Erscheint in Leipzig Mittwoch, Freitag, Sonntag. Abonncmcntsprcis s>.r ganz Dentichland t M, 60 Ps. pro Quartal. Monats- Abonucments werden dei allen deutschen Postanstalten aus den 2. und Z. Monat, und aus den Z. Monat besonders angenommen: im KSnigr, Sachsen und Herzogth. Sachsen- Allenburg auch aus den tten Monat des Quartals k 54 Psg. Inserate betr. Versammlungen pr. Petitzeile lv Pf., betr. Prioatangelegenheiten und Feste pro Petitzcile 30 Ps. vorwärts Vestcllunzen nehmen an alle Postanstalten und Buch. Handlungen des In- u. Auslaudco. Filial- Expeditionen. New-Borl: Soz.-dcmolr. Genossen- schastsbuchdrulterei, 154 Llllricksa Kir. Philadelphia: P. Haß, 630 hlortll 3-4 Streut. I. Boll, 1123 Charlotte Str. Chicago: A. Lansermann, 206 Division Street. San Franzisco: F. Entz, 413 OsFar- reil Street. London: Bändig, 5 Nassau Street, Middlescx Hospital. Gentrak Hrgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 16. Mittwoch, 7. Februar. 1877. An alle Gesinnungsgenossen! Zum Wahlfonds sind in kürzester Frist noch Gelder erforderlich, um die Nachwahlen in Altona, Glauchau- Meerane und Breslau unsererseits mit Erfolg betreiben zu können. Sendungen sind zu richten an August Geib, Hamburg, Rödiugs- markt 12. Die Reichstagswahlen. Das Resultat sämmtlicher 397 Wahlen für den deutschen Reichstag ist nun bekannt. Gewählt sind: 39 Couservative, 32 Freiconservative, 146 Nationalliberale und Anhängsel, 33 Fort- schrittler, 93 Centrumslcute, 13 Polen, 9 Partikularisten, 15 Elsaß-Lothringer, 4 Vertreter der„Volkspartei", 13 Sozialisten. Um die„Bewegung" der Parteien, ihr Wachsthum und ihren Verfall klar zu überschauen, müssen wir die Zusanlinen- setzung des neuen Reichstags mit der seiner Vorgänger vergleichen. Im Reichstage des Norddeutschen Bundes(1867) zählten: die Nationalliberalen 97, die Conservativen 55, die freien Eon- servativen(im Allgemeinen den späteren Neuconservativen ent- sprechend) 40, das Centrum(unter welchem Namen sich damals altliberale und freiconservative Elemente vereinigten, z. B. Baumstark, Max Dunckcr, Sänger ic.) 27, die Linke(Fortschritt) 19 Mitglieder, Sozialisten 7. Im ersten deutschen Reichstage gestaltete sich nach den Wahlen von 1871 das Parteiverhältniß wie folgt: Nationalliberale 116, Centrum(unter welchem Nam�n von jetzt an die Mtramontanen auftreten) 61, Conservative 53, Fortschrittspartei 45, Reichspartci 35(später 36), liberale Reichs- Partei 28(später 30), Polen 12, Wilde 23, darunter 1 Sozial- demokrat(6 Mandate waren in der Session erledigt). Die letzte Session des ersten Reichstages(1873) weist folgende Zahlen auf: Nationalliberale 1 15, Centrum 66, Conservative 50, Fortschritts- Partei 45, deutsche Reichspartei 34, liberale Reichspartei 30, Polen 13, Wilde 23, darunter 1 Sozialdemokrat; erledigt 6. Nach den Neuwahlen von 1874 traten die Parteien in der ersten Session in folgender Stärke auf: Nationalliberale nebst An- hängsel(die ehemalige liberale Reichspartei u.s.w.) 170(später 173), Fortschritt 47(später 38 durch Absonderung der Gruppe Löwe), Centrum 94(später 92), deutsche Reichspartei 31, Conservative 21, Polen 14, Sozialdemokraten 9. In der Session von 1875 zählten: Nationalliberale und Anhängsel 170, Fortschritt(ohne Gruppe Löwe— 10—) 36, Centrum 93, deutsche Reichspartei 32, Conservative 20, Polen 13, Sozialdemokraten 9. Nehmen wir die zwei im Reichltag am zahlreichsten vertretenen Parteien, die Nationalliberalen und Ultramontanen. Die Nationallibcralen 1867: 97; 1871: 116; 1874: 170; 1877: 146. Die Ultramontanen 1867: 27; 1871: 61; 1V74: 93; 1877: 93. Diese Zahlen sind äußerst lehrreich. Sie zeigen, daß Ver- folgung die Parteien nur kräftigt, während anderseits die stärkste Partei, selbst wenn sie die herrschende ist und über die Staats- Maschinerie verfügt, zerbröckeln muß, sobald das Volk sich von ihrer Gemeinschädlichkeit zu überzeugen beginnt. Die Centrums- Partei ist am mächtigsten gewachsen im Toben des Culturkampfs. Jetzt, wo der Kampf eingestellt ist und eigentlich nur noch zum Schein unterhalten wird, hat auch das Centrum keinen Zuwachs bekommen und präsentirt sich genau mit dem alten Bestand. Der Sozialismus, dessen Wachsthum in ähnlicher Weise künstlich beschleunigt wurde, hat— von seiner wissenschaftlichen Gnind- läge abgesehen— vor dem Ultramontanismus den Vortheil voraus, daß die Verfolgungen nicht eingestellt sind, und daß die Herren Tessendorff und Compagnie mit ungeschwüchten Kräften für uns Propaganda machen. Recht deutlich tritt der Verfall der liberalen Parteien aus obigen Ziffern entgegen. Verglichen mit dem 1874 gewählten Reichstag haben sie im Ganzen 37 Mitglieder verloren: die Fortschrittspartei 3, die nationalliberale Partei nebst Anhängsel, einschließlich der„Gruppe Löwe", 34. Für diese Partei der politischen Heuchelei und der Prinziplosigkeit aus Prinzip war der 10. Januar 1877 aller- dings ein Volksgericht. Ter Januar 1880 wird noch unerbitt- licher sein, daher der charafteristische, das schlechte Gewissen der Herren so recht deutlich verrathcnde Vorschlag, die Legislatur- Periode des jetzigen Reichstages um vier Jahre zu verlängern, also sie sieben Jahre dauern zu lassen, statt der verfassungs- mäßigen drei. Unsere Gegner fangen zum Theil an, sich des Zctergeschrei's zu schämen, in das sie nach Bekanntwerden der sozialistischen Wahlerfolge ausbrachen, und wollen nun gar so thun, als seien sie keineswegs überrascht worden und hätten auch nie an neue Reaktionsmaßrezeln gedacht. Am komischsten geberdet sich in vieler Beziehung die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung"; nach- vcnl sie noch Tags zuvor mit der ihr eigenen Schamlosigkeit das ��zwtionsgeschäst gegen unsere Partei ausgeübt, schreibt sie .«-�«Vorwärts" läutet aus Leibeskräften Sturm, signalisirt das unmittelbare Hervorbrechen der rothen Reaktion, die Auf- Hebung leglicher Freiheit, insonders des allgemeinen Wahlrechts, m c �serCin� un� Preßfreiheit k., und führt als Grund seiner Behauptung die Furcht und Bestürzung an, die seiner Aussage zufolge über die Siege des Sozialismus unter den besitzenden Klajsen, unter den Liberalen und weiß Gott wo sonst noch Herr- lchen sollen. Ter„Vorwärts" liebt es, mit sehr grellen Farben aufzutragen, und das soll ihm auch unbenommen sein; er wird aber ehrlich genug sein, zuzugestehen, daß es viele Kreise gegeben hat, die über die Erfolge der Sozialdemokratie gar nicht über- rascht, die vielmehr verwundert sind, daß sie nicht noch bedeu- tender waren. Man kann dem„Vorwärts" zum Ueberfluß ver- sichern, was er ja ohnehin schon genau weiß(!), daß die Staats- leitung Deutschlands und Preußens auch unter der Zahl der Nichtüberraschten und Nichtüberrumpelten sich befindet, daß man das Wachsthum der sozialistischen Partei da zu genau verfolgt hat, als daß man nicht längst Warnungszeichcn hätte aufziehen sollen. Allein da die Gefahr sich nun doch geringer herausgc- stellt hat, als man glaubte annehmen zu sollen, so läßt es sich ja ermöglichen, dem festioa lente*) Rechnung zu tragen. Uebcr- haupt lieben Staatsmänner, die von ihrem Metier wirklich etwas verstehen, ernste und heikle Fragen dilatorisch(!) zu behau- dcln und abzuwarten, ob die allgemeine Vernunft nicht von selbst, ohne Anwendung schärferer Mittel, zum Durchbruch ge- langen wird." So die„Norddeutsche", mit deren Schreibweise wir uns hier nicht befassen wollen. Wir möchten ihr blos die Frage vorlegen, woher sie, als Organ, das nach den bestimmtesten amt- lichen und nichtamtlichen Erklärungen, ja nach der kategorischen Aussage des Fürsten Reichskanzlers selbst, außer jeder Beziehung zu Regierungskreisen und speziell zur„Staatsleitung Deutsch- lands und Preußens", d. h. des Fürsten Bismarck steht, ihre Information über die geheimsten Ansichteil und Absichten der „Staatsleitung Deutschlands und Preußens", d. h. des Fürsten Bismarck bekommen hat? Die gute„Norddeutsche" hat eben wieder einmal geflunkert. Was die Ansichten und Absichten des Fürsten Bismarck betrifft, so schmeicheln wir uns, dieselben ebenso gut zu kennen, wie die„Norddeuffche Allgemeine Zei- tung". Daß der genannte geniale Staatsmann sich um unsere Sache ein unbezahlbares Verdienst erworben hat, ist von uns wiederholt, ja schon im Reichstag, dankend hervorgehoben worden, allein bis heute haben wir nicht zu entdecken vermocht, daß er auch nur das ABC der sozialistischen Strebungen begriffen, das Wesen der sozialistischen Bewegung erfaßt habe. Kurz, daß Fürst Bismarck für uns agitirt, in Wirklichkeit unser bester Agitator ist, steht fest, daß er aber die Wirkungen seiner Agi- tation so richtig vorausgesehen habe, wie die„Norddeutsche All- gemeine Zeitung" behauptet, wird Niemand uns einreden. Doch lassen wir das. Es soll uns lieb sein, wenn unsere leitenden Staatsmänner wirklich ganz unbemerkt von dem„staatsmänni- scheu" Geist erfüllt worden sind, welchen die„Norddeuffche Zei- tung" ihnen zuschreibt. Richtiger, es sollte uns nicht lieb sein, denn auf dem bisherigen Weg kommen wir schneller zum Ziel, gelangt„die allgemeine Vernunft" rascher„zum Durchbruch". Doch wir können unbesorgt sein. Der Vater der Strafgesetz- Novelle wird sein Versprechen, dieselbe wieder dem Reichstag vorzulegen und mit Hülfe des„rothen Gespenstes" durchzu- drücken, unzweifelhaft erfüllen, wenn auch nur„dilatorisch", zu deutsch: wann es ihm paßt. Und die„allgenleine Vernunft"! Arme Norddeutsche, hast Du die ultima ratio des preußischen Monarchen vergessen? Wir kennen Staatsmänner, für die noch heute die ultima ratio (der Krupp'scheit Gußstahlkanonen) mit der„allgemeinen Ver- nunft" zusammenfällt. Die„Reptilicnblätter" mögen sich noch so sehr dagegen ver- wahren, daß Reaktionsmaßregeln geplant werden— die Logik der Thatsachen ist stärker als der Wille der Menschen. Die politischen Gegensätze werden sich schärfer und schärfer zuspitzen, und, so lange nicht vollkommene Freiheit herrscht, so lange es Unterdrücker und Unterdrückte gicbt, wird mit dem Gegendruck von unten nach oben auch der Druck von oben nach unten sich vermehren— so lange vermehren, bis die Maschine den Dienst versagt oder der Dampfkessel Platzt. So war es, so ist es, so wird es sein. Der politische Kamps in den Vereinigten Staaten. Columbia i» Südkarolina, 13. Januar. Die bangeste Ungewißheit in Betreff der künftigen Gestaltung der Dinge lastet gegenwärtig auf dem amerikanischen Volke. Ist es die Unentschiedenheit der Frage, ob Hayes oder Tilden als Präsident installirt werden soll, oder die Ahnung, daß ein Ende der wirthschaftlichen Krisis vorläufig nicht abzusehen ist? Jedenfalls sind die ehemaligen sanguinischen Hoffnungen bedeu- tend gesunken, nachdem man immer mehr einzusehen beginnt, daß die Prosperität eines Landes nur in gewisser Beziehung von dem Siege einer Partei abhängt; eine Annahme, die im besagten Falle aber hinfällig ist, da beide Parteien durch und durch corrumpirt sind und nicht den mindesten Anspruch auf das Vertrauen des Volkes besitzen. Mit dem Volk, von welchem hier die Rede ist, kann natürlich nur die Masse gemeint sein, welche noch jeder Einsicht in die heutigen Staatsverhältnisse ermangelt; eine Masse, die ihre Stimmen auf zwei Männer ver- einigt, von denen jeder im Falle seiner Wahl ganz bestimmt nur sein, d. h. das Interesse der herrschenden Klasse berücksichtigt, niemals aber den Leiden des Volkes die gebührende Aufmerk- samkeit schenken wird. Und leidet denn das Volk? Eine Frage, die eigentlich gar keiner Beantwortung benöthigt. Man blicke nach den Industriestaaten des Ostens, wo ein grauenhaftes Elend herrscht, oder nach den westlichen und südlichen Ackerbaustaaten, wo in gleichem Maße die Armuth schrecklich zu Tage tritt. Dazu kommen speziell im Süden noch die provozirten Staats- wirren, die vollends jede Hoffnung auf einen auch nur momen- tauen Aufschwung der Geschäfte im Keime ersticken. Was in *) Eile mit Weile. letzterer Zeit in den Staaten Lousiana, S.-Karolina und Florida sich ereignete, war die nothwendige Folge des amerikanischen Regierungssystems, wie solches in den letzten zwölf Jahren der Herrschaft der republikanischen Partei zur Geltung kam. Auf eine dauernde Lebensfähigkeit kann solche Wirthschaft nicht rechnen; ebensowenig aber kann eine Wendung zum Besseren eintreten, so lange beide Parteien das eigentliche Volk im Schach halten. Es ist„der Kampf um die Beute", der sich jetzt in der Union abspielt, nicht ein Läutcrungsprozeß des amerikanischen Volkes, wie von den großen Blättern der anglo-amerikanischen Presse, dem New-Aorker„Herald" und der„Times" lügnerisch versichert wird. Man sieht, wie Betrügereien von den höchsten loie von den niedrigsten Beamten verübt werden, die Presse deckt sie auf und theilt sie bis in die kleinsten Details mit; damit aber glaubt sie ihre Aufgabe erfüllt zu haben, denn die Entrüstung des Volkes darf und soll nicht wachgerufen werden. Es müssen wahrscheinlich noch ganz andere Ereignisse eintreten, viel über- wältigenderer Natur, ehe die Geduld des Volkes wirklich zu Ende geht. Die Arbeiterklasse im Besonderen verhält sich alledem gegen- über gleichgiltig. Natürlich machen die sozialistischen Arbeiter eine Ausnahme, aber ihre Zahl ist noch gering und folglich ohne jeden Einfluß auf das Getriebe der Staatsmaschine. In einem kürzlich erschienenen Artikel des„Vorwärts",„Die National- Wahlen in der Union", wurde des Näheren ausgeführt, weshalb die amerikanischen Arbeiter noch nicht die achtunggebietende Stel- lung einnehmen, die ihnen gebührt. Schreiber dieses schließt sich dem vollkommen an, er hat auch die Ueberzeugung, daß eine der Ursachen die ist: daß sich die Thätigkeit der Arbeiter zu ausschließlich auf die einzelnen Vereine beschränkt, statt den Gegnern mit praktischen Maßregeln entgegen zu treten und ihre Handlungen zu vereiteln.— Die Frage, ob„politisch oder ge- werklich" das ersehnte Ziel zu erreichen ist, mag Manchen noch als eine offene erscheinen, für den mit hiesigen Verhältnissen Bekannten ist sie bereits entschieden; es ist nothwendig, die Herr- schende Klasse aus den Boden bekämpfen, wo sie dem arbeitenden Volk entgegentritt. Bei der letzten Wahl haben Millionen ihre Stimmen denen gegeben, welche ihre erklärten Feinde sind; und gerade diejenigen,' welche schon in Vereinen organisirt sind, haben ein ganz erhebliches Contingent dazu gestellt. Anderseits kann als positiv angenommen werden, daß Arbeiter ganz passiv ge- blieben sind, aber eben diese Unthätigkeit macht die herrschende Klasse sich zu nutze. Bei der letzten Wahl wurde mit einer wahren Erbitterung gekämpft. Die Redner beider Parteien versuchten mit der ganzen Kunst der Beredsamkeit, ihrer resp. Partei zum Siege zu ver- helfen. Und so wie das Volk die Blätter mit Eifer las, ebenso aufmerksam lauschte es den Rednern. Die ungeheure Aufregung, welche sich aller Gcmüther bemächtigte, zeigte jedem Unbefangenen, mit welchem Interesse das Volk den Regierungswechsel verfolgt. Dabei kommt nicht in Betracht, welcher Art derselbe ist, nur das Vorhandensein des allgemeinen Interesses möge constatirt werden. Wenn wir nun die Ereignisse des Centennialjahres, das mit der Präsidentenwahl seinen Abschluß fand, überblicken, so machen wir die Wahrnehmung, wie die amerikanische Bourgeoisie sich in ihren Positionen eher befestigt hat, als daß sie gewichen ist. Nennenswerthe Erfolge seitens der Arbeiter sind leider nicht zu verzeichnen. Die Industriearbeiter des Nordens sowohl wie die ländlichen Arbeiter der Reis- und Zuckerplantagen des Südens mußten sich bedeutende Lohnherabsetzungen gefallen lassen, ihre Vereinigungen waren machtlos gegenüber dem Kapital. Auch ist die amerikanische Bourgeoisie so gut organisirt, wie vielleicht nirgends. In den kleinsten Orten in allen Staaten hat sie ihre Agenten und Headquarters(Hauptquartiere). Während der letzten Wahl hatte der Schreiber Dieses Gelegenheit, ihre Agita- toren in elenden Negerdörfern anzutreffen, beschäftigt damit,' sich der Mitwirkung der Neger zu versichern. Man kalkulirt sehr richtig, daß zur Erreichung des Zweckes das Volk gewonnen werden muß, deshalb muß die Agitation dasselbe bei seinen Neigungen anfassen. Der äußere Prunk versagt seine Wirkung nicht, große Kosten werden nicht gescheut, handelt es sich doch darum, die Staatsgewalt zu erhalten und hierzu ist die politische Aufregung nöthig. Nüchterne, besonnene und berechnende Cha- raktere wenden sich mit Ekel von solchen Schauspielen ab, aber es hilft ihnen nichts, wollen sie den Feind erfolgreich bekämpfen, so müssen sie dessen Kampfcswcise acccptiren, freilich nur inso- weit, als man die Masse aufrüttelt und bewegt, sich mehr den öffentlichen Angelegenheiten zuzuwenden. Lernet von den Gcg- nern, lernt wie es möglich ist, daß die Gegner ihre Ma.yt erhalten. Schweifet nicht in die Ferne, sondern kämpft auf dem realen Boden der wirklichen Verhältnisse. Urtheilt nicht so geringschätzend über die politische Macht, sie ermöglicht es eben einer geringen Zahl, die Masse niederzuhalten. Hat der Arbeiter erst begriffen, daß er seine Aufmerksamkeit mehr auf den Staats- organismus richten muß, natürlich ohne den Kampf auf sozialem Gebiet auch nur im geringsten zu vernachlässigen, so werden sich bald prakiische Erfolge zeigen, die von nicht zu unterschätzender Wirkung für die gesummte amerikanische Arbeiterklasse sein werden. E. J. Sozialpolitische Uebersicht. —„Die schwarz-rothc Schlange". Herr Dernburg» der bei der Stichwahl vom 23. Januar im Offcnbach-Dieburger Kreis mit Ach und Krach und nichts weniger als mit Ehren über Liebknecht siegte, hat an sein Wahlcomite folgendes tele graphische Bulletin gerichtet:„Berlin, den 26. Januar 1877. �Herzlich freudigen Dank den Wählern, welche auch diesmal für des Reiches Freiheit(!) und Wohlfahrt so tapfer eintraten und der schwarzrothen Schlange auf den Kopf traten. Dern- bürg." Die„schwarzrothe Schlange" sind die 10,55(1 Wähler, welche am 23. Januar 1877 durch ihre Abstimmung bekundet haben, daß sie mit der elenden Hcuchlerpartei, die von„Freiheit und Wohlfahrt" spricht, in Wirklichkeit aber die Freiheit verräth und die Wohlfahrt des Volkes zu Grunde richtet, nichts mehr zu thun haben wollen. Wenn man bedenkt, daß der ganze Regie- rungsapparat für die Candidatur des Hrn. Dernburg in Be- wegung gesetzt, und daß von Seiten der nationalliberalen Herren Bourgeois mit beispielloser Frechheit gelogen, gefälscht, bestochen und eingeschüchtert wurde, so sind wir zu der Annahme berech- tigt, daß weitaus die Mehrheit der Wahlberechtigten des Offen- bach- Dieburger Kreises über diese Partei der politischen Heuchelei und Niedertracht endgültig den Stab gebrochen hat. Und die Majorität des Volkes in seinem Wahlbezirk nennt Herr Dernburg eine„Schlange"! Der Anstand und die Bildung des Herrn Dernburg stehen auf gleicher Stufe mit seinem persönlichen zMuth. Im De- cenibcr vorigen Jahres von Liebknecht zu einer öffentlichen Disputation vor den Wählern herausgefordert,„drückte er sich" (oder„kneifte", wie der Studentenausdruck lautet) mit— wah- rein Heroismus, und vor der Stichwahl getraute er sich gar nicht in seinen Wahlkreis zu kommen, weil Liebknecht dort war, und er diesem nicht hätte ausweichen können. Wiederholt schrie- ben ihm seine Wähler, er möge doch kommen, sein Ausbleiben mache einen schlechten Eindruck— umsonst, der tapfere Dern- bürg war durch keine menschliche Macht aus seinem heldenmüthig verthcidigten Berliner Dachsbau herauszutreiben. Und dieser— Dernburg wagt es, nach seinem durch die unlautersten, ge- meinstcn, zum Theil ungesetzlichsten Mitteln, nicht erkämpften, sondern erschlichenen Wahlsieg, 10,550 ehrliche Männer in dieser Weise zu beschimpfen! Das kennzeichnet den Mann, das kennzeichnet seine Partei. Die Züchtigung wird nicht ausbleiben. Und die„schwarzrothe Schlange"— doch theilen wir erst eine Notiz mit, welche das„Leipziger Tageblatt" vor einigen Tagen brachte. Es hieß da: „Leipzig, 26. Januar. Bei der Stichwahl im Wahlkreise Offenbach-Dieburg siegte, wie bereits gemeldet, der nationallibe- rale Candidat Chefredakteur Dernburg in Berlin mit 12,250 Stimmen gegen Schriftsteller W. Liebknecht in Leipzig, Sozial- dcmokrat, der 10,550 Stimmen erhielt. Dernburg steht an der Spitze des leitenden Blattes der nationalen Partei in Deutsch- land, der„National-Zeitung"; Liebknecht ist die Seele des Mo- uiteurs der Sozialdemokratie, des„Vorwärts". Es standen sich also hier das nationale und das reichsfreundliche(wörtlich! Lieb- knecht wird sich gegen das ihm aufoktroyirte„reichs freundliche Prinzip" sicherlich mit Nachdruck verwahren) Prinzip in ihrer schärfsten Verkörperung gegenüber, und das in einem Kreise mit dichter Arbeiterbevölkerung! Liebknecht war selbst in Offenbach, um seine Wahl gründlich zu betreiben. Dennoch unterlag er. Das ist ein höchst bedeutsamer Sieg. Wie die„National-Zei- tung" mittheilt, hatten in Folge getroffener Verabredung und auf ausdrückliche Aufforderung des nicht zur Stichwahl gelangten ultramontanen Candidaten Kaufmann Rackö zu Mainz die Ultra- montanen für den sozialdemokratischen Candidaten gestimmt. Es untersteht keinem Zweifel, daß dies ultramontan-sozialistische Bündniß von dem Bischof v. Kettelcr von Mainz ausdrücklich approbirt worden ist; wie auch die Sozialdemokraten in Mainz für den dort in der Stichwahl unterlegenen ultramontancn Can- didaten Domcapitular Kr. Moufang stimmten. Das Bündniß zwischen dem Mainzer Bischofstuhl und der sozialistischen Um- sturzpartci hat daher noch nicht einmal den Erfolg für sich ge- habt." Dies die Notiz. Falsch, wenn nicht geradezu gelogen ist, daß Liebknecht„in einem Kreise mit dichter Arbeiterbevölkerung" unterlegen sei. Im eigentlichen Offenbacher Kreis, der eine „dichte Arbciterbevölkerung" hat, siegte Liebknecht mit großer, in vielen Orten mit erdrückender Majorität; sogar in der Stadt Offenbach hatte er bei der Stichwahl eine namhafte Majo- rität. In dem nicht industriellen Odenwald, dem Die- burger Kreis, hatte dagegen Dernburg eine ausschlaggebende Majorität, die er aber hauptsächlich nur denjenigen Orten vcr- dankt, in welche die sozialdemokratische Agitation noch nicht eingedrungen, oder aus denen sie durch die brutalsten Gewalt- thätigkeiten und erbärmlichsten Kniffe ferngehalten worden war. Was endlich das„Bündniß der Schwarzen und Rothen" be- trifft, soist es in diesem, wieinjedcmandernFall ein nationalliberales Lügenmärchen. Der Versuch wurde gemacht, ein Bündniß mit den„Schwarzen" zu schließen, aber nicht von den„Rothen" sondern von dem Wahlcomitö des Hrn. Dernburg, das sich vor der Stichwahl an Hrn. Kadler, Redakteur der angeb- lich ultramontanen„Starkenburger Provinzialzeitung", des einflußreichsten Organs der Odcnwälder Katholiken, wandte, und ihn, den vorher mit Koth beworfenen Schwarzen, um Unter- stützung im Kampf gegen den Rothen bat, eine Zu- muthung, die natürlich mit einem ebenso wohlapplizirten als wohlverdienten Fußtritt von Hrn. Kadler zurückgewiesen wurde. Und das erfrecht sich von„schwarzrother Schlange" zu reden! Daß die Katholiken, die übrigens in Hessen hundertmal liberaler lohne Gänsefüßchen) sind, als die Nationalliberalen, zum Theil lieber für einen Mann stimmten, der ein Gegner aller Ausnahme- gesetze ist, als für einen, der die Ausnahmegesetze gegen die Ka- tholiken hat machen helfen, war sehr natürlich, und indem Herr Racke ihnen den Rath gab, dies zu thun, handelte er einfach im reichen mußten, um einige wenige Stimmen mehV in die Urnen Interesse seiner katholischen Wähler. Der Rath wurde indeß zu bekommen. Nun, hoffentlich werden die Wahlprüfungen Licht in Großsteinhcim j in das Dunkel der Wahlumtriebe bringen; an Bcweismaterial ausdrücklich, daß die Agitation gewisser Nationalliberaler gegen mich gipfelte in der gemeinsten Schurkerei und Büberei. Bockenheim, den 23. Januar 1877. Karl Frohme." Wir können dem hinzufügen, daß auch in dem Nachbarwahl- kreise Offenbach die moralisch verwerflichsten und gesetzlich straf- barsten Mittel angewandt worden sind, um die Stichwahl zu Gunsten des„liberalen" Dernburg zu beeinflussen und zu fäl- scheu. Und wie in diesen beiden Wahlkreisen, so haben die Gegner der Sozialdemokratie überall die letzten Restchcn von Scham und nicht minder die Achtung vor dem Gesetz über Bord geworfen um die verhaßten Sozialdemokraten zu„schlagen". Zu schlagen? Nein, wir sind nicht geschlagen, selbst da nicht, wo wir unterlegen sind. Es ist in Wahrheit ein großer Triumph unserer Sache, daß die sonst uneinigen Gegner gezwungen waren, sich zu vereinigen, um uns zu bekämpfen und daß sie trotz ihrer Bereinigung noch der Niedertracht und Ungesetzlichkeit die Hand von vielen derselben nicht befolgt, z. B und sonstigen katholischen Orten stimmten die Katholiken nicht für Liebknecht; hierund da sogar g e g e n ihn und für D e r n b u r g, z. B. in Heusenstamm. Mindestens 1600 der Wähler Rackö' senk- hielten sich, wie die„Starkenburger Provinzialzeitung" ausge- rechnet hat, der Stimmenabgabe— der beste Beweis, daß die Behauptung, Bischoff Ketteler, überhaupt der katholische Klerus, habe für Liebknecht gewirkt, eine infame Verleum- dung ist, so infam, wie die andere Behauptung, in Mainz hätten„die Sozialisten" laut des„ultramontan- sozialistischen Bündnisses" für Moufang gestimmt. Hätten die Wähler Racks's bei der Stichwahl„geschlossen" für Liebknecht gestimmt, so wäre schon diesnial Herr Dernburg unterlegen. Nun, was jetzt nicht wird es nicht fehlen. — Die Reichstagswahlen haben die interessante That- fache zu Tage gefördert, daß die Gewerkocreinsmitglicder(Hirsch- Duncker) in der Mehrzahl für sozialistische Candidaten gestinimt haben, und zwar, wie kaum erwähnt zu werden braucht, gegen den ausdrücklichen Befehl des bekannten„verdienstvollen" Än- walts. In Magdeburg z. B. wurde ihnen strikte aufgegeben, bei der Stichwahl für Herrn v. Unruh zu stimmen, sie stimmten aber, wie die„Berliner Freie Presse" mitzutheilen in der Lage ist, frischweg für Bracke. Aus dieser Haltung der Gewerkvereins- .. Mitglieder in politischen Fragen ergiebt sich, daß die meisten der- gelaug, wird in drei Jahren geschehen. Im Januar 1380 wird selben lediglich der Unterstützungskassen, rcsp. ihrer zu denselben die Majorität des Offenbach- Dieburger Kreises(auch wenn er gezahlten Gelder halber den Gewerkvereinen angehören. Sin zerrissen werden sollte) das thun, was 24 deutsche Wahlkreise sehr loser Kitt! ;chon jetzt gethan haben, nämlich der schwarz-weik-rothen Schlange auf den Kopf treten.— Höchst überflüssig. Die conservative„Deutsche Reichs- 1 Post" brachte in ihrer Nr. 23 vom 28. Januar einen Leitartikel, — Ein Reichsfreund und Gesellschaftsretter.(Be- welcher die Schwierigkeit der Entscheidung der Conservativen bei richtigung.) Nicht Redakteur der„Badischen Landeszeitung", den Stichwahlen behandelte. Der betr. Herr Verfasser ist bitter- sondern Redakteur der ebenfalls nationalliberalen„Mannheimer böse über die Liberalen und Fortschrittler, ja, er hält sich nicht Zeitung" ist der Eigenthunisfanatiker und Ehe- Vertheidiger„für verpflichtet, einem jüdischen Fortschrittsmann die Stimme Brentano, der neulich als Fälscher in einem Bordell ver- zu geben, nur damit der Sozialdemokrat nicht gewählt werde"; baktet wurde, als er Studien a la IJIttrufi mackite Dfi er in er würde nielniebr aar nickt stimmen". Die liberale Bartei haftet wurde, als er Studien a la Mnruh machte. Ob er in diesen seinen Studien das Original erreicht, lassen wir vorläufig dahingestellt. Leicht ist's nicht. Herr von Flnruh hat auf diesem Gebiet Großes geleistet und gilt mit Recht für eine Auto- rität ersten Ranges, was ja auch seiner famosen Broschüre an- zusehen und allenfalls sogar anzuriechen. Man glaube nicht, daß wir scherzen. Beileibe nicht. Die Collegen des Herrn von jUnrnfj wissen wundersame Dinge von ihm zu erzählen. Als Kenner der geheimsten Bordellgeheimnisse und als Zoten- reißer steht er unerreicht da. Selbst die„Gartenlaube" singt seinen Ruhm. In Nr. 22 des Jahrganges 1869 heißt es in einer Schilderung der„Zusammenkünfte deutscher Volksvertreter": „Alles sitzt unter dem Taxus und hört den losen Hennig oder?tnrulj Geschichten erzählen, von denen die meisten im Buchhandel nur in versiegektcn HFempkaren ausgegeben werden würden." Und dieser Anruh--. Der Rest ist zwar nicht Schweigen, aber etwas, das sich nicht in Worten ausdrücken läßt. — Folgenden Wahlprotest enthält der„Frankfurter Volksfreund" in seiner Nummer vom 1. Februar: „Protest gegen die Wahl des nationalliberalen Dr. Weigel von Cassel. Die Motive dieses Protestes sind: Erwiesene Wahlfälschungen und Wahlbecinflussungen. Näheres folgt, soweit wir es für praktisch halten, in nächster Nummer dieses Blattes. Hanau, den 28. Januar 1377. Das Reichstagswahlcomits der Sozialdemokratie. I. A.: Matthes Daß bach. Erklärung. Dem vorstehenden Proteste des Reichstags- wahlcomitös der Sozialdemokratie für den Kreis Hanau-Geln- hausen-Orb gegen die Wahl des nationalliberalen Dr. Weigel von Cassel schließe ich mich an.— Zugleich erkläre ich hiermit er„würde vielmehr gar nicht stimmen". Die liberale Partei darf im zweiten Wahlgangc von den Conservativen„nie unter- stützt werden", da sie„nur Haß und Hohn" für dieselben hat. — In Nr. 26 vom 1. Februar nun folgt eine Art Entgegnung, betitelt:„Das Wesen der Stichwahl". Der langen Rede kurzer Sinn ist:„Alles, nur keinen Sozialdemokraten". Der Herr hätte sich die Mühe ganz und gar ersparen können, dies noch weitschweifig auseinanderzusetzen und zu rechtfertigen. Das be- kannte Wort von der„einen reaktionären Masse" ist zwar nicht mehr neu, aber doch recht zeitgemäß. Wir aber wollen dafür sorgen, daß diese Erkenntniß in immer weitere Kreise dringt! Denn sie allein bahnt den Weg zur Besserung. — lieber den muthmaßlichen Beginn des Reichstags liegen jetzt drei Lesarten vor; zum 22., 24. oder znm 27. Februar. Da aber der preuß. Landtag mit seinen Arbeiten vor dem I.März sicher nicht zu Ende kommen kann, so werden Reichstag und Landtag wieder eine Zeit lang neben einander tagen. — Ein Vorschlag zur preußischen Ruhmeshalle. Bei der preußischen Ruhmeshalle, für welche demnächst das preu- ßische Abgeordnetenhaus des Dreiklassenwahlgesetzes 4>/.> Millionen bewilligen wird, sollten auch die militärischen Strafmittel— Sandsack, Bock und Prügel ihren Platz finden; wir schlagen vor, dieser Sammlung noch eine Kette und einen Strick beizufügen. Der Leitfaden der„Dienstkenntniß" bei der Vorbereitung zum Offiziersexamen(„Organisation und Dienst der Kriegs- macht des deutschen Reiches", von Ferd. Baron v. Lüdinghausen gen. Wolff, Berlin 1872) enthält außer anderem interessanten bei dem Kapitel der Disciplinarstrafen für Gemeine und Unter- offiziere, S. 347, wörtlich folgenden Passus: „Sind auf dem Marsche, im Lager oder sonst außer der Garnison oder dem Cantonnement den örtlichen Umständen nach Arreststrafen gegen Unteroffiziere und Gemeine nicht vollstreckbar, so tritt an die Stelle derselben Entziehung der gewohnten Be- Die Verhandlungen des türkischen Groden Rath es vom 3. Muharrem 1294(18. Januar 1877). Um sich mit einem Schlage der europäischen Diplomatie zu entledigen und freie Hand gegen Rußland zu gewinnen, berief die türkische Regierung zu Anfang des Jahres eine Art No- tablenversammlung, m der die höchsten Würdenträger, Muselmänner, Christen und Juden, vereinigt waren, und legte ihr die Frage vor: Annehmen oder ablehnen?— nämlich die Cvnferenzbeschlüsse. Die einstimmige Antwort war: Lieber den Tod als die Schande! Wir theilen nachstehend einen von der„Augsburger Allgemeinen Zeitung" veröffentlichten Be- richt der denkwürdigen Sitzung mit: Nach Verlesung der geschichtlichen Darstellung der Ereignisse in Bosnien und Bulgarien gab der Großwessier noch einige Erläuterungen dazu. Hierauf ergriff Subhi Pascha das Wort und sagte:„Falls angesichts dieser Erläuterungen der Krieg un- vermeidlich wäre, so ist es möglich, daß wir dabei etwas ver- lieren; wenn wir aber die beiden Vorschläge annehmen, so werden wir nicht etwas, sondern das ganze Reich verlieren." Der Großwessier berichtet nun über ein Telegramm, wel- ches er von dem englischen Minister der auswärtigen Angelegen- heiten erhalten hatte; ferner über die Correspondcnz, die er mit den europäischen Mächten über die Verleihung der Consti- tution geführt hatte; nach Verlesung der darauf bezüglichen Papiere erläuterte er noch, aus welchen Gründen die Confcrenz gebildet wurde, und welche Verhandlungen mit derselben statt- gefunden hatten. Nach Verlesung eines von den Mächten vorgeschlagenen Ent- wurfs einer Organisation der Provinz Bulgarien ergriff der Großwessier abermals das Wort, um anzuzeigen, daß nach Abweisung der Conferenzvorschläge dieselben auf zwei Vorschläge beschränkt wurden. Sami Pascha(Minister ohne Portefeuille): Nach Zurück- Weisung der nachtheiligen Vorschläge sind die in denselben enthaltenen Nachtheile diesen beiden Vorschlägen wieder ein- verleibt worden, und ihre Aiknahmc ist daher auf keine Weise zulässig. Großwessier: Die Annahme dieser beiden Vorschläge würde die Regierung des Reiches nach Europa, den Sitz der hohen Pforte nach Pera verlegen. Eben deshalb sind sie nicht angenommen worden. Hierauf hat die Conferenz eingewilligt, daß in der gemischten Commission auch Beamte der hohen Pforte Mitglieder sein konnten. Chodscha-Nassuhi: Wie dem auch sein möge, die An- nähme dieser Vorschläge würde dem Reich eine unheilbare Schwindsucht verursachen; auch mit dieser Modifikation sind die Vorschläge unannehmbar. Der Großwessier und einige Minister erwiderten, daß auch der Ministerrath den Vorschlag mit der erwähnten Mo- difikation erörtert und als unannehmbar befunden habe. Diese Antwort sei auch den Delegirten bereits offiziös mitgetheilt worden; nachdem die General- Versammlung ihren Beschluß ge- faßt haben wird, soll diese Antwort auch offiziell mitgetheilt werden. Ruschdi Pascha(Ex- Großwessier): Dem Vernehmen nach hätten. die Delegirten dixse msdifizirten Anträge annehmen müssen; aber sie haben sie nicht angenommen. Meiner Meinung nach hätte man den betreffenden Vorschlägen eine Vorrede bei- fügen sollen, in welcher die in Zukunft daraus entstehenden Schwierigkeiten widerlegt werden; aber ich finde eine solche Vor- rede(nicht; die Delegirten suchen nur Unheil im Reich anzu- stiften, und in Zukunft werden noch größere Schwierigkeiten daraus hervorgehen. Subhi Pascha: Wenn es ihre Absicht ist, uns eine Wohl- that zu erweisen, so mögen sie lieber diese Wohlthat den armen Polen, die noch weit mehr als wir des Mitleids würdig sind, erweisen. Unser Grundgesetz verbürgt uns diese Wohlthaten; sie mögen diese Vorschläge für die ihrer Herrschaft unterworfenen Staaten in Anwendung bringen. Großwessier: Diese Worte werden unsere Gegner nicht zum Schweigen bringen, gleichwie der Verbrecher dadurch nicht straflos ivird, ivenn er vor Gericht erklärt: irgend ein Anderer habe dasselbe Verbrechen begangen. Ruschdi Pascha: Wir würden finanziell und politisch be- nachtheiligt werden. Wenn wir jetzt auch so in Bosnien ver- fahren, ja wenn wir es auch auf Bosnien und Bulgarien aus- dehnen, weshalb bestehen sie nicht auch auf der Ausführung der Vorschläge in Charput? Die Absicht ist klar, man will dort die Reichsregierung in Verwirrung bringen und an anderen Orten die Einwohner auf Abwege führen. Theilt man die osmanischen Staaten in 12 Theile, so sehen wir, daß ehedem Oesterreich davon zwei Theile und Rußland drei Theile an sich gerissen hat); aber wir sehen jetzt in den abgerissenen Theilen keine Schmie- rigkeit, keinen Nachtheil; wir sehen die Schwierigkeiten der in unseren Händen gebliebenen sieben Theile in den beiden auf Ser- bien und Montenegro entfallenden Theilen, weil diesen beiden Theilen eine unabhängige Verwaltung verliehen ist. Anatoliens Einkünfte müssen darauf verwendet werden, um die von diesen beiden Theilen von Zeit zu Zeit angezettelten Aufstände zu dämpfen. Und mit der Zeit dürften dicse� Schwierigkeiten nur noch zunehmen. Werden diese beiden Vorschläge angenommen, so werden jene Provinzen(Bosnien, Bulgarien) ein zweites Serbien werden. Nassuhi: Sehr gut; wenn wir nun diese beiden Vorschläge zurückweisen, was dürfte dann geschehen? Großwessier: Wenn wir diese Vorschläge zurückweisen, wird die Conferenz auseinandergehen, aber nicht alle Mächte Iverden mit uns Krieg führen. England und Frankreich bleiben neutral und mengen sich in nichts. Blos Rußland, welches ur- sprünglich diese Vorschläge auf's Tapet brachte, wird Krieg führen. Oesterreich kann sich auf seine 17 Millionen slavischer Unterthanen nicht verlassen, und wenn die Magyaren es zulassen, wird es gerade, wie ini Anfang der vorliegenden Frage, Ruß- land unterstützen, vielleicht in Gemeinschaft mit Rußland uns den Krieg erklären; es ist auch wahrscheinlich, daß es in Bos- nien und Herzegowina einrückt; Serbien und Montenegro werden nicht müßig zuschauen; Rumänien wird sich nickt von ihnen absondern; auf etwaige Unterstützung vom Auslvnde dürfen wir nicht rechnen. Ueberlegen wir also, was unsere Lage in diesem Falle sein wird, und welchen Gefahren wir entgegen- gehen. Subhi Pascha: Die österreichischen Slaven sind nicht sehr stark; von dieser Seite haben wir nicht so viele Nachtheile zu erwarten. Jedoch dürfte es nach den Erklärungen Ew. Hoheit zweckmäßig sein, unsere Kräfte zu kennen. Chodscha Omer: So lange dieser Grund nicht gelegt ist, kann man noch nichts sagen. Bier Chodschas weisen die Vorschläge in heftigen Ausdrücken zurück. Einer von ihnen, Chodscha Nassuhi, sagt:„Wir müssen auf Gott vertrauen und Krieg führen." Nedschib Effendi: Dazu gehört Macht. Nassuhi: Wir haben die Macht. Großwessier: Auch ich bestätige, daß dazu Macht gehört. Der Herr Kriegsminister ist hier; sollte ich mich irren, so wolle er mich verbessern. Wir haben 5— 600,000 Soldaten unter den Waffen; durch die Bemühungen Sr. Majestät haben wir auch dürf nisse an Taback, Bier oder Branntwein, verbunden a) beim mittleren Arrest: mit Heranziehung zu beschwerlichen Dienstver- Achtungen, oder mit täglich einstündigem Anbinden an eine Wand oder an einen Baum(letzteres jedoch nur bei Gemeinen); d) beim strengen Arrest mit täglich dreistündigem Anbinden wie aä. a., unter Gewährung einstündiger Ruhe nach 1>/z Stunden. Das Anbinden des Arrestaten geschieht— auf eine der Ge- sundheit desselben nicht nachtheilige(!) Weise und möglichst nicht vor Augen des Publikums— in aufrechter Stellung, den Rücken nach der Wand oder dem Baum gekehrt, dergestalt, daß der Arrestat sich weder setzen noch niederlegen kann." S. 354:„Eine Beschwerde über eine Disciplinarstrafe darf erst nach deren Vollstreckung angebracht werden". S. 355:„Der Befehlshaber der Besatzung einer Festung, eines offenen Ortes oder Bezirkes, welche in Belagerungszustand erklärt sind, hat alsdann das Recht, Sträflinge in der 2. Klasse des Soldatenstandes mit einer Strafe bis zu 40 Stockschlägen zu bestrafen". O deutsches Volk, wie weit hast du es gebracht! — Unfall-Statistik. Im Monat Januar c. wurden bei bei der Allgemeinen Unsall-Versicherungs-Bank in Leipzig 12 Todesfälle, 2 Unfälle, die den Betreffenden Lebensgefahr be- leiteten, 5 Unfälle, die ihrer Natur nach eine totale oder theilweise Invalidität des Verletzten erwarten lassen und 418 Unfälle, aus welchen sich für die Damnificaten nur eine vorübergehende Erwerbsunfähigkeit prognosticiren läßt. zusammen 437 Unfälle angemeldet. Von den 12 Todesfällen ereigneten sich je 2 beim Verladen von Eisenbahngütern, beim Eisenbahnbau, in Steinkohlenwerken und je 1 in einer Fayencefabrik, einer Eisengießerei und Ma- schinenfabrik, einer chemischen Fabrik, einer Papierfabrik und einem Steinbruche. Die 2 lebensgefährlichen Beschädigungen entfallen auf seine Brauerei und ein Walzwerk, während die 5 Invaliden sich auf eine Eisengießerei, eine Maschinen- bauanstalt, eine Farbholzmühle, eine Spinnerei und eine Mühl- steinfabrik vertheilen. —„Liberal". Die„Droits de l'homme" in Paris sind infolge der letzten gegen sie erhobenen Anklagen zur Suspendirung(Unter- drückung des Erscheinens) auf 6 Monate und der Gerant des Blattes zu drei Monaten Gefängnißstrafe verurtheilt worden. Unter dem reaktionären Ministerium wurde das treffliche Blatt zwar vielfach gemaßregelt und bestraft, aber mau schritt nicht zu einem so brutalen Streich. Dieser war dem Ministerium des „liberalen" Herrn Simon vorbehalten. — Zum Candidaten für die Nachwahl im 17. sächsischen Wahlkreise ist von den Soziulisten Kaufmann W. Bracke fr. in Braunschweig proklamirt. — In unserem Bericht über den Berliner Prozeß ist an- gegeben, daß die Schließung der sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands ausgesprochen worden sei; es könnte dies leicht zu Mißverständnissen führen, und wir bemerken deshalb, daß sich dieser Beschluß, der beiläufig erst in erster Instanz gefaßt ist, nur auf Preußen bezieht. — Im 3. Berliner Wahlkreise findet definitiv eine Nach- wähl statt, da Herz abgelehnt hat. v. Sauken-Tarputschen ist seitens der Fortschrittler aufgestellt.— Ebenso finden, früheren Mittheilungen entgegen, in Breslau zwei Nachwahlen statt, da sowohl Lasker als auch Hänel dort abgelehnt haben. — Wir erhalten aus Wien folgende Zuschrift: Parteigenossen Deutschlands! Wir senden Euch zu den nunmehr abgeschlossenen Reichtags- Wahlen und zu Euern dabei errungenen glänzenden Erfolgen unsere herzlichen Glückwünsche; Eure rastlose Thätigkcit, Eure Opferwilligkcit und Begeisterung haben bei uns den lebhaftesten Widerhall und die größte Bewunderung hervorgerufen. Seid überzeugt, daß wir auch trachten werden, durch Ausdaue-- Waffen. Aber die jetzige Kriegführung ist von der ehemaligen weit verschieden; z.B. ehemals genügten 150 Patronen für jedes Gewehr; jetzt genügen nicht einmal 1500 Patronen. Aber auch diefe kommen aus Amerika; es ist möglich, daß sie nicht ankam- men, oder auch, daß sie unterwegs dem Feinde in die Hände fallen. Geld haben wir nicht; der Werth des Papiergeldes ist Jedermann bekannt. Darüber werden wir wohl noch besonders berathen. Die Pforten der Anleihen aber sind verschlossen, und zur Heeresverwaltung gehört Geld. Rauf Bey(Sohn des verstorbenen Rifat Pascha): Wir fürchten den Krieg; aber wenn wir diese Vorschläge annehmen, so wird das Resultat der Tod fein. Ein Fieberkranker kann genesen, aber von der Schwindsucht kann man nicht genesen. Was aber diese Herren vorschlagen, ist Schwindsucht; man muß lange rothe Lichter anzünden, wollene Mäntel anziehen und zur Rettung unserer Ehre eine Antwort geben.(Bravo! von ver- schiedenen Seiten.) Großwcssier: Gleichwie eine Zeitlang in Frankreich ein Paar Stiefel 27,000 Franken kosteten, so kann es auch uns er- gehen; ein Kaime vor 20 Piastern kann auf 700 Piaster steigen; die Brotläden werden geschlossen, das Volk ist hungrig, überall Verwirrung, Kinder bestürmen die Regierung. Da ist es möglich, daß Einer zum Andern sagt: Siehe da, wohin man uns gc- bracht hat; die Conferenzvorschläge beschränkten sich im Ganzen auf die Ucberwachung einiger Vilajets; wir haben sie zurückgc- wiesen; was ist aus uns geworden? Ruschdi Pascha: Was Ew. Hoheit gesagt haben, ist sehr richtig. Aber das Leben eines Volkes, eines Staates ist die Unabhängigkeit; nehmen wir ihre Vorschläge an, so ist unsere Unabhängigkeit dahin, und ohne dieselbe kann ein Staat nicht leben. � Cheirullah Effendi(Scheich ül Islam): Was Ew. Ho- heit gesagt haben, ist richtig; auf diese Weise können wir es nicht annehmen. Der vorige Scheich ül Islam: Es ist unsere Pflicht, diese Vorschläge nicht anzunehmen, da unsere Unabhängigkeit vernichtet wird. Abedin Bey(Börsencommissär): Um ihre Ehre zu retten, verlangen 40 Millionen Osmancn den Krieg. Befehlen Sie, wir sind zu jedem Opfer bereit; die Geister unserer Märtyrer hören unsere Berathungen an; es bedarf nicht vieler Worte; wu>p!r müssen ablehnen. kmigtr.. und unermüdliche Propaganda die Sache der Sozialdemokratie zu fördern. Es lebe die sozialdemokratische Partei Deutschlands! Es lebe die Sozialdemokratie aller Länder! Für die Wiener Parteigenossen: Emil Reinthal. Jos. Marschall. Franz Harth. Correspondenzen. Kanau, 26. Januar.(Allgemeiner Agitationsbericht.) Wenig oder gar nichts haben die Parteigenossen seither von Hanau ge- hört. Wir wollten nicht den kostbaren Raum unseres Partei- organs mit Versammlungsberichten in Anspruch nehmen, aber ganz zu schweigen wäre doch auch nicht am Platze. So wollen wir denn nach vollbrachtem Wahlkampf in kurzen Umrissen den dreimonatlichen heißen Kampf in etwas beleuchten. Vor allem bedenke man die Schwierigkeit des Terrains in unserem Wahl- kreise. Gebirg und Thal, wenn auch keine tyroler und steyrische, erschwerten uns die Agitation. Wir hatten es mit dem söge- nannten Vogelsberg zu thun, der, wenn auch im Sommer ein ganz romantisches Hochland, im Winter bei ewigen Regengüssen doch immerhin für uns Thalbewohner(Mainthal) ganz anstren- gende Forcetouren abgab. Doch Scherz bei Seite, und wenden wir uns dem eigentlichen Gegenstände zu, den wir behandeln wollen. Die Gegner fühlten diesmal, daß es ernst werden sollte, das Phlegma, welches unsere Bourgeoisie auszeichnet, ward von ihnen überwunden und hatten wir uns an vielen Orten mit denselben herumzuschlagen. Auch wurde eine gewisse Taktik von ihnen befolgt, die darin bestand, immer dahin zu gehen, wo wir kurz vorher gewesen waren. Man machte sich die Sache von dicier Seite sehr leicht, man nahm eine Schmähschrift, las die- selbe den Versammelten vor und beschwor dann in kurzen Worten die Wähler, um Gotteswillen nicht mit den gottlosen Sozial- demokraten zu wählen. Ueberhaupt beschränkte sich die Agitation der Nationallibcralen nur darauf, unsere Partei als diejenige zu bezeichnen, die kein festes Ehcband, keine Familie, kein Eigen- thum und keinen Herrgott wollte. Auch die Pariser Commune mußte herhalten; unsere Forderungen könnten nur durch gewaltsame Aktion verwirklicht werden. Das Schönste, was die National- miserabeln noch zu guterletzt vollbrachteu, war: daß sie im ganzen Wahlkreise Plakate anschlagen ließen, durch welche sie die Wähler vor uns warnten und uns als Wölfe im Schafspelze bezeich- ncten. Es ist zum Platzen! Arme Arbeitsleute als Wölfe im Schafspelze zu bezeichnen. Die Kampfesweise war wie überall eine ganz niederträchtige. Was die Fortschrittler anbetrifft, so hatten diese Leute wieder eine andere Maxime. Ihnen war die Rede von Franz Duncker, welche derselbe in Chemnitz gehalten hatte, das beliebteste Agitationsmittel. Was diese Rede an Ver- drehungen, falschen Schlüssen und falschen Darstellungen leistet, wissen die Parteigenossen. Diesem Phrasenbrci gegenüber, vor vorurtheilsvollen Massen ausgekramt, hat derjenige, welcher keine Sozialdemokraten hinter sich hat, eine schwere Stellung. Doch haben wir es trotz alledem zur engeren Wahl gebracht. Nun hieß es nochmals hinaus und erobern was sich erobern ließ. Nochmals eine zehntägige heiße Campagne, in welcher wir aber von den Parteigenossen in Frankfurt kräftig unterstützt wurden. Die Gegner, den Ernst der Situation wohl fühlend, boten alles auf, um zu siegen; keine Mittel wurden gescheut.„Verleumde kühn, es bleibt doch etwas hängen" war jetzt ihre Parole. So erfrechte man sich noch in den letzten Tagen/ unserem Candidaten die gemeinsten Verdächtigungen an den Hals zu werfen. Be- lehrend für den Unparteiischen muß es sein, daß diefe Geister niemals auf eine sachliche Widerlegung eingehen, weder in Schrift noch im Wort, höchstens daß sie irgend einen Satz aus einer Rede oder einer Schrift herausgreifen und demselben eine falsche Deutung geben, das ist die ganze Kunst ihrer Fechtweise. Der Fortschrittspartei nochnials zu gedenken, so ist zu erwähnen, daß die leitenden Elemente bei der Stichwahl eine cigenthümliche Rolle spielten, der Kampf zwischen Fortschritt und National- liberalismus hatte den äußersten Höhepunkt erreicht und Jeder- mann glaubte, daß ein Zusammengehen d'eser Elemente un- möglich sei. Aber o Wunder! Bei der Stichwahl boten diese Leute Alles auf, daß keine Stimme für den Dr. Weigel verloren ging. Wir täuschten uns darüber auch keinen Augenblick, und so stimmten diese Herren Mann für Mann für einen Candidaten, den sie sechst als einen Erzreaktionär bezeichnet hatten. Wir wissen es ja— alle andern Parteien sind uns gegenüber eine einzige reaktionäre Masse. Die Fortschrittspartei hat uns ge- Ruschdi Pascha: Ja, man muß ablehnen; ohne Unabhän- gigkcit kann ein Staat nicht leben. Großwessier: Wenn wir ihre Vorschläge annehmen, geht unsere Unabhängigkeit verloren? Alle miteinander: Ja, ja, sie geht verloren. Großwessier: Aber es bedarf einer Erläuterung, damit auch Diejenigen, welche anderer Meinung sind, begreifen, warum unsere Unabhängigkeit verloren geht. Subhi Pascha: Wenn die Verwaltung eines Staates in fremde Hände übergeht, so ist dies die Einleitung zu einer Eon- föderation.(Im Türkischen: Uoukeäerasoion.) Die Ulema(gleichzeitig): Mengen wir uns in die Angele- genheiten ihrer mohammedanischen Unterthanen? Auch wir wollen ihre Einmengung nicht; wir Alle weisen sie zurück. Nassuhi Effendi: Wenn ein unabhängiger Staat seine Hand nach der Unabhängigkeit eines andern Staates ausstreckt, vernichtet er dessen Unabhängigkeit. Es ist also nothwcndig, daß wir nicht annehmen. (Schluß folgt.) — Ein interessanter Rechtsfall. In Frankfurt ereignete es sich, daß ein Kaufmann, der gegen eine alleinstehende Dame klagbar werden mußte, keinen anderen Zeugen für seine Behauptungen finden konnte, als seine Frau, die zur Zeit der zu bezeugenden Thatsache allerdings noch nicht die Seine war. Nun konnte dieselbe freilich in ihrer Eigenschaft als„Verwandte des Klägers" nicht zur Vernehmung zuge- lassen werden. Da ließ sich der Kaufmann— scheiden und fo ward der Gattin freie Hand gegeben, wodurch denn auch nun der Prozeß gewonnen worden ist. Kläger wird übrigens seine Zeugin nächstens wieder heirathen.(Frkf. Ztg.) — In Gotha erschien kurz vor der Stichwahl eine Wahlkarte, eine förmliche Landkarte, welche je nach der vorherrschenden politischen Richtung der Bewohner die Bezirke und Ortschaften roth Zozialdem.), blau(fortschrittl.) und braun(nationallib) colorirt zeigte. Wir wären begierig, eine derartige Karte von ganz Deutschland zu sehen: wir würden eine neue recht erfreuliche Illustration zu unserem„Ruckgang" haben, von dem man übrigens zu reden sich bei den Gegnern allmäh- lich abzugewöhnen scheint. ! schadet, das Volk ist eben noch nicht klar über die Tendenz dieser Partei; der Radikalismus wird bis jetzt noch etwas ge- fürchtet und so gelang es diesen Leuten, durch Laviren zwischen den Parteien ein kleines Häuflein zu vereinigen, welches aber groß genug war, bei der Stichwahl den Ausschlag zu geben. Wir brauchen uns zwar nicht zu schämen, denn die Stimmen- zahl, welche sich aus unseren Candidaten vereinigte, war respek- tabel genug, um den Nationalliberalen das Bewußtsein bcizu- bringen, daß sie einen faulen Sieg erfochten haben. Bedenkt man nebenbei, was den Gegnern für Vortheile zu Gebote stan- den, welche Einschüchterungen man sich erlaubt hat, bedenkt man, daß nur die politische Uukenntniß den Ausschlag gegeben, fo ist der Sieg erklärlich. Aber überall, wo einigermaßen politt- sches Leben vorhanden war, hatten wir glänzende Majoritäten zu verzeichnen. Beispielsweise Hanau, Bockenheim, Orb, Groß- auheim:c. Als leuchtenden Punkt unter den Landgemeinden müssen wir Döringheim erwähnen, das bis jetzt bei allen Wahlen fast ausschließlich sozialistisch gestimmt hat, 212 gegen 21. In ähnlichem Sinne sind noch viele Orte zu verzeichnen, so Fcchen- heim und Enkheim-Bergen, überhaupt können wir mit dem Resultat zufrieden sein. Nur im Bogelsberg, wo die Leute noch sehr tief in geistiger Abhängigkeit dahinleben, stellte fich das Verhältniß schlecht, obwohl die Leute dort nicht zu verdammen sind; es ist eben die abgeschlossene Lage, welche einen regen Verkehr mit denselben ausschließt, Schuld daran. Die Stimmen- zahl, welche sich auf unferen Candidaten C. Frohme bei der Stichwahl vereinigte, war 3635, auf Dr. Weigel 10,015. Die Nationalliberalcn aber können fich felbst sagen, daß nur ver- möge ihrer günstigen Stellung uns gegenüber der Sieg erfochten wurde, und sie werden sich gestchen: noch einen solch enSieg und wir sind verloren!— Wir hatten auch nicht die Mittel, welche nöthig sind, um mit Erfolg zu wirken; die Gegner aber hatten Geld, gute Positionen und die geographische Lage zu ihren Gunsten. Wir hatten nichts als Begeisterung für die Wahrheit. Und diese wird einstens siegen trotz alledem. Minden i. ZI. Nachdem bereits von vielen Orten Berichte über die Reichstagswahl erschienen sind, dürfte es wohl an der Zeit sein, daß auch von hier etwas mitgetheilt wird, da es andernfalls scheinen könnte, als ob wir nichts gethan hätten, bez. schon wieder eingeschlafen wären. Bei der Agitation waren wir allerdings lediglich auf uns angewiesen, und da uns die Mittel fehlten, so mußten wir uns auf private Agitation legen. Es verging denn auch kein Sonntag, wo wir nicht verschiedene Nachbarorte für uns zu gewinnen suchten. Wenn wir diesmal auch noch nicht eine erhebliche Stimmenzahl zu verzeichnen haben, so hat unsere Mühe sich doch verlohnt, indem wir es ziemlich auf die doppelte Stimmcnzahl gebracht haben. Vor drei Jahren (1874) hatten wir etwas über 350 Stimmen auf unfern Can- didaten, Herrn Otto Kapell, vereinigt, wogegen wir bei der diesmaligen Wahl 700 Stimmen für Herrn W. Frick erhalten haben. Es fällt dieses Resultat um so schwerer in die Wagschale, wenn man bedenkt, daß wir blos drei Volksversammlungen zu diesem Zweck haben abhalten können. Als unsere Gegner er- fuhren, daß wir im Stillen thätig waren, darüber mußte natürlich brav geschimpft werden. Hierin suchten sich die Käseblättchen „Mindener Zeitung" und„Minden- Lübbecker Kreisblatt" förm- lich zu überbieten. Alle die alten Phrasen kamen wieder zum Vorschein.— Wie fast überall, so kamen auch hier bei der Wahl verschiedene Ungehörigkeiten vor. An vielen Orten wurden bei Schluß resp. Feftstellung des Wahlergebnisses die Wähler aus dem Lokal gewiesen. An einem Orte, in Hahlen, ist es sogar vorgekommen, daß der Wahlvorsteher unsere Parteigenossen beim Arm gcfaßt und hinausgedrängt hat. Trotz aller Wühlerei ist es den Liberalen doch nicht gelungen, ihren wieder aufgestellten Herrn General z. D. v. Etzel durchzubringen. Der von der conscrvativcn Partei aufgestellte Gutsbesitzer v. Nathusius auf Ludom ist mit einer absoluten Majorität von 59 Stimmen ge- wählt.— Beinerkenswerth ist noch, daß im hiesigen Wahlkreis 13,347 Stimmen abgegeben sind gegen 8405 im Jahre 1874. Es beginnt also auch hier zu tagen. Mit Gruß S. Arcmen.(Bericht.) Auch hier kann die Partei mit frohem Muth in die Zukunft blicken, denn die Stimmenzahl für unfern Candidaten hat sich mehr als verdoppelt. Vor drei Jahren brachten wir auf unfern damaligen Candidaten C. W. Tölcke aus Iserlohn 3139 Stimmen; bei dieser Wahl erhielten wir auf unseren jetzt schon über vier Jahre unter uns weilenden Candidaten Fr. Wilh. Frick 6760 Stimmen; damit sind wir in Anbetracht der hiesigen Verhältnisse sehr befriedigt. Die gegne- rischen Zeitungen haben schon seit Jahren Alles aufgewendet, um unser Werk zu zerstören, aber seit einem halben Jahre sind wir hier im Besitz einer täglich erscheinenden Zeitung, und unsere Redakteure parircn jeden Hieb und geben denselben mit verdoppelter Kraft wieder, und klopfen dem Herrn Finger so recht auf die Finger, und erinnern den Herrn Drelemanu manchmal an die Jahre 1848 und folgende. Auch andere Re- daktcure ärgern sich, daß ihre Abonnentenzahl stets abnimmt, wogegen diejenige unseres Organs„Bremer Freie Zeitung" in stetem Wachsen begriffen ist.— Für unfern Reichstagscandidatcn F. W. Frick hätten wir sicher noch einige tausend Stimmen mehr erhalten, wäre die Lage der hiesigen Arbeiter nicht so traurig, denn hier sind in den letzten Jahren 8 bis 10,000 Personen fortgezogen und haben in den kleinen Landstädten und Dörfern ein Unterkommen gefunden; viele standen nicht in den Wähler- listen und hatten versäumt, dieselben nachzusehen, viele Andere wieder hatten Armenunterstützung bekommen und konnten nicht wählen, Andere gingen nicht hin zum Wahllokal, um nicht aus der Arbeit zu kommen. Unsere fleißigen Arbeiter sieht man jetzt den ganzen Tag vergeblich nach Arbeit suchen; ein Glück, daß der Winter sehr gelind ist. Mit den Bauhandwerkern sieht cs hier am traurigsten aus, denn es haben bis jetzt 38 Bauunter- nehmer ihre Insolvenz angezeigt und viele werden noch folgen. Diese bringen fich und sämmtliche kleinen Meister zum Rum. In 26 bis 30 Straßen stehen die meisten Häuser unvollendet da, und aus den fertigen sind die Bewohner bei Nacht ausge- rückt und von hier verzogen. Ferner liest man jeden Morgen 4 bis 6 Jnsolvenzanzeigen von Wirthen, Handwerkern, Arbei- tern. Wie das noch enden wird, ist nicht abzusehen.— Von Selbstmorden wußte man früher hier wenig, sie kanien selten vor, aber jetzt beinahe jeden Tag einer und manche Tage auch zwei. In den Ladenfenstern der Bäcker und Fleischer werden die Scheiben eingedrückt und Waaren entwendet. Pferdeschläch- tereien kannte man bisher hier nicht, aber jetzt giebt es deren 10 bis 12. Durch diese langanhaltende Krisis und die Pleiten geht hier der Handwerker- und Mittelstand total zu Grunde, und das sind die Früchte des Wirthschaftssystems der Bour- geoisie! öonuckerg. Das genaue Resultat der Wahl im 2. Meininger Wahlkreis ist: Lasker 7785, Grillenberger 4842, Schwaine 100? Stimmen. Gokdkautcr. 27. Jan. Bei der am 28. Dezember vorigen Jahres stattgefundenen Ersatzwahl zum Gemeinderath, bei im- cher die 1. Klasse 1, die 2. Klasse 2 und die 3. Klasse 1 Ersatz- mann zu wählen hatte, siegten unsere Gesinnungsgenossen in der 2. und 3. Klasse. Bei der am 7. Januar stattgehabten Ersatz- Wahl zum Gemeinde-Kirchenrath für hier und Heidersbach siegten unsere Candidaten ohne Ausnahme. Bei der Reichstagswahl fielen hier auf A. Kapell 102, Lucius 60, v. Müffling(conser- vativ) 25 Stimmen. In Heidersbach A. Kapell 77, Lucius 19. In Suhl A. Kapell 264, Lucius 674, v. Müffling 10 Stimmen. Bei der vorigen Wahl erhielt Aorck hier 33, in Suhl 80 Stimmen. Wie gewöhnlich, so schickte auch diesmal der hiesige Schulze die Stimmzettel für Lucius durch den Gemeindiener in den Häusern umher. Sora«. Das amtlich festgestellte Wahlresultat des Wahl- kreises Sorau in der Lausitz ist folgendes: Der Wahlkreis zählt 19,477 Wahlberechtigte, von welchen 12,077 das Wahlrecht aus- geübt haben. 11,953 Stimmen sind für gültig, 124 für ungültig erklärt worden. Von diesen erhielt der nationalliberale Appel- lationsgerichtsrath v. Puttkammer zu Naumburg a. d. S. 6643, Otto Kapell in Hamburg 3661, Graf V.Brühl inPförten 1559, v. Kleist-Retzow 33, Baron v. Wackerbarth in Linderode 13, Baron v. Buddenbrock in Klein- Dölzig 8, Vogel v. Falckcnstein in Dölzig 4 u. s. w. Wrcskau. Die auf den 30. Januar in Wiesner's Lokal einberufene Volksversammlung lieferte wiederum den Beweis, wie mächtig der Zuwachs ist, den unsere Partei in Breslau in den letzten Tagen erhalten hat. Obgleich der Beginn der Versamm- lung auf 8 Uhr angesetzt war, so waren die großen Räumlich- leiten doch schon bald nach 7 Uhr so gefüllt, daß kein Mensch mehr Platz finden konnte. Der geräumige Hof und Hausflur, sowie der hinter dem Lokal befindliche Garten waren Kopf an Kopf gedrängt voll und immer noch strömten ungeheure Menschen- Massen dem Versammlungslokale zu, in der Hoffnung, irgend einen Platz finden zu können. Ohne zu übertreiben, kann man sagen, daß 3— 4000 Menschen des großen Andrangs wegen wieder umkehren mußten. Selbst die Einberufer nebst dem Re- ferenten wären gar nicht in das Lokal gelangt, wenn nicht einer von ihnen durch ein Fenster an der Bühne sich Eingang ver- schafft hätte, der dann den Einlaß der andern durch ein Hinter- pförtchen bewerkstelligen konnte. Die Tagesordnung der Ver- sammlung lautete:„Die Unregelmäßigkeiten der letzten Reichs- tagswahl. Herr M. Schlesinger beleuchtete das Treiben der Liberalen bei der letzten Reichstagswahl auf Grund des an- gesammelten Materials in treffender, den Liberalen aber keines- Wegs schmeichelhafter Weise. In wahrhaft empörender Weise haben die Liberalen aber auch verstanden, die geheime Wahl durch Anlegung der zweiten Wahllisten zur öffentlichen zu machen. Das ganze Thun und Treiben dieser Ordnungshelden, das Drohen mit Arbciterentlassung der Arbeiter, das Anbieten von Geld, um Stimmen für die Liberalen zu gewinnen, das Führen der Ar- beiter zur Wahlurne, und alle die schon in diesem Blatte auf- geführten Kunstgriffe, um die Majorität nicht zu gewinnen, sondern theils zu erschleichen, theils hurch Drohungen zu erzwingen, fanden die richtige Würdigung von Seiten des Referenten. Nicht endenwollender Beifall bekundete, daß die ruhige, ordnungs- liebende Bürgerschaft von Breslau diese Taktik der Liberalen verabscheut. Kräcker und Schuhmacher hielten noch kurze An- sprachen, in denen sie baten, sich durch diese Machinationen nicht irre führen zu lassen, und bei der in Kürze wiederum noth- wendig werdenden Nachwahl auf's Neue den alten Muth und Opferwilligkeit zu bewahren. Eine Resolution, das Reichskanzler- amt von der Führung doppelter Listen in Kenntniß zu setzen, und das Verbot derselben zu verlangen, fand einstimmige An- nähme. Unter donnernden Hochs auf die Sache der Arbeiter, die sozialdemokratische Partei, die der Vorsitzende ausbrachte und von der Versammlung mit Hochrufen auf die Candidaten erwidert wurden, wurde die Persammlung geschlossen.(Wahrh.) Vforzheim, 24. Januar. Der Wahlkampf hier— Jolly Excellenz, unser nationalliberaler Exminister, contra den ehren- werthen Vollblutbourgeois Herrn Millionär Katz— welch beide Herren die Stichwahl durchmachen mußten, war heiß. Die na- tionale Reaktion war sehr thätig und kein Mittel blieb unver- sucht, um für die verflossene Excellenz Stimmen zu werben: allein trotz Entlassungs- Androhungen, trotz Freibier und ditto Wein gelang es nicht, für Jolly mehr Stimmen, als er am 10. Januar gehabt, zu erzielen. Schon gegen 4 Uhr gestern, als noch keine Böllerschüsse auf Gemeindekostcn knallten, war man überzeugt, daß Katz durchkam und daß der Champagner der Pforzheimer Herren Liberalen vergeblich kaltgestellt worden war. Man wartete bis 7 Uhr, da kam das amtliche Resultat, daß Jolly glänzend mit etwa 1600 Stimmen— Minorität durchgefallen war. In hiesigen Kreisen wurde boshafter Weise ein Bild colportirt, welches, anknüpfend an das zweifelhafte Gleichniß eines Nationalliberalen, das Jolly als Hund, der die Katze(Katz) verspeist, schildert, die Flucht Jolly's mit einge- klemmtcr Ruthe darstellt. Die glorreiche Reichsrcgierung hat mit der Niederlage Jolly's einen weiteren Beweis ihrer Unpo- pularität erhalten! Annaberg-Nnchhotj, 29. Januar. Die Wahlen in unserm Wahlkreis sind nun auch vorüber und ist leider ein liberaler Candidat aus der Urne hervorgegangen. Wir unsererseits konnten mit einer gründlichen Agitation nicht vorgehen, weil uns dazu die nöthigen Geldmittel und die dazu gehörigen agitatorischen Kräfte fehlten, wir waren also fast gänzlich auf Lokalagitation, die uns noch dazu durch die Pöbelhaftigkeit der sogenannten Gebildeten vereitelt wurde, angewiesen; trotzdem haben wir 800 Stimmen auf unfern Candidaten Wiemer vereinigen können Wir haben aber dennoch die Genugthuung, an denjenigen Orten, wo wir Versammlungen abhielten, fast überall die Majorität über sämmtlichc Gegner erhalten zu haben, so z. B. in Frohnau, Königswalde, Mildcnau, Steiubach, Buchholz, Sehma u. a. m., was für den gesunden Sinn unserer Bevölkerung spricht. Die liberale Partei hat bei der Wahl ihren Schandthaten die Krone aufgesetzt. So z. B. waren au vielen Orten Plakate angeklebt mit den Worten:„Wähler, hütet Euch vor Sozialdemokraten; Holzmann muß gewählt werden." Trotzdem wollen uns diese zweifelhaften Ehrenmänner bei der Stichwahl beschuldigen, für einen Reaktionär gewonnen gewesen zu sein, da wir für Breitfeld gestimmt hätten, was wir für eine infame Lüge erklären, da bei uns eine Verabredung in keiner Hinsicht stattgefunden hat; es war vielmehr jedem Einzelnen freigestellt, ob er für Diesen oder Jenen stimmte. Daß Viele möglicherweise für die Conservativen gestimmt haben, daran sind die Liberalen mit ihrer Bauern- fängerei selber schuld, denn mit Phrasen nnd Bestechungen läßt sich kein besonnener Arbeiter oder Kleinbürger gewinnen, um so weniger, als Breitfeld als ein Freund der Arbeiter bekannt ist; so hat er bis jetzt trotz der Geschäftskrise noch keine Arbeiter entlassen. Schließlich noch unseren braven Gesinnungsgenossen, die trotz aller Machinationen unserer Fahne treu blieben, unfern besten Dank. Das Wahlcomitö für Annaberg-Buchholz und Frohnau. R S. An alle Partei- und Gesinnungsgenossen des Ober- erzgebirges richten wir hiermit die Bitte, mit uns so schnell wie möglich in Verbindung zu treten behufs Abhaltung von weiteren Volksversammlungen, damit die Agitaton von neuem wieder frisch betrieben werden kann. Ueberhaupt ersuchen wir die Genossen von Schneeberg, Eibenstock und Schwarzenberg, kräftig mitzu- wirken. Briefe und etwaige Unterstützungsgelder sind zu senden an Karl Heinrich Schüler in Frohnau. Alle Arbeiterorgane werden hiermit um Abdruck dieser Cor- respondenz gebeten. Schneeöerg. Zu den vielen Ortschaften, wo Wahlbeeinflus- sungen gegen uns stattgefunden, ist auch Schneeberg mit Um- gegend zu rechnen. Wir würden bedeutend mehr Stimmen auf unfern Abgeordneten Liebknecht vereinigt haben, wenn den Geg- nern eben nicht jedes Kampfesmittel recht gewesen wäre. Dazu kam noch, daß in Schneeberg allein gegen 60 Liebknechtwähler in der Wählerliste nicht verzeichnet waren, während von der Gegenpartei nur 3 nicht eingetragen waren. In Neustädtel wurden den Bergleuten auf den Gruben von Seiten der Offi- zianten Uhlmannzettel aufgedrungen, natürlich mit den nöthigen Ansprachen. Ein einflußreicher Fabrikant der Stadt Aue that das Gleiche. Zu alledem kam noch, daß sich auch die löbliche Polizei gegen uns verschworen zu haben schien, indem sie einem Parteigenossen das Austragen von Stimmzetteln untersagte, weil er im Gesicht nicht gut aussah. Wir schickten sogleich einen zweiten, welchem es aber nicht besser erging, da er ein Ausländer sei, bei einem dritten lag ein ähnlicher Grund vor. Und so wie in Schneeberg ist es auch in vielen andern Orten zuge- gangen. Kann es da Wunder nehmen, wenn die Stimmenzahl, die auf unfern Abgeordneten fiel, diesmal nicht so groß war? Berlin, 3. Februar. Am 1. März findet hier die Ver- Handlung gegen die Schuhmacher-Gewcrkschaft statt. Unter An- klage stehen Bock(Gotha) Scidemann, Klein und Unterzeichneter. Die Hauptbelastung hat Staatsanwalt Tessendorf darin gefunden, daß die bekannten sozialdemokratischen Agitatoren Most, Bern- stein, Bock, Klinghard und Unterzeichneter in öffentlicher Schnh- macherversammlung politische Vorträge gehalten haben und am Schluß stets die Anwesenden aufgefordert, sich der Schuhmacher- Gewerkschaft anzuschließen. Also erklärt der große Staatsretter die öffentliche Versammlung mit der Gewerkschafts-Versammlung für identisch. Wir wollen den 1. März abwarten. C. Szimmath. Heide, 31. Jan. Für die Centralwahlkasse sind ferner noch einqe- gangen: Aus Hemme durch Walther 25,60; Wesselburen d. Walther 12,66; Stelle d. Peters 16,66; Tiebense d. Holst 4,66; Tiebcnse v. Johannsen 1,66. Heinr. Osf. Wahlergebnisse. In Folge unserer Aufforderung, amtliche Resultate der Wahlen mitzutheilen, schreibt man uns aus AorK, 1. Februar. Betreffs der Zusammenstellung der Wahl- statistik theile ich Ihnen folgendes Zahlenverhältniß von den Jahren 1874 und 1877 mit. Ein näherer Bericht betreffs der Agitation unsererseits und seitens der Gegner folgt nächster Tage. Im Jahre 1874 waren im Ganzen abgegeben 10,327 Stimmen. Davon erhielten: v. Puttkammer 6547, Otto Kapell 1677, Graf v. Brühl 1048, Hugo Polle 842, Dr. Joh. Jacoby 155. Jni Jahre 1877 waren im Ganzen abgegeben 11,982 Stimmen. Davon erhielten: Otto Kapell 3752, v. Puttkammer 6581, Graf Brühl 1559. Die übrigen zersplitterten sich.— Noch ist zu bemerken, daß sich bei der letzten Wahl die Gewerk- vereinler in's liberale Lager treiben ließen. Ferner aus dem 1. nallsauische» ZSahkkreis. Die Candi- daten Schmidt(soz.), Brünig(nat.-lib.), Sensburg(Fortschr.), Waldersdorf(ultr.) erhielten beziehungsweise folgende Stimmen- zahlen: Höchst 387, 1752, 507, 1252; Hochheim 3, 1341, 175, 1160; Homburg 11, 1436, 301, 404; Stadt Rödelheim 140, 117, 155, 22; Königstein 202, 650, 578, 1970; Usingen 11, 2007, 1113, 868; Idstein 1134, 713, 1783; in Summa erhielt also Schmidt(so�.) 756, Brüning 8637, Sensburg 3542, Wal- dersdorf 7459 Stimmen. Ueber die engere Wahl die genauen Zahlen nächstens. Wnrzburg, 1. Februar. Bezugnehmend auf die Aufforderung im„Vorwärts" um Uebermittclung des amtlichen Wahlresultats gebe ich Ihne» Namens des Wahlvereins des arbeitenden Volks am Orte dasselbe hiermit kund: Wahlkreis Würzburg soz. 1441, Volksp. 329, ultr. 6331, lib. 4443, Lohr soz. 21, Afchaffen- bürg soz. 27, Kitzingen soz. 5, Neustadt a. S. soz. 3. Einge- schriebene Wähler im Wahlkreis Würzburg 17,437, abgegebene Stimmen 12,544, der Stimme enthalten 4893. Im Jahre 1874 erhielten wir im Wahlkreis Würzburg 720 Stimmen. Mit sozialdemokratischem Gruß Wilh. Seubert. Wahlfonds. Durch Neukirchner hier Liste 92 2,50. Aus der Buchbinderei vom H. S. gesammelt durch W. 4,46. Alle Diejenigen, welche noch im Besitz von Sammellisten sind wer- den ersucht, dieselben bis nächsten Sonnabend an P. Krebs, UlrichS- gaffe 66 abzuliefern. Anzeigen ze» Annoncen für die Mittwochs-Nummer müssen bis Mo n tag Vormittags 9 Uhr; für die Freitag S-Nnmmer bis Mitt- woch-Vormittags 9 Uhr; für die Sonntags-Nummer bis Frei- tag Bormittags 9 Uhr hier sein, wenn solche noch bestimm- Aufnahme finden sollen. Annoncen, denen der Bettag nicht beiliegt, oder für welche der Einsender kein Depot bei uns Hai» können eine Aufnahme nicht finden. Die Expedition des„Vorwärts". rCftflt Donnerstag, den 8. Februar, Abends 8>/z Uhr, im Lo- VivlU. kale des Herrn Erkelenz, Kämmergasse 18: Sozialistenversammlung. Tagesordnung: Neuwahl einer Zeitungscommission. Um zahlreiches Erscheinen der Gesinnungsgenossen ersucht Der Einberufer.(70 rr dW Abonnements auf die Parteiblälter il. vJl.„Vorwärts",„Nene Welt",„Rothe Fahne" u. s. w. werden zu jeder Tageszeit angenommen. (2a) � W. Knoke, Kl. Eschenheimerstr. 45.(45 Donnerstag, den 8. Februar, Abends 1 29 Uhr, im •VI l-j. i) lg.„Thüringer Hos", Burgstr. 26: Oeffentliche Sozialistenversammlung. Tagesordnung: Die direkte Gesetzgebung. Referent Nauert. Der Agent.(76 dTB. Die Parteikarten sind vorzuzeigen. Allgemeine deutsche Associations-Buch- druckerei zu Berlin. Eingetragene Genossenschaft. Der Unterzeichnete macht hierdurch bekannt, daß die An- theil- oder Jnterimöscheine für im November und Dezember 187L geleisteten Einzahlungen am heutigen Tage versandt sind. Beim etwaigen Nichteintreffen bitten wir zu reklamiren. Die in Berlin wohnhaften Mitglieder ersuchen wir, die betreffenden Scheine in unserem Büreau abzufordern. Gleichzeitig machen wir wiederholt darauf aufmerksam, das laut Generalversammlungsbcschluß von 1876 die monatlichen Beiträge nicht 50 Pfennig sondern 1 Mark betragen. Neue Antheilscheine«»-«. täglich w unserem Bureau(6,60 Kaiser Franz-Grenadier-Platz 8a ausgegeben. Der Vorstand: F. W. Fritz schc. Heinr. Rackow. Eompagnon-Gcsuch. Zu einem indnstr. Unternehmen(Patent) wird ein stiller od. thätig.Theilnehmer, im letztern Fall am liebsten Schlosser oder Modelltischler mit ungefähr 6666 M. gesucht. Entspr. Reingcw. Offerten unter w. J. 1789 postl. Berlin, Gesundbrunnen.(F. 40)(1,20 Soeben erschien: Die Briefkasten der Redaktion. H.'in M.: Ihr Aufruf ist durch die vorige� Nummer erledigt.— I. M. in Bremen: Ihre Berichte werden auf- genommen. Betreffs des Preises wenden Sie sich direkt an Scherzer. — H. in Sonneberg: Die Karte vom 15. d. haben wir nicht erhalten; Resultat in heutiger Nummer. der Expedition. C. M. Schlke: Ganz unmöglich; hier viel Leidensgefährten. Was soll aus gesandten 46 Pf. werden?— Hg. Frbrg i. B.: Bei erster Anftage waren Stimmzettel nicht zu beschaffen. Nach Abgang der Depesche erhielten wir solche zufällig, deshalb de- peschirten wir, daß Sie nicht dort drucken lassen sollten und sandten dann Packete, das Sie mit' 3,55 Porto wieder zurücksandten.— H. Schl. Celle: P. T. ist auch in Brl. geteffendorfft. Mehr wissen wir nicht.__ Aufforderung. Laut Beschluß der Sozialisten-Versammlung vom 28. Januar d. I. ergeht die Aufforderung an den Herrn Michael Chares, Schlosser, gebürtig aus Ostprenßen, hier, sowie in Altstadt- Waldenburg seinen Verpflichtungen nachzukommen, womöglich bis Ende Februar d. I., falls wir gezwungen wären, andere Schritte zu thun. Wir ersuchen alle Parteigenossen, die vielleicht mit genanntem Chares in Berührung kommen sollten, ihn auf dieses aufmerksam zu machen. Alle Partei-Organe werden gebeten, Vorstehendes abzudrucken. Waldenburg in Sachsen, den 1. Februar 1877. Die Agenten: Otto Oertel, Mittelstadt. Mac Lohr, Altstadt-Waldenburg. Märtyrer der Commune in Neucaledonien. Berichte zweier Entwichenen. Bon H'aschak chrousset und Ir. Äourde. PreiS: 30 Pfennig. Der Erttag dieser deutschen Uebersetzung ist für die deportirten Com- munards und deren Familien bestimmt. Ein grauenhaftes Bild menschlichen Elends und menschlicher Nieder- tracht entrollen die Verfasser. Die wenigen Bogen bilden ein unver- löschliches Denkmal der Schmach für die Henker der Pariser Commune. Verlag der Genossenschafts-Bllchdruckerei in Leipzig. Färbcrstraße 12/Il. Lissagaray, Histoire de la Commime de 1871 ist im französischen Original erschienen und vom Unterzeichneten zu 9 Mark zu beziehen. An Wiederverkäufer Rabatt. Die deutsche Uebersetzung ist in Arbeit und wird in einigen Mo- naten erscheinen. Für Arbeiterkreise wird eine Ausgabe zu er- mäßigtem Preise veranstaltet."(3,10 Braunschweig, 36. Januar 1877. (2a) W. Bracke jr. LMM, 80,, Kaiser Franz-(ironaäier-Platz 8a. Zur lieber- nähme yon Druck- Aufträgen jeder Art und jeden ümfanga, als: Zeitungen, Zeitschrifton, Werk«, Hro�chü- N ran, Statuten ctc. empfiehlt aich die� Allgemeine Deutsche Associations- BucMnickerei (Eingetragene Genossenschaft) � ytmter Zusicherung prompter u. reeller� * Bedienung bei soliden Preisen, f �> A\�Dampikraft-I3etrieb a. Doppel-�r \jk. x. Schnellpresse.— Acci- V �denaen jeden Genres: j Karten, Circu- rO Avise V X ctc* s zu_ Ihckarische Hamburg, Rödingsmarkr Nr. 12 zu senden. Quittung. Wien Ab. 5,66. Rw Altona Ab. 28,45. Knk Frauk- furt Ab. 8,66. Cnrd Dargun Schr. 1,46. Krtschmnn Dortmund Ab. 1,86. Mhnr Zeitz Schr. 8,66. Brnng Delitzsch Ab. 5,60. Bttchr hier Ab. 0,86. Brlrm hier Ab. 1,66. Spckrmnn Drevenack Ab. 6,86. Rpp Rottweil Ab. l,2<1 Frnhlz Loebersdorf Ab. 2,66. Br hier Ab. 1,26. i Grstmr München Schr. 11,75. Sgl Aue Schr. 8.56. Hbsch Gröbzig Schr. 1,50. Erg Gablenz Schr. 2,66. A. Brnr Zwickau Schr. 6,26. H. Strbl daselbst Ab. 168,26. Pchltnr Judenburg Ab. 1,60. Arbeiterbildungsverein Judenburg Ab. 1,99. Ktzmr Wien Ab. 5,31. Lnghnrch Nürnberg Schr. 1,50. Stll Schwöb. Hall Schr. 7,20. BERLIN, SQ., Kaiser Franz-Srenator-Flatz 8a. Verantwortlicher Redakteur: W. Liebknechst in Leipzi- Redaktion und Expeditton Färberstraßc 12/Il. in Leip� Druck und Verlag der Genoflenschastsbuchdruckerei in Sc'