erscheint in Leimig Uittnodj, Frcirag, Sonntag. ?!bonilem:ntSprcis •.'.T �cutichland 1 Si. 00 Pf. pro Quartal. Manals-Aboniirments (nctbcn lei aller, deutschen Posianftalten aus den 2. und!. vlonat, und aus den S.Monat besonders angenommen: im »Snigr. Sachsen und Hcrzogth. Sachsen- Altcuburg auch aus den uen Monat des Quartals h. 54 Pfg. Inserate betr. Versammlungen pr. Pctitzeilc lOPf., betr. Privatangelegenheiten und Feste pro Pctitzeile SO Pf. VorVärts Gestellungen nehmen an alle Postanstaltc» und Puch. Handlungen des In- u. iluslaud.s. Fillal- Expeditionen. > essen- l!en>-Dork: Eoz.-dcmolr. Sienrs schastsbuchdruckcrci, 154 Eldridg:« S1 Philadelphia: P. Haß, 6ZV Korth S-a Street. I. Boll, 1129 Charlotte Str. Chicago: A. Lanserman», 296 Division Street. Can Franjisco: F. iintz, 418 CZdar- rell Street. London: BaudiK, 5 lengann Street, dliddleeei Loexital. Gentrak Hrgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 26. Mitttvoch, 29. November. 1876. Abonnements aus den„Vorwärts" für den Monat Dezember 55 Pfennig werden bei allen deutschen Postanstalten, sür Leipzig pro Monat zu 60 Ps. bei der Expedition, Färberstr. 12 il, unserm Colportcur Moritz Ulrich, Südstr. 12, in den Filialen: Cigarrenladen des Hrn. Peter Krebs, Ulrichsg. 60, und Sattlerwerkst, am Königs- platz 7; für die Umgegend von Leipzig bei den Filialcxpeditionen: für 'D-rkmarsdorf, Steudnitz, Meuschönefeld ic. bei Frau Engel, Reudnitz, Täubchenwcg 29, 2 Tr., für ßonnewih:c. bei Teubert, Bornaische Str. 19, für Kkeinzschocher u. Umgegend bei Fleischer, Schloßg. 13 das., für Thonberg bei Kirsten, Hauptstr. 7, sür Meureudnih bei Zschau, 151, sür Utagwitz. Lindenau bei Frau Gräfenstcin, Aurelienstr. 3, für Hohtts:c. bei A. Herms- dorf, Lindenthaler Str. 7, für Stötteritz bei Grude, An der Papiermühle, angenommen. Für Vertin wird auf den„Vorwärts" monatlich sür 75 Pf., frei in's'Hans abonnirt, bei der Expedition der„Berliner Freien Presse", Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8a, und bei Rubenow, Brunnenstr. 34, im Laden. 00" Der Abonnementsbetrag ist bei Bestellung zu entrichten. Die Leipziger Abonnenten werden noch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß bei allen Stadtpost-Filialcn sowohl Quartals- als Monatsabonncmcuts angenommen werden. Viel Geschrei und wenig Wolle. i. Unfern Standpunkt zu den Schwurgerichten haben wir schon oft entwickelt. Wir wollen keine„gelehrten" oder besser gesagt, gelernten Richtern, die nach dem starren Dogma ihr Ur- theil sprechen uud schließlich von ihrer juristischen Unfehlbarkeit überzeugt sind, sondern wir wollen Volksgerichte, in welchen die Erwählten des Volkes sitzen und über diejenigen Glieder des Volkes, welche gegen das gemeinsame Wohl sich vergangen haben, urtheilen. Daß solche Volksgerichtc durch allgemeine gleiche und direkte Wahlen, ähnlich wie der deutsche Reichstag, hergestellt werden nüissen, wenn sie wirkliche Volksgerichtc sein sollen, ist so selbst- verständlich, daß man darüber kein einziges Wort mehr verlieren darf. Wie sind aber die jetzigen Geschworenengerichte oder Schwur- gerichte in Deutschland zusammengesetzt, die man fälschlich Volksgerichte nennt? Antwort: Aus den Begüterten, aus den Besitzenden werden durch die Behörden nach dem Steuerccnsus die Personen bestimmt, welche das Urthcil sprechen sollen. Nur die Klasse der Besitzenden ist befähigt, die Schwurgerichte zu bilden: die Klasse der Nichtbesitzenden— die große Masse des Volkes— ist ausgeschlossen. Sind nun derartig zusammengesetzte Gerichte Volksgerichtc? Nein, dreimal nein! Die heutigen Schwurgerichte sind Klassen- gerichte, Gerichte, in welchen gemeiniglich die Klasse der Be- sitzenden über die Klasse der Unbemittelten aburthcilt. Nehmen wir, um zu zeigen, wie sich das Urtheil solcher Klassengerichte im großen Ganzen gestalten muß, folgenden Ge- dankengang auf. Verbrechen gegen das Eigenthum, Diebstahl und Raub, werden durchweg nur von Richtbesitzendcn verübt; wer eine größere Summe von Eigenthum besitzt, wird nur in äußerst seltenen Fällen derartige Verbrechen begehen. Die be- sitzenden Geschworenen aber, welche sich kaum in den Gedanken- gang des Nichtbesitzenden hineinfinden, aber noch weniger seinen Bildungsgrad und die Ursachen desselben begreifen können und vielfach auch nicht begreifen wollen, sie sind durchweg immer geneigt, gerade das Verbrechen wider das„heilige Eigen- thum" in einem grelleren Lichte zu erblicken, als jede andere That, welche gegen das Wohl der Gesammtheit gerichtet ist. Verbrechen wider die Sittlichkeit, Ehebruch, Fälschung, Betrug und dergleichen erscheinen den besitzenden Geschworenen gc- meiniglich hingegen in einem milderen Lichte, weil dieselben auch oder vorzugsweise von der besitzenden Klasse verübt werden. So haben wir es thatsächlich bei den heutigen Schwurgerichten nicht mit vorurtheilslosen Richtern zu thun, sondern wir müssen gestehen, daß uns die starren, nach dogmatischen Formen rich- tendcn gelernten Richter mehr Garantie für einen gerechten Urtheilsspruch bieten, als die Schwurgerichte, welche man Volks- gerichte nennt, die aber Klassengerichte sind. Würden die Schwurgerichte hingegen durch öffentliche allge- meine Wahlen von dem gesammtcn Volke zusammengesetzt, so könnte es allerdings der Fall sein, daß ein oder das andere Schwurgericht das eine oder das andere Mal gerade nicht all- zugut zusammengesetzt würde, aber im Allgemeinen würden wir bei den heutigen Zuständen aus allen Schichten der Bevöl- kerung Mitglieder des Gerichts erhalten, welche uns die Garantie böten, daß niemals einseitige Klasseninteressen das Urtheil leiten könnten, sondern daß die Stimme des Volkes in dem Urtheil einzig und allein zum Ausdruck gelangte. So steht es in Bezug auf die gesellschaftlichen Vergehen und Verbrechen. Wie aber gestaltet sich die Sache bei den politischen Ver- gehen? Ter gelernte Richter ist allerdings Staatsbeamter, deshalb auch in dem Vorurtheil befangen, daß dieser Staat, von dein er das Brod erhält, sich meistentheils im Rechte befindet uud nick.t angegriffen werden darf. Er besitzt aber einen großen Respekt vor den juristischen Formen, er vcrurtheilt selten über diese hinaus, weil er weiß, daß das Verlaffen dieser Formen leicht zur richterlichen Willkür s.ü..-, wodurch danr. sehr bald die Würde seines Standes und dadurch sein Stand selbst gefährdet wäre— deshalb hält der gelernte Richter auch in politischen Prozessen Maaß und Ziel. Zur besitzenden Klasse gehört er meistens auch nicht, er hat also kein besonderes Klasseninteresse. Das„heilige Eigcnthum" interessirt ihn persönlich deshalb auch wenig; und dann hat er durchweg genug gelernt, um einzusehen, daß die theoretischen Angriffe gegen das Eigenthum und die sozialisfische Propaganda eine nothwendigc Folge der Uebergriffe und Ausschweifungen des Eigenthums selbst sind— sein Urtheil wird also meistentheils ein objektives und gemäßigtes sein. Wie sieht es aber in politischer Beziehung bei den Schwur- gerichten, bei den sogenannten Volksgcrichten aus? Gegen den Staat sind die Klassengeschworenen meist einge- nommen solange, als derselbe sich nicht ihrer Klasse angepaßt oder gar unterworfen hat; ist dies aber geschehen, so ist auch der Staat ein heiliges Institut und jeder Angriff gegen ihn wird als ein Attentat auf das eigene Klasseninteresse aufgefaßt. Das „heilige Eigenthum" aber darf durchaus nicht, nicht einmal in der Theorie angegriffen werden, damit wird ja die Klasse der Besitzenden, ja der einzelne Geschworene selbst angegriffen. Dann urtheilt das Schwurgericht, wie es jetzt zusammengesetzt ist, in seiner eigenen Sache. Oberster Grundsatz aber ist, daß ein Richter niemals in seiner eigenen Sache urtheilen soll. So sehen wir, daß auch bei politischen Vergehen der„ge- lernte" Richter den Borzug noch hat vor den Klassengerichten. Volksgerichte, aus allgemeinen gleichen Wahlen hervor- gegangene Schwurgerichte, sie allein können, und besonders in politischen Tingen vorurtheilsfrei richten. Da wir aber solche Gerichte nicht haben und auch wohl in der nächsten Zeit nicht erhalten werden, so stehen wir vor deni Dilemma, von zwei Ucbcln das Kleinste zu wählen, da in kurzer Zeit die Abstiminung über die Verweisung der Preßvergehen vor die Schwurgerichte bei der dritten Lesung im Reichstage end- gültig entschieden wird. Nach den obigen Erörterungen dürste es nicht zweifelhaft sein, daß die sozialistischen Abgeordneten gegen diese Verweisung stimmen werden, da ja prinzipiell ein bürgerliches Klassen- gericht dem Sozialdemokraten viel widerwärtiger erscheinen muß, als ein orthodox-juristisches Standcsgcricht; wenn nun aber trotzdem die Entscheidung anders ausfällt, ivenn die sozialistischen Abgeordneten trotzdem für diese Verweisung stimmen wer- den, so bedarf diese scheinbare Prinzipienvcrletzuug einer näheren Aufklärung, die wir uns für die nächste Nummer dieses Blattes vorbehalten. Jedoch wollen ivir schon heute bemerken, daß die Erwägungen, welche die sozialistischen Abgeordneten bei dieser Frage leiten, rein politischer Natur sind, da die praktischen Nachthcile, welche durch die Uebcrwcisung der Preßvergehen an die heutigen Schwurgerichte gerade für die sozialistische Presse entstehen, ebenso klar uns vor Augen sind, wie die Wahrheit des Prinzips, daß ein bürgerliches Klassengericht verderblicher wirkt, als ein juristisches Staudesgericht. Wir bringen in der heutigen Nummer einen Auszug aus einigen wichtigen Reden, welche bei der zweiten Lesung des be- Zreffendcn Paragraphen gehalten worden; wir werden uns in dem nächsten Artikel mehrfach auf dieselben berufen und bitten deshalb unsere Leser, denseloen die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Noch wollen wir hier bemerken, daß wir es gerade gewesen sind, lvclche zuerst in der Presse die Widersprüche nachgewiesen haben, die daraus entstehen, wenn man die Prcßverge'hen vor die Schwurgerichte verweist und die Redevcraehen, die andern polifischen Vergehen dem Bcrufsrichter zum Aburthcilen überläßt. ! Wir verweisen in Bezug hierauf auf den Leitartikel in Nr. 4 j des„Vorwärts" mit der Ueberschrift:„Eine juristische Un- i gehcuerlichkeit." Wenn wir nun trotzdem, trotz solcher Ungeheuerlichkeit wie wir es in nächster Nummer noch näher auseinandersetzen werden, uns endgültig für die Uebcrwcisung der Preßvergehen vor die heutigen Schwurgerichte aussprechen, dann zeigen wir dadurch eine große Enthaltsamkeit und dokumentiren, daß wir gewillt sind, selbst die bescheidensten Zugeständnisse in Hinsicht der bür- gcrlichen Freiheit zu acccptiren, um ans ihnen weiter bauen zu Schon aus obigen Ausführungen aber erficht man, daß all' das liberale Geschrei, welches aus der Ueberweisung der Prcßvergehen an die Schwurgerichte eine wichtige freiheitliche Errungenschaft machen will, sehr schaal und„kahl" ijt, daß die„Freiheitswolle", mit welcher die Liberalen das Volk bekleiden wollen, ungemein gering ist und daß man dem ganzen Gebahrcn jener Helden gegenüber wohl berechtigt ist, zu sagen: „Viel Geschrei und wenig Wolle!" Prchvergehen vor den Schwurgerichten. In der zweiten Lesung der Justizgesetze kam im Reichstage auch die Frage zur Verhandlung, ob die Preßvergehen vor die Schwurgerichte zu verweisen seien, oder ob der„ordent- iiche" Richter dieselben abzuurtheilen habe. Wir bringen hier einige Stellen aus den Reden des preußischen Justizministers Or. Leonhardt und des fortschrittlichen Abgeordneten Franken- burger und verweisen zugleich auf den vorstehenden Leitartikel: „Viel Geschrei und wenig Wolle." Wir werden auf nachstehende Aeußerungen, wie wir es in vorstehendem Leitartikel auch angedeutet haben, in der nächsten Nummer noch näher eingehen. Der preußische Justizminister bemerkte m der beregtcn De- batte unter Anderm: Ich erlaube mir einige Worte nutz?� �n, die von einem Manne herrühren, welcher von Niemand an Eifer in der Ver- theidigung der Geschworenengerichte und an Einsicht in diese Verhältnisse übertroffen wird: von meinem Collegen in Wien Herrn Dr. Glaser. Ich weiß nicht, ob er die darin ausge- sprochenen Ansichten noch heute theilt; im Jahre 1864 schrieb er als ordentlicher Professor in einer Broschüre:„Die Jury ist mehr als ein wohlbesetztes Collegium ständiger, unabhän- giger, geschäftskundiger Richter der Gefahr ausgesetzt, durch politische, nationale oder religiöse Leidenschaften fortgerissen� durch Deklamationen und Sophismen einerseits, andererseits durch das Ansehen der Staatsanwaltschaft oder eines vorein-! genommenen Präsidenten vom richtigen Wege abgelenkt zu werden. Sie kann leichter verleitet werden, ihre richter-! liche Stellung zu vergessen und in die Gebiete des Gesetz- gebcrs oder Begnadigers hinüberzugreifen. Der Mangel an Uebung, die Rechtsunkcnntniß der Geschworenen, die kompli-! zirten Formen des Geschäftsganges werden hier und da Schwierigkeiten und somit Gefahren bereiten, welche ständigen Richtercollegicn fremd sind." Dann berief der Minister sich auch auf unseren Freund Tess e n- dorf in nachstehender drastischen Weise: Vom politischen Standpunkt aus betrachtet, ist zu bemer- ken, daß die Vorschriften des§ 59 a vollständig mit diesem in Widerspruch stehen, denn das ist ja gewiß, daß nicht jedes Prcßvergehen politische Tendenz hat und daß viele politische Verbrechen und Vergehen nicht Prcßvergehen sind. Denn die Presse ist ja nur ein Weg, um gewisse Tendenzen zu ver- folgen. Ihm gleich steht jedenfalls die mündliche Rede in öffentlichen Versammlungen, und so haben denn die 8K 110 und III des Strafgesetzbuchs ganz gleiche Vorschriften für die Uebcrtretungen oder strafbaren Handlungen durch die Presse, wie für die durch Rede vor einer öffentlichen Menge began genen. Ich glaube also, daß nach dieser Richtung hin betrachtet der§ 59 a gar nicht haltbar ist. Man darf vielmehr be- haupten, daß der A 59 a das reine Privilegium der Presse ist. Ob nun dieses Privilegium ein kavorabile oder odiosum*) ist, das hängt ab von den politischen Stimmungen, den Zeitströmungen. In einer Conferenz von zwölf hervor- ragenden praktischen Justizbeamten des Bundes, ivelche ich im Mai oder April abgehalten habe, bemerkte ein Mitglied dieser Eonferenz, das mit diesen Angelegenheiten sehr vertraut ist. daß er von den Geschworenen ganz andere Urtheile gegen die sozialistische Presse erlangen werde, wie von einem Berufsrichter, und die übrigen elf Mitglieder der Conferenz traten diesem Herrn— es war der Staatsanwalt. Tessendorf— bei. Man sagt, das Privilegium der Presse. welches§ 59a enthält, sei lange Rechtens in Süddeutschland! insbesondere in Bayern, und da sich die Einrichtung dort be währt habe, könne man es den süddeutschen Staaten nicht zu-- muthen, dieselbe aufzugeben und einen Rückschritt zu machen.. Diese Erjvägungen kommen dem Standpunkte des Entwurfes gegenüber gar nicht in Betracht. Dem Entwürfe gegenüber steht der Bcrufsrichter an Qualifikation den Geschworenei gleich und es würde dann nur darauf ankommen, wo denn das größte Ländergebiet wäre, auf der einen oder der andern Seite. Doch ich will davon absehen und weiter bemerken, da, die Behauptung, daß den süddeutschen Staaten ein Rückschritt zugcmuthet werde, gar nicht bewiesen ist. Mit demselben Rechte würde man sagen, sie würden einen Fortschritt machen, wcnr sie der übrigen Ländergruppe sich anschließen. Wenn vor Seiten der süddeutschen Staaten behauptet wird, daß ihr Einrichtung keine Uebelstände herbeigeführt habe, so will da� wenig bedeuten, und ob das der Fall ist, steht noch dahin � denn nach Nachrichten, die ich von rechtskundiger Seite er. halten habe, haben in ftühcren Zeiten in Bayern die Geschwo rencn ganz unbegründete Freisprechungen eintreten lasse, und in der Rheinpfalz war inan allmählich dahin, gelangt, gai keine Anklagen wegen Prcßvergehen mehr zu erheben, wci' man voraussah, daß das eine ganz überflüssige Mühe sei. Abg. Franckenburgcr bemerkte demnächst: Was die politischen Gründe betrifft, so wäre es allerdings nur consequent, nicht blos die Preßsachen, sondern auch all politischen Verbrechen und Vergehen durch Geschworene ab' urtheilen zu lassen. Aber der Justtzministcr, der meine.■ Wissens der Verweisung der übrigen polittschen Vergehen ur, Verbrechen an die Geschworenen noch mehr abhold ist, al! der Verweisung der Prcßvergehen an dieselben, wird doch wol,' mit einem solchen Einwand nicht kämpfen können. Gewi"' würden wir es viel lieber sehen, daß alle politischen Delikt den Geschworenen zugewiesen würden, weil wir meinen, da' i sie die besten Urtheilcr darüber sind; aber wir bescheiden un' mit dieser Abschlagszahlung, für die wir aus einer 28jährigc Erfahrung das Zeugniß anführen können, daß weder da' Staats- noch das Gemeinde-Jnteresse unter dieser Einrichtun' Schaden gelitten, sondern daß sie zun, Wohle beider gediei' und gewirkt hat. Dann gestand derselbe Abgeordnete Folgendes zu: Früher waren die Preußen den Süddeutschen immer., z£ liberal, sollte es heute umgekehrt sein und die SüddeRu- jetzt zu liberal geworden sein? Einzelne Stimmen, dsten' Ansicht des Herrn Justizministcrs sind, gicbt es ja aurr-' d Süddeutschland, aber die sind gegen Geschworene Lberl�» � Es gab eine Zeit, wo die Geschworenen fast regelmäßig �«| sprachen, das war zu Ende der fünfziger und Anfang\ sechsziger Jahre; aber der Grund war der, daß man zu vi Anklagen erhob, und man gab nicht blos von liberaler, so, dern auch von conservativer Seite den Geschworenen Rech *) Ein der Allgemeinheit genehmes oder gehässiges. �rfsassösssir' T Ich selbst habe ein Blatt sieben Mal vertheidigt und es wurde immer freigesprochen, nicht weil die Geschworenen zu liberal waren, sondern weil eine Berurtheilung überhaupr nicht zu erwarten war. Die fortschrittliche Presse und leider auch eins unserer Par- teiorgane feiert die seichte Rede des Abgeordneten Franckenburgcr in folgenden Worten: Wahrhaft wohlthuend war die Wärine, mit welcher Herr Franckenburger für die Geschworenengerichte nicht nur in Preß- fachen, sondern bei allen politischen Vergehen eintrat und die wahren Gründe darlegte, aus welchen seine Landsleute in Bayern für das so lange bei ihnen bewährte Institut ein- genommen seien. Gerade die Aburtheilung der politischen und der Preßvergehen, sagte er, sei so recht Sache der Ge- schworenen, die über alle Vergehen gegen den Staat und gegen Beamte, aber auch von Beamten zu erkennen be- rufen seien. Die Richter in Bayern genössen wahrlich des gleichen Vertrauens wie in Preußen, aber sie nehmen in Preß- fachen das Vertrauen nicht in Anspruch, weil das Volk ein größeres Vertrauen zu dem Urtheil der Geschworenen habe. Der Richter sei ja doch immer Mitbürger der Staatsgewalt und stehe bei Angriffen auf den Staat wenigstens im Scheine der Abhängigkeit. Der Berufsrichter müsse nothwendig auf das Avancement sehen. Die Geschworeneu seien übrigens in Strafsachen nicht die Ausnahme, sondern sie sollten als Volks- gericht die Regel bilden, darum könne von einem Ausnahme- gerichte nicht die Rede sein, aber auch nicht von einem St an- desgerichte in Preßsachen, da nicht blos der Zeitungs- redakteur, sondern Jedermann wegen Preßvergehen unter An- klage gestellt werden könne. Die treffliche Rede wurde auf der linken Seite mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Zu diesen Elogen kann man übrigens erst recht sagen:„Viel Geschrei und wenig Wolle." Die Kunst und die Sozialdemokratie. Von A. Douai. i- > l Wen» man die Künstler insgeheim abstimmen lassen könnte, ob sie unter den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen das- jenige leisten können, wozu ihr künstlerisches Gewissen sie antreibt, und ob sie diese Verhältnisse der wahren Kunst für heilsam ansehen, so würde vermuthlich eine Mehrheit mit einem entschie- denen Nein antworten, selbst wenn man Alle abstimmen ließe, welche sich blos Künstler nennen, ohne die wahre Weihe empfangen zu haben. Die wahren Künstler verwünschen alle laut oder im Süllen den grausamen Bann, unter welchem die kapitalisüsche Gesellschaft sie hält; da sie aber leben wollen, und zwar so sorgenfrei und angesehen, wie es zum künstlerischen Schaffen unerläßlich ist. so dulden sie das schwere ihnen auferlegte Joch, so gut sie können. Das ist freilich noch die mildeste Auslegung, welche wir ihrem Verfahren angedeihen lassen können; denn die Kunst ist s.' voll Selbstbelohnung, daß man erwarten sollte, sie werde jedem ihrer Jünger die sittliche Kraft geben, Entbehrungen, Zurücksetzung und harte Lebenskämpfe zu ertragen, um blos ihr zu dienen, anstatt dem Gott Mammon, jene Kraft, welche Schiller von den Künstlern verlangt in der unsterblichen Stelle: Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben, Bewahret sie! Sie sinkt mit euch, mit euch wird sie sich heben. Von ihrer Zeit verstoßen, flüchte Die ernste Wahrheit zum Gedichte Und finde Schutz in der Camönen Chor. In ihres Glanzes höchster Fülle, Furchtbarer in des Reizes Hülle, Erstehe sie in dem Gesänge Und räche sich mit Siegesklange An des Verfolgers feigem Ohr. Der freisten Mutter freiste Söhne, Schwingt euch mit festem Angesicht Zum Strahlensitz der höchsten Schöne! Um andre Kronen buhlet nicht! Von der heutigen Kunst darf man sagen, daß sie mit ivenig Ausnahmen, um die Krone der Lüdcrlichkcit oder der Abge- schmacktheit buhlt. Wenn man nach ihr die Zeit beurtheilen will— und was könnte gerechter sein? so ist dieselbe verurtheilt. Während auf der einen Seite die ausübende Fähigkeit, das Handwerk in der Kunst, eine nie erlebte Höhe erreicht hat, die Mittel der Darstellung der Wahrheit im Gewände der Schönheit aus das vollkommenste ausgebildet und jedem Kunstschüler weit «t Ein drastischer Beitrag zum preustisch-dcutschen Militarismus. Das Breslauer Bezirksverwaltungsgericht wies in zweiter V Instanz die Beschwerde der kgl. Commandantur gegen die Straf- androhungen des Amtsvorstehers von Oswitz wegen fernerer Benutzung der Mililär-Schießstände zurück und hielt die Ent- j' scheidung des Kreisausschusses auftecht. Im„Äolksstaat" ist •'■der Sache früher schon Erwähnung gethan; wir theilen die höchst interessante Vertheidigungsrede des angegriffenen Amts- Der Amtsvorsteher von Oswitz, Geh. Reg.-Rath Schröter, !' constatirt zunächst, daß sich die Berufungsschrift der königlichen I' ff_______.___ j...—.-—S» Ski« Art*» Srt5 VJJrt v+'vrtf ovS Sr»v T iyii� . �Commandantur und die Ausführungen des Vertreters der letz j �teren mehr gegen die Verfügung des Amtsvorstandes, als gegen [' das vorliegende Erkenntniß des Kreisausschusses gerichtet. Die !- Einwendungen der Commandantur gipfelten in den Behauptungen, ;' daß die Gefahr für die öffentliche Sicherheit bei den Schieß- � ständen nicht in dem Grade vorhanden sei, als dies bei der J!. Androhung der Exekutivsttafen ausgeführt worden, daß aus all i( gemein staatsrechtlichen Gründen der Amtsvorstand überhaupt ■ nicht competent sei, eine Verfügung gegen die königliche Militär- ! i behörde zu erlassen.',, t � \ Was den ersten Punkt, die in Abrede gestellte Gefährdung der , öffentlichen Sicherheit durch die Schießstände anlange, so führe .' er, um den Nachweis zu liefern, in welch' ausgedehntem Maße diese Gefahr vorhanden sei, folgende Thatsachen an. Im Herbst i>—- Jahres 1868 wurde durch eine aus den Schießständen kom- ' che Kugel eine Frau getödtet, im Juni 1869 wurde der ! j Leivstffslootse Carl Zanke von einer Kugel aus den Schießständen ' c tmi Bein getroffen, so daß letzteres amputirt werden mußte, am -:' Dezember 1873 wurde in derselben Weise der Schiffer Sauer *.uf einer Sandbank bei Oswitz getödtet. Erst nach dem Er- ]■ kenntniß vom 28. Mai seien von den Eisenbahnbeamten der '' Oberschlesischen Eisenbahn genaue Beobachtungen über das Ein- (. schlagen der Kugeln aus den Schießständen gemacht, und es sei durch die Bahnwärter constatirt worden, daß im Laufe von fünf i. Tagen 141 Kugeln die Brücke der Oberschlefiscken Bahn über � 1 die Oder erreichten. Aus den amtlichen Akteu des Magistrats ' leichter zugänglich gemacht sind als je vorher, tritt der Zweck der Kunst, ihr eigentliches Wesen, immer mehr in den Hinter- grund. Sie soll uns erheben über das Alltägliche, rühren und begeistern für alles, was den Menschen vom Thicre unterscheidet, in jedem Hörer und Beschauer den Sinn für die schöne Form alles Wahren ausbilden und dadurch jedes kommende Geschlecht eine sittliche Stufe höher als das vorangegangene befördern. Sie soll, indem sie in den größten Kreisen dieselben Gefühle der � Hingabc an das Geisttge und die Bewunderung seiner angemes- senen Formen pflegt, uns aus unserer kleinlichen Selbstsucht und Beschränktheit erlösen und uns mit anderen Menschen zusammen die wahre Würde des Menschen empfinden lassen und ein Bruder- baufl um Alle schlingen. Sie soll die höchste Stufe der zeitge- nösfischen Erkenntniß in das für Alle reizende Gewand der Formvollendung hüllen und dadurch Jedem den echten Zweck des Lebens verstehn lassen, welcher unablässiger Fortschritt ist. Sie soll die allgemeinste Fortbildungsschule der Erwachsenen und der Ausdruck der höchsten Ziele eines ganzen Zeitalters sein. Wenn sie das nicht ist, so ist sie eine feile Dirne— denn ein Drittes kann es nicht geben. So faßte es Schiller auf, und wir möchten Den sehen, der ihm ernstlich zu widersprechen wagte. Wo aber sind heute die„freisten Söhne der freisten Mutter"?— Welcher Dichter, welcher Maler, Bildhauer, Bau- künstler, Sänger und Tonsetzer und darstellende Künstter ver- körpert uns heute unsere Zeit-Jdcale?— An reichbegabten Menschen fehlt es nicht, an guten Schulen für jede Kunst ebenso- wenig(nur die Volksschule ist stiefmütterlich bedacht) an großen Mustern aller Kunstalter noch weniger, und die zeitgenössische Wissenschaft hat die Gesichtskreise überall in nie dagewesenem Maße erweitert und geklärt, so daß erhabnere Ziele der Mensch- heit entgegen leuchten als je vorher.— Also wo sind die wahren Künstler, welche mit des Glanzes höchster Fülle die Wahrheit an des Verfolgers feigem Ohr rächen? Ach, sie gehen nach Brote! Ach, sie buhlen um Kronenthaler und Kroncnorden! Sie schwingen sich mit feistem Angesicht zum Strahlensitz der Geld- und andern Könige. Sie rächen sich für den Hunger, den sie im Beginne ihrer Laufbahn ausgestanden, an ihrem Zeitalter mit dem Siegesklange des baaren Thalers. Sie kämpfen in den Reihen der Ausbeuter für das göttliche Recht der Ausbeutung, oder sie finden sich mit ihrem Kunstge- wissen durch einige wohlfeile Bücklinge gegen die Sache der Freiheit und des Fortschritts ab, welche bewirken, daß sie in beiden Lagern geduldet werden, weil die Bourgeoisie merkt, die Huldigung der Freiheit sei nicht ernst gemeint, und das Volk den Schein für die Sache nimmt. Es ist im höchsten Grade bezeichnend für die herrschende Entwürdigung der Kunst— welche immer Schritt mit der Ent- Würdigung des Menschenthums hält— daß die Mache das Wichtigste beim Kunstwerk geworden ist. Der aufsttebende Künstler muß eine neue, eigenthümliche Darstellungsweise zur Schau tragen, sonst bleibt er unbemerkt. Die Bourgeoisie, von deren Gnade der Künstler abhängt, will nicht gerührt, begeistert, belehrt sein, sie verlangt Sinnenkitzel, der bei der Abstumpfung ihrer Nerven nur in neuen Reizen, überspannten Schlagwirkun- gen, überraschenden Gegensätzen oder schamloser Nacktheit bestehen darf. Das Einfache, rein Natürliche, Hochmenschliche wirkt bei dieser sittlichen Fäulniß nicht mehr; der Künstler muß das Un- geleistete und Ueberspannte erhaschen, er muß alles Dagewesene zu überbieten suchen, aber nicht etwa in der Treue gegen das Unschöne, sondern in Bevorzugung einer der drei Grunderforder- nisse jeder Kunst auf Kosten der anderen. Diese drei Grund- erfordernisse sind Sinnenreiz, Verstandesreiz und Ver- nunftreiz. In der Malerei ist der erstere durch die Farbe, in der Bildnerei durch die Form, in der Baukunst durch die Zierrathen, in der Musik durch die Melodie, in der Dichtkunst durch den sprachlichen Wohllaut, in der Darstel- lungs- und Tanzkunst durch die menschliche Schönheit, gegeben. Der zweite ist zu finden in der Malerei durch die Zeichnung, in der Bildnerei durch die Stellung der Figur, in der Baukunst durch die Angemessenheit an den Zweck des Baues, in der Musik durch die Harmonie, in der Dicht- kunst durch den Sinn der Worte, in der Darstellungs- und Tanzkunst durch die treue Nachahmung der Natur. Der dritte wirkt in der Malerei, Bildnerei und in allen Künsten durch den geistigen Ausdruck, in Musik und Dichtkunst besonders durch das Zeitmaß, welches dem geisttgen Ausdrucke sich am meisten anschmiegt. Sind diese drei Grunderfordernisse nicht in Eins verschmolzen, so daß keines die anderen zurückdrängt, so giebt es kein wahres Kunstwerk, sondern Verkünstelung, mag auch das Handwerk, die Mache, der Zchliff daran noch so außergewöhnlich sei». Sind aber diese drei Elemente in gegenseitiger Durchdringung vor- handen, so wird das Kunstwerk sich so gegliedert zeigen, daß es ein strenges Ganzes aus abgemessenen Theilen und Verhält- nissen bildet, die ein Jedes sich um des Ganzen willen vor- handen darstellen und es im Einzelnen widerspiegeln, aber in reicher Mannigfaltigkeit. Das ist in wenigen Worten das Wesen der Aesthetik, der Lehre von der Kunst und der Schönheit. Lege man nun diesen strengen Maßstab an die künstlerischen Schöpfungen unserer Tage! Bon den alten Hellenen, den Meistern in jeder Kunst, ist nach- gewiesen, daß sie diesen Maßstab kannten und anwendeten. Von den Meistern der Renaissance(der um die Reformationszeit wieder aufgelebten wahren Kunst) wird Niemand bezweifeln, daß sie diesem Maßstabe sich unterordneten. Ja, bis in unser Jahr- hundert herein, das reicher als jedes frühere an kunstwiffen- schaftlichen Lehren ist, ist dieser Maßstab an jedes Kunstwerk gelegt worden. Aber die Künstler können damit nicht länger Glück machen, und sie— pusten auf die Kunstbeurtheilunq der Wissenschaft. Beginnen wir mit der Malerei, für deren Mache die Ent- deckungen und Erfindungen der Neuzeit mehr als für jede andere Kunst gethan haben. Im Allgemeinen bevorzugt sie die Farbe und die Lichtwirkungen, oder aber die Zeichnung; von geistigem Ausdrucke dessen, was unserm Zeitalter seine Bedeutung verleiht, ist bei keinem der bekanntesten lebenden Künstler eine Spur zu finden. Ihre Lieblingsgegenstände sind deshalb die Landschaft, das Lebensbild, das Brustbild und die altkirchliche Fabelwelt. Vergreift sie sich einmal an einem geschichtlichen Stoffe, so ist es gewiß kein fortschrittlicher, sondern ein mordpatriotischer oder etwas dem Aehnliches, die Vergangenheit und ihre Ziele Ver- Herrlichendes Wir nennen keinen Namen; denn unter den zahllosen her- vorragenden lebenden Farben- und Zeichnenkünstlern ist Keiner, dessen Herz für die große Zukunft der Menschheit schlüge, oder der das zu verrathen wagte. Der Eine sucht durch die geile Nacktheit und ihren reizenden Farbenschmelz, der Andere durch Verherrlichung des von der Menschheit Verurtheilten in der Gegenwart oder Vergangenheit, der Dritte durch überraschende Beleuchtungsgegensätze, der Vierte durch übertriebenen Ausdruck der Gesichter und Gestalten alles Frühere zu überbieten, und die verschiedenen Malerschulen puffen ihre Mitglieder gegenseitig auf, weil Keiner mehr in die Höhe kommen kann, der nicht das Sprichwort beachtet:„Eine Hand wäscht die andere." Es steht viel schlimmer um die Bildnerei, weil die Schön- heit der menschlichen Gestalt immer mehr in Abnahme kommt, von welcher den in dieser Kunst unübertrefflichen Helleneu die reichste Auswahl von Mustern nie fehlte; aber auch weil die Färbung der Bildsäulen, welche bei diesen gebräuchlich war, unseren ehernen und marmornen Statuen fehlt. In Erz ge- gossene Menschengestalten— welche Abgeschmacktheit! Marmorne Gesichter und Gliedmaßen— welche Unnatur! Und diese Ver- rücktheit noch immer im Gange, obschon längst nachgewiesen ist, daß die weißen hellenischen Statuen, in deren Nachahmung man begriffen ist, die Farbe im Laufe der Zeit verloren haben! Aber das ist das Schlimmste nicht an der neueren Bildnerei. Ihr Brot findet sie in der gewerbsmäßigen Verfertigung von Büsten von Geld- und anderen Königen, die zum Glück in deren Wohnungen verbleiben, und in Verzierung öffenklicher Gebäude und Kunstgärten für die Begüterten, in der Beförderung der Denkmalswuth für Männer der Vergangenheit und in der An- füllung von Kunsthalleu, zu denen dem Kunstwerk von gekrönten Häuptern oder parteiischen Handwerksgenossen der Einlaß ge- sichert wird, endlich im Kirchendienste. Da der geistige Ausdruck und die geschichtliche Bedeutung somit selten im dargestellten Gegenstande selbst liegen und ohne Unwahrheit nicht hincingezaubert werden können, so muß ent- weder sinnbildliche Darstellung der Verdienste des Bedenkmalten auf dem Fußgcstell, oder gar erklärende Schrift aushelfen; von lebendiger, sich selbst erklärender Handlung ist nichts zu sehen, man findet die Bedeutung erst durch die Erklärung eines Ein- geweihten heraus. Die größte Kunst scheitert an der Alltäglich- keit des Verewigten, der keine allgemein menschliche Bedeutung hat, nicht zum natürlichen Schönheitssinne spricht und, heraus- gerissen aus dem Rahmen der Zeitgeschichte, in welche er viel- leicht eingegriffen hat, für das Volk eine unbegreifliche Größe bleibt. Wahrlich, ein Bildhauer zu sein, ist kein beneidens- werthes Loos in der heutigen Gesellschaft, und viele große Be- gabung bleibt hier fruchtlos aus Mangel an würdigen Gegen- ständen der Darstellung. ein- vertrieben worden und daß 6 Kugeln in die Arbeitsbude schlugen. Das königl. Polizei-Präsidium zu Breslau habe aus Anzeige des Magistrats über den Vorfall den von dem Vertreter der königl. Commandantur als einzig möglich dargestellten Weg des„Benehmens" verfolgt und die Commandantur mit der Bitte um Abhilfe von der Sache in Kenntniß gesetzt. Die Antwort der königl. Commandantur ging dahin, daß es dem Magistrat anheimzugeben sei, an den Tagen, an welchen geschossen würde die Kanalarbeiten an jener Stelle einzustellen. Er sei der Ansicht, daß, nachdem bereits zwei Menschen getödtet, einem das Bein zerschossen, nachdem seit der Einführung des Mausergewehres und der dadurch verlängerten Flugbahn die Gefahr in hohem Grade erhöht worden, thatsächlich Uebelständc vorhanden seien, welche ein Einschreiten rechtfertigen, und daß er im Interesse der Einwohner von Oswitz, des Eisen- bahn-Publikums, der Beamten der Strombauverwal- tung und der Einwohnerschaft Breslaus dazu verpflichtet ge- wesen. Er selbst sei Offizier und habe die Ehre, drei Söhne im Heere zu zählen, dies könne ihn jedoch nicht hindern, seine Pflicht als Vorsteher des ihm anvertrauten Amtsbezirkes zu thun und das Leben und die Gesundheit der Amtseingeseffenen zu schützen gegen Gefahren, welche denselben aus der ferneren Benutzung der Schießstände in so hohem Grade drohen. Was die Insinuation der königl. Commandantur anlange, daß er bei seinem Einschreiten von persönlichem Interesse geleitet worden, so sei er bei seiner loyalen Behandlung der Sache auf diesen Einwand nicht vorbereitet gewesen, er protestire entschieden gegen die von keiner anderen Seite sonst gethane Anschuldigung" und erkläre, daß sein persönliches Interesse an der Sache ein außer- ordentlich geringes sei, daß er an der gefährdeten Stelle nur Weidenwerder besitze und niemals weder Gespann noch Leute von ihm dort beschäftigt seien. Zum zweiten Punkt, die Jncompetenz des Amtsvorstandes der Militärbehörde gegenüber übergehend, äußert sich Geh.-Rath Schröter dahin, daß die durch die Reichsverfassung dem Reichs- oberhanpt zustehende Pflicht, für die Kriegstüchtigkeit des Heeres zu sorgen, kein- schrankenlose sei und der Militärbehörde nicht das Recht iphinume, bei der Ausbildung der Mannschaften das Leben der Fnrs.'ger �zu gefährden. Die Militärhoheit sei teils der Truppen im dienstlichen Interesse Eingriffe in das Privateigenthum geschehen, wenn der Sappeur Bäume im Pri- vatwald fällt, so würde es nach den Begriffen der Militärhoheit strafbar sein, für den Gewaltakt durch das Festhalten des mili- lärischen Befehlshabers Recht zu suchen. So sei im vorliegenden Fall nicht zu untersuchen gewesen und nicht untersucht lvorden, welche Truppentheilc, ob das 10. oder das 11. Regiment ge- schössen, sondern der Reichsmilitärfiskus sei als Eigenthümer des 1 Grundstücks, auf welchem die Gefahr bringenden Schießstände sich befinden, verantwortlich gemacht worden. Daß durch die erstrebte Verlegung der fraglichen Schießstände die Ausbildung der Truppen zur Kriegstüchtigkeit verhindert oder beeinträchtigt iverde, werde im Ernst Niemand behaupten. Die Militärschieß- Plätze für die Artillerie bei Carlowitz, von denen aus die Kugeln über die Trcbnitzer Chaussee hinwegflogen, seien auch nach der - Falkenbcrger Gegend verlegt worden; daß der Kriegsminifter i selbst die Verlegung beabsichttge, gehe aus einem am 27. Oktober an den Brcslaucr Magistrat gerichteten Schreiben hervor, in welchem ausdrücklich von der Einleitung der zu der Verlegung nöthigen Maßregeln und dem nach erfolgtem Abschluß der Ver- Handlungen und der Gewinnung eines anderen Platzes bcabsich- tigtcn öffentlichen parzellenweisen Verkauf der Terrains der Schießstände auf der Viehweide die Rede ist. Bezüglich der Ausführungen, daß die beiden von dem Könige ihre Macht herleitenden Behörden, die Militär- und Polizeibehörde nicht mit einander collidiren können, weist Geh. Rath Schröter auf alle die„Im Namen des Königs" erlassenen Entscheidungen der verschiedenen Gerichts-Jnstanzen hin, die oft mit einander im direktesten Widerspruch stehen. Wenn nach der Verfassungs- Urkunde dem Kaiser das Recht zusteht, in außergewöhnlichen Verhältniffen einzelne Artikel der Verfassung zu suspendiren, so �sei doch grade die Unverletzlichkeit des Eigenthums unter allen Umständen gewährleistet; daß ein Amtsvorsteher gegen eine königliche Behörde Verfügungen erlasse, sei etwas durchaus nicht unerhörtes; so sei die königliche Regierung zu Breslau, Abtheilung des Innern, seitens eines Amtsvorstehers erst kürzlich an- ; gewiesen worden, für die Instandsetzung eines Chausseedurchlasses in dem Dorfe Weide zu sorgen, und sei die Regierung dieser Anweisung ohne Einspruch zu erheben nachgekommen. Der Die Baukunst hat gar keinen bezeichnen Stil mehr; sie lebt von der Nachahmung und Vermischung der Stile vergangener Zeitalter. Die einzigen Ausnahmen in dieser Hinsicht finden sich im Brückenbau, sowie bei einigen Ausstellungshallen. Hier wählt wurden die Herren Dr. Hirsch, Ehrhardt, Böhm und Polke. Uns scheint es, daß man einen großen Mißgriff ge- than hat, da die Ortsvereine keinen würdigeren Vertreter zu dem Minister hätten senden können, als den braven Nathan hat ein großer Gedanke der Gegenwart sich paffende und schöne Schlesinger— wer diesen Mann schon einmal als Festredner Formen geschaffen und uns einen Wink gegeben, was diese Kunst in Frack, weißer Weste und weißer Halsbinde gesehen hat, der in Zukunft leisten kann, wenn ihr die Freiheit und die Mittel wird unbedingt beistimmen; dann aber auch nur dann hätte der dazu zu Gebote stehen werden. Will man aber Studien in der Minister Respekt vor den Ortsvereinen bekommen.— Doch Geschmacklosigkeit und Gedankenlosigkeit anstellen, so liefern die Scherz bei Seite. Es ist wirklich schmachvoll, daß es noch Paläste der Großen unserer Tage, oie Kirchen neuen Stils und> deutsche Arbeiter giebt, die sich alljährlich zu derlei Comödien die meisten großen Bauten eine reiche Auswahl. Ueberladung brauchen lassen, welche lediglich von den Herren nur aufgeführt mit Zierrathen anstatt reiner Verhältnisse, welche durch ihre werden, damit ihre Namen in den Zeitungen prangen und sie in ruhige Größe wirken, zwecklose Raumverschwendung und Mittel- dem Vorzimmer eines Ministers einige Bücklinge machen können. Verwüstung, endlich Unangemessenheit an den Zweck des Ganzen Daß der Staatsminister Hoffmann sich durch die Deputation der sind allgewöhnliche Kennzeichen der neueren Bauten. Die Ge- Ortsvereinler nicht in seinen Meinungen und Handlungen be- legenheit, daß ein Baukünstler volle Freiheit genießt, den Ein- gedungen seines Kunstgewissens in einem größeren Ganzen zu folgen, sind äußerst selten; die Laien, welche das Geld dazu hergeben, wollen ihren Geschmack durchsetzen. (Schluß folgt.) Sozialpolitische Uebersicht. stimmen läßt, ist ja selbstverständlich— er kennt die Schwäche und die Enerzielosigkeit dieser Gesellschaft so gut wie jeder An- dere und wird die Sache deshalb, wie es auch recht ist, im Vor- zimmer rasch abmachen. Die Herren Hirsch und Genossen thun uns nicht leid, aber die Arbeiter, die sich so lange an der Nase herumführen lassen. Den auch von uns im Briefkasten erwähnten Küster- — In Deutschland weht der Wind streng von Osten, schen Absagebrief hat Dr. Max Hirsch in 100,000 Exemplaren Wie die„Augsburger Allgemeine Zeitung" mittheilt, wird Ruß- drucken lassen; er stellt das traurige Machwerk, von dem man land während des bevorstehenden Krieges auf eine wohlwol- noch nicht einmal weiß, ob es ächt oder nicht ächt ist— Hand- lende Neutralität, eventuell moralische Unterstützung von schriftfälschungen sind schon oft vorgekommen und es kann Seiten Deutschlands rechnen können. Was man unter solcher das Älättchen des braven Mäxlein auch wohl düpirt sein— wohlwollenden Neutralität zu verstehen hat, das hat kürzlich die seinen Anhängern zur Verfügung. Das arme Mäxlein hält neutrale Thätigkeit Rußlands während des türkisch-serbischen jenes einfältige Schreiben für einen Talisman gegen den Sozia- Krieges uns vor Augen geführt. Deutschland wird jedenfalls lismus, wir bedauern den Aermsteu: er wird mit demselben mobilisiren und eine große Armee an die österreichische Grenze nicht einmal einen Hund hinter dem Ofen hcrvorlocken, geschweige rücken lassen. Dann wartet es ab, bis der Wind noch stärker denn einen anständigen Arbeiter dadurch ködern. Der Brief ist aus Osten pfeift, und schließlich wird der Fall wohl eintreten, daß entweder eine Fälschung oder der Schreiber ist ein Renegat— das„Interesse" Deutschlands mit dem Rußlands zusammen- dies genügt jedem braven Manne zu einem Urtheil. Die„Frie- fällt, und das Losschlagen kann losgehen. dens- und Freiheitspost" sagt kurz und bündig über den Brief: „Ist der Brief nicht falsch, so ist der Schreiber falsch." — Heber die Kindersterblichkeit in Preußen während des Jahres 1875 liegen einige mittheilenswerthe Zahlen vor.— Ter Redakteur des„Amberger Tageblattes", Dr. Horn. Darnach starben von 959,300 ehelich geborenen Kindern im welcher den sozialistischen Reichstagscandidaten für Ambcrg, ersten Lebensjahre 192,385 also vom Tausend 201; von Hrn. Julius Baumann, einen arbeitsscheuen Schueidergesellen 76,421 unehelich geborenen Kindern starben dagegen bis zum nannte, ist zu 10 Mark Geldbuße verurtheilt worden. Belei- ersten Lebensjahre 28,627, vom Tausend also 374'/,. Bis zum' digt ein Sozialist einmal einen Liberalen, so erhält er meist fünften Lebenjahre starben von den 959,300 ehelich geboruen eine härtere Strafe. Kindern 290,646 oder vom Tausend 302»/,; von den 76,421 außerehelich Geborenen starben in demselben Zeitraum 34,938 oder 457 vom Tausend. Was die Sterblichkeit der außerehelich geborenen Kinder zu einer so großen macht, das sind die äußerst ungünstigen crwerblichen und sonstigen Verhältnisse der Mütter, — Im französischen Abgeordnetenhause kam am 14. November die Frage der Gefänguißarbeit zur Sprache. Es wurde festgestellt, daß in den französischen Gefängnissen 28,000 Gefangene beschäftigt werden und daß deren billige Arbeit viele welche diese zwingen, ihre Kinder der Pflege fremder Leute an- Arbeitgeber gezwungen habe, ihre Werkstätten zu schließen, weil zuvertraucn. Aber auch die Sterblichkeit der ehelich geborenen sie die Concurrenz nicht ertragen konnten. Die Vorschläge, würde eine minder große sein, wenn wir vernünftige öko- welche zur Beseitigung dieses Uebelstandcs gemacht wurden namische Zustände, wie sie der Sozialismus anstrebt, hätten. gipfelten in dem nicht neuen Verlangen, daß in den Gefäng nisten nur für den Staat gearbeitet werden sollte. Da aber die — Die Fortschrittspartei gevalentint. Der„Vos- fischen Zeitung" wird, augenscheinlich von einem fortschrittlichen Reichstagsabgeordneten folgendes geschrieben:„Wenn die Fort- schrittspartei bei der Diskussion über den Autrag Herz auf Ver- •cinsachung der Eidesformel auf die Reden der Abgeordneten v. Puttkammer(Lyck) und Windthorst, wie Ihr Blatt ganz richtig mittheilt, nicht replicirte, so trägt die Schuld hieran Hr. Schluß- machcr Valentin und die Bereitwilligkeit, mit welcher die Mehr- heit des Hauses ihm seinen Willen that. Daß diese schlußan- träge häufig„von Oben" bestellt werden, um der Debatte eine gewisse Färbung zu geben oder auch zu nehmen� ist ja längst Arbeitsaufträge sehr zahlreiche sind, welche der Staat an Privat- gewerbtreibeude ertheilt, so würde mit Durchführung des obigen Vorschlages nicht anderes erreicht, als daß ein Thcil der Ge- werbtreibenden auf Kosten des anderen Theils Berücksichtigung sände. Die Calamität wäre also keineswegs beseitigt. Das einzig Richtige zur Lösung der auch in Deutschland auf der Tagesordnung stehenden Frage der Gefängnißarbeit scheint uns Most in seiner Broschüre:„Die Bastille am Plötzensee" getroffen zu haben, der die Lösung dieser Frage darin findet, daß in den Gefängnissen nur der Gefängnißbedarf produzirt werden soll. Freilich würde das eine lokale Reform unseres Gefängniß- bekannt."— Schone"Zustände das im deutschen Reichstage. So Wesens bedingen. wird das Volk vertreten! � �. — Die„Droits de l Hamme" geben Kunde von dem greisen — In Frack und weißer Halsbinde. Alljährlich wieder- Revolutionär und Sozialisten Blanqui, welcher, nachdem holt sich ein äußerst widerwärtiges Schauspiel, nämlich: deutsche er schon achtunddreißig Jahre seines wechselvollen Lebens in der Arbeiter lassen sich von einzelnen Herren, die sich gern in Frack Haft verbracht, feit den Ereignissen von 1870/71 in der Ge- und weißer Halsbinde zeigen, bestimmen, eine Deputation zu! fangenanstalt von Clairveaux weilt und dort des Augenblickes -wählen, welche irgend einem preußischen Minister einen Besuch harrt, da ihm eine Amnestie, eine neue Revolution oder— der abzustatten hat; daß natürlich die Veranstalter gewählt wer- Tod die Pforten seines Kerkers wieder öffnen wird. � den, ist selbstverständlich und dieselben sind Dr. Max Hirsch mit seinen näheren Freunden. In der letzten Versammlung der Berliner Ortsvereine, die wie immer äußerst schwach besucht war, ist nämlich beschlossen worden, eine Deputation an den Staats- minister Dr. Hoffmann zu senden, um denselben zu bewegen, für die Beschickung der Pariser Weltausstellung einzutreten. Ge- WM Blanqui bewohnt in der erwähnten Anstalt ein großes Zimmer, welches ihm gestattet, für die nöthige Motion auf den Gefängnißhof zu verzichten; seine Gesundheit läßt nichts zu wünschen übrig; er beschäftigt sich noch immer mit mathematischen Problemen und empfängt von Zeitungen nur die„Petit Presse" und die„Revue Scientifique". Seiner Umgebung gegenüber bewahrt er unver- laoen Melckie Resultate der Wea des Renebmens" in diesem Herrn v. Diest sein Freund v. Ludewig(der bekannte klerikale Abge- Erfahrungen, welche m dieser Beziehung der Magistrat resp. � v. Kardorff zeigend, mit den Worten heran:„Schützen Sie das Polizeipräsidium in Breslau gemacht. ,mch vor biesem Menschen!" Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen Schließlich berührt Geh. Rath Schröter noch einen Punkt. �vyer zwischen den Parteien, bis Herr v. Ludewig Hrn. v. Diest Es handele sich nicht, wie der Vertreter der königlichen Com- g,,! Arm nahm und sich mit ihm in das Sprechzimmer begab.— Bei mandantur anzunehmen scheine, gegen den Reichsmilitärfiskns uns tritt die Frage zunächst auf, ob wohl dem bekannten Gründer Kar- um eine Strafe, sondern um ein im§ 79 der Kreisordnung dorff bei dem Anblicke des Hrn. v. Diest das Gewihen schlug. Jeden- m.***. br.f... g richtet, wn Interesse des Lebens und der Gesmidheit der Amts- � frühere„Deutsche Eisenbahnzeitung" nicht im Lesezimmer des eingesessenen des Amtsbezirks Oswitz die Militärbehörde zur Abgeordnetenhauses dulden wollte, weil das Blatt ihn vielfach als Unterlassung einer beides gefährdenden Handlnng zu zwingen. Gründer zitirt hatte. Daß ein solches Verfahren auch gegen juristische Personen nichts ungewöhnliches sei, dafür zeuge die erst kürzlich seitens des Hau-— In Belgien haben die Schwarzen bei den vorigen Wahlen delsmimsters gegen die Direktion der Berlin-Dresdener Bahn tüchtig gewühlt, selbstverständlich und Beichtstühlen. erfolgte Festsetzung einer erheblichen Geldbuße zur Erzwingung. Aber auch Circulare sind an Me Äftcfiem"w/m einer Tarifäuderung Aus all den angeführten Gründen bean- ge�rage- � es eine Todsünde, einen Liberalen zu tragt Geh. Rath Schröter, das BezirkSverwaltungsgericht wolle faßt» fl�tro0rt. Wir wollen nun solches Treiben der die Entscheidung des Kreisausschusses anstecht halten, namentlich Statten„fcht beschönigen- aber wenn man obige Frage von dem aber nickt mit Rücksicht auf die etwaige Bejahung der lokalen„ietistisch-klenkalen Beigeschmack entkleidet und sie einem deutschen Ar- Unzuständigkeit die Entscheidung in der Hauptsache von der Hand(,eitet vorlegt ungefähr so:„Ist es eine Todsünde gegen dich und deine weisen/ Das Bezirksverwaltungsgericht trat obigen Ausfüh-' Familie, wenn du einen Liberalen wählst?"— so muß selbstverständlich rungen bei. die Antwort lauten:„Ja!" Wenn ein Civilbeamter in dieser Weise das Auftreten der ,.r,.. �.■ AUlilärbehörde kritisirt, so ist uns die Kritik scharf genug so daß � �.deckt um �en Hopfen beim Biermachen zu sparen. Es ,st wir weiter nichts hinzuzufügen haben. Ob aber schließlich trotz--. a H0pfen, der in Hunderten von Centnern in den Handel ihres Rechtes die Civilvehörde Recht behält— das ist eine an-., ,„it anderm Hopfen vermischt dem Biere ein„angenehmes dere Frage.. Aroma" verleihen— soll. Während guter deutscher Hopfen 350— 500 M. kostet beläust sich der Preis dieses kostbaren Krautes aus Kroatien auf - Im Foyer des Reichstags spielte sich am letzten Donnerstag eine nur 17 M. per Centner. Gedörrte Brennesseln wären auch kein übler brüchliches Schweigen und die größte Höflichkeit; kurz, er führt in seiner Zelle das Leben eines von der Welt zurückgezogenen Philosphen. — Vor Kurzem fand in Seraing(Belgien) eine Ar- beiterversammlung statt, in welcher Louis Meunier aus Berviers über Emeuten und Strikes sprach. Redner ertheilte den Arbeitern den Rath, wenn im Falle eines solchen bewaffnete Macht gegen sie ausgeschickt werden sollte, mit derselben zu fraternisiren. Wenn die Bourgeoisie Spione oder als Ar- beiter verkleidete Polizisten schicke, welche die Andern aufhetzten, Steine auf die Soldaten zu werfen, oder dies selbst thäten, so solle denselben mit einer gehörigen Ohrfeige der Standpunkt klar gemacht werden. — Wie das„Väterchen" sein Volk liebt. Ausplün- dern kanu man es nicht nennen, nein, das„Väterchen" will seinem Volke das Schnapssaufen abgewöhnen, deshalb, auch nur deshalb, aus reiner Menschlichkeit und aus Liebe zur Cultur hat die russische Regierung eine derartig hohe Steuer auf Brannt- wein gesetzt, daß nach den„Debats", die in solchen Sachen meist gut unterrichtet sind, ein Drittel sämmtlicher Steuern in Ruß- land durch die Besteuerung des Schnapses aufgebracht wird. Man sieht, daß unsere„Erbsteunde" auf enormer Culturhöhe stehen. Deshalb müssen wir ihnen auch helfen, die Schnaps- flasche an Stelle des Halbmonds auf die Sophienkirche zu Constantinopel aufzupflanzen. — An die Parteigenossen! Es kommt vor, daß einzelne Lokalblätter unserer Partei ihre Reichstagsberichte andern nicht sozialistischen Blättern entnehmen und dabei das häufige Fehlen der sozialistischen Reichstagsabgeordneten bei den Berathungen besonders erwähnen. Die gegnerische Presse verbindet mit dem Betonen dieser Thatsache selbstverständlich die Absicht, unsere Abgeordneten, welche gerade jetzt sämmtlich im Interesse der Partei außerordentlich thätig sind, zu verunglimpfen nnd ihre Wiederwahl zu erschweren; der gegnerischen Presse kann man es nicht verübeln, wenn sie die Gründe verschweigt, wes- halb unsere Abgeordneten häufig— auch bei der Abstimmung über die Verweisung der Preßvergehen an die Schwurgerichte in zweiter Lesung— in den Sitzungen fehlen. Wenn aber Parteiblätter ihre Leser auf das Fehlen unserer Abgeordneten aufmerksam machen, so ist es auch die Pflicht und Schuldigkeit derselben, die Motive dieses Fehlens ihren Lesern zu gleicher Zeit mitzutheilen. Hier nur ein Beispiel: Liebknecht war seit 10 Tagen im Kreise Offenbach und suchte diesen hochwichtigen Kreis in angestrengter Thätigkeit den Liberalen zu_ cutreißen, während dessen redigirt sich der„Vorwärts" nicht selbst, deshalb fehlten Hasenclever und Liebknecht beide im Reichstage, und doch thatcn sie bedeutend mehr für die Sache des Volkes, als wenn sie regelmäßig den Sitzungen beigewohnt hätten. Bebel war in Cöln und Königsberg und Geib in Sachsen und Thüringen auf Agitation. Auch verweisen wir die Parteiblätter auf den Leit- artikel in Nr. 23—„Alles zur rechten Zeit". Die nächsten Wahlen sind uns wichtiger, als die gegenwärtigen Compromiß- verhandlnngen und das viele Weibergewäsch im Reichstage. — Bei der am 23. November in Crimmitschau stattge- habten Stadtverordneten-Ersatzwahl haben unsere Partei- genossen sechs Candidaten die Liberalen zwei Candidaten durch- gebracht. — Zum bekannten Rückgange. In Rostock in Mecklen- bürg erscheint vom 1. December ab ein neues sozialistisches Blatt:„Mecklenburgischer Arbciterfreund". Nach der■ Probenummer zu urtheilen wird unser neues Parteiorgan im> Lande des Haselstocks und des berühmten Wappens seine' Schuldigkeit voll und ganz thun. Wir wünschen ihm ein fröh-■ liches Gedeihen. — Confiscation. Nr. 12 der sozialistischen„Essener■ Freien Zeitung" wurde am 18. November confiscirt. - Parteigenosse Wiemer in Chemnitz ist wegen Beleidigung des Richterstandes im Allgemeinen und der Chemnitzer Richter' im Besonderen, zu einer Gefängnißstrafe von 8 Wochen verur- j theilt worden. - Unser Parteigenosse Alexander Schlesinger, der elf � Monate in Plötzensee verweilte, ist am 24. November aus der' Haft entlassen worden. Höchst ergötzliche Szene ab. Der bekannte Herr'von D iest-Daber Ersatz für Hopfen und kamen wahrscheinlich noch billiger. »oartcte an der Thür, welche zur Restauration führt, auf den Abgeord- kni«,?»«4. in n„�. «elen von Ludewig, den er sich durch einen Diener aus dem Sitzungs-— Einesehr gemeinc�p Berliner Beamten erkrankre«nr {aale hatte zitiren lassen. Als der Abgeordnete v. Kardorff, welcher stehenden Falle«b.®.e Frau em vor neben Lasker, Miguel und noch mehreren Abgeordneten von Herrn acht Tagennicht unbedenklich,' Wennaleiib die Aerue ornfu- v. Diest in seiner bekannten Broschüre stark mitgenommen ist, desielben Zbrankenwarterln m» Haus»u nehmen. Wenn�elch d e.lerzte große ansichtig wurde, rief er einen in der Nähe befindlichen Diener auf Hrn. Lorsicht bei der Wartmg der lungen°""-chen. s° war chr Zu- gebracht wurde! Tieft weisend zu, er möge dem Herrn bedeuten, daß er nicht in das ttand doch fem hoffnungslos, J-c\iV[m tan die 4s F°yer des Reichstags gehöre und dasselbeschleunigst verlassen möge, noch rech, lange m.t.hrveremzu Der Diener enllediale sich bei Äerrn v. Diest seines Auilraaes. vi,!-- Kunden auf dem Krankenbett.-"w. der Mann n seinem Bureau srub schweren Erkrankung anheimgefallen. Sie wollen mir gestatten, Ihnen unbekannter Weise mein Beileid und die Hoffnung aussprechen zu dürfen,•' daß sich Alles zum Guten wendet. Für den beklagenswerthen Fall eines Unglücks aber erlaube ich mir, Ihnen zur geneigten Beachtung- eine Partie mit einer jungen Wittwe zu empfehlen, welche neben allen schätzenswerthen Eigenschaften über 60,000 Mark Baarvermögen und ein fast unverschuldetes Haus in der.... Straße verfügt. Sie wollen jeiner Zeit(!!) geneigtest diese Offerte in Erwägung nehmen und ge- nehmigen zc."— Der Empfänger dieses Schreibens hat einige Zeit gebraucht, um sich von seinem Erstaunen über eine solche Unverschämt-- heit zu erholen, und dann dem Patron eine Antwort zukommen lassen, welche derselbe wohl nicht erwartet hal. — Der bekannte Abgeordnete Carl Braun hat als Schrift- steller wieder einmal Unglück gehabt. Bor Jahren begegnete ihm, so schreibt die„Volkszeitung", bekanntlich das Mißgeschick, daß eine Reihe 1 feiner in der„Gartenlaube" veröffentlichten Studien über Holland sich als— offenbar unbewußtes— Plagiat aus einer vor ungefähr fünfzig l Jahren erschienenen humoristischen Schrift herausstellte, die für die' Kenntniß des heutigen Hollands genau so viel Werth besitzt, wie die- Jobsiade als Quelle zur Beurtheilung der gegenwärtigen deutschen Ver- Hältnisse. Bald darauf veröffentlichte Herr Carl Braun ein gleichfalls aus„eigenen Studien" beruhendes Buch über Ungarn unter dem Titel:' Jokai und Tokai". Die ungarische Kritik war unhöflich genug—; leider nur zu berechtigt— auf Grund desselben dem Verfasser den' Rath zu ertheilen, künftighin die Völkerschaften in Centralasrika zum' Gegenstand seiner Studien zu wählen, da seine Ausführungen dann' wenigstens sich leichter der Controle entziehen würden. Neuerdings endlich machte Herr Braun eine Studienreise durch Rumänien, deren Ergebnisse in den Feuilletons verschiedener Blätter zur Veröffentlichung gelangten. Auch hier derselbe Erfolg. Eine in diesen Tagen erschienene Schrift„Herr Carl Braun, der Tissot Rumäniens, von einem Ru- mänen", zerflückt nämlich das Braun'sche Opus in der unbarmherzigsten Weise und weist ihm eine Reihe der gröbsten und ergötzlichsten Irr- 1 thümer und Entstellungen nach. Daß Herr Carl Braun auch bei diesen Originalstudien den ausgiebigsten Gebrauch von älteren Quellen machte> - wie er denn namentlich Aufsätze aus älteren Jahrgängen der„Revue des deux Mondes" in weitestem Maße wörtlich— benutzte, kann bei einem Autor nickt Wunder nehmen, für dessen Werke schon längst von berufener Seite der Titel„Gesammelte Abschriften" in Vorschlag' J( i:[ c■' ') «t zs I \ü V' i; Ii' i> I f:i' ('• S,! f:'' 61 Ii'' i »i l i■ d'l i! 'r> si > 'Vi — Unser Parteigenosse I. E. Pehmler, welcher wegen Majestäts- und Bismarckbcleidigung sechs Monate in Neidenburg im Gefängnisse verlebte, ist vor einigen Tagen entlassen worden. Correspondeuzen. Aerkin, 20. November.(Situationsbericht.) Die Auf- stellung der Candidaturen unserer Partei zum Reichstage in allen sechs Wahlkreisen Berlins ist geschehen, und die Wähler haben in großartigen allgemeinen Wählerversammlungen unsere Candidaten acceptirt. In zwei Wahlkreisen, dem sechsten und vierten, ist Aussicht, die aufgestellten Herren, W Hasenclever und F. W. Fritzsche, durchzubringen. Tiefe Ansicht ist auch bei den Gegnern verbreitet, und Schreiber Dieses ist vom Siege in den genannten Wahlkreisen so überzeugt, daß es für ihn keine größere Enttäuschung geben könnte, als wenn jene beiden Herren nicht aus der Wahlurne als Sieger hervorgingen. Die Berliner Genossen sind sich der Tragweite des Ereignisses, zwei Candidaten durchzubringen, und der Worte ihres Meisters Lassalle: „Mit Berlin wird die Bewegung unwiderstehlich", vollkommen bewußt und thun ihre Schuldigkeit. Sie stellen sich bereits im Geiste die entsetzten Gesichter der Spießbürger und das Aufsehen in ganz Europa vor, wenn es heißt, Berlin, die Metropole des deutschen Reiches, hat zwei Rothe in den Reichstag geschickt. Es ist gar nicht so unwahrscheinlich, daß das Stimmenverhältniß der Sozialdemokraten zur Fortschrittspartei diesmal ein uinge- kehrtes wird, daß nämlich die Sozialisten 30,000 und die Fort- schrittler 13,000 bekommen. Die Handwerker, welche sonst als Anhängsel der Fortschrittspartei betrachtet werden konnten, wer- den dieses Mal zum Reichstage als selbstständige Partei wählen, wie sie es bereits bei der Landtagswahl gethan haben, und wie verlautet, gedenken diese Zünftler im sechsten Wahlkreise ihren Führer, den Tischlermeister Brandes, aufzustellen. Nun, uns kann's recht sein, desto leichter der Sieg. Ueber den fortschritt- lichen Candidaten des sechsten Wahlbezirks ist bis jetzt noch nichts Bestimmtes bekannt. Einige wollen wissen, daß man den bis- herigen Vertreter, den Dr. Banks aus Hamburg, behalten will, Andere jedoch sagen, man wolle den Musterknaben Max Hirsch ausstellen. In beiden Fällen dürften die Herren Forsschrittler in keinen Glückstovf gegriffen haben; denn die Erbgeschichten des Dr. Banks sind sattsam bekannt geworden und Max Hirsch hat sein Bischen Anhang, das er früher unter den Maschinen- dauern besessen, welche hier im sechsten Wahlkreise den Ausschlag geben, vollständig verloren. Tie wenigen Maschinenbauer, die Mitglieder des Gewerkvereins sind, bleiben es einzig und allein, um nicht ihrer jahrelang gezahlten Beiträge verlustig zu gehen. — In den Wahlkampf sind die Herren Fortschrittler noch nicht eingetreten, aber Sammellisten zur Förderung der Wahlen fort- schrittlichcr Candidaten lassen sie circulircn, welcher Arbeit sich die Hauswirthe mit größerer Pünktlichkeit unterziehen, als der Circulatton der Listen zur Einzeichnung der Wahlberechttgten. Nur ein kleiner Theil hat die letzteren Listen herumgehen lassen und alle Zeittmgen Berlins, mit Ausnahme unserer„Freien Presse", hatten nicht ein Wort gegen diese arge Pflichtvernach- lässigung der Hauswirthe, gegen diese Beeinträchtigung der Rechte des Volkes einzuwenden. Tic sechs großen allgemeinen Wählerversammlungen, welche die sozialisttschen Candidaten der sechs Wahlkreise aufstellten, nahmen, wie schon bemerkt, einen glänzenden Verlauf. Tie erste Versammlung fand in der Norddeutschen Brauerei, Chausseestraße, statt und war von ungefähr 3000 Personen besucht. In dieser Versammlung sprach Herr Hasenclever, dessen Candidatur ein- stimmig angenommen wurde. Hier kann ich nichr unterlassen zu erzählen, wie nach Schluß der Versammlung verschiedene Libe- rate dem Wirth des Lokals Vorwürfe machten, wie er den So- zialdemokraten den Saal geben könne, in dem der Kaiser und sein Sohn gespeist hätten. Ich glaube, daß solchen Leuteu nicht zu helfen ist. Was mögen diese braven Untcrthancn erst gesagt haben, als sie von der Versammlung in der Kaisergallerie hörten? Für ihren beschränkten Unterthanenverstand ist das allerdings unfaßbar gewesen. Petroleum unter den Linden, und noch oben- drein in solchen Unmassen, daß es genügt hätte, ganz Berlin damit„anzuzünden"! Tie Wähler des ersten Berliner Wahl- bezirks waren zu dieser Versammlung eingeladen und massenhaft erschienen. Ter von Gold strotzende Saal vermochte die Menge nicht zu fassen, so daß Viele umkehren mußten. Das Referat des Herrn Most über die Gesetzgebung der letzten sechs Jahre war ein vorzügliches, und wnrde Most einstimmig von der(circa 2500 Personen zählenden) Versammlung als Candidat des ersten Berliner Wahlkreises angenommen. Der Klassenunterschied zeigte sich hier wieder einmal in seiner schroffsten Weise und bewies zum so und sovielten Male, daß die Zusammengehörigkeit der einzelnen Glieder des Volkes, auf die sich die Liberalen so gern berufen, im Munde dieser Leute nichts als eine alberne Phrase ist. Zahlreiche Bourgeois hatten sich nämlich schon sehr zeitig im Saale eingefunden und saßen zerstreut an den verschiedenen Tischen. Als nun die Arbeiter kamen und sich ungenirt neben die Herren setzten, verließen sie meistentheils den Saal, nachdem sie dem Wirth noch Borwürfe gemacht hatten, daß er„gemeine Arbeiter" in seinem Lokale dulde. Im vierten Wahlkreise hielt Herr F. W. Fritzsche im Reichstheater vor einer stark besuchten Wähler-Versammlung einen Vortrag, der allgemein ansprach. Die Versaminlung acceptirte ihn auch einstimmig als Reichstags- candidat. Prinzipielle Opposition war hier so wenig, als in allen anderen Wahlversammlungen. Im dritten und fünften Wahlkreise wurden in gleicher Weise die Candidaturen der Herren Rackow und O. Kapell angenommen. Gestern fand nun die letzte der Wählerversammlungen im Barietöthcater statt, wo ein socialistischer Candidat aufgestellt wurde. Tieselbe war für den zweiten Wahlkreis einberufen und der bisherige Vertreter desselben, Kreisgcrichtsrath Klotz, zur Berichterstattung eingeladen, aber, wie das gewöhnlich bei den Herren der Fall ist, nicht erschienen. Herr Schriftsetzer Bau- mann sprach zum zweiten Punkte der Tagesordnung: Auf- stellung eines Rcichscandidaten, und nach zahlreichen Jnterpel- lationen wurde Herr Baumann von der Versammlung ohne Widerspruch als Candidat für den nächsten Reichstag aufgestellt. Wenn wir die Wahlversammlungen als Gradmesser für den Aussall der künftigen Reichstagswahlen annehmen, dann müssen unsere Wahlerfolge vortreffliche werden. An Verfolgungen und Polizeichikanen fehlt es uns hier ebenso wenig, als anderorts, im Gegentheil erinnert sich Tessendorf recht oft unserer, als die- jcnigen, die am wärmsten seiner Obhut empfohlen sind. Wie wenig das Vereins- und Versammlungsrecht von der Polizei respekttrt wird, har sich wieder einmal auf dem Gesundbrunnen gezeigt. Dort sollte eine Wählerversammlung stattfinden. Der Revierlieutcnant beeinflußt den Wirth, droht ihm mit Polizei- stunde und schickt zuguterletzt, um seinem Thun die Krone auf- zusetzen, vor der Eröffnung der Versammlung einen Schutzmann, mit der Weisung, die Versammlung sofort zu.inhibiren, wenn sie tagen sollte. Trotzdem nun der Wirth des Lokals eidlich erhärten wifl. daü ibm. d-rn Revierl'<'»��ant Aneinn mit her Po!i,ei 50) stunde gedroht habe, wenn er sein Lokal zu der Versammlung hergebe, trotzdem viele Zeugen die Aussage des Schutzmanns gehört, daß er die Ordre habe, die Versammlung sofort zu in- hibiren, wenn dieselbe eröffnet werden sollte, trotzdem, sage ich, gab das Polizeipräsidium auf eine diesbezügliche Beschwerde wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt seitens des Polizcilieutenants Ancion den Bescheid, daß sie die Beschwerde für unbegründet erach e. Nun, hier ist ein Kommentar wahrhaftig überflüssig. Was die wirthschaftliche Lage Berlins anbettifft, so siehts immer noch so traurig aus wie vordem und trauriger, als irgend � wo anders. Wenn auch nicht gerade jeden Tag wie in London ein Mensch vor Hunger stirbt, so ist es aber auch nur wenig besser. Die Roth unter der arbeitenden Klasse ist eine große, Fälle von Wohnsinn in Folge Hungers kommen vor(siehe Vor- wärts Nr. 17.) u. s. w. Den herrschenden Klassen liegt natür- lich daran. Alles durch eine schönfärbende Brille zu sehn und dann der Sache einen anderen Namen zu geben. Die Arbeitslosig- kcit wird eher größer als geringer, und der Winter steht vor der Thür. Als eine in gewisser Art nützliche Polizeiverordnung für die arme Bevölkerung Berlins kann man die Verfügung des Polizeipräsidiums ansehen, welche bestimmt, daß die Rückkaufs- Händler, die Vampyre der Armen, in die Kategorie der Pfand- leiher gezählt und so verhindert werden, versetzte, nicht pünktlich verzinste Objekte zu verkaufen, bis sie ihnen durch richterliches Erkenntniß zugesprochen sind. Es ist aber doch nur Wenigen möglich, sich wieder in den Besitz ihrer Habseligkeiten zu setzen, denn die Arbeitslosigkeit ist so groß, daß brotlose Arbeiter manch- mal erst in drei, fünf, ja neunmonatlichem täglichen Suchen Ar- beit wieder erhalten; dabei habe ich speciell die Maschinenbauer im Sinne. Uebcrhaupt scheint es, daß die Maschinenindustrie, dieser bedeutende Erwerbszweig Berlins, seine frühere Höhe nie wieder erreichen wird. So wie die Weberei in Berlin ihre Glanzperiode hinter sich hat, so geht es auch der Maschinen- industrie. Sie zieht sich zum Theil nach der Provinz, und wenn ich recht berichtet bin, so haben größere Fabrikanten(Schwarz- köpf 2C.) Filialen in Rußland gegründet, wozu die russische Regierung den Grund und Boden bereitwilligst gratis hergegeben hat. Dem Gründerschwindcl ist die große Waggonfabrik von Pflug(zuletzt Actiengesellschaft für Eisenbahnbedarf, Direktor Hr. v. Unruh), welche über 2000 Arbeiter beschäftigte, zum Opfer gefallen, und man weiß nichts Besseres zu thun, als sie gegenwärtig dem Erd- boden gleich zu machen, und den so gewonnenen Rauni zu par- zcllircn und als Baustellen zu verkaufen. Die großen Fabriken wie Borsig, Möhler, Schwarzkopf, Norddeutsche Waggonfabrik u. s. w. stehen fast leer. Die meisten früheren Arbeiter haben andere Erwerbszweige ergriffen, bei denen sie ein kümmerliches Leben fristen, z.B. sind viele am Bau der gekrachten Nordbahn für 1,8 Mark beschäftigt, am Schanzenbau zu Spandau u. s. w. Neuerdings sind sogar viele unter)ckönen Versprechungen nach Serbien gelockt worden, um in den oortigcn Waffenfabrikcn zu arbeiten, wo sie aber, nach eingelaufenen Briefen, gründlich be- trogen worden sind und ein klägliches Leben führen. Wenn ich nicht den Raum des„Vorwärts" zu sehr in Anspruch zu nehmen befürchtete, so wären über die wirthschaftliche Misöre noch Spal- ten zn füllen. Ueberall Corruption, und dies so lange, bis die Socialdemokratie die Macht haben wird, gründlich damit aufzu- räumen. C. Ullrich. Königsberg i, �r., 18. November. Am letzten Montag, den 13. d. M., fand hier eine äußerst zahlreich besuchte Volks- Versammlung statt, in welcher Bebel einstimmig als Reichs- tagscandidat ausgestellt wurde. Die Aufforderung zur Versammlung lautete:„Zur Besprechung der bevorstehenden Reichstags- wähl, etwaiger Einsetzung eines Wahlcomites und Aufstellung eines Reichstagscandidaten laden die Unterzeichneten die Demo- traten und Sozialdemokraten Königsbergs zu einer öffentlichen Versammlung u. s. w. ein." Unterzeichnet war die Annonce von 5 Demokraten und 17 bekannten Sozialdemokraten, die mit dem Rechte der Cooptation sämmtlich in das Wahlcomitö ge wählt wurden. Ende näckster Woche wird Bebel hier erwartet, um in einer voraussichtlich sehr großen Volksversammlung einen Vortrag zu halten. Denn die Mitglieder der verschiedenen Par- teien, wie der verschiedenen Gesellschaftsklassen Königsbergs sind auf Bebels Vortrag auf's Acußerstc gespannt. In der erwähnten Volksversammlung vom 13. d. berrschte im Hinblick auf das zu erreichende Ziel— Bebels Wayl— eine ebenso anerkcnnens- werthe wie seltene Einmüthigkeit. Flensburg, 22. Nov.(An die Adonncnten und Leser des„Vor- wäns" und des„Hamb.-Altonaer Volksblatts".) Ich ersuche hiermit die mit dem Abonncmentsgeld rückständigen Leser ihre Schuld spätestens bis Mitte Dezember zu entrichten. Gleichfalls ersuche ich sämmtlich- Parteigenossen, recht thatkräitig für unsere Abonnements in Flensburg einzutreten. Die Wirthe, bei denen sozialistische Blätter ausliegen, sind folgende: P. Lassen, Neustadt; M. Jürgenscn, N. Fuhr, I. Lund und H. P. Fries, Norderstraße; W. Voß, Heiligergeist-Gang; Kildcntoft, Fischerhof, sowie Albrecht. Plakenag. Parteigenossen, thut Eure Schul- Idigkeit. Th. H. Leiding. XL. Da ich aus verschiedenen triftigen Gründen gewillt bin, die ■ Colportage von Neujahr ab nicht länger zu behalten, so ersuche ich hier- ! auf reflektirende Parteigenossen, sich mündlich oder schriftlich bei dem Unterzeichneten zu melden. I. A. der Zeitungs-Commission: Th. H. Leiding, Plankcmag Nr. 861. Berichtigung. In dem Artikel in Nr. 24 des„Vorwärts"„Ursachen der See- Unfälle rc. jc."(19. Zeile von oben, dritte Spalte) muß es in dem ' Satze:„Mehrere Sponzen waren so schlecht befestigt, daß dieselben� 14 Zoll über die Planken hinwegstanden", anstatt 14 Zoll>/« Zoll heißen. Durch ein Versehen ist der Bruchtheilstrich weggeblieben._ Briefkasten der Redaktion. A. in B.: Wir werden demnächst eine Beilage geben, in welcher wir die auf die Wahlen bezüglichen Verordnungen. zum Abdruck gelangen lassen und die nölhigen Winke dabei geben. LI Ii'Iii Ii ist 1 — I. F. in Leipzig: Wird für die„Fackel" verwandt. der Expedition. W. Paschbrg in Barmstedt: Die Recherche durch s die Post hat ergeben, daß das Zeitungspacket mit Nr. 15 aus Versehen nach Kaldenkirchen(Regierungs- Bezirk Düsseldorf) statt nach Kalten- kirchen in Holstein dirigirt wurde. Da Nachjendung erfolgt, so werden Sie jetzt wohl im Besitze der fehlenden Nummern sein.— Tröger in Dresden: Für Nr. 25 kam die Annonce zu spät. Mit entsprechender Aenderuug werden wir die erste Annonce in Nr. 27 bringen; die � zweite Annonce ist in heutiger Nummer. Meine Adresse ist von jetzt ab: Große Lastadie 14, Expedition der „Stettiner Freien Zeitung". Stettin, 23. November. G. Ziclowsky. bürg Schr. 50, 00. Hrbg Würzburg Ab. 35,60, Schr. 4,60. Asch M- tona Schr. 5,20. Wß Neu-Ulm Schr. 1,80. G. L. Hannover Ann. 0,70. Brnhdt Hirschberg Schr. 3,60. Frtn Paris Ab. 4,00. Grnr Burkhardtsdorf Scfir. 3,55. Hml Zella St. Blasse Schr. 3,60. H. NblBreslausÄb. 68,00. Wbr Pforzheim Ann. 0,50. Schwß Wiesbaden Ann. 0,70, Schr. 1,70. Mrx Saarbrücken Ann. 1,20. Wsmr Gelnhausen Schr. 2,20. Krß Langendiebach Schr. 1,40. Krtz Coblenz Schr. 0,40. Eckrt Barmen jAnn. 3,80. Ullrch Offenbach Ann. 0,75, Ab. 50,00. Mllr Bockenheim Ab. 22,75. Mllr Glauchau Schr. 3,00. Grn Mann heim Schr. 37,20. Frnff Sachsenhausen Schr. 6,25. Schrmr Lübeck Ab. 5,80. Psch Hannover Ab. 120,00. Mths Friedberg Schr. 4,80. Tht Kamenz Schr. 6,90. Hhn Bockenheim Ab. 1,30. Nthng Heidelberg Schr. 6,50. Bg Blomberg Schr. 0,60. Ruft Radeberg Schr.. 0,70. Frank Stuttgart 0,50. Kng Crefeld Schr. 0,50. Ths Berlin. Schr. 0,70. Mr. Oldenburg Schr. 1,15. Hsn. St. Margarethen Schr. 0,75. Sdl Crimmitschau Schr. 1,60. Wahlfonds. Von der Henniger'schen Tischlerwerkstatt hier 6,00. sVf f 4.zit/, Uhr, hei Hillens, gr. Freiheit 53: Oeffentliche Metallarbeiter-Versammlung. Tagesordnung: Vorttag. A. Petersen. (60 Montag, den 4. Dezember, Abends 8 Uhr(sowie alle Montage): Versammlungen der Sozialisten im Saale der Conversation, Am See 35. Tagesordnung: Vorttäge und Diskussion. Der Agent.(60 Sonnabend, den 2. Dezember, Abends 8 Uhr, im. /i'VwVvlU Saale des„Trianon": Große Wählerversammlung. Referent: Reichstagsabgeordneler August Bebel. _ Das Wahlcomits.(CO Hannover u. Umgegend. S „Neue Welt" werden angenommen, sowie sämmtliche sozialistische Schriften und Einbanddecken zur„Neuen Welt" sind zu haben in der Buchhandlung von C. Pasch, große Barlinge 13, sowie jeden Sonn- abend Abend in den Versammlungen Mittelsttaße lt._[CO Donnerstag, den 30. November, Abends 8 Uhr, im Gosenthal: Volksversammlung. Tagesordnung: Die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen und die Arbeiter. Referent Ch. Hadlich.(30 Der Einberufer. Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sonnabend, den 2. Dezember, Abends l/«9 Uhr: Vcrsammlnng, Windmühlenßraßc Rr. 7. Tagesordnung: 1. Die Zuchthausarbeit. Referent Herr Taute. 2) Fragekasten.—„Union" Nr. 3 ist abzuholen. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Mittwoch, den 29. November, Abends Uhr: AuSschusisibuntz im Brbeiterbildungsverein._ D. O.>80 Arbri crbildungsverein. Mittwoch: Vortrag von Hrn. Eichler. Nächsten Sonntag findet im Vereinslokal eine Abendunterhaltung statt, wozu Mitglieder und Freunde des Vereins hiermit eiageladnv werden. Ter Borstand(1,70' 8 VNdVN. Der Communistischc�Arbci'tc?-BilduugS- Verein hält seine regelmäßigen Sitzungen zeden Sonnabend und Montag Abend um 9 Uhr Äarsliall Street, Golden Square W. Nr. 38. Briese u. s. w. sind zu richten an den Sekretair: I. Voß, 14 Lortlarni Street, Polarnl Street Soho. NB. Sonntag, den 3. Dezember, Abends 7 Uhr, findet in„Llua Lost" Newrnan Street 81 eine öffentliche Kundgebung zu Gunsten der Arbeiterpartei Teutschlands in Bezug auf die nächste Reichstagswahl statt. Ich fordere die Leser des„Vorwärts" auf, eifrig für den Be- such jener Versammlung zu wirken und präzise am Platz zu sein. Tie Herren Marx und Engels sind eingeladen. D. O.[1,20- CHfpitfoir Donnerstag', 307 November) Abends 8'/, Uhr, � 44l.Ujt.1l. in Burmeister's kleinen Salon, 1 Treppe: O effentliche Sozialisten-Versammlunz. Tagesordnung: 1. Bortrag des Hrn. Otto. 2. Bericht des Wahl- comite's, sowie Abrechnung des Feftcomites.('� Um zahlreiches Erscheinen ersucht F. Heerhold. Den Parteigenossen des IX. badischen Wahl kteiscs: Pforzheim, Durlach, Ettlingen' Gernsbach zur Nachricht, daß hier August Bebel aufgestellt und ein Comitö gebildet wurde. Zuschriften sind zu richten an Belzner, G-' sellschaftshäuscr Nr. 4._(50 Meinen Parteigenossen und Freunden empfehle ich mein Restanrationslokal Hannover, Jhmebrückstraße Nr. 3 (F. 160) (?>'' Soeben er lü n- Die Fackel. Parteigenosse Pf. Walz wird, behufs Regelung wichtiger Angelegen- hellen, um seine genaue Adresse ersucht. D.e Expedition der„Wacht" in Hanau. Sozial-demokratisches Wahlflugblatt Nr. 10 für den- 10., 11., 12., 13. und 14. sächsischen Wahlkreis. Inhalt: Die Finanzlage der Leipziger Commune(Schluß). Wohnungsverhältnssse und Wohnungsmiethpreise in Leipzig.— Ein n" bekannter Mann(Schluß).— Corrcspondenz.— Fackelfunkcn., Preis per Stück 5 Pf., Wiederverkäuscr erhalten hohen Rabatt — Bestellungen bei der Expedition des„Vorwärts", Färbtt' straße 12, Leipzig. Verlag der„Fackel". Nr. 11 erscheint Dienstag, den 28. dS.___ � Durch uns ist zu beziehen: �. ie Quintessenz des Sozialismus. Vom Verfasser des„Bau und Leben des sozialen Körpers", Dr. Schäffle, ehem. österr. Handeleminister. 68 Seiten Oktav. Preis M. 1,20. Die Expedition des„Borwärts� Verantwortlicher Redakteur: W. Hasenclever in Lcivzig.