Ärfdjtint in Leipzig Mittwoch, Freitag, Sonntag. Abouucmcntsprcis Inr gang Teuti-bland 1 M. SO Pf. Pro Quartal. Monats-Abonnements werden bei allen deutichen PostanIIaltea aus den 2. und S. Monat, und aus den 3- Monat besonders angenommen: im teinigr. Sachsen und Hcrzogth. Sachsen- Mteuburg auch aus den lten Monat des Quartals ä 54 Psg. ar, L'b- 1 Inserate betr. Bersammlungen pr. PctUzeile 10 Pf., betr. Prtvatangelegcnbeiten und Feste xr» Petitzeilc R> Pf. Vorm ärts ZZestellunzt» nehmen an alle Postanstalten und Buch Handlungen des In- u. Auslandes. Filial- Expeditionen. New-Porl: Eoz.-dcmolr. Benossen- schastsbuchdruckerei, 154 Qlllrillxo Str. Philadelphia: P. Haß, es» dlortch z-a Street. I. Boll, 11SS Cümrlotte Str. Chicago: A. Lanscrmann, bS5 Dlvi- sion Street. San Franziico: F. iintz, 418 O'Far- rell Street. London: Bauditz, 5 Isnssau Street, dliSäleser Lespiial. Gentrat Hrgan der Soziatdemokratie Deuischtands. Nr. 17. Freitag, 9. Februar. 1877. Utopisten nennen uns die Gegner, wenn sie„anständig" sein wollen.„Es mag Alles ganz hübsch sein, was die Sozialdemokraten als ihr Ziel hinstellen, aber es läßt sich nicht verwirklichen. Die Sozial- demokratie steht in der Luft, was sie erstrebt sind Hirngespinste." Das hört man tausend und tausendmal sagen. Nun, unbcgrün- deter kann kein Vorwurf sein als dieser. Und auch hier passirt unseren Gegnern, daß sie ihre eigenen Fehler uns in die Schuhe schieben. Bei den letzten Wahlen hat es sich recht deutlich gezeigt, daß gerade wir es sind, die, als echte„Realpolitiker" nur auf den T hat fachen fußen, während umgekehrt die Gegner, soweit sie eine Widerlegung versuchen, zu den phantastischsten Utopien ihre Zuflucht nehmen. Wie wurde von unserer Seite agitirt? Wir schilderten das herrschende System, kritisirtcn die politi- schen und sozialen Zustände, zeigten die treibenden Kräfte in Staat und Gesellschaft— und fragten die Wähler einfach: ob sie sich unter dem herrschenden System wohl fühlten. Da dies von je hundert kaum einer mit gutem Gewisien bejahen konnte, so hatten wir die weitere Aufgabe nachzuweisen, daß es in der Hand des Volkes liege, das herrschende System im In- teresse des Volks abzuändern; daß eine Abänderung, wenn die Mehr- zahl des Volks sie nachdrücklich verlange, ohne Gewaltthätigkeit sich vollziehen werde; daß Gewaltthätigkeit überhaupt nicht im Wesen �des Sozialismus liege, der ja ein prinzipieller Protest gegen jegliche Gewaltthätigkeit sei— ausgeuommen wo sie zur Ver- � theidigung nothweudig. Das war deutlich, das Alles ließ sich an der Hand der, Jedem ficht- und fühlbaren Verhältnisse, an der Hand der Ge- schichte und der Statistik sehr leicht auch dem wenigst entwickelten Hirn klar machen, und verfehlte darum fast nie seine über- zeugende Wirkung. Was hatten die Gegner, so weit sie überhaupt zu antworten wagten, auf unsere Ausführungen zu erwidern? Einfach nichts. Nicht eine der von uns in's Feld geführten Thatsachen konnten sie bestreiten, höchstens behaupten, wir färbten zu schwarz, wir übertrieben. Das war Alles. Und dann flüchteten sie sich in die lächerlichsten Utopistereien. Die traurige Lage der Kleinproduzenten(der Kleinbürger und Kleinbauern), die Roth der Arbeiter— das seien blos vorübergehende Erscheinungen, hervorgerufen durch ein zufälliges Zusammentreffen ungünstiger Momente, das Hand- werk werde sehr bald wieder einen goldenen Boden haben, das arbeitende Volk in Stadt und Land sehr bald wieder auf einen grünen Zweig kommen, es sei nicht richtig, daß das Großkapital die„kleinen Leute" verzehre, die Zahl der kleinen Geschäftsleute habe sich in den letzten Jahrzehnten vermehrt, die„freie Eon- currenz" gleiche dem Schwert des Achilles, das die Wunden, welche es schlug, wieder heilte, die„Harmonie der Interessen", welche nur momentan gestört sei, werde sich unfehlbar auf's Glänzendste bethätigen u. s. w. Es konnte unseren„Agitatoren" natürlich nicht schwer fallen, das völlig Unbegründete dieser Behauptungen nachzuweisen, zu entwickeln, daß die gegenwärtige ökonomische und politische Krise, das allgemeine Uebclbefinden der Maffen nicht etwas Zufälliges ist, sondern in dem Wesen der heutigen Gesellschafts- und Staatscinrichwngen wurzelt, und daher nicht„vorübergehender" Natur ist, so lange diese Staats- und Gesellschaftseiu- richtungen dauern; daß also, wer die gründliche Beseitigung der herrschenden Roth stände wolle, auf die Beseitigung des herrschenden Staats- und Gesellschaftssystems hinwirken müsse. Auch das war an der Hand der Wissenschaft und der Ver- Hältnisse so leicht klar zu machen, daß die Wirkung nur selten verfehlt ward. Und dann waren die Gegner aus ihr« letzten Position ge- warfen, sie hatten höchstens noch, in Ermangelung von Argu- menten, einige der famosen„Petroleum"-Bombcii abzufeuern, welche die Eigenschaft haben, uns niemals zu treffen, dafür aber desto greller die Unwisienheit der Schützen zu beleuchten. Niemand wird in Abrede stellen, daß der heurige Wahlkampf d«, wo ein„geistiger Kampf" stattfand, in dieser Weise verlaufen fft. Selbst von Seiten erbitterter Gegner ist uns die Anerken- nung gezollt worden, unsere Agitation habe sich diesmal vor- wiegend auf sachlichem Gebiete bewegt und von Maßlosigkeiten ftei gehalten. Unsere Gegner haben zu ihrem Schaden erfahren, daß wir aus dem Boden der Thatsachen stehen, und daß ihnen derselbe wehr und mehr unter den Füßen weggezogen wird— und das ist es, was ihnen einen so heillosen Schreck eingejagt hat. An uns ist es nun, den Gegnern mehr und mehr den Boden ju entziehen, ihn Zoll um Zoll ihnen abzuringen. Wir sind nicht, wie man uns albernerweise vorwirft, von «"wen Wahlersolgen berauscht. Die Eingcwcihtercn wissen, daß das Resultat so ziemlich uuseren Berechnungen entsprochen y>t. Es hgt auch für uns einige„Ueberraschungen" gegeben Vielleicht noch mehr. Gut. Die noch im feindlichen Lager be- findlichen Millionen des arbeitenden Volks müsssen wir ge- Winnen. Das ist das Problem. Und ein lösbares Problem. Verbreiten wir unsere Grundsätze rastlos; lassen wir uns nicht wegdrängen von dem Boden der Thatsachen und der Wissenschaft, auf dem wir unüberwindlich sind. Unser Triumph ist nur eine Frage der Zeit; und in unserer Hand liegt es, den Zeitraum abzukürzen. Je größer die Summe der Arbeit, die wir in die sozialdemokratische Bewegung stecken, desto rascher sind wir am Ziel. Im Kampf lernt sich der Kampf. Die jüngste Wahlcampagne hat uns um manche Erfahrung bereichert. Die gewonnenen Er- fahrungen— deß dürfen die Gegner versichert sein— werden wir benutzen, Fehler, die wir begangen, das nächste Mal zu vermeiden suchen, unsere Organisation, unsere Propaganda kräf- � tigen, und— uns schon jetzt auf die nächste Wahl vorbereiten. Oder wird das allgemeine Wahlrecht uns genommen werden? Wir zerbrechen uns den Kopf nicht damit, die Absichten unserer Feinde zn errathen. Es geschehe was da wolle, wir werden unsere Schuldigkeit thun. Durch politische Mundtodt- machung wird das Volk nicht unmündig gemacht. Ter nicht ausgedrückte Gedanke und Wunsch hört darum nicht auf, Gedanke, Wunsch zu sein— er gewinnt im Gegcntheil nur an Stärke durch die Unterdrückung. Es ist eine alte, tausendmal wieder- Holle und von den Hohen der Erde noch immer nicht verstan- dene Wahrheit, daß durch Gesetze eine historische Bewegung nicht aus der Welt geschafft werden kann. Die Gesetze, die man etwa gegen uns schmiedet, sie werden uns höchstens zu einer anderen Kampfweise zwingen. Wir sagten: auf dem Boden der Wissenschaft und der Ver- Hältnisse sind wir unüberwindlich. Wohlan, die Wissenschaft kann keine Gewalt der Welt uns rauben, und die Verhält- nisse werden ja gerade durch unsere Gegner von Tag zu Tag günstiger für uns gemacht. Unsere Feinde können nichts mehr thun, was nicht zu unserem Nutzen ausschlagen müßte. Sie mögen sich wenden und drehen wie sie wollen: sie sind und bleiben unsere besten Agitatoren. Herrn Eugen Dnhring's Umwälzung der Philosophie. welche Campagne brächte keine?— allein im Großen und ~""äen Wtten wir unsere Kräfte und die der Gegner so ziemlich richtig kalkulirt. Unsere Siege, weil erwartet, konnten uns nicht - r steigen. Wir sehen am Beispiel unserer Gegner, «a v111!«113""d schädlich ist, sich Illusionen hinzugeben, wy über die Verhältnisses über die eiaenen und aeaneriicken Kräfte zu täuschen/ 4»- Diesen Fehler wollen wir vermeiden. Wir wagen kühl die Menschen und Dinge. Wir wissen, welch' colos- mit llebcrmacht uns gegenübersteht, wir wissen aber auch, daß, u mit welchen Mitteln diese Uebennacht auf unsere Seite werden k»nn. Der 10. Januar 1877 und die Stich- ! p:,/. haben uns an 650,000 Stimmen gebracht. Die ver- 'gten Gegner mögen die achtfache Zahl aufzuweisen haben. Von Friedrich Engels. VII. „Von der Mechanik in Druck und Stoß bis zur Verknüpfung der Empfindungen und Gedanken reicht eine einheitliche und ein- zige Stufenleiter von Einschaltungen." Mit dieser Versicherung erspart es sich Herr Dühring, über die Entstehung des Lebens etwas Weiteres zu sagen, obwohl man von einem Denker, der die Entwicklung oer Welt bis auf den sich selbst gleichen Zustand zurück verfolgt hat, und der auf den andern Weltkörpern so heimisch ist, wohl erwarten dürfte, daß er auch hier genau Be- scheid wisse. Im Ucbrigen ist jene Versicherung nur halb richtig, so lange sie nicht durch die schon erwähnte Hegel'sche Knoten- linie von Maßverhältnissen ergänzt wird. Bei aller Allmählig- keit bleibt der Uebergang von einer Bewegungsform zur andern immer ein Sprung, eine entscheidende Wendung. So der Ucber- gang von der Mechanik der Weltkörpcr zu der der kleineren Massen auf einem einzelnen Weltkörpcr; ebenso der von der Mechanik der Massen zu der Mechanik der Moleküle— die Bewegungen umfassend, die wir in der eigentlich sogenannten Physik untersuchen: Wärme, Licht, Elektricität, Magnetismus; ebenso vollzieht sich der Uebergang von der Physik der Moleküle zu der Physik der Atome— der' Chemie— wieder durch einen cut- schiednen Sprung, und noch mehr ist dies der Fall beim Uebcr- gang von gewöhnlicher chemischer Aktion zum Chemismus des Eiweißes, den wir Leben nennen. Innerhalb der Sphäre des Lebens werden dann die Sprünge immer seltner und unmcrk- licher.— Es ist also wieder Hegel, der Herrn Dühring be- richtigen muß. Den begrifflichen Uebergang zur organischen Welt liefert Herrn Dühring der Zweckbegriff. Ties ist wieder entlehnt aus Hegel, der in der Logik— Lehre vom Begriff— vermittelst der Teleologie oder Lehre vom Zweck, vom Chemismus zum Leben übergeht. Wohin wir blicken, stoßen wir bei Herrn Dühring auf eine Hegel'sche„Crudität", die er ganz ungenirt für seine eigene wurzelhafte Wissenschaft ausgibt. Es würde zu weit führen, hier zu untersuchen, in wie weit die Anwendung der Vorstellun- gen von Zweck und Mittel auf die organische Welt berechttgt und angebracht ist. Jedenfalls führt auch die Anwendung des Hegel'schen„inneren Zwecks", d.h. eines Zwecks, der nicht durch einen absichtlich handelnden Dritten, etwa die Weisheit der Vor- sehung, in die Natur importirt ist, sondern der in der Roth- wcndigkeit der Sache selbst liegt, bei Leuten, die nicht vollständig philosophisch geschult sind, fortwährend� zur gedankenlosen Unter- schiebung bewußter und absichtlicher Handlung. Derselbe Herr Dühring, der bei der geringsten„spiritistischen" Regung amdrer 1 Leute in ungemessene sittliche Entrüstung geräth, versichert„mit Bestimmtheit, daß die Triebempfindungen in der Hauptsache um � der Befriedigung willen geschaffen worden sind, die mit ihrem Spiel verbunden ist." Er erzählt uns, die arme Natur„muß immer wieder von Neuem die gegenständliche Welt in Ordnung halten", und daneben hat sie noch mehr als eine Angelegenheit zu erledigen,„die von Seiten der Natur mehr Subtilität crfor- derlich macht, als man gewöhnlich zugesteht." Aber die Natur weiß nicht nur, warum sie dies und zenes schafft, sie hat nicht nur Hausmagdsdienste zu verrichten, sie hat nicht nur Subtilität, was doch schon eine ganz hübsche Vervollkommnung im subjek- tiven bewußten Denken ist, sie hat auch einen Willen; denn die Zugabe zu den Trieben, daß sie nebenbei reale Naturbedingungcn: Ernährung, Fortpflanzung u. s. w. erfüllen, diese Zugabe„dürfen wir nicht als direkt, sondern nur als indirekt gewollt ansehen." Wir sind hiermit bei einer betvußt denkenden und handelnden Natur angekommen, stehen also schon auf der„Brücke" zwar nicht vom Statischen zum Dynamischen, aber doch vom Pan- theismus zum Deismus. Oder beliebt es Herrn Dühring etwa, auch einmal ein wenig„naturphilosophische Halbpoesie" zu treiben? Unmöglich. Alles was uns unser Wirklichkeitsphilosoph über die organische Natur zu sagen weiß, beschränkt sich auf den Kampf gegen diese naturphilosophische Halbpoesie, gegen„die Charlataneric mit ihren leichtfertigen Oberflächlichkeiten und sozusagen wissenschaftlichen Mystifikattonen", gegen die„dichteln- den Züge" des Darwinismus. Vor allen Dingen wird Darwin vorgeworfen, daß er die Malthus'sche Bevölkerungstheorie aus der Oekonomie in die Naturwissenschaft übertrage, daß er in den Vorstellungen des Thierzüchters befangen sei, daß er mit dem Kampf ums Dasein unwissenschaftliche Halbpoesie treibe, und daß der ganze Darwi- nismus, nach Abzug des von Lamarck Entlehnten, ein Stück gegen die Humanität gekehrte Brutalität sei. Darwin hatte von seinen wissenschaftlichen Reisen die Ansicht nach Hause gebracht, daß die Arten der Pflanzen und Thiere nicht beständige, sondern sich verändernde sind. Um diesen Ge- danken zu Hause weiter zu verfolgen, bot sich ihm kein besseres Feld als das der Thier- und Pflanzenzüchtung. Grade hiefür ist England das klassische Land; die Leistungen andrer Länder, z. B. Deutschlands, können nicht entfernt einen Maßstab abgeben für das in dieser Beziehung in England Erreichte. Dabei ge- hören die meisten Erfolge den letzten hundert Jahren an, so daß die Konstatirung der Thatsachen wenig Schwierigkeiten macht. Darwin fand nun, daß diese Züchtung künstlich, an Thieren und Pflanzen derselben Art, Unterschiede hervorgerufen hatte, größer als diejenigen, die bei allgemein als verschieden anerkannten Arten vorkommen. Einerseits war also die Veränderlichkeit der Arten bis auf einen gewissen Grad nachgewiesen, andrerseits die Möglichkeit gemeinschaftlicher Vorfahren für Organismen, die verschiedene Artcharaktere besaßen. Darwin untersuchte nun, ob nicht etwa in der Natur sich Ursachen finden, die— ohne die bewußte Absicht des Züchters— dennoch auf die Dauer an den lebenden Organismen ähnliche Veränderungen hervorrufen mußten, wie die künstliche Züchtung. Diese Ursachen fand er in dem Mißverhältniß zwischen der ungeheuren Zahl der von derMgwr geschaffenen Keime, und der geringen von wirklich zur Reife ge- langenden Organismen. Da nun aber jeder Keim zur Eni- Wicklung strebt, so entsteht nothweudig ein Kampf ums Dasein, der nicht bloß als direkte, körperliche Bekämpfung oder Verzeh- rung, sondern auch als Kampf unl Raum und Licht, selbst bei Pflanzen, noch sich zeigt. Und es ist augenscheinlich, daß in diesem Kampfe diejenigen Individuen am meisten Aussicht haben zur Reife zu gelangen und sich fortzupflanzen, die irgend eine, noch so unbedeutende, aber im Kampf ums Dasein vortheilhafte individuelle Eigenthümlichkcit besitzen. Diese individuellen Eigen- thllmlichkeiten haben demnach die Tendenz sich zu vererben, und wenn sie bei mehreren Individuen derselben Art vorkommen, sich durch gehäufte Vererbung in der einmal angenommenen Richtung zn steigern; während die diese Eigenthümlichkeit nicht besitzenden Individuen im Kampf ums Dasein leichter erliegen, und allmälig verschwinden. Auf diese Weise verändert sich eine Art durch natürliche Züchtung, durch das Ueberleben der Geeig- netsten. Gegen diese Darwinsche Theorie sagt nun Herr Dühring, der Ursprung der Vorstellung vom Kampf ums Dasein sei, wie es Darwin selbst eingestanden habe, in einer Verallgemeinerung der Ansichten des nationalökonomischen Bevölkcrung'stheoretikers Malthus zu suchen und demgemäß auch mit allen denjenigen Schäden behaftet, die den priesterlich Malthusianischcn Anschauun- gen über das Bevölkerungsgedrängc eigen sind.— Nun fällt es Darwin gar nicht ein zu sagen, der Ursprung der Vorstellung vom Kampf ums Dasein sei bei Malthus zu suchen. Er sagt nur: seine Theorie vom Kampf ums Dasein sei die Theorie von Malthus, angewandt auf die ganze thierische und pflanzliche Welt. Wie groß auch der Bock sein mag, den Darwin geschossen, indem er in seiner Naivetät die Malthus'sche Lehre so unbesehn acceptirte, so sieht doch Jeder auf den ersten Blick, daß man keine Malthus-Brille braucht, um den Kampf ums Dasein in der Natur wahrzunehmen— den Widerspruch zwischen der zahllosen Menge von Keimen, die die Natur verschwenderisch erzeugt, und der geringen Anzahl von ihnen, die überhaupt zur Reife kommen können; einen Widerspruch, der sich in der That größtentheils in einem— stellenweise äußerst grausamen— Kampf ums Dasein löst. Und wie das Gesetz des Arbeitslohns seine Geltung behalten hat, auch nachdem die malthusianischen Argumente längst verschollen sind, auf die Ricardo es stützte— so kann der Kampf ums Dasein in der Natur ebenfalls stattfinden, auch ohne irgend welche malthusianische Interpretation. Ucbrigens haben die Organismen der Natur ebenfalls ihre Bevölkerungsgesetze, die bis jetzt noch so gut wie gar nicht untersucht sind, deren Fest- stcllung aber für die Theorie von der Entwickelung der Arten von entscheidender Wichtigkeit sein wird. Und wer hat auch in dieser Richtung den entscheidenden Anstoß gegeben? Niemand anders als Darwin. Herr Dühring hütet sich wohl auf diese positive Seite der Frage einzugehn. Statt dessen muß der Kampf ums Dasein immer wieder vorhalten. Von einem Kampf ums Dasein unter bewußtlosen Pflanzen und gemüthlichen Pflanzenfressern könne von vornherein keine Rede sein:„in genau besttmmtem Sinne ist nun der Kampf ums Dasein innerhalb der Brutalität in soweit vertreten, als die Ernährung durch Raub und Verzehrung erfolgt." Und nachdem er den Begriff: Kampf ums Dasein, auf diese engen Grenzen reduzirt, kann er über die Brutalität dieses von ihm selbst auf die Brutalität beschränkten Begriffs seiner vollen sittlichen Entrüstung freien Lauf lassen. Diese sittliche Entrüstung trifft aber nur Herrn Dühring selbst, der ja der alleinige Verfasser des Kampfs ums Dasein in dieser Be- schränkung und daher auch allein dafür verantwortlich ist. Es ist also nicht Darwin, der„im Gebiet der Bestien die Gesetze und das Verständniß aller Naturaktiou sucht"— Darwin hatte ja grade die ganze organische Statur mit in den Kampf ringe- schloffen— sondern ein von Hrn. Dühring selbst zurechtgemachter Phantasiepopanz. Der Name: Kampf ums Dasein, kann übri- gens dem hochmoralischen Zorn des Hrn. Dühring gern preis- gegeben werden. Daß die Sache auch unter Pflanzen cxistirt, kann ihm jede Wiese, jedes Kornfeld, jeder Wald beweisen, und nicht um den Namen handelt es sich, ob man das„Kampf um's Dasein" nennen soll oder„Mangel der Existenzbedingungen und mechanische Wirkungen", sondern darum, wie diese Thatsache auf die Erhaltung oder Veränderung der Arten einwirkt. Darüber verharrt Herr Dühring in einem hartnäckig sich selbst gleichen Stillschweigen. Es wird also wohl vorläufig bei der Naturzüch- tung sein Bewenden haben. Aber der Darwinismus„produzirt seine Verwandlungen und Differenzen aus Nichts". Allerdings sieht Darwin, wo er von der Naturzüchtung handelt, ab von den Ursachen, die die Ver- änderungen in den einzelnen Individuen hervorgerufen haben, und handelt zunächst von der Art und Weise, in der solche in- dividuelle Abweichungen nach und nach zu Kennzeichen einer Raee, Spielart oder Art werden. Für Darwin handelte es sich zunächst weniger darum, diese Ursachen zu finden— die bis jetzt theilweise ganz unbekannt, theilweise nur ganz allgemein angeb- bar sind— als vielmehr eine rationelle Form, in der sich ihre Wirkungen festsetzen, dauernde Bedeutung erhalten. Daß Dar- win dabei seiner Entdeckung einen übermäßigen Wirkungskreis zuschrieb, sie zum ausschließlichen Hebel der Artveränderung machte und die Ursachen der wiederholten individuellen Veränderungen über der Form ihrer Verallgemeinerung vernachlässigte, ist ein Fehler, den er mit den meisten Leuten gemein hat, die einen wirklichen Fortschritt machen. Zudem, wenn Darwin ieine ideellen Verwandlungen aus Nichts produzirt, und dabei„die Weis- heit des Züchters" ausschließlich anwendet, so muß hiernach der Züchter .seine nicht bloß vorgestellten, sondern wirklichen Verwandlungen der Thier- und Pflanzenformen ebenfalls aus Nichts produ- ziren. Wer aber den Anstoß gegeben hat, zu untersuchen, woraus denn eigentlich diese Verwandlungen und Differenzen ent- stehen, ist wieder Niemand anders als Darwin. Neuerdings ist, namentlich durch Höckel, die Vorstellung von der Naturzüchtung erweitert und die Artvcrändernng gefaßt als Resultat der Wechselwirkung von Anpassung und Vererbung, wo- bei dann die Anpassung als die ändernde, die Vererbung als die erhaltende Seite des Prozesses dargestellt wird. Auch dies ist Herrn Dühring wieder nicht recht.„Eigentliche Anpassung an Lebensbedingungen, wie sie durch die Natur geboten oder entzogen werden, setzt Antriebe und Thätigkeiten voraus, die sich nach Vorstellungen bestimmen. Andernfalls ist die Anpassung nur ein Schein und die alsdann wirkende Kausalität erhebt sich nicht über die niederen Stufen des Physikalischen, Chemischen und pflanzlich Physiologischen." Es ist wieder der Name, der Hrn. Dühring zum Aergerniß dient. Wie er aber auch den Vorgang bezeichnen möge: die Frage ist hier die, ob durch solche Vorgänge Veränderungen in den Arten der Organismen hervor- gerufen werden oder nicht? Und Herr Dühring gibt wieder keine Antwort. „Wenn eine Pflanze in ihrem Wachsthum den Weg nimmt, auf welchem sie das meiste Licht erhält, so ist diese Wirkung des Reizes nichts als eine Kombination physikalischer Kräfte und chemischer Agentten, und wenn man hier nicht metaphorisch son- dern eigentlich von einer Anpassung reden will, so muß dies in dicBe- griffe eine spiritistische Verworrenheit bringen." So streng gegen Andere ist derselbe Mann, der ganz genau weiß, um wessen Willen die Natur dies und jenes thut, der von der Sub tili tat der Nattir spricht, ja von ihren Willen! Spiri- tistischc Verworrenheit in der That— aber wo, bei Höckel oder bei Hrn. Dühring? Und nicht nur spiritistische, sondern auch logische Verworren- heit. Wir sahen, daß Herr Dühring mit aller Gewalt darauf besteht, den Zweckbcgriff in der Natur geltend zu macheu:„Die Beziehung von Mittel und Zweck setzt keineswegs eine bewußte Absicht voraus". Was ist nun aber die Anpassung ohne be- wußte Absicht, ohne Vermittelung von Vorstellungen, gegen die er so eifert, anders als eine solche unbewußte Zweckthätigkeit? Die Verhandlungen des türkischen Grotzen Rathes vom 3. Muharrem 1294(18. Januar 1877). (Schluß.) Großwessier: Bisher haben wir bloß Rußland in Betracht gezogen; dies ist nicht so sehr gefährlich; aber es haben sich sechs Mächte in die Angelegenheit eingemengt. Zwar wird aus unserer Ablehnung kein allgemeiner Krieg entstehen, aber die öffentliche Meinung Europas ist gegen uns eingenommen. Bekanntlich ist die öffentliche Meinung die stärkste Macht; es ist also wohl daraus zu sehen, daß dieselbe nicht beunruhigt werde. Dschemil Pascha: Im Gegentheil, wenn wir in der Wah- rung unserer Ehre einig sind, wird die öffentliche Meinung auf unserer Seite sein. Abedin Bey: Wir find darauf stolz, daß sechs Gesandte auf einmal abreisen; denn es ehrt die Osmanen, daß sie ihnen allen gleichzeitig Antwort neben. Es gereicht uns zur größe- ren Ehre. Scheik Fehmi Effendi: Es ist gewiß sehr schlimm, die öffentliche Meinung in Aufregung zu versetzen; aber wir haben ihnen immer unsere Meinung ohne Aufregung aufrichtig gesagt; sie aber haben es nicht angenommen und bestehen auf ihren Meinungen. Wenn wu daher im Vertrauen auf die Gnade Gottes diese Vorschläge verwerfen, um Gerechttgkeit zu üben und unsere Ehre und Unabhängigkeit zu wahren, so werden wir doch schließlich die öffentliche Meinung auf unserer Seite haben. Großwessier: Wir sind hier nicht allein. Auch die nicht- mohammedanischen Untcrthanen haben in dieser Frage ihre Rechte so gut wie wir. Das Grundgesetz hat ihnen ganz dieselben Rechte verliehen wie uns. Sie mögen also auch reden. Sava Pascha(Direktor des kaiserlichen Lyceums, Grieche): Es ist gesagt worden, daß die gleichzeitige Abreise von sechs Gesandten die öffentliche Meinung trüben werde. Aber wissen Sie, daß die Ehre aller Osmanen auf dem Spiele ist? Ich glaube, daß die Liebe oder der Haß gegen eine europäische Nation gleichbedeutend ist mit der Lertheidigung oder Vernich- tung ihrer Ehre. Wir müssen unsere Ehre wahren und zu Wenn also Laubfrösche und laubfressende Insekten grüne, Wüsten- thiere sandgelbe, Polarlandthierc vorwiegend schneeweiße Farbe haben, so haben sie sich diese sicher nicht absichtlich, oder nach irgend welchen Vorstellungen angeeignet; im Gegentheil lassen sich die Farben nur aus physikalischen Kräften und chemischen Agentten erklären. Und doch ist es unläugbar, daß diese Thiere, durch jene Farben, dem Mittel, in dem sie leben, zweckmäßig angepaßt sind, und zwar so, daß sie ihren Feinden dadurch weit weniger sichtbar geworden. Ebenso sind die Organe, womit ge- wisse Pflanzen die sich darauf niedersetzenden Insekten fangen und verzehren, dieser Thättgkeit angepaßt, und sogar zweck- mäßig angepaßt. Wenn nun Herr Dühring darauf besteht, daß die Anpassung durch Vorstellungen vermittelt sein muß, so sagt er nur mit andern Worten, daß die Zweckthätigkeit ebenfalls durch Vorstellungen vermittelt, bewußt, absichtlich sein muß. Womit wir wieder, wie gewöhnlich in der Wirklichkeitsphilo- sophie, beim zweckthätigen Schöpfer, bei Gott angekommen sind. „Sonst nannte man eine solche Auskunst Deismus und hielt nicht viel davon(sagt Herr Dühring); jetzt aber scheint man sich auch in dieser Beziehung rückwärts entwickelt zu haben." Von der Anpassung kommen wir auf die Vererbung. Auch hier ist der Darwinismus, nach Herrn Dühring, vollständig auf dem Holzwege. Die ganze organische Welt, behaupte Darwin, soll von einem Urwesen abstammen, sozusagen die Brut eines einzigen Wesens sein. Die selbständige Nebenordnung gleich- artiger Naturproduktioncn ohne Abstammungsvermittlung sei für Darwin gar nicht vorhanden und er müsse daher mit seinen rückwärts gekehrten Anschauungen sofort am Ende sein, wo ihm der Faden der Zeugung oder sonstigen Fortpflanzung reißt. Die Behauptung, Darwin leite alle jetzigen Organismen von Einem Urwesen her, ist, um uns höflich auszudrücken, eine „eigene freie Schöpfung und Imagination" des Herrn Dühring. Darwin sagt ausdrücklich aus der vorletzten Seite der Orixin of Speeles, 6. Auflage, er sehe„alle Wesen nicht als besondere Schöpfungen, sondern als die Nachkommen, in gerader Linie, einiger weniger Wesen" an. Und Höckel geht noch bedeu- tend weiter und nimmt„einen ganz selbständigen Stamm für das Pflanzenreich, einen zweiten für das Thierreich" an und zwischen beiden„eine Anzahl von selbständigen Prottstenstämmen, deren jeder ganz unabhängig von jenen aus einer eigenen archi- goncn Moncrcnform sich entwickelt hat"(Schöpfungsgeschichte S. 397). Dies Urwesen ist von Hrn. Dühring nur erfunden worden um es durch Parallele mit dem Urjuden Adam möglichst in Verruf zu bringen; wobei ihm— nämlich Herrn Dühring — das Unglück passirt, daß ihm unbekannt geblieben, wieso dieser Urjude durch Smith's assyrische Entdeckungen sich als Ur- semit entpuppt; daß die ganze Schöpfungs- und Sündfluthge- schichte der Bibel sich erweist als ein Stück aus dem altheid- nischen, den Juden mit Babylonicrn, Chaldäern und Assyrern gemeinsamen religiösen Sagenkreise. Es ist allerdings ein harter, aber nicht abzuweisender Vor- wurf gegen Darwin, daß er sofort am Ende ist, wo ihm der Faden der Abstammung reißt. Leider verdient ihn unsere ge- sammte Naturwissenschaft. Wo ihr der Faden der Abstammung reißt, ist sie„am Ende". Sie hat es bisher noch nicht fertig gebracht, organische Wesen ohne Abstammung zu erzeugen; ja noch nicht einmal einfaches Protoplasma oder andere Eiweiß- korper aus den chemischen Elementen herzustellen. Sie kann also über den Ursprung des Lebens bis jetzt nur soviel mit Be- stimmthcit sagen, daß er sich auf chemischem Wege vollzogen haben muß. Vielleicht aber ist die Wirklichkeitsphilosophie in der Lage, hier abhelfen zu können, da sie über selbständig neben- geordnete Naturproduktionen verfügt, die nicht durch Abstammung unter einander vermittelt sind. Wie können diese entstanden sein? Durch Urzeugung? Aber bis jetzt haben selbst die ver- ivegensten Vertreter der Urzeugung nichts als Bakterien, Pilz- keime, und andere sehr ursprüngliche Organismen auf diesem Wege zu erzeugen beansprucht— keine Insekten, Fische, Vögel oder Säugethiere. Wenn nun diese gleichartigen Naturproduk- ttonen— wohlverstanden organische, von denen ist hier allein die Rede— nicht durch Abstammung zusammenhängen, so müssen sie oder jeder ihrer Vorfahren da,„wo der Faden der Abstam- mung reißt", durch einen aparten Schöpfungsakt in die Welt gesetzt sein. Also schon wieder beim Schöpfer und dem was man sonst Deismus nennt. Ferner erklärt Herr Dühring es für eine große Oberflächlich- keit von Darwin„den bloßen Akt geschlechtlicher Compofition von Eigenschaften zum Fundamentalprinzip der Entstehung dieser Eigenschaften zu machen". Dies ist wieder eine freie Schöpfung und Imagination unseres wurzelhaften Philosophen. Im Gegentheil erklärt Darwin bestimmt: der Ausdruck Natur- diescm Zwecke selbst unser Leben opfern. In diesem Falle wird die öffentliche Meinung Europas ohne Zweifel auf unserer Seite sein, und selbst die europäischen Regierungen müssen ihr ge- horchen.(Allseitiges Bravo und Händeklaschen.) Großwessier: Gewiß, die Ehre eines Staates ist die Ehre der Nation; ein Staat, eine Nation, die ihre Ehre nicht wahrt, verdient nicht den Slawen eines Staates, einer Nation. Wenn wir unsere Ehre wahren, wird uns Alles gelingen. Unser Zweck ist, die Frage von allen Seiten zu betrachten. Javer Pascha(Post- und Telegraphen-Direktor, Armenier): Abgesehen vom Staate, wenn mir persönlich solche Vorschläge gemacht würden, so weise ich sie zurück, geschweige denn, wenn einem Staate dergleichen geboten wird. Enficdschian Effendi(Vertreter des katholisch-armenischen Patriarchats): Unsere Väter, unsere Vorfahren sind hier be- graben. Wir leben ruhig im Schatten dieses Staates. Da nun unser Land sich jetzt in dieser Lage befindet, so müssen wir alle einig sein, um unsere Ehre, unsere Achtung zu wahren; wir müssen nicht den Tod fürchten; die Opfer, die wir zur Wahrung unserer Ehre bringen, werden in der Geschichte mit Ruhm er- wähnt werden. Unsere Gefahr ist im Innern, nicht im Ausland, und wenn wir uns gegenseitig nichts zu Leide thun, so ist auch diese innere Gefahr beseittgt. Gott hat jedem Staat eine ge- wisse Zeit bestimmt, kommt diese Zeit, so wird er mächtig. An uns ist es jetzt, im festen Zusammenhalten unser Baterland, unsere Ehre zu vertheidigen und nichts zu verabsäumen. Sollte dieses große Reich zusammenbrechen, so werden die Katholiken es sich zum Ruhm anrechnen, unter dessen Trümmern begraben zn werden; mit Ehren sterben ist besser als ehrlos leben; um mit Ehren zn fallen muß man die Kugel nicht im Rücken, son- dern in der Brust empfangen. Sie wissen, daß die religiöse Ueberzcugung eine Sache des Gewissens ist. Der Mohamedaner geht in die Moschee, der Christ in die Kirche; wenn es sich aber um die Vertheidigung des Vaterlandes handelt, so sind wir eins. Die Gebildeten beider Confessionen müssen sich bemühen, daß die Unwissenden den von außen kommenden Einflüsterungen kein Gehör schenken. Die Einmengung der Ausländer hat nur Un- heil zum Zweck. Zum Beweis dessen möge dienen, daß einer ihrer Vorschläge die Tscherkeffen nach Anatolicn verlangt. Werden die Tscherkeffen, die in Rumelien schädlich waren, in Anatolien züchtung schließe nur ein die Erhaltung von Veränderungen nicht aber ihre Erzeugung(S. 63). Diese neue Unterschiebun: von Sachen, die Darwin nie gesagt, dient aber dazu, uns zu fos � gendem Tnhring'schcn Tiefsinn zu verhelfen:„Hätte man i? inner» Schematismus der Zeugung irgend ein Prinzip da ! selbständigen Veränderungen aufgesucht, so würde dieser Gedanll ganz rationell gewesen sein; denn es ist ein natürlicher GedanK das Prinzip der allgemeinen Genesis mit dem der geschlechtliche Fortpflanzung zu einer Einheit zusammenzufassen und die sog«! nannte Urzeugung ans einem höheren Gesichtspunkt nicht ali absoluten Gegensatz der Reproduktion, sondern eben als eie Produktion anzusehn". Und der Mann, der solchen Gallimathifli verfassen konnte, genirt sich nicht, Hegel seinen„Jargon" vorz'i werfen! Doch genug der verdrießlichen, widerspruchsvollen Quängela und Nörgelei, mit der Herr Dühring seinem Aerger über de> kolossalen Aufschwung Luft macht, den die Naturwissenschaft de» Anstoß der Darwinschen Theorie verdankt. Weder Darwin noä seine Anhänger unter den Naturforschern denken daran, de großen Verdienste Lamarck's irgendwie zu verkleinern; sind st es doch gerade, die ihn zuerst wieder auf den Schild geHobe« haben. Aber wir dürfen nicht übersehen, daß zu Lamarck's Zefl die Wissenschaft bei weitem noch nicht über hinreichendes Mate« rial verfügte, um die Frage nach dem Ursprung der Arten an- ders als anttcipirend, sozusagen prophetisch beantworten z« können. Außer dem enormen Material aus dem Gebiet da sammelnden wie der anatomischen Botanik und Zoologie, bat seitdem angehäuft, sind aber seit Lamarck zwei ganz neue Wissen- schaften entstanden, die hier von entscheidender Wichtigkeit find: die Untersuchung der Entwicklung der pflanzlichen und thierische« Keime(Embryologie) und die der, in den verschiedenen Schichte« der Erdoberfläche aufbewahrten, organischen Ueberreste(Paläon tologie). Es findet sich nämlich eine eigenthümliche Ueberein- stimmung zwischen der stufenweisen Entwicklung der organische« Keime zu reifen Organismen und der Reihenfolge der nach ein- ander in der Geschichte der Erde auftretenden Pflanzen uni Thiere. Und gerade diesc� Ucbereinstimmung ist es, die der Ent' wicklungsthcorie die sicherste Grundlage gegeben hat. Die Ent Wicklungstheorie selbst ist aber noch sehr jung, und es ist daher nnzweifelhaft, daß die weitere Forschung die heutigen, auch die streng darwinistischen Vorstellungen von dem Hergang der Arten- entwickclug sehr bedeutend modificiren wird. Was hat uns nun die Wirklichkeitsphilosophie über die Eni- Wicklung des organischen Lebens Positives zu sagen? „Die... Abänderlichkeit der Arten ist eine annehmbar« Voraussetzung." Daneben gilt aber auch„die selbständige Neben- Ordnung gleichartiger Naturproduktionen, ohne Abstammungsver- mittlung". Hiernach sollte man meinen, die ungleichartige« Naturproduktionen, d. h. die sich ändernden Arten stammte« von einander ab, die gleichartigen aber nicht. Dies stiinist aber auch nicht ganz; denn auch bei sich ändernden Arten dürste „die Vermittlung durch Abstammung im Gegentheil erst ein ganj sekundärer Akt der Natur sein". Also doch Abstammung, aber „zweiter Klasse". Seien wir froh, daß die Abstammung, nacb dem Herr Dühring ihr so viel Uebles und Dunkles nachgesagt, dennoch lendlich durch die Hinterthllr wieder zugelassen wird- Ebenso geht es der Naturzüchtung, denn nach all der sittliche» Entrüstung über den Kampf um's Dasein, vermittelst dessen die Naturzüchtung sich ja vollzieht, heißt es plötzlich:„Der tiefere Grund der Beschaffenheit der Gebilde ist mithin in den Lebensbedingungen und kosmischen Verhältnissen zu suchen, während die von Darwin betonte Naturzüchtung erst in zweiter Linie in Frage kommen kann". Also doch Staturzüchtung, wenn auch zweiter Klasse; also mit der Naturzüchtung auch Kampf um's Dasein und damit auch priesterlich-malthusianisches Bevolkerungs- gedränge! Das ist Alles, im klebrigen verweist uns Herr Düh- ring auf Lamarck. Schließlich warnt er uns vor dem Mißbrauch der Wortt Metamorphose und Entwickelung. Metamorphose sei ein u»' klarer Begriff und der Begriff der Entwickelung nur soweit zu lässig, als sich Entwickelungsgesetze wirklich nachweisen jlasseiu Statt beider sollen wir sagen„Komposition", und dann st' Alles gut. Es ist wieder die alte Geschichte: die Sachen bleibe« wie sie waren und Herr Dühring ist ganz zufrieden, sobald wi« nur die Namen ändern. Wenn wir von der Entwickelung des Hühnchens im Ei sprechen, so machen wir Konfusion, weil wil die Entwicklungsgesetze nur mangelhaft nachweisen könne»- Sprechen wir aber von seiner Komposition, so wird Alles klar- Wir werden also nicht mehr sagen: dies Kind entwickelt sich prächtig, sondern: es komponirt sich ausgezeichnet, und wir dürfe« nützlich sein? Wir sind darin einig, alle Vorschläge und jede Einmengung zurückzuweisen. Auch Ew. Hoheit, Herr Groß ivessier, ist unser Volk zu großem Danke verpflichtet;. Sic sehe«� darauf, daß alle Bestimmungen des Grundgesetzes vollständig ausgeführt werden; deshalb haben Sie dafür gesorgt, daß wi« zum ersten Mal mitberathen, bei einer Frage, welche unser ge meinsames Vaterland betrifft; jetzt ist es an uns, die dazu er- forderliche Eintracht herbeizuführen. Auch wir lieben nicht di« Russen. Wir haben uns eben so sehr wie Sie über die Hinter- list derselben zu beklagen. Wir müssen uns bemühen, einig z» sein, und alle Uebel zu beseitigen. Wir müssen einig sein und unser Vaterland vertheidigen, und dafür zu sterben bereit sei»- Wollen wir die religiösen Streitigkeiten wieder hervorsuchen und uns gegenseitig zerfleischen, so werden wir zu unscrm Nachtheil in der öffentlichen Meinung zu Grunde gehen. Bürgerkrieg heißt nicht das Vaterland vertheidigen. Wir dürfen nie vergessen, daß die öffentliche Meinung sich nie von dem Vaterland und von dem Rechte trennt.(Allseitiges starkes Bravo und Händeklatschen.) Der Ober-Rabbiner: Auch die Juden sind bereit z» sterben, um die Ehre des Reiches zu wahren. Ruschdi Pascha: Das heißt, Sie wollen Ihre Ehre nicht antasten lassen. Alle gleichzeitig: So ist es, wir wollen unsere Ehre nicht antasten lasse.(Allseitiges Bravo.) Sava Pascha: Nachdem die Diskussion sich so weit ver- längert hat, sollte, was Gott verhüten möge, morgen ein Unglück sich ereignen, so wird die Verantwortlichkeit dieser Ver- sammlung..... Ter Großwessier(ihn unterbrechend): Nein, es geschieht nicht aus Furcht vor Verantwortlichkeit, daß sich die Diskufsio» verlängert, sondern um die Frage zu erörtern. Sava Pascha: Da eine Nation ohne Ehre nicht lebe» kann, so zieht die Nation es vor, jedes Opfer zur Vertheidigung ihrer Ehre zu bringen. Alle setzen ihr Vertrauen auf dicst Versammlung; wir alle gehorchen Ihnen; auf jeden Fall müsse»! Sie dafür sorgen, daß unsere Ehre gewahrt bleibe. Janko Skiades(�Mitglied des Staatsratbs): Nach Ver lesung des Hattt Humajum, welcher die Verkündigung der Ver- fassung anzeigte, erörterte Ew. Hoheit in Ihrer Ansprache die Hrn. Dühring Glück wünschen, daß er dem Schöpfer des Nibe- lungenringes nicht nur in edler Selbstschätzung würdig zur Seite steht sondern auch in seiner Eigenschaft als Komponist der Zukunft. (Fortsetzung folgt.)___ Sozialpolitische Uebersicht. —„Tie Moral der Reichstagswahlen" ist von einem Organ der sogenannten Fortschrittspartei, der„Dresdener Presse", glücklich entdeckt worden. Alles auf Erden muß seinen zu- reichenden Grund haben, und daß die Sozialisten so„über- raschcnde" Siege erfochten und die vereinigten Fortschritts- und sonstigen Reaktionäre so schmähliche Niederlagen erlitten haben, daran ist nichts Anderes schuld als die verteufelte— Diäten- kvsigkeit. Man glaubt wohl, wir scherzen? Mit Nichten. In Nr. 27 des genannten Blattes(vom 3. Februar) heißt es in einem eigenen Leitartikel, betitelt„Die Moral der Reichstaas- Wahlen"/ wörtlich:„Das Resultat der Reichstagswahlen hat allgemein überrascht und doch ist dasselbe vollständig erklärlich bei einem Wahlgesetz, welches trotz wiederholter Anträge des Reichstages, in gänzlichem Verkennen der Sachlage, Diäten- losigkeit aufrecht erhält. Es führt dies eine Lauheit der Wähler herbei, welche die Sozialdemokraten mit Geschick für ihren Vortheil ausnutzen, indem nicht gefragt werden kann:„Wen" wollen wir wählen, sondern: Wer will und kann, ohne seine Familie zu schädigen, für die Gesammtheit das Opfer bringen und sich wählen lassen. Auf diese Weise verringert sich die Zahl der Candidaten sowie der Wähler mehr und mehr, wie die dies- malige Wahl zur Genüge gezeigt hat, dadurch ist aber der voll- giltige Beweis geliefert, daß die Diätenlosigkeit keineswegs, wie man von Oben annimmt, das Correlat gegen allgemeines di- rektes Wahlrecht ist."— So wäre also das Räthsel gelöst und der halsstarrige Bismarcks der„in gänzlichem Verkennen" der Wundcrkraft des Schulze'scheu Diätenantrags denselben schon sieben oder acht Mal in den Papierkorb des Bundesraths spedirt hat, wird nun wohl Vernunft annehmen und deni fortschritt- lichen Bettelpatriotismus den Gefallen thun, durch diesen Bettel — ein paar lumpige tausend Thaler das Jahr— das Vater- land und— den Geldbeutel der Herren zu retten. Und der Artikel, in dem diese epochemachende Entdeckung der Welt mit- gethcilt wird, ist, wie die Redaktion in einer Fußnote bemerkt, „von einem hervorragenden Mitgliede der deutschen Fortschrittspartei in Sachsen eingesandt". Wir können, und zwar ohne den leisesten Anflug von Ironie, versichern, daß es uns jetzt wenigstens in Bezug auf die Fortschrittspartei in Sachsen vollkommen klar ist, warum sie bei den Wahlen so schlechte Geschäfte gemacht hat.< — Die„geistigen Waffen" unserer Gegner. In der „Frankfurter Zeitung" vom vorigen Sonnabend lesen wir: „Vorgestern entwickelte sich in einem von Frankfurt nach Bocken- heim fahrenden Wagen der Trambahn unter den Passagieren ein lebhaftes Gespräch über die Wahl in Bockenheim. Ein Eisen- bahn-Assistent Schneider, der besonders eifrig war, entblö- dete sich nicht—>oie uns von einem zuverlässigen Manne mit- getheilt wird— den Candidaten der Sozialdemokraten, Herrn Karl Froh me, in den gemeinsten Ausdrücken zu beschimpfen. Herr K. Frohme befand sich aber ebenfalls in dem Wagen. Er soll sich Herrn Schneider genannt und ihn dann in gemessener, anständiger Weise ersucht haben, solche beleidigende Jnvektiven zu unterlassen. Ob Herr Schneider ihn schon vorher gekannt, wissen wir nicht; aber er hielt nicht nur nicht mit seinen Schim- pfereien ein, sondern er schlug sogar wüthend auf Herrn Frohme los. Die anderen Passagiere, die höchst entrüstet über das ganze Benehmen des Beamten waren, intervenirten und der wüthende Mensch mußte kurz vor Bockenheim den Wagen verlassen. Er lief nun voraus und hinter der Warte fiel er nochmals Herrn Frohme mit dem Regenschirme an. Hier soll er aber den Kürzern gezogen und einen tüchtigen Schlag erhalten haben. Unter den Passagieren befanden sich mehrere anständige Herren, von denen man vermuthet, daß sie entschiedene politische Gegner des Herrn Frohme sind; aber über das Benehmen des Herrn Schneider sollen sie doch so empört gewesen sein, daß sie sofort Herrn Frohme sich als Zeugen anboten und einige sogar in seiner Wohnung ihn aufsuchten, um ihr Be- dauern über den schmählichen Borfall ihm auszudrücken." Nun, solcher„schmählichen Vorfälle" hat der diesmälige Wahl- kämpf sehr viele zu Tage gefördert. Und das ist nicht zum Verwundern. Bei der haarsträubenden Unwissenheit und der ebenso haarsträubenden Roheit sehr vieler unserer Gegner bleibt diesen, in Ermangelung von Vernunftgründen, nichts übrig als der Laskerknüppel, der freilich, wie das im vorliegenden Fall geschehen zu sein scheint, umgedreht werden kann. — Die beste der Welten. Aus Darmstadt bringen verschiedene fortschrittliche Blätter, u. A. die Berliner„Volks- zeitung"(ä- ä. 4. Februar) folgendes soziale Nachtstück: „Eine kürzlich hier(in Darmstadt) durch den Bürgermeister Herrn Ohly veranlaßte Revision betreffs der Verpflegung der Bäckerlehrlinge und-Gesellen hat ein so trauriges Re- sultat ergeben, daß es der größten Sorgfalt und Strenge der Polizeiverwaltnngen auch an andern Orten bedürfen wird, um der Verwilderung der jüngeren Generation vorzubeugen. Her- vorgerufen wurde diese Revision durch folgende Umstände: Beim Unterricht der Bäckerlehrlinge in der hiesigen obligatorischen Fortbildungsschule ergab sich nämlich wiederholt, daß die Knaben in der Schule nicht nur schliefen, sondern sogar auf die Bänke fielen und in Schlaf versanken, wenn man mit ihnen sprach. Bei näherem Befragen der Lehrlinge wegen dieser merkwürdigen(!) Erscheinung stellte sich heraus, daß von 9 die Schule besuchenden Lehrlingen ein einziger eine täg- liche Schlafzeit(innerhalb 24 Stunden) von 6, ein Zweiter eine solche von 5, die Uebrigen nur eine solche von 2— 3Va Stunden haben. Die Lagerstätte ist in der Regel ein mit Stroh gefüllter Sack, der in der Backstube auf die Erde, in die Backmulde oder auf die Wirkbank gelegt wird. Hieraus erklärte sich nicht allein die befremdende Müdigkeit der Lehrlinge und physische Unfähigkeit, dem Unterricht zu folgen, sondern auch der Umstand, daß öfter Bäckerlehrlinge am hellen Tage, den Korb mit Backwaaren neben sich stehend, auf Treppen und Fluren in der Stadt in tiefen Schlaf versunken ge- funden wurden. Diese haarsträubenden Enthüllungen veranlaßten nun den Bürgermeister Ohly, die Polizeiverwaltung zu ersuchen, an einem Tage und zu einer bestimmten Stunde, wo die Bäckerlehrlinge und-Gesellen zu schlafen pflegen, sämmt- liche Bäckereien der Stadt, hinsichtlich der Schlafstellen zu unter- suchen. Das Ergebniß der Revision war gar sehr traurig. Bei 33(von im Ganzen 45) Bäckermeistern fand man weder für die Gesellen noch für die Lehrlinge Betten. Die Leute schliefen auf mit Stroh oder Streu gefüllten Säcken, welche bei 30 Meistern in der Backstube auf der Erde oder auf die Backgeräthschaften wie Mulden, Trögen, Wirkbanken aufge- legt waren; beim 31. lagen die Strohsäcke in einer besonderen Schlafstube, beim 32., welcher 1 Lehrling und 3 Gehilfen be- schäftigt, fand man ebenfalls eine besondere Schlafstube mit einer zweischläfrigen Bettstelle, in welcher 2 Mann auf einem Strohsack, die übrigen 2 auf den Backtrögen in der Backstube schlafend lagen. Aehnliche Zustände fanden sich fast durchgehend. Nur 7 Bäckermeister hatten entsprechende Schlafstuben und Betten. — Die infolge dessen erlassenen Anordnungen der Polizeiverwal- tung stießen auf energischen Widerspruch, ein Beweis, wie wenig man auf die Heranziehung der Lehrlinge zu ordentlichen Menschen giebt. Aehnliche Zustände dürften sich auch ander- wärts finden und wäre eine bezügliche Revision besonders in den großen Plätzen wohl in der Ordnung." Aehnliche Zustände finden sich überall, und nicht blos in Deutschland. Vor etwa 10 Jahren berichtete Marx über die Lage der Londonsr Bäcker ganz Aehnliches, nur vollständiger. Der Bericht der fortschrittlichen Blätter ist sehr unvollständig: er enthält nichts über die Morbilitäts- und Mortalitäts-(Krank- heits- und Stcrblichkeits-) Verhältnisse im Bäckergewcrk, die notorisch geradezu haarsträubend sind. Die Herren Fortschrittler lieben es eben nicht, den Dingen auf den Grund zu zehn. Thäten sie dies, dann würden sie finden, daß gleichartige(wenn auch nicht immer so grell zu Tage tretende) Zustände in sehr vielen Gewerken bestehen, und daß in allen Fällen das Heu- tige Arbeitssystem mit seiner Ausbeutung des arbeitenden Volks durch die Kapitalisten der Quell ist, dem diese Gräuel entspringen. Und hätten die Herren Fortschrittler das gefunden, dann mußten sie ja Sozialdemokraten werden, oder Sozialdemagogen, wie die Berliner„Volkszeitung", das Organ des berüchtigten Har- monie-Duncker's, sich auszudrücken beliebt, und mit der Aus- beuterei wäre es zu Ende. Statt dessen lupft man dann und wann einmal ein Eckchcn des Schleiers, hütet sich aber wohl, ihn ganz abzuziehen, schimpft tapfer los auf die Sozialdemo- kraten und betreibt ruhig das Ausbeutergeschäft weiter, über dessen nothwendige Wirkungen man von Zeit zu Zeit philan- thropische Krokodilsthränen vergießt— die sich ja auch, da es zum Handwerk gehört, in Geld umsetzen lassen. Das ist fort- schrittlich. Bei dieser Gelegenheit unseren Gesinnungsgenossen die er- freuliche Mittheilung, daß unser Berliner Parteiorgan: die „Berliner Freie Presse" den Abonnentenstand der Berliner „Volkszeitung" überholt hat. Das Organ der Sozialdcmo- kratie in Berlin mehr Abonnenten als das Organ der Fort- schrittspartei: das spricht Bände und verkündet der Partei der politischen Heuchelei ihre Zukunft. — Arbeiterelend. Die„Essener Zeitung" schreibt:„Unsere heimische Kohlenindustrie liegt sehr danieder. Neuerdings begin- nen die Zechen mit Arbeiterentlassung und Einschränkung der Förderung. Auf Zeche„Tremonia" ist etwa 100 Mann, auf „Ver. Dorstfeld" 80, auf dem Dortmunder Kohlenbergwerk „Luise Tiefbau" durch die Betriebseinstellung der Zeche„Wittwc u. Barop" etwa 300 und auf dem Essener Bergwerk„König Wilhelm" etwa 200 Mann gekündigt worden. Weitere Herab- setzung der Löhne soll auf vielen anderen Zechen in den nächsten Tagen durch Anschlag erfolgen."— Herrliche Aussichten das und namentlich, wenn man bedenkt, daß schon seit langer, langer Zeit die Löhne so niedrig geschraubt waren, daß es den armen Ar- beitern nicht gelingen konnte, einen Pfennig für die Roth zu hinterlegen. Bedenkt man ferner, daßdieArbeitslofigkeitjetzteineall- gemeine ist, daß es selbst dem fleißigsten und geschicktesten Ar- beiter nicht möglich ist, sonstwo ein Unterkommen zu finden und die Seinen vor Roth und Entbehrung zu schützen;— bedenkt man dies Alles, dann geht wohl Manchem ein Licht auf über das eigentlichste Wesen der heutigen Gesellschaft, über die„Herr- lichkeit" im heiligen deutschen Reich und über die„göttliche Weltordnung"? Aber weshalb denn auch über solche„unange- nehme" Erinnerungen nachdenken? Die brotlos gemachten Ar- beiter werden, vom Hunger getrieben, betteln— oder Schlimmeres treiben müssen, und dann wird„unsere umsichtige und energische Polizei" derartige„Landstreicher" schon„unschädlich machen". Was liegt auch an dem gemeinen Volk? Mag es verelenden und verhungern; was liegt daran, so lange die „gute Gesellschaft" noch Alles in Hülle und Fülle hat? Mag der arbeitslose Proletarier sich auf den Gang in's Gefängniß vorbereiten, der schwelgende Bourgeois rüstet sich zu den Orgien des Karnevals! — Die Früchte des Kulturkampfs. Bei Besprechung eines in Würzburg erschienenen Werkes über die„katholische Presse in Europa zu Neujahr 1377" bemerkt die sonst gut kulturkämpferische„Augsburger Allgemeine Zeiwng":„Ueber die klerikale Presse Preußens spricht sich das Werk natürlich im höchsten Grade befriedigt und erfreüt aus, und es hat in der That alle Veranlassung dazu, denn nirgend hat die kleri- kale Publizistik solchen Aufschwung genommen, als da, wo sich der eigentliche Heerd deS Kulturkampfes befindet." Sollte Fürst Bismarck wirklich der einzige Mensch sein, der dies nicht sieht? Oder hätten am Ende doch Diejenigen recht, die ihn für einen heimlichen Katholiken halten?„ER ist nicht mit Gold aufzuwiegen!" bemerkte vor anderthalb Jahren einer der Führer des Centrums, vergnügt sich die Hände reibend. Und wahrhaftig, der Mann hatte Recht. Und was gäbe er, und was gäben seine Genossen darum, wenn Fürst Bismarck nicht durch Hof- und sonsttge Einflüsse zur Einstellung seiner Reklamepolitik für die Katholiken genbthigt worden wäre. — Kulturkampf. Aus St. Wendel(Rheinprovinz) wird unterm 2. Februar gemeldet:„Herr Landrath Rumschöttel er- läßt folgende Bekanntmachung: Am verflossenen Samstag sind gegen die in Marpingen stationirten Gensdarmen, während sie in Ausübung ihres Dienstes begriffen gewesen, von den dort versammelten Pilgern w. grobe Exzesse verübt worden. Nicht allein, daß die Gensdarmen verhöhnt und beschimpft worden, so ist auch mit Steinen nach ihnen geworfen und sind sogar Schüsse gegen sie abgefeuert worden. In Folge dessen habe ich die Gensdarmen unter Hinweisung aus Z 28 ihrer Dienstinstruk- tion vom 30. Dezember 1820 angewiesen, erforderlichen Falls von der Waffe energischen Gebrauch zu machen. Hier- nach möge sich Jeder, den es angeht, richten, damit er sich nicht selbstverschuldeter Gefahr aussetze."-- Im Anschluß an diesen landräthlichen Ukas ergehen sich natürlicherweise die regierungs- treuen Blätter in langathmigen Jeremiaoen über die Dummheit und Verblendung der bethörten Massen, die noch heute, im 19. Jahrhundert, an Muttergotteserscheinungen und Teufelsspuk glauben. Mit sichtlicher Genugthuung constatiren die ehren- werthen Blätter, daß schon Verwundungen mit dem Ba- sonnet vorgekommen sind. Wie gesagt, diese„liberalen" Blätter sind regierungstreu. Bedenken sie denn auch, daß die von der Regierung im Verein mit der Kirche planmäßig geleitete söge- Bortrefslichkeit dieses Grundgesetzes, und Sie fügten hinzu, daß Jedermann stolz darauf sein müsse, Unterthan eines Monarchen zu sein, der seinem Volk eine solche Verfassung schenkt. Gewiß, wir sind alle darauf stolz, Unterthanen eines solchen Monarchen zu sein; unser Volk ist stolz darauf, und daraus entspringt eben unsere Bereitschast zu jedem Opfer, um die Ehre unseres Vater- landes zu retten; das ist eben die Bedingung unseres Stolzes. Keiner von uns will Unterthan des Staates sein, wenn er nicht dessen Ehre und Unabhängigkeit vertheidigt oder nicht verthei- digen kann. Großwessier: Ja wohl, ein Staat, der allen seinen Unterthanen Freiheit und Unabhängigkeit gewährt, muß selbst frei mnd unabhängig sein. Ruschdi Pascha: Dieses Grundgesetz ist allerdings erst neulich verkündet worden; aber Se. Majestät hat schon in dem Thronbesteigungs-Hat die Verleihung der Freiheit versprochen. Damals gab es noch keine Conferenz, so wenig wie die jetzige schwierige Lage, d. h. die Verfassung wurde aus freiem Willen Sr. Majestät verliehen. Der Vertreter des griechischen Patriarchen: Ich bin der Meinung Sava Paschas; ich nehme dessen Rede im Namen meiner Glaubensgenossen an. Der Vertreter der Protestanten: Alle Unterthanen haben ihren Antheil an der Verfassung; wir alle sind dessen versichert; es ist kein Streit zwischen Mohamedanern und Nicht- Mohamedanern; wir sind alle Osmanli; Niemand hat sich in unsere Angelegenheit zu mengen. Wie Se. Hoheit der Groß- wesfir bemerkte, ist die Sache sehr ernst, überstürzen wir nicht die Sache; die Ehre des Staates und der Nation autasten, das heißt unser Leben antasten; aber es giebt noch Mittel, die Sachen auf andere Weise zu erledigen; überlassen wir es den Ministcrn, damit sie unsere Ehre retten.(Von verschiedenen Seiten: Jene Zeiten sind vorüber.)(Man lacht.) Halet Pascha(Handelsminister): Ich will unsere Ehre vertheidigcn,� aber ich stimme nicht für Blutvergießen. Wenn es möglich ist, über diese beiden Fragen noch auf eine andere Weise zum Abschluß zu kommen, so dürfte es noch besser sein. (Von allen Seiten Lärm und heftiges Schreien-„Das geht nicht, das geht nicht.") Ter Vertreter des armenischen Patriarchen: Es ist nothwendig, daß die Armenier ihre Meinung noch abgesondert abgeben. Der Patriarch ist krank und hat mich zu seinem Stell- Vertreter ernannt. Er sagte: So oft das osmanrsche Reich einen Mann verlangte, waren wir immer dabei, wir haben uns nie abgesondert; wir sind mit dabei; wir sind in jeder Beziehung einig; wir gehorchen dem Staate; wir sind einig mit unfern andern Mitbürgern; sind wir einig, so wahren wir unsere Ehre. (Allgemeines Bravo.) Großwessier: Der Beschluß ist bekannt, das heißt der von der Conferenz gemachte Vorschlag einer Commission, möge sie zusammengesetzt sein wie sie wolle, ist verworfen.(Von allen Seiten: Ja Wohl, ja wohl.) Großwessier: Man sagt, die Gesandten werden abreisen, sie haben Modifikationen vorgeschlagen, aber auch diese sind nicht angenommen, das heißt sie sind unbedingt verworfen? (Von allen Seiten: Ja wohl, so ist es.) Großwessier: Wer anderer Meinung ist, möge auf- stehen. Einige Sekunden lang erhob sich Niemand, und es herrschte allgemeines Schweigen. Ibrahim Pascha: Weder hier noch draußen befindet sich irgend ein Unmännlicher, der anderer Meinung wäre.(Be- stätigt von allen Seiten.) Faik Pascha(Della Sudda, Pharmaceut)(sich erhebend): Ich habe mich erhoben, aber nicht weil ich anderer Meinung bin. Wie der Vertreter der Protestanten sagte, ist es eine sehr ernste Frage. Jetzt weifen wir zwei Borschläge zurück. Wenn die Vorschläge der von ihnen verlesenen Denkschrift angenommen werden, so wird kein Blut vergossen.(Von allen Seiten Lärm und Schreien:„Das geht nicht.") Großwessier: Wie ich vorhin bemerkte, wollten sich die Delegirten damit zufrieden erklären, was ihnen von den Mi- nistern offiziös mitgethcilt ist, so würden wir allem Anschein nach uns auf etwas einlassen, dessen Resultat noch unbekannt ist; da dürfte es besser sein, einen Krieg zu führen. Erörtern wir auch noch diese Frage. Cheirullah Effendi: Dem Vernehmen nach sind auch die andern Fragen vom Uebel; weisen wir daher zunächst diese beiden Punkte zurück; später werden wir dann die andern Sachen erörtern.(Zeichen allgemeiner Zustimmung.) Subhi Pascha: Die Minister haben beschlossen, der Eon- ferenz die Constitutton offiziell mitzutheilen. Wenn nun die Abänderung einiger Artikel nothwendig erscheint, heißt das nicht ihnen das Recht zur Einmischung geben? Großwessier: Als vor vierzig Jahren der Hattischerif von Gülhane verkündigt wurde, waren die Gesandten zu dieser Feierlichkeit eingeladen; eine Abschrift desselben wurde ihnen amtlich mitgetheilt. Bor zwanzig Jahren wurde der Fcrman, welcher die Ordnung innerer Angelegenheiten betraf, dem Frie- densvertrag, welcher dem Krimkrieg ein Ende machte, einverleibt. Subhl Pascha: Damals geschah es, weil wir nicht sicher waren, ob diese Befehle auch ausgeführt wurden; jetzt aber ist es anders.(Großes Geräusch.) Damad Mahmud Pascha(Direktor des Artillerie- und Festungswesens): Weisen wir zunächst diese beiden Vorschläge zurück. Wenn später die Minister die Modifikationen in Er- wägung ziehen, wird wieder eine Generalversammlung einberufen werden.(Nach allseitiger Best-itigung und Genehmigung löst sich die Versammlung auf.) — Kindereien. In Dresden besteht ein in allen Farben schil- lerndes, aber, so weit ss überhaupt eine Tendenz hat und man dieS eine Tendenz nennen kann, partikularistisches, oder richtiger antinatio« nalliberales Blatt, welches, weil leicht und pikant geschrieben, einen be- deutenden Leserkreis hat: die„Dresdener Nachrichten". Seit Langem unseren Nationalliberalen ein Dorn im Auge, sind die„Dresdener Nachrichten", weil sie die Candidatur des unglücklichen Mayhoff in Dresden nicht eifrig genug unterstüxten, ihnen vollends verhaßt gewor- den. Wie dieser Haß sich äußert, zeigt folgende Notiz der„Deutschen Allgemeinen Zeitung": „In Dresden hat sich, wie aus einem Inserat des„Dresdner An- zeigers" hervorgeht, ein provisorisches Comitö zu Gründung eines Anti-Nachrichten-Vereins gegründet. Das Comitv erläßt eine Einladung für den 5. Februar Abends in Renner's Restaurant zu einer Versammlung aller Gesinnungsgenossen." Es will uns fast scheinen, die Herren Nationalliberalen, sind hi� i von einem Schalk genasführt worden, der für die„Nachrichten Reklame macheu will. nannte Volkserziehung allein solche ungeheuerlichen Erscheinungen möglich gemacht hat? Denken die liberalen Blätter denn auch daran, daß sie selber ein guter Theil der Schuld trifft? Denken sie daran, daß nur bei einer durch den„Culturkampf" fanati- ffrten Bevölkerung solche Monstruositäten Boden finden konnten? Bedenken sie denn auch, daß sie selbst es in erster Linie sind, die durch beständiges Hetzen und Schüren die Phantasie jener armen, irregeleiteten Menschen bis zu einem solchen Grade er- hitzten, und daß sie den zelotischen Pfaffen den Weg geebnet haben? Und wenn sie das Alles nicht bedenken, wenn ihnen bei ihrer notorischen Gedankenlosigkeit und Denkunfähigkeit diese Thatsache auch nie einleuchten wird, so sollten fie doch erwägen, daß sie zu allerletzt die Berechtigung haben, gegen„Volksver dummung" zu eifern, sie, die Haupt-„Macher- in diesem ge suchten Artikel. tigkeit habe mit der Wahl ein Ende, nein, mit doppelter Kraft müssen wir einstehen für die Agitation innerhalb der nächsten drei Jahre. Beackern wir vorzugsweise solche Orte, welche sür unfern Kreis von großem Nutzen sein könnten, damit unser Candidat bei späteren Wahlen mit desto größerer Majorität aus der Urne hervorgehe. Darum auf, Freunde und Gesinnungsgenossen des 19. sächs. Wahlkreises, beherzigt dies und schließt Euch der sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands an, denn nur vereinigt können wir das Ziel erreichen. Vorwärts sei un- sere Losung! R. Frenze! in Stollerg. — Die Fortschritte des Sozialismus in Nordame- rika lassen sich gegenwärtig nur nach dem Stande der dortigen sozialistischen Presse bemessen.' An Zahl zwar gering, können sich unsere amerikanischen Brudcrorgane an Größe und Reich- haltigkeit des Inhalts mit jedem beliebigen amerikanischen Bour- geoisblatte messen, während sie an Gediegenheit des Gebotenen jene weit übertreffen. Neuerdings kündigt der„Ehicagoer So- zialist" an, daß er bei dem alten Preise(20 Cents wöchentlich) täglich, das heißt 7mal statt Kmal die Woche, erscheinen werde. Wir wünschen der amerikanischen Bruderpresse natürlich besten Erfolg. Correspondenzen. gießen, 28. Januar. Unserem Beispiele folgend, hatten «uch die liberalen Wähler Versammlungen einberufen, und zwar fano die erste am 28. Dezember statt, in welcher der seitherige Abgeordnete Freiherr v. Rabenau seinen Wählern Rechenschaft ablegen sollte. Der„Rechenschaftsbericht" war mager genug und ging ungefähr darauf hinaus, daß noch Manches zu ver- bessern, noch nicht Alles vollkommen sei, jedoch würde dies mit der Zeit schon kommen; was der Herr v. Rabenau nicht aus- führte, brachte Prof. Dr. Oncken zur Vollendung und der„Rechen- schaftsbericht" war fertig. Da auch hier und da Seitenhiebe auf die Sozialdemokraten fielen, wurde von Seiten einiger Par- teigcnosscn interpellirt und namentlich auf den Compromiß betr die Justizgesetze hingewiesen. Dies ging nun den Herren Li- beraten unter die Nase, wir aber kamen erst zu dem rechten Bewußtsein, wie das Volk„vertreten" wird, und Herr Prof. Dr. Oncken war ehrlich genug, zu erklären, er sei stolz auf das Zustandekommen der Justizgcsctze. Herr Hofgerichtsadvokat Dr. Dittmar, welcher den Vorsitz führte, schloß nach einigen Aus- fällen gegen die Sozialdemokratie die Versammlung, so daß eine Vertheidigung unmöglich wurde.— Am andern Tage hieß es in den Blättern, die Sozialdemokraten seien gründlich abgeführt worden, die Versammlung sei so zahlreich besucht gewesen, wie noch keine in Gießen, und Alle, mit Ausnahme der Sozialdemo- traten und einiger Herren anderer Richtung, hätten sich für die Wiederwahl des Freiherrn v. Rabenau ausgesprochen. Natür- lich wurde von unserer Seite der ganze Bericht widerlegt und zwar in demselben Blatte. Aber auch in anderer Beziehung waren wir nicht müßig, sondern beriefen überall, wo es nicht bereits vorher geschehen war, Wählcrvcrsammlnnacn ein, so in Watzenborn, Leihgestern, Groß-Linden, Wieseck, Garbenteich, Hausen, Reiskirchen rc., welche meistens gut besucht waren und wo auch die Anwesenden unserer Sache Verständniß entgegen- brachten. Daß es bei der Vertheilung der Stimmzettel und Wahlaufrufe mitunter unliebsame Scenen gab, läßt sich denken, denn in Ortschaften, wo die Sozialdemokratte noch gar nicht bekannt ist, wird mit allen gesetzlichen und ungesetzlichen Mitteln von Gendarmen, Bürgermeistern, Pfarrern:c. gegen uns„ge- kämpft". Selbst die Schulmeister trugen liberale Stimmzettel aus und predigten von der Verkommenheit der Sozialisten, ohne zu bedenken, daß gerade diese es sind, welche die Verbesserung der Lage der Schullehrer vertheidigen, denn daß es hier mit dem Schulwesen nicht besser steht wie anderswo, hörte ich selbst von einem Lehrer ans einem Nachbarorte, der die 100 Kinder dieser Gemeinde ganz allein in„Pflege" hat. So kam es in Londorf vor, daß ein Parteigenosse bei der Vertheilung von Stimmzetteln zur Thür hinaus und die vor derselben befindliche Treppe hinuntergeworfen wurde, so daß derselbe eine nicht un- erhebliche Verletzung an der Hand davontrug. Damit nicht genug. Ein Gendarm erklärte unserm Genossen, er werde ihn per Schub nach Gießen bringen. Nur der hinzugekommene Bürgermeister vereitelte dies, indem er unter dem Titel des Buches„Nieder mit den Sozialdemokraten" einen ganz und gar„reichsfreund- lichen" Inhalt vermuthete, so daß es möglich war, die Berthci- lung unserer Aufrufe und Stimmzettel in unmittelbarer Nähe der Zwingburg des Freiherrn v. Rabenau vorzunehmen.— Aus dem Berichte der übrigen Genossen, die vor dem Tage der Wahl thätig waren, geht hervor, daß der Boden nur ordentlich bear- beitet werden muß. Einige Tausend Wahlaufrufe mehr hätten uns noch förderlicher sein können, denn die Gegner hatten es in dieser Beziehung nicht fehlen lassen. 30—40,000 Stimmzettel müssen nach unserer Berechnung von den Liberalen verbreitet worden sein, die theils ausgetragen, theils in Couverts von 6— 12 Stück den Häuserbesttzern zugeschickt wurden. Nun, fie haben auch den Sieg davongetragen, denn ihr Candidat v. Rabenau erhielt 9167 Stimmen, während auf Liebknecht 1431(gegen 150 im Jahre 1874) und auf den conservativcn Zimmer 2513 Stimmen fielen. Wir können mit dem Resultat vorläufig zufrieden sein, denn die Zahl der sozialistischen Stim- men hat stch beinahe verzehnfacht. Nimmt die Stimmenzahl ferner in demselben Verhältnisse zu(und dafür wird gesorgt), so ist in Zukunft Freiherr v. Rabenau der Mühe überhoben, den 1. hessischen Wahlkreis zu vertreten.— Die thatkräftige Unterstützung der in den Nachbarorten wohnenden Genossen hat uns zu diesem Resultat verholfen, so erhielt Liebknecht in Garbenteich 56, Heuchelheim 98, Lang-Göns 53, Leih- gestirn 120, Lollar 51, Wieseck 120, Watzenborn-Stein- berg 53, Alten-Buseck 84, Gießen 357 Stimmen. In Wieseck und Leihgesttrn haben sich bereits Mitgliedschaften gegründet, der unter diesen herrschende Geist ist gut und berech- ttgt zu den schönsten Hoffnungen.„Vorwärts" und„Neue Welt" verschaffen sich immer mehr Eingasig, man kommt auch hier bald zu der Einsicht, daß man lange genug an der Nase geführt worden ist. Ja, Ihr liberalen Reichsfrcunde, Grubenbarone, Junker und kleinen Paschas, die schönen Tage von Aranjuez sind bald vorüber!" An die sozialistischen Wähler des Calbc-Ascherslebencr Wahlkreises. Parteigenossen! Die Wahl ist vorüber, Ihr kennt das Resultat. Das Kapital hat noch einmal über die Arbeit gesiegt. Mit welch' schmutzigen Mitteln der Sieg errungen, ist Jedem bekannt. Das arbeitende Volk hat sich noch einmal bethören lassen, ist noch einmal auf die Leimruthen gegangen, welche ihm von einer übermüthigen Bourgeoisie gelegt waren. Theilweise ist dies aus Unkenntniß geschehen, theilweise, und zwar zum größten Theile, ist es die Furcht vor Maßregelungen gewesen, welche zuwege brachte, daß ein großer Theil seine Stimme im Sinne und zum Vortbeil der Ausbeuter abgab; dann existirt endlich ein großer Theil, welcher nicht denkt und sich förmlich als Sttmmvieh zur Wahlurne treiben läßt. Dieser Theil der Arbeiter begriff nicht, daß er seine Macht den Unterdrückern Preis gegeben hat. Es war vorauszusehen, daß es so kommen würde und daß unsere Gegner noch einmal siegten. Viele von den Arbeitern haben geglaubt, daß es auf Wahrheit beruht, wenn im Aufrufe unserer Gegner geschrieben wird, der Amtsrath Herr Dietze hätte mit Nichtachtung seines eigenen Lebens bei der Wasserfluth hilfreiche Sand geleistet; fie wußten nicht, daß ihm nicht einmal die tiefelsohlen naß geworden sind. Seine ganze Hilfe bestand nur dann, daß er einige Fuhren Brod geliefert hat, was, nebenbei gesagt, ihm nicht so schwer fiel, als wenn ein aus- gebeuteter, ausgemergelter Arbeiter seiner Zuckerfabrik 10 Pf. zur Unterstützung nothlcidender Arbeitsbrüder gab. Genießt doch der als mildthätig verschriene Amtsrath Dietze tagtäglich Staats- Unterstützung in Form von Tausenden von Morgen spottbilligen Do- mänenackers; das überlegt die Masse nicht, sondern geht blind- lings in's Garn solcher plumpen Bauernfängerei, am allermeisten in den Ortschaften, wo die Gutsbesitzer, Amtleute und Orts- Vorsteher als getreue Schildknappen des Amtsraths Dietze mit dem Ochsenziemer regieren. Wer will es auch diesen Leuten verdenken, daß sie alles be- nutzen, ob erlaubt oder unerlaubt? Wissen sie doch ganz genau, daß ihre Herrschaft nur noch von kurzer Dauer ist, daß die Arbeiter, immer noch zu nachsichtig, lieber Unrecht dulden, als selber etwas thun, was mit dem Namen Unrecht belegt werden könnte. Ich bin überzeugt, die Wahl wäre besser ausgefallen, hätten wir mehr Mittel zur Agitation besessen. Können wir auch nicht stolz sein auf unser Resultat, so freuen wir uns doch mit unfern übrtgen Parteigenossen Deutschland, die es fertig gebracht haben, die sozialistischen Stimmen von 400,000(1874) auf nahezu 700,000 bei der jetzigen Wahl gebracht zu haben. Vor allem aber theilcn wir die Freude mit unfern Parteigenossen, welche in der Metropole Deutschlands, in Berlin, trotzdem sie den meisten Verfolgungen und Beschränkungen seitens der Staats- gewalt und der Polizei ausgesetzt waren, es auf zwei Abgeord- nete gebracht haben. Die Erfolge in Deutschland, das Wachs- thum der Sozialdemokratie, wozu wir wenig oder nichts beige- tragen, soll und muß für die Sozialdemokraten des Calbe- Ascherslebcr Wahlkreises ein Sporn sein, bei der nächsten Wahl die Stimmenzahl mindestens zu verdoppeln, denn dann kann es uns erst gelingen, den„mildthätigen" Amtsrath Dietze von dem Platze zu verdrängen, der ihm nicht gebührt. Soll dieses aber geschehen, so gehört dazu, daß wir uns nicht auf andere Hilfe verlassen und warten, bis für Calbe-Aschersleben etwas gcthan werden kann, sondern dann müssen die Parteigenossen im Kreise selbst anfangen, Geldmittel zu sammeln und in der Agitation in noch größerem Maßstabe thätig sein, wie bisher, vor Allem aber muß unser Parteiorgan„Vorwärts" eifrig verbreitet werden, und damit darf nicht gewartet werden, bis die Wahlen vor der Thüre sind, sondern sofort muß der Anfang gemacht werden. Zu jeder Zeit muß der Kreis vorbereitet sein, einen Wahlkampf aufnehmen zu können. Es kann ja vorkommen, daß während der Legislaturperiode des Reichstags der Platz leer wird durch Ab- sterben des Abgeordneten, oder durch Ablehnen aus diesem oder jenem Grunde, oder endlich durch Nachhauseschicken der Reichs- tagsabgeordneten seitens der Regierung, was wir natürlich bei dem jetzt zusammentretenden Reichstage nicht zu erwarten haben. Das ist alles möglich und schon dagewesen. Solche Fälle müssen uns aber immer vorbereitet finden. Es muß der Kreis, Stadt wie Dorf, organisirt werden, hauptsächlich zunächst da, wo Stimmen für uns am Wahltage abgegeben sind. Es muß die Sympathie, welche augenblicklich durch die Wahl wachgerufen ist, auch wacherhaltcn und immer mehr wachgerufen werden. Wenn wir so ernstlich alle Mann an's Werk gehen, muß der Sieg uns gehören im Jahre 1880. Was Hilst es, wenn sich einzelne Wenige aufopfern und durch ihre Opfer doch nichts erzielen, weil keine Organisation vor- Händen ist? Es hat ja ein jeder sozialistische Wähler im Kreise nur noch einen Genossen im Laufe der drei Jahre zu über- zeugen, wie wichtig es ist, im Reichstage nicht durch Ausbeuter, l andern durch Mitarbeiter vertreten zu sein. Darum auf und Hand an's Werk gelegt. Zum Schlüsse noch allen sozialisttschen Wählern im Calbe- Ascherslebener Wahlkreise meinen besten Dank; haben wir auch den Sieg noch nicht errungen, so haben wir doch mindestens ge- lernt, daß wir auf eigene Kraft zu bauen haben. Geloben wir uns, das, was wir aelernt, männiglich zu benutzen und zwar zur gehörigen Zeit, dann werden die Arbeiter des Calbe-Aschers- lebener Wahlkreises bei der nächsten Wahl stolz sein können, daß es ihnen endlich gelungen ist, einen Arbeiter-Abgeordneten in den deutschen Reichstag senden zu können. Mit sozialdemokratischem Grnß Fr. Hurlemann, Hamburg, St. Georg, Kleiner Kirchweg Nr. 24. Iürlkenthum Meuh j. Linie. Stimmberechtigt 19500; Zahl der abgegebenen Sttmmen 11372; ungiltig 50. Davon erhielten Träger(Fortschritt) 5953, Birnbaum(nationallib.) 3555, Hasen clever(sozial) 1844, zersplittert 20 Stimmen. Also auf unserer Seite gegen 1874 über noch einmal so vft Sttmmen. In Gera erhielt Träger 1565, Hasenclever 93',/ Birnbaum 814. In Hirschberg Hasenclever 136, Träger 95, Birnbaum 46. In Hohenleuben Hasenclever 96, Träger 86/ Birnbaum 39. In Triebes Hasenclever 70, Träger 72, Viru- bäum 37. Frankenthal bei Gera Hasenclever 51, Träger 38,, Birnbaum 10. Weisendorf bei Zeulenroda Hasenclever 4/ Träger 15, Birnbaum 3. Im ganzen Oberlande, außer Hirsch berg, wurden nur 100 Stimmen für Hasenclever abgegeben. Fettow-Aeeskow-Storliower Kreis. Am 10. Januar er- hielten Kiepert(nationall.) 4901, Wöllmer(forffchrittl.) 3835, Dietzmaun(sozial) 2608, Lazarus(conserv.) 2476, v. d. Schulen- bürg in Ragow(altconserv.) 2228 Stimmen, zersplittert 83. Sa. 16131. Bei der Stichwahl am 26. Januar erhielten Kiepert 9400, Wöllmer 5900 Stimmen. Im Ganzen waren 15300 Stimmen abgegeben worden. 1874 hatten wir 1456 Sttmmen, mithin 1877 1152 Sttmmen mehr, und zwar ohne alle Agitation. Bei der Stichwahl haben sich die sozialistischen Wähler der Ab- stimmung enthalten. Im Aiedcrbarnimer Kreise erhielten Paul(conserv.) 6196, Dr. Mendel(fortschrittl.) 4533, Finn(sozial) 2855. Unsere Parteigenossen stimmten bei der engeren Wahl laut Beschluß der Bernauer Conferenz für den Fortschrittler. Das Resultat der engeren Wahl war folgendes: I)r.Mendel8258, Paul6610Stimmen. 9. schkesischer Wahlkreis(Striegau-Schweidnitz.) Abgegeben 15494 Stimmen, ungiltig 49, bleiben 15445. Davon erhielten Graf Pücklcr(conserv.) 5316, Appellationsgerichtsrath Witte (liberal) 4804, Stadtpfarrer Simon(ultram.) 4305, Reindcrs (sozial) 1017, zersplittert 3 Stimmen. Engere Wahl zwischen Witte und Pückler. Resultat: Witte 7890, Pückler 7042 Stim- men. Die Ultramontanen wurden aufgefordert, für Graf Pückler zu stimmen, wir Sozialisten enthielten uns der Abstimmung. Aus dem 19. fächfischen Wahlkreise. Die Wahlschlacht ist ge- wonnen, und müssen wir diesmal mit dem Resultat zufrieden sein. Die Gegner hatten das Aeußerste gethan, um uns aus dem Felde zu schla- gen, aber sie hatten sich verrechnet. Ohne Hilfe von außen sind wir tust ihnen fertig geworden. Doch lassen wir das Vergangene. Ziehe» wir die Leh ran für die Zukunft. Wir dürfen nicht denken, unsere Thä- Briefkaste» der Redaktion. Hrn. O. Tchw. in Potsdam: Das betr. Gedicht ist uns nicht zugegangen, konnte also auch dem Papierkorb nicht ver. fallen.— C. P. in Bernburg: Hascnclever ist augenblicklich nicht hier, er hat vermuthlich das Stenogramm erhalten. Wir erwarten ihn im Laufe dieser Woche. Was das Andere betrifft, so habe ich vom Rechts- anmalt F. noch nichts gehört, werde ihn aber bei nächster Gelegenheit befragen. Haben Sie selbst an ihn geschrieben? Gruß W. L.— H. M. in Flensburg: Ob das Gesetz einen Zeilraum vorschreibt, innerhalb dessen eine Regierung oder ein Ministerium eine Beschwerde zu beant- Worten hat, wissen wir nicht; das genannte Behörden sich aber sehr viel Zeit lassen, weiß nicht nur alle Welt, sondern beweist auch Ihre Beschwerde.— K. in H.: Liebknccht's Adresse ist„Redaktion des Vor- wärts"; oder(die Privatadresse) Braustraße 11, Leipzig. der Expedition. H. Sch., Hannöv.-Minden: Die in unser» Blättern empfohlenen amerikanischen Parteiorgane sind deutsch gedruckt. 1 Dollar— 100 Cents. Heutiger Cours: 1 Dollar— M. 4,10. Die Parteigenossen in Anhalt werden ersucht, sämmtliche für die Preßcommission bestimmten Briefe unter folgender Adresse zu senden: An die Preßcommission. Abzugeben an Herrn Restaurateur Förster. Dessau, Fischergasse. Quittung. Wß Pegau Schr. 3,90. Schuft Remmingen Schr. 1,80. Brnr Zwickau Schr. 5,40. Nmnn Neundorf Schr. 6,30. Wlz Tübingen Schr. 15,40. Wsnbch Lorsch Schr. 2,70. Pnngr. Bremen Schr. 5,50 u. 1,80. Hrm Elberfeld Schr. 0,40. Bnsch Dortmund Schr. 5,48. Int Sorau Schr. 12,30. Lng Helmstedt Schr. l,40. Grbnstn Lindenau Schr. 10,96. Mllr hier Ab. l,60 u. 0,50. Ullrch Berlin Ann. 1,20. A. Dtlr Jassy Ab. 8,00. Rpp Newyork Ab. 119,16. Wtt hier Ann. 0,60. Khn Mannheim Ab. 1,59. Wahlvcrein Hannover Ann. 0,80. Grd Stötteritz Ab. 4,00. Lmbrt Dellsl Ab. 2,50. KIntsch Sulzburg Ab. 1,08. Plz Prag Ab. 2,03. Zhtnr Darmstadt Schr. 12,60. Pfttschnr Hohenstein Ab. 41,00. Btz Hainburg Schr. 20,00. Altona. Anzeigen 2c< Sonnabend, den 10. Februar, Abends S' j Uhr in Koppelmann's Salon: Volksversammlung. Tagesordnung: Vortrag. O. Reimer. s50 Sozialdemokratischer Wahlvcrein. *V"il.Uvy. Sonnabend, den 10. Februar, Abends 8hi Uhr, in Geißler's Salon:(70 Geschlossene Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1) Wahlangelegenhciten. 2) Protestangelegenheiten. Zimmermann. Gewerkschaft der Holzarbeiter. Sonnabend, den 10. Februar, Abends 8 Uhr, im Leipzig. Thüringer Hos Oeffentliche Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Bcrathung der Anträge zur Generalversammlung. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwartet D. V.(70 Sozialdemokratischer Wahlverein. *}/)VlUUvvvl'. Sonnabend, den 10. Februar: Geschlossene Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1) Monats-Abrechnuug, 2) Abrechnung des Wahl- comites(5161) Der Vorstand.(60 Gestern Mittag 2 Uhr beschenkte mich meine Frau mit einem ge- sunden Mädchen, das wir als erstes Kind am hiesigen Orte ins Dissi- dentenregistcr eintragen lassen. Pegau, den 5. Februar 1877.(1,50 Gottl. Weiß, Restaurateur. Für Männerchöre. Wahlergebnisse. IkensSurg. Bei der am 10. Januar stattgehabten Reichs- tagswahl fielen die Stimmen auf die verschiedenen Candidaten im ersten und zweiten schleswig-holsteinischen Wahlkreise wie folgt: Im ersten Wahlkreis fielen auf den Dänen Krüger-Beftoft 10694, auf den Nationalliberalen 2476 und auf Brückmann (Sozialist) 52 Stimmen.— Im zweiten Wahlkreis fielen auf 2,?'?' den Nationalliberalen Professor Hinschius(verlin) 5531, auf den 1 GeamEmsendunad Dänen Krüger- Beftoft 4531, auf den Conservativcn Landrath 0 i � Krupka 2238 und auf Brückniaun(Sozialist) 954 Stimmen. Bei der Stichwahl im zweiten Kreise zwischen Hinschius und Krüger wurde Ersterer mit 6453 Sttmmen gewählt. Die Dänen und Sozialisten enthielten sich der Abstimmung gänzlich. Im Verlage von Emil Sauerteig in Gotha ist zu einem Lieder- Cyclus erschienen:(150 „„in. Part. m. 4Stim. Dichter. Compoiilst. 4 Stim. 0. Part. Nr. 1. Bondeslied. Otto-Walster H. Stolle 0,65 Zkr. 2. Der wahre Mensch. L. May C. Kreutzer 0,55 Nr. 3. Republik. Hasenclever. G. Scholz> Nr. 4. Der Arbeitsmauu. Al. Reymond I. Scheu s Nr. 5. An Michel. A. Geib M. Carl Nr. 6. FrühliugSacdankeu F. Glochauer G. Scholz G. Scholz 1,50 0,75 0,30 1,50 des Bettags erfolgt fteie Zusendung. 0,45 0,40 |l,10 0,60 0,60 1,00 Verantwortlicher Redakteur: W. Liebknechft in Leipzig. Redaktion und Expeditton Färberfttaße 12/11. in Leipzig. Druck und Lerlaq der BenoffenschaftSbuchdruckerei in Leipzig