Erscheint in iicinjig Mittvoch, Freitag, Sonntag. ülbouncmcntsPrcis fär ganz Teutichland 1 M.«0 Ps. pro Quartal. Monats-Abouncnlcnts werden bei allen deutschen Posranstalten aus den 2. und 3. Monat, und auf den ». Monat besonders angenommen: im jröuigr. Sachse» und Herzogth. Sachsen- Altenburg auch auf den Ken Monat des Quartals d SS Pfg. Inserate betr. Berfammlungcu pr. Betitzeile 1» Pf.. betr. Prioatangelegenheiten und Feste pro Petitzeile M Pf. \hvm ärt ZZestellungen ncbmcn an alle Postanstalten und Buch Handlungen des In- u. Auslandes. Filial» Expeditionen. New-Borl: So�.-demolr Keuesfen- fchaftSbuchdruikerci, ISS IlliirielM lllr. Philadelphia: P. Hab, SA> dlortli ZeU Street. I. Boll, 1129 Charlotte Str. Chicago: A. Lanferinaun, 296 UIvI- sion Street. San Franztsco: F. Entz, 118 O'Fut- rell Street. London: Bauditz, S Blassan Street, Middleecx Hospital. Gentrat Hrgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 13. Mittwoch, 31. Januar. 1877. Abonnements aus den„Vorwärts" für die Monate Februar u. März zu 1,10'werden bei allen deutschen Postanstaltcn, für Leipzig pro Monat zu 60 Pf. bei der Expedition, Färberstr. 12 II, unserm Colporteur Moritz Ulrich, Südstr. 12, in den Filialen: Cigarrenlaoen des Hrn. Peter Krebs, Ulrichsg. 60, und Sattlerwerkst, am Königs- platz 7; für die Umgegend von Leipzig bei den Filialexpeditionen: für �»rlimarsdorf, Steudnitz, Zleuschönesert»:c. bei Frau Engel Reudnitz, Täubchenweg 29, 2 Tr., für Konnewitz:c. bei H ackert, Kurze Str. 10 part., für Kkeinzschscher u. Umgegend bei Fleischer, Schloßg. 13 das., für Fhonvcrg oei Kirsten, Hauptstr. 7, für Meurendnitz bei Zschau, 15 I, für H'tagmih-Lindenau bei Frau Gräfenstein, Aurelienstr. 3, für chohtis:c. bei A. Herms- dorf, Lindenthaler Str. 7, für Stötteritz bei Grude, An der Papiermühle, angenommen. Für Merlin wird auf den„Vorwärts" monatlich für 75 Pf., frei in's Hans abonnirt, bei der Expedition der„Berliner Freien fresse", Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8a, und bei Rubenow, runnenstr. 34, im Laden. Unsere Siege und ihre Folgen. Der liberale Rachedurst gehet umher wie ein brüllender Leu und sucht seine Opfer. Folgender Fall aber ist doch speziell kennzeichnend für den Edelsinn der Herren Gegner. Männer, die trotz allen materiellen Drucks den Muth finden, ihren poli- tischen Ucberzeugungen einen vollkommen gesetzlich' erlaubten Ausdruck zu geben, werden, wenn sie irgend von einem liberalen „Herrn" ökonomisch abhängig sind, wenn auch nicht geradezu todtgeschlagen, so doch wenigstens auf das Empfindlichste gcschä- digt. Wirklich, diese Art des Kampfes kann ja fast selbst dem verbohrtesten Lobhudler des Bestehenden eine leise Sehnsucht nach dem mittelalterlichen Faustrecht einflößen! Wir geben das betreffende Aktenstück, aus dem alle Thatsachen sich leicht heraus- schälen lasten: „Entlassungsschein. Der Arbeiter Friedrich Wilhelm Zink ist als Bergarbeiter vom 2. Januar 1872 bis zum 23. Januar 1877 auf hiesiger Grube Numero 371 beschäftigt gewesen. Derselbe ist nach Kündigung entlassen wegen sozialdemokratischer Agitation auf den Werken. Er empfing einen Schichtlohn von 2 Mark 30 Pfgn. Dies bescheinigt der Wahrheit gemäß Grube 371 bei Römle, den 23. Januar 1877. Photogen- und Parasfinfabrik A. Riebcck, Weißenfels. D. Schaefer." Abgesehen von der Rücksichtslosigkeit, mit der bei den noch weit und breit herrschenden Vorurtheilen, bei dem allgemeinen Haß der Arbeitgeber einem Parteigenossen nicht nur sein Brot genommen, sondern ihm auch erschwert wird, neuen Unter- halt zu finden, ist dieses Verfahren auch vollkommen unge- setzlich*). Ungesetzlichkeiten sind aber bei den sogenannten „Vertheidigern des Rechts, der Ordnung, der Bildung und guten Sitte" so an der Tagesordnung, daß sich ganze Nummern unseres Blattes mit der einfachen Aufzählung der Thatsachen füllen ließen. Wir verweisen nur auf die schamlosen, wahrhaft empö- renden Wahlbeeinflussungen, die in Unmassen ausgeübt worden sind! Mit dem Gesetz kann man uns nicht zu Leibe, da muß die willkürliche Gesetzwidrigkeit, in vielen Fällen die brutale Gewalt, der Laskcrknüppel hilfreich eintreten.* Und wo werden solch brutale Gewaltmaßrcgeln gegen unsere Gesinnungsgenossen angewendet? Da, wo dieselben ein gesetzlich gewährleistetes Recht ausüben, wo sie vollkommen in den Schranken des Erlaubten ihren Ansichten Ausdruck verleihen und das thun, was sie, und mit Recht, für ihre Pflicht halten! Das ist die Freiheit der politischen Ueberzeugung im deutschen Kaiserreiche! So bestrast man die gesellschaftlichen Parias, die die Freiheit, welche nach glorreicher Herstellung der Einheit in Deutschland als gesichert angesehen ward, für Ernst nahmen. Die Reaktion schlachtet so ihre Opfer massenweis, wenn sie danach streben, ihre Lage auf vollkommen loyalem Wege zu verbeffern. Und dieses wird nicht das letzte Opfer sein, ganze Hekatomben wird man aus dem Altar des Kapitals hinschlachten und sich verbluten lassen. Die Parforcejagd auf das sozialistische Rothwild hat begonnen und wir verhehlen uns nicht: sie wird nicht so gleich wieder aufhören! Aber diese wahnsinnige Wuth zeigt offen und klar die Verlogenheit der Priester des Evangeliums der„Frei- hcit durch die Einheit"; sie drückt den Stachel der Roth, den Dorn der Erbitterung immer tiefer in die Herzen des Volkes; nicht die sogenannten sozialisttschen Führer predigen„Haß und Verachtung", die Ordnungsmänner selbst sind es, welche nicht nur mit den Ueberzeugungen und Gefühlen, sondern mit den Menschenleben ein so frevelhaftes Spiel treiben, und nicht blas mit dem Leben eines Einzelnen, sondern ganzer Familien! . Wir wissen, daß wir uns von jener Seite auf das Schlinimste gefaßt machen dürfen. Aber trotz alledem und alledem wird der Muth des kräftigen deutschen Volkes nicht gebrochen werden! Sie wollen das Land„pacificiren", beruhigen, aber sie werden es eher ruiniren, sie werden die Ruhe des Todes hervorbringen. Zu- nächst aber wird der Aufschrei der Nation furchtbar zum Himmel dröhnen und tausend und abertausend Flüche werden entsendet werden gegen die, welche jedes menschliche Gefühl mit Füßen *)§113 der Gewerbeordnung für das deutsche Reich lautet:„Beim Abgänge können die Gesellen und Gehilfen ein Zeugniß über die Irt und Dauer ihrer Vefchästigung fordern, welches auf Antrag der Betheiligten und wenn gegen' den Inhalt sich nichts zu erinnern findet, von der Gemeindebehörde kosten- und stcmpelsrei zu beglaubigen ist. Dieses Zeugniß ist auf Verlangen der Gesellen und Gehilfen auch auf ihre Führung auszudehnen. treten, welche nichts davon wissen wollen, daß es Menschenrechte gicbt, die nicht ungestraft in's Gesicht geschlagen werden! Mit unsäglicher Wehmuth stellen wir angesichts dieser furcht- baren Thatsachen fest, daß eine Jahrtausende lange Culturarbeit fast umsonst gewesen ist, daß alle fortschreitende Entwickelung, statt der Gcsammtheit zu Gute zu kommen, vonl Egoismus und Ei- gennutz Einzelner benutzt worden ist, um die formell abgeschaffte Sklaverei nur in noch grassercr, schamloserer Gestalt auftreten zu lassen. Oft und dringlich genug ist auch von den extremsten Gegnern des Sozialismus der Mahnruf laut geworden, daß man andere, zeitgemäßere Verhältnisse anzubahnen suchen soll; vergeblich ist er verhallt!„Sein Schicksal schafft sich selbst der Mann", und so hat das Volk von„oben" und von den regierenden Parteien rein gar nichts zu erwarten. Diese Leute haben zum Theil nicht die Fähigkeit» zum andern Theil nicht den guten Willen, dem Elend zu steuern. So sieht sich denn das Volk ganz allein auf seine eigene Kraft, auf seine eigenen Hilfsquellen angewieseu. Die Massen haben das zum größten Theil begriffen: der Ausfall der letzten Wahlen hat es uns auf das Glorreichste bewiesen! Der bedcu- tende Mehrbetrag an sozialistischen Stimmen hat es laut ver- kündet, Keiner kann diesen Ruf überhören. Das Berständniß seiner Lage hat das Volk also vor allen Dingen glänzend bewährt, indem es seine Mißbilligung aus- drückt über die Art und Weise, wie gewirthschaftct wird. Aber das Volk ist auch mit rührender und erhebender Be- reitwilligkeit zu unsäglichen Opfern aller Art für das für Recht Erkannte eingetreten. Das kleine Häuflein ist gewachsen von Jahr zu Jahr zu einem mächtigen Hier, unsere letzte Heerschau hat die Begeisterung gewaltig gesteigert, das haben die erneuten großarttgen Opfer bewiesen, welche bei Gelegenheit der Stich- Wahlen gebracht wurden, wo ein Arbeiter- Candidat in Be- tracht kam. Diese Opferfteudigkeit, diese nicht einzuschüchternde Uncr- schrockenheit ist es aber auch, welche den endlichen Sieg des Rechtes wider das Unrecht, der Wahrheit gegen die Lüge, dem Gesammtvortheil gegen den Einzclnutzen herbeiführen werden und herbeiführen muß. Auf unserer Seite ist das Recht, wir wollen Verhältnisse schaffen, bei denen Allen wohl werde; der Egoismus des Kapitals vermehrt von Tag zu Tag die Zahl Derer, welche sich selbst, ihren Familien und kommenden Gene- rationen schuldig sind, bessere Verhältnisse zu schaffen: die sind alle unsere Bundesgenossen und die Ironie der Weltgeschichte zeigt sich darin, daß gerade die Gegner diesen Zuzug in unser Lager treiben! So wachsen auch von Tag zu Tag unsere berechtigten Hoff- nungen auf endlichen Sieg und der Tag rückt immer näher heran, wo die allgemeine Menschenliebe dem Egoismus seine Waffen abnehmen und ihn unschädlich machen wird. Das liberale Simmelsammelsurium» das- durch den Compromiß in Sachen der Justizgesetzc ganz außer Rand und Band gcrathen schien, freut sich einmal wieder einen Punkt gefunden zu habe», in dem die Interessen sich be- gegnen. Der feindseligen Worte sind genug gewechselt— jetzt heißt's nunmehr„Pack schlägt sich. Pack verträgt sich". Gilt es doch der Abwehr einer„gemeinsamen Gefahr"; der Abwehr des Anpralls der sozialdemokratischen Massen. Nationallibcralismus und Fortschritt scheuen sich zwar beide noch, offen mit der Sprache herausgehen und zu bekennen, daß sie im Grunde genommen nur ein Herz und eine Seele sind, in Wirklichkeit ist aber der ganze Zl�eck des Spiels, der auf der Bühne des politischen Lebens noch fortgespielt wird, leerer Schein, berechnet aufdie Uneingeweihten. Die Wissenden stehen bereits lächelnd, wie die sp'rüchwörtlichen Auguren*), zusammen und kennen nur noch die eine gemeinschaft- liche Sorge um die„staatliche Ordnung". So wenigstens nennen sie es, in Wirklichkeit liegt ihnen nur am Herzen die Klassen- und Kapitalsherrschaft, die sie als Bevorzugte nicht missen wollen, mögen sie sich nun zur nationalliberalen Schattirung bekennen oder zum„Fortschrttt". Sind sie doch sogar einig in Berlin, also da, wo die gegenseitige Eifersucht am härtesten entbrannt war. Die Compromiß-Zeituna Ternburgs und die compromiß- gegnerische„Tante" wissen nicht Worte genug zu machen, wenn es gilt, sich gegen die Zumuthung sozialdemokratischer Neigungen zu verwahren. Mit dieser Verwahrung am entschiedensten vor- gegangen zu sein, danach streben sie alle, und das ist das Stich- ivort, mit dem sie Beide ihr Bourgeois-Publikum zur Nachfolge zu verleiten suchen.?ar nobile kratrum— ein sauberes Brüder- paar. Wer etwa noch naiv genug an prinzipielle Spaltungen zwischen den„mehr" oder„weniger" liberalen Parteiformationen glauben wollte, hat volle Gelegenheit, sich eines Besseren zu belehren, wenn er sich die„Brüder" im Lichte der neuesten Vorkommnisse im preußischen Landtage ansieht. Von feindlichen Brüdern spürt man da blutwenig, obwohl es zu einem Anfein- andcrplatzen von Gegensätzen wahrhaftig an Gelegenheit nicht gefehlt hätte. Das Steckenpferd(wessen? sagen wir der Regie- rung) der Ruhmeshalle, das sich dem Abgeordnetenhause freilich diesmal mit einem 6 auf 4V2 Will, herab geminderten Kosten- anschlag präsenttrte, war so ein Anlaß. Der Fortschritt, der seiner Zeit bei Gelegenheit der ersten Vorlage desselben Projekts sich abwehrend verhalten zu sollen glaubte, glaubt diesmal bei der Reduktion der Kosten von 6 auf 4'/, Mill.(einer Reduktion, die sicher illusorisch ist, da die„Nachforderungen" gar nicht aus- *) Priester des alten Roms, die über die Thorhcit der Menge lachten, welche noch an ihre Lehren glaubte. bleiben können) sein Ja geben zu müssen und erkärte durch den Mund noch dazu eines Windhorst seine Einwilligung. Der „Fortschritt" scheint sich die Sache sehr gründlich überlegt zu haben, so gründlich, daß er nicht einmal mehr Zeit fand, sich daran zu erinnern, daß die heutigen Zeiten gerade nicht danach angethan sind, Ausgaben, welche man schlechthin zu den„über- flüssigen" zu zählen befugt ist, zu billigen. Er scheint nicht Zeit gefunden zu haben, sich für die Ueberschwemmten der Nogat- Niederung zu erwärmen. Windhorst-Onkel hat seine Zeit sicherlich besser verstanden, als er der Fortschrittspartei die Sorge ab- nahm, für die Elbinger Niederung und gegen die Luxusausgabe der Ruhmeshalle eine Lanze zu brechen. Der„Fortschritt", wie man ihn in der nach ihm benannten Partei versteht, besteht eben nur darin, daß man sich bemüht, wenigstens einigermaßen Füh- lung mit den Regierenden uud mit der„regierten" brüderlichen Partei zu halten. Es thut ersichtlich den Herren von der Fort- schrittspartci längst leid, mit dem Bruder Nationalliberalismus fo lieblose Worte, wie sie aus Anlaß des Compromisses gefallen, gewechselt zu haben. Man soll uns nicht den Vorwurf machen können, vorschnell und ungerecht geurtheilt zu haben. Zu dem Zwecke wollen wir nicht unerwähnt lassen, daß innerhalb fortschrittlich gesinnter Kreise Berlin's vielfach ausdrücklich betont wird, Windthorst Neffe sei zu der Befürwortung der Ruhmeshallen-Vorlage nicht bevollmächtigt gewesen. Die arme Partei! Von all den Fort- schrittlern, die mit anhörten, wie Windthorst-Bielefeld„pro" loslegte, hat danach wohl ein Jeder im Verlauf der Diswssion so starke Brustbeklemmungen gehabt, daß er körperlich außer Stande war, den Parteigenossen zu berichtigen! Das nennt man Pech. Wiedervorkommenden Falls wünschen wir, freilich ohne Hoffnung auf Erfüllung, recht gute Besserung. Jngleichen scheint die Fortschrittspartei vom Unglück noch anderweit und zwar insofern verfolgt zu sein, als ihr— vermuthlich— die Berichte aus der Nogat-Niedcrung gar nicht, oder doch zu spät zugegangen sind, als daß von dieser Seite das Haus uud die Regierung an ihre Pflicht den armen Betroffenen gegenüber hätte erinnert werden können! Die Verbindung zwischen dem Nogat- lande und der Fortschrittspartei scheint wirklich eine sehr schlechte zu sein. F. H. Sozialpolitische Ueberficht. — Correctur des Wahlrechts. Angesichts der vielen Vorschläge zur„Correctur des Wahlrechts" bringen wir einen solchen, der leider schon einmal vergeblich gemacht wurde. Wir meinen die Anwendung von Couvcrts. Wir lassen darüber die„Frankfurter Zeitung" sprechen:„Einzig und allein abhelfen kann den Mißbräuchen nur die Einführung amtlicher Couvcrts, in welche die Zettel gelegt werden sollen. Bezügliche Anttäge sind im deutschen Reichstage und in der französischeu Nattonal- Versammlung schon gestellt, leider aber nicht angenommen worden. Wir machen, eben aus den Reichstagswahlen heraustretend und unter dem frischen Eindrucke des schlimmen Spiels materiell ein- flußreicher, herrschsüchtiger Cotcrien stehend, von neuem darauf aufmerksam, überzeugt, daß einzig die Einführung der Couvcrts die Freiheit des Wählers gehörig zu sichern vermag. Wenn nämlich der Staat einem jeden stinimcnden Bürger ein Exemplar amtlicher Couverts, welche alle dasselbe Format und dieselbe Farbe haben, auch undurchsichtig sein müssen, einhändigt, dann ist der Stimmzettel vor jeder Neugierde des Bureaus„gedeckt", dann hört die offiziöse Kontrole auf. Es ist alsdann ganz gleich- giltig, welches Format der Stimmzettel habe, von welcher Farbe er sei, ob die List dieses oder jenes Merkmal an ihm angebracht habe. Eine ehrliche Partei braucht sich einer unehrlichen gegen- über weder durch Ausgabe von Doppelzetteln, noch durch die Anwendung von Nähmaschinen*) zu schützen. Der Bürger, wel- cher vom Bureautisch ein Couvert genommen hat, würde einfach abseits den Stimmzettel derjenigen Partei, für deren Candidaten er stiminen will, oder ein eigenes Blatt Papier in das Couvert legen und dieses Couvert in die Urne werfen Die Einführung der Couverts hätte auch noch einen anderen eminenten Vortheil. Die Abgabe zweier Zettel durch denselben Wähler wäre unmöglich gemacht, da man blos ein jedes Couvert, welches mehr als einen Zettel enthält, zu kassiren braucht, um den Unfug wirkungslos zu machen, während jetzt zu fürchten ist, entweder daß das Büreau bei Betrachtung des Zettels, der in die Urne geworfen wird, nicht nur zu konstatircn suche, daß nur ein Zettel vor- handen sei, sondern daß es auch aus der äußeren Erscheinung des Zettels die Partei erkennen wolle,— oder daß trotz aller Vorsicht durch Einlage zweier Zettel das Scrutinium gestört werde." Wir könntan die Aufzählung der Arten und Weisen, wie man das geheime Wahlrecht zur Illusion macht, aus Mitthei- lungen unserer Parteigenossen aus allen deutschen Gauen in's Massenhafte steigern, aber/es sind das Thatsachen, die allerorts so offenkundig sind, daß wir uns weitere Ausführungen füglich sparen können. In dem von uns citirten Aufsatze bespricht die „Frankfurter Zeitung" die Borlage zu einer Verbesserung des Wahlrechts für Belgien seitens des Ministers Malou. In dieser Arbeit wird der Couvert- Vorschlag abgethan mit den nackten Worten:„Die genaue Untersuchung dieser Frage lehrte, daß wir nicht eine Garantie erhielten, sondern eine Gefahr schüfen." *) In Frankfurt drückte die nationalliberale Partei vor drei Iah- rcn den unteren Beamten Zettel in die Hand, deren Rand ausgczahnt war, was einen Wähler veraulaßtc, seinen demokratischen Zettel mit i Hilfe einer Nähmaschine entsprechend zu„modifizircn". Ein Nähma« � ichinenfabrikant stellte damals mit köstlichem Witz der demokratischen i Partei für ähnliche Vorkommnisse sein Magazin zur Verfügung! Warum lassen die Motive Malou's diese Belehrung nicht auch zur öffentlichen Kenntniß gelangen? Man will eben die Kon- trolc beim Wahlakt nicht aus den Händon geben. Das scheint uns des Pudels Kern zu sein, hier wie dort. — Sozialistentod. Eine jedenfalls sehr raffinirtc Me- thode, unserm Abgeordneten Liebknecht bei der Stichwahl Ab- bruch zu thun, wird der„Frankfurter Zeitung" aus dem Kreis Offenbach berichtet. Am 12. Januar, also zwischen der ersten und der engeren Wahl, gründete sich eine Krankennnterstützungs- kasse mit 106 Mitgliedern, die in ihren Statuten zwei„eiserne", für die Dauer des Bestehens der Kasse geltende Paragraphen aufweist: 1) Jeder Sozialdemokrat ist svon vornhSrein von der Mit- glicdschaft ausgeschlossen. 2) Ein Mitglied, welches der sozialdemokratischen Partei bei- tritt, verliert seine Ansprüche an die Kasse. Diese beiden, ganz besonders für die Wahlen gemachten Bestim- mungcn sind zwar recht feindlich gemeint, aber wir sind sehr neugierig, wie die Herren die Herzen und Nieren ihrer Mit- glicder auf sozialdemokratische Gesinnung prüfen können, und nach welchen gesetzlichen Bestimmungen man den betreffenden Mitgliedern ihre Ansprüche an die Kasse verweigern will. Also ein Schlag in's Wasser! — Die Fortschrittspartei im preußischen Landtage hat beschlossen, für die Geldfordcrung der Regierung zum Baue der „Ruhmeshalle" zu stimmen.— Ein schöner Fortschritt!„Thuet Buße in Sack und Asche!" haben die Nationallibcralen den Fortschrittlern zugerufen, und siehe da, die Männer der„Demo kratie" kriechen zu Kreuze. — Die allgemeine Wehrpflicht. Bor etwa einem halben Jahre wurde in der Schweiz ein Gesetzesentwurf vorgelegt, welcher diejenigen Staatsangehörigen, die nicht aktiven Militär- dienst leisten konnten, zu einer sogenannten Militärcrsatzsteuer her- anziehen sollten. Die Schweiz erwehrte sich dieser Auslage. Jept wird in„maßgebenden Kreisen" dieser Plan auch in Deutsch- land besprochen. Wir wiesen seiner Zeit darauf hin, daß es uns wundern solle, wenn Tausendkünstler Camphansen immer niit einem Ueberschuß der Finanzen seine Rechenschaftsberichte ab- schließen sollte, ohne von neuem die Steuerschraube anzuziehen: hier hätten wir den Beweis für unsere seiner Zeit geäußerten Bedenken. Dieser Steuervorschlag hat nun auf den ersten Blick allerlei Bestechendes. Diejenigen, welche nicht mit Leib und Leben dem Natcrlande dienen, sollen wenigstens durch Geldlei- stungcn ein Acquivalent beitragen. Sehen wir uns nun die Leute an, welche von dieser Abgabe getroffen würden. Schätzbar ist uns das Zugestand niß, daß noch Viele, welche zwar körper- lich tüchtig sind, nicht herangezogen werden können, wegen der bedeutenden Mehrkosten. Nun, wir haben oft betont, daß die allgemeine Wehrpflicht, obgleich sie Gesetz ist, eben gar nicht bei uns zur Durchführung gelangt. Eingestandenermaßen, selbst von militä- rischen Capacitäten eingestanden in den Organen der militäri- scheu Fachleute, ist dies nur möglich bei einer allgemeinen Volks- wehr. Fest steht, daß der größere Kostenaufwand nur da- durch verringert werden könnte, wenn man statt der drei- jährigen eine kürzere, etwa einjährige Präsenzdienstzeit festsetzte. Bor einigen Jahren hatte sich im Landtage der Kricgsministcr von Würtemberg anheischig gemacht, selbst den ungeschicktesten Rekruten in l1/« Jahr zu einem vorschriftsmäßigen Soldaten zu machen: es ginge also, wenn man nur wollte, und es müßte möglich sein(wenn nicht andere Gründe vorlägen), die auf dem Papier stehende allgemeine Wehrpflicht zu einer Thatsachc zu machen. Die in Vorschlag gebrachte Art und Weise, wenigstens Alle zu Militärlcistungen heranzuziehen, wie sie jetzt von uns nach dem Schweizer Gesetz kopirt wird, ist eben blos eine fiska- tische Ausnutzung der Volkskraft. Man heuchle nicht eine allge- meine Wehrpflicht, man stelle jeden physisch Tauglichen ein, aber verkürze die Präscnzzeit des Dienstes, dann tvird eine Steuer- Vermehrung nicht nölhig werden und unsere Staatsentwickelung hätte damit zugleich einen bedeutenden Fortschritt in der Wah- rung des Volksbesten zu verzeichnen. Diese Ersatzsteuer ist eben eine reine Mäkelei und Kramerei, durchaus aber nicht der Aus- fluß eines solchen Gerechtigkeitssinnes der„maßgebenden Kreise" gegenüber den Staatsbürgern, die mit ihrer Person zu militä- rischen Leistungen herangezogen werden. Diese angebliche Rück- ficht auf die wirklich zum Dienst Eingezogenen, wie andererseits der Umstand, daß die Republik der Schweiz dieselbe Einrichtung seiner Zeit für gut gehalten habe, werden natürlich von den Leuten, welche für diesen Vorschlag Sympathie hegen, als Män- tclchen benutzt werden, die Maßregel zu empfehlen. Ist aber eitel Dunst, diese erheuchelte Rücksichtnahme und Gerechtigkeit. Also: gesteht die Lüge der allgemeinen Wehrpflicht zu und führt Herr v. Puttkammer. Ii. (Fortsetzung.) Wir kommen zum Erkenntniß selbst. Die Ausführungen, durch welche der Gerichtshof den Einwand der mangelnden Com- petenz widerlegt, übergehen wir. Herr v. Puttkammer begrün- dete ihn vornehmlich durch den Beweis, daß er in Berlin seine Wohnung hatte. In seinem Urtheile bezieht das Gericht sich wesentlich auf die Gutachten des Hr. Sehnerbt und des Medi- zinal-Collegiums.„Es kann fraglich erscheinen," führt das Er- kenntniß aus,„ob bei der Uebereinstimmung dieser beiden in ihrer Entwicklung näher dargestellten Gutachten und da außer dem Dr. Rieck und dem Stadtphysikus Dr. Koblank anerkannte Autoritäten, wie Prof. Dr. Westphal, Prof. Dr. Linan und Dr. Jdeler übereinstimmend und zwar zum Theil nach vorhergehender Beobachtung und wiederholt den Provokaten für geisteskrank er- klärt haben, es auch nur eines Wortes noch zur Begründung der Entscheidung bedurft hätte." Das Gutachten des Dr. Höppncr wird„als in sich wider- sprechend dargestellt. Es verkenne die rechtlichen Begriffe. Der Sachverständige hätte selbst angenommen, daß in einigen Mo- menten(bei Abfassung der Schriftstücke) die Folgen einer durch Erregung hervorgerufenen krankhasten zeitweisen Störung seiner Geistesthätigkeit zu erkennen sei. Er findet auch eine„vermin- derte Zurechnungsfähigkeit"— d. h. also nicht völlige Freiheit des Willens— in der Art und Weise, wie Provokat sich hin- reißen lasse, meint aber, das Vermögen, die Folgen seiner Hand- lungen zu überlegen, mangele dem Provokaten nicht gänzlich. Wenn er darauf aber erklärt, daß abgesehen von dem Gesagten die Untersuchung eine Geisteskrankheit nicht ergeben habe und dem Provokaten das Vermögen, die Folgen seiner Handlungen zu überlegen, nicht mangele, so liegt entweder schon ein formeller Widerspruch darin, daß dem Provokaten das Ucberlegungsver- mögen einmal gar nicht, ein anderes Mal nicht gänzlich abge sprachen— also auch nicht gänzlich gelassen wird— oder es ist die Erklärung, Provokat ermangele nicht der Fähigkeit, die Ueber- !sie thatsächlich durch, dann bleiben wir verschont von einer neuen Steuer, von der wir nicht einmal die Garantie haben, daß ihr Ertrag denen zu Gute kommt, gegen die sie eine that- sächliche Ungerechtigkeit, wenn nicht beseitigen, so doch mil- dern soll. — Eine Mahnung aus Paris, der„Vossischen Zeitung" entnommen, ist der Beachtung wcrtb, da dieselbe etwas bestätigt, was seitens der Arbeiterpresse ofl behauptet, aber ebenso oft als Ueebertrcibung bezeichnet wird: Die Pariser Tapezierer haben in einer Versammlung beschlossen, sich jeder Betheiligung an der Ausstellung zu enthalten, da ihnen die großen Modcwaaren- Handlungen das Geschäft verderben, sie also die bedeutenden Ausstellungskosten nicht einsetzen können. Man glaubt, daß noch andere Geschäststreibende, z. B. Schirmfabrikantcn, dem Bei- spiele nachfolgen werden, da auch diese unter der Conkurrenz besagter Modewaarenhandlungen zu leiden haben. Zugleich ist hierin auch eine Kundgebung, wo nicht ein Vorgehen gegen die großen Modewaarenhandlungen zu erblicken, welche nach und nach alle Geschäftszweige an sich ziehen, die eigentlichen Erzen- ger und kleineren Gewerbtreibendcn vernichten und zu eiufachen Lohnarbeitern herabdrücken. Es giebt heutzutage kaum noch eine Maare, welche nicht in den bezeichneten Handlungen zu ermäßig- ten, oft wirklichen Schleuderpreisen feilgeboten würde. Gold- und Silberwaaren führen dieselben schon längst; zum letzten Neujahr fügten sie u. A. noch eingebundene Bücher hinzu; und zwar zu billigeren Preisen als in den Verlagshandlungen selbst. Wenn es so fortgeht, giebt es in Paris innerhalb eines oder zweier Jahrzehnte weder kleinere noch mittlere Geschäfte noch I elbständige Gewerbtreibende mehr. Etliche 20 oder 30 große Modewaarenhandlungen haben alle Kundschaft an sich gezogen und Fabrikanten und Handwerker sind ausschließlich von ihnen abhängig und müssen sich jeden Preis gefallen lassen. Jeden- falls droht die mit allen, selbst den unglaublichsten Mitteln bis auf's Aeußerste getriebene Concurrcnz gar manche trübe Folgen mit sich zu bringen. — Sozialistcnkolonie. Mit dieser Ueberschrift bringt der„Hambnrgische Corrcspondent" Folgendes: „In dem Kopenhagener„Socialdemokrat" vom 14. Januar wird von den dänischen Parteiführern ein Aufruf zur Bildung und Errichtung einer sozialistischen Colonie in den Vereinigten Staaten veröffentlicht. Von den Theilnehmern wird verlangt, daß sie nicht über 50 Jahre, daß sie arbeitstüchtig und noch nicht bestraft sind; ferner wird verlangt, Anerkennung der Haupt- Prinzipien des Sozialismus, sowie Anerkennung der Pflicht der Colonie, die aus derselben hervorgehenden Kinder zu erziehen, „wenn die Eltern selbst dies nicht wollen"; leichtere Wiederauf- lösung der Ehe, gemeinschaftliche Bearbeitung des Grundbesitzes, Ordnung der Arbeit durch Commissionen, Gleichberechtigung und Gleichstellung der Frauen, Versorgung der Arbeitsunfähigen u. f. w. Außerdem werden von den Theilnehmern die auf circa 400 Kr.*) für jeden Erwachsenen(über 18 Jahre) berechneten Mittel für die Ueberreise, zur Erwerbung des Grund und Bodens und Beschaffung des nothwendigen Lebensunterhalts für die erste Zeit verlangt, wobei Frauen mit 230 Kr., jedes Kind unter 12 Jahren mit 50 Kr., vom 12. bis zum 18. Jahre mit 120 Kr. berechnet werden. Für diesen Preis wird gewährt: freie Ueber- fahrt pr. Dampfer und Eisenbahn bis zu dem neuen Lande des Glücks„Kansas", sowie gleicher Antheil an dem von der Colonie erworbenen Grundeigcnthum. Bei der Einschreibung, welche vor dem 14. Februar geschehen muß, sind für Erwachsene 10 Kr. und für Kinder 5 Kr. zu bezahlen, ferner am 1. März ein Viertel und 8 Tage vor der Einschiffung der Rest des obigen Betrages. Anträge sind an den Hauptvorstand der sozialdemokratischen Ar- bciterpartei in Kopenhagen zu richten."— Ob das Projekt zur Ausführung kommen wird, ist noch sehr zweifelhaft, sicher ist nur so viel, daß ein arbeitsamer, arbeitsfähiger und unbeschol- teuer Familienvater, im Besitze eines Baarvermögens von 1000 Mark(denn auf so viel beläuft sich ja der festgesetzte Preis für eine Familie, wenn man ein Ehepaar mit zwei Kindern als Durchschnitt annimmt), denn doch Gescheidteres thun kann, als nach Kansas zu gehen, um dort unter der Direktion einer Com- Mission Urwälder auszurotten und somit von vornherein seinem eigenen freien Willen zu entsagen. Kansas ist ein zwar frncht- bares aber noch vollständig wildes Land im fernen Westen der amerikanischen Union, im Sommer sehr heiß, im Winter streng kalt und für an das europäische Klima Gewöhnte wenig geeignet. Wer außerdem die haarsträubenden Berichte über die noch neuer- *) Wir wissen nicht, welche Münze gemeint ist; in unseren Hand- büchern befindet sich keine mit Kr. beginnende dänische Münze; es muß ungefähr, wie aus der späteren Berechnung hervorgeht, so viel sein wie 1 Reichsmark. R. d. V. legung auch nur in dem Sinne zu verstehen, daß das Ueber- legungsvermögen doch nicht gänzlich mangele, aber auch nicht ganz resp. nicht immer vorhanden sei.— Dann aber mußte der Sachverständige nach den gesetzlichen Bestimmungen den Provo- katen für blödsinnig erklären. Geisteskrank und doch nicht geistes- krank. kann Provokat nicht zu gleicher Zeit sein." Wir erinnern die Leser daran, daß Dr. Höppner sein Gutachten dahin ab- gegeben, daß Provokat im Augenblicke des Briefschreibens nicht immer Herr seiner selbst sei und sich von seiner Erregung hin- reißen lasse, im Uebrigen aber völlig gesund sei. Es liegt in seinem Gutachten absolut kein Widerspruch, und wenn Dr. Höppner einen leisen Vorbehalt macht, so bezieht sich dies eben nur auf die Augenblicke großer Erregung. Zu beklagen bleibt freilich, daß Dr. Höppner sein Gutachten nicht klarer abgefaßt hat. Wie man sieht, stellt das Erkenntniß sich auf den Standpunkt, daß theilweisc Geisteskrankheit Blödsinn sei— ein Standpunkt, der nicht entschieden genug bekämpft werden kann. Nach Dr. Höppner haben wir einen völlig gesunden Menschen, der in Augenblicken der Erregung eben erregt handelt und seine Worte und Aus- drücke uicht auf die Goldwage legt. Eine Geisteskrankheit stellt er entschieden in Abrede. Wir werden später sehen, daß das Gericht selbst vom Scharfsinn und der völlig ausreichenden Ge- fetzeskenntniß ja von einer rabulistischen Spitzfindigkeit des Provokaten spricht. Wir hatten nicht ganz unrecht, wenn wir die Unterscheidung zwischen Wahn- und Blödsinnige» in der mehr oder weniger großen Gemeingefährlichkeit erblickten. Das Erkenntniß theilt uns, was wir vorhin übersehen hatten, mit, daß die Depression der Seelenkräfte als Blödsinn, die Exaltation und Wahnvor- stellungen als Wahnsinn vom wissenschaftlichen Standpunkte er- scheinen. Damit scheint uns unsere Folgerung in logischem Zu- sammenhauge zu stehen. Wir würden die wissenschaftliche Auf- fassung gelten lassen, wenn sie eine allgemeine Depression als Blödsinn annehmen würde. Das Erkenntniß fährt fort:„Es ist aber auch selbst für den Laien eine bekannte Thatsache, daß notorisch gesetzlich Blöd- sinnigen(vulgo Wahnsinnigen) keineswegs ein gänzlicher Mangel, dings von den wilden Jndianerstämmcn in Kansas an den Weißen verübten Greuel gelesen, der wird sich zweimal bedenken, ehe er nach dort geht. Falls das Projekt übrigens wirklich zur Aus- führung kommen sollte, wird dasselbe zweifelsohne ein ebenso trauriges Ende nehmen, als der f. Z. von Frankreich aus in's i Werk gesetzte gleichartige Colonisations- Versuch in Louisiana, � welcher ein so schreckliches Ende nahm, daß die kläglichen Reste der Theilnehmer nach wenigen Jahren arm und elend nach i Frankreich zurückkehrten, nachdem der größte Theil in den uner- meßlichen Wildnissen des„neuen gelobten Landes" gestorben und verdorben war." So der„Hamburgische Corrcspondent". Daß die sozialisti- scheu Ideen sich im Kleineu nicht vollständig verwirklichen lassen, braucht uns der„Hamburgische Corrcspondent" nicht zu sagen. Wir kennen die traurige Geschichte der Owen'schen und Cabet'schen Colonien. Allein um ein derartiges Experiment handelt sich's hier auch gar nicht. Eine Anzahl Sozialisten, der Verfolgungen müde, wollen auswandern und sich gemeinschaftlich ansiedeln, I wie das von Seiten deutscher Demokrateu vor und nach 1848; wiederholt geschehen. Die Zahl der dänischen Sozialisten, welche i sich an dem Unternehmen betheiligen wird, ist natürlich eine sehr geringe und die Hoffnung gewisser Zeitungen, das Land werde auf diese Weise von der„Sozialistenpest" befreit werden, wird sich also nicht erfüllen: an Stelle der paar Dutzend, die; auswandern können, schafft die bürgerliche Gesellschaft sehr bald ein paar tausend neuer Proletarier. Albern ist die Andeutung, mit 1000 Mark könne sich eine Familie in Europa ökonomisch unabhängig machen. Die Herren Großkapitalisten würden dem unglücklichen Utopisten, der mit j einer so winzigen Summe ein Geschäft anfinge, in wenig Wochen den letzten Pfennig aus der Tasche geholt haben— Dank der j (die Herren Großkapitalisten) allein selig machenden„freien Conkurren;". — Das Programm der tschechischen Gesinnungsgc- nossen(S. Correspondenz aus Prag) lautet: Wir erklären, daß wir immer und überall die ausgedehnteste Freiheit und gesellschaftliche Gleichheit aller Staatsbürger ohne Unterschied der Nationalität und des Glaubens anstreben wollen. I Wir erklären, daß wir anerkennen, daß nur dann mit Er- folg für die Menschenrechte gekämpft werden kann, wenn alle Arbeiter im Staate ohne Unterschied der Nationalität und des Glaubens einen festen Bund bilden werden; wir erkennen aber. zugleich, daß vorher, ehe dieser Bund wird gebildet werden können, jede Nationalität in sich selbst organisirt sein muß, worauf erst zur gänzlichen Verbindung Aller wird geschritten werden können. Wir erklären, daß wir diese Organisation durch eine jede, dem Gesetze nicht zuwiderlaufende Art durchzuführen trachten werden, wobei wir aber nie von den Prinzipien der Sozial- demokratie abweichen werden, sondern mit Hilfe dieser Prin- i zipien die heiligen Rechte des Volkes durch Wort und Schrift verfechten werden. Da wir die Fach- und Bildungsvereine als höchst wichtig! und nützlich betrachten, weil sie sehr geeignet sind, das Selbst- bewußtsein unter der Arbeiterschaft zu verbreiten und sie zur Erkenntniß ihrer Menschenwürde zu bringen, so wollen wir nach Kräften zur Errichtung und Verbreitung solcher Vereine! beitragen. Wir erklären aber zugleich, daß sich unsere Thätigkeit nicht hierauf allein beschränken darf. Auf Grund des vorhergehenden erklären wir als die ersten Punkte unserer nächsten Thätigkeit folgende Forderungen, welche wir durch alle gesetzlichen Mittel anstreben werden: 1. Allgemeines Wahlrecht für alle gesetzgebenden Körper-] schaften, für alle Landes-, Bezirks- und Ortsvcrtretungcn für alle unbescholtenen Bürger, welche das 21. Lebensjahr erreicht haben. 2. Vollständige Preßfreiheit, Abschaffung des Zcitungs- stcmpels, der Caution und Freigebung der Colportagc. 3. Bollständiges und freies Vereins- und Versammlungsrecht ohne Beschränkung seiner Benützung. 4. Gleichberechtigung in Benützung aller politischen Rechte: ohne Berücksichtigung des Standes, der Religion, der Nationa- lität mit alleiniger Rücksicht auf das vollendete 21. Lebensjahr und Unbescholtenheit. 5. Völlige Sicherung der persönlichen und Vermögens- freiheit. 6. Einführung unabhängiger Schwurgerichte für Verschulden aller Art aus der Mitte des Volkes mit Zulassung aller wähl-| berechtigter Bürger. 7. Unentgeltlicher und obligatorischer(zur Pflicht gemachter)] Unterricht in allen Volks- und Bürgerschulen, und unentgelt- licher Unterricht in allen höheren Bilduugsanstalten. die Folgen ihrer Handlungen zu überlegen beiwohnt, daß sie vielmehr häufig Handlungen begehen, deren Folgen sie sehr wohl zu überlegen im �Stande Ivaren und sogar sehr wohl überlegt haben, daß ihnen aber die volle Harmonie, das Gleichgewicht der Seclenkräfte fehlt. Auch eine partielle Störung der Geistes- thätigkeit, die nur nach einzelnen Richtungen hin die Möglichkeit, die Folgen der Handlungen richtig zu überlegen, ausschließt, muß als Geisteskrankheit aufgefaßt werden und fällt unter den Begriff des Blödsinns im Sinne des§ 23 eil," Wenn noch etwas zur grellen Illustration der Blödsinns- Theorie dienen konnte, so ist es wohl diese Ausführung. „Der Aachverständige hat selbst Aeußerungen des Provokaten angeführt, die mit den Aeußerungen gegen den Kreisrichter Friede! Harmoniren und auf eine unzweifelhafte Unfreiheit des Willens hindeuten, daß er nämlich nicht anders könne als schreiben, daß er seine Schriftstücke nicht nochmals durchlesen könne, weil sie ihm dann nicht gefielen und daß er dann nicht anders könne als noch schärfer schreiben u. s. w." Das Gericht befindet sich hier in einem beklagenswcrthen Jrrthum. Dr. Höppncr hat nirgends behauptet, daß Provokat gegen ihn diese Aeußerung gemacht, sondern, wie wir schon früher ausgeführt, die Behauptungen Friedel's als baare Münze hm- genommen und sie in seinem Gutachten berücksichtigt. Im weiteren Verlaufe führt das Erkenntniß aus:„Es kann aber dabei nicht blos von verminderter Zurechnungsfähigkeit die Rede sein, welcher Begriff in der Wissenschaft meistens verworfen und auch von der Gesetzgebung im Strafrccht in Beziehung auf krankhafte Seelenzustände nicht anerkannt ist." Also die Wissenschaft selbst ist uicht ganz einig über die Frage und das Straftecht kennt keine Halb-, sondern nur Ganz-Blöd- sinnige— aber doch nirgends im Sinne unserer wissenschaftlichen Autoritäten! Aus den weiteren Ausführungen des Erkenntnisses dem Dr. Höppner gegenüber noch ein Paar Auszüge: „Dem'Gutachten muß es zum Vorwurf gemacht werden, was auch vom Königl. Medizinal-Collegium nicht unbeachtet geblieben ist, daß der Sachverständige sich darin, daß er die Handlungs- tveise des Provokaten als gerechtfertigt hinzustellen sucht, zu sehr 8. Einführung des zehnstündigen, allgemein gültigen Normal- Arbeitstags. 9. Abschaffung der Kinderarbeit und Beschränkung der Frauenarbeit in den Fabriken. 1V. Völlige Abschaffung der Frauen- und Kinderarbeit in solchen Fabriken, in denen mit giftigen, der Gesundheit schäd- lichen Stoffen gearbeitet wird, und Einführung einer achtstün- digen Arbeitszeit für erwachsene Arbeiter in diesen Fabriken, i Diese Forderungen wollen wir zunächst in unserem Organ „Budoucnost"(der Zukunft) verfechten und durch ihre Erfüllung wollen mir das materielle und geistige Wohl nicht nur des böhmisch-slavischen Volkes, sondern aller unter den herrschenden Staats- und Gesellschaftszustand leidenden Völker anstreben. Das ist unser fester Vorsatz und Gedanke, von welchen wir nie abtreten werden. Die Herausgeber der„Bodoucnost". — Von einigen russischen Arbeitern und Studenten� — darunter ein Augenzeuge— wird uns folgende„Berich- tigung" zugesandt: „In den Nummern 39 v. I. und 1 ds. lesen wir zwer j Notizen über Vorgänge in Rußland und Handlungen unserer Parteigenossen und Freunde, die theils faktisch unrichtig, theils falsch aufgefaßt wurden, wodurch eine möglicherweise unwillkür- liche Beleidigung unserer Partei resp. unserer selbst entstanden ist. In Nr. 39 wird nach„russischen Blättern" über die Kasan- kirchen-Demonstration berichtet und hinzugefügt, daß diese De- monstration entweder ein„Polizeistreich oder eine Kinderei" war, und daß„jedenfalls die Leute keine Sozialisten waren." Dem gegenüber haben wir zu erklären(und unter Endcsgefertigten! befindet sich ein Augenzcnge und Theilnehmcr der Demonstration),! daß.die Affaire nicht von der Polizei, sondern von braven/ tüchtig-sozialistischen Arbeitern, die im Kampfe mit den despoti- schcn Gewalten in Rußland erprobt sind, vorbereitet, in Szene gesetzt und mit Hilfe der revolutionären Bewegung zugethanener „Studenten und Studentinnen" durchgeführt wurde. Auf Be- richte der Augenzeugen und Theilnehmcr gestützt, erklären wir weiter, daß vor der Kasankirche am ö./18. Dezember weder„ge- zischt und getrampelt" noch„krawallt", sondern ein wohlgeord- neter Vortrag gehalten wurde über die gegenwärtige Volkslage und die bisherigen Kämpfe um Freiheit und Sozialismus in Rußland. Es wurden die Märtyrer des Freiheitskampfes dem Volke in Erinnerung gebracht, die Namen unserer theuren Ge- nassen Tschernyschewsky, Karakosow, der Dekabristen erwähnt und gefeiert. Der Arbeiter, der die rothe Fahne erhob, war kein Knabe(wie es die russischen polizeiergebcnen Blätter lügen), sondern ein erwachsener Mann, der schon wiederholt Politisch gemaßregelt wurde. Die Demonstration ist außerdem nach Ansicht der Theilnehmcr, die auch die unsrige ist, als vor- züglich gelungen zu betrachten, da sie das größte Aufsehen unter der ganzen Bevölkerung machte und wiederholte sympathische Zustimmung bei den Zuschauern und zuhörenden Arbeitern ge- funden, also zur Verbreitung unserer Prinzipien— der sozia- listischcn— beigetragen hat. Dank der musterhaften Dis- ziplin haben wir auch einen noch nie dagewesenen Sieg über die Polizei und ihre Helfer(welche die Menge durch den Ruf: „Die Polen revoltiren!" gegen die an der Demonstration Be- theiligten aufhetzten) zu verzeichnen, indem die Wenigsten von den eigentlichen Veranstaltern in die Hände der Polizei fielen, die Meisten aber durch geschickte Vertheidigung und geleisteten Widerstand der Verhaftung entgangen sind.— Soviel über die Kasan- kirchen-Demonstration. „In Nr. 1 ds. befindet sich weiter eine Notiz über Ent- deckung einer geheimen Gesellschaft unter dem Namen„Krasny Walet" und werden auch an diese Nachricht Bemerkungen wie in Nr. 39 geknüpft. Diese Geschichte mit dem„rothen Buben" beruht einfach auf einen groben, unqualifizirbarcn Witz reaktiv- närer Blätter, indem hier die Entdeckung einer Bande gemeiner Schwindler und Kartenhazardspieler unter obigem Namen ab- sichtlich mit politischen Verhaftungen zusammengeworfen wird. Dies die faktischen Unrichtigkeiten.— Wir können nun nicht umhin, energisch dagegen zu Protestiren, daß der„Vorwärts" sich erlaubt, über Vorgänge in der russischen Bewegung ohne genügende Information seitens der Betheiligten und allein Com- Petenten, sondern einzig und allein nach den Auslassungen notorisch reaktionärer Blätter, wie alle in Rußland erscheinenden «s freiwillig oder unfreiwillig sind, zu berichten. Es erregt außerdem unser größtes Befremden, daß über Vorgänge und Handlungen unserer Parteigenossen der„Vorwärts" sich ein solches, aller Solidarität der Jntereffen sozialistischer Parteien in verschiedenen Ländern hohnsprechendes Urtheil erlaubt, wie es in den qu. Notizen geschehen ist. Ein derartiges Verhalten ist unvereinbar mit der gegenseifigen Achtung, die Sozialisten von verschiedener Taktik und Nation einander schulden." So weit die Zuschrift— der Rest ist nicht für die Oeffent-' doch siegreichen und welterlösenden Ideen des Sozialismus im lichkeit bestimmt. Hätten die Herren Verfasser die betreffende Volke zu verbreiten und zum Durchbruch zu bringen. Sachsen Notiz in Nr. 39 des„Vorwärts" sich genau angesehen, würden und die Reichshauptstadt geben uns ja ein glänzendes Beispiel. sie das alberne Gerede, daß„der„Vorwärts" sich erlaubt(!!) Die gegnerischen Gewaltmaßregeln werden auch in Württemberg habe unterlassen haben. Der„Vorwärts" braucht die den Sozialismus nicht zu ersticken vermögen. Große Ideen „Erlaubniß" der Pseudonymen(jedoch nicht unbekannten) Herren können nicht durch physische Gewalt unterdrückt werden, das hätte „Arbeiter" und„Studenten" nicht, so wenig als er den Rath am deutlichsten Berlin unseren Gegnern gezeigt, wenn sie nicht fivAltrflf Vvtn t"Ct n wr Sl t SI vt /i** rt A» vt S V»* M /■» ri-\ 1 /*r\S"T /V /\v» vrt vt von Personen braucht, die ihrem eigenen Geständniß nach solche„Dummheiten" begangen haben, daß ihnen nichts anderes mehr übrig bleibt, als sich ganz aus dem politischen Leben zurück- zuziehen. Wir sagten in Nr. 39 ausdrücklich:„Wenn der Vorgang so war, wie er erzählt wird— Ob unser in jener Notiz ausgesprochenes Urtheil durch obige „Berichtigung" alterirt ist, das mögen unsere Leser entscheiden. — Die erste Nummer des„Gewerkschafter", Organ für die wirthschaftlichen Interessen der Arbeiter Oesterreichs, liegt vor uns und zeichnet sich ebensowohl durch tüchtigen In- halt als durch gute Ausstattung aus. Möge das Blatt, welches zunächst zweimal monatlich erscheint, in der Arbeiterwelt die günstige Aufnahme finden, welche es verdient. Insbesondere erwarten wir auch von unseren deutschen Parteigenossen oder richtiger von unseren Parteigenossen im„deutschen Reich", daß sie nach Kräften für die Verbreitung des neuen Organs unserer österreichischen Brüder sorgen. Correspoudenzen. Wrag, 20. Januar.„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" ist der Wahlspruch, den alle echten Sozialdemokraten nicht nur auf ihr Banner geschrieben haben, sondern nach welchem sie auch handeln, und welchen Wahlspruch auch wir mit Stolz ancr- kennen und zur Geltung zu bringen trachten. Aus diesem Grunde haben wir vor zwei Jahren zur Versechfiiug der sozia- listischcn Prinzipien das Blatt„Budoucnost"(„Die Zukunft") gegründet, welches dazu bestimmt ist, diese Prinzipien unter den böhmisch redenden Arbeitern zu verbreiten. Unser Programm, welches wir beilegen(S. Politische Uebersicht) ist freilich nicht sehr�scharf ausgeprägt, daran trägt aber der Umstand Schuld, daß es in unserm lieben Oesterreich nicht anders möglich ist, da daselbst jeder freie Gedanke gleich im Keime erstickt ivird. Ja, es gelang uns trotz aller Anstrengungen nicht, die Existenz dieses Blattes vollständig zu sichern, indem uns durch fortwährende Confiskationcn seitens der Behörden(es tvurden bereits 28, also über die Hälfte von den 55 erschienenen> Nummern dieser Halbmonatschrift mit Beschlag belegt!) großer Schaden zugefügt wurde. Vielleicht interessirt sich dieser oder jener Leser des„Vorwärts" für unser Blatt und wendet dem- selben einige Unterstützung zu. Die Adresse ist:„Administration und Expedition des„Budoucnost", Wendische Gasse Nr. 93 lll., Stiege ll, Prag. X. I. Z./ Dürnberg, 22. Januar. Der„Nürnberger An;." schreibt: Gestern früh 11 Uhr spielte die Forfichrittspartei in der Turn- halle ihren letzten Trumpf aus. Es hatte sich eine ziemliche Anzahl Männer eingefunden, darunter nach unserer Schätzung Sozialdemokraten. Nachdem Herr vr. Beckh die Ber- sammlung mit einigen einleitenden Worten eröffnet hatte, trat Herr Herz auf, von einem Theile der Versammlung mit Beifall begrüßt. Wir müssen gestehen, daß die Achtung, die wir bisher Herrn Herz zollten, durch seine Rede gründlich zerstört worden ist. Er beging gleich von vornherein die Taktlofigkeit, 10,000 Wähler in der unsinnigsten Weise zu beleidigen, indem er sagte, der 22. Januar werde für Nürnberg entweder ein Tag des Glücks und der Freude oder unauslöschlicher Schmach sein. (Natürlich großer Beifall vieler„denkender" Männer.) Er goß sodann die Schale seines Zornes über die„Lauen" aus, die das letzte Mal nicht gewählt haben:c., und ritt zum Schlüsse (um ein Bismarck'sches Bild zu gebrauchen) die„Stute Ger- mania" vor, indem er von dem mit dem Blute unserer Söhne und Brüder erkauften deutschen Reich erzählte, das natürlich der mit Blindheit geschlagen wären. Der„Staatsanzeiger für Württeniberg" schreibt die Mißer- folge der nationalliberalen Partei außer der Frage der Gemein- rechtspflege nur den Reichsbahnen(die namentlich Elben erstrebt hatte) den wirthschaftlichen Verhältnissen zu, welche zu einer Beanstandung der herrschenden Wirthschaftspolitik hier und da geführt hätten. Das offizielle Blatt ertheilt übrigens der in dieser Beziehung so anmaßenden Partei zum Schluffe noch den treffenden Ver- weis:„Keine Partei hat ein Vorrecht, national zu sein oder zu bestimmen, wer national ist."(Merkt Euch dies Regierungs- wort, Ihr Liberalen Deutschlands, sonst könntet Ihr bald auf- hören,„persona xrata",„hoch oben" zu sein, und dann ist es mit Eurer Herrlichkeit aus.) Krefeld, 21. Januar. Sonntag, den 7. d. M., hielten wir im Saale des Herrn Schmidt auf„Sommerlust" eine Volksver- sammlung ab. Als Referent war Herr Ferdinand Wcidemann aus Hamburg erschienen, welcher in sehr klaren, verständlichen Worten betonte, wie nothwendig es für die Arbeiter sei, am Wahltage ihre Stimme einem der aufgestellten Arbeiterkandidatcn zu geben, die von anderen Parteien sich unterscheiden, weil sie für die Gleichberechtigung aller Menschen eintreten, und am Tage der Wahl die Stimme eines jeden einfachen Staatsbürgers ebenso viel gelte, wie die Stimme des Fürsten Bismarck oder die Sr. Majestät des Kaisers. Der überwachende Polizcicom- missar ermahnte resp. warnte den Referenten Weidcmannn, Se. Majestät aus dem Spiele zu lassen, welchen Wink der Referent auch befolgte und sich im Rahmen des Gesetzes hielt, die Sta tistik zur Hand nahm und nachwies, wie das Gehalt vom höchsten Staatsbeamten bis zum Schullchrer herab gestellt ist. Er besprach und beleuchtete das Contraktbruchgesctz sowie die Justiz- gesetze. Nach Beendigung seiner klaren, begeisterten Rede sah sich der anwesende Polizeicommissgr veranlaßt, ihn zu arretiren und nach Düsseldorf zu befördern, wo er noch in Haft sitzt. Die „Crefelder Zeitung" veröffentlichte, Weidcmann sei wegen grober Majestätsbeleidigung und wegen Aufreizung zum Klassenhaß an- geklagt. Wir haben in seiner Rede gar keine Beleidigung ver- nommen, und muß ich konstatiren, daß selbst bei seiner Verhaf- tung wie bei Räumung des Lokales die Anwesenden sich niustcr- Haft verhielten und ruhig entfernten. Veichenvach i. V.' Der hier nach den früheren Wahlen vorauszusehende Sieg der Sozialisten hat unsere Gegner arg verschnupft, so daß dieselben daran denken, den schon sehr hoch hängenden Brotkorb noch höher zu hängen, oder besser ganz weg zu thun. Einzelne der größten Firmen haben mit Maß- regelungen begonnen, d. h. hervorragende Sozialisten brotlos gemacht. Dies geht jetzt allerdings sehr leicht, in einer Zeit der Geschäftslosigkeit, und darf man sich nicht wundern, wenn die Herren vom Kapital herausfühlen lassen, daß sie die Er- nährer der Menschen seien und alle Welt zu Grunde gehen müßte, wenn sie nicht wären. In der That scheint dies jetzt so. Daß trotzdem sich der größte Theil der voigtländischen Arbeiter nicht leithammeln ließ, sondern selbständig wählte, ist als geistige That in einer so faulen Zeit zu betrachten und giebt Hoffnung und Vertrauen zu weiteren Schritten. Neben so vielen Unerträglich- leiten werden wohl auch die beliebten Maßregelungen noch mit fortgeschleppt werden müssen; aber die ofterwähnte„Harmonie" zwischen Kapital und Arbeit wird dadurch niemals geschaffen, vielmehr die Kluft zwischen diesen beiden nur erweitert. r. Mainz, 19. Januar. Unser Candidat Most erhielt bei dem ersten Wahlgange 1884 Stimmen, 500 mehr als im Jahre 1874; auch hier machen die Sozialdemokraten Fortschritte.— Bei der gestrigen Stichwahl siegten die vereinigten Liberalen über die Ultramontanen. Der Compromiß- Candidat Oechsncr, Demokrat seligen Andenkens, ging als Sieger aus der Urne böse Grillcnbergcr sofort zertrümmern würde, und dergleichen hervor. AbcndS, am Tage der Stichwahl, hatten die Liberalen rWcMftvjMrTurifpTfpn inpftr um Stp»»* Virtrtr 9iprfrtmmlitrm tm.CSptltrtPti ßtatiV' MN btP iUtaMrßillltlltC ÜßT' in dessen Anschauungen verliert und nicht genügend die Objek- tivität wahrt. Der Sachverständige findet es gar nicht so auf- fällig, daß der Provokat mit seinen maßlosen Anschuldigungen lediglich die Berücksichtigung seiner Gesuche und eine Untersuchung gegen sich herbeiführen will, die ihm zur Erlangung seines Rechts verhelfen soll." Das Gericht erinnert daran, daß Provokat „bereits in eine lange Reihe von Untersuchungen" verwickelt ge- Wesen, und daß er„den letzten Untersuchungen" durch Compe- tenzeinreden sich zu entziehen gesucht hat; endlich, daß seine Schreibweise„in diesem Verfahren"„am wenigsten einen seinen Intentionen entsprechenden Zweck haben kann." Dieser Vorwurf ist doch höchst sonderbar. Bei allen anderen Gutachten haben wir die Objektivität und den Versuch vermißt, den Beschwerden v. Puttkammer's auf den Grund zu gehen. Dort hat das Gericht den Mangel nicht gefunden und hier, wo ein Arzt den Muth hat, auf Grund langjähriger Erfahrungen den mehr oder weniger leichtfertigen Gutachten seiner Vorgänger ein objekfives entgegen zu setzen— findet man es zu wenig objekfiv oder— zu sehr objektiv?— Warum hat wohl das Er- kenntniß die endlose„Kette der Untersuchungen" oder richtiger die endlosen Bestrafungen des Provokaten aufgezählt? Die Wirkung wäre für v. Puttkammer vielleicht eine vernichtende gewesen! Und ist es denn so verrückt, wenn sich Jemand, der sich im Vollbesitz seiner Geisteskräfte weiß, Untersuchungen entzieht, die darauf abzielen, ihn für blödsinnig zu erklären? � Die Verkehrtheit der Anschauung findet das Gericht wie das üiicdizinalcollegium darin,„von der Gnade Sr. Majestät Alles erhoffen zu wollen, während er sich grobe Verletzungen der Ehr- furcht� und schuldigen Rücksicht gegen Sr. Majestät und die ärg- sten Schmähungen der höchsten Würdenträger und trcuestcn Rath- geber der Krone zu Schulden kommen läßt." Die Erfahrung hat gelehrt, daß die besten Menschen nicht immer gute Musi- kanten und die treuesten Rathgeber der Krone nicht"immer die dem Gesetz und der Verfassung schuldige Achtung besitzen! (Fortsetzung folgt.) Gcistreichigkeitcn mehr. Und um diese paar armseligen Gedanken herauszupressen, hatte der gute Mann, dessen Abtreten wüthend beklatscht wurde, sich noch Notizen gemacht! Wcutkingeu, 20. Januar. Das Ergebnis) der württcmber- gischen Wahlen zum deutschen Reichstage steht ziemlich fest. Diesmal gelang es nur noch zwei Württemberger„Preußen", gewählt zu werden, nämlich dem Kammergerichtspräsidcnten v. Höldcr und dem Gerichtshofdirektor v. Huber. Gaupp, der vom letzten Reichstag her noch bekannt ist als Mitglied der Justiz- commission, ist gar nicht wieder aufgestellt worden. Er hat das Vertrauen seiner seitherigen Wähler durch sein Vorgehen ver- scherzt, und Elben bekam in letzter Stunde einen Regierungs- candidaten, Finanzrath Knapp, gegenübergestellt, dem er in seinem alten 4. Wahlkreise mit circa 6000 Stimmen unterlag. Dagegen hat sich eine starke deutsche Reichspartei gemäßigter Schattirung gebildet, welcher Richtung vielleicht 9 der württembergischen Ab- geordneten sich anschließen werden. Welche Stellung diese Man- ncr im Reichstage einnehmen werden, ist noch nicht recht er- sichtlich; Einige von ihnen sind stark partikularistisch gefärbt. Im Uebrigen wurden noch 3 Ultramontane gewählt, die gleiche Zahl wie bisher, und 3 Demokraten, von denen Einer, Schwarz, schon seither Abgeordneter gewesen war. Dann Retter (der aus seiner Stichwahl wohl mit Majorität hervorgehen wird) und Rechtsanwalt Payer. Die Demokraten Württembergs haben ein dem sozialistischen sehr ähnliches Programm. Es ist klar, daß diese Demokraten mit der Zeit in's eine oder andere Lager getrieben werden: entweder ist es ihnen Ernst mit der Gleich- heit, dann werden sie einsehen müssen, daß es eine wirkliche poli- tische Gleichheit ohne soziale Gleichstellung nicht giebt, oder es ist ihnen nicht Ernst mit der Gleichheit, dann fallen sie eben mit den anderen reaktionären Parteien zusammen. Wir werden in wenigen Jahren die gleichen Parteischattirungen und selbst Parteinamen haben in Württemberg, wie im Norden, und dann wird es sich auch herausstellen, ob hinter der Demokratie Württembergs weiter nichts steckt, als die Fortschrittspartei des Nordens. Doch vielleicht kommt auch diese Partei zur Erkennt- niß ihrer, jetzigen Zwitterstellung und steht bei den nächsten ! Wahlen an unserer Seite. Von sozialistischer Seite waren diesmal in fünf Wahlkreisen Kandidaten' aufgestellt: Motteler, Hillmann und Vahlteich. Wenn es auch nicht gelang, einen Kandidaten durchzubringen, so haben wir doch unsere Kräfte gemessen und gefunden, daß in einigen Wahlkreisen unsere Stimmen nach Tausenden zählen. Versammlung im„Heiligen Geist", wo die Wahlresultate ver- kündet wurden. Am Schlüsse der Versammlung brachte ein alter „Auch-Demokrat" auf das deutsche Reich und seinen Kaiser ein Hoch aus. Dann zog man vor die Wohnung des„national- liberal-demokratischcn" Candidaten, der nicht„niederreißen will, was Andere aufgebaut", und sang die„Wacht am Rhein".— Das Mäntelchen der hiesigen bürgerlichen Demokraten ist ge fallen; sie haben sich als Nationalliberale vom reinsten Wasser entpuppt. Mülöeim a. Zli)., 19. Januar.„Wcidemann ist verhaftet!' so schallte es theilnahmvoll am Tage der Wahl aus jedem Munde, denn während seines kurzen Hierseins hatte derselbe sich die größten Sympathien erworben, besonders bei den Klein- bürgern. Dies verdankte er hauptsächlich seinen ausgezeichneten Referaten in den letzten Versammlungen, wo er seine Candi- datenrede hielt, und selbst Professor Endcmann, der liberale Wortführer, ihm nicht entgegenzutreten wagte.— Mit den Er folgen bei der Reichstagswahl können wir hier zufrieden lein. Im Ganzen erhielt unser Candidat Wcidemann 635 Stimmen, der ultramontane Candidat Hamm 9890, und Bürgers, Appel- lationsgerichtsrath a. D., 7075 Stimmen. Zieht man nun in Betracht, daß wir zum crstcnmalc in's Feld zogen und nur im Kreise Mülheim agiliren konnten, dagegen die Hauptkrcisc Gum- mcrsbach und Wipperfürth, zwei Fabrikorte, liegen blieben, weil unsere Agitation etwas spät in Fluß kam, so ergiebt sich eine Stimmenzahl, wie sie sich sicher unsere Gegner nicht gedacht haben. Dies jedoch steht fest, daß im hiesigen Wahlkreis bei einer kraf tigen Agitation ein Rcichstagssitz zu erobern ist, wenn z. B. Gummersbach, wo eine durchweg protestantische Bevölkerung ftt, die Arbeiter sich aber noch im Schlepptau der Liberalen befinden, einigermaßen bearbeitet würde. Es mag dies als ein Sporn zu neuer, kräftiger Agitation dienen. Von Zuwider- Handlungen gegen Wahlreglcments und Beeinflussungen wifien wir auch ein Licdchen zu singen. In einem Bezirk tvurden die Arbeiter colonnenweise zur Urne geführt, und blieben die Führer resp. Meister so lange dabei stehen» bis die Arbeiter die ihnen eingehändigten Stimmzettel abgegeben hatten. Zwei liberale Herren rissen vielen ihrer Arbeiter die Stimmzettel imt Weide- mann's Namen aus der Hand und händigten denselben mit „Bürgers" beschriebene ein mit den Worten: Den wählen Sie. Jedenfalls wird Protest erhoben, da dies hier Erzählte mit Zeugen bewiesen werden kann. Erfreulich hier am Orte ist, daß der„Culturkampf" nichtjnehr recht ziehen will, indem die Iii �llnuekl-CVUbJUttHsUl UII|CIC Wlimmtu UUUI �UU(UIUUI I Cup VE».'• C 44 iv* Vm<» s,PI Wenn man bedenkt, daß Württemberg kein so industrielles Land � Ultramontanen über 1500 Stimmen weniger hatten, Nie v ist, wie z. B. Sachsen, und daß die Agitation noch neuen Da- der vorigen Wahl, und unsere stimmen hauptsachlich tums ist, kann man für die nächste Rcichstagswahl mit ziemlicher rikalen abgerungen sind. � � �___ Eltern holen, er wolle für sie wählen gehen. Als die Kinder nun die Stimmzettel gebracht, behielt Herr Fleischer diese Lieb-. knechtszettel und gab den Kindern Uhlmannszettel mit dem Be- merken, die Eltern der Kinder sollten diese Zettel hin zur Urne tragen.— In Luga» holte ein Kontroleur die Stimmzettel für Liebknecht wieder ab und gab Uhlmann'sche dafür.— Tanz-\ musik und Sauferei war an allen Orten in Aussicht gestellt, wenn die Arbeiter Uhlmann wählten. Viele mögen bethört worden sein, indessen bei der Mehrzahl ziehen dergleichen Mittel nicht mehr— auch die der Lüge und der Verleumdung nicht! Friedrich Frenzel. Dessau, 23. Januar. Der Wahlkampf ist nun beendet, es wurden im Ganzen im 1. Anhaltischen Wahlkreis 13,218 Sttm- abgegeben, davon fielen auf v. Cuny(nationalliberal) 10,032 auf unfern Candidaten Bruno Geiser 2365 und auf den fort- schrittlichen Candidaten 824 Stimmen. Wie fast in allen Wahl- kreisen, so haben auch hier am Tage der Wahl die liberalen Herren die Wahl als eine freie behandelt, das heißt wie sie überall die Freiheit verstehen. Obgleich wir hier in der Stadt Dessau über nichts in den Wahllokalen zn klagen haben, so doch desto niehr in anderen Orten. Am Tage der Wahl war Parteigenosse Klotz in Raguhn, um dem Wahlakt dort mit beizu- wohnen, jedoch kaum hatte er das Wahllokal betreten, als sel- biger von einem Herrn, der mit am Wahltisch saß, aufgefordert wurde, sofort das Lokal zu verlassen, widrigenfalls er durch Polizei hinausgeworfen werden würde. Als nun die Wahl vorbei war, ging Klotz abermals in das Lokal, um der Sttmmenzählung mit beizuwohnen. Als selbigen der Wahlvorsteher gewahr wurde, hörte der Herr mit dem Zählen auf, und fragte, ob sämmtliche Anwesende Ortsangehörige seien; nun richteten sich Aller Augen auf Klotz und der Ruf erschallte: raus mit den Spionen! Gleich waren die Anwesenden mit Hilfe der Polizei beschäfttgt, diesen hinaus zu bringen. Nun wundert sich jeder Mensch, daß wir in Raguhn nur 6 Stimmen erhalten haben, wohingegen wir bei der vorigen Wahl 50 Stimmen hatten und in Raguhn Sonntag vor der Wahl eine Versammlung war von circa 200 Mann, die die schönsten Hoffnungen versprach. Als in dem Dorfe Tarten bei der Zählung Geiser die Majorität hatte, sagte Förster Krieger gleich im Wahllokal zu den Leuten, die bei ihm im Busch arbeiten: weil Geiser die Majorität hat, sollen Euch 25 Pfg. per Tag abgezogen werden, was auch schon geschehen ist. In der Zuckerfabrik Klepzig hat ein Vorgesetzter mehrere Wähler zu sich citirt und gesagt: weil Ihr Geiser gewählt habt, könnt Ihr nächstes Jahr keine Arbeit mehr bekommen, und so an vielen Orten mehr. Das nennt die Welt noch eine fteie Wahl! Ueber Dessau kann der„Anhaltische Staatsanzeiger" gar nicht fertig werden, daß die Sozialdemokraten seit der vorigen Wahl um 60 pCt. zugenommen haben, und das in einer Stadt, wo bereits Alles von Beamten abhängt! Noch Eins ist zu be- merken. Als am Tage vor der Wahl(so erzählte mir ein Fort- schrittsmann) unser Candidat Geiser vor einer nahezu 1000 Mann starken Volksversammlung, in welcher auch viele Gegner anwesend waren, zu Aller Zufriedenheit sprach, hatten diese solche Angst bekommen, daß sie alle Hebel in Bewegung gesetzt haben, damit die Fortschrittler v. Cuny wählten, sonst käme der Sozialdemokrat durch. Dadurch hat der Fortschrittsmann Träger in Dessau nur 55 Stimmen erhalten, wo bereits das Comitä so stark war, und wir hatten 800 Stimmen. An uns liegt es nun, Parteigenossen, von neuem alle Orte zu bearbeiten und so bald als möglich ein Blatt zu gründen, damit wir diese elenden Verleumdungen, die man uns tagtäglich in's Gesicht schleudert, nicht immer so ruhig hinnehmen müssen. Wcnu auch die Gegner tagtäglich ausposaunen, man wolle uns ossxn gegen- über treten, so ist das nur eine Phrase, denn so oft wie wir sie schon aufgefordert haben: die gelehrten Herren von Dessan hatten sich noch nie getraut, uns auch nur einmal gegenüber zu treten. Selbst der Reichstagsabgeordnete v. Cuni, von dem sie heute wieder schreiben, daß er das Programm der Sozialdemo- kraten so glänzend widerlegt hat, auch dieser erlaubte nur Fragen zu stellen bei einer Redezeit von 8 Minuten! Wenn auch un- sere Gegner jetzt jubeln und schreiben, kein Land habe seine Reichstreue so bewährt wie Anhalt: Nützt alles nichts! Sie wer- den wieder kommen, die Sozialdemokraten, immer wieder kommen — und eudlich siegen!___ Wiesbaden.(Allgemeiner deutscker Töpferverein und Berufsgenossen.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Ausschluß hier beendigt und gescheitert ist, indem sich nicht Alle daran belheiligten und Einzelne zu Kreuze gekrochen sind, ich und noch ein College gemäß- regelt. Es löste sich daher der Vorstand auf, und zwar durch das prinzipwidrige Betragen Einzelner. Deshalb ersuche ich so schnell wie möglich Vorschläge für einen neuen Vorort zu machen und mir zu- kommen zu lassen. Alles Nähere brieflich. Auch ersuche ich die Col- legen, mir eine Stellung als Werkstattarbeiter.zu besorgen, am liebsten auf Bauornamente. Mit collegialischem Gruß Jos. Schweis, Dotzheiinerstr. 41. Husum, 22. Jan. Zum Wahlfonds sind an freiwilligen Beiträgen eingegangen: 1. Rate durch Koopmann 37,59; 2 Volksversammlungen 16,71; d. Wagner(Bredstedt) 12,10; d. Drews(Tondern) 15,00; d. Bartels(Friedrichstadt) 13,00; d. Tychsen(Leck) 3,00; d. Hirschfeld (Husum) 11,50; 2. Rate d. Koopmann 9,90; d. Steensen 5,70; d. Bald- auf 1,60; Sa. 131,10. Ausgaben: Für Agitation 25,40; Hirschfeld für Verbreitung der Stimmzettel 15,00; Versammlungslokal- Miethe 6,00; Stimmzettel und Flugblätter 60,00; Geib zur Unterstützung der engeren Wahlen 8,00; Brief- u. Packet-Porto, Ankleben der Plakate, Papier und Versammlungskosten 16,70; Sa. 131,10. H. Steensen. I. Koopmann. HL. Das„Hamb.-Altonaer Volksbl." wird um Abdruck gebeten. gegeben werden.— Hrn. N. N., der mir die Wahlunregelmäßigkeiten aus Obergräfenhain bei Narsdorf gemeldet hat, wird gebeten s» rasch als möglich seine Adresse an mich gelangen zu lassen. Geiser. — Hrn. C. M. in Schalke: Wenden Sie sich gefälligst an Herrn Dr. Specht in Gotha in der angeregten Angelegenheit. der Expedition. Fritz Gr. Ff. a. M.: Schriften folgen. Kosten 4,55. Fehlen noch 1,60 für 1. Qu. der„N. W.". Cassa erbeten. Die Parteigenossen aller Wahlkreise, in denen bei der so eben beendigten Rcichötagswahl soziallstische Stimmen abge- geben wurden, ersuchen wir um schleunige Mittheilung der Zif- fern, damit wir in den Stand gesetzt werden, eine vergleichende Wahlstatistik aufzustellen. Redaktion des„Vorwärts�. Quittung. N. Mrv Paucsowa Ab. 1,60. Brnr Zwickau Schr. 3,50. Maurer- und Sieinhauerbund hier Ann. 0,60. Schltr Dresden Schr. 70,50. Mrtn Schmölln Ab. 2,25. Ullrch Offenbach Ab. 16,00. Mckn Düsseldorf Schr. 23,05. Expedition der„Fr. Presse" Cöln An. 1,30, Schr. 17,50. Rwr Cöthen Schr. 9,00. Snft Sarau Ab. 4,80. Lndmnn Einbeck Schr. 1,10. Mllr hier Ab. 2,40. Schmdt Bischofsgrün Ab. 1,60. Drr. Brüssel Schr. i7,00. Quittung. Nochmals(s. Nr. 6) 200 Mark für Wahlzwecke von Dr. M. erhalten und an das Centralwahlcomite in Hamburg(Geib) geschickt; von Rechtsanwalt F. in zwei Raten(ä 150 M.) 300 Mark für Wahlzwccke erhalten und nach Wunsch des Gebers verwandt. Leipzig. W. Liebknecht. Wahlfonds. Liste 4? d. F. Ulbrich 1,50. Liste 49 d. K. Findler i. Sellerhausen 3,80. Gesammelt d. Cigarrenarbeiter Nitzsche 1,77 v. Vergoldergehilfen 2,00 d. Nitzschmann Ueberschuß v. der Wahl 1,00. In Nr. 11 des „Vorwärts" in der Quittung muß es heißen: Gemeindeverein Conne- witz 6,00 statt Lindenau. Von der Cigarrenfabrik Lutterbeck u. Fiedler d. Roth 2,60. Hartm. Gohlis Familiensammlung 2,00. Club Morgen- roth hier 0,50. Wtzlwk Erbach 1,50. Liste 95 d. Ksk Plagwitz 0,50. C. Mr. Bern 8,06. Mßbch Elstra von dortigen Gesinnungsgenossen 5,00. Nrt hier 3,00. H. 3,00. Für das Centralwahlcomitö: P. Krebs. Verein der Töpfer und BernfSqenossen. opUUlvUlVj, Donnerstag!, den 1. Februar 1877, bei Herrn H ü b n er, große Rosenstraße 37: Geschlossene Mitglieder-Versammlung Tagesordnung: 1) Forlsetzung der letzten Tagesordnung. 2) DiS- kusfion über die neue Gewerkschafisfahne.(60 Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ersucht alle Mitglieder am Platze zu sein G. Klaws. Arbeiterbildungsvcrcin.' Mittwoch: Vortrag von Hrn. N— Sonnabend Vortrag von Herrn Melzer über Naturheillehre.[3® QptVmtt Donnerstag, den 1. Februar, Abends' 29 Uhr, im „Thüringer Hof", Burgstr. 20: Oeffentliche Sozialistenversammlung. Tagesordnung: Die Resultate der Stichwahlen. Ref.: Kunschmann. Die direkte Gesetzgebung. Vortrag von Nauert. ___ Der Agent.[70 O/ji'MJtTT Mittwoch, den 31. Januar, Abends VaS Uhr, im -v-Vls-giy» Arbeiterbildungsvercin: Sitzung des CentralwahlcottliteS. Tagesordnung: Bericht der Revisoren.(60 Die Mitglieder des Kreiswahlcomitös sind dringend eingeladen. ____ Der Porsitzende. Parteigenossen in Alten bürg, Zeitz, Wcißcnfels, Eilen bürg, Delitzsch, Bitterfeld, Apolda. Würzen, Oschatz und Plauen werden ersucht, Unterzeichneten Adressen von Holzarbeitern zukommen zu lassen, behufs Gründung von Mitgliedschaften für die Gewerkschaft der Holzarbeiter. R. Willecke, Preußergäßchcn 10 II. in Leipzig. Sämmtliche Jahrgänge des„Demokratischen Wochenblattes"�ünd des„Bolksstaats" gebunden sind zu verkaufen.(30 C. Schcrzer, Leipzig, Slernwartenstraße 11, 4 Tr. Notiz für die Flensburg er Parteigenossen." Unterzeichneter empfiehlt sich den Parteigenossen und verspricht in jeder Beziehung prompte und reelle Bedienung.(1,20 Nord. St�Jürgen 193� Beruh. Kutschbach, Schneidermeister. Marie, Sonntags-Nummer versp. Brief liegt Hauptpostamt Berlin. _[30 Den Abonnenten der„Neuen Welt" zur Nachricht, daß wir durch die unumgänglich nöthigen Arbeiten zu den Stichwahlen noch immer nicht im Stande waren, ganz auf's Laufende zu kommen. Die Ursache der Verzögerung wird uns gewiß entschuldigen. Heft I soll im Laufe dieser- Woche bewältigt werden. Leipzig, den 27. Januar. Verlagshandlung u. Genosseuschastsdruckerei. Zu den Reichstagswahlen. Engere Wahlen. Dresden: Bebel 10,837, Mayhoff(nat.-lib.) 9920 Stimmen. Berlin(3. Bez.): Herz 9809, Rackow 4940 Stimmen. Breslau(Ostbez.): Lasker 9929, Bäthke 7816 Stimmen. Breslau(Westbez.): Hänel 10,529, Kräker 7124 Stimmen. Offenbach: Liebknecht 10,591, Dernburg(nationalliberal) 11,900 Sttmmen. Magdeburg: Bracke 6471, Unruh 10,430. Hanau: Frohme 9640, Weigel(nat.-lib.) 10,015 Stimmen. Freiburg-Waldkirch: Bücklin(nat.-lib.) 9643, Neumann(ult.) 9634 Sttmmen. Waldenburg: Kapell 7512, Fürst Pleß 9365 Stimmen. Annaberg: Holtzmann(nat.-lib.) ca. 6000, Breckfeld(cons.) ca. 5000 Stimmen. 20. sächs. Wahlkreis: Wiemer mit ca. 6000 von Brockhaus mit ca. 8000 Stimmen geschlagen. 5. württembergischcr Wahlkreis Eßlingen: Retter(Fortschr.) gewählt. Freiberg: Penzig(nat.-lib.) 7134, Fritzsche 6491 Stimmen, n BERLIN, SO., Kaiser Franz-Grenailier-Platz 8a. Briefkasten der Redaktion. G. S. in Plagwitz: Ihre Bestellung besorgt die Expedition. Zu unserm Bedauern können wir zur Zeit von ihrer Ein- sendung keinen Gebrauch machen; Correspondenzen über OrtsverhälMisse wären uns jedoch sehr willkommen.— K. in t,: Sendungen erhalten.. Nächstens Näheres brieflich. Weitere Beiträge willkommen.— X. Y. in Glarus: Unter Bezugnahme auf die im September Ihnen ertheilte! Auskunft ersuchen wir Sie um Angabe Ihrer Adresse.— Lbilosopbu� � quiUam in Königsberg: Die Engels'schen Artikel über Dühring werden l nach Veröffentlichung im„Vorwärts" als besondere Schrift heraus-. Zur � vV h. Uober-<>'.« nähme von � � �Druck- Auftrugen � � ''jeeler Art uml jeden � Umf-ug«,»1». Zeitungen,\ Oy. 9 £ /Zeitschriften, Werke,% � y�ren, Statuten etc. empfiehlt«ich diex � Allgemeine Deutsche Associatioiis- Buchdmckerei/ (Eingetragene Genossenschaft)/ unter Zusicherung prompter u. rcelleiy Bedienung bei soliden Preisen,>> \ 4�>. Dzmpikraft-Botrieb a. Doppel-�'£ es Schnellpresse.— Xcci- S �, � �Vdeuzen jeden Genres �' � Karten, Circu- S£ f �*0 Xlaire,ATi«eX � Vkw BERLIN, SO., Kaiser Franz-Grenadier-Platz 8a. B-rantwortlicher Redakteur: SB. Hasenclever in Leipzig. Redaktion und Expeditton Färberftraße 12/11. in Leipzig. Ziruck und Verlag der GenossenschaftSbuchdruckerei in Lnpzi�