Erscheint in ftipttg Mittwoch, Freitag, Sonntag. Abonnementspreis für ganz Teutschland 1 M. 6P W. pro Quartal. Monats- Abonnements werden bei allen deutschen Postanstalten auiden 2. und 8. Monat, und aus de» 3. Monat besonders angenommen: im Königr. Sachsen und H-rzogth. Sachsen- Altenburg auch aus den Itcn Monat des Quartals ä 54 Psg. Inserate betr. Bersamml-ngen pr. Petitzcile 1« Ps., betr. Privatangelegenseiten und Feste pro Petitzeile 30 Ps. Vo rw ärls Vtliellungcn nehmen an alle Postanstaltcn und Buch- Handlungen des In- u. Auslandes. Filial- Expeditionen. Pew-Porl: So».-demokr. Benosscn» schastsbuchdruckerei, 144 Eldridge Str. Philadelphia: P. H-h, 630 North 3»4 Street. I. Boll, 112» Charlotte Str. Ehicago: A. Laniermann, 236 lllei- siou Street. San Franzisco: F. Sntz, 418 O'Far- rell Street. London: Bauditz, 5 Nassau Street» dliddleser Noapital. Gentrat Grgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 2. Freitag, 5. Januar. 1877. Die Vertheilung des Grundbesitzes in Gros;- britannien. England genießt bekanntlich den zweifelhaften Borzug, das Land zu sein,' in welchem die größten Gegensätze zwischen Arm und Reich herrschen. Besonders gilt dies von der Vertheilung des Grundbesitzes(und wen es interessirt, wie diese zu Stande gekommen ist, der lese in Marx'„Kapital" den Abschnitt über die„sogenannte ursprungliche Accumulation" und in Liebknecht's „Grund- und Bodenftage" das betreffende Kapitel). Indessen wußte man bis jetzt nicht genau, konnte nicht ziffermäßig an- geben, wie diese Bcrtheilung im Einzelnen beschaffen ist; es war eine allgemeine Annahme, es gäbe im vereinigten Königreich überhaupt nur 30,000 Grundbesitzer. Diese Zahl wurde den englischen Lords oft vorgeworfen, und das wurde denselben so unangenehm, daß sie sich im Februar 1872 auf Anregen des Grafen Derby an die Regierung wendeten, um eine genaue Uebersicht über die Eigenthumsverhältniffe an Grund und Boden und die Vertheilung des hieraus fließenden Einkommens zu er- halten. Die Regierung ließ das betreffende Material zusammenstellen, allerdings ohne es von einer Menge Fehler zu befteien und ohne es zu ordnen, und die Lords erreichten ihren Zweck, nachzuweisen, daß die Zahl 30,000 falsch sei; es giebt mehr: wieviel aber und was für welche, das werden wir gleich sehen. Wir entnehmen diese statistischen Belege einem in den„Jahr- büchern für Nationalökonomie" veröffentlichten Auffatz von I. Conrad. Derselbe hat sich die Mühe gegeben, das rohe Material der parlamentarischen Blaubücher, welches Liebknecht für die 2. Auflage seiner Grund- und Bodenftage noch nicht zu Gebot stand, zu sichten. Die in den betreffenden Blaubüchern enthaltenen, von der Regierung übrigens eingestandenen Unge- nauigkeitcn konnte er freilich nur zuni geringsten Theilc gut machen. Zum Theil waren dieselben allerdings nicht gut zu vermeiden: soweit nämlich die eigenthümlichen Eigcnthums- und Pachtverhältnisse Englands daran Schuld sind. Ein großer Theil des Landes(z. B. der Boden, auf dem Manchester steht) ist auf 999 Jahre verpachtet, andere Strecken auf 99, auf Lebenszeit, aus Erbpacht u. s. w. Eine Pacht auf 99 Jahre ist nun, be- sonders wenn die jährliche Abgabe klein ist, fast wie Eigenthum anzusehen; wenigstens war das die Ansicht des Parlaments und der Regierung; und so entschloß man sich, Pachtungen ans 99 Jahre und darüber, sowie solche mit einem Rechte auf fort- dauernde Erneuerung als Eigenthum zu betrachten. Genau genommen liegt hierin aber eine Fälschung der Statistik zu Gunsten der herrschenden Klasse.— Zu den Fehlern, die zu vermeiden gewesen wären, gehören die vorgekommenen Doppelzählungen, die daraus entstanden, daß eine Person, die in verschiedenen Theilen des Landes Grundeigenthum besaß, öfters für mehrere gezählt wurde, was in sehr vielen Fällen allerdings von den Beamten der Regierung verbessert worden ist, sodann das Mit- zählen der Corporationen, der Mangel einer Unterscheidung des landwirthschastlichen Einkommens von dem aus Häusern u. s. w., Faktoren, die alle mehr oder weniger die Zahlen für die„Ent- erbten" in einem günstigeren Lichte erscheinen lassen. Betrachten wir zuerst England und Wales, jedoch mit Aus- schluß der Metropole London. Hier betrage» die Grundbesitzer 972,836 oder, wenn man die Familie zu 4,5 Personen annimmt, so Partizipiren am Besitze 22,5 Proz. der Gesammtbevölkerung, welche etwa 19'/, Millionen beträgt. Das ist zwar kein günstiges Berhältniß, doch nicht gerade ungünstiger wie in anderen Län- dern. Sehen wir dagegen nach, wie sich diese Besitzenden wieder unter einander klassiffziren, so stoßen wir ans die interessantesten Thatsachen, die wir in einer kleinen Tabelle folgen lassen wollen. Die vorstehenden Zahlen bedürfen keines Commentars; sie ver- dienten aber von allen denjenigen genau studirt zu werden, die der heutigen Ordnung der Gesellschaft nichts auszusetzen ftnden. Diese sollen uns doch erklären, warum 4917 Personen fast ebensoviel ginkommen aus Grundbesitz haben, wie 264,340, oder warum 290 Personen den achten Theil des ganzen Landes ihr Eigenthum nennen. Ja, die Zahl 290 ist wegen vorgekom- mcner D»ppelzählung sogar noch zu vermindern und schließt übrigens sehr ungleiche Elemente ein. Tie Concentration ist nämlich so beträchtlich, daß, nach einer Berechnung des„Journal des Economistes", 47 Personen zwischen 20 und 30,000 Acres, 27 zwischen 30 und 40, 8 von 40— 50, 18 von 50— 100,000, 6 100.000 nhcr rnpfir VlcreS belitien. Das Einkommen eines solchen Mannes der letzten Kategorien— wohlverstanden, aus Grundeigenthum allein— beläuft sich bisweilen auf mehrere Mllioncn Mark. Diese Verhältnisse sind, wie Jeder zugeben muß, sehr schroff. Trotzdem werden dieselben noch übertroffen durch diejenigen Schottlands. Hier theilen sich 300 Personen in 70 Proz. des ganzen Landes(mit Ausnahme des Grund und Bodens der Stäote mit 20,000 Einwohnern und darüber) und beziehen 22,21 Proz. des gesummten Jahresertrags; jede hat ein Areal von mindestens 10,000, im Durchschnitt aber 40,000 Acres, die ihr 10,000 Pfd. St.(200,000 Mark) jährlich einbringen. Einige bringen es allerdings auf ein weit höheres Einkommen. So gehören dem Herzog von Richmond 241,881 Ares mit 59,197 Pfd. St. Einkünften, dem Herzog von Argyle 168,315 mit 45,672 Pfd. St.; der Herzog von Hamilton besitzt 50,235 Acres mit 46,000 Pfd. St. Ertrag, wozu noch Einkommen aus Berg- werken u. s. w. kommt, so daß er aus Grundbesitz allein jährlich 113,803 Pfd. St.(2,276,100 Mark) bezieht. Die Besitzungen von 1000—10,000 Acres sind in den Händen von 1300 Personen; sie betragen 23,01 Proz. der Fläche, liefern 28,72 Proz. des Ertrags und verschaffen ihren Eigenthümern ein durchschnittliches Einkommen von gegen 3000 Pfd. St., was noch immer recht anständig ist. Nachdem diesen 1600 Leuten der beiden ersten Kategorien der Löwenantheil zugefallen ist, bleibt für die 16,000, welche 1— 1000 Acres besitzen und die 76,000, die nicht einmal 1 Acre haben, natürlich nicht viel mehr übrig. Erstere bilden 17 Proz. aller Grundbesitzer Schottlands, haben ein Eigenthum von 1,452,444 Acres mit einem Jahrescrtrag von 4,533,471 Pfd. St., eine Zahl, die allerdings sehr ungenau ist, da gerade hier auch andere als landwirthschaftlichc Einnahmequellen mitgezählt wurden. Die Personen der letzten Kategorie besitzen 22,321 Acres und 2,098,830 Pfd. St. Einkommen, also etwa 15'/» Proz. der Ge- sammteinkünfte, während sie 81,08 Proz. der Besitzer bilden. Rechnen wir zu diesen 4 Abtheilungen noch die 37,589 Grund- cigenthümer der 9 größeren Städte, so erhalten wir für ganz Schottland 132,230, die aber durch die Doppelzählungen aus 120,000 zu reduziren sein dürften. Es würden etwas über 14 Proz. der Haushaltungen am Grund und Boden parttzipiren. Werfen wir nun noch einen Blick auf Irland. Dort existtren 68,758 Grundbesitzer, wovon 32,614 einen Acre und mehr bc- sitzen, 36,143 weniger als 1 Acre. Bon der Gesammtbevölkerung nehmen, die Familie zu 4,5 Personen gerechnet, nur 5,7 Proz. am Grundbesitz Theil, was ein entsetzlich ungünsttges Ver- hältniß ist. Zum Schluß noch eine Bemerkung. Es wird aufgefallen sein, daß, zumal in Schottland, die großen Besitzungen einen verhälwißmäßig viel geringeren Ertrag abwerfen als die mitt- leren. Einestheils findet das seine Erklärung darin, daß solche ausgedehnte Güter einen größeren Theil wirklichen Oedclandes, dem nichts abgewonnen werden kann, einschließen, anderntheils aber kommt es daher, daß bekanntlich eine bedeutende Fläche dadurch der Kultur entzogen wird, daß sie zu Parks und Jagd- gründen dient. In dieser Beziehung ist das ferne Japan dem hochcivilisirten England weit voraus, denn dort besteht ein Gesetz, wonach jeder Acker, den sein Eigcuthümer zu bebauen versäumt, einfach vom Staate confiszirt wird. 100,000 oder mehr Acres besitzen. Das Einkommen eines können, sind wir auch Herrn Eugen Dühring's Umwälzung der Philosophie. Von Friedrich Engels. (Schluß des Art. I.) Inzwischen war neben und nach der ftanzösischen Philosophie des 18. Jahrhunderts die neuere deutsche Philosophie entstanden und hatte in Hegel ihren Abschluß gefunden. Ihr größtes Ver- dienst war die Wiederaufnahme der Dialektik, als der höchsten Form des Denkens. Die alten griechischen Philosophen waren alle geborne, naturwüchsige Dialektiker, und der universellste Kopf unter ihnen, Aristoteles, hat auch bereits die wesentlichsten For- wen des dialektischen Denkens untersucht. Die neuere Philosophie dagegen, obwohl auch in ihr die Dialektik glänzende Vertreter hatte(z. B. Descartes und Spinoza), war besonders durch eng- tischen Einfluß mehr und mehr in der sog. metaphysischen Denk- weise festgefahren, von der auch die Franzosen des 18. Jahr- Hunderts, wenigstens in ihren speciell philosophischen Arbeiten, fast ausschließlich beherrscht wurden. Außerhalb der eigentlichen Philosopie waren sie ebenfalls im Stande, Meisterwerke der Dia- lektik zu liefern; wir erinner» nur an Rameau's Neffen von Di- derot und die Abhandlung über den Ursprung der Ungleichheit unter den Menschen von Rousseau.— Wir geben hier kurz das Wesentliche beider Denkmethoden an; wir werden noch ausführ- licher darauf zurückzukommen haben. Wenn wir die Natur, oder die Menschengcschichte, oder unsre eigne geistige Thättgkeit der denkenden Bettachtung unterwerfen, so bietet sich uns zunächst dar das Bild einer unendlichen Ver- schlingung von Zusammenhängen und Wechselwirkungen, in der Nichts bleibt was, wo und wie es war, sondern Alles sich be- wegt, sich verändert, wird und vergeht. Diese ursprüngliche, naive, aber der Sache nach richtige Änschauung von der Welt ist die der alten griechischen Philosophie und ist zuerst klar aus- gesprochen von Heraklit: Alles ist und ist auch nicht, denn Alles fließt, ist in steter Veränderung, in stetem Werden und Per- gehen begriffen. Aber diese Anschauung, so richttg sie auch den allgemeinen Charakter des Gesammtbildes der Erscheinungen er- faßt, genügt doch nicht, die Einzelnheiten zu erklären, ans denen sich dies Gesammtbild zusammensetzt: und si o lange wir dies nicht über das Gesammtbild nicht klar. Um diese Einzelnheiten zu erkennen, müssen wir sie aus ihrem natür- lichen oder geschichtlichen Zusammenhang herausnehmen und sie, jede für sich, nach ihrer Beschaffenheit, ihren besondern Ursachen und Wirkungen:c. untersuchen. Dies ist zunächst die Aufgabe der Naturwissenschaft und Geschichtsforschung; Untersuchungs- zweige, die aus sehr guten Gründen bei den Griechen der klassi- tchen Zeit einen nur untergeordneten Rang einnahmen, weil diese vor Allem erst das Material zusammenschleppen mußten. Die Anfänge der exakten Naturforschung werden erst bei den Grie- che» der alexandrinischen Periode und später, im Mittelalter, von den Arabern, weiter entwickelt; eine wirkliche Naturwissenschaft datirt indeß erst von der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, und von da an hat sie mit stets wachsender Geschwindigkeit Fort- schritte gemacht. Die Zerlegung der Natur in ihre einzelnen Theile, die Sonderung der verschiedenen Naturvorgänge und Naturgegenständc in bestimmte Klassen, die Untersuchung des In- nern der organischen Körper nach ihren mannichfachen anatomi- schen Gestaltungen, war die Grundbedingung der Riesenfort- schritte, die die letzten vierhundert Jahre uns in der Erkenntnis der Natur gebracht. Aber sie hat uns ebenfalls die Gewohnheit hinterlassen, die Naturdinge und Naturvoraänge in ihrer Ver- einzelung, außerhalb des großen Gesammtzusammenhangs aufzu- fassen; daher nicht in ihrer Bewegung, sondern in ihrem Still- stand, nicht als wesentlich veränderliche,' sondern als feste Be- stände, nicht in ihrem Leben, sondern in ihrem Tod. Und indem, wie dies durch Bacon und Locke geschah, diese Anschauungsweise aus der Naturwissenschaft sich in die Philosophie übertrug, schuf sie die spezifische Äornirtheit der letzten Jahrhunderte, die meta- physische Denkweise. Für den Metaphysiker sind die Dinge und ihre Gedanken-Ab- bildcr, die Begriffe, vereinzelte, eins nach dem andern und ohne das andre zu betrachtende, feste, starre, ein für allemal gegebne Gegenstände der Untersuchung. Er denkt in lauter unvermittelten Gegensätzen: seine Rede ist Ja, ja, Nein, nein, was darüber ist, ist vom Uebel. Für ihn existirt ein Ding entweder, oder es cxisttrt nicht: ein Ding kann ebensowenig zugleich es selbst und ein Anderes sein. Positiv und negativ schließen einander absolut aus; Ursache und Wirkung stehn ebenso in starrem Gegensatz zu einander. Diese Denkwcste erscheint uns auf den ersten Blick deswegen äußerst plausibel, weil sie diejenige des sog. gesundeil Menschenverstandes ist. Allein der gesunde Menschenverstand, enr so respektabler Geselle er auch in dem hausbackenen Gebiet seiner vier Wände ist, erlebt ganz wunderbare Abenteuer, sobald er sich in die weite Welt der Forschung wagt; und die metaphysische Anschauungsweise, auf so weiten, je nach der Natur des Gegen- stands ausgedehnten Gebieten sie auch berechtigt und sogar noth-- wendig ist, stößt doch jedesmal früher oder später auf eine Schranke, jenseits welcher sie einseitig, bornirt, abstract wird und sich in unlösliche Widersprüche verirrt, weil sie über den einzelne» Dingen deren Zusammenhang, über ihrem Sein ihr Werden unk» Vergeh», über ihrer Ruhe ihre Bewegung vergißt, weil sie vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht. Für alltägliche Fälle wisse» wir z. B. und können mit Bestimmtheit sagen, ob ein Thier existirt oder nicht; bei genauerer Untersuchung finden wir aber, daß dies manchmal eine höchst verwickelte Sache ist, wie das die Juristen sehr gut wissen, die sich umsonst abgeplagt haben eine rationelle Gränze zu entdecken, von der an die Tödtung des Kin- des im Muttcrlcibe Mord ist; und ebenso unmöglich ist es, den Moment des Todes festzustellen, indem die Physiologie nachweist, daß der Tod nicht ein einmaliges, augenblickliches Ereigniß, so»- dern ein sehr langwieriger Vorgang ist. Ebenso ist jedes orga- irische Wesen in jedem Augenblick dasselbe und nicht dasselbe; in jedem Augenblick verarbeitet es von Außen zugeführte Stoffe und scheidet andre aus, in jedem Augenblick sterben Zellen seines Körpers ab und bilden sich neue; je nach einer längeren oder kürzeren Zeit ist der Stoff dieses Körpers vollständig erneuert, durch andre Stoffatome ersetzt worden, sodaß jedes organisirte Wesen stets dasselbe und doch ein anderes ist. Auch finden wir bei genauerer Betrachtung, daß die beiden Pole eines Gegen- satzes, wie posittv und negativ, ebenso untrennbar von einander wie entgegengesetzt sind, und daß sie trotz aller Gegensätzlichkeit sich gegenseitig durchdringen; ebenso, daß Ursache und Wirkung Vorstellungen sind, die nur in der Anwendung auf den einzelnen Fall als solche Gültigkeit haben, daß sie aber, sowie wir den ein- zelnen Fall in seinem allgemeinen Zusammenhang mit dem Welt- ganzen betrachten, zusammengchn, sich auflösen in der Anschauung der universellen Wechselwirkung, wo Ursachen und Wirkungen fortwährend ihre Stelle wechseln, das was jetzt oder hier Wir- kung, dort oder dann Ursache wird und umgekehrt. Alle diese Vorgänge und Dcnkmethoden passen nicht in den Rahmen des metaphysischen Denkens hinein. Für die Dialektik dagegen, die die Dinge und ihre begrifflichen Abbilder wesentlich in ihrem Zusammenhang, ihrer Verkettung, ihrer Bewegung, ihrem Entstebn und Vergeh» auffaßt, sind Borgänge wie d,e obigen, ebciffoviel Bestätigungen ihrer eignen Verfahrunqsweise. Die Natur ist die Probe auf die Dialeftik, und wir müssen es der modernen Naturwissenschaft nachsagen, daß sie für diese Probe ein äußerst reichliches, sich täglich häufendes Material geliefert und damit bewiesen hat, daß es in der Natur, in letzter Instanz, dialektisch und nicht metaphysisch hergeht. Da aber die Natur- forscher bis jetzt zu zählen sind, die dialettisch zu denken gelenit haben, so erklärt sich aus diesem Konflikt der entdeckten Resultate mit der hergebrachten Denkweise die gränzenlose Verwirrung, die jetzt iu der theoretischen Naturwissenschaft herrscht, und die Lehrer wie Schüler, Schriftsteller wie Leser zur Verzweiflung bringt. Eine cxatte Darstellung des Weltganzen, seiner Entwicklung und der der Menschheit, sowie des Spiegelbildes dieser Entwick-- lung in den Köpfen der Menschen, kann also nur auf dialekti- schem Wege, mit steter Beachtung der allgemeinen Wechselwir- kungen des Werdens und Vergehens, der fort- oder rückschreitenden Aenderungen zu Stande kommen. Und in diesem Sinn trat die neuere deutsche Philosophie auch sofort auf. Kant eröffnete seine Laufbahn damit, daß er das stabile newton'sche Sonnensystem und seine— nachdem der famose erste Anstoß einmal gegeben— ewige Dauer auflöste sin einem geschichtlichen Vorgang: in die Entstehung der Sonne und aller Planeten aus einer rotirenven Nebelmasse. Dabei zog er bereits die Folgerung, daß mit dieser Entstehung ebenfalls der künftige Untergang des Sonnensystems nothwendig gegeben sei. Seine Ansicht ivurde ein halbes Jahr- hundert später durch Laplace mathematisch begründet und noch ein halbes Jahrhundert später wies das Spektroskop die Existenz solcher glühenden Gasmassen, in verschiednen Stufen der Ver- dichtung, im Weltraum nach. Ihren Abschluß fand diese neuere deutsche Philosophie im Hegel'schen System, worin zum ersten Mal— und das ist sein großes Verdienst— die ganze natürliche, geschichtliche und geistige Welt als ein Prozeß, d. h. als in steter Bewegung, Veränderung, Umbildung und Entwicklung begriffen dargestellt und der Versuch gemacht wurde, den inneren Zusammenhang in dieser Bewegung und Entwicklung nachzuweisen. Von diesem Gesichtspunkt aus erschien die Geschichte der Menschheit nicht mehr als ein wüstes Gewirr sinnloser Gewaltthätigkeiten, die vor dem Richtcrstuhl der jetzt gereiften Philosophenvernunft alle gleich verwerflich sind, und die man am besten so rasch wie möglich vergißt, sondern als der Entwicklungsprozeß der Menschheit selbst, dessen allmähli- chen Stufcngang durch alle Irrwege zu verfolgen, und dessen innere Gesetzmäßigkeit durch alle scheinbaren Zufälligkeiten hin- durch nachzuweisen, jetzt die Aufgabe des Denkens wurde. Daß Hegel diese Aufgabe nicht löste, ist hier gleichgültig. Sein epochemachendes Verdienst war, sie gestellt zu haben. Es ist eben eine Aufgabe, die kein Einzelner je wird lösen können. Obwohl Hegel— neben Saint- Simon— der universellste Kopf seiner Zeit war, so war er doch beschränkt erstens durch den nothwendig begrenzten Umfang seiner eignen Kenntnisse, und zweitens durch die, ebenfalls nach Umfang und Tiefe begrenzten Kenntnisse und Anschauungen seiner Epoche. Dazu kam aber noch ein Drittes. Hegel war Idealist, d. h. ihm galten die Gc- danken seines Kopfs nicht als die mehr oder weniger abstrakteu Abbilder der wirklichen Dinge und Borgänge, sondern umgekehrt galten ihm die Dinge und ihre Entwicklung nur als die ver- wirklichten Abbilder der irgendwo schon vor der Welt existircn- den„Idee". Damit war Alles auf den Kopf gestellt und der wirkliche Znsammenhang der Welt vollständig umgekehrt. Und so richtig und genial auch manche Einzel-Zusammenhänge von Hegel aufgefaßt worden, so mußte doch aus den angegebenen Gründen auch im Detail Vieles geflickt, gekünstelt, konstruirt, kurz verkehrt ausfallen. Das Hcgel'sche System als solches war eine kolossale Fehlgeburt— aber auch die letzte ihrer Art. Es litt nämlicb noch an einem unheilbaren inneren Widerspruch: einerseits h te es zur wesentlichen Voraussetzung die historische Anschauung, wonach die menschliche Geschichte ein Entwicklungs- Prozeß ist, der seiner Natur nach nicht durch die Entdeckung einer sogenannten absoluten Wahrheit seinen intellektuellen Abschluß finden kann; andrerseits aber behauptet es der Inbegriff eben dieser absoluten Wahrheit zu sein. Ein allumfassendes, ein für allemal abschließendes System der Erkenntniß von Natur und Geschichte steht im Widerspruch mit den Grundgesetzen des dia- lettischen Denkens; was indeß keineswegs ausschließt, sondern im Gegenthcil einschließt, daß die systematische Erkenntniß der ge- sammten äußeren Welt von Geschlecht zu Geschlecht Riesenschritte machen kann. Die Einsicht in die totale Verkehrtheit des bisherigen dcut- schen Idealismus führte nothwendig zum Materialismus, aber wohlgemerkt, nicht zum blos metaphysischen, ausschließlich mecha- nischen Materialismus des 18. Jahrhunderts. Gegenüber der naiv-revolutionären, einfachen Verwerfung aller früheren Ge- schichte, sieht der moderne Materialismus in der Geschichte den Entwicklungsprozeß der Menschheit, dessen Bcwegnngsgesetze zu entdecken seine Aufgabe ist. Gegenüber der sowohl bei den Fran- zosen des 18. Jahrhunderts wie bei Hegel herrschenden Vor- stellung von der Natur als eines sich in engen Kreisläufen be- wegenden, sich gleich bleibenden Ganzen mit ewigen Weltkörpern, wie sie Newton, und unveränderlichen Arten von organischen Wesen, wie sie Linne gelehrt hatte, faßt er die neueren Fort- schritte der Naturwissenschaft zusammen, wonach die Natur eben- falls ihre Geschichte in der Zeit hat, die Weltkörper wie die Artungen der Organismen, von denen sie unter günstigen Um- ständen bewohnt werden, entsteh:, und vergehn, und die Kreis- läufe, soweit sie überhaupt zulässig sind, unendlich großartigere Dimensionen annehmen. In beiden Fällen ist er wesentlich dia- Ans der Rcichshanptstadt. (Correspondenz aus der„Neuen Freien Presse".) „Die Gazetten sollen nicht genirt werden." Das ist ja wohl ein Ausspruch von Friedrich dem Großen. Nicht alle großen Männer denken so oder scheinen so zu denken. Ich weiß ein Bureau in Berlin, wo die Gazetten sehr genirt werden. Der genannte König von Preußen soll auch einmal ein gegen ihn gerichtetes Pasquill, zu dem die Leute, um es an dem Hause, wo es angeschlagen war, zu lesen, die Hälse sehr lang strecken mußten, zur größeren Bequemlichkeit niedriger haben anschlagen lassen. Das ist auch nicht die Manier aller großen Männer. In dem Bureau, von dem ich spreche, liegen Hunderte und Tausende von Pasquills aufgestapelt, die im Gegentheile abge- rissen sind, um einen ganz andern Gebrauch davon zu machen, als sie der Lektüre des Publikums näher zu bringen. Ich spreche nicht von unserm Molkenmarkt, überhaupt nicht von einem Polizei- oder Staatsanwaltsbureau. Da werden allerdings die Gazetten auch genirt und Pasquills, d. h. staatsgefährliche Leit- und andere Artikel auch sorgfältig registrirt. Man weiß zu welchem Zwecke. Ich denke über unsere Polizei-Aktorcn anders wie der Abgeordnete Parisius, der eine merkwürdige Scheu vor ihnen hat und sich einbildet, dieselben hätten weiter nichts zu thun, als, in die Zeitungen verfieft, auf Meß- und andere poli- tische Verbrecher zu fahnden. Wäre das der Fall, so hätten sie eigentlich nicht viel zu thun. Sie brauchten z. B. die national- liberalen, die frei- und anderen conservativen Blätter gar nicht zu lesen, auch nicht die Parteiblättcr des Herrn Parisius, sondern höchstens die sozialdemokratischen und ultramontanen. Aber Gazetten enthalten doch noch Anderes als Politisches. Lokal- Nachrichten, als da sind Bauernfängergeschichten n. dgl., können sehr wohl die Polizei interessiren, und viele Inserate der Voß- schen auf ihrer letzten Seite ebenfalls, betreffend die höhere Kuppelei. Man gebe sie doch dem Rothstift der Polizei-Aktoren preis. Vor dieser Genirung der Gazetten braucht Herr Parisius sich nicht zu fürchten. Ick,' kenne eine andere Genirung. Das Bureau, von dem ich spreche, ist ein Privatbureau, wenn auch Staatsbeamte darin beschäftigt sind. Es ist ziemlich jungen Datums, kaum vier Jahre alt. Die Registratur ist eingerichtet wie alle Registraturen. Die Aktenbündel stecken aus allen Fächern ! lettisch und braucht keine über den andern Wissenschaften stehende Philosophie mehr. Sobald an jede einzelne Wissenschaft die Forderung herantritt, über ihre Stellung im Gesammtzusammen- hang der Dinge und der Keuntniß von den Dingen sich klar zu werde» ist jede besondre Wissenschaft vom Gesammtzusammen- hang überflüssig. Was von der ganzen bisherigen Philosophie dann noch selbstständig bestehn bleibt, ist die Lehre vom Denken und seinen Gesetzen— die formelle Logik und die Dialektik. Alles andre geht auf in die positive Wissenschaft von Natur und Geschichte. Während jedoch der Umschwung in der Naturanschauung nur in dem Maß sich vollziehen konnte als die Forschung den cnt- sprechenden positiven Erkenntnißstoff lieferte, hatten sich schon viel früher historische Thatsachen geltend gemacht, die für die Ge- schichtsauffassung eine entscheidende Wendung herbeiführten. 1834 hatte in Lyon der erste Arbeiteraufstand stattgefunden; 1838—42 erreichte die erste nationale Arbeiterbewegung, die der englischen Chartisten, ihren Höhepunkt. Der Klassenkampf zwischen Prole- tariat und Bourgeoisie trat in den Vordergrund der Geschichte der fortgeschrittensten Länder Europas, in demselben Maß wie sich dort einerseits die große Industrie, andererseits die neuerobcrte politische Herrschaft der Bourgeoisie entwickelte. Die Lehren der bürgerlichen Oekonomie von der Identität der Interessen von Kapital und Arbeit, von der allgemeinen Harmonie und dem allgemeinen Volkswohlstand als Folge der freien Konkurrenz, wurden immer schlagender von den Thatsachen Lügen gestraft. Alle diese Dinge waren nicht mehr abzuweisen, ebensowenig wie der französische und englische«Sozialismus, der ihr theoretischer, wenn auch höchst unvollkommener Ausdruck war. Aber die alte idealistische Geschichtsauffassung, die noch nicht verdrängt war, kannte keine auf materiellen Interessen beruhenden Klassenkämpfe, überhaupt keine materiellen Interessen; die Produktion wie alle ökonomischen Verhältnisse kamen in ihr nun so nebenbei, als untergeordnete Elemente der„Kulturgeschichte" vor. Die neuen Thatsachen zwangen dazu, die ganze bisherige Geschichte einer neuen Untersuchung zu unterwerfen, und da zeigte sich, daß alle bisherige Geschichte die Geschichte von Klassenkämpfen war, daß diese einander bekämpfenden Klassen der Gesellschaft jedesmal Erzeugnisse sind der Produktions- und Verkehrsverhältnisse, mit Einem Wort der ökonomischen Verhältnisse ihrer Epoche; daß also die jedesmalige ökonomische Struftur der Gesellschaft die reale Grundlage bildet, aus der der gesammtc Ueberbau der rechtlichen und politischen Einrichtungen, sowie der religiösen, philosophischen und sonstigen Vorstellungsweise eines jeden ge- schichtlichen Zeitabschnitts in letzter Instanz zu erklären sind. Hiermit war der Idealismus aus seinem letzten Zufluchtsort, aus der Geschichtsauffassung, vertrieben, eine materialistische Ge- schichtsauffassung gegeben, und der Weg gefunden, um das Be- wußtsein der Menschen aus ihrem Sein, statt wie bisher ihr Sein aus ihrem Bewußtsein zu erklären. Mit dieser materialistischen Geschichtsauffassung war aber der bisherige Sozialismus ebenso unverträglich wie die Naturauf- fassung des französischen Materialismus mit der Dialektik und der neueren Naturwissenschaft. Der bisherige Sozialismus kriti- sirte zwar die bestehende kapitalistische Produktionsweise und ihre. Folgen, konnte sie aber nicht erklären, also auch nicht mit ihr fertig werden; er konnte sie nur einfach als schlecht verwerfen Es handelte sich aber darum, diese kapitalistische Produktions- weise einerseits in ihrem geschichtlichen Zusammenhang und ihrer Nothwendigkeit für einen bestimmten geschichtlichen Zeitabschnitt, also auch die Nothwendigkeit ihres Untergangs, darzustellen, andrerseits aber auch ihren inneren Charafter zu enthüllen, der noch immer verborgen war, da die bisherige Kritik sich mehr auf die üblen Folgen als auf den Gang der Sache selbst ge- warfen hatte. Dies geschah durch die Entdeckung des Mehr- Werths. Es wurde bewiesen, daß die Aneignung unbezahlter Arbeit die Grundform der kapitalisfischen Produktionsweise und der durch sie vollzognen Ausbeutung des Arbeiters ist; daß der Kapitalist, selbst wenn er die Arbeitskraft seines Arbeiters zum vollen Werth kauft, den sie als Waare ans dem Waarenmarkt hat, dennoch mehr Werth aus ihr herausschlägt, als er für sie bezahlt hat; und daß dieser Mehrwcrth in letzter Instanz die Werthsumme bildet, aus der sich die stets wachsende Kapitalmasse in den Händen der besitzenden Klassen aufhäuft. Der Hergang sowohl der kapitalisfischen Produktion wie der Produktion von Kapital war erklärt. Diese beiden großen Entdeckungen: die materialisfische Ge- schichtsauffassung und die Enthüllung des Geheimnisses der kapi- talisfischen Produktion vennittelst des Mehrwerths, verdanken wir Marx. Mit ihnen wurde der Sozialismus eine Wissenschaft, ihre Schwänze heraus. Jeder Schwanz aber enthält den Namen einer Zeitung, meist einer deutschen. Es sind sehr bekannte Namen darunter, doch auch manche, von denen ich noch nichts gehört. Kaum kenne ich das Städtlein, wo das Lokalblättchen erscheint. Am auffallendsten ist mir anfangs, daß bei der großen Anzahl bekannter Blätter, auf die ich treffe, doch die Mehrzahl der gelesensten Blätter, der hauptstädtischen wie der provinzialen, fehlt. Allmählich erst entdecke ich, daß in der hier getroffenen Auswahl System steckt. Nicht als ob eine einzelne politische Partei ausschließlich vertreten wäre. Die Zeitungen auf den Aktenschwänzen gehören sehr verschiedenen Parteien an, die meist unter sich oie Solidarität der Interessen von sich abweisen würden. Aber sie repräsenfiren doch fast nur eine gewisse Gruppe von Parteien, und was sie hier alle an diesem Orte vereinigt, das ist ihr gemeinsames Schicksal, erkennbar an dem Brandmal, das ihnen in Form von Aktenzeichen aufgedrückt ist, nämlich von: Kriminalrichter. Die Gazetten finden sich da in der That sehr genirt, und die Pasquille, von dem Orte, wo sie einst hingen, deswegen niedriger gehängt, nm die Lektüre dem Staatsanwalt bequemer zu machen, finden hier eine sonderbare Conservirung in Privathänden. Nehmen wir so ein Akten-Fascikel in die Hand. Man kann nicht sagen, daß das Volumen immer mit der Bedeutung der auf dem Aktenschwanz verzeichneten Zeitung in direktem Ver- hältniß steht. Wenn oas auch meist der Fall ist, so finden sich doch ziemlich obscure Blätter auffallend ausgezeichnet, und be- kanntere Blätter vernachlässigt. Gleich Folio l. ist höchst in- teressant. Wir lesen z. B. daselbst wie folgt: Verantwortlicher Redakteur ist nur nominell, indifferente Persönlichkeit, sechs Mal wegen Preßvergehen geringeren Belanges bestraft, darunter zwei Mal wegen Beleidigung des..., zu 4 und zu 8 Wochen Ge- sängniß. Intellektueller Redakteur 1)r. H., schreibt die mit einem. Stern bezeichneten Artikel, ein Mal wegen Beleidigung des.. zu drei Monaten verurtheilt, seit welcher Zeit er nicht mehr zeichnet.. Die mit dem Fragezeichen versehenen Artikel sollen vom Abg. Z. herrühren. Als der Berliner Correspondent, Zeichen Dreieck, gilt der Dr. R., es ist der auch für die P. P. unter dem Quadrat-Zeichen schreibt; war früher Redakteur der N. N., lebt seit Eingehen dieses Blattes in Berlin, verkehrt mit Mitgliedern des Centrums. 'die es sich nun zunächst darum handelt, in allen ihren Einzeln- heften und Zusammenhängen weiter auszuarbeiten.— So etwa standen die Sachen auf dem Gebiete des theoreti- schen Sozialismus und der verstorbenen Philosophie, als Herr Eugen Dühring nicht ohne beträchtliches Gepolter auf die Bühne sprang und eine durch ihn vollzogene, totale Umwälzung der Philoso- phie, der polifischen Oekonomie und des Sozialismus ankündigte. Sehen wir zu, was Herr Dühring uns verspricht und— was er hält. (Fortsetzung folgt.) Sozialpolitische Uebersicht. —„Die Sozialdemokraten wollen die Ehe ab- schaffen", mit dieser Verleumdung gedenken die Gegner in dem jetzt tobenden Wahlkampfe die Sozialdemokratie niederzuschmet- lern. Daß diese und andere Verleümdungen immer gerade zur Reichstagswahl, also nur alle drei Jahre, der Sozialdemokratie entgegengeschleudert werden, beweist, abgesehen von deren innerer Haltlosigkeit, zur Genüge, daß unsere Gegner selber nicht an das glauben, was sie uns Schlimmes nachsagen. Und in der That ist auch nie ein ernster Versuch gemacht worden, uns nach- zuweisen, daß die Form höher stehe als das Wesen, daß nur der Segen des Pfaffen und nicht die Liebe, wie wir wollen, das einzige Band sein kann, welches die Ehe knüpft, erhält und heiligt. Aber gerade weil unsere Gegner die Form über das Wesen stellen, darum sehen wir auch von ihnen die Heiligkeit der Ehe so häufig mit Füßen getreten, wie nachstehender' Fall wieder ein- mal beweist. So wird aus Crimmitschau berichtet, daß ein dortiger liberaler Fabrikant, der selbst verheirathet ist, heftiges Verlangen nach einer in seiner Fabrik beschäftigten jungen Frau hatte. Er nahte der Frau wiederholt mit unsauberen Anträgen, die diese entrüstet zurückwies. Nur mit Widerwillen arbeitete die Frau, weil sie wenigstens bis Weihnachten den kärglichen Lohn noch mitnehmen wollte, in der Fabrik weiter. Neulich wurde nun der Fabrikant zudringlicher und handgreiflich, wes- wegen er von der kräftigen Fabrikarbeiterin einen fühlbaren Denkzettel erhielt, die außerdem sein freches Benehmen ihren Arbeitsgenofsen erzählte. Ein Herr Spinnmeister war keck genug, der Frau zu sagen, sie hätte sich's ja können gefallen lassen, was wäre denn da weiter dabei. Als die Frau des andern Tags erst zur Frühstückszeit in der Fabrik erscheint, wird ihr bedeutet, daß sie nicht weiter arbeiten dürfe, sie solle ihre Wege gehen. Hier noch ein Beittag zu demselben Kapitel. Vor dem Be- zirksgericht der innern Stadt Wien standen vor 14 Tagen zwei Ehepaare wegen Mädchenhandel angeklagt; bei dem Wucherer Ludwig Hendel, einem der Angeklagten, fand man ein Ver- zeichniß seiner„Kundschaften", in welchen die Namen der„angesehensten" aristokratischen Familien und der hohen Finanzwelt prangen. Die Namen dürfen jedoch in den Zeitungen nicht ver- öffentlicht werden; dies entspricht vollkommen der Heuchelei der höheren Gesellschaft. In welchem Lager also sind Diejenigen zu suchen, welche die Ehe nicht nur abschaffen wollen, sondern, wie Figura zeigt, auch thatsächlich abschaffen? — Eine„große Anzahl" Gewerkvereinler hat nach der„Volkszeitung" in einer Versammlung in Berlin bezüglich der Stellung zu den Reichstagswahlen folgende Resolution an- genommen:„Obwohl zwischen den Mitgliedern der deutschen Gewerkvereine und den zur Fortschrittspartei gehörenden Ab- geordneten nicht durchgängig das beste Einvernehmen herrscht, so ist es doch Pflicht aller Gewerkvereins-Mitglieder, mit Rücksicht auf das Programm der Fortschrittspartei, dieselbe überall da, wo für einen Candidaten der Gewerkvereins- Mitglieder keine Aussicht vorhanden, nach besten Kräften bei den bevorstehenden Reichstagswahlen zu unterstützen. Die Gewerkvereins-Mitglieder halten es allerdings für selbstverständlich, daß die Fortschritts- Partei im umgekehrten Falle genau ebenso handeln würde. Als ein Verrath an der Sache der Gewerkoereine ist es zu erachten, wenn, gleichviel unter welchen Umständen, die Reichstagscandi- datur eines Sozialdemokraten irgendwie unterstützt wird."— Wir haben guten Grund, daran zu zweifeln, daß obige Reso- lufion von einer„großen Anzahl" Gewerkvereinler angenommen worden ist; denn für's Erste sind die Gewerkvereine des Dr. M. Hirsch nirgends so stark vertreten, daß von einer„großen Anzahl" die Rede sein könnte, und dann nimmt es der„ver- dienstvolle Anwalt" mit der Wahrheit auch nicht so genau. Ein wenig„Klappern" gehört ja auch zum Handwerk— und die Reichstagswahlen stehen vor der Thür. Das erklärt Alles. Das ist Fol. l. Fol. 1l. enthält die Abschrift eines, Antrages auf Erhebung einer Anklage, etwa so: Cop. 594, de 76. An die Königl. Staatsanwaltschaft in M. Die Z. Z. enthält in ihrer Nummer vom 15. Jan. d. I. den folgenden Artikel(folgt eine Stelle aus einem Leitartikel). Da derselbe in den unter- strichsnen Worten eine erweislich unwahre Thatsache behauptet, welche den Unterzeichneten in der öffentlichen Meinung herabzu- würdigen im Stande ist, so stelle ich hiermit bei der Kömgl. Staatsanwaltschaft den Antrag auf Bestrafung des Verfassers, sowie des verantwortlichen Redakteurs(Z 186 des Strafgesetzbuches und§ 21 des Preßgesetzes.) Berlin, 18. Jan. 76---- Folio III.: Verfügung in der Untersuchungssache wider den. Redakteur P.— P 134 de 1876. Abschrift des Erkenntnisses vom 8. März. Königl. Stadtgericht zu M. Im Namen des Königs. In der Untersuchungssachc wider Redakteur P. hat das Königl. Stadtgericht zu M., Abtheilung für Untersuchungssachen, Deputation U. für Bergehen, in seiner Sitzung vom 8. März 1876, an welcher Theil genommen haben Die und Die, der mündlichen Verhandlung gemäß für Recht erkannt, daß der An- geklagte P. wegen Verleumdung des... auf drei Monate Ge- sängniß zu bestrafen. Von Rechtswegen. Gründe. Folio A neuer Antrag auf Bestrafung. Folio G neues Erkenntniß, und so weiter abwechselnd Antrag und Erkenntniß. Alles, was die Z. Z. gegen... gesündigt, findet sich in diesem Fascikel vereinigt, und alles, was die deutsche Presse gegen... gesündigt, vereinigt sich in dieser dunkeln Halle. Immer der- selbe Strafantragsteller, und nichts als Straferkennwisse wegen Beleidigungen und Verläumdungen derselben Person, oder neue Anträge, auf die der Kriminalrichter noch nicht geantwortet hat. Ach, wie hängen hier die Pasquille so niedrig und so dicht bei einander, aber nicht zur Bequemlichkeit des Publikums.„Der Menschheit ganzer Jammer packt mich an." Eine Mittelalter- liche Folterkammer! Oder ist es die Ruhmeshalle des Bestge- haßten? Viel Feinde, viel Ehre, mag er denken und sammelt die Pasquille mit den: jedesmaligen Appendix des Criminal- richters, für einen reichen Engländer, der in einem späteren Jahrhundert historische Merkwürdigkeiten auftaust. (Schluß folgt.) — Wahlsiege trotz Census. Bei der am 28. Dezember v. I. in Gab lenz«sächs. Erzgebirge) stattgefundenen Er- gänzungswahl für den Gemeinderath erhielten die Sozialisten 250— 260 Stimmen, während die liberalen Candidaten nur 53 bis 55 davontrugen. Bei der Ersatzmännerwahl der Ansässigen am 29. Dezember war die Betheiligung sehr schwach, die Unan- sässigen kamen aber wieder in Massen zur Urne und erhielten die Sozialisten jeder 166, die Liberalen aber nur 24 Stimmen. — Ein gleicher Sieg wird aus Reichenbrandt gemeldet. Zu wählen waren dort am 29. Dezember in den Gemeinderath ein Gutsbesitzer, vier Hausbesitzer und zwei Unansässige. Gewählt wurden von den sozialistischen Candidaten ein Gutsbesitzer, drei Hausbesitzer und zwei Unansässige. Den einen Candidaten, einen Arbeiter, den die Liberalen mit auf ihre Liste genommen, brachten dieselben nur deshalb durch, weil die Sozialisten dessen Candi- datur unterstützten.— In Callnberg bei Lichtenstein wurden rim 18. Dezember bei der Stadtverordnetenwahl von den Geg- nern zwei ansässige Stadtverordnete, von Seiten der Sozialisten zwei uuansässige Stadtverordnete und zwei ansässige Ersatzmän- ner gewählt. Es stimmten im Ganzen von 139 stimmbcrech- tigten Ansässigen 51, von 113 stimmberechtigten Ünansässigen 79.— Bei der am 16. Dezember stattgehabten Gemeinderaths- wähl in Wittgensdorf hat unsere Partei glänzend gesiegt.— Bei der Gemcinderaths-Ergänzungswahl in Grüna wurde der als Candidat der Unansässigen aufgestellte Sozialdemokrat mit allen gegen 4 Stimmen angenommen.— Bei der am 19. De- zember in Nürnberg stattgehabten Wahl der Beisitzer und Er- satzleute für das gewerbliche Schiedsgericht aus dem Arbeiter- stände siegten die von den Sozialisten aufgestellten Candidaten mit ungeheurer Mehrheit über die im Schlepptau der Fort- schrittspartei befindlichen Gewerkvereinler. Die sozialistischen Candidaten erhielten 1136 resp. 1127 Stimmen, die Gewerk- vereinlcr erhielten nur 32 resp. 31 Stimmen. — Die Landtagswahlen in Württemberg hatten in Stuttgart eine Stichwahl zwischen einem Nationalliberalen (Lautenschläger) und unserem Parteigenossen Dulk nöthig ge- macht. Im ersten Wahlgange traten vier Candidaten auf, von denen Lautenschläger 3613 und Dulk 2958 Stimmen erhielten; 2609 und 1360 Stimmen fielen auf die beiden anderen gegne- rischen Candidaten, so daß, da die absolute Majorität nicht er- reicht worden war, eine Stichwahl zwischen Lautenschläger und Dulk entscheiden mußte. Am 29. und 30. Dezember fand diese Stichwahl statt und erhielt Lautenschläger 6948 und Parteige- nosse Dulk 4760 Stimmen. Gewiß ein günstiges Zeichen für den 10. Januar! — Der Hungertyphus grassirt in Oberschlesien, oder richtiger— hat seit langer Zeit zu grassiren nicht ausgehört. Dafür ist Oberschlesien aber auch reich gesegnet mit Fürsten, Herzögen, Grafen, Baronen und wie sich sonst diese höchst über- flüssige Spezies von Menschen zu nennen beliebt, zu deren kost- spieligem Unterhalt der Bauer selbst den letzten Getreidehalm hergeben muß. Ueberfluß und Uebersättigung auf der einen— Mangel und Hungertyphus auf der andern Seite!— Und das nennt sich„göttliche Ordnung", nennt sich„die beste der Welten"! — Etwas, das keines Commentars bedarf. In der „Zerbster Zeitung" macht die Mutter eines Husaren aus Steckby, der sich dieser Tage in Schönebeck erhängte, Folgendes bekannt: „Wie aus den Briefen meines verstorbenen Sohnes während seiner Militärzeit in Schönebeck hervorgeht und anderweit be- zeugt werden kann, erkläre ich als seine trauernd hinterlassene Mutter, daß der Husarenarzt Schulze in Schönebeck durch seine Drohungen die alleinige Schuld daran trägt, daß sich mein Sohn am 6. d. M., Nachmittags 3 Uhr, in seinem Quartier erhängt hat. Kurz vor seinem Tode hatte er zu seinen Käme- raden geäußert, daß er eben beim Doktor gewesen sei, wohin ihn sein Unteroffizier geschickt, und habe ihn Ersterer mit den Worten angedonnert:„Kerl, gehen Sie aus meiner Stube, Sie sollen und müssen reiten, sonst zeige ich Sie der Schwadron an!" Zu dieser Zeit hatte mein Sohn in Folge des Reitens vier Löcher in den Beinen, und da der Schmerz zu groß ge- Wesen, er aber dennoch reiten sollte, hat er sich aus Verzweiflung erhängt. Dies ist die liebevolle BeHandlungsweise des Herrn Militärdoktor Schulze in Schönebeck, die ich hiermit der Oeffent- lichkeit übergebe." — Die„Friedens- und Freihcitspost" hat aufgehört zu erscheinen. Für die Demokratie ist das ein herber Verlust, da die„Friedens- und Freiheitspost" das einzige Organ war, welches in Ost- und Westpreußen die Sache des Volkes vertrat. Das Blatt nimmt durch die Feder des braven Reitenbach in seiner letzten Nummer mit folgenden Worten von den Lesern Abschied:„Das Stück ist aus, wir gehen nach Haus! Mit anderen Worten, unser Blatt erscheint mit dieser Nummer znm letzten Male. Wir waren zu freisinnig, sagten große Besitzer, sagten die Bauern,— großentheils geborene Patrone,— und visscre Arbeiter— wollen noch nicht lesen; daran sterben wir. Es lag einmal nicht in unserer Natur, Anderen nachzu- ''c vorpfiffen, und doch lebten wir noch, trotz Geld- opser und Verfolgungen, wäre es uns gelungen, unsinnige Vor- urtheile zu besiegen.— Unser letztes Wort sei: Leser, bestellt für unser eingehndes Blatt ein freisinnigeres, als wir es i ein konnten. Denkt und hofft, daß es auch bei uns anders kommen wird, und daß die Besserung bald eintritt, dazu müßt Ihr mitthaten, wenn Ihr Männer seid!" — Das verflossene Jahr hat der Redaktion der„Chem- mtzer Freien Presse" nicht weniger als sechs Jahre Gefängniß eingetragen; und damit das alte Jahr cmen würdigen Abschluß finde, hat die Chemnitzer Staatsanwaltschaft am 31. Dezember noch eine Anklage wegen„grober Gotteslästerung" hinzugefügt. „Grobe Gotteslästerung!" Als ob Gott, der bekanntlich gar nicht existtrt, noch gelästert iverden könnte.— Weiter entnehmen wir der„Chemnitzer Freien Presse", hßß deren früherer Redak- teur W. Meyer, der seit November 1874 hinter Schloß und Riegel verweilt hat, am 1. Januar d. I. nach Verbüßung seiner •strafhaft entlassen worden ist. Parteigenosse Meyer sei hiermit herzlich willkommen! Correjpondenzen. der Schweiz, 25. Dez. Mit knapper Majorität hat der Standerath noch kurz vor Thoresschluß das Fabrikgesetz an- genommen. Bei der Zähigkeit, mit der die Gegner jeden die heutige Wirthschaft gefährdenden Punkt vertheidigten, hatten sich die Debatten ungemein in die Länge gezogen, namentlich waren p die tief einschneidenden Kardinalfragcn des Gesetzes, welche lagelange Diskussionen hervorriefen. Ueber die Definition des Fabrikbegriffs haben wir— vielleicht etwas zu opti- mistisch— bereits referirt, aber auch jetzt noch ziehen wir die vom Ständerathe acceptirte Lösung der früheren vor. Die Kän- tone haben es danach in ihrer Hand, den Fabrikbegriff zu er- weitern, und der Bundesrath wird bei einem etwaigen Rekurse konsequenterweise den liberalsten Standpunkt einnehmen müssen. — Bei der Haftpflicht wurde, wie wir erwähnt, von radikaler Seite noch der Antrag gestellt, daß der Fabrikbesitzer auch für den Schaden haste, welcher dem Arbeiter aus Krankheiten er- wachse, die sich nur auf eine gesundheitsschädliche Industrie zurück- führen ließen. Der Radikale Zangger von Zürich, Referent der Kommissionsmehrheit, der sich beiläufig auf das energischste für das Zustandekommen des Gesetzes bemühte, führte aus, daß es nothwendig sei, die gesundheitsschädlichen Industrien unter die Haftpflicht zu stellen, um in erster Reihe die Fabrikanten aus ihrer heutigen Lässigkeit emporzuschrecken und sie zu zwingen, ihr Möglichstes zur Verminderung der Uebelftünde zu thun. Die Kantone hätten schon längst schützende Bestimmungen ausstellen müssen; bei einigen sei es allerdings geschehen, im Allgemeinen aber herrschten auf diesem Gebiete noch die trostlosesten Zustände. — In Frage kamen speziell die Zündhölzchen-Fabriken und hier wurde von Zangger noch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß Personen mitporösenZähnen der Kiefernekrose viel mehr unterworfen seien als Leute mit gesunden Zähnen. Als Un- Wahrheit bezeichnete er den von gegnerischer Seite erhobenen Einivand, daß gerade der Gesundheitsschädlichkeit der Arbeiter wegen die Zündhölzchen-Arbeiter besser als andere be- zahlt werden. Bundesrath Schenk wies das Argument der höheren Löhne als unstichhaltig und unwürdig zurück. Die Mineurs bei den Eisenbahnbauten erhielten auch höhere Löhne, trotzdem schütze sie das Haftpflichtgesetz. Niemandem sei es ein- gefallen, sie des höheren Lohnes wegen davon auszuschließen. — Die Debatte endigte mit Annahme folgenden Antrages:„Der Bundesrath wird überdies diejenigen Industriezweige bezeichnen, die erwiesenermaßen und ausschließlich bestimmte gefährliche Krankheiten erzeugen und auf welche die Haftpflicht auszudehnen ist!— Einen heißen Kampf rief der Normalaroeitstag selbst hervor. In glänzender Rede wurde er von Zangger vertheidigt. Einige Citate aus seiner Rede seien hier angereiht. Man be- Haupte, die Festsetzung eines Normalarbeitstages sei eine Be- schränkung der persönlichen Freiheit, von einem„freien Mann" könne bei der ökonomischen Abhängigkeit des Arbeiters von dem Arbeitgeber in That und Wahrheit nicht die Rede sein, derartige den heutigen Zustand beschönigende Phrasen gehörten in eine Kinderstube, unter denkenden Menschen sollten sie von der ernsten Diskussion ferngehalten werden.— Ein hoch interessantes Faktum brachte Herr Zangger zur Sprache, auf das die deutschen Leser des„Vorwärts" ganz besonders aufmerksam gemacht seien:„In einer benachbarten deutschen Fabrik- und Garnisonsstadt fielen, wie auf ein Uebereinkommen hin, die Ruhepausen der Soldaten und Fabrikmädchen immer auf die nämliche Zeit. Ein gefallenes Mädchen in seiner nachherigen Abhängigkeit sei eine Perle für einen Fabrikherrn." Es ist Schade, daß Herr Zangger die„benachbarte deutsche Fabrik- und Garnisonsstadt" nicht genannt hat. Vielleicht halten die Parteigenossen ein wenig Umschau; wir glauben, daß man der von Zangger erwähnten Erscheinung nicht blas an einem Orte, sondern an sehr vielen begegnen wird.„Vertragsfreiheit", führte Zangger weiter aus,„heiße in Wirklichkeit„Beschrän- fung der Freiheit des Arbeiters" und eine Einschränkung der Arbeitszeit sei für den letztern so wenig unwürdig als der Schulzwang. Man sage, der Staat habe eine unglückliche Hand, wenn er sich in gewisse Dinge mische; wenn er aber das Interesse Aller gegen die Ausbeutung von Ein- zelnen in Schutz nehme, wie er einst die Schranken ge- brochen, welche die Patrizier in Bern und Zürich um Handel und Gewerbe aufgerichtet hatten, so könne dieser Ausspruch keine Anwendung finden. Wenn der Staat nicht das Post- und Telegraphenwesen selbst in die Hände genommen, so würde dasselbe schwerlich zu der jetzigen Entwicklung gelangt sein. Man wolle mit dem 11 stündigen Arbeitstag nicht Alles unter einen Hut bringen, da bei einzelnen Industrien jetzt schon täglich nur 10 oder 11 Stunden gearbeitet würde; es handle sich nur um die Aufstellung eines Maximums für icne, bei tvclchen länger gearbeitet werden müsse.— Der Sprechende citirt dann eine Reihe von Aussprüchen über die guten Folgen einer Verminderung der Arbeitszeit in England und anderwärts, weist auf diejenigen in Bezug auf das physische und geistige Wohl der Arbeiter hin und macht auch auf die Eon- sequeiizen der Ausbildung derselben in polittscher Beziehung auf- merksam. Ehemals bestimmten Adel und Geistlichkeit die Geschicke der Völker und deren soziale Gestaltung. Mit Schwert und Kerker wurden die Ansprüche der Bauern zurückgewiesen. Es sind bald 100 Jahre, seitdem sich der dritte Stand seine Rechte erzwang. Geschah es nicht zum Vortheil des Ganzen? Ist Einer unter uns, der zurück wollte? Heute steht nicht ein Stand, aber eine Klasse vor uns. Nicht rechtlos, aber faktisch von ge- ringem Einfluß und daher auch in der Gesetzgebung nicht favo- risirt(begünstigt). Er wünscht die Wohlthaten eines Gesetzes zur Regulirung der Arbeit. Soll man ihn nun zurückweisen mit oer Ausflucht, er solle sich selbst helfen. Nein! Jene 100,000, die den wichtigsten Faktor der zu unserer Existenz nothwendigen In- dustrie bilden, die uns kleiden und zum Theil nähren, sie sollen sich überzeugen, daß die Republik allen ihren Kindern nicht nur Rechte giebt, daß sie ihnen auch Schutz gewährt, um leben und diese Rechte üben zu können."— Stäudcrath Jenny von Glarus berichtet, daß Glarus den Normalarbertstag schon seit 25 Jahren besitze, also seit einer Zeit, wo man noch nichts von den Sozialisten gewußt, und daß man bis jetzt dabei gut gefahren sei. Zuerst hätte derselbe 13, dann 12 Stunden ge- dauert und jetzt betrage er nur noch 11. Die letzte Herabsetzung hätte zu verschiedenen Befürchtungen Anlaß gegeben, die sich jedoch nicht verwirklicht. Wohl seien 2 pCt. weniger pro- duzirt worden und der Arbeitslohn gestiegen, allein das Nrodukt sei ein besseres, der Arbeiter in der Behand- lung der Maschinen aufmerksamer und gewandter geworden, so daß viele Industrielle nicht mehr auf die frühere Arbeitszeit zurückgehen würden, auch wenn sie es könnten.— Ständerath Sulzer von Zürich war früher ein Gegner des Normalarbeits- tages, aber die Erfahrungen, die er namentlich bei dessen Ver- werfung im Kanton Zürich gemacht, haben ihn bewogen, mit seinen Anschauungen zu brechen. Jener Gesetzentwurf sei nur mit einer kleinen Mehrheit verworfen worden und zwar Haupt- sächlich in den Fabrikbezirken, wo die Arbeiter so unfrei wären, daß sie entgegen ihren ei genen Wünschen wider das Projekt petitioniren und stimmen mußten. Stände- rath Morel ist nach Prüfung aller in dieser Sache gemachten Erfahrungen ebenfalls ein Partisan für die Einführung des zehn- stündigen Normalarbeitstages(wie Zangger, Sulzer u. a.). Als Abschlagszahlung an die Arbeiter will er sich vorerst mit dem elfstündigen zufrieden geben.— Mit 22 gegen 16 Stimmen wurde schließlich der Normalarbcitstag beschlossen.— Bei der Kinderarbeit wurden folgende Beschlüsse gefaßt:„Kinder, welche das vierzehnte Altersjahr noch nicht zurückgelegt haben, dürfen nicht zur Arbeit in Fabriken verwendet werden.— Für Kinder zwischen dem angetretenen 15. bis und mit dem voll- endeten 16. Jahre sollen der Schul- und Konfirmandenunterricht und die Arbeit in der Fabrik zusammen eilf Stunden nicht übersteigen. Der Schulunterricht darf durch die Fabrikarbeit nicht beeinträchttgt werden, namentlich darf die letztere dem erstem nie vorgehen.— Sonntags- und Nachtarbeit von jungen Leuten unter 18 Jahren ist untersagt. Bei Gewerben, für welche die Nothwendigkeit des ununterbrochenen Betriebes gemäß Art. 13 bundesräthlich festgestellt ist, kann der Bundesrath, sofern die Uner- läßlichkeit der Mitwirkung von Knaben gleichzeitig dargethan ist, zumal wenn es im Interesse tüchtiger Berufserlernung derselben selbst förderlich erscheint, ausnahmsweise gestatten,' daß auch Knaben von 13—18 Jahren hierbei verwendet werden. Der Bundesrath wird jedoch in solchen Fällen für die Knaben die Nachtarbeit unter die Maximalzeit von 11 Stunden festsetzen, Abwechslung, schichtenweise Verwendung und dergleichen anord- nen, überhaupt nach Erdaurung der Sachlage jede für diese aus- nahmsweise Bewilligung im Interesse der Knaben und ihrer Gesundheit nöthige Vorschrift und Garantie der Bewilligung bei- fügen.— Bei Industrien, welche ihrer Natur nach nur perio- disch betrieben werden, kann der Bundesrath unter Aufstellung aller nöthigen Schutzmaßregeln eine Verwendung der Kinder vom zurückgelegten 13. Altersjahr an bewilligen.— Der Bundesrath ist ermächtigt, diejenigen Fabrikzweige zu bezeichnen, in welchen Kinder überhaupt nicht beschäftigt werden dürfen.— Ein Fabrikbesitzer kann sich nicht mit Unkenntniß des Alters seiner Arbeiter entschuldigen."— Da das Gesetz nun wieder bis zum März k. I. verschoben ist, haben die schweizerischen Arbei- ter hinlänglich Zeit zur Arbeit des Ständeraths Stellung zu nehmen. Voraussichtlich wird ihre Opposition die präcisere Fassung der Definition des Fabrikbegriffs und die Kinderarbeit zum Zielpunkt nehmen. Bei der Kinderarbeit waren es vor- nehmlich Rücksichten auf die Glasfabrikation und die tessinische Seidenindustrie, Ivelche zur Aufnahme der Ausnahmebestimmun- gen führten. 1. Aldenburgischer Wahlkreis. Aus Oberstein(in Birken- feld), 23. December. Da ich bereits vor 3 Jahren von den im Bezirk Eutin wohnhasten Wählern des 1. Oldenburgischcn Wahl- kreises als Reichstagscandidat aufgestellt worden war, und eine sehr große Stimmenzahl daselbst erhalten hatte, so sahen sich die dorttaen, dem Arbeiter- und Klembürgerstande angehörenden Wähler im Verein mit den in der Stadt Oldenburg wohnenden Wählern veranlaßt, mich auch zu den diesmaligen Reichstags- Ivahlen als ihren Vertreter aufzustellen. Es galt nun noch, daß sich der Candidat im Fürstenthum Birkenfeld, welches gleichfalls zu diesem Wahlkreis gehört, vorstelle. Diese Aufgabe, welche mir zu Theil wurde, war gewiß keine leichte und war ich mir dessen auch voll und ganz bewußt, denn in dieser Gebirgsgegend war bis jetzt noch keine Spur sozialistischer Agitation vorhanden. Es giebt in diesem Bezirk, namentlich im hiesigen Städtchen, eine sehr ausgebreitete Industrie(Achat-Schleiferei, Bijouterie und flohleilbau) und in Folge dessen ist auch eine ziemliche An- zahl wohlhabender Bourgeois vorhanden. Trotzdem hieß es, den Gegner im eigenen Lager aufzusuchen. Nach einer 18stündigen Fahrt von Berlin aus langte ich in Oberstein an. Zunächst wandte ich mich an einen Wirth und erhielt auch gegen Ga- rantie sofort ein Lokal zum Abhalten einer Volksversammlung. Die nöthige Anzeige war leicht beschafft und ein Extrablatt des „Nahethaler Boten" kündigte am nächsten Tage an, daß der Arbeitcr-Candidat des Wahlkreises einen Vortrag halten würde. Soweit war in Oberstein Alles in Ordnung, und ohne viele Mühe erlangte ich für Birkenfeld am nächsten Tage dasselbe. Zufälliger Weise traf mit mir auch ein alter Gesinnungsgenosse, ein Fabrikant, der sich auf einer Geschäftsreise befand, in Ober- stein ein. Ich theilte demselben den Zweck meines Hierseins mit und sofort bezeigte er mir seine Freude über mein Vor- haben und beschloß auf mein Ersuchen, den Kampf mit mir ge- meinschaftlich zu führen. Zuversichtlich betraten wir das Lokal, allein wir wurden sofort inne, was wir zu erwarten hatten, ohne daß es erst der Zurufe:„Marpinger, Jesuitenanhang" K. bedurft hätte. Es hatten sich etwa gegen 300 Personen, zum überwiegenden Theil der Bourgeoisie angehörend, bereits cinge- fundcn, welche laut debattirend und gestikulirend ihr Augenmerk auf uns richteten. Da wir einsahen, daß man um jeden Preis die Versammlung unmöglich zu machen bestrebt sein würde, so hieß es aufpassen. Mein Freund übersah mit richtigen- Blick sofort unsere Lage. Er eröffnete die Versammlnng und er- theilte mir sofort das Wort mit dein Bemerken, daß sich die etwaigen Gegner später zur Gegenrede melden möchten. Die Sache ging denn auch ganz gut von statten und Alles war einige Augenblicke mäuschenstill. Ich leitete meinen Vortrag damit ein, daß ich eine Erklärung darüber abgab, wie es ge- kommen sei, daß der Kleinbürger- und Arbeiterstand in den bei- den andern zum Wahlkreis gehörenden Bezirken einen eigenen Rcichstagscandidaten aufgestellt habe und erläuterte dabei den Begriff„Arbeiter" resp. Lohnarbeiter wie„nattonalliberal". Ich wies nach, daß letztere Partei eine öffentlich erklärte Regie- rungspartei sei. Noch waren jedoch diese Worte nicht verhallt, als ein entsetzliches Gebrüll und Geschrei ertönte. Ausrufe wie: „Wir sind gute Nationalliberale aber keine Regierungspartei!" „Raus mit den fremden Burschen!" u. s. w. wurden hörbar. Der umsichtigen Leitung meines Freundes und der Kraft meiner Lunge gelang es endlich, die tobende Menge für diesmal zu be- ruhigen. Ich konnte ivciter sprechen und erläuterte nun, sehr genau meine Galgenfrist berechnend, die Lage der selbständigen Handwerker und der Arbeiter; ein riesiger Lärm erhob sich jedoch, als ich den Herren Fabrikanten bewies, wie sie ihre herrliche Existenz dem Fleiß der Arbeiter zu verdanken hätten. Auch diesmal wurde die Ruhe wieder hergestellt, ivorauf ich in gedrängter Kürze unsere Prinzipien darzulegen mich bestrebte. Am Ende eines icden Satzes jedoch ging der Spektakel aber auf's Neue los, bis ich endlich, nachdem ich 25 Minuten ge- sprochen und mich über die Mittel und Wege, durch welche die heutigen ungerechten Zustände umgeändert werden könnten, ausgelassen hatte, dem Faß den Boden ausgestoßen hatte. Das Geschrei nahm kein Ende. Man schrie:„Wir wollen Sie jnicht hören!"„Raus, raus, raus!"„Hurrah!":c.-c. Die Herren Gegner stürzten wüthend auf uns zu, wir jedoch ließen uns nicht irre machen. Unter dem größten Aufwand meiner Stimmittel forderte ich die Herren, welche Einfluß bei diesen„Gebildeten" zu haben schienen, auf, ihre nationalliberalen Gesinnungsgenossen zur Ruhe aufzu- fordern, damit sie im Stande wären, uns zu widerlegen; allein keine Zunge rührte sich zu dieseiy Zweck. Nachdem aber auch die Bemühungen des Vorsitzenden, die Ruhe wieder herzustellen, erfolglos geblieben waren, griff ich zum letzten Mittel und packte die Herren„Gebildeten" bei der Ehre an, indem ich ihnen zu- rief:„Schande über Sic! Eine so große Anzahl anscheinend intelligenter Leute fürchten sich vor zwei Sozialdemokraten, weil sie dieselben in ruhiger Discussion nicht widerlegen können. Der Vorsitzende fügte noch hinzu:„Die Schande fällt auf Sie, es ist ein elender erbärmlicher Sieg, den Sie solchergestalt fer- ringen wollen!" Hierauf endloses Wuthgebrüll. Ein Fabri- kant stürzte sich auf mich, um mir mit den Fäusten zu be- weisen, daß er sich nicht fürchte. Es sollte dies Vorgehen für eine sich bereits während der ganzen Zeit am tollsten gebehr- dende Gruppe das Signal sein. uns zu verhauen. In dem Augenblick jedoch, wo der rohe Bursche mich beim Rock fassen wollte, kamen sofort etliche Arbeiter und rissen den rasenden Gegner zurück. Von mehreren Stellen im Saale, wo sich eben- falls Kleinbürger und Arbeiter befanden, ertönten Rufe der Ent- rüstung und des Mißfallens; eine lebhafte Bewegung entstand; jedoch waren wir nicht mehr der Angriffspnnkt, sondern es drohte eine allgemeine Schlägerei auszubrechen. Jetzt erschienen der Herr Bürgermeister und einige Polizeicommissare, und Ersterer ersuchte uns in derZhöflichsten Weise unter seiner Begleitung den Saal zu verlassen. Wir jedoch erwiderten, es würde uns das als Feigheit ausgelegt werden und wir würden unter allen Um- ständen bleiben. Der allgemeine Tumult und Scandal erreichte nun seinen Höhepunkt, weshalb sich der Bürgermeister veranlaßt fühlte, die Versammlung aufzulösen, um, wie er sich ausdrückte, Unglück zu verhüten. Darauf erhob sich in der entferntesten Ecke des Saals ein bejahrter Mann und rief mit lauter Stimme, welche selbst den Tumult übertönte:„Wir haben so oft davon gelesen, daß die Sozialdemokraten da, wo sie in Masse vertreten sind, die Gegner nicht zu Wort kommen lassen, heute jedoch ist hier bewiesen, daß die Anhänger der nationalliberalen Partei gerade Diejenigen sind, welche so verfahren; die Herren haben uns aufgefordert, ihre Ansichten zu widerlegen, das hätte ge- schehen müssen, so sind wir aber, da man die Leute niederge- schrien hat, gründlich blamirt!"„Ja wohl, wir sind blamirt!" tönte es auch von anderen Seiten, worauf jedoch von der Masse der echten Bourgeois mit lautem Geschrei und dem Rufe:„Wir wollen von den Geschichten nichts wissen!" geantwortet wurde. Hierauf begann man den Saal zu verlassen; in zuvorkom- mcndstcr Weise wurde uns vom Herrn Bürgermeister und einigen anderen Herren, theils Kleinbürger, theils Arbeiter, das Geleit zu unscrm Gasthaus gegeben; wir wollten dies zwar nicht an- nehmen, aber jene Herren versicherten uns:„Es ist dies noth- wendig, wir kennen unsere Pappenheimer besser! Nachdem wir eine kurze Zeit auf unserm Zimmer geblieben waren, gingen wir die in beiden Gaststuben, welche sich bis auf den letzten Platz mit der„Noblesse" des Städtchens füllten, auch hier wurde uns verstohlen angerathen, uns zu entfernen, wir thaten dies aber nicht. Hier löste sich nun die Zunge einiger Herren und es wurden Reden gehalten und„Blech" geschmiedet. Die Herren hatten jetzt eine solche Courage bekommen, daß sie uns zumutheten,„eine Rede zu halten". Wir erwiderten, das hätten sie vorher ja besser haben können, oder sie möchten eine nationalliberale Versammlung einberufen und uns dazu einladen. Hierauf wurde uns jedoch erwidert, das würde man wohl bleiben lassen, denn man wollte uns gar nicht haben. Wir erklärten hieraus:„dann müssen Sie uns auch nicht für so dumm halten, daß wir inmitten dieser sehr stark angeheiterten Gesellschaft am Biertisch als Ihre Lustigmacher fungiren sollten." Die Abgesandten zogen sich hierauf schweigend zurück. Von den gehaltenen Bier- und Weinreden will ich nur derer des Herrn Gymnasial-Dircktors Eben gedenken. Derselbe bemerke:„Es sei nicht zu bestreiten, daß die nationalliberalen Reichstags- abgeordneten gesündigt, dies müsse denselben unter vier Augen vorgehalten werden, aber nicht in die Oeffentlichkeit gebracht werden." Als ich hierauf bezügliche Notizen in mein Taschen- buch machte, wurde der Ruf:„Gemeine Hunde!" laut und ein Herr bot mir Papier an, im Fall ich nicht genug hätte. Ueber die Gemeinheiten fühlten sich einige neben uns Sitzende empört und die Herren bekamen einen heftigen Streit unter sich, worauf wir uns in das anstoßende Zimmer begaben. Hier unterhielten wir uns noch längere Zeit mit mehreren Kleinbürgern, welche das Benehmen der„Noblesse" auf's Entschiedenste verdammten, bis wir uns schließlich von ihnen trennten unter dem gegen- fettigen Wunsch, daß nach diesem ersten Anstoß zu einer gele- aencn Zeit eine abermalige Agitation besser verlaufen möge. Das lustige Gelage der Mehrzahl der„Gebildeten" dauerte jedoch bis zum frühen Morgen. Am nächsten Tage machten wir mehrfach Gänge durch die Stadt, überall jedoch sahen wir be- schämte Gesichter, und mit Recht konnten wir sagen, daß wir trotz der gemeinen Behandlung der Gegner als Sieger den Platz verließen. Am selbigen Tage fuhren wir nach Birkenfeld. Die Ver- sammlung war ebenfalls den Verhältnissen gemäß gut besucht »nd noch dazu von anständigen Gegnern. Nachdem ich mein Referat beendet, begann die Diskussion und währte von'/all bis '/«l Uhr. Den verschiedenen Interpellanten wurde in ausge- dehntestem Maße Aufklärung zu Theil. Einem Einzigen jedoch schien der ruhige und anständige Verlauf der Versammlung nicht sonderlich zu behagen, nämlich dem Herrn Postmeister Melchior; dieser versuchte die Versammlung kurz vor Schluß noch mit einem Knalleffekt aufzuheben, indem er den Antrag stellte, die Anwe- senden möchten, wenn auch mit dem Vortragenden, seinem per- sönlichcn Auftreten und Vortrage soweit sehr zufrieden, demselben durch Verlassen des Saales beweisen, daß in Birkenfeld kein Boden für die Sozialdemokratte sei. Dieser Vorschlag rief jedoch allgemeinen Widerspruch hervor und nicht die Hälfte der An- wesendcn entfernte sich. Der vorgerückten Zeit wegen wurde bald darauf Schluß gemacht, aber ein großer Theil der Anwesenden blieb noch mit uns länger als ein Stündchen in der Gaststube zusammen, wo eine recht trauliche Unterhaltung gepflogen und neben der„Wacht am Rhein" von nationallibcraler Seite von uns auch die Aadorf'sche„Arbeiter-Marseillaise" kräftig gesungen wurde. Die Behandlung, welche uns in Birkcnfeld widerfuhr, müssen wir als eine höchst achtenswerthe bezeichnen, und brachte dieselbe bei uns eine doppelt freudige Wirkung hervor, weil sie von der in Oberstein so bedeutend abstach. In Birkenfeld haben wir mehrere Freunde und Gesinnungsgenossen gewonnen, in Ober- stein und dem Städtchen Idar gleichfalls, und deshalb werden wir nach diesem ersten Sturmlauf, sobald die Gelegenheit günstig ist, den Eroberungszug planmäßig fortsetzen, und in nicht zu ferner Zeit werden„diese schwarzen Berge" unsere besten Truppen tiefern. Mit sozialdemokratischem Gruß Otto Reimer, Reichstagscandidat für den ersten oldenburgischcn Wahlkreis. Kaßtoch in der Pfalz, 30. Dezember. Am 26. Dezember hielten wir Hierselbst eine zahlreich besuchte Volksversammlung ab, in welcher Herr Drecsbach seine Candidatenrede hielt. Derselbe verstand es vortrefflich, die bisherige Volksvertretung und ihre Stellung im Reichstage, namentlich zu den indirekten � Steuern, zu kennzeichnen. Aus der allgemeinen Stimmung, welche die Versammlung beseelte, konnte man schließen, daß diese nicht Lust hat, sich noch länger von einem Liberalen im Reichs- tage vertreten, besser gesagt treten zu lassen. Darob natürlich großes Wuthgeichrei im gegnerischen Lager. Da man nun ein-! oder Sonnabend, Abends 8 Uhr, im Gasthof daselbst zur näheren Be sieht, daß es ein für alle mal unmöglich ist, in Versammlungen sprechung sich einzufinden. den Sozialisten mit Erfolg gegenüber zu treten, so versucht man Arbeiter. Makler. Wr es auf eine andere Weise, und zwar hinter den Bier- und Wein- gläsern, gegen dieselben loszuschlagen. Der eine ruft:„Wir wollen keinen Preußen in oen Reichstag, wir wählen einen Pfälzer!" Der andere ruft:„Man weiß ja gar nicht, wo der her ist!" k. jc. Auch die Person des Unterzeichneten, welcher die Agitation Hierselbst einleitete, muß herhalten;„der ist schuld" heißt es,„wenn der nicht hierher gekommen wäre, wäre das alles nicht vorgekommen!"„Der beruft Volksversammlungen ein," fällt ein anderer dazwischen,„und sagt nicht einmal, was dieselben für einen Zweck haben!" Mittlerweile kommt dann auch der„Pfälzische Kurier" und bringt einen Commeutar der sozialistischen Idee in Gestalt eines ellenlangen Leitartikels, in welchem er auf das Resultat kommt, daß der Staat, wie er von den Sozialisten ersttebt wird, eine Zwangsanstalt sei, in welcher es Niemanden mehr vergönnt wäre, ein menschenwürdiges Dasein zu fristen! Kaum hat dieser ausgebrüllt, so kommt die gespäßige „Neustädterin" und bringt die Meldung, daß eine sozialistische Versammlung wegen mangelhafter Betheiligung nicht hätte tagen können und sieht dabei nicht etwa die Sozialdemokratie auf dem Rückzüge, wie sich unsere Gegnerschaft gewöhnlich auszudrücken beliebt, sondern am Zusammenschrumpfen!— O arme Gegner- schaft, wir thäten herzlich gerne lachen, wenn wir Euch ob Eurer auf Ignoranz beruhenden Kampfweise nicht so sehr bemitleideten. Die Arbeiter werden sich indeß nicht beirren lassen und werden ihresgleichen in den Reichstag wählen. W. Gerhold. Kainichen, 6. Dezbr.(Agitationsbericht.) In der zum 4. Dezember anberaumten Volksversammlung sprach unser Can- didat Fritz sche mit ausgezeichnetem Erfolge. Es meldeten sich zwei Liberale, der Advokat Täschner aus Freiberg und Fabrikant Deubner aus Oederan zum Wort. Der erstere brachte eine Ent- gegnung auf das Referat Fritzsche's, gestand aber auch bei der- selben zu, daß Meinungsverschiedenheiten auch in seiner Partei herrschten und daß die Gesetze, welche die liberale Partei ge- schaffen wohl sehr mangelhaft und deßhalb verbesserungsbedürftig seien, aber Niemand sei dazu mehr berechtigt als die liberale Partei. Fritzsche entgegnete hierauf mit so großem Erfolg, daß dem Herrn Advokaten alle Lust vergangen war, in eine weitere Diskussion einzutreten. Nun erhob sich der andere Gegner, Fabrikant Deubner, nicht aber, um zu widerlegen, sondern um in nationalliberalüblicher Weise auf die Sozialdemokratie und die Arbeiter dermaßen zu schimpfen, daß der Redner unter Tu- mult die Rednerbühne verlassen mußte. Die Polizei zum Schutze seiner Person anrufend, welche keineswegs gefährdet war, verließ derselbe das Lokal.— Ferner fand Sonnabend, den 9. Dezbr. eine Wählerversammlung seitens der konservativen Partei statt, welche sehr zahlreich besucht war. Es entwickelte zunächst der aufgestellte Candidat von Oelschlägel auf Oberlangenau sein Programm, welches sich scheinbar dem unsrigen näherte. Im weiteren Verlauf der Versammlung entspann sich zwischen den Conservativen und Nationalliberalen eine lebhafte Diskussion, wobei sich die feindlichen Brüder zu unserem Ergötzen gegenseitig recht derb die Wahrheit sagten. Als darauf der Vorsitzende die Anwesenden aufforderte, sich zum Worte zu melden, trat zur größten Ucberraschung beider Parteien Genosse W iemer aus Chemnitz als Redner auf. Wiemer hatte sich hauptsächlich zur Aufgabe' gemacht, die Thätigkeit beider Parteien zu kritistren. Ueber die Conservativen meinte Wiemer, wolle er sich nicht aus- führlich auslassen, da in unserem Wahlkreis vorzüglich die Libe- ralen in Betracht kämen. Er widerlegte dann Punkt für Punkt die Gegner so klar, daß er lebhasten Beifall seitens der ganzen Versammlung erntete.— Eine weitere Versammlung fand Sonn- tag, den 11. Dezember seitens unserer Partei in dem Orte Berbersdorf bei Hainichen statt, welche sehr zahlreich besucht war. Es referirte Genosse Ant. Lange aus Freiberg. Der Erfolg dieser Versammlung war die Annahme der Candidatur Fritzsche's von der überwiegenden Mehrheit der Anwesenden. Alsdann fand eine Versammlung Mittwoch, den 20. Dezember, seitens der liberalen Partei iui Mendc'schen Lokal Hierselbst statt, in der gegen achthundert Wähler anwesend waren. Es entwickelte daselbst der aufgestellte Candidat Herr Landtagsabgeordneter Penzig sein Programm. Als Gegner desselben meldete sich der Redner der konservativen Partei Dr. Perrott zum Wort, wel- cher mit obigem Redner eine längere Diskussion einging be- züglich des Bankgesetzes und der Börsensteuer. Es ernteten aber beide Redner keinen lebhasten Beifall. Zum größten Bedauern müssen wir hier berichten, daß wir in dieser Versammlung Verhältnisse halber nicht zum Worte gelangen konnten. Wir erwarten bestimmt, daß noch einmal vor der Wahl unser Candidat Fritzsche in Hainichens Mauern sprechen wird, um uns zum Siege zu verhelfen. Das Reichstags-Wahlcomitä zu Hainichen. Carl Sturm, Vorsitzender, Gellertsttaße Nr. 31 zu Hainichen. Schneeverg. Unser Parteigenosse Gustav Hörnig theilt uns mit, daß die Angabe in der M.-Correspondenz aus Schneeberg (in vorletzter Nummer), es sei zu der Uhlmann'schen Versamm- lung blos brieflich oder durch Karte eingeladen worden, nicht richtig ist. R. d. V. Mannheim.(Aufgebot!) Die Freunde und Parteige- nassen werden hiermit aufgefordert, behufs Vkrtheilung der Aus- rufe und Stimmzettel Samstag, den 6. Januar, Abends Va8Uhr bei Buttle zahlreich zu erscheinen. 100 Mann sind dringend nöthig, deshalb seid am Platze! Arbeiter! Wähler! Wir hoffen in Euren Interesse zu handeln und erwarten von Euch thatkräftige Unterstützung, denn Einigkeit macht stark. Vorwärts also! Die Parteigenossen von Thonberg. Au die Arbeiter Deutschlands! Da wir mit dem regsten Interesse die Verhandlungen des Reichs- tags(besonders über die Justizgesetze) verfolgt haben, so fühlt sich der deutsche Arbeiter-Verein Zürich, in der Voraussetzung, daß ihm die deutschen Parteigenossen in der Schweiz zustimmen, veranlaßt, gegen das unerhörte Gebahren der sogenannten deutschen Volksvertreter, speziell der nationalliberalen Partei bei der dritten Lesung der Justiz- Gesetze als einen offenen Verrath an der Sache des Volkes energisch zu protestiren. Ein Vertteter des Volkes muß zu jeder Zeit bestrebt sein, die Rechte des Volkes in allen Fällen zu wahren. Wenn aber eine Partei, wie die nationalliberale, der Regierung zu Liebe die Bolksrechte stets preis giebt(wir erinnern nur an das Budgelrecht und an den Com- promiß bei den Justizgesetzen), so muß sich jeder freisinnige Staatsbürger mit Abscheu von solcher Partei abwenden. Brüder und Genossen in Deutschland, an Euch ist es, am 10. Ja- nuar diese Schmach zu tilgen, indem Ihr diese Elemente aus dem ge- setzgebenden Körper fern zu halten trachtet. An Euch ist es, den durch das knechtische Bettagen unserer Reichstagsmajorität an den deutschen Namen gehefteten Makel wieder zu beseitigen, indem Ihr am 10. Ja- nuar nur den Männern Eure Stimme gebt, welche fest und uner- schrocken sich um das einzige Banner der Arbeiter, das sozialdemotta- tische, gejchaart haben. Genossen! Die industrielle Krisis, welche auch die jetzt herrschende Reichstags-Majorität mit heraufbeschworen, hat uns gezwungen, unfern heimatlichen Heerd zu verlassen, dadurch sind wir leider verhindert, mit Euch an die Wahlurne zu tteten, um so zu dem Sieg der sozialdemo- kratischen Arbeiterpartei beizutragen. Es ist uns daher auch nicht vergönnt, direkt mit einzugreifen in den Wahlkampf und uns der Partei zur Verfügung zu stellen, so wie wir es wünschen, aber wir haben Euch uuterstützt und werden Euch ferner in diesem Kampfe unterstützen, soweit es in unserer Macht steht, deß seid gewiß. Wir hoffen zuversichtlich, Ihr werdet, eingedenk der großen Auf- gäbe, die Eurer harret, alles aufbieten, um unserer Sache zum Siege zu verhelfen, für welche schon die Edelsten und Besten der Nation ge- kämpft und gelitten haben. Brüder und Genoffen! Das arbeitende Volk der ganzen civilisirten Welt sieht vertrauensvoll auf Euch und hofft zuversichtlich, daß eine massenhafte Stimmenabgabe zu Gunsten der Sozialdemokratie den deutschen Namen wieder zu Ehren bringen werde. Zeigt Euch dieses Vertrauen« würdig. Mit brüderlichem Gruß und Handschlag Im Namen des deutschen Vereins Zürich: Der Präsident: Gustav Dorn. IlL. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck ge- beten. Wahlfonds. Von S. L. M. 1,75. Blüthner's Fabrik durch B. 3,50. Liste 46 Cigarrenfabrik Appel und Brunner 0,80. Auf dem Centtalverkehr ge- sammelt 2,10. Durch Buchdrucker Schenck in folgenden Officiuen ge- sammelt: Liste 1 Hirschfeld 4,l0; Liste 3 Bär u. Hermann 3,20; Liste 5 Grimme«. Trömel 0,35; Liste 6 Klinckhardt 1,50; Liste 7 Schu- warbt u. Co. 0,50; Liste 13 Grumbach 0,50; Liste 17 Produktivgenossenschaft 3,25. P. Krebs, Ulrichsgasse 60. IlL. Wer noch Sammellisten in Händen hat wird aufgefordert, sie abzuliefern. Anzeigen ic* Parteigenossen, welche gewillt sind, bei der be- s vorstehenden Reichstagswahl thätig zu sein, nament- lich um Stimmzettel ze. zu verbreiten, werden ersucht, sich Sonnabend, 5. Januar 1877, Abends 8 Uhr, im Vereinslokal bei Kahle, Haagerstraße, einzufinden.(60 Das sozialdemottatische Wahl-Comitü. Sonnabend, den 6. Januar, Morgens Iv'/a Uhr, in der vAIHU«„Deutschen Flotte" vor dem Ehrenthore: Große Volksversammlung. Tagesordnung: 1) Die Sozialdemottatie und ihre Gegner. 2) Die bevorstehende Reichstagswahl. Referent: Georg Schumacher. Zu zahlreicher Betheiligung ladet ein Das Arbeiter-Wahlcomitö des Stadt- und Landkreises Cöln. 'Fachverein der Tischlers Fünfter schleswig-holsteinischer Wahlkreis. Parteigenossen, Freunde der Arbeiterpartei! Seit etwa 6 Wochen wird die Wahlagitation rüstig betrieben. Neben unscrm Candldaten H. Walther war noch Parteigenosse Mathaei einige Wochen thatig, so daß wir sagen können: wir haben bis jetzt unsere Schuldigkeit gethan. Es ist aber nicht genug hiermit, im Gegentheil, die Pflicht gebietet uns, die wenigen Tage bis zum 10. Januar recht nachhaltig durch Rede und Schrift zu wirken, damit unsere gute Sache siege. Deshalb wenden wir uns noch einmal an Euch und appelliren an Euren Opfermuth. Sucht sogleich durch fteiwillige Beiträge an allen Orten noch einige Geldmittel flüssig zu machen, damit die Agitation nicht gehemmt werde. Auch diesmal rufen wir Euch zu: Muth, Ausdauer und Opferwilligkeit werden uns zum Siege bringen. Heide und Itzehoe im Dezember 1876. Das Central-Wahl-Comitö. I. A.: W. Off, C. Kreuzberg. Die Beiträge zur Wahlagitation sende man an die alten Adressen. An die Wähler von Thonberg und Neureudnitz. Alle Partei- und Gesinnungsgenossen, sowie alle Diejenigen, welche sich für die Wahl des Hofbaurath Temmler interessiren und Wahl- ausrufe und Stimmzettel verbreiten oder am Tage der Wahl einige Stunden opfern wollen, werden ersucht, unserm Genossen Ernst Fischer, Hauptstraße 59, Thonberg, ihre Adresse schleunigst zukommen zu lassen Cöln. Vereinslokal: Montag, den 8. Januar 1877, Abends 3>/, Uhr, im Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Monatliche Abrechnung. 2. Das Verhalten des Fachvereins gegenüber dem Tischler-Bund.(80 Alle Mitglieder werden ersucht, pünktlich zu erscheinen. D. V. Centralverkehr und Herberge. •Vv Die zur Aufsichtsbehörde gewählten Personen haben sich �„r(5- 200) Montag, den 8. Januar, Abends 8 Uhr, einzufinden. Es ist Pflicht der Gewerkjchastsvorstände, dafür zu sorgen daß Keiner fehlt. I. A.: P. Krebs.(60 Billiaste Tageszeitung Berlins: „Werl'iner Ireie presse" mit der Jllustrirten Sonntags-Gratis-Beilage„Die Zleue Wett" erscheint sechsmal wöchentlich in Berlin und nehmen alle Postanstalten Deutschlands, sowie die unterzeichnete Expedition Abonnements ent- gegen. Abonnements- Preis: Beim Abholen von der Post: 4 M., � frei in's Haus: 4 M. 40 Pf. per Quartal. Inserate: pr. 4g»sp. Borgis-Zcile 25 Pf.,— Arbeitsmarkt nur 10 Pf. Die„Berliner Freie Presse" ist in der Zeitungs- Preisliste für 1877 unter Nr. 540 eingetragen. Die Expedition der„Berliner Freien Presse". Berlin 80., Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8a. "Volks-Kalender für 1877. 12'/, Bogen. gr.-4. Schön illufttirt. Preis: geheftet 50 Pf., gebunden und mit Schreibpapier durchschossen 75 Pf., 10 Stück geheftet 4,00, 100 Stück 30,00 gegen Baar oder Postvorschuß. Der Kalender dient dem Fortschritt in jeder Beziehung, bietet An- regendes, Belehrendes und Unterhaltendes in reicher Fülle, enthält viele schöne Bilder und giebt allerhand nützliche Mittheilungen sür's prak- ' Bestellungen erbittet(26) W. Bracke jr.(360 Verantwortlicher Redakteur: W. Liebknecht in Leipzig. Redaktton und Expeditton Färberstraße 12/11. in Leipzig. Druck und Lerlaq der Genossenschaftsbuchdruckerei in Leipzig.