erscheint in Leipzig Mittwoch, Freitag, Sonntag. AbonnemcutSPrcis ;.;t ga.ij Teullchiand 1 M. ev Ps. pro Quartal. Monats» Abonnements werden bei allen dcutlchrn Postanstalten aus den 2. und 3. Monat, und auf den ».Monat besonder« angenommen: im «onigr. Sachsen und Herzogth. Sachs en- Altenburg auch aus de» ilcn Monat des Quartals U 54 Psg. Inserate tetr. Bersammlungen pr. Petitzeilc 1l> Pt., bcrr. Prioatangelegenbeitm und Feste pro Petitzeilc»o Pf. VorVärl Bestellungen ncbmcn an alle Postanstaltcn und ll!uch Handlunge» de« In- u. Anslandto. Filial- Expeditione». New-Aorl: Soz.-demolr. tlleno'Ien« schastsbuchdruckerei, 154 ElärWxe S:r. Philadelphia: P. Haß, K3V Ziorth »es Street. 3. Boll, 1129 Charlotte Str. gshicago: A. Lansermann, 29L liivl- sioll Street. San Franzisco: F. Eng, 419 O'Fm- rell Street. London: Saudis), 5 Nassau Street, Middleeex Hospital. Kentrat Krgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 6. Sonntag, 14. Januar. 1877. Das Wahlresultat "äßt sich im Augenblick, wo wir dies schreiben, noch nicht übersehe»(die vor Schluß der Redaktwn bekannt gewordenen Ergebnisse finden sich auf der letzten� Seite zusammengestellt). Eins steht aber bereits fest: daß die Sozialdemokratie nicht nur neue Sitze erobert, sondern auch einen erheblichen, in manchen Orten wahrhaft großartigen Zuwachs an Stimmen aufzuweisen hat. Bon besonderer Wichtigkeit sind die Erfolge in Berlin, Nürnberg, Magdeburg, Dresden und anderen großen Städten. Hervorzuheben ist ferner das Fiasko der Fortschrittspartei, deren„Rückgang" durch die tönenden Wahlreden gelegentlich der Justizgesetze nicht aufgehalten werden konnte. Fort mit diesem Eadaver! Der ehrliche Fortschrittler werde Sozialdemokrat, der Rest schecre sich zu den Nationalliberalen. Der Wahlkampf war im Ganzen ein sehr lebhafter; unsere Organisation und die Opferwilligkeit der Genossen haben sich auf's Glänzendste bewährt. Ueberall boten die sozialdemokratischen Candidaten und Agita- toren den Gegnern offen und ehrlich die Stirn; nur selten wurde der Handschuh aufgenommen, und in keinem Redetournier zogen die Vertreter unserer Prinzipien den Kürzeren. Die Gegner beschränkten sich fast ausschließlich auf Versammlungen hinter verschlossenen Thören, und ihre Hauptagitationsmittel waren in Ermangelung der Gründe: Beeinflussungen jeder Art, und die Waffen der Lüge und Verleumdung. Die Schmutzschrift des säubern Herrn v. Unruh wurde in allen Wahlbezirken, in denen Sozialisten kandididirten, massenhaft verbreitet. Umsonst. Das Volk ist nicht auf den Leim des fünffachen.Gründers und seiner Mit-Theiler gegangen. Für den Fall namhafter Erfolge der sozialdemokratischen Partei stellten die Rcptilienblätter der verschiedenen Schattirungen eine politische Reaktion, Reprcssivmaßregeln in Aussicht. Nun— ärger als die politische Reaktion schon ist, kann sie nicht werden; den angedrohten Repressivmaßregeln sehen wir mit größter Seelenruhe entgegen; die Strafgesetzuvvelle, für welche die liberale Bourgeoisie jetzt reif geworden sein dürfte, mag unsertwegen in zweiter und verbesserter Auflage durchgehen— -vir wissen, daß es nicht der moralische Bankerott der Sozial- demokratie ist, der auf diese Weise konstatirt wird. Hoch die Sozialdemokratie! Herrn Eugen Dühring's Umwälzung der Philosophie. Von Friedrich Engels. V. Wir kommen jetzt zur Naturphilosophie. Hier hat Herr Tühring wieder alle Ursache mit seinen Vorgängern unzufrieden zu sein. Die Naturphilosophie„sank so tief, daß sie zur wüsten, auf Unwissenheit beruhenden Afterpoesie wurde" und„der pro- stituirtcn Philosophasterei eines Schclling und ähnlicher, im Priestcrthum des Absoluten kramender und das Publikum mysti- ficirender Gesellen anheimgefallen" war. Die Ermüdung hat uns aus diesen„Mißgestalten" gerettet, aber sie hat bisher nur der„Haltlosigkeit" Platz gemacht;„und was das größere Publi- kum betrifft, so ist für dasselbe bekanntlich der Abtritt eines größeren Eharlatans oft nur die Gelegenheit für einen kleinern, aber geschäftserfahrenen Nachfolger, die Produktionen jenes unter einem andern Aushängeschild zu wiederholen." Die Natur- lorscher selbst verspüren wenig„Lust zu einem Ausflug in das Reich der welwiilspannenden Ideen" und begehen daher lauter »zerfahrene Voreiligkeiten" auf theoretischem Gebiet. Hier muß ringend Rettung geschaffen werden, und glücklicher Weise ist ii zur Stelle. ™ �,"ll uun folgenden Enthüllungen über die Entfaltung der . in der Zeit und ihre Begräulung im Raum richtig zu würdigen, müssen wir wieder auf einige Stellen in der„Welt- schematik zurückgreifen. v r>�emii<2e'sr!tirk.' ebenfalls im Einklang mit Hegel(Encykl. � 93), Unendlichkeit— was Hegel die schlechte Unendlichkeit urutzk— zugeschrieben und nun diese Unendlichkeit untersucht. „Tie deutlichste Gestalt einer widerspruchslos zu denkenden Unendlichkeit ist die unbeschränkte Häufung der Zahlen in der Zahlenreihe.... Wie wir zu jeder Zahl noch eine weitere Ein- he,t hinzufügen können, ohne jemals die Möglichkeit des Weiter- zählens zu erschöpfen, so reiht sich auch an jeglichen Zustand des Sems ein fernerer an, und in der unbeschränkten Erzeugung diefer Zustände besteht die Unendlichkeit. Diese genau gedachte Unendlichkeit hat daher auch nur eine einzige Grundform mit einer einzigen Richtung. Weun es nämlich auch für unser Ten- kcn gleichgültig ist, eine entgegengesetzte Richtung der Häufungen oer Zustände zu entwerfen, so ist doch die rückwärts fortschrei- i£>ide Unendlichkeit eben nur ein voreiliges Vorstellungsgcbilde. � aJie nämlich in der Wirklichkeit in umgekehrter Richtung durchlaufen sein müßte, so würde sie bei jedem ihrer Zustände ahn- �"�dliche Zahlenreihe hinter sich haben. Hiermit wäre unzulässige Widerspruch einer abgezählten unendlichen mJ! tC'hC begangen, und so erweist es sich als widersinnig, T �chwie Richtung der Unendlichkeit vorauszusetzen." rief»?;* er�e Folgerung, die aus dieser Auffassung der Unend- Mir«., �övgen wird, ist, daß die Verkettung von Ursachen und ■„ 9enJ" der Welt einmal einen Ansang gehabt haben muß: nerom* t't � Zahl von Ursachen, die sich bereits an einander test" hoben zoll, ist schon daruiy undenkbar, weil sie die Un- wiesen abgezählt voraus setzt". Also eine Endursache er- iiab��i�tc Folgerung ist„das Gesetz der bestimmten An- �» u' Häufung des Identischen irgend einer realen Gattung von Selbständigkeiten ist nur als Bildung einer bestimmten Zahl denkbar". Nicht nur die vorhandene Zahl der Weltkörpcr muß in jedem Zeitpunkt eine an sich bestimmte sein, sondern auch die Gesammtzahl aller in der Welt existirenden kleinsten selbständigen Theile der Materie. Letztere Noihivendigkeit ist der wahre Grund, warum keine Zusammensetzung ohne Atome gedacht werden kann. Alle wirkliche Gctheiltheit hat stets eine endliche Bestimmtheit und muß sie haben, wenn nicht der Widerspruch der abgezählten Unzahl eintreten soll. Nicht nur'muß aus demselben Grund die bisherige Anzahl der Umläufe der Erde um die Sonne eine bestimmte, wenn auch nicht angebbare, sein, sondern alle perio- dischen Naturprozesse müssen irgend einen Anfang gehabt haben, und alle Differenzenbildung, alle Mannichfaltigkeiten der Natur, die einander folgen, müssen in einem sich selbst gleichen Zu- stand wurzeln. Dieser kam: ohne Widerspruch von Ewigkeit! her existirt haben, aber auch diese Vorstellung wäre ausgeschlossen, wenn die Zeit an sich selbst aus realen Theilen bestände und nicht vielmehr blos durch die ideelle Setzung der Möglichkeiten von unserm Verstand nach Belieben eingetheilt würde. Mit dem realen und in sich unterschiedciien Zeitinhalt hat es eine andre Bewandwiß; diese wirkliche Erfüllung der Zeit mit unterscheid- bar gearteten Thaffachen und die Existenzformen dieses Bereichs gehören eben, ihrer Unterschiedenheit wegen, den Zählbaren an. Denken wir uns einen Zustand, der ohne Veränderungen ist und in seiner Sichselbstgleichheit gar keine Unterschiede der Folge darbietet, so verwandelt sich auch der spcciellere Zeitbcgriff in die allgemeinere Idee des Seins. Was die Häufung einer leeren Dauer bedeuten solle, ist gar nicht erfindlich.— Soweit Herr Dühring, und er ist nicht wenig erbaut von der Bedeutung dieser Entdeckungen. Er hofft zunächst, daß man sie„mindestens nicht als eine geringfügige Wahrheit ansehn" wird; später aber heißt es:„Man erinnere sich der höchst einfachen Wendungen, mit denen wir den Unendlichkeitsbegriffen und deren Kritik zu einer bisher ungekannten Tragweite verholfen haben... die durch die gegenwärtige Verschärfung und Vertiefung so ein- fach gestalteten Elemente der universellen Raum- und Zcitauf- fassnng." Wir haben verholfen! Gegenwärtige Vertiefung und Ver schärfung! Wer sind wir, und wann spielt unsre Gegenwart? Wer vertieft und verschärft? „Thesis. Die Welt hat einen Anfang in der Zeit, und ist dem Raum nach auch in Gränzen eingeschlossen.— Beweis: Denn man nehme an, die Welt habe der Zeit nach keinen An- fang, so ist bis zu jedem gegebnen Zeitpunkt eine Ewigkeit ab- gelaufen, und mithin eine unendliche Reihe auf einander folgen- der Zustände der Dinge in der Welt verflossen. Nun besteht aber eben darin die Unendlichkeit einer Reihe, oaß sie durch suc cessive Synthesis nicinals vollendet sein kann. Also ist eine unsüdliche verflossene Wcltreihe unmöglich, mithin ein Anfang der Welt eine nothwendigc Bedingung ihres Daseins, welches zuerst zu beweisen war.— In Ansehung des Zweiten nehme man wiederum das Gegcntheil an, so wird die Welt ein unend liches gegebenes Ganzes von zugleich existirenden Dingen sein. Nun können wir die Größe eines Quantums, welches nicht inner- halb gewisser Gränzen jeder Anschauung gegeben wird, auf keine Art als nur durch die Synthese der Theile, und die Totalität eines solchen Quantums nur durch die vollendete Synthese oder durch wiederholte Hinzusetzung der Einheit zu sich selbst gedenken. Demnach, um sich die Welt, die alle Räume erfüllt, als ein Ganzes zu denken, müßte die successive Synthese der Theile einer unendlichen Welt als vollendet angesehn, d. i. eine unendliche Zeit müßte, in der Durchzählung aller koexistircndcn Dinge, als abgelaufen angesehen werden, welches unmöglich ist. Dem- nach kann ein unendliches Aggregat wirklicher Dinge nicht als ein gegebenes Ganzes, mithin auch nicht als zugleich gegeben angesehn werden. Eine Welt ist folglich der Ausdehnung im Raum nach nicht unendlich, sondern in ihre Gränzen eingc- schloffen, welches das Zweite(zu beweisen) war". Diese Sätze sind buchstäblich kopirt aus einem wohlbekannten Buch, welches im Jahr 1781 zuerst erschien, und betitelt ist: Kritik der reinen Vernunft, von Immanuel Kant, wo männig- lich sie nachlesen kann im ersten Theil, zweite Abcheilung, zweites Buch, zweites Hauptstück, zweiter Abschnitt: Erste Antinomie der reinen Vcrnimft. Herrn Tühring gehört hiernach lediglich der Ruhm, den Namen: Gesetz der bestimmten Anzahl, auf einem von Kant ausgesprochenen Gedanken geklebt und die Entdeckung gemacht zu haben, daß einmal eine Zeit war, wo es noch keine Zeit gab, wohl aber eine Welt. Für alles Ucbrige, also für Alles was in Herrn Dühring's Auseinandersetzung noch einigen Sinn hat, find„Wir"— Immanuel Kant, und die„Gegenwart" ist nur 95 Jahre alt. Allerdings„höchst einfach"! Merk- würdige„bisher ungekannte Tragweite"! Nun stellt aber Kant obige Sätze keineswegs als durch seinen Beweis erledigt auf. Im Gegentheil; auf der gegenüberstehen- den Seite behauptet und beweist er das Entgegengesetzte: daß die Welt nach der Zeit keinen Anfang und nach dem Raum kein Ende habe; und darin setzt er gerade die Antinomie, den unlös- baren Widerspruch, daß das Eine ebenso beweisbar ist, wie das Andere. Leute von geringerem Kaliber wären vielleicht dadurch etwas bedenklich geworden, daß„ein Kant" hier eine unlösbare Schwierigkeit fand. Nicht so unser kühner Verfertiger„von Grund aus cigenthümlicher Ergebnisse und Anschauungen": was ihm von Kaut's Antinomie dienen kann, schreibt er unverdrossen ab und wirft den Rest bei Seite. Die Sache selbst löst sich sehr einfach. Ewigkeit in der Zeit, Unendlichkeit im Raum, besteht schon von vorn herein und dem einfachen Wortsinne nach darin, nach keiner Seite hin ein Ende zu haben, weder nach vorn oder nach hinten, nach oben oder nach unten, nach rechts oder nach links. Diese Unendlichkeit ist eine ganz andre als die einer unendlichen Reihe, denn diese fängt von vorn herein immer mit Eins, mit einem ersten Gliede an. Die Unanwcndbarkeit dieser Reihenvorstcllung auf unser« Gegenstand zeigt sich sofort, wenn wir sie auf den Rauin an- wenden. Tie unendliche Reihe, in's Räumliche übersetzt, ist die von einem bestiminten Punkt in bestimmter Richtung in's Un endliche gezogene Linie. Ist damit die Unendlichkeit des Rauins auch nur entfernt ausgedrückt? Im Gegentheil, es gehören allein sechs von diesem einen Punkt in dreifach entgegengesetzten Rich- tungen aus gezogne Linien dazu, um die Dimensionen des Raums zu begreifen; und dieser Dimensionen hätten wir hiernach sechs. Kant sah dies so gut ein, daß er seine Zahlenreihe auch nur indirekt, auf einem Umweg, auf die Räumlichkeit der Welt über- trug. Herr Dühring dagegen zwingt uns zur Annahme von sechs Dimensionen im Raum, und hat gleich nachher nicht Worte der Entrüstung genug über den mathematischen Mysticismus von Gauß, der sich nicht mit den gewöhnlichen drei Raumdimensioncn begnügen wollte. Auf die Zeit angewandt, hat die nach beiden Seiten endlose Linie oder Reihe von Einheiten einen gewissen bildlichen Sinn. Stellen wir uns aber die Zeit als eine von Eins an gezählte, oder von einem bestimmten Punkt ausgehende Linie vor, so sagen wir damit von vorn herein, daß die Zeit einen Anfang hat: wir setzen voraus, was wir gerade beweisen sollen. Wir geben der Unendlichkeit der Zeit einen einseitigen, halben Cha- rakter: aber eine einseitige, eine halbirtc Unendlichkeit ist auch ein Widerspruch in sich— das gerade Gegcntheil von einer „widerspruchslos gedachten Unendlichkeit". Ueber diesen Wider- spruch kommen wir nur hinaus, wenn wir annehmen, daß die Eins, mit der wir anfangen die Reihe zu zählen, der Punkt, von dem aus wir die Linie weiter messen, eine beliebige Eins in der Reihe, ein beliebiger Punkt in der Linie sind, von denen es für die Linie oder Reihe gleichgültig ist, ivohin wir sie verlegen. Aber der Widerspruch der„abgezählten unendlichen Zahlen- reihe"? Wir werden im Stande sein ihn näher zu untersuchen, sobald Herr Dühring nns das Kunststück vorgemacht haben wird, sie abzuzählen. Wenn er es fertig gebracht hat von—<» (minus Unendlich) bis Null zu zählen, dann mag er wieder- kommen. Es ist ja klar, daß, wo auch immer er anfängt zu zählen, er eine unendliche Reihe hinter sich läßt und mit ihr die Aufgabe, die er lösen soll. Er kehre nur seine eigne unendliche Reihe 1 2-ft 3-j- 4.... um und versuche, vom unendlichen Ende wieder nach Eins zu zählen; es ist augenscheinlich der Versuch eines Menschen der gar nicht sieht, worum es sich hau- dclt. Noch mehr. Wenn Herr Dühring behauptet, die unend- liche Reihe der verflossenen Zeit sei abgezählt, so behauptet er damit, daß die Zeit einen Anfang hat; denn sonst könnte er ja gar nicht anfangen„abzuzählen". Er schiebt also wieder als Vorausfetzung unter, was er beweisen soll. Tie Vorstellung der abgezählten unendlichen Reihe, mit andern Worten, das weltumspannende Dühring'sche Gesetz der bestimmten Anzahl, ist also eine eontraäivtio in adjecto, enthält einen Widerspruch in sich .selbst, und zwar einen absurden Widerspruch. Es ist klar: die Unendlichkeit, die ein Ende hat, aber keinen Anfang, ist nicht mehr und nicht iveniger unendlich, als die, die einen Anfang hat, aber kein Ende. Die geringste dialektische Einsicht hätte Herrn Dühring sagen müssen, daß Aiifaug und Ende nothwendig zusainmengchöreii, wie Nordpol und Südpol, und daß, wenn man das Ende wegläßt, oer Anfang eben das Ende wird— das eine Ende, das die Reihe hat; und umge- kehrt. Die ganze Täuschung wäre unmöglich ohne die mathe- matische Gewohnheit mit unendlichen Reihen zu operiren. Weil inan in der Mathematik vom Bestimmten, Endlichen ausgehn muß, um zum Unbestimmten, Endlosen zn kommen, so müssen alle mathematischen Reihen, positive oder negative, mit ET" anfangen, sonst kann mau nicht damit rechnen. Das ideelle Be- dürfniß des Mathematikers ist aber iveit davon entfernt, ein Zwangsgesetz für die reale Welt zu sein. Uebrigens wird Herr Dühring es nie fertig bringen sich die wirkliche Unendlichkeit widerspruchslos zu denken. Die Unend- lichkeit ist ein Widerspruch, und voll von Widersprüchen. Es ist schon ein Widerspruch, daß eine Unendlichkeit aus lauter Endlichkeiten zusammengesetzt sein soll, und doch ist dies der Fall. Die Begrenztheit der materiellen Welt führt nicht weniger zu Widersprüchen als ihre Unbegrenztheit und jeder Versuch, diese Widerfprüche zu beseitigen, führt/wie wir gesehen haben, zu neuen und schlimmeren Widersprüchen. Eben weil die Unend- lichkeit ein Widerspruch ist, ist sie unendlicher, in Zeit und Raum ohne Ende sich abwickelnder Prozeß. Die Aufhebung des Wider spruchs wäre das Ende der Unendlichkeit. Das hatte Hegel schon ganz richtig cingesehn, und behandelt daher auch die über diesem Widerspruch spintisirenden Herren mit verdienter Ver- achtung. Gehen wir weiter. Also, die Zeit hat einen Anfang gehabt. Was war vor diesem Anfang? Die in einem sich selbst glei- chen, unveränderlichen Zustand befindliche Welt. Und da in die fem Zustand keine Beränderungen auf einander folgen, so ver- wandelt sich auch der speciellere Zeitbegriff in die allgemeinere Idee des Seins. Erstens geht es uns hier gar nichts an, welche Begriffe sich im Kopf des Hern Dühring verwandeln. Es handelt sich nicht um den Zeitbegriff, sondern um die wirkliche Zeit, die Herr Dühring so wohlfeilen Kaufs keines wegs los wird. Zweitens mag sich der Zeitbegriff noch so sehr in die allgemeinere Idee des Seins verwandeln, so kommen wir damit keinen Schritt weiter. Denn die Grtlndformen alles . Seins sind Raum und Zeit, und ein Sein außer der Zeit ist ein ebenso großer Unsinn, wie ein Sein außerhalb des Raums. Das Hegel'sche„zeitlos vergangne Sein" und das neuschelling'sche „unvordenkliche Sein" sind rationelle Borstellungen verglichen mit diesem Sein außer der Zeit. Darum geht Herr Dühring auch sehr behutsam zu Werke: eigentlich ist es wohl eine Zeit, aber eine solche, die man im Grunde keine Zeit nennen kann: die Zeit besteht ja nicht an sich selbst aus realen Theilen und wird blos von unserin Verstand nach Belieben eingetheilt— nur eine wirkliche Erfüllung der Zeit mit unterscheidbaren That- fachen gehört dem Zählbaren an— was die Häufung einer leeren Dauer bedeuten soll, ist gar nicht erfindlich. Was diese Häufung bedeuten soll ist hier ganz gleichgülfig; es fragt sich, ob die Welt, in dem hier vorausgesetzten Zustand, dauert, eine Zeitdauer durchmacht? Daß nichts dabei herauskommt eine solche inhaltlose Dauer zu messen, ebensowenig wie dabei, in de» leeren Raum zwecklos und ziellos hinauszumessen, das wissen wir längst, und Hegel nennt ja auch, gerade wegen der Langweiligkeit dieses Verfahrens, diese Unendlichkeit die schlechte. Nach Herrn Düh- ring existirt die Zeit nur durch die Veränderung, nicht die Ver- änderung in und durch die Zeit. Eben weil die Zeit von der Veränderung verschieden, unabhängig ist, kann man sie durch die Veränderung messen, denn zum Messen gehört immer ein von dem zu messenden Verschiedenes. Und die Zeit, in der keine erkennbaren Veränderungen vorgehn, ist weit entfernt davon, keine Zeit zu sein; sie ist vielmehr die reine, von keinen frem- den Beimischungen afficirte, also die wahre Zeit, die Zeit als solche. In der That, wenn wir den Zeitbegriff in seiner ganzen Reinheit, abgetrennt von allen fremden nnd ungehörigen Bei- Mischungen erfassen wollen, so sind wir genöthigt, alle die ver- schiednen Ereignisse, die neben und nach einander in der Zeit vor sich gehn, als nicht hieher gehörig bei Seite zu setzen und uns somit eine Zeit vorzustellen, in der Nichts passirt. Wir haben damit also nicht den Zeitbegriff in der allgemeinen Idee des Seins untergehn lassen, sondern wir sind damit erst beim reinen Zeitbegriff angekommen. (Fortsetzung folgt.) Sozialpolitische Uebersicht. — Die Moral der dritten Lesung. Unter diesem Titel bringt die Berliner„Volkszeitung" einen Artikel, der treffend hervorhebt, was von den Gründen einer dreimaligen Lesung der Gesetzesvorlagen im Reichstag zu wissen, von dem Verhalten der Volksvertreter bei allen drei Lesungen zu verlangen ist. Es soll die wiederholte Lesung Anlaß geben zu einer gründlichen Bekanntschaft der Abgeordneten mit den zur Beschlußfassung unterbreiteten Gesetzesvorlagen. In der That aber sahen wir bei dem Compromiß wieder, daß die dritte Lesung besonders für die Nationalliberalen dazu da zu sein scheint, nicht ihr Ur- theil zu klären und zu festigen, sondern ihnen nur als eine Gelegenheit gilt, ihre Auseinandersetzungen über das, was sie für gut und recht halten, für die Praxis zu widerrufen und ihre früheren Aeußerungen für nur theoretische zu erklären. Die angeführte Zeitung schließt mit den treffenden Worten, die wir nicht zögern, vollständig zu unterschreiben: „Um der Moral dieser Geschichte noch die Krone aufzusetzen, treten die Herren jetzt noch vor die deutsche Nation hin und behaupten: wir haben zwar in der zweiten Lesung Ansichten geäußert, aber haben es gar nicht ernst gemeint, dafür einzu- stehen! Wir haben bereits in der zweiten Abstimmung uns vorbehalten, in der dritten davon abzufallen!" Während wir dieses schreiben, geben wir uns der Hoffnung hin, daß der gesunde Sinn des deutschen Volkes in umfang- reichster Weise seine Mißbilligung bei den diesmaligen Wahlen am 10. Dezember ausgesprochen haben wird. — Aussicht auf Vermehrung der Ausgaben für„Kriegs- Culturzwecke". Dem„Pfälzer Kurier" wird von hier geschrie- ben:„In militärischen Kreisen soll viel davon die Rede fein, den hiesigen Platz, der wegen seiner Lage am Rhein nnd Neckar. in der Nähe der französischen Grenze, von strategischer Bedcu- tung ist, mit Festungswerken zu versehen. Wir wissen nichr, ob Mannheim sich zu einer rheinischen Festung eignen würde, und ob es nothwendig ist, uns zur Erhaltung des Friedens und zu unserer Sicherheit noch mehr zu rüsten; aber daß der erste Spatenstich zu Borwerken und Wällen für unseren Handel und unsere Industrie von vcrhängnißvollen Folgen sein würde, liegt auf der Hand, und wir können deshalb auch nicht glauben, daß unsere Regierung geneigt sein möchte, zur Ausführung des ge- dachten militärischen Projektes die Hand zu bieten." Ja, wenn aber die gedachte Befestiguno„im nationalen Interesse" für nokh- wendig erkannt wird, wie dann, reichsfreundlicher Kurier? Herr v. Puttkammer. (Fortsetzung.) v. Puttkommer wandte sich, Recht suchend, an den Throin an den obersten Kriegsherrn. Er erhielt Gnade, d. h. Erlaß seiner. Strafe, und seine— Entlassung. Dafür konnte ein Mann wieder nicht dankbar sein. Die Strafe hatte er nicht verdient, die Gnade mußte nur wie Hohn seine Bitterkeit steigern. Die königl. Kabinetsordre, welche seine Entlassung ausspruch, war nicht contrasignirt, also verfassungswidrig und ungiltig. v. Puttkammer protestirte dagegen, fuhr fort seine Titel zu führen und als das Kriegsministerium gegen ihn klagend einschritt, hatte er die Genugthuung, daß das Gericht ihn zur Führung der Titel berechtigt erklärte. Die königl. Kabinetsordre führte zu neuen Conflikten: v. Puttkammer fuhr fort, sein Recht zu fordern, aus dem Kabinet des Königs erhielt er den Bescheid, daß seine Petitionen liinfort unbeantwortet bleiben würden; er bezeichnete diesen Bescheid als eine— neue Verfassungsver- letzung. Jeden: Preußen stehe das Petitionsrecht verfassungs- mäßig zu, und solle dieses Recht keine Farce sein, dann müsse auf jede Petition auch ein Bescheid ertheilt werden.— Immer weiter spann fich der Conflikt, v. Puttkammer wandte sich noch einmal, und zwar nach dem durch seine Entlassung herbeige- führten Tode seines Vaters, an den König, setzte ihm in warmen Worten auseinander, daß ihn das Verfahren der Militärbehörden des Baters und der Anstellung beraubt und ihn an den Bettel- stab gebracht. Wiederholt forderte er eine neue Untersuchung— sein Recht. Ein Gnadengeschenk aus der königlichen Chatoulle war die Antwort hierauf; v. Puttkammer schickte es sofort zurück, da er nicht gebettelt, sondern nur sein Recht gefordert.—- Weiter wurde Herrn v. Puttkammer die Pension als schleswig- holsteinischer Offizier verweigert. Nach unendlichen Anstrengnngen bei allen möglichen Behörden, die ihm wieder eine Menge Feinde zuzogen, gelang es ihm, seine Pensions-Ansprüche durch- zusetzen. Der Schwiegervater des Fürsten Bismarck besaß große Güter, die an die Familie Puttkammer gefallen wären. Im Jahre 1867 wurden sämmtliche hinterpommersche Lehngüter gegen ungemein billige Ablösung in festes Eigenthum verwandelt. Frau v. Bis- marck, die bei der Erbauseinandersetzung fast leer ausgegangen — Zur Briefstieberei. Die nationalliberale„We>er- Zeitung" enthält folgende Zuschrift: Das nach Frankreich corre- spondirende Publikum wird darauf aufmerksam gemacht, Briefe gut zu verschließen, indem zwei Briefe des Unterzeichneten, die hier gut verschlossen abgegeben, dem Empfänger in Frankreich eröffnet abgeliefert sind und dem Letzteren auf seine Reklamation einfach die Antwort geworden ist:„Diese Briefe wären in Deutschland geöffnet worden!" Commentar überflüssig. — Der Säbel haut! Der„Fr. Ztg." wird unterm 6. d. aus Marburg geschrieben:„In der jüngsten Neujahrsnacht hat in dem nahen Dorfe Ockershausen eine bluttge Säbel- Affaire stattgefunden. In einem dorttgen Tanzlokal hatten nämlich sechs Jäger von der hiesigen Garnison mit umgeschnall- tem Hirschfänger getanzt und durch das Gebaumel der letzteren die übrigen Tänzer belästigt. Diese forderten deshalb die Jäger auf, ihre Seitengewehre während des Tanzens abzulegen und da Letztere sich dessen weigerten, so hielt der Wirth es für das Gerathenste, zur Vermeidung von Raufereien die Jäger aus seinem Lokale auszuweisen. Hierüber erbittert, geriethen die- selben auf dem Heimweg nahe vor dem Dorfe mit einem Bauern- burschen in Streck, und als auf dessen Hilferuf sein Bruder und noch ein Bauer herbeieilten, zogen die Jäger blank, spalteten dem Letzteren den Schädel, so daß derselbe in der hiesigen Klinik seinen Wunden erlegen ist, und verletzten auch die anderen Beiden schwer."— In China dürfen die Soldaten außer Dienst nicht mit Waffen erscheinen;— ach, was sind wir doch gegen diese Barbaren für eine„cultivirte" Natton! — Ein beachtenswerthes Bekenntniß aus dem Munde des nationalliberalen Gymnasialdirektors Eben in Birkenfeld in Oldenburg ist Werth, daß wir von ihm Akt nehmen. Es lautet: „Es ist nicht zu bestreiten, daß die nationalliberalen Reichstagsabgeordneten gesündigt, dies muß denselben aber nur unter vier Augen vorgehalten, nicht aber in die Oeffentlichkeit gebracht werden." S' ist erstaunlich, was der Herr Gymnasialprofesior für erfolgreiche Studien in der Logik gemacht hat! Die Sünden der Volksvertreter, deren Thä- tigkeit doch die„öffentlichste" Angelegenheit ist, die man sich denken kann, dürfen nur in traulicher Unterhaltung und unter vier Augen denselben vorgehalten werden! Wenn wir bedenken, welchen Einfluß die Direktion eines Gymnasium auf Geistes- und Charakterentwicklung der ihr anvertrauten Zöglinge ausüben kann, so möchten wir wohl fragen, was soll aus diesen.Knäblcin werden? Was für Männer, was für Bürger, wenn sie in ihr späteres Leben derartige Anschauungen über Bürgerpflichten und Bürgerrechte mitbringen? — Tessendorf an der Arbeit. Auf Requisition des Ber- liner Stadtgerichts fand gestern Vornnttag in der Expedition der„Berliner Freie Presse" seitens eines Polizeibeamten die Confiskation der Bebel'schen Broschüre:„Die parlamentarische Thätigkeit des deutschen Reichstages und der Landtage von 1874 bis 1876" statt. Es wurden nur 12 Exemplare beschlagnahmt, da bereits die zweite Auflage vorbereitet wurde.— Zweck: zu beweisen, daß wir Wahlfreiheit haben. — Von Zeit zu Zeit hört man die Schwarzen gern! Nämlich wenn man sich ein wenig amüsiren will und zusehen, wie sie, besonders in ihren Wahlaufrufen, ihre schwarzen Grund- sätzc, mit einigen freiheitlichen und volksthümlichen Phrasen gewürzt, dem arglosen Volke als gesunde Speise auftragen. Vor uns liegt im Augenblick der Wahlaufruf der„Duisburger Volks- zeitung" für ihren Candidaten v. Schorlemcr-Alst. Mit Recht heben sie Kervor, daß der 10. Januar in einem ziemlich langen Zeitraum der einzige Tag ist, an welchem das Volk spricht, mit Recht sind sie üoerzeugt, daß manches Bestehende aufgehoben werden, manches Neue geschaffen werden muß. Sie verurtheilen ebenso wie wir, nur aus zum großen Theil anderen Gründen, den Culturkampf. Sie constatircn den Verfall von Handel und Gewerbe, die gedrückte Lage der Arbeiter, die stete Erhöhung der Steuern— aber die Sache hat auch ihre Kehrseite.„Der christliche Charakter der Schule wird täglich mehr gefährdet, in- dem man der Kirche, der Mutter der Schule, ihren Einfluß auf dieselbe schmälert! Wir stehen keinen Augenblick an, zuzugeben, daß die Kirche zur Entwicklung unseres Schul- und Erziehungswesens beige- tragen hat; wir meinen aber, die Einrichtung von Schulen sei einerseits älter als die christliche Kirche, und erlauben uns auch andererseits die Warnung, den kirchlichen Einfluß, besonders den wäre, erhielt gegen eine kleine Ablösung drei Güter") und Herr v. Puttkammer ging bei dem Handel leer aus. Nun fand er aber nachträglich eine alte Urkunde, eine feierliche Erklärung Friedrich Wilhelms II., wonach die große Mehrzahl dieser hin- terpommerschen Güter und auch das des Schwiegervaters des Herrn v. Bismarck Erbeigenthum in: vorigen Jahrhundert ge- worden waren. Das Gesetz von 1867 konnte sich auf die Puck- kammer'schen Güter nicht mehr erstrecken, die Frau des Reichs- kanzlers sie auch nicht erwerben— weder durch Ablösung noch durch Erbschaft. Da Friedrich Wilhelm II. sein königliches Wort für sich und seine Erbe:: gegeben, daß an diesen Eigen- thumsverhältnissen nicht gerüttelt werden sollte, wandte sich v. Puttkammer, da ihm keine andere Instanz blieb, mit seiner Klage wieder an den König bez. den Kaiser und erinnerte ihn an das Wort seines Vorfahren. Inzwischen hatte ihn ein Schwindler, v. Köller, um sein eigenes Gut gebracht; v. Köller saß mit seinem Raube in Berlin nnd hätte noch festgehalten werden können, wenn die Staats- anwaltschaft sofort den Anträgen v. Puttkammer s entsprochen und die Verhaftung bewirkt hätte. Als der Verhaftsbefehl endlich erlassen wurde, war v. Köller über alle Berge. Das Puttkammer'sche Gut Damerkow, das auf den Namen des p. Köller übergegangen war, stand zur Subhastation, v. Putt- kammer hätte es leicht wieder erwerben können, da beging das Gericht Bütow, wenn wir nicht irren, das„Versehen", ihm über die eingetragenen Gläubiger unrichtige Angaben zu machen. Das„Versehen" setzte ihn außer Stand, rechtzeitig ein Ab- kommen zu treffen, bez. das nöthige Geld zu beschaffen. Das Gut ging Herrn v. Puttkammer durch das„Versehen" des Ge- richts verloren. Wir könnten noch ganze Nummern des„Vorwärts" füllen, wenn wir über die Kämpfe des Herrn v. Puttkammer mit Mili tär- und Civilbehörden eine auch nur halbwegs vollständige Skizze liefern wollten. Die Leser müssen sich mit ujiseren Andeutungen begnügen. Ein Moment in der Geschichte müssen wir *) Von Mitgliedern der PetitionScommifsion des Reichstags ist mir auf's Bestimmteste versichert worden, keins dieser Lehnsgüter sei in den Besitz der Familie Bismarck übergegangen. Ich fühle mich verpflichtet, dies hier mitzutheilen. Dieser Punkt muß aufgeklärt werden. W. Liebknecht. der Klöster, nicht zu überschätzen. In dem Werke von Professor Georg Voigt über das Zeitalter der Reformation erhalten wir dafür die vollgiltigsten Belege. Ungeheuer groß aber und nicht! zu übersehen ist der faktische Schaden, den die wissenschaftliche Bildung der Geister durch kirchliche Machtgebote, durch Gewalt-- maßregeln, als da sind Tortur und Scheiterhaufen, erfuhr:! dadurch ist gewiß die Verstandescntwicklung der Menschheit nicht j gefördert, sondern Jahrzehnte zurückgeworfen worden. Wie viele: Forscher nach Wahrheit sind die blutigen Opfer des kirchlichen Fanatismus geworden; wie mancher große, fördernde Gedanke ist sicher auch verschwiegen worden aus Furcht vor dem rächen-> den Arm der Inquisition und der Gewaltthätigkeit ihrer! Organe! Daß auch das Licht, welches die consequentesten Forscher der; Gegenwart der Menschheit zu Nutz und Frommen anstecken, den! geistlichen Herren unserer Tage nicht gefällt, ist eine offenkun- I dige Thatsache, für die Gründe anzuführen nichts Anderes hieße, i als Wasser in's Meer tragen. Aber der Wahlaufruf der Duis- j burger Klerikalen selbst giebt uns einen vollgiltigen Beweis dafür, wenn er in einem Atbem die beiden sich ausschließenden t Forderungen aufstellt:„Freiheit des Unterrichts,— Erhaltung! der christlich-confessionellen Schulen." Enttveder ist der Unter- richt auch frei vom Zwange jeder Confession, oder die Freiheit des Unterrichts hat ein bedenkliches Loch! Wir sind auch sehr überzeugt, daß die Kirche wohl den Be- j griff der Freiheit recht sehr modifiziren und beschränken würde,. wenn sie das Glück haben sollte, wieder in eine neue Machtphasc j einzutreten in unserem Staatsleben. Aus diesen Gründen: weil die Klerikalen es mit der Freiheit> nicht ernst und ehrlich meinen,'ist ein gewaltiger Unterschied zwischen uns und ihnen zu constatircn, der auch nicht dadurch getilgt wird, wenn Jene aus taktischen Gründen, um die Stim-' men des Volkes zu fangen, volksfreundliche Phrasen drechseln, noch auch dadurch, daß wir nicht gegen sie stimmen, weil sie! Ultramontane sind(wir sind eben keine Culturkämpfer im Bis-! marck'schen Sinne), und vernünftige Vorschläge, aus ihrer Mitte gemacht, uns ebenso lieb sind, als wenn sie von irgend einer i andern Seite kommen. — Tem wollen wir uns widersetzen! In der„Süd- l deutschen Post" lesen wir: In der„Augsburger Abendzeitung"! läßt der Abgeordnete Völk eine Reihe von Artikeln zur Recht-! fcrtigung des Compromiffes von Stapel. Bei der zweiten Lesung sprach der„schwäbische Heiland" ganz anders. Er er- j zählte einen drastischen Fall, den bekannten Fall des Herrn von' Gerlach, und sagte dann:„Wenn Sie, meine Herren, die Preß-' vergehen nicht vor die Schwurgerichte verweisen und auf jene) Rechtsauffassung eingehen, nach welcher Herr von Gerlach vor s ein Gericht, ich weiß nicht wo in Polen, gestellt worden ist,— j wenn Sie, meine Herren, diese beiden Grundsätze componiren,' so wird in Zukunft jedes periodische und nicht periodische Preß- Produkt, es wird ein Theil unserer Kunstwerke der Rechtsprechung- von 3 oder 5 Männern in irgend einem Winkel von Deutschland, j den die Verwaltung heraussuchen kann, unterworfen sein.„Dem wollen wir uns widersetzen!" sagte Völk mit ungeheurem Muthe, „Wir haben es nicht für möglich gehalten, daß man derarttge i Dinge machen könne!" fügte Völk mit vornehmem Aplomb hinzu, i Und am Ende im entscheidenden Momente hat Völk selbst die f bewußten beiden Grundsätze componirt und damit der Presse den! Strick um den Hals gedreht!„Dem, meine Herren, wollen wir uns widersetzen!" — Das seiner Zeit von uns berichtete polizeiliche Verbot! des Anschlagens von klerikalen Wahlaufrufen in München hat die Ultramontanen zur Beschwerdeführung veranlaßt, weil sie, j und mit Recht, in solchem Verfahren eine schwere Beciickrächti- J gung der Freiheit der öffentlichen Meinung sehen. Als Gründe- des Ukases wurden„Entstellung von Thatsachcn",„Angriffe auf? die Regierung" u. dgl. m. angegeben, lieber den Erfolg der Beschwerdefüyrnng geben wir uns keinen Illusionen und eitlen k Hoffnungen hin. — Nachträgliches über den Wahlkampf. Aus Breslau,' 7. Januar, schreibt man der„Frankfurter Zeitung": Der Kampf I ist auf der ganzen Linie entbrannt, das Feldgeschrei bilden die i Namen der Candidaten, die sich um die Ehre bewerben, Breslau im Reichstag zu vertreten. Je näher der Tag rückt, an dem' die große Schlacht entschieden werden soll, um so größere Di-- mensionen nimmt die Agitation an, um so erregter wird auch\ die Bevölkerung. Vierzehn von den kämpfenden Parteien t noch an dieser Stelle erwähnen. Herrn v. Puttkammer war eine i Urkundenfälschung vorgeworfen worden. Ein Brief von ihm i giebt uns darüber folgenden Aufschluß: „Hier zunächst über die Fälschungsgeschichte das Genaueste.[ Es war diese Geschichte für Friedet der Punkt, den er gescheit- benutzte, um davon auszugehen. Also: Mein Bruder hatte mir, I von einer Forderung, die er an mein früheres, in Subhastation, Röller's Schulden an Zinsen halber, befindliches Gut Damerkow hatte, eine Summe von circa 750 Thlr., die er mir verschuldete und nicht bezahlen konnte, abcedirt; ich aber hatte meiner Ber- z liner Wirthin— für Logis und Kost:c. während jener trau- rigen Zeit— eine Rechnung von einigen Hundert Thalern zu bezahlen. So bot ich ihr an, die Forderung an Damerkow ihr! dafür abzutreten, wenn sie mir weiteren Kredit gäbe, resp. baar heranszahlte, was sie dadurch mehr erhielte. Sie war damit i einverstanden. Doch gebrauchte sie bald darauf, ehe ich noch- formell cedirt hatte, Geld, und dachte daran, die Forderung, s die sehr sicher war, aber erst bei::: Kaufgelder-Bertheilungstermin ausgezahlt werden konnte, gegen Baar weiter zu verkaufen. Eine\ Frau von Rohr, angeblich Dame, aber in der That Dirne, die im Hause wohnte, vermittelte bei einer ihrer angeblichen Ver- l wandten, einer Frau von Rochow, auch angeblich Dame, von der ich wußte, daß sie Wuchergeschäfte machte, für meine Wirthin j einen Verkauf der Forderung an Damerkow.� Meine Wirthin; verlangte nun die Cession derselben direkt an Frau von Rochow! von mir. Ich kam dem bei einem Rechtsanwalt nach, erhielt! von meiner Wirthin Quittung und war also vr nexn. Jndeß, traute ich der Sache nicht, weil die Rohr durchaus die beiden Cessionsinsttumente haben wollte, um sie der Rochow zu bringen.. Ich ging daher mit denselben selbst zu Letzterer nebst Bollmacht meiner Wirthin zur Empfangnahme der Valuta. Aber diese s Rochow empfing mich mit der Erklärung, daß sie augenblicklich kein Geld hätte. Ich war natürlich ärgerlich über diese Be- trügerei— anders ließ es sich gar nicht bezeichnen— und gab die Papiere nicht heraus. Es ist klar, daß, wollte meine Wirthin nun anderweit die Forderung verkaufen, diese Rochow „cediren" mußte, dann meine Cession auf sie galt und war gar nicht ungeschehen zumachen. Doch gab es noch eine Art, aus der Klemme zu kommen: meine Wirthin mußte warten und die Rochow mußte die Forderung auf ihren Namen erheben lassen, l das Geld aber meiner Wirthin sicherstellen. Die Rochow war abgehaltene Versammlungen— innerhalb eines Zeitraums von 3 Tagen— mehr kann Niemand verlangen. Wenn den Sozialisten kein anderes Verdienst beigemessen werden könnte, das eine müßte man ihnen lassen, sie gehen den anderen Parteien mit dem besten Beispiele voran, und ihnen wird es zu verdanken sein, wenn man mit Stolz auf die starke Betheiligung an denWahlen wird hinweisen können. Die Sozialdemokraten haben seit Monaten hier ihre Fahnen mit der Devise:„Auf zur Wahl" entfaltet und es kann vicht mehr geleugnet werden, daß die Massen, welche sich Am diese Fahnen schaaren, immer ansehnlicher werden. Von der Partei der Auchdemokraten kann man dies nicht be- haupten. Der„alte Stein" hat in gestern abgehaltener Ver- sammlung ein klägliches Fiasko gemacht. Man hätte wohl'er- warten dürfen, daß der genannte Kandidat, der bei den Ratio- nalliberalen persona xratissiwa ist und der, wie schon früher erwähnt, in den letzten Jahren sich als alles Andere eher, denn als Demokrät bewiesen, über die Stellung, welche er zu den im Vordergründe stehenden politischen Fragen einnehme, sich des Weiteren verbreiten würde. Doch er wies nur darauf hin, daß er 40 Jahre Breslauer Bürger, im Jahre 1848 sich„gewisse" Verdienste erworben habe, daß er treu stehe zu Kaiser und Reich, treu ergeben sei und mit inniger Liebe dem„großen Staats- manne" anhänge. Im Uehrigen sei seine Parteistellung bekannt. Was will man noch mehr? Aber den anwesenden Sozialisten— und auch Anderen— genügte es nicht. Von zwei Führern der- selben interpellirt, ob auch er die weiteren Lohnherabsetzungen für gerechtfertigt hielte(in dem von ihm redigirten Blatte war dies geschehen), antwortete Herr Stein, daß er nicht antworten wolle; er verzichte darauf, von den Sozialisten gewählt zu werden, ja er würde es nicht einmal gern sehen, wenn es ge- schehc. Uebrigens verlief die Versammlung sehr stürmisch, und zwar waren es die Fortschrittler, die durch wüstes Schreien und Toben die sozialistischen Redner am Weitersprechen hin- dertcn. — Bezüglich d er Genfer Großrathswahlen schreibt uns Gesinnungsgenosse Steinberg:„Genf, 8. Januar. Ueber die gegenwärtig in schweizerischen Arbeiterkreisen so vielbesproche- neu Genfer Großrathswahlen ist seitens des Bürger Wilhelm in Genf auch im„Vorwärts" eine Korrespondenz erschienen, deren übertrieben optimistische Darstellungsweise auf das gebüh- rende Maß zurückgeführt werden muß, sollen die genannten Wahlen nicht in falschem Lichte erscheinen und zu falschen Schlüssen führen. Am meisten wunderte mich bei jener Corre- spondenz, daß der Verfasser so weit ging, diesen„Erfolg" der Genfer Arbeiter zum Sporn für die deutschen Sozialisten zu machen. Die ganze Genfer Wahlaffaire wurde nämlich von Seiten der Comitäs des Grütli- und landespolitischen Vereins mit dem Comitä der Radikalen bei einem Glase Wein ganz ge- müthlich abgemacht in der Weise, daß die Radikalen sich ver- Pflichteten, für 12 Arbeiterkandidaten zu stimmen, wofür die Arbeiter als Aequivalent etwa 100 Arbeiter wählen mußten— und so geschah es. Schreiber dieses, der von dieser Manipula- tion nichts ivußte, fragte ein Mitglied des Grütlivcreins, wie es denn käme, daß gar keine Versammlung abgehalten würde, während doch Arbeiterkandidaten aufgestellt seien?— O, das ist nicht nöthig, wir erhalten 12 Sitze, das ist schon abgemacht! war die Antivort. Also das Resultat agitatorischer Thätigkeit oder bedeutenden Klassenbewußtseins der Genfer Arbeiter sind diese Wahlen nicht. Die Radikalen fühlten die Sessel wanken— eine 3oI9c ihres„Kulturkampfes"— und die Arbeiter mußten als stütze dienen, wofür sie dann 12 Gnadensitze erhielten (denn„aus Gnade sind wir gewählt", gestand selbst der jetzt zum Großrath avancirte Bürger Hoferer ein).— Wie also kommt Wilhelm zu dem Schlüsse, die Genfer Wahlen den deutschen Sozialisten als Sporn zu empfehlen? Zwischen der Wahlagitatton der Sozialisten in Deutschland und dem Wahl- compromiß der Arbeiter in Genf besteht doch ein kleiner Unter- schied."— Eines eigenen Urtheils über die Angelegenheit enthalten wir uns vorläufig noch. — Um die„Christenfreundlichkcit" Rußlands, wegen der Europa jetzt beständig vor der Eventualität eines Krieges steht, richtig zu beurtheilen, muß man sich nach der Behandlung umsehen, welche die Christen in Rußland selber erfahren. Und da können wir diesmal einen Zeugen aufrufen, der um so un- verdächtiger ist, als es das stockrussische Blatt„Golos" selbst ist, das über die Behandlung der römisch-katholischen Unter- thanen in Rußland einige Mittheilungcn macht.„Es werden", sehr bereit, hierauf einzugehen und erklärte mir: ich würde ja wohl Alles bestens arrangiren, sie ginge auf Alles ein und gäbe mir plein pouvoir für sie zu handeln, wie ich es am Besten hielte. Leider, um incincr Wirthin Cessionskosten zu sparen, handelte ich albern und faßte die letztere Eventualität in's Auge, wiickte an meinen Rechtsanwalt Fitzau in Bütow die beiden Dokumente, informirte ihn und überließ ihm das Weitere. Leider protestirte bei der Kaufgelderbelegung Jemand gegen die Forderung. Das ist nämlich so ein Kniff, um zurückstehende Forderungen zur Hebung zu bringen: es kostet nämlich nichts. Run ichrieb der Rechtsanwalt an die Rochow, bat um Vollmacht, mn die Sache reguliren zu können und um— Kosten-Vorschuß. Die Rochow iah keinen großen Gewinn, Kosten obencin und schrieb mir nun: sie ließe sich auf nichts weiter ein. Empört darüber, nahmen meine Wirthin und ich nun die Rochow vor, die uns in die Patsche gebracht. Meine Wirthin war gern bereit, den Kostenvorschuß zu geben, wenn nur die Rochow die Vollmacht geben wolle. Da lachte die Rochow und meinte, die würde sie schon schaffen. Ich gab ihr ein gedrucktes Prozeß- Vollmachts-Blankett und bald darauf brachte sie mir das zurück, unterschrieben„von Rochow", auch einen Brief von der Rochow an den Rechtsanwalt Fitzan. Beides schickte ich diesem. Aber es hatte meine Wirthin nicht sgleich das Geld übersendet, und da schrieb Fitzan nun nochmals deshalb an die Rochow. Diese erwiderte ihm aber: Sie wisse von nichts, habe weder Voll- wacht, noch Briefe für ihn geschrieben, wolle mit der Sache gar Ntchts zu thun haben und meine:„daß eine Fälschung vorliegen wusie." Fitzau sprach über die Sache, ein anderer, mir feind- tsmer Rechtsanwalt verlangte vom Bütower Gericht offizielle �nunziation und diese erfolgte dann auch in Berlin beim Stadt- imS x-" war inzwischen— die Sache spann sich lange hin die Forderung ging meiner Wirthin verloren— nach Köpenick gezogen, wo Friede! requirirt wurde, mich zu vernehmen. Ich �"'w die Ansicht, daß keine Fälschung vorlag, abgesehen oaoon, daß cine Unterschrift unter ein Blankett keine„Urkunde" nacht, �etztere entstand erst mit der Ausfüllung des Blanketts ■ urch«ritzau. Ob der Brief eine„Urkunde" war, weiß ich so (us das, was er enthielt, er war versiegelt. Aber war .,??ischung begangen, so hatte selbige offenbar die Rochow �' et.(Fors. folgt.) so schreibt das genaunte Blatt,„in diesem Augenblicke viele Per- sonen von dem Staatsprokurator des Warschauer Gerichts ver- folgt. Man forsche jetzt denjenigen nach, welche unter der An- klage stehen, daß sie ihre Kinder nach dem Ritus der römischen Kirche haben taufen lassen. Auf sie beziehe sich die Abtheilung 190 des Strafgesetzbuches, welche den Eltern sowie den Vormün- dem verbiete, ihre der orthodoxen(griechischen) Kirche angehö- rigen Kinder und Mündel in einer andern Kirche taufen zu lassen, bei Strafe von acht bis sechszehn Monaten Gefängniß. Außer diesen Verurtheilungen sind noch anderestrenge Maßregeln in Aussicht genommen. Beispielsweise kann der Staat sich der Kinder dieser Eltern bemächtigen und sie anderen Verwandten oder auch Freunden zur Erziehung im russisch- orthodoxen Glauben übergeben."— Und ein solcher Staat wagt es, der Türkei Intoleranz gegen die Christen vorzuwerfen? — Der Redatteur des Münchener„Zeitgeist", Parteigenosse Ernst, ist vom Münchener Schwurgericht wegen Preßvergehen zu sechs Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Von unseren Frennden in Glarus in der Schweiz geht uns folgender Brief zu, den wir auch jetzt noch zum Abdruck bringen: Geehrte Redaktion des„Vorwärts"! In Betreff der Justizgesetze, welche in der letzten Session, bei der dritten Lesung, von unseren liberalen Reichstagsabgeord- neten durch Kompromisse mit der Regierung glücklich�!) zu Stande gebracht wurden, sieht sich der deutsche Arbeiterverein genöthigt gegen cine solche Feigheit entschieden zu demonstriren. Er be- schließt daher von nun an solchen Gesetzfabrikanten statt Ehre, Spott und Hohn zu Theil werden zu lassen. Wir sehen nun deutlich, daß solche Männer wie sie in der letzten Legislatur- Periode im deutschen Reichstag vertreten, resp. von liberaler Seite, sich mehr und mehr dem Absolutismus zuneigen, statt die deutsche Volksfrciheit hoch zu halten. Wir erklären, das Brandzeichen „Volksverrath" möge jetzt auf Ihrer Stirne prangen, daß sie als die Aussätzigen unter dem deutschen Volke gekennzeichnet sind. Der deutsche Arbeiterverein Glarus anerkennt den Muth und die Energie der sozialistischen Reichstagsabgeordneten für das- jenige, was sie unter den schwierigsten Verhältnissen der Reaktion zu leisten im Stande waren. Wir ersuchen daher, unsere Brü- der in Deutschland am 10. Januar den Volksverräthern zu zeigen, daß es das wahre Volk endlich satt hat, solchen Volks- verräthern die Ausübung seiner Rechte anzuvertrauen. Der 10. Januar soll es bezeugen, daß das deutsche Volk denken ge- lernt hat, und statt Volksvertretern, wie sie die letzten Jahre in der Mehrzahl boten, wahre Volksvertreter wähle, und diese finden wir einzig und allein bei der Sozialdemokratie. Darum auf! Deutsche Brüder, thut Eure Schuldigkeit, wir Deutschen in der Schweiz werden keinen Arbeiter als einen unabhängigen, intclli- genten Arbeiter betrachten, der nicht seine Stimme einem sozia- listischen Kandidaten giebt. Darum Glückauf! zum 10. Januar. Glarus, 7. Januar 1877. Mit sozialdemokratischem Gruß Im Namen aller deutschen Mitglieder unserer Sektion Der Vorstand. Correspondenzen. Merlin, 9. Januar. Vergangenen Sonntag fand im Volks- garten auf dem Gesundbrunnen eine höchst interessante Versamm- Ulilg statt. Konservative, Gewerkvereinler, Fortschrittler und Sozialdemokraten füllten den großen Saal und tauschten in streng parlamentarischer Ordnung ihre Meinung aus. Der Vor- sitzende, Genosse Greifenberg, beobachtete die strengste Un- Parteilichkeit und große Umsicht in der Leitung. Genosse Bern- stein leitete die Verhandlungen ein durch einen Vortrag über „Gesetzgebung und Moral". Die Versammlung konnte dem in- teressanten Vortrage entnehmen, daß die sogenannte Fortschritts- Partei auch hier wieder zeige, daß sie ihren Beruf verfehlt, daß sie sich viel besser zum Comödienspiel eigne, als zu einer frei- heitlichen Gesetzgebung. Sie halte z. B. so sehr darauf, daß der Sohn den Vater beerbe; das Erbrecht sei ihr heilig; sie schimpfe so unermüdlich auf die Sozialdemokraten, weil diese anders über das Erbrecht urtheilen und Grund und Boden und alle Arbeitsmittel ebenso von der Vererbung ausgeschlosseu wün- schen, wie heute z. B. die Post, die öffentlichen Straßen, die Telegraphen bereits ausgeschlossen sind. So heilig ihr indeß das Erdrecht sei, so vermöge sie es doch, unserm Wahlkreise gerade den Advokaten llr. Banks eindringlich zu empfehlen, gegen welchen in dieser Beziehung so schwere Bedenken vorliegen. Genosse August Keitel nahm hierauf das Wort zum zweiten Gegenstande der Tagesordnuug:„Der Bericht des Dr. Banks." Er theilt der Versammlung mit, daß E)r. Banks seinen Bericht schon in mehreren lichtscheuen Versammlungen gehalten. Er srage: Weshalb so lichtscheu? Weshalb verkriechen sich diese Helden hinter verschlossene Thüren? Weshalb können sie nur vertrauensselige, blasirte Jasager gebrauchen? Weil es um ihre Sache so überaus kläglich bestellt ist, daß der leiseste Hauch einer Opposition ihuen schon große Gefahren bereitet. Genau das Gegentheil sei bei den Sozialdemokraten der Fall. Diese lassen die Flammen der Begeisterung leuchten, sie stellen ihr Licht nicht unter den Scheffel; diese fürchten keine Opposition. Sie suchen die Oeffentlichkeit, sie fordern die Opposition heraus. Und worauf gründet sich dieser auffallende Unterschied? Es handelt sich hier nicht um engherzige Sonderinteressen! Die Sache der Sozialdemokratie ist eine gute, ihr gehört die Zukunft; sie ist die Sache des ganzen Volkes. Keitel ging nunmehr auf den Bericht des Dr. Banks selbst ein. Derselbe enthält aber durch- aus nichts von Abhilfe für die überaus traurige, wirthschaftliche Lage, nichts von Beseitigung oder Minderung der erdrückenden Militärlast, nichts von Hebung unseres traurigen Volksschul- Wesens. Es spiegelte sich in dem Bericht die ganze Jämmerlich- keit der sogenannten Fortschrittspartei ab. Dies um so deut- licher, als der Vortragende den Halbheiten und Jnconsequenzen dieser Partei die Gediegenheit der Sozialdemokratie in allen Punkten, welche hier zur Sprache kamen, gegenüber stellte. Der Referent kam zu dem Schluß, daß das Gebahrey dieser Ritter von der traurigen Gestalt nur eine Antwort verdiene, nämlich am 10. Januar mit einer glänzenden Majorität geschlagen zu werden. Die Debatte, welche sich den Vorträgen anschloß, be.- schäftigte sich zunächst mit den als Damm gegen den Sozialis- mus aufgerichteten Hirsch-Duncker'schen Gewerkvereinen. Nachdem mehrere Redner ihr Bedauern darüber ausgesprochen, daß Ar- beiter so verblendet sein können und sich verrätherisch gegen ihre eigenen Standes- und Leidensgenossen gebrauchen lassen, betrat der conservative Stadtverordnete, Herr Diersch die Tribüne. Derselbe erinnerte in seinem Auftreten nicht wenig an Reinccke Fuchs. Sehr glatt und geschmeidig suchte er sich einzuschmeicheln. Er lobte den feinen Anstand und Takt der Versammlung. Von den vielcrwähnten Roheiten fände er zu seiner großen Ueber- raschung nicht die Spur. Allmählich änderte sich jedoch der Ton. Man müsse sich fragen, was von den Versprechungen der „Führer" �erfüllt sei, und wie lange man noch werde warten müssen. Haben denn die Sozialdemokraten die Menschenliebe gepachtet?! Es giebt auch noch bei anderen Parteien Menschen- liebe, deshalb versuchen Sie es einmal mit dem Geh. Com- merzienrath Borsig.(Schallendes Gelächter der Versammlung.) Meine Herren, ich habe ja nur zu Denen gesprochen, die für Herxn Borsig stimmen wollen. Mit diesen Worten war das Latein dieses Schlaubergers zu Ende. Genosse Gutheit be- richtete hierauf, daß dieser Herr Commerzienrath vor längerer Zeit„seinen Leuten" billigen Coaks überlassen, daß er hierin ein Wahlmanöver erblickt und sich auch richtig nicht getäuscht habe. Mit der Menschenliebe dieses Herrn müsse es indeß nicht allzuweit her sein, denn er befolge den Grundsatz, Arbeiter über 40 Jahr nicht mehr zu beschäftigen! Herr Diersch sah denn auch bald ein, daß er sein Netz umsonst ausgeworfen, er drückte sich. In seinem Schlußwort hob der Referent noch ganz be- sonders hervor, daß die gewaltigen sozialen Mißstände nur durch Beseitigung ihrer Ursachen zu heben seien. Die Sozial- demokratie habe diese Ursachen bereits erkannt und tritt energisch für deren Beseitigung ein, und je schneller der Reichstag eine sozialdemokrafische Majorität erlangt, desto schneller gelangt das Volk zu gesunden wirthschaftlichen und politischen Zuständen. Die Versammlung resolvirte zum Schluß einmüthig, für die Wahl W. Hasenclever's kräftig zn agitiren. Naumburg a. S. Freitag am 6. Januar hielten wir eine sehr gut besuchte Volksversammlung ab, worin Herr Zwiebler aus_ Buckau bei Magdeburg seine Candidatenrede hielt. Die 1'/- stündige Rede, die öfters durch stürmische Bravo's unter- brachen wurde, fand die allgemeine Zustimmung der Versamm- lung und wurde schließlich folgende Resolution angenommen: Die heute in Knörichs Garten tagende Volksversammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Herrn Zwiebler vollständig ein- verstanden nnd verspricht mit allen gesetzlichen Mitteln für dessen Kandidatur eintreten zu wollen.— Sonnabend den 7. Januar gingen Parteigenosse Jagemann und Unterzeichneter nach Alten- bürg a. S., dem größten Dorfe unseres Wahlkreises, um dort durch gcmüthlichen Verkehr für unsere Sache zu wirken; unfern Zweck hatten wir auch schon zur Genüge in einem der dortigen Lokale erreicht, waren aber noch mit den Leuten im besten Ge- spräch begriffen, als wir auf einmal einen Gensdarmen, der ganz leise und unbemerkt hinter uns getreten war, bemerkten. Wir zogen dann weiter in ein anderes Lokal, saßen aber da noch nicht lange, als der Jünger der heil. Hermandad wiederum erschien, sich einen Schoppen geben ließ und dann den Wirth bei- feite nehmend fragte, wir wären wohl Vertreter Zwiebler's. Als darauf dem Manne die Zeit zu lange zu werden schien, und er auch keine staatsgefährlichen Umtriebe entdecken konnte, so verließ er das Lokal, um noch eine gute halbe Sttmde vor der Thür zu lauschen und für uns den Ehrenposten zu machen. Im Uebrigey: haben unsere Gegner noch in den letzten Tagen keine so rege Agitation von uns erwartet und schreien daher Ach und Weh! Wir aber gehen mit guter Zuversicht der Wahl entgegen und hoffen sogar, trotzdem wir in unserem Kreise so gut wie gar keine Geldmittel zur Verfügung hatten, mit dem liberalen Ritter- gutsbesitzer Rohland in die engere Wahl zu kommen. Mit Gruß R. T. Lesum-Aurgdamm.(18. hannoverscher Wahlkreis.) Hier fand am 3. Januar a. e. eine Volksversammlung statt, in wel cher L. Henke aus Bremen über die Tagesordnung: Die bis- herige Thätigkeit des deutschen Reichstages und die Erwartungen des Volkes, referirte. Daß Redner zur Zufriedenheit der An wesenden sich seiner Aufgabe auf's Beste erledigte, bekundete der am Schlüsse des Bortrages gespendete Beifall. Obschon die Gegner den Vortrag durch öfteres Oho-Rufen unterbrachen und ihren Jnterpellationsmuth durch eine bedeutende Menge Grog u. s. w. aufzuwärmen oder zu„begeistern" suchten, zogen sie es doch vor, bei der öffentlichen Aufforderung zur Interpellation seitens des Vorsitzenden, zu— schweigen. Im klebrigen wird die große Sozialistenschau am 10. Januar auch hier ein gün- stiges Resultat zu Tage fördern. Es wurde eine Resolution, dahingehend, am Tage der Wahl nur für Kaufmann W. Bracke in Braunschweig energisch einzutreten, angenommen. Eine Teller- sammlung ergab 4 Mark. B. Wiesbaden, 1. Jan. Genossen der dmtschen Arbeiterbewe gung! Durch Familienverhältnisse gezwungen, sehe ich mich ver- anlaßt, Deutschland Lebewohl zu sagen und nach Amerika auszuwandern. Aus einem Wirkungskreis, in dem man schon seit Jahren thätig war, gerissen zu werden, erregt immer wehmüthige Empfindungen. Doch ist es ja gleich, ob man hier oder wo anders ist, lvenn man nur für die gerechte Sache kämpft. Ich sage deshalb allen Genossen und Freunden bei meiner Abreise„Glück auf!" und erlahmet nicht für die Sache des arbeitenden Volkes zu kämpfen und fest zu stehen in dem Kampfe, den das enterbte Volk für sein Recht aufgenommen hat und auch glücklich zu Ende führen wird. Denn fallen muß die Herrschaft des Kapitals, die seit Jahren den Volksgeist in Fesseln geschlagen hat. Lebet wohl, Genossen, geht voran muthig und ausdauernd in dem Kampfe, dann ist der Sieg gewiß! Mit sozialistischem Gruß Christian Zollinger. Kirchbain, 9. Januar. Zu unserer Ueberraschung rief heute die"nationalliberale Partei eine Volksversammlung hier ein, wovon wir telegraphisch unfern Parteigenossen V. H. Schneider von Marburg in Kenntniß setzten, und errang derselbe über die beiden referirenden Professoren einen glänzenden Sieg errang und unter Hochrufen auf unfern Kandidaten Hrn. Heinrich Lauer die Versammlung geschlossen wurde.— Herr Schneider wurde von dem größten Theil der Anwesenden zum Bahnhof gebracht und unter Hochrufen auf die Sozialdemokratie reiste derselbe ab. I. A. I. Wagner. Stnttgart, 3. Januar.(Durch Zufall etwas verspätet.) Endlich sind die Wahlen zum württcmbergischen Landtag vorüber und das Ergcbniß allgemein bekannt. Die Wahlen haben nun diesmal eine starke ultramontane Partei in die Kammer gebracht. Für die sozialistische Partei war besonders von Wichtigkeit die Stichwahl, die in hiesiger Stadt zwischen unserem Kandidaten Dr. Dulk und dem nationalliberalcn Kandidaten, Rechtsanwalt L�autenschläger entschied. Dr.Dnlk hat 4716 Stimmen erhal- ten, Lautenschläger 6900, letzterer ist demnach gewählt. Aber dennoch können wir dieses Ergcbniß als einen großen Erfolg verzeichnen und als ein solcher wird er auch auf gegnerischer Seite empfunden. Ja bis in die höchsten Kreise hat diese Wahl großes Aufsehen gemacht und so schreibt denn ein viclgelesenes süddeutsches Blatt, der„Schwarzwälder Bote":„Stuttgart, den 3. Januar. S. M. der König hat gutem Vernehmen nach seinen � Minister des Innern, Herrn v. Sick, zum besonderen Vortrag über die hiesige letzte Abgeordnetenwahl befohlen. In der Tnat verdient diese Wahl die hohe Aufmerksamkeit der kal. Staats- regierung. Sie konstattrt, daß in der Residenz der Sozialismus immer weitere Kreise zieht. Bei der letzten Reichstagswahl er hielt der Sozialist Fleischmann 1977 Stimmen, heute Dr. buu 4716. Dabei erwäge man, daß vor 3 Jahren die Zayl ver i Arbeiter hiermit größer war als gegenwärtig." Hmzulngen ntodEjte ich noch, daß auch die Volkspartei theilweise für Dr. Dulk j oder las er vielmehr etwas über Schutzzölle oder Freihandel, gestimmt hat. Die Wahl bot auch noch in anderer Hinsicht dann über die Compromißmacherci, der er die vollste Anerken- Manches Interessante. Beim ersten Wahlgang hatte auch ein Büchsenmacher und Hofgürtler Stähle einige Tausend Stimmen erhalten, welcher ein stockreaktionäres Programm aufgestellt hatte nung zollte, und auch über die Eisenbahnfrage. In Bezug auf diesen letzten Punkt kann jedoch heute noch Niemand klug werden, was er wollte. Die anderen Parteien vermied er ängstlich, und dem die Nationalliberalen noch viel zu fteisinnig waren, vorzugsweise die unsrige, weil er vielleicht Gegner fürchtete. Er konnte, seiner religiösen Richtung nach, auf die Stimmen der Schließlich kam er dann noch auf des Reiches Macht und Herr- Pietisten Stuttgarts rechnen(deren es leider noch ziemlich viele lichkeit zu sprechen, wobei die Bourgeois in ein Jubelgeschrei giebt). Zum Glück fiel er durch und so wurde unsere Residenz ausbrachen, daß der Redner sofort aufhören konnte. Wir sehen nicht in die unangenehme Lage versetzt, sich im Landtag durch getrost der Wahl entgegen, da außer der Compromißpartei auch einen Mann vertreten lassen zu müssen, der als protestantischer noch Conservative uns gegenüberstehen und es uns nur zum Fanatiker die Herrschaft der Kirche im Staat angestrebt hätte.; Vortheil und zur größten Freude gereicht, wenn die Ausbeuter Wenn die sozialisüsche Partei, wie vorauszusehen, im gleichen einander zerfleischen. Maße, wie bisher, wächst, dürfte für die nächste Landtagsperiode die Wahl eines Sozialisten in Stuttgart gesichert erscheinen. Württemberg, das seither der sozialen Bewegung ziemlich fern zu stehen schien, tritt jetzt mit doppeltem Eifer auf den Kampf stauen. 6. Januar. Gestern hielt Neisser aus Bremen hier seine Candidatenrede. Der Pratersaal, der 2000 Menschen faßt, konnte die Menge nicht aufnehmen und Viele mußten vor der ' Thür wieder umkehren. Neisser's Vortrag war ein hochwissen platz und wird nicht hinter dem Norden zurückbleiben. Glück i schaftlicher meisterhafter, der von allen Zuhörern mit Respekt auf zu den Reichstagswahlen! In Stuttgart tritt unserem Can- und Begeisterung aufgenommen wurde. Obgleich das Gerücht didaten Hillmann gegenüber der nationalliberale Kammerprä-! verbreitet war, einige Leipziger liberale Größen machten Plauen fident v. Hölder als Gegner auf, ein Mann, der einstens im. unsicher, so wagte doch kein Gegner Opposition zu machen. Die Reichstag das große Wort gelassen aussprach„der Krieg ist der � Versammlung hat überhaupt bei Allen den besten Eindruck hinter- höchste Staatszweck." lassen und Plauen ist für uns wohl gewonnen. Sie verlief ohne Kempten, 3. Januar.(Unsere Gegner.) Eine heißes jede Störung, was unserm Publikum nur zur Ehre gereicht. Schlacht war es, die gestern unsere noch so junge Partei dem Die angezeigte Tellersammlung wurde von dem überwachenden Liberalismus lieferte. Es handelt sich darum, den Gegner in Herrn Stadtrath verboten, es wurden uns aber dennoch 41 M. seinem Lager aufzusuchen. Ein kleiner Theil unserer Genossen freiwillig zur Deckung der Unkosten gespendet. begab sich daher Nachmittags 2 Uhr in den Kornhaussaal, der Das Arbeiter-Wahl-Comitö. bereits von Landleuten(es war Markttag) dicht gefüllt war. Tangensalza, 4. Januar. Heute Abend?>/, Uhr tagte hier Völk, die nationalliberale„Frühlingslerche" zwitscherte, nach- eine Wählerversammlung mit der Tagesordnung: Die nächste dem sich der liberale Professor Sorgel selbst zum Vorsitzenden Reichstagswahl. Referent Reichstagscandidat Herr Wilhelm gemacht hatte, etwa eine Stunde, aber in so verzagter Weise, Bock aus Gotha. Die Versammlung wurde um 8 Uhr eröffnet, wie wir ihn noch nie gehört haben. Zwar pries er Kaiser und da jedoch unser Referent nicht erschienen war, wurde, nachdem Reich überaus an, aber er mußte gleichwohl gestehen, daß sein das Bureau gewählt, die Versammlung auf»/« Stunden vertagt. Wahlkreis in Gefahr sei und er sprach es offen aus, wenn er> Zum Vorsitzenden wurde Herr Maurer, zum Schriftführer nicht mehr im Allgäu gewählt werde, so werde er sich in's Herr Braun gewählt. Durch ein um 8'/, Uhr eingehendes Telc- Privatlebcn zurückziehen. Hierauf meldete sich Genosse Tau-. gramm wurde uns mitgetheilt, daß Bock krank sei, worauf Freund scher zum Wort, erhielt aber vom Vorsitzenden den Bescheid, Hochheim das Referat übernahm und zu Aller Zufriedenheit er werde es erst in der Abendsitzung erhalten, worauf dieser nach. sich seiner Aufgabe entledigte. Es sprachen außer obigem Refe- einer Lobrede auf Völk und einem Hoch auf den Kaiser in jeder reuten Hochheim noch Hofmann und Braun. Die Versammlung parlamentarischen Regel hohnsprechender Weise die Bersammlung. verlief unter großer Begeisterung und wurde um 10»/« Uhr ge- schloß.— Sofort war die Absicht der Liberalen klar. Sie! schloffen unter der Versicherung, daß Alle für Bock stimmen wollten erstens Tauscher in der Nachmittagsversammluna nicht zu Worte kommen lassen, damit ihnen kein Bauer abwendig ge- macht werde, und zweitens weil sie sich zu schwach fühlten, um am Nachmittage das zu vollführen, was sie am Abend, zu ihrer Schande sei es gesagt, wirklich auszuführen den traurigen Muth hatten.— Sofort nach Beendigung der Volksversammlung wurde würden. Dresden. Ten Schneidergehilfen Deutschlands zur Nachricht- daß sich der Verkehr und unentgeltliche Arbeitsnachweis nicht mehr bei F. A. Taggesell, sondern bei Chr. Selk, Große Brüdergasse 12 pari. befindet. Die Verwaltung. I MPH I Auf Obiges bezugnehmend erlaube ich mir, alle zureisende Gehilfen liberaler Kriegsrath gehalten"»� was da beschlossen"wurde, hierdurch ganz �sonders darauf aufmerksam zu machen, daß jch allen mögen unsere Gesinnungsgenossen aus Nachfolgendem ersehen: Schon um 5 Uhr wußten unsere Gesinnungsgenossen in Kottern, daß es am Abend auf einen liberalen Coup abgesehen sei. Man ließ nämlich Meister(unter Andern einen gewissen Leitner), von denen man überzeugt war, daß sie sich zu gefügigen Werk- zeugen für den Liberalismus gebrauchen lassen, auf das Comp- toir kommen und gebot ihnen/ mit aller liberalen Mannschaft zur Versammlung zu eilen. Weiters wurde der ganze Troß der liberalen Spießbürgerschaft aufgeboten. Dadurch, daß man die Bersammlung zuerst im kleinen Saale anberaumte, in letzter Minute aber dennoch den großen nahm, gelang es den Liberalen, da die Arbeiter nicht mehr vordringen konnten, die Tribüne vollständig zu umringen. Hinter der Tribüne hatten die libe- ralen Koryphäen Postv gefaßt und von dort aus wurden, wie unsere Gesinnungsgenossen von der Gallerie aus sehen konnten, mit einem weißen Taschentuche dem liberalen Helden die Sig- nale gegeben. Man hatte ferner beschlossen, in der Abendver- sammlung Tauscher zuerst das Wort zu erthcilen, ihn eine Zeit lang sprechen zu lassen und dann durch Tumult denselben mund- todt zu machen, woraus dann Völk seine Lobrede auf das Reich halten und die Versammlung ohne weitere Diskussion geschlossen werden sollte. Trotzdem so die Lage für unsere Partei eine äußerst schwierige war, nahm sie den Kampf auf. Tauscher er- hielt das Wort zuerst und sprach in begeisterter Weise zunächst über die Gründung des deutschen Reiches, dann über die Reichs- Verfassung, das allgemeine Wahlrecht, das Haftpflicht- und an- dere Gesetze. Eine halbe Stunde lang wurde er ruhig ange- hört, ja oftmals mit Beifall belohnt, doch jetzt schien letzterer Umstand den Liberalen gefährlich zu werden. Denn als er auf die Lasten zu sprechen kam, welche die liberale Reichstagsmehr- heit dem deutschen Volke aufgehalst hat, begann ein planmäßig geleiteter Tumult, der sich in immer kürzeren Pausen wieder- holte, trotzdem der Redner die Versammlung aufforderte, die Redefreiheit zu achten und auch aus der Versammlung die Rufe „Reden lassen" ertönten. Nur mit Mühe konnte er in seinem Vortrage fortfahren, iudem er noch die Justizgesctze(unter fort- währender Unterbrechung) beleuchtete und als er dem Dr. Völk vorhielt, er habe seine Ueberzeugung gewechselt, indem er 1866 von Bismarck sagte, er wolle seinen Mund durch Aussprechen dieses Namens nicht beschmutzen, während er heute denselben Namen beweihräuchere, obwohl er noch derselbe stolze Junker sei, wie damals und der Freiheit des Volkes ein Bein stelle, wo er könne; als der Redner ferner Völk nachwies, daß er für die Erhöhung der indirekten Steuern gestimmt, obwohl die Libe- ralen den Arbeitern Anno 69 versprochen, für eine Verminde- rung derselben zu wirken, da brach der von den Liberalen längst vorbereitete Tumult los, der es Tauscher unmöglich machte,.. Q4ja » ftamlmrg 1.: Maring 12,134, Geib 8962. Anforderungen Genüge zu leisten stets bereit sein werde. Für gute Speisen und Getränke, sowie gute und billige Beherbergung ist bestens gesorgt. Tic Parteiblätter liegen aus. Achtungsvoll Chr. Selk, Herbergswirth. XL. Alle Partciblätter werden steundlichst um Abdruck ersucht. Wähl-Resultate.� Cöln: Bebel 1783. Fürth: Löwenstein 2530, Marquardsen 1540. München 1. n. 2.: Pröbstl und Kiefer 4300. Breslau 1: Bäthke 4279, Stein(Fortschr.) 3708, Lasker . 3953, Weinhold(ultr.) 1861. „ 2: Kräcker 4356, Hänel(Fortschr.) 4127, Ben- nigsen(Lib.) 3794, Ballestrem(ultr.) 1266. Mannheim: 1874 Sozialisten 826, 1877 Sozialisten 1440, ohne Umgebung. Dresden(Altstadt): Bebel 6;937, engere Wahl mit dem Nationalliberalen. Dresden(Neustadt): Liebknecht Majorität, Wahlresultat des Bezirks noch nicht bekannt. Hannover: Fritz sche 5547, Wühlboru(Lib.) 5915, Brühl (Partik.) 9297, Hurzig(Fortschr.) 113. Frankfurt a. M.: Frohme 3509, Holthof 4919, Barren- trapp 4612. Hanau bis jetzt sehr gut. Berlin 1.: Stichwahl zwischen Fortschrittler und Liberalen. „ 2.: Baumann 4500, Fortschr. u. Liberal. 3000. „ 3.: Rackow 5000, Stichwahl. „ 4.: Fritzsche Majorität von 2000 Stimmen. „ 5.: Kapell 2000, Duncker gewählt. „ 6.: Hasenclever 9597 von 19,122 abgegeb. Stim. Barmen: Hasselmann 11,435, Preyl(Lib.) 7486, Schor- lemer-Alst(Ultr.) 2911, Bürgers(Forfchr.) 2832. Engere Wahl zwischen Hasselmann und Preyl. Gotha: Bock 2285, Hopf(Lib.) 1114, Ausfeld(Fortsch.) 1786. Magdeburg: Stichwahl zwischen Bracke und v. Unruh. Greiz und 5 Ortschaften: Blos 1348, Oppenheim 963, Dietel 507. Zeitz: Zwiebler 983, Rohland 818, Wurmb 232. Gera: Hasenclever 935, Träger 1561, Birnbaum 814. Königsberg: Bebel 2065, Dieckert 4405, Hoffmann 3105, Reichensbcrg 244. Halberstadt: Kapell 896, v. Bernuth 1246, Schulze-Delitzsch 298, Konofsky 76. Braunschwcig( Stadt): Bracke 6113, Bode 5121. Braunschweig(Umgegend): Bracke 1052, Bode 1596. Nürnberg: Fortschritt 9918, Grillenberger 9988, Conser- als wolle er die Redefreiheit wahren, indem er abwehrend that, dabei aber beim Verlassen der Tribüne das Unglück hatte nach i aller Länge zu Boden zu stürzen, nahmen die Ausbrüche von Roheit ihren Fortgang und Tauschcr erklärte schließlich, er halte es unter seiner Mürde, vor einer solch illiberalen Versammlung weiter zu sprechen. Unsere Leser sehen, daß die Liberalen thaten, was Schnetzer aussprach:„Was ist's, wenn der Kerl kommt, so pfeifen und trampeln wir so lange, bis er herunter. geht." Von dem Blödsinn, den Völk nun losließ, und von den' Hamburg 2.: Bauer 12,818, Hartmann 11,968. Ottensen: Stöhr 1550, Beseler 176, Selig 426. Altona: Hasenclever gewählt. 7. sächs. Bezirk. Riesa Nauert 346 Richter 306 Schaller Meißen„ 962„ 932„ Großenhain„ 595„122„ Naundorf„ 64„ 40„ 9. sächs. Bezirk. 41 89 537 21 Im 21. Wahlkreis ist. Penzig(lib.) 2215. 10. sächs. Bezirk. endlich auch die Bombe geplatzt. Am 4. d. eröffneten die Libe- Aus 7 größere» Plätzen: Burckhardt 2060, Niethammer 2481, ralen� den Reige»; es stellte sich ihr Candidat in der Person des Holzschleiferei- und Gutsbesitzers Holzmann in Breitenhof in Bahl's Restaurant Abends 8 Uhr den Wühlern vor. Wir j Grimma waren natürlich auch zur Zeit auf unserem Posten. Kurz nach i Würzen 8 Uhr eröffnete ein Herr Böhme die Versammlung. Als Vor- Bennewitz sitzender war Buchhändler Rudolf aus Annaberg schon gewählt, Deuben wogegen wir auch nichts einwendeten, da wir doch begierig' Hoburg� waren, so einen Jasagemann einmal zu hören. Derselbe schickte Liebtitz u. a. die Bemerkung voraus, daß er darauf verzichten müsse, Gieren in einzelnen Fragen Partcistcllung zu nehmen. Das Knne Reichenbach kein Abgeordneter, bevor er im Reichstag wäre. Darauf sprach Wermsdorf„ 130„ 195 Walther 1091. 11. sächs. Bezirk. Hadlich 147 Günther 394 632„ 599 36„ 19 „ 35„ 30 43„ 24 29„ 31 32„ 41 41.. 8 12. sächs. Bezirk(Leipzig Stadt). Bebel 5248, Hänel 1753, Stephani 10,754. 13. sächs. Bezirk(Leipzig Land). Temmler 9027, Findel 1504, Wolf 3913, Haberkorn 1744. 14. sächs. Bezirk. 16. sächs. Bezirk(Chemnitz). Most 12,080, Duncker 6593, Böttcher 3181. 17. sächs. Bezirk. Meerane\ Glauchau/ Bebel 8652 Beck 4594 18. sächs. Bezirk. Motteler 9406, Händel 5331, Walther 1431.. 19. sächs. Bezirk. Liebknecht 5041, Uhlmann 4119. 20. sächs. Bezirk. Aus 8 größeren Orten: Wifemer910, Brockhaus 411, Höfer 46.? 22. sächs. Bezirk. Elsterberg Auer 435 Tritschler 94 Dietel 79. Reichenbach„ 5312 Gegner 4890. 23. sächs. Bezirk. Reißer 433 Mensel 199 Krause 191 Oelsnitz Pausa Plauen Mühltroff Langenbach Thierbach Schönberg 290 1321 164 10 24 9 44 1208 20 30 28 20 24 185 147 35 14 13 Briefkasten der Expedition. Hirsch Moritzdorf u. B. Richter in Thorn:? Wir haben Ihre Reklamation der Post zur Recherche übergeben. Quittung. Enj Ncuschönefcld Ab. 6,25. Schltz Hamburg Schr.s 100,00 Hllngl Nordhausen Ab. 8,53. C. Pich Hannöver Ab. 100,00.; Grbnstn Liudenau Schr. 14,50. Omr hier Ab. 0,60. Knk Ab. 3,90. PH. Rxckr Wien Ab. 5,00. Grßr Wien Ab. 3,25. Brtl Mähr. Schon- bcrg Schr. 6,40. Jg. Rchnfld Bonyhad Ab. 3,20. Gzndnr Königstein Ab. 3.00. Mhlr hier Ab. 0,80. C. Bltt St. Louis Ab. 3,93. Wahlfonds. Von D. in Sch. 31,86. Durch Buchdrucker Schenk in folgenden Offizinen gesammelt Liste 18 3,40, Liste 16 Reclam 1,40, Liste 1b Frczer 0,80, Liste 14 Engelhardt 2,50, Liste 9 Polz 2,08, Liste 2 Metzger u. Wittig 4,20, Liste 12 Hundertstund u. Pries 1,10, Liste s B. G. Teubner 2,63. Durch Ramm 0,50, d. Walter Connewitz 0,50/ Liste 61 Kunschmann 2,00, d. Zwoboda Lifte 56 2,90, Liste 6 5,65,| Rchtr hier 1,00, Makulatur 0,60, von einem alten Husaren 1,00. Zwoboda, Connewitz: Die beiden Quittungen stehen in j'Nr. ZH des„Vorwärts". Peter Krebs, Kassirer des Ccntralwahlcomites, Ulrichsgasse 60. XL. Wer noch Listen und Gelder für den Wahlfonds in Händen hat, wird ersucht, sie abzuliefern._ D. O. 1 Von Dr. M. aus Breslau habe ich in 3 Raten(200, 100 utiO 100) vierhundert Mark zu Wahlzwecken erhalten. W. Liebknecht. Anzeigen:c» O/tlvot/t Sonntag, den 14. Januar, Nachmittags 3 Uhr, •vvlf'zig. im„Thüringer Hof": Grope öffentl. Böttcher-Versammlung, Tagesordnung: Bericht über den Congreß. Die Herren Meister sind eingeladen. Der Einberufer.[