Zlr. 78. Adoimkments-Kedingungt«: VlbonnementS»Pret« pränumerando: vierleljährl. 3L0 Ml., monatl. l.ioMl., Ivöcheulltch 28 Psg. frei in« Hau». Eimelne Nummer 5 Psg. Sonnlag»» Plummer mil Uiuilrierler Sonnlag»» Vellage„Die Neu« Welt" 10 Psg. Post- »ldonnemenl: SL0 Marl pro Quartal. Sing-lrag-n tn der Post- Zettung»» Preisliste sür isoo unler Hr. 7071. Unter Kreuzband für Teutschland und Lesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Erscheint täglich«ulier Montag«. Vevlinev Volksblskk. 17. Jahrg. Die Inserlions-Geliühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. zeile oder deren Raum so Psg., sür politische und gewertschastliche Vereins- und Versammlung«-Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anieigen" sede! Wort 5 Psg. (nur da? erste Wort fett). Inserats für die nächste Nummer müssen bii S Uhr nachmittags tn derExpeditton abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bis s Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1603. Telegramm- Adresse: „Sortaldemostrak Berlin« Centvalorgan der soemtdemokrcttifthen Uartei Deutschlands. Redaktion: LM. 19, Beuth-Straste 2. Dienstag, den 3. April 1900. Expedition: LW. 19, Beuth-Strahe 3« Die Kosten der Kriegsschiffe. In der Budgctkommission des Reichstags wurde in der vorigen Woche über die Gründe beraten, durch welche der außerordentlich hohe Preis der deutschen Kriegsschiffsbauten verursacht würde. Es wurde festgestellt, daß die deutschen Schiffe um 25 Proz. teurer sind als die eng- tischen, aber die Ursachen dafür wurden nicht klar gestellt. Der Staatssekretär des Marineamts meinte, in England seien Kohle und sonstige Rohmaterialien bequemer und billiger für die Werften zu erreichen, Doch kann dieser Unistand allein sicherlich nicht die große Differenz der Presse bedingen. Uns werden von einem guten Kenner der Marinebauverhältnisse in K i e l einige Angaben übermittelt, die zur Aufhellung jener �rage erheblich beizutragen geeignet sind. Unser Gewährs manu schreibt uns l Kürzlich ist auf der Kieler Staatswerst der Kreuzer „Prinz Heinrich" von Stapel gelaufen. Bei der Gelegenheit wurde für die am Bau des Schiffs beteiligt gewesenen Arbeiter im Werft-Erholungshaus ein Bierabeild veranstaltet und dabei hielt der Ober-Werftdircktor Kapitän zur See v. A h l e f e I d eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: Auch das heute voin Stapel gelaufene Schiff ist nicht in der Zeit fertig geworden, wie es geplant gewesen. Statt ein Jahr habe eS 1 Jahr und 5 Monate auf Stapel gelegen. Die Ursache hiervon sei, daß das Zusammenarbeiten zwischen Arbeitern und B o r g e s e tz t e n nicht so sei, wie es sein sollte. Es fehle das gegenseitige Vertrauen und diesem Unistande sei es auch zuzuschreiben, daß der „Fürst Bismarck" s o lange in Bau gelegen habe. Er habe dem Staatssekretär versprochen, daß dieses letztere Schiff am 1. April in Dienst gestellt werden könne und hätten die Arbeiter nun unter Aufbietimg ihrer ganzen Kräfte, auch unter Zuhilfenahme von Stacht- und Sonntags- schichten daran arbeiten müssen, daß er sein Versprecken balten könnte. Das Verhältnis wie es jetzt fei, müsse sich bessern, damit die Leistungsfähigkeit der Werft eine größere werde. Soweit der Ober-Werftdirektor. Wenn man an maßgebender Stelle jetzt endlich einmal zur Eilisicht gelangt ist. daß die Staatswerften in ihrer Leistungsfähigkeit weit hinter den Privatwerften zurückstehen, so ist vielleicht zu hoffen, daß jetzt auch der richtige Weg zur Abhilfe beschritten wird. Wenn ferner der Lber-Wcrftdirektor in seiner Rede hat sagen wolleir daß� durch die bisher von der Marinevcrwaltuug beliebte Spioncnriechcrei unter Pen Werftarbeitern näch Social- deinokraten und sonstigen mißliebigen Arbeitern das Vertrauen zwischen Arbeitern und Vorgesetzten zerstört wurde und dadurch nachteilig auf die Arbeit zurückgewirkt hat, so geben wir un- umwunden dem Ober-Werftdirektor zu. daß seine Ansicht richtig ist, und wir zweifeln nicht im geringsten, daß eine Aendening dieser Praxis nur zum Besten der Staatswersten ausschlagen würde. Aber wenn nur hierdurch allein die mangelnde Leiswngs fähigkeit der Werften verschuldet sein soll, so irrt der Ober Werftdirektor sehr. Tie Konkurrenzunfähigkeit der kaiserlichen Werften wird zum erheblichen Teil verschuldet durch den auf den Werften herrschenden Bureaukratismus und die durch ihn bewirkte wenig ökonomische und uneinheitliche Organisation des Arbeitsprozesses. Es ist unglaublich, wie auf den Staatswcrften gcwirtschaftet und durch ein anscheinend recht plan- und zielloses Arbeiten alljährlich Millionen geradezu verpulvert werden. Wohl kein einziges Kriegsschiff dürfte auf einer unsrer Staatswcrften erstanden fein, auf dem nicht Aenderungen erfolgten, die bei einem klar durchdachten Arbeitsplane hätten vermieden werden können. Es ist, als ob man sich erst an der fertigen Arbeit ein Bild machen wollte von dem, was man zu bauen beabsichtigt. Man bemerkt da ein Tasten und Fühlen, ein Suchen und Nichtfinden der besten, richtigsten Konstruktion nicht nur hinsichtlich der Schiffstypen, sondern auch selbst der einfachsten Schiffstcile, wie man es nicht für niöglich halten sollte. Wohl das typische Bild dieser unökonomischen Arbeits» Methode dül'fte der„Ffiivft Bismarck" bieten. Nahezu vier Jahre hat dieses Schiff zur Fertigstellung bedurft und vom lnbeginn seiner Bauperiodc bis zur Jetztzeit ist das Schiff ort währ enden Veränderungen unterworfen ge- oese». Dabei ist das Ergebnis dieser vierjährigen Arbeit ein Produtt, das als der ganz neue und vorbildliche Typ eines Kriegsschiffs geplant war, nun aber das einzige seiner Art -eibcu wird.„Uni Gottes willen! Bleiben Sie ir nur mit dem„Fürsten Bismarck", von i e s e m V e r s u ch s s ch i f f e. fort." hörten wir kürzlich mn einem Föhrdedampfcr einen Marine-Ofsizier zu einem ihn begleitenden Herrn sagen. Ursprünglich für 18 Knoten Geschwindigkeit, bei einer Maschinenleistung von 13 Ott) Pferdekräfteu geplant, ist durch eine Erhöhung der Maschinenleistung auf 15lXD Pserdekräfte ne Geschwindigkeit von 19 Knoten zu erreichen versucht rdeu. Dabei war das Schiff schon halb fertig und die be- tigte Vergrößerung der Kohlenbunker mußte zum Teil auf steu des Heizraums erfolgen und hat ganz bedeutende .ibauten verursacht. Dann wieder wurden die halbfertigen hschincnsundamente, weil in der Höhe nicht passend, ver- worfen. Ebenso ist's mit den Ventilationsschächten gegangen, Flickereien und Umänderungen sind vorgenommen, daß ein Uneingeweihter es kaum fiir möglich halten würde. Jetzt in letzter Zeit erst wieder ist die Kommandobrücke ncugebaut, weil die erste zu breit war. Das alles sind Aenderungen, die große Kosten verursacht haben. Man sieht, mit welcher Unsicherheit an den Bau herangetreten wird. Noch vor Fertigstellung eines Schiffs hat die Ansicht über das Zweckmäßigste sich geändert, oder dem nächsthöchsten Vorgesetzten paßt oder gefällt die eine Konstruktion nicht, und er ordnet Aenderungen an. Und so geht's in zahlreichen Fällen. Dabei wird aber nicht etwa das einmal benutzte Material zu andren Zwecken verwendet; es ist thatsächlich„altes Eisen" geworden. Kein Vorgesetzter kümmert sich darum, ob nicht schließlich das eine oder das andre noch etwa verwendet werden könnte. Ins neue Material wird hineingegriffen, als ob es kein Geld kostete. Wie das Material manchmal verschwendet wird, dafür nur ein Beispiel: Bei einer der Nordlandsfahrten der„H o h e n z o lle rn"(Kaiserjacht) hatte es sich nach An- ficht der maßgebenden Persönlichkeiten als wünschenswert herausgestellt, an Stelle der alten Fensterblenden neue an- fertigen zu lassen. Die Werkstatt erhält also den Auftrag und der Bauführer ordnet die Verwendung von 3 Millimeter-Nickel- platten an. Die Formen zum Pressen der Platten werden gedreht, diese in Arbeit genommen und nachdem nun die Arbeit halb fertig ist. meint der Herr Vorgesetzte:„Eigentlich sind die Platten doch etwas stark, ich glaube, wir nehmen lieber 2 Millimetcr-Platten." Das Magazin wird also nach 2 Millimeter-Nickclplatten durchsucht. Diese sind nun nicht da, wohl aber 2 Millimeter-Neusilberplattcn. Diese sind zwar noch teurer als Nickelplatten, aber sie werden ge- nommen. Nachdem nun die Fensterblendcn fertig sind, ordnet der Herr Baurat eine weitere Aenderung au. Der Ansicht des Herrn Banrats wird auch noch entsprochen, dann die ganze Arbeit aufs feinste poliert und darauf nach der„Hohenzollern" geschafft. Hier wartet natürlich schon der Maler, der die sauber polierte Arbeit mit einem Farbenanstrich ver- sieht. Nun inspiziert der Herr Obcr-Baurat die Arbeit: „Die Arbeit ist viel zu kompliziert, das sollen ganz einfache Blenden sein. Tie machen wir aus Messingblech. Diese Dinger müssen fort. Die ganze Arbeit war also vergebens und Tausende von Mark sind verpulvert! Wenn etwa der Herr Staatssekretär Tirpitz sich einnial die Nensilber-Fensterblenden ansehen will— jetzt liegen sie auf dem Boden der Schlosser- Werkstatt der kaiserlichen Werft. Das ist nicht etwa ein vereinzelter Fall, das ist typisch für die Arbeitsmetbode der Staatswerften. Eine weitere Ursache der hohen Kosten der Schiffs- Neu- bauten der kaiserlichen Werften sind die fortgesetzten Versuche mit neuen Konstruktionen, deren Kosten aus die Neubauten geschlagen werden. Auch dafür ein Beispiel. Der Küstenpauzer„A e g i r" ist das Versuchsschiff gewesen zur Erprobung von elektrischen Maschinerien für die verschiedensten Zwecke an Bord. Unter andenn hat er auch einen elektrisch betriebenen Steuerapparat erhalten, der Gegenstand vieler Versuche gewesen ist. Gelegentlich einer Besichtigung desselben durch mehrere höhere Beamte äußert sich einer derselben:„Und wenn's nicht gehen tvird, meine Herren, so ist es doch ein äußerst interessanter Versuch gewesen." Dieser„interessante Versuch" hat zum mindesten seine 199(XX) M. gekostet. Es scheint, als ob die militärische Leitung der Wersten- an der Spitze der drei Werften stehen zwei Kontreadmirale und ein Kapitän zur See— entweder nicht hinreichenden technischen Beirat haben oder den Ratschlägen der Techniker nicht folgen. Denn. geschähe dies, so würden vielerlei Ver- besscrungcn im Schiffsbau und zugleich erhebliche Ersparnisse erzielt werden. Bei einer weniger bureaukratischen Leitung ließen die Werften sich zu Musteranstalten in jeder Bedeutung des Worts entwickeln. Den Arbeitern würde ein besserer Lohn gezahlt werden können, die Arbeitszeit ließe sich verkürzen, und trotzdem würde der Staat seine Schiffe billiger bauen können als die Privatwerften, bei denen der Unternehmer- prosit auch noch herausgeschlagen wird, der bekanntlich nicht gering ist.— So weit unser Gewährsmann. Natürlich liegt uns die Marinebegeisterung des Eentrums- Abgeordneten Müller- Fulda fern, der die Ver- billigung der Schiffsbauten nur zu um so schnellerer Vermehrung der Kriegsschiffe ausnutzen möchte. Wir wünschen eine Verbilligung der Bauten, um den deutschen Steuerzahler wenigstens vor einem Teil der überflüssigen Ver- geudungen des Marinismus zu behüten. politische M-bevficht. Berlin, den 2. April. Ans Reichskosten. Im Etat für 1898 haben Ueberfchreitungen stattgefunden, die auf die Palästinareise zurückzuführen sind. Ans Anregung des Genoffen Singer wird diese Sache in der Rechnungs- komnnssion geprüft werden. Jetzt melden nun die„Berliner Neueste Nachrichten": „In den Zeitungen ist mehrfach von 40 000 Mark als „Kosten der Reise des Grafen Bülow nach Palästina" die Rede gewesen. Demgegenüber ist festzustellen, daß nur etwa ein Zehntel dieses Betrags auf den persönlichen Anteil des Herrn Staatssekretärs enffällt, das übrige dagegen auf Kurier- und Depeschenkosten zu verrechnen ist." Das ist unter dem Vorwande einer Berichtigung eine interessante Enthüllung! Also 4(XX) M. hat Herr v. Bülow persönlich aus Reichsmitteln für diese Reise verausgabt. Mit welchem Recht? Der Fall sollte Anlaß geben, diese„Persönlichen Anteile" auch in andren Ressorts festzustellen. Will man derartige Reisen, deren rein privater Charakter ja von den Offiziösen stets betont wird, ans der Kasse des Reichs bestreiten, so hat man vorher dem Reichstag eine Vorlage zu unter- breiten, der dann darüber zu befinden hat, ob die Reise aus- geführt werden soll oder nicht. Handelt es sich aber um lediglich private Fahrten, so hat das Reich keinen Pfennig beizusteuern. Selbstverständlich wird niemand dem Staatssekretär zu- muten, daß er aus eigener Tasche den Aufwand für derartige Reisen bestreiten solle. Er hat im Gefolge des Kaisers an der Reise nach Palästina teilgenommen, und hatte dem- zufolge Anspruch auf freie Fahrt und Verpflegung auf Kosten der königlichen Schatulle, die um so bereitwilliger ihren Ver- pflichtnngen nachkommen würde, da ja Herr v. Bülow, wie man sieht, außerordentlich billig zu reisen und mit bloßen 4(XX) M. seine Bedürfnisse zu befriedigen versteht.— Die Erdrosselungssteuer. Die amtliche„Berliner Korresp." ist unzufrieden mit der Gestaltung, welche die Warenhaus-Steuer in der Kommission des Abgeordnetenhauses annimmt: „Als sicb die königliche Staatsregicrung zur Einbringung des Gesetzentwurfs betreffend die Einführung einer Warenhaussteuer entschloß, war sie von dein gesctzgeverisckien Gedanken geleitet. eine angemessene und zweckentsprechende Besteuerung dieser noch jungen' Form deS Handclsgewerbes anzubahnen, da die steuer- liche Erfassung der in Rede stehenden Betriebe im Rahmen der Gewerbesteuer in nur unvollständiger Weise bewirkt werden könnte. In der zur Vorberatnng des Gesetzentwurfs berufenen Kommission des Abgeordnetenhauses nun sind Beschlüsse gefaßt worden, die dem vorbezcichneten Zweck der Vorlage durchaus widerspreche» und die Tendenz einer„Erdrosselung" der Waren- bäuser deutlich erkennen lassen. Diese Beschlüsse find für die Staatsrcgiernng völlig unannehmbar. Würde das Plenum diesen Kommissionsbeschlüssen seine Zustimmung geben, so könnte hierin nur eine Gefährdung des gesetz- geberischcn Plans erblickt werden. dessen Notwendigkeit und Dringlichkeit nickt wohl bestritten werden kann. Es darf die E r w a r l'n n g gehegt werden, daß bei der zweitcnLesnng im Plenum unter Beseitigung der zu weit gehenden Kommissionsbeschlüsse eine die Zweckbestimmung der Vorlage sichernde Einigung zwischen der Mehrheit deS Abgeordnetenhauses und der Staats- rcgiemng zu stände kommt." 'Die' MittelstandSretter der Kommission wollen die Warcnhausnlänner mit schnellem Schlingenwurf erdrosseln. Herr Miquel ist fiir langsameren Erstickungstod durch fünf Akte.—_ Der Zehnstundentag in Frankreich. Nachdem der vom Handelsminister M i l l e r a n d ein- gebrachte Gesetzentwurs betreffend die Regelung der Arbeits- zeit in den Fabriken mit gemischten Arbeiterkatcgorien Senat und Teputienenkamnicr passiert hatte, ist der Text nun bereits veröffentlicht worden und hat damit Gesetzeskraft erlangt. In seiner endgültigen Fassung lautet das Gesetz wie folgt: „Erster Artikel: Die Artikel 3, 4 und 11 des Gesetzes vom 2. November 18S2 über die Arbeit der Kinder, der minder- jährigen Mädchen und der Frauen in den industriellen Etablissements werden folgendcrniaßen abgeändert: Art. 3. Die jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen bis zum Alter von 18 Jahren sowie die Frauen dürfen zu keiner längeren als 11 stündiqen läglichcn effektiven Arbeitsleistung herangezogen werden. Diese Arbeitszeit muß durch eine ober mehrere Ruhe- pausen unterbrochen werden, deren Gesamtdauer nicht unter einer Stunde sein darf und während welcher jegliche Arbeit ver- boten ist. Nach Ablauf von 2 Jabren nach Verkündigung gegenwärtigen Gesetzes wird dann die Dauer der täglichen Arbeitszeit auf Iv'/s Stlinden,»ach weiteren 2 Jahren auf 10 Stunden herab- gesetzt. In jedem Etablisicment. mit Ausnahme der Fabriken mit mumterbrochenem Betriebe und der Bergwerke, Tagebauten oder Steinbrüche, finden die Ruhepausen für alle durch gegenwärtige« Gesetz geschützten Personen gleichzeitig statt. Art. 4(Zusatzparagrnphj. Mit Ablauf von zwei Jahren nach Verkündigung gegenwärtigen Gesetzes verlieren die in den§8 3 und 4 dieses Artikels vorgesehenen Ausnahmebestimmungen ivegen der Nachtarbeit ihre Geltung, ausgenommen die unterirdischen Arbeiten in den Bergwerken, Togebautcn und Steinbrüchen. Art. 11§ 3- In den andren Etablissements als denen mit ununterbrochenem Betriebe und denjenigen, für welche ein beson- deres öffentliches Berwaltungsreglement vorgesehen ist. fällt die Wecksclschicht, ausgenommen, was in den§8 2 und 3 des Art. 4 hierbei bestimmt ist, 3 Monate nach Verkündigung gegenwärtigen Gesetzes fort. Wo die Wechselschicht bestehen bleibt, muß die Arbeit jeder Schicht, von der Ruhepause abgesehen, eine ununterbrochene sein. Zweiter Artikel. Dem Art. 1 des Dekret-Gcsetzcs vom S/14. September 1348 wird folgende Bestimmung hinzugefügt: Doch darf in den in Art. 1 dcZ Gesetzes vom 2. November 1832 aufgezählten' Etablissement». Ivclche in denselben Arbcitsräuincn erwachsene minnilichc Arbeiter und Personen, von denen gegenwärtiges Gesetz handelt, beschäftigen, die tägliche effektive Arbeitszeit jener Arbeiter 11 Stünden n i ch t ii b.c r- s ch r e i r e n. Auch für diesen Fall tritt nach zwei Jahren von ZZer- kündigung gegenwärtigen Gesetzes die Verkürzung der täglichen Arbeitszeit auf lOb's Stunden, nach weiteren zwei Jahren 10 Stunden eilt." Ist das Gesetz auch zunächst nur anlvcndbar auf die„gc- mischten Betriebe" d. h. auf solche, in denen Frauen und Kinder, bezw. neben diesen erwachsene Männer arbeiten, so wird es doch den größten Einfluß auf die Gesamtheit der Pdriebe üben. Der Senat hatte noch kürzlich einige Abänderungen und zwar keine Verbesserungen in das Gesetz gebracht und so mußte es von neuem i» der Tcputiertcnkammcr zur Ver- Handlung gelangen. Hier wurde es nun dcbattclos angenonl- mcn. Auch die Socialiflcn, die ehedem das Gesetz wegen der augenblicklichen Verschlechterung, die es für die Kinder bringt, bekämpften, mögen sich gesagt haben, daß sie nicht gegen ein Gesetz vorgehen können, welches in vier Jahren für etwa �4 der gesamten französischen Zlrbciterklasse den Zehustnnden- tag bringt. Tie Arbeiter derjenigen Betriebe, auf welche dies neue Gesetz nicht Anwendung findet, werden alle Energie einsetzen, um den Zehnstundentag für alle Betriebe zu erwerben.' Ientjches Meich. Ei» katholisch- littcrarischcr Aprilscherz. Das rheinische Hatlptorgan des CentrumS, die„Kölnische Vollszeituwg", ist zu Ehren des ersten April auf den von ihren Anschauungen ans sehr sonderbaren Einfall geraten, das littcrarische Obskurententum, das in ihren eigenen Reihe» herrscht, grimmig zu verspotten. Das Blatt erfindet eine Unterredung mit dem Abg. Rörcn, dem es �inc Reihe der tollsten Bemerkungen in den Mund legt. Der April- Rören äußert sich über die Agitation gegen die lex Heinze. Die sehr witzige Hcmzc-Nummer der„Lustigen Blätter" wird wie folgt gekennzeichnet: '„Wenn die„Lnstigen Blätter", unter ausgiebigster Bc- rücksichtiguiig meiner Person, in einer einzigen Nummer beiläufig ein Dutzend Seiten voll kontinilicrlichcv Schamlosigkeiten in Text und Bild zusammcnsudeln? Echtes Fabrikat der Reichs- Hauptstadt Berlin, dieser großen Kloake. Von solchen Kameraden, die alle Ursache zur Angst vor dem§ 181a. haben, beschimpft zu werden, darauf bin ich ftvkz." Auch eine katholische Pfarrersköchin würde in der Heinze- Nummer keine Schamlosigkeiten entdecken. Nur der 1. April bc- rcchtigt den Abg. Nörcn zu dein Urteil. DcS weiteren spricht Herr Rörcn von der„pornographisch infizierten Tagespreise" und daun heißt es weiter: „Die Hauptschuld an den: Spektakel trägt überhaupt da? Schreibervolk— nehmen Sie's nicht übel, alle Anwesenden find ausgenommen— und im gewissen Sinne kann ich'S den Hcr-rcn Nicht einmal so übel nehmen. Auch diese„Kunst" geht nach Brot. und waS solle» gewisse moderue Autoren überhaupt noch schreiben, wenn ihnen die amcndicrte lex Heinze in die Quere kommt? Gehts nicht mehr in dem alten mehr oder weniger pornographischen Stil, so sind sie platt; denn eine halbwegS an- ständige Novelle bringen sie nicht fertig. Wir erleben ja heute nngezählie neue Auflagen der alten KraftgcnieS, die da ganze Kerls zn sein glaubten.' wenn sie das Maul recht voll von Zote», Geineinheiten und unflätigen Aus- drücken nahmen. Hier und da sind Talente darunter, Arno Holz z. B.. ans dem vielleicht»och etlvaS wird; aber vorläufig hält ihn das nicht ab, kindisch zu bramarbasieren, jeden Augenblick die Unreife seiner Jugend(Holz ist 37 Jahre alt! Red. d.„V.") zu beweisen, und was schlimmer ist, sich mit scheinbarem Behagen in der Gossa zu wälzen und uns lüsterne Kellncriimcir als Ver- trcterinncn des Ewigweiblichen vorzuführen. Von solcher„Kunst" kann ich mir unmöglich imponieren lassen. Auch nicht von Richard Vost mit seiner delirierenden Weltanschauung und Morphiumpoesie, nicht einmal von Spiclhagcn, diesem Parfüm- duftenden Salon-Romancier, Ivenn er auch der Licbliugsautor der Berliner Fortschrittspartei ist, oder von Wildenbruch, dem bei seinem ausschließlichen HinauSarbeiten auf den rohen theatralischen Effekt zum wirklich modernen Tragiker nicht weniger als alles fehlt. Aber ich gerate da in eine Gegend, wo noch halb- wegS anständige Leute wohnen. Herr Wiloenbruch kann sich beruhigen, ihm will ich nicht an den Kragen, sondern den deutschen Nachtrctcrn ZolaS, dessen bsto humaine doch stark an ein ekelhaftes Tier erinnert, andre seiner Sachen übrigens auch... Wie kann er(Abg. Müller-Mciningen) Sudennann eine General- opokhcose bereiten. Ivenn er beispielsweise seine Heimat(Ost- Preußen) kennt, die ästhetisch überhaupt nicht in Betracht kommt? Oder die Schmetterlingsschlacht mit ihrer realistischen Unverfrorenheit und widerlichen Sentimentalität, und gar SodomS Ende mit dem rohen, cynischcn Jargon einer degenerierten Gesell- schaft, die sich ohne Scham iiiid Feile prostituiert, wo sich die Gc- meinheit fort und fort steigert k Und die absichtlich wirkende . L ü st e r n h e i t in seinen Novellen schließt sich würdig an. Bleibe mir doch Müller mit seinem Sudermann vom Leibe I Und mit Gerhart Hauptmann desgleichen. Dieser Tage blätterte ich sein Frieden-fest durch. Welche unerquickliche Oede, Leere und Breite und widerlich-liedcrlichc Sprache. Dann äußert sich der famose April-Rören auch über die Möglich- keit der Anwendung der lex Heinze auf diese Modernen: „Unsre„Modernen" sind durch die Bank wahrlich nicht solche Sterne ersten Ranges, daß die Erörterung, ob sie unter Umständen auch einmal auf die Anklagebank gelangen könnten, gleich als Attentat aus Kmist iind GcisteSsrciheit' aufgefaßt zu werden braucht." Der Interviewer fragt:„Sie würden also auch in der praktischen Anwendung der lex Heinze keinen Unterschied zulassen, etwa zwischen einem Modedichter und einem Fabrikanten ordinärer Hintertreppen- Romane?" Gemütlich antwortet Rören:„Ich wüßte nicht, wie man gesetzeS- technisch einen solchen Unterschied formulieren tonnte." „Und unter Umständen würde also eine Celebrität wie etwa Paul Heysc unter die lex Heinze fallen können?", folgert der Interviewer und Rörcn antwortet, er wäre wohl juristisch schwer zu fassen, aber er sei gleichwohl„einer der unsittlichsten und schädlichsten Dichter der Neuzeit, wenn er auch im Gegensatz zu seinen groben und rohen Nachtrctern daS schleiche nde'Gift sentimentaler Lüsternheit in Krhstnllflaschcn verabreicht". Aber auch die tote» Dichter sind dem Heinzemann ein Greuel, wenn er auch bedauernd erklären muß, daß er einem Heine gegen- über nicht den Staatsanwalt spielen könne. Prächtig schildert er Heine: „ES läßt sich doch nicht bestreiten, daß sein Leben vielfach toll, wüst, cynisch, abstoßend war; ein körperlich früh verwelkter, geistig blasierter Jüngling, hat er zeitlebens in glatten Weisen ein Evangelium der Unzucht gepredigt und das Fleisch als an- zubetende Gottheit auf den Thron gesetzt. Daß er als politischer Schriftsteller nicht ernst zu nehmen ist— denn auch bei den enistesten politischen Fragen dachte er stets in erster Linie an seine Person— ist noch Nebensache neben seinem ausgeprägten Trieb nach persön- ticher Rache und den kotige» Harlekinade», mit welchen er sich immer aufS neue besudelt." Selbst Goethc wird mit etwelche» Echimpfworten bedacht: Neben„ästhetischen Salonthee-Romanen" habe er„Obseönitätcn verbrochen, die einfach in die Littcratiir-Rubrit der geheimen Sünden gehören." Schließlich wird der Interviewer noch ermächtigt, diese Littcratur- kritik drucken zu lassen:„Es wird zwar. einen schönen Lärm absetzen, aber mehr als bisher können die Herrschaften mir kaum noch sagen. Und offen gesagt: Mich reizt c», der Ocffcntlichkcit zu zeigen, daß cS noch Leute gicbt, die Courage im Leibe haben und sich um die sog. Vox populi in Littcratur und Kunst nicht kümmern." Eine herbere Verhöhnung des künstlerischen Führers des Ecutrums ist bisher nicht geschrieben worden als von diesem katho- lischcn Blatt, ein wuchtigerer Streich ist gegen die lex Heinze noch nicht geführt worden als mit dieser Gencralabschlachtnug neuer und alter Kimst. Aber was mag das katholische Hanptorgan veranlaßt haben, derart in Form eines Aprilscherzes gegen das eigene Fleisch und Blut zu wüten? Man könnte annehmen, cS besäße insgeheim Kunst- geschmack genug, um einmal, wenn auch nur von hinten herum, der Hemzerei seiner Freunde die Wahrheit zu sagen. Ein andres Motiv scheint uns aber wahrscheinlicher. Die„Köln. Bolksztg." wollte mit diesem erdichteten Sammclsnrinm von gemeiner Schimpscrci, komischer Univisscilhcit und grotesker Ucbertrcibung die Opposition gegen die lex Heinze hineinlegen, um dann, wenn sich die Blätter über die erfundenen Angriffe Rörcns empörten, frohlockend auszurufen:„Seht ihr— so urteilsloS sind dieselben Leute, die für die Freiheit angeblicher Kunst und Wissenschaft kämpfen zu müssen glauben. Sie trauen einem gebildeten Mann, wie nnsrcm hochverehrten Freunde Rörcn, zu, daß er in lächerlichen Tiraden derlei barbarische Unsimiigkeiten und unwissende Roheiten aussbrechen könnte. Unser Aprilscherz hat die beabsichtigte Wirkung gehabt: er hat bewiesen, daß mrsre gescheiten Goethe-Bündler noch nicht einmal eine crsthafte Meinung von einem travestierenden Ulk zu unterscheiden vermögen. Und das wirft sich zum Richter des öffentlichen Geschmacks auf!" Indessen das ist ein sehr gefährlicher Scherz, den sich die„Köl. Volksz." da gestattet hat. Wir glauben, daß noch weit zahlreicher ihre eignen Parteigenossen hineingelegt werden als ihre Gegner. Sehr vielen aus der Nachbarschaft des klerikalen Blatts wird der crsonnene Blödsinn aus der Seele gesprochen sein und das fromme Obskurantcr.tum wird dem April-Rören als einem echten Rörcn zujubeln. Denn in derThat ist das, waS in der fingierten Unterredung ausgesprochen ist, nur um eine Kleinigkeit schlimmer als was im Reichstag wirklich gesagt worden ist, und noch lange nicht so schlimm als was ein Sebastian B ruinier über moderne und klassische KAnst geschimpft und gesudelt hat. Dieser merkwürdig unvorsichtige Aprilscherz wirkt wie eine ätzende Selbstverhöhnung.— Die Agitation gegen die lex Heinze findet das„Adclsblatt" schlimmer als die im Harmlosen-Prozcß enthüllten Sittenlosigkciten. Eine vom Standpunkt des Feudaladels durchaus berechtigte und verständliche Ansicht!— Die gräßliche Weltmachtsidee. Dem Junkertum wird immer schwüler ob des Hanges maßgebender Personen zu Industrie und Handel. Das„Adelsblatt" klagt: „Von der Haliung der Reich-rcgierung gegenüber dem Fleischbeschaugesetz auf ihr schutzzöllnerisches Herz zu schließen, wird schwer, und um sicki keiner Enttäuschung auszusetzen, ist cS nötig, sich immer wieder die Thatsache vor die Augen zu rücken, daß nicht nur der deutsche Reichskanzler und seine Descendenz liberal ist, sondern daß auch ein gut Teil der hohen Reichsveamten und der vcrantwortlickicn Minister in den Einzelstaatcn bereits von der Weltmachtsidee derart befallen sind, daß ihnen Großhandel und Großindustrie als die staats- und volkswirtschaftlich einzig und allein zu berück- sickitigeiidcii Faktoren gelten. Handwerk. Kleiniiidustrie. Kleinhandel und Landwirtschast müssen zu Gunsten der„Geld ins Land bringenden GrotzcrwcrbSstände" zurücktreten, sie sind„absterbende Gruppen", die man der„Entwicklung" überlasten muß. Diese Entwicklung aber ist auf„Jndustrialisienmg" gestellt." Da sollten die Junker doch wahrhaftig der„Wcltmachtsidce" trotzen und ihr Werkzeug, die Flotte, ablehnen.— Gegen das agrarische Zuchthauögesetz in Reuß wendet sich die agrarische Zeitschrift„Das Lau d": „Die immer größer werdende fluktuierende Arbciterschar ober könnte darin einen Anlaß finden, dem Lande ganz und gar den Rücken zu kehren.... Hüten wir uns vor allem vor dem Glauben, daß die rechtliche Sonderstellung des Landarbeiters irgendwelche Milhilfe leisten kann bei der als notwendig erkannten Wirtschaft- lichen Differenzierung des Landarbeiters vom Stadtarbeitcr! Bc- mühen ivir uns vielmehr ganz im Sinne der noch dem Laude verbliebenen bestercn Elemente, das Interesse an die heimische Scholle— sei es durch Anieilwirlschast, sei eS durch Pacht, sei eS durch Eigentum, sei cS durch moderne Wieder- Herstellung der Allmende— zu fördern." Das find so naheliegende Einwände, daß sie auch der hornierteste Agrarier einsehen muß. Aber ganz so dumm ist daS Verhalten der Agrarier doch nicht. Derartige ZuchthauSvorlagen sind nur ein e r st e r Versuch, der dann seine entsprechende Ergänzung finden soll. Erst wird der Kontraktbruch der Landarbeiter und jede Koaliennig bestraft werden, und dann wird man— um die Landarbeiter nicht durch diese Maßregel in die Industrie zu treiben— die Frei- z ii g i g i e i t beschränken oder ausheben. So wird man die Landorbeiter an Händen und Füßen Fessel», sie durch daS Gesetz an Ketten legen, die in Astika die Schwarzen wirklich tragen. So kündigt denn auch bereits die„Kölnische VolkSzcitung"� an, an maßgebenden Stellen werde erwogen. ob es angängig sei. Minderjährigen nur dann eine AufenthaltS-Ver- ändening zu gestatten, weim die Erlaubnis der Ellern bez. des Vormunds vorliegt und der Nachweis erbracht wird, daß sie am neuen Auseitthaltsort bereits ein festes Arbeitsverhältnis besitzen. Auch werden gesetzliche Bestimmungen erwogen, welche den Gc- meindcn das Necht erteilen, neu anziehende Personen abzuweisen, wenn diese nicht den Nachweis einer den sittlichen und hygienischen Anforderungen entsprechenden Wohnung erbringen, unter gleich- zeitiger Beschränkung deS SchlafftcllcnunweseiiS. 'Die Leibeigenschast ist junkerliches Ideal!— Verstand unter Wasser. Zum 1. April schäkerte daS„Verl. Tagebl." wie folgt: „Eine bemerkenswerte Aeußerung auS dem socialdemo- kratischen Lager findet sich im neuesten Heft der„Neuen Zeit". Von keinem Geringeren als von dem Geschichtsschreiber ses Socialismus. Herrn K. Kautsky, geht sie aus, und sie betrifft nichts Geringeres alS die Beantworttmg der Frage. welche Stellung die deutsche Socialdemokratie zur Flotte n vorläge nehmen soll. Herr Kautsky verlangt von einen Porteigenosten, daß sie sich bei der Beurteilung dieser Flotten- Vorlage nicht von dem Gefühle des Gegensatzes zu der besteheuden Regierung leiten lassen mögen. Herr KautSky sogt wörtlich: „ES wäre geradezu selbstmörderisch, wollten wir unS einer Forderung, die im Interesse des gesellschaftlichen FortschnttS not- wendig ist. deshalb widersetzen, weil sie von einer Regierung erhoben wird, die dem Proletariat feindlich gegenübersteht. Gewiß müssen wir diese Regierung bekämpfen— aber dort, wo sie unrecht hat, nicht dort, wo sie im Recht ist. Ob sie recht hat, das ist also die Frage, um die es sich handelt." Also vor allem:„Keine Revanche für die Zuchthansvorlagc." svtan muß bekennen, dieser hohe Grad von Unbefangenheit, wie er ich in den oben angeführten Sätzen bekundet, verdient jede An- erkennung." Wer mag daS„Berliner Tageblatt" wieder mit dieser erstaun- lichen Meiran'igsänßerung hineingelegt haben? DaS Blatt findet eine Aeußerung KautslyS von sensationeller Bedenttmg, die einfach die Taktik bezeichnet, welche die Socialdemokratie seit jeher be- 'okgt hat, daß sie nämlich alle Vorlagen auf ihren sachlichen Wert zu prüfen hat und sich nicht durch Stimmungen in ihrem Urteil leiten läßt! Das Lustigste ober an der Togeblatt-Äonstlsion ist. daß Kautskys Satz sich just gegen den besondren Schützling des„Berliner Tageblatt" richtet, gegen jenen anch-söcialdcmotratischen Erich Rother. der— wie Mosses Blatt einst jauchzend vcrlündctc— für die Flotte sachlich eintrat und nur aus Groll über die Zuchthansvorlage und die ganze übrige reaktionäre Wirtschaft in der Gegenwart die Mittel verweigern wollte. Im strikten Gegensatz zu diesem Tageblatt- Socialisten legte Kautsky die socialdemokratstche Partei-Anschauung dar, daß wir uns nicht durch S entimcnts der Verbitterung beeinflussen lassen dürfen, sondern ans s on st i g e n Gründen die Floitcnvorlage in jeder Hinsicht ab- lehnen müssen. Vielseitigkeit kann man wahrlich dem„B. T." nicht absprechen: erst frohlockt es über Erich Rother, dann jubelt es über seinen siegreichen Widersacher Kautsky. Schade nur, daß daS „Berk. Tageblatt" nichls von der meisterhaft klaren und über- zeugenden' Beweisführung KautSkyS gegen die Flottcnvorlage profitiert hat; es hat dadurch eine günstige Gelegenheit verpatzt, das gcisuge Niveau über die Oberfläche des Wassers zu heben.— Fleischbeschattgesetz. Der Ausschuß des Bundes der Land- Wirte hatte sich„fast cinstiminig" dafür ausgesprochen,„daß es für die deutsche Landwirtschaft unmöglich sei, über die Beschlüsse der zweiten Lesung hiimusgchciidc Konzcssionen zu machen". Tie kon- scrvativcn Parteiführer Freiherr v. M a n t e u f f e I- Crossen und Graf o. Mirbach- Sorquittcn veröffentliche» jetzt dazu die Er- klärung in der„Kons. Äorresp.", daß sie mit den Beschlüssen deS Ausschusses nicht übereinstimmen. Maßgebend hierfür sei: 1. Die Uebcrzeugung. daß ohne Köiizessionen das vorgelegte Gesetz scheitern, daß aber durch Verabschiedung desselben ein wesentlicher Fortschritt gegenüber dem gegenwärtigen Zustand ein- treten werde. 2. Daß cS von sehr hoher Bedeutung sei, eine möglichst große Majorität für dieses Gesetz zn erlangen, dies aber nur. auf Grund bestimmter Konzessionen sich erreichen lasse. 3. Daß ein entschiedenes Zusammengcbcn der großen maßgebenden Parteien schon mit Rücksicht auf die Gegnerschaft von weittragender Bedeutung sei." Die Konservativen wissen recht gut. warum sie ein Kompromiß eingehen müssen. DaS Flcischbesckan-Gesetz bringt ihnen außerordentliche Vorteile, auch wenn die Beschlüsse der Reichstagsmehrheit in dritter Lesung eine Abschwächuug erfahren. Es liegt für sie gar kein Grund vor,' ihren Zwist mit der Regierung durch Beharren auf nnfinnige Forderungen zu verschärfen. Die„unentwegte" Ovpofilion der Ocrtcl-Gruppe mag dabei gar nicht unwillkommen sein, um beim Kompromiß mit der Regierung möglichst viel herauszuschlagen.— Abäudernng der Geschäftsordnung. Die„Verl. Pol. Nachr.' schreiben: �Anscheinend rüstet sieb die Mehrheit zu diesem Kampfe durch Pläne zur Abänderung der Geschäftsordmmg. Man will insbesondere Auszählung und namentliche Abstimmung bei allein rein gci'chäftsordnungsmäßigen Fragen ausschließen und bestimmen, daß die Namen derjenigen, welche eine namenllickie Abstimmung bc- anlragt haben, für die Beschlnßsähigkcit auch dann miizählen, wenn sie sich von der Abstilnmnng fernhalten." So etwas wünscht die Rückwärtscrci wohl, doch sie wird cS nicht erreichen.— Das Ende deS SoeialistengesetzeS. In dem Streit, wie das Socialistengesctz zu Fall gekommen sei, erklärt jetzt Graf Mirbach: „daß nach seiner genancii Erünisrung die Tarstellung des Herr» v. Helldoesf in der entscheidenden Fraktionssitzung dahin ging, eine Ablehnung des Gesetzentwurfs sei nach seiner Auffassung dem Fürsten Bismarck nicht unerwünscht, sie würde die Bahn frei- machen für ein schärferes wirksameres Sorialistengesetz, das im Fall der Ablchniiug der Vorlage zu gewärtigen sei." Herr v. Helldorff hat in der That Bismarck nicht mißverstanden. Bismarck wollte das Gesetz scheitern lassen, um sich als „ S t a a t s r e t t c r" in seiner sinkenden Macht behaupten zu können. AnSgcwicscile MajoratSherrcn. Zu den ältesten und bc- gütcrtsten westfälischen Adelsgeschlechteni katholischer Konfession gc- hören die Freiherren v. Bo esc lag er. Die Freiherren Dietrich lw'' Wolfgang v.Boeselager. Söhne des während des Kulturkampfs nach Eiy la»d übergesiedelten und»attiralisierten Frhrn. Maximilian v. Boeselaget sind kürzlich durch Verfügung des Regierungspräsidenten aus den preußischen Staatsgebiet ausgewiesen worden, weil sie sich als Ausländer lästig gemacht haben. Der Boeselagersche Grundbesitz. der äußerst umfangreich ist, kann als Majorat nicht in andern Besitz übergehen. Das ist doch ivenigstenS einmal eine Abwechselung m der Praxis der Ausweisung!— Heber das NnSwandernngSwesen liegt der Bericht der Reichs- kommiffare von 1839 dem Reichstage jetzt vor. Demnach hat die densiche überseeische AuSwanderuiig gegen daS Vorjahr um eine Kleinig keit zugenommen— von 22 221 auf 23 710 Köpfe. Bis dahin hatte die Auswanderung von 120 083 Köpfen im Jahre 1831 fortdauernd abgenommen. Die geringe dentiche Auswanderung wird in dem Bc- richte zurückgeführt auf die günstigen wirtschaftlichen Verhältnisse und die bessere' staatliche Fürsorge für die Arbeiter in Deutschland. Weit größer als die deutsche Auswanderung war die Auswanderung von Ausländern über deutsche Häfen. Dieselbe erreichte 1399 die Zahl von 180 616 Köpfen, darunrer waren 57 394 Russen. 37 010 Oestreicher. 32 800 Ungarn. Von den ausländischen Auswanderern waiidcrlcn 105 151 nach den Vereinigte» Staaten von Amerika. von de» 23 710 deutschen Auswanderern 19 016. Unter den deutschen Auswanderern waren 2241 landwirtschaftliche, 2633 industrielle Arbeiter und 2325 Gehilfen der Haiidclsgewcrbe. Unter den ausländischen Auswaiidercr» über Bremen stellten die Nüssen, Polen. Kroaten. Slovaken. Ealizier und Czechen. sowie die unter diesen lebenden Juden das Hauptkonttiigeut. Nach Südafrika wurden über Bremen im vergangenen Jahr 545 Personen. 64 mehr wie im Vorjahr, befördert: darimtcr waren 34 deutsche Rcichsangehorige, während der Rest zum größeren Teil ans russischen Juden bestand, die sich nach TranS- tiaal, Portugiesisch-Ostafrika und»ach der Kapkolonie wandten, um dort Handel mit Gold und Edelsteinen zu treiben. Infolge deS TranSvaalkriegS hörte die Aiiswanderniig nach Südafrika im letzten halben Jahre gänzlich auf und es trat eine bedeutende Rückwanderung der jüdischen Handelsleute ein. In Bremen wurden 564 Personen gelandet, welche in den Verciuigteu Staaten von Nordamerika nicht zilgelaffcn wurden, darunter 406 Oestreicher, 115 Russen. 34 Deutsche. Es befanden sich darunter 130 Personen, welche angeblich vor ihrer Einschiffung Arbeitskontrakte für Amerika abgeschlossen hatten. Von den über Hamburg Zugewanderten wurden 1899 395 Personen von der Landung in Nordamerika ausgeschlossen, darunter 119 Oestreicher. 177 Shiffem 72 Deutsche. Ihre Zurückweisung hatten die davon Betroffenen fast ausschließlich selbst. und zwar dadurch ver- schuldet, daß sie bei Abschluß des VesörderungsvertragS Uber ihre Verhältnisse unwahre Angaben gemacht hatten. Auch die deutsche Auswanderung nach Brasilien über Bremen zeigte die nicht unbc- deutende Bermehning um 460 Köpfe(1898: 629, 1899: 1089), was zum größte» Teil der Konzessions-Erteilung für die hanseatische Kolonisations-Gesellschaft zuzuichrciben ist. Der frühere Auswanderer- verkehr über Stettin wurde Ende Juli 1898 unterbrochen und im Jahre 1899 nicht wieder aufgenommen. Von den 23 740 deutschen Auswanderern gingen 9126 über Bremen. 10 660 über Hamburg. 2370 über Antwerpen. 829 über Rotterdam und Amsterdam, 250 über Eherbourg und Havre. Im 11. hannöverscheu Wahlkreis— Northeim- Einbeck- Osterode— hat die Wahlagitation bereits begonnen, trotzdem das Mandat deS Bündlers Harriehausen vom Reichstag noch nicht kassiert ist. Die Nationallibcralen haben ihren vorigen Kandidaten, den Kupfcrwerlbesitzer JornS, wieder aufgestellt. Der Bund der Landwirte hat bereits eine Versammlung mit Diederich Hahn in Northeim abgehalten, und auch ein besonderer Handwcrkerkandidat ist bereits in der Person des SchuhmachenneisterS Hartjen st ein hervorgetreten. Ein welfischcr Kandidat tritt sicher wieder auf und auch die National- Socialen sollen beabsichtigen, einen Kandidaten auszustellw, so daß u»S diesmal 5 Gegner gegenüberstehen dürsten ffegcn 4 bei den allgemeinen Wahlen. Unsre Partei mar 1?!)8 in Slicknvahl, blieb aber bei dieser um 2000 Stimmen hinter dem BünMer zurück. Auö Hessen, 31. März. lEig. Der.) Die Zweite Kammer erledigie in der verflossenen Wache die Beratung des Nachtrags- budgers. Zn einer heißen Debatte gab die Erhöhung deS Staats- beitragS an die evangelische und die katholische Kirche Anlaß. Charatteristisch für die Entwicklung des hessischen National- I i b e r a l i s m n s tvar der Feuereifer, mit dem von dieier Seite für die Vorlage gekämpft wurde. Dieselben Leute, die vor 25 Jahren die finanzwirtschastliche Trennung von Staats- und Kirchenverwaltung empfohlen und im ivesentlichen durchgeführt haben, arbeitenhentc daraus hin, dieses Princip wieder zu beseitigen, lind das alles nm die Kirche zu„stärken" zum Kanipf gegen die„atheistische" Socialdemgkratic. Von nnsrer Seile wiesen die Abgg. David und Ulrich die gegen die�„socialdcmokratischc Weltanschauung" gerichteten Angriffe scharf zurück: die moderne Weltanschauung nehme die volle Gleich- bexechtiguug in Staat und Parlament für sich in Anspruch. Wie empfindlich doch neuerdings die„religiösen" Gefühle der herrschenden Kreise geworden sind! Die Bemerkung des Abg. Ulrich, daß die christliche Weltanschauung wie andre Weltanschauungen aus Hypothesen_ beruhe, wurde als„ungehörig" gerügt. Das- selbe Schicksal ereilte die Bemerkung des' Abg. David, daß eine Kirchenmoral, die aus Furcht vor Höllenstrafe» oder auf Himmclshostnungen beruhen, eine rückständige sei im Vcr- gleich mit einer lediglich auf sociales Pflichtgefühl begründeten Sittlichkeit. Viel weniger fein und verletzlich ist' daS Gefühl dieser frommen Herren für die Gebote des praktischen Christentums. Das zeigte sich wieder bei einer Reihe von Etntsposten, bei denen von socialdemokratischcr Seite Besserstellung der niederen Angestellten verlangt wurde. Einen geradezu skandalösen Fall von Arbeiter- ansbcntung brachte der Abgeordnete David zur Sprache. In Mainz hat die preußisch- hessische Eiscnbahnverivaltimg vcr- fügt, daß die ganz auf freien Verdienst angewiesenen Bahnhofs- Gepäckträger jeden sechsten Tag ohne jedes Entgelt von morgens 8 Uhr bis abends 8 Uhr für die Verwaltung arbeiten mnsten. Die Leute habe» damit den sechsten Teil ihres im Winter ohnehin sehr kärglichen und unsicheren Verdienstes verloren. Also die Staatsbehörde läßt sich von armen Dienstmännern einen Frohn- tag umsonst leisten für die gnädige Erlaubnis, die Übrigen Tage auf dem Bahnhof sich Gcpäckträgcrarbeit zu suchen. Echt„christlich"! Tic hessische Negicrung rang die Hände und erklärte, sie habe kein Recht mehr, in solche Dinge einzugreifen, das sei»ach dem Eisenbahuver- trag Sache des preußischen MiuiflerS: eine Erklärung, die unsren Abgeordneten Anlaß gab, das Verdienst der Nationalliberalen, die diese schönen Vertragsbcstiminuugcw zu stände gebracht haben, ins Gedächtnis des Volks zu rufen.— Die Agrarier der Kammer haben, entsprechend ihrem Vor- gehen in andren Bundesstaaten, einen Antrag eingebrachte, die hessische Regierung solle ihre BnndesralSvcrtreter anweisen, das Fleisch- b e 1 ch a n g c s e tz in der Kommissionsfassung anznuchuicn. Da werden die Geister heftig anfeinanderplatze» und die neue Organisa- tion, die sich die natioualliberale Fraktion gegeben hat. um ihrer seitherigen Zerfahrenheit ein Ende zn bereiten, wird Gelegenheit haben, ticü zu bewähren. Auch das Ceutrum dürfte einige Leibschmerzen bekommen.— Ter Fall Lipps in der bayrischen Kaminer. Gelegentlich der Beratung der RechmnigSnachweisungen zum Pensionsctat kamen am Montag die veiißeruiigcn des Professors Lipps- München in einer Versammlung gegen die lex Heinz e über die heutige Ncchtsprechmig zur Sprache. Wagner(liberal) betont, daß der bayrische.Nichtcrstand unfähig sei, sich durch Rück- sichten nach oben bestimmen zu lasse», v. V o I l in a r vcr- langt daS Recht freier MeniungSäußeningctt auch für Bc- omtc. Ncbrigcns Jiabc Lipps nicht von der Bestechlichkeit der Richter im gewöhnlichen Sinne gesprochen. Geiger jCcntr.) meint, wenn /st!. Mitglied des Ccntrnms so gesprochen hätte, würde man in schärfster_ Weise vorgehen. Es bleibe bedauerlich, wenn ein Universitätslehrer solche Aenßernngen thue. Casselmann(liberal) bält Lipps' Worte, wie sie tbatsächlich gefallen sind, für nnbedenk- lich. D a l l c r(Centr.) meint, ein Mann, der aus dem Norden nach Bayern gckonnncn sei. habe um so mehr die Pflicht, zu fnllch verstandenen Worten eine authentische Erklärung abzugeben. .i. er �»snzminister v. L e o n r o d bedauert die Aenßernngen des Prof. Lipps. Gegen Lipps, der augenblicklich in Italien weile, solle nicht auf dem Wege des Ermittlungsverfahrens durch den Staats- anwalt vorgegangen werden, sondern auf dem Wege der Bcr- nchniung durch den Kultusminister. Heim(Centrum) tadelt, daß Lipps in besonderer Weise behandelt iverde. KultnSmiinster v. Landmann erklärt, er iverde Lipps nach seiner Rückkehr ans .stallen vernehmen. Hammerschmidt(liberal, bemerkt, die Aeiißernng von LippS fei unvorsichtig gewesen, da sie Mißverständnisse hervorgeruscn habe, doch habe Lipps den Richtern keine Be- siechlichkeit vorgeworfen. Die Beamte»»iiißten das Siecht der freien Meinungsäußerung haben, S e g i tz(Joe.) meint, Lipps habe nur gesagt, was weite Kreise, selbst die Richter denken.— DaS Ende einer Staatsaktion. Der Staatsanwalt in Hof hatte die Nr. 2 der„Ob er fr änk. Volksztg." beschlagnahmen lassen wegen einer Notiz über den Reujahrsordcnsrcgcn. Um gleich ganze Arbeit zu machen, erhob er nicht allein gegen den Redactcur G. Gärtner in Nürnberg, sondern auch gegen den Drucker C. O c r t c l in Nürnberg und gegen den Verleger I. T a u b a I d in Hof Anklage wegen Beleidigung deS Prinz- regcnteu von Bayern. DaS Landgericht in Hof hat jedoch dem eifrigen Hüter der Ordnung nickt den Gefallen gethan, eS lehnte die Anklage ab und setzte die drei Genossen autzerVerfolgung. Tie Lawine der KolouialauSgabcn. „ Ein Schutztnlppcn-Lchrbataillon empfiehlt der frühere mehr- jährige LandcShauptniann von Südwestasrika, Major von Fran?oi§. Tasselbe müsse, in Deutschland garnisonicrend, die zweckmäßige Ans- bildung sowie den laiifeiiden Ersatz der verschiedenen Schutztruppen für misre Kolonien sicherstellen.„DaS zu errichtende Schutz- truppen-Lehrbatmllon isr in der Störte eines Friedensdataillons mir doppelter� Chargenbcsetzung gedacht. Tie Zusammeilsetzung würde ciuen Etat von 35 Offizieren, 3 Sanitätsoffizieren. 10 Zahlmeister-Aspiranten. Lderfcnerwerker. Roßarzt, Büchsenmacher, klUnter- offiziers aller Waffengattungen, 320 Infanteristen. KS Kavalleristen, 40 Fetdartillsristen und 140 Mannschaften der Pioniere sowie des Trains ergeben. Außerdem 43 Handwerker. Als Lehrmaterial 107 Pferde. 100 Maulesel, 5 Feldkanouen und 4 Maxim-Gcsckütze. Daß daS Schutztruppen- Lchrbataillon vom Standpunkt der Koloiiiatschwänner aus eine wünschenswerte und möglicherweise auch rationelle Institution sein dürfte, mag gern zugestanden werden. Wer A gesagt hat. muß sich auch ans Weitcrbllchslabieren gewöbnen, Aber daß das Schutztruppen-Lehrhataillon den Kolonialetat' avermalS um ei» respektables Sümmchen anschwellen lassen wird, ist ebenso unbestreitbar. Das Zahlen aber lehnen bekanntlich unsre Weltmacht. politischen Projellenmachcr in vornehmer Bescheidenheit ab. Kolonialfreuden. Aus Kamerun kommen immer betrübend«« Nachrichten. Der Aussland der Stämme des nördlichen Binnenlandes wächst, der Be- trieb der Pflanzungen am Kamerungebirge ist aufs äußerste ge- fährdet und teilweise bereits eingestellt. Der Mangel an Arbeits- lräften macht sich immer fühlbarer. Die Versuche, aus dem Balilandc Arbeiter hcanzuzichen, sind bisher völlig gescheitert. Was vor einigen Jahren Dr. Zintgraff. Dr. Esser und andren gelungen war, aus Bali Arbeitskräfte für die Plantage» herbeizu- schaffen, ist jetzt infolge deS AufstandS der Eingeborenen nicht mehr möglich. Eine vor einigen Monaten unter- nommene Expedition scheiterte an der feindseligen Haltung der das zu passierende Gebiet bewohnenden Stämme. Ihr Führer. Herr Conrau, mußte dos Wagnis mit dem Leben bezahlen. Auch ein neuerlicher, vor einige» Wochen unternommener Versuch, mit einer wohlausgerüsteten Expedition da? Baliland zu erreichen, erschloß das Relmtierungsgebict der so heißersehnten Plantagenarbeitcr nicht: alle Zugänge zum Hinterland erwiese» sich als gesperrt, die Ex- pedition mußte vor dem Feuer der Eingeborenen den Rückzug antreten. ES besteht aber gar keine Aussicht mehr, aus dem Schutzgebiet selbst Arbeitskräfte zu erhalten. Tie kolonial- freundliche Presse äußert die Befürchtung, daß. falls nicht eine gründliche Aendcrung Platz greife, das Schicksal Kameruns als PflanzungSkolonie für die nächsten Jahre besiegelt fei. DaS sind äußerst erbauliche Aussichten für diese Perle im deutschen Kolonialbesitz, Die ohnehin sich ungemein langsam vollziehende Entwicklung der Plantagcnwirtschaftswird auf Jahre hinaus lahm gelegt werden, der RcichSzuschust aber wird um so mehr ivachsen, als die Strafexpeditionen bei der Ausdehnung und dünnen Bevölkerung des Landes— aus ca. Vz Million Quadratkilometer entfallen nur S1/-! Millionen Einwohner, darunter wegen des Klimas nur ein paar Hundert Europäer— kaum allzubald die „Ruhe" im Land lviedcrherstellen dürften.— Ausland. Zur Lage in Italien. Aus Rom schreibt man uns untenn 30. v. M.: Nach der gestrigen Ucberrumpelung der Kammer, die ohne Diskussion den Vorschlag Pclloux' annahm, beschloß die äußerste Linke, den Gang der Parka- mentarischcn Maschine ins Stocken zu bringen. Und in der That, nach dem skandalösen Vorgehen des Präsidenten, der die Abstimninng gcschäftsordmmgswidrig hatte vornehmen lassen, blieb den Per- teidigem der Freiheit und des Rechts nur das eine übrig. Und heute morgen hat die äußerste Linke ihrem Beschlutz gemäß ge- handelt. Gesten» abend hatte Pclloux in einer Versammlung der Majorität erklärt, die Regierung beabsichtige die UnterdrückungS- gesetze zurückzuziehen, aber die Abänderung der Geschäfts- Ordnung müsse durchgesetzt werden. Durch jencS Versprechen ließ sich jedoch niemand täuschen. Herr Pclloux ist in der Klemme, und bat er einmal die Geschäftsordmmg so geändert, daß die Minorität mundtot gemacht und die Regierung absolute Herrin in der Kammer ist, dann können nicht bloß alle Unterdrückungsmaßrcgeln durchgesetzt werden, sondern auch die von den Reaktionären so heiß ersehnte Beschränkung des Wahlrechts. Unser Wahlgesetz ist zwar nichtswcniger als demokratisch— in» Gegenteil: es schließt ja die Mehrheit des Volks vom Wahlrecht ans—, allein es enthält einige liberale Be- stimmnngcn, die Herr CriSpi. der ivciland Radikale, hineinbrachte, z. B. die Bestimmung, daß. ivcr lesen und schreiben kann und einige E l e m e n t a r k e n» t n i s s c besitzt, deS Wahlrechts teilhaftig ist. Und diese Bestimmmigen sind den Reaktionären ein Dorn im Auge. Genug, als heute morgen 10 Uhr Herr Colombo, der Kammer- Präsident— er ist Leiter der Hochöfen von Tenii— seinen Sitz cin- nchmcn wollte, wurde er von der äußersten Linken mit einem EiltrüstungSstnrm empfangen: Hinaus I Hinaus! E i sc n st i rn von Teriii! brauste cS ihn» entgegen, und Papierrollen und Papierkugeln flogen ihm um. einige auch an de» Kopf. Der so Empsanacnc war ganz verdutzt, er stammelte ein paar Worte, die in dem Getöse verloren gingen,»nid flüchtete kreidebleich aus dem Saal. Tie Sitzimg mußte aufgehoben Ivcrdcn. Die konstitutionelle Linke verhielt sich während der Sceue ganz Mäuschen- still, und die Rechte richtete an den Präsidenten ermunternde Rufe, die von dem Orkan auf der äußersten Linken übertönt wurde»». In Italien ist jetzt jede Bersamnilnng auf Befehl deS Ministeriums verböte»». Herr Pellonx sagte cS gestern klipp»md klar auf eine Anfrage Tnratis, der wegen des Verbots einer Vcrsammlmig, die an» Soi»ntag in Mailand statlfindei» sollte, interpellierte:„Ick habe verboten und ich werde verbieten alle Dersainniliingcn, die sich gegen die Einrichtungen des Landes und gegen die Kammer richte» 1* „Aber— erwiderte Tnrati— was haben wir Deputierten den» hier zn machen, wenn die Rcgicrnng thut, waS sie will? Ihre Ant- ivort beweist schlagender als je die Notwendigkeit der Berufung einer t o n st i t i» i e r e n'd en Versammlung. Jedenfalls kam» ich dem Herrn Minister versichern, daß Mailand cS sich nimmennehr ge- lallen lassen wird, als eroberte Stadt behandelt z» werden. Wir dulden keine Kroate»»Wirtschaft!" Die„Kroatcillvirtschaft" bezieht sich auf die„fünf großen Tage" der Erhebung von 1848, deren Gedächtnis in diese» Tagen ivicdcr ge- feiert wurde. Damals galt der Kampf den Oestreichcrn, deren Armee in Mailand zumeist ans Kroaten bestand! Der Minister, der wie vor den Kopf geschlagen ist, ließ sich die Replik TuratiS gefallen. Er schwieg. Selbst die konserbatiben Blätter, wie der„Gionio" llnd die „Gazzetta del Popolo" von Turin, raten den Minister»», ihre Demiision zu gebe»»,„weil sie dieKrone kompromittieren." WaS unrd die Regierung thnn? Ricniand»veiß es. Ain »vcnigstcn Herr Pclloux,' den» die Dinge über den Kopf gelvachscn sind. lind was wird das Ende von Lied sein? Gewiß ist nllr, daß die Socio listen es nicht sein werden,»velche die Kosten dieses Tohu Wabohu zu tragen haben. * Die Sitzung der Deputicrtenkammer an» Montag be- ginnt mit der Verlesimg der Protokolle der Sitzung vom 2S. März. Die Verlesung hatte mehrere Erklärungen zur Folge. F e r r» erklärt, er»verde das Protokoll genehmigen. weil in demselben ve» merkt sei. daß zu den» Vorschlag des Ministerprösidcuten Pclloux bezüglich der Aenderuiig der Geschäftsordnung drei Deputierte sich zum Worte genielder hätten,»vährend der Präsident Colombo ohne Rücksicht darauf zur Abstiiunmiig schritt. Indem er»nid seine politischen Freunde das Protokoll genehmigten, behielten sie sich da- her völlige Aklionssreihcit vor.(Beifall auf der äußersten Linken.) Z a n a r d e l l i erklärt iin Nainen seiner politischen Freunde, die ganze Beratung von, 29. März sei gesetzwidrig und nichtig. (Lebhafter Beifall links.) S o n n i n o erklärt namens feiner Fremide, die Beratung vom 29. März sei völlig gesetzmäßig verlmlfen und gültig.»Beifall im Centrum. Lärm aus der äußersten Linken.) Das Protokoll der Sitzung vom 29. März wird sodann ebenlo wie die Protokolle der Sitzungen vom 30. und 31. März genehmigt. Die Dcputiertenkammer wählte nach Genehmigung des Protokolls der letzten Sitzungen Colombo mtt 265 Stimmen wieder zum Präsidenten. Auf Biancheri fielen 158 Stin»men; außerdem waren 13 weiße Zettel abgegeben worden.— Oestreich- Ungarn. Prag, 2. April. Nach zweitägiger Beratung deS Kongresses der Realisten(die bisher zu keiner Partei organisiert waren) unter Führung deS Professors Masaryk erfolgte heute die Konftiwierung einer besonderen Partei unier dem Namen„Czechtsche Volks- Partei". In dem Programm der neuen Partei heißt es, daß diese eine Verständigung mit den Deutschen auf Grund völliger Gleich- berechtigung beider Nationalitäten anstrebt, sich für die Abgrenzung der nationalen Bezirke ausspricht und hierin nicht eine Zerreißung Böhmens erblickt, schließlich die Einführung deS obligatorische» Unterrichts der deutschen Sprache an den czechischen Mittelschulen verlangt.— Budapest, 2. April. Abgeordnetenhaus. Am Schluß der Debatte über das Budgetgcsctz wendet sich Ministerpräsident v. Szell gegen die Behauptung NgronS, daß die Bevorzugung des' deutschen Kapitals in Ungarn jede Verbindung mit andern Staaten abgeschnitten habe. Szell bemerkt, die vorherrschende Stellung des deutschen Kapitals beruhe auf der natürlichen Ein- Wirkung eines benachbarten, überaus mächtigen Wirtschaftsgebiets. Von Botmäßigkeit und Unterwürfigkeit könne keine Rede sein. Ungarn könne sich, selbst ivenn das Bündnis- Verhältnis nicht bestände, von der Einwirkung der deutschen Wirtschastsbewegnng nicht emancipierei». Sodann wendet sich Szell gegen den klerikalen Parteiführer Grafen Johann Zichh und ruft diesem zu: Die in den kirchenpolitischen Kämpfen entstandenen Wnndei», deren Heilung Sic fordern, werden durch das von Ihrer Partei ausgegebene Schlagwort„Revision der tirchenpolitischei» Gesetze" wieder aufgerissen. An den lirchen- politischen Gesetzen darf nicht gerührt werden. Auch diejenigen, »velche sie früher bekänipft haben, müssen sich jetzt mit ihnen ab- finden.— Diese Erklärung Szells»vurdc von den Liberalen mit lebhaften» Beifall begleitet.— Frankreich. Tic Konzessionicrnng von Eisenbahnlinien in Syrien durch- z»»setzen, soll der schon seit längerer Zeit verfolgte Plan der französi- scheu Regierung sein. Die„Pol. Koiresp."»vill sogar wissen, daß die Erfüllung der französischen Wünsche durch die Pforte als uu- mittelbar bevorstehend aiizusehcu sei. ES iviirde zwar befremden,' weirn das aiilagelüsteme französische Kapital zurückstehen sollte,' während das deutsche �inid russische Kapital sich zu gcwinnvcrhcißenden Gründungen großen Stils anschickt. England. London, 2. April. Unterhaus. Untcrstaatssekrctär Brodrick erklärt, die englische Regierung habe keinen Grund zu glauben, daß die portugiesische Regierung irgcndivi? ihre Pflicht vernachlässigt habe, die Landung von Kriegskonte'rbai»de in Lonrenyo Marques zu vcr- hindern. Der Erste Lord des Schatzes Bäk fou r teilt mit, der Premier- minister der Kapkolonie Schreiner habe Einlveitdnngcn gegen die lieber- führiing der gefangenen Bocrcn nach St. Helena erhoben. Die englische Regiernng habe die ganze Frage aufs reiflichste erwogen, habe aber keiiien Anlaß gefunden, von de»» Plan abzugehen, eine gewisse An- zahl der Gefangenen nach St. Helena zn senden. Flyim fragt, ob die Verschickung deshalb notwendig sei, um die Gefangenen in be- sonders sichercin Gewahrsam zu halten. Valfour erwidert, sie sc» teilweise durch militärische Erwögungen bedingt. Von einem englischen Erfolg in China wird das Folgende berichtet: Zur Sühne für die Ennordmig deS englischen Missionars Brooks in Schantung durch chinesische Ruhestörer ist durchgesetzt »vordcn, daß zivei der Mörder enthauptet, einer lebenslänglich, einer auf 10 Jahre und einer auf 2 Jahre ins Gefängnis geworfen wurden. Ferner soll auf Kosten der chinesischen Slegicrung eine GedächtniSkapelle mit einer Sühnetafel am Schauplatz der Mordthat errichtet und eine Gedenktafel in der Kathedrale von Caiitcrbnry angebracht»verde». Nach den letzten Berichten ans den durch die geheime Gesellschaft der„BoxcrS" in Unruhe versetzten Bezirken ivird das Land ruhiger, wahrscheinlich, da der durch de» Winter vcranlaßte Müßiggang der Bevölkerung jetzt ein Ende gefunden hat. Der„Erfolg" ist, tvenigstens nach der materiellen Seite hm, eigentlich ein ziemlich dürftiger.— Nuftland. Zarische Abrüstung. Aus Petersburg wird gemeldet: Bereits seit einiger Zeit»Verden von der russischei» Armeeverwaltung Versuche mit»» e n e» Schneklfcuer-Fcldgcsl'hützcn angestellt, da das ÄricgSministcriim» ncue Feldkanouen cinzuführci» beabsichtigt. Unter andcn» hat die Artillcrieverwaltimg mich Schießvcrsuche mit einen» Schnellfeuergeschütz vorgenommen, das von dein General der Artillerie Engelhardt konstniiel-t ist. Die Ergebnisse haben in militärischen Kreisen„sehr befriedigt". Die Rcgicrnng hat daher soeben beschlossen, gegen lOOV Geschütze nach dein Modell deS Generals Engelhardt zu bestellen. Der Auftrag soll russischei» Fabriken zufallen. Die Rivalität RnsilandS und Japan? in Korea soll in ein akuteö Stadium getreten sein. Wie»vcit den verschiedenen Kon- jeltilre», dieser Art Bedeutung beizumessen ist, entzieht sich für gewöhn- liche Sterbliche der Belirteiiniig. Es heißt, die japanische Regiening sc» entschlösse»», jedem Angriff Rußlands ans Korea Widerstand zn leisten. In London beginne man bereits, die Sircilkräfte Rußlands »nd Japans ii» Ostasie» gegeneinander abzuwägen. Gelinge es Rußland, Korea zu zwinge», ihn» dic Insel Kojedo abzutreten, so gewinne cS einen wichtigen Flottcn-Stützpnnkt, der England recht unbequem werden könne. Nach einer Meldung der Londoner„Kabelkorr." befinden sich von dein russischen Geschwader in Ostnsien, das zur Zeit auS zwei Schlachtschiffe», sieben Kreuzern, drei Torpedobooten und sechs Kai»oiien- booten vefteht, allein vier Kreuzer und ein Torpedoboot in Masampo. Ein Schlachtschiff, ein Kreuzer und ein Kanonenboot sind zur Verstärkinig der russischen ostasiatischen Flotte unterwegs und Port Arthur hat seit Wochen unausgesetzt Truppem,achschiibe erhalten. Durch ihre Agenten in New Dork soll die russische Negierung große Mengen Anthracitkohle mit kürzester Liescrungssrist n'ngekmift haben. Japan soll mit diesen russischen Rüstniigen nicht nur»schritt gehalten, senden» diese auch, was die Flotte anbetrifft, erheblich überholt haben. Daß auf der rns.sisch'ei» und j a p a n is ch e>» B o ts ch a ft in Washingtoi» die beruhigendste» Versichermigen über die absolute Friedlichkeit der Lage gegeben»verde»», bietet natürlich keine Garailtie für das Nichteintreten ernster Denvickelnngen. Bessere Friedensgarantie» sind entschiede!» in der mißlichen finanziellen Lage Rußlands gegeben.— Registriert sei noch die etivas sensationell klingende Meldui»g von einer bevorstehenden Mobilisierung russischer Armeekorps.— Türkei. Der Vormarsch Rußlands. Aus Konstantinopel wird telegraphiert: Tie russisch- türkischen Verhandlungen über den Bau von Eisenbahnen»»n nördlichen Kleinasien sind heute endgültig ab- geschlossen»vorden. Danach ist die Türkei verpflichtet, sobald sie den Bau von Eisenbahnen innerhalb der Vertragszone nicht selbst belvirky die Konzesston der Linien an russische Kapilalisten zu verleihen. Die VertragLzone wird begrenzt in» Westen durch die Linie Adabazar- Heraclea. im Süden durch die Linie Angara- Cäsarea. Silvas, Karput, Diarbekr und Wan. Der Bau dieser Grenzlinien steht nach wie vor der Anatolischei» Bahngesellschast frei. Der Vertrag bedeutet einen neuen Erfolg der russischen Diplomatie und des russischen Kapitalismus.— NKrkei-NKitzvrchtsn» Freisinnige? Lügenpack. Wir brachten vor einigen Tagen die Mttellung über die Beschlüsse einer Partciversammlnng in Nürn- berg. betreffend die Ueberführiuig des dortigen Partei- blatts in Parteibesitz, wozu inzivischen, wie der unten» stehende Bericht zeigt, auch die Parteigenossen in Fürth Stellung genommen haben. Uebcr diese Versamnilung bringt das Ceiitralorgai» deS in Nürnberg herrschenden Freisinns zwitter- Haft« Couleur einen Bericht, dessen sich weder ein Schweinburg noch ein Lauser zn schämen braucht und über den natürlich die ganze für Ordnung und Sitte streitende Preßrotte ivie eine Schaar hungriger Hunde üb« einen Knocken herfällt. In dem Bericht wird behauptet, daß nur„Angehörige der Leitung und einige bekannte Agitatoren" für Uebernahnie der Zcitnng ge- »vescn wären. Oertel sei mit dem Antrage ans Uebeni'ahme der Zeitung überfallen worden, weil eS der Wille von Berlin ans gewesen wäre. Redner auf Redner nach dein Berichterstatter hätten „das rücksichtslose Verhalten der Parteileitung" hervorgehoben und ausgesprochen, die Parteileitung habe den Genossen Oertel ins Irren- hauS gebracht. Die Abstimmung üb« die Uebernahme der Zeitung sei zweifelhaft gewesen. Der„Courier" versieht seinen Bericht mit der charakteristischen Ein- leitung:„Wir erhalten folgende Zllschrist." Er glaubt damit offen» bar die Verantwortung dafür von sich' ans den nn» genannten Zuschreibcr abwälzen zu können, seine Schuld wird ober im Gegenteil noch zrößcr dadurch. Denn c? wird damit zugestanden, daß'->e Redaktion die Kenntnis des Mitgeteilten nicht aus eigner Wahrnehmung hat, daß sie aber ttotzdcm diese Darstellung gebracht hat, obwohl ihr bei ihrer STufnafimc der ausführliche gedruckte Bericht der „Fränkischen Tagespost" bereits vorgelegen hat aus dem sich ergiebt dasj die Darstellung des„Courier" das direkte Gegenteil der Wahrheit ist. Wohl haben einige Redner Bedenken ausgesprochen und Vor� Ivürfe erhoben nach der Richtung, dast über die Vorverhandlungen nicht genug in die Oestcntlichkcit gekommen sei und auch Bedenken wegen der Existenz der Familie Oertel erhoben; das waren jedoch im ganzen vier Redner und auch diese haben ohne Ausnahme ausdrücklich erklärt, d a st sie mit der ll ebernah in e der Zeitung in Parteibesitz durch aus einverstanden seien, nur hätten sie eine andre Art der Regelung gewünscht. Ein Redner wünschte, man solle warten, bis Öertcl zurückkomme, weil er befürchtet, dast dieset sich nicht mehr an seine früheren Zusagen Kalten werde, erklärte sich aber sonst mit allen Ausführungen des Genossen Hermann, der über die Verhandlung mit Oertel berichtet hatte, ausdrücklich ein- verstanden. Die erhobenen Bedenken wurden vollständig zerstreut durch die Aufklärungen, die Hermann, sowie die Genossen Eitzinger, Schern, und Segitz gaben. Es wurde festgestellt, dast Oertel die Forderung tum 6000 SR. als Ucbernahmepreis selbst gestellt Kabe; das sei ihm bewilligt worden; dast Frau Oertel sich bereit erklärt hätte, die mit ihrem jetzt kranken Mann getroffenen Abmachungen auzuerkcunen, dast Genosse Oertel den Druck der Zeitung behalte und dast schliestlich der jetzige Druckvertrag nur provisorisch abgeschlossen werden solle, damit Genosse Oertel in die Lage komme, die Revision desselben zu verlangen, sobald er ivieder gesund sei. Das der wirkliche Sachverhalt. Demgegenüber schämt sich das freisinnige Blatt nicht, die tendenziösesten' Lügen über die Vorhand limg zu verbreiten. Da ist es sehr angebracht, dast die „Fränkische Tagespost" daran erinnert, lvie der„Courier" erst vor einigen SRonnte» über den Genossen Oertel hergefallen ist wegen an- geblichcr AnSbeutnng der SRetallarbeiter-Organisation beim Druck des Fachvlatts der Svketallnrbeiter. Die öffentlichen Erklärungen sowohl Oertels wie des SRetallarbeiter-Verbandes, dast die Behauptungen des „Courier" vollendete Lüge» seien, wurden als unglaubhaft hingestellt.— Gestern also log man den Oertel zum Ausbeuter, heut lügt man ihn zun, unglücklichen Opfer. DaS ist das Rccept der Freisinnigen und das ist auch das Reccpt der Schwcinburg-„Nencsten Nachrichten", die heut iiber„die Segnungen der Socialdcmokratie mit ihrer Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" höhnten und gestern über die „kapitalistischen Allüren" der Socialdcmokraten zeterten und morgen wieder zetern Iverdcn. Das geschieht natürlich nicht aus Uuwisscn- heit, sondern anZ— Lust am geistigen Kampfe.— Eine Mitgliederversammlung des socialdemokratlsche» Vereins in Fürth beschäftigte sich ebenfalls mit der Ucbcruahme der Parteiprcsie und beschlost, dast an den mit dem Genossen Oertel vereinbarten Abmachungen unbedingt festzuhalten sei. Für den Fall, dast der Uebcrführung Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden sollten, wurden die von Fürth bestimmten Mitglieder der Handelsgesellschaft und des Schiedsgerichts beauftragt, sofort in Bc- ralung darüber einzutreten, wie in kürzester Zeit ein Parteiblatt und eine Druckerei errichtet werden könne. In die Handelsgesellschaft wurden die Genossen Zick und Zorn gewählt. Z« dem polnischen socialistischcn Parteitage, der am 16 und 16. April in Berlin abgehalten wird, nahmen die Genossen in Pose», wie unS von dort berichtet wird. Stellung. Nach längerer Diskusston, an der sowohl Genossen als Genossinnen teilnahmen kamen nachstehende Resolutionen, die zu vertreten die posenschcn Delegierten beauftragt gvurden, einstimmig zur Annahme: 1.„Die Socialdemokratie Posens erklärt einstimmig, daß sie gänzlich auf dem gemeinsamen Boden mit der deutschen Social- demokratie steht, sowohl in betreff der Endziele der Bewegung, wie in betreff der nächsten Aufgaben des politischen Kampfes. Sie ist der Ansicht, dast ein erfolgreicher Kampf zum Schutz der untere drückten polnischen Nationalität vollkommen und einzig auf diesem Boden möglich ist. Von diesen Erwägungen ausgehend, fordert die Socialdemokratie Posens den Vorstand der Polnischen socialistischen Partei auf. von nationalistischen Phrasen Abstand zu nehmen und alle seine Kräfte auf die Unterstützung der mächtig beginnenden Arbeiterbewegung in den polnischen Provinzen Deutschlands, d. h. im Posenschen'und Oberschlesien, zu richten." 2.„Die Socialdemokratie Posens erachtet die Beschlüsse der Parteitage der deutschen Socialdemokratie als bindend für sich und nimmt an ihnen nach Kräften durch eigene Delegierte teil." Die Delegierten für den polnischen Parteitag wurden, da den Socialdemokratcn kein Lokal z» öffentlichen Versammlungen zur Vev fügung steht, durch Unterschrift der einzelnen Genossen auf Listen gewählt. Der gröstte Teil der Posenschen Genossen beteiligte sich an der Wahl. Auch das Saalfelder Volksblatt bestand am 1. April 10 Jahre. Bis zum 1. Oktober 1890 wurde es als Kopfblatt des Thüringer Volksblatts wöchentlich zweimal ausgegeben und in Rudolstadt gedruckt. Seit dem 1. März 1892 erscheint es täglich, nachdem schon vorher die Druckerei nach Saalfeld verlegt worden war. Eine Landeskonferenz der Parteigenossen in Schwarz- burg-Sondershausen wird auf Sonntag den 16. April nach Arnstadt einberufen. Toteuliste der Partei. Am 28. März starb in Posen einer der thätigsten der dortigen Parteigenossen, der Steinmetz Otto Pondorfs im Alter von 80 Jahren an der Berufskrankheit. Sein Tod hat eine große Lücke in die Reihen der Vorkämpfer im Osten gerissen. Bei seinem Tod schwebt noch ein Strafverfahren gegen ihn wegen Berbreitnng von Flugblättern. Volizeiliches. Gerichtliches usw. — Abermals L Monate. In der am Sonnabend vor der Strafkanimer Schwerin stattgefundenen Verhandlung gegen den Redacteur E. Groth und den Redacteur I. Schmidt wegen Be- leidigung des Polizeisenators Dr. König in Wismar wurde elfterer zu einer Gefängnisstrafe von 2 Monaten, letzterer zu einer Geld- strafe von 30 SR. verurteilt. Der Staatsanwalt hatte gegen Groth 100 M., gegen Schmidt 20 M. Geldstrafe beantragt. Die Beleidigung soll in einer in Wismar am 2. Dezember v. I. stattgefnndenen Ver- sammlung, die sich mit städtischen Angelegenheiten beschäftigte und in welcher Genosse Groth als Redner austrat, begangen sein, während der Genosse Schmidt als verantwortlicher Redacteur der„Meckl. Volksztg." einen Bericht über diese Versammlung in die Zeitung aufnahm. oder 6 Arbeiter de? Betriebs stihren den Mörtel, den sie zum Teil«Ein Teil der Boerentruppcn schien sich an dem Gefecht nicht zu Geivevkfchaftliches. Beilin imfi llnigcgcnv. Der Rdrcsscnschreibcr. Unter diesem Titel ist die erste SRummer eines Fachblalts des Cemralvereins der im Adreffenwesen und ver- lvandter Branchen Beschäftigten zu Berlin erschienen. Das Blatt gelangt monatlich einmal zur Ausgabe, die Redaktion befindet sich Wallstr. 67. Achtung, Töpfer! Wegen Nichtbezahlung des Tarifs ist über die Arbeiten des Herrn Bauunternehmers Döhring. Schöneberg, Ebert- und Tempelhoferstrasten-Ecke, die Sperre verhängt. Wrr ersuchen die Kollegen, dies zu beachten. Die Lohntommission der Töpfer. Die Kutscher der Vereinigten Mörtelwerke legten gestern früh einstimmig die Arbeit nieder. Die Veranlassung dazu war. daß 8 Kutscher, die neu eingestellt waren, nicht den vereinbarten Lohn von 26 M. pro Woche'erhielten. Die Direktion gab zwar in dieser Frage nach, ivollte jedoch die drei Vertrauensleute entlassen. Bei den Verhaiidlunge», ivelche gestern im Laufe des Tages durch Ver« Mittelung des CentralverdandS der Handels- und Transportarbeiter stattfanden, bestand die Direktion unter allen Umständen auf der Entfernung des ersten Vertrauensmanns, worauf natürlich nicht eingegangen werden konnte. Der Betrieb ruht fast vollständig. Nur 6 gar nicht loS würden und wieder nach Hause brachten. Zwei arbeitt willige fremde Kutscher verließen bereits am SRittag resp. Abend wieder die Mörtclwerke ans Nimmerwiedersehen. Bei dem stand- haften Festhalten der Beteiligten ist ihnen der Sieg sicher. Tie Zimmerer in Köpenick sind in den Streik eingetreten. Zuzug ist fernzuhalten. Deutsches Ncich. Die BreSlauer Speditionökutscher und Arbeiter sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Sie verlangen statt ihres bisherigen Lohns von 10—13 M. pro Woche jetzt einen solchen von 18 M., was bei einer Arbeitszeit von täglich 14—16 Stunden gewist nicht zu viel ist. Die Fuhrherren haben in ihrer letzten Versammlung beschlossen, nichts zu bewilligen und dürfte deshalb eine Arbeitsniederlegung unvernieidlich sein. Von den beteiligten Kutschern und Arbeitern find mehr als 80 Proz. im Centralverbande der Handels-, Transport- und Vcrkehrsarbciter organisiert. An die Arbeiterschaft Teutschlands! Ucbcr 1000 Färberei- arbeiter von Elberfcld-Barmen befinden sich gegenwärtig im Aus- stände, weil die Unternchnicr von den Arbeitern verlangten, dast sie Strcikarbeit verrichteten. ES war wohl selbstverständlich, daß ein solches Ansinnen seitens der Arbeiter entschieden zurückgewiesen wurde. Uebcr 1000 Arbeiter befinden sich, wie gesagt, schon ans der Straße und fortgesetzt noch wird die Zahl vermehrt, da das Unter nchniertnm, in einer Vereinigung organisiert, systematisch daran hinarbeitet, durch eine allgemeine Aussperrung die Organisation der Arbeiter zu brechen. Wie uns nun bekannt ist. wird die Streikarbeit von den Unternehmern nach Auswärts verschickt und dort auch ver- richtet. Sollte diese Hilfe den Unternehmern in ausgedehntem Mäste zu teil werden, dann würde der Widerstand der hiesigen Arbeiter bald gebrochen sein. Wir richten deshalb an die Kollegen aller- wärtS die dringende und wohl auch berechtigte Bitte, uns nicht durch Strcikarbeit in den Rücken zu fallen. Angesichts des weiteren Anwachsens der Zahl der AuSgespeiiten ist die Unterstützung seitens der Kollegen allcrwärtS dringend geboten. Zuschriften und Geld kenduugcn sind zu richten an Emil Ester, Barmen, Gcwcrkschaftö� haus. Parlamentstr. 6. Strcikvcrgchc». DaS Schöffengericht Zwickau verurteilte die Bergarbeiter Maier und Meine! wegen Vergehens gegen§ 153 der Gcwerbe-Ordnnng zu 3 resp. 4 Wochen Gefängnis. Die Betreffenden sollten beim letzten Bergarbcitcrstreik versucht' haben. Arbeitswillige durch chrverlctzende Bemerkungen zur Teilnahme am Streik zu ver- anlassen. Ein dritter angeklagter Bergarbeiter wurde wegen des gleichen Vergehens zu einer Woche Haft verurteilt. Die Holzindustriellen in Bremen versuchen durch Agenten in Schlesien und Posen Arbeiter anzuwerben. Da im Bremen die Arbeiter auf Holzplätzen und in Hobelwerken in Streik stehen, so ist dringend zu wünschen, dast der Zuzug streng fenigchalten wird. ZwangSinunugS-Herrlichkcit. Trotz verzweifelter Gegenwehr einiger ZwangSinnungS- Fanatiker wurde die Bauhandwerker- ZwangSinnnng in M c i d e r i ch in einer dritten ansterordentlichcn Generalversammlung aufgelöst. Die geheime Abstinimmig ergab 85 Stimmen für Auflösung und nur 11 Stimmen dagegen. Ausland. Der dritte Kongreß der Gewerkschaften nnd Arbeiter Bildungövcrcine Oestretchs ist einberufen. Er findet vom 11. bis zum 14., eventuell 15. Juni d. I. in Wien statt, nnd ist vorläufig folgende Tagesordnung festgesetzt: 1. Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten sVegrnßinig der Delegierten, Wahl des Bureaus. der Mniidatsprüflings-Koinmission und Feststellung der Präsenzliste.) 2. Siluations- und Rechenschaftsbericht der Gewcrkschaftskonimission. 3. Organisation und Agitation. 4. Streik und Boykott. 5. Die sociale Gesetzgebung in' Oestreich. 6. Die Arbeitsvemuttelung. 7. Presse. 8. Anträge nnd Anfragen, die bei obigen Punkten nicht erledigt werden konnten. Die Zeitungösetzer in Brüssel haben ihren Ausstand beendet. Sämtliche Zcitungenß haben die Forderungen bewilligt In den Accidenzdruckereien befinden sich noch 600 Schriftsetzer im Streik. Der Krieg. Eine schwere Schlappe der Engländer meldet der Telegraph aus dem Oranje-Freistaat. Die Annahme, dast die Widerstandsfähigkeit der Boercn durch die Gefangennahme Cronjes noch keineswegs' gebrochen worden sei, wurde durch die Be- wegungen der Boeren-Abteilungen während der letzten Tage bestätigt, und sie erhält eine besonders glänzende Bestätigung durch'das neueste für die Bocren so glücklich verlaufene Gefecht. Das„Reutersche Bureau" meldet vom 31. März vi» Bloem fontein aus Bushmaukop: Eine vom Obersten Broadwood be fehligte, aus Kavallerie, zwei Batterien Artillerie und unter dem Befehl des Obersten Pilcher stehender berittener Infanterie zw sanimengesetzte Truppe, die in Tbabanchu garnisouierte. mußte sich in der letzten Nacht zurückziehen, da eine große Boercn- streitmacht sich näherte. Die Truppe marschierte nach den Wasserwerken von Bloemfontem, südlich vom Modder River, woselbst sie um 4 Uhr früh ein Lager bezog, welches bei Tagesanbruch von rückwärts mit Granaten beschossen wurde. Broadwood schickte den Konvoi nnd die Batterien fort, während der Rest der Truppe als Rückendeckung znrückblieb. Der Zug gelangte in ein tiefes Flußbett, woselbst sich Boercn versteckt hielten; so geriet die ganze Ab- teilung in«inen Hinterhalt und wurde mit Einschluß von sechs Geschützen gefangen genommen. Der Verlust an Menschenleben ist nicht groß, da die meisten Mannschaften in den Hinterhalt ge- rieten, bevor ein Schuß abgegeben war. General ColvilleS Division, die heute früh Bloemfontem verlassen hatte, traf um 12 Uhr hier ein. und hat das Granatfeuer auf den Feind begonnen. Ans dem Telegramm geht jedenfalls soviel hervor, dast die Schlappe der Engländer eine empfiudliche gewesen sein muß. Wie groß die Zahl der in die Gesangenschast der Boeren ge- ratenen Engländer ist, läßt sich nach dem auch in der Schilderung der Vorgänge nicht ganz klaren Bericht noch nicht abschätze». Einzelne Blätter sprechen bereits von 3— 4000 Gefangenen, doch können dies« Berechnungen auf Zuverlässigkeit keinen Anspruch erbeben. Gering können die englischen Verluste aber jeden- falls nicht gewesen sein. Wenn es in dein Bericht heißt, dast der Verlust an Menschenlebe« nicht groß gewesen sei, da die meisten Mannschaften infolge ihrer hoffnungslosen Lage ohne Kampf hätten die Waffe» strecken müffen, so gereicht dieser Umstand dem bmnan Empfindenden gewiß zur Genugthuung. an der ftrategi- che» Bedeutung des BoerenerfolgeS ändert er jedoch nicht das geringste. Die Boeren babcn jetzt ihre Revanche für die Kapitulanou Crouje«. Der bedeutende Erfolg wird geeignet sein. die. wenn auch nickt verzweifelte, so doch infolge Cronjes Kapitulation nnd JoubertS Tod deprimierte Stimmung der Boerenstreiter zu heben. Ob das gemeldete Eintreffen der Division General C o l v i l l e s dein für die Engländer so ungünstig einsetzenden Kampf auf dem vorgeschobenen reckten Flügel des General Roberts eine andre Wendung' geben wird, ist noch nicht abzusehen. Auch Ver- mutungen lassen sich kaum aussprechen, da nichts Bestimmtes über die tärle der beiderseitigen Truppeukörper verlautet Ueber das Gefecht bei Brandford im Norden von Bloemfontein tragen wir noch folgende Nachricht vom 31. d. SR. nach: Die Abendblätter nielden aus Bloemfontein vom 30. d. M.: DaS Gefecht, das am 29. d. SR. bei Brandford stattgefunden hat, dauerte von 11 Uhr vormittags bis zum Eintritt der Dunkelheit. Der Befehlshaber der Boeren in Kroonstad hatte 6000 Mann abgesandt, um Brandford zu halten. Diese besetzten die Hügelketten südlich von Brandford. Die Verluste sind auf beiden Seiten beträchtlich. beteiligen. Man schätzt die Zahl der an dem Kampfe beteiligten feindlichen Truppen auf 2000 bis 3000. Die Boeren scheinen also ziemlich starke Abteilungen um Bloemfontein konzentriert zu haben, sodatz man Nachrichten über weitere Zusannneuftöste erwarten darf. Ob Roberts feine von ihm nach London gemeldete Absicht, bereits in nächster Woche einen weiteren Vormarsch zu unternehmen, wird ausführen können, er- scheint angesichts der augenblicklichen Situation zweifelhaft. Allerdings wird Roberts bestrebt sein, die Entsetzung Mafckings zu beschleunigen, da dort unter den meist aus der Kaplolonie stammende» Truppen das Fieber stark grassiert Nach den neuesten Telegrammen schrumpft die Niederlage der Engländer allerdings ganz erheblich zusammen. Eine Depesche Lord Roberts' über die vorgestern erfolgte Er- beutimg eines britischen Konvois durch die Boeren meldet, daß Oberst Broadwood sieben Geschütze mit seinem ganzen Gepäck verlor und seine Verluste auf etwa 350 Mann schätzt, darimter mehr als 200 Vermistte. „Daily Chronicle" meldet in einer Sonderausgabe vom heutigen Tage aus Bloemfontein: Die Engländer haben die von Oberst Broadwood verlorenen Kanonen wieder genommen. Die Wasserversorgimg Bloeinfonteins ist von den Boeren abgeschnitten worden.' Ob Roberts Angaben der Verluste nicht zu niedrig gegriffen sind und inwieweit die SRitteiliingen der„Daily Chronicle" auf Wahrheit beruhen, werden bei der widerspruchsvollen nnd unzuverlässigen Berichterstattung erst die nächsten Tage lehren können. Der Gesundheitszustand der Boercn-Gefangeue« ist andauernd ungünstig. Den Typhus und die Masern, an welchen die gefangenen Boeren auf den Transportschiffen leiden, haben sich dieselben in den Ver- sckanznngcn von Paardeberg zugezogen. Der Admiral und der oberste SRilttärarzt haben die Transportschiffe besichtigt und den Befehl erteilt, dast alle transportfähigen Kranken in ein besonderes Hospital am Land gebracht werden. Es ist Vorsorge getroffen, daß keine Ueberfüllillig stattfindet Die Abfahrt der Transportschiffe mit den nach St. Helena bestimmten gefangenen Bocren ist infolge des zu- »ehmcnden Krankciiftandcs verschoben worden. In der letzten Woche sind zwölf Mann gestorben. London, 1. April. 9,14 nachm. Der„Exchange Telegraph Company" meldet aus Kapstadt: Es herrscht dort großes Er- stamicn darüber, dast Lord Methucn plötzlich nach Kimberleh zurück- gekehrt ist. Letzte Meldungen. London, 2. April.„Daily Chronicle" meldet, dast die 6 Ge« schütze, welche gestern den englischen Truppen abgenommen waren. heute wieder zurückerobert wurden. Die Zahl der englischen Ver- luste beträgt 350, darunter 200 Gefangene. London, 2. April. Lord Roberts telegraphiert ans Bloemfontein unter dem 1. d. Mts. abends: Nach soeben eingegangener Meldimg haben die Boeren sich in der Richtung ans Ladybrand zurück- gezogen'; sie haben die englischen Verwundeten nicht mitgenommen. sondern IL verwundete englische Offiziere und etwa 70 Mann bei den Wasserwerken zurückgelassen, wohin wir jetzi eine Ambulanz- abtcilnng senden. London, 2. April. Das Reutersche Bureau" erfährt über den genaucii Weg, den die nach Rhodesien besttmmte Truppe unter Oberst Carringt'on einschlagen solle, sei noch keine endailtige Be- stimmnng getroffen. Für den Fall aber, daß die Betschana-Land- Eisenbahn nock nicht wieder für den Verkehr offen sein sollte, ist aller Gnmd zu der Annahme vorhanden, daß die Truppe von Beira aus auf der Bahnlinie Beira-Umtali-Salisbury dorthin geschafft wird. Das.Reutersche Bureau" bemerkt dazu, der mit Pormgal bestehende Vertrag gestatte, daß die Tnippe Carringtons von Beira auS nach Rhodesien transportiert werden können. Kimbcrley, 1. April. lMeldiing des.Reutersche» BureanS".) 400 Boeren stehen bei Boetsap. 700 bei Witrand nördlich von Klipdam und etwa 6000 längs des Baalflusses von Fourtcenstreams bis Christiana. Pretoria, 31. März. Ein amtliches Telegramm berichtet, daß die Boeren zwischen Bloemfontein und Thabanchu sechs Geschütze und einen Convoy von 200 Wagen genommen haben. BnshmanSkop, 1. April. lMeldmig deS„Reuterschen Bureau»"). Die Boeren blieben an der Stätte deS gestrigen Kampfs bis heute früh, wo sie sich zurückzogen, nachdem sie gesehen hatten, dast die eng- tischen Patrouillen alle englischen Verwundeten, die gut versorgt worden waren, aufgefunden hatten. Die Boeren wurden von Reichmann befehligt Sie ließen auch die fremden Militärattechss. die bei ibiicn gewesen waren, zurück. Der eine derselben, der Holländer Nix, war schwer verwundet worden. U-ehke Machvichkett und Depeschen. An» der italienischen Depntiertenkammer. Rom, 2. April.(W. T. B.) Depntiertenrammer. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurden die bisherigen Vice- Präsidenten und die übrigen Mitglieder des bisherigen Bureaus in geheimer Abstimmung wiedergewählt. Ein Zwischenfall entsteht bei der Beratung über die Tagesordnung der isiorgigen Sitzung. Ferri wiederholt seine Vorbehalte hinsichtlich der Frage der Aendcrung der Geschäfts- ordnung. Der Minister- Präsident Pelloux erklärt, die Kammer werde morgen durch Erheben von den Sitzen beziehung«- weise Sitzenbleiben über die von der GeschäftsordmingS-Kouimission vorgeschlagenen Abänderungen der GeschSftsordniing abstimmen. S o n n i n o verlangt das Wort(Protcstrufe auf der äußersten Linken.) Da Sonnino infolge des Lärins nicht zum Wort kommen kann, über« mittelt er dem Präsidium einen Antrag schriftlich.(Sehr lebhafte Unruhe und Zivischenrufe auf der äußersten Linken.) Der Präsident hebt die Sitzung inmitten groster Erregung deS Hanfes zeitweilig auf. Nach Wiederaufnahme der Sitzung verliest der Präsident unter großem Lärm und Rufen der äußersten Linken den Antrag Sonnino. auf die Tagesordnung für morgen zu setzen: Abstimmung über die Abänderung der Geschäftsordnung durch Aufstehen und Sitzenbleiben, ohne Debatte. Dieser Antrag Sonnino» wird unter dem Beifall der Rechten und Zwischenrufen auf der äußersten Linken angenommen und die Sitzung sodann aufgehoben. �Vergleiche Politische Uebersicht.)_ Lille, 2. April.(23. T. B.) Nach einer gestern hier ab« gehaltenen Versammlung von Nationalisten kam es zu Schläge- reien, wobei der Vice-Bürgermeister Dnmoinier durch Messerstiche verletzt wurde.— Hongkong, 2. April.(Telegramm des„Reuterschen Bureau»".) Gestern wurde in unniittelbarcr Nähe der Küste ein englisches Dampf- boot, welche» einen Leichter schleppte, von Piraten genommen. Der Lotse des Dampfboote» wurde gelötet, der Leichter geplündert und der Ausseher der Ladung gefangen fortgeführt. Yokohama, 2. April.(Meldung de»„Reuterschen BnrcauS".) ES verlautet, Korea habe der rnssischen Forderung nach einer Landkonzesfion bei Masampo scharfen Widerstand enigcgengese�t. Rußland habe darauf seine Forderliiig zurückgezogen und durch ein Gesuch um ein Stück Gnmd und Boden innerhalb der fremden Riederlasiungen in Masampo ersetzt Diese» Gesuch sei dewilligt worden. Veramwvrtlicher Redacieur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke m Berlin. Druck und Verlan von Max Babing in Berlin. Hierzu» Beilagen und Ilntrrhaltnvgsblatt. Nr. 78. 17. Jahrgang. i KW des Jotmärts" Krim KcksblÄ Dieuslsg, 3. April 1900. Städtisch- Socialpolitik. 23cit mehr als der Privatindustrie ist de» städtischen Ver- waltungen bei der großen Zahl von Arbeitern, die in ihrem Dienst thätig sind. Gelegenheit zu socialpolitischcn Dlaßnahmen gegeben. Das ist möglich durch FestscUmg günstiger Arbeitsbedingungen, Zahlung hoher Löhne, Errichtung von Arbeilerlvohimngcn und durch Zürsorge für die Hinterbliebenen oder Gewährung von Rnhelohn an iiwalioe orer alt gewordene Arbeiter. Auf dem letztgenannten Gc- biet sind bereits mancherlei Anläufe gemacht worden. Namentlich einige süddeutsche Städte, wie Stuttgart, Frankfurt a. M., Mainz. Worms, Karlsruhe. Cannstadt, Ulm haben für ihre Arbeiter eine Rcliktenversorgung nach Art der 53c- cunlcn eingeführt. Auch in Tarnistadt. Eisen und Breslau bestehen ähnliche Einrichtungen, während die meisten übrigen Städre sich damit- begnügen, die altersschwachen Arbeiter so lange wie möglich, meist als Straßenkehrer zu beschästigen und sie dann der Armenpflege zu übenveisen. In Hamburg besteht z. B. die Einrichtung der sogenannten Veteranen der Baudcputation. Männer von beeinträchtigter Arbeitsfähigkeit, in der Regel nur solche, welche das 60. Lebensjahr überschritten haben, können unter die..Veteranen der Baudepuration" aufgenommen werden. Sie werden ihren Kräften entsprechend beschäftigt und erhalten durch direkte Zahlung der Baudcputation— jedoch auf Kosten der A r m e n a n st a l t, mit welcher diese abrechnet— ciuen täglichen Lohn von 7ö Pf.._imchr Uniständcu auch eine Funktious- zitlngc Andre Städte, z. V. Stuttgart, haben einen sogenannten .rbSunfähig. geworden, so erhalten sie nach Turchlcitnng durch den zivrttcu Arbcitskörper eine Altersversorgung. Andre Städte haben von derartigen Hilfsmitteln abgesehen und ohne weiteres die Alters- und Rcliktenversorgung für die Arbeiter eingeführt. Dem Beispiel dieser Städte folgend hat auch der Magistrat von C h a r l o l t e n b u r g der Stadtverorductcn- Versammlung eine Vorlage betrcstend die Bewilligung von Rnhelohn und Hinterbliebenen-Versorgung für städtische Arbeiter und An- gestellte unterbreitet� I» ihren Grundziigen stimmt diese Vorlage mit den für andre Städte geltende» Bestimmungen üvercin, so daß man sich an der Hand derselben ein ungefähres Bild davon macheu kann, wie die Alters- und Reliktenversorgung in den meisten Fällen Ein auffallender Mangel ist eS, daß keine Stadt den Arbeiter» ein klagbares Recht auf Bezug der Pension eingeräumt hat. co handelt sich überall nur um ein Gnadenbrot, das den?lrbcitern oder ihren Hinterbliebenen gewährt wird. Auch Cbarlottcnburg gesteht den Arbeitern keinen RcchkSanspruch zu t der Magistrat fvil nur c r in ä cht i g i sein, den Nnhelohn, das Wiiweu- und Waisen- geld zu gewähren, n»d er kann die ansgefprochenc Bewilligung nach der Vorlage jederzeit für die Zulunst widerrufen. Voraussetzungen der Gewnhrnng eines SiuhclohNS sind:.a) die infolge eines lvrpcrlichen Gebrechens oder wegen Schwäche dcr körpcrlicheu oder geistigen Kräfte eingetretene dauernde Ilnsähigkeit. den bisherigen oder einen ähnlichen fiädliscben Dienst zu versehen: tu eine luindcslcns zehnjährige muinterbrochcne Beschästigung im städtischen Dienst nach vollendetem'2b. Lebensjahre. Unterbrechungen durch Krankheit, militärische llcbüiigcu imo städtischerseits erfolgte llntcr- brechnngen der Arbeit kommen nicht in Betracht, wenn sie im Einzel- falle drei'Monate nicht übersteigen. Erscheint deö Beteiligte, wenn- gleich dauernd unfähig, seinen bisherigen oder emen ähnlichen Dienst klvgeu den für die jeweilige Dieustlcistung scslgcsctzteu Lohn z beschäftige!!. Die Hohe des RuheloHns beträgt, wenn die Versetzung in den Ruhestand nach vollendetem tO.. aber vor vollendetem 1 1. Diensljahr eintritt,, für jedes weitere znrüagelcgte Dienst- sehr mebr des Arbeitsverdienstes im letzten Fahr, bis zum Höchst- betrag von*»/,>,. Ein Zlrbciter, der einen MonatSloh» von lOO M. hat und 40 Jahr im Dienst der Stadt thätig ist, würde also ein Ruhegehalt von Tu M. beziehe». Das W i l tv c it- geld beträgt 40 Prsz. des RnbelohnS, den der Bcrswrbeiic bezogen hat oder bezogen haben würde, wenn er am Todestage in den Ruhestand versetzt worden wäre, mindestens aber 250 M. jährlich. Das W n i f e n g e l d beträgt a) für Kinder, deren Mutter lebt und zur Zeit des Todes des ValerS zum Bezüge von Witwen- geld berechtigt war, 1lä des Witwengelds für jedes Kind, b) für Kinder, deren Mutter nicht mehr lebt oder zur Zeit des Todes dcS VaterS zum Bezug von Witwengeld nicht berechtigt ivar.> o dcS Witwengelds für jedes Kind, c) für Kinder einer im städtischen Dienst beschäftigt gewesene» allemstehenden weiblichen Person nach dem Tode der Muüer ein Drittel des nach de» obigen Bestimmungen zu berechnenden Witlveugelds für jedes Kind. Doch dürfen Wuiven- imd Waisengeld tvcdcr einzÄln. noch zusammen den Bei tag des ZinhelohiiS übersteige», der der Berechmiug des Witwen- und Waisengelds zn Grunde zu legen ist. Gegebenenfalls irill eine verhältnismäßige Kürzung der einzelnen Bezüge ein. Stehen einem Ruhclohn-, Witwengeld- oder Waifengeld-Einpfänger Bezüge aus Mittel» des ötcichs. eines Bundesstaats oder andrer öffentlicher Verbände oder auf Grund der Gesetze über die Unfall-, die Jnvaliditüts- und Altctsvcrsichcrnng zn. so wird der Ruhelolm. dos Witlveiigeld und das Waisengeld in» diese Bezüge gekürzt. Hinterläßt ein Rubclohn- Empfänger bei seinem Tode eine Witwe oder eheliche Kinder, so wird der Rnhelohn noch für den auf den Sterbemonat folgenden Monat gezahlt. Der Rnhelohn und das Witwen- und Waisengeld können mit rechtlicher Wirkung weder abgetreten, noch vcrpsäudct werden. Zn Bewilligungen in weiterem Umfange oder über de» Rahmen dieser Grundsätze hinaus bedarf es eines GemeindcbcschlusscS. Die- die Grnndzüge der Alters- und Rclittenverforgiing der Stadt Charlotteiiburg. So viel man auch— selbst vom Stand- punkt bürgerlicher Sociakpolitiker— an dieser oder jener Bestiinnning auszusetzen haben mag, das eine muß man doch zngebe», daß hiemiit ein guter Anfang gemacht ist. die ungeheure Kluft, die zwischen Arbeiter» und Beamten besteht, wenigstens einigermaßen zu überbrücken. Hoffen wir. daß endlich auch die Rcichshauplstadt aus dicsei» Wege vorgeht und sich auf ihre socialen Pflichte» be- sinnt I—__ Socinles. Bauarbeiterschutz. Für den Kreis Mühlheim a. Rhein ist eine Lerordnung erlassen wopden über die Errichtung und Einrichtung von Baubuden und Aborten, über den Fensterverschlllß im Winter und über die Arbeit bei offenen Coakööfe». Die Verordnung droht neben der Geldstrafe für Berwcigcnnig die zwangsweise Durchführung der Vorschriften an. Kommunalpolitik in Euglaub. Die Gcmciiidcpokitit der Pro- gressisten des Londoner G r a f f ch a f tS r a t S hat eine» großen Erfolg zu verzeichne». Vor eliva zwei Jahren übernahm der Grafschaftsrot, unter lebhafter Opposition der„Gemäßigten", ein großes Netz der S ü d- L ond aste r Straßenbahnen in Eigen-' betrieb. Seit dem 1. Juli 1698 wird es von Beamten dcS Graf- fchaftsrats unter dessen Kontrolle und auf dessen Rechnung verwaltet. Im erste» Jahre wurden wesentliche Neuerungen eingeführt. ES wurde ein Nachtdienst eingerichtet, die Halspcmiy-(4 Psc»nig)-Toureii wurde» vcnnehrt niid den Angestellten ward durch ein besseres System der Abwechslung mehr Sonntagsruhe gesichert, sowie einigen Kategorien eine Lohnaufbesserung gewährt. Das Rcsnltat hat alle diese Matz- nahmen gerechtfertigt. Der erste Jahresbericht verzeichnet eine Verkehrs- steigcnmg von e'/e Millionen Passagieren(HO'/ä auf 117 Millionen) und. trotzdem die Fahrpreis- Ermäßigungen einen Ausfall von 20000 Pfd. Sterl. repräsentieren, einen höheren Reingewimi als ihn die Vorgängerin des Grafschaftsrats erzielte. Angesichts dieses günstigen Ergebnisses hat das Finauzkomitec des Grafschastsrats die Durchführung des zehnstündigen Arbeitstags vor- geschlagen, die nach seiner Berechnung etwas über 10 000 Pfd. Sterl. loste» würden. Der Antrag ist letzten Dienstag mit großer Mehr- heit angenommen lvorde, nud vom kommenden 1. Mai ab lvird diese lang erstrebte Reform Wirklichkeit fein. Einige der gemäßigten Mitglieder des Grasschaftsrals erkannten au. daß der Erfolg ihre Befürchtungen tviderlegt und sie von ihrer Gegnerschaft gegen den Eigeubetricb bekehrt habe. Tic Profite der Standard Dil Kompagnie. Diese Räuber- gescllschast verteilte unter ihre 3000 Aktionäre als letzte Vierteljahrs- Dividende die Kleinigkeit von 20 Millionen Dollar, wovon der Löwenanteil auf etwa ein Dutzend derselben entfällt, welche die Mehr- zahl s80Proz.) der Aktien besitzen; das Haupt der Bande, Rockefeller, heimste davon ö Millionen'Dollar ei». Trotz der ungeheuren Profite ward vor einiger Zeit der Preis deS Petroleums um drei Cents pro Gallone erhöht. Von 1891 bis 189S betrug die jährliche Dividende se 12 Millionen Dollar; 1896 schnellte sie auf 31, 1897 auf 33 Millionen; 1898 betrug sie 30, 1800 wieder 33 Millionen. Vor sechs Jahren standen die Aktien auf 167, heute aus 547 Dollar, eine Steigerung im Marktwert derselben um 380000 000 Dollar. Sociale Nechkspflegr. Daö Bürgerliche Gesetzbuch und die Aufrechnungen gegen verdicuteit Lohn. Nach ß 394 des Bürgerlichen Gesetzbuchs findet die Ausrechnung gegen eine Forderung nicht statt, soweit diese Forderung der Pfändung nicht unterworfen ist. Ein Spediteur hatte dem Rollklitschcr B.. von desicn Wagen Kolli verschwunden waren, seinen verdicuteu Loh» cinbchaltcn. Ans Grimd der angezogenen Bestimmungen erklärte dies die Kammer VII des Gewerbegerichts für unzulässig und verurteilte den Ilntcruehmer, das Geld herauszuzahlen. Die Slufrechiiung gegen den Arbeits- verdienst sei seit deui 1. Januar unmöglich. Ter Beklagte müsse seine» Anspruch aus Schadensersatz in einem besonderen Prozesse und zwar beim ordentlichen Gericht geltend machen. Dieselbe Kaimucr wies jedoch einen andern Rollkutscher, der vom Speditcurvcrcin eine aüfgesamuickte Kaution von 100 Mark ver- laugte, mit seiner Klage ab. Dem Klägrr waren Sachen im" Getannutwcrt von sechshundert Mark gestohlen worden und er hatte sich schriftlich verpflichtet, den Schaden noch und nach zu ersetzen, soweit er nicht schon zur Zeit der Verluste durch hinter- legte Kautionen gedeckt ivar. 300 M. konnte» alsbald aufgerechnet werden. Bis zu der kürzlich ersolgten Lösung des ArbeitSverhält- nisscs kamen durch wöchentliche„Einzahlungen" noch 105 M. zusammen, die das Slreitobjckt abgaben. In diesem Fall berief sich der Gerichtshof, dem Gewerberichter Dr. Meier vorsaß, zur Begründung des dem Arbeiter iiiignnsligcn Urteils auf die schrift- tiche Verpstichiuitg und daraus, daß die Lohnabzüge schon zu lvcit zurücklägen. Hier wäre tj 304 nicht anzuwenden. Die Kammer II unter dem Vorsitz des Herrn v. Schulz erklärte mit Rücksicht ans den§ 394 auch die Aiiseechmtiig einer Kontrakt- bruchs-Lußc gemäß§ 124 b der Gewerbc-Ordmuig gegen den ver- dienten Lohn für unzulässig. Verschiedene andre Kammern des GewcrbcgcrichtS haben eben- falls in letzter Zeit de» ß 394 des Bürgerlichen Gesetzbuchs zu Gunsten der tlagenden Arbeiter und Arbciteriimcu angeivsndet. Nns Zrrv JTvmu'ttlu'iiu'jgttng. lieber' die Fraueubeweguitg i» Polen reist die hier er- scheinende„Fraucnbcivcgung" einiges ans einem Aussatze der Zeit- schrift„Fraueuleben" mit. Danach machten seit dem Jahre 1895, in welchem die Frauen in Galiz.ni das Wahlrecht zu den gesetzgebenden und repräsentativen Körperschaften errungen habe», alle Stimmberechtigten nicht nur von ihrer Stimme Gebrauch, indem sie vor jeder Wahl eine Sitzung zum Zwecke der Beratung über die ihren Jntcressc» entsprechenden Kandidaten beriefen, sondern gründeten auch Komitees sowohl in Lemberg wie in Krakau zur Verständigung mit diesen Kandidaten.?0!it Ausnähme der Groß- grUudbefitzenimcn stimmen die Frauen meist für die freisinnigen Kandidaten. Als im Jahre 1893 das Gesetz in Kraft trat, das den Frauen ist Ocsrreich die Zulassung zur Universität gewährte, schrieben sich in Lemberg sofort 100 Studentinnen, meist Lchrcrinne», ein. Roch in demselben Jahre cntstaiidcii zwei Privatgymnasic» für Mädchen in Lemberg, gegründet durch private Mittel von Franc». Noch früher eröffnete man in Krakau ein Mädchcngymnasiuni, das im laufende» Jahre die siebente Klaffe vollendet und glänzcüd funktioniert. In der nächsten Zeit werden noch zwei Gymnasien für Mädchen in den Provinzftädten Galizieiis, und zivar in Przemysl und Stanislau eröffnet, wofür vercits die Bewilligung erlangt wurde. Frauenarbeit. Im französischen Parlament ist jetzt auch Frauen das Recht znerkannt, bei Konkurrenzc» um vataute Stellen als Parlamentsstcnographe» sich an diesen Konlurrciizcu zu be- teiligen, lvcun sie die gesetzlich vorgeschriebenen Bedingungen er- füllen._ Vitkevavischlvs. Tie Frau als Industrie- Arbeiterin. Ein Beitrag zur Lösung der Arbeiterfrage von Fr. Collet. Berlin, A. Troschcl. Preis 60 Pf. Lcrfasicr kennzeichnet sich selbst am besten durch seine Ein- leitmig, in der. er unter anderm sagt: Diese Notwendigkeit(zu socialen Reformen) wird mir von den Politikern und Volkswirt- schastler» jener Richtung bestritten, die an das Rechenexempcl glauben, nach ivclchcm, bedingt durch die Faktoren: unersättlicher Kapitalismus und fortschreitende Technik, der Ruin dcS Mittel- standes unbedingt herauskommt. Wer aber zu den Anhängern jener Theorie gehört. lvird auch alle Bestrebnngcn zur Lösimg der Arbeiterfrage, d. h. zur BerbesferUug der Lage deS arbeitenden Volks, im Rahme» der heutigen Gesellschafts- orduung mindestens als zwecklos bezeichnen müsse». den» wenn die Gestaltung der Znknnst mit Sicherheit zu den von jene» Politikern vorhcrgesagten gesellschaftliche» Umwälzungen aus Grund der Fortschritte von Wissenschast und Technil und der Einsichts- losigkeit des Kapitals führen muß, dann ist es überflüssig, jenen Prozeß aufzuhalten, man versündigt sich dadurch vielmehr an der ganze» menschlichen Gesellschaft." Diese Iluffassimgcn existieren natürlich nnr im Kopfe deS Verfassers und einiger nicht ernst zu nehmender Querköpfe, ganz abgesehen davon, daß das Problem viel zn unklar gestellt ist. Nach- dem der Verfasser in einigen Kapiteln die Schäden, denen die Frauen durch die heutige Fabrikarbeit ausgesetzt sind, zum Teil ganz treffend geschildert hat, fordert er zum Schluß nicht nur die Ausschließung der Frauen von jeder dem weiblichen OrganiSlnuS schädlichen Arbeit, wogegen, recht verstände», an sich nichis cinzuwenden wäre, sondern auch das gänzliche Verbot der Fabrikarbcit verheirateter Frauen. Diese überhaupt nicht durchführbare Forderung in Zusammenhang' mit der Einleitung keuiizeichnct die niangeihaste Einsicht des Verfassers ausreichend. o. w. Verskrmmlnngen. Die Centralkommissio» der Kraukassen Berlins hatte am 27. März eine Versammlung der Krankenkassen-Vorstände und Ver- Ivaltuiigsbeamten einberufen. Vertreten waren 66 Kassen, und zwar 32 OrtSkasse», 5 Betricbskasien, 5 JnnungSkasfen und 23 Hilfskasscn. Sim an oiv Ski erstattete den Jahresbericht, gtedner gicbt einen Rückblick über die einzelnen Versammlungen, sireist deit Tiibcrkiilosc- Kongreß und den Krankeniassen-Kongreß. ES haben drei große Versammlungen mit den Aerzten und Ministerial-Vertrctcrn. 33 Sitzungen der Ccntral-Kommission. ferner eine ganze Anzahl Alldienzeil mit dem Killtusministerium, Reichs-VersicherungSamt, RcichS-Gcsundheitsamt, Jnvalidenansialt usw. stattgefunden. Die Korrespondenz betrug über 3000 Briefe und Karten. Stuhlmann erstattete den Kassenbericht für das Jahr 1899. Die Einnahmen betrugen inklusive � des Bestandes von 105,11 M. vom Jahre 1898 3433.83 M. Die?l u S g a b e n 3334,41 M. Die Slbrechmnig im ersten Quartal 1900 ergab einen Bestand von 121,77 M. lieber die Neuwahl der Centralkommission sprach Dr. F r i e d e- borg; er wünschte von der Stellung als BcrtrancnSarzt zurück- zutreten, da er mit Arbeiten überlastet ist. Redner gab dann eine kurze Uebersicht über die Thäligkcit der Kam- Mission. M a g n a n sBuchdruckerklassc) bedauert, daß Dr. Friede- berg ausscheiden will, nach jeiiicr Ansicht können 2 Aerzte der Centralkommission angehören. Dr. Fricdeberg ersticht nochmals. ihn mindestens auf ein Jahr zu suspendieren. Hierauf wurde Dr. Curt Freudeilberg einstiunnig als Vertrauensarzt gewählt.— Es wurden ferner gewählt vom Arbcitcrvertreter-Verein S i m o n o w s k i und Püschel, von den OrtSkaffen: A. Kohn, Halb fg. Ttörzcr und Magna n, von den Bctricbsräsicn: Gries und Mali n a w S k i, von den HilfSkaffen: Köhler, und Z a n d c r. Die Wahl von den Jmiungskasic» wurde ausgesetzt, weil die an- ivesendcn Vertreter die Wahl ablchntcn. da diesmal nnr ein Mitglied gewählt werden sollte. Die Versammlung erklärte sich sodann init der von dem Berliner Arbcitcrvertrcter- Verein an den Reichstag gesandten Petition zur Abänderung des IlnfallvetjtchernngS- Gesetzes ciiwerstanben. Ferner gelangte'folgende Resolution einstimmig zur Annahme:„Die Versammlung von Krankenkasseii- Vorständen imd-VerwaltungS- beamten Berlins protestiert ans-das entschiedenste gegen die Acußcrnng dcS Ministers von Rhcinbaben im AbgcordnctenhaNsc vom 23. Februar d. I. Nach den Berichten hatte der Herr Minister i» einer Rede er- klärt: Ich brauche nnr zu criimern an das Beispiel der social- demokratischen Ortslrankenkaffen, Ivo die Fürsorge für die Arbeiter ganz nebensächlich ist, nud wo als Hauptsache gilt die straffe Organisation nud die angemessene Placierung von gewerbsmäßigen Hetzern, auch wenn es noch so zweifelhafte Elemente sind. Die Versammlung erklärt: soweit die OriSkrankenkasscu-Borsländc in Frage kommen, haben sie stets das Wohl ihrer Mitglieder sowie der Kasse im Auge gehabt, nud sind bestrebt gewesen, die Zwangs- weise geschaffeucii Organisationen zum Nutzen ihrer Mitglieder aus- zubauen. Sie weist daher die vom Minister v. Rheinbave» nn- begründete Unterstellung mit Entrnstnng zurück." Ter Verband der Bauarbeiter(Zahlstelle IV) erklärte in seiner Versammlung vom 26. März sein Einverständnis zu den Be- schlüssen der Prvvinzialkoiifercnz. Die übrigen Gegenstände der Ver- Handlung betrafen inteme Angelegenheiten. Die Lithographcu, Steindruckcr und BerusSgrnoffen (»Filiale I, Berlin) tagten am 22. März. Buchdrucker Töblin hielt etlieii Vortrag über Tarifgcmcinschaften. der beifällig aufgenommen wurde. Unter Verschiedenes gab 5LcyIopf bekannt, daß die Tapeten- drnckcr eine Sektion gebildet haben. Von den Organisierten sind 13 Mitglieder, die in der Rixdorfer Lmolleumfabrik beschäftigt waren, angeblich wegen Arbcitsmangcl entlasten. Hierauf entspann sich eine längere Debatte über den am 1. Osterseiertag in Rixdors statt- findenden Gautag und wurden Borisch und Wenglcr als Delegierte gewählt. Die Berliner Barbier-«ud Friseurgehilse» beschäftigten sich in einer am 29. März im„Luiscustädtischen KonzcrthauS" tagenden Berfaminlnng mit der Frage:„Findet der gesetzliche N.e u Ii n h r- L a d c n s ch IN ß auch aus unser Gewerbe Anwendung?" Der Referent W e r m k c empfahl auch für die Barbiergeschüfte den Nennnhr-Ladenschlnß und befürwortete folgende Resolution, die ein- stimmig angenommen wurde: Die Versammlung der Barbier- und Friscnrgchilfen erklärt sich mit dem Referenten emberstandeil und cr- kcnnt an. daß die Einführung dcS gesetzliche» Neunuhr-LadcnschlusscS für das Barbiergclvcrbe durchführbar ist, ohne für dasselbe schädigend zu sein. Die Versainnielten beauftragen daher die ZlgitatimiS- kommissio». bei den Behörden vorstellig zu werden dahingehend, daß der für das Handelsgcwcrbe am 1. Oktober d. I: in Kraft tretende Ncunnhr-Ladenschlnß auch ans das Barbiergclvcrbe ausacdchnt lvird.— Lim Schluß wurde Baritsch als stellvertretender Gelvcrk- schaftsdclegicrtcr gewählt und die AgitasionSkonunission durch vicr Kollegcn ergänzt. Tie ausständige» Liuolcunileger hielten am Montagmittag eine Bcrsammlnng ab. P ö r s ch referierte über Lohiibelvcgung und Lebenshaltimg der Arbeiter, worauf S a l o m o» berichtete, daß die Unternehmer nicht nnr das Erscheine» in den Versammlungen der Arbeiter, sondern auch den von diesen ausgestellten Tarif avgelehnt haben; dagegen solle mit den Zlrbeitcril vor dem Eimgnngsamt verhandelt werden. In geheimer Abstimmung wurde hierauf einstimmig beschlossen, nicht nur an dem ausgestellten Tarif festzuhalten, sondern sofort die Arbeit im allgcmciuon ein- zustelle». Bis aus die Firma Rosenthal sind auch alle Tapete ngcsch äste, soweit diese an derartigen Arbeiten beteiligt sind, gesperrt. Alle arbeitenden Kollegen habe» die Ausständigen zu unterstützen. Die Höhe der Unterstützung soll später festgestellt und alles iveitere in den Zeitungen bekannt gegeben werden. Alle Ausständigen sind vcrpsiia)tet, sich im Bureau bei Äüntzcl, Schützenstr. 40/42, täglich vormittags von 10-11 Uhr. nachmittags von 3—4 Uhr zur Kontrolle zu nielden; wer nicht er- scheint, erhält keine Unterstützung und gilt als Streikbrecher. Die streikenden Hcrreu-Maßschtlcider waren am Montag- vormittag in großer Zahl im Friedrichstädtischcu Kasino versaimuclt. Aus dem Bericht, den der BeriraueuSmaim R i t t e r über den Stand der Lohnbewegung erstattete, geht folgendes hervor: Bisher haben bewilligt: 9 Geschäfte der ersten, 22 der zweiten, 36 der dritten Tarifklasse. Zur Zeit schweben»och Verhandlungen mit einzelnen Finnen. Dagegen haben die Unterhandlungen, welche kürzlich mir der Kommission der Unternehmer stattfanden, kein Resultat gehabt. Die Vertreter der Unternehmer bestanden darauf, dast jedem Geschäft zwei Tarife zugebilligt werden. Darauf aber konnten sich die Arbcitcrvertrcter nicht einlassen. Häilcn die Unter- «ehnier diese Forderung der Doppeltarisc fallen lassen, dann wären die Arbeiter bereit gewesen, die Frage zu diskutieren, ob man vier Taristlasien, statt der von den Arbeitern verlangten drei zulassen könne. Da nun die Unternehmer au der Einführung der Doppcltarife festhielten, so blieb auch die Frage der eventucllcn Zulassung von vier Tarifklasscn unerledigt. Falsch ist die Zcituiigsnachrichl, wonach die Arbeiter sich bereits mit der Ein- sührung von vier Tarisklaffen einverstanden erklärt haben sollen. Wenn»nn auch mit der Vereinigung der Unternehmer keine Einigung erzielt ist. so lausen doch fortwährend neue Bewilligungen und An- träge auf Unterhandlungen seitens einzelner Geschäftsinhaber ein, so dag mit Zuversicht ein günstiger Ausgang der Bewegung erwartet werden kann.— Die Diskussion ergab vollkommenes Einverständnis mit dem Verholten der Kommission der Arbeiter. Die Stimmung der Versammlung lieg erkennen, dag die Streikenden an ihren Forde- rungen festhalte» und dieselben durchsetzen werden. Die an SolzbearbcituiigSmasckiinen beschästigtcn Arbeiter hielten am 2g. März eine außerordentliche Mitglicderversarnmlnng od. Vor Beginn der Tages-Ordnung ehrte die Versammlung das Andenken des' vcrslorbencn Mitgliedes Johann Stöger in üblicher Weise. Nachdem Sauerzapf die Aüslegnng der Einigungsbediiiguiigcn und die Aufgabe der Achtzehncrkommission erläutert hatte, entstand eine lebhafte Diskussion. Einige Redner, die schon in einer vorher- gehenden Versammlung gegen die Einigung, besonders aber gegen die Achtzehnerkonnnissi'ou Opposition gemacht hatten, gaben auch hier ihrem Unmut über die jetzige Form der Achtzehnerkommilston Ausdruck und übten Kritik an der gegebenen Zustimmung. Die überwiegende Mehrheit der Versammlung nahm diesen Ausführungen gegenüber eine entschieden ablehnende Haltung ein. Die Debatte wurde durch einen Schluganlraz unterbrochen und zunächst die Wahlen von g Mitgliedern und 9 Ersatzmännern für die Achtzehuer-Kommission der Holzbearbeitungs-Branche vollzogen. Die nunmehr wieder aufgenommene Debatte drehte sich Haupt- sächlich um die Auslegung der wesentlichsten Punlte der Geschäfts- ordnung der Kommission. Der Antrag Zimpel. daß die Kollegen, welch- unterstützungS- berechtigt find und am Mittwoch die Arbeit wieder ausnehmen, auf Unterstützung für Montag und Dienstag verzichten, wurde ab- gelehnt, Nachdem noch mehrere interne VerbandZanzelegenheiten erledigt waren, machte der Vorsitzende zum Schluß noch bekannt, daß die nächste Mitgliederversammlung eine Generalversammlung ist und am 9. April im Englischen Garten, Alexanderstr. 27 stattfindet. Die Sattler und Treibriemenarbciter nahmen am 31. März Stellung zu der Arbeitsniederlegung bei R ü g e r und M a l l o n. In dem Geschäft ist den Arbeitern angekündigt, daß die Ansprüche aus 8 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs bei dem Arbeitsvertrag aus- geschlossen werden. Der Paragraph besagt, daß für kurze Versäum» nisse, die ohne den Willen des Arbeiters eintreten, keine Lohnabzüge gemacht werden dürfen. Gegen diese Aufhebung der Rechte, die nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch dem Arbeiter zustehen, wandten sich die dort beschäftigten Arbeiter und legten schließlich die Arbeit nieder. Die Ausständigen fordern nunmehr, die Arbeitszeit am Sonnabend um eine Stunde zu verkürzen. Wir milchen hierdurch di? ergebene Mitteilung, d-ß mir die Gebühr für das Abonnement ans Anerlicht für einen Brenner auf monatlich 80 Pfennis erniflsMiigt haben. Wir empfehlen das Abonnement ans Instandhaltung des Auerlichts angelegentlichst, da hierdurch ein dauernd tadelloses Licht gewährleistet wird. Ausführliche Bedingungen senden wir postfrei zn. Auergesellsoliaft (Deutsche Gasglühlicht Aktiengesellschaft) C. Molkenmarkt 5. ■<%' v;v-.s-v«v Ich bin von der Reise zurückgekehrt und von X,. Elsasserstr, Ol, nach N., Lothrmgerstr. 67 1 """sSeriin, den 1. April 1000. öl*« H."WCyl) 2466___ Speeialarzt für Wasserheilveriahre» zc. Orts-Kranltenkasse öes»aurergeverdes. Donnerstag, den!S. April er.. abendS 81/: Uhr, in den„Armin• Hnllen", ftammanbanteuflr. 2«: Seneral-Verfammlung der Vertreter der Kassen- Mitglieder und der Arbeitgeber. Tages-Ordnung! 1. Vorlegung des VerwaltuugS- berichtes und Rechiiungöabichlusjcs für das Jahr 1899, 2. Berich» des Ausschusses über die vollzogene RechnungSpriisung und ....... ng über die Ab Besck>luhfossung der Jahresrechnung. vnahme 3. Antrag auf Bewilligung einer Entschädigung für die Kassenmitglieder des RechniwgSadschiusscs. 4. Beratimg und Beschluhsassung über die Entscheidung dcS Bezirks anSschusscS betreffend die in der lÄeiierawersainmlung vom 9. No- dember 1899 beschlossene Abänderung ves Statuts. L98b 5. Antrag der Kassenbeamte» aus Verkürzung der Arbeitszeit von 9 aus 8 Stunden und Gehaltserhöhung 6. Verschiedene Mitteilungen des Vorstands. Berlin, de» 2. April 1999. vor Vor«t»n«l. 2t. Daehnc. 3t. Kclpi». Vorsitzender. Schrlflsüln-er. Uebrr verlöre« werden jährlich von Schneidei meistern! Da ich nur gegen Koste vertause, daher keine Lerlnfte habe, bin ich im staiide,[40160* für 25-45 Mark elegant« Anzüge nach Mah, für 25—42 Mark elegante Paletols nach Matz, für 7—15 Mark elegante Beinkleider nach Mas zu licfrrn. Heriuaim Graf Schneidermeister AI«xan M. m 50 m 2 II. Albrccht'n Uiickcrcl* BZraugelstr O. Krautstr 10. Falchensteiustr. LS. Laujiherstr. L- Der 1° Tod 43°ZL» ist ohne Gnade sicher allen Wan- zen samt deren Brill durch daä saforl sicher tötende„Konzen- trierteWanzen Fl»id"(gcl geschützt) t» Flaschen zu äü Pf, Ml 1.00, 2.00, 3,00 llttti Lilerflasche Mk. S,90. 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Der Verkauf von Fletsch, sowie Talg und Schmalz findet täglich von 8 bis II Uhr vormittags und von 2 bis 6 Uhr nachmittags statt. Rindfleifch pro Pfund 25 Pf. Schweinefleisch pro Pfnnd 45 Pf. bis euf weiteres. Schlachtvieh.Ycrsichcrune vereinigter VlebkomiuiaslouUre Berlins. Prenzlow. 43842t Charlotteubnrg;!! Uhrmacher Kunstmann, Wallstrasse 1. Keparaturon schnell, durchaus zuverlässig und nicht teuer.[40S7L* Gluten>Kakao C«mU««> und KraKsuppen Bouillon>Kapseln Suppen-WUrze stets vorrätig bei Otto Engel, NW., Jagowstr.-7 MAGGI RH�Rsnoil und Polslervaren. iWBOKiei �«fiSSt8eA.Sclialz, Grosses Lager MGediegene Rcicheubergerstr. 2. Auch Teilzahlung! C* Kur drn Inhalt der Inserate Mctiiimmt die Nedattiou dem Publik»», gegeutiber keinerlei ?tcra»lwort«»s. Gljettter. Dienstag, den 3. A p r i l. Opernhaus. Die Abreise. Die roten Schuhe. Anfang?Vz Uhr. Schauspielhans. Jugend von heut«. Ansang 7Vz Uhr. Deutsches. Wenn wir Tote» er wachen. Anfang?,/, Uhr. Lessing. Im weihen Röh l. Anfang 7'/, Uhr. Berliner. Maria Stuart. Anfang 7V, Ukr. NeneS. Im Exil. Anfang 7V] Uhr Residenz. Die Dam« von Maxim scnsaug 7Vz Uhr. Wösten. Undine. Anfang?>/, Uhr. Schiller. Freudvoll und leidvoll. Anfang 8 Uhr. Thalia. Im Himmelhos. Anfaug 7,/, Uhr. Luisen. Ehrliche Arbeit. Anfang 8 Uhr. Central. Di- Heiratslustigen. An fang?>/, Uhr. Belle-Zllliance. Ein toller Einfall Ausaug 8 Uhr. Carl Weift. Der MinenlSmg von Transvaal. Anfang 8 Uhr. Viktoria. Die EirkuS-Fce. Anfang 8 Uhr. Friedrich• WilhelinstädtischcS. Die A hnfrau. Ansang 8 Uhr. Mrtropol. Spccialitäteuvorstellimg. Die verkehrte Welt. Anfang 7'/- Uhr. Apollo. Spccialilälen- Ztorstellung Im Reiche des Jndra. Anfang 7i/j Uhr. Palast. Gpecialitäten- Vorstellung Die neue Herrm. Anfang 7-/- Uhr. Reichshalle«. Stetliner Sänger. Anfang 7 Uhr. Poffoge. Piiiioplik»,». Spcciali- liitru-BorsteNiing. Hrani«. JntnUdeiiftr. 57/0« �glich abends von 5—10 Uhr _ �lernwarte. �"uben strafte 48/49. Abends 8 Uhr>im Theatcrsaal). Dr. Spies ..Yliisnge Lust"._ ZWer-Theater tWallucr- Theater). Dienstag, abends 8 Uhr: lk'rvackvvll ua«! IvickvwU. Volksstiick in 4 Akte» von Louis Herrmann. Mustk von&. Steffens. M i t t w o ch,» a ch m. Z'/z Uhr: Vorstellung des Akademischen Vereins für Kunst und Litteratnr. König Oedlpas. Mittwoch, abends 8 Uhr: Hlnrlck Liornsen. T onnerstag, abends 8 Uhr: Zlncketl». Ca rl Weiss-Theater Gr. Frauksurterslrafte 13«. Täglich: 8 Uhr: Ter Mimkimg voll Trallsvalll. Borzugsbittets haben Gültigkeit. Sonnabend, nachmittags 4 Uhr Unecht Ruprecht n. dt« geraubten Köuigskinder._ Thalia-Theater. fei. AmtIVa 6440. Draidoiieratr. 73/73. Täglich: Riesenlacherfolg! Jttt Himmelhof. Thomas, Thielscher, Helmerding, Juiikerinann, Paulmüller. Anfang 7>/z Uhr. Morgen und folgende Tage: Im Hinimelhof. Ertttval-Threlker Direktion: soss Ferenczy. We Deiratslustigen. Landeville in drei Akten von Erik M e y e r- H e l m u n d. Ansang Uhr. Morgen und folgende Tage: Tie Heiratslustigen. Sonntag, nachm. f! Uhr zu halben Preisen: Tie Fledermaus von Johann Strauß. tropol-teter. Um 0 Uhr 70 Mi». ZUM 00. Male: Verkehrte Veit! mit der hochoriginellen Weiber-Parade. Vorher dos vollBudig lltlie sellsationellt April- Svttllllltlitell-Progrllvilll: MzUjUieeilelsiilles. Ii'iorjupitei'.öl'ottlei'L Lloyd. FelsinaBrolhers. Paul Jülich. etc. etc. Sonnabend, den 7. April 1900: Zun« 100. Male: Perkehrte Welt. Aniang an Wochentagen um 8 Uhr, an Sonn- und Festtagen um 7r/. Uhr. -S4 Rauchen überall gestattet, Urania Tanbcnatraane 48/40, Im Theater abends 8 Uhr: Dr. lSpieag;.Flüssige Luft" Invalidcnatr. 57/0«: Tägl. Sternwarte. _ Kachmlltaiis 8—10 Uhr. "Passage-Panopticii.' 35 Togo-Neger (28 Mädchen, 5 Männer, 2 Kinder.) Vorstellung um 11, 12, Z>/z, 4V2,»'/-. 6t/,, 7i/:, 9 Uhr. Von 7-IOV, Uhr: Theätre variete. Anatomisches iiseum im Passage-Panopticum. H e n t e Dienstag, den 3. April, abends 7 Clir: Vortrag eines Ax-ztes über das menscblielie luge. Victoria-Theater, Alcranderplah. Abends 8 Uhr: 4. Ensemble-Gastspiel des Wilhelm-Theaters: Die Cirkus-Fee. Operette in 2 Akten von E. Fclsch. Musik von H. Schcibenhoser. Vorher: Die schöne Galathee. Operette von Snpvd. Donnerstag, den 12. April: Unwiderruflich lebt« Vorstellung. Tchlnft der ersten Saison. Heute, Dienstag, de» Z. April 1900, abends 7'/, Uhr: Grosse Extra Borstelluiig. Ganz besond. gewähltes Programm! Hervorzuheben ist: Die Postsahr- schule mit 4 Rapvhengstcn. Arabti und Pomin Zaras, der Futterneid. Polo- spielende Pferde zc. zc. Sämtliche Original-Dresstircu d. Direktors Albert Schuinami. Dreis. Springfahrschule, acr. von Herrn Petoletti. Ein mustk. Entree von 60 Damm. Die fliegenden Hunde des Mr. Wilkes. Lady und Gentleman, Doppel- Jockey- Akt der Gefchw. Hodgini. Die spanischen Orig.- Clowns Tonitoff und Antonet. The Martinecks. Clown Armando mit feinen dressierten Tieren. Gymnast. Entrce aus 2 Leitern, ausgeführt von den Clowns Egerer. Zum Schluß, zum 80. Male. Dolctonk'sust. Eine romantiich-phantastische Handlung in drei Abteilungen vom Hofballett. Meister A. Sleme." Morgen, Mittwoch: Gr. Elite-Vorst. ■■ CASTANS PANOPTICÜM Original-italieuische Sänger- u. Konzert- Gesellschaft „Colombo". Die neuen sensationellen lebenden Photographien. Stiergefecht.— Mann über Bord.— Stapellauf eines modernen Schlachtschiffs. — Baby-Wäsche u. v. a. m. Joubert f-— Krüger.— Cronja. Sanssouci Kottbuscrstr. 4 a. MT* Heute"MG Dienstag, den 3. April. HotTmanu» Rorddelltslhe Zöiiger Wir von der Kavallerie. Nach der Soiree: Tanskranzchcn. Clrkns B.uscli. Mittwoch, den 11. April ct.: Abachiedsvorstell. Ellte-Cala-Abend. Heute, Dienstag, den 3. April er., abends Ti/, Uhr: Zum 145. Male: Tie«amörra. Außerdem: Polo- Spiele zu Pferde. Bicycle- Einhol.- Rennen. Die vorzügl. Spccialität. Shadow Brothers. Signor Farini. 1V Hengste in Freiheit vorgeführt vom Direktor Busch.__ Reichsfiallen. Täglich: Stettiner SUnger Anfang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr Entree 50 Psennig. Vorverkauf 40 Pf. Achtung, Maurer! Dienstag, den 3. April, abends 8 Uhr, in Kellers Feftsalen, Koppenstr. AV: Gnossv Versammlung aller zum Streikgebiet Berlins und Umgegend gehörigen Berbandszahlstellen. Tages-Ordniing: 1. Werden wir Frieden im Ilungewerbe haben? Referent H. Silberncbmidt. fonds. 3. Maifeier. Die wichtige Tagesordnung erfordert ein volles Haus! Darum aus zur Versammlung! 2. Regelung der Beiträge zum Streik- 137/3 Die VerbandsieUnng. Palast-Theater früher Feen-Palast, Burgftr. 22. ReueS Künstler-Personal. 5 ensati ona-Kammern. Erstklassiges Riesen- Programm. Noch nie dagewesen! 6 mysteriöse Elefanten. 14 dressierte Ziegen. GM Grave Darling."96 Musik Elektric Genius. Um 8i/, Uhr: Großer Lachersolg! Direktor Wilhelm Fröbel in der urkomischen Berliner Volks- Operette Die neue Herrin. Ans. 71/, Uhr. Kaffenerössniing SV- Uhr. Billet-Vorverkauf v. 11-1 Uhr. Mchc Konzert-Sailen Stadtbahnhof Börse. Täglich: GrosseTheater- und Variete- Vorstellung. Grosch. Benari. Die Humoristen Ziiiiiiieriiiann, Gursch. „Die Lucca mi Rixdors" sowie SergeantSchneidtg und militärische Gindrücke. Beginn der ausländischen Orchester Wochent. S Uhr, der Theaterabt. 8 Uhr. Apollo-Theater. i]0F~ Vielfachen Wünschen entsprechend. werden wir ab 1. Aprill er. mit den Vor- Stellungen um 8 Uhr beginnen und mit der Operette das ra grossartlge April-Programm eröffnen. Neu für Berlin! Neu für Berlin! Greteben Reutter. Lueette de Verls. La belle Dolia. Ferner Tortajada. Hacker u. bester. Brüder Ersatz. Geschw. Harweys. Der Kosniograpb. Anfang 8 Uhr. Kassen- Eröffnung 7 Uhr. Vorverkauf im Theater von 10 bis 2 Uhr sowie beim„Künstlerdank"' und„Invalidendank". W. Noacks Theater, Brniinciistrabe 16. Der Gold-Onkel. Posse mit Gesaug und Tanz in 3 Akten(6 Bildern) von Emil Pohl. Jeden Sonntag, Dienstag imd TonuerStag noch der Vorstellung: Tanzkränzchen. Cbroniscbe Leiden seder Art ohne Berussstörung. Institut dost, Obausseestr. 117, I. r. 9—3, 5—9, Sonntags 9—7.[* Arbeitern 20 Proz. Grinüftigung. Idjtllllß! SiCchlVr! AlllttlNg! Mittwoch, 4. April, abds. 8 Uhr bei Breuer, Gr. Frankfurterftr. ti?(Königsbank)? Oeffentliche Uersammwng. Streik der Der zu ziehen? Rege Beteiligung erwartet TageS-Ordnung: Berliner Möbeltischler und welche Lehren haben wir daraus 307b Ter Eiuberufer. ChaHoitenburg. Unsrem Freunde und Genossen Hrmm 6rlebel die herzl. Gratulation z. Geburtstage. dlebrere Oenossen Im 7. Berlik, Brono, dat wird aber schmecken! DtllM« Dolmbtitn-Verhaiid. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Modelltischer Hermann Heinacker am 31. Marz verstorben ist. Die Be- erdigmig findet heute, Dienstag, nach- mittags 3 Uhr, vom Traucrhause Kaiser Fricdrtchstr. 73, Panlow, aus, nach dem Friedhof in Pankow statt. Um rege Beteiligung ersucht 87/10 Tie Ortsverwalning. Allen Frennden und Kollegen die traurige Nachricht, daß mein lieber Sohn, unser guter Bruder und Schwager, der Möbelpolierer 1302b Fnili Seinniler am 31. März, früh i/43 Uhr im 20. Lebensjahr nach langen schweren Leiden sanft entschlafen ist. Die Beerdigung ftndet am Mitt- wock, den 4. April, nachm. 4 Uhr, vom Trauerhause, Friedrichsberg, Frankfurter Chaussee 137 aus statt. Oie trauernden Hinterbliebenen. Todes-Anzeige. Am 28. Februar entschlief sanft nach schwerem Leiben unser Kollege, der Schlosser 30Sb Vf ax Fhrhardt. Er war uns allen ein lieber Freund mid wird bei u»s stets in ehrendem Andenken bleiben. Die Beerdigung findet ani Mittwoch, de» 4. d. M., nachm. 4 Uhr, von der Leichenballe des Rixdorser Kirchhofs aus statt. vle Kollegen der flrma A. Herrmann& Co. liranKbindcrcl 11. Blniucn- liaudlung von[40848' Robert lleyer, Xo. Ii. Dlai'iisnnenstf. X'o. g, WidiiiniigS-Kränze, Gnirlande», Ball stränßchen, Bviiqncts zc. werden sehr geschmackvoll und preiswert geliefert Möbel verliehen gewesene und neue, staiinenb billig. 38428"' Teilzahlung gestattet. Heue Hönigslrasse SS. Tbiu'-8ebil(l6r Stempel etc. H. Guttmann Brunnenstr. 9. ANWhrtt gesucht. Für Truekerei und Vertag der„Volksstimme" in Frankfurt a. M� wird bis l. Juni spätestens l. Juli ein mit der Druck- und Zeitung?- spcciell Annoncenbranche durchaus bewanderter, tüchtiger Geschästsführcr gesucht. 41388" Bewerber wollen Offerten mit Zeugnissen und Referenzen, sowie unter Angabc von GehaltSansprüchen bis spätestens 15. April an AI. Bernhard, Schletermacherstrafte 48. Frankfurt a. M., richten._ Fliesenleger! Tienstag, den 3. April, abends 8 Uhr, im..Englischen«arten' Alexanderstraste S7e i Oeffentliche Versammlung. Ta ges-Ordnung: 1. Welche Stellung nehmen wir im gegenwärtigen Streik ein? 2. Verschiedenes. 58/8 I. St.: Tie Lohnkommission. IWM und BerOgeusssen. Mittwoch, den 4. April, abends 8 llhr: Gr. öffentliche Versammlung i«„Englischen Garten", Alexanderstrafte 18 c. Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme zum 1. Mai. 2. Die Antwort der Meister auf uiiire Forderung und Stellungnahme hierzu. 3. Verschiedenes. 54-2 Die liotankommisslon, (Zahlstelle Berlin.) Mittwoch, den 4. April, abendö 8 Uhr: Verlraukiismäinitr-Versamirtluiigen. Osten: bei Stechert, Andreasstr. 21. Tiiifon: bei Krüger, Wasserthorstrciße 68. Westen und Südwesten: in Habels Brauerei, Bergmamlstraße 5-7. Tag es-Ordnung: l. Bericht der Werkstatt-Kontrollkommifsioii. 2. Bericht der Vertrauens- männcr über ihre Werlpatt. 3. Slusgabe neuer Vertrauensniäniierkarten. IM- Jede Wertstalt muft vertreten sein.-MM VolvkekklIQdettlegev bei Hube(Spreehalleu), Kirchstr. 27: Kommissious- Sitzung mit den Vertrauensleuten. Auch die Veihandluugs-Kommissionsmitglieder werden ersucht, zu erscheinen. PP Drerlisloe."WE Heute Tienstag. abends 8'/. Uhr: Vei'ti'aaaaziiiaaai'-Vai'aaaiailaalia» in folgenden Lokalm: Osten: bei Wwe. Bühle, Koppeiiftrafte 41. Morden: bei Mcnmann, Briinnenstrafte 150. Süd-Osten n. Süd- Westen: bei möhrlng, Admiralstr. 18 c (..Märkischer Hof-). Tages- Ordnung: l. Bericht der Obmänner. 2. Verbands- und Branchcn-Slngelegeuheiten, 3. Verschiedenes. Verbandsbuch nebst Vertrauensmäimerkarte legitimiert. Jede Werkstatt muft vertreten sein._ 87/9 Mitdhaurr! Tonuerötag, den 5. April, abends 8>/, Uhr. tut Lokale„Berliner Ressource". Kommaiidaiitenstr. 57: Oeffentliche Versammlung. Tages- Ordnung: Vortrag des Schriftstellers Herrn HanS Leuft über„Die lammende Krise". Diskussion. Stellungnahme zum 1. Mai. Bericht vom Holz- arbciterstrcik. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen der Kollegen aller Branchen ersucht Der Vertrauensmann. AMttmtrckr-Vertlll. Boniierstag, den 5. April, abends S1/, l'ltr, im Dokal des Herrn Baske, Orenadierstr. 33: Mitglieder- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht aus den amtlichen Nachrichten, Rundschreiben zc. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. gST" Gäste, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. 53/2_ Der Vorstand. Achtung! Am dieSjähry Putzer! 4. April, abend« Mittwoch, de» 4. April, adendS 0 Uhr, ftndet tjabriac DfigT" Bandepntierten Sitzung Restaurant Schiller, Rosenthalerstr. 57, statt. Kollegen, die erste 131/9 Angelegenheiten zur Beratung stehen, Tie Verwaltung da sehr emste darf(ein Bau unvertreten sein. I. A.: franr Bobulte. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Verwaltnngsstclle Berlin. Engelufer 15, I, Zimmer 1-5.— Fernsprecher Amt Vll. 353. Mittwoch, den 4. April, abends S'/a Uhr: Versammlung für den Süden In den„Armlnltallen" Kommandantenstr. 30. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Reichsrags-Abgeordneten Ilnill Bosenotv über: Die Lohnarbeiter tm Mittelalter und im Zeitalter der Reformation". 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Um zahlreiches Erscheinen der Kolleginnen und Kollegen ersucht 112/3 Tie Ortsverwaltung. Erklärung. DielUnterzeichneten erklären im Namen der Kleber(Tapezierer) Berlins und Umgegend, daß sie sich uiit dem Abkonimen des Verbands der Tapezierer Deutschlands mit der Tapezierer-Jnnung Berlins vor dem Einigungsamt des Berliner Gewerbegerichts im Punkt 9(Tarif der Kleber) nicht einverstanden erklären, da sie von dem Grundsatze ausgehen, daß nur eine Kommisston, bestehend aus Arbeitgebem und Arbeitnehmern der Klebe- branche befugt wäre, über eventnelle Festlegung des Tarifs der Kleber zu verhandeln und dazu unbedingt die genieinschastliche Lohnkommisston der Kleber hinzugezogen werden muß; auch Polsterer und Dekorateure kein Recht haben, über die eigensten Interessen der Kleber zu entscheiden. Die Lohiikomillisslon her Kleber Berlins mib Umgegeüb. A. Heckmann. P. Hlrth. H. Klatt. IS. Strasser. J. Fessem. 2996 Th. Fork. Kretzsehmar& Co., Bereinigte Tischler- und Tapezierermeister, Kvi'Iiii C., an der Janno witzbrücke IVr. 4 (direkt Stadtbaimhof Jannowitzbrticke) Deutschlands grösstes Möbelkaufhaus für bürgerliche Wohnungseinrichtungen. Lieferung für Berlin und Umgebung kostenfrei durch unsere eignen Gespanne. Bei größeren Zlustragcn stellen wir den Dekornteur unentgeltlich. � Di bc'anntlich durch das Steigen der Rohmaterialen die Möbel etwa lö Prozent teurer geworden sind, ist es tinS noch möglich, durch rechtzeitige graste Abschlüsie und grostes Lager �uin alten Preis, so lange der Vorrat reicht, ucrtnufeii. Möbel, welche jcstt schon gekaust werden, kiinnen bis zum\ Gebrauch bei»ns unentgeltlich stellen bleiben. ES rnipstelilt ftch daher, den �inknus recht bald zu liesorgcn. Kitte, venlsngen Tie»»sen Klustenbuot» gnsti« und t n s n v o. 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SchSneberg, Haupt- sträfte 14!'.___ 3146 50 Schürzen- Näherinnen im und aufterm Hause, verlangt FuchS, Retchenbergcr'trafte 123._ rill* Knabcnblusea ArbeitcrimieN fudit Heinianu, Bsüderstrafte 37, n. Probe- vorläge.__ 3066■ Tampfwäschercl"Pbfifit aftc i 3 verlangt tüchtige Planerin für Leib- wüsche.__ 3016 Knrton-Arbeiteriliiten bei höchsten Accordlöhnen verlangen Burgheim& Jjüngiuann. Joachimiirafte 11.(2446 Pnnfcdcr». 50 Lehrmädchen, Anfall gSlohn wöchentlich 4 Matt. Ehr- lich, Sendelstraftc 27. 223b VeriUitwottlicher.Redacteur: Pnnl John in Berlin. Für den Jnjeraienleil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mnx Bading in Berlin. Hr. 78. 17. MMh. 2. KeW dks Juriüärts" Knlim öolblililt. Dittislug, 3. April 1900. UoKsles. Die nächste Lokalliste erscheint am Sonntag, 15. Npril. Neu- Meldungen oder Mitteilungen über Aenderungen müssen spätestens Mittwoch. 11. April, in den Händen der in Betracht kommenden Parteigenossen sein, und zwar sind Mitteilungen aus Berlin an Üiarl Scholz. Wrangclstr. 110, pari, zu senden; Mitteilungen aus dem Kreise Niederbarnim an Paul Kette, Friedrichs- felde, Margarthenslr. 29; ans Teltow-Beeskow an Her- mann Quitt. Rixdorf.�Hobrechtstr. 82. lV; aus dem Kreise Potsdam-Oft Havelland an Ernst Rieger. Spandau, Moltkestratze, und endlich Mitteillmgen aus Oberbarnim an R. Solomon, Wriezen a. O. Zur Lokalfrage. Der Gesangverein.Borstädtische Liedertafel" hält am ersten Osterfeiertage in dem gesperrten Lokal Leidcckers Festsäle in der Sophienstrabe ein Vergnügen ab. Da versucht wird, in Arbeiterkreisen Billets hierzu abzusetzen, bitten wir um Beung dieser Mitteilung. Die Lokalkommission. Nochmals die nenen Portosätze. Da trotz allem die am 1. April eingesührtcn Postnenerungen noch nicht allgemein bekannt sind, führen wir die wesentlichsten Aendeningcn nochmals in»euer Anordnung auf. Mit dem 1. April wurde im Reichspostgebiet ein Nachbarortsvcrkehr eingeführt. Es bildet von jetzt an Berlin nnt de» Städten Charlottcnburg, Nixdorf und Schöneberg, soivie mit den Bororten Friedenau, Friedrichsberg. Grunewald, Halensee, Lichtenberg. Neu- Wcißensce. Nieder- Schönhansen, Pankow, Blvtzcnsee. Reinickendorf. Rummelsburg, Stralau, Tempelhof, Treptow, Wilmersdorf und Westend einen Postbezirk, in welchem alle Postsendungen nach den für den Ortsverkehr festgesetzten Gebühren befördert werben. Gleichzeitig sind die Gebühren für den Ortsverkehr vielfach herabgesetzt worden. Die hier folgenden Portosätze beziehen sich auf Postsendnnge». die in Berlin oder den genannten Orten zur Be fördcrung aufgegeben werden. B bedeutet Sendungen, die von Berlin nach Berlin oder einem jener Orte bestinimt sind, also in dem neuen Vorortsbezirk bleiben, A dagegen Berliner Sendungen nach Orten, die außerhalb dieses Bezirks liegen. Bon jetzt an werden nunmehr folgende Gc bühren erhoben: 3 5 10 A. Pfennige für Drucksachen bis 59 g. „. Drucksachen von 50—100 g. ,. Briefe bis 20 g. Drucksachen von 100—250 g. Geschnflspapierc bis 250 g. Warenproben bis 250 g. .„ Drucksachen von 250—500 g. Gcschäftspapiere von 250—500 g. Briefe über 20 g. Warenproben von 250—350 g. ,. Drucksachen von 500—1000 g. Geschäftspapicre von 500—1000 g. A. und B. 10 Pfennige für Postanweisungen bis 5 M. 20 30 20 30 40 SO 60 2 3 4 5 10 15 kg. Stadtvcr- Postanweisungen von 5—100 M. Postainveisungen von 100—200 M. Postanweisungen von 200— 400 M. Postanweisungen von 400— 600 M. Postanweisungen von 600—800 M. Et» Pfennige für Postkarten. 1 Drucksachen bis zu 50 g. Drucksachen von 50—100 g. Postkarten mit Antwort. Briefe. Drucksachen von 100—250 g. Geschäftspapiere bis 250 g. Warenproben bis 250 g. Drucksachen von 250—500 g. Geschäftspapicre von 250—500 g. Warenproben von 250—350 g. Drucksachen von 500 g bis 1 kg. Geschäflspapiere von 500 g bis 1 Tie Badeanstalt an der Schillingsbrücke. Der ordnete Lüde u und Genossen haben folgende Anfrage in der Stadt vcrordneten-Bcrsammlung eingebracht:.Die Unterzeichnete» ersuchen den Magistrat nni Auskunft, ob die in einer.Bekanntmachung" der „Privat-Badegesellschaft" über die städtische Badeanstalt an der SchillingSbrückc mitgeteilte» Angaben der Wahrheit entsprechen und ob Schritte gcthan sind. diesem Uebelstand abzuhelfen." Wie weiter gemeldet wird, hat die Deputation für Turn- und Dadcwese» sofort eine eingehende Untersuchung, insbesondere auch baitcriologisch-chcmische Priiinngen des Wassers während des Be- triebS, und zwar zu verschiedenen Zeiten, veranlaßt, um die Sache aufzuklären. Berliner in PariS. Bei den Reiseberichten der auf städtische Kosten nach der Chikagoer WeltauSslellnng entsandten Personen hatte der Magistrat schlechte Erfahrnngen gemacht; die Berichte wurden zum großen Teil erst nach Jahren erstattet und eigneten sich, ab- gesehen von einzelnen vorzüglichen Arbeiten, nicht zur Drucklegung für die Allgemeinheit, die daS Geld für die Reisen auf- bringen nniß. Die städtischen Behörden den zu Ausstellungen zc. zu entsendenden bestimmte Aufgabe» zu stellen und sie zu die Reiseberichte spätestens vier Monate kehr abgeliefert werden. Nach diesen Bestimmnngen soll bei Gelegenheit der Entsendung städtischer Beamten nach Paris ver- fahren werden. Der Magistrat bereitet bereits eine Vorlage an die Stadtverordnetcn-Vcrsammlung vor. in welcher die für den Besuch der Weltansstcllnng auScrsehenen Beamten, Lehrer, Fachlehrer, Tech- niker und Arbeiter namhaft gemacht werden sollen. Die Dauer des Besuchs dürfte, abzüglich der Fahrzeiten, auf durchschnittlich 14 Tage und die Höhe der zu gewährenden Geldmittel im Durchschnitt auf etwa 500 M. pro Person bemessen werden. StädtischerseitS sind für den Besuch der Weltausstellung bekanntlich 50 000 M. ausgeworfen worden, wofür auS den städtischen VerwalUmgen uud Betrieben nahezu 100 Beamte nach Paris entsendet werden können. Steigende Verwendung de» Asphalts zur Straßen- Pstaficrung. Bon den für das Jahr 1900 zur Neu- bezw. Um- Pflasterung ausersebeiien Straßen tvird wieder eine große Anzahl Asphalt erhalten. Die Neupflasterung ist für 43 365 Quadratmeter Etraßendamm-Fläche beschlossen worden, davon werden 28 115 Quadrat- Nieter mit Steinen und 15 250 Quadro tmetcr.mit Asphalt gepflastert. von de» 194 243 Qnadralmelcr Straßendamm-Fläche, die zur Ilmpflasterung beflimmt sind, erhalten nur 47654 Quadratmeter Steinpflaster, aber 141 049 Ouadrotnictcr Asphalt; außerden, werden 8730 Quadratmeter mit Asphalt und Holz und 1810 Quadratmeter mit Holz belegt. Die Verwendung des«SphaltS zur Straßenpflasterung hat im letzten Jahrzehnt in Berlin sehr bedeutende Fortschritte gemacht. Am 31. März 1899 tvaren von 5 691 042 Quadratmetern gepflasterter Strahendammfläche bereits 1549 866 Quadratmeter. also rund 27 Proz.. mit Asphalt befestigt, während 10 Jahre früher, am 31. März 1889. von 4 701536 Quadratmetern nur 57S919 Quadratmeter, rund 12 Proz.. asphaltiert gewesen waren. Das »ISphaltpflaftcr ist überhaupt daS Pflaster der Zukunft. Schon jetzt ist bei den Pflasterungen jedes Jahres«Sphalt fast die Regel und Steinpflaster eine Ausnahme. Die in früheren Jahren vielfach be- klagte Fahnmficherhcit des AsphaUpflasters wird heute nicht mehr beschlossen daher, Beanucn künstig verpflichten, daß nach der Nück> so stark empfunden, weil sich das Fuhrwesen mit der Zeit mehr an die Eigentümlichkeiten dieses Pflasters gewöhnt hat. Heber die Biirgermeisterwahl enthält das amtliche Protokoll der Stadtverordnelen-Versammlnng die folgende Mitteilung:.Der zur Vorbereitung der Neuwahl des zweiten Bürgermeisters ein- gesetzte Ausschuß hat unter Ausschluß der Oeffentlichkeit Bericht er- stattet und einen Wahlvorschlag in der Person des zweiten Bürger- meistcrs Brinkmann in Königsberg i. Pr. gemacht. Räch einer Be- sprecknnig über die bei der Wahl etwa in Betracht kommenden Kandidaten hat die Versammlung beschlossen, die Wahl in der nächste» Sitzung(d. h. an> 5. d. M.) vorzunehmen. Tie ersten Berliner Schulärzte. Die Schuldeputation hat zu Schulärzten folgende Herren gewählt: Die Doktoren Bertram. Buttmann, Gossels, Hösch. Igel, Letvandowsky. Paul Meyer, Pagel, Semmler und Strecker. Entscheidend für die Auswahl der Kandidaten war vorzugsweise die Nähe der Wohnung der Aerzte von den zum Versuch in Aussicht genommenen Schulen. Die Stadtver- ordnetcn-Versammlung hatte sich bekanntlich für die versuchsweise Anstellung von 20—24 Schulärzten erklärt, und sie hat noch in ihrer Sitzung vom 22. März die Etat-Position für 24 Schulärzte von tlOOO'auf 21000 M. erhöht. AIS Jahrcshonorar sind, da 4 Schul- ärzte erst vom Oktober ab angestellt werden sollen, statt 500 M. 1000 M. angenommen. Die Postburcankratie. Im Zeichen des Strafportos stand der vorgestrige Sonntagmorczen, denn zahllos waren die Postsendnnge», aus' die gestern früh m Berlin und den Vororten wegen un- genügender Frankiernug Strafporto gezahlt werden mußte. Aller- dings war in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag der neue Porto- tarif i» Kraft getreten, der für den.Ortsverkehr" eine Verbillignng fast aller Porti herbeigeführt hat. Der Zeitpunkt aber, nnt dem diese Berbilligung wirksam' wurde, war jedoch erst nachts 12 Uhr. so daß erst die von Mitternacht ab in die Briefkaste» gesteckten Postsendungen mit den billigeren Freimarken versehe» sein durften. Statt dessen aber hatten zahlreiche Personen in Berlin wie allen Vororten in der Annahme, daß die Portobercchnung sich nach dem Zeitpunkt der Bestellung der Postsachen richte, auch die am Sonn- abend nachts vor �12 Uhr in die Briefkasten gesteckten Postsendungen schon nach dem neuen Portotarif für den Ortsverkehr frankiert. Diese sämtlichen Po st fachen ivurden nun, da sie noch vor 12 Uhr den Briefkasten entnommen und von der Post befördert wurden, als ungenügend frankiert austaxiert und zur nicht sehr angenehmen Uebcrraschung ihrer Enipfanger durchweg mit Strafporto belegt. Cin erhebliches Rachlnffen der Influenza tritt in den statistischen Tabellen für die Woche vom 18. bis 24. März hervor. In dieser Zeit sind nur noch 20 Todesfälle an Grippe vorgekommen, gegen 35 i» der Woche vorher. Die Seichenhallen auf de» hlesigen BegräbniSplätzcn sind im Jahre 1899 zur Einstellung von 14 441 Leichen— gegen 12 741 im Jahre 1898— benutzt worden. Tie Zahl der Verstorbenen und Totgeborenen betrug im Jahre 1899 insgesamt 35 778— gegen 32 363 im Vorjahr. Es sind soniit 40,36 Proz. der im Jahre 1899 Verstorbenen sc.— gegen 39,37 Proz. im Vorjahre— vor der Be- etdlgung. in Lcichcnhänscrn untergebracht ivorden. Ter erste April brachte den Berlinern einen sehr unerwünschte» Aprilscherz in Gestalt eines leichten, aber doch über den ganzen Tag verteilten Schneefalls. Die Temperatur hob sich wenig über den Gefrierpunkt und die Straßen hatten ein so winterliches Gepräge, daß man sich um mehrere Monate in der Jahreszeit zurückgesetzt wähnen konnte. Der Umzug mar am Sonntag bereits in außerordentlichem Maße im Gang. Bon den ersten Morgenstunden an rasselten die Möbelwagen durch den Straßen Berlins und der Bororte. Zum Montag, ivie auch zu den übrigen Hanptziehtagcn haben die Möbel- rranoportcure in den letzten Tagen alle neuen Aufträge abgelehnt; ja. sie haben sogar erklärt, schon für die ganze Woche so besetzt zu sei», daß sie keine neuen Fuhren mehr einschieben könnten. Ein Unfall, bei dem drei Arbeiter verletzt wurden, hat sich gestern mittag in der Telegraphenbauanstalt von Kaiser n. Schmidt in der Johannisstratze ereignet. Im zweiten Stock de? Fabrikgebäudes am Hofe kam beim Ueberlocheu bo» Teer der Arbeiter Schulze aus der KaulSdorferstraße 7 zu Köpenick in Gefahr schwer zu verbrennen. Zivei ArbcitSgenossen bemühten sich ihn zu retten und mit Decken und Sand den Brand zu ersticken. Auch diese beiden zogen sich hierbei erhebliche Wunden am Gesicht und an den Händen zu. Als die Fenenvehr kam. war die Gefahr beseitigt. Die Verletzten wurden ans Veranlassung eines Arztes von der Hauptwache I der RcttuiigSgesellsckaft mir einer Tragbahre nach der nahegelegenen Poliklinik der königlichen Klinik in der Ziegelstraße gebracht. Am schwersten verletzt ivnrdc Schulze, der verheiratet und Vater von zwei Kindern ist, weniger schwer die Arbeiter Niendorf auS der Stettinerstr. 43 s, und der Arbeiter Walker aus der Hohcustaiifcnstr. 83. Taö Polizeipräsidinm teilt mit: In der Nacht zum 27. März dieses Jahres ist einem Mann unter verdächtigen Unisländen ein ack Mehl abgenommen, welcher folgende Anftchrift trägt:.Dampf- Künstmühle Ober-Gräditz bei Fanlbrllck in Schlesien, Deutsches Kaiierauszngsinehl". Das Mehl ist von dem Mann zweifellos anf unredliche Weise erworben ivorden. Es hat jedoch bisher ein Eigen- tümer nicht ermittelt werden können. Der Bestohlene wolle sich ans dem Polizei-Amt Lichtenberg, wo das Mehl aufbewahrt wird, melden. Tie beiden Opfer dcS Dramaö in der KönigSbcrger- straße, der Zugführer V o ß und seine von ihm ermordete Frau, ivurden am Sonntag auf dein Friedhof der Piusgemeinde in einer gemeinsamen Gruft bestattet. Die Trauergemeinde zählte gegen 300 Personen, darunter etlva 60 Eisenbahnbeamte. Einen schlimmen O.uartalsabschluß hatte am Sonnabend eine hiesige Lehrerin. Die an einer Gemeindeschule angestellte Dame verlor nämlich auf dem Heimweg in der Wasserthorftrahe ihr Portemonnaie mit dem QuartalSgehalt im Betrage von 389 M., daS sie am selben Tage abgehoben hatte. Vielleicht ist das Geld in die Hände eines ehrlichen Finders gefallen, der gebeten wird, die Sunnne gegen gute Belohnung bei Herzhof, Plan-Ufer 92. Hof Treppe, abzugeben. Vergiftung beim Umzug. Gellende Hilfenife veranlaßten gestern, Montagvormittag 11 Uhr. einen großen Menschenauflauf vor zcm Hause Wendenstr. 3. Hier zog in«ine Wohnung im Erdgeschoß am Hofe, die der Arbeiter Szwaleck verließ, eine Wive. Reichert ein. Der Fuhrhcrr Schulz ans der Oranienstraße. der ihr die Möbel fuhr, hatte morgens einen etwa 40 Jahre alten, ihm unbekannten Mann zur Aushilfe angenommen. Dieser Mann sah. als er allein in der Küche war. auf dem Brett eine Flasche stehen, die er für eine Schnapsflasche hielt. In Wirklichkeit enthielt die große Flasche, die S. zurückgelassen hatte. Salmiakgeist, der dem Besitzer zu seinen Arbeiten gedient hatte. Der nnbekannte Mann glaubte Schnaps vor sich zu haben und nahm einen kräftigen Schluck. AIS er seinen Irrtum gewahr wnrde. war eS zu spät. Hilferufend stürzte er auf den Hof hinaus und brach hier zusammen. Bald trat ein Bluterguß au« dem Munde ein und der Verunglückt« konnte mir»och unverständlich sprechen. Ein Arzt, den ein Schutzntann von der Rettungswache am Görlitzer Bahnhos holte, leistete dem Verunglückten die erste Hilfe und ließ ihn mit einem Rünzelschen Rettungswagen nach dem Krankenhause am Urban bringen. Man glaubte zu verstehen, daß der innerlich schwer Verbrannte sich Galomtzky aus der Petersburger- tratze 82 nannte, dort war aber ein Mann dieses Nainen» nicht zu ermitteln. In geistiger Umnachtung hat der 44 Jahre alte Realgymnasial« Lehrer a. D. Adolf R e b i tz vom Landsberger Platz Nr. i Hand an sich gelegt. N. war bis vor zwölf Jahre» am Neuen Petri-Real- gymnasium zu Danziz angestellt, mußte dann aber wegen hoch- gradiger Nervosität aus dem Dienste ausscheiden. Seitdci» lebte er in Berlin und wohnte zuletzt mit seiner Mutter und zwei Schwestern am Landsberger Platz Nr. 1. So iveit es anging, gab er noch Privatunterricht. Im vergangenen Jahre aber wurde sein Leiden so schlimm, daß er vom 1. April bis zum 1. Oktober in der Irren- anstatt zu Dalldorf untergebracht werden mnßte. In der letzten Zeit nun fürchlete er. daß man ihn ivieder in die Anstalt bringen Iverde. Diese Furcht hat ihn in den Tod getrieben. Am Frei'tagmorgen ging der Unglückliche um 3'/, Uhr von Hause weg und kehrte nicht wieder zurück. Gestern morgen um 8 Uhr fand ihn eine Schutz- mannspatrouille im Friedrichshain als Leiche wieder. Er hatte sich an einem Baum erhängt. Auf geheimnisvolle Weise ist am Sonabcndabend der Schau- käste» des Uhrmachers Grase in: Hanse Prinzenstr. 62 teilweise ausgeräumt worden. Als der Besitzer abends um 10�/2 Uhr den Schaukasten leere» wollte, fand er denselben zwar ordinnigSinäßig verschlossen, doch fehlten fünf silberne Remontoir-Uhreii, die in einer Reihe gehangen hatten. Der sonstige Inhalt des Kastens an Uhr- ketten, Weckeruhren zc. ivar unberührt geblieben. Eine der gestöhlenen Uhren hat ein Zifferblatt in Herzform. Der oder die Diebe müssen mir größter Frechheit gearbeitet habe», denn gerade in dieser Gegend und zumal am Soimabendabeud ist die Prinzcnftraße außerordentlich belebt. Jedenfalls müssen die Diebe sorgfältig gearbeitete Nach- schlüssel zur Verfügung gehabt haben. Beim Kahnfahren ertrunken ist Sonntagabend lO'/e Uhr der Maler Albert Mohr aus der Memelcrstr. 22. Mohr besuchte mit seiner Frau und seinen drei Kindern den Schiffseigner Schmölicke aus Ketzin, der seit einigen Tagen mit seinem Steinkahn an der Rungestraße zum löschen liegt. Nach 10 Uhr fiel den beiden Männern ein, mit dem kleinen Handkahn SchmölickeS noch eine Wasser- Partie z» machen. Frau Mohr riet dringend ab, aber die Männer ließen sich nicht zureden. Es dauerte nicht lange, da fiel Mohr, der plätschelte, ins Wasser. Seinem Schivager gelang es zwar, ihn ivieder zu sich in den Kahn zu ziehen und mit ihm am Grundstück Holz- marktstraße 4 ans Ufer zu fahren, un» Hilfe zu holen. Er hatte aber kaum angelegt, als Mohr bereits starb, wahrscheinlich infolge eines hinzilgetr'eten'en Schlaganfalls. In einer Gastwirtschaft erschossen hat sich am Sonnabend« abend der 32 Jahre alle Förster Friedrich Nöthlich aus Nordhausen. Soeben von Aiisivärts hier angekommen, kehrte er in Unifonn mit Hirschfänger und Geivehr bei Ahlmann in der Waldemarstraße ein, saß lange Zeit dort, verzehrte aber nur wenig. Kurz nach 7 Uhr ging er mit den Abort und erschoß sich dort. Zur»»entgeltlichen ärztlichen Behandlung anner HalS-, Nasen- und Brusllranker hat sich der praktische Arzt Herr Dr. Lublinski bereit erklärt. Die Poliklinik desselben befindet sich Karlstr. 25. Sprechstunde daselbst von 11—12 Uhr. Ein Einbruch ist in der vergangenen Nacht bei dem Fuhrherrn Kopp, dem Inhaber des Kranleiitraiisportmiternehmeiis in der Elsasscrstr. 35, verübt worden. Die Diebe erbeuteten vier Fahrräder. Ein«euer Straßcnplan von Berlin mit Bororten ist im Verlage von A. Mende, Oranienstraße 176, erschienen. Der Plan bat sieben Farben und reicht im Norden bis Schloß Tegel und Franz.-Buchholz, im Westen bis Teufelssee im Grunewald und Zchlendorf mit Schlachtensee. im Süden bis Teltowersee, Marien- felde. und im Osten bis Nieder-Schöncwcidc, Nepwnshain, und bringt so ca. 430 Quadratkilometer mit sämtlichen Vororten, welche im Adreßbuch Anfnahnie gefunden haben. Aus dem Plan sind er« sichtlich alle Postbczirke und Postbestcllbezirksgrenzen und ob mit dem Ämt Telegraph, Rohrpost oder öffentliche Fenisprechstelle ver- blinden. Der Plan ist in allen Buchhandlungen zum Preise von 3 M. käuflich. Mir den elektrischen Betrieb der Linie Seestraße— Kott- bnser Thor ist die polizeiliche Abnahme auf de» 14. April festgesetzt. Die Strecke wird über das Kottbnser Thor hinaus nach Rixdorf ver- längert werden. Straffensperrnng. Die Bcrgmannstraße von der Solmsstraße bis zur Zosiencrstraßc einschließlich der beiden Kreuzdämme wird wegen UmPflasterung vom 3. April ab bis auf weiteres für Fuhr- werke und Reiter gesperrt, desgleichen das Bethanien-Ufcr vom Elisabcth-Ufer bis zur Adalbcrtstraßc. Orgelkonzert. In der Marienkirche hält Herr Musikdirektor Otto Dienel Mittwoch, den 4. April, mittags 12 Uhr. cincn Orgel- Vortrag bei freiem Eintritt unter Mitivirkung von Frau Anni John- Röscl, Fräulein Elise Löser, Fränlein Johanna Haacke, Hern, Max Thal. Violinist, Herrn Ernst Bethke, Herrn Albert Böhnert und Herrn John. Smith. Theater. Da Erich SchlailjcrS neues Stück„Hinrich Lomsen" in den weitesten Kreisen lebhaftes Interesse erregt, hat die Direttion des Schiller-Theaters diese Novität in dieser Woche noch für morgen, Freitag und Sonnabend angesetzt.— Das Schauspiel„Winterschlaf" von Max Drener, daS am Sonnabend im Deutschen Theater seine erste Aicfslihrung erfährt, ivird von Luise v. Pöllnitz, Lotti Sarrow, Hermann Nisten, Rudolf Rittner und Oskar Sauer dargestellt. Feuerbericht. Z o s s e n e r st r a tz e 34 war Montag früh in einem Tapezicrerkeller ein Schadenfeuer abzulöschen, das infolge starker Verqualmung der Wehr viel zu schaffen machte. Vernichtet wurden Möbel und Polstcrnwtcrialien. Nach Linden st raße 31 erfolgte ein Alarm, weil hier Holz und Kohlen Feuer gefangen hatten. Karl st raße 32 war ein Brand in einer Badestube abzulöschen, der de» Fußboden und die Balkenlage stark beschädigte. Wäsche und Bücher gingen Keith straße 9 in Flammen auf. Zwei weitere Alarmier'uugen waren auf blinden Lärm zurückzuführen. A»S de« Nachbarorte». Pankow-Nieder-Schönhaufen. Der nächste Lcseabend des Arbeitervereins findet beute abend l/,9 Uhr bei Großkurt. Berlincr- straße 27, statt. Genosse Sonntag wird über das Bürgerliche Gesetz» buch referieren. Zum Mord in Eichwalde. ES ist noch nicht gelungen, eine sichere Spur der Mörder der Schiffersfrau G r a S n i ck aufzufinden. Der in Haft befindliche Schlächter Gensicke scheint mit dem Ver- brechen in gar keinem Zicsanimenhang zu stehen. Da die Behörde vermutet, daß der Mord auch von SchifferSkncchten ausgeführt sein kann, so werden alle Kähne, welche die Flußlänse der Mark Branden- bürg, der Alt- und Neumark, ja sogar in Schlesien. Pommern und Mecklenburg passierechchinsichtlich ihres Personalbestands einer genauen Konttolle unterworfen,»nid jeder»nr einigermaßen Verdächtige wird so lange festgehalten, bis fein Alibi zweifellos»achgeiviesen ist. Im Laufe des Sonnabends und Sonntags sind wieder mehrere Verhaftungen erfolgt, doch mutzten die nieistc», da sie ihr Alibi zweifellos nachiveise» konnten, wieder entlassen werden. Eine höchst merkwürdige Geschichte wird auS Nauen ge» meldet. Vor einige» Wochen bemerkte der Professor mn städtischen Gymnasium, Zibaie, bei einem Spaziergang außerhalb der Stadt in der Nähe derGasanstalt ein paarKnaben. die mit einem geschoßähnlichcn, großen Metallstück spielten. Bei näherer Betrachtung des Gegenstands erkannte er darin eine noch völlig unversehrte Granate, die sickr bei Schießübiiugen der Artillerie auf dem Döberitzer Platz in diy Gegend von Nauen verirrt hatte»md nicht krcpirt war. Um Unheil! zu verhüten, nahm der Professor daS Geschoß an sich und bracht»«S zuRöchst in sicher- Verwahnmg� Sodann bcnachrichtiqle er die Kommandantur des UebungsplatzeS von dem Duud. Darauf kam-in Feuerwerker auK Spandau� der die Granate in Empfang nahm und sie unschädlich machte. Nicht wenig überrascht wurde ober der Aerr Professor, als er jetzt von der Militärbehörde— eine Rechnung über ciitstaiidcne U n k o st e n erhielt! Gevirtzks-'Jeikung. Der verklagte Landgcrichtsdirektor. In der eigenartigen Privatklage, die von der Ehefrau des Baumeisters Dictel gegen den L a n d g e r i ch t s d i r e k t o r Hahn zu Benthe» angestrengt war, fand gestern vor dein Schöffengericht Verhandlung statt. Der Klage log folgender Sackiverhalt zu Grunde: Am 6. Oktober v. I. wurde vor der 7. Strafkammer des Landgerichts I zum zweiten Male gegen den Grafen von und zu Egloffstein verhandelt, dessen Revision vom Reichsgericht als begründet erachtet worden war, während die Revision der beiden Mitangeklagten, Privat- Stallmeisters Dietel und Agenten Schachtel, keinen Erfolg gehabt hptte. Zu den Zeugen im letzten Prozeß gehörte auch die Frau Baumeister Dietel, die Mutter des früheren Mitangeklagten Dietel. Als sie den Saal bctraff bemerkte der eine der Verteidiger, Rechts- anwalt Hugo M a r c u s c, daß einer der Richter, der damalige Londgerichtsrat Hahn, zu seinem Ncbcnrichter, dem Landgcrichtsrat Busch, in flüsterndem Don eine Bemerkung machte, worauf' beide mit lächelnden Mienen auf die Frau Dictel blickten. Rechtsanwalt Mareuse machte feinen Mitvertcidigcr, den Rechtsanwalt Gelpkc, aus seine Wahrnehmung aufmerksam, indem er erklärte, dag er das Geflüster zivischcn den Richtern und ihr Mienenspiel so aufgefaßt habe, als habe dasselbe sich auf das sittliche Verhalt e n der Zeugin Dictel bezogen. Rechtsanwalt Gclpke fand sich veranlasst. dos Gehörte der Frau Dictel mitzuteilen, deren Ehemann Beschwerde beim Präsidium erhob und, als diese zurückgewiesen lvurdc, gegen den iyztvischcn nach Beuchen als Direktor versetzten Hahn im Wege der Privotklage verging. Im gestrigen Termin bekundete der als Zeuge vernmnlnriie Rechtsanwalt Mareuse, daß er die in flllsterndcni Ton zwischen den Richtern geführte Unterhaltung nicht verstanden, sondern nur seine Schlußfolgerungen ans deren Blicken und Gebcrdcn gezogen habe. Er habe dies auch sofort dem Kollegen Gelpke erklärt und sei verwundert darüber gewesen, daß dieser das im Bertrancn gesührie Gespräch weitcrgctragen habe. Rechtsanwalt Gelpke -rkauntc die Aussage im wesentlichen als zutreffend an Der Vertreter des Beklagten, Rechtsanwalt Modler, bestritt. baß � eine Beleidigung vorliege, selbst wenn das Gespräch zwischen den beiden Richtern so gelautet hätte, wie der Zeuge unter ihren Broduktenmarkt vom?. April. Der Gctreidcmorkt verkehrte heute in säst gänzlich geschästsloscr Haltung. Trotz höherer Preismeldungen von den ausländischen Plätzen war die Tendenz matt. Das Wetter wird vcr- schieden beurteilt. Teils rechnet man mit Zuversicht auf boldige Wärme, teils kliüpst man noch immer ernste Bedenken an die Meldungen über Schneegestöber in Mittelcurova. Bei der Geteiltheit der Ansichten hielten sich Nehmer und Abgeber glcichumizig zurück, und der Verkehr geriet beinahe in Stagnation. Besonders daS Geschäft mit effektiver Ware lag völlig leb- los. Angebot war reichlich vorhanden, aber schwer zu placieren. Güter Roggen loco wurde bis 141 bezahlt. Im Liefcrungshandel war es gleich falls still. Preise für Brotgetreide wenig verändert. Bezahlt wurde. für Weizen Mai Idl, Juli 155, September 157%. für Roggen Mai 145, Juli 144, September 143, zuletzt waren beide Artikel etwas schwächer. Die heutige Lageraufnahme ergab 18072 Tonnen Weizen<+ 6065 gegen 1. März) und 7255 Tonnen Roggen(ff- 6420).— Rilböl gab aus Realisicrunge» weiter nach. Haser lag ruhig behauptet. Am Spiritusinarlt wurde loco 70er nicht amtlich mit. 48,90(ff- 0,10) gehandelt. Kartos.fclfabrikate. Feuckte Kartoffelstärke 10.50 M. Prima reine Kartoffelstärke disponibel 19,75 M., April-Mai 20— 20,25 M. Absallende Prima- Qualitäten Stärke und Mehl disponibel 17,50—18,50 M. per 100 Kilogramm. E i e r- B e r i cki t vom 2. März. Normale Eier je nach Qualität von 2,75—3,05 M. per Schock Aussortierte kleine Ware je nach Qualität von 2,50 bis 2,55 M per Schock. Kalkeier je nach Qualität von— bis— M per Schock. Tendenz: Fester. Veimrififrkes� Mmcuse es sich zurechtgelegt habe. Was unter den Richtern sich und im Bcratungszinrincr gesprochen werde, gehöre zu....... Berusspflichten, dort werde so manches zur Sprache gebracht, was für das Publikum nicht, bestimmt sei. Aber zur Bc'rnhignng des Klägers iei er vom Landgerichts- Direktor Hahn ermächtigt, folgende Erilärnng abzugeben: Die Auslegung des Rechtsanwalts Mar(use sei eine irrtümliche gewesen. Bei der zivciten Verhandlung gegen den Grasen v. Egloffstein sei der frühere Mit- angeklagte Dictel im Zengenranm gewesen. Der Kläger habe seinen Rdbeiirichlcr, Landgcrichtsrat Busch, auf das Unpassende dieses Vcr halten» aufmerksam gemacht. Alsdann die Zeugin Dictel aufgerufen sei- habe Landgcrichtsrat Busch ihn gefragt, in welchem Vcrhältnisp die Zeugin zu dem vorerwähnten Dickel stehe. Er habe erwidert „Es ist seine Mutter". Das Wort„Verhältnis" möge zu den Ohr?« des univeit sitzcuden Verteidigers gedrungen sein und die Vcr- anlassimg der falschen Auslegung gegeben haben. Der Kläger wollte sich bei dieser Erklärung keineswegs be- ruhigen, sondern bestand darauf, daß der Landgerichtsrar Busch persönlich vernommen iverdeu solle. Der Gerichtshof glaubte diesen Antrag nicht ablehnen zuj können, sondern beschloß, den Zeugen zum nächsten Termin zu laden. Ein Nachspiel zum Pvozcff Roscngart, der vor jetzt einem Jahr das Schwurgericht K önigsberg beschäftigte, wird jetzt vor demselben Gericht vor sich gehen. Frau Roscngart war bekanntlich nach dem Tode ihres von nnbclanntcr Mörderhand crsckioffencn Gatten gemeinsam mit dem Inspektor ihres Gutes verhaftet ivorden, nachdem der Verbäckst laut geworden war, daß sie mit dem Inspektor in unlauteren Beziehungen gestanden»nd ihn z»n> Morde angestiftet hatte. Der Gntsiuspektor starb in der Untersuchnngshaft. Fran Roiengart aber lvurdc wegen Mangel» an Beweisen außer Verfolgung gesetzt. Als die Frau sich später mit dem Referendar Wolff verlobt hatte, ließ der Swatsanwatl auf die Deminziation ihre» SchlvagcrS Adameit hin sie abermals' verhaften. ES kam zu dem aufsehen- erregenden Mordprozeß, der, wie erinnerlich, mit Freisprechung endete. In diesem Prozeß erschienen die Frauen Pnsch und Zigran als Zeuginnen. Letztere waren häufig auf den Gutshos gekommen, sie dursten sich nur nicht von dem Schloßhcrrn sehen lassen, Sie wollten aber auch nur die Schloßherrin, die im ganzen Umkreise dafür bekannt war, daß sie sür Arme stets eine offene Hand hatte, spreche». Von dieser erhielten die erwähnten Frauen stet» Speck, Schinken, Schmalz, Brot, Kartoffeln usw. und auch zum Teil bare» Geld ge- schenkt. Al» Rosengarl erschossen lvurdc, da befand sich der Mann der Pusch, der früher auf dem Nosengartschen Rittergut Kutscher ivar, im Gefängnis. Er war wegen Diebstahls zu IV, Jahrcz, �.Gefängnis verurteilt worden. Nachdem Pusch au» dem Gefäugms'' gekommen wax~ Frau Roscngart war schon eine Zeit lang zum zwcitenmale verhaftet— da erzählte ihm seine Frau: sie sei am Abend des Nosengartschen Mords mit Frau Zigran auf dem GntShof geivesen und habe den Mörder schießen gesehen. Dies sei aber nicht der In- spektor, sondern ein bedeutend kleinerer und dickerer Mann wie jener gewesen. Frau Zigran bestätigte das und Pusch teilte diese Er- zahlung sofort dem Bräutigam der Frau Rosengart, Referendar Wolff. mit. Dieser beantragte sogleich die Vernehmung der beiden Frauen. Letztere ivicdcrholten ihre Bekundung sowohl bei dem Untersuchungsrichter als auch in der Hauptverbandlung. Bei der Ortsbcsichtianiig, die am L7. März 189g das Schwurgericht vor- nahm, zeigten' die beiden Frauen sogar die Stelle, auf der der Mörder gestanden, als er den lötlichen Schuß abgab. Vom Vor- sitzenden de» Schwurgericht» befragt: we-Zhalb sie nicht geschrien haben, als sie den Mann schießen sahen, antworteten die Frauen: sie habe» dies unterlassen und seien ans Angst dabon ge- laufen, weil sie befürchteten: der Schuß gelte ihnen. Auf die weitere Frage: ivcshalb sie ihre Wahrnehmungen nicht sofort und auch dann »loch nicht angezeigt haben, als ihre Wohlthäterin verhaftet war und weshalb sie nicht iveiiigsjen» ihre so überaus wichtigen Wahr- nehmungcn jemand erzählt haben, antworteten die Zeugen über- einstimmend: sie haben die» alle» deshalb nicht gcthan, weil sie niit dem Gericht nicht» zu thun haben wollten. Die Staatsanwaltschaft schien jedoch an der Richtigkeit dieser Angaben zu zweifeln, denn weniize Wochen nach dem Nofeiigart-Prozeß wurden- die Frauen Pusch und Zigran verhaftet und haben sich nun an» Donncrsläg vor dem Schwurgericht des Landgericht» in Königsberg wegen wissentlichen Meineids zu vcranrworlcu. Im MilitärbosrcuiiigS.Prozest zu Elberfeld ist gestern das Urteil gefäll: worden. E» lauter gegen Dr. Ziel tvegen gewerbsmäßiger Beihilfe zur Befreiung vom DlWördienst auf zehn Monate Gefängnis und zivei Jahre Ehrverlust; gegen B c r g e r, Sack e rm a irr» und Borlinghaus als� gewerbs- mätzige Schlepper auf je ne»in Monate und zivei Jahre Ehr- Verlust. Hüls Vater und Sohn»viirdcn freigesprochen. � Die sämtlichen andren Auge klagten wurden wegen Befreiung vyul Militärdienst und ihre Mitangeklagten Väter»regen Beihilfe zu Gefängnisstrafen von zwei bis drei Monaten verurteilt. Aus Bochum»uird uns berichtet: Wegen Ans r e i z n n g zum K l a s i c n h a ß verurteilte am 30. März das hiesige Land- gewicht den Fabrikarbeiter Ostrolvski aus Herne zu einem Monat G e s ä n g u i». Das Delikt soll in einer Versammlung des poluijchen Bcreiu»„Morgenröte", die enn 5. Dezember vorigen Jahr» in Herne stattg stunden, begangen»norden sein. Die Ver- .iommEurg verfiel ichließlick, noch der Auslösung�__ Mutter- und Schwestcrmord. Eine furchtbare zweifache Bluts ihat wird im» soeben au» Warmbrunn gemeldet. Eine Frau Hirt, die Witwe eines frühere»» Feldivebelss bewohnte dort mit ihrer 14 Jahre alten Tochter Charlotte eine Stnbc. Ihr 17jährigcr Sohn Alfred war bei einen, Schlossermeister»n Hcrinsdorf i. St. in der Lehre. Am Sonntag stellte es sich heraus, daß der Junge irgendwo Geld entwendet hatte. Er mußte da» Geld herausgebe»», und faßte min den furchtbaren Plan, durch E r- m o r d u n g seiner nächsten Angehörigen sich andres zu verschaffen. Als Soi»ntagabcnd.»vährend die Mutter ausgegangen war, seine Schwester im Bett lag und schlief, nahm Alfred Hirt ein Beil, spaltete ihr damit den Schädel und tötete sie auf der Stelle, ohne daß sie auch nur einen Laut von sich gegeben hätte. Als dann die 43 Jahre alte Mutter nach Hanse kam, lauerte er ihr auf und schlug sie mit demselben Beil nieder. Während die Mutter, die er für tot halten milßte. bewußtlos, aber noch lebend da lag, riß der entmenschte Sohn 200 M.. die sie zur Mietszahlung»n einer Kömmode liegen hatte, an sich, verschloß die Thür und entfloh. Um 11 Uhr abends lvar Fran Hirt soweit wieder z» sich gekommen, daß sie sich den Hansgcnossen bc- merklich machen konnte. Der Unglücklichen ist der Kopf mit dem Beil fürchterlich bearbeitet wordei». Da» gaiize Gcsickit ist zerhauen, euch die Ztu gen und die Nase schivcr veiclctzt. Daß ihre Tochter tot ist, hat>nan der Unglücklichen noch verbeiinlickit. Die Berfolgnng des Mörder» wurde sofort eingeleitet. Nach einer Drahtmeldnng ist er bereits verhaftet. Ucbcr den Selbstmord zweier Schriftsteller wird ans Wien vom 31. März berichtet: Heute abend haben»>» Währing zivei Schriftsteller, die, wie eS scheint, geistig nicht ganz-normal »varen, Hand an sich gelegt. Einer- ist tot, der zweite leicht verletzt. Der 30 jährige Schriftsteller Hugo A st l- L e o n h a r d hat mit einem Rasiermesser sich getötet, und gemeinsam mit ihm hat sich sein Freund, der Schriftsteller Fritz Lemmcrmayer, zu töten versucht, sich jedoch nur leiäncre Schiuttimiiiden beigebracht. Astl hatte sich auf den Boden gesetzt, mit der einen Hand einen piegcl gehalten und mit der andren Hand die tödlichen Schnitte durch seinen Hals geführt. Bei dem furchtbaren Selbst- niorde»vnr Lcmmcrmayer anwesend. Die beide» Freunde hatten einander gelobt, zu gleicher Zeit zu sterben. Lennnermaher sah dem stirchtbnren Beginnen seines Freundes zu, bis dieser zusammenbrach. Hieraus ging er in ein Nebenziminer und wollte sich ieldst das Leben nehmen.' Er öffnete die Brotllinge seines Taschenmcsier» und brachte sich mit dieser oberflächliche Schnittwunden am Estbogengelenk des liiiken Armes bei. Al» er das Blut hervorauellen sah, scheint er den Mut verloren zu haben. Er ösfiicte die Thür in das Vorzimmer, in dem sich die Gattiii AsilS mit einer Dame befand. Doch plötzlich stieß er die� Worte aus:„Du darfst ilicht feig sein!" und zog sich wieder in das Zimmer zurück, die Thür hintcr sich vcr- sperrend. Er eilte»n das Kabinett, Ivo der tote Astl lag, hob das blutige Rasiermesier ans und brachte sich am linken Handgelenk eine tiefe Schnittwunde bei. Frau Astl und die zivcite Dmne pochten nun an die Thür, und als nicht geöffnet wurde, sprengten sie die Thür auf. Tie Damen eilten da»»:», laut um Hilfe rufend, auf den Gang. Die HanSleute kamen in die Wofmung. Astl war bereits tot. Lcmmermayer war bei vollem Bewußtsein, gab aber keine Antwort. Doch ans mehreren Briefen. die er zurückgelassen hat, konnte man sich Klarheit über die Thai verschaffen. In einem offenen Briefe schrieb er:„llnübenvindliche Schwermut treibt»mL in den Tod. Ich gehe gern und freiwillig ans dem Leben und bitte, am Grabe keine Rede:» zu halten." Lcnlmermahcr»nacht den Eindruck eines geistig nicht normalen Menschen. Die Rettungsgesellschaft schaffte ihn in daS allgemeine ÄraiikenhauZ. Hugo Astl-Leonhard hat bereits am 23. November v. I. abends auf dem Schottcnring einen Selbst- Mordversuch gemacht. Er lebte in geordneten Verhält», iffcn, bc- 'chäftigte sich' mit philosophischen Arbeiten und»vor bereits bei einen» ersten Selbstmordversuch al» im höchsten Grade überspannt»md anormal crkam»t»vorden. Fritz Lemmermayer ist 43 Jabrc alt und ein geborener Wiener. Er hat mehrere literor-historische Arbeiten veröffentlicht und eine biblische Tragödie„Simson und Delila" gc- schrieben. Währe»ld der Probefahrt eines nenerbantcn Torpedo- b o o t s platzte, ivie ans Cherbourg berichtet wird, ein Kessel- rohr. Fünf Leute erlitten schwere Brand ivnn den. Einer der Verletzten stürzte sich von Schmerz getrieben ins Meer und ertrank. Zlvci Mann starben alsbald. An Pest ist der dortige Advokat Stefan H o r v a t h von den» ehemaligen Garibaldi»« und Mitkämpfer Der„Tausend von Marsalä" Michael Nyuly, gegen den et einen Prozeß gewonnen hatte, durch vier Rcvolverschüffe in sein« Kairzle» ermordet worden. Der Mörder stellte sich sreüvillig der Polizei. J» Hestlchol»»(Schweden) hat der Volksschullehr« Berg- st r a n d sich und sieden von seinen neun Kmdern»nit Blausäure v e r g i s t e t. Bisher sind Bcrgstraiid und vi« Kind« gestorben. Die Veranlassung zu der That'ist eine Unterschlagung, die er als Sekretär einer Bank begmg. Pest. In Shdnet, sind elf neue Pestfälle vorgekommen, von denen zwei tödlich verliefe»». Kövenick. Muggelheimerftr. 29.—„Esrneralda", Baatz, Eocheniusfir 3.— ..Kreuzberger Harmonie", MSHring, Admiralstr. 18c.—.Nord-Ofl", Gdbcl. Landsberger Alice 156.—„Liederlust II". Renfer. Turuistr. 69.—.„Freie Feldblume", Vatterrotb, Skaliyerstr. 51/52.—„Frciheitsklänge". Sommer, Grünstr. 20.—„Einig", Schcere, Blumensir. 38.-„Morgenroth"(gem. Chor), Rummelsburg, Thiele, Türrschimdt- und Mozciristraffcn- Ecke.—„Cacilia"(gern. Chor). Brandenburg a./H., Vetterinanl», Wilhelms- dorserslr. III.—„Rixdorscr Männerchor II". Rixdorf, Nitsche, Hermann- straffe- und Münchciierstraffen- Ecke.—..Schneeglöckchen II", Potsdam, Hahn, Spandaucchr. 33.-„Texlilia",' Restaurant Waldemar- straffe. 27-„Froh-Hofinung", Faller, PällaSslr. 16.-„Lyta II", Charlottenburg, Bartsch, Seelenheinierstr 1l—„Einigkeit II", Rteleckc, Müller- straffe 66.—„Verband Deutscher Gastwirthsgehilfe»", Mörschel, JÄdenstr. 35. —„Vereinigte Sänger", Deutsch- Wilmersdorf, Wüte, Berlinerstr. 40.— „Sangeslust II", Bcrgemann, Pasewalkerslr. 3.—„Rosenrot", Quade, Schwedenstr. Ua.— Männer-Quartett-Gcsangvcrein„Septime", Karmcl, Aörlitzerslr. 7o.—„Alpenröschen". Hilgenseld, Bergstr. 60.—„Senefelder I", Schiller, Rofenthalerstr 57.—„Verein der Kupserschuiiede", Feind, Wein- straffe ll.—„Schuhinacher", Zlndrcashof, Andreae-straffe. Arbeitrr-Raucherbund Berlins und der Ilmgegend. Aendcruugen im Bercinskalender sind zu- richten an Eugen Raschle, Rirdorf, Mahlower- straffe 1, IV. Dienstag: Rauch kl.„Eldorado", Grüner Weg 120, Ebelüig—„Grüne Eiche". Urbanstr. 51, Pech.—..Ambalema", Förster- straffe 19. Ilckek— Neuer Berk. Rauchklub", Reichenbcrgerstr. 146. Anklam.— „Phönir", Schölteberg, Haiiptstr: 97, Ruh.—„Domingo", Waldemarstr. 16, Tauche rt.—„Kollezia", Rcichcnbergerstr. 157, Bcrgner.—„Einigkeit I", Ripdorf, Hermaunstr. 232, Zacher.—„Korea", Wcidenmeg 45, Schumka.— Waldmeister", Marienburgerstraffe 16, Götz.—„Neuer Hain", Langenbcck- straffe 4, Techtmeier.—„Bruderbund", Grünauerstr. 5, Eallowsly.— „Blütenduft", Cotheniusstr. 1, Fedtke.—„Ruhiga". BriKerstraffc 46, Herzog, —„Pseiienkopsst, Falkcnsteiiistr. 5. Cioncll,—„Gemiülichkeit I", Wiener- straffe 7, Gläier.-„Diana", Schütz, Bremerstr. 71.—„Immergrün", Skalitzerftr. 35, Pcnkwitt.—„Kairo", Buttmamistr. 9, Englcr.—„Blaue Wolle IV", Putbuscrsir 30, Reimann.—„Blaue Wolke H", Rigaerslr. 125, Klar.—„Nordpol", Schulstr. 116, Hauffvtter.—„Teilchenblau", Wins- stratze 56. Dimke.—„Veronika", Skalitzrrstr. 22, Rai».—„Kräftiger Zug", kalttzerstr. 102.- Fröbel-„Eldorado!• Grüner Weg 25, Beel.— „Portoriko", Langeftr. 23, Gittlch.—„Weichselduft II", KöSlincrstr. 3, Krabbenhöst.—„SeegraS". Liegnitzcrstr. 18, Manegold.—.„Felsenfest", Dunckerstr. 2, Kurze.—„Volldampf". Zorndorscrstr. 8, Schulz.—„Lustige Brüder", Welffensee, Charlotteuburgctstr.Ol. Helmke.—„Fidele Brüder II", Grandenzerstr. 2. Dreioll—„Einigkeit IV", Post-Gasthos, Neu-Zlttau. Gesang-. Tnr» nnd gesellige Bereine. Dienstag: Gesangverein „Maiglöckchen Nord Ramlow, Schönhauser Allee.— Neuer Berk. Schachklub Stralaüerstr. 3—6.— Mustkoemu„Frisch-Auf", Lehman», Rcichenberger- straffe 19.— Gesangverein„Jhnschcr Humor", Kmnrrey, Landsberger Platz 5. — Theateroerein„Othello I". Nowack, Manteuffelstr. 9.—„Landsin. Bereit» v. Plauen i. B. u. Umg. zu Berlin", M. Köhler, Alte Jakabstr. 83. Arbciter-Schwimiiicrbniid. Anfragen an E. Brätle, Schulstr. 24. Dienbtag: Schwimmklub„Vorwärts", abends 7 Uhr Lolks-Badeanstalt Schiliingsbrückc.— Schwimmrlub„Neptun"(Weiffensce), abcndS 7 Uhr Volick-Badeanfialt Moabit, Turinstr. 85a.. Arbeiter-Turiierbund. Dienstag: Turnv.„Fichte", Berlin, abds. 10 Uhr: 2. Männerabt.: Skalitzerftr. 55/56; 4. Männerabt.: Moabü, Siemcnsstr. 20; 5. Männerabt.: Ztckerstr. 67; 6. Männerabt.: stallschreibcr- straffe 54; 1. Lchrlingsabt.: Friedenstr. 37; 3. Lchrlingsabt.: Boeckh- straffe 17/20; 6. Lchrlingsabt.: Rcichenbcrgerstr/ 67/70; 1. Damen- abteilung: Mariamienuser la.— Turnv.„Eiche", Köpenick, Männer- u. Jugend- abteilung: Klcnüs Hotel(Wilheluisplatz), abds. 7»/:— R/z Uhr: Ucbungsst. .Freie Turnerschast Rirdorf-Britz", Bethge. Britz. Cbausseestr. 39, 6»/, 8>/z Uhr: 2. Schüleriunen-Abteikung, 8»/, bis 10»/. Ubr: 2. Frauen- Abteilung.—„Turnerichaft d. V. Nereus"(gegründet 1882), Männerabt., Reicheiibergersir. 131/132, aöds. 8—10 Ubr., Dnmenabt. Manteuffelstr. 7, abds. 8— 10 Ubr.— Turnv.„Froh und Frei", Groff- Lichterfelde, Paget, Chaussecstr. 104, abends S»/. bis 10»/, Uhr.—„Freie Turnerschast" in FricdrichSfclde. abends 8»./,— 10»/. Uhr, bei Bube. Prüizen-Allee 30. Zirbeitcr-Ztenographenverciilc.„Stolze"(Eimgungssystem), Luisen- städtisches Klubhaus, Anneustr. 16, abends 8'/, Uhr. Eenientierer Berlins. bNittwoch abends 8 Uhr: Oeffentkiche Der- saininlung bei Nümann, Brunnenstr. 188. Dachdecker und Berussgcnoffen. Mittwoch, den 4. April er., abends 8 Uhr, im„Englischen Garten", Alerandersw. 27c: G raffe öffentliche Ber- ffämmlmig. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum 1. Mai. 2. Die ZIntwort der Aleisier auf unsre Forderunz und Stellungnahme hierzu. Z. Verschiedenes. Die L o h n k o m m i s s i o n. Eiligeginigeue Druckschriften. Von der„Ncucu Zeit"(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das 27. Hclt deS 18. Jahrgangs erschienen.'Ans den» Inhalt heben wir hervor: Fcilisteton'cherze.— Peter Lawroff. Von K. Tarassoff.— Die Uebcrwachung der Uusallverhütung. Von H. Vogel.— Ein Schritt zur Bolkswehr in Holland. Vo»» W. H. Vliegen.— Die Aufgabe des Staats bei. der Be- lämvfilng des Wechselnebers.— Litterarische Rundschau: Max Pfund, Tie Arbeiterunsälle an de» Holzbcarbeituugsinaschiitetl. Max Bruns,'Aus meinein Tluic.— Feuilleton: Gleichberechtiguilg. Bon Eh. Leffler. Vrieskasten der Redaktion. Tic juristische Sprechstunde findet Montag, DicnStag und Freitag von ß— 8 Uhr abends statt. S. 5. ES steht Ihnen frei, ouck? ohne besondere Berufsbildung die städtischen Fortbildungsschulen zu betuchcn. Die meisten Kurse sind un- entgeltlich, für einige, so für fremde Sprachen, werden halbjährlich 4 M. erhoben. Die zweite Frage läßt sich m ihrer Allgemeinhcü nicht gut bc- antworten. Reumann Tstr. Wegen rückständiger Steuern und wegen Alimente ist Lohnbeschlagnahme ziilässig.-<£. 100. Dalldorf. New. Sie können sich an den Lanörat mit dem Antrag, nachllebeu zu lafscu, wenden. Indes ist es streitig, ob eine Klebepflich» in solchem Fall vorliegt.— B. W. 100. Wenden Sie sich an die„Wiener Arbeiterzeitung".— Junger Zlbonneut IbiOO. 1. Nein. 2. Das hängt davon ab. ob die Gegenstände von, Gerichtsvollzieher als für Sie entbehrlich erachtet werden. 3. Sprechen Sie mit der Klage var.— Stein. Leider ist der Mann im Recht, da Sie nicht auf Abweisung bestanden haben. sondern ewen Vergleich ein, gegangen sind, der Ihre RäumungSpflicht ailerkannt hat.— Z. Ja iVtliernugSiibersicht vom S. April>000, morgens» Uhr. Veraunvortlicher Redacteur: Paul John in Vereinskalender. Arbeiter-Aängerdund Berlins und der Umgegend. Vorsitzender: Rich. Tbate. Scköneberg. Grunewaldstr. 99. Erster Kassierer: sc'.krit, Fidicinstr. I6i All: Aenderungen ioi Vereinskalender sind zu richten an O. Jiaack, Strelitzerstr. 15, Hof II. Dienstag. abends 0—11: Vlebjmgsstiillde und Ausnahme neuer Mitglieder.—„Gerechtigkeit"(Westen), Werner, Bülowstr. 59.—„Olympia", Zimmermanii. Grüner Weg 29.— „Hand in Hand l", Richter, Manannensir. 41.—„Kreuzberg", Heinz?, Bärwald- u. Bcrgmannstr.-Ecke.—„Edelweiß", Stehmann. Melchior- straffe 15.—„Echo I", Müi'.dner. Linienstr. 19.—„Wicdrrhall", Schnieder, Admiralstr. 21.—„Freiheit II". Schiyauser, AdlcrShos, Bismarck- straffe 16.—„Myrtheublätter", Spät, Gcorgcnkirchstr. 65.—.„Unverzagt II", »Noaditer Klubhaus, Beustelstr. 9.—„Freies Lied". Friedricklsberg, ü-chuh- man», Frantsurter Allee 181.—„Rothe Nelke 1", Obs». Schönebcrg, Grmie- waldstr. 110,—„Rothe Nelke II', Nosin, Ruppinerstr. 42.—./Vorwärts 17", Schulze, Rathenow, Zagerstr. 25.—„Alpeiiglocke", Gold, Große urank- syrterslr. 133.—„Eichenkranz X", Jean Poillon, Prenzlau, schnelle»«!. 67 —„Weitdingcr Harmonie", Milbrodt, Müllerstr. 7.—„Vorwärts VIII' Schurbaurn. Marwitz in der Mark.—„Akazie"(geockschter Chor», Scholz. Ztaunnnftr. ö.-„Sangcslust II",. Salähnc. Tristftraffe 41. —„Weitze Rose". Molchin, Rcuiukerrdon, Reschcnzstraizc Iflla.— „Arbciter-Maibund". Hiernke, Nowawcs, Wallstraffe.-„Glasarbeiter", Zeidler,_____ Berlin. Für den Jliseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Wetter.Pronnole für Dienstag, den 3. April 1000. Kalt und veränderlich, vielfach wollig, mit leichten«chneesallen ziemlich frischen nordwestlichen Winden. Berliner W et t e rb u reo u. und Heute, DieuStag, deil Z. April, abeuds priic. 8�2 Uhr: Fililll-Bersmnlmlgen. Brtlnnenftratze 188 bei Zmumiu». Filiale Süd; Markgrafenstratze 83 bei Lorenz. X. Bortrog. Tages-Ordnunz: S. Tiskusfioo. 3. BcrschiedcneS. Die Verbandalcltanc.