Erscheint in fcipiig Mittwoch, grtitag, Sonntag. ülbZüncmcntsprcis tot gn.tj Tcut!ch!and 1 M. 60 PI. pro Quartal. MonatZ-�lbonucmcntS werden bei allen deutschen Postanstalten an! den i. und 3. Monat, und aus den 3. Mcnat besonders angenonimen: im sröuigr. Sachsen und Herzogth. Sachsen- Altenbnrg auch aus den iten Monat des Quartals ä 54 Psg. Jnscreto betr. Persamn-.lungen rr. Petitzcile lO Pf., betr. Prioatangclegenheitcn und Feste pro Petitzcile SO PI. Vefleilullgcn nehmen an alle Postanstal! en und Puch. Handlungen des �sn- u. Auslandee. Kilial- Expeditionen. New-Porl: Soz.-demokr. Sencssen» schastsbuchdruckerei, lbs LIärillec t-lr. Philadelphia!?. Haß, 6S0 dsorth S»a»lreel. I. Boll, II NU CKarlotte Str. llhieago: A. Lanserniann, 296 Violsion Street. Ean Franzisco: F. Enx, 419 o'Par- rell Street. London: Baudiß, 5 Xassan Street, blillllleLezt Losxltnl. Kenirat Organ der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 31. Sonntag, 10. December. 1876. Än die Parteigenossen! Die Wahlen für den nächsten Reichstag sind endgültig auf Mittwoch, den 10. Januar des kommenden Jahres festgesetzt. Parteigenossen, Ihr kennt Eure Pflicht! Wahlberechtigt ist jeder Deutscher, welcher bis zum Tage der Auslegung der Listen das 25. Lebens- jähr zurückgelegt hat. Die Partei- und Gesinnungsgenossen haben daraus zusehen, daß eine genaue Durchsicht der Wahl- listen, sobald sie öffentlich ausliegen, stattfindet. Jeder Wähler ist an dem Orte, wo er seinen Wohnsitz hat, in die Wahlliste einzutragen und hat das Recht, sich der Eintragung seines Namens zu vergewissern. Jeder, dessen Name am Tage der Wahl nicht in der Wahlliste steht, hat kein Stimmrecht; Reklamationen am Wahltage gelten gar nichts mehr. Die Durchsicht ist am Besten zu organisiren, daß Einer das genaue Namensverzeichniß von möglichst vielen Gesinnungsgenossen anfertigt und dieses mit der offiziellen Liste vergleicht und Diejenigen, deren Namen fehlen, sofort benachrichtigt, damit sie reklamiren. Außerdem empfehlen wir den Parteigenossen, so- fort bei den Ortsbehörden vorstellig zu werden, daß die Wahllisten auch an den betreffenden Sonntagen auf einige Stunden wenigstens zur Einsicht ausliegen. Es ist wichtig, daß vorstehende Rathschläge von allen unseren Genossen gewissenhaft befolgt und weiter verbreitet werden. Eine Ertravorstellung im Reichstag. Berlin, 5. December. Heute war im Reichstag Extravorstellung, deren Programm in dem Abschnitt„Tanz um den Erbfreund" ihren Höhe-�und Endpunkt erreichte. Haben wir schon oft erlebt, daß die Fort- schrittspartei von Bismarck verkannt wurde, so überraschte uns doch heute der junkerliche Ton, mit welchem unser„Herr Reichs- kanzler" die Fortschrittspartei schulmeistern zu müssen glaubte, denn fast schien es uns, als ob die Confliktsperiodc von 1864 bis 1866 zurückgekehrt sei. Aber es war halt nur„a bisle Falschheit", mit der man gegenseitig die parlamentarischen Speere warf. Zunächst mag es dem Herrn Kanzler überhaupt unan- genehm gewesen sei», in's Parlament, worin er in dieser Sitzungsperiode bis heule früh noch nicht erschienen war, gehen und sich daselbst interpelliren lasten zu müssen. Doch dafür ist er eben Reichskanzler— an Dotationen und Gehältern reich das find zwingende Gründe. Lieber zwar als im Reichstage schenkt er den Wein seiner Politik in Soireen und Theegesell- schaffen aus, allein nicht alles Volk kommt in diese Gesellschaften, selbst die Fortschrittler nur vereinzelt. Deshalb heute der Tanz. Derselbe begann kurz nach 12 Uhr, nachdem vorher die famose Regierungsvorlage wegen Neucintheilung der Wahlkreise in Hau- nover, Sachsen und Hessen vom Bundesrath zurückgezogen worden war. Richtcr-Hagen kritisirte die russische Zollpolitik und wollte wissen, was der Reichskanzler gethan habe, um den neuesten Mas rückgängig zu machen, wonach die Zölle der nach Rußland gehenden Waaren in Gold, das ist etwa ein Drittel mehr als in Papier, gezahlt werden sollen. Richter will mit Rußland keinen Krieg, auch keinen Zollkrieg, sondern Freund- schaff. Hierfür seien wirthschaftliche Beziehungen bestere Bürg- schaffen, als die Freundschaft von regierenden Fürsten und Kanzlern. Die herrschende Krisis dauere fort angesichts der Hal- tung Rußlands, insbesondere setze die orientalstchc Frage, an deren Gefahren für Europa Rußland nicht zum geringsten An- theil habe, die Geschäftswelt in Spannung.— Bismarck erwiderte, mit und ohne Stocken in seiner Rede, je nachdem er von seiner Politik oder von der Taktik der Fortschrittspartei sprach. Daß die ökonomischen und polittschen Dinge sich gegen- seitig decken, schien dem Kanzler nicht einzuleuchten. Er meinte daher, daß er auf wirthschastlichem Gebiet nicht mehr zu wissen brauche als Richter, der nur aus Lust zur Opposition(die zahme und lahme Fortschritts- Opposition!) interpellirt habe, statt sich vertraulich bei Bismarck nach der Zweckmäßigkeit der Jnter- Pcllatton zu erkundigen, an deren Nutzen Richter wohl selbst nicht glaube. Er bedaure die Maßregeln Rußlands, wolle suchen, sie zu ändern, erkläre sich aber nicht für etwaige Gegenzölle. Wörtlich:„Lassen Sie mich mit solchen Zumuthungen zufrieden!" Richter sei Dilettant und habe durch seine Anfrage dem Reich geschadet. Werfe man einen Stock zwischen die Räder eines freinden Fuhrwerks, so merke sich das der Kutscher— und Ruß land scheint Bismarck ein lieber Kutscher zu sein, er läßt sich seit lange von ihm fahren. Wohin? Das hat er ziemlich deut- lich gesagt. In die Conferenz zur Unterstützung Rußlands, wenn' nöthig weiter, zum Schutze unserer türkischen„Mitchristeu", die er dreimal nannte, und für die es auch einen„Culttirkamps" zu kämpfen an der Zeit sei. Natürlich weiß Bismarck, daß auch die Engländer schon seit 100 Jahren unsere Freunde sind, aber und betont, daß das Dreikaiserbündniß— Rußland-Oesterreich- Preußen— noch existirt. Rußland verlange von uns, falls es zum Krieg schreite, keine Unterstützung, sondern Neutralität— man denke an die Neutralität vor Paris während der Commune — das Alles liege in unserm Interesse, unsere Zwecke stimmten mit den russischen Kriegszwecken übercin. Rußland verlange keine Unterstützung, welche uns zu Entschädigungsansprüchen be- rechtige. Wir wollen den 5irieg lokalisiren— auf den Orient beschränken. Folgten wir Richter, so würden wir gleich den Mühlendammer Juden Händel suchen mit denen, welche uns nichts abkaufen. Soweit Bismarck. Wir fügen zunächst dem Schlußsatz die Fnage hinzu, wer denn 1864, 1866 und 1870 Händel suchte? Damals handelte es sich allerdings nicht uin's Abkaufen, sondern um's Annettiren. Als Bismarck fertig war — das Bekenntniß hatte ihn viel Schweiß gekostet— erklärte der Bundeskommissar Philippsborn unter großer Unaufmerksam- keit des Hauses, daß die Regierung alles thun werde, um „Väterchen" geneigt zu machen. Nun ging's an die Debatte. Hänel erklärt, daß Bismarck's Antwort nur von persönlicher Gereiztheit diktirt sein könne, versicherte, daß auch er Russen- freund und für Neutralität Teutschlands sei, und gab hierauf dem Reichskanzler eine kleine Lektion in der Geschichte. Nach- dem Bismarck sich ein wenig hiergegen gesttäubt und der ihm sinnverwandte Junker Bethusy-Huc eine Hymne auf seinen Meister vollendet hatte, worin er unter andern: erklärte, das deutsche Volk wolle keinen Krieg— natürlich, es weiß auch warum, es krauchen zu viel Annektirtc im Busch herum— greift Windthorst- Meppen in's Concert ein. Er meint, wenn Bis- marck nicht habe antworten wollen, dann brauche er es nicht, die Geschäftsordnung erlaube ihm das. Was der Kanzler in poli- tischer Beziehung gesagt, sei ihm(Windthorst) sympathisch. Wir glauben's gern, weil der Wind der Freundschaft mit Rußland auch die Wangen Oesterreichs zärtlich umkoste, und vielleicht ist es nicht ohne, wie Schiller sagt, daß in Oesterreich die Glocke zum friedlichen Geläute im deutschen Culturkampf gegossen wird. Nach Windthorst sprach Bambergcr, nachdem Herr Valentin schon zweimal mit seinen Schlußanträgen unterlegen war, letz- tcres offenbaff, weil weder Windthorst noch Bamberger Sozia- listen sind. Bamberger spielte auf seiner Maultrommel eine Arie aus der„großen nationalen Politik des Herrn Reichs- kanzlers" auf, wollte dann in der Geschichte klüger sein als Hänel, bis endlich Bismarck erklärte, daß er nicht habe schweigen können, da sonst die Fortschrittlcr sein Schweigen als Niederlage ausposaunt hätten. Zuletzt sprach Richter, um seine Kühnheit zu entschuldigen und zu rechtfertigen. Man habe ihn versichert, daß er der Regierung mit der Interpellation einen Gefallen thue; Conservative fragten ihn sogar, ob er diesmal bestellte Arbeit leiste. Uebrigens tröste er sich damit, daß er sich den Zorn Bismarck's zugezogen habe; es sei ihm ergangen wie jedem, der hier jemals über russische Politik interpellirt habe. — Nun waren 2»/, Stunde Verstössen und Stille kam über den Reichstag, der sich die Thüringer Brausteucr zum Langweilen erkoren hatte. Fragen wir uns schließlich, was wir heute Neues erfahren, so lautet die Antwort: nichts! Daß uns Rußland um- garut hält, wußten wir. Wie wäre sonst seine Erbfreundschaft möglich! Daß der Reichskanzler in der Debatte unhöflich sein kann, wußten wir auch, denn längst haben wir das Sprichwort „Wie der Herr, so der Knecht" umgewandelt in: Wie die Knechte, so der Herr!— Wer die Knute liebt, dem gehört die Knute. Die Sterblichkeit unter den unehelichen Kindern.*) (Aus der„Frankfurter Zeitung".) Die Erinnerungen Theodor Petermann's gegen einige aus den Listen über die Kindersterblichkeit im preußischen Staate ge- zogene Folgerungen sind so klar und überzeugend, daß jeder Beisatz Luxus wäre. Es ist ein positiv erweisbarer Jrrthum, wenn man aus jenen Listen darthun zu können ineint, die Sterblichkeit der unehelichen Kinder sei vom 2. bis zum 5. Jahre geringer als die der ehelichen, da bei der Berechnung auf die mittlerweile legitimirten unehelichen keine Rücksicht genommen ist, während sich durch dieselben das ganze Ziffernverhällniß nach beiden Seiten ändert. Aber man kann füglich noch einen Schritt weiter gehen als Petcrmann. Fragt man, welches soziale Berhältniß es ist, dem das größte Contingent unehelicher Geburten beigemessen werden muß, so kann die Antwort keine andere als die sein:„den be- stehenden Militärcinrichtungen". Da allen jungen Männern sowohl vor Anttitt ihres Mili- tärdicnstcs, als während der Dauer desselben die Berehelichung unmöglich gemacht ist, so fehlt es eben nicht an unehelichen Geburten, wo unter andern Verhältnissen eheliche entstanden wären. Es ist ein in den gewöhnlicheiySteuern nicht enthaltenes weiteres Opfer, welches dem Militarismus gebracht wird, und z>var kein geringes Opfer, was das Leben der Kinder, das Loos der Mütter und auch die Sittlichkeit überhaupt betrifft. Die Gesammtzahl der unehelichen Geburten wäre eine weit geringere bei einem anderen Wehrsystem. Viele jener Väter entschlagen sich in der Folgezeit der früher übernommenen Verpflichtungen; ein bedeutender Theil indes; ergänzt nach dem Austritt aus dem stehenden Heere und sobald ihm die Begründung eines eigenen bürgerlichen Haushalts möglich geworden, jene Formen, deren Erfüllung das bestehende Gesetz früher nicht zugelassen hatte. Besäßen wir genaue stattstische Nachweise über die stattfindenden nachträglichen Kinder-Legitimiruugcn, so würde sich unfehlbar ergeben, daß weitaus die meisten auf Verhältnisse zurückzuführen sind, ivelche sich vor oder während der inilitärischen Dienstzeit gebildet habcn.�Diese Dienstzeit dpuert bekanntlich'3 Jahre. Es ist daher sehr begreiflich, daß nachträglicher Eheabschluß und Leginmirungen in der Regel nicht früher erfolgen können, als bis jene uneheliche!: Kinder bereits ein Alter von 2 bis 5 Iah- ren erreicht haben. Es haben sonach nicht nur diese Legitimi- rungen die scheinbare Anomalie in den Zahlenverhältnissen der Kindersterblichkeit bewirkt, sondern wir kennen auch den Grund sowohl vieler unehelicher Geburten, als auch die Ursache, warum die nachgeholten Eheabschlüsse gerade in die Zeit falle», in wel- cher die betreffenden Kinder bereits das erwähnte Alter erreicht haben. Daß das überraschende Zifferncrgebniß, wonach in Preußen vom 2. bis 5. Lebensjahre relativ mehr eheliche als uneheliche Kinder sterben sollen, auf einer irrigen und unhaltbaren Bcrech- uung beruht, ist somit eben so klar, wie die Ursache, welche die Täuschung wesentlich veranlaßt hat. Würde man in der Schweiz, Ivo der junge Mann trotz seiner Milizpflicht, am Heirathen nicht gehindert ist, eine Berechnung über Kindersterblichkeit ganz nach dem Vorgange in Preußen ausstellen, so könnte man von vorn- herein gewiß sein, daß das Ergebniß in dem so wunderlich her�I vortretenden Punkt dort ein ganz anderes sein würde als hier.' b. h. daß man nach jener Anomalie in der Eidgenossenschaft seh.' vergeblich suchen würde.-j; So wirken unsere militärischen Einrichtungen selbst auf Gc nj biete herüber, bezüglich welcher fast Niemand eine solche Ein-' Wirkung auch nur ahnt. Sozialpolitische Nebersicht. — Deutschlands Haltung zu Rußland und der orien- talischen Frage ist genau so, wie wir sie in kurzen Worten in J Nr. 28 d. Bl. gekennzeichnet haben— der Herr Reichskanzler selber hat uns der Mühe überhoben, weitere Beweise dafür zu- sammenzuschleppen. Zuerst in einer Wein rede gegenüber dem Vorstande des Reichstages, dann in einer Bier rede bei einer jener parlamentarischen Bier- und Nordhäuserkneipereien und schließlich im Reichstage, dem Orte, wo weder Milch und Honig, noch Wein, Bier oder Nordhäuser fließt— wenigstens nicht auf Reichsunkosten— hat er seinen Anschauungen über die deutsche Polittk in Gegenwart und nächster Zukunft Ausdruck verliehen. Schmeichelten sich oder ihren Lesern nach den ersten beiden Ex- pectorationen noch die nationallibcralen Organe mit dem stolzen Glauben an die Schiedsrichterrolle Deutschlands, so haben die ungenirten Enthüllungen— wenn man von Enthüllungen sprechen kann bei Sachen, über die nur heillos Bornirte noch im Zwessel waren— des Fürsten Bismarck dem schönen Wahne ein jähes Ende'! bereitet. Bei seiner Erwiderung auf die am 6. d. M. im Reichstagel zur Verhandlung gclangtenJnterpellation der Fortschrittspartei über-! die Erhöhung der russischen Grcnzzölle„bedauerte" der Reichskanzler-1 die russische Wirthschaftspolitik, meinte aber, ein fremder Ministers habe hierbei keine Autorität, und man könne die russische Re- gicrung in der Verfolgung ihrer Ucberzeugung so wenig hindern/ wie einst die nordamerikanischen Freistaaten, als sie zur Schutz- I Zollpolitik übergingen. Der Reichskanzler kam dann auf die' politische Seite der Frage und betonte auch hier mit Schärfe, daß ihm die Interpellation unbequem und hinderlich sei. Der Moment, um von unserer Macht nach außen hin Gebrauch zu I machen, sei nicht gekommen und werde überhaupt nicht kommen. I Rußland verlange von uns keine„großen" Gefälligkeiten und-I Dienste; es beabsichtige gar keine Eroberungen, wie sich aus dV/| feierlichen Versicherung des Kaisers Alexander ergebe. Niemand habe ein Recht, dieser Versicherung den Glauben zu versagen. Rußland verlange nur Neuttalität, wenn es sich entschließe, in einer Sache vorzugehen, die auch unsere Sympathien ii� Anspruch nehme, nämlich die Psorte zu zwingen, daß sie von' Handlungen abstehe, die dem öffentlichen Rechtsbewußtsein zu-' widerlaufen u. f. w.— Die russische Sache nimmt auch unsere; Sympathien, und bei Gelegenheit auch unsere Geldbeutel uud! unser Blut und Leben, in Anspruch— selbstverständlich— gan' selbstverständlich!! Wir lassen uns vom„heiligen" Rußland ii�il unseren Interessen schädigen, so viel Rußland eben Lust hatzi wir deutschen helfen Rußland treugehorsamst das Testamens- 1 Peters des„Großen" vollsttecken und wir machen uns würdig][ — Bismarck sei Dank!— echt russisch regiert, echt russisch mal,?! trätirt zu werden bis an des deutschen Reiches, ja bis an Ruß| lands— behüte Bismarck!— recht spätes Ende!-'1 — Liberale Bedenken. Der„Hamburgische Correspou'I dent" vom 6. December beklagt, daß zwischen der dorttgen ua-.l rionalliberalen Partei und der ihr nahestehenden sogenannte, I Gewerbepartei keine Einigkeit zu erzielen sei, die so nothwendie.1 wäre gegen die schrecklichen Sozialdemottaten. Das Blatt er- 1 zählt, daß die sozialdemofrattschen Stimmen in Hamburg iwil Jahre 1874 eine Summe von 14,509 d. i. 41 pCt. aller abge tl ! gebenen erreicht habe, also für einen Sieg der Liberalen nur di Aussicht gewonnen werde, wenn sie sich fest verbünden. Da. folgt eine Schilderung der regen Thätigkeit unserer Partei � Zügen, die für uns nur schmeichelhaft sind und für die wir urst� Dank aussprechen. Aber ohne eine Blasphemie geht es na' lich nicht ab.„Wir stehen vor der Gefahr", sagt der„H�' burgische Correspondent".„die Vertretung der ersten Hand�z stadt Deutschlands, der berufenen Wächterin über die Jntere des Handels und der Schifffahrt einer Partei preis gegeben!' sehen, welche diese Interessen grundsätzlich negirt und auf f Kopf stellt." Hört, hört!— Zwei der letzten Nummern l „Vorwärts" haben den Beweis erbracht, daß nicht wir, sonde die herrschende Bourgeoisie„die Interessen der Schifffahrt" a. mich f'- zu überwachen glaubt, wir bekämpfen die nach dem Princip „billig und schlecht" eingerichtete, Lebensgefahren der Mannschaft geradezu herausfordernde Ausrüstung der in See gehenden Schiffe, nicht aber die Interessen selbst.— Der ersehnte Com- promiß der beiden liberalen Parteien wird vielleicht stattfinden, wenn man die Gefahren des Sozialismus, des„gemeinsamen Feindes", so wahrhcitswidrig schildert; aber auch wir werden nicht aufhören, solchen Lügenpropheten und Verläumdern ent- gegen zu treten, damit die„Gesellschaftsgefährlichkeit des Sozialis- mus" dahin geworfen wird, wohin sie gehört: in die Rümpel- kammer, in den Papierkorb, in ein Cabinet von geisttgen Miß- geburten— oder in die Liste bewußter Lüge und gegnerischer Bosheit. —„Brave Bürgersöhne"; und„ungezogenes Kraut". Die''nationalliberale)„Badische Landeszeitung" enthält unmittel- bar hintereinander folgende zwei Correspondenzen: „Pforzheim, 16. November. Gestern gerieth eine Schaar hoffnungsvoller Burschen auf dem Wege von der Schule in Streit, wobei der Sine seinem angeblichen Beleidiger einen Zirkel dermaßen in den Rücken stieß, daß die Lunge durchstochen wurde und der Unglückliche sich in großer Gefahr befindet. Es dürfte, insbesondere da sich in größeren Städten der Besuch der Volksschulen schließlich fast nur noch aus den niedersten Klassen rekrutirt, an der Zeit sein, den Herren Lehrern eine ausgedehntere Strafgewalt gegenüber dem ungezogenenKraut zuzugestehen." „Lörrach, 14. November. Daß der„Neue"(Wein) auch im Amt Schopfheim ein Menschenleben gefordert, hat sich bestä- tigt. Zwei brave Bürgersöhne von Kürnberg, seither gute Freunde, kamen bei der Heimkehr vom Neuen in Wortstreit. Der Stärkere von Beiden erhielt einen Stich in die Lunge, der nach dem kurzen Verlauf einer Stunde den Tod zur Folge hatte. Die Theilnahme ist eine allgemeine, da der Erstochene der einzige Sohn seiner Eltern war." Ein Knabe aus der„niedersten Klasse", der im Streit seinem Kameraden mit einem Schulinstrument, das er zufällig zur Hand hat, einen Stich versetzt— vielleicht wollte er gar nicht stechen, vielleicht erinnerte er sich auch in der Schule gehört zu haben, daß das Todtstechen, Todtschießen, Todtschlagen die menschen- würdigste aller Beschäftigungen jsei— ist„ungezogenes � Kraut"(oder Unkraut)— ein Bursche aus den„besseren Ständen", der sich toll und voll säuft und in der Trunkenheit jr seinen Freund ersticht, ist„ein braver Bürgersohn". Klas- , sischer kann die herrschende Begriffsverwirrung nnd Gefühlsver- „ rohung nicht zum Ausdruck gebracht werden, als durch diese bei- den Correspondenzen.— Herr Tschischwitz einen Urlaub an. Bei Beginn des Winter- genöthigt sah, nachdrücklich einzuschreiten und den Forstbau,''so Semesters war er noch nicht zurück. Da der eine Zuhörer, wel- meit die Forsten nicht Staatseigenthum sind, unter die strengste cher sich für das englische Colleg eingeschrieben, wahrscheinlich Staatskontrole zu stellen. Nun ist aber der Raubbau des Pri- drängte, ließ Herr Schulrathspräsident Kappeler dem Urlauber vatkapitals auf dem Gebiete des Ackerbaues in allen Ländern zweimal schreiben— ohne eine Antwort zu erhalten. Sodann noch ebenso im Schwange, wie in Schweden, Norwegen u. s. w. telegraphirte Herr Direktor Kenngott nach Schweidnitz, doch erst auf dem Gebiete des Forstbaues, und der Ackerbau ist doch un- auf das zweite mit der Ueberschrift:„Antwort bezahlt" gc- zweifelhaft von noch größerer unmittelbarer Wichtigkeit für ein schmückte Telegramm lief der lakonische Bericht ein: Tschischwitz Volk, als der Forstbau. Und herrscht etwa auf dem Gebiete werde nicht mehr zurückkehren, man möge über seine Stelle ver- der modernen Industrie nicht ebenfalls der Raubbau, überhaupt fügen."— Was soll der Ehrenmann auch jetzt noch in der die gemeinschädlichste Mißwirthschaft? Es liegt das eben im Schweiz? In Deutschland gibt es für das Denunzianten- und System der heutigen Gesellschaft; Flickarbeit kann nichts nützen. Spionengelichter in der Aera des neuen Reichs immer viel ren- Da hilft nur eine radikale, systematische Umgestaltung der tablere Arbeit! gesammten wirthschaftlichen Gesellschaftsverhältnisse, wie der Sozialismus fie anstrebt. — Raubbau. In der„Berliner Börsenzeitung" vom 21.- v. M. lesen wir: In schwedischen und norwegischen Zm-_@egert ben Gesinnungsgenossen Fritzsche wurde seiner tungen ist>chon vielfach die Art und Weise, wie die schwedisch- � putschen Reichstheater zu Berlin gehaltenen Candidaten- norweglichen Walder durch die kausmannlsche Äpekulation � halber wegen Vergehens gegen§ 130 des Strafgesetzbuchs ausgeplündert werden scharf getade t worden. Man hat bic Untersuchung eingeleitet. Die Anklage steht natürlich auf auch nicht unterlassen, legis atorische Borbeugungsmaßregeln f�t fachen Füßen gegen dieses Ausplunderungssystem, welches den Rum einer der wichtigsten Hilfsquellen Schwedens und Norwegens herbeizu-_ ,pcrr Tessendorff hat gegen den aufgelösten sozial- fuhren droht zu fordern, bisher indessen ohne Erfolg W.e b,m°kratischen Wahlverein zu Berlin noch immer keine Anttage nothwendlg es aber ist, daß, namentlich in Schweden, Maßre- er{,0{,en obgleich er dies schon vor mehreren Wochen versprochen aeln ergriffen werden, welche geelgntt ind. die Waldcultur zu � 2o[I �ie Sache bis nach den Wablen verschleppt werden? schützen, geht aus der nachstehenden Mittheilung des Stockholmer � flir" � Blattes„Nya Dagbladet Allehanda" hervor. Dieses Blatt' 9" �* schreibt: Eine größere Holzlicferung, welche ein hiesiger(Stock- holmer) Kaufmann an eine Holzfirma in Gothenburg im Som- JnNtl-'e ParteilUtsseleisttthciteit. Als Agenten des Vorstandes wurden ernannt: Connewitz: mer und Herbst effektuirt, hat ein nicht geringes Aufsehen er- regt, da dieselbe beweist, daß die nächsten Waldregionen durch w uT'"« eine unbegrenzte Ausholzung total ausgeplündert werden lİ' Ä i; Ä(L können. Es ist klar, daß es mit den Wäldern in Wermland schutthaupt; Gießen: Fr. Pctermann, G. M-ltenberger. ziemlich vorbei sein muß, wenn die Gothenburger, wie hier ge- schehen, begonnen haben, ihren Bedarf an Holz— sogar von so kleinen Dimensionen wie acht- bis neunzöllige Balken— aus der Mälargegend zu dem unerhörten Preise von 1 Krone per Kubikfuß, außer hohen Flößkosten, zu beziehen. Wermland schiffte von seinen Wäldern noch im Jahre 1856: 28,048,000 Kubikfuß i' Planken und Bretter über Gothenburg aus; im Jahre 1374 war aber der gesammte Plankenexport bereits auf 5,812,081 Hamburg, 5. December 1876. Mit sozialdemokratischem Gruß Der Borstand: I. A.: C. Derossi. I Pferdemarkt 37. Auer. Correspondenzen. Henf, 27. November. Wie schon früher den Lesern des u l .3 ■) •i ,) ,3 I M »'i 1:1 — Warnung. Um Unterhalt zu finden, begaben sich Ber- - liner Arbeiter in serbische Kriegswerkstätten, und nach den i Aussagen eines dieser Leute theilt die Berliner„Bürgerzeitung" , mit, daß.hr Gewährsmann, als Former in einer solchen Fabrik ; thätig, gleich Anderen kein Geld erhielt. Auf ihre Beschwerden , bei dem Oberst, der dieser nahe Belgrad gelegenen Gießerei , vorsteht, wurden sie hingehalten mit der Weisung, wenn sie nicht ; auf die Bezahlung warten wollten, so könnten sie gehen. Zwölf ( Verheirathete gingen, mittellos wie sie waren, zum deutschen j Consul der nächsten Stadt, der nichts weiter für sie thun konnte, l als ihnen ein Reisegeld von 2 Dukaten zu geben. Durch Un- terstützung des deutschen Consuls in Wien und mit Hilfe mit- �„leidiger Bewohner Dresdens kamen sie endlich wieder zu ihren r- Familien. Die von den hiesigen Agenten engagirten Schlosser j und Dreher sollen jedoch keinen Grund zu Klagen haben, nur r die auf eigene Faust nach Serbien Gereisten. — Ein Reptil, welches sein Arbeit gethan und nun gegangen worden ist. Der„Frankfurter Zeitung" geht in Be- zug auf den sehr ehrenwerthen Hrn. Dr. Benno Tschischwitz aus Zürich folgendes Schreiben zu:„Der Abgeordnete Treitschke hat jüngst im deutschen Reichstage ein etwas dunkel gefärbtes Bild von der in den Redaktionsstuben hausenden„gemischten Gesellschaft" entworfen, worauf er daran erinnert wurde, daß es auch unter den Professoren manchmal sehr eigenthümliche Knaben gebe. Nun ja— eben jetzt ist Deutschland um einen solchen reicher geworden; Herr Dr. Benno Tschischwitz, das vom Winter- thurer„Landboten" aufgejagte Reptilchen, ist nordwärts ge- zogen. Ob er hofft, am Vaterhcrzen des Berliner„Freundes" von den Schmerzen zu genesen, die ihm sein Patriotismus zu- gezogen, ist uns nicht bekannt, nur die tröstliche Gewißheit haben wir, daß er sich uns definitiv„entrissen" hat. Unmittelbar nach der ihm von den Studenten gebrachten Serenade trat Kubikfuß herabgegangen, während der Export von Pitprops W I 6,679,170 Kubikfuß, sowie von Schwellen 959,358 Kubikfuß be-:„Vorwärts" bekannt gegeben wurde, bat sich hier ein„Wahl tragen hat. Wenn in einer verhältnißmäßig so kurzen Zeit die fonds-Comttö" zur Förderung sozialistischer Wahlen in Deutsch- höchsten und reichsten Nadclholzwälder des Nordens in solcher land gebildet. Die hiesigen Arbeiter und Gesinnungsgenossen Weise ausgenutzt werden konnten, kann man wohl voraussetzen, sind diesem Comitö bereitwilligst entgegengekommen, so daß es daß Norrland, dessen Wälder sich weder hinsichtlich des Wachs- dem Unterzeichneten möglich wurde, heute die erste Rate der thums noch hinsichtlich des Reichthums je mit denen Wermlands Wahlfondsgelder mit Mark 624,51 an Geib in Hamburg zu sen- haben messen können, als diese noch nicht ausgeholzt waren— den.(Geib bestätigt hiermit den richtigen Empfang.) Wir in einer nicht allzusernen Zeit Mangel an gewöhnlichem Bau- hoffen gegen Weihnacht noch einige hundert Francs abschicken zu holz haben werde, besonders wenn man sich nicht scheut, Holz können. Zum Beweis jedoch, daß wir auch hier in der un- zu fällen, welches 14 Fuß von der Wurzel nicht mehr als 8 Zoll mittelbar politischen Agitation nicht unthättg sind, diene die im Durchmesser hält. Da es interessiren dürfte, zusehen, in Nachricht von dem glänzenden Wahlsiege, welchen wir am welchem beunruhigenden Grade das Holzfällen in den letzteren[ 12. d. M. bei Gelegenheit der Cantonsrathwahlen errungen Jahren in der Provinz Norrland um sich gegriffen hat, wollen: haben. Neun ächte Internationale sind mit einer imposanten wir mit einigen, den Berichten des Commerzcollegiums cntnom Stimmenzahl gewählt worden. Der erste hatte 900 Stimmen menen Zahlen, die unglaubliche Zunahme des Holzgeschäftes veranschaulichen. Es wurden von- nachstehenden Plätzen an Planken und Brettern exportirt: Der gesammte schwedische Holzexport betrug im Jahre 1864 mehr als„Carlchen Vogt", welcher durchfiel, und) Lichten berger, ein geborener Mecklenburger, erhielt mehr Stimmen als unser wohlbestallter Polizeidirektor. Das war aber noch nicht alles. Bei den gestrigen Nachwahlen siegten abermals zwei Ar- beitercandidaten, so daß nun unserer elf im Cantonsrath sitzen. Möge dieser Sieg den Genossen in Deutschland ein Sporn sein, ein Beweis, wie viel sich durch vereinte Kraft erreichen läßt. Mit brüderlichem Grnß! G. Wilhelm. Aertin. Sonnabend, den 25. Noveniber, Abends, fand im Cafö Polenz, Alte Jakobsstr. 83, eine öffentliche Versammlung Berliner Berufsgenossen statt, mit der Tagesordnung:„Lokale oder centralistische Gcwerkschafts- Organisation." Nach einer längeren animirten Debatte, welche sich hauptsächlich um die, in runder Zahl 11 Millionen Kubikfuß Balken und Sparren, über eine nur lokale Vereinigung der Sattler Berlins hinaus sowie 46 Millionen Kubikfuß Planken und Bretter, aber nur gehenden Vorschläge des Herrn Wirths drehte, fand die Sttm 10 Jahre später, im Jahre 1874, 87 Millionen Kubikfuß Planken mung der Versammlung in folgender Resolution ihren Ausdruck: und Bretter, sowie 20 Millionen Kubikfuß Balken und Sparren,„Die am 25. November im Cafe Polenz, Alte Jakobsstraße 83, außer circa 13 Millionen Kubikfuß Pitprops, welcher Artikel in: versammelten Berliner Sattler erklären: Die richtige Wahrneh- Jahre 1864 kaum am Markt gefunden wurde." mung der Interessen der Sattler ist nur möglich in einer cen- Nun, was hier von Schweden und Norwegen gesagt ist, gilt tralisirten Gewerkschaft; sie erklären ferner: daß, wenn auch in mutatis mutaoäis— mit den nöthigen Modifikationen— von allen übrigen Ländern. Wo die Forsten der Privatspekulation des Kapitals überliefert sind, wird zum Nachtheil des Landes und zum Sondervortheil der Kapitalisten der abscheulichste Raub- bau getrieben, so daß in vielen Ländern der Staat sich schon mehreren Punkten die lokale Organisation vor der centralisirten einzelne Vortheile bietet, es dennoch rathsam ist, sich der bis jetzt bewährten centralistischen Organisation, dem Verein für Sattler und Berufsgenossen, wieder anzuschließen." Th. Weber. >.!l ii.c st ü' i f > 'i > ■ j „ 5 ■ l i-■ i •.1 1.1 JiJ; ■ n Die natürliche Parteistellung des Volksschul- lehrers. Von Karl Schneidt. Motto: Er auch ist ein Proletar! Ihm auch heißt es:„Darbe! borge!" Ihm auch bleicht das dunkle Haar, Ihn auch hetzt in'S Grab die Sorge! wtit dem Zwange, mit der Roth Wie die Andern muß er ringen, Und der Kinder Schrei nach Brot Lähmt auch ihm die freien Schwingen. Ferd. Freiligrath. „Auf einen wahren Erzieher kommen stets zehn Politiker und Politikaster."—„Der Lehrer soll nicht Politik machen wollen; denn Eins schickt sich nicht für Alle." So ungefähr sagte der geniale Volksschulpädagoge Diesterweg, und wie eine Meute hungriger Wölfe warfen und werfen sich die Gegner einer freiheitlichen, gedeihlichen Entwickelung des Volks- schutwesens über diese Worte her, um deren Sinn zu einem Brei zusammenzurühren, der in ihren widerlich brodelnden Hexen- kessel paßt. j Welche der verschiedenen polittschen Strömungen, die abwech- � selnd das Heft der Regierung in Händen hatten, hätte nicht jedes Mal solche Worte zur Beschönigung der gegen den Lehrerstand - in Anwendung gebrachten Gewaltmaßregeln cittrt, so oft dessen b Mitglieder erfaßt zu werden drohten„von dem vorwärts dran- Agenden Zug der Zeit", so oft sie zu kühnen Ideen begeistert Wurden von dem„Muth des freien Denkens?" „ei So ist denn dem redlichen Diesterweg, diesem herrlichen • ßolfsfreimbe und nimmer rastenden Pionier auf dem Gebiete Seiner natur- und vernunftgemäßen, freiheitlichen Volksbildung, Koie Schande nicht erspart geblieben, daß diejenigen, welche Zeit fJeines Lebens ihn tödtlich bekämpften, daß die Feinde des wahren , Volkswohls aus seinen Worten, die sie natürlich in ihrer Weise - verdrehen, Waffen gegen des Volkes Wohl und Freiheit schmieden. Wenn er noch lebte, der edle Mann, wie würde er sich deren "chänien, wie würde er entrüstet sein über das Treiben bcrt leugnen, auch die, welche sich seine Freunde' und Jünger nennen, und welche nun, da freilich die schneidig-wahren Worte des Bekämpfers nnd Opfers der Reaktion für die heutige Zeit„zu gefährliche" Wahrheiten enthalten, sogar die maßlose Unver- schämtheit haben, die Werke des Mannes, in denen er seine idealen Ansichten und heiligsten Ueberzeugungen niedergelegt hat, zu verballhornen und zu verfälschen!*) ! Und wie motiviren solche edle Seelen ihr namenlos nichts- würdiges Verfahren? Sie„verbessern" einfach die Schriften Diesterwegs in dem Sinne, in welchem der Verfasser gewiß geschrieben haben würde, wenn es ihm vergönnt gewesen wäre, zu schauen,„wie herrlich weit wir es gebracht". Wär' die Idee nicht so verflucht gescheit,. Man wär' versucht, sie herzlich dumm zu nennen. Diesterweg und die Anhänger des Dr. Falk, des„edlen Ritters"! Er, der an dem einmal erkannten Rechte zäh fest- haltende Mann, der Mann mit dem warmen Herzen für des Volkes Roth— und sie, die bieg- und schmiegsamen, um die Gnade einer Excellenz in hündischer Devotion bettelnden, selbst- süchtigen Afterpädagogen! Nein, Diesterweg hat mit ihnen nichts gemein. Er wußte sich, zu seinen Lebzeiten wenigstens, rein zuhalten von der schmutzigen Bcrührung�Terer, die jetzt seinem Andenken„Gerech- tigkeit widerfahren lassen", d. h.— es beschimpfen und besudeln. „Es giebt moralische Fälschungen, die schlimmer sind als Wechselfälschungen", sagt Lassalle, und so sagen auch wir. In dem Sinne, den die Fälscher den Eingangs erwähnten Worten Diesterwegs untergeschoben haben, hat er dieselben nicht gemeint, kann er sie nicht gemeint haben. Wie wäre es auch möglich, daß er, dessen ganzes Streben und Wollen darauf hin- ging, einen Lehrerstand heranzubilden, der, von der Würde seines Berufes durchdrungen und von edlem Feuereifer beseelt, Alles daran setzen sollte, eine geistige Wiedergeburt des Volkes in erster Linie mit herbeiführen zu helfen, wie wäre es möglich, daß Diesterweg, der gesinnungstüchtige Mann, von den„Urpro- *) Das Kuratorium der DiesterwegstifMng, bestehend aus ehemaligen �Schillern Diesterweg s, hielt es für angezeigt, eine neue Ausgabe seines duzenten menschlicher Bildung" Gesinnungslosigkeit verlangt hätte? Und was heißt es anders als Gesinnungslosigkeit und Virtuo- sität in der höheren Gesinnungslumperei von dem Lehrer ver- langen, wenn man ihm sagt: Du darfst Dir nie herausnehmen, anders zu denken als die herrschende Partei, Du mußt stets die Dir anvertraute Schuljugend in dem Sinne und zu der Gesin- nung erziehen, welche das Interesse der Machthaber verlangt?" Hätte Solches ein Diesterweg von dem Lehrer verlangen können, ! könnte das überhaupt Jemand von ihm verlangen, der noch : einige Achtung vor dem Stande der Volksbildung hat? Nie und nimmer! Andere haben es aber verlangt, und zwar Solche, die die . Macht hatten, ihrem Verlangen, falls ihm nicht sofort willfahrt wurde, energischen Nachdruck zu verleihen, die die Macht hatten, dem Lehrerstand den ohnehin schon hoch hängenden Brotkorb noch höher zu hängen— d. h. die Lehrer zu gefügigen Werk- zeugen in ihrer Hand zu machen. „Man muß diese Leute aushungern", sagte jüngst ein iden Lesern des„Vorwärts" bereits vorgeführter) Bourgeois anläßlich des Setzerstrikes, und mit diesen wenigen Worten hat er das Lebensprinzip seiner Partei so treffend gekennzeichnet, wie dieses eben möglich ist. „Man mnß sie aushungern", das is: die Parole der heutigen Bourgeoisie, das war die Parole der Bourgeoisie aller Völker und aller Zeiten. Und wahrhaftig!— Das Lob muß 1 man ihnen lassen— sie sind Meister im Aushungern, die Herren Bourgeois von heute. In richtiger Würdigung des Umstandes, daß die soziale Frage in erster Linie eine„Magenfragc" ist, haben sie es von : jeher verstanden, den Unterdrückten und Enterbten gerade soviel an irdischen Genüssen(wenn überhaupt hier das Wort Genüsse � noch Anwendung finden kann) zukommen zu lassen, als unum- � gänglich nöthig ist, wenn dieselben sollen ft>rtvegetiren und fort- � arbeiten können. Jedes Mehr wird ängstlich vermieden;— freilich, man darf den„Pöbel" ja nicht an Genüsse gewöhnen, die nur den bevorzugten Kasten zukommen, sonst könnte er am Ende gar übermüthig werden und Rechte verlangen, die das . Grab der„bestehenden Ordnung" wären. Darum 'Zzertin, 6. Dezember. In Sachen des für Preußen geschlos- jenen Allgemeinen Böttcher-(Küper-) Vereins findet wider den früheren Vorsitzenden Fischer und den Kassirer Grugert in zweiter Instanz ein Termin beim königlichen Kammergericht am •2\.. Dezember statt. F. Grugert, Ackerstraße 14/15. 12?stsdam, 3. Dezember. Uebcr unsere lokalen Verhältnisie läßt sich Vieles oder auch Wenig sagen, denn das Abhalten von Versammlungen ist schon seit Jahren unmöglich geworden; glaubte man doch uns auf diese Weise auszurotten. Wie weit dies möglich, das hat unser hiesiges Käseblatt bewiesen, welches vor längerer Zeit einen Artikel brachte, in welchem man sich be- schwertc, daß wir mit einer wahren Wuth sozialistische Broschüren verbreiteten. Möge uns dies ein Sporn sein, unseren Eifer zu verdoppeln— man muß sich zu helfen wissen. Auch bearbeiten wir auf diese Weise die Masse ziemlich wirksam. Unsere Bereine kann man zerstören, unsere Ideen nimmermehr; für dieselben werden wir thätig sein trotz aller Gewaltmaßregeln. F. Haburg, Junkerstr. 58. Mowaweb, 28. Nsv.(Todesanzeige.) Am 17. d. Mts. ist unser FreündZund Parteigenosse Franz Wolf aus Boel bei Mtschkau im Alter von 31 Jahren im St. Joseph-Krankenhaus zu Potsdam gestorben und fand am 19. d. M. die Beerdigung unter zahlreicher Bethciligung der Parteigenossen aus Potsdam und Neuendorf) Hierselbst statt. Dieses zur Kenntniß allen Freunden und Bekannten des Geschiedenen. Franz Stuckenbruck. Neumünker, 25. November. Auf Wunsch der alten Partei- ? genossen übernehme ich von heute an wieder die Parteileitung ür Neumünster. Indem ich solches hiermit zur öffentlichen Kunde bringe, wolle man alle Partei-Angelegenheiten an nach- stehenden Adresse richten: H. D. Plambeck, Kaiserstraße 12. dlß. Die Parteigenossen Neumünsters und Umgegend fordere ich auf, sich Mann für Mann um die Fahne zu schaaren, sich der freiwilligen Disziplin zu unterwerfen und so geordnet der bevorstehenden großen Schlacht am 10. Januar 1877 entgegen- zugehen; Eintracht und Organisation werden uns zum Siege 'führen. D. O. Das Hambnrg-Altonaer Volksblatt wird gebeten, von Obigem Notiz zu nehmen. Weetz(Holstein), 28. November.(Großer Rückgang!) Nach- dem in längerer Zeit am hiesigen Orte wenig von Agitation sich spüren ließ, ist dieselbe im November zum Schrecken unserer Gegner wieder gewaltig in Fluß gekommen. Die erste Bcr-( sanimlung fand Anfang November statt, in welcher Hr. Reimer die neuesten Ergebnisse der Thätigkeit des deutschen Reichstages kritisch beleuchtete. Die Versammlung war stark besucht und erntete der Referent lebhaften Beifall. Die zweite Versammlung, 14 Tage später, war ebenfalls überaus stark besucht. Herr O. Kapell als Referent geißelte in einem S'/eftündigcn Vortrage unter dem donnernden Beifall der Arbeiter die hcntigcn Zustände. Es hieße den Raum des„Vorwärts" zu sehr bean- spruchcn, wollte Schreiber dieses den ausgezeichneten Vortrag auch nur im Auszuge wiedergeben. Nachdem der Redner ge- endet, meldete sich ein Schulmeisterlein zum Wort, um Herrn Kapell einige Unrichtigkeiten und Widersprüche nachzuweisen. Aber da kam er schlecht weg. Freund Kapell wußte ihn wahr- hast spielend unter der größten Heiterkeit der Anwesenden derart abzufertigen, daß derselbe auf eine Replik auch sofort verzichtete. Selbst erklärte Deinokratenfrcsser haben ihre beifälligen Bemcr- kungen über diesen gründlichen Vortrag nicht zu unterdrücken vermocht.— Sonntag den 26. November hatten wir wieder eine Volksversammlung. Das Lokal des Herrn Drillcr, welches leider nur 5—600 Menschen faßt, war zum Erdrücken voll. Unser Rcichstagscandidat, Herr Oldenburg, war anwesend und sollte seine Candidatenrede halten. Nachdem das Bureau constituirt, erhielt Referent zu seinem Vortrage das Wort. Derselbe wies in sachgemäßer Weise nach, wie die heutige Gesellschaft, in welcher nur Lohnarbeiter einerseits und Kapitalisten andererseits eristirtcn, den Fortschritt der Menschheit verhindere, ja zum Theil unmöglich mache. Es sei die höchste Zeit, daß sich das Volk aufraffe und Männer in die Gesetzgebung wähle, welche für eine bessere Zukunft energisch thätig seien; und solche Männer seien die Sozialdemokraten. Im Falle also, daß er (der Redner) die Ehre habe, gewählt zu werden, werde er in diesem Sinne mit der ihm zu Gebote stehenden Kraft wirken, wie auch bei jeder passenden Gelegenheit über seine Thätigkeit seinen Wählern gegenüber Rechenschaft ablegen. Rauschender Beifall belohnte den Redner. Jetzt meldete sich ein Dr. med. zum Wort. Er dankte in kurzen Worten dem Herrn Oldenburg Gebt ihnen soviel, daß sie kümmerlich leben können und jeden Tag auf den Ertrag ihrer schweren Arbeit angewiesen sind, und im Uebrigen vertröstet sie— auf das Himmelreich. (Fortsetzung folgt.) — Paris, 1. December. Das in Deutschland durch Polizei, Staatsanwalt und Gerichte vielverfolgie Buch:„Die Preußen in Elsaß und Lothringen" von Gustav Rasch ist nun vor acht Tagen in der bekannten Buchhandlung von E. Plön unter dem Titel: ,1.« kruasiens en �1«aee-I,orruille pur na Pnissien" in französischer Uebersetzung erschienen. Es ist dies bereits die dritte französische Aus- gäbe. Zuerst erschien das Buch im Feuilleton des„Siöcle". Nach Ber- öffentlichung einiger Kapitel wurde der Administration des„Siöcle" aus dem Preßbureau in Straßburg bedeutet, daß, falls der„Siede" in der Veröffentlichung fortfahre, die Zeitung im Elsaß verboten werde. Räch einer zweiten und dritten Warnung stellte die Administration den weiteren Abdruck ein, veranstaltete aber eine Separatausgabe für ihre Abonnenten in Buchform als Geschenk. Nachdem die Scparatausgabe in 25,000 Exemplaren gedruckt war, erfolgte eine neue offiziöse War- nung aus Siraßburg mit der erneuerten Drohung, den„Siede" in Elsaß zu verbieten. Zum zweiten Male sah sich die Administration ge- �wungen, nachzugeben. Sämmiliche Exemplare liegen heute noch un- oersendet auf dem Bureau des„Siede" in der Rue Ehauchat. Aus Herrn Plön, bekanntlich einer der größten und reichsten Pariser Ver- leger— er war auch Verleger Kaiser Napoleons III.— ist eine derartige Pression, wie auf die Administration des„Siede", unmöglich, nno so wurden bereits in den ersten acht Tagen des Erscheinens des Buches über 2000 Exemplare verkauft. Die Uebersetzung des Buches ist aus der Feder des bekannten Pari, er Gelehrten und Schriftstellers Dr. L. Leger, Professor an der orien- tal:schen Akademie, der sich durch seine gediegenen Schriften über das Slaventhnm und über Böhmen schnell einen Namen gemacht hat. Er hat seine, nebenbei gesagt, treffliche Uebertragung des Rasch'schen Buches mit einer Vorrede eingeleitet, in der es zum Schluß heißt: L'auteur, Mr. Gnatave Uascb, est nn ami passionue de la France republicaine; aa Sympathie ponr nona et son talent lui vaudront certaiuemeut auprös de tous les patriotes, des lettres de graade natnralisation. /Der Verfasser, Herr Gustav Rasch, ist ein begeisterter Freund des republikanischen Frankreichs, seine Sympathie für uns nnd sein Talent oe den ihm sicherlich in den Augen aller unserer Vaterlandslieben de:: Landsleute das moralische Bürgerrech t ve�eihen' für seine klaren Ausführungen, gegen welche er und seine Ge- nossen gewiß nichts zu erwidern haben. Die Schmähungen gegen die liberale Partei könne er jedoch nicht dulden, denn Herr Oldenburg habe gesagt, sie habe Hintergedanken, worüber er Aufschluß wünsche. Herr Oldenburg wies ihm in sehr ruhiger Weise nach, daß die liberale Partei nie etwas Nennenswerthes für das Volk gethan, trotzdem sie immer alles Gute versprochen; mithin sei der Ausspruch, sie habe Hintergedanken, Wohl berech- tigt! Der Doktor, hiermit jedoch nicht zufrieden, forderte immer und immer wieder eine bessere Beantwortung. Die gestellten Fragen des liberalen Doktor, welche von Freund Oldenburg unter dem Jubel der Arbeiter schon mehrere Male präcis bcant- wortct waren, wurden zuletzt so confus, daß unser Reichstags- candidat Oldenburg bemerkte, daß es einem gebildet sein wol- lenden Manne doch wenig Ehre mache, Fragen zu stellen, die nicht einmal faßlich seien; er könne doch nicht jgegen einen Schatten kämpfen! Jedenfalls ärgerlich über die ungeschickte Interpellation seines Genossen sprang ein neuer Sozialisten- tödter, ein Bürgermeister a. D. in die Arena. Der Blödsinn, ivelchen dieser Patriot auskramte, ist zu köstlich, als daß wir ihn unfern Lesern vorenthalten dürften.„Meine Herren! Wir sind alle Sozialisten und haben immer das Wohl des Volkes angestrebt, dazu brauchen wir gar keine Sozialdemokraten." Er hätte in der Kapell'schen Versammlung schon das Wort genommen, wäre aber erkältet gewesen und sei es noch. Kapell hat sich erst gegen das Dheilen verwahrt und nachher gesagt, ob es nicht viel besser sei, wenn die Bewohner eines Dorfes gemeinschaftlich ihre Aecker bearbeiteten. Ist das was Anderes als Theilen? Derselbe hat 99 Proz. überflüssige Worte gesprochen, und wenn er Finanz- minister wird, wird er mit dem Gelde ebenso verschwenderisch wirthschaftcn. Im Uebrigen ist der langen Rede kurzer Sinn der: Wählt einen Sozialdemokraten! Ist dies hier— auf den Bureautisch zeigend— ein Bureau? nicht mal Schreibmaterial! Die Polizeibehörde wäre längst verpflichtet gewesen, die Ver- sammlung aufzulösen."— Die Versammlung wollte sich halb todt lachen über diese colossalen Neuigkeiten. Jetzt nahm Herr Oldenburg noch einmal das Wort und bemerkte, daß er die Personen des Bureaus in Schutz nehmen müsse. Was aber Schreibmaterialien nützen sollten, sei unerfindlich, falls aber die- selben in Gebrauch genommen würden, was dem Interpellanten höchst unlieb sein würde, so würden sie nur dazu dienen, um die Unwissenheit unsrer Gegner zu brandmarken! Im Uebrigen schreibe das Gesetz durchaus diese Form nicht vor. Er sei freilich nicht berufen, die hiesige Polizeibehörde in Schutz zu nehmen, halte sich aber verpflichtet, der Versammlung gegenüber zu constatiren, oaß die hiesige Behörde das Gesetz viel besser zu handhaben verstehe als besagter Phrasendrescher. Diese moralischen Fußtritte ruhig einsteckend zog der geistreiche Herr unter der größten Heiterkeit der Versammlung von dannen.— Eine Resomtion, die Candidatur Oldenburgs betreffend, wurde einstimmig angenommen.— Die ungeschickte Interpellation dieser beiden Eapacitäten hat unsre hiesige Lokalpresse voll Acrger in ihrem Berichte denn auch todtgeschwcegen. Lökil. In der ain 4. Dezember d. I. stattgehabten halb- jährlichen Generalversammlung des Fachvereins hiesiger Tischler wurden zu Vorstandsmitgliedern folgende Herren gewählt: Emil Thiel erster, Peter Schneider zweiter Vorsitzender: H. Overhage erster, Emil Paatsch zweiter Schriftführer; Math. Gindler als Kassirer. P. I. Zimmer. Mütheim a. ZiHeiit, 27. November. Vor Kurzem richteten wir an die hiesige St. Sebastianus Schützengesellschaft rcsp. den Vorstand derselben eine Anfrage betreffs Ueberlassung des Schützcnhauses(Eigenthum der Gesellschaft) zu einer größeren Volksversammlung. Nach� einigen Tagen erhielten wir die viel- sagende Antwort, das geschäftliche Interesse des Schützenhauses hinge von der Behörde ab, und diese wäre der Abhaltung einer sozialistischen Versammlung abhold. Der Vorstand besagter Ge- fellschaft, bestehend aus Ultramontanen, hat gewiß nicht bedacht, daß mit dieser Maßregel die Sanktionirung aller, auch der gegen die Ultramontanen gerichteten Maßnahmen ausgesprochen wurde. Wie war es, geehrte Schützengesellschaft, als vor Kurzem in euren Räumen die ultramontane Versammlung tagte, hat da die Behörde, die dem Abhalten von ultramontanen Versammlungen ebensowenig geneigt ist, wie sozialistischen, nicht mit dem Zaun- pfähl gewinkt? Hätte die Schützcngescllschaft sich als Mann gezeigt, trotz des befürchteten Druckes von oben hätte sie die Bewilligung auch uns ertheilt und nicht Wahrheit, Freiheit, Recht als nur pro domo vorhanden angesehen. Was aber die Aeußcrung eines Vorstandsmitgliedes, die Sozialdemokraten würden sich gewiß ärgern, betrifft, so diene diesem Herrn zur Beruhigung, daß die Sozialisten sich über nichts mehr wundern, geschweige denn ärgern können. Die Arbeiter Mülheims werden aber aus Vorstehendem ersehen, daß Ultramontanismus sowie Liberalismus dem Sozialismus gegenüber Eins sind und folglich auch gemeinschaftlich gegen uns Front machen. Bei der Wahl werden wir schon herausrechnen, ob wir an Boden gewonnen oder verloren haben. Bei der Anwesenheit Bebels in Cöln zeigte sich schon der gute Geist, indem Landlcute aus den 2 bis 3 Stunden entfernt liegenden Ortschaften sich eingefunden hatten, trotz des strömenden Regens, den Jupiter Pluvius unausgesetzt spendete. Also bei den Wahlen sehen wir uns wieder! i'A. Alinden i. W., 28. November. Am 25. d. M. fand hier- selbst eine zahlreich besuchte Volksversammlung unter dem Vorsitz der Herren Domeier und Harbord statt, in welcher Herr W cid ein an n aus Hamburg über„Die Aufgabe des Volkes" referirte. Nach einer kurzen Einleitung, in welcher Redner ctivaige anwesende Gegner aufforderte, ihn am Schlüsse seines Referats zu widerlegen, damit er möglicherweise noch etwas lernen könnte, ging Redner zur Tagesordnung über und er- klärte zunächst, daß die heute herrschenden Parteien durch Ge- waltmittel zu ihrer Herrschaft gekommen seien. Hierauf unter- zog er die verschiedenen Parteien einer scharfen Kritik und er- klärte die conservative Partei für durchaus identisch mit dem früheren Adelstande. Der Adelstand hätte früher seine Sklaven gepeitscht nnd dasselbe wünschten die.Conscrvativcn wieder zu können. Als im Jahre 1848 die Prügelstrafe abgeschafft war, wurde 8 Jahre später, 1856, wieder in Masse um dieselbe peti- tionirt. Der glückliche Staat Mecklenburg hatte sie auch wieder eingeführt, und dazu hatte sich das Volk für„gnädige Strafe", 25 Stockhiebe, auch noch zu bedanken. Dort ist es sogar vor- gekommen, sagte Redner, daß ein 70jähriger Greis, nicht mehr im Stande zu arbeiten, bei seinen Freunden und Bekannten um Unterstützung nachsuchte. Der Senator ließ den Greis einfangen und ihm 25 Stockhiebe aufzählen. Als sich derselbe aber nicht für„gnädige Strafe" bedanken wollte,- sollte ihm dieselbe Portion noch einmal verabreicht werden, als beim 13. Schlage der Greis— verstarb. Zu dem UltramontaniSmus übergehend, erklärte Herr Weidcmann, daß das Volk im Allgemeinen noch von Glauben befangen sei, obgleich die Pfaffen dem Volke nur Unwahrheit sagten. Die Pfaffen machten dem Volke glau- beleidigt habe. Die heutige Gesellschaft aber müsse noch solche Borsprecher haben, um das Volk in Dummheit zu erhalten.— Als ihr Verdienst schreibt Redner der liberalen Partei die mas- senhafte Vergrößerung und Vermehrung der Gefängnisse uud Irrenanstalten zu, während dieselben für die Schulen des Volkes > soviel wie nichts gethan hätten, da die heutige Jugend nur zur Unfreiheit erzogen werde.— Die Agrarier scheinen nur Jasager werden zu wollen, denn ein bestimmtes Programm habe man noch nicht gehört.— Nachdem Redner noch die sich ihrem Ende zuneigende Legislaturperiode des deutschen Reichstags, bezw. dessen vortreffliche Thätigkeit beleuchtet, schloß er mit einem : Hoch auf die Sozialdemokratie seinen Vortrag. Rauschender Beifall wurde ihm zu Theil, wie ihn auch bereits während des- selben häufiger Beifall unterbrach.— Der Aufforderung zur Kundgebung gegnerischer Ansichten kam man nicht nach, obwohl dies hier sonst selten nuterblieb. Nachdem Herr Domeier zur regen Thätigkeit für die Wahl unseres Candidaten, Herrn Ä. Frick aus Bremen, aufgefordert, schloß er die Versammlung.— Die hiesige„Mindener Zeitung" brachte in ihrer Montags- nummer die einfache Notiz der stattgehabten Versammlung mit der Bemerkung:„Wie wir hören, hat der Redner seinen Vor trag so eingerichtet, daß er sich nächster Zeit vor dem hiesigen Strafgericht zu verantworten haben wird." �E. chießen, 29. November. Anschließend an den Bericht im „Volksstaat" vom Anfange dieses Jahres, welcher eine genauere Darlegung der im Wahlkreise Gießen stattgehabten Agitation behandelte, haben wir noch Folgendes nachzutragen. Wie be- kannt, haben wir auch im hiesigen Kreise mit immensen Schwierig leiten zu kämpfen, was uns jedoch nicht von der einmal bette- tenen Bahn abbringen kann. Das Agitationscomitö hat auch im Laufe des vergangenen Sommers für die Wahl vorgearbeitet; wir haben in verschiedenen Ortschaften Männer gefunden, die in ihren Kreisen für die Agitation thätig einttatcn. Um nun ein- mal kräftig Hervortreten zu können, hatten wir im hiesigen Wahl- kreise für die Tage des 22., 23. und 25. November Bolksver- sammlungen nach Gießen, Alten-Buseck und Leihgestern anberaumt, in welchen Herr Rcichstagsabgeordncter Liebknecht, der als Candidat für den Wahlkreis Gießen aufgestellt ist, Vorträge hielt. Die erste Volksversammlung fand hier, und zwar im Lony'schcn Bierkeller statt. Herr Liebknecht legte in einem nahezu zweistündigen, gediegenen Vortrage die Ziele der Sozial- demokratie dar und wies die gegen dieselbe geschleuderten Vor/ würfe mit einer Gründlichkeit zurück, daß selbst die in überall-. großer Zahl erschienenen Gegner unserer Sache von der tiefen Wahrheit des Gesagten überzeugt zu sein schienen, denn trotz, wiederholter Aufforderung seitens des Vorsitzenden zur Jiiterp; pellation meldete sich Niemand zum Wort, Niemand in einer' Stadt, der es gewiß nicht an Rednern fehlt. Selbst gegen die eingebrachte Resolution: „Die heutige Volksversammlung erklärt sich mit dem Vor- trage des Herrn Reichstagsabgeordneten Liebknecht einver- standen und verspricht, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln für die Wahl desselben im Kreise Gießen einzutreten." erhob sich keine Stimme. Die am Schlüsse der Versammlung vorgenommene Tellersammlung ergab den Betrag von M. 19,50. Die für Alten-Buseck aus den 23. festgesetzte Versammlung konnte dort nicht stattfinden, da kein Versammlungslokal zu bekommen war. Es wurde uns aber möglich, an demselben Abend eine i Versammlung in dem benachbarten Wieseck zu Staude zu bringen. Auch diese war, wie die vorige, gut besucht, und verfehlte der Vortrag des Herrn Liebknecht seine gute Wirkung auf die An- ivcscndcn nicht, was die allseitigen Beifallsrufe zur Genüge be- wiesen. Die am 25. Nov. in Leihgestern abgehaltene Versamm- lung mußte wegen Mangel eines genügenden Lokals zur Hälfte unter freiem Himmel abgehalten werden. Trotz dieses Umstandes, der durch die kalte Witterung noch unangenehmer wurde, hatte sich auch hier eine sehr große Zuhörerschaft eingefunden, welche dem Vortragenden die begeistertste Zustimmung zollte.— Dies wäre der kurze Bericht über diese Versammlungen, mit welchen wir in den Wahlkampf eingetreten, der aller Wahrscheinlichkeit nach ein interessanter zu werden verspricht, da für den Hiesigen'., Wahlkreis 4— 5 Candioaten aufgestellt werden sollen. Viele der.. seitherigen Anhänger des Freiherrn v. Rabenau wollen sich von demselben im Reichstage nicht mehr„vertreten" lassen und be- finden sich auf der Suche. Auch ist noch von einer andern Partei eine unbekannte Größe in Aussicht genommen. Wäre es uw vergönnt, Herrn Liebknecht noch länger unter uns zu habe», di l Möglichkeit, bei der Reichstagswahl zu siegen, wäre nicht au- geschlossen, da wir es mit mehr oder weniger zersplitterten Pai teien zu thun haben. Trotz der großen Schwierigkeiten, V� Weigerung der Lokalitäten k., tragen wir die Hoffnung in ui. daß namentlich die Landbevölkerung bei dieser Wahl zeigt, t,' i sie durchdrungen ist von dem Bewußtsein, ein gutes Werk' M rhun, wenn sie einttitt für die Interessen der Arbeiter; daß sie ihre eigenen Interessen wahrt, wenn sie einem Mann ihre Stimme giebt, der den Interessen des Volkes ganz und voll Rechnung trägt. Wir haben es dahin gebracht, daß sich schon eine ziem liche Anzahl sozialistischer Schriften und Blätter auf dem Lande � Eingang verschafft hat. Daß sie ihre gute Wirkung nicht ver-' fehlen, werden die Reichstagswahlen zeigen. Und nun„Vor wärts"! Arnstadt, 27. Novbr. Montag den 6. d. M. hatten wir hie-: unsere erste Reichstags- Wählerversammlnng, in welcher unsei Candidat, Hr. Wilhelm Bock aus Gotha, sein Programm klat" legte. Die Versammlung war sehr zahlreich besucht und es; wurde folgende Resolution gefaßt:„Die Versammlung erklär: sich mit der Candidatur des Herrn Wilhelm Bock einverstanden- er sei der Mann, der' voll und ganz für des Volkes Wohl ein, , tritt. Jeder müsse dahin wirken, daß der Arbeiterkandidat du s ' Majorität bei der Reichstagswahl erhalte."— Die Versammlunc wurde kurz nach 10 Uhr ohne Diskussion geschlossen. Für dei i Wahlfond wurde eingenommen M. 17,65. XL. Unser Verkehrslokal befindet sich von jetzt ab im GA'' I haus zum goldenen Adler, welches wir durchreisenden Co,� angelegentlichst empfehlen. R. Gläser.rT U H>alle a. S., 31. November. Da es uns durch verschw�( 1 Machinationen der„Reichsfreunde" nicht vergönnt war, die!" s ! längst in Wettin anberaumte Volksversammlung zu End!"- ' führen, in welcher ganz besonders ein dortiger Pfaffe sein 3/st � lichstes tbat, dieselbe zu stören, so fühlten wir uns, trotz" Ausspruches der dortigen Herren,„wir sollten in Halle bleil� � da sie von uns keine Belehrung wollten", dennoch veranlf« wiederum daselbst eine Versammlung abzuhalten. Während'- der ersten Versammlung die dortigen Arbeiter sich nicht getrau�" sich lebhaft an derselben zu betheiligen, und jene Herren ger5 dies vielleicht erwarteten, war es diesesmal ganz anders, i-' Herren hatten die Rechnung ohne die Arbeiter gemacht, da d'' selben in großer Anzahl sich versammelten. Freund Rödig' eröffnete die Lersaminlung um 4'., Uhr und wurde der Schi) machermeister Bühl aus Halle zum Vorsitz und Unterzeichne' i i> 'H 's kritisirte das tückische Verfahren der sämmtlichen Gegenparteien, fordern wir hiermit auf, ihren Pflichten so schnell als möglich nachzu- hob die verschiedenen Wahlbecinflussungen, welche von der bc kommen, da von jetzt ab bis �ur Wahl zwei Agitatoren thälig sein(fVUU i. �end-n Klaffe, auf die Arbeiter, ausgeübt werden,, hervor, er- s°�. � Tlafen.'kasflr? Hmt?r� 120,©UW WeihNachts-VergNÜgell klärte ausführlich, wie das Wahlrecht zu handhaben sei, und unterwarf namentlich das Schulwesen sowie auch die furchtbaren Militärausgaben einer für die Gegner der Freiheit nicht eben schmeichelhaften Kritik. Daß einige Herren Minister ihren Theil dabei bekamen, konnte dem anwesenden Herrn Bürgermeister nicht gefallen, und unterbrach derselbe den Referenten während sei- nes Vortrags mit ungefähr folgenden Worten:„Ich ersuche den Redner, nicht hochgestellte Personen zu beleidigen."(Echt par- lamcntarisch! Von Beleidigungen war keine Rede, Herr Bürger- meister; oder können Ihre Gehörsorgane die Wahrheit nicht vertragen? Allerdings eine starke Zumuthung für Leute Ihres Schlages. Bemerkung d. Eins.)— Nach beendigtem Vortrage, welcher sehr oft durch Beifallsbezeigungen von Seiten der Ar- beiter unterbrochen wurde, meldete sich ein Pfaffe Namens Goltze zum Worte, welcher den Referenten von der Unrichtigkeit seiner Ansichten überzeugen wollte. Derselbe bemerkte, daß der Referent sehr viel Wahres in Bezug auf die Volksschule gesprochen habe, daß jedoch Herr Rödigcr keine Mittel und Wege gezeigt habe, auf welche Weise die Volksschulen in einen besseren Zustand ver- setzt würden. Der Referent hatte aber klar und deutlich gesagt: Man erhöhe die Gehälter der Lehrer, dann werden 1) dieselben nicht mit Nahrungssorgen zu kämpfen haben, 2) der Lehrer- mangel würde aufhören, da in Folge eines guten Gehaltes sich mehr Personen bewogen fühlen würden, Lehrer zu werden und schließlich die Lehrer mit mehr Lust und Liebe ihren Beruf er- füllen würden. Ferner bemerkte Goltze noch, die Sozialdemo- kratcn wollten mit den Waffen in der Hand, also durch eine Arbeiter- Sängerbund. Am 26. December d. I.: s An die Gesinnungsgenossen Altonas! Da die Wahlen zum Reichstag am 10. Januar 1877 stattfinden, ist im FlcnSbnrgcr Tivoli crt, Gesang, Theater, Festrede und Ball. bestehend in Conccrt, Lokalcröffnung 5 Uhr. Anfang 6 Uhr. Karten für Herren SO Pfg., für Damen ZO Pfg. sind zu haben es nothwendig daß wir unsere Kräfte voll und ganz anspannen, da- bei den Herren P. Lassen. Neustadt; Fuhr, Fries, Norderslraße; mit wir auf unseren Candidaten Hasenclever noch mehr Stimmen ver- Zimmermann, Compagniestraße; Boß, Heiligergeistgang; Schmidt, emlgen, als bei der letzten W ah Holm 829; Dö.ll; Südermarkt(Cigarrenladen); Albrecht, Plankemai� Jedes Gefinnungsgenossen Beitreben wird es auch l-in, daß wir' Einführung ist gestattet. Um zahlreiche Betheiligung ersucht nicht nur im 8. Wahlkreis siegen wollen, sondern die errungenen Siege z 90](2a) Das CS 0 m i t c üiSÄfiS dazu gehört vor allen Dingen Geld. Es werden deshalb die Gesin-~ Sonntag, den Ii. December, Morgens� 10 /z�Uhr� finde» bei nungsgenossen, welche im Besitze von Parlamentswahlkassen sind, drin- �vvas,«treitzeuggaiie 10a: AußerorbettÜtchc(ficiteratvcr- gend aufgefordert, die Gelder unverzüglich beim Kassirer Hrn. Lensch, fammlung statt. Tagesordnung: Seiptechung sehr wichtiger QJtnofien. Holstenstr. 43 I, abzuliefern. Sorge Jeder dafür, daß es dem Ar-'>stsangclegenhelten.- Die vcrehrlichen Mitglieder, werden mit de.-n beircrwahlcomitL auch möglich gemacht wird, einen genauen Ueberblick P�äiudiz zum zahlreichen Erscheinen eingeladen, daß die Nichterschie- v-_____<.<...... X. 0 tiptipt! NM iVtt inpi.-fi iniiiptt hpr rtntnnpTinrn yjföIDritnt tir fitrtpn finf�pn über die vorhandenen Gelder zu gewinnen. Der Borsitzende des Arbeiterwahlcomites: O. Reimer. nencn sich den Beschlüssen der anwesenden Majorität zu fügen haben. 2,40) lF. 65)_ Für den Aufsichtsrath: E. THill. An die Wahlcomit�s dcs Landkreises Cöln. Der Wal. Das Central-Wahlcomite, welches sei> Bekanntmachung. Nachdem Herr Rudolph Benjamin Seifert hier, Redakteur des l früher unter der Aufschrift„Der Volksstaat" erschienenen Organs der sozialistiscken Arbeiterpartei Deutschlands, aus Anlaß der Veröffcnt- Kreise noch sehr' wemg'S*".r aTi™«chnng»er in Nummer 36 des diesjährigen Jahrgang- dieser Zeit (i'tt' schrift auf der dritten und vierten Seite abgedruckten Artikel ä.(I. f\t Vnfntt*',, tZUjJZ! S°°lf-ld, 10. März,, wegen öffentlicher Beleidigung auf Antrag des eignet, die Agitation zu leiten, wie es sich bisher bewiesen hat. Ich mache daher den Vorschlag, daß wir gemein, am mit dem Wahleom.itä( c. W-:A«.«trnfn-{,Rf,,,AÄ" inmin 8 oft hea-Beirfii der Stadt Cöln die Agitation betreiben Leitung übertragen, weil wir ja doch auf alle Fälle auf dessen und den Cölner Güsten d e' Reichs-Strafgesetzbuchs, sowie ß 20 des Reichs-Preägesetzes 185 und 186 vom der fräste angewiesen sind. Ich bin fest überzeugt, daß wir dann weit vor- l».6"d tfinfhnftpr nnitirrn fftnnpr! ha ssnsn ia hn.� nfmphm h�r Mtrhinhirtina* P.at9U'.a�eT�. QUf die VeroNtziitllchUNg des verfugenden Theiles dieses blutige Revolution, zu ihrem Ziele gelangen. Nachdem der Re- der Berbindungs- urtheils in°dem an Stelle des eingangsgenannten Blattes getretenen N?' ferent ihn gehörig zurechtgewiesen und dessen albernes Geschwätz gründlich widerlegt hatte, erlaubte sich der betreffende Schwarze noch einige Verdächtigungen aus der Schuster'schen Broschüre gegen die Sozialdemokratie vorzulesen, wurde aber von den Versammelten ausgelacht und zog schließlich vor, sich unsichtbar zu machen.— Herr Bühl empfahl dann in einer kurzen, kcr- nigcn Ansprache die Unterstützung der Candidatur Rödiger's, welche mit allen gegen eine Stimme angenommen wurde.— Nachdem nun zum großen Aerger des Bürgermeisters und Eon- sorten ein Hoch auf die Sozialdemokratie Deutschlands ausge- bracht worden war, in welches sämmtliche Arbeiter enthusiastisch einstimmten, wurde die Versammlung S'/s Uhr geschloffen. Eine Tellersammlung ergab 7 Mark. Es sei noch bemerkt, daß an den Besitzer dcs betreffenden Lokales eine Postkarte gelangte, deren Inhalt den Wirth veran- lassen sollte, uns das Lokal zu verweigern, widrigenfalls er mit der Staatsanwaltschaft in Conflikt käme. Besten Dank für die Postkarte; Weiteres wird sich finden, denn sie befindet sich in unseren Händen. Ter Schriftführer W. D— r. Kcidekberg, 6. December. Am Sonnabend, den 2. December, hielten wir hier im Lokale des„Faulen Pelz" eine sehr gut be- suchte Volksversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand„Absolutismus und Constitutionalismus", welche von unfern aufge- stellten.Reichstagscandidaten, Hrn. Treesbach, welcher als Rcfe- rent erschienen war, in eingehender Weise erledigt wurde. Auf die Einzelheiten des vorzüglichen Vortrags einzugehen, würde hier zu weit führen, bemerkt sei nur noch, daß die Versammlung demselben mit Spannung solztc und ihn mit ungetheiltem Bei- fall aufnahm. Nachdem noch einige Redner gesprochen, ergriff zum Schluß noch einmal Hr. Dreesbach das Wort, um in kurzen kernigen Worten die anwesenden Arbeiter zu ermahnen, sich durch keinerlei Drohungen und Einschüchterungen seitens der Arbeitgeber in der Ausübung des Wahlrechts beeinflussen zu lassen, sondern voll und ganz für ihre Ueberzeugung einzutreten, auch selber dafür zu sorgen, daß ihre Namen in die Wähler- listen eingetragen würden, weil die Herren bei Aufstellung der- selben in Betreff der Arbeiter oft an einer furchtbaren Gedächt- nißschwäche litten, wovon man allerdings bei Eintreibung der Steuern nichts spürte.— Tie Liberalen sind hier noch nicht öffentlich mit ihrer Agitation hervorgetreten, desto eifriger wird aber in verdeckter Weise agitirt und geschieht dies namentlich in Versammlungen wo von hochgelahrtcn Professoren sogenannte wissenschaftliche Vorträge gehalten werden, zu denen Jedermann Zutritt hat. Hierbei wird dann schon das Nöthige besorgt, denn eine Interpellation wird nicht zugelassen, ebensowenig findet eine Diskussion statt. Freilich kommt man beim Anhören dieser „Vorträge" zu der Ueberzeugung, daß diese Herren sich um die Menschheit verdienter gemacht hätten, wenn sie ein anderes Handwerk gelernt hätten. , Freuen i. p., 29. November. Zur Wahlbewegung können �vir folgendes berichten. Es hat sich ein Wahlverein der hie- sigen Sozialdemokraten gebildet, welcher sich noch steten Zu- wachscs erfreut. Unsere Lokalpresse thut allerdings, wie immer, ihr mögliches. Die Geyer-Affairc, der Küsterbricf u. dgl. mehr vom„Rückgang" der Sozialdemokratie wird immer aufgetischt. Dem b-ltz lus- gegcnübcr müssen wir mehr thun, wie bisher; darum ist es Pflicht jedes Parteigenossen, den„Vorwärts" mehr unter die Massen sv; r 51, t ss ist, i ii j ' I <> 1 i ji zu bringen und zu verbreiten. Diesmal werden wir wohl auch durch lebhafte Agitation mehr Stimmen herausschlagen. Wir machen die Parteigenessen noch daraus aufmersam, mehr in unserem Vereinslokal zu verkehren, welches sich bei Franz Wolf, Lengenfclderstraßc befindet. Das Wahl-Comitä. F.-ß. I.-m. PUtallfn\SrC®lie%nf?fSSigcnof(e Schumacher wieder nach wvll ist�v��rd Sv�Z�r�Z'Ä� Cöln zieht, welcher die Verhälwisse des Landkreises genau kennt, so worden ist, o wird solches hierdurch öffentlich werden wir in der Lage sein, an allen Hauptorten Versammlungen ab- j»eeember 187,; halten zu können. Ich ersuche daher alle Diejenigen, welche mit mei- � im �oiir'anrri� nem Vorschlage einverstanden sind, sich behufs Einberufung von Ver-' 3 Abtheiluim stür Strafsachen sammlungcn-c. an den Genossen G. Heinrichs, Alte Mauer am Bach Abth-llung sur«trassachcn. Ztr. 56, wenden zu wollen, welcher das weitere vermitteln wird.*—-:--— Mit Brudergruß zeichnet AamUKl' et,..., I. A. dcs Wahlvereins von Kriel: Soeben erschien' I. Kröger. Die Fackel. Briefkasten der Redaktion. A. F. Sp.: Das Werk kostet M. 2,20 mit Porto> So'ias.demokratiickies Wasililuablatt Nr 15 für d°i, zuschlag.— Dem Ucbclstavd wird abgeholfen werden. Können Sie! ��1- 0i.M0rraiIfly.S-UöllytstUgotail �JCr. J.O slir Oeil den betreffenden Märkischen Bvlksfreund nicht einsenden? Wegen seiner 10., 11., 12., 1Z. Ultb 14. sächsischen WayUreis. geringen selbstständigen Bedeutung hält ihn die Redaktion nicht. Inhalt: Ueber das in Aussicht genommene„Oberste Reichsgericht". der Expedition. Euler in Hanau und Abonnent in Grabow:— Correspondenz.— Vierte Brandrede dcs Nationalschriftstellers Kuno Der„Vorwärts" geht den Abend vor dem Erscheinungstage mit dem i Sparrig aus Gosenhain.— Briefkasten. Abcndzuge(8 Uhr 40 M.) von hier ab, so daß am Tage des Erschei- Preis per Stück 5 Pf., Wiederverkäufer erhalten hohen Rabatt. ncns das Blatt in aller Abonnenten Hand sein kann und soll.— Bestellungen bei der Expedition des„Vorwärts" Färber- Quittung. Zlbrgr Steyr durch Rlff das. Ab. 3,27. Brknhr Tor- swaße 12, Leipzig. Verlag der„Fackel". Szersany Ab. 1,50, Schr. 3,29. Jgl Netzschkau Schr. 3,05. Bdhlz Nr. 16 wird Sonnabend 11 Uhr ausgegeben. Buchholz Schr. 6,20. Gaks Offenburg Schr. 2,00. Frdlndr Berlin------- Schr. ,,00. Bpp Rottweil Schr. 0,65. Drnf Kelkheim Schr. 3,60.| vlliCtl k�tsllUlllllAHsstllöfftll Hbsch Efferitz Schr. 6,00. Wntr Bruchsal Schr. 3,00. Pngrl Augs bürg Ab. 12,20. Brbm Gotha Ab. 13,60 u. 20,00, Lhmnn Pforzheim Schr. 8,75, Wggrs Münster Schr. 3,30, Böttcherverein hier Ann. 1,40. Grllnbrgr Nürnberg Ab. durch A. B, hier 9,80. Nkrchnr hier Schr. 2,25. Kllnr Saalfeld Ab. d. L. hier 4,50. KrtschmrDort- mund Ab, 1,70. Grd Stötteritz Ab. 4,00, Flschr Klein-Zschocher Schr. 7,75. Ntjckmnn Connewitz Ab. 0,45. Arbeiterverein Connewitz Ann. 1,30. Knstmnn Erlangen Schr. 8,00. F. Hrtngr Wien Schr. 10,00. Rfflr Heimersdorf Ab, 2,96. Bttrmnn Markersdorf Schr. 6,00, F. Ellnr Frankfurt Schr. 50,00. A. Brbm Getha Ab. 20,00. Kfchmdr Nordhausen Ab. 7,00. Bttchr Gera Schr. 12,00. Fdlr Oederan Schr. 6,75. Hppl Görlitz Schr. 6,00. Dllr Zwickau Schr. 20,85. Tischler- verein Cöln Ann. 1,00. Brmnn Frankfurt Schr. 0,20. Hrrndrf Cöln Ann. 3,30. Mngr hier Ab. 0,60. Kchnrthr Hof Schr. 9,60. Wß Goldlauter Schr. 7,13. H. Hrrß Pößnet Schr. 6,00. Schndnbch Brunndöbra Schr. 6,50. Mdlr Greiz Schr. 9,00. Lsch Rottluff Schr. 7,60. Hrbg Würzburg Schr. 27,60. Kng Schönau Schr. 8,35. Schtzr Frankfurt Ab. 9,60. Otlrbch Stuttgart Ab. 6,20. Pnngr Bre- men Ab. 42,00. Mttg Altona Ab. 22,50. Klbflsch Dortmund Ab. 15,00. Ldng Flensburg Ab. 21,50. Khl Ottweiler Ab. 1,90. Strw Meiland Ab. 8,13. Schwrtz Darmstadt Ab. 3,00. Br Salzburg Ab.! 0,48. R. N. Kreuznach Ab. 1,60. E. Tll Deutz Ann. 1,50. I. P. Bludcnz in Nr. 17 des„Vorwärts" sind unter Ihren Na men 6,71 quittirt. die Mittheilung, daß die von uns für die Wahlagitation veranlaßte und vom Parteigenossen A. Bebel verfaßte Broschüre: Die parlamentarische Thätigkeit des Wahlfonds. v. E. L. FranksuN a/M. 2,90. Anzeigen zc. Deutschen Reichstags und der Landtage von 1874—1876 nebst einem Anhang, enthaltend: Winke für die Agitation, Auszüge aus den deutschen Vereins- und Versammlungsgesetzen, dem Strafgesetzbuche, dem Reichswahlgesetz, der Reichswahlverordnung tc. tc. Freitag, den 24. November, im Verlage der Allgcm. deutsche!! AssoziationS- Buchdruckerei in Berlin, Kaifer-Franz-Grenadicr- Platz 8a, erscheint und sind die Bestellungen sofort dorthin zu richten. Die Broschüre wird 9 Bogen 6.-8» stark und kostet einzeln 30 Pf., in Partien 25 Pf. per Exemplar.— Im Buchhandel beträgt der Preis per Exemplar 50 Pf. Tie Broschüre ist prpulär geschrieben und enthält nicht nur eine gründliche Beleuchtung der verhängnißvollen Thätigkeit, welche der Liberalismus im Reichstag und in ven Landtagen in den letzten drei Jahren entfaltete, sondern der Verfasser entwickelt auch, an die einzelnen Punkte anknüpfend, die Forderungen der Sozialdemokratie, im Gegen» satz zu denen dcs Liberalismus. Die Broschüre ist also als eine Kritik der Gegner und ein Pro- gramm der eigenen Partei zu betrachten und ist ein unentbehrlickiks Hilfsmittel für den bevorstehenden Wahlkampf, wie das beste Agitativns- mittel für das arbeitende Volk. Wir fordern alle Gesinnungsgenossen dringend auf, die Broschüre nicht nur für den eigenen Gebrauch sich anzuschaffen, sondern auch ihre- weiteste Verbreitung in den Massen zu befördern. Das(lcntral-Wahl-Comits. Auer. Derossi. Geib. Hartmann. Brasch. Annoncen für die Mittwochs-Nummcr müssen bis Mon- tag Vormittags 9 Uhr; für die Freitags-Nummcr bis Mitt--~------- �----, woch-Vormittags 9 Uhr; für die Sonntagö-Nummer bis Frei--Urt iDCClClulIlUl' tag Vormittags 9 Uhr hier fein, wenn solche noch bestimmte\- p,™.... Ausnahme finden sollen. Annoncen, denen der Betrag nicht I W.r bcabstchtigen dem vorletzten Hefte(Nr. 17) der Aenen bciliegt, oder für welche der Einsender kein Depot bei uns hat, Wctt eine "" Extra-Annoncellbeilage r in Altona. Oeifentliche Quittung. Vom 14. Oktober bis zum 30. November sind für den 8. und 9. schleswig-holsteinischen Wahlkreis bei dem Unterzeichneten folgende Gelder eingeliefert: Bon Otto Horn's Cig.-Fabr. 9,20; Fränkel's Cig.« Fabr. 139,77; Lassen's Cig.- Fabr. 23,20; Bossing's Cig.-Fabr. 23,00; Duve's Cig.-Fabr. 23,45: Haß in Nciistadt 10,00, Stark in Kiel durch Reimer 3,00; C. Mosar's Cig.-Fab. 15,10; Ueberschuß von einem Fest der Tischler durch Dittmer 49,65; Aprnemann's Cig.- Fabr. in zwei Raten 75,30; Hinkel's Cig.- Fabr. tzxf-,00; von Steinmetzen und Marmorarbeitern von Hamburg, Altona id Umgegend 9,80; Peter Horn's Cig.- Fabr. 27,00; Jacob Del- x vnte's Cig.-Fabr. 40,00; Hieronymus' Cig- Fabr. 85,00; von Ar- �.eitsleuten Altonas durch Cordes, Schmidt und Gebauer 201,20; Ohl- . si's Cig.-Fabr. 1. Rate 50,00; durch Rawe von C. F. 6,00; Dohrn's "üg.- Fabr. 50,00; Prödel's Cig.-Fabr. 20,32; Dchncke's Cig.- Fabr. „4;. 42,09; Henry Hein 4,20; aus Oldenburg durch Molkenbuhr 22,00; '"i' �Oldesloe durch Gundelach 2,20; Ueberschuß von einem Fest i.1875) der 1 1-�Schneider durch Heinsen 22,56; von Schuhmachern durch Starkjohann kv�7,00: Ueberschuß von einem Arbeilerfest durch Hecht 145,28; Leon- ildhard's Schuhmachcrwerkstadt 40,00; von Metallarbeitern durch Chri- s jtiansen 4,20; von Cig.-Arb. durch Rothermundt 37,20. . 2 H. Lensch, Holstenstr. 43, I. Itzehoe. Einnahme für den 5. schleswig-holsteinischen 1 Wahlkreis vom I.November bis 1. December 1876. Itzehoe I.Rate .,' 92,70; 2. Rate 30,00; 3. Rate 12,25; 4. Rate 85,50; Warne 1. Rate , k 2,65; St. Magrethcn 1. Rate 3,60; 2. Rate 13,40; Brunsbüttel 4,00; ' Burg 21,00; Kellinghuscn 30,00; Eddalack I.Rate 3,75; 2. Rate 7,00; .j iCrempe 4,10; Lundcn 4,00; Beidenfleth 12,00. t (S OötUtvT im �Go'ldmen Schiff"�®ecmbeT' 3lia�mitto0ä 3: beizugeben und berechnen die dreispaltige Pctitzeile oder deren. Große Wählerversammlung. Herr Br. Geiser aus Leipzig, Reichslagscandidat für den 1. An- haltischen Wahlkreis, ist anwesend.(70 Das Arbeiter-Wahlcomitv. Sonntag, den 10. December, Nnchmib v31tl|VlllwtU'til. tags 4 Uhr, in der„Flora" am Kaiserplatz: Große Volksversammlung. Referenten: Herr F. Kühl aus Duisburg und Herr W. Hass mann aus Barmen.(70 Alle Mann am Platz. Bei der großen Auflage— 20,000— der Menen Rett sehen wir zahlreichen Aufträgen entgegen und ersuchen Reflcc- tanten, uns ihre Inserate unter Beilegung des Betragsrechtzeitig einzusenden.— Eine Zeile faßt etwa 8 Worte. Die Erpcdition dcs..Vorwärts". Färberstr 12/11. ... EleganteEinbanddeckm i-u Qotliitrr Allgemeiner deutscher Schneidervcrcin Montag, den 11. December, Abends 8 Uhr, im für die„Neue Welt' find ä Stück M. 1,20. gegen baar oder Nachnahme(cxcl. Porto) Thüringer Hof A» durch Unterzeichnete und die Buchbinderei von K. Jansen. wähl der Arbeitsnachweiscouimission. s60 Leipzig, Universitätsstraße Nr. 16 zu beziehen. Alle Collegen werde! freundlichst ersucht, sich recht zahlreich einzu finden. D. B. �4.�44�1�14, Mittwoch, den 13. December, Abends 9 Uhr, Hl*. llp» int Gasthof„Zum goldenen Löwen": Volksversammlung. Referent: Herr Tagesordnung: Die bevorstehende Reichstagswahl. H. Ramm aus Leipzig. ITB. Die Parteigenossen werden ersucht, eifrig für diese Bersamm- lung zu agitiren. Der Agent.(80 Colportcurc und Filialcxpcditioncn erhalten bei Partie- bezug entsprechenden Rabatt. s420 HL. Es empfiehlt sich bei Einzelbezug Einsendung von Briefmarken Protokoll des Sozialisten-Congresses zu Gotha vom 19. bis 23. August 1876. Einzelpreis 30 Pf.; bei Bezug von 10 Expl. und mehr a 25 Pf. das Stück. Das Kreuzbandporto, welches mit eingesandt werden muß, tm~mf"—" 16 Expl. Montag. II. December.: beträgt auf!-4Expl. 10 Pf., auf ü-«Erpl. 20 Pf., aus 9 Abends 8 Uhr, im Gasthof 30 Pf. Bezug nur gegen baar oder Nachnahme. zu Thonberg: Große Volksversammlung. Tagesordnung: Die nächsten Äeichstagswahlen. Referenten Wer Partei, Hamburg, cstellnugeü' find zu machen beim 'erdcmarkt 37 III. ekretarrat der Verantwortlicher Redakteur: W. Liebknecht in Leipzig. r- m'jrcrhprytvQ&P ITT