oai «c sti»; auf 9« «h S" -h« brt itrt t« OB' da- va> Bit- I ig» iw« o»i« ende Erschrmt in Ltipsi� Mittwoch, Frcit»g, S-»nta� Abonntmculepreis iür g-Nj Teutschland 1©. 00 Ps. pra Quartal. Mouats- Abo-»c«enle weiden bei allen deutichen Paflanftalteii aas den 2. und I. Monat, und aus den Z. Monat besonder» angcnoinmcn� iia tronigr. Sachsen und Hertogth. Sachsen- Altenburg auch aus den lten Monat de» Quartal» k 54 Psg. Inserat« betr. Persaminlungen xr. Petitzcile 10 Pf., de«. Privatangelegenheilm und Feste pro Petitjeiie M Ps. Vorwärts Vtstellnngcn nehmen an alle Poitanftallen und Buch- Handlungen de» In- n. Autlandc». Filial> Expeditione». New-V ort: So«.-bemolr.«enosien- schastibuchdruckcrei, IS» Dlärickg-a Str. Philadelphia- P.Hab, MO Kortl. Zra Street. I. Boll, 1129 Charlotte Str. Chicago- A. Lanscrmanu, 29« viel- gioa Street. San Franztico- F. Sntz,»19 O'Fut- relj Streat. London- Baubitz,& Ksuau Street, Middleecx Hoeplul. Geniral Hrgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 1. Sonntag, 1. Ottober. 1876. 280 5 hr» [Hb Mit dem 1. Oktober a. c. haben laut Kongreß- deschluß unsere bisherigen zwei offiziellen Partei- organe„Volksstaat" und„Neuer Sozialdemokrat" zu erscheinen aufgehört und ist an deren Stelle als einziges offizielles Parteiorgan getreten der M Ungarn...... 534,500 Personen, Siebenbürgen Fiume...... Croatie» und Slavonien der gew. Militärgrenze L3.740 3,200 29,960 15,500 11 Vorwärts' Im Ganzen 646,900 Personen. einer Gesammtbevölkerung von 15,400,000 Seelen nur l 4.20 Proz. Hiervon sind 291,000 selbstständige Unternehmer, ein Zeichen, daß die Industrie zum größten Theil noch Hand- rr x. i..»r wertmäßig betrieben wird, und nur 355,900 d. i. 2.30 Proz. Centralorgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Arbeiter und Gehilfen, während z. B. Belgien, das nur 5Mil- Redakteure: W. Hasemleber uud W.Aebtnecht.»°b-i,.n.„u.««.9« A-. r.rt hr« NorlaaS• 9«>thlirt Wenn heute Engländer und Franzosen mit ihren Freihandels- � �- theoricn in aller Herren Länder Hausiren gehen, darf man nicht Der Preis des„Vorwärts" ist per Quartal auf vergessen, daß Englands Industrie durch hohe Zölle und Ein- M l.K» s-ftgestellt,-ud abonnir. man denselben bei � gS Ä'Ä � a l l e n Poslanstalten, sowie den bisherigen Vezugs- Schwierigkeiten, als er das Verbot aufheben wollte, welches die quellen englische Seidenindustrie gegen die französische schützte, und mußte Ter„Vorwärts" erscheint ebenso wie„Volksstaat" �»Stelle einen Zoll von 30 Proz. auflegen, der erst 1846 der [760 M' et> lunh n (300 & ld '•■ 4 stri« onv hat' aaf ut' S <* id t» 4 ;ö 4 d le ä e 4 herabgemindert wurde. Frankreichs Industrie wurde besonders durch Colbert(Minister Ludwig des XlV.) gefördert, der sie mit Monopolen, Privilegien und Subventionen reichlich ausstattete und nebenbei auch hohe Zölle und ein Einfuhrverbot diktirtc. Nach einer im Mai l. I. in der Lvoists ä'ecouowie politique stattgehabten Diskussion über die Zollfrage zu schließen, zählt der allgemeine Tarif Frankreichs heute sogar noch viele Artikel— Garnier behauptete 52— deren Einfuhr verboten ist. Welchen Erfolg könnte man nun von einer Armee ungeübter mtt Feuersteingewehren bewaffneten Soldaten, die sich mit einem kriegsgeübtcn, mit den neuesten Feuerwaffen ausgerüsteten Heere im Kampfe befände, erwarten? Auf dem Felde der Industrie hätte Ungarn mit seinen schlechten und schwachen Arbeitsmitteln nicht nur denselben Erfolg gegenüber England und Frankreich, nicht nur gegen Belgien, die Schweiz und Deutschland, sondern zum großen Theil selbst gegen das in der Industrie wenig vorgeschrittene Oesterreich, so' daß Ungarn, wenn es das Bestreben fühlt, den größern Theil seines eignen Bedarfs an Fabrikaten zu decken und den eignen Markt auch nur mehr oder minder zu beherrschen, die Jntereffen seiner Industrie auch gegen Oesterreich wahren muß; es müßte auch ein eignes Zollgebiet haben. Ungarns Industrie gleicht einem Kinde, dem noch das Stehen und Gehen gelehrt werden soll; es muß ihr noch sehr unter die Arme gegriffen werden, soll sie je auf eignen Füßen stehen können. Mein Staatsanwalt schien sich meinen Ansichten mehr oder minder zuzuneigen. Er sprach nur seine Verwunderung darüber aus, daß ich mich als ein„Internationaler" für den Schutzzoll ausspreche, da er immer glaubte, die Internationalen seien Frei- Händler. Dies gab mir Gelegenheit, ihm zu sagen, daß dieselben weder Schutzzöllner noch Freihändler sind, daß sie sich diesen Fragen gegenüber ganz passiv verhalten, da dies keine Arbeiter-, son- dern eine Kapitalistenfrage sei, daß sie weder an den ameri- konischen Protektionsapostel Earey, noch an die englischen und französischen Freihandelsapostel wie Cobden und Basttat glauben, denn unter dem einen oder dem andeni System ist der Abhängig- keitsgrad der Arbeiter derselbe, unter beiden Systemen erhebt sich ihr Lohn selten höher und auch dies vorübergehend, als der Preis der zu ihrer Erhaltung nothwcndigen Lebensmittel. Wenn diese Frage aber auch wesentlich nur das Interesse der Kapitalisten und Grundbesitzer berührt, und die Art der Lösung von dem Verständniß der Sachlage abhängen wird, so ist sie doch nicht ganz unwesentlich für diejenigen, die nichts als ihre Ar- beitskraft zu Markt zu tragen habe«. Allerdings nicht im Sinne jener Oekonomisten, welche behaupten, daß sich mit der Ver- größerung des Nationalreichthums die Lage der arbeitenden Klasse verbessern, und daß das Interesse der Arbeitgeber und Arbeit- nehmer daher ein gleiches sei. Nein, täuschen wir weder uns noch andre. Die menschlichen Interessen mögen gleiche sein, das Interesse der Klassen aber nie und nimmermehr! Für die Zukunft, für den Forffchritt der Menschheit hat dieser. Antagonismus nichts Erschreckendes, sondern nur Erfreuliches an sich. Die ganze bisherige Geschichte der menschlichen Gesellschaft; zeigt sich uns als ein Cyttus anhaltender Kämpfe zwischen Klassen, Ständen und Parteien, die entgegengesetzten Interessen folgten. \ Es würde mich zu weit von meinem Gegenstand abführen, wollte - ich hier erst den Nachweis liefern, wie die Unterdrückten bei allen � diesen langwierigen Kämpfen schließlich doch als Sieger das Feld Bemerken will ich nur, daß alle diese Kämpfe, die und„Neuer Sozialdemokrat" 3mal wöchentlich. Die Bezugsbedingungen und Versandttage sind dieselben, wie bei den bisherigen Parteiorganen. I« dem Zeitungskatalog steht der„Vor- wärts" im Nachtrag XI, unter Nr. 3770a, Seite 2. Denjenigen Abonnenten, welche das Blatt per �reuzvand beziehen, wird dasselbe bei wöchentlich dreimaliger Zuwendung in folgender Weise berechnet: für Deutschland, Oesterreich, Helgoland und Luxemburg 3 Mark per Quartal; für die Schweiz, Serbien, Belgien, Scandinavien, Italien, die Niederlande, Großbritanien, Rumänien, Portugal, Frankreich, Spanien, Türkei und Vereinigten Staaten von Amerika 4 Mark; Couvertsendungen wöchentl. 3mal 10 Mrk. pr. Quart. „ Intal 4,80 Mrk.„„ IW Der Abonnements-Betrag ist bei Bestellung einzusenden. Für Leipzig uud Umgegend ist der Abonncmentspreis(mit Bringerlohn) auf 1 Mark 80 Pf. pro Quartal und 60 Pf. pro Monat festgesetzt. Man abonnirt bei der Expedition d. Bl. Färbcrstr. 12, und bei unseren Colporteuren. Für die Umgegend von Leipzig bei den Filialexpeditionen: Yorkmarsdorf, Mendnitz, Neuschönefekd-c. ic. bei Frau Engel, Reudnitz, Feldstr. 14, Hof 1 Tr.; für Kouuewitz te. bei Teubert, Bornaischestr. 19; für Ftkeinzschpcher«ud Kmgegend bei Fleischer, Schloßg. 13 daselbst; für Thonberg bei Kirsten, Hauptstt. 7, und Zschau; für Zleureudnitz bei Zschau; für Hohkis te. bei A. Hermsdorf, Lindcnthalerstr. 17; für Stötteritz bei E. Grude, Ander Papiermühle; für Lindenau bei Frau Grebenstein, Aurclien- ftraße 3. Für Nkrtin wird auf den„Vorwärts" monatlich für 75 Pf. (frei in's Haus) abonnirt, bei der Expedition der„Berliner Freien Presse", Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8a und Rubenow, Brunnenstr. 34, im Laden. Die Redaktion und Expedition des„Vorwärts". Die Arbeiter und die Zollsrage. Mit besonderem Bezug auf Ungarn. Von Leo Frankel. Während meiner hiesigen Untersuchungshast— wegen Bethei- ligung an der Pariser Commune— kam ich mit meinem Staats- anwalt unter anderem auch auf die Zollfrage zu sprechen.— Schutzzoll-»der Freihandels- Fragen, die sonst nur in volkswirth- schastlichen Büchern oder Revuen erörtert wurden, tauchten plötzlich in Folge des bevorstehenden Ablaufs des 1867 zwischen Oester- reich und Ungarn gemachten zehnjährigen Vertrags in den Tages- blättern auf und wurden ganz von selbst zu Tagesfragen. Das mag auch den Staatsanwalt veranlaßt haben, meine diesbezüg- liche Meinung zu hören; oder wollte er wissen, ob ich wirth- fchastliche Kenntnisse besitze? Sei die Ursache gewesen welche sie wolle, �ich trat— so befremdend dies auch klingen mag— für den Schutzzoll ein. Man muß die ökonomischen Fragen immer auf ein gegebenes � behaupteten. � � t.■ Land, auf gegebene Verhältnisse prüfen, man muß die sogenannte, stch«n Grunde um materielle Interessen drehten, auch von historische Methode anwenden, wie sie von Marx und Engels entsprechenden geistigen Fortschritten begleitet waren. Der- schon in den vierziger Jahren(in den deutsch-französischen Jahr- Kampf zwischen der Bourgeoilie und dem Adel, der sich in büchern) gelehrt wurde, denn es giebt im ökonomischen Leben � trnmm1ini.eri1,f,..nnen h«« n keine unveränderlichen Gesetze, Gesetze die zu allen Zeiten und in allen Ländern gleich sind, sondern nur historische Gesetze, d. h. Gesetze, die mit dem Ableben einer gegebenen Entwicklungs- Periode absterben, so daß jede historische Periode ihre eigenen '"H Bül�H Tie industriellen Verhältnisse Ungarns sind heute eben noch Wäre es wahr, daß das Interesse der Arbeiter und Kapi- derartig beschaffen, daß sie ebensosehr eines Schutzzolls bedürfen, ralisten ein gleiches ist— und nehmen wir an, es sei so— dann als die Englands des Freihandels, wie sich dies schon aus der müßten die Folgerungen auch im umgekehrten Falle wahr sein, Zahl derjenigen ergiebt, die in den Ländern der ungarischen und wir dürften sagen: Alles, was im Interesse der Arbeiter Krone eine industrielle Beschäftigung haben.! lieat. ist anch im Interesse der Kapitalisten, und da nun Jeder ~ Industrie beschäftiaen sich in den einzelnen Ländern c.inen Interessen am besten vertr�--» zu können, vertreten sein. Was sehen wir aber anstatt dessen? Die be- fitzende Klasse allein ist in den meisten Ländern vertreten, sie allein macht die Gesetze, sie allein schreibt die Steuern aus, .sie allein schließt Verträge, während die Arbeiter systematisch von der Herrschaft ausgeschlossen werden. Darf man sich dann wundern, wenn diese Gesetze als Klassen- gesetzt, als gegen die Arbeiter, gegen die besitzlose Klasse gerichtet verschrieen, und die Oekonomisten, die stets gegen die Arbeiter Front machen und init ihren Harmonielehren die Arbeiter nur glauben machen wollen, daß das Interesse der Kapitalisten zu gleich das ihrige sei, als Sykophanten und Söldlinge der bc- sitzenden Klasse betrachtet werden? Hatten vielleicht die Feudalherrn, die den Bauer gesetzlich zwangen, für sie zu arbeiten, der ihrer Gerichtsbarkeit uuterstellt ivar(in Oesterrcich-Ungarn sind die letzten Pfeiler des Feudal- � wesens erst 1848 niedergerissen worden), das Interesse der Bauern im Auge? Hatten die englischen Grundbesitzer, welche(bis 1846) die Korngesetze als für ihre Renten unumgänglich nothwendig betrachteten, das Interesse der Besitzlosen im Auge? Hatten die Sklavenhalter Südamerikas im Interesse der Sklaven die Waffen zur Aufrechthaltung dieses barbarischen Systems ergriffen? Oder hatten die früheren Meistcrgilden, die durch übertriebene Gebühren selbst den fähigsten Gesellen die Meisterschaft fast unmöglich machten, ja in vielen Fällen nur den Söhnen der Meister oder den zweiten Männern verwittwcter Meisterinnen Zutritt ließen, das Interesse der Gesellen im Auge? Auch die Arbeiter sind nicht so blöde, um zu glauben, daß ihr Ausschluß von der Gesetzgebung, das Verbot von Arbeiter coalittoncn, Nichteinführung von Fabrikgesctzen, von besoldeten und unabsetzbaren Fabrikinspektoreu, oder das Lohnsystem in ihrem Jntcresse liege. Das Interesse der Arbeiter und Kapitalisten ist ebenso ver- schieden als das der Käufer und Verkäufer einer Waare, wo jeder nur seinen eigenen Bortheil sucht und schließlich immer derjenige im Nachtheil sein muß, der des andern am meisten benöthigt. Daß dies unter den bestehenden Verhältnissen der Arbeiter ist, braucht wohl kaum erst beleuchtet zu werden.(Forts, folgt.) Frankreich bereits in den Communeerhcbungen des 11. und 12. Jahrhunderts kundgiebt, in dem Bauernkrieg, Jacquerie genannt,< a» Bedeutung gewinnt und seinen eigentlichen Abschluß in der- Eröffnung der französischen Reichsstände(5. Mai 1789) findet, zeigt dies am Besten in seinen Encyklopedisten, den Philosophen des 18. Jahrhunderts._ An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. „Die Sozialdemokraten Hetzen das Volk auf, machen es mit den herrschenden Zuständen unzufrieden." Das ist der gewöhn- liche Vorwurf, der von Seiten der Spießbürger unserer Partei gemacht wird. Wir sagen„Vorwurf", weil es als Vorwurf gemeint ist. In Wirklichkeit ist's freilich kein Vorwurf, denn das sogenannte„Aufhetzen", das Erregen von„Unzufriedenheit" ist an sich ja durchaus nichts schlimmes. Wer gegen schlechte Zu- stände„aushetzt", thut nur seine Schuldigkeit, und wer unter den. Menschen„Unzufriedenheit" mit schlechten Zuständen verbreitet, handelt im Jntcresse des menschlichen Forffchritts. Die Zufrie- denhcit ist die schädlichste aller menschlichen Eigenschaften. Von gedankenlosen Dichtern gepriesen, ist sie der Schrecken des Rcfor- inators und des Kulturgcschichffchreibers. Die Zufriedenheit, das Sichwohlfühlcn in den menschenunwürdigsten Verhältnissen und Lebenslagen ist der Feind jedes Forffchritts, das Hinderuiß jeder Verbesserung; während umgekehrt die vicloerlästerte, dem Philister- thum so verhaßte Unzufriedenheit das Triebrad der Kullurent Wickelung bildet.„Hunger und Liebe" erhalten zwar, wie Schiller sagt, das Weltgetriebe, aber sie treiben die Welt nicht vorwärts; die Peiffche, welche die Menschheit vorantreibt, das ist die Un Zufriedenheit; die Unzufriedenheit ist es, was den Menschen vom Thier unterscheidet, was den Menschen über das Thier er- hebt— die Unzufriedenheit ist die ewige Unruhe in der Wetten- uhr— die Unzufriedenheit ist die wahre Kulturträgerin, die Füh- renn, der Sporn in dem großen menschlichen Kulturkampf. Wenn man uns Sozialdemokraten also den Vorwurf macht, wir erregten Unzufriedenheit, hetzten des Volk auf, so macht man uns in Wirklichkeit ein Compliment, welches wir sehr gern an- nehmen, und welches wir in immer höherem Grade verdienen wollen. Ja wir wollen Unzufriedenheit verbreiten, ja wir wollen„aufhetzen"! Sie lächeln vergnügt, Herr Tessendorf und Compagnie, Sie denken gewiß:„Die guten Leutchen wollen mir die Arbeit er- leichtern, sie schwimmen mit offenen Augen in mein Netz." Lächeln Sie nicht zu früh, Herr Tessendorf uud Compagnie; Sie labo- riren an falschen Vorstellungen, von denen Sie sich emanzipireu sollten. Wir ertheilen Ihnen diesen Rath nicht in unseren' Interesse, sondern in dem Ihrigen. Je länger Sie auf dem Holzweg hcrumstolpern, desto besser für uns; bessere Feinde als die, welche uns bisher bekämpft haben, können wir uns nicht wünschen, und wir geben Ihnen die ehrliche Versicherung: wenn wir wären, was Sie von uns glauben, wenn wir thätcn, wa Sie Ulis zutrauen, und einmal pro dono L-moti Stieberii frisck fröhlich frei puffchten— und wenn uns bei dieser Gelegenheit durch irgend einen Zufall gelänge, unsere Haupffeindc, von Bismarck an bis herunter zu Tessendorf, zu fangen, wir würden das Beispiel Washingtons befolgen, der einen durch ganz besonder „Genialität" ausgezeichneten,'englischen Heerführer in seine G walt bekommen hatte: wir würden die genannten guten Fei' schleuiiigst wieder in Freiheit setzen, mit der Bitte, als ein) Bedingung, daß sie so fortwirthschasten mögen, wie sie bishe wirthschastet haben. Sie sehen, Herr Tessendorf und Comp- wir meinen es gut mit Ihnen; wir Sozialdemokraten sin- so human, daß wir Ihnen eine kleine Belehrung angedcihc müssen, auch auf die Gefahr hin, dadurch uns Nachthr' Ursachen. Nun aufgepaßt! Wir wollen Unzufricdcnb-'� gen und„aufhetze. WWWWWMWMWWWW»»��� gehört, das sieht doch jedes Kind ein, ein Gegenstand, eine Ein- richtung, eine Person, gegen welche die Unzufriedenheit sich richtet, und gegen welche aufgehetzt wird. Ist kein Gegenstand, keine Einrichtung, keine Person vorhanden, die Stoff zur Unzufrieden- heit, Anhaltspunkte für's Aufhetzen bieten, so ist kein Sterblicher und kein Unsterblicher im Stande, dauernde Unzufriedenheit zu erregen, mit nachhaltigem Erfolg aufzuhetzen. Die Versuche, es zu thun, würden sich sehr bald als aus trügerischer Grundlage beruhend herausstellen und die betreffenden Unzufriedeuheit-Er- zcuger und Aushetzcr als Charlatane entlarvt werden. Weder Staat noch Gesellschaft haben von solchen Versuchen, von solchen Charlatanen etwas ju fürchten. Sie zerschellen hoffnungslos an der Logik der Thaffachen, an dem ehernen Wall der Wirklichkeit, ohne daß es einer Bande von gewerbs- und berufsmäßigen Staats- und Gesellschaftsrettern bedürste. Anders, wenn Gegenstände, Einrichtungen, Personen vorhanden sind, welche Stoff zur Unzufriedenheit, Anhaltspuntte für's Auf- Hetzen bieten. Wer gegen sie aufhetzt, Unzufriedenheit zu erregen strebt, der findet allerdings einen fruchtbaren Bodem Das leiseste Wort, die verhüllteste Anspielung läßt eine üppige Saat der Un- zufriedenheit aufschießen. Und die erwerbs- und berufsmäßigen Staats- und Gesellschaftsretter, welche die Saat abschneiden, niederstampfen, die Sämänner verhasten, einsperren— verrichten bei angestrengtester Arbeit die Arbeit von Narrenhäuslern, die in ein Sieb Wasser schöpfen oder Löcher in die Luft bohren. Neben der abgeschnittenen, niedergestampften Saat springt neue Saat in unerschöpflicher Fülle hervor, und an die Stelle jedes verhafteten, eingesperrten Sämanns treten zwei, treten zehn neue Sämänner. Fangen Sie an zu begreifen, Herr Tessendorf und Compagnie? Unzufriedenheit läßt sich nicht künstlich erzeugen; sie kann nur das„Produkt" realer Verhältnisse sein. Und ist sie dies, so kann sie, was wiederum jedes Kind einschen muß, blos dadurch beseittgt werden, daß die Verhältnisse, durch welche sie erzeugt worden, beseitigt werden. Das ist doch klar? Sie haben doch den alten Schulsatz nicht vergessen, Herr Tessendorf und Com- pagnie, daß die Wirkung nur mit der Ursache aufhören kann? Den Arzt, welcher die Krankheit eines Menschen constatirt, für den Urheber dieser Krankheit erklären und demgemäß be- strafen— das wäre doch sehr ungerecht, das wäre doch geradezu verrückt— nicht wahr, Herr Tessendorf und Compagnie? Und um kein Haar breit weniger ungerecht und verrückt ist es, diejenigen Männer anzuklagen und zu bestrafen, welche die Krankheit des heutigen Staats- und Gesellschaftsorganismus con- statiren. Begriffen, Herr Tessendorf und Compagnie? Diese Männer, das sind die Sozialdemokraten. Wir erzeugen nicht die Krankheit— wir verkündigen sie, wir weisen nach, wo das Uebel sitzt, und wie es zu heilen. Wir verbreiten nicht Unzufriedenheit, wir verbreiten blos Licht über die berrschenden Zustände und Persönlichkeiten, welche «seil Stoff zur Unzufriedenheit bieten. Die Unzufriedenheit ist der Hebel unserer Macht, die unent- behrliche Vorbedingung unseres Erfolgs. Das haben Sie kapirt (erfaßt), Herr Tessendorf und Compagnie. Aber nicht kapirt haben Sie, daß die Unzufriedenheit nicht unser Werk ist, son- dern das der herrschenden Zustände und Persönlichkeiten. Je gemeinschädlicher, je augenfällig verderbter und unvernünftiger die herrschenden Zustände und Personen, desto größer die Unzu- Eiedenheit, desto sicherer, desto näher unser Erfolg. Begreifen Sie jetzt, Herr Teffendorff und Compagnie, warum nr vorhin sagten, wir ertheilten Ihnen diese kleine Belehrung uf die Gefahr hin, uns selbst zu beuachtheiligen? „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen", heißt's in der Bibel; und wir fügen hinzu:„An ihren Früchten werden sie zu Grunde gehen!" Und Sie, Herr Teffendorff und Compagnie, gehören doch wahrlich zu den schönsten Früchtchen, zu den uns nützlichsten Früchtchen der herrschenden Staats- und Gesellschaftszustände. Was sollte aus uns werden, wenn wir Sie verlören? Im Vertrauen wollen wir aber gestehen: wir hegen keine derartige Furcht, wir sind überzeugt, daß Sie gegen unsere Belehrung mit dem dreifachen Erz des Unfehlbarkeitsbewußtseins gewappnet sind und auf der bisherigen, uns so segensreichen Bahn weiter- nmrschiren werden. Nochmals: was wären wir ohne Sie? Was wären wir ohne Herrn Stieber und die Reptilienbrut? Was wären wir ohne Herrn Bismarck und seine Blut- und Eisenpolitik? Was wären wir ohne Graf Eulenburg und sein „Die Flinte schießt, der Säbel haut"? Was wären wir ohne das kolossale Fiasko der europäischen „Staatsmänner" und„Diplomaten" in der„orienta- 'ischen Frage"? Was wären wir ohne die Handels- und Jndustriekrise, die seit vier Jahren das Füllhorn des Elends und der Roth ber die„civilisirte" Welt ausschüttet, und Jeden, der da fähig ist zu fühlen und zu denken, in das Lager der Sozialdemokratie drängt? „Unsere besten Agitatoren"— so schloffen wir unseren letzten Artikel—„das sind die faulen staatlichen und gesellschaftlichen Zustände und deren Vertreter." Diese Agitatoren lassen wir siegesgewiß für uns wirken. Wir haben das Volk blos über ihr Wesen und Wirken aufzu- klären. Es leben die Tessendorffe, Stieber, Bismarcke, Eulenburge! Es lebe die Blut- und Eisenpolitik! Es lebe die Krisis!„Es leben unsere Freunde, die Feinde!" Die Urkrast des Weltalls. i. So lautet der Titel eines Buches, in welchem Professor Spiller in Berlin eine Erklärung der Hauptthatsachen des Naturwissens versucht. Dasselbe ist gleichsam die Fortsetzung eines früheren Werkes von demselben Verfasser,„Kosmogonie" getitelt, und verschiedener kleinerer Schriften, in welchen er seit 'ielcn Jahren die Einheit der Naturkräfte verficht. Es ist ein äußerst kühnes Unternehmen zu nennen, wenn der Mensch das Weltganze gleichsam im Geiste nachzuschaffen versucht, wie Spiller dies hier unternimmt; allein das Wagestück muß versucht werden, oeil der Mensch das erhabene Bedürfniß hat. Alles zu be- reifen. Wenn wir es versuchen, unseren Lesern den Gedanken- ng dieses Nawrforschers gemeinverständlich vorzuführen, so 'sen wir um so mehr auf ihre Geduld und Aufmerksamkeit ren, da es unerläßlich ist, zugleich den heutigen Standpunkl �Naturwissenschaften dabei kurz und klar auseinanderzulegen, �Bekanntschaft der Verf. voraussetzt. Und da die Sozial- �n�tie nach nichts so sehr als nach Gerechtigkeit strebt, so toHlt|tt,,sie es Männern wie Spiller und dem noch öfter Sorge cwähnenden Fried r. Mohr in Bonn, deren Haupt- von wissenschaftlichen Kreisen lange genug todtzu- gesucht wurde, sc diese Leistungen an das helle ' was eigentlich das Naturerkennen ist. Jeder unter uns lernt Tausende von Dingen rund um sich her kennen und oberfläch- lich von einander unterscheiden, leider aber hat es der Mensch- heit eine lange, lange Zeit gekostet, ehe sie anfing, überhaupt etwas zu erkennen. Denn Erkennen heißt das Entstehen von etwas näher kennen. Daß die Hühner und noch viele andere Thiere aus Eiern entstehen, das war seit uralten Zeiten bekannt; aber wie sie und alle Thiere aus Eiern entsteh».!, das ist eine sehr neue Erkenntniß, welche nicht eher gewonnen werden konnte, als bis das Vergrößerungsglas erfunden war und eine Menge geduldiger Forscher Schritt für Schritt der Entwickelung der Eier jeder Art von Thieren nachgespürt hatte. Vorher glaubte man blos, daß„alles Lebende aus Eiern" komme; jetzt weiß man es, weil noch nie eine Ausnahme von diesem Satze hat nachgewiesen«erden können. Es bleibt nun zwar noch immer möglich, daß eine solche Ausnahme nachge- wiesen wird; und von den niedrigsten und kleinsten Lebewesen nachzuweisen, daß sie nicht aus Eiern, sondern aus ganz form- loser, unorganischer Masse entstehen können(Urzeugung), wird noch immer eifrig versucht. Da aber diese Versuche bei genauer Forschung und Vorficht noch immer fehlgeschlagen sind, so ist die Wahrscheinlichkeit, daß es eine Urzeugung jetzt noch auf der Erde gebe, äußerst gering. Es bleibt nun freilich trotzdem denkbar, daß es vor Alters auf Erden Zustände gegeben habe, in welchen sich ohne Eier die allerersten Lebewesen haben entwickeln können; allein so lange nicht heutzutage unzweifelhafte Urzeu- gung nachgewiesen wird, haben diejenigen Forscher genau ebenso viel Recht, welche die Keime der ersten Lebewesen von anderen Himmelskörpern gekommen sein lassen, als es die Verfechter einer ersten Urzeugung auf Erden haben. Hier sehen wir an einem Beispiele, wie das echte Natur- erkennen verfährt. Es stellt zuerst finnlich erkennbare Thatsachen in großer Menge fest, ordnet dieselben nach ihrer Aehnlichkeit und Unähnlichkeit in viele verschiedene Klassen, Abtheilungen und Unterabtheilungen; und wenn dieselbe einzelne Thatsache immer unabänderlich wiederkehrt, nennt man dieselbe ein Gesetz, womit eben weiter nichts gesagt sein soll, als daß eine Ausnahme bisher noch nicht entdeckt ist, daß also mit großer Wahrscheinlichkeit die- selbe Thatsache immer wiederkehren wird. Alle ähnlichen Gesetze werden wieder unter allgemeine Gesetze zusammengefaßt, wie B. daß alle Lebewesen sterben, oder das noch allgemeinere esetz, daß alles Entstandene(Endliche) wieder vergeht. Je mehr Thatsachen fich unter einem allgemeinen Gesetze zusammen- fassen lassen, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit, daß ferneres Forschen jemals dieses Gesetz umstoßen könne. Wir finden z. B. in Tausenden von Millionen Fällen, daß alle Gras- Halme, Bäume, Pflanzen, überhaupt alle Thiere, alle Menschen, alle Einzelwesen, welche beobachtet werden, absterben; daß nie derselbe Grashalm, dasselbe Thier, derselbe Mensch nach dem Tode'wieder auflebt; daß überhaupt alle Einzelwesen sich nur auf Kosten und aus den. Bestandtheilen anderer zum Leben ent- wickeln können; daß es also das Wesentliche des Einzelnen ist, in der Zeit endlich zu sein. Das eben genannte allgemeine Gesetz ist zwar nicht schlechterdings gewiß; aber seine Wahrschein- lichkeit verhält fich zu der des Gegentheils wie viele Millionen mal Millionen zu Eins. Wir haben kaum irgend etwas Ge- wisseres, und wenn wir nicht aufhören sollen zu denken, müssen wir diesem allgemeinsten Gesetze größere Gewißheit zugestehen, als den meisten Thatsachen und Gesetzen. Ein anderes solches allgemeinstes Gesetz ist dieses, daß alle Dinge aus Stoffen bestehen, in und an welchen Veränderungen vorgehen, wobei derselbe Stoff immer wieder dieselben Erschei- nungen zeigt. Das, was immer dieselben Erscheinungen bewirkt, nennen wir Kraft, oder mit einem noch allgemeineren Ausdrucke Bewegung, und wir haben solcher Bewegungen bisher acht unterscheiden gelernt. Während nun alle Einzeldinge ohne Aus- nähme vergänglich sind, hat es bisher noch nicht gelingen wollen, irgend einen Stoff, oder irgend eine der acht Kräfte zu ver- nichten, sondern nur zu verwandeln, wobei aber nichts verloren geht. Die Stoffe und Kräfte(Bewegungen) müssen also ewig genannt werden, womit allerdings nur gesagt sein soll, daß sie für das menschliche Erkenntnißvermögen so gelten müssen. Solcher Stoffe, aus welchen Einzeldinge bestehen, kennen wir bis jetzt sechzig und neun; es mögen deren aber mehr sein, da mehr- fach neue hinzuentdeckt worden sind, oder auch weniger, da zwei oder mehr jetzt verschiedene Stoffe vielleicht blos unter Umständen verschieden, im Wesen aber derselbe sein mögen. Es mag auch mehr als acht Kräfte(Bewegungsarten) geben, oder auch weniger, wenn nachgewiesen wird,' daß eine aus der andern hervorgehen kann. Das ändert aber nichts an der Ewigkeit jedes wirklichen Urstoffes und der wirklichen Urkräfte. Das Na- turerkcnnen ist also ehrlich und bescheiden: es macht einen Unter- schied zwischen dem, was es so gewiß weiß, als der Mensch von seinem Dasein weiß, und dem, was es blos vermuthet. Es sticht darin sehr von der Religion ab, welche gar nichts weiß, aber verlangt, daß man ihr jede Erdichtung buchstäblich glauben soll, bei Strafe ewiger Berdammniß. Die Dinge erscheinen im Räume nebeneinander, und in der Zeit nacheinander. Raum und Zeit find aber keine Einzel- dinge, und sind auch keine Stoffe und Kräfte. Mit den letzteren beiden haben sie die Unendlichkeit gemein, mit den ersteren, daß wir sie ohne einander nicht vorstellen können. Wenn wir uns alle einzelnen Dinge, welche im Räume find, hinwegdenken, so behalten wir ein unendlich großes, schrankenloses Nichts übrig; und wenn wir uns ebenso alle Dinge, welche in der Zeit nach- einander erscheinen, gänzlich hinwegdenken, so behalten wir ein unendlich langes schrankenloses Nichts übrig. Unser endlicher Geist ist so beschaffen, daß wir nichts Unendliches uns vorstellen können; aber wir find gleichwohl gezwungen, Stoff und Kraft als im Räume und in der Zeit unendlich, d. h. schrankenlos zu' denken, wenn wir nicht zu denken aufhören wollen. Es fällig dem gemeinen Menschenverstände sehr schwer, sich Raum und Zeit als ein Nichts(d. h. nirgend als in unserem Geiste vor-: Händen) zu denken, weil wir beschränkte Räume und beschränkte Zeiten für wirklich vorhanden anzusehen gewohnt sind. Man kann sich aber bei scharfem Denken gar wohl davon überzeugen,! daß jeder Raum nur dadurch vorstellbar wird, daß er durch Schranken eingeschlossen ist, und jeder Zeitabschnitt nur dadurch, daß wir ihn an der Uhr, am Sonnenstände, kurz an endlichen Grenzen messen. Da wir also alles Endliche nur mit den Sinnen, durch Er-! fahrung, erkennen, alles Unendliche aber nur mit dem Denkoer- mögen, so könnte es scheinen, als gäbe es überhaupt nichts Unendliches, als sei das Unendliche blos ein Truggebilde unseres Denkens; denn wir können sein Vorhandensein nie und nimmer beweisen, d. h. sinnlich vorführen. Das wäre aber ein Jrrthum. Denn wir können unfern eigenen Geist nicht sehen, hören, schmecken, riechen oder fühlen, und doch wissen wir, daß er da ist. Und ebenso wenig können wir die Kräfte sehen; denn wir sehen, höre» kühlen k. blos ihre Wirkungen. r und doch sind sie als unendliche vorhanden, weil sie in unserem Geiste vorhanden sind. Es geht uns ebenso mit allen abge- zogenen(abstrakten) Begriffen, wie z. B. Größe, Werth, Liebe, Vielheit ic.— wir können nur einzelne große, werthvolle Dinge, einzelne liebreiche Handlungen oder Gefühle, ein Viel von ein- zelnen Sachen, aber nicht die Größe, den Werth ic. selber wahrnehmen. Sie find nur in unserm Geiste vorhanden, aber trotzdem wirklich. Das All ist ebenso unendlich in Raum und Zeit zu denken, . obwohl wir es nicht vorstellen können. Wenn wir nun es er- kennen, d. h. seine Entwickelung begreifen wollen, so ist zu bedenken, daß unser endlicher Geist immer nur einen außeror- deutlich kleinen Theil davon sinnlich wahrnehmen kann, also be- treffs des nicht Wahrzunehmenden fich mit Vermuthungen be- helfen muß, welche mehr oder minder wahrscheinlich sein mögen. Sind diese Verniuthungen aber den Denkgesetzen gemäß, und zeigt uns die finnliche Erfahrung innerhalb des bekannten Theiles des Alls keine unumstößlichen Gesetze, denen jene Vermuthungen widersprechen, so sind wir durch unser Denken genöthigt, wahre Folgerungen zu erwarten. Politische Uebersicht. — Recht bedauernswerth ohnmächtige Leute sind doch mitunter die Fürsten. Das sehen wir wieder aus nach- stehendem Telegramm: „Weißenburg, 27. Sept. Eine vom Kaiser nicht einer Depu- tation, sondern einer einzelnen Person aus der ihm vorgestellten Ritterschaft in Stuttgart gegenüber gesprächsweise gemachte Aeußerung über die politische Lage hatte nach authentischer Mit- thcilung folgenden Inhalt:„Er sei erfreut, sich der Hoffnung hingeben zu können, daß nun der Friede gesichert erscheine. Die Lösung der Aufgabe sei freilich keine leichte gewesen; man möge nur bedenken, wie schwer es dem Kaiser Alexander ge- macht worden sei, diesen neuen Beweis seiner Friedens- liebe zu geben. Jetzt scheine aber eine Grundlage für die Politik der großen Mächte gefunden, welche hoffentlich zu einem gedeihlichen Ziele führen werde." In unserer plebejischen Ignoranz hatten wir uns eingebildet, das erbfreundliche„Väterchen" hätte blos einen Finger zu er- heben brauchen, und von den 15,000 russischen Offizieren und Soldaten, die sich in Serbien türkische Prügel geholt haben, wäre keiner aus Rußland herausgekommen. Wir hatten uns ferner eingebildet, das deutsche Reich wäre so stark, daß es nur eines Zaunpfahlwinks mit ein paar Regimentern deutscher Sol- baten bedurft hätte, um die Miniatur- und Marionettenfürsten Milan und Nikita am Krakehlen zu verhindern— falls nicht von anderer Seite her Gegcnwinke erfolgt. Wir sehen, wir haben uns getäuscht; und die zwei vermeintlichen Miniatur- und Ma- rionettenfürsten sind in Wirklichkeit großmächtige Monarchen, mit denen die zwei, bisher für unvergleichlich stark gehaltenen Kaiser von Rußland und Deutschland nur mit Mühe und nur mit Hilfe des übrigen Europa fertig geworden. — Die zunehmende Sittenverwilderung ist eine das deutsche Reich besonders auszeichnende Thatsache. Unsere lieben Feinde haben sich alle erdenkliche Mühe gegeben, der sozialisttschen Agitation die Schuld für diese beschämende Erscheinung in die Schuhe zu schieben, aber vergebens! Die Unsittlichkeit, die fri- vole Uebervortheilungs- und Betrugssucht, die theilweise kanni- balische Roheit, welche gerade bei den„höheren",„gebildeten", „besseren" Ständen in Hunderten von unvcrtuschbaren Fällen explodirte und die sittlichen Mängel des verachteten Proletariats trotz der kindischen Roheitsstatistik des kindischen Harkort total in Schatten stellte, zeigte, wo die gesellschaftliche Fäulniß die tiefsten Wunden geftessen hat. Wie unschuldig die Sozialdemo- kratie und wie sehr schuldig das herrschende System ist, beweist auch die Zunahme der Anklagen gegen Polizisten wegen Mißhand- lungcn, verübt im Dienste, also an Wehrlosen. Zu diesem Kapitel erzählt die„Vossische Zeitung": „Außer der kürzlich vor der Vll. Kriminal-Deputation verhandelten Anklage in Sachen des Hausdieners Gorski, worüber, wie wir unter„Gerichtsverhandlungen" mitgetheilt haben, sich der Staatsanwalt Simon von Zasttow die Akten hat zustellen lassen, um zu ermitteln, ob der Wächter Meißner den Genannten wirklich in der von diesem behaupteten Weise verletzt hat, erschien, wie die„Staatsbürger Zeiwng" berichtet, am Montag schon wieder ein Schutzmann in Uniform auf der Anklagebank, um sich wegen mehrfacher Ausschreitungen zu verantworten. Die Sache wurde behufs weiterer Aufklärung vertagt. Gestern stand aber- mals ein Schutzmanns-Wachtmeister, wegen ähnlicher Bergehen im Dienste angeklagt, vor Gericht, worüber wir auf den heuttgen Bericht unter„Gerichtsverhandlungen" verweisen." Und wie bei der Polizei, so steht es beim Militär. Je di- rekter einzelne Bevölkerungskreise von den herrschenden Gewalten abhängen, desto deutlicher treten an ihnen die Spuren der fitt- liehen Zersetzung zu Tage. Es ist das sprechendpe Zeichen der Zeit— diese Sittenverrohung im Jahrhundert des Dampfes, im Jahrhundert des eminentesten wissenschaftlichen Aufschwungs — ein Menetekel, welches untergangverkündend in die Mlitair- und Bourgeoiswirthschaft hereindroht. — Deutsche Spießbürger sind gefährliche Menschen. Sind sie enragirt liberal— und das ist meistens ihr Fall— so werden sie uns, den Sozialdemokraten, fürchterlich, oder— im Vertrauen gesagt— lächerlich. Also geschah es auch mit einer Philistergesellschaft in Stuttgart, welche nach einer Mitthcilung unsres Stuttgarter Parteiorgans, während der Anwesenheit des deutschen Kaisers in Würtemberg allen Ernstes die Nachricht zum Beginne vorigerWoche colportirte, die Stuttgarter Sozial- demokraten wollten den deutscheu Kaiser ermorden!— So niederträchtig ist der deutsche Spießbürger nicht, daß er der- gleichen erfindet, ohne es selbst zu glauben; es bleibt also nur die Annahme übrig, daß die liberalen Jammerseelen in der würtembcrgischen Hauptstadt wirklich so unendlich dumm sind, uns kaisermörderische Absichten zuzutrauen. — Unsere dänischen Parteigenossen greifen tapfer in das öffentliche Leben ein. Sie halten gewaltige Volksversamm- lungen ab, in denen sie ihre Stimme gegen die hervorstechendsten Punkte der dänischen Mißwirthschaft zu entschiedensteu Protesten erheben. Am 18. September empfing der Kriegsminister, General Haffner, eine Arbeiter- Deputation, welche ihm die Re- solution überreichte, die von der am vorletzten Sonntag von den Sozialdemokraten veranstalteten Volksversammlung angenommen worden war. Die Resolution, welche hauptsächlich in Beran- lassung der Verurtheilung eines Husaren- Rekruten zu lebens- länglicher Zuchthausstrafe wegen thätlichen Angriffes auf seine Vorgesetzten gefaßt wurde, lautet:„Die versammelten Arbeiter qegen die Soldaten, und sie erachten das letzte Auftreten des Kriegsministeriums gegen die sozialistische Presie für so unwürdig und so unübercinstimmend mit der unparteiischen Haltung, welche eine Regicrungsautorität einnehmen muß, daß sie beschließen, die genannten Blätter in ihrem Kampfe gegen die Verfolgungen des Ministeriums aus allen Kräften unterstützen zu wollen." Daß der Kriegsminister eine solche Resolution, deren Inhalt ihm nicht unbekannt sein konnte, entgegengenommen, wird mehr oder we- niger von der gesammten Presse getadelt, vor allem ist es aber „Dagbl.", welches ihn deshalb auf das heftigste angreist und damit die Stellung seines eigenen Parteigenossen nicht wenig er- schüttert..Die Adresse", sagt es,„hat eine für das Kriegsmi- nisterium so beleidigende Form, daß General Haffner seiner Stellung und seiner eigenen Würde wegen sich geweigert haben müßte, dieselbe in einer solchen Gestalt anzunehmen. Eine be- sondere Frage ist es, ob General Haffner der Armee gegenüber richtig gehandelt hat, indem er sich auf eine Verhandlung über die Handhabung der Disziplin und Ordnung einließ, welche auf «ine für ihn so kränkende Weise eingeleitet wurde, und ob er es verantworten kann, den Ton unbeachtet gelassen zu haben, in welchem die Motivirung_ der Resolution gehalten war. Wir kürchten, daß auch in dieser Beziehung der General einen voll- ständigen Mißgriff begangen hat."„Dagbl." hält es schließlich für„im höchsten Grade" wünschenswerth, wenn der Minister selbst eine Erklärung über seine Haltung geben würde.— Ob das der dänische Kriegsministcr thiin will, ist seine Sache; jedenfalls hat er durch die Annahme der Resolution und das gleich- zeitig gegebene Versprechen thuulichster Abhilfe bewiesen, und wahrscheinlich beweisen müssen, daß die Sozialdemokratie in Dänemark ihren Feinden bereits Achtung abgerungen hat. Daß sich die Bourgeoisblätter darüber ärgern, freut uns. — Rußland, das Musterland für das neue deutsche Reich ist uns in der Energie und R— ücksichtslosigkeit bei politischen Verurtheilungen immer noch überlegen. Man lese fol- genden Bericht, der dem„Zeitgeist" von einem Russen zugeht: „In Petersburg fand vor kurzem eine Verhandlung gegen zwei Arbeiter statt, die angeklagt waren, Schriften verbrecherischen Inhalts verbreitet zu haben. Es ist dies der erste Fall, wo Angeklagte und auch alle Zeugen ausschließlich aus dem arbeitenden Volke sind, wo kein einziger„Intelligenter", so zu sagen, mitspielt, wo das Volk in seinen besten Vertretern vor der herrschenden Macht sich zu verantlvorten dat. Der Gerichtssaal (im Senat) mit seinem großen rothen Tische und den Richtern in voller Uniform, mit Orden behängt, auf der einen— und den Angeklagten auf einfachen Sesseln, denen zu beiden Seiten zwei Reihen Gensdarmen mit blank gezogenen Säbeln— als Em- blem der Gerechtigkeit— postirt sind, auf der anderen Seite, machen einen sehr peinlichen Eindruck. Die Haltung der Ange- klagten(A. Ossipoff, 23 Jahr alt, von intelligentem Aussehen und Jwanoff Abramenkoff, 22 Jahr alt, beide aus dem Bauern- stände, nun Fabrikarbeiter) war eine im höchsten Grade würdige, was ihnen, wie der von ihnen vertretenen Sache, große Ehre macht. Der Staatsanwalt formulirte seine Anklage in folgenden Sätzen: 1) Es ist festgestellt, daß Ossipoff Bücher verbreitete, die in großer Zahl vorgefunden wurden. 2) Der Inhalt dieser Bü- cher ist geeignet, die Bevölkerung zu Gewaltthätigkeiten gegen die herrschende Macht(Staatsgewalt) aufzureizen. Zum Beweise deutete er auf einige Stellen aus den als Anklagematerial vor- liegenden Schriften, citirte aber dieselben nicht, ergo nach§ 25 u. s. w. Bewiesen wurde eigentlich nur, daß Ossipoff ein ein- ziges Exemplar der vorgefundenen Schriften„verbreitet hat", wie sich der Staatsanwalt ausdrückte und auch juridisch zu be- weisen suchte.— Der Vertheidiger suchte zu beweisen, daß die Thatsachc, der Angeklagte habe von dem Inhalte der Schriften Kenntniß gehabt, nicht festgestellt sei, daß aus der ganzen Ver- Handlung nur eins bewiesen ist, nämlich, daß ein unbekannter Mann dem Angeklagten Ossipoff eine Anzahl Bücher überreicht habe. Schließlich wollte er noch den Beweis liefern, daß biete Broschüre gar nicht so gefährlich ist, wie sie der Staatsanwalt hinstellt. Da griff aber der Staatsanwalt staatsretterisch ein, indem er dem Redner verbot, den Inhalt der Bücher zu be- rühren(!). Nun bat sich der Redner die Erlaubniß aus, von einem einzigen Büchlein— einer Liedersammlung— Gebrauch zu machen. Dies wurde ihm erlaubt. Aber kaum begann er ein Gedicht—„Die Gedanken eines Webers"— daraus zu verlesen(es wurde nämlich bewiesen, daß Ossipoff dasselbe irgendwo laut vorgetragen hat), um die Unftrafbarkeit des Inhalts zu be- weisen, als auch hier der Staat(resp. seine Vertreter) Gefahr witterte. Nicht einmal den Inhalt wiederzugeben konnte dem Staatsanwalt gefahrlos erscheinen. Bald daraus wurde die Ver- Handlung geschlossen. Tie Nichter entfernten sich und brachten das Urtheil: A. Ossipoff wurde wegen Verbreitung eines ein- zigen Exemplars einer staatsgefährlichen Schrift zu neun Iah- ren schwerer Arbeit in den Bergwerken verurthcilt!!! Der zweite Angeklagte, da ihm die Verbreitung nicht einmal eines einzigen Exemplars nachgewiesen wurde, bekam 2 Wochen Arrest. So bestraft Ihr Erbfreund diejenigen seiner Unter- thanen, die sich erdreisten, einmal nach ihrer Ueberzeugung zu handeln." Die Verurtheilung zu neun Jahren schwerer Arbeit in sibi- rischen Bergwerken, mir Ketten belastet, ist im Erfolg dem Todes- urtheil gleich, nur ganz unverhältnißmäßig grausamer. Für Richter, die ein so lächerlich unbedeutendes politisches Ver- gehen mit so schamlosen Urtheilen ahnden— für solche Un- menschen wäre der Tod eine zu milde Strafe nnd der Laternen- pfähl eine Ehre. Wenn das russische Proletariat sich einmal er- hebt und seine Peiniger todtschlägt wie tolle Hunde, so wird wahrlich Niemand�.hauptcn können, die Rache ginge zu weit! — Nemesis. Aus Rußland erfahren wir, daß General- adjutant Potapof, der berüchtigte Chef der russischen Geheim- Polizei und Liebling des„milden" Czars, berüchtigt namentlich durch seine in Polen verübten Greuel, an Gehirnerweichung erkrankt und hoffnungslosem Wahnsinn verfallen ist. Er ist nicht der erste. Gaveau, der verruchte Ankläger der Communarden, verfiel bekanntlich demselben Schicksal. Desgleichen, wenn wir weiter zurückgreifen, an Deutschland der Demagogenjäger Tzschoppe, der Mörder Weidig's, Georgi. Und einem der genanntesten, jetzt in Thätigkeit befindlichen Nachciferer dieser Ehrenmänner wird von Acrztco das gleiche Schicksal in Aussicht gestellt. Der unterdrückte Menschengeist rächt sich an seinen Hen- kern, indem er seine Fackel in ihnen auslöscht. — Folgendes Schriftstück geht uns aus der Schweiz zu, :und wir geben demselben gern in unserem Blatte Raum. Auf die eigenthümliche Handhabung der Gesetze gegenüber politi- schcn Flüchtlingen durch die preußische Polizei wird durch diese Zuschrift ein sonderbares Licht geworfen. Geehrte Redaktion! einen David Purewitz und Appolon Finkelstein einen Steckbrief erlassen hat, weil diese sich hochverrätherischer Hand- lungen schuldig gemacht haben sollen und sodann flüchtig wurden. Aus der ganzen Notiz ersehe ich, daß mit dem David Purewitz Niemand anders als Schreiber Dieses gemeint sein kann. Ist es mir zwar noch ganz unbegreiflich, wieso ich mich hochver- rätherischer Handlungen schuldig gemacht habe— und mein Steckbriefcollege A. Finkelstein ist in derselben Lage—, und wie die Berliner Polizei dazu kommt, gegen mich einen Steckbrief zu erlassen, da doch mein Wohnsitz in Deutschland nur Königs-: berg war, so hielt ich es doch für nothwendig, beim Königsberger Staatsanwalt von hier aus gegen Einiges in dem Steckbriefe Protest einzulegen. Erstens hieß ich in Königsberg nicht purewitz, sondern Hurewitz; zweitens ist mein wirklicher Name weder Purewitz noch Gurewitz, sondern ein ganz anderer, den ich aber der Königsbcrger Staatsanwaltschaft unter den gegebe- nen Verhältnissen mitzutheilen für überflüssig halte. Warum ich mich aber in Königsberg unter dem Namen Gurewitz poli-; zeilich anmeldete? Ganz einfach! Mein Name war in Rußland politisch comvromittirt, und ich traute der preußischen Polizei nicht soviel Diskretion zu, daß sie mich nicht auf Verlangen der russischen dritten Abtheilung sofort ausliefert, wenn sie Kcnntniß von meinem Aufenthaltsort hat. Mein Verlangen ging nun. dahin, daß die Königsbergcr Staatsanwaltschaft den Steckbrief auf den Namen Gurewitz zurückzieht, was doch recht und billig � ist, da viele Personen, die wirklich den Namen Gurewitz führen,' durch den Steckbrief zur Zielscheibe aller möglichen Chikanen i gemacht werden können. Ob ich wohl einem preußischen Staats-' anwalt zu viel Gerechtigkeitssinn zuaemuthet habe, als ich mein Verlangen an ihn stellte, ist noch abzuwarten; die geehrte' Redaktion des„Vorwärts" aber, sowie alle Blätter, die die obenerwähnte Notiz brachten, bitte ich, diese meine Erklärung zur Kenntniß ihrer Leser zu bringen. Schweiz, im September. Mit Achtung Ter sogenannte David Gurewitz. — Der Redakteur des Augsburger„Volkswille" wurde wegen Beleidigung des Fabrikdirektor Boley und dessen Portier Hirth zu 13 Tagen Haft verurtheilt. — Fortschritte des Sozialismus in Italien. Vom 1. Oktober an erscheinen in Italien zwei neue sozialistische Blätter: „II Ruovc» Risveglio"(Der neue Wecker) in Lioorno, Organ der toskanischen Föderation, und„II Lovero"(Der Arme) in Pa- lermo. Correspondenze«. Jäalke a. S., 26. September.(Allgemeiner Bericht.) Wie in vielen andern Städten, so herrscht auch hier an Versammluugs- lokalen Mangel. Sämmtliche Besitzer von öffentlichen Lokalen weigern sich, uns dieselben zur Verfügung zu stellen. Wir sind in Folge dessen auf die Restauration unseres Genossen Rödiger allein angewiesen, der uns nur ein großes Zimmer, etwa zwei- hundert Mann fassend, überlassen kann. Folgende Bersammlungen fanden bis dato in diesem Lokal statt: Den 28. Juni eine all- gemeine Sozialistenversammlung mit der Tagesordnung:„Vor- bereitungen zur bevorstehenden Reichstagswahl", Referent Herr Rödiger. In dieser Versammlung wurde Herr Hugo Rödiger von hier einstimmig als Reichstagscandidat für den hiesigen Wahlkreis proklamirt. Den 8. Juli hatten wir eine öffentliche Arbeiterversammlung mit der Tagesordnung:„Die sozialistische Bewegung und die politische und soziale Corruption", Referent Herr Ramm aus Leipzig. Den 15. Juli wurde wieder eine allgemeine Arbeiterversammlung mit der Tagesordnung: 1>„Re- aktion und Liberalismus", Referent Herr Ufert aus Weimar; 2)„Mit welchen Waffen kämpft die Presse gegen die Sozial- dcmokratie", Referent Herr Schön aus Bitterfeld, abgehalten. Diese Versammlung rief eine lebhafte Debatte hervor, veranlaßt durch einen Reporter der„Saalezeitung". Den 22. Juli refe- rirte Zwiebler aus Magdeburg mit gutem Erfolg über die Tagesordnuug:„Die Heiligthümer der heutigen Gesellschaft". An diesem Abend wurde ein Centralwahlcomitv, bestehend aus 15. Mann gewählt. Auf die Wahlen bezügliche Anfragen und Zuschriften sind an Hugo Rödiger, gr. Wallstr. 24, zu richten. Am 5. August fand eine weitere Versammlung statt, in welcher Herr Biel von hier referirte. Von dieser Versammlung wurde Genosse Rödiger einstimmig zum Sozialisten-Congreß als Dele- girier gewählt. Am 18. August sprach wieder Herr Zwiebler unter Beifall in einer Volksversammlung über„die Geschäftskrise und die Weltausstellung in Philadelphia". Außer den obigen Versammlungen fanden in Rödiger's Lokal öffentliche Gewerk- schaftsversammlungen der Maurer, Zimmerer, Schuhmacher, Me- tallarbeiter, Schneider und Tischler statt. Sämmtliche Bersamm- : lungen waren stark besucht, denn der Geist unter der Arbeiter- bevölkerung ist hier ein guter. Wir würden bedeutende Erfolge zu verzeichnen haben, wenn uns größere Säle zu Bolksversamm- lungen zur Verfügung ständen. Aber gegen die Allmacht unserer Gegner ist schwer anzukämpfen, und unser Genosse Rödiger weiß, was es heißt, die Polizei gegen sich zu haben— er ist bereits ; mit fünf Anklagen beglückt/ Arbeiter und Freunde unsrer Sache! Man will uns mundtodt machen. Zeigen wir deshalb durch ein zahlreiches Abonnement auf unsre Parteiorgane, den„Vorwärts", den„Wäbler", und durch Verbreitung sozialisttscher Schriften, daß wir die Kinderschuhe längst ausgezogen haben, und daß wir � selbstständig denkende Männer geworden sind. Auch bei der nächsten Reichstagswahl wollen wir beweisen, daß es kein Mittel giebt, uns todt zu machen. Denn unsre Devise heißt:„Vorwärts". Julius Beyer. Mache es sich ein jeder Arbeiter in Halle zur Aufgabe, � das Lokal unsres Genossen Rödiger fleißig zu besuchen. Kalke a. K. Der Schneidermeister W- Tost hier, der, wie |bcn hiesigen Genossen bekannt ist, sich immer als eifrigster So- ialist geberdete, ist am Dienstag Abend von einem Parteigenossen belauscht worden, wie er zwei Polizeibeamten im Vertrauen die Mitthcilung machte, daß das Wahlcomita„geheime" Sitzungen bei Rödiger abhalte. Tost bezeichnete auch Parteigenossen, die ! verbotene Schriften besitzen sollen und versprach, weitere Mitthei- lungen zu machen. Ob mit diesem Verrath der Umstand zu- sammenhängt, daß am selben Dienstag zwei Polizcibeamte dem Wahlcomitü plötzlich einen Besuch abstatteten und sich über den Zweck der Zusammenkunst unterrichten ließen, sei dahin gestellt. Es sei hiermit aber zugleich bekannt gemacht, daß Tost bereits vor 14 Tagen wegen Schwindeleien vom Wohlcomits ausge- schloffen wurde. Alle Genossen werden vor diesem Menschen gewarnt. vt. Aus Bayer», 18. September. Bekanntlich wird Bayern das„Probirlandl'" genannt. Diesen Namen erhielt es sch'n zu Halbheit der dabei ergriffenen Maßnahmen. Nach den Ereig- nissen vou 1866 und 1870, als Bayern schon von allen Deu- jenigen, die die neue preußische Herrlichkeit nicht erwarten konn- ten, als„gute Prise" betrachtet wurde, waren es besonders jene „Stteber", die nach Berlin sehnsuchtsvolle Blicke um„Anerkeu- nung" und„Dankbarkeit" warfen, die es„Probirten" mit besou- derS chikanösen polizeilichen Maßnahmen gegen die„Reichsfeinde" hervorzutreten, um den„Herrn" in Berlin Gelegenheit zu dem Ausrufe zu geben:„Wir sind den Süddeutschen noch zu liberal!" Als Objekt waren natürlich zunächst die Sozialdemokraten aus- ersehen, und war der bekannte geniale Stromer, Bürgermeister von Nürnberg, einer der ersten, der schon im Jahre 1873 her- ausfand, daß die Sozialdemokraten eine gesetzwidrige Vereins- thätigkeit entwickeln, die gesellschaftlichen, religiösen und sittlichen Grundlagen des Staates zu untergraben drohen, deshalb auch aufgelöst, verfolgt und chikanirt werden müssen. Selbstverständ- lich folgten alsbald die kleinen, wenn auch nicht minder genialen Kulturkämpfer in Erlangen, Hof, Landshut, München zc. jc. nach, und so hoffte man durch eine allgemeine polizeiliche Razzia die Sozialisten todt zu machen oder wenigstens dahin zu bringen, daß sie aus Respekt vor der hohen Polizei in ein Mausloch sich verkröchen. Aber siehe da, diese polizeilichen Maßnahmen hatten die einzige Wirkung, daß die Sozialdemokratie in Bayern immer mehr erstarkte und— die Polizei ausgelacht wurde. Namentlich in Nürnberg hätte es wayrscheinlich ohne die Polizeiverfolgun- gen noch viel längere Zeit erfordert, bis die Sozialdemokratie die achtunggebietende Stellung erobert, die sie dort z. Z. in der That einnimt, so daß es jetzt dieser Mettopole der Jntelli- genz Bayerns— wie sie gern genannt wird— recht schwer ums Herz ist vor der nächsten Reichstagswahl. Man muß aber zugestehen, daß der große Ritter Stromer von Nürnberg mit feinem getteuen Knappen Winckler redlich das Seinige dazu bei- getragen um unserm Candidaten für die nächste Rcichstagswahl die Majorität zu sichern. Um einen solchen Erfolg hcrbeizufüh- ren, marterten die Armen ihr Gehirn ab, bis sie auf dem Ge- biete der Polizeichikane eine neue Erfindung zu Tage förderten, die darin besteht, daß nur Diejenigen Vorsitzende von Arbeiter- Versammlungen werden können, die es im Studium der Phreno- logie so weit gebracht haben, daß sie an der Schädelbildung jedes Versammlungsbesuchers nicht nur dessen Charakter beurthei- len, sondern auch ganz genau erratheu können, ob derselbe die Grenzscheide des 21. Lebensjahres erreicht hat oder nicht. Aber nicht allein ein guter Phrenologe, sondern ein vorzüglicher Akra- bat muß der Borsitzende sein, um sogleich die Minderjährigen, die er glücklicherweise herausgewittert hat, auf dem Rücken zum Saale hinaus„huckeln" zu können. Das Gelungenste an der Sache ist, daß die„niedrige Justiz" zur Zeit(wie der Urtheils- spruch des Nürnberger Stadtgerichts gegen Genossen Löwenstein beweist) diese geniale Erfindung Stromcr-Winklers patentirt hat; auf wie lange, ist noch der Entscheidung der„höheren Justiz" vorbehalten. So vereinigt sich glücklicher Weise Alles, um bei der nächsten Reichstagswahl thatsächliche Belege für den„Rückgang der Sozialdemokratie" liefern zu können. Wesentlich zu weiterem Wachsthum der Sozialdemottatie wird auch die immer mehr zu Tage trcteude Zersetzung der anderen Parteien beitragen. Wie der von Preußen in Scene gesetzte Kulturkampf nur zur Stärkung der ultramontanen Partei beigettagcn hat, beweist am besten die große Zahl von Vertretern, die diese Partei bei der letzten Reichs- und Landtagswahlen in Bayern durchgebracht hat. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß bei normalen Verhält- nissen dies nie möglich gewesen wäre, weil es eine Thatsache ist, daß in früherer Zeit, wo die ultramontancn Wühler gewiß nicht weniger„religiös" waren als jetzt, in der Provinz Niederbayern, dem Sitz des Stockulttamontanismus, bei Wahlen die Parole ausgegeben wurde:„Keine Beamten und keine Pfaffen!"— Daß es auch jetzt nicht ausschließlich klerikale Interessen sind, die z.jchi den Ultramontanen die Majorität im bayerischen Landtage schafft haben, beweist die thatsächliche Zersetzung die bei die" Fraktion eingetreten ist, indem sich solche bekanntlich in die soll nannten:„Semmelschmarrnpartei" und die der„Hetzkapläue" scheidet. Erstere repräsentirt die sogenannten Vornehmen und die höhere Geistlichkeit, die unter allen Umständen regierungsfähig bleiben oder es werden wollen, während die Letzteren wenigstens im gewissen Sinne den Volksrechten Rechnung tragen wollen oder vielmehr müssen. Und so wird über kurz oder lang ein Theil der bethörten Wähler sich von dieser Partei losschälen,— ein Zersetzungsprozeß, der der Sozialdemottatie jedenfalls zu Gute kommen wird. Auch bei der. sogenannten liberalen Partei tritt deren Zer setzung tagtäglich mehr hervor. Wenn auch bekanntlich die F» rer der Fortschritts- und nationalliberalen Partei mit ihrer gegen seitigen Befehdung und mehr oder minder heroortreteiiden Oppo- sition gegen die' eine oder die andere Rkgierungsmaßregel i' Reichstag nur eitel Wind und Schwindel treiben, wofür d. Thatsache den Beleg liefert, daß nicht nur sämmtliche liberale Abgeordnete in der bayerischen Kammer das direkte Wahlrecht zu Tode stimmten, sondern daß sie auch nach Beendigung der Session sammt und sonders noch schamlos genug waren, ihr Ver fahren und Verhalten in der abgelaufenen Session, das heißt. das Niedertreten der Volksrechte vor ihren Wählern in einem sogenannten Manifest zu beschönigen;— so unterliegt es doch � keinem Zweifel, daß auch hier über kurz oder lang eine ziem, liche Anzahl Wähler, die noch nicht ganz korrumpirt sind, sich'■ mit Ekel von diesem Treiben ihrer Führer abwenden wird, und heute schon ttägt die eigne Presse dieser Partei unwillkürlich zur Aufklärung ihrer Wähler sehr erhehlich bei. Es ist noch 1 nicht gar zu lange her, daß das Organ der Fortschrittspartei in � Bayern, der„Fränkische Kurier" und das Organ der National. liberalen, die„Nürnberger Presse", wegen der Sttasgesetznovelle 1 sich in den Haaren lagen, und erst vor einigen Monaten hat' ersteres Blatt offen erklärt, Marquardsen dürfe, wegen seines Verhaltens in der Reichs-Justtzkommission, nicht mehr gewählt werden. Da es aber vorauszusehen ist, daß diese beiden Blätter, wie überhaupt alle Organe der Fortschritts- und nationallibera-! len Partei bei der nächsten Reichstagswahl wieder unter Hin wegsetzung über alle früher vorgeschobenen prinzipiellen Differen- I zen, brüderlich zusammengehen werden, so dürften doch hierorts manchem sogenannten liberalen Wähler die Augen aufgehen Denn dieser Wahlaufruf ist unterschrieben einerseits von d,. Mitgliedern der deutschen� Fortschrittspartei, den Reichst.-- abgeordneten Erhard und Herz, andererseits von dem natiomu liberalen Reichstagsabgeordneten Marquardsen, und diese alle zu-. sammen nennen sich die„bayerische Fortschrittspartei."— Auch das diesmalige entschiedenere Auftreten der neu reorga> nisirten„Reichspostlerpartei" dürfte sich nur zu Gunsten r-t Sozialdemottatie gestalten, weil hierdurch ein Hauptvorwand i Gewinnung von noch unabhängigen Wählern— die Nothr- digkeit des sogenannten Kullurkampfts— in Wegfall kommle 9111,-fi di-r all.'ilsalllia»» Einwand et daß all' diese Wab.Vt!/." bemotratie, sondern der bürgerlichen Demokratie, der sogenann- ten Volkspartei zu Gute kommen«erden, dürfte sich als hinfällig erweisen, weil überhaupt in der einzigen Stadt in Bayern, in welcher von einer Volkspartei noch gesprochen werden kann, in Fürth, diese Partei auch schon lange in Auflösung bcgriffeu ist. Dies haben die Gemeindcwahlcn in den Jahren 1872 u. 1875 bewiesen, wo jedesmal eine Häutung dieser Partei stattfand, so daß jetzt der eine Theil— die sogenannte vornehme Welt— bald der Fortschrittspartei offen in den Armen liegen wird, wäh- rend der andere radikal bürgerliche Theil naturgemäß über kurz oder lang in der Sozialdemokratie aufgehen wird. Denn unter den gegebenen Verhältnissen wird es bald heißen:„Hie Wels! hie Waibling!">da es künftig nur zwei Parteien geben wird, die der Unterdrücker und die der Unterdrückten. Darum Glück auf der Sozialdemokratie zur nächsten Reichstagswahl!— Aus Krntzöritauuien. Glasgow, den IS. September 1876. Die englische Tagesgeschichte ist u« einen alten populären Namen ärmer geworden: Disraeli ist nicht mehr— DiSraeli heißt jetzt: Earl Beaconsfield. Eine Hand wäscht bekanntlich die andere, und so war es gewiß nur billig, daß die Königin Victoria, welche den neuen Titel einer Kaiserin von Indien be- sonders der Geriebenheit ihres Premierministers verdanft, sich bewogen fand, Herrn Disraeli gelegentlich des Schlusses der letzten Parlamentssession ein Baronetkrönlein zum Geschenk zu machen und ihn von der zuweilen sehr heißen Zone des Hauses der Gemeinen in die gemäßigtere Atmosphäre des Oberhauns zu versetzen— in Anerkennung seiner ersprießlichen Dienste. Wir haben es also von nun an nicht mehr mit Herrn Disraeli zu thun, sondern mit dem Lord Beaconsfield, dem Peer auf Le- benszcit. Und nun zur brennendsten Frage des Tages: zur orientali- schen. Die Vletzeleicn der Baschi-BozukS in Bulgarien haben die Stimmung hier in einer Weise zu Gunsten der Slaven umschlagen lassen, die einfach gegen jede politische Erwägung blind und taub ist. So lange der Krieg im Osten von den Türken in einer nach den landläufigen Bourgeoisbegriffen„anständigen" und „menschlichen" Weise geführt wurde, hielt das durch die slavische Insurrektion im Orient bedrohte Krämerinteresse der Sympathie mit den aufftändischen Christenseelen die Waage. Nun aber hat der kriegsberichtverschlingende Philister in seinem Leibgericht plötzlich ein Haar gefunden: Der Krieg fängt an,„unmenschlich und die Gewalt„brutal" zu werden! Dem Pfahlbürger gruselt's, er reitet geschwind— und das ganze Land ist in ein Parlament verwandelt, das gegen die Grausamkeit der Türken deflamirt. Die Bewegung hat in der That einen riesigen Umfang ange- nommcn und sie wäre großartig schön zu nennen, wenn sie in einem Prinzipe— z. B. dem des Selbstbestimmungsrechts der Völker— wurzelnd, sich gegen die Verletzung desselben auf- _ lehnte. So aber ist der Lärm großentheils durch spekulirende ' Pfaffen und liberal-philantropische Zeitungsschreiber hervorgerufen � und richtet sich nicht gegen Krieg, Gewalt und Eroberung über- Haupt, sondern blos gegen den Mißbrauch(tbo ndnae) dieser Tinge, nicht gegen die Sache selbst, sondern gegen die außerge- wöhnliche Form, in welcher sie in diesem Falle in die Erscheinung tritt. Die Bewegung wird von den Liberalen trefflich als eine Handhabe zum Sturze des Ministeriums Beaconsfield benutzt, ! obgleich sie jeden Parteizweck dabei leugnen und nur im Interesse ' der Civilisatton im Allgemeinen, und der Ehre Großbritanniens im Besonderen zu sprechen vorgeben. Gladstone steht natürlich im Ccntrum der Opposition und versäumt im Vorgefühl seines 'steuerlichen Regimentes nicht, den Arbeitern hie und da Com- Alimente zu machen über ihre Unterstützung oder vielmehr Her- oorrufung der Bewegung. Die Wahrheit ist, daß die sortschritt- ' lichen Arbeiterführer in rührender Ucbcreinstimmung mit den ! Liberalen kein sehr klares Verständniß für die orientalische Frage hatten und im Bewußtsein dieser Unflarheit sich lieber von den �Conservativen führen ließen entgegen der schon seit dem Beginne J des Streites antitürkischer Strömung in den von des Gedankens ; Blässe noch nicht angekränkelten Bolksflassen.(Noch am Tage , der Kriegserklärung des Fürsten Milan an die Türken brachte tfiiro Beehive einen Leitartikel voll ruhiger Zuversicht in die ge- sssss igene Friedcnsarbeit der Diplomaten.) In dem durchbohrenden Gefühle der eigenen Unentschiedenheit waren die Liberalen zu- 1 frieden, eine Regierung zu haben, welche wußte, was sie wollte, und durch ihr festes Austreten den übrigen Mächten Respekt ein- flößte. Der Ankauf der 16,000 Suez-Kanalscheme, die Zustim- mung zur Andrassy-Note, das Zunichtemachen der Berliner iTheiler-) Conferenz durch Mitunterzeichnung des von derselben ' beschlossenen Memorandums an die Pforte; das Absenden einer mehr als achtunggebietenden Flotte nach der Befika-Bay wurde als Zeichen einer consequenten brittschen Polttik gebilligt. Heute, nachdem die vom �Blute der erwürgten bulgarischen Erhebung be- iwfchle türkische Soldateska derart über die Schnur der„mensch- Richen" Kriegführung gehauen, daß selbst den fischblüttgen enali- schen Krämer ein Anftandsgruseln überläuft, heute ist tne conser- flssetive Regierung der Sündenbock für alles Geschehene, und es i'ssst kein Dummkopf so flach, daß er sich nicht erlauben dürfte, die Regierung herunterzureißen oder ihr wohlwollende Rathschläge l ZU ertheilen. Die Strömung ist so groß, daß Lord Beaconsfield � all' seinen Witz nöthig haben wird, um ohne bemerkenswerthe Schwenkung seiner Politik das Regierungsschiff sicher hindurch zu b bringen. Die Liberalen zweifeln an seiner Fähigkeit, diese Scylla zu passiren und bereiten sich vor, die Erbschaft anzutreten. Und sie rechnen in der That nicht schlecht, wenn auch vielleicht ohne --den Wirth, welcher in Gestalt einer Waffenruhe der gegenwär- l tigen Regierung den Standpunkt wesentlich erleichtern'könnte. � Am Montag den 11. September machten zwei Arbeiterdepu- tationen dem Minister des Auswärtigen, Lord Derby, ihre Auf- Wartung, um ihn bezüglich der gegenwärtigen Lage der Dinge 'm Osten eine Adresse zu üherrcichcn. Die erste dieser Deputationen bestand größtentheils aus Füh- �rcrn der Gewerkschaften(auch ein Pfaffe war darunter) mit <'G- Potter, dem Redakteur des Beehive, an der Spitze. Die �'Adresse dieser Deputation ist ein schauderhaft wässrizes Phrasen- --etxuapper, vorn und hinten voll Complimenten an die Regierung. )Man sei weder im Parteiinteressc gekommen, noch wolle man die a-vergangene Politik der Regierung kritisiren; auch wolle man nicht �unternehmen, der Regierung Vorschläge zu machen joder sie zu o unterrichten; die Regierung verstehe das besser und habe gewiß »die Ehre der Nation im Auge u. s. w. Alles, was man wolle, 'est keine Grausamkeit! Man wolle die Regierung weder stützen nxch ihr Opposition androhen gegen irgend etwas, das ihr serhun gefalle; nur wolle man keine Mitschuld am Verbrechen. Man maße sich nicht an, irgend einen Weg als den passendsten für die Regierung vorzuschlagen; nur: soforttge Astion von nach- halttger Wirkung--: „Ich bin dein Vater Zefises Und sag' dir nichts als— dieses." n wüßte in der Thät nicht, wozu die ganze Comödie in Scene! � zt wurde, wäre es nicht, um Lord Derby Gelegenheit zu n, über die Köpfe der Deputation hinweg und zum Fenster> 5ee. die fTN.s---- freundlichst ein.— Karte vorher 25 Pf., an der Kasse 30 Pf.— Anfang 5 Uhr.— Nach dem Concert Ball. (FSO) Der vorstand.[260 auch mit ziemlichem Geschick, indem er besonders den Vorwurf � Liedertafel Lassallea. von der Regierung abzuweisen suchte, als hätte sie die Gransam- Sonntag, den 8. Odober, im Saale der Conver� leiten in Bulgarien unbeachtet gelassen oder gar durch ihre Hal- flm Äee 35; �. tung crmuthigt und unterstützt. Das Abweichen vom Berliner Memorandum sei am 19. Mai erfolzt und die ersten Schiffe der bestehend in Concert und Gesangsvorträge«. englischen Flotte am 26. Mai vor Besika Bay eingetroffen. Diese Es ladet zu diesem Feste alle Freunde und Aönner deS GesangS Tinge könnten also die Türken zu den Greuelthaten in Bulgarien, welche in der ersten Hälfte des Mai vorfielen, nicht er- muthigt haben. Allerdings gebe er zu, daß die Regierung von � den Vorgängen in Bulgarien schlecht unterrichtet gewesen sei, un'"crc sstchrtcu Abonnenten. allein sie konnte nicht in jeder türstschen Provinzialstadt ihre �' Um die prompte Zustellung des Blatte« möglich zu Gesandtschaftsdelegirten haben. Man solle über die Ereignisse machen, ersuchen wir zur Ergänzung und Richtigstellung deS«bou- des Augenblicks das Interesse Englands nicht aus dem Äuge"Verzeichnisses unsere Leser uns- soweit d.es nicht schon ge- «"ch.- di, um**,*»a?„ des türstschen Reiches erheische. Die Verwaltung der christlichen üSclt'' Provinzen sei eine andere Sache, für welche die Regierung ein-!" � treten werde. Man solle von der Regierung nicht Unmögliches �;--- verlangen, weil man ihr sonst die Hände vollständig binde. Die zweite Deputation von der„Arbeiter-Friedens-Assoziatton" __ Di« fjcptdifton de»„Yormärt� Eine freundliche Schlafstelle zu vermiethen. C. Seifert, Bayr. Sir. 7 c. verlangen, weil man ,yr sonst me Hanoe voustanoig vmoe.«rsPtzksj. C. Seifert, Bayr. Str. 7e.[5» Die zweite Deputation von der Arbeiter-Friedens-Assoriatton"- Allgemeiner deusscher Sch�eideri�m- unter der Führung des Herrn Cremer. war in ihrer Adresse, VCUHlg* Montag, den 2. Oktober. Abends 8 Uhr, im Thüringer obgleich etwas naiv, doch bedeutend bestimmter und entschiedener. Hof(Burgstt.): Versammlung. Tagesordnung: Tiskussion und Beschluß- Sie verlangte, daß die englische Regierung vor allem gegen die abscheulichen, in Bulgarien verübten Grausamkeiten entschieden Protest erheben und im Vereine mit den anderen Mächten dahin wirken solle, daß für Bosnien, Bulgarien, Serbien und Mon- tencgro vollständige Unabhängigkeit von der Türkei gesichert werde. Die englische Flotte solle unverzüglich aus der Besika Bay ab- berufen werden. Desgleichen der englische Gesandte in Constan- tinopel, Sir H. Elliot, und zwar so lange, bis der Bevölkerung Bulgariens vollständige Entschädigung gewährt sei. Ueberhaupt sei die orientalische Frage einer endgiltigcn Lösung zuzu- führen. Von den anwesenden�Delegirten der„Friedens-Assoziation"' Hof(Burgstt.): Versammlung. Tagesordnung: Diskussion und Beschluß- fassung über vom Ausschuß vorgelegte Fragen im Bctteff de« Vereins- organs. Das Erscheinen aller Mitglieder erwartet_ D. B.[50 Das Cougreß-Prototsll wird stärker, wie zuerst berechnet war, und muß daher der Preis etwas geändert werden. Dasselbe kommt also im Einzelpreise 30 Pf., bei Be- zug von 10 Exempl. und mehr ä 25 Pf.— Das Kreuzbandporio, welches mit eingesandt werden muß, macht aus 1— 4 Expl. 10 Ps., auf 5—8 Exempl. 20 Pf., auf 9—16 Exempl. 30 Pf. Bezug nur gegen baar oder Nachnahme. Bestellungen sind zu machen beim Sestetariat der Partei in Hamburg, Pferdemarkt 37 III._(46) ergriffen verschiedene das Wort, u. A. Herr Zutraft(Stuhlmacher),|,• o fcrnJrL dt. ßuJuf�itpn in Moa dt. l auf die m Leipzig.m Berlage von R. E. Hohme erscheinenden welcher bemerkte, daß die Grausamkeiten in Bulgarien blos die Consequenzen der Kriege unter den Nationen seien; es wäre zu verwundern, daß die Staatsmänner unserer Zeit noch kein anderes Mittel zur Austragung von Streitstagen gefunden hätten, als j Blutvergießen, und er müsse sagen, daß, wenn sich das nicht bald � ändere, die Arbeiter aller Länder sich vereinigen und der Wirth- 1 schaft ein Ende machen würden. In Erwiderung auf die Adresse bedauerte Lord Derby, nicht alles das wiederholen zu können, was er eine Stunde zuvor einer andern Deputation gesagt. Er kenne das Gefolge aller Kriege wohl, allein England verdiene den Vorwurf der stehenden Heere am allerwenigsten und könne nicht abrüsten, so lange alle anderen Mächte das Gegentheil thäten. In Bezug auf die aus- wärtige Politik Englands könne er den Ansichten der Deputation nicht beistimmen. Die„endgilttge Lösung der orientalischen Frage" sei ein etwas sehr radikaler Vorschlag(„rather a aweeping proposition") und die Herren, die sich das so leicht vorstellten, hätten eine sehr sanguinische Änschauung von der Sache. Das ist auch meine Meinung. Besonders schwierig dürfte sich die Lösung der Frage gestalten, wenn England seine Flotte zurück- zöge. Womit in Abwesenheit jener schwerwiegenden, eisernen Argumente England seinen Einfluß geltend machen solle, hat die Deputatton zu sagen vergessen. Und es ist doch gewiß nicht nebensächlich. Die Wahrheit ist, daß der Friede, den wir meinen, nicht der faule, äußerliche, gleißnerische Friede, trotz unserer Liebe für ihn nur durch harte, langwierige, blutige Kämpfe wird errungen werden können. „Wohl hat der Krieg auch eine heil'ge Sendung; Es�viegt kein Volk in ewig gleichen Gleisen Sich sanft empor zum Gipfel der Vollendung. Schon aus dem Mund der Alten hört' ich preisen Den Krieg als einen Vater aller Dinge: Und was kein Balsam heilt, das heilt das Eisen!" A. Sch. „Freien Glocken". Hcrausg. von Dr. Aug. Specht. Die„Freien Glocken" vertreten die Weltanschauung des fteien MenschenthumS, bekämpfen mit Entschiedenheit die mit der Vernunft und Wissenschaft in Widerspruch stehenden Dogmen und reißen der Lüge, wo sie sich zeigt, rücksichtslos die Maske ab. Da« Blatt erscheint wöchent- lich 1 Mal und kann durch alle Postanstalten und Buchhandlungen für nur 75 Pf. vierteljährlich bezogen werden. (3c) [325 Der Volkswille Organ des arbeitenden Volks erscheint wöchentlich drei Mal in Augsburg, bespricht in zahl- reichen Leitartikeln die wichtigsten Fragen der Tagespolitik und der Commune, und bietet in einer prinzipiell durchgearbeiteten Rundschau eine klare Ucbersicht des politischen und sozialen LebenS, während dir Originalberichte über Magistrats- und Gemeindebevollmächtigten- Sitzungen allein ein getteues Bild der städtischen Verwaltung geben. In dem Feuilleton werden wir durch angeiiehme, spannende No- Vellen ic. aua, dem schönen Geschlechte unserer Leser Rechnung tragen. Der AbonnementSpreiS beträgt pro Bierteljahr 1 M. 50 Pf., durch die Post bezogen 1 M. 90 Ps. Der große Leserkreis innerhalb der arbeitenden Bevölkerung ist neben dem billigen JnsertionSpreise(die dreigespaltene Petitzeile 10 Pf., bei größeren Aufttägen und Wieder- holungen hoher Rabatt!) zur Aufnahme besonders günstig. Berlag und Expedition des„Volkiwille�. _ Augsburg, Oberer Graben 0. 322. Wichtige Preisermäßigung. Für nur 2 Di. wird geliefert(Ladenpreis 4 M.): Die deutschen Zeitschriften und die Entstehung der öffentlichen Meinung. Ein Beittag zur Geschichte deS Zeitungswesens Briefkasten der Redaktion. A. Sch. in Glasgow: Brief für W. sofort an denselben abgegeben, W. war eben hier eingetroffen.— C. M. in Langensalza: Das Gedicht ist zu unserm Bedauern nicht ausnahmcsähig; überdies nimmt der„Vorwärts" nur in ganz besonderen Fällen Ge- dichte auf.— CanU lamiliariB, rnlgo Harlcqnin: S. Heyse's Fremd- Wörterbuch S. 410; die 40 M.— olet, oder uniertwcgen olent.— Parteigenosse Fr. Kobrow in Rostock, haben Sie meinen Brief er- halten? Bitte um sofortig« Antwort. Mit Gruß Otto Wollschläger, Hagebökermann 134, Güstrow (3c)(F196) _ Leipzig. von Wuttke. i Heinrich Dritte forlgeführte Auflage. Leipzig 1875. Buchhandlung von Alfred Lorentz. [250 Bor kurzem erschien und ist einzeln zu 1 Mark, in Partien zu 75 Pf. zu beziehen: Prowe, John Osawatomie Brown, der Negrrheiland und zu ganz gleichem Preise: Otto-Walfter, Dr. A., Kranke Herzen. 2. Aufl. 2 Novellen: Der Traum im Walde. Die letzten Walzer eines Wahnsinnigen. Braunschweig._(3b)_ W. Bracke jr.[175 Rasch, die Preußen in Elsaß und Lothringen ____........................... wird gegen Franco-Einsendung von 3 Mark(per Postanweisung) ftanco Ten Leiter der Sozialdemokraten zu Danzig ersuche ich mir seine I versandt von der_..(2«) Adresse zu senden. K. P. ReinderS, Stockgasse 15, Breslau. Volksbuchhandlung(I. Franz) Zürich. Für Congreß-Protokolle sind einige Sendungen eingegangen, welche nicht genügen, und werden die Betteffenden ersucht, das Fehlende nach den letzten Mittheilungen über den Preis des Protokolls zu regeln.— St.-Kiel(4,80), H.-Neustadt i. H.(70),«.-Berlin(23).— F.-Limmer l vergaß seine Adresse anzugeben. In unserem Berlage ist erschienen und durch uns zu beziehen: Der arme Conrad Jllustrirter Kalender für das arbeitende Volk pro 1877. i Derselbe ist circa loa Seiten stark und enthält außer dem mit Quittung. Rsngr Ruhla Ab. 1,95. Vgtmnn hier Ab. 1,80. Lbsch Vignelen verzierten protestantischen, katholischen und griechischen Kaken- Iägerndorf Ab. 3,60, Schr. 13,80. Slbrg Wien Ab. 3,60 u. 16,40. darium, Geschichtskalender, Wetterregeln, Biographisches Kalendarium, Elb Morgenroth hier Ann. 2,50. Grßlr Bottighofen Ab. 1,55. Urbn- Auf- und Untergang von Sonne und Mond, Tageslänge, Planeten- ~.......------- j. In Acht und Bann. aus dem Hanshalt der _____________ Joh. Most. Eine Eptstel über Kindererziehnng. rmSdrf Gohlis Ab. 5,40 u 36,15, Schr. 0,42. Rmk hier Ab. 1.80, j Von E. Roßbach. Eine Nacht in Pari«. Bon I. PH. Becker. Brmnn Frankfurt Schr. 5,15. Ptrsn Paris Ab. 12,00 u. 20,00.! Glückliche Ehen. Bon W. Hasenclever. Ferd. Lassalle. Biographie. Fr. Engl Reudnitz Ab. 60,35. Mttmr Traunstein Ab. 3,20 u. 2,50,; Ein Bastard der Revolution. Bon Wilh. BloS. Wahlfonds. Vom Club„Morgenrolh" hier, Ueberschuß vom Kränzchen 15,30. »grapme. ..>_________________________ I W>rWMW>r Schr. 3,30. Grd Stötteritz Ab. 4,80. Schpp Cöln Ann. 0,40. Bßlr Geschäftsleute. Bon Otto Walster. Zum Grdächtniß. Gedicht Stuttgart Schr. 26,63. Schfr Bcrnburg Schr. 3,25. Schmidt Dresden � Don Iilvanus. Anekdoten und Sinnsprüche. Räthsel. Sprich- Ann. 2,20. Arbeiterbildungsverein Neutitschein Ab. 2,53. Wd Neapel! Wörter. Interessante statistische Mrttheiluugen. Markt- Ber- Ab. 3,16. Sprngr Königszelt Schr. 3,60. W Rw Altona Ab. 30,90.'-cichnisse. nach Provinzen eingetheilt. Ebbe- und Fluth-Tabelle. S»?n e°b«rg«b. 910. �*,40 � 2180.«dlr zuuära.ieuen: Ein Titelbild. Die Porttaits L-ssalle's und Falkenstem Schr. �,-0. Mrln Schmölln Ab. 3�0, �r. 3,60. Bnch Fauerbach'». Eine humoristische Illustration:»Der Coupon- Saalscld Schr. 4,45. Lyn Hildesheim Schr. 4,25. Mukwitz hier Ab.-ir,," i i-r« i 2,40 u. 1,80. Krbs hier Ann 5.50. Tglbckrs Uttccht Ab. 5,00.' � � c.„,......... —---------'- Alle Illustrationen find von bewahrten Künstlern gezeichnet und in Holz geschnitten. Bei dieser gediegenen und reichhaltigen Ausstathing kostet der Kalender geheftet nur 40 Pf.» gebunden und mit gut»m Schreibpapier durchschossen 60 Ps., gegen baar oder Postvorschuß. Den Bestellern von Einzel-Cxemplaren ist anzuempfehlen, für jedes Exemplar brochirt 50 Pf., gebunden 70 Pf., einzusenden, wofür wir es franko per Kreuzband zusenden. Die Lieferung de» Kalenders kann nur gegen baar oder Postnachnahme geschehen. Bei Bezug von 1 Dtzd. anfwärtS berechnen wir brochirt 25 Pf. pro Stück, gebunden 40 Pf. pro Stück netto gegen baar. Leipzig, im August 1376. Genossenschafts- Buchdruckerei, Färberstr. 12/11. UnterstüknngSfonds. Bon R. W. hier Ueberschuß vom Eigarrenverkauf 0,60. Anzeigen ze. Altona. Dienstag, den 3. Oktober, Abends 8 Uhr, in Hein- sohn's Salon: Orffeutliche Versammlung der Bau-, Land- und Erdarbeiter. Tagesordnung: Vortrag des Herrn O. Reimer. _____ H. Cordes.[50 Montag, den 9. Oktober, Abends 8 Uhr, im Lokale des � Herrn Paffen, Perlengraben 78: Cöln. peffclitlichc Arbcitcrvcrsammlnng. ■>. agesordnung: Vortrag des Herrn Ries. Um zaylreickies Er- Verantwortlicher Redakteur: W. Liebknecht in Leipzig. Redaktion und Ervedition �ärberitrai-e 1211."