Erscheint in Leipiig Nittwech, Freitag, San nntag. AbonnementSpreis str ganz ieatichland l W. so pro Quartal. Mouats-AtounemeulS werdea bei allen deutichen Postanstaltm I bni t. und s. Monat, und ouf den ktt Quartal« k U Pig. Juserale betr. Beri-mmllmgeu bt. Pentzeile 10 Vi,, betr. Privatangelegenheiten und Zche pro Petitjeile SO Ps. Vormär Veltcllungen achmen an alle Poitanstalten und Buch- Handlungen de« In- u. Auilaude«. Filial> Expeditione». Weiv-Norl: Sog,- demolr, Slenoiien- ichaftibuchdruckerei, l&iKIdridgo Str. Philadelphia: P. Haß, 630«artl» 3'* Stroit. I. Soll, 11SU Charlotte Str. Chicago:». Lanierinan», 3S6 I)l?I. »iou Street. San Frauzideo: F. Snp,«16 0'?ar- roll Streat. London: Baudih, 6 biasaau Street, IBddlesex Uoopiutl. Gentrat Hrgan der Sozialdemokratie Deutschtands. Nr. 2. Mittwoch, 4. Oktober. 1876. Bei Schluß der Redaktion, Montag Mittag, betrug die Zahl der angemeldeten Abonnenten 16,566. Red. und Exped. des„Vorwärts". Mit dem 1. Ottober a. c. haben laut Congreß- beschluß unsere bisherigen zwei offiziellen Partei- organe„Volksstaat" und„Neuer Sozialdemokrat" zu erscheinen aufgehört und ist an deren Stelle als einziges offizielles Parteiorgan getreten der „Vorwärts" Centtalorgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Redakteure: W. Hasenclever und W. Liebknecht. Ort des Verlags: Leipzig. Der Preis des„Vorwärts" ist per Quartal auf M. 1,60 festgestellt, und abonnirt man denselben bei allen Postanstalten, sowie den bisherigen Bezugs- quellen. Der„Vorwärts" erscheint ebenso wie„Volksstaat" und„Neuer Sozialdemokrat" 3mal wöchentlich. Die Bezugsbedingungen und Versandttage sind dieselben, wie bei den bisherigen Parteiorganen. In dem Zeitungskatalog steht der„Vor- wärts" im Nachtrag XI, unter Nr. 377va, Seite 2. Denjenigen Abonnenten, welche das Blatt per �renztand beziehen, wird dasselbe bei wöchentlich dreimaliger Zusendung in folgender Weise berechnet: für Deutschland. Oesterreich, Helgoland und Luxemburg 3 Mark per Quartal; für die Schweiz. Serbien, Belgien, Scandinavien, Italien, die Niederlande, Großbritannien, Rumänien, Portugal, Frankreich, Spanien, Türkei und Vereinigten Staaten von Amerika 4 Mark; Couvertsendungen wöchentl. 3mal 10 Mrk. pr. Cuart „„ Imat 4,80 Mrk.„„ W Der Abonnements-Betrag ist bei Bestellung einzusenden. Für Leipzig und Umgegend ist der Abonnementspreis(mit Bringerlohn) auf 1 Mark 80 Pf. pro Quartal und 60 Pf. pro Monat festgesetzt. Man abonnirt bei der Expedition d. Bl. Färbcrstr. IS, und bei unseren Colporteuren. Für die Umgegend von Leipzig bei den Filialexpeditionen: �«rkmarsdorf, Reudnitz, Reuschäuefekd zc.:c. bei Frau Engel, Reudnitz, Feldstr. 14, Hof 1 Tr.; für Eonuewitz it. bei Teubcrt, Bornaischestr. 19; für Kteiujschecher und Rmgegeud bei Fleischer, Schloßg. 13 daselbst; für Kheuberg bei Kirsten, Hauptstr. 7, und Zschau; für Reureuduitz bei Zschau; für Kehtis zc. bei A. Hermsdorf. Lindenthalerstr. 17; für Stötteritz bei E.Grude, Ander Papiermühle; für Lindenau bei Frau Grebenstein, Aurelien- straße 3., Für Aertiu wird auf den„Vorwärts" monatlich für 75 Pf. (frei in's Haus) abonnirt, bei der Expedition der„Berliner Freien Presse", Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8» und Rubenow, Brunnenstr. 34, im Laden. Die Redaktion und Expedition des„Vorwärts". Der Tod räumt gewaltig auf unter den Besten unserer Genoffen. Am Donnerstag, Vormittag 11 Uhr, starb in Fürth nach nur 12tägigcm Leiden Parteigenosse Dr. Kranz Reckendaht, Privatlehrer, den auswärtigen Genossen von den Congresscn her bc- kanut— zuletzt vor einigen Wochen in Gotha noch als Dclegirter anwesend. Bcckendahl war von anspruchS- losem Charakter, ruhig und still, dabei ein vorzüglicher Familienvater und äußerst thätig in seinem Beruf. Haupt- sächlich war es auch geistige und körperliche Ucberanstreng- ung, die ihn so schnell dem Tod in die Arme warf. Der sozialdemokratischen Richtung gehörte er schon seit den vierziger Jahren an, wo er mit Lassalle, Karl Marx und Anderen in den Rheinlandcn thätig war und sich dabei schwere Verfolgungen seitens der preußischen Gewalthaber zuzog. Ehre seinem Andenken! goldene Kalb ausführte und die unsichtbare Hand nicht erblickte, welche mit Flammenschrift an die Wand das meue tdeel— das Wort: Milliardenfluch! schrieb. In der Nummer 371 der„Kölnischen Zeitung" allein befinden sich zehn Anzeigen über hereingebrochene Concurse, von welchen die Mehrzahl bedeutende Geschäfte betroffen hat. Ge- wöhnlich werden nur Diejenigen bedauert, welche direkt in den Eoncurs verwickelt sind— die Falliten selbst, dann deren Glau- biaer; doch selten nur denkt man an Diejenigen, welche in Wirk- lichkeit die ganze Zeche bezahlen müssen. Die Falliten haben gemeiniglich schon ihr Schäfchen in's Trockene gebracht, und nur selten noch mag es vorkommen, daß der alte Kaufmannsstolz vorhanden ist, welcher bei Heller und Pfennig den Gläubigern gerecht wird und selbst die„Schmach", welche in dem Concurse liegen mag, mit einem Pistolenschuß sühnt. Und nur selten kommt es vor, daß der Fallite so „dumm" ist, der Staatsanwaltscbaft Gelegenheit zum Einschreiten zu geben.— Die meisten Gläubiger aber sind ebenfalls„Gc- schäftsleute", welche im großen Concurrenzspiel durch Fallisse- ments ebensowohl gewinnen, als verlieren. Doch wer allein verliert? Tie Arbeiterklasse. Sie, die in den günstigen Geschäftszeiten nur des Lebens Nothdurft zu decken vermag, wird durch die Krisen und ihre Ausläufer, die Concurse, sofort in das tieffte Elend gestürzt, für sie giebt es keinen Aus- weg aus solchen verhängnißvollen Wirren. ' Sehen wir uns nur die Sachlage etwas näher an. Die freie Coucurrcnz mit ihrer planlosen Produktionsweise beherrscht die heutige Gesellschaft. Mag nun der eine oder der andere Unter- nehmcr oder Kapitalist durch eigenes Ungeschick, durch allerlei falsche Berechnungen, durch Zufall und Mißgeschick Schaden lei- den oder zu Grunde gehen, so wird doch ein anderer aus der Unternehmer- oder Kapitalistenklasse indirekt durch solche Unfälle profitiren, so daß der gesammten Klasse keinerlei Schaden er- wächst, so lange sich der sogenannte Nationalreichthum, d. h. die Summe der in einem Lande vorhandenen Werthe, vermchtt. Und dies geschieht in den gegenwärtigen Culturstaaten trotz der so oft auftauchenden Krisen fottwährend. Brüsten sich doch unsere libe- ralen Oekonomen immer mit dieser Thassache, suchen sie doch vorzugsweise dadurch die Kapitalherrschaft und die heutigen wirth- schaftlichen Zustände zu rechtfertigen. Eine Anzabl von Unternehmern, die weniger glücklichen und raffinitten, wcrocn aus dem großen Concurrenzspiel hinausgedrängt und nur die glücklichen und raffinitten Spieler bleiben. So wird die Kapitalistenklasse immer kleiner, aber auch jeder Ein- zelnc derselben immer reicher; ja die Klasse selbst wird, trotzdem lie sich immer mehr auf eine gettngere Anzahl Personen be In Bezug auf die Vertheilung der Schüler auf die Gymna- sien und die Realschulen lehrt die Heß'sche Ausstellung, daß die Schülerzahl auf jenen ab-, auf diesen zugenommen und zwar so sehr, daß von 100 Gymnasiasten(unter Beiseitelassung der Brüche) nur 9 noch die Pttma besuchen, während von 100 Realschülern 5 diese Stufe erreichen. Noch im Jahre 1868 be- suchten von 100 Realschülern nur 3 die Prima, von 100 Gym- nasiasten 10. Dem enssprechend hat auch die Zahl derjenigen Gymna- siasten, die ihr Ziel erreichten, d. h. das Abituttentencxamen machten, abgenommen— von 100 find es 3— während die Zahl der Realschul- Abiturienten seit 1868 von O�o auf l�j« Prozent gestiegen, d. h. von 100 Realschülern erreichen noch keine 2 ihr Ziel, das Abiturientenexainen. Man wird eben nicht behaupten wollen, daß die, welche bis Tertia oder Sekunda ge- kommen sind, ihr Ziel, d. h. eine abgeschlossene Bildung, er- reicht hätten. Die„höhere" Bildung liegt nicht in den Unter- klaffen, sondern in den oberen Abschlußklassen, weshalb alle dieienigen Direktoren, denen es nicht auf Renommage mit der Frequenz ihrer Anstalt ankommt, sich mit Hand und Fuß gegen diejenigen Elemente wehren, die nur bis zum 14. oder 15. Jahre die Schule besuchen, denen thäte eine gute Volksschule bessere Dienste; nicht einmal für die Mittelschule sind solche Kinder zu gebrauchen, da auch sie auf einen Besuch bis zum 16. Jahre rechnen muß. Zur rechten Würdigung obiger Zahlen gehött nun die Be- trachtung der Summen, welche diese höheren Lehranstalten kosten. Taufende und Abettausende von Thalern werden ausgegeben, damit von 100 Realschülern noch nicht 2 die Schule durchmachen und die übttgen sich eine Bildung verschaffen, die ihrer Unvoll- ständigkeit wegen ihnen nichts nützt, wenn sie über die Mittel- klaffen nicht hinausgekommen sind, und deren Nutzen, wenn auch die Sekunda noch besucht ist, sie billiger hätten haben können, wenn auf die Volksschulen Klassen gesetzt würden für diejenigen, die länger als bis zum 14. Jahre die Schule besuchen können. Wir sagen nicht, die Realschulen und Gymnasien seien über- schränkt, fottwährend an Reichthum zunehmen, da das concenttttte Kapital die Arbeitskraft am leichtesten auszubeuten versteht und die Vermehrungsfähigkeit im höchsten Maße in sich trägt. Je mehr aber, und hierzu tragen Concurse und Fallissements wesentlich bei, das Kapital sich concentttrt, desto mehr leidet die Arbeitskraft. Deshalb verhilft auch jede Krisis, iiidem sie die weniger glücklichen oder fähigen Ausbeuter vernichtet, dem Kapitalismus zu neuen Tttumphen, während sie die Arbeitskrast in immer festere Banden schlägt. Die Arbeiter also müssen bei allen Kaisen vorzugsweise ihre Haut zu Markt tragen, die Arbeiter erhalten durch dieselben immer mehr Concurrenton, während die Kapitalisten sich dieselben vom Halse schaffen. Vielleicht fühtt dies zum Guten und zwar in baldiger Zeit. Denn die Gesellschaft eilt immer mehr der Kluft entgegen, welche sich brückenlos ausbreitet zwischen den we- nigcn Kapitalisten und den Tausenden von unbefriedigten Ar- bcitern. Diese Kluft muß dann geschlossen werden, indem hineingeworfen wird das goldene Kalb, alle Klassenherrschaft, aller Eigendünkel und alle Voruttheile, welche jetzt triumphiren und die Menschheit beherrschen. Der Sozialismus aber strebt darnach, dieses große Werk in ruhiger Wesse zu vollbttngen, während die anderen Gesellschafts- klaffen durch ihr widersinniges Entgegcnstemmen die natürliche Entwicklung der Menschheit hemmen wollen. Und wahrscheinlich werden die Verblendeten solche Tollheit � büßen. flüssig, durchaus nicht. Man erttchte sie überall da, wo sie noth- wendig sind. Nothwendig sind sie aber erst da, wo für die Volksschulen in dem Maße gesorgt ist, daß die nöthigen Lehr- mittel und auskömmlich besoldete Lehrer vorhanden sind, wo ferner für diejenigen, welche länger als bis zum 14. Jahre die Schule besuchen können, sich an die Volksschule eine Mittelschule anschließt. In einer großen Anzahl kleiner und mittelgroßer Städte würde das Bedürfniß nach Realschulen dann von selbst fortfallen, die paar Leute, die sie für ihre Kinder bedürfen, können dieselben in eine größere Stadt schicken. Dann kostet ihnen ihr Bedürfniß doch nur ihr eigenes Geld, während heut- zutage dieses Bedürfniß diejenigen Steuerzahler zum guten Theil bestreiten müssen, welche die höhere Schule gar nicht oder nicht ausgiebig benutzen können. Daß nun aber für die Volksschulen durchaus ungenügend gesorgt ist, erhellt aus dem oben ange- fühttcn Centtalblatt, in welchem zu lesen, daß im Rheinland 976 und in Wesssalen 204 Volksschullehrerstellen nicht ordnungs- mäßig besetzt sind. Ein Theil derselben wird zwar von Prä- paranden, d. h. von Knaben, die der Schule entwachsen sind, verwaltet, ein anderer Theil durch benachbarte Lehrer mitver- sehen, wodurch also auch die eigene Klasse derselben geschädigt wird; allein diese Aushilfe ist nichts Werth. Rechnen wir im Durchschnitt 60 Kinder aus eine Lehrkraft, so genießen in Rhein- land- Wesssalen 70,800 Kinder keinen ordnungsmäßigen Un- terricht. Nach weiteren uns zugänglich gemachten authentischen Ziffern sind in ganz Preußen 4508 Schullehrerstellen nicht ordnungS- mäßig besetzt. Wenn wir 60 Kinder auf eine Lehrttaft rechnen Beherzigenöwerthe Zahlen. (Der„Freien Deutschen Schulzeitung" entnommen.) Wie erstaunlich berechtigt die Forderung der allgemeinen preußischen Bestimmungen vom 15. Oktober 1872 ist, daß erst Die gegenwärtige KrisiS forde tt täglich ihre Opfer. Man nehme nur die erste beste Zei- tung zur Hand, zähle die in derselben angezeigten Concurse, so erhält man ein Bild der Folgen einer Zeit, in welcher der illiardensegen" in Deusschland sijfre Kvß auf eine grenzenlos dann die Gründung höherer Lehranstalten ins Auge gefaßt werden soll, wenn für die Volksschulen ausreichend gesorgt ist, ergeben die statistischen Nachweise, welche sich in den„Neuen Jahrbüchern für Philologie und Pädagogik" einerseits und in dem Januar- Heft des Centralblattes für die gesammte Unterttchtsverwaltung anderersetts befinden. In jenen Jahrbüchern hat der Gymnasial direktor Dr. Heß zu Rendsburg unter dem Titel:„Statisttsches aus Preußen" eine Abhandlung über die Zahlenverhältnisse der höheren Lehranstalten in Preußen veröffentlicht, deren Resultate so auffallend und merkwürdig sind, daß sie die weiteste Beach- tung verdienen. Zunächst ermittelt Dr. Heß, wie viel Schüler höherer Lehr- anstaltcn in dem gesammten preußischen Staate auf je 100,000 Einwohner kommen. Nicht mehr denn 432, d. h. von 500 schul- Pflichtigen Kindern besuchen, wenn wir die Brüche fottlassen, etwa zwei eine höhere Lehranstalt. Unter den verschiedenen preußischen Provinzen liefett die Rheinprovinz das kleinste Kontingent für die höheren Schulen, was sehr begreiflich ist, wenn man bedenk, daß in derselben der Katyolizismus über — was indeß zu niedrig veranschlagt ist— so erhalten wir zweimal hundert siebzig tausend, vierhundert und achtzig Kinder, die ohne ordnungsmäßigen Unterricht aufwachsen. Und das nennt sich„Jntelligcnzstaat"! Und ttotzdem drängen so viele kleine Gemeinden nach„höhe- ren" Schulen und haben Mittel für sie, die sie de» Volksschulen verweigern. Die Arbeiter und die Zollsrage. Mit besonderem Bezug auf Ungarn. (Forssetzung.) Bettachten wir nun, was es mit dem sogenannten Nationalreich- thum, seinem Wachsen und der gleichzeitigen matettellen Hebung n 1 der Arbeiter für eine Bewandtniß hat. Wenn ich hiezu England. m- das Eldorado der Kapttalisten und Großgrundbesitzer, wähle, da?m Land, dessen Produktton und Consumtton in steter Steigerung'''' begriffen ist, wird man mich gewiß keiner Patteilichkcit zeihen. Und was sehen wir dott? Ein Land, dessen„Nationalreichthum" sich immer mehr und mehr in den Händen Einzelner conzcntritt und dessen wachsender Nationalreichihum von einem Wachsen des Paupettsmus, einem Wachsen der Auswanderung der„Arbeiter Hören wir einmal, was selbst Cairnes, der jüngst verstorbene,, Professor der politischen Oekonomie an der Londoner Universität von diesem Lande sagt. Er nennt es ein Land, in derld' ssin Mann bei einer einzigen Mahlzeit mehr Wetth consumi�'b-, I als die Familie eines andern in einem Monat für Nahrung>» und I Kleidung brauchen würde; in dem der ganze Boden bei e Steine> Bevölkerung von 30 Millionen weniger als 100,000 Personct?'"t gehött; in dem einer unter 20 Personen von Almosen lebt; in, ! dem der große Theil der Agriculturbevölkerung mit ruhiger Er- gebenheit daran denk, seine alten Jahre in einem Arbeitshause »zubringen, während die industtiellen Arbeiter sich unaefs" — s: strophe befinden, welche Hunderttausende zu Grunde richtet. (Bortrag gehalten im IMversity College, November 1870). Auch die Gutsbesitzer Irlands, deren es ungefähr 9000 giebt, und von denen einige Hundert allein drei Viertel des ganzen Bodens inne haben, der nach der Eroberung Irlands durch die Engländer unter ihnen vertheilt wurde, sehen jährlich ihre Renten steigen, und doch ist der Bauer dort elender als irgendwo. „Diese Landlords, sagt Emile de Lavelcye, bewohnen Paläste, umgeben von aller erdenklichen Pracht eines großen Reichthums, die Ackerleute bewohnen Hütten aus Koth und sind im äußersten Elend versunken. Der Eine hat nichts gethan, um die Erde produktiv zu machen, und doch bezieht er das Reinerträgniß, der Andere hat alles gemacht, und er stirbt Hungers. Es ist ent- setzlich! Der Arbeiter sieht, wie durch die Rente das Brod, das er geerntet, den Bedürfnisien seiner Familie entrissen und an die Hunde seines Herrn verschwendet wird; er kann zählen, wie viele Familien sich bis zur Dürftigkeit einschränken mußten, um den Pferde- und Hundestall zu erhalten; er kann ermessen, wie viel Schweiß und Thränen all dieser Luxus gekostet hat, der sich vor seinen Augen entfaltet."„Wie soll ih»— fügt dieser Schrift- steller hinzu— dieser Contrast nicht mit Zorn und Rachedurst er- füllen— ihn, der sein Opfer ist— wenn unparteiische Beobachter, die nichts dadurch zu leiden haben, empört, entrüstet werden?"(„La question agraire eu Irlande".) Der„Nationalreichthum" kann eben steigen und der allge- meine Wohlstand fallen, weil allein die Bertheilung des Reich- thums diesen bestimmt. Der Reichthum Rothschilds z. B. und eines beliebigen Anderen zusammengenommen kann steigen, ohne daß des letzteren zugenommen hat, ia ohne daß es ausgeschlossen ist, daß derselbe bis zum Hungern verarmt ist; es hat aber als- dann das Vermögen Rothschilds sich um mehr als den Betrag dessen, was der Verarmte verloren hat, vermehrt. So sagte man auch lange genug, daß Irlands„National- reichthum" steige, weil man wußte, daß diese Insel, die vor einem Jahrhundert kaum 2 Millionen Seelen zählte, anno 1834 schon ine Bevölkerung von fast acht Millionen hatte, und doch ist die eigentliche Nation in demselben Maße elender geworden, als die Landlords mächtiger und reicher. Die Grundbesitzer, welche sahen, daß ihre Güter, Dank dem darauf verwendeten Fleiße, eine stets reichert Ernte brachten, die ihrerseits wieder ein Wachsen der Bevölkerung hervorrief, schraubten die Pachtsumme allmählich so sehr in die Höhe, daß die kleinen Pächter schließlich zu kämpfen hatten, um ihr karges Auskommen zu finden. Trat dann hie und da eine Mißernte ein, so sahen diese sich in die traurigste Lage versetzt, denn die Rente mußte bezahlt werden, wollten sie nicht Gefahr laufen, sammt den Ihrigen an die Luft gesetzt zu werden. Nach den verschiedenen parlamentarischen Enquetes zu urtheilen, schien dies auch nicht zu den Seltenheiten gehört zu haben, denn es kam häufig genug vor, daß ein Pächter, der eine Rente von 20—30 Pfd. St.(2—300 fl.) nicht bezahlen konnte, sein Häuschen, das ihm drei bis viermal mehr gekostet hatte, ohne alle Entschädigung verlassen mußte, da alle Verbesserungen und Bauten als vom Grundeigcnthümer gemacht betrachtet wurden. Derselbe hatte daher nur den Pächter zu entfernen, um sie an sich zu reißen. Erst das Gesetz von 1870(Irisb Landbill) machte diesem Raubsystem ein Ende. In den'Jahren 1849—1853 wurden noch an 230,000 Per- sonen verjagt und an 17,000 Häuser niedergerissen! Und für den Jrländer— die Industrie und den Handel wußten sich ja die Engländer durch alle möglichen Geschesklauselu zu sichern— ist das Bertreiben vom Boden gleichbedeutend mit dem Senden in's Exil, wenn nicht gar mit etwas Schlimmcrem. Wie es unter solchen Verhältnissen den gewöhnlichen Agri- culturarbeitern erging, wie traurig deren Lage gewesen sein muß, läßt sich schwer verkennen. Die Hungersnoth von 1847 zeigt uns eiu schreckliches Bild davon. Wie wenn eine fürchterliche Cholera durch's Land gerast und alles mit ihrem giftigen Hauche angeweht hätte, wurde die arme Bevölkerung dahingerafft. Wer Mittel finden konnte, suchte nach Amerika zu kommen, die Anderen erlagen, so daß Hungersnoth und Auswanderung die irländische Bevölkerung von 8 Millionen auf 5'/- Millionen reduzirten! Und doch können wir diesen Grundbesitzern, wenn wir den Ansichten der meisten Oekonomisten beistimmen, keine Vorwürfe machen. Sie haben das Recht, ihr Eigenthum zu verwerthen, wie es ihnen beliebt, sie können sich auf das„Naturgesetz" von Nachfrage und Angebot berufen und so jährlich ihre Renten er- höhen, sie können auch, wenn ihnen dies einträglicher dünkt, aus Ackerland Weide machen, wie es oft genug, im' vereinigten König- reiche geschehen ist, wo man oft ungeheuere Strecken Landes sehen kann, die früher von Bauern bewohnt wurden, welche das Feld bestellten und welche jetzt von Schafen verdrängt sind. In England nennt man diesen Expropriationsprozeß der Ackerbauer „Clearing ok Estates"(Lichten der Güter), was aber in den meisten Fällen ein Vernichten der frühern Bewohner ist. Als einst de Sismondi ein solches„Clearing ok an estate" in der Grafschaft Sutherland, wobei 15,000 Einwohner aller Mittel entbehrend verjagt wurden, bekannt machte, ging ein � Schrei der Entrüstung durch die europäische Presse, und doch '*1 hatte der Besitzer, oder vielmehr die Besitzerin, es war die Her- > ,f zogin von Sutherland, nichts gethan, was nicht jeder Kapitalist ,° thut, d. i. nichts als was ihr gut dünkte, um aus dem Kapital i} soviel Profit als möglich herauszuschlagen. Die Anwendung von - 9 Maschinerie in der Industrie und Agriculwr, die Anwendung . des Dampfes als Treibkraft derselben, sowie jede einzelne Ver- " besserung, und endlich die Erzeugung der Maschinen durch Ma- schinen lelbst, wie Bohr-, Hobel-, Schneidemaschinen, sind ebenso " wie das„Clear!ng"-Mittel dazu angethau, die früher beschäftigten � Arbeiter„brodlos" zumachen. Wenn ein Grundbesitzer findet, daß er durch Produktion von Schafwolle und Hammelfleisch höhere Profite erzielen kann als durch Kornbau, so hat nun einmal Niemand ein Recht, ihm die praktische Ausführung dieser Er- oi*, fkenntniß zu wehren. Laiasez-faire, laiasez-passer sagen unsere '�J�i'Freihdnbter und tout sera au mieux daua le meüleur des P"" mondes.*) Sie werden uns erzählen, wie der Arbeiter doch nur dabei gewinne, wie ,v B. seit der Erfindung der Buchdruckerkunst heute so und soviel Tausende von Arbeitern mehr Beschäftigung finden, als die Zahl der frühern Schreiber betrug; oder daß durch die Erfindungen der Spinnmaschinen von Hargreaves, Arkwright, Crompton(die letztere Maschine unter dem Namen „Mnle" bekannt, setzt zu gleicher Zeit 400— 1200 Spindel in Bewegung), durch die mechanischen Webstühle k. heute dennoch 1 vielmehr Arbeiter als ehedem in der Textilindustrie beschäftig: Mn rjjjtz Nur vergessen sie in ihrer Sucht, alles gut zu heißen, was für die Kapitalisten von Nutzen ist, zu erwähnen, daß wenn heute haltiger. Zahl dieser Beschäftigten 100- oder 1000-mal größer ist als früher war, die durch die Erfindung brodlos gewordenen Arbeiter trotzdem nicht um einen Bissen satter geworden sind.! Es ist wahrscheinlich, daß auch heute durch das oben erwähnte „Clearing" mehr als 15,000 Personen von dem Hüten, Woll- scheeren und Schlachten, von dem Gerben, Färben und der Ver ! arbeitung der Häute, sowie von dem Spinnen und Weben der! Bezug auf ihre Handlungsweise lediglich schmeichelt und dadurch Wolle jener Schafe leben, was aber keinesfalls verneint, daß Unwahrheiten auftischt, so ist dies noch verwerflicher, als wenn die 15,000 Vertriebenen damals dem Elend preisgegeben waren, man unliebsame Thatsachen über einen Tobten in ichmähsüchliger Professor Spencer Beesly hat wahrlich nicht Unrecht, die Oeco nomisten mit dem Namen Plutonomisten zu bezeichnen. Es kommt auch vor, daß die Schafe, welche früher die Men- schen vertrieben, ihrerseits wieder durch Wild vertrieben werden. So schreibt der Londoner„Economist" vom 2. Juni 1366:„Ein schottisches Blatt berichtete in den letzten Wochen unter andren Neuigkeiten: Eine der beste» Schafpachten in Sutherlandshire, wofür jüngst beim Verfall des laufenden Pachtcontrakts eine Jahrcsrentc von 1200 Pfd. St. geboten ward, wird in einen deer foreat(Rothwild-Park) verwandelt!" Die feudalen In- stinkte bethätigen sich wie zur Zeit, wo der normännische Eroberer 36 Dorfschasten zerstörte, um den Z�ew forest zu schaffen.... Zwei Millionen acrea, welche die fruchtbarsten Ländereien Schott- lands umfassen, sind ganz und gar wüst gelegt.... Den Verlust des Landes an Produktionsquellen in Folge dieser Weise an das Tageslicht fördert. Die Freunde des bekannten Poeten Glasbrenner, des„Erfinders des Berliner Witzes", welcher vor einigen Tagen gestorben ist, mögen sich bei dem „fteisinnigen" Prediger Cr. Lisko bedanken, da derselbe in seiner Grabpredigt dem Verstorbenen nachrühmt, daß er einen köstlichen, nie verletzenden Humor in seinen Schriften ausgeübt habe. Glasbrenner war Redakteur der„Montagszeitung": er schrieb dieselbe fast allein— in derselben aber finden sich die schmutzigsten, widerlichsten Angriffe nicht nur auf die Sozialdemokratie, sondern auch aus die Personen, welche als Sozialdemokraten vorzugswesse bekannt geworden sind. Daß die Letzteren sich nicht verletzt gefühlt habeu, lag natürlich nicht in der Absicht des Verfassers. Im Uebrigen gehörte Glasbrenner zu der Unzahl von Menschen, welche 1848 Freiheit und Pflastersteine liebten, sich aber später unter der preußischen Pickelhaube einfangen ließen. Deshalb c oieser gewaltsamen Verödung mag man daraus schätzen, daß der Boden' genug davon. des foreat von Ben Aulder 15,000 Schafe nähren konnte, und daß er nur'/« des gesammten Jagdreviers von Schottland be-— Der als„der Gründer allerschlimmster" ent- trägt.... All dies Jagdland ist durchaus unproduktiv... larvte nationalliberale„Ehrenmann" Hammacher be« es hätte ebensowohl in die Fluthen der Nordsee versenkt werden hauptet bekanntlich, daß ihn nur sein lebhaftes Interesse für das können. Solchen improvisirten Einöden oder Wüsten sollte die Volkswohl bewogen hat, sich au all' den" W�WW�W| undert lebensunfähigen im; Aktiengesellschaften zu betheiligen, deren Bankerott die Akttonäre ' um ihr Vermögen gebracht und Herrn Hammacher zu einem Vermögen verholfen hat. Daß Herr Hammacher sich regelmäßig verrechnete, und auf die Seite des„Volkes" immer die Verluste, auf die Seite des redlichen Hammacher aber immer der Profit gefallen, das ist Pech— für Hammacher natürlich, denn wer wird denn heutzutage gern Millionär!? Leider giebt es immer noch böse Menschen, welche an soviel Edelmuth nicht glaube», und zu diesen Böswilligen gehört unter anderen auch der Gründer- könig Strausberg, der auf S. 112 seiner Memoiren also über den nationalliberalen Tugendheld herfällt:„Hammacher kenne ich seit Jahren als Spekulanten und Gründer par excel- lence, und da dieser Herr es auch nicht verschmäht hat, mich und die General-Entreprise zu verdammen, und, wenn auch nur vorübergehend, in das allgemeine Lärmen mit einzustimmen, so halte ich mich für berechtigt, ihn daran zu erinnern, daß er in � Gemeinschaft mit dem verstorbenen Paderstein mich animiren wollte, einen Bau in General-Entreprise zu übernehmen, für dessen Concessionirung er seinen Einfluß geltend machen wollte, und wobei ihm und Paderstein ein nicht unbedeutender Gewinn zufallen sollte."— Nicht wahr, es sind sehr saubere Kerle, diese parlamentarischen Koryphäen der Nationalliberalen? starke Hand der Gesetzgebung den Garaus machen"(cit. „Kapital"). (Fortsetzung folgt.) Politische Uebersicht« — Traurige Folgen einer traurigen Gesetzgebung. In das Henriettenstift zu Berlin, in welchem obdachlose Mäd- che» und stcllensuchende Dienstboten für kurze Zeit Aufnahme finden, trat vor einiger Zeit ein Berliner Bürger und wählte sich eiu Mädchen zum Dienste aus. Zu Hause angekommen, fragte er nach Legitimationspapicren; das Mädchen erklärte, keine zu besitzen, in Folge dessen der Hausherr sie sofort wieder entlassen wollte. Das Mädchen gestand in seiner Roth nunmehr der Frau, daß sie wegen Aussetzen eines Kindes, wodurch der Tod desselben erfolgt sei, zu mehrjähriger Zuchthausstrafe vom Schwurgericht zu Gnesen vcrurtheilt worden sei. Sie habe als 16jähriges Mädchen bei einem Kreisgerichtsrath gedient und sei von einem Unteroffizier verführt worden; das Kind habe sie zuerst in Pflege gegeben, doch da sie den Anforderungen der Pflegefamilie nicht habe entsprechen können, so sei ihr das Kind zurückgegeben worden; in der Verzweiflung habe sie nun dasselbe auf dem Rückwege in einem Walde ausgesetzt. Die Frau theilte.— Zur Briefstieberei. Aus Posen wird der„Frank- diese Erzählung ihrem Manne mit»nd das Berliner Ehepaar furter Zeitung" unter'm 25. September geschrieben: war vernünftig genug, dem Mädchen die Jugendsünde nicht an-!„Der polnische„Kuryer poznanski" hat bekanntlich jüngst die zurechnen. Der Mann schrieb an die betteffende Strafanstalt Mittheilung gebracht, die Oberpostdirektion in Äromberg und erhielt ein ausgezeichnetes Führungsattest für die Entlassene; habe ein lithographirtes Facsimile der von Ledochowski die Frau aber erklärte schon nach wenigen Wochen, daß sie noch geschriebenen Adresse des Brieses an� den Pfarrer Brenk an- den Pfarrer Brenk fertigen lassen und dasselbe an die Postbeamten versandt mit der Weisung, die eingehenden mit dem Charakter der Ledochows- tischen Handschrift adressirten Briefe sofort an die Staatsanwalt- schaft einzusenden, sowie auch die Oberpostdirektion davon zu be- nachrichtigen. Wir bezeichneten die Nachricht als unglaublich und erwarteten eine schleunige Berichtigung des Generalpoft- meisters, dem bekanntlich die Tinte schnell und leicht fließt, wo es sich um Abweisung falscher Nachrichten aus seinem Ressort handelt. Aber die Sache ist anders gekommen— statt eines Dementts eine Haussuchung in der Redattion des„Kuryer", da nach Ansicht der Postbehörde das betreffende Aktenstück— es existirt also— nur durch Bruch des Amtsgeheim- nisses zur Kenntniß des polnischen Blattes gekommen sein könne. Die Haussuchung blieb erfolglos, der Redakteur wies zum Ofen hin, der das Manuscript sofort„besorgt und aufge- hoben" habe. Wie ein Berliner Blatt auf Grund seiner Kennt- niß vom preußischen Verfahren vorausahnt, dürfte nunmehr der zweite Grad, der Zeugnißzwang, gegen den Redakteur in An- Wendung gebracht werden." Dies die Correspondenz. Um das Unerhörte des Verfahrens zu begreifen, muß man erwägen, daß die Handschristen vieler Per- sonen einander sehr ähnlich sind, und nur von geübten Hand- schristenkennern, und selbst von diesen nicht immer, unterschieden werden können. Wenn alle Briefe mit dem Facsimile ähnlichen Adressen in ganz Deutschland erbrochen worden find, dürfte die Zahl der so erbrochenen Briefe sich in die Hunderte belaufen. Und, da die Behörden notorisch ihren Zweck nicht erreicht haben, so rühren die sämmtlichen erbrochenen Briefe von unbetheiligten Personen her. Ein flagranterer, unverant- wortlicherer Eingriff in die Rechte des Privatlebens, eine fia- grantere, unverantworlichere Verletzung des Briefgeheimnisses ist einfach nicht denkbar. Herr Stephan wird im Reichstag dar- über Rede zu stehen haben.— — Keine Feinde zu haben, ist die schlechteste Eigenschaft eines Menschen.„Biel Feind viel Ehr", das ist Mannesspruch, zumal in kampfvoller Zeit, wie der unsrigen. Anastasius Grün hat kurz vor seinem Tod diesem Gedanken Ausdruck gegeben in folgendem Gedicht, das wir unfern Lesern nicht vorenthalten dürfen: „Man schreibt auf manchen Stein: „Er hatte keinen Feind!" Als Lobspruch ist's gemeint, Doch schließt's viel Schlimmes ein. Es klänge g'rad so gut: Ihm fehlte Herz und Blut, Er ließ wie Kies sich treten, Er ließ wie Thon sich kneten, Sein Aug' war blind dem Lichte, Sein Mund war stumm dem Wichte! O, raubt mir nicht am Grabe Noch meine beste Habe: Die Feinde, deren Zorn Mein Schmuck, mein Stolz, mein Sporn! Bon jenem Worte rein Laßt meinen Stein!—" — Der neueste, von'Petersburg aus kommandirte, . Theaterstreich des Hanswursten und Bramarbas Tscher- Soldaten zuzuschauen. Uebrigens ist dieser Fall kein verein- najeff, den geschlagenen Jammermann Milan von Serbien durch zelter; auf jevem Manöver fast wird auf Offiziere geschossen, so eine geschlagne, von RussenkommandirteArmee zum König ausrufen daß man schon hieraus die Behandlung ermessen kann, die zu lassen, hat die französischen Demokraten, die sich bis manchem Soldaten zu Thcil wird. Der Unteroffizier aber war dahin über die Vorgänge in der Türkei allerhand Täuschungen couragirt genug und erschoß sich selbst, als man ihn verhaften hingegeben, urplötzlich ernüchtert und ihnen gezeigt, daß die wollte— er entging dadurch sicherlich manchen Qualen. jetzt gegen die Türken geführten Kämpfe mit Demokratte und Frciheitsbesttebungen nichts zu thun haben. Die„Menschen- aacn— reckte" vom 28. Sevtem �ärlvreckien dies, in einem Artikel aus niemals ein so vorzügliches Dienstmädchen gehabt habe. Da vlötzlich erscheint ein Polizeiwachtmeister, welcher erklärt, daß das Dienstmädchen innerhalb 24 Stunden Berlin verlassen müsse, weil aus den Strafanstalten entlassene Dienstboten überhaupt erst nach dreijährigem unbescholtenem Lebenswandel in Berlin, Cbar- lottcnburg und Potsdam sich aufhalten dürsten, wenn sie nicht ortsangchörig seien. Die Eheleute, welche das Mädchen lieb ge- Wonnen hatten, bemühten sich, die Ausweisungsordre rückgängig zu machen; der Mann ging zum Polizeipräsidenten, der achsel- zuckend sich auf das Gesetz berief. Fünf Tage behielt die brave Berliner Gamilic das Mädchen noch bei sich, dann begleiteten die Leute dasselbe persönlich in einer Droschke zum Bahnhofe, lösten ein Billct, schenkten dem Mädchen noch 5 Thaler und fort dampfte die Unglückliche nach der Heimath, nach dem Schauplatze ihres ersten Fehltrittes, zwar mit den besten Zeugnissen und Empfehlungen, doch mit den geringsten Aussichten, eine Stellung zu erhalten, da ja Jedermann dort ihre Vergangenheit kannte. Wie lange mag es dauern, daß das Arbeitshaus oder das Zucht- haus die Arme wieder aufnimmt. Dann aber fällt eine solche Unglückliche lediglich den traurigsten Gesetzen zum Opfer, welche der Unverstand nnd der Hochmuth vereint dem Volke diktirt haben. — In welchem Parteilager der„Rückgang" zu suchen ist, lehren folgende Zahlen. Der schlefische Wahlkreis Groß-Sttehlitz-Kosel hat in der gegenwärtigen Legislaturperiode dreimal gewählt, 1874, 1875 und 1876. Jedesmal stand dem Candidaten der Reichsfreundc, dem Herzog von Ujcst, ein Ultra- montaner gegenüber; die Wahlbetheiligung war stets eine rege und blieb sich ziffermäßig fast gleich: es stimmten von 23,000 Wahlberechtigten je 16,800, 16,300, 16,100. Und nun vergleiche man die Resultate. Auf den Herzog von Ujest fielen 1875 8505, 1875: 7237, 1876: 6449 Stimmen, also ein Abgang von etwa 2000 reichstreuen Wählern in nicht drei Jahren. Die Candi- datcn der Ulttamontanen erhielten dagegen 1874: 8296, 1875: "296, 1876: 9449 Stimmen; die Reichs feinde haben sich dem- nach im gleichen Zeitraum um fast 1200 vermehrt. Dabei war alle drei Male Wahlkommissär jener Landrath von Himmel, dessen Thätigkeit den Reichstag zur Kassirung der ersten Wahl und zu einem Tadelsvotum wegen der vorgekommenen Beein- flussung wohlbegründetc Veranlassung gab. Der Minister des Innern Eulenburg ließ sich durch Letzteres nicht anfechten, aber auch der Himmel und seine uniformirten und nichtuniformirten Heerschaaren vermochten es nicht mehr abzuwenden, daß die kle- rikale Minorität zur Majorität und die Hoffnung gewisser sehr hohen Herren, den Gründer-Herzog von Ujest wieder unter den Gesetzgebern des deutschen Reiches zu sehen, zu Schanden wurde. Zur Illustration des herrlichen Kriegsheeres. Auf dem kürzlich bei Elberfeld stattgehabten Manöver wurde das Kind eines zuschauenden Bürgers, welches derselbe auf den Armen trug, durch eine Kugel getödtet. Die Untersuchung ergab, daß ein Unteroffizier seinen Lieutenant erschießen wollte und schon dreimal gefehlt hatte, als der Unglücksschuß fiel. Der betreffende Lieutenant soll den Unteroffizier hart behandelt haben, woraus ein grimmiger Haß bei Letztcrem entstand. Weniger gegen die „göttliche Gerechtigkeit auf Erden" wäre es nun allerdings ge- wesen, wenn die Kugel den Lieutenant und nicht das unschuldige Kind getroffen hätte; die friedlichen Bürger aber mögen sich merken, daß es nicht gut ist, den glänzenden Exerzitien deutscher Den Todten soll mar as Man hätte auch sagen können:„Der Frosch— Milan—, der ein König sein will." Doch nein, der Frosch der Fabel wollte ja etwas anderes sein; und das braucht Milan nicht erst zu werden.— Zur Entnüchtcrung der„Menschenrechte" hat un- zweifelhast auch der Umstand beigetragen, daß„ein russischer Demokrat", der auf dem republikanischen Bankett von Saint- Mandö(zur Feier des Geburtstags der ersten Republik— die am 21. September 1791 froftamirt wurde—) gciprochen, steh Hintennach als„aktiver russischer Staatsrath"(Herr Valerian von Panaieff) entpuppt hat. Diese Vereinigung der Funktionen eines Demokraten und eines Staatsraths mußte den„Menschenrechten" doch etwas zu— russisch vorkommen, wie jetzt die ganze„Volks- erhebung" in der Türkei. — Fortsetzung der Sozialistenhatz in Themnitz. Dem Genossen SS i einer wurde am 28. September eröffnet, daß gegen ihn wegen Beleidigung des Richterstandes vom Justtzministerium Strafantrag gestellt ist. Er soll dieses Verbrechen in seiner am 15. August gehaltenen Rede über Sacveke's Verurthcilung be- gangen haben. In dem Prozeß Corso-Himmelfahrt gegen Sae- veke ist die Nichtigkeitsbeschwerde verworfen, aber die Strafe um 1 Jahr herabgesetzt worden.„Torso" ist mit!>/, Jahr,„Him- melfahrt" mit 1 Jahr berechnet und das Gesammterkenntniß— mit>/, Jahr Ermäßigung— lautet auf 2 Jahre.— Der In- stanzenwcg ist damit beendet und das Urtheil rechtSkräfttg. Trotzdem werden sich die Chemnitzer Genossen dabei nicht be- ruhigen, sondern sich zunächst an den sächsischen Landtag und an den Reichstag wenden, da die Herabsetzung in keinem Verhältniß .zu der Höhe des ersten Strafmaßes steht. — Wegen Beleidigung des Landgerichtspräsidenten Quaadt .zu Elberfeld wurde der Redakteur der„Bergischen Volks- stimme", Grunewald, zu zwei Monaten Gefängniß ver- urtheilt.— Parteigenosse Lange, gleichfalls Redakteur der „Bergischen Volkssttmme", wurde vor einiger Zeit verhaftet und gegen' ihn die Untersuchung wegen Majestätsbeleidigung einge- leitet. Derselbe ist nun wegen dieses„Vergehens" und wegen Schmähung von Staatseiurichtungen(Z 131 des Strafgesetzbuchs) u sieben Monaten Gefängniß verurihcilt worden. Man sieht, >aß die rheinischen Behörden, welche sich eine Zeitlang um poli- tische Angelegenheiten nicht zu bekümmern schienen, energisch gegen die Sozialdemokratte einschreiten— eiu Beweis, daß es auch dort, an der Wiege der deutschen sozialisttschen Bewegung mit unserer Sache rüstig vorwärts geht. i! — Genosse Siebert wurde am 26. September von dem Freiburger Schwurgericht wegen Beleidigung des deutschen Kai- �ers zu fünf Monaten Gefängniß verurtheilt unter Anrech- nung von 3 Wochen Untersuchungshaft; Siebert hatte sich aber 4 Wochen i» Untersuchungshaft befunden. Vor demjclben Schwur- gericht werden nicht weniger als drei Fälle wegen Beleidigung des Kaisers resp. Landesherrn und nur sechs Fälle wegen Vergehen gegen die Sittlichkeit zur Verhandlung kommen. — Wegen angeblicher Beleidigung der deutschen Annee ist der Redakteur der in Jnstcrburg erscheinenden„Friedens- und Freiheitspost", Herr Reitenbach, zu 300 Mark Geld- event. 6 Wochen Gefängnißstrafe verurtheilt worden. Die Urkraft des Weltalls. ii. Das All erkennen wollen heißt also die Entstehung oder Ent- Wicklung des All begreifen. Von einem Anfange des All kann natürlich nicht die Rede sein, da es ewig zu denken ist; man will aber unter den Kräften diejenige finden, welche allein genügt, um da« Vorhandensein aller übrigen'Kräfte und Bewegungen zu erklären. Unser Geist ruht nicht, bis er die Einheit in der Vielheit der Erscheinungen beweisen kann. Die Religionen, diese Irrwege des Ertlärens, wären nie entstanden, wenn unser Geist nicht dieses Bedürfniß hätte. Nun aber ist hier ein offenbarer Selbstwiderspruch vorhanden. Wir können nicht anders, wir müssen die Vielheit aus der Einheit entstanden denken; wir können aber andrerseits, weil unser Geist nicht selbstschöpferisch ist, nie erklären, wie aus dem Ur-Einen das vorhandene Viele hat ent- stehen können und muffen. Die Philosophen allerdings haben das oft versucht, aber sie haben dabei leere Worte gemacht, welche aar nichts erklären; es ist ihnen das Gegentheil von dem, was sie wollten, gelungen, nämlich zu beweisen, daß der größte mensch- liche Scharstinn das Eine, das Unendliche, zwar voraussetzen muß, aber nicht die Mannichfaltigkeit des vorhandenen Endlichen Saraus mit Denknothwendigkeit ableiten kann. Die Naturforschung aber hat bewiesen, daß es uns wohl ge- lingen kann, auf dem umgekehrten Wege das Welträthsel nach und nach immer bester aufzulösen, indem wir nämlich die vielerlei �Erscheinungen auf eine immer geringere Zahl zurückführen, bis wir zuletzt eine Urkraft erkennen. Gelingt ihr dieses, so bleibt zwar immer und ewig ein Räthsel, wie und warum diese Urkraft sich in das bunte All hat aufschließen können und müssen; allein unser forschender Geist hat wenigstens sein Bedürfniß befriedigt, die Einheit des Alls nachzuweisen. Er bleibt dann vor einer Menge Jrrthümern bewahrt, welche die Menschheit solange elend gemacht haben. Nun ist es in der That seit etwa vierzig Jahren gelungen, diesen Weg mit sichtbarem Erfolg zu betreten. Am frühesten hat ihn nachweislich Frdr. Mohr betreten, dessen großes Verdienst aber am längsten unbeachtet blieb: bald darauf, und unabhängig mon ihm machte der Arzt A. H. Mäher von Heilbronn dieselbe -Entdeckung, welche sich, wenn auch erst nach vielen Jahren. An- .erkennung errang. Ter dritte, welcher ebenfalls unabhängig denselben Weg verfolgte, war Phil. Spiller. Diese Männer erkannten— was heute unter alleu Naturforschern feststeht, daß jede Art Kraft oder Bewegung sich in jede andre ver- wandeln lasse, ohne daß dabei etwas von ihr verloren !geht, sei es auch nur auf Umwegen. Man nennt dies das Gesetz der Unzcrstörbarkeit der Kraft, der Verwandelbarkeit der .Kraft. Das Licht der Sonne ist eine Kraft, welche sich in ungeheuer schnellen Schwingungen eines höchst zarten Stoffes äußert>450 bis 750 Billionen Schwingungen in einer Sekunde.: Geht es durch einen Körper, in welchem die Schwingungen sich verlang- ■famen, so tritt es als fühl- und meßbare Wärme auf. Diese Wärme geht über in Massenbewegung, indem sie Wasser des Meeres in Dampf verwandelt und zum Steigen, Wolkcnbilden und Bewässern der Erde bringt. Sie wird chemische Bewe- gung, indem sie und der Regen und das Licht die Stoffe des Erdbodens der Luft und des Wassers zum Aufbau von Pflanzen verwendet und verwandelt die Pflanzen in Steinkohle, indem sie durch Veränderungen an der Erdoberfläche diese Pflanzen tief in Sand und Schlamm begräbt. Die Kodlc wird benutzt, um den hcrgiebt, als sie ehemals von der Sonne empfangen hatte. Ein � die Leiter, auf der mau emporgestiegen, werde zurückgestoßen. Und! Thcil der mit dem Dampf ausströmenden Wärme erzeugt am erst, wenn eine Neuwahl komme, erinnere man sich der Regel I Tampfrohre Elektrizität, welche man benutzen könute, um nach wieder an die Wähler. Redner sprach hierauf über seine sl Eisen magnetisch zu machen; ein andrer großer Theil entweicht Stellung zum Reiche und Reichstag, unterwarf das Budget des I nutzlos und führt Dampf mit sich in die Höhe; der Rest erzeugt Reichs einer scharfen, durchaus sachlichen Kritik, kennzeichnete den i Massenbewegung, indem er den Dampfzug zieht, und Mole- Militarismus und ging dann auf seine eigene Thätigkeit über..! kularbewegung, indem er das Eisen der Maschine uud Schienen � Dem herrschenden System sei er im Reichstag entgegengetreten,: I in seinem Gefüge allmählich verändert, bis es brüchig wird. So und hierin glaube er nicht blos im Interesse seiner Wähler,': können wir aus der einen Kraft des Lichtes alle andern hervor-! sondern sämmtlicher Wähler des 19. Wahlbezirks, wie überhaupt gehen sehen. der großen Majorität des deutschen SZolkes gehandelt zu haben. Jj Oder wir heben mit der Muskeltraft unsers Armes einen Er erinnerte an die erste Rede, die er im Wahlbezirk(zu Schnee- schweren Hammer, was wir eine Massenbewegung nennen, wobei wir Wärme unsers Körpers verbraucht haben; wir lassen den Hammer in passender Weise auf ein magnetisirtes weiches Stück Eisen fallen, wobei wir die Cohäsions-(Zusammenhangs-) Kraft des Eisens so verändern, daß es jetzt dauernd magnetisch bleidt. Den Magnet benutzen wir, um in einer magnet-elek- irischen Maschine Massenbewegung zu erzeugen, wder um Licht und Wärme und chemische Bewegung hervorzubringen, je nachdem wir verfahren. Und schließlich ist von unserer Armkrast nichts verloren gegangen, sie ist nur als Armkraft verschwunden und hat Arbeit geleistet, welche in irgend einer Form noch vor- Händen ist. Und solcher Beispiele können wir viele geben, um zu beweisen, daß jede Kraft geradenwegs oder auf Umwegen in jede andre ohne Verlust(für die Natur— denn wir verlieren viele Kraft unbenutzt) sich verwandeln läßt. Und dieses Gesetz ist durch vielfälttge Versuche des Engländers Joule und des Deutschen Helmholtz und Andrer und durch genaue Berechnungen völlig erwiesen, zwar nicht für jede einzelne der möglichen Ver- Wandlungen, sondern zunächst nur für die von Massenbewegung in Wärme und umgekehrt, und für die von Wärme in Licht und umgekehrt; aber das genügt, weil es im höchsten Grade vernünftig ist, und weil es gar keine gegentheiligen Beweisgründe giebt. Am schärfsten unter allen Forschern hat bis jetzt Mohr die Begriffe Kraft und Bewegung bestimmt und ihr wechselseitiges Verhältniß nachgewiesen, und sein Büchlein„Allgemeine Theorie der Bewegung und Kraft", worin dies geschieht, ist jedem tiefer denkenden Arbeiter dringend zu empfehlen und fast durchaus ge- mcinvcrständlich. Nach ihm sind Bewegungen und Kräfte wohl zu unterscheiden. Kraft ist, was eine Bewegung verursachen kann, Bewegung ist in Arbeit verwandelte Kraft. Das Gewicht, welches ich mit meinem Arme hebe, um es au einem Faden aufzuhängen, ist in Massenbewegung, die Ursache davon ist die Kraft meines Armes. Hängt es, so zicht es an dem Faden mit der Kraft der Schwere, mit derselben Kraft, welche meinem Arme durch die Arbeit verloren gegangen ist; es ist aber nicht in Bewegung— es ist Spannkraft geworden. So lange der Faden es hält, weil die Cohäsionskrast seiner Fasern größer ist, als die Spann- kraft des Gewichtes, hemmen sich die beiden einander entgegen- wirkenden Kräfte bis zur Unthättgkeit; sobald aber der ftadcn reißt, weil die Tohäsionskraft desselben der fortdauernden Spann- kraft des Gewichtes nicht mehr gleich ist, fällt das letztere— die Spannkraft geht in Massenbewegung über, und diese trifft den Boden mit genau derselben Kraft, welche zur vorherigen Hebung verbraucht worden war, und erzeugt beim Aufschlagen genau so viel Wärme, als meinem Arme verloren gegangen war. Jetzt ist die Bewegung des Gewichtes in Ruhe und Druck— eine neue Spannkraft— übergegangen. Der Faden aber hat an Spann- kraft verloren, weil er Arbeit verrichtet hat, die als Wärnie ent- wichen ist, als welche sie wieder Massenbewegung verrichtet. Mohr unterscheidet folgende Kräfte und folgende Bewe- i Spannkräfte. Bewegungen oder ausgelöste Kräfte. gungen: 1. Wärme und Licht, 2. Magnetismus, 3. Cohäsion, 4. Schwere, 1. Massenbewegung, 2. Molekularbewcgung, 3. Chemische Bewegung, 4. Elektrische Bewegung, Indem er nun die Verwandelbarkeit dieser Spannkräfte in Be- wegung irgend einer Art, und jeder dieser Bewegungen in irgend eine Spannkraft nachweist, hat er im Wesentlichen bereits die Einheit des Alls nachgewiesen, wenigstens was die Kräfte betrifft; und es ist in kurzem Räume ganz unsagbar, wie bedeutend durch diese Erkenntniß alle Natunvissenschasten gefördert worden sind. Spiller aber geht weiter, obwohl wir bei ihm hier und da die strenge begriffliche Schärfe vermissen. Er will eine Urkraft unter allen auff'uchcn, aus welcher alle ander» entstehen müssen und von Ewigkeit her immer wieder entstehen; und er will das Verhältniß der verschiedenen Urstoffe zu dieser Urkraft ergründen, um die Einheit des Alls noch weiter begreiflich zu machen. Er ist dazu gciiöthigt, weil eine der Kräfte, die Schwere oder Gravitation, ein großes Räthsel ist, an dessen Lösung schon die scharff'innigsten Köpfe sich vergebens abgemartert hatten. Die berg) nach seiner diesmaligen Erwählung gehalten und in der er erklärt:„Ich will in dem Reichstag und in dem Wahlbezirk so auftreten, daß die Mehrheit unserer Gegner im Wahlbezirk für uns gewonnen wird." Diesem Versprechen gemäß habe er ge- handelt; der erbittertste Gegner könne idm nicht nachsagen, daß er irgend etwas Unehrenhaftes oder Gemeinschädliches gethan; cl im Gegentheil, Jeder müsse ihm zugeben, daß er nach Kräften| für das Gemeinwohl gewirkt.— Als Redner, der, wie man aus-\ vorstehendem Abriß sieht, in der versöhnlichsten und ruhigsten> Weise geredet hatte, nun weiter in die Tagesordnung eintrat» � wurde in einer Ecke des Saales, wo die„Gebildeten" Posto ge- r faßt und gleich nach Beginn der Versammlung ihre Geschicklichkeit i im Husten, Nießen und Fußscharren bekundet hatten, der Lärm■ so groß, daß Redner zur Ruhe ermahnen mußte. Da dies nichts> fruchtete, setzte er das Pöbelhafte eines solchen Benehmens aus-| einander. Außer in Geyer, sei im ganzen Wahlbezirk noch nichts j Aehnliches vorgekommen: und sonderbarer Weise, es seien nicht- „ungebildete" Arbeiter, sondern sogenannte„Gebildete", die den 1 Skandal machten; es sei das jene Klasse von Menschen, die den.s Titel„gebildete Flegel" verdienten und von dem großen Schrift- steller und Naturforscher Alexander v. Humboldt als„ge* � bildeter Pöbel" bezeichnet worden seien. Die betreffenden „Herren" schändeten Geyer durch ihr pöbelhaftes Treiben, sie,| sollten sich an den„ungebildeten" Arbeitern und an den ge- schmähten Sozialdemokraten ein Muster nehmen, die sich bei jeder Gelegenheit anständig aufführten, das Recht des Gegners aner- kennten und sich nie zu Rohheiten und Exzessen hinreißen ließen. Inzwischen war der Tumult immer stärker geworden; der Vorsitzende vertagte auf zehn Ministen die Versammlung, es war' aber unmöglich, die Ruhe wieder herzustellen und der Referent mußte nach einem vergeblichen Versuch, sich Gehör zu verschaffen, auf die Fortsetzung seines Referats verzichten. Er forderte dann aus, die Namen der Haupttuhestörer zu nennen, man habe ihm gesagt, es seien Fabrikanten und Stadträthe bei dem Skandal betheiligt. Es wurde nun unter donnerndem, hundertstimmigem Pfui! der Name des Fabrikanten und Stadtverordneten(nicht Stadttath) Grunert und der eines anderen Herren genannt, welch letzteren wir aber, weil er sich hernach rclattv ruhig ver- hielt, vorläufig verschweigen wollen. Die Versammlung war mittlerweile geschlossen worden und der Tumult hatte etwas nach- gelassen. Da stürzte plötzlich der obengenannte Fabrikant Gru- nert mit geballten Fäusten nach der Rednertribüne, und führte sich dort, unterstützt von einigen seiner„gebildeten" Collegen, derart auf, daß es unzweifelhaft zu Handgreiflichkeiten gekommen wäre, wenn die Sozialdemokraten, welche die ungeheure Mehrzahl der Versammlung bildeten, nicht eine an Langmuth grenzende Großmuth und Anständigkeit beobachtet hätten. Tie Polizei ver hielt sich während des ganzen Tumultes neutral. Lange noch, nachdem die Menge sich aus dem Schießhaus verzogen hatte, skandalirten die„gebildeten" Tumultuanten in verschiedenen Wirth schaften umher.— So viel steht fest: zehn der besuchtesten Va'- sammlungcn, in denen unsere besten Redner sich hätten aussprechen können, wären uns nicht so nützlich gewesen, wie die gestrige ge- störte Versammlung. Das wahrhaft gebildete Benehmen der „rohen" Arbeiter, die in einer Majorität von mindestens zwanzig zu eins waren, auf der einen, und die Pöbelhaftiakeit der„ge- bildeten" Ruhestörer— die nur der fast übermenschlichen Lang- muth der Arbeiter verdankten, daß sie ohne fühlbare Lektion da- von kamen— andererseits, das war ein gar lehrreicher llontrast; von dieser moralischen Niederlage werden die Gegner sich nicht erholen. Nachschrift. Es ist festgestellt, daß der Skandal ein von ver- schiedenen Seiten verabredeter war, und haben sogar ein gewisser Haferland und der Bleicher Sacher(Sacher ist ebenfalls auch Stadtverordneter und hat man in öffentlichen Sitzungen Gelegenheit, die ungeheure Ignoranz an ihm zu bewundern) im Voraus gesagt:„Heute müsse gestört werden!" Der Letztere hatte zu diesem Zwecke seine beiden Söhne mitgebracht, während von Seiten Grunert's einige fchnapsverttlgendc Individuen mit Bier und dergleichen gewonnen wurden. Daß diese Leute Reichs- freunde waren, brauchen wir nicht besonders zu betonen, wollen aber bemerken, daß es die Parteigenossen des Herrn vr. Mink witz find, welche wir ihm von Herzen gönnen. Die Bewohner von Geyer rühmen sich inimer ihrer Gcmüthlichkeit, und ist diese Correjpoudenzen. Schwere nämlich ist— wenn wir den Magnetismus ausnehmen allerdings auch beim größten Theil zu finden, bei jenen aber — die einzige Kraft, welche in die Ferne wirkt, ohne daß ein hört die Gemüthlichkeit freilich auf, und arbeiten dieselben mit � verbindendes stoffliches Mittelglied vorhanden wäre. Solche Wir- Riesenkraft, Geyer in Verruf zu bringen.„ kung in die Ferne widerspricht so ganz und gar allem gesunden(Anstatt den Mantel der Vergessenheit über das schmachvolle 1 Denken, daß wir ein Bedürfniß haben, ne hinwcgzuerklärcn. Daß Benehmen der Gcyer'schen„Liberalen" zu breiten, nunint die z. B. die Sonne die Erde, und diese den Mond durch ihre liberale Presse, wie ihr das freilich von vornherein zuzutrauen Schwere anzieht und um sich zu rollen zwingt, ohne daß etwas war, wenigstens indirekt Partei für den„gebildeten Pöbel" und Ziehendes vorhanden wäre, dieser Gedanke schließt einen Unsinn lügt über die skandalösen Vorgänge in unvertchämter Weise,«o, ein. Die Thaffache zwar steht durchaus fest, daß diese Körper lesen wir im„Leipziger Tageblatt" vom 29. d.: in streng berechenbarer Art von einander abhängen: aber es muß«Leipzig, 28. September. Wir haben in neuerer Zeit mehrfach) ein Jrrthum in unserm Begriffe des Anziehens liegen. Tiefer Mittheilungen veröffentliche» können, aus denen hervorging, dah die � inuß durch einen sachgemäßeren ersetzt werden. sozialdemokratischen Agitatoren i» �'" �"� �rzgebirge,> 1 0 3 P v I namentlich aber im Annabcrger Bezirk, auf bedeutende Schwierigkeiten ,j bei ihren Wühlereien stieben. Die dortige Arbeiterbevölkerung scheint nach Allem, was sie bisher gethan, über den wirklichen Werth der sozialistischen Lehren sich im Klaren zu befinden und hat nicht geduldet, � � � r,,,-v mxt.<\ ai• wenn von den Agitatoren in den von ihnen berufenen Versammlungen cheyer, 26. September.(Gebildeter Pöbel.) Aus gesteril �rde. in der bekannten Weise über die Arbeitgeber und Prin- Abend war in dem hiesige» Schießhaus eine Volksversamm- mit Schimpfworten und Verleumdungen herzufallen. Aus diesem lung anberaumt, in welcher der Abgeordnete des 19. Wahlkreises, Grunde ist es gekommen, daß in den letzten Wochen häufig Volksorr. W. Liebknecht(der seit 8 Tagen den hiesigen Wahlbezirk bereist sammlungen in der gedachten Gegend wegen unruhiger Unterbrechungen und in dieser Zeit schon sechs vortrefflich verlaufene Vcrsamm- polizeilich aufgelöst werden mubten. Gegenwärtig hat nun Herr lungen abgehalten hatte), über seine Thätigkeit im Reichstag Be Liebknecht in s-incm eigenen Wahlkreis eine gleiche unan�nehme erschienen.— Nachdem C. Temmler zum Vorsitzenden ernannt �'"" Annaberg. 26. Sepiember. Gestern Abend 8 Uhr fand n morden, begann der Referent seinen Vortrag mit dem Bemerken,-- � r~—----*.— daß er gern früher seinen Rechenschaftsbericht erstattet hätte, daß ihm dies aber bei der Ausdehnung des Wahlbezirkes nicht möglich gewesen sei. Seit er aus Hubertusburg entlassen worden, also binnen 2 Jahren, habe er im 19. Bezirk zweiuudzwanzig Versammlungen abgehalten, was gewiß beweise, daß-er bemüht, sei, mit seinen Wählern Fühlung zu halten und die Stimmung' und Wünsche derselben zu befragen. Ein Abgeordneter sei dazu„»rde»"'ahm V�sammlung' abe�mAs ein schmähliches Ende verpflichtet— diese Pflicht werde setzt aber fast nur von den �ne uns über die Versammlung direkt zugehende Mittheilung besagt, sozialdemokratischen Abgeordneten begriffen und erfüllt. Bei den. daß der Skandal furchtbar gewesen sei. Das Publikum ist um Stuhl- ; anderen Parteien sei es Regel, daß der Abgeordnete, sobald er deinen auf Liebknecht und Temmler �losgestürmt, ft/ab derG.en»o »l Ii zi u v& t y kv«»» vv». �| � r.' SchießhauSsaale zu Geyer eine stark besuchte Volksversammlung sta r Als Referent fungirte der Sozialdemokrat Liebknecht, als Vorsitzen der bekannte Temmler. Nach kurzem Vortrage entstand ein größ� Skandal, da der Herr Referent die Anwesenden m» dem e, werthen Titel„Flegel- bezeichnet hatte. AlSbald erhoben sicy: J pauste gegen das Bureau, daS Podium wurde umgeworfen und Referent und Vorsitzender verschwanden. Da bereits Sterne durch's Fenster geworfen und mit Stuhlbeinen Versuche angestellt zialisten retirirten, hat die Menge auch dort eindringen wollen, doch wurde dies durch die Polizeiorgane verhindert." Mit diesem Gemengscl von Lügen und Albernheiten vergleiche mau obigen, durchaus auf Wahrheit beruhenden, höchstens gegen die„liberalen" Tumulwanten etwas zu schonenden Bericht. Ob die Herren„Liberalen" mit Steinen geworfen und„mit Stuhl- deinen(kulturkämpferische) Versuche gemacht", wissen wir nicht, es klingt aber bei dem Bildungsgrade der Betreffeichen nicht unwahrscheinlich. Falsch ist, daß das Podium umgeworfen wor- den sei; und weder Temmler noch Liebknecht hatten Ursache zu „verschwinden". Falsch ist natürlich auch, daß sie des Schutzes an Polizei bedürft hätten.„Eher umgekehrt. Drei- bis vierhundert So- zialdcmokraten find doch wohl Manns genug, zehn bis fünfzehn liberale Krakehler" zur Raison zu bringen. Ein Glück vielleicht für Letztere, daß sie so schwach waren. Sonst hätten sie doch vielleicht, trotz der Humanität der Arbeiter, zur Schande auch noch den Schaden haben können. Jndeß so ist's besser.„An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen." R. d. B.) 8s. Zvie», 21. Scvtbr. Es ist wohl nichts undankbarer, als Corrcspondent aus Oesterreich für ein sozialdemotrattsches Blatt zu sein. Ein politisches Leben giebt es hier für die Arbeiter Lasse nicht, selbst das spärliche, was die Gesetze g währen, wird durch die unerhörte Auslegung zu nichtc gemacht. Der österreichische sozialistische Arbeiter verbringt sein Leben im Kampfe mit der Polizei, der Staatsanwaltschaft und dem Hunger, und wahrlich, mit allen Kräften arbeitet dieses herrliche Trifolium, das die Sonne der „Freiheit wie in Oesterreich" schnell aufschießen ließ, daran, die Arbeiterpartei zu vernichten. Die Nothlage ist am wirksamsten unter den Dreien, und dieselbe hat klaffende Lücken in unsere Reihen gerissen. Die Zahl der Gesinnungsgenossen(die zwar für uns sind, aber es nicht bekennen) ist eher gestiegen als gc- funken, aber gar mancher, der früher auch aktiv sich betheiligte ist jetzt in den Reihen der Zusehenden zu finden, aus Furcht, gemaßregclt zu werden oder durch bereits erfolgte Maßrege- lungen dazu gezwungen. Und keine Aussicht, daß die Krise bald endet. Bei dem elenden Stande der Statistik in Oesterreich, die sich fast nur mit Ein- und Ausfuhr und ähnlichen kapitalisttschen Dingen beschäftigt, zu einer Lohnstattstik aber wohl zu wenig Zeit und vielleicht auch zu viel Vorsicht besitzt, kann man frei- lich nur aus allgemeinen Anzeichen schließen, aber deren giebt es genug. Eines der charakteristischesten kommt aus dem Lager des Gegners. Das„Neue Wiener Tagblatt" schreibt in seiner Unschuld bei Besprechung der Höhe der Pctrolcumpreise arglos folgenden Passus nieder:„Dieser Umstand(die Erhöhung der Preise) muß tief beklagt werden, da es sich bei einer Erhöhung der Lichtpreise gleichzeitig um eine Verringerung der Arbeits- zeit handelt(welch' beklagenswertheS Ereigniß!). Der arme Mann, welcher oft nur bei fortgesetzter Arbeitsdauer bis in die späte Nacht sich seinen Lebensunterhalt erringen kann, wird bei hohen Lichtpreisen in seinem Erwerbe empfindlich geschädigt." Wenn nur das Pettoleum recht in die Höhe ginge. Wie lange muß die nächtliche Arbeitszeit dauern und wie gering der Verdienst fein, wenn hohe Lichtpreise ihn empfindlich schädigen können Daß es aber nicht die Arbeiter, sondern die„Arbeitgeber" sind, welche unter hohen Lichtprcisen leiden, ist klar, um;o mehr, da unter den bis tief in die Nacht Arbeitenden weniger Gehilfen überwiegend aber Lehrjungcn find. Bei manchem Möbelbild- Hauer kommen 13—14 Lchrjungen auf einen Gehilfen, und diese müssen bis 10 Uhr, zweimal in der Woche sogar bis 12 Uhr Nachts arbeiten, was unsere Behörden natürlich ruhig geschehen lassen. Sie haben Wichttgeres zu thun, als sich an Denen zu Ergreifen, von denen sie bezahlt werden; sie müssen Ruhe ver- schaffen— den Besitzenden und die lästigen Sozialdemokraten vernichten. Wenn es nicht gelungen ist unv nicht gelingen wird, die Behörden sind nicht daran Schuld. Daß das Detektiv- Unwesen immer mehr überhand nimmt, daß z. B., wenn ein Arbeiterverein einen Ausflug unternimmt, in den Wirthshäusern, in denen er einkehrt, Detektives als Kellner schon die Gäste er- warten, gehört zu den unschuldigen Neckereien. Was sich liebt, das neckt sich. Dagegen gehörte ichon sehr viel— Unverfrorenheit dazu, den Genossen Werner auszuweisen, wenn man keine anderen als lächerliche Motive beibringen kann. Er war schon im Januar ausgewiesen worden wegen Theilnahme an einer „geheimen" Versammlung, welche so geheim war, daß man aus Furcht, sich zu blamiren, es nicht einmal wagte, die Untersuchung gegen die betreffenden Theilnehmer einzuleiten, obgleich Herr Polizeikommissär Frankel sie alle notirt hatte. Damals hatte man ihm das Ausweisungsdekret nicht zustellen können, weil ' Werner sich nach Neustadt begeben hatte, wo die Wiener Polizei nichts zu sagen hat. Das Ansuchen an die W.- Neustädter Be- � Hörden um Ausweisung Werner's wurde als grundlos abgelehnt! Nach dieser Blamage blieb der löblichen K.«. nichts übrig, als .. Werner abzufangen, sobald er wieder in ihren Bereich käme, da � die Wiener Polizei um Gründe nicht verlegen ist. Als man ihn • hatte, war man denn auch mit neuen Mottven der Ausweisung ' schnell bei der Hand: er wurde ausgewiesen wegen Theilnahme am österreichischen Arbeitertage, der behördlich gestattet war und dem ein Polizeicommissar beiwohnte, und weil er der Absicht(!) t* verdächtig war, eine geheime(?) Versammlung zu besuchen. V Die Partei trifft lein Verlust sehr empfindlich, derselbe ist � aber natürlich nur ein Sporn, die Lücke wieder doppelt und dreifach zu ersetzen. Es ist nicht nöthig, dem scheidenden Ge- i noffen eine Apologie nachzusenden, das Ausweisungsdekret der j Wiener Polizei ist ein Ehrendiplom, das genugsam spricht. Was V er uns gewesen, bewies der massenhafte Besuch des solennen Ab- * schiedsfestes, welches die Polizei umsonst zu stören trachtete. Zum Unglück für die Polizei giebt es noch Sozialdemo s w ( , kraten, die man nicht ausweisen kann, weil sie Oesterreicher sind. i Die treibt man mit moralischem Zwang in's Ausland, wie Andreas Scheu, manchmal aber bietet ein gütiges Geschick Ge- .jJegemhcit, noch anders zu verfahren, wie gegenüber Reinthal, der �für heimathslos erklärt wurde; d. h. aus Oesterreich darf er flucht ausgewiesen werden, wohl aber aus jeder österreichischen �'"Gemeinde, da er in keiner zuständig ist. Nur die Vcrfolgungs- V manie der Behörden erklärt derlei und ähnliche Entscheidungen, .\k>ie man bei einem normal denkenden Menschen für unmöglich a halten würde. Ist es nicht Wahnsinn, einen Arttkel für staats- �gefährlich zu erklären, weil in demselben erklärt wird, die Ar- V• terpartei wolle sich nur gesetzlicher Mittel bedienen, Wahnsinn, ine Volksversammlung als staatsgefährlich zu verbieten, deren 'V.agesordnung ist:„Die Poliklinik und der Wiener Gemeinde- stg h?"*) Daß die Verfolgungswuth der österreichischen Be- -ptanvN noch die der Bersailler Ordnungsbanditen überschreitet, füt: d'» �er®erac'®' daß man die Untersuchung gegen Leo Frankel, �*) Die Poliklinik ist ein Berein Wiener Aerzte, die in ihrer Anstalt umsonst ordiniren. Dagegen haben die Herren Kollegen Protest er- hoben, weil daS Institut ihren„Erwerb" beeinträchtige, und im Ge- meinderathe, der Vertretung der Besitzenden, wurde der Antrag einge- bracht, der Poliklinik die bisher bewilligte Subvention von 500 Gulden, Me kaum den Miethzins deckte, zu entziehen. Und ein Protest dagegen �sg-fästtlich! die man ohne Ansuchen der französischen Regierung angestrengt hatte, fallen lassen mußte, weil letztere nicht die nöthigcn Akten einsendete. Also Blamage über Blamage! Der Anblick der rothen Farbe macht nicht nur den Stier in der Arena, sondern auöy unsere Behörden toll und blind. ßhicag».(Todesfeier Ferdinand Lassalle's.) Die lange und nmfichtig vorbereitete Lassalle-Feier in der Turnhalle „Vorwärts" am Sonnabend Abend, den 2. September, war ein großer, glänzender Erfolg. Die schöne, mit rothseidenen Fahnen zc. eschmückte Halle war gedrängt voll, und es war ein erfreulicher "nblick, zu sehen, wie zahlreich sich die Frauenwelt eingefunden hatte. Das Publikum saß gcmüthlich an Tischen und konnte während des mehrere Stunden in Anspruch nehmenden Pro grammes auch Gaumen und Magen befriedigen. Dennoch herrschte während der Reden, der Dcclamationen und der Tablcaux voll- komme« Ruhe, was um so mehr zu bewundern war, als sich gewiß ein halbes Hundert, wenn nicht mehr, kleine Kinder in der Menge befand. Der musikalische Theil des Programmes wurde recht brav durch die„Great Expofitton Band" ausgeführt und zeichnete sich dadurch aus, daß ein, extra für die Gelegenheit componirter, sehr gut geschriebener Trauermarsch zum Andenken Lassalle'» von einem Chicagoer Musiker, Namens Hoffmann, zur Aufführung gebracht wurde Herrn Ende's ungefähr*1* Stunden dauernde Festrede wurde vielfach durch Beifall unterbrochen und zum Schluß mit lange anhaltendem Applaus belohnt. Der Redner charakterisirte die Bedeutsamkeit von Lassalle's Wirken, doch sprach er energisch gegen den, auch mit solchen Männern getriebenen, Personcnmltus und den Autoritätsglauben überhaupt. Er wies darauf hin, daß die sozialisttsche Bewegung heute nicht mehr von der Bedeutsamkeit einzelner Personen abhänge, und daß oeren zu gehe er von lebenden oder tobten aus, nur zu großer Einfluß, Zersplitterungen und Parteispaltungen führen müsse. Der langjährige Streit der Lassalleaner und Marxianer in Deutschland habe dies zu der guten Sache selber bewiesen. zum Schaden Äehnlich sei es bier, wo sich die Bestrebungen der Arbeiter und wahren Fortschrittsfreunde durch die zu einflußreiche Stellung einzelner Parteiführer gegen seitig abschwächten. Wenn solches überwunden würde und die Arbeiter und alle ihre Strebensgcnossen sich vereinigten, so wäre kaum daran zu zweifeln, daß binnen 10 Jahren die Herrschaft der corrupten polittschen Parteien durch eine neue sozialisttsch- politische Partei siegreich bekämpft würde. Redner krittfirte speziell den einseittg Marx'schcn Standpunkt, welcher annimmt, daß die politische Frage durch die ökonomische geleitet würde, während zum mindesten beide Fragen gleichbedeutend auf ein- ander wirken, besonders in einem Lande, wo wie hier das poli- ttsche Bewußtsein schon zu großer Reife gediehen. Scharfe Streif- lichter auf die gegenwärtigen politischen und sozialen Verhältnisse werfend und die Bedeutung der historischen Entwicklung der Republik kurz behandelnd, gipfelte Redner seine Darlegungen in einer Antwort auf das Hasselmann'sche Wort: Jesus Christus ist todt, es lebe Lassalle! welche lautete: Lassalle ist todt, es lebe die Sozialdemokratte! Den Schluß des ersten Theilcs bildete ein herrlich arrangirtes und ausgeführtes lebendes Bild, darstellend: Die trauernden Ar bester am Grabe Lassalle's. Die scenischc Decoratton war eine getreue Copie des im illustrirten Blatt„Neuen Welt" befind lichcn Bildes der Lassalle'schen Ruhestätte. Der Hersteller der- selben war der vortreffliche Chicagocr Künstler, Herr Kindt, welcher auch in Milwaukce in gutem Andenken steht. Im zweiten Theil thaten sich besonders hervor die Herren Gloy und L. Thorsmark. Der erstere, der bekannte vorzügliche Turnlehrer des Turnvereins„Vorwärts" deklamirte sehr schön das Gedicht„Vision", welches auch im„Socialist" abgedruckt war, und Herr Thorsmark sprach mit großem Beifall über das Elend der Arbeiter und die Bedeutung des Pbiladelphiaer Ar- beitercongresses. Zum Schluß wurde als„ultima ratio" der Arbeiter ein prachtvolles lebendes Bild, Arbeiter auf einer Bar- rikade, dargestellt, das mit der zugleich gesungenen Marseillaise und mit brillanter bengalischer Beleuchtung großen Effekt machte. Die künstlerisch schöne Gruppirung dieses Bildes wie auch des erstgenannten war das Werk von Herrn Gloy, der ein vielseitig gebildeter Repräsentant der frischen und frohen Turnerei, und zugleich auch ein energischer, radikaler Vertreter der geisttgen Turnerei ist. Den Schluß des Festes bildete ein sich spät in die Nacht er- 'treckendes Tanzkränzchen. (Nach dem in Milwaukec erscheinenden„Sozialist".) 'Rottsdorf, 27. September. Das Central-Wahlcomitö für Lennep-Mettmann hat sich constituirt und besteht aus folgenden Personen: Ernst Wilke, 1. Borsitzender, C Hurfürstenstraße, Gustav Grün rock, Schriftführer, Churfürstenstraße; Carl Mäh- lcr, Kassirer, Ziegclofcn; Jakob Gutekunst, 2. Vorsitzender; Peter R au camp, Beisitzcndcr. Sonntag, den 8. Oktober, Nachmittags 3 Uhr, im Lokal des Herrn Friedrich Harm, Bachstraße KS, Elberfeld, ßentrat-ZSahtcomit�- Sitzung, wozu sämmtliche Lokal-Wahlcomitös obigen Kreises hierdurch ein- geladen werden. Das sozialdemokratische Arbeiter-Wahlcomitö. sind!jcdoch noch Betten zu 50 und 75 Pfg., sowie zu 1 Mark vorhanden.) Sämmtliche Gewerkschaftsorgane liegen aus, ebenso die Adressen der Gewerkschaftsvorstände. Anständiges Betragen wird von uns als selbstverständlich erwartet. Schließlich richten wir nun noch au die Mitglieder sämmt- licher Gewerkschaften u. s. w. die Aufforderung, allenthalben sich zusammen zu thun und mit der Errichtung ähnlicher Lokale vor- zugehen, weil dadurch wesentlich zur Stärkung der gewerkschaft- lichen Bewegung beigetragen wird. Berlin, den 25. September 1876. Die Commission für Errichtung eines allgemeinen Berkehrslokal». Bong. Düring. Heiland. Könen. Lemke. Pfeiffer. Sommer. crffch Alle Gewerffchafts- uud Arbesterorgaue werden um schleunigen Abdruck gebeten. Die Parteigenossen des 10., 11., 12., 13. und 14. sächsischen Wahlkreises werden hierdurch ersucht, zu der am 15. Oktober in Leisuig stattfindenden Conferenz mit der Tagesordnung: 1) die Organi» sation der Agitation; 2) die Lokal-Wahlagitations-ComitsS, zahl- reich zu erscheinen. Je besser organisirt, desto leichter der Kampf: deshalb sorge man durch zahlreiches Erscheinen, daß diese Conferenz ihre hohe organisatorische Aufgabe zu erfüllen vermag. DaS Agitattons-Eomitä: Petzold. Das Lokal der Conferenz wird später bekannt gegeben. berRedaktion: F. Gl. Breslau: Den„Beehive" brauchen Sie nur auf der Post zu bestellen. Freundl. Gruß. der Expedition: F. Glß. Treuen: Für Oktober müssen bei den sächsischen Postämtern MonalsabonnementS angenommen werden. Wir haben Ihre Reklamation dem hiesigen Postamte übermsttelt. Den Mitgliedern des Verbandes der Tapezierer und Fachgenossen, sowie allen College» zur Nachricht, daß das Arbeits-Nachweis-Bureau für Tapezierer-Gehilfen sich Große Rofcnstr. 37, bei Herrn Hübner be- findet. Hamburg, den 26. Septbr. Der Borstand des hiesigen OrlSvereinS. Quittung. B. K. Nnnoc Smedercwv Ab. 3,30. Hckr hier 0,80. Wlf hier Ab. 1,60. Th. Stlzl Teplitz Ab. 1,65 Red..Vorwärts" London Ab. 16,50. Arbeiterverein BolkmarSd. Ann. 0,50. F. Wi Christophsgrund Ab. ö.üü. Arbeiterverein Dornbirn Ab. 10,00. St. Plck Weißkirchen Ab. 5,99. Arbeiterverein Hültenberg Ab. 5,06. I. Mrf London Ab. 40,30. Hllbrnd Orawitz««b. 4,22. Tischlersortbild.- Bercin Wien Ab. 6,75. L. Srmr Halle Ab. 50,0«. I. Sctjn Wien. Ab. 13,48. Wßmr«nina Ab. 11,12. F. Entz San Francisco Ab- 76,82. Grnzg Gr.-Blogau Schr. 2,2V. Exped. d.„Wahrheit" Breslau. Schr. 9,6V. Sltsm Forchheim Schr. 10,00. Deutscher Verein Dverdow Ab 4,03. C. Mr. Bern Ab. 4 03. G. Brnnmr Göppingen Ab. u. Schr. 11,34. Rnfl Schw.- Hall S.Pr. 3,30. Kfmnn Söhne Bludenz Ab. 10,00. kbtzsch Dresden Ab. 31,50. Hrlng hier Ab. 1,80. Mllr hier Ab. 1,50. Zchrt Pasewalk Ab. 1,50. Bmnn Schneeberg Schr. 1,60. Clbrl Mendorf Schr. 12,65. SklwSk GörberSdorf Schr. 2,25. Zhl Chaux de Fond Ab. 3,00. Lhmnn Pforzheim Schr. 12,50. Hlv Leihgestern Schr. 3,75. Ebhrdt Komorowo Schr. 0,90. Hrm Elber- feld Ab. 6,40. Hrbg Würzburg Ab. 29,40. Brbm Gotha Ab. 10,00. Schmdt hier Ab. 1,60. Wllck hier Ab. 4,80. Ztfchlr hier Ab. 1,80. E. Grd Stötteritz Schr. 3,80. Ptzl hier Ab. 3,60. Mtzld hier Ad. 1,80. Mtllarbeitergew. hier Ann. 3,00. Schr. Rumburg Ab. 3,20. Jf. Bba Wien Ab. 3,37. W. KlS Magdeburg Ab. 38.90. itstr« Baden- Baden Schr. 3,80. S. Brth Mainz Ab. 14,00 u. 47,85. ArnS Wies- baden Schr. 4,60. I. Hpt Wien Ab. 4,95. Jnglng hier Ab. 3,60. . Krn hier Ab. 1,80. Gewerksch. d. Holzarbeiter hier Ann. 1,70. chwrtzbck hier Ab. 4,80. F. Nmz Wien Ab. 10,00. A. Dtlr Jaffy. Ab. 4M__ Wahlfouhs. Cöln. Schnurgasse: (560) der Starkc'schen Schneiderwerkstatt hier 10,00. Arbeiter- Liedertafel. bestehe! Fcstbli Sonntag, den 8. Oktober, im„Alten Kuhberg" an der Erstes Ztiftmigsfest, (300 end in Coucert, theatralifthru Aufführnugeu und großen cstball, wozu wir alle Besinnungsgenossen und Freunde unseres ereins hiermit ergebcnst einladen. Karien ä 75 Pf.— Damen ftei— sind bei den Mitgliedern, sowie beim VereinSwirth, Herrn Basten Buttermarkt 32, zu haben.— Anfang Abendt l/»8 Uhr. Der Borstand. Öotlrit/t Donnerstag, den 5. Oktober, Abends'/,9 Uhr, bei Pfeifer, Windmühlenstr. 7: Oeffentliche Sozialiftenversammlung. Tagesordnung: Forlsetzung der Debatte über die Gewerkschaften. Fragekastendebatte._____ Der Agent.(60 Arbciterbilduu-Svereiu. ■vt-l-jjgly- Mittwoch, d. 4. Oktober: DtSkussio«.— Sonnabend: Vortrag von C.__[30 Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sonnabend, d. 7. Okt., Abends ViO Uhr, bei Pfeiffer: Mitgliederversammlung. T.-O.: 1) Vorttag von Taute. 2) Aufnahme von Mitgliedern. Der Borsitzende.[50 Zur Beachtung für'rmmtliche Gewerkschaften und ähnliche Arbeiter- Genossenschaften Deutschlands. Genossen allerorts! Es ist unbestreitbar, daß bis jetzt die Errichtung von allgemeinen Verkehrslokalen(verbunden mit Her- berge und Arbeitsnachweisebüreau) innerhalb unserer Corpora- tionen zu wenig in Betracht gezogen worden ist, oder wenigstens, wenn dieses genügend geschehen, man doch im allgemeinen zu � wenig von der Theorie in die Praxis übergegangen ist. An dieser Stelle von der Nothwendigkcit und Nützlichkeit der Er- richtuna solcher Lokalitäten zu sprechen, dürfte Wohl ziemlich überflüssig sein; wir verweisen z. B. nur auf das feste Band, welches sich die katholischen Gesellen- Vereine durch die Errich- tung derartiger Herbergen geschaffen haben(z. B. im Rheinland n. s. w.). In Erkenntniß dieser Dinge sind nun auch die hiesigen Ge- werkschaftsvorstände in zwei Versammlungen(am 30. August und 20. September) zusammengetreten und haben die Errichtung eines allgemeinen Vcrkehrslokales beschlossen. Da von ?er Gründung auf genossenschaftlichem Wege unter den heutigen Verbältnissen abgesehen werden mußte, so wurde beschlossen, das Berkehrslokal in dem uns von dem Restaurateur Herrn Zippel zu diesem Zwecke angebotenen Gasthof„Zur Stadt Görlitz" ein- Zurichten. Die Eröffnung wird am 10. Oktober stattfinden. Wir fordern nun sämmtliche nach Berlin reisende Genossen auf, von diesem Tage an in unserem Verkehrslokal„Zur Stadt Görlitz", Waldemar-Straße 20, Logis zu nehmen. Die Speisen und Getränke werden zu einem von den Gewerkschafts- vorständen für angemessen befundenen Tarife verabreicht. Der fnr h/id ff}/* sfiif*/>**•«f» �,»5 on■ fre* Leill�ia All unsere geehrte» Abonncuten. r0» Um die prompte Zustellung des Blattes möglich zu machen, ersuchen wir zur Ergänzung und Richtigstellung des Abon- nentenverzeichnisseS unsere Leser unS— soweit dies nicht schon geschehen— ihre Adressen freundlichst zukommen zu lassen. Dieselbe Bitte richten wir auch an die Abonnenten der „Reuen Welt". ___ Pie Krpediti«» Ui„R-rwarts". Das Couttreß-Protokoll wird stärker, wie zuerst berechnet war, und muß daher der Preis etwa» geändert werden. Dasselbe kommt also im Einzelpreise 30 Pf., bei Be- zug von 10 Exempl. und mehr 5 25 Pf.— DaS Kreuzbandporto, welches mit eingesandt werden muß, macht aus 1— 4 Expl. 10 Pf., auf 5—8 Exempl. 20 Pf., auf 9— 16 Exempl. 30 Pf. Bezug nur gegen baar oder Nachnahme. Bestellungen sind zu machen beim Sekretariat der Partei in Hamburg, Pferdemarkt 37 III.___(4b)_ Soeben ist erschienen und durch unS zu beziehen: Zur Grund- und Bodensrage von Wilhelm Liebknecht. 2. vervollständigte Auflage. Preis per Exemplar 0,75 Mark. Die Expedition des„Vorwärts". Verantwortlicher Redakteur Redaktton und Expedition W. Hafenclever in Leipzig. Zärberstraße 12/Il. in Leipzig. \