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Die genauen Ziffern über die jetzige Stärke der Parteien im Reichstag liegen allerdings noch nicht vor, werden aber in nächster Nummer veröffentlicht werden können. Die Sozialdemokratie hat 13 Sitze erlangt— 10 am 10. Januar, 3 in den Stichwahlen— also 4 mehr als bei den Wahlen von 1874. Die Gesammtzahl der für unsere Candidaten abgegeben Stimmen läßt sich noch nicht feststellen; gewiß ist, daß sie, auch wenn wir den bei den Stichwahlen für unfern Candi- baten erzielten Stimmenzuwachs nicht ausschließlich auf Rech- nung unserer Partei setzen, mindestens 600,000 beträgt. Die einzige Partei, welche außer der sozialdemokratischen, einen Fortschritt aufzuweisen hat, ist die conservative— die sogenannte„Volkspartei", die blos lokaler Natur ist, ebenso die „Partikularisten", rechnen wir nicht zu den Parteien— sie hat einige 20 Sitze gewonnen, während die Nationalliberalen und Fortschrsttler an dreißig{falls das noch unbekannte Resultat zweier Stichwahlen den Nationalliberalen günstig ist: 28) Sitze verloren haben(die Fortschrittler 3, die Nationalliberalen den Rest). Die„Volkspartei" hat 4 Abgeordnete, statt des früheren 1» und die„Partikularisten" haben gleichfalls 3 Sitze mehr. Centrum und Polen sind genau auf dem alten Stande geblieben. Die 15 Elsaß-Lothringer lassen sich in keine der eigentlichen Parteien einfügen. Der Schwerpunkt des Reichstags ist, wie man sieht und wie die Eon- servativen triumphirend vermelden,„nach rechts verschoben" wor- den, was uns Sozialdemokraten sehr gleichgültig ist, da das Ja, welches ein Nationalliberaler auf Befehl des Fürsten Bismarck spricht, sich in seiner Wirkung nicht von dem Ja unterscheidet, welches der Conservative aus eigenem Antrieb spricht. Wenn man bedenkt, daß die Vertreter der Sozialdemokratie auch im neuen Reichstag nur eine winzige Minorität bilden, und daß höchstens ein Zehntel der gesummten Wählerschaft für sozialdemokratische Candidaten gestimmt hat, so kann man auf den ersten Blick nicht recht begreifen, warum unsere Wahlerfolge den herrschenden Klassen und Parteien so in die Glieder ge- fahren sind und ihnen einen fast komischen Schreck eingejagt haben. Bei genauerer Prüfung erscheint der Schreck freilich sehr wohl begründet. In der heurigen Wahl haben die Gegner ihr Möglichstes ge- than, um unsere Partei zu erdrücken. Jeder, der den Wahl- kämpf mitgemacht hat, wird uns beipflichten, wenn wir sagen, daß seitens der Gegner weit planvoller und intensiver gearbeitet worden ist als je zuvor. Beeinflussungen durch die Behörden, durch die Arbstitgeber, reiche Kunden u. s. w. sind stets vorge- kommen, aber niemals so inassenaft wie diesmal.„Massenhaft" ist nicht genügend— die Beeinflussung von Oben war allge- mein, und es wurde in der offensten, rücksichtslosesten Weise zu Werke gegangen. Das„Wahlgeheimniß" hat sich vollständig illusorisch er- wiesen; die Borschriften des Wahlreglemcnts erfüllen ihren Zweck durchaus nicht, oder, wenn sie ihren Zweck erfüllen, ist es nicht der, die Geheimheit des Votums zu sichern. Es gibt keine zwei Sorten„weißes" Papier, die einander an Farbe ganz gleich wären; die eine spielt ins gelbliche, die andere in's bläuliche:c. Und wie groß ist nicht die Verschiedenheit in Bezug auf Dicke, Glätte, Festigkeit des Papiers. Dazu kommt, daß über das Format der Wahlzettel keine Bestimmung vorliegt. Kurz, in den meisten Fällen ist es den Mitglieder» der herrschenden Klassen, welche die Wahllokale besetzt halten, ein Leichtes, trotz Abwesenheit der im Wahlreglement erwähnten„äußeren Kenn- zeichen", den Wahlzetteln anzusehen und anzufühlen, ob sie den Namen des„richtigen" Candidaten enthalten oder nicht. Es tvird eine der nächsten Aufgaben unserer Vertreter im Reichstag sein, diesen Mißstand zur Sprache zu bringen und für die Ein- führung von Wahlzettel-Couverts zu wirken. Thatsache ist, daß unsere Gegner die Mangelhaftigkeit des Wahlreglements aufs schaamloseste ausgenutzt und dadurch einen Druck ausgeübt haben, dem zu widerstehen es eines hohen Grades von Energie und Opferwilligkeit bedurfte. Und das war nicht das Schlimmste. Ueberall, wo die Sozial- demokratie ernsthaft sich an dem Wahlkampf betheiligte und Aus- ficht auf Sieg hatte, wurden Flugblätter und Flugschriften, die unsere Partei infam verläumdeten, über unsere Bestrebungen und unsere Wortführer die lächerlichsten und niederträchtigsten Lügen aussprengten, zu Hunderttausenden verbreitet. Kein Wirthsaus, keine Hütte, die von dieser Schmutzliteratur verschont geblieben wäre. Und trotzdem diese Zunahme sozialdemokratischer Wähler! Das ist, was unsere Gegner verblüfft, erschreckt hat. Metho- bischer beeinflussen, unverschämter lügen, systematischer die Lügen verbreiten, als sie es diesmal gethan haben, das können sie ein- fach nicht; und was sie gethan haben, es war umsonst, hat nicht verhindert, daß wir 75 Prozent mehr Wähler auf unserer Seite haben, als vor drei Jahren. Rur � einer Provinz sind diese Machinationen nicht wir- lungsloS gewesen: in Holstein. Dort hat die Zahl der für uns abgegebenen Stimmen nicht zugenommen, vielleicht sogar ab genommen, und einer der beiden Wahlbezirke, die wir 1874 erobert,>st uns verloren gegangen. Dies mag bedauerlich sein, wird aber'Niemand wundern, der die dortigen Verhältnisse kennt. v«rle r111 kie Schilderungen in Liebkuecht's„Zur Grund- und BodcnfrageN Die ostholsteinischen Landarbeiter sind in Wahrheit Leibeigene, mit denen die Grundbesitzer, wie mit chrem sonstigen„Eigenthum",„machen können was sie wollen". Nach der Wahl von 1874, die für uns so günstige Resultate «D a rächten sich die Grundbesitzer durch zahlreiche, grausame -vcaßregelungcn für die erlittene Niederlage, den ausgestandenen Schreck. Die Maßregelungen haben fortgedauert bis in die neueste Zeit, und vor den Wahlen hieß es: wir haben Euch mit Ruthen gezüchtigt, weil Ihr 1874 die Frechheit hattet, von Eurem Wahlrecht freien Gebrauch zu macheu; wir werden Euch mit Skorpionen züchtigen, wenn Ihr Euch abermals an uns vcr- geht! Und Tausende der unglücklichen, ihren„angestammten" Guts- Herren auf Gnade und Ungnade überlieferten Landsklaven konnten ihr Ohr der Drohung nicht verschließen— der Hunger thut weh, namentlich der Hunger der Kleinen, die um Brot schreien, und die Aussicht, mitten im Winter mit Frau und Kind, des Obdachs beraubt, auf die Straße geworfen zu werden, !läßt auch ein starkes Mannesherz nicht ganz unerschüttstrt. Unsere Feinde werden sich bald überzeugen, daß itmn durch Drohungen wohl ein paar Tausend Leibeigene von der Wahl- urne fernhalten, den Sozialismus jedoch ihnen nicht aus der Brust reißen kann. Was unsere Gegner aber am meisten erschreckt hat, das sind � die unerwarteten Stimmenzahlen, welche in den großen Städteu � und— Holstein abgerechnet— auf dem flachen Lande für ! unsere Candidaten abgegeben worden sind. Berlin, Hamburg, Dresden, Altona, Bremen, Braunschweig. Chemnitz, Offenbach, ! Nürnberg, Hanau, Barmen, Elberfeld, Breslau, kurz die mefftcnCentren der Intelligenz und der Industrie haben durch Majoritäten oder „kolossale Minoritäten" für den Sozialismus Zeugniß abgelegt; und die Bauernbcvölkerung hat fast überall die lebhafteste Em- pfänglichkeit für die Lehren des Sozialismus bekundet. Wir übertreiben nicht, wenn wir sagen: mit wenigen Aus- nahmen, die in den wirthschaftlichen Zuständen begründet sind, hat der Sozialismus überall Wurzel gefaßt, wo der Boden geschickt bearbeitet und guter Samen ausgestreut wurde. Nir- gends vermochten die Gegner uns in ehrlichem Kampf zu überwinden. Die Orte, in denen wir wenig oder keine Stimmen haben, sind fast ausnahmslos solche Orte, in die wir bisher entweder aus Mangel an agitatorischen Kräften, oder weil man uns durch allerlei Kniffe, zum Theil durch offene Gcwaltthat, die Abhal- tung von Versammlungen, überhaupt die Agitation unmöglich machte, nicht vor das Volk hintreten konnten. Uns wie unseren Gegnern hat die letzte Wahl gezeigt, daß die sozialistische Propaganda unwiderstehlich, und daß die Macht der für uns sprechenden Thatsachen weit größer ist, als die Macht der gegen uns in's Feld geftihrten Lügen. Tie Gegner gestehen ihre moralische Niederlage, ihren gei- stigen Bankerott auch ein, indem sie sich ängstlich mit der Frage beschäftigen, durch welche Abänderungen der heutigen Gesetze die sozialistische Bewegung einzudämmen oder ihr wenigstens mo- mentan die Spitze abzubrechen sei. Beschränkung des Wahl- rechts, Strafgesetznovelle, Verlängerung der Legislaturperiode von 3 auf 7 Jahre d. h. Hinausschiebung der schon jetzt heillos gefürchteten nächsten Reichstagswahl bis zum Jahre 1884{und hilft Bismarck bis dahin, dann hilft er viel- leicht auch weiter!)— das sind Strohhalme, nach denen die Versinkenden in ihrer Angst greifen. Mögen sie thun, was sie nicht lassen können. Die sinnlosen Anstrengungen der Ertrin- kendcn führen bekanntlich den Tod nur um so sicherer und rascher herbei. Auch wir werden thun, was wir nicht lassen können, und schließen mit den Worten, die wir unseren Gegnern schon früher einmal zuriefen: Thut Euer Schlimmstes, es wird unser Bestes sein Amerikanische Arbeiter-Verhältnisse. In den Nummern 2, 3 und 4 des„Labor Standard" von diesem Jahre theilt ein ungewöhnlich wohlunterrichteter Mit- arbeiter{unter dem angenommenen Namen Midleton) That- fachen über das„Trucksystem" mit, welches in Neu- England, be- fonders in der Baumwoll-Jndustrie, ausgedehnt sich eingenistet hat. Wir fassen dieselben kurz zusammen, indem wir ihre Glaub- Würdigkeit verbürgen. Hiernach sind bereits die Mehrzahl der Spinn- und Web- Fabriken in folgender Weise eingerichtet. Der Eigner— häufiger ein Rattenkönig reicher Familien, welche auch die Gesetz- gebung beherrschen, als ein einzelner Mann— besitzt ein ganzes Stadtgebiet an einer Eisenbahn. Hier duldet er keine andern Gebäude, als die seinigen, kein anderes Grundstück als seine eigenen, keine Einwohner als seine Helfershelfer und seine Arbeiter. Ihm gehören die Kirchen und die Geistlichen, die Schulen und die Lehrer, die öffentlichen Gebäude und die Ge- meindebeamten, die Wirths- und Kosthäuser sammt den Wirthen. Ihm gehört natürlich auch das riesige Fabrikgebäude und sämmt- liche Arbeiterwohnungen; ihm die Kaufläden des Ortes— in_____________ y H......................... der Regel nur einer für jede Firm— und die Verwalter der- j pe'lte freudlose Jugend und die auf' den Kirchhöfen selben, welche auch zugleich die Postmeister sind. Das Aussehen zahlreichen Menschenopfer jedes Alters und Geschlechts kennen der Ortschaft ist mchrentheils freundlich und für Durchreisende gelernt, man muß die fruchtlosen Versuche mit erlebt haben, bestechend— aber welche Hölle inwendig! Tie Arbeiter be- dieser an die Scholle gebundenen Bevölkerung von feiten der kommen Geld kaum je zu sehen. Durch die Niedrigkeit der Arbeiterpartei von außerhalb Hilfe zu bringen; man inuß die Löhne einerseits, durch die Preise der Miethen, der Kost in den durch fast gänzlichen Mangel«n Erziehung verwahrloste, aus Kosthäusern, der Maaren in den Läden, welche alle nach vollem den hilflosesten Familien sich rekrutirende Bevölkerung genauer Belieben vom Eigner festgesetzt werden, ist dafür gesorgt, daß kennen und wissen, daß Alles ringsum durch den allgewaltigen hübsch Alles Null für Null beim Arbeiter aufgeht,.sollte man Einfluß des Kapitals gegen sie verschworen ist, um zu begreifen, ihm selbst mit doppelter Kreide anschreiben müssen, oder die daß Verzweiflung oder stumme Ergebung ihre vorwiegende Löhne zweckmäßig herabsetzen. Die Arbeitszeit ist 13{dreizehn) Stimmung ist. Einen Begriff von' der Entmenschung dieser Stunden täglich, selbst für Frauen und ältere Kinder. Sollte Kohlen-Lords, welche für die geschilderten Zustände verantwort- der Arbeiter sich gegen irgend eine dieser Unbilden auflehnen, so lich sind, gibt die Tbatsache, daß die Unglücksfälle in den Minen muß er den Ort sogleich verlassen, und wird schwerlich in einer im Vcrhältniß zur Arbciterzahl noch zahlreicher als in England ähnlichen Fabrik Annahme finden; einer Familie werden{ihre sind, obwohl die AnthrazittMe bei weitem weniger explosive Hausgeräthe vor die Thür gesetzt, und die Polizei spedirt sie Gase, Stickgase und brüchig Hängendes erzeugt und obivohl vor über das Gebiet des Eigners. Es wird ihnen zwar gnädig er- zwei Jahren die Arbeiter von der Legislatur ein leidliches Ge- laubt, ja zugemuthet, in eine der vorhandenen Kirchen zu gehen und ihre Kinder in die vorhandenen Schulen zu schicken; sie dürfen auch bei Staats- und Unionswahlen für die Candidaten stimmen, welche ihnen anbefohlen werden, sowie Bittschriften unterschreiben, wodurch die Gesetzgebung zu Gunsten der Herren beeinflußt werden soll. Allein wehe ihnen, wenn sie sich dessen weigerten, oder Versammlungen im eigenen Interesse abhalten, oder Gewerkschaften stiften wollten! Verdächtige Briefe oder Zei- tungen werden auf dem Postaint unterschlagen oder thunlichst verspätet; verdächtige Arbeitsleutc, welche gcheinie Agitatoren sein könnten, werden so überwacht, daß sich kein Arbeiter getraut, in ihrer Gesellschaft gesehen zn werden, geschweige denn ihnen ein Nachtquartier zu geben, oder Briefe mit ihnen zu wechseln, oder Arbeiterzeitungen zu halten. Beschwerden bei den Staatsbehör- den sind erfolglos, bei der Gesetzgebung kommen sie kaum noch vor. Die Knechtschaft ist so vollständig, daß alle Widerstands- versuche unmöglich genannt werden müssen, weil eben nur die feigsten und hilflosesten Arbeiter am Orte bleiben— und an solchen fehlt es niemals in genügender Menge. Nach diesem Muster werden nun vollends die übrigen Fabriken von Neu-England eingerichtet iverden. Während des letzten Jahres ist dies nahezu in Fall River, einer Stadt von 40,000 Einwohnern, gelungen. Bald werden die noch übrigen Spinn- und Web-Städte wie Lawrence, Lowell, Manchester ic. folgen; denn da dort von Anfang an fast aller Grund und Bo- den den Gründern gehört hat, ist der Schritt leicht, und für die Austreibung widerspensttger Arbeiter ist bereits gesorgt. So lösen wir hierzulande die vertrackte soziale Frage. Und das in genau demselben Lande, worin vor 30 Jahren nvch das Paradies der Lohnarbeiter, und der gute Wille der Arbeit- geber vorherrschend war, die Lohnarbeiter immer höher zu heben. In Penusylvanien werden demnächst zwölf Kohlen- gräber auf einmal gehängt. Dies ist eine andere amerika- nische Art, die soziale Frage zu lösen, welche mit der obigen jetzt verbunden wird. Diese zwölf sind von den Meschwornen des Mordes eines Beamten und der Bcischwörung zuni Morde anderer schuldig gefunden worden und die Verschwörer sollen sich „Molly Maguires" genannt haben, und zu ihnen sollen alle 50,000 Kohlenarbeiter Pennsylvaniens diesseits der Alleghanies gehören. Um sie zu verhaften und zu Prozessiren, wurde die ganze Staats-Miliz der umliegenden Grafschaften aufgeboten {voriges Jahr) und ein Mitverschworner durch Zusicherung der Straflosigkeit{und wessen sonst?) zum Staatszeugen erkauft. Wir wissen nicht, ob und inwieweit die Zwölf schuldig sind; aber das wissen wir, daß, wenn sie es sind, die Kohlen-Lords mit ihren Helfershelfern es zehnfach sind. Diese engen, abgelegenen Gebirgsthäler Pennsylvaniens, in denen fast allein die Anthrazit- kohle sich findet, waren längst dem Trucksystem verfallen; allein seit einigen Jahren sind die unglücklichen Opfer desselben von dem Mitgefühl und der'Kenntnißnahme ihrer Lage feiten der Außenwelt gänzlich abgeschnitten und durch die bestochene Tages- presse widerstandslos verleumdet worden. Unglücklicherweise besteht diese Arbeiterschaft von Anfang an fast blos aus der vcr- kommensten irischen und deutschen Klasse; das Trucksystem hat nach und nach alle Bestandtheile vertrieben, welche eine der- nünftige Widerstandspolitik hätte leiten und rohe Gewaltthaten verhüten können. Seit Jahren war das Kohlengeschäft in immer weniger Hände— drei Compagnien, welche fast zugleich die Eisenbahnen und die Märkte beherrschen— vereinigt worden, und diese drei Compagnien waren verschworen, um die Kohlen- preise ein bis zwei Dollars höher zu erhalten, als nöthig— uiit andern Worten die Consumenten um jährlich 20— 25 Will. Dollars zu beschwindeln, die Produzenten aber um nicht we� nigcr. Sobald der Marktpreis der Kohlen zu sinken begann, hörten sie mit der Kohlenförderung auf, mitunter 3— 4 Monate im Jahre, bis er eine ihnen genügende Höhe erreicht hatte. Dem Publikum und der großen Industrie, welche ohne ihre Kohlen nicht bestehen konnte, machten sie weiß, die Schuld der Kohlenthcucrung läge an den Arbeitcr-Ausständen. Diese Aus- stände wurden aber durch ihre eigenen Werkzeuge angestiftet, vergebens �botcn die vernünftigeren Arbeiter Jahr für Jahr eine gleitende Skala von Löhnen an, welche sich nach den Markt- preisen richten, ihnen aber gestatten sollte, in guten Zeiten Er- sparnisse für die schlechten zurückzulegen. Schließlich blieb ihnen, da so viele Verräther in ihrer Mitte waren, nichts übrig, als eine höchst geheime Verschwörung zu stiften, um mit den Ver- räthern fertig zu werden. Man muß, wie der Schreiber dieses, an Ort und Stelle gewesen sein, die einst so reizenden, jetzt von Kohlenstaub und Grushalden vollständig schwarzen, engen Thäler, die düstere Stimmung der Männer und Weiber, die verküm- merte, durch schwere Arbeit von fast Kindesbeinen auf verkrüp- ■-- registrirten setz zum Schutz ihres Lebens in den Gruben erlangt hatten. Soeben wieder ist durch Umgehung dieses Gesetzes feiten der Eigenthümer ein schlagendes Wetter im Stande gewesen, eine Reihe von Gruben in Brand zu setzen, eine Anzahl Menschen- leben zu zerstören und Taufende von Arbeitern brodlos zu machen. Zum Schlüsse müssen wir mittheilen, daß ganz in demselben Verhältnisse, wie die Arbeitslosigkeit andauert und zunimmt, die ehemals so glänzende Wohlthätigkeit verschwunden i>l und immer mehr verschwindet. Der früh eingetretene und andauernd kalte Winter hat die arbeitsuchenden Arbeiter aus dem Freien ver- trieben und genöthigt, die Arbeitshäuser(eine hierzulande erst neuerdings von England geborgte Einrichtung) ja, die Strafan- stalten aufzusuchen. Familien, deren Häupter das nicht konnten, legen sich ruhig zum Verhungern hin, oder der Versorger begeht ein Verbrechen, um sich ins Zuchthaus zu retten und den Sei- nigen einige Unterstützung zu sichern. Die Unterstützung ist kärglicher als je vorher und gerade groß genug, um den Hunger- tod zu verlängern. Nirgends, aber auch nirgends, eine größere öffentliche Anstrengung, um der Noth durch Arbeitgewährung zu nützlichen Zwecken eine Schranke zu setzen. Binnen einem Jahre sind in der Stadt Newyork drei Krösusse verstorben, jeder auf nahe 100 Millionen Vermögen geschätzt, und keiner von ihnen hat die Nothleidenden bedacht; alle drei haben vielmehr im Testa- mente dafür gesorgt, daß das Vermögen ungetheilt beisammen bleibt. Vormals war es stehender Trost des Volksaberglaubens, daß hierzulande alle großen Vermögen beim Tode des Erwerbers zersplittert und großentheils an wohlthätige Stiftungen ver- macht würden; auch diese Erscheinung wird immer seltener. Und was sagt nun die Presse dazu?— Nicht ein Wort der Verur- theilung, wohl aber schmeichelt sie in hündischer Weise dem Ta- lent, welches so riesige Reichthümer in einer Hand aufzuspeichern verstanden habe.„Gehet hin und thut desgleichen!" ist ihre Nutzanwendung für die Jugend. Und dies ist kein Hohn, keine Ironie, nein, es ist ernst gemeint! Und doch weiß diese Presse, wieviel Thränen, unbezahlter Schweiß, ja Blut an den Reich- thümern dieser Krösusse hängt, ja wieviel große straflose Ver- brechen das eine der drei Vermögen aufgebaut haben. Aber die Zeiten sind emmal vorbei, da noch eine Tagespresse gegen Gott Mammon Zengniß abzulegen wagte. Sozialpolitische Uebersicht. — Die Schande Europa's. Seit die Türkei das diplo- matische Netz, welches man ihr überwerfen wollte, um sie Hülflos zu machen, mit einem kräftigen Ruck zerrissen und Rußland den Handschuh vor die Füße geschleudert hat, ist die Situation auf einmal viel friedlicher geworden. Der russische Bramarbas ist plötzlich sehr kleinlaut geworden, nichts hat ihm ferner gelegen, als aus schnöden Eroberungsgelüsten die Ruhe Europa's stören zu wollen, er ist blos mißverstanden, verleumdet worden und so weiter. Es erinnert uns das an eine Anekdote, die im Jahr 1849 spielt. Ein würtembergischer Demokrat, der sich in den Ruf eines potenzirten Marat gesetzt hatte, in Wirklichkeit aber ein sentimentaler Philister war, unfähig einen Tropfen Hühnerblut, geschweige denn Menschenblut zu vergießen, hatte während der badischen Rcichsverfassungskampagne eine Requisition bei einem berüchtigten Reaktionär vorzunehmen. Tapfer präsentirt er sich im Hause deffelben, einen Schlcppsäbel an der Seite, ein paar Pistolen im Gürtel; und folgender Dialog entspinnt sich: „Sie haben sofort meinen Leuten, die draußen warte», die zwei besten Pferde in Ihrem Stall einzuhändigen!" Reaktionär ruhig:„Ich kann keine Pferde entbehren." „Sic geben die Pferde oder— ich erschieße Sie!(ein Pistol wird präsentirt.)" Reaktionär, der seinen Mann offenbar durchschaute:„Gut, dann schießen Sie!" „Was, Sie erschießen! Sie sind keinen Schuß Pulver Werth! Behalten Sie Ihre beiden Pferde!" Sprach's, steckte die ungeladene Pistole wieder in den Gürtel und marschirte fort, ohne die Pferde, aber mit dem be- seligenden Gefühl, kein Menschenleben auf dem Gewissen zu haben. Nun, ganz so harmlos, wie dieser gutmüthige Schwabe, ist das offizielle Rußland zwar nicht, an dem guten Willen zum Schlimmen fehlt's da gewiß nicht, aber— die Pistole ist nicht geladen, die Mobilisation ist mißlungen, die Armee genügt weder der Zahl noch der Ausrüstung nach der zu lösenden Auf- gäbe und steckt obendrein im Morast. Die Türken dagegen sind schlagfertig. Was bleibt da Zu thun übrig? Der Bramarbas muß die Fühlhörner einziehen.„Sie(die Türken) sind keinen Schuß Pulver Werth. Behalten Sie Ihre elenden Pferde" (Bosnien, Serbien, Herzegowina, Bulgarien u. s. w.). Herr v. Puttkammer. il. (Fortsetzung.) Das Gericht hätte, wenn man von Bütow gehörig referirt, wissen müssen, daß Provokat leer ausgegangen, es hätte auch zu seiner Kenntniß kommen müssen, was während der Seque- strationsreise geschehen, und es wäre ihm nicht unbekannt ge- blieben, daß v. Puttkammer das Gut in der Subhastation durch ein„Versehen" des Gerichts Bütow verlor. Auffallenderweise findet das Gericht in der Köllerschen Affaire die Verhältnisse nicht aufgeklärt, die Untcrsuchunsgsakten müßten darüber doch wohl hinlänglichen Aufschluß geben. Es theilt einen Brief Köllers vom 18. Dezember 1865 und einen von diesem selbst verfaßten Zeitungsartikel mit, worin v. Puttkammer in gemeinster Weise angegriffen und Köller als das Opferlamn: bezeichnet ward. Wir begreifen nicht, warum die Staatsanwaltschaft und die Anklagekammer trotz dieser Mohrenwäsche Köllers doch seine Verhaftung beschloß! Das Gericht meint:„Auf diese Mittheilungen des«. Köller ist natürlich kein loeitercs Gewicht zu legen. Wären sie wahr, so würde sich dadurch allerdings Vieles erklären."— Aber zu welchem Zwecke werden sie denn überhaupt im Erkenntnisse aufgeführt, sollen sie ein zweifelhaftes Licht auf den Provokaten werfen, oder die Saumseligkeit der Behörden beschönigen? „Anstatt sich zu sagen, daß an eine Benachtheiligung nächst Köller lediglich er selbst die Schuld trage, weil er den Schein- vertrag geschlossen, weil er, anstatt selbst die Verwaltung seines Besitzes zu führen, sich lieber entfernt hat— wofern dadurch überhaupt der Bermögensverfall verhindert wäre— und lieber 5400 Thaler zu opfern und das Gut zu retten, als Alles Preis zu geben— häuft er die gröbsten Schmähungen auf die zu seinen angeblichen Verlusten in gar keiner Beziehung stehende Staatsanwaltschaft und den Assessor Kampfmeyer und greift in derselben frivolen Weise die Landschaft und das Kreisgericht Bütow an." Der Uneingeweihte könnte hiernach annehmen, als ob v. Putt- kammer wegen des Scheinvertrages, wegen seiner Abreise und Daß es aber den Türken überlassen blieb, dem russischen Bramarbas den Mund zu stopfen, daß keine der civilisirten Mächte Enropa's, das deutsche Reich eingeschlossen, die Courage hatte, dem frechen Skandalmacher Ruhe zu gebieten, das ist, nun ja, das ist eben„die Schande Europa's." Ob es nicht doch zum Kriege kommen wird? Sehr möglich. Aber nur dann, wenn das deutsche Reich sich mit Rußland offen zu einem Angriffskrieg verbündet. Und daran wird jetzt in Petersburg und Berlin stark gearbeitet. Die neuen Krieg-in- Sicht-Artikel gegen Frankreich sind das Akkompagnement(die Begleitung) der betreffenden Verhandlungen. — Bekehrt. Die„Magdeburger Zeitung", die weiland mit am lautesten das Angstlied vom„Rückgang" der Sozialdemo- kratie pfiff, und wiederholt in ihren Spalten den Sozialismus „tödtete", pfeift jetzt aus einer anderen Tonart und erzählt ihren Lesern Wunderdinge von der„ungemeinen Thätigkeit" der so oft von ihr selbst todtgeschlagcnen Sozialdemokraten. Sie schreibt u. A.: „Die regelmäßig am politischen Leben theilnchmcnden So- zialisten werden auf 100,000 veranschlagt. Eben so viele Exem- plare ihrer Blätter werden abgesetzt. Die Summen, welche das Abonnement aufbringt, und die Beiträge zu Agitationsreisen berechnen sich jährlich auf 800,000 M.' Im Jahre 1869 gab es nur 6 sozialdemokratische Blätter, jetzt bereits 47 und zwar 32 politische, darunter 3 Witzblätter, und 13 Gewerkschaftsorgane. Neben der periodischen Presse bedient man sich als erfolgreicher Waffe des Vertriebes größerer und kleinerer, aber stets billiger Schriften sozialistischen Inhalts. Durch den allgemeinen deut- schen Arbeiterverein wurden in Berlin hergestellt': 96,000 Las- salle'sche Schriften, in Leipzig 253,700 einzelne Gedichte und eine Gedichtsammlung in starker Auflage, in Braunschweig 198,700 Exemplare Schriften, 40,000 einzelne Gedichte und zwei Gedichtsammlungen. Außerdem wurden in Berlin, München, Nürnberg, Chemnitz, Zürich und anderen Orten 73,500 Bro- schüren, 55,500 einzelne Exemplare Gedichte, 7 Gedichtsamm- lungen in Auflage von 60,000 Exemplaren und 24,000 Protokolle gedruckt. Die Expedition des sozialdemokratischen Blattes „Vorwärts" vertreibt 163 Schriften, darunter mindestens 150 reine Parteischristen, und das Vcrzcichniß der Bracke'schen Buch- Handlung in Braunschweig weist eine lange Reihe Schriften gleichen Inhalts auf. Außerdem sind die bekannten Laffalle'schen Schriften bereits in vierter und fünfter Auflage erschienen rc.:c." Genug. Es ist manchmal amüsant, das Bild zu betrachten, welches die Gegner von uns entwerfen. Was diesen das meiste Kopfzerbrechen verursacht, ist die finanzielle Lage unserer Partei. Woher haben die Sozialdemokraten das Geld zu den Wahlen bekommen? Ja, woher? Gestohlen haben wir» nicht; es sind lauter„ehrliche Arbeitergroschen", nicht ein einziger ist das Produkt einer„Theilerei", wohl aber mußten sie sämmtlich vor den Händen der privilegirten„Theiler" von heute gerettet werden. Und das war nicht leicht— wie unseren Gegnern ja sehr wohl bekannt ist. — Ucber eine unerhörte Wahlbeeinflussung wird der „Neuen Offenbacher Zeitung" aus Seligenstadt das Folgende berichtet: „Es existirt hier in Seligenstadt eine Kartoffelmehl-Fabrik, in der 18—20 wahlberechtigte Männer in Arbeit stehen. Diese Leute erhalten bei einem Normalarbeitstage von 14 Stunden 1 Mk. 70 Pfg. Arbeitslohn und müssen dabei unaufhörlich centnerschwere Körbe mit Kartoffeln schleppen. Der Tag der Stichwahl rückte heran, wo zwischen dem reichsliberalen Candi- daten Fritz Dernburg und dem Arbeitercandidaten Wilhelm Liebknecht abgestimmt werden sollte. Nun höre und staune man: Sämmtliche Arbeiter wurden in den Maschinenbau ge- rufen, wo der Maschinenführcr Andreas Steuger, ein Mensch, der auch schon empfunden hat, wie es thut, unter der Knute eines gestrengen und gewaltthätigcn Herrn leben zu müssen, sich majestätisch erhob und auf einem alten Kasten folgenden Ukas seines gestrengen Herrn verkündete:„Ein jeder Arbeiter, welcher zum Wählen geht, kann um halb 12 Uhr gehen> d. h. wenn er Dernburg wählt; wer dagegen nicht wählen will, muß bleiben; wählt aber Jemand Liebknecht, bemerkte er drohend, der wird heute Abend—— Am Schlüsse der Verkündigung dieses Nkases machte er noch bekannt, daß am Abend ein Fäßchen Bier getrunken werde. Auch sind etliche Arbeiter von dem Haushof- makler erinnert worden, daß sie za nicht gegen den Willen des großmächtigen und gestrengen Herrn Verwalter stimmen sollten, denn man würde erfahren, wer anders gestimmt hätte." So die„Neue Offenbacher Zeitung". Fürwahr unsere Geg- ner verstehen zu„agitiren". Nur verlange Niemand von ihnen, daß sie im offenen ehrlichen Kampfe gegen die Sozialdemokratte zu Felde ziehen. gewisser Ilnterlassungssünden die Staatsanwaltschaft und die Bütower Behörden verantwortlich gemacht hätte. Das hat er aber nie gethan, sondern nur Beschwerde über den schleppenden Justizgang und das Versehen geführt, die ihm die Möglichkeit raubten, einen Bruchtheil seines Vermögens zu retten. Weiter führt das Erkenntniß aus:„Er, der die peinlichste Rücksicht auf sein Recht und seine Ehre fordert, greift in der rücksichtslosesten Weise, keine Autorität und kein Ende des Instanzenweges kennend, die Ehre Anderer an.(Doch nur da, wo er Anhaltspunkte findet!) Das aus allen Eingaben hervor- gehende gänzliche Ausgehen in diesen Standpunkt der Allein- berechtigung des Ichs zeigte bei einem gebildeten Menschen un- zweifelhaft einen krankbaften Zustand der Geistesthätigkeit, da ihm sonst gar nicht verborgen sein konnte, daß von einer Schuld der von ihm mit Beschwerden und Beleidigungen verfolgten Personen gar keine Rede ist. Dasselbe Bild ergiebt das Ver- halten des Provokaten in deni vorliegenden Verfahren und in den verschiedenen von ihm angestellten Prozessen. Nirgends ist er im Stande, trotz seines Scharfsinns(!!), den Inhalt der Ge- setze objektiv zn betrachten, sondern er findet stets nur das darin, was für seine falschen Vorstellungen paßt, und ist außer Stande, sachlich richtig seine Angelegenheiten vor Gericht zu vertreten." Wodurch ist die letztere Behauptung erwiesen worden? Wir halten hier fest, daß das Gericht selbst v. Puttkammer's Scharf- sinn und die peinlichste Rücksicht auf sein Recht und seine Ehre anerkannt. „Wenn Ur. Höpner freilich die Unterbringung des Provo- katen in dem Jrrenhause als ein demselben geschehenes Unrecht bezeichnet, welches irgendwie sein Verhalten rechtfertigen könnte, so läßt sich mit ihm darüber weiter nicht rechten." Warum denn nicht? Das Gericht muß doch Ivohl in der Lage sein, das be- urtheilen zu können! Es entschuldigte die Einsperrung folgender- maßen:„Das Königl. Medizinal-Cvllegium ist aber ebenso wie Dr. Lehnerdt auch der Ansicht, daß das Benehmen(des Provo- katen?) nicht das eines verständigen Menschen gewesen ist."— Das ist eine wunderbare Entschuldigung!„Wurde er widerrecht- lich detinirt, so war dies noch keine Veranlassung, jeder Explo- ration hartnäckig auszuweichen."— Es war aber doch jeden- — Ein Provokatiönchen. In Stuttgart wurde am 17. v. M. in einer geschlossenen sozialistischen Versammlung eine Comitssitzung für Wahlprüfungen angesagt und zwar unter An- Wesenheit der Polizei. Am folgenden Tage fanden die Mit- gliedcr des Cvmitös das bestimmte Lokal in- und auswendig starrend von Polizei! Heiter angeregt durch dieses Schauspiel verließen die Genossen den Ort, welcher von den Dienern der Gerechtigkeit noch bis halb 12 Uhr besetzt gehalten wurde. Die Herren brachten übrigens, laut öffentlicher Erklärung, ihre Sitzung an einem andern Orte zu Stande. Nun hatte schon Dr. Dulk in jener geschlossenen Sitzung den Vorschlag gemacht, bei ungesetzlichen Störungen durch die Polizei diese aus dem Lokal zu weisen oder ein anderes aufzusuchen. Da setzte nun der Staatsanwalt ein und klagte Dr. Dulk wegen Aufreizung zum gewaltsamen Widerstand an! Gegen ein paar früher ein- gezogene„Umstürzler", die noch immer in Gewahrsam sind, hat sich auch endlich ein Angriffspunkt gefnndcn: die auf sie los- stürzenden Nationalliberalen haben nämlich Stühle zerbrochen, und deshalb werden die Angegriffenen der„Sachbeschädigung" angeklagt! Es ist kostbar, wie die Gegner, insonderheit die Herren Nationalliberalen, sich täglich immer mehr blamiren! Uns kann's recht sein: die Grundlosigkeit ihrer Angriffe und die Haltlosigkeit im Innern ihrer Partei wird das Volk wirk- samer belehren und für uns gewinnen, als wir es mit noch so viel Agitatoren im Stande wären! — Ein Reichsfreund und Gesellschaftsretter. Herr Fritz Brentano, Redakteur der ultrabismärckischen„Badischen Landeszeitung", Exredatteur des ditto„Mainzer Tageblatt", ein fanatischer Vertheidiger der durch die Sozialisten bedrohten Bollwerke der Civilifation: Familie, und Eigenthum, ist so eben verhaftet worden, weil er in einem Mannheimer Bor- dell, wo er Studien k la Unruh machte, eine gefälschte Urkunde versetzt hatte. Vivat sequens! Es wird an Nachfolgern nicht fehlen, wie es an Borgängern nicht gefehlt hat. Die Zahl der großen und kleinen Jules Favre, Giskra und ähnlichen Ordnungsgelichters ist Legion. Wenn sie alle ins Zuchthaus kämen, würde die Zahl der Zuchthäuser verhundertfacht werden müssen.— — Zum Zeugnißzwang! Aus Posen wird unterm 23. Januar gemeldet: Dr. Kantecki, der Chefredakteur des„Kuryer Poznanski", der jetzt seit Monaten im Gcfängniß sitzt, weil er sich weigert, eine Zeugenaussage darüber zu machen, von wem er das berufene, von allen Parteien im Reichstage verurtheilte Rescript der Oberpostdirektion in Bromberg in Sachen der muth- maßlichen Briefe Ledochowski's erhalten habe, hat neuerdings wieder an das hiesige Kreisgericht eine Eingabe gerichtet, welche der„Kuryer" in polnischer Sprache mittheilt. In der Rück Übersetzung lautet dieses Schriftstück wie folgt: „Das königliche Kreisgericht hat mir in seiner Verfügung von: 5. d. M. erklärt, daß es mich so lange im Gefängniß zu halten gedenke, als ich kein Zeugniß ablege. Da ich, wie ich schon öfter gesagt habe, dies Zeugniß niemals ablegen werde, so würde der in dieser Sache gegen mich gerichtete Zwang sich in lebenslängliches Gefängniß verwandeln. Obgleich§ 312 des Kriniinalordnung nicht bestimmt, wie lange die Strafe für die Zeugnißverweigerung danern soll, so kann man nach meiner An- ficht dennoch annehmen, daß diese Strafe gesetzlich normirt worden ist, da, wie ich mich erinnere, in früheren Fällen dieser Art die preußischen Gerichte eine bestimmte, näher bezeichnete Strafe den widerstrebenden Zeugen festsetzten und sie nach Ver- büßung dieser Strafe in Freiheit setzten.'Ich erlaube mir daher die ergebenste Bitte: das königliche Kreisgericht möge mich be- nachrichtigen, wie lange es mich gefangen zu halten beabsichtigt, da, wie oben gesagt, ich ein Zeugniß nicht ablegen kann und nicht ablegen werde." Das königliche Kreisgericht hat hierauf folgenden Bescheid ertheilt, den die„Posener Zeitung" nach dem„Kuryer" über- setzt: „Auf Ihre Eingabe vom 19. d. M. erwidern wir, wie folgt: Wie Ihnen bereits aus der Verfügung vom 5. d. M. bekannt ist, handelt das hiesige Gericht nur im Auftrage des kaiserlichen Oberpost-Direktors in Bromberg und kann auch nicht im All- gemeinen über die Frage entscheiden, ob zur Erzwingung des Zeugniffes es nöthig war, Sie gefangen zu nehmen, noch auch darüber, wie lange die durch§ 312 der Äriminalordnung nicht vorgezeichnete Gefängnißstrafe dauern soll. Mit Ihren Anträgen und Anfragen haben Sie sich an den Oberpostdirektor in Bromberg zu wenden. gez. Groß." Wir brauchen diesen Schriftstücken nichts hinzuzufügen: sie sprechen für sich selbst.(Boss. Zeitung.) falls Grund genug, um auf das allerentschiedcnste gegen die- jenigen Menschen und Behörden aufzutreten, welche ihn wider- rechtlich in ein Irrenhaus gesperrt. (Fortsetzung folgt:) Elbflorenz. Was seit zwei Menschenaltern gedankenloser Schönrednerei unzählige Mal über die Lippen und durch die Feder gegangen ist, am 26. Januar 1877 hat es sich als volle und ganze Wahr- hcit erwiesen. Die Stadt, welche nur in Hinsicht ihrer inaleri- schen Lage und ihrer Kunstschätze als deutsche Rivalin der Me- dizäerresidenz betrachtet wurde, hat auch in Hinsicht der Tendenzen ihrer Bevölkerung eine ungeahnte Blutsverwandtschaft mit ihrer Schlvester am Arno verrathen. Nur in der Zeitfolge der Erscheinungen waltet ein bemerkcns- werther Unterschied. Florenz hat seine turbulante sozialistische Periode gehabt, ehe das weichliche Regiment eines kunstliebenden Fürstengeschlechtes es zur ausschließlichen Stätte des Genusses machte. Dresden tritt in die Fußtapfen der toskanischen Frei- stadt, nachdem der Hof der polnischen Auguste seit mehr als 100 Jahren der Geschichte angehört. Es wurde vor längerer Zeit in diesen Blättern darauf hin- gewiesen, daß die deutsche Handwerkerbewegung des Mittelalters, welche durch die Zünfte das Regiment in den Städten zu ge- Winnen trachtete und welche so viele Aehnlichkeit mit der heutigen Arbeiterbewegung aufwies, dem Vorgehen der Italiener ihren Anstoß verdankt; daß insbesondere das stolze Mailand, das aus seinen von Kaiser Friedrich dem Rothbart mit Salz bestreuten Trümmern sich mit ungebrochenem Muthe zur„Revanche" bei Lcgnano erhob, in gewissem Bettacht für das 12. Jahrhundert die nämliche Bedeutung hatte, wie die Pariser Commune für das neunzehnte. � Dieses Mailand hatte zahlreiche Schwestern in den gewerb- fleißigen Binnenstädten des oberen und mittleren Italiens, in denen nicht, wie in den Seehandelsplätzen Venedig, Genua zc. von vornherein das Kapital der Handelsaristokratie eine über- — In Sachen des preußischen„Fonds des Staats- Ministeriums", vul�o Reptilienfonds, entspann sich im Ab- r>eordnetcnhaus ein Scharmützelchen. Notiren wir einige Aus- fälle: v. Saucken-Tarputschen: Nach den Beschimpfungen der Fortschrittspartei können wir diese Gelder nicht bewilligen.(Zur Beschimpfung anderer Parteien würden es die Herren wohl thun?) v. Schorlcmer-Alst: Die Reptilienpresse ist eine Pestbeule am Körper des Staates. Eulenburg: Was dem Fortschritt recht ist, ist der Regie- rung billig! Man vergleiche die fortschrittlichen Preßerzeugnisse der Wahlperiode!(Zum Centrum:) Germania! Virchow: Wir haben treu culturgekämpst und werden von den Reptilienblättern zum Dank Verbrecher geschimpft. Vergl. Magdeburger Zeitung. Eulcnburg: Da kann ich nix davor! Windthorst: Ist dem Fortschritt schon recht, warum kämpft er Cultur. Lasker: Wir bewilligen! v. Schostlemer-Alst: Reptilienpresse keine Controle, son- dern reine Corruption der Presse! Nationalliberalismus bei Wahlen von Regierung unterstützt! Braun: Aber es gab conservative Landräthe! Lasker und Meyer- Arnswalde(der einmal mit 420 Mark jährlich mit Weib und Kind zu leben versuchen mag), stimmen das Finale an. Mit Trommelwirbel und Paukenklang werden die„geheimen Fonds" mit 213 gegen 157 Stimmen bewilligt. Der Borhang fällt, als ob nichts vorgefallen wäre. — Eine Anzahl epaulettirter Zöglinge der Moltke- scheu Bildungsanstalt vergnügte sich vor Kurzem in Tübingen während der Nacht und auf offener Straße durch unbändiges Lärmen, also in einer Weise, die durch das Gesetz verboten ist. Die Polizei verhielt sich aus guten Gründen ruhig und ließ die Herrchen ihrer Wege ziehen.„Erst durch die Provokation", so wird der„Frankfurter Zeitung" berichtet,„Eines aus dieser Ge- scllschaft:„Seht Euch diese Prachtkerls von Polizisten an!" bewogen, erlaubten sich die Letzteren, die Herren zu einem ruhigen Verhalten aufzufordern, woraus sie von einem der Offi- ziere die Antwort erhielten: die Polizei habe ihnen gar nichts zu sagen, nebst der Aufforderung an die Beamten, sich äugen- blicklich wcgzubegeben, und der gleichzeitigen Drohung, sie im Weigerungsfall„über den Haufen zu stechen wie Hunde". Die Polizeibcamtcn erwiderten: sie ständen da zur Aüfrechthaltung der Ordnung, in welche sich die Herren zn fügen hätten. Der Sprecher der Gesellschast(der als der Lieutenant Schuster recognoszirt wurden rief ihnen zu: man habe es mit Offizieren zu thun, worauf der eine Beamte erwiderte: der Offizier wie der Soldat, der Student wie der Handwerksbursche stehen unter dem Gesetze und müssen sich der Ordnung fügen. Das war für den Offizier das Signal, seinen Säbel zu ziehen mit dem Rufe: „Stecht sie nieder!" Dasselbe that auch ein anderer Offizier, und beide setzten ihre Waffe dem Polizeibeamtcn aus die Brust. Zwei andere Offiziere fuchtelten mit dem Degen in der Luft herum. Mehrere Minuten blieben die Sicherheitsbeamten, wehrlos der bewaffneten Menge gegenüber, buchstäblich unter dem Damoklesschwert dieser Helden, worauf sie uzltcr heftigen Schmähreden des Schuster, der die Beamten— wohl aus einem leichterklärlicheu Mißverständnisse— beschuldigte, betrunken zu sein, ihre Waffen senkten und die Halsgefahr für die Wächter der Ordnung war vorbei, doch nicht ohne daß 3—4 Herren nochmals mit dem blanken Säbel und Schimpfworten auf sie eindrangen, während ein anderer Offizier bemüht war, sie zurückzuhalten, und den Beamten den Rath gab, sich zu entfernen und andern Tags die Sache zu melden. Die Bedrohten folgten diesem Rathe und gingen, noch beim Rückzüge von einem Offi- zier mit halb gezogenem Säbel und mit Worten bedroht. Wie man hört, haben die Polizeibeamten, die hier nur ihre Pflicht erfüllen wollten, woran sie in gröblichster Weise verhindert wurden, die Sache zur Anzeige gebracht. Das Resultat der Untersuchung ist bis jetzt nicht bekannt geworden und behalten wir uns vor, das Weitere darüber zu melden, sobald es bekannt wird." Auf das Resultat der Untersuchung wird der Correspondent der„Frankfurter Zeitung" lange warten können. Es sind schon viel schlimmere Dinge von der„Blüthe der deutschen Nation" verübt worden und doch sind in der Regel die Untersuchungen ini Sande verlaufen. Was den ganzen Vorfall aber erst und besonders beachtcuswcrth macht, ist der Umstand, daß nun er- wiesen ist, welcher Sorte von Menschen gegenüber die Phrase vom„schutzlosen Schutzmann" zur Geltung gelangt. wiegende Bedeutung gewann. Bologna wetteiferte mit Mai- land im trotzigen Sinne seines streitbaren Bürgerthums, einer auszcichncndeii Eigenschaft, welche diesen beiden Städten bis aus den heutigen Tag geblieben ist und sie zu den unverdaulichsten Blfieu für das neue Königreich Neapel, zum ewigen Heerde von Unruhen und Verschwörungen, namentlich solcher mit sozialisti- schemBeigei chmack, gemacht hat. Florenz, von einem minder kampflustigen Volke bewohnt, hat eine weniger blutbefleckte, aber darum nicht minder unruhige Vergangenheit. Es hatte seine Zunftbewegungen, ja wenn man so sagen dars, auch seine„Com- mune", das Produkt eines Aufstandes der„Wollkratzer", der übrigens eine unparteiischere Geschichtsschreibung, als die der Gegenwart, das Zeugniß eines billigen und gerechten Waltens nicht vorenthalten hat. Es raffte sich, als schon das Weltbank- haus der Media eine an monarchische Gewalt streifende Macht- stellung erlangt hatte, nochmals auf zu einen: nur durch aus- wärtigc Hilfe zu bemeisternden Widerstandsvcrsuche unter der Leitung des sozialistischen Dominikanermönchs Savonarola(man könnte ihn den Lamenais des 15. Jahrhunderts nennen), der dem sterbenden Lorenzo die Absolution verweigerte, als dieser zögerte, der Republik die geraubten Freiheiten zurückzustellen. . Ja selbst als der kühne Staats- und Gesellschaftsreformer ferne Auflehnung gegen die neue Ordnung der sich bildenden kapitalistischen Gesellschaft aus dem Scheiterhaufen gebüßt hatte, -r. i!cr Ireiheitssinn der Florentiner noch nicht gebrochen und c» bedurfte des nochmaligen blutige» Einschreitens des deutschen Kasters(Karl V.) im Jahre 1530, um den Freistaat auf die w' v �le gvidencu Fesseln der Medici zu schmieden. An dieses alte sozialdemokratische Florenz hat schwerlich auch «"sf nCr vuOU denjenigen gedacht, welche der sächsischen Haupt- jtaot mit Beilegung des italienischen Namens ein besonderes Kompliment zu machen vermeinten. Aber die historischen Remi- iilscenzcn lassen sich nicht willkürlich an cineni bestimiirtcn Punkte abbrechen. Eine lockt die andere hervor, und wenn der Prunk des augusteischen Hofes den Vergleich mit dem des großherzog- �brenz nahe legte, so müssen die Wahle» des Jahres m denen nun für beide Stadthälften zusammen den so- Faliststchen Candidaten die meisten Stimmen zugefallen sind, rt— Die gesammte Staatsschuld Preußens, so lesen wir in den Zeitungen, beläuft sich Ende März ds. Js. muth- maßlich(!!) auf 1,058,550,471 Mrk., worunter 552,653,987 Mrk. an Eisenbahnschulden. Die Gesammtausgabe für die Staats- schuld beträgt überhaupt 64,128,000 Mrk., nämlich zur Ver- zinsung 45,124,811 Mrk. 20 Pf., zur Tilgung 17,213,140 Mrk. 5 Pf., für die unverzinsliche Schuld 3000 Mrk., an Renten 1,344,427 Mrk. 53 Pf., an Verwaltungskosten 442,621 Mrk.— Eine nicht mindere Beachtung verdienen einige Zahlen, die der ultramontane Abgeordnete Röckerath im preußischen Abgeord- netenhause gelegentlich der Budgetdebatte bei dem Kapitel Steuer- rückstände zum Besten gab. Danach sind im Jahre 1875 in der untern Klasse 239,330 Exekutionen ivegen rückständiger Steuer vollstreckt und davon 124,196 fruchtlos ausgefallen; in der höheren Klasse sind 97,516 Exekutionen vollstreckt und fruchtlos find ausgefallen 27,909. Im Ganzen vollstreckt 403,456, fruchtlos 161,131! — Die Erwerbs Verhältnisse und der Wohlstand Dresdens sind in bedenklichem Rückgange begriffen. Im Jahre 1876 sind nicht weniger als 27,000 gerichtliche Exekutionen zur Eintreibung von Forderungen vorgenommen, und wie es scheint, ist diese Zahl noch im Steigen, da in den ersten vierzehn Tagen des diesjährigen Januar 1200 Exekutionen gegen 700 im Vor- jähr vorgenommen sind,— eine Erscheinung, die auch die Zu- nahine der Sozialdemokratie erklärt.— Natürlich, da die sozial- demokratische Partei die Quellen des Elends verstopfen will! — Einen alten Bekannten—„unfern" Stieber— den wir schier bald vergessen hätten, bringt uns die„Tagwacht" durch folgende, etwas dunkel gehaltene und an Stieber gerichtete Zeilen in Erinnerung: „Wenn Sie über keine bessere Sorte von Geheimpolizei ver- fügen, als wie die Jammerexemplare, die sich jetzt namentlich in Bern herumdrücken, muß es Einem wahrhaftig um jeden Gro- scheu, der für solche Subjekte ausgegeben wird, noch mehr leid thun als bisher. Wie ist's? Gibt's zum Monat März vielleicht einen kleinen Rummel? So auf den achtzehnten etwa? Etwas rothe Fahne? So etwas, lieber Schwulitälsrath sollte man doch in Anbetracht des großen Kesseltreibens, das nun in Deutschland gegen die Sozialdemokratie veranstaltet werden soll, in Scene setzen." — Ein Gemeinderath, wie er sein muß. Aus Lyon wird gemeldet, daß der dortige Gemeinderath 200,000 Frcs. für die Arbeiter bewilligt habe, welche unter der Krise gelitten hätten. Wo ist die deutsche Gemeindevertretung, die zu ähn- lichem Thun auch nur den Willen hat?.Ja, wenn es sich um glänzende Einzugsfeicrlichkeitcn, Schlachtfeste und sonstige Allotria handelt, da regnet es nur so die Tausende. Des werkthätigen aber ohne seine Schuld hungernden Volkes Roth zu lindern— pah, was geht uns das Pack an! — In Dänemark sind die Gesellschaftsrctter frisch an der. Arbeit. Harald Brix, der Redafteur des sozialistischen Witz- blatts„Ravnen"(Der Rabe), hat zu den vier Jahren Gefäng- niß für angebliche Majestätsbeleidigung noch 21 Monate Ge- fängniß für drei angebliche Polizei- und Fabrikantenbeleidigungen hinzubekommen, nebst einer Geldbuße von 1500 Kronen. Noch sechs Monate Gefängniß stehen ihm in Aussicht. Schade, daß Sha- kespeare nicht mehr lebt, dann könnte man ihm an den Kragen gehen wegen seines verbrecherischen Worts:„Es ist etwas faul im Staate Dänemark." — Sozialistenkolonie. Was wir in Nr. 13 über die dänische sogenannte„Sozialistenkolonie" sagten, wird uns jetzt durch eine Zuschrift aus Kopenhagen voll bestätigt. Es handelt sich blos darum, eine Anzahl Parteigenossen, die durch die trau- rigen Zeitverhältnisie zur Auswanderung genöthigt sind,„über dem Wasser" in einer gemeinsamen Ansiedelung zu vereinigen, die, so weit dies durchführbar, nach sozialistischen Grundsätzen eingerichtet werden soll. Dagegen läßt sich nichts einwenden, so sehr wir es auch bedauern, daß tüchtige Parteigenossen die „alte Welt" verlassen. Hier ist Amerika, ein besseres Ame- rika,„das neue Amerika" des Dichters. Freilich, wir müssen's erst erkämpfen. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß die in unserer ersten Notiz erwähnten„Kr." nach uns freundlich gewordener Mit- theilung Kronen bedeuten, und daß der Werth einer dänischen Krone 1 Mark 12 Pf. beträgt. — Vorsicht. Aus Kopenhagen lassen sich Bourgeoiszei- tllngen berichten,„daß unter den„Führern" der dänischen Sozial- unwillkürlich die Erinnerung an das ältere Florenz wachrufen, jene industrielle Republik, deren Kraft im Kampf mit dem Kapital der Börse unterlag, deren Geschichtsbild aber aller Glanz des Medizäerhofs uicht zu verdunkeln vermocht hat, und dessen, einem tragischen Geschick erleaenen geistlichen Repräsentanten, die der wahren Bedeutung diejes Mannes unkundige Gegenwart sogar auf dem Reformationsdenkmale zu Worms einen Platz einge- räumt hat. Geht jetzt nur hin, ihr Wohlgesinnten, und scheltet die alte, guelfische, reichsfeindliche Stadt, die einen Dante ob seiner kaiser- lichen Gesinnung aus ihren Mauern trieb! Scheltet euch selbst, daß ihr dem Aufwiegler ein herrliches Monument errichtet und ihm vor kaiserlicher Majestät mit gehuldigt habt! Ja verwünscht den unglücklichen Einfall, die sächsische Hauptstadt durch jenen doppelsinnigen Beinamen mit der mittelalterlichen Commune in Beziehung gesetzt zu haben! Es hilft euch alles nichts mehr! -Die Thatsachen haben eure Redefloskeln mehr als euch lieb zur Wahrheit gemacht. Dresden, die Residenz, hat sich als Industrie- stadt deklarirt und die Entwickelung der industriellen Gesellschaft wird auch ihr ferneres Schicksal bestimmen. („Chemn. Fr. Presse".) — Eine feine Schmeichelei. Tas„Leipziger Tageblatt" vom 3l. Januar enthält folgende journalistische Perle:„In den amcrika- nisiben Journalen erregt es viele Heiterkeit, daß die hochgelahrte und wirk ich sehr gute„Gegenwart" Paul Lindau's in Berlin in einem Artikel„über den Wahtkampf in den Vereinigten Staaten" von dem demokratischen Präsidenlschafts-Candidaten Filder(statt Tilden) spricht. Es sei dies etwa, wie wenn die„Nation" in New-Dork von einem Pißquark statt Bismarck spräche."— Welcher Schalk mag Herrn Hüttner dieses Kukuksei in's reichsfreundliche Nest gelegt haben? Wenn Pi— Pardon! wenn„Bismarck" davon erfährt, ist hoffentlich kein Strafankragsformnlar zur Hand. demokratie ein heftiger Zwiespalt ausgebrochen tst, welcher für die Partei verhängnißvoll werden könne. Der Redakteur des„So- cialisten", Klein, ist vor Kurzem aus irgend einem Grunde aus der Partei ausgestoßen worden; um sich zu rächen, greift derselbe jetzt in Flugblättern, deren Inhalt nicht wiederzugeben ist(Warum nicht?), die bekannten Führer Pio, Geleff, Brix ze. auf die heftigste Weise an. Da dies aber noch nicht die gewünschte Wirkung gehabt hat, so ist er auf ein anderes Mittel verfallen. Geleff ist augenblicklich auf einer Agitations- reise in Jütland begriffen. Klein folgt ihm von Stadt zu Stadt und macht in jeder von Geleff einberufenen Versammlung Mit- theilung von skandalösen Vorgängen im Vorstande der Partei, wodurch es ihm in der Regel gelingt, stürmische Auftritte her- vorzurufen und den Zweck der Mission Geleffs, die Bildung von neuen sozialisttschen Bereinigungen zu vereiteln." Wir wissen aus Erfahrung, daß unsere Gegner schon manche Lüge über die inneren Parteiverhältnisse der deutschen Sozial- demokratie colportirten, um die Arbeiter zu verwirren und zu veruneinigen. Ob die Mittheilungen über die Zwistigkeiteu innerhalb der dänischen Sozialdemokratie auf Wahrheit benihen, wissen wir nicht, da uns darüber bis zur Stunde direkte An- zeige nicht gemacht worden ist. Natürlich hoffen wir das Gegen- theil. Auf alle Fälle aber sind die obigen Angaben mit Vor- ficht aufzunehmen, denn sie kommen aus Gegners Mund. — Die Genossen Kayser in Dresden und Ulrich in Offen- bach haben, jener auf unbestimmte Zeit, dieser vorläufig auf sechs Wochen die uns Sozialdemokraten stets zur Verfügung stehende Staats Wohnung bezogen. Trotz liebenswürdiger Winke mit dem Zaunpfahl in nationalliberalen Denunziantenblättern wollten sie sich den Freuden des Stillebens nicht schon während des Wahlkampfes hingeben. Aber nach gethaner Arbeit ist gut ruhen. — Die Neuwahl in Altona, wo bekanntlich Parteigenosse Hasenclever gewählt wurde, wegen gleichzeitiger Wahl in Berlin das Altonaer Mandat aber abgelehnt hat, ist auf den 15. Februar angesetzt. Die Altonaer werden auf dem Platze sein. „Hie Wärtyrer der Eommune in Meukatedonien. Bericht zweier Entwichenen von"Kaschal chrousset und Pr. Jourde." Gemäß dem Beschluß des letzten Sozialistcncongresses ist diese Schrift, welche die Lersaillcr Ordnungsbanditen auf ewige Zeiten an den Schandpfahl nagelt, in's Deutsche übersetzt und von der Leipziger Genossenschaftsdruckerei unentgeltlich gedruckt worden(s. d. Annoncentheil.) Der Ertrag dieser deutschen Uebersetzung ist für die deportirten Communards und deren Familien bestimmt. Arbeiter Deutschlands, Gesin- nungsgenosien! Ihr wißt, was Ihr zu thnn habt! Die paar Pfennige, die Ihr gebt, werden die Roth Eurer heldeninüthigen Brüder und Vorkämpfer mildern, die sich jetzt in der Gewalt unbarmherziger Feinde befinden. Je mehr Exemplare Ihr kauft, desto mehe Elend wird gelindert werden. Thut Eure Schul- digkeit! Correspondenzen. Wien. Es wird seit Längerem von verschiedenen hiesigen Tagesblättern in alle Welt hinausgelogen, es herrsche hier unter den Schuhmachern Mangel an Arbeitskräften. Namentlich ver suchen die angeblich„liberalen" und„demokratischen" Blätter „Vorstadtzeitung" und„Morgenpost" dadurch ihr Unwesen zu treiben, daß sie durch solche Vorspiegelungen Arbeiter aus allen Gegenden nach Wien locken, welche hier nicht nur keine Arbeit finden, sondern schließlich im größten Elende den verlockenden Ort zu verlassen gezwungen sind..- � Diesen wahrscheinlich wohlberechneten unwahren Angaben un- serer Bourgeoisblättcr gegenüber sehen wir uns genöthigt— damit unsere auswärtigen College» nicht etwa dem falschen Rufe Folge leisten— Folgendes zu erklären: daß 1. die Beschäftigungslosigkeit, anstatt zu schwinden, von Tag zu Tag zunimmt,>vas wir mit Recht constatiren können!, iveil die bei uns eingeführte Unterstützung für Arbeitslose, wie dies die Bionatsausweise der betreffenden Kasse ergeben, arg mitge nommen wird. Zahlen reden! 2. Diejenigen, welche sich in Condition befinden, oft genö- thigt werden, zwei oder drei Tage in der Woche auszusetzen, und 3. bereits von Woche zu Woche in vielen Fabriken und Werk- statten Lohnverkürzungen vorgenommen werden. Diese Umstände bringen wir nun den Schuhinachern aller- orts zur Kenntniß und warnen daher jeden Arbeiter, der sich nicht vielleicht freiwillig dem größten Jammer preiszugeben be- absichtigt, vor Zuzug nach Wien. Für den Ausschuß der Schuhmacher-Gewerkschaft: Martin Kauba, Stefan Hekmann, Obmann. Schriftführer. NB. Alle arbeiterfreuiidlichen Blätter werden um rlbdruck des Vorstehenden ersucht. Köln, 28. Januar. In einer Zusammenstellung der zu Gunsten der Sozialisten in Rheinland und Westfalen abgegebe- neu Stimmen, welche gegenwärtig die Runde durch die sozial- demokratische Presse macht, ist unter Anderem Köln(Stadt) mit 1773 und Köln(Landkreis) mit 713 Stimmen, welche auf den in beiden Kreisen aufgestellten Candidaten A. Bebel gefallen sind, verzeichnet. Wir können dies nun insofern berichtigen, als in Köln 17K3 und im Landkreise Köln 1234 Stimmen auf den sozialdemokratischen Kandidaten gefallen sind. Ebenso ist noch zu bemerken, daß aus dem Kreise Kempen, in welchem seitens der Sozialisten Herr G. Schumacher aus Köln ausgestellt war, bis jetzt noch kein anderes �Resultat vorliegt, als daß der Can- didat der Ultramontanen mit großer Majorität gewählt sei.— Die zu Gunsten der Sozialisten in Rheinland und Westfalen abgegebenen Stiinmeii dürften also die Summe von 42,698, welche bis jetzt herausgerechnet waren, noch um Einiges über- steigen. Hortmund, Wegen einer Rede, welche Parteigenosse Tölcke gelegentlich der Reichstagswahlagitation hier gehalten hat, ist derselbe in Anklagezustand versetzt worden. So revanchirt man sich für die Triumphe, welche die Sozialdemokratie ge- feiert hat. Hießen, 22. Januar. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß durch die Wahlbemcqung die Ausbreitung der Partei wesentlich gefördert wurde. In Wiesest haben wir seit Anfang Dezember Mitglieder und haben dieselben bei der Wahl thatkräftig durch Verbreitung von Stimmzetteln und Ausrufen in einer Reiye von Gemeinden mitgewirkt. Die Zahl der dortigen ViitgUeder beträgt bis jetzt 22, mit 8 Abonnenten des„Vorwärts". Am 21. d. M. traten in Altbuseck 8 Mitglieder bei und wurden 5 Abonnenten des„Vorwärts" gewonnen. Beide Orte besitzen einen guten Kern, welcher zu den besten Hoffnungen berechtigt. Weitere Orte werden hoffentlich folgen. O. Kflcil, 28. Januar. Das Resultat de/ Reichstagswahl vom 10. Januar ist folgendes: Der Candidat der Ultramontanen v. Forcade erhielt 7828, der Candidat der christlich-sozialen Arbeiterpartei Herr Stötzel 6690, der liberale Candidat Herr Justizrath Gützloe 6636 und Genosse Hasselmann 3062 Stimmen. Das Resultat vom Jahre 1874 war folgendes: Der Kandidat der Ultramontanen v. Forcardc erhielt 14,700, der Liberale Derens 4300, Drcesbach(Sozialdemokrat) 1200 Stimmen. Die Sozialdemokratie hat also einen bedeutenden Zuwachs aufzu- weisen, nämlich 1862 Stimmen..Bedenkt man, daß viele Ar- bciter, die mit der Sozialdemokratie sympathisiren, diesmal dem christlich-sozialen ihre Stimme gegeben haben, weil Herr Stötzel mehr Aussicht hatte, in die Stichwahl zu kommen, so sind wir vollständig berechtigt zu sagen, die 3062 Stimmen, die Herr Hasselmann erhalten hat, hat er nur von geschulten Parteigenossen erhalten. Die letzte Wahl giebt uns überhaupt zu denken. Die liberale Partei hatte einen sehr freisinnigen und populären Can- didaten aufgestellt und in Folge dessen 2330 Stimmen mehr er- halten wie vor drei Jahren, es haben also im Kreis Essen 9698 freifinnige Wähler ihre Stimme abgegeben, also 4198 mehr wie vor drei Jahren. Rechnen wir die beiden klerikalen Parteien (Bürgerpartei und christlich-soziale Arbeiterpartei) zusammen, so sehen wir, daß diese Partei 182 Stimmen verloren hat. Aber der Umstand, daß die Arbeiter mit der ultramontanen Bürger- Partei nicht mehr gemeinsame Sache machen wollen, ist ein viel- versprechender Fortschritt. Die christlichen Arbeiter wollen sich nicht mehr länger von einem Millionär vertreten lassen, der nicht weiß, wo den Arbeiter der Schuh drückt, sondern sie stellten einen schlichten Arbeiter auf, einen Fabrikarbeiter, jetzt Redakteur der christlich-sozialen Zeitung hier in Essen. Wenn auch diese christlich-sozialen Arbeiter noch sehr weit von der Sozialdemo- kratie entfernt sind, so ist doch diese Emanzipation der Arbeiter ein nicht zu unterschätzender Fortschritt. Als die Arbeiter Miene machten, selbständig vorzugehen, geriethen die Ultramontanen im Lager der Bürgerpartei schier aus dem Häuschen; der ganze Klerus stand gegen die Arbeiter auf und wendete alle Agitations- mittel an, um die Arbeiter nicht siegen zu lassen. Ein Beweis, wie diese Leute gewillt sind, die Arbeiterfrage zu lösen; sie leiden noch nicht einmal, daß ein Arbeiter in den Reichstag geschickt wird. Das ist doch der furchtbarste Klassenhaß. Die bürgerlich- klerikale Partei haßt die Arbeiter, wenn dieselben als Klasse auftreten, mit dem Einzelnen liebäugelt sie, um ihn in ihr Netz zu locken. Jndcß hat doch alles Schimpfen und Toben der Ultramontanen nichts gefruchtet, der Candidat der christlich-sozialen Arbeiterpartei ist in der Stichwahl mit dem bürgerlich-klcrikalen siegreich aus der Wahlurne hervorgegangen. Herr Stötzel erhielt 11,636, Herr v. Forcarde 7660 Stimmen. Herr Stötzel ist also mit 3976 Stimmen Majorität gewählt. Die Sozialdemo- Katen haben sammt und sonders Herrn Stötzel gewählt. Alles in Allem ist zu constatiren, daß auch hier im Kreise Essen die Arbeiter endlich zum Klassenbewußtsein erwacht sind. W. ASeringekheim(Rheinhessen), 16. Januar. Die hiesigen Rcptilienblätter jubelten:„In unserm intelligenten Rheinhessen findet der Sozialismus keinen Eingang, wie überhaupt da, wo Bildung und gute Schulen smd, wie in Rheinhessen.- Sie glaubten es, dachten aber nicht daran, daß gerade in den Län- dcrn, wo wenig Bildung ist, der Sozialismus nur schwache Wurzel hat, und gerade bei einer intelligenten Bevölkerung die sozialistischen Ideen den leichtesten Eingang finden. Dies hat fich auch am 10. Januar gezeigt. Zwei Tage vor der Wahl stellten die Sozialisten im Wahlkreis Alzci-Bingen-Jngelheim, im Herzen Rheinhessens, einen eigenen Candidatcn auf, Herrn Julius Prätorius aus Alzei, ohne vorher nur im Geringsten etwas gethan zu haben, und bei den gräßlichsten Verleumdungen und Schmähungen von Seiten der Reptilien gegen die sozia- listischen Ideen bekam dennoch Herr Prätorius 150 Stimnicn. Also 150 haben offen Farbe bekannt, aber zehnmal so viel würden bei einer Agitation gewählt haben, welche aus Furcht diesmal noch Herrn Bamberger ihre Stimmen gaben. So etwas ließen sich die Reptilien nicht träumen. Mancher erklärt, es sei ein neuer Geist im Anzug. Ja, so ist es. Obgleich der „Rheinische Beobachter" die gräßlichsten Verleumdungen gegen den Sozialismus bringt,— so brachte er z. B. die drastische Aufforderung und Mahnnng:„Ihr Bauern wählt, wer sein Eigenthum geschützt sehen will, L. Bamberger!"— trotz alledem ist das Mißtrauen gegen Bamberger und all' die Liberalen er- wacht und wächst mit Riesenschritten. Man fängt an, dem So- zialismus Vertrauen zu schenken, man fürchtet nicht mehr das „Theilen" und die sonstigen Märchen, die man uns hier vorge- schwindelt hat. Würde in Rheinhessen jetzt etwas zur Förderung der freiheitlichen Ideen von Außen her geschehen können, so stände es fest, daß bei der nächsten Wahl der sozialistische Can- didat zum Reichstage gehörte. Ein rhcinhessischer Bauer • 1(früher„Reichsfreund"). Manmburg a. S., 23. Januar. Die Reichstagswahl hat Alles geweckt und neues Leben ist erstanden. Eine Lauheit herrschte aber auch vor in Folge der steten Verfolgung, Maß- regelung, Verweigerung der Lokale, wegen des Mangels an Geldmitteln, daß ich selbst bangte für das Resultat. Aber wider mein Erwarten trat eine rege Thätigkeit der Arbeiter ein; sie thaten ihre Schuldigkeit, so daß sich die Stimmenzahl mehr als verdoppelt hat. Deshalb Ihr Arbeiter Naumburgs, die Ihr von der Idee des Sozialismus durchdrungen seid und gesehen habt, das Resultate erreicht werden können, gewiß wird sich Jeder gesagt haben, hättest Du die drei Jahre gewirkt und kleine Opfer gebracht, so wäre unser Candidat Zwicbler als Sieger hervorgegangen. Zeitz hat zu Aller Zufriedenheit seine Schuldigkeit gethan, deshalb richte ich an alle Arbeiter Raum- burgs den Mahnruf: zeiget künftighin, daß auch Ihr be- fähigt seid, etwas Tüchtiges zu leisten; leget Sammelbüchsen an in jeder Werkstatt und sollte es Pfennigweise geschehen, es wird bei den Wahlen im Jahre 1880 schöne Früchte tragen. Die nächste Wahl soll, zeigen, daß der Sieg unser ist. Noch eins sei erwähnt: als in dem Lokal, wo ich mich postirt hatte, schon einige Stimmen abgegeben waren, erschien auch ein wohlbe- kannter Halbbauer. Der Herr Wahlvorsteher, ganz bestimmt diese Stimme für seine Partei vermnthend, warf den Zettel so- fort in die Urne, ohne den Namen des Wählers in der Liste zu finden; er gehörte einem andern Wahlbezirke an! Wie nun den Zettel wieder herausbekommen? Wen haben Sie gewählt? Ant-! wort: Präsident W.! Nun wurde die Urne geöffnet und zwei Zettel dem Halbbaucr vorgehalten, mit der Frage: Ist es der? Nein! Darauf wurde der andere Zettel ausgehändigt und der Wähler in ein anderes Lokal gewiesen. Bei diesem Akte schüttelte ich den Kopf und erhielt deshalb von einem Commissionsmitgliede einen strengen Verweis, den ich nur um deswillen ruhig annahm, um nicht das Lokal verlassen zu müssen. So geht' es zu bei den Wahlen, wenn die herrschenden Parte en allein die Wahlhand- lung leiten. I. K. Warienvcrger Wahlkreis.(Wahlresultat.) Tulke, Staats-! stadt Ichr. 15,50. Flr Schw.-Gmünd Ab. 10,00. Psch Hannover Ab. anwalt in Marienwerder,(cons.) 628; Hausburg, Oekonomierath 00,00; die letzte Sendung war nicht 30,00, sondern 70,00. Witsch in Berlin,(lib.) 2155; Bader, Decan in Ticgcnhaqen,(ultr. i Zittau Schr. 8 25. Khn Ri-derspaar-Sr. 6.00 Ebrt Zwickau Schr.j 886; Winter. Oberbürgermeister in Tanzig, 1; Hurlemann, 4o,00. Be.h Atomz Ab 33.� Sachsenh-uscn Ab. 25,20 Hr. /r�.\° qoaI GM™™*» Helmarshausen Schr. 2,50. Kch Oberdobling Ab. 8,30. Ullrch hier Maurer IN Hamburg,(soz.) 17o Stimmen, �a. 3845 stimmen. Nb. 200,00. Lhinnn hier Ab. 2.20. Ehrlch hier Schr. 12,25. Erl Für den Sozialisten waren 1874 8» stimmen abgegeben, also: 3ol)ann Ab. � Schr. 3.00. Hllngl Ab. 140. Wßlr hier Ab. i,t die sozialistische sttmmeuzahl um 90 gewach, en ohne � 1,50. Kls Magdeburg Ab. 120,00. Glls Hochfelde Duisburg Ab. Agitation. Wahlkreis Kalve-Äschersleken. Es laufen wiederholt Nach- richten ein über Unregelmäßigkeiten und Verstöße gegen das Wahlrecht ein. Als ein Parteigenosse die Urne einmal sehen wollte, sagte man ihm: Das geht Sie nichts an. Als er eine Zählung der Wähler angestellt hatte, wollte es ihn bedünken, es seien 15 weniger gewesen, als das verkündigte Resultat aufwies.— Auch hat der Fabrikant Silberschlach sich recht ausgezeichnet da- durch, daß er an's Wahllokal seinen Auffeher Badche als Auf- passer und Agitator hingestellt, ferner seine Arbeiter mit Bier 3,50. Bttchr Gera Schr. 10,00. Schld Slraßburg Ab. 5,50. Stll Schw.-Hall Ab. 10,05. Schrzr hier Ann. 0,90. Hfm Riesa Ab. 1,25. Wahlfondö. Bon H. K. 5,00, d. Bennewitz 1,00, Liste 37 d. G. Künzel 1,10. Anzeigen ic* Annoncen für die Mittwochs-Nummer müssen bis Mon- tag Bormittags 9 Uhr; für die Freitags-Nummcr bis Mitt- woch-Vormittags 9 Uhr; für die Sonntaas-Nummer bis Frei- und Branntwein vor und nach der Wahl trakttrt dafür, daß tag Vormittags 9 Uhr hier sein, wenn solche noch bestimm» ; Friedrich nur Fr. angegeben war auf dem Stimmzettel. Nun | thue Jeder seine Schuldigkeit auch in dieser Hinsicht, dann ist es !uns möglich, den Gegnern zu lehren, wie man Gesetze zu be- �folgen und nicht zu verhöhnen hat. Fr. Hurlemann, Hamburg, St. Georg, Kleiner Kirchweg Nr. 24. Weeranc, 28. Januar. Die Wahlschlachten sind geschlagen. Wohl mancher Ort unseres Kreises schlummert noch, aber eine rege Agitation kann Alles ändern. Das zeigt ganz deutlich unser Mcerane, wo 1867, als hier Niemand an die sozial- demokratie dachte, das ganze politische Leben gleich Null mar. Bei Stadtverordnetenwahlen wurden nur bis zu 70 Stimmen abgegeben und fast schien es, als sollten die Bourgeois unter sich allein wählen. Da brachten die Reichstagswahlcn ein frischeres Leben in die Massen; Bebel voran, zeigte uns den Weg, und jetzt pfeift der Wind aus einer anderen Gegend. Bei der letzten Stadtverordnetenwahl wurden 1627 gilttge Stimmen abgegeben, die Gegner brachten 16 und wir 14 Stadtverordnete in's Collegium; bei der jetzigen Rcichstagswahl erhielt Bebel 2704, Beck(nationalliberal) nur 734 Stimmen. Daß unsere Arbeiter nur sozialistisch wählen, zeigen unsere vier Arbeiter- bezirke. Es erhielten Stiinmen im 1. Bezirk: Bebel 547, Beck nur 36, » 2.„:„ 464,„„ 64, „ 3.„:„ 468,„„ 84, „ 4.„:„ 471,„„ 38. In der inner» Stadt, wo die Ausbeuter wohnen, erhielt Bebel die Minorität. Das muß uns eine Warnung sein, fest zusam- menzustehen bei der kommenden Neuwahl, die durch die Annahme des Dresdner Mandats seitens unseres früheren Candidatcn Bebel sich nothwendig gemacht hat. Natürlich werden wir bei der Neuwahl wiederum siegen, aber es gilt zu kämpfen, denn ohne Kampf werden unsere Gegner das Feld nicht räumen. Erfurt, 3 l. Januar. Wahlresultat. Stimmberechttgt 27,333, Zahl der abgegebenen Stimmen 12,309, ungülttg 53. Davon erhielten: Dr. Lucius 8438, O. Kapell 2838, Windthorst- Meppen 565, v. Müffling(cons.) 401, zersplittert 19 Stimmen. 1874 erhielten wir ca. 1400 Stimmen. Diesmal also über 100 Prozent mehr. 3,60) Der Vor st and. HL. Programme sind im Vereinslokal zu haben. Leipzig. Wiesbaden.(Allgemeiner deutscher Töpferverein und Berussgenossen.) Den Mitgliedern zur Notiz, daß meine brieflich angeordnete Urabstimmung über den Sitz eines neuen Vororts unver- züglich zu vollziehen ist trotz Gegenordre, da ich für die statutengemäße Leitung des Vereins nicht weiter aufkommen kann/ wenn der Sitz noch länger hier verbleiben sollte. Was meine Bekannimachungen durch den „Vorwärts- anbelangen, so ist bis jetzt noch nichts daran geändert worden durch die Sachlage am hiesigen Orte; ich kann es durchaus nicht zugeben, daß der Voistand hier länger verbleibt, und bitte auf alle Machinationen von anderer Seite keine Rücksicht zu nehmen. Mit collegialischem Gruß Jos. Schweis, Vorsitz., Dotzheimerstt. 41. H. Fennemann, Duisburg, wird abermals ausgefordert „Meue Wett" abzurechnen. Die Expedlton des..Vorwärts". Die Parteigenossen werden um Vermittlung ersucht! Polytechnische Schule zu Langensalza. Das Sommersemester beginnt am 9. April;, der unentgeltliche Borbereitungscurs am 15. März. Prospecte frei. �(11.0349)[390 Dr. Kirchner, Direktor. Soeben erschien: Die Ausruf. Die eben beendeten Reichstagswahlkämpfe haben uns wieder einmal unsere Gegner in ihrer wahren Gestalt gezeigt. Maßregelungen sind an der Tagesordnung, und die Pflicht uiiser Aller ist es, überall wo- möglich ralhend und unterstützend zur Seite zu stehen. In Adorf im sächs. Boigtlande(23. sächs. Wahlkreis) wohnt ein noch junger, kräftiger, dabei fleißiger und geschickler Muschelarbciter Martin Zöllner. Er wurde gemaßregelt wegen seiner tüchtigen sozialistischen Thätigkeit wäh- rend der Wahlbcwegung. Ein biederer, unerschrockener Charakter, ist er für die Partei, wenn er am Platze bleiben kann, ein guter Vorposten im oberen Voigtlande. Wir fordern daher die Parteigenossen aus, Zöllner zu unterstützen, und zwar in der Weise, daß man ihm Auf- iräge giebt. Er verfertigt Muschelportemonnais, Manchettenknöpfe in ganzen Garnituren in einfachem Genre bis zur prachtvollsten Mosaik- arbeit. Wollten die Parteigenossen hier und da zusammentreten und ein halbes oder ganzes Dutzend seines Fabrikates bestellen, so wäre Märtyrer der Commune in Neucaledonien. Berichle zweier Entwichenen. , Bon Mschak Orousset und Ir. Iourde. Preis: 30 Pfennig. Der Erttag dieser deutschen Uebersetzung ist für die deportirten Com- munards und deren Familien bestimmt. Ein grauenhaftes Bild menschlichen Elends und menschlicher Nieder- tracht entrollen die Verfasser. Die wenigen Bogen bilden ein unver- löschliches Denkmal der Schmach für die Henker der Pariser Commune. Verlag der Genossenschafts-Buchdruckerei in Leipzig. Färberstraße 12/11._____ tili yuiucx» yunt yuuzc»-vuptuu jciuts' � vt|icuru,|U luuic» TT* j• 11 ihm bald eine unabhängige Stellung geschaffen und die Partei hätte in DlMÄ£'8TllV, lÜstOirO 0.6 Icl 1�011111111110 Adorf, dem liberalen Hauptquartier im oberen Voigtlande, einen wackeren~ Vorposten erhalten. Bestellungen adressire man: Martin Zöllner, ClG 1oT 1 Muschelarbeiter. Adorf i. V., Sachsen. Das Centralwahlcomitö des 13. sächs. Z NB. Wir bitten um Abdruck in den Parteiblättern. Wahlkreises. ist im französischen Original erschienen und vom Unterzeichneten zu 9 Mark zu beziehen. An Wiederverkäufer Rabatt. Die deutsche Uebersetzung ist in Arbeit und wird in einigen Mo- naten erscheinen. Für Arbeiterkreise wird eine Ausgabe zu er- mäßigtem Preise veranstaltet.(3,10 Braunschweig, 30. Januar 1877. (2a) W. Bracke jr. Briefkasten der Redaktion. F. E. in Zw: Ihre Borlesungen werden Sie ohne Intervention der Polizei wohl nicht lange fortsetzen können. Das Beste ist, Sie wirken direkr für die Partei und suchen in Hamburg die Ernennung zum Parteiagcntcn zu erwirken. der Expedition. A. D. B. Gera: Die„Wage- ist durch jede Buchhandlung und Postannalt zu beziehen; Redaktion und Selbstverlag von Guido Weiß, Michaelkirchplatz 13, Berlin 80. Preis pro Quart. 4,50. Durch die Post bezogen frei in's Haus wahrscheinlich einige' Groschen Zuschlag.------ i sind ä Stück M. 1,20 gegen baar oder Nachnahme(excl. Porto) durch Di-... vcrjchi.dcn.n Part.iblöl!........»i-n-i.„.»y-O-«■ 3«*".«"»»»»■'"■l"*"» 19'» s 8s»srtt5ti5Ä8i Ä'/tiSs'°°d-i ersucht, der Post von jetzt ab je ein Exemplar für W. Frick, Bremen, bezng entsprechenden Rabatt.[360 EleganteEmbanddecken für die Neue„Welt" Seemanns straße 1, aufzugeben. Quittung. Thmr hier Ab. 5,80. Fachver. d. Kleiderm. Steyr Ab. 3,20. Grl Zeitz Ann 0,90. Dttrch Erfurt Schr. 1,10. Thms Langensalza Schr. 1,50. Sllgmmller Zell Schr. 14,80. Zhtnr Darm- NB. Es empfiehlt sich bei Einzelbezug Einsendung von Briefmarken. Verantwortlicher Redaktmr: W. Liebknech/t in Leipzig. Redaktion und Expeditton Färberstraßc 12/11. in Leipzig. Druck und Verlag der Benossenschaftsbuchdruckerei in Leipzig selbige den Ämtsrath Dietze wählen sollten und gewählt haben. Aufnahme finden sollen. Annoncen, denen der Betrag nicht In Nachterstedt wurden, wie man hört, die Ärbeiter mit Bier bmllegt, oder für welche der Einiender kein g.epot be, uns hat, und Cigarren zum Wahllokal gettieben mit der Drohung: wer �"«en eine Aufnahme ntchl ft�en. Hurlemann wcht wird abgelohnt. Dergleichen Fälle sind viele t i»«"tttärts"._ ».rfltlommen. M.» Mm m.->»,. LttWg.»l. mngen zur öffentlichen Kenntmß und es wird sich zeigen, daß rw � VT7t die Sozialisten die Gesetze besser respektirt haben als die Herren A. V 1. �ttstlUl�ÖsClt Gegner. Zeugenmäßig festgestellte Vergehen werden an den(n �er Tonballe" ! R-ichstag gebracht werden. Auch bitte ich den Parteigenossen in in Concert. Gesang, Festrede vom Reichstagsabgeordneten Calbe, mir den Ort noch einmal zu nennen, wo der Herr Kantor-r» st aus«erlitt m,h«all a«""" als Wahlvorsteher so kühn gewesen ist, unsere Stimmzettel für!�'*erItn Anfang Abends',8 Uhr. ungültig zu erklären, weil der Vorname des Candidatcn statt � Freunde und Gönner des Vereins ladet freundlichst ein Metallarbeiter-Gewerkschaft. Sonnabend, den 3. Februar, Abends 8 Uhr, bei Jul. Menzel am Täubchenweg: Versammlung. Tagesordnung: Ge- werkschaftliches�______ Der Bevollmächtigte.[40 Centralwahlcomitü. Mittwoch, den 7. Februar, Abends>/,9 Uhr: Sitzung im Arbeiterbildungsverein. Tagesordnung: I) Bericht der Kassenrcvisore«. 2) Berathung über die Agitation im 10., II., 13. und 14. Wahlkreis. Die Mitglieder des Kreiscomites sind hierzu dringend eingeladen. Alle Diejenigen, welche noch Forderungen in Wahlangelegenheiten zu machen haben, müssen dies bis Mittwoch thun. 90)_ I. A.: Chr. Hadlich, Vorsitzender. 13. Wahlkreis. �l/Vilttl-yz. Die hiesigen Genossen laden zu ihrem heut statt- findenden Wahlfeste alle Wähler Temmlers, sowie Freunde der Ar- beitersache sreundiichst ein.� Eintritt frei.(120 Eine Genoffenschaftsdmckerei,'�°°K rentirende sozialistische Zeitung herausgibt, sucht ein Kapital von drei bis vier Tausend Mark für den Zeitraum eines Jahres aufzunehmen. Schriftliche Offerten wolle man unter der Chiffre F. an die Expedition dieser Zeitung einsenden.(im Marie, schrb. sogl. d. 8tail— ley, zweimal bei u. gewesen.(30 Zur Notiz für Gesangvereine. Da wir hier am Orte gesonnen sind, einen Arbeiter-Gesangverein zu gründen, so ersuche ich auswärtige Gesangvereine gefälligst um Uebersendung von Statuten. Auslagen vergütet fF. 330) Zeitz, den 29. Januar 1877,(70 Hermann Graul, Besenstraßc 1.