tvahrnehmen. Sie bezieht sich ans die zum Schwarzen Meer gerichteten Flüsie. unter denen, für umere Schätzung jetzt der Sercth die vornchmste Stellung einnimmt. Von der Grenze Polens an findet man einen aus- gesprochenen Parallelismus von Strömen in südöstlicher Richlimg, also ungefähr in derselben, die von den Karpathen auf der Grenze zwischen Ungarn einerseits und Ostgalizicn und der Moldau andererseits eingeicklagen wird. Am weitesten greift von diesen Stromtälcrn das des Dnjestr zurück. Aber selbst an der Stelle, wo sein aus den Karpathen koiNniender Oberlauf scharf in die bc- zeichneie Richtung umbiegt, findet diese große Linien- fübrung nicht ihr Ende, sondern sie wird nach Nord- Westen unmiltelbar fortgesetzt durch die Wisznia und dann durch den San, den Nebenfluß der Weichsel, um den in der ersten Hälfte der Kriegsjahre so viel gekämpft worden ist.' Die nächste Stelle nach dem Tnjcstr nimmt der Pruth ein, der nicht mehr selbständig wie jener uiS Schwarze Meer mündet, sondern bei Rheni unterhalb Galatz in die Donau fällt, nachdem er die Grenze zwischen Moldau und Beßarabien in ihrer ganzen Ausdehnung bc- gleitet hat. Die dritte Linie nimmt der Sererh ein, der lvicder genau varallel zu den beiden anderen Strömen fljeßt, die Moldau fast genau der Hälfte nach halbiert und bei Galatz mündet. Dieser ParalleliSmuS ist selbstverständlich kein Zufall, sondern im Bau des Bodens begründet. Den Sereth hinauf gelangt man in die von den Russen so beiß uinkämpfte Bukowina und den Pruth hinauf nachv i tz. Dabei ist das Gelände in den unteren Teilen dieser Stromgebiew immerhin noch günstiger als im oberen, wo die Wasserlänfe in Steilschluchren die ostgälizische Kreidetasel durchschneiden.(z) Gegen öen Schwindel mit Lebensmittelersah. Die gegenwärtig in den Ausstellungshallen des Berliner Zoo Veranstaltete Schau praktisch wertvoller und aintlich geprüfter Ersatzmittel legt es nahe, auch einmal die Schattenseiten des Ersatzmittel- bstriebes zu betrachten, die nicht nur den breiten Schichten der Bevölkerung, sondern auch vielen anständig arbeitenden Ersatzmittel- industriell zum Schaden gereichen. Der Schwindel vor allem mit Lebeiismittelersatz, der sich natürlich nicht vollständig hintertreiben ließ, zeiligte, wie einer zusammeiisasienden Darstellung von I. Schwalbe in der„Deutschen Medizinischen Wocheiischriit" zu entnehmen ist, eine Anzahl von Produkten, die teils lediglich eine finanzielle Schädigung, teils aber auch von direkt schaden- bringender Wirkung sind. Im Frieden diente der Verfolgung von LebenSmittelsälichung das Nahrungsmitlelgesetz, daS aber nach der Ansicht Schtvalbes bente noch mehr den Kneg-bedürfmssen angepaßt werden sollte..In der ersten Kriegszeit machten sich die Lebens- miitelsälscher besonders den äußerst regen LiebeSgabenvnkehr zunutze. Viele sogenannte Feldpost-Nphruugspräparate kamen aus den Mark:, die nicht nur geringe» oder gar leinen Nährwert hatten, sondern manchmal geradezu geiundheii-widrig ivaren. Die? galt vor allem von vielen Milchpräparaten und Tcetablette», von Punsch- und Grogwürsebr usw. Da die Anklagen gegen eine Anzahl von Fälschern nicht genügend Wirlsainleit halten, gingen die Wer- waltungsbehorden dazu über, das Publikum vor bestimmten, namhaft geinachleu Schwindelpräparatcn zu warnen. Aber auch der- artige Warnungen siellen keine ausreicheude Schutzmaßnahme dar. Im weiteren Verlauf des Kampfes gegen diese Gefährdung der Volkswohlfahrt wurden verschiedene Schutzverordnungen erlassen, die sich vor allem gegen eine absichtlich irreführende Bezeichnung von NahrungS- und Genußmitteln richteten. Aber auch dies genügt nach der Meinung Schwalbcs nicht. Eine» wichtigen Fortschritt im Kampf gegen diese Mißstände kann man al'o nur erzielen, iveiiu man vorforgt, so daß minderwertige En'atzpräparote überhaupt aar nicht erst auf den Markt gelangen können. Den wichtigsten Schrill hierzu haben die Preisprüfungsstellen in Frankfurt a. M, und München ge:an. Die Grundlage des gesetzmäßigen Svstems bcstchl darin, daß jedes Ersatzmittel, das neu auf den Markt gebrachl werden soll, einem KonzessionSzwang rmterliegt. Bei jedem neuen Ersatzmittel ist vorher die Erlaubnis der Preisprüfungs- stelle einznliolen. Bei Aenderuug der Zusammensetzung, des Gewichtes oder Preises ohne Genehmigimg der Pcei Sprüsimgsstelle laiin die Genehmigung sofort widerrufen werden. In Frankfurt wurden von den gestelllen Anträgen ungefähr 10— lö Proz, abgelehnt, Dieses Sysrein verursacht gewiß viel Arbeit und Mühe, erscheint aber als das beste Mittel zur weitgeheiidsleii Ausschallung des Schwül- dels mit Lebensmittelersatz. Darum fordert Schwalbe, daß im Interesse des Volkswohles die in Frankfurt a, M, und München ge- toffenen Einrichtungen auf das ganze Reich ausgedehnt werden. Siotize«. — Prof. Knudtzen y. Einer der wenigen Professoren der Universität Kristiania, die eine wirkliche internationale Bedeutung erlangt haben, ist soeben mit Professor Knudtzen dahingeschieden. Der Verstorbene war lange Zeit der einzige Vertreter der Asshriv- logic in seinem Geburislande. In der ganzen Kulturwelt Halle er den Nanien eines der größten Sachverständigen nus seinem Gebiele. Vor allen Dingell waren es seine Untersuchungen des bekannten Keilschriftsundes von Tel-cl-Armana in Egypten, die ihn berühmt machten. Das Hauptwerk über„Assyrische Gebete an den Somien- gott", da! in Leipzig erschien(1802—93). ist ein Standardwerk der vergleichenden orientalischen Rcligionsgeschichle geworden. — Ein Peer, Wenn eine Prager Blüttermeldung recht hat, dann ist der Herausgeber der„Neuen freien Presse", Moritz Bencdill, zum Mitglied des österreichischen Herre>il>au>'cZ ernannt worden. Der Kriegszustand des Burgfriedens wird dann wohl das Erscheinen eines Sonderheites der Krankscheii„Fackel" berhindeni, welche Zeitschrift jahrelang von der Satire gegen Bencdill sozusagen lebte, bliih'.e und'gedieh. In der Tat ist dieser Journalist, der zugleich olympierhaft thront und literarisch Phrasenbtöckc wirft, eine Klasse für sich. Als einmal irgendeine Veränderung des Bankzinsfußes seilt Böriengemüt erschütterte, bc- gönn er einen Leitartikel seines Wellbtatles-i, D, mit den Worten: „Reißt die Tore auf, rufen mir mit Gottfried von Bouillon," („Macht sie wieder zu," grummclte der Fackel-KrauS.) Moritz Benedikt wird die Pecrwürde gelassen als„Gehört sich",' wie man in Wien sagt, entgegennehuicn. Es wäre deim, auch die weitere Meldung löge nicht, daß auch Wilhelm Singer von der Konkurrenz, dem „Neuen Wiener Tageblatt" ins Herrenhaus käme, von jenem„demo- kratischcn" Jnieral'enblalt, das einst die Stickcrcitupfen auf einer auSgestclllen Priiizessimienwäsche zählte.... 19] Ums Menschentum. Ein Schiller-Roman von Walter von Molo. „Esel," brummte Petersen dem Kaps zu,„was ist, wenn er uns jetzt zusammenknickt'? Mußtest du's ihm sagen i- Krokodilvieh!" Vorgebeugten Hauptes horchte Friedrich Schiller in die dunkle Hauptstättcrstratzc hinaus. Wie ein Gefesselter, der die Rettung erlauschen will; wie einer, der noch letzten Wider- stand leistet, derweil schon die Verzweiflung neben ihm sitzt, Totstill war'S im ehrbaren Stuttgart. Hier und da zog cine brennende Laterne hinter den kleinen Scheiben vorbei oder tönten von ferne der Fcuerwächter rasselnde Eiscnstäbe, die sie Patrouillierend über's Pflaster schleiften. Tann tvar'S lviedcr dunkel und lautlos... : Ein Schatten flog am Fenster vorbei. Scharsstcin stand in der Tür. Sie schwiegen und ihre Blicke ballten die Fäuste. „Gib," sagte Schiller und streckte entschlossen die Hand; ein trotziger, abweisender Zug war im beherrschten Antlitz. Er riß den Umschlag auf und las. Dunkelrot stieg das Herzblut in die bleichen Wangen. Kraftlos ließ er das Blatt zu Boden fallen und rannte schluchzend zur Türe hinaus. Scharffcnstein kriegte als erster den Brief zu fassen. Kapf griff daneben und rollte an die Wand. Petersen gab ihm einen Stoß, daß er zu Boden fiel. Von dort schrie er erregt:„Was ist?" „Lies, Scharffcnstein!" „Kameraden! Kameraden? Das Lotto des Lebens warf einen Treffer aus! Sie werden zu Mannheim die„Räuber" spielen! Umarmt mich!" „Neidisches Jahrhundert, erzittere!" „Brodhag! Burgunder-Bouteillen her!«onst hon' ich Ihm die Fresse ein! Wir werden aufgeführet l Zu Mann- heim! Wir! l Wir!!" Briefe gingen und kamen, die übliche Tragikomödie der Bühnengerechtsamkeit begann: das Stück mußte verschlechtert werden, um der Eitelkeit des freiherrlichcn Dramaturgen und der Bequemlichkeit der Schauspieler willen; man sagte, das Publikum verlange es so! Böse Stimmungen sand der treue Streicher, wenn er kam. Und er kam täglich. Immer unwilliger ivurde der tiefverehrte Freund. „Wollen Sie niir nicht vorlesen, Schiller, was Sie heute schrieben? Ich bitte von Herzen darum „Es ist schlecht; ich kann's nicht ändern; mitten drinnen mußte ich aushören und ins Lazarett laufen, weil ein alter Kerl Kolik bekam. Und der Dalberg hat auch wieder ge- raunzet; das fährt stets dazwischen! Immer muß ich mich ducken und mit Schmeicheleien und tintigen Komplimenten seine anzüglichen Dummheiten, die er Erfahrung nennt, au hören und nach Möglichkeit reparieren. Es ist zum Ekeln, was man tun muß, ehe man zur Meute spricht. Ach, Streicher, manchmal bin ich ganz mutlos.. Er ruiniert mir das Stück. Die Amalia soll sich selber töten, damit fehlt dem Karl Moor die erklärende Handlung, die ihn von der Bande löst. Doch das kümmert den Koulissciibaron nicht im mindesten. Sein Urteil ist in keiner Weise durch Sachkenntnis getrübt." „Tun Sie ihm nicht Unrecht? Verzeihen Sie: aber ich meine, dies Bedenken äußern zu müssen. Er fand doch Ihr Genie im Buch!" „Weil ihm der Schtvan die Rase drauf stieß und tvcil er sich materielle Erfolge für die Nationalbühne versprach. Ein blindes Huhn hat ein goldenes Korn gefunden, Streicher, und verdauet nun schwer die ungewohnte Kost! Er hat Schund akzeptiert, daß mir in der Umgebung graut. Er der- stehet nichts l Es ist traurig, seinen Erfolg unreiner Begeiste- rung danken zu müssen. Der Pfarrer Moser muß gestrichen werden, der Pater, des lurpfälzischcn Hofes wegen, in eine Magistratsperson umgewandelt werden. Und die Zeit darf nicht die Gegenwart sein, den Ort darf nicht Deutschland bilden, denn:— uichtwahr und bei Gott!— so wie in den „Räubern" gehet es doch— offiziell!— nicht in Deutschland, dem Lande der Ordnung und Mcnschenfreiheit, �u? Ich muß ins Stück Wegtafeln und Meilensteine setzen, die in die Epoche deS unterdrückten Faustrechtes, in die Zeit Kaiser Maximilians, hinweisen. Lug und Trug verlangt man von dem, der die Wahrheit künden soll.. „Und Sie tun es? Sie bringen das schwere Opfer?" „Streicher: Kein Mittel ist zu schlecht, das der Freiheit dient! Jnr Buche ist's niedergelegt für alle Zeiten, was mein Kopf ersann!" „Am zehnten Jänner ist die Erstaufführung? Ich freue mich für Sie!" „Wir mußten sie verschieben. Ich darf hier nicht am Ge- burtstage der herzoglichen Maitresse fehlen! Ich muß ihr sa gratulieren! Fehlte ich, es wäre Sakrileg!" „Aber Sie werden Ihren Sieg persönlich sehen?" „Es wäre Verrat, stünde ich meinem Werke nicht zur Seite! Und wenn Stuttgart zusammenfällt, ich fahre Heini lich und ohne Urlaub! Nur mein Obrist weiß es, doch i ch trage die Verantwortung." „Herr Petersen wird Sie begleiten. „Ja; er kennet die Mannheimer Verhältnisse." „Und was wird die Folge sein,, wenn man Ihre heimliche Reise erfährt? Können Sie nicht schwere Ungelegenheiten bekommen? In den Arrest geschickt werden?" „Daran denke ich nicht, daran darf ich nicht denken! Es soll ein Gottesurteil seilt) wie die Würfel rollen, so will ich's nehmen. Und wenn sie mich worden, wenn mein tvcitercr Weg nur Not und Elend ist, ich will ihn gehen, frei und selbstbestimmt, ohne Lug und ohne trügerische Verstellung. Ich will innerlich glücklich sein, das andere ivicgt wenig. Ich ertrag' es nicht. Haid zu sein; ich weiß, Streicher, daß ich vor der Entscheidung stehe; doch hier gilt nur zwangdikticrteS Handeln; die Dcnkmaschine hat nichts mehr zu tun, wenn das Schicksal rollt." „Sie wissen, daß Sic auf mich und meine Kräfte, bei Tag und Nacht, rechnen können?" „Treuer Frcmid; was wäre aus mir biS heute geworden. hätte ich nicht die Liebe einiger wahrer Menschen ge- funden! Auch Frau von Wolzogcn steht mir zur Seite. Ich danke Ihnen für Ihre unverdiente Hingebung." „Ich stehe Ihnen jede Stunde zur Verfügung. Mir ist es gleich und das Musikstudium wird nicht geschädigt, ob ich jetzt oder im Frühjahr zu Einanucl Bach eile. Meine Mutter tut, was ich will. Sie müssen jemanden haben, der für Sic sorgt, wenn' Sie reisen, der wacht, wenn Sie schlafen, der Ihnen die mißlichen Belästigungen ihrer Mitmenschen ab- nimmt. Der will ich mit tausend Freuden sein und mein Leben glücklich schätzen, wenn es dem Ihren dienen darf." „Auch Sie denken an Flucht?" „Sic m ü s s c u sich befreien, Schiller, und der Soune ungefessclt zueilen!" „Schweigen Sic, Streicher; greifen Sie dem Schicksal nicht vor. Ich habe hier Eltern und Geschwister wohnen." (Forts, solgt.) Direluicm Mas Reinhardt. Deutscbes Theater. 7 L hr: i'igaruH Hochxelt. Kammerspiele. 7' Uhr: Armut. �'«»IkNbülmo.Theat. a.B&lowplatz. Untergniridb. Schönhauser Xor. 71/, Uhr: IMe Kutten. Theater I. d. Königgrälzerstr, 7 LT. z. 1. Male: Jan der Wunderbare, IComöcfsesihaiis 7Vj Uhr: Die verlorene Tochter. üerliner Theater 7!/j t'hr: Aut Flllfleln des Gesanges. Mörg.'i'U Uhr: Lisl's Härchenreise. Sessing-Theatsr. Direktion: Victor Barnowsky. 7Ü.: Peer Oynt. Musik v. Grieg. Sonnabend: Die beiden Klingsberg. Sonntag: Julius Cäsar. ßsntsehJöastler-Theafer. Allabendlich T'/s Uhr: Wölfe In der Vaeht, mmm TaubenstraEe 48/19. 8 Uhr: Oie fSussische Ostfront. Theater für Freitag, den 12. Januar. Neues Operettenhaus Deutsches Opernhaus, Charlottcnb. 7 I hr: Die Entführung aus dem Serail. Hierauf Erstauff.: Oer Schneemann. (Tiedrich-Wühelmstädt. Theater. tv. u.: Das Dreimäderlhaus. «ebr. Berrnfeld- Theater 7'/. Uhr: Der doppelte Buchhalter. Posso mit Gesaug und Tanz. Kleines Theater s uhr: Am Teeiiseh. Komische Oper 7/, uhr: Der Puszla-Kavalier. Sonntag 3l/t Uhr; Die Haubenlerche. Lustspielhaus t vu. Der selige Balduin Metropol-Theater io mS,.: Die Csardasförstin. Sonntag'/«S Uhr; Die Kaiserin.| Kassentslephon: Norden 281. 7v, u.: Der Soldat der Marie. Residenz-Theater uh�Die Warschauer Zitadelle. Schiller- Theater O. vit u.: MoYella d' Andrea. Schlller-Th.Charlottenbc. 7 v.u.: seine einzige Frau. Thalia-Theater. v!t u.: Das Vagabundenmädel. Theater am Xollendorfpl. T'/.u.: Biaue Jungens. Theater des Westens vit u.: Die Fahrt ins Glück iiiifc Guido Thiels eher. Trlanon-Theater v.s u.: Willis Hochzeilstag. «wyen et reu» rg Busdi Tggl.7'/« Sbd.u. Stg.3'/,u.7'/sU. Das groBartige Januarprogramm. 9 Die erfolgreiche beliebte P runk-Ausslattungspant. Uhr Uhr Sonnabend Z>/j Uhr wiederum Reim Weihnuehtsmnnn. Sonnt. 3'/. Uhr, auch nachmittags IMe d.eleFprlnsessln. „Die grüne Flole" Ballottpan tomime. Inszenierung von Max Reinhardt sowie der neue, abwechslungsreiche YaM-Spielplan. /VnfwnJ-'O Friedrichstr. 218. Tel. Liit20w 7341 PS" 7 Uhr 15 Das gr. Vnrletd-Progr. Dazu Neptun auf Reisen Aussdattungsposäe in 3 Bildern von Arnold und Bach. Musik von R. Nelson. !! Stürmischer Lachorfolg!t Sonntag nnchmittag 3 Uhr zu ermSßigten Preisen ! Das vollständige Programm! RosesTheater. 7';. tl.: Bei ausgehobnieinAbonnemmt Gastspiel der Schlierscer: tkt. Ueorg; d. Draehcntötcr. Walhalla-Theater. GaDiPiel Frltsi Are« 7v. u.: Das Musikantenmädel. Reiebshallen-Theater. Stettiner Sänger. ÄnfongT'/.Ulu-. Sonntag nachmitt. 3 Uhr ebenfalls CaberetFeliigrau ErmäB. Preise. Ziikus A. Schumann Anfang 7'/. Uhr. Der Zirkus ist gut geheizt. titiiA1; Die Seeräuber. Gr. Ausstattungspant, in 4 Akt. Im holländ. Fischerdorf— Ausfahrt z.Fischfang— Das Kaperschiff— Der Verrat— Die Verfolgung der Piraten— DasPiratonlager— Oie Gefangennahme— Das Strafgericht~ Oie Hinrichtung durch den Elefanten— Da« PrnnkfcBt, Vorher; Das glänzende groBe Zirkusprogramm. Sonnt. 2 ct. Vorst., 3 n.T'/.Uhr. Nachm. 1 an gehör. Kind frei. Passen- Thealer. Täglich T/j Uhr: De« Löwen Lrwachcn Ent oder weder Koflrnann» tüehmns. Admiraispalast. Schlittschuhläufer- Ballett a. d. Oper„Oer Prophet" und fr au fanfasis. Vorzügl. Küche. Anfang 7'lr V olgt-Theater. Badstr 58. Badstr. 58. Tüalich: Eine Fran ohne Her». Die Geschichte einer Stiesmuticr m 4 Sitten von U. M. flafobi. Kassenerössn. ß'l, II. Ansang 7Vz U. Sonntag 3 Uhr: Eine Frau ohne Herz. , 7 Uhr: Richters Millionen. Ab Montag, b. 15. 1. 1917: Goldfuchs, Anfang 7'/« Sonnt. 31/. n. 7,/j „Berliner Bilder" Otto Beutter u. d. große Januar-Programm. Casino- Theater lothringer Str. 37. Täglich VI, Uhr. Um VI, Uhr: BuuteS Programm. Um 8'l, Uhr; Die Schlagerp ofle Einzig in Groh-Berlin TweikeNeSLrUner Berliner.dmnor— Berliner Figuren. Sonnlag ß'/a Uhr: Weihnachfsurlaub. heinesWerke • 3 Bünte S Blflrt■ Buchhandlung Borwäris Berliner Ronzertbans. Jk s» � Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. Heute; Gr. Wohltatigkeits-Konzert zum Besten der Ireiwliligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz Berlin. Mitwirkende: Paul Lincke, Komponist u. Kapellmeister. Ferdinand Kaiweit, Konmiersänger. Frau Olga Fleck, Opemsängerin. Frau Maria Voigfsborger, Opernsängerin. Kriegschor 1914, Chordirettor: Karl Nipkow. Berliner Konzerlhäus-Orcliestor. Leiter: Komp. Frz. r, Blon. Anfang Vh Uhr. Eintritt 60 Pt. Anfang 7V, Uhr. Alle Vergünstigungen aufgehoben Allgemeine Orts Krankenkaffe Niederbarnim. Eine Sl«Rerorde»tliche Ausschutz- Sitzung der Allgeineineu Orts.Krauken� fasse Niederbarnim findet am «onntag. den 21. Januar 1917, vormittags 11 Uljr, im KrciSbause zu Berlin, Friedrich Karl-User 5— KrcistagsfitzungZsaal— statt. Tagesordnung: Nochmalige Beschlußsasfung über die Acndenmg der ZK 47, 79,'93 und III der Kassensatznng. Die Herren Ausschußmitglieder Werden zur Tcllnahme an dieser Sitzimg hierdurch crgebcnst eingeladen. Berlin, den 9. Januar 1917. Kühn, Anitsvorstchcr, 27SI1Ö- Vorsitzender. Kührer durch das preußische Einkommensteuergesetz Mit 4? Formularen für Eingaben und ReNamationen, sowie einem aus« führlichen Sachregister preis 40 pf. Zu haben in allen zz Vorwärts- Ausgabestellen und in der Vnchhandtung Vorwärts Berlin EW., Lindenstraße 3 �•grlliiclel 1876 Versand nach allen Plätzen Deutschlands. Möbelfabrik Rob. Seelisch BERLIN 0 112, Rigaer Str. 71— 73a empfiehlt gute preiswerte Möbel noch zu billigen Preisen.* 854 tüusteppaume. Lagerräume: 6696[1-Meter groß. 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Sonntag, den 11. �anttac 1917 veranstaltet im großen Saal der Arbeiter-Wanderbund Berlin sür seine Milglieder ein Wattipfenkonzerf und butiioristische Vorträge. Sonntag mittag: Gänsebraten mit Rotlohl.. 3,1X1 Stelrfiche Pute...... 2,50 Komvott ober Salat.... 0,25 Speise......... 0.40 500 Liter Hühnerbrühe a 60 Pf. in Terrine»«ud 100 darin gekochte Hühner. 'It Huhn 2,50, Huhn 4,50. Ein ganzes Hnhn 8,5« M. Ochsenschwanzsuppe..... 0,25 Hecht grün........ 2,00 Rdein. Rüben mit Pökelfleisch. 2,00 Lcbcrlnödel mit Kraut... 1,50 Heute und morgen: Ein sehr billiger Schnellverkanf: Ein großer Posten fette Gänse... das Psund von 5.00 6,50 M. Sehr fette Gänserümpfe........ daS Psund 7.00 M. Ein großer Posten fette Hühner.., daS Psund 5.50—4,00 M. Spickdrüfte am Knoche»......... das Psund 10,00 M. Großer Posten geräucherte Gänsekeulen.... a Stück 4.50 M. Verwaltungsstelle Berlin. N 54, Linienstr. 83-85. GeschästSzeit von 9—1 Uhr und von 4—7 Uhr. Telephon: Ami Norden 185. 1239. 1987. 9714. Sonntag, den 14. Januar 1917, vormittags 9'/, Uhr: Allgemeine mg Branchen-Versammlung der Rohrleger und Helfer im Gewerkschaftshause, Engrlufer 13, Saal 4. Tagesordnung: 1. Das Gesetz über den Baterländische» Hilfsdienst. Referent: Kollege W. S i e r i n g. 2. Stellungnahme zur Kündigung des Tarifs. 3. DiSlussion. 4. Betichiedenes. Zahlreiches Erscheinen aller Kollegen wird erwartet. g"""*! Bauanschläger Sountag, de» 14. Januar 1917, vorm. 10 Uhr, im Lokal von Hummel, Sophienstrahe Nr. 5: Versammlung v« Bauanschläger Tagesordnung: 1. Berbands- und Branchenangelegenheilen. 2. Neuwahl der Algitations- kommissson. 3. Wahl der Revisoren. Jeder Kollege, auch diejenigen, die zurzeit nicht als An- schläger arbeiten, wüsten zu dieser Lersammlnng erscheinen. Sonntag, den 14. Januar 1917, vorm. 10 Uhr, in de» Sophien-Sälen, Sophienstraße 17/18: Sraneben- Versammlung aller in den Eiseukonstruktions- Betrieben beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Tagesordnung: 1. Ist eine Erhöhung der renerungßznlage notwendig? 2. BretichenangelegenheUen. 3. Verschiedenes. TaS Erscheinen oller Beschäftigten ist unbedingt notwendig. issjj Die Ortsderwaltnng Erste Oeutsciie Ersatzmiitel-Ausstelliing verbunden mit lehensmittelmesse EineKrisssscIiau dsutschen Gewerbefleißes AESSTEELFXGS- HAEEEX AM ZOO» Nachmittags 4—7 Uhr: Konzert. Täglich 10 Uhr bis abends 8 Uhr geöffnet. Eintritt 50 Pf. 3000 Kilo Altblei zn kanten gosneht. S/U* J. L Carl Eekelt, Berlin NW 7, ui w. 2 Verkäufe Graste Kaninchen- Ausstellung l.'J.— 15. Januar. Schöneberg, Hauptstraße 144,„Schwarzer Adler". Günstige Kausgeiegenhcit für Rage- und Schlachtkaninchen. fiÄ' Trvvich-Tbomas. Oranienstr. 44 svsttdillig iarbieblerbaste Tevviche, Gardinen. Vorwärtsleicrn 5 Prozent Extrarabatt. 64- Leibbaus Morinvlan 5t«a ver- kaust EkunfSstolaS, Muffen. 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