errdjcint in Leipzig Süi;tn3oif), grtitoo, Sonntag. Aboniicnlcntsprcis (är ganz SentiAlanii i SH. CO Pf. pro Quartal. MonatZ» tltioüHOUicnts «erden bei aUc.i dcntfchm PoftanRaltn auf den 2. und a.«'ionat, und auf den A.Monat brfandcrs angenommen: im könizr. Sachjcu und Herzogth. Sachsen- Altcnburg auch aus den licn Monat des Quartals li 54 Pfg. Inserate betr. Bersammlunge» pr. Petitzeile lv Pf., beir. Prioatangelegcnheitc» und Feste pro Petitzeile ZV Pf. ormärts Gestellungen nehmen an alle Postanstalten und Vnch-- handlungeil de«L In- u. Auslandes. Filial- Expeditionen. New-Nork: Soz.-demokr. ßienosten-- schafts buchdruckerei, 154 Llckrick�e �rr. Philadelphia: P. Haß, 630 Ziorü» 3r6 Street. I. Voll, 1129 Charlotte Str. Chicago: A. Lanfermann, 2SL Dm- sion Street. San FranziSco: F. Entz, 418 O'I'ar- rell Street. London: Bauditz, 5 Nassan Street,. Middlescx Hospital. Gentrat Grgan der SoziatdemoKratie Deutschlands. Nr. 15. Freitag, 3. November. 1876. Abonnements aus den„Vorwärts" Zusammenleben von Mann und Frau ohne Eingehung einer Ehe) aufhören würde, wie Bracke versichert, ist insofern richtig, für den Monat November zu 55 Pfennig werden bei allen als der Mann und das Mädchen, ehe sie in näheren Umgang deutschen Postanstalten, für Leipzig pro Monat zu 60 Pf. m» einander treten, nur zu erklären haben: nur lieben uns. bei der Expedition, Färberstr. 12 11. und den Colportcurcn, Damit wird die Ehe geschlossen und der eheliche Umgang ge- für die Umgegend von Leipzig bei den Filialcxpeditionen: für: stattet, ohne daß solche Eheleute sich in Betreff der Dauer ihrer �stkmarsdorf. Reudnitz. Neuschönefcld-c. bei Frau Engel, Ehe irgend welchem Zwang zu unterwerfen, irgend welche Ver- Reudnitz. Täubchenweg 29, 2 Tr., für Esunewitz'.c. bei Teubert, pflichtungen für die Zukunft cinzugehen nöthig haben. Denn Bornaisch- Str. 19, für Kkeinzschocheru. Umgegend bei Fleischer, cbenso leicht, wie diese Art von Ehe heute geschlossen wird, kann Schloßg. 13 das., für FhonKerg bei Zeitungsspediteur Zschau, ße morgen durch die Erklärung, die Liebe sei erloschen, wieder Neurcudnitz 15, 1 Tr., und Kirsten, Hauptstr. 7, für Reu- aufgelöst werden. Wozu also l�ncubinat? Auch die Prostitution rendnitz bei Zschau. für �kagwitz und Lindenau bei Frau würde im sozialdemokr-atlschen Sinn dadurch verlmeden daß der Gräfenstein, Aurclienstr. 3, für Ä-Htis k. bei A. Herms- Mann zum Mädchen sagt: ich liebe Dich und heirathe Dich. dorf, Lindenthaler Str. 7, für Stötteritz bei Grude, An der Am andern Tage erklärt er dann: meine Liebe zu Dir ist er- Papiermühle, angenommen. � loschen, und wenn Du das nicht glauben willst, so prügele ich Für Rerlin wird auf den„Vorwärts" monatlich für 75 Pf.. Dick und werfe Dich zum Hause hinaus. Damit ist die Ehe frei in's Hans abonnirt, bei der Expedition der..Berliner Freien wieder geschieden, wie in der Türkei, wo Verstoßung der Frau Presse", Kaiser-Franz-Grcnadicr-Platz 8a, und bei Rubenow, wr Scheidung unter Muhamedancrn gilt. Gleich darauf geht Brunnenstr. 34, im Laden. d�r Mann eine neue eben solche Ehe ein, die jederzeit wieder 0�- Der Abonnementsbetrag ist bei Bestellung zu entrichten E�Hm�on'Nnruh, Sie schildern ja ein-Bordell! D,e Leipziger Abonnenten werden noch besonders darauf �nd Sie scheinen darin zu Hause zu sein. Kein Wunder aufmerksam gemacht, daß bei allen Stadtpost-Filialcn sowohl das. Nicht als ob wir behaupten wollten, Sie seien ein Quartals- als Mouatsabonnementö angenommen werden. Unsere Gegner. IV. Wir haben in voriger Nummer gezeigt, wie Hr. von Unruh sich verschnappt hat, und was er„innen, ganz inwendig" in feinem biederen Bourgeoissinn von den Frauen und der Fraueu- frage denkt. Sehen wir nun, wie sich die sozialdemokratischen Anschauungen in dem Hirne des Hrn. von Unruh ausnehmen oder wenigstens�.< f.._..~, von demselben reflektirt(zurückgestrahlt) werden. Wer chennt' sp�l stnd Sie trrthumltcherwelse vor emen nchtigen Spiegel nicht jene auf Messen und Märkten herumziehenden„Optiker", gckommcn, und so ist das Unglück fertig geworden: die ein„Kabinet" mit verschieden conftruirten Spiegeln, hohle»!. ist einer.Karritatur der sozialistlschen Gesellschaft und ausgebauchten, senkrecht uud wagrecht gestreckten, runden und ll�kn �ie uns das Portrait der bürgerlichen Ge'ellschaft.— Habitus(häufiger Besucher) von„mauvais.lieux"(schlechten ! Oertcrn)— obgleich wir Tausend gegen Eins wetten, daß Sie m puncto der von Ihnen mit solcher Lebendigkeit und photo- graphischen Treue geschilderten„Eheschließungen" und„Ehe- scheidungen" nicht ganz ohne praktische Erfahrung sind— so indiskret sind wir nicht, aber, Sie Armer, es ist Ihnen wieder ein Malheur passirt. Statt der sozialistischen Vogelscheuche, die Sie sich zurecht gemacht, haben Sie in Ihrem Eifer„die beste der Welten", Ihre Gesellschaft, Herr von Unruh, am Kragen gepackt und in Ihr optisches Kabinet geschleppt! Ein schlimmes Verfehlt! Und nicht das schlimmste! Statt vor einen Zerr- «iförmigen, ausstellen; wer in die Spiegel blickt, findet in jedem feine mehr oder weniger häßliche und lächerliche Karrikatur, in keinem sein richtiges Bild. Der Schädel des Hrn. von Unruh ist ein solch„optisches Kabinct": er enthält nur Zerrspiegel und wirft folglich auch nur Zerrbilder zurück. Doch nein— es be- Also ein Bordell! Es ist ein häßliches, nicht gerade wohlriechendes Thema, läßt sich jedoch nicht vermeiden, wenn man von der Moral des Herrn von Unruh und Compagnie spricht. Ein Bordell! Weiß Herr von Unruh, was ein Bordell ist? steht ein wesentlicher Unterschied: die Zerrspiegel der fahrenden Natürlich- sonst hätte er uns kein so treffliches lebenswahres Meßbudiker werfen das Bild wirklicher Personen zurück; wäh- rend die Zerrspiegel im Schädel des Herrn von Unruh das Bild von Puppen und Vogelscheuchen zurückwerfen, die Herr von Unruh sich selber fabrizirt hat— ein Vergnügen, das wir ihm sehr gern gönnen würden, wenn er nicht die Unverftorenheit hätte, seine Puppen und Vogelscheuchen für wirkliche Personen, feine Phantasiegebilde für die Forderungen der Sozialdemokratie auszugeben und uns seine corrupten Moralbegriffe unterzu- schieben. Treten wir ein in das„optische Kabinet" des Hrn. v. Unruh: „Bewahre! So etwas Schändliches(wie„Wcibergemeinschaft") haben die Sozialdemokraten nicht im Sinn; sie wollen nur etwas ganz Unschuldiges, die Sittlichkeit Förderndes; sie verlangen: „daß künftig nicht mehr nach Geld und anderen Rstck- sichten geheirathet werde und daß eine unglückliche Ver- bindung leichter, wie es heute Gesetz und Sitte mit sich bringen, wieder gelöst werden könne. Die Göttin der Liebe soll wieder auf den Thron gehoben werden, und wenn die Liebe gewichen ist, so mag getrost auch das äußere Band zerreißen." „Das Erlöschen der Liebe soll also(räsonnirt Hr. von Unruh) hinreichender Scheidungsgrund sein. Ob ein Ehegatte den an- dern noch liebt, kann nur er selbst wissen. Ein Beweis, ob Bild davon entwerfen können. Weiß Herr von Unruh, daß die Bordelle eine Einrichtung der allen, bestehenden Gesellschaft sind? Natürlich, wie könnte er sonst mit der Taxe von 1 Thaler be- kannt sein, die in Magdeburg und Berlin, den zwei Residenzen des Herrn von Unruh, üblich sein soll, und die er— der gctst- reiche Sozialistcnverspeiscr— so freundlich und naiv ist, in die sozialistische Gesellschaft hinüberzutragen? Weiß Herr von Unruh nicht, daß die heuttge Gesellschaft nicht bloß Bordelle hat, sondern daß sie ein Bordell ist? Herr von Unruh schüttelt verneinend den Kopf! Gut, wir wollen ihm mit ein paar Thatsachen aufwarten. Vor etwa 30 Jahren sagte einmal der damalige König von Bayern, Ludwig, der Deutsche oder Teutsche, in derlei Dingen die sachverständigste Autorität:„Wenn über ganz München ein Dach gebaut wird, hat man ein großes Bordell." Ein anderer König beeilte sich, das Wort Ludcwigs von Baycrnland auf Berlin auszudehnen; und es dürste sich sowohl im„Reich der Gottesfurcht und ftommen Sitte" als außerhalb desselben keine Stadt finden lassen, von der nicht ähnliches gesagt worden wäre, oder doch gesagt werden ! könnte. Eine Stadt, die nicht hundert Meilen von Leipzig ent- sernt liegt, enlockte einem, in den vornehmen Kreisen prattiziren- den Arzt den Ausruf:„Wenn man an jedes Haus der guten Gesellschaft, in welchem der Mann hinter dem Rücken der Liebe noch vorhanden oder nicht, läßt sich nicht führen. Das oder die Frau hinter dM Rucken des Manns— oft auch Innere des Menschen kann keiner gerichtlichen Untersuchung beiderseits nicht hinter dem Rucken des Andern„Verhaltnisse unterworfen werden. Es wird daher zedem Ehemann und jeder hsst, ein Kreuz machte, so wurde, wie in Tausend und Eine Eheftau überlassen werden müssen, zu erklären: die Liebe ist Nacht, jedes Haus sein Krcuz bekommen. erloschen. Damit tritt denn die Scheidung nach der Ansicht von!„Wohlgemerkt jedes Haus der„guten Gesellschaft", der Ge- Bracke von selbst ein, die Ehe ist aufgelöst und es steht nichts fcllschaft des Herrn von Unruh. im Wege, daß der Mann oder die Frau eine andere Ehe aus m Und hat Herr von Unruh nicht den kürzlich veröffentlichten Liebe eingehen." Briefwechsel des Fürsten Puckler-Muskau gelesen? Was haben Sie dagegen einzuwenden, Herr von Unruh? Aicht? Doch nicht zu prüde, trotz der minuttösen Bordell- Ist es nicht durchaus vernünftig, daß ein Band gelöst wird. � kenntlich? Nun, wir wollen Herrn von Unruh unter die Arme welches ein blos äußerlicher Zwang geworden ist und entweder greifen. Em p�r Worte genügen. Fürst Puckler-Muskau, der zur moralischen Tortur oder zur Quelle der unsittlichsten Heuchelei � �."�rn/hme Gesellschaft,"vie gute Gesellschaft,«die beste werden muß! Wissen Sie nicht, Herr von Unruh, daß der ge- Gesellschaft,„die feinste Gesellschaft die gebildetste Gesell- sammle Liberalismus, in Deutschland nicht allein, sondern auch sch?ft kurz, die herrschende Gesellschaft, bürgerliche und in Frankreich, England, Amerika, kurz in sämmtlichen Kultur- adlige, bis hinauf in die höchsten und allerhöchsten Regionen ländcrn aus den soeben angedeuteten Gründen seit Menschen-!0 genau kennt, wie kaum ein zweiter, so �genau, wie Herr altern für die möglichste Erleichterung der Ehescheidung und von Unruh die Bordelle kennt(Seien sie ruhig, Herr Wicderverheirathung Geschiedener eintritt, und daß anläßlich des von Unruh, wir wollen s der Frau Coiiimerzienrathin nicht deutschen Civilchegesetzes neuerdings sogar aus dem Schooße verrathen.), er zeichnet diese Gesellschaft als etn großes Ihrer eigenen Partei Herr von Unruh, derarttge Anschauungen �vrdell.——... �, energischen(so weit man bei derlei Leuten überhaupt von Energie J�ath �cr Abschlagszahlung, die wir Ihne» hewte ge- reden kann) Ausdruck gefunden haben? macht' werden Sie schon den Umfang des Pechs, das Ihnen Sie wissen es nicht? Was sollen wir da mehr bewundern, widerfahren ist, annähernd ermessen können, Herr von Unruh! Ihre Unkenntniß der neueren Geschichte, und speziell der Ge- haben gegen den Sozialismus ausgeholt und Ihr schichte Ihrer Partei, oder die phänomenale Schwäche Ihres Ge- schlag hat dw heutige Ge, ellschaft.getroffen Sie haben bei dächtnisses? Haben Sie Lust sich zu informircn. so wenden Sie Ihrem fruchtlosen Versuch, den Sozialismus zu be,udeln lief, sich an den sehr humanen Verwalter der Reichstagsbibliothek- tief, mit wahrem Behagen, m den Koth gegriffen Hr. von Unruh. er wird Ihnen ein paar Dutzend Bände, die von dem bctrcf- und der Koth, den Sie zu Tage gefordert, es ist der.ooth der senden„Thema" Hanseln, zur Verfügung stellen. heutigen Ge,cll,chaft, Ihr er Ge s ellfcha ft. Doch blicken wir jetzt in den nächsten Spiegel des„Kabinets" PJui, Herr von Unruh. Und: Schön Dank, Herr von Unruh: Unruh! Anleitung bei einem Bruderkriege. Als Herr v. Bennigsen, der„liberale" Führer, vor zwei Jahren im Reichstage bei Feststellung des siebenjährigen Mili- tärbudgets unter dem Beifall der Liberalen erklärte,' daß die Armee nicht allein gegen die äußeren Feinde, sondern auch gegen die innern Feinde vollständig an Zahl und Tüchtigkeit dastehen müsse, da fehlte dieser Gesellschaft nur noch ein ausge- arbeitetes Reglement, in welchem klargestellt wurde, auf welche Weise die Armee gegen den innern Feind operiren müsse. Diesem Mangel, diesem tiefgefühlten Bedürfnisse der„Libe-- ralen" hat nun ein Herr Campe, Oberst und Commandant voir Metz, abgeholfen, indem er ein Büchlein herausgegeben, welches den Titel hat:„Ausbildung der Compagnie für das Gefecht". In dem Abschnitte„Straßenkampf in großen Städten: gegen Rebellen" kommen nachstehende Sätze vor, die wir nicht unterlassen wollen, unfern Lesern mitzutheilen, nicht deshalb, um vorkommenden Falles„Gegenreeepte" zu gebrauchen, dazu sind wir nicht bestialisch genug, sondern lediglich deshalb,»im die Heuchelei, die sich fortwährend in den vornehmen und gebil- beten Kreisen in Bezug auf die Humanität breit macht, an den Pranger zu stellen. „Die armen Serben, die armen Bulgaren! wie werden sie gemordet und wie gcmißhandelt!" so stöhnen die deutschen Pa trioten, und es sollte uns nicht wundern, wenn ein russenfteund- lichcr deutscher Offizier in dies Gestöhne mit einstimmte. Und gerade diese selben Leute halten es für sehr treffend, wenn ein deutscher Offizier gegen deutsche Bürger folgende Maßnahmeu empfiehlt. Die betreffenden Sätze in dem angedeuteten Buche lauten: „Vor Beginn des Straßcnkampfcs ist die Menge von den Truppen fernzuhalten. Auf Parlamentiren mit Re- bellen muß man sich nie einlassen, und ihren Worten von Hause aus weder Gehör noch Glauben schenken. Alle halben Maßregeln sind verwerflich; man lasse niemals blind feuern, um zu schrecken. Sobald die vorgeschriebene dreimalige Aufforderung geschehen oder die Truppen von Em- pörern angegriffen werden, muß man stets den vollen Gebrauch von der Waffe machen. Jegliche Schonung oder ein ZauMm wird doch nur als Schwäche ausgelegt und verschlimmert die Situation. Erst Feuerwirkung, dann Bajonnet. Barri-° kaden muß man durch Häuser und Gehöfte zu umgehen suchen,. indem man durchbricht, wenn hierzu Zeit ist. Eckhäuser und» dominirende Punkte sind festzuhalten, eventuell zu nehmen. Bei« Passiren rebellischer Stadttheile sichern sich geschlossene Abthei- lungen durch dicht an den Häusern sie begleitende Schützen» welche die gegenüberliegenden Häuser- und Fensterreihen unter Schuß halten. Aus den Fenstern geworfene schwere Gegenstände fallen selten dicht am Fuß der Häuser nieder. Keine Gefan- genen machen; belästtgen nur, werden häufig ungestraft wie» der freigelassen und treten von Neuem als Gegner auf. In der Instruktion über dies Thema ist der Unterschied hervorzuheben in der Behandlung von Rebellen und dem Ver- fahren gegen die im offenen Kampfe gegen einen bra- ven, ehrlichen Feind gemachten Gefangenen. Letztere sind möglichst zu schonen und als Wehrlose zu schützen. Den Verwundeten ist beizustehen, sobald hiezu Zeit ist. Jeder Rebell, der mit einer Waffe getroffen oder dem anzusehen, daß er gegen die Truppen thätig gewesen, ist auf der Stelle niederzustechen." „Vor dem Beginne des Straßenkampfes ist die Menge fernzuhalten!"— Das ist sehr bezeichnend— das Frater- nisircn der Truppen mit den„Rebellen" könnte manchem „Helden", und sei er auch ein Oberst und Stadtkommandant, höchst unbequem werden; deshalb soll man auch weder Gehör noch Glauben schenken. Der Verfasser scheint demnach wohl zu wissen, daß seine Gesellschaft nur auf den Spitzen der Bajonnette ruht und nicht auf einem guten Prinzipe; daß, wenn die Träger der Bajonnette den„Rebellen" erst Gehör geben, das gute Prinzip sich Bahn bricht und die Bajonnette, welche eben noch gegen dasselbe gerichtet waren, sich umkehren würden. Deshalb darf man die„Kanaille" nicht zu Worte kommen lassen; kommen sie zu Worte, so siegt am Ende die Wahrheit— und der Posten eines Stadttommandanten und eines Hannöver- schen Landesdirektors(Bennigsen) werden für immer abge- schafft. „Niemals blind feuern, um zu schrecken,— immer den vollen Gebrauch von der Waffe machen, um die Lan- deskinder, die Brüder zu erschießen und zu erstechen."— Das ist sehr deutlich! Soviel uns erinnerlich, hieß es in den alten militärischen Reglements, daß man bei etwaigem Aufruhr„nach der üblichen Aufforderung zum Auseinandergehen" zuerst immer,„um zu schrecken", über die Köpfe der Menge hinwegfeuern solle— doch die Zeiten der früheren Barbarei sind vorüber und das Zeitalter der Humanität ist angebrochen— man sieht's ja an dem Ge- winscl über die türkischen Greuelthaten; ja, das Zeitalter der Humanität ist angebrochen, desbalb sollen deutsche Soldaten nach der„Anleitung bei einem Bruderkrieg", geschrieben von einem deutschen Offizier, die deutschen Bürger eventuellen Falls genau so traktiren, wie es die feigen Versailler Mord- banditen den Pariser Communards gegenüber thaten. „Keine Gefangenen machen! Belästigen nur!" Wird der Herr nicht vor ein Kriegsgericht gestellt, der seinen Unter- gcbencu so etwas predigt? fragt unwillkürlich jeder unbefangene Leser? Nein, bei Leibe nicht! Der feige deutsche Liberalismus, der- in Teutschland die Gesetzgebung beherrscht, wünscht ja solche Helden gegen die Sozialdemokraten, gegen die„Rothen". Der' J l h' |ic rft T'f- y- CäJ -? 'ft rj1 l,:1 K-i N C' '•S. AI !>. . i I ''l I I 3 irf - 1 l 1: i er, As ■i, 5l LC il 1 ,{5 u /* e..; i? ■i y 3 J -i *. -- 5 Ii -i'. J I -Ii' Baumwollenspinner in Lancashire haben so- eben zur Ausführung ihrer kürzlich in Manchester gefaßten Be- schlüsse in aller Form die bevorstehende Schließung ihrer Fabriken angezeigt, sofern die Arbeiter nicht den ihnen aufoktroyirten neuen Lohntarif annehmen. Eine Aussperrung würde 80,000 Arbeitern die Beschäftigung nehmen, daher kann es nicht Ver- wunderung erregen, daß die so schwer bedrängten Arbeiter wohl oder übel eingewilligt haben, sich dem Ausspruche eines Schieds- gerichts zu unterwerfen.— Wir sind gespannt, ob nun die Ualische Präsentation einer Gelehrsamkeit und einer Berechnung, „in ihres Nichts durchbohrendem Gefühle." Wir könnten sobeivand darauf verzichten, dieser Charakteristik Weiteres hinzuzufügen, allein wir haben ein Recht auch die heiteren Seiten des Kampfes zu beleuchten, wie wir verpflichtet sind, ihn ernsthaft durchzu- führen und deshalb folgen unten nur einige Proben der gegnerischen Gelehrsamkeit. Zuvor aber ein Wort über ihre Taktik. Denke man sich, wie herrlich es sich ausnimmt, wenn das Orga« für Gründungsprospekte(seligen Angedenkens) dem Tischler, Schneider, Schuhmacher, Krämer, Beamten, Lehrer oder zum Rentier avancirten Hausmann so und so, entrüstet und volkswirthschaftlich näselnd vom großen Krach, der Stroußberg- Ofenhcimc und von den Herrlichkeiten der„Bischweiler des Herrn Birnbaum" erzählt und wie es seinen Lesern dann verkündet, daß nun bald alles das Böse überstanden ist. Denke man sich weiter, daß es dem Einen oder Andern in den Sinn käme, das gebundene Prachtexemplar des„Leipziger Tageblattes" sich herbei- i zuwünschen, das auf der Ausstellung zu Philadelphia von der Blüthe deutscher Journalistik in seinen seitengroßen Gründungs- 1 annoncen von der deutschen Buchdruckerkunst laute Kunde ge- geben hat. Denke man sich drittens, daß der Blüthenkranz von: Liebesbotschaften, Carnevalsinseraten, Jnsulanerglosscn, Herraths- gesuchen, Appellen junger Wittwcn, armer unglücklicher Damen und antiker Cavaliere an geldbesitzende mitleidige Menschen- freunde um Geld, Gelegenheit zu„freundschaftlichem" Verkehr, oder um ein bescheidenes Räumchen im Hause,— bunt und sinnig verschlungen sich hinter dem Thore des Findelhauses — um mit dem„Tageblatt" zu reden— erhebt, aus dessen vierter Etage—(Abtheilung für„höhere" Kritik und angebliche Sozialwissenschaft)— das' sittige Gcsichtchcn des Jüngstgebo- rcnen freundlich ins Blaue lugt,— welch eine Anregung für. das denkende, gebildete Publikum!— Endlich! Da steht's: „Die Ehe im sozialdemokratischen Staat".— Also so soll es werden, sagt der Nachbar zu seinem— Gevatter, da Beide mit einem großen Töchtcrsegen bedacht worden sind. „Freilich," bestätigt ein Dritter, sagen's ja die„Gelehrten" des„Tageblatt" und— hurrah, da stehts: „Die Sozialdemokraten wollen die„Weibergemeinschaft"! einführen, wenn sie auch sagen, daß es eine schändliche Ber- leumdung sei?"— Und, wie gelehrt witzelnd fügt es noch hinzu: „Bewahre! So etwas Schändliches haben die Sozial- demokratcn nicht im Sinn; sie wollen nur etwas ganz Unschul- diges, die Sittlichkeit förderndes; sie verlangen: daß künstig nicht mehr nach Geld und anderen Rücksichten geheirathet werde und daß eine unglückliche Verbindung leichter, wie es heute Gesetz und Sitte mit sich bringen, wieder gelöst werden könne."— Verstanden Nachbar!?— Und wo blieben da die fetten Heirathsannoncen und Kuppel- pelze, die lohnenden Scheidungsprozesse und Alimentenstreitig- leiten, die interessanten Hausfreunde, Adoptionsgelegenheiten und der reizende Stoff zum schmutzigen Klatsch und Zeitvertreib in Wort und Schrift, wie sie heute das Gesetz nicht hindert und die Sitte mit sich bringt—? So frägt sich vielleicht im Stillen der rechnende Philosoph und Moralpolemiker, indem er sich kühn im Sattel erhebt: „Die Göttin der Liebe— fährt er fort— soll wieder auf den Thron gehoben werden und wenn die Liebe ge- wichen ist, so mag getrost auch das äußere Band zer- reißen"— und sein Gehirn schwitzt den schwindelnden Gedanken aus, den seine Feder verschweigen muß:— Dahin wären die weisen Gesetze von der erlaubten und unerlaubten Prostitution, unser herrliches Prostitutionsregulativ, die Meß- und Lebensfreuden unserer kirchlich und staatlich gefeiten Intelligenzen und des stumpfsinnig durch unsere rechnende Gesellschaftsmaxime verkam- mene zur Ehelosigkeit verurtheilten„Mob"*); vorbei der nach Brot gehende Straßenverkauf des„Mädchenthums" mit seinen Reizen und Abenteuern, gestürzt die Grundpfeiler der Maitressenwirthschaft und des Leipziger„Tugendbunds!? Wie!? Wo bliebe da unser„gartenlaubcndes" hektisches Altjungfern- thum, jene zum Erbarmen anregende Legion von Herz und Hirn zermarterten alten Mädchen, das hehre Institut der„wohlthätig- *) Hoher und niederer Pöbel. englffchcn Manchestermänner nicht bald ein Gesetz gegen die Koalitionsfreiheit der Arbeitgeber in Aussicht nehmen merden; bei uns wenigstens würden,»venu sich 80,000 Arbeiter zum Lwccke eines Strikes coalirt hätten, die Petitionen und Anträge um Coalitionsbeschränkungen, Contraktbruchgesetze:c. sich sofort gejagt haben. Man schreibt uns weiter über den bevorstehenden Strike: Die Harmonie zwischen Kapital und Arbeit bethätigt sich jetzt wieder auf's Großartigste in den Baumwollendistrikten England. Die meisten Baumwollenspinner haben eine Re- Vision des Lohntarifs beschlossen, und zwar so, daß alle Fa- driken einen und denselben Stücklohn bezahlen sollen, na- türlich nach den von den„Meistern" zu bestimmenden Tarif. Gegen eine kleine Verminderung des Lohnes würden die Ar- beiter, in Anbetracht der Geschäftskrisis wohl nichts einzuwenden haben, aber sie erklären es für eine Ungerechtigkeit, der sie sich nicht unterwerfen können, daß in Fabriken, die unvollkommene, die eine die Arbeit erschwerende Maschinerie haben, die Arbeiter für das Stück nicht mehr empfangen sollen als in Fabriken, wo Tank der besseren Machinerie die nämliche Arbeit in kürzerer Zeit gemacht werden kann. Sie schlagen deshalb Zahlung nach Zeit— statt des Tagelohn vor. Darauf einzugehen, fällt nun den Meistern nicht ein, und sie haben ihren„Händen" auf den 23. November gekündigt. Nach einer Vermittlung wird nun .gesucht. Jedenfalls wollen die Meister den Arbeitern das Knie auf den Stacken setzen, und die„Harmonie" läßt sich bloß da- durch erlangen, daß die Arbeiter zu Kreuz kriechen.„Es ist das die„Harmonie" zwischen dem Räuber und seinen geknebelten Schlachtopfer. Wollen die„Hände" sich diese„Harmonie" nicht gefallen lassen, so werden am 24. November 60,000 Baum- wollenspinner, sammt ihren Familien auf's Pflaster geworfen, und noch eine Menge anderer Arbeiter, die dann nicht fortarbeiten können— im Ganzen an achtzigtausend Arbeiter, von denen mindestens zwei Drittel vcrheirathet sind! Alles in Allem dürfte nahezu eine Biertelmillion Menschen von diesem Staatsstreich der Kapitalisten betroffen worden.— — In Amerika macht die Einheitsbewegung unter den Arbeitern immer mehr Fortschritte. Eine in Indianapolis tagende Convention(Generalversammlung) der„Unabhängigen Arbeiterpartei des Staats Indiana" hat die Beschlüsse des Phila delphier Arbeiter-Congresses einstimmig angenommen. Dieses ist Äie erste bedeutende Errungenschaft. Besagte Partei hat ein sehr gut rcdigirtes Blatt,„The Working rnan's Map"(Arbeiter- Mappe), welches in Zukunft für die Prinzipien der neuen „Arbeiterpartei der Vereinigten Staaten" eintreten und seinen Namen in„Labor World"(Welt der Arbeit) umändern wird. — Vorsichtige Leute. Durch die Blätter geht folgende Notiz:„Die amerikanische Presse hat neuerdings wiederholt auf die Thatsache hingewie>en, daß unter den Grundeigen- thümern Ncwyorks und anderer Städte sich eine große Anzahl europäischer Fürsten und Ex-Potentaten befindet. So zieht die Ex-Kaiserin Eugenie jährlich 8000 englische Pfund aus ihrem Grundeigenthum an der Wallstraße; der Herzog von Nassau hat 200,000 Pfund Sterling in der Alleestraße ange- legt, welche ihm 10 Prozent einbringen;»die Königin Victoria soll aus ihrem Eigenthum am Broadway jährlich 80,000 Pfund Sterling ziehen; serner hat der König von Schweden in Newyork für eine halbe Million Eigenthum und der Großfürst Alexis von Rußland ein großes Hotel ebendaselbst gekauft u. s. w."— Air können diese Notiz durch Mittheilung der Thatsache vervoll- ständigen, daß die Mehrzahl der europäischen Fürsten und nament- lich die deutschen ihr„Privatvermögen" in amerikanischen Staaten- Papieren(nicht zu verwechseln mit den Obligationen der Einzel staaten) angelegt, oder in der amerikanischen Staaten- bank dcponirt hat. Die Betreffeudeu könnten daheim höhere Zinsen beziehen, indeß die amerikanische Republik dürfte doch fester stehen, als die europäischen Monarchien. Wir finden, daß unsere Fürsten recht ein-, weit- und vorsichtige Leute sind. — Nach einer Zuschrift des Herrn Tessendorff an unfern Parteigenossen Heinsch in Berlin wird derselbe gegen Heinsch eine Anklage„wegen fortgesetzter Vereinsthätigkeit in zum Theil versteckter Form" erheben. Herr Tessendorff ist bekanntlich «in Mann der Ueberraschungcn; er quält sich ab, den Ausspruch Ben Akiba's:„Es ist Alles schon dagewesen!" zu mißkreditiren. Doch all' sein Quälen wird ihm gar nichts, der Ausbreitung der Sozialdemokratie aber gar viel nützen. stiftenden Junggesellen" und des gelangweilten Wüstlingthum's mit seinem unternehmenden heiteren Witz und seiner glühenden Liebe zum Vaterlande!?— Vorbei! Vorbei!— Die Göttin der Liebe,— sie selbst— wieder auf dem Thron, so stöhnt er mnd dieses„wieder" hat ihm die Stimme der Natur abgepreßt, .die ihm sagte, daß zwischen beiden Geschlechtern die Liebe und nur diese naturgemäß verbinden soll. Und eilig zieht er also «ineu neuen Gedanken aus dem moraltriefenden Tintenfaß. (Schluß folgt.) — Wahlbeeinflussung. Der Prinzipal eines Elberfelder ausgedehnten GeschäfiS stellte seinem zahlreichen Personal die Theilnahme an der Wahl unter der Bedingung frei, daß dasselbe konservativ stimme. Wer nicht konservativ stimmen wolle, der erhalte keinen Ur- laubund müsse bei der Arbeit bleiben!— Die Verl.„Bolkszeitung" sagt dazu:„Frecher kann das Recht der freien Wahl wohl kaum verhöhnt werden."— Wir bemerken der„Bolkszeitung", daß, wenn wir jeden einzelnen Fall bei den früheren Reichstazswahlen feststellen wollten, wo «in Fortschrittler oder Liberaler in ganz ähnlicher Weise diejenigen sei» mer Arbeiter von der Wahl zurückgehalten hat oder bei den nächsten Wahlen zurückhalten wird, welche jo,ialistisch wählen, daß dann der„Vorwärts" nicht Raum genug hätte, die Schande der Fort- jchrittler und Liberalen zu verkünden. — Graf u. Soldat.„Der Graf Fugger, Secondelieutenant, haut «jnen Soldateu mit dem Säbel über den Kops, kommt vor das Militär- Bezirksgericht zu Würzburg, giebt die That zu und wird— zu ein- jähriger Festungshast vcrurrheilt! Die Strafe ist allerdings gering, aber der Offizier ist doch wenigstens bestraft." �„Aber das ist gar nicht wahr," ruft uns einer unserer Leser entgegen—„der Graf Zugger ist ja freigesprochen!" Wir wissen es, aber es sträubte »ich unsere Feder, derlei zu schreiben, ja, etwas zu schreiben, was die .Humanität und unser Rcchtsgefühl verletzt. Nun müssen wir »vir es allerdings bestätigen: Der säbelnde Lieutenant ist wirklich frei- gesprochen! Hätte der Soldat dem Grafen mit dem Sqbel eins über -den Kopf gegeben—„zwanzigjährige Zwangsarbeit auf der Festung" »'würde wahrscheinlich das Urtdeil gelautet haben. Correspoudeuzen. n. Aus Schkeswig-Kokkein, 29. Oktober. Unser einfluß- reiches Schullehrer- und Bauernblatt, die„Jtzehoer Zeitung", bringt folgende Notiz:„Zu sozialdemokratischen Agitationszwccken sind im hiesigen 6. Reichstagswahlkreise vom Juni bis Sep- tember nur 521 M. 32 Pfg. aufgebracht worden'"— Der 6. schleswig-holsteinische Wahlkreis— Ottensen, Elmshorn, Glückstadt, in welchem Max Stuhr aus Berlin aufgestellt ist, gehört zu den für die Sozialdemokraten günstigsten Kreisen, wie man auch aus obiger Notiz deutlich ersehen kann. In den drei schlechtesten Steuermonaten sind über 500 Mark in einem Kreise, in welchem die Landbevölkerung vier Fünftel der Gesammtbe- völkerung beträgt, lediglich zu Agitationszwecken von Arbeitern und zwar für die Reichstagswahlcn aufgobracht worden! Da schenken wir sehr gern der„Jtzehoerin" das„nur".— Es ist doch gut, daß der Regierungspräsident Bitter uns verlassen hat. Die Schleswig-Holsteiner können eben keine Leute leiden, welche einmal freisinnig auftreten und schon den andern Tag, wie bei der berühmten Frage:„Sind Sie reichsfreundlich oder reichsfeindlich?", die ich im„Vorwärts" gelesen, sich auf einen wahrhaft orthodox-burcaukratisch-reaktionären Stand- Punkt stellen. So erzählt man auch wieder eine hübsche Geschichte von dem Bureaukratismus des Herrn Bitter, der schon mehr au Despotismus grenzt. Derselbe wollte sich nämlich an der Abstimmung bei den Urwahlen nicht betheiligen, weil„es doch nichts nütze", gab indessen dem Drängen eines Mitgliedes des liberalen Comites nach und verfügte sich ins Wahllokal. Dort angekommen, bat der Herr Regierungspräsident den Wahlvor- steher, die erste Klasse zuerst abstimmen zu lassen, weil er— der Herr Präsident— den nächsten Zug wegen einer dienstlichen Angelegenheit erreichen müsse! Wenn der Wahlvorsteher diesem gesetzwidrigen Ansinnen wirklich entsprochen haben sollte, so wären natürlich die sämmtlichen Wahlen dieses einen Urwahl- bezirkcs ungiltig.— Wie man hört, wollen die Klerikalen diesen Fall besonders im Abgcordnctenhause zur Erwägung bringen.— Eins ist überaus merkwürdig in Preußen: daß so viele Beamte fortwährend mit dem Gesetz in Conflikt liegen, ohne bestraft zu werden. Die Gesetzesübertretung eines Bürgers aber wird immer und meistens sehr energisch„getessendorfft". Hamburg.(Zur Beachtung für Stellmacher(Wagners.) Der Fremdenverkehr und das Arbeitsnachweisungs- Bureau für Stellmacher Hierselbst befindet sich von jetzt ab bei Burmester, Großer Neumarkt 46/47, Stadt Berlin. Das bisherige Ber- kehrslokal war Theilfeldt 21 bei Hartkopf, wo sich jetzt das Arbeitsnachweisungs-Bureau der Arbeitgeber des Rad- und Stell- macher-Bereins befindet, welches die Vereinigung der Gehilfen zerstören helfen soll. Im Interesse unseres Vereins ersuchen wir alle zureisenden Collegen, auf die Reklamen, welche von Seiten Hartkopfs und der Arbeitgeber gemacht werden, nicht ein- zugehn und nur in dem Verkehrslokal der Gehilsen, bei Bur- mester, zu verkehren, woselbst für ein gutes Nachtquartier ge- sorgt ist. Die Commission. Zempeköurg.(Ein kleines(Bild der sozialen Verhältnisse aus der wcstpreußischen Kassubei.) Dieser Tage stürzte in einem Dorfe bei Zempelburg bei der Heimkehr von der Ablaßstätte zu Gorki bei Lobscns ein Bettler, der seinem gesunden Beine einen Stelzfuß angeheftet, sammt seiner 70jährigen buckeligen Concu- bine von dem Boden eines Stalles durch die Stangen auf die Hörner eines wüthendcn Bullen und spießte sich selbst auf, wäh- rcnd seine Liebe auf der Krippe zwei Rippen brach. Rosen- kränz und Schnapsflasche zerstampfte der wüthende Bulle. Bei uns ist nämlich die Krankheit der Frömmelei noch allgemein. Bis auf sechs Meilen Entfernung laufen die geblendeten Volks- massen, Wirthschaft und Kinder ihrem Schicksal überlassend, zu der Ablaßstätte, wo schlaue polnische Krämer im polnischen Na- tionalcostüm mit angeblich geweihten Christtisbilderchen, Cruci- fixen und Medaillen nicht minder gute Geschäfte machen, als die Wurstfabrikanten und Wahrsager. Für die systematische Berbrei- tung des Aberglaubens sorgen die polnischen Blätter in Culm ian der Weichsel), in Thorn und Posen.— Auf der anderen i>eite wieder hält der durch Katechismus, Geldstrafen und Prügel beigebrachte Rcspect vor der Polizeiallmacht und der Schreiberwillkür die Arbeiter auf dem Lande wie in den Städten, ohne Unterschied der Confcssion noch in einer derartigen Willens- ohnmacht gefangen, daß schon bei den unschuldigen Ausdrücken „Recht und Gerechtigkeit" die Unglücklichen sich scheu umblicken und bei dem Ausdrucke„Sozialdemokrat", in welchem der Pfaffe den Gläubigen, der Schulze den Bauern nur die Erzteufel erkennen läßt, die Leute sich die Obren mit beiden Händen bedecken. Meist noch erstickt deshalb die Macht des Blendwerks wie die Macht der Furcht hier die gesunden Anschauungskeime der sitt- lich und physisch niedergetretenen Schichten des Volkes, von deren Schweiß und Dummheit das Hallunkenthum sich nährt; nur so konnte sich hier jene krautjunkerliche Ansicht von einer Nothwen- digkeit der Brutalität in der Behandlung der Tagelöhner, in welcher der moralische Lump von Brotherr nur rußgeschwärzte Sklaven erblickt, festsetzen. Solche Creaturen erklärte jüngst hier ein Lieutenant und Gutsbesitzer, müssen jedenfalls schlechter trak- tirt werden, als die Jagdhunde. Der Zukunft bleibt es vorbe- halten, in diesen modernen Heloten, aus deren Bluts- und Schweißtropfen die Bestialität der christlichen Liebesgaukler baare Münze prägt, durch Erweckung des Gefühls der Menschenwürde das Verlangen nach einer menschlicheren Existenz zu erregen. Nur wenige sind es, die das neue Blatt hier kennen und auf- richtig begrüßen. Es wird in dieser Zeit der Verdummung und Cörruption einen schweren Stand haben, aber der Menschengeist will zu seiner Entwicklung freie Bahn und darum:„Vorwärts!" Stettin. Am 24. Oktober hatten wir hier eine öffentliche Arbeiterversammlung, in welcher Zielowsky über die Tages- ordnung: Reichstag, Zuchthaus und Kirche! sprach. Der interessante Vortrag wurde von der gut besuchten Versammlung mit reichem Beifall belohnt. H. Dornbusch, Schriftf. Leipzig, 29. Okt.(Verein der Maler, Lackirer und Vergylder.) Allen Collegen zur Nachricht, daß wir hier im Thüringer Hof, Burgstraße, ein Berkehrslokal nebst Arbeits- i Nachweis errichtet. Gchülfen und Prinzipale ersuchen wir dasselbe zu benutzen und bemerken, daß jeden Abend von 8—9 Uhr Sitzungen stattfinden. Auch werden daselbst alle 14 Tage, Mitt- wochs, die Vcreinsversammlungen abgehalten. Der Vorstand. dlL. Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. b'A Zlutda, 22. Oktober. Seit März besteht hier eine Mit- gliedschaft der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter, welche am 27. September ihre monatliche Mitgliederversammlung ab- hielt. In derselben hatte ein Mitglied ein Exemplar der von Hassclmann herausgegebenen Flugblätter„die rothe Fahne"(er- blicken lassen, das dem überwachenden Schutzmann so gefährlich erschien, daß er sich dasselbe erbat. Die darauf erfolgte Denun- ziation hatte die vorlaufige Schließung der Gewerkschaft zur Folge. Da im Termin der Schutzmann und der Vorsitzende der resp. Versammlung nicht anwesend waren, wurde die Berhand- lung vertagt.— Wir glaubten nun keine bessere Autwort gebe« zu können, als öffentliche Versammlungen abzuhalten. Die erste fand nun am 12. d. M. statt. Tagesordnung war: 1) Die Lage der Weber in Deutschland; 2) die Handhabung der Gesetze durch die Polizeiorgane zu Fulda. Die zweite hielten wir auf allseitiges Verlangen am 18, d. M. ab mit der Tagesordnung: Die Thätigkeit des deutschen Reichstags seit seinem Bestehen und Ausstellung eines Candidaten für die nächste Reichstagswahl. In beiden Versammlungen hatte Genosse Walz aus Kassel, Re- dakteur der„Wacht" in Hanau, das Referat übernommen und schilderte eingehend die Leistungen unseres seitherigen Volksver- treters, Herrn Gutsbesitzer Herrlein von Margretenhaun(Hl- tramontaner, nebenbei Agrarier). In der letzten Versammlung forderte ein Reporter der hiesigen ultramontanen Zeitung die Anwesenden, indem er den„Segen Gottes" zu Aller Heiterkeit auf die Versammlung heraberflehte, auf, einem Centrumsmann ihre Stimmen zu geben.— Wir find mit diesen Versammlungen zum ersten Male in die Oeffentlichkeit getreten, und in Rückficht darauf waren dieselben verhältnißmäßig stark besucht. Genosse Walz gab die Referate zu Aller Zufriedenheit, was sogar die Berichte gegnerischer Blätter constatirten. Es wurde der allsei- tige Wunsch laut, daß bald wieder ein Genosse wie Walz hier in einer Versammlung sprechen möge. Zum Schluß der zwökten Versammlung wurde folgende Refolutton mit elwa achtzig gegen zwei Stimmen angenommen: „In Erwägung, daß die Vertreter des deutschen Reichs- tags in ihrer Mehrheit eine einzige reaktionäre Masse bilden; in fernerer Erwägung, daß wahrhaft ftciheitliche Gesetze nur geschaffen werden, wenn Männer aus dem Volke, welche die Leiden des Volkes aus eigener Erfahrung kennen, in den Reichstag gewählt werden, empfiehlt die heuttge, in Wohlge- muths Lokale tagende Arbeiterversammlung den stets muthigen, unerschrockenen Kämpfer für Freiheit und Recht, der selbst lange Kerkerhaft für seine Uebcrzeugung ertragen mußte, den Drechsler August Bebel in Leipzig, als Candidaten für den deutschen Reichstag, und verspricht dieselbe mit allen Mitteln für die Wahl des Vorgenannten einzustehen." Aus Schlesten, 17. Oktober.(Gebildeter Pöbel.) Nicht nur im Reichstage, auch nicht nur in Moabit versteht man das Valentiniren und was sonst noch in Dieses erbärmliche Fach ein- schlägt, sondern überall, wo liberale Leute sich in größerer Anzahl zusammenfinden. So auch in einer nationalliberalen Versammlung in Breslau. Darüber berichtet die„Berliner Freie Presse" folgendermaßen: Der Abgeordnete Wachler gab eine Art von Bericht über Parteiverhältnisse und nach ihm sprach ein Dr. A. Meyer über den„wünschenswerthen" Compromiß mit der Fortschrittspartei. Der gute Mann konnte es natürlich auch nicht unterlassen, einige Seitenhiebe auszutheilen, welche die Sozialdemokraten wie mit Keulenschlägen zerschmettern sollten. Und wie war die Keule zugeschnitten?„Die Sozialisten vertreten die brutalen Interessen des Magens!!" O Wehl wie wird es uns armen Teufeln ergehen, wenn wir noch oft- mals solche— Keulenschläge erhalten.— Selbstverständlich wur den beide Herren als Candidaten für den Landtag empfohlen, in Compagnie mit dem Rechtsanwalt Freund. Ebenso selbstver- ständlich nahmen die Herren— nur auf inständiges Drängen ihrer Freunde— die Wahl an. Darnach erhielt der Sozialist Krücker das Wort(ein Wunder, daß es ihm gegeben wurde) und machte von der Tribüne herab den anwesenden Führern der Nationallibcralen!den sehr berechttgten Vorwurf, daß sie diese Versammlung nicht zu einer allgemeinen öffentlichen gemacht hätten, da doch die Abgeordneten die Vertreter des gesammten Volkes seien und nicht einer Partei. Uebrigens hätten Jene auch erst einen eingehenden Rechenschaftsbericht über ihre Thättg- keit abzugeben, was nicht geschehen wäre. Dies sowie einige Worte über die Wahlgefetzfrage und eine Zurückweisung der „brutalen Interessen des Magens" wurden von der Versammlung noch ruhig hingenommen. Als aber Kräcker die ungeheure „Frechheit" besaß, dem Herrn Abgeordneten Wachler die diskrete Frage vorzulegen, was derselbe qethan habe für die Eisenbahn arbciter, welche sich an ihn gewendet haben, um die großen Lohn Herabsetzungen in den Staatseisenbahnwerkstätten zurückzuhalten, (Einen Befcheid hätten die Arbeiter nicht erhalten) da erhob sich Unruhe und Entrüstung.„Schluß, Abtreten, Wortentziehen!" ertönte es von allen Seiten und selbst Schimpfereien wurde» laut, wie:„Was wollen die paar lumpigen Fabrikar- beiter? Die Sozialdemokraten gehören hinaus auf die Viehweide." Ein Antrag auf Wortentziehung wurde wirklich eingereicht und— angenommen. Wie gesagt, das Ba- lcntiniren verstehen die Herren Liberalen überall— und mit einer Rohheit, welche man nicht einmal bei den Kassuben findet. Der gebildete Pöbel macht sich gegenwärttg überall breit, bis die Arbeiter es einmal müde werden und ein Exempel stawiren. Dann natürlich Heulen und Zähneklappen und ein Gewinsel über die zunehmende Rohheit der Arbeiter. Keyer, 22. Oktober. Ueber die Thaten des„gebildete» Pöbels" in der Versammlung vom 25. September wurde bereits früher berichtet. Heute gilt es nun, jenen Bericht dahin zu er- gänzen, daß das Verhalten unserer„gebildeten" Herren Gegner feit jener Bildungs- und Kraftprobe uns die Gewißheit giebt, daß sie ihre moralische Niederlage begriffen haben und in dem durchbohrenden Gefühl ihrer Unfähigkeit, sich von dem Schand- flecken zu reinigen, sich in ein vielsagendes Schweigen hüllen. Nach jeder früheren Versammlung konnte man diese heldenhaften Sozialistenfresser hinterm Bierttsch tapfer— natürlich hübsch unter sich— auf die Sozialdemokratie schimpfen und das Ge- sprochene, nach liberaler Partciparole, verdrehen hören. Unt jetzt!-„lieber allen Wipfeln ist Ruh". Nur Einer der hervor- ragenden Skandalmachcr soll so— tapfer gewesen sein, sich seiner Heldenthaten zu rühmen. Warum nicht! Geschmack und Ehrbegriffe sind verschieden. Den moralischen„Stoß in's Herz" erhielten jedoch die Gegner durch eine Erklärung im hiesigen Amtsblatt von sechs Ortsangehvrigen, welche sämmtlich gegen- wärtig in Berlin wohnhast sind und durch die„Berliner Freie Presse" das„Ereigniß" erfuhren, das ihre Vaterstadt so hell im „reichstreuen" Lichte erstrahlen macht. Indem sie uns als Par teigenossen ihre volle Sympathie und Anerkennung unseres Äer- Haltens darin aussprachen, verurtheilten sie das Gebahren und die Kampfweise der Gegner auf das Strengste. Das Ergötzlichste dabei ist, daß unter den Unterzeichnern dieser Erklärung zwei Söhne eines hiesigen Stadtraths sind, sowie zwei Brüder eines anderen jugendlichen„Reichsfrcundes", der ebenfalls das Ber- sammlungsstören sich zur„ehrenvollen" Aufgabe gemacht zu haben scheint(Beweis wiederum die letzte Versammlung). Als bemerkenswerth sind uns noch von verschiedenen Seiten glaub- hafte Mitthcilungen gemacht worden, welche uns unwiderleglich den Beweis liefern, daß die ganze Skandalaffaire molttemäßig geplant worden ist. Bezeichnend ist u. A. eine Aeußernng des hiesigen Stadtmths Krebs, welche derselbe an jenem Abend in. der Knoth'schen Wirthschaft gethan:„Na, zum Geldsammel.�.( kommt's heute Abend nicht, dafür ist gesorgt." tniU Die Gegner sind überhaupt von uns und unseren Frem�.. r aP3i rg itr-ati derart genau beobachtet worden, daß es Keinem von ihnen ge- soll, ist nicht ersichtlich. Die Polizei verfährt dabei ganz will- lingen wird, sich von dem Strick, den sie sich selbst an jenem kürlich. Ohne Legitimation:c. wird alles durchsucht. Ich war Abend gedreht, zu erlösen. Der ganze Vortheil ist unser, das z. Z. in Halle, und nun wurde in meiner Abwesenheit meine wird sich nächstens bei der Wahl zeigen, und wir werden, wie Wohnung durchstöbert. Selbst die harmlosesten Privatangelegen- schon so oft in der Welt, in die Lage kommen, zu rufen:„Es heiten(Briefe:c.) wurden vom Polizeiinspektor Kirsten genau leben unsere Freunde, die Feinde!" gelesen und„beurtheilt". Sammelbogen, betr. die Reichstags- Noch wollen wir erwähnen, daß vor Kurzem Parteigenosse! wähl, wurden ebenfalls zum Polizeibureau geschleppt; ebensowohl Schletter hier in zweiter Instanz zu 50 Mark Geldstrafe ver- Material, was Gewerhchafts- und Krankenkasien betraf. Die Arthcilt worden ist. Durch eine Beleidigung des hiesigen hoch- Polizei thät besser, wenn sie uns sagte, was sie suchte, dann wohllöblichen Stadtraths, dessen Verwaltung derselbe einer etwas bekommt sie es gleich und die Sache ist in Ordnung. Bei dem strengen aber wahren und gerichtlich bestätigten Kritik in der Schriftführer des Arbeiter- Wahlvereins fand man ein Mitglieds- „Chemnitzer Freien Presse" unterwarf, hat sich derselbe diese buch der Schuhmacher- Gewerkschaft, und«eil dasselbe den Namen Verurtheilung zugezogen.— Zum Schluß können wir nicht Cäsar Vocke trägt, soll er Kassirer sein, da die Polizei statt H £ i ir fe ir ':« - 1 5.' l\ ' j j;< s » c st" n t 'll ■ i f S l\ i? « i' ,!v f. ,3 3 5 t- � t) i 1• ) z ) lü »i cS -(' J£ -'I c T i( : U h ir . ■ h: tl unterlassen, den Genossen unseres Wahlkreises allerorts zuzu- rufen:„Alle Mann auf dem Posten!" Die Schlacht steht bevor. Durch Kampf zum Sieg! (Die in obiger Correspondenz erwähnte Erklärung läutet: „In Nr. 230 der„Berliner Freien Presse" finden wir eine Notiz über eine Volksversammlung in Geyer, in welcher Herr Liebknecht referirte und wobei Ruhestörungen seitens der„ge- bildeten" Gegner vorgekommen sind. Ein Herr Grunert, Stadt- verordneter noch dazu, soll sich derartig geberdet haben, daß wir Unterzeichnete uns gedrungen fühlen, unser Befremden darüber auszusprechen und in keiner Weise uns geschmeichelt suhlen, Stadtverordnete unserer Vaterstadt in der deutschen Presse derartig berühmt zu finden. Wir bedauern, daß Herr Grunert und die übrigen Ruhestörer nicht so viel Anstand besitzen, mit einem Gegner in ehrenhafter Weise diskutiren zu können, und würden ihnen rathcn, sich lieber mit ihrem beschränkten Unter- thanenverstande nicht an sozialdemokratischen Versammlungen zu betheiligen. Wenigstens sind wir, Alle freiheit- und ehrlicbende Bürger der Stadt Geyer, davon unangenehm berührt worden. Für die Ruhe und Zurückhaltung, welche hingegen von unseren Gesinnungsgenossen beobachtet worden ist, sagen wir unfern herz- lichsten Dank. Die Sozialdemokratie kennt kein Ansehen der Person, sie schätzt und ehrt nur diejenigen Personen, welche ihr im Geiste angehören. Robert Meier, Gust. Meier, Hcrm. Grau, Alwin Hascheck, Robert Hascheck, Herm. Weigert, sämmtlich in Berlin."*) Rcichenbach i. V., 24. Oktober. Die Wahlbewegung im 22. Kreise hat begonnen und wird erst recht in Fluß kommen, wenn unsere gemeinsamen Gegner von der Candidatensuche zu rückgckehrt sein werden. Der Compromiß zwischen Conservativen und Liberalen scheint diesmal schwere Mühe zu verursachen, da die Ersteren nicht mehr so gefügig sind als früher, und die Letz- teren nur ungern Conservative wählen. Trotzdem haben sie den von conscrvativer Seite vorgeschlagenen Oberappellationsrath Otto in Dresden als Candidat anerkannt, nur hat auch dieser leider wieder abgelehnt, so daß neuerdings unter Zwickau im Amtsblatt Hierselbst als conservativer Candidat der Ritterguts- besitzer Trützschler, als liberaler der Fabrikbesitzer Dietel jun. in Wilkau verkündet wurden. Uns soll es gleich sein, ob wir die Reaktionäre vereint oder getrennt zu bekämpfen haben. Wir sprechen auch nicht von Siegesgewißheit, wie liberale Propheten, wir geben uns aber der Hoffnung hin, daß, nach Resultaten, welche früher unter günstigen Zeitverhältnissen erzielt wurden, zu schließen, bei der nächsten Abstimmung die Baumeister der alten Welt den Abschied erhalten könnten, da wir nach Kräften der arbeitenden Bevölkerung, welche sich trotz angestrengtester Arbeit beinahe das Essen abgewöhnen möchte, die wahren Ur- fachen ihres Elendes klar machen werden. Hierzu kommt, daß von Seiten der Kleinbürger, denen wir früher„zu arm" waren, diesnml mehr Einsicht erwartet werden kann.— Die früher mit- getheilte Gottesacker-Angelegenheit hat ihren Abschluß noch nicht gefunden und neuerdings wieder unsere sonst so ruheliebenden und in Fragen der Politik und des Gemeinwohles höchstens vor den Wahlen lebendigen, guten Bürger tief erschüttert, weil, trotz- dem seit einem Vierteljahre der alte Gottesacker vom Kirchen- vorstand geschlossen ist, die Besitzer der Erbbegräbnisse Schritte gethan haben, um sich diese thcuren Stätten zu erhalten. Ge- rüchtweise verlautete, daß sie ihren Zweck erreichen sollten, und dies gab Veranlassung zu einer Masscnpctition dagegen an das Ministerium. Sehr richtig wurde dabei betont, daß dies gegen das Interesse der Stadt sei, daß das Rcchtsgefühl durch die Bevorzugung der Gräber der Reichen verletzt würde und daß Gesundheitsrücksichten, wie ärztliche Gutachten festgestellt haben, verlangen, daß ein Gottesacker nicht inmitten der Stadt liege. Gleiche Pflichten und gleiche Rechte! Wir unterschrieben die Petition, weil sie Gemeinnütziges und Gerechtes verlangt, aber wir werden nicht ermangeln, den Kämpfern für das Gemein- wohl in Erinnerung zubringen, daß man die Ungleichheit nicht erst unter der Erde beseitigen müsse, sondern daß das tägliche Leben einem gesunden Rechtsgefühl genügende Ursache gebe, sich gegen abscheulichere Vergewaltigungen aufzulehnen. R. M. ßrfurt, 26. Oktober.(Haussuchungen.) Am 21. d. M. fanden hier bei circa 20 Sozialisten mal wieder sogenannte Haussuchungen statt, bei denen allerlei fortgeschleppt wurde. Mehrere Exemplare des„Vorwärts", der„Thüringer Freien Presse" ic. w. unterlagen der Confiscation. Was das bedeuten ♦) Der berüchtigte und bekannte Chemnitzer Anonymus, welcher im „Leipziger Tageblatt" seiner Liebhaberei, mit Schmutz zu werfen und alle acht Tage mindestens einmal den„Rückgang der Sozialdemokratie" seinen gläubigen und— ungläubigen Lesern zu verkündigen, hat sich latürlich den Geyerer Skandal nicht entgehen lassen können. Er schreibt(vir auch diesmal müßig zusehen, wie sich unsere Feinde um unsere Stimmen wie um eine ihnen gehörige Beute streiten? Nein! das können und dürfen wir nicht. Wohl wissen wir, daß, wie immer, auch dies- mal die Ultramontancn mit großer Majorität siegen werden Aber es ist unsere Pflicht, soviel wie möglich Stimmen auf einen Arbeitercandidaten zu vereinigen, um Coblenz dadurch zu einem würdigen Gliede in der deutschen Arbeiterbewegung zu machen. Diese schwer errungenen Stimmen werden großen moralischen Werth haben, da Coblenz für unsere Sache einer der schlechte- sten Kreise ist. Also auf zum ersten Wahlkampfc! Zeigen ivir, daß wir zu kämpfen wissen! Der Unterzeichnete ladet darum alle Genossen und Leser des„Vorwärts" ein, Montag, den 6. November, Abends 8 Uhr im Lokale des Herrn Groos, Balduinstr. 12, zu erscheinen zur Organisirung eines Wahlcomitö. Joh. Henrich, Balduinstr. 12. Acumünstcr, 24. Oktober. Heute constituirte sich hier das Arbeiter- Wahlcomitv und wurde Unterzeichneter zum Schrift- führcr ernannt. Alle auf die Wahl bezüglichen Correspondenzen wolle man somit an nachstehende Adresse richten. H. D. Plambeck, Kaiserstraße Nr. 12. Briefkasten der Redaktion. Herr X. in B.: Sie fragen, warum wir den „Küster'schen Brief" nicht besprochen? Aus dem einfachen Grund, weil wir das Machwerk der Besprechung nicht Werth hielten. Ob es gefälscht" ist, wie die„Berliner Freie Presse" auf Grund eines Briefes von Küster erklärt, oder ob„ächt", wie Herr Max Hirsch auch jetzt noch behauptet, ist ganz ohne Bedeutung für uns und die Partei. In jedem von beiden Fällen ist der Verfasser des betreffenden „Briefes" ein Bube, den jeder anständige Mensch verachten wird.— Aber„die Drohung mit Enthüllungen"! Mit„Enthüllungen" über die Schuftigkeit von Apostaten oder die Erbärmlichkeit der nationalliberalen Partei? Sind höchst überflüssig. Und was könnte der Verfasser des Briefs" anders enthüllen, als seine eigene Schande und die seiner Helfershelfer? Und höchstens noch, daß in der Sozialdemokratie kein Platz ist für Lumpen? der Expedition. I. Grünzig Gr.-Glgau: Demokr. Wochbl. nicht zu haben. Vom Volksstaat nur 1875 und 76. Frd. Dnnstttr. Wien: Wird nach Wunsch besorgt. Den Parteigenossen im ich hiermit bekannt, daß vom 1. Novbr. Wilhelmstraße 59, 3. Etz., Altona ist. fünften Schlesw.-Holst. Wahlkreise mache d. I. ab meine Adresse: H. Walther. Quittung. Flschr Würzen Schr. 2,43. Ktschbch Cassel Schr. 3,30. Pzr Bielefeld Schr 1,28 für die Dividende. Plstr Geringswalde Schr. 0,40. Schrmr Groitzsch Schr. 1,00. Expedition der Wahrheit Breslau Ab. 100,00. Bpp Neustadt Schr. 30,50. Blschn Lauterburg Schr 7,50. Schwtzr Frankfurt Ab. 8,00. Mllr Leisnig Ab. 5,60. Ws Christophsgmund Ab. 10,00. Hrtmnn Limburg Sch. 5,00. Ullrch hier Ab. 150,00. Kchnrthr Hof All. 3,40. Bttrmn Markersdorf Schr. 9,00. F. Jägcrnsdorf: Die Quittung iu Nr. 1 soll lauten: Ab. 6,60. Schr. 13,80. Sä 20,00. Folgende Restanten für Annoncen im„Neuen Social- Demokrat" werden ersucht, baldmöglichst die Rückstände an H. Rackow, Associations- Buchdruckerei, Berlin 80., Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8a, zu be- richtigen: Graßmonn Altona Mark 1,00. Manufakturarbciter-Vercin Barmen 1,00. Quick Hamburg 9,00. W. Lange Berlin 3,50. Bardonner Mühlhcim a. R. 2,00. Verden 3,60. Matthes Hannover 3,50. Neu. Münster 1,60. Steinmetz-Bercin Berlin 18,05. Breul u. Wienecke do. 5,60. Magdeburg do. 2,20. Gelsenkirchen Comitö 4,60. Frank Berlin Zusammenkunft 1,20. Arbciter-Wochen-Chronik Budapest 24,00. Edderitz Comits 1,20. Tölckc Iserlohn 9,20. Rummelsburg 4,00. Düsseldori 5,05. Hardert Minden 2,00. Offenbacher Tageszeitung 3,40. �Frank- Gießler 1,10. Hamburg Hörig 213,20. Tischlerverein Hamburg 28,40. Zimmererverein do. 12,20. Rothenburgsort bei Hamburg 11,40. Harburg 12,00. Schuhmacherverein Bremen 4,00. Stuttgart 14,00. Brc- men Cordes 29,30. Barmen 27,00. Verein der Klempner Berlin 17,50. Verein der Klempner Allona 120,10. Hannover Rudolph 14,70. Der Auffichtsrath der Berliner Associationsbuchdruckerci. I. A.: C. Derossi. I. Auer. Anzeigen ze. Annoncen für die Mittwochs-Nummer müssen bis Mon-- tag Vormittags 9 Uhr; für die Freitags-Nummcr bis Witt-- woch-Bormittags 9 Uhr? für die Sonntags-Nummer bis Frei- tag Vormittags 9 Uhr hier sein, wenn solche noch bestimmte Aufnahme finden sollen. Annoncen, denen der Betrag nicht beiliegt, oder für welche der Einsender kein Depot bei uns hat, können eine Aufnahme nicht finden. ___ Die Expedition des„Vorwärts". Sonnabend, den 4. Oktbr. Abends präcice 8 Uhr„ in Koppelmanns Salon: Volksversammlung. Tagesordnung: Die Bestrebungen der verschiedenen Parteien und die kommenden Rcichstagswahlen. Referent: Der Reichstagsabgeordnetc I. Most aus Berlin. O. Reimer. f70' Da Herrn Gundelach, Unzerstr. 25 1. die Annoncen- Expedition übertragen wurde, so ersuchen wir die im „Vorwärts" annoncirenden Gewerkschaften sc. Altonas sich an denselben zu wenden, da wir Annoncen, denen der Betrag nicht beiliegt, nur be- rücksichtigen, wenn solche von ihm eingesandt worden. Die Expedition des„Vorwärts" __ Leipzig, Färberstr. 12._ Sozial-Demokrat. Wahl-Berein. «yWUUvvvT« Sonnabend, den 4. November, Abends 8 Uhr, im Vereinslokale, Mittelstraße 11. General- Versammlung. Tagesordnung: 1) Abrechnung und Neuwahl des gesammten Vor- standcs. 2) Verschiedenes. Für diese Generalversammlung müssen alle Mitglieder anwesend sein.(F161) Der Präsident. s90 Altona. Altona. >> Alle Restanten des Volksstaat, ves Vorwärts und V4V. der Neuen Welt, sowie solche welche Schriften dezogen [40- haben, werden freundlichst-ersucht den Betrag zu entrichten. __ Im Auftrage: Herm. Kellner. Arbeiterbildungsverein. 5�0* Sonnabend: Vortrag von Herrn Liebknecht. Qrtilllt/t Metallarbeiter Gewerkschaft. Sonnabend, den 4. Nov., Abends 8 Uhr: Verfamm lung bei Jul. Menzel, Täubchenweg. Tagesordnung: Vortrag von L— d. Gewerkschaftliches.[40 [20 Sollte ein Gesinnungsgenosse in Hohenstein bei Chemnitz, gewillt sein, Auskunft über einige Personen daselbst geben zu wollen, so beliebe er seine Adresse an B. Behrnd, Bergstraße 79, Berlin, zu senden. Kostin werden erstattet.(F40)[120 Otto'TH??le in' Dresden! Lieber Freund! In Ermangelung Deiner genauen Adresse liegt am 5. November für Dich ein Brief postlagernd Hauptpostamt Dresden. �Herzlichen Gruß A. U. in Zürich.[120 Thüringer' Tis chbutter das Stück 75 Pf. bei Friedrich Walstab. (3a)__ Schönefeld iNeucr Anbau) Hedwigstraße 91.[180 Protokoll des Sozialisten-Congresses zu Gotha vom 19. bis 23. August 1876. Einzelpreis 30 Pf.; bei Bezug von 10 Expl. und mehr ä 25 Pft. das Stück. Das Kreuzbandporto, welches mit eingesandt werden muß, beträgt auf 1—4 Expl. 10 Pf., auf 5— 8 Expl. 20 Pf., auf 9— 16 Expl. 30 Pf. Bezuss nur gegen baar oder Nachnahme. iä�T Bestellungen sind zu machen beim Sekretariat der Partei, Hamburg, Pferdemarkt 37 III. Achtung! Douncrstag, den 2. November, Rachmitiags 3 erschien Uhr, u ackel Sozial-demokratisches Wahlflugblatt Nr. 1 für den 10., 11., 12., 13. und 14. sächsischen Wahlkreis. Preis per Stück 5 Pf., Wiederverkäufer erhalten hohen Rabatt. — Bestellungen bei der Expedition des„Vorwärts", Färber- sttaße 12, Leipzig.___ Verlag der„F a ck e l"._[150 Im Berlage der Genossenschaftsbuchdruckerei Leipzig ist erschienen und durch uns zu beziehen: Für die stanjösischen Krüder. Inhalt: I. An das Volk der beherrschten Klasse, von Felix Pygt. II. Die Arbeiterdelegation bei den Weltausstellungen. Preis pr. Exemplar 15 Pf. Arbeiter und Parteigenossen! Laut Beschluß des Gothaer Sozialisten- Congresses ist der Gesammtertrag dieser aus dem Französischen über- setzten Schrift für den Druck der Berichte der ftanzösischen Arbeiter- delegation nach Philadelphia bestimmt. „Kaufe sie Jeder von Euch! Verbreitet sie nach Kräften! Indem Schlachtendonner des unheiligen Krieges zwischen dem sinkenden ftan- zösichen und dem sich erhebenden deutschen Empire habt Ihr nicht ver- gessen, daß die französichen Arbeiter Euere Brüder sind. Beweist ihnen, die so oft und so heldenmüthig für unsere gemeinsame Sache,. für Euch gekämpft und gelitten haben, beweist ihnen jetzt durch diesen kleinen Tribut der Dankbarkeit, daß Ihr im Siegestaumel der Herr- schenden Klassen die Dienste nicht vergessen habt, welche das französische Proletariat den Unterdrückten aller Länder, welche eS der Menschheit geleistet hat,— daß Ihr Euere Feinde kennt und Euere Freunde— daß Euer Geist, Euere Thatkraft der Grenzpfähle spottet,— daß Euer Herz warm schlägt für die französischen Brüder!" Die Expedition und Buchhandlung des„Vorwärts". _ Leipzig, Färberstr. 12/11. furter Volksfreund 2110. en .fiper<'D[b Schulz_ 64,00. Barmen i Für Sachsen. Bei uns sind zu haben: Formulare zur Anmeldung von Versammlungen. 12 Stück 30 Pf. Kreuzband-Porto 10 Pf. Diese Formulare, welche zu Volks-, Vereins-, Wähler-, Sozialisten- ic. Versammlungen zu benutzen sind, werden entsprechend ausgefüllt, unter- schrieben und bei der betr. Behörde eingereicht. Die Expedition des„Vorwärts". , Virenlwortlicher Rcdakieur: W. Hasencleve r in Leipzig. Redaktion und Expedition Färbecstraße 12/11. in Leipzig.