a« Erscheint in Leipzig Mittwoch, Frcitag, Sonntag. Abonnrmcntsprcis zür ganz Deutschland 1 M, ec> Ps. pro Quartal. Monats» Abonnements werden bei allen deutschen Postanftalten aus den 2. und 3. Monat, und aus den 3. Monat besonders angeuomnicn: im Königr, Sachsen und Herzogth. Sachsen- Altenburg auch aus dcu ltcn Monat beb Quartals i 34 Psg. Inserate betr, Versammlungen pr, Petitzeile IvPf., betr. Privatangelegenheiten und Feste xro Petitzeile 30 Pf. JJcfUUungtn nehmen an alle Postanstalten und Buch Handlungen des In- u. Auslandes. Filial- Expeditionen. New-Porl: Soz.-demolr. Scnosten- schastsbuchdruckerei, 134 Eldridge Str. Philadelphia: P. Hag, 030 Rortst zra Strsot. I. Boll, 1120 Charlotte Str. Chicago: A. Lansermann, 290 vivi- uion Street. San Franziscv: F.Entz, 418 O'Enr- rell Street. London: Bauditz, 3 Kassau Street, Aliddleaen Leexital. Gentrat Grgan der Sozialdemokratie Deutschtands. Nr. 19. Mittwoch, 11. Februar. 1877. Ter politische Dr. Eisenbart. Motto:„Ei, schlagt die armen Leute tvdt, Dann ist geendet aSe NvlH." Die heutige herrschende Gesellschaft hat eine verzweifelte Aehnlichkeit mit dem politischen Dr. Eisenbart, und wenn sie das Rezept, welches der mystische Doktor ihr empfiehlt, nicht in Anwendung bringt, so mag ihr wohl der Gedanke vorschweben, daß das Äjttel doch ein sehr verzweifeltes sei, iveil die Todtcn nicht mehr arbeiten können und die Träger der herrschenden Gesellschaft dann die Arbeit selbst verrichten müßten. Doch fort mit dem bitteren Spaße! Die herrschende Gesellschaft schlägt die Armen nicht todt, aber sie verweigert denselben die Mittel, die geistigen, die leib- lichen und die gesetzlichen Mittel, aus der Ärmuth, aus dem Elende herauszukommen. Wir lesen da in den Zeitungen, daß im Regierniigsbezirk Merseburg 177 unbesetzte Lehrerstellcn sind, und ähnlich ist es int übrigen„gesegneten" Teutschland; wir lesen ferner, daß ein 71jährigcr Ichullehrer bei Luckenwalde nach fünfzigjähriger Dienstzeit 115 Thlr. 20 Gr. Ruhegehalt erhält, während man im preußischen Abgeordnetcnhause den Rest der französischen Kricgscontribntion. für den Ausbau des Berliner Zeughauses bewilligt. Wie es mit der Elementarbildung in Preußen- Deutschland steht, das haben wir in der vorigen Nummer des „Vorwärts" erwähnt. Während in Deutschland der Hunger mit wahrhaft er- schreckender Heftigkeit wüthct, während er ansteckende Krankheiten erzeugt, während er ganze Arbeiterbevölkerungcn dem langsamen Tode entgegenbringt, entläßt man überall in Deutschland immer und immer größere Schaaren von Arbeitern und reduzirt den Lohn— dies Verfahren hat denn doch eine ungemeine Achnlich- keit mit dem Rezept des politischen Dr. Eisenbart. Wir haben in voriger Nummer in dem Leitartikel:„Ber- rückte Schwärmerei" über verschiedene grauenhafte Vorfälle be- richtet. Anstatt irgend welche Hülfe zu leisten, hat der Staat nur ein Achselzucken; anstatt Brod reicht man ihnen ein„Mahn- wort". So lesen wir ein solches von dem Landrath Dr. Bitter in Waldenburg in Schlesien, welches also lautet: „Es ist in neuerer Zeit zu meiner Äenntniß gelangt, daß sich die auf den Gruben des Kreises„abgelegten" Bergleute zum Theil nach der Rhcinprovinz und Westfalen gewandt haben, um in den dortigen Revieren weitere Arbeit zu erlangen. Da nach den mir zugegangenen Mitthcilungen auch in den letzteren Arbeitsentlassungen haben eintreten müssen, nehme ich Voran- lassung, die arbeitslos gewordenen Bergleute im Kreise-vor ihrer Uebersiedelung nach den genannten Provinzen eindringlich zu warnen und dabei ausdrücklich darauf aufmerksam zu machen, daß ihre Bemühungen um Erlangung von Arbeit in den Berg- rcviercn Westfalens und der Rheinprovinz vergeblich sein würden. Die Borstände der betheiligten Ortschaften haben diese Verfügung auf geeignete Weise weiter zu veröffentlichen." Welchen Zweck diese„eindringliche Warnung" hat, sagt uns der Herr Laudrath nicht; Hunger in Schlesien, Hunger in West- salen— gerade als ob derselbe in letzterer Provinz weher thäte. Wenn der Herr Landrath hinzugefügt hätte:„Ich bin in der Lage, den„abgelegten" Bergleuten von Staatswegen Arbeit und Brod zuzuweisen"— dann hätte das Mahnwort allerdings einen>!-inn gehabt. Im preußischen Abgeordnetenhause streitet man sich herum, wer der Vater des Sozialismus in Deutschland sei. Der Graf Eulenburg sagt: die Fortschrittspartei und die klerikale Partei; der fortschrittliche Abgeordnete Richter ruft: wir waren es nicht, der Bater war Graf Eulenburg selbst. Abgeordneter Windhorst aber sagt, der Liberalismus im Allgemeinen war der Vater, im Besonderen hat der Sozialismus noch einige andere Bäter, die materielle Roth und das Unchristenthum.— Zur Bekämpfung der Sozialdemokratie möchten sie sich aber Alle gern die Hand reichen— und lassen das Volk dabei hungern. Sämmtliche deutsche Regierungen aber laffen die Sozialdc- mokratie verfolgen, deren schwerste Sünde ist, die Finger in die blutenden Wunden des Volks zu legen und dem politischen Dr. Eisenbart dcu Krieg zu erklären, indem sie an der Hand der Wissenschaft den Weg zeigt, auf welchem die Gesellschaft wandeln muß, um der Roth des Volkes zu steuern. Tie Sozialdcmo- kratie ist der verständige und wahrhafte Arzt der Gesellschaft— doch sind dieser die Quacksalber noch allzusehr an's Herz ge- wachsen und vorläufig triumphirt noch der Dr. Eisenbart. Und wie lassen die Regierungen verfolgen! Lesen wir. Tie„Vossische Zeitung" schreibt aus Mecklenburg: „Von den großherzoglichen Aemtern sind kürzlich die Schulzen angewiesen worden, die Verbreitung der Sozialdemokratie mit Polizeilichen Mitteln zu hindern." Arme Polizei, was man Dir alles zumnthet!? Soll viel- lncht der Haselstock dabei eine Rolle spielen? Doch das ist ge- jährlich— solche Stöcke drehen sich oft von selbst uin. Am Mittelrhcin macht man den Arbeitern bei der Roth noch durch allerlei Verordnungen das Leben schwer. So liest man £ine ��ordnung des Bürgermeisters von Bäsweiler: „Es wird häufig darüber geklagt, daß die auf Gruben arbci- »enden-eute beim Verlassen der Arbeit in die Heimath zurück- kehren, ohne Gesicht und Hände gewaschen zu haben. Zur War- nung wird daher in Folge höheren Auftrags hierdurch bekannt gemacht, daß von jetzt ab alle diejenigen Grubenarbeiter, welche mir ichwarzen Gesichtern und schwarzen Händen die vß entlichen Straßen und Ortschaften passiren, wegen groben Unfuges angeklagt und polizeigerichtlich bestraft werden." Hier scheint man es ans die Klerikalen abgesehen zu haben— doch das ist gleich— das arbeitende Volk hungert inzwischen!� Der beste Arzt aber ist und bleibt immer noch„unser" Tes- 'scndorff!— Es war ein Allgemeiner Untcrstützungsvcrband, der Reisegeld und Sterbegeld den Arbeitern auszahlte— Herr Tcssendorff hat ihn für Preußen verbieten lassen— das Volk aber hungert; es war ein Zimmercrbund, der eine Kranken- unterstützungskasse besaß— Herr Tcssendorff hat ihn aufheben lassen— die Arbeiter aber sind vielfach an: Hungertyphus er- krankt;— es mar ein Maurerbund, ein Tischlcrvercin, ja fast jede Corporation hatte eine Unterstützungsvercinignug— Herr Tesscndorff hat sie alle verbieten lassen— er wollte die Sozial- dcmokratie vernichten; bei den Wahlen triumphirte dieselbe aber gerade in dem Wirkungskreise des Herrn Tesscndorff. Durch die Vernichtung der vielen corporativen Vereine aber wird die Roth der betroffenen Arbeiter noch größer, weil ihre besser siwirten Colleqen durch Herrn Tessendorff gehindert worden sind, sie wirksam zu unterstützen. Bei dem ersten größeren Prozeß, der sich in Berlin zur Unterdrückung der corporativen Vereine sozialistischer Richtung abspielte, wnrde von einem der Angeklagten den Richtern zu- gerufen: „Mögen Sie gegen die Sozialdemokratie ankämpfen, es wird Ihnen allerdings nichts nützen, aber auch Niemandem schaden; lassen Sie aber die gewerkschaftlichen Vereinigungen bestehen, — Sie schädigen sonst die Arbeiter in ihren materiellen Jnter- essen und fördern die Roth im arbeitenden Volk." Das Wort verhallte unbeachtet— Tessendorff siegte. Die Roth aber wächst von Tag zu Tage! Die Roth tritt jetzt in einer gar unheinilichen Gestalt auf, sie grinst den Gesell- schaftsrettern in das verblüffte Antlitz, alle Quacksalber erbleichen i und selbst der Harlcquin unter ihnen, der Dr. Eisenbart, der alle Armen todtschlagcn will, um die. Roth aus der Welt zu schaffen, hat augenblicklich seine Schellenkappe verloren. Tritt aber kein größerer, sittlicherer Ernst ein in die heutige Gesellschaft bei Behandlung der sozialen Frage, gebraucht mau die oben angegebenen Mittel weiter, so wird sich die Gesellschaft nicht zu wundern brauchen, wenn sie schnell, recht schnell dem Abgrunde entgegenrollt. Bei dieser Unheilsfahrt aber sitzt nach Gebühr und Recht der politische Dr. Eisenbart auf dem Bocke als Kutscher, und gar traurig erklingt das Geläute der Glöcklein an seiner Narrenkappe, gar traurig ivie Todtengeläute. Die Mijzbräuche bei den Reichstagswahlen haben einen unserer Gesinnungsgenossen zu folgenden, im allgc- meinen sehr beherzigcnswcrthen Ausführungen veranlaßt: „Der in dem Leitartikel Ihrer Nr. 15 ausgesprochene Ge- danke, daß darauf hingewirkt werden muß, das Reichs ivahlzcttel- Couverts eingeführt werden, genügt allein nicht. Es müssen vielmehr diese Couverts einheitlich für sämmtliche Wahlkreise von Reichswegeu und auf Kosten des Reiches in genügender Zahl hergestellt werden. Mit Auflegen der Wahllisten muß es jedem Wahlberechtigten gestattet seiw, sein Couvert abzuholen. Andere Couverts, wie die gelieferten dürfen von den Wahlvor- sichern nicht angenommen werden. Es wäre das Abhole!: der Couverts für Viele Veranlassung, die Wahllisten durchzusehen, und ivürde die grenzenlose Mangelhaftigkeit der Wahllisten da- durch entschieden beseitigt werden.*) „Außerdem wären noch viele andere Uebclständc aufzuräumen. In vielen Wahlbezirken bedient man sich allerlei obskurer Gegen- stände zu Wahlurnen. Als besonders beliebt sind Suppen- terinen, Punschbowlen zc.; ja man hat sich sogar alter Hut- schachteln und Kärtoffelkörbc bedient. Dieser wirklich erbärmliche Zustand muß ebenfalls beseitigt werden. Was derartige Be- hälter für Sicherheit gewähren, braucht wohl nicht näher aus- geführt zu werden. Sind wir denn, trotz der Milliarden, im sogenannten neuen deutschen Reich wirklich so arm, und haben � wir die Wichtigkeit des Wahlaktes noch so wenig begreifen ge- lernt, daß wir die auch von dein Wahlgesetz verständigcrmaßcn verschließbare Urne noch immer nicht überall zur Anwendung . gelangen lassen?! Einsender Dieses bemerkte bei der letzten Wahl ! dem Wahlvorstand, daß eine Suppenterine doch wohl nicht gut ! als Wahlurne gelten könne» wurde aber von dem humanen Herrn hierfür zum sofortigen Verlassen des Wahllokals in bru- taler Weise aufgefordert. „Schließlich möchte ich noch einen Gedanken zur Erwägung i anheimgeben. Sollte es nicht zu erreichen sein, daß die Reichs- ftagsverhandlungen nach dem stenographischen Bericht, gewisser- maße» als Gegenleistung, Jedem welcher sich an der Wahl be- � theiligt hat, vom Reichstage zugeschickt werden? Sclbstverständ- I lich ivürde es nicht leicht möglich sein, diese Arbeit rasch auf- einanderfolgeud zu erledigen, würde auch nicht nöthig sein, es würde vielmehr ausreichen, wenn der Zeitraum von Session zu � Session dazu benutzt würde.' Freilich wenn wir ein sozialdemokratisches Staatssystem Hütten, würden solche nicht mehr wie billige Forderungen nicht erst gestellt zu werden brauchen, und wäre dann wohl Zeit und das nöthigc 5tleingeld für derartige Leistungen in ausreichendem Maße vorhanden. Die Ausführung ! dieses Gedankens würde ebenfalls ganz bestimmt darauf hin- wirken, daß eine ganz andere Betheiligung aw den Wahlen erzielt würde." Wenn die Rcichsregicrung wirklich ein Interesse daran hätte, *) Ein Zwang für jeden Einzelnen, sich selbst ein Couvert zu holen, dürste und könnte jedenfalls nicht geübt werden. Es wäre vielmehr nöthig, daß derartige einheitliche mit dem Reichsstempel versehene Couverts auch vor den Wahllokalen noch in Empfang genommen wer- den könnten. die oft geradezu himmelschreienden Mißstände bei den Reichs- tagswahlen zu beseitigen; wenn ihr daran gelegen wäre, allen Wählern durch Verbreitung der stenographischen Berichte über die Reichstagsverhandlungen Einblick in das parlamentarische � Treiben und Ausklärung über Staatsverwaltung und Gesetz- gcbung zu verschaffen— dann— ja dann würden die vor- stehenden Vorschläge höchst wahrscheinlich baldigst zur Ausfüh- ! rung kommen. Aber nicht eher! - Sozialpolitische Uedersicht. — Der„Gcwerkvcrein" des braven Dr. Max Hirsch kann nun einmal das Flunkern nicht lassen; so schreibt er in seiner sittlichen Unverschämtheit:„Ter sozialistische„Vorwärts", welcher schon zwei Tage vor der Stichwahl im ersten Berliner Wahlkreise dem Harmonie-Apostel Hirsch zu seinem Durchfall gratulirte, schweigt sich jetzt gründlich aus. Die Pille ist auch zu bitter. Noch am Wahltage selbst brachte der„Vorwärts" eine Berliner Correspondenz über die Stichwahlen, in welcher es u. A. heißt:„Im ersten(Wahlkreise) steht dem„großen" Max Hirsch Forckenbcck gegenüber, im zweiten Klotz ebenfglls Forckenbeck und im dritten Rackow dem Nürnberger Bezirksrath Herz. Max Hirsch fällt im ersten Wahlkreis durch, weil hier die Sozialdemokraten ausschlaggebend sind, im zweiten dürfte Klotz gewählt werden und im dritten unser Parteigenosse Rackow." Unsere Leser finden hier wiederum bestätigt, was die Herren Sozialdemokraten aus purer Scham nachträglich abzuleugnen suchen, nämlich daß dieselben gegen Dr. Max Hirsch gestimmt haben!"— Bekanntlich ließen in einer Versammlung im Kaiser- saal zu. Berlin kurz vor den Stichwahlen die Nationalliberalen den Abg. Most nicht zu Worte komnicn, der die Stellung unse- rer Berliner Parteigenossen zu den Stichwahlen motiviren wollte. In Folge dessen erklärte Most, daß die Sozialisten im ersten Berliner Wahlkreise nicht für Forckenbeck stimmen würden. Dies weiß der„Gewerkvercin", aber er verschweigt es, nicht aus „purer Scham", weil er keine Scham besitzt, sondern aus ange- borener Frechheit und Lügenhaftigkeit. Die Stellung des„Vor- wärts" zu der vorliegenden Frage war aber in folgender Weise ausgesprochen: Im ersten Berliner Wahlkreise enthalten sich die Sozialisten bei der Stichwahl der Abstimmung und im zweiten stimmen sie für Klotz; diese Stellung wurde auch von dem Cen- tralwahlcomits der Partei getheilt. Auch dies weiß der„Ge- werkocrein"— doch es muß gelogen werden. — Wie unsere Gegner agitircn. Die hinter uns lie genden Rcichstagswahlen sind von der sozialistischen Arbeiter- Partei nach Kräften ausgenutzt worden, um für ihre Grundsätze Propaganda zu machen und möglichst viele Abgeordnete in den Reichstags zu bringen. Sie hat also in dem Bestreben, die öffentliche Meinung für sich zu gewinnen, vollkommen legal gehandelt. Nun sollte man glauben, daß gerade die Gegner der Sozial demokratie, die ja Gesetz und Recht bis zum Ueberdruß im Munde führen, den meisten Anlaß hätten, die Sozialdeinokratie in der- selben legalen Weise zu bekämpfen, und nicht zu Kampfesmitteln zu greifen, die eines anständigen Gegners nicht nur unwürdig sind, sondern auch noch das Gesetz herausfordern. Das Letztere aber ist vielfach geschehen, lieber einen Fall nur wollen wir heut berichten, der übrigens noch klar darthnt, daß unfern Geg- nern jedes und selbst das verabscheuungswürdigste Mittel recht ist, wenn es gilt, die Sozialdemokratie zu bekämpfen. Man höre nur. Ein Arbeiter, Namens Olsen, welcher vom Ccntralwahl- comitv der sozialistischen Arbeiterpartei nach dem 6. schleswig- Holsteiiiischen Wahlkreise gesandt worden war, um Wahlaufrufe und Stimuzettel zu vertheilen, kam am 7. Januar Abends nach Hassels, um nach vollbrachter Taaesarbeit dort zu übernachten. „Nachdem ich mich", so berichtet Olsen dem„Hamburg-Al- tonaer Volksblatt" wörtlich,„erkundigt hatte im Dorfe, wo ich am besten Logis erhalten konnte, wurde mir der Gastwirth Tim Behrmann empfohlen. Hier mußte ich zu meinem Erstaunen er- fahren, daß eine Volksversammlung stattgefunden hatte seitens der Fortschrittspartei. „Auf der Diele standen noch etwa 36 Landlente und in- mitten derselben ein Herr(wie mir erzählt worden ist, ein Rechtsanwalt aus Pinnebcrg), welcher zu den Leuten sprach; unter Andern hob er hervor, daß es doch ein„Unding" sei, einen Arbeiter in den Reichstag zu schicken, denn derselbe wäre doch nicht fähig, Gesetze für das Volk zu machen. Dies könne nur ein wissenschaftlich gebildeter Mann, wie z. B. Professor Seelig. Die Bauern jubelten ihm natürlich zu. Ungefähr eine Biertelstunde hatte ich seine Redensarten angehört, dann erlaubte ich mir, an den Herrn die Frage zu stellen, ob es mir gestattet sei, ihm auf seine Ausführungen zu antworten. Der Herr er- widerte:„mit dem größten Vergnügen!" Ich führte nun aus, daß es nicht nöthig sei, einen Professor oder sonst irgend einen wissenschaftlichen Mann nach dem Reichstage zu schicken, die Männer aus dem Arbeitcrstande hätten sich im Reichstag durch- i aus fähig bewiesen, an der Gesetzgebung theilzunchmcn. Der betreffende Herr erwiderte mir jedoch:„Sie sind für mich gar nichts, sie sind zu dumm; ich will mit Ihnen gar nicht sprechen, denn wissen Sie: ich bin ein echter Preuße, ich bin Landmann, bin gewiß klüger als Sie, und ich vermag keine Gesetze zu machen und Sie auch nicht; ich bin mit Ihnen jetzt fertig. „Darauf ging der Herr weg und ich sprach zu den Leuten, � erzählte ihnen von den indirekten Steuern, von dem Militär system und hob noch verschiedene andere Fragen hervor. Be merken muß ich, daß ich den Herrn bat, mich zu widerlegen, wir könnten ja gemüthlich darüber sprechen; er hatte dazu aber wohl keine Lust, denn er entfernte sich, und während meiner Ansprache an die Anwesenden hat der Herr Wohl verschiedene Leute an der Schenke aufgehetzt, denn mit einem Male drängten sich einige durch die Menge und kamen auf mich zu mit den Worten: „Dat's wol en Hasenclever, denn' wölt wie uns mal keupen", und sofort fielen sie über mich her. Nicht allein, dafi sie mich mit meinem eigenen Stock geprügelt haben, sondern sie schlugen mit allem, was ihnen in die Hand kam, auf mich los, warfen mich zu Boden und traten mich mit Füßen. „Nachdem sie so ungefähr 5 Minuten ihr Müthchen gekühlt hatten, kam ich wieder auf und erstaunt sah ich, daß der Gens- darm ganz ruhig sich den Spaß ansah; es fiel ihm durchaus nicht ein, einzuschreiten, so daß ich ihn zu Hilfe rufen mußte; dann kam er aber auch und zwar mit den Worten:„Hinaus mit ihm!" Ich bat, daß ich doch meinen Hut und Stock mit- nehmen dürfe.„Na! suchen Sie!" m?inte er. Ich suchte auch, konnte leider nichts finden.„Na!" meinte dann wieder der Herr Gensdarm:„Hinaus mit ihm, ohne Hut und Stock." Und so wurde ich denn auf diese Art und Weise ins Genick gefaßt und ohne Hut auf die Landstraße geworfen. „Das war aber nicht genug. Draußen wurde ich noch von einigen Bauern verfolgt und mit Knüppeln derart geprügelt, daß ich bewußtlos darniederlag. Wie ich wieder zu mir kam, bin ich nach Rugenbergen gegangen in bloßem Kopf; doch war ich froh, nach den Schlägen dort noch die Stacht schlafen zu können. Die letzten Schläge waren eben die schlimmsten, denn sie waren derartig, daß ich noch am Kopfe Wunden habe, trotz- dem, daß 4 Wochen seit der Zeit verstrichen sind. Mein ganzer Körper war überhaupt blau und grün, welches die meisten Parteigenossen in Ottensen bezeugen iverdeu. Ich habe jetzt noch Wunden am Kopf. Zu einer so flegelhaften Behandlung, wie ich sie habe in Hasselo seitens der Liberalen erdulden müssen, lassen sich jedoch die Sozialisten nicht hinreißen." Ganz recht. Die Sozialisten lassen sich zu solch„flegelhafter Behandlung" der Gegner nicht hinreißen, weil sie wissen, daß sie als Oppositionspartei sich von vornherein unmöglich machen würden, wenn sie anders als unterrichtend und belehrend wirken wollten. Den Knüppel zu schwingen, das überlassen ivir den Gegnern; er ist das letzte Beweismittel, welches sie in Ermang- lung von besseren Gründen den sozialistischen„Irrlehren" ent- gegenzusetze» wissen. Dieser Umstand allein schon verbürgt den Sieg des Sozialismus. Sperrt uns ein, mißhandelt uns, er- schießt uns— der Sozialismus siegt doch! — Zur Sittlichkeit unserer Gegner. Im Februar des vergangenen Jahres erschien in Leipzig ein sogenanntes„Car- nevalsblatt", das seines unfläthigen, zotigen Inhalts wegen von der Polizei mit Beschlag belegt wurde und den Verfassern oder Verbreitern einen Prozeß eintrug. Wir hatten das ekelhafte Machwerk längst vergessen, als unS vor einigen Tagen(26. Jan.) im„Tageblatt" folgende Notiz in die Augen fiel: „Das vorjährige Carnevalsblatt„Fliegende Blätter", welches seiner Zeit bei der Polizei denuncirt und in strafrechtliche Unter- suchung genommen wurde, wird auch Heuer wieder erscheinen und nach kürzlich erfolgtem Rechtsspruche in der Lage sein, die Artikel mit Illustrationen, welche gewisse Leute„in ihrem sitt- lichen Gefühl" verletzt hatten, wieder buchstäblich abdrucken zu können. Daß noch weitere Erörterungen über den Handel, welcher ein ganzes Jahr in Anspruch genommen hat, in Aus- ficht stehen, ist sehr wahrscheinlich." Also der ganze Schmutz wird uns„buchstäblich" abgedruckt, wieder aufgetischt werden! Und das„Leipziger Tageblatt", das fast in jeder Nummer ein Zetergeschrei über die Unjitttlichkeit der Sozialdemokraten erhebt, bringt eine redaktionelle Empfch- lung dieses Machwerkes, welches den Stempel des Unruh'schen Geistes so sichtbar an sich trägt, daß die Gerichte beinahe ein Jahr lang brauchten, ehe sie überzeugt werden konnten, daß das in dieser Beziehung sehr„liberale" Reichsstrafgesetzbnch nicht di- rekt verletzt sei. Wir gratnliren dem„Tageblatt" zu dieser Kraftleistung„im Interesse der öffentlichen Moral". Und wohl auch zu einem kleinen— Cadeaüchen, Herr Hüttner? — Blüthen des Militarismus. Unsere Leser werden sich noch erinnern, daß vor 1-/, Jahren bei einer militärischen Uebung auf der„Mainspitze" Projektile und sonstige Schießge- säße in großer Anzahl in das gegenüberliegende Dorf Kostheim geschleudert wurden und dort eine solche Verheerung anrichteten, daß dessen Bewohner sich plötzlich in ein von feindlichen Truppen attaquirtes Heerlager versetzt glaubten. Die von militärischer Seite eingeleitete Untersuchung nach der Ursache dieses„Bom- bardements im Frieden" hat, wie man hört, große Stöße von Akten aber keine Schuldigen zu Tage gefördert, und man scheint sich sogar der Pflicht enthoben zu glauben, den Bewohnern von Kostheim eine Entschädigung leisten zu müssen. Daß die hes- sische Regierung zum Schutze der hessischen Unterthanen erfolg- reiche Schritte bei dem preußischen Militärfiskus unternommen, davon läßt sich gleichfalls nichts merken, und so bleibt den Ge schädigten keine andere Wahl, als die Gerichte anzurufen. Diesen Herr v. Putttammer. ii. (Schluß.) Als wir diese Gründe fanden, da drängte sich uns ein leb- haster Protest gegen die Competenz„Königlicher" Behörden in einer Angelegenheit auf, in der die beleidigte Majestät eine so große Rolle spielt! Wir fragten uns, würden demokratische Be- Hörden ebenso geurtheilt haben, würde das Bestehen auf Gesetz und Recht auch im demokratischen Volksheere als eine Unge- heuerlichkeit, als Geisteskrankheit aufgefaßt werden? Wir mußten die Fragen verneinen und indem wir aus dem Material das entfernten, was Tendenz als Felsblöcke hinzugewälzt, blieb von dem ganzen Berge nur Geröll übrig, mit dem zu beschäf- tigen— höchstens der Jnjurien-Richter ein Interesse hätte. Das Gutachten Höppners wird zerpflückt; ein Unsinn sei es, so findet das Gericht, geisteskrank und doch nicht wieder geistes- krank zu sein! Aber kann man nicht den Spieß umkehren? Scharssinn bis zu rabulistischer Spitzfindigkeit, im Gesetze wohl bewandert und doch geisteskrank zu sein, das erscheint uns noch unnatürlicher— aber es ist gesetzlich! Freilich wird bei Herrn v. Puttkammer bei allem Scharfsinn auch Schwachsinn behauptet, aber, wie wir gezeigt, nur behauptet. Wenn ein Advokat, wie v. Puttkammer es gcthan, das Gesetz stets in seinem Sinne aus- legt, dann ist das kein Schwachsinn, sondern ein völlig erlaubtes Verfahren. Herr v. Puttkammer aber vertrat sich in seinem Prozesse selbst. Kein Prozeß ist angeführt, in dem die behaup- tete Schwäche des Urtheils nachgewiesen worden, und so lange dies nicht geschehen, sind wir wohl berechtigt, seine Beschwerden in den Militär-Conflikten und in der Vermögens-Affaire sowie seine geharnischten Proteste gegen seine zweimalige Jnternirnng als begründet anzuerkennen und seine Erfolge in der Pensions- Affaire, die Abweisung des Kriegsministeriums mit seiner Klage wegen Führung falscher Titel, die nochmalige Ausfertigung einer contrasignirten Kabinets-Ordre, die schließliche Anerkennung dcs i Weg haben nun einige Personen betreten, darunter der Vater eines jungen Mädchens, das derartig verletzt wurde, daß man lange ein Wiederaufkommen bezweifeln mußte. Diese letztere Klage, die schon in nächster Zeit vor den Mainzer Gerichten zum Austraz kommt, dürfte dem Militärfiskus allerdinzs ziemlich theuer zu stehen kommen, indem von den beeidigten Gerichts- ärzten ein Gutachten erstattet wurde, welches dahin sich aus- spricht, daß das junge Mädchen durch die erlittenen Verletzungen dauernd seines Gehörs verlustig sei. Die von dem Kläger de- antragte Entschädigungssumme von 16,000 Mark erscheint nach Lage der Dinge durchaus nicht zu hoch gegriffen, und es ist zu wünschen, daß die Gerichte in solchen Fällen die Entschädigungen nicht zu knapp bemcffen. Freilich kann auch die höchste Ent- schädiguugssumme nicht wirklichen Ersatz für eine derartige Körperschädigung bieten, und für die ausgestandene furchtbare Angst bei dem Friedensbombardement kann man die Betroffenen auch nicht schadlos halten. Zudem hat die resultatlose Unter- suchung wieder einmal zur Genüge bewiesen, daß der Militär- staat sich wenig um Gut und Blut seiner Angehörigen scheert und sie der Ungeschicklichkeit und frivolen Fahrlässigkeit seiner Werkzeuge schonungslos preisgiebt. — Soldatentod. Aus Brieg wird unter'm 5. Februar geschrieben:„Am Freitag früh stürzte sich ein Soldat des 51. Regiments in die Oder und fand bald den gesuchten Tod. Schwermuth scheint das Motiv zur That gewesen zu sein." Schwermuth— in den besten jugendfrischesten Lebensjahren— natürlich! Unsere Soldaten suchen den Tod aus Furcht vordem Leben demjenigen Leben, das ihnen das„Vaterland", dessen „Stütze und Stolz" sie sind» in den Kasernen und auf den Exerzierplätzen gönnt. — Beitrag zur Unfall-Statistik. Bei der Magde- burger Allgemeinen Vcrsichcrungs-Aktien-Gesellschaft— Abthci- lung für Unfall- Versicherung— kamen im Monat Dezember v. I. zur Anzeige: 27 Unfälle, welche den Tod der Betroffenen zur Folge gehabt haben, 5„ in Folge deren die Beschädigten noch in Le- bensgefahr schweben, 24„ welche für die Verletzten voraussichtlich lebcus- längliche, theils totale, theils partielle Invalidität zur Folge haben werden, 358„ mit voraussichtlich nur vorübergehender In- Validität. Sa. 414 Unfälle.' Von den 24 Todesfällen treffen 7 auf Zuckerfabriken, 3 auf Mahlmühlen, 2 auf Oelfabriken, je einer auf eine Brauerei, Papierfabrik, Brennerei, Schneidemühle, Schwelerei, Brotfabrik, Maschinen-Reparatur-Anstalt, Destillation, Superphosphat- und Chemikalienfabrik, Porzellanfabrik, einen Landwirthschaftsbetrieb, Dampfdreschmaschineubetrieb, Steinbruch, ein Baugewerk und eine Arbeiter»Vereinigung behufs Löschens und Entladens von Kohlenschiffeu; von den 5 lebensgefährlichen Beschädigungen je cipe auf ein Baugewerk, eine Mahlmühle, Schneidemühle, Ma- schinenfabrik und Preßhefen- und Spiritusfabrik; von den 24 Jnvaliditätsfällen 6 auf Zuckerfabriken, 3 auf Brauereien, 2 auf ein Puddel- und Walzwerk, je einer auf eine Blechwaaren- fabrik, Papierfabrik, Brennerei, Mahlmühle, Waggonfabrik, Weberei, Spinnerei, Oelfabrik, Maschinenfabrik, Holzrouleaux- fabrik, einen Steinbruch, Landwirthschaftsbetrieb und combinirten Mahl- und Schneidemühlcnbetrieb. — Von der Maffia in Sizilien werden unsere Leser schon gehört haben; dieselbe ist eine Verbindung von Leuten, die unaufhörlich mit der Regierung und den Gesetzen in blutigem Kriege leben und deren die Behörden durchaus nicht Herr zu werden vermochten. Nach den im Parlamente gegebenen Schil- derungen der italienischen Minister sollten die durch die Maffia erzeugten Zustände auf der schönen Insel im Mittelmeere eine der korsischen Vendetta(Blutrache) ähnliche Erscheinung sein. In neuester Zeit gewinnt noch die Meinung an Gewicht, daß es sich hier um eine soziale Erhebung handelt. Das sizilianische Volk wurde allmülig von den zu seinem Schutz und der För- derung seiner Interessen Berufenen, das heißt von seinen Regie- rungen, vom Genuß der Güter, mit dem die Natur ,cs beschenkt, hinweggedrängt. Das arme Volk hat in seiuem stetig überhand nehmenden Elend jedes Vertrauen in die, oder überhaupt in eine Regierung verloren; die jetzige, welche ein Licht im Ver- hältniß zur Finstcrniß der bourbonischen Wirthschaft darstellt, kommt verbessernd mit guten Absichten, die sich in Verbesserung der Gcrichtspflege, Wegebau:c. Luft machten, post festurn(zu spät). Ja man darf sagen, daß wenn die Regierung mit dem Zauberstab einer Fee ausgestattet, augenblicklich zur Wirklichkeit machen könnte, was sie verspricht, sie dennoch nichts erreichen würde; die Dolche und Kugeln der Maffia sind eine düstere, großartige Petitionsrechts an allerhöchster Stelle nicht als die Folgen seines Schwachsinns, sondern als Triumphe seiner unbeugsamen Energie und seines juristischen Scharfsinns aufzufassen. Welcher Mensch vermag die Folgen seiner Handlungen stets zu überlegen. Er kann hundertmal falsche Schlüsse ziehen und braucht doch nicht geisteskrank zu sein. Und hier siegt, wenn wir das ganze Material sichten, thatsächlich nichts anderes vor, als daß v. Puttkammer in seinen Anklagen bitter geworden, vielleicht auch einmal irrthümlich eine falsche Adresse gewählt! Aber er soll ja auch an Selbstüberschätzung gelitten haben! Wi>- haben schon gezeigt, daß wir bei Herrn v. Puttkammcr nur eine falsche Vorstellung gefunden haben und zwar die Annahme, die getrenen Räthe der Krone hätten Furcht vor einer Anklage wegen Verletzung verfassungsmäßiger Rechte und vor der Macht der Presse. Aber wenn Herr v. Puttkammer hier wirklich zu einer falschen Annahme gelangt, darf sie als Beweis seines Blödsinns gelten? Hat seine Affaire übrigens Europa noch nicht erschüttert, so ist sie doch schon weit über die Grenzen Deutschlands hinaus- gedrungen und wir können gerade nicht sagen, das Deutschland dabei gewonnen hat. Wäre Herr v. Puttkainnier nicht aus dem Jrrenhause ent- flohen, er gehörte noch heute zu den Lebendia-Todten. Er lebt jetzt in Zürich und während die deutschen Behörden ihn noch als blödsinnig betrachten, haben die schweizerischen ihn als einen durchaus gesunden Menschen erkannt. lieber sein Leben in Zürich haben wir die besten Nachrichten empfangen. Jedermann rühmt seine Liebenswürdigkeit und sein bescheidenes Wesen, doch ist er auch jetzt noch nicht von der Ueberzeugung zurückgekommen, daß ihm schmähliches Unrecht ge- schehen, daß man ihn widerrechtlich internirt, ihn im Vollbe- sitz des gesunden Menschenverstandes für blödsinnig erklärt und in ein Irrenhaus gesperrt chat. Er hatte eine Petition dem Reichstage unterbreitet, in der er seine Schick- sale geschildert und um eine Untersuchung gebeten. Sie hat keine Gnade vor der Petitions-Commission gefunden, doch sind 'Logik aus Geschehenem, vor welchem alles llebrige nunmehr in| Schweigen versinkt. Die Maffia als einen Cooperativverband i von Banditen aufzufassen, wird sich demnach mehr und mehr 1 als Jrrthum herausstellen. Die italienische Regierung erntet in I Sizilien, was ihre Vorgänger und sie selber gesäet, und was! 'der schließliche Lohn aller Regierenden sein muß, deren vor- 1 nehmstes und eifrigstes Streben nicht auf die niaterielle Wohl- 1 i fahrt und die wissenschaftliche Erziehung des Volkes gerichtet ist. I — Die Folgen der ganz unüberlegten und zweck- j losen Demonstration in Kasan treten jetzt in dem am 30. 1 v. Ms. begonnenen Processe zu Tage. Die Angeklagten bestä-| tigen nur das über den Vorgang schon früher bekannt Gewor- 1 dene, ohne irgend etwas wesentlich Neues hinzuzufügen, nament-| sich, daß eine rothe Fahne mit der Inschrift„Land und Frei- 1 heit" entfaltet und daß eine Anzahl von Polizeibeamten miß- handelt wurde. Nach der Entfaltung der Fahne zog eine Dame, l eine Blondine, mit aufgelösten Haaren, der dicht gedrängten j Schaar voraus und rief: Vorwärts, folgt mir! Diese Dame war, die Kaufmannstochter, die Israelitin Felicia Jssakowa Scheftel. 1 Außer ihr sind noch angeklagt die Edelmannstochter Barbara! Konstantinowa Jliaschenko, Hörerin der weiblichen medizinischen i Kurses, die Beamtentochter Lydia Wassiliewa Nikolakaiewskaja I und die Majorstochter Sofia Iwanowa, ferner die Studenten der medizinisch-chirurgischen Akademie Gerwassi, Bibergall und 1 Gurowitsch, der Student des Wegbau-Jnstituts Nadeshdin, der Schüler der kaiserlichen Akademie der Künste Popow, drei per- I sönliche Ehrenbürger, drei Kleinbürger und drei Bauern. Aus 1 den Verhandlungen ist durchaus nicht zu erkennen, ob die De- i monstranten irgend einen groß angelegten Plan verfolgt haben, i Die meisten derselben behaupten, nur zufällig auf den Platz ge- l kommen zu sein und leugnen jede Gewaltthätigkeit gegen die I Polizei. Nach einigen Zeugenaussagen wußten selbst die An- l wesenden gar nicht, uni was es sich eigentlich handelte. So er- i klärte ein Zeuge, daß ihm ein anwesender Stadtwächter auf die i Frage, was los sei, geantwortet:„Die Studenten revoltiren."] „Sind sie betrunken?"„Siein."„Weshalb revoltiren sie?"„Ich] weiß nicht." Sehr bezeichnend ist die Aussage eines Zeugen, I daß er unter den Demonstranten„polnische Typen" bemerkt habe; als man demselben die Angeklagten zeigte, behauptete der; Zeuge jedoch, daß diese„mehr russisch" seien. Das brutale Vrr-! fahren der Polizei charakterisirt am besten die Aussage eines Zeugen mit Namen Rubalowsk. Auf die Frage eines Anwalts, i welchen Eindruck es auf den Zeugen machte, als er die Verhaf- i hingen sah; ob man solche Personen festnahm, auf welche speziell- hingewiesen wurde, oder ob man dabei einfach nach dem Aus- 3 sehen verfuhr, d. h. ob man solche nahm, die mehr dem Typus der studircnden Jugend entsprachen, antwortet der Zeuge:„Ja. nach dem Typus," Zeuge erinnert sich eines Vorfalls. Als eine Frau abgeführt wurde, versetzte ein junger Mensch dem jenigen, welcher die Frau führte, einen Schlag. Alsbald wurde � auf den jungen Mann eingehauen und er fiel zur Erde. Man richtete ihn bei den Haaren auf und führte ihn in's Polizei- Bureau ab. Das Schicksal der unglücklichen Leute ist natürlich, im Boraus bestimmt. Hoffentlich läßt sich die revolutionäre Jugend in Rußland diese Affaire zum abschreckenden Beispiel dienen. Correjpondenzen. Ottensen.(Verspätet.) Donnerstag den 25. Januar fand Hierselbst eine außergewöhnlich stark besuchte Volksversammlung statt mit der Tagesordnung:„Die engere Wahl zwischen Beseler und M. Stöhr." Als Referenten waren die Herren Professor Beseler, Max Stöhr, A. Geib und R. Praast aufgestellt. Herr- Professor Beseler hatte es aber für gut befunden, sich durch einen Brief zu entschuldigen, in welchem denn auch verschiedene Gründe angegeben waren, weshalb er nicht in diejer Versamm- lung sprechen könne. Einer der Gründe war der, daß es ihm, so lauge die Arbeiter noch ihren„Führern" nachliefen, nicht möglich sei, in derartigen Versammlungen aufzutreten. Weil aber Stöhr an diesem Abend in einer Versammlung in Süllfeldt sprechen mußte und Geib durch Krankheit zu erscheinen verhin dert war, blieb nur Praast als Referent übrig, der sich denn auch zur rechten Zeit eingefunden hatte und seine Aufgabe in zufriedenstellender Weise erledigte. Praast äußerte sich ungefähr folgendermaßen: Wenn die So- zialdemokratie in allen Orten so dastände, wie hier in Ottensen, so könnten wir zufrieden sein. Die sozialistische Idee werde sich Bahn brechen, und die Zukunft gehöre ihr. Redner legte klar, wie eine jede Partei, nachdem sie anfing stark zu werden, allen möglichen Verfolgungen ausgesetzt gewesen sei. So war es früher mit der liberalen Partei ebenfalls. Man warf derselben vor, sie wolle das Eigenthum abschaffen und sonstigen Unsinn mehr; nachdem sie aber das Heft in lue Hand bekommen, schleudert sie ihrerseits der Sozialdemokratie dieselben Vorwürfe Liebknechts Vorstellungen nicht ohne Eindruck geblieben. Herr v. Puttkammer soll sich von competenten Aerzten untersuchen und seine Gesundheit constatircn lassen. Dann will man weiter mit ihm verhandeln.— Faktisch existirt nun aber gar kein Cu- ratel, es ist kein Curator, kein Vormund bestellt, kann auch nicht bestellt werden, da sich Herr v. Puttkammer im Auslande be- findet. Was die„competenten Aerzte" betrifft, so lassen noto- risch die preußischen Gerichte Atteste von ausländischen Aerzten nicht gelten. Atteste aus der Schweiz hätten somit keine Gül- tigkeit. Würde Herr v. Puttkammer wieder klagen, dann müßte er, was seineu Gegnern ganz recht wäre, wieder anerkennen, daß er blödsinnig gewesen. Ob sich das bisherige Verfahren anfechten läßt? Die Competenz dcs Berliner Kreisgerichts läßt sich anfechten, Lehnert fungirte, da der Ehefrau die Bezeich nung eines Arztes nicht zustand, nicht competent, drittens wäre noch der Umstand zu beachten, daß die Gatttn des Herrn von Puttkammer im ganzen Verfahren nicht gehört worden. Wir wagen indcß kein bestimmtes Urtheil abzugeben, bitten aber unsere juristtschen Freunde, mit ihrem Rathe nicht zurück zu halten. Die Angelegenheit ist durch unsere Veröffentlichungen in Fluß gekommen. Wir hoffen, daß es Herrn v. Putttammer trotz aller Schwierigkeiten nun doch gelingen wird, sein Recht zu erlangen, das ihm so lange beharrlich verweigert worden. C. Lübeck. — Taut comme chez noua(Alles wie bei uns) dachten wir, als wir dieser Tage in einer nationalliberalen ZeiMng Folgendes lasen: i „Ein ftanzösisches Blatt übersetzt ein türkisches KriegSlied, das\ einen Ulema, Firzi Efendi, zum Verfasser hat und ein Echo dcs I türkischen Kriegsenthusiasmus sein soll. Es lautet in Prosa:.Glücklich durch unsere Religion und durch unseren Staat ist unser Name in Aller Mund, wir sind der Gegenstand jeder Unterhaltung. Wir, das krie- t gerische Volk mit dem stets blutigen Säbel; wir, die Söhne der Helden, selbst Helden.(Dieser letzte Satz wiederholt sich als Refrain nach jeder j Strophe.) Der Säbel des Krieges adelt tadelnswerthe Handlungen| entgegen. Die liberale Partei sei für Censuswahlen, damit keine Arbeiter in den gesetzgebenden Körper hineinkämen. Pflicht eines jeden Arbeiters sei es aber, dahin zu wirken, daß die Arbeiter in jedem gesetzgebenden Körper vertreten seien. Tie Wissenschaft und die Arbeiter müßten Hand in Hand gehen, wie dieses schon Lassalle gesagt habe, und müßten dann dahin streben, daß nur Männer in den gesetzgebenden Körper kämen, die ganz und voll die Interessen der Arbeiter vertreten. Mögen die Besitzenden wählen wen sie wollen, die Arbeiter aber müssen Solche wählen, die die Interessen der Arbeit vertreten, und einen Solchen hätten die Arbeiter Ottensens in dem Maschinenbauer Max Stöhr ge- funden. Es sei deshalb Pflicht eines jeden Arbeiters, bei der Wahl für diesen Mann einzutreten. � Hierauf stellt ein Herr Lisenberg die Frage, ob Stöhr nicht anwesend sei. Als dieses verneint wurde, erhält derselbe das Wort, indem er seine Freude darüber ausspricht, schon ein- mal gegen Herrn Praast in einer Versammlung aufgetreten zu sein. Redner sucht verschiedene Punkte, die von Praast ange- führt waren, z. bekritteln; u. a. hielt er sich darüber auf, daß Praast die Sozialdemokratie mit dem Christenthum verglichen habe, und führte aus, daß beide wohl nicht miteinander zu ver- � gleichen seien, indem Jesus ein Bote des Friedens gewesen, wo- gegen die Sozialdemokraten, nach seiner Meinung, Boten der Vernichtung seien.(Heftiger Widerspruch.) Ferner wäre die liberale Partei für die Interessen des Volkes eingetreten und hätte die geistige Freiheit dem Volke mit erobern helfen. Frei- lich habe Praast gesagt, die Arbeiter müßten auf dem Wege der � Wissenschaft vorgehen, aber nach seiner Meinung müsse man zuerst Bildung in das Volk bringen, damit es auch solche schwer- wiegende Fragen, wie die soziale es sei, begreifen könne. Aus die Frage, ob denn die liberale Partei auch das durchge- führt habe, was sie früher auf dem Programm gehabt, antwortet Herr Lisenberg, daß man auch oftmals mit Absdflagszahlungen � vorlicb nehmen müsse. Nachdem Redner noch verschiedene Punkte aus den Ausführungen des Herrn Praast berührt hatte, fragt er, welche Errungenschaften denn die Sozialdemokratie auszu- weisen hätte und, wenn die Sozialdemokratie auf rein wissenschaftlicher Basis beruhe, warum dann nicht mehr hervorragende Männer sich unter derselben befänden. Zum Schluß erwähnt Redner, die Sozialdemokraten mögen doch die Gesetze besser studiren, damit sie nicht immer mit denselben in Conflikt ge- rathen, die Polizei verfahre oftmals noch sehr milde(!?). Herr Praast, der hierauf das Wort nimmt, bedauert zunächst, daß Herr Lisenberg sich gleich wieder als Denunziant gekcnn- zeichnet habe, indem er der Polizei den Vorwurf mache, zu milde zu verfahren. Betreffs der Frage, weshalb denn nicht mehr hervorragende Männer unter den Sozialdemokraten sich befanden, erklärt Praast, daß Bamberger schon die Antwort auf diese Frage gegeben habe, indcni dieser bei einer Gelegenheit gesagt habe, daß sich in keinem Lande mehr Sozialdemokraten unter den hervorragenden Männern befinden als in Deutschland. Auf die Frage, was denn die Sozialdemokratie für das Volk gethan hätte, wird von Praast bemerkt, daß dieselbe den poli- � tischen Sinn des Volkes geweckt habe, damit auch in den un- tersten Schichten der Bevölkerung die Verbefferung der gesell- schafilichen und politischen Zustände angestrebt werde. Schließ- lich bcmcrkt Redner noch, daß wir keine Revolution machen wollen und können, sondern auf dem Wege der Wissenschaft zu unscrm Ziele gelangen wollen. Es wird hierauf eine Redezeit von 10 Minuten angenom- men. Kottkamp aus Hamburg fordert hiernach auf, sich leb- Haft an der Wahl zu betheiligen. He er hold, der hierauf das Wort ergreift, erwidert Herrn Lisenberg, er hätte es nur auf die Führer der Sozialdemokraten abgesehen und die Prinzipien derselben beiseite gelassen. Im großen Ganzen sehe Redner dies nur als ein Wahlmanöver an. Wir werden uns aber nicht irre machen lassen und ruhig auf die Schrifteu Laffalle's weiter bauen. � Lisenberg, der noch zu einer Bemerkung das Wort nimmt, bedauert, daß man ihn als Denunziant angesehen habe; er habe die Sozialdemokraten nur warnen wollen, weil sie oftmals vor- sichtiger vorgehen könnten, und wünscht in acht oder vierzehn Tagen in einer Versammlung mit Praast eine Disputation ein- zugehen. Als Tagesordnung möge man„Die sozialistischen Führer und ihre Presse" nehmen. Praast freut sich, mit Lisenberg ein solches Gefecht ausführen zu können, und wünscht, die Versammlung möge sich ebenso takt- voll benehmen, wie es die heutige gethan habe. }«WM- Iserlohn.(An die Parteigenossen im Wahlkreise Altona- Iserlohn.) Der Wahlkampf ist beendigt. Wir haben eine Schlappe erlitten. Wir haben weniger Stimmen erhalten, wie vor drei Jahren. Es ist ein hartes Bekenntniß gegenüber den glänzenden Resultaten der Parteigenossen im übrigen Deuschland. Fragen wir uns nun, welches sind die Ursachen, daß wir hier| weniger Stimmen erhalten haben, als bei der vorigen Wahl, so ist darauf vieles zu antworten. Zum allergrößten Theile war der Lokalmangel in Iserlohn daran schuld. Hier, wo der Heerd der Partei für unfern Wahlkreis sich befindet, war lange Zeit kein Lokal zu haben, es konnten darum auch keine Versamm- lungen stattfinden. Und auch unsere hiesige Lokalpresse leistete alles mögliche gegen uns, worin sich der„Iserlohner Kreis- anzeiger" besonders auszeichnete. Einige eifrige Parteigenossen ließen kein Mittel unversucht, um ein Lokal zu bekommen, erst in der zweiten Hälfte des Monats Oktober vor. Js. gelang es ihnen, einen Wirth dahin zu bringen, daß er uns sein eben erst fertig gestelltes Lokal zur Verfügung stellte. Von der Zeit an haben wir erst regelrecht agitiren können. Herr Tölcke mußte indeß auch den Wahlkreis Dortmund bearbeiten und so konnten wir nicht viel Versammlungen abhalten, was uns ebenfalls be-' deutende Stimmenverluste bereitet hat. Die Land- und theil- weise auch die Fabrikbevölkerung in den kleinen Städten steht unseren Fragen gänzlich theilnahmlos gegenüber, da können wir nur durch unausgesetzte Ausilärnng in Versammlnngen wirken; das konnte aber bei letzter Wahl nicht geschehen. Unsere Gegner haben ferner kein Mittel unversucht gelassen, um uns auf alle mögliche Art zu schädigen und in unseren eigenen Reihen Un- ordnung zu bringen. Und leider giebt es noch immer unter den Arbeitern verkäufliche Seelen. Wie schon oben gesagt, haben wir erst seit Kurzem in Iserlohn ein Lokal zu unserer Ver- fügung. Aber dieses Lokal wird uns wieder verloren gehen, wenn wir hier nicht fest zusammen halten und keine Versamm- lung mehr abhalten. Bedenkt das Genossen! Parteigenossen! Unser Prinzip, unsere Grundsätze stehen fest, an denen läßt sich nicht rütteln, sondern sie werden sich doch endlich(wenn wir nicht lässig sind) trotz aller Anfeindungen Bahn brechen und den Sieg erringen. Wir dürfen deshalb auch vor einem augenblickliche« Verluste nicht zurückschrecken, sondern muffen suchen die Position wieder zu gewinnen. Und das kann nur durch unausgesetzte energische Agitation geschehen. Genossen! Wir wissen wohl, daß Maßregelungen an der Tagesordnung sind, daß auch hier die Ueberzcugung zum Ver- brechen gestempelt wird, aber darum laßt Euch nicht abhalten. Wir verlangen nicht von denen, welche Maßregelung zu fürchten haben, daß sie öffentlich auftreten, aber im Geheimen kann man auch viel wirken, und das können Alle. Deshalb ergeht an alle Genossen im ganzen Wahlkreise der Ruf:„Haltet Fühlung mit uns", sucht unsere Parteipreffe und unsere Schriften überall zu verbreiten. Alsdann werden wir eine tüchtige, energische und erfolgreiche Agitation betreiben können. Und dann werden wir bei der nächsten Wahl ein ganz anderes Resultat erzielen. Den Iserlohner Genossen erlaube ich mir den Vorschlag zu machen, bis zum Congreß einen„Broschüren-Bcrein" hierorts zu gründen, oamit unsere Parteipresse„Vorwärts",„Wesff. F. Presse":c. und die sozialistischen Schriften verbreitet würden. Ferner mache die hiesigen Genossen noch darauf aufmerksam, nur in solchen Wirthschaften zu verkehren, wo unsere Parteipresse gehalten wird. Es sind dies folgende Wirthc: D. Keune, am Bach, hält den„Vorwärts" und„Wests. Fr. Presse"; G. Rentzing, Friedrichstraße, hält den„Vorwärts"; Friedrich Brennschcidt, am Neuen Markt, hält„Vorwärts" und„Wests. Fr. Presse". Bei Herrn D. Keune am Bach, wo unser Verkehrslokal sich be- findet, sind des Sonntags auch immer Parteigenossen anwesend. L. K. Nehden in Wcstprcußen, 2. Februar. Im Wahlkreise Grau- denz-Straßburg sind 6 Stimmen für Herrn Bebel in Leipzig, und zwar sämmtlich am hiesigen Orte abgegeben worden. Wir würden es unbedingt auf die vierfache Höhe der Stimmen ge- bracht haben, wären nicht zu große Hindernisse zu überwinden gewesen. In unserer Kreisstadt Graudenz erscheint ein liberales Blatt,„Der Gesellige", von welchem in Rehden und Umgegend allein ca. 200 Exemplare gehalten werden. Kurz vor der Wahl brachte nun genanntes Blatt einen schmutzigen Artikel gegen die Sozialdemokratie und lobte den Reichstagsabgeordneten Bieter- Frankenhain über die Maßen. Ferner waren auch von Seiten der Liberalen Posten am Wahllokale aufgestellt, die den Arbei- tern die für Herrn Bebel abzugebenden Stimmzettel mit solchen für Vieler umtauschten, indem sie vorgaben, es könnte sonst der polnische Candidat siegen, und daß ein paar Stimmen mehr ja doch nichts in der Arbeiter Lage änderte. Wie diese sechs Stimmen gewirkt, kann man aber daraus ersehen, daß der liberale„Gesellige" die Sozialdemokraten in fast keiner Nummer ungeschoren läßt. Jedoch verfehlt genanntes Blatt, das doch nur den klarsten Unsinn zu Tage fördert, hiermit ganz seinen Zweck, da die arbeitenden Klassen immer mehr beinüht sind, sich mit den Grundsätzen der Sozialdemokratie vertraut zu machen. Unser Reichstagsabgeordneter, Herr Bieler, ist sogar von einem heilsamen Schrecken ergriffen, und um den Sozialisten auf die Finger sehen zu können, hat er den„Vorwärts" für dieses Quartal abonnirt. Unser kleines Häuflein wünscht dem Herrn und macht mit dem Blinken seines Stahles die Geschichte erglänzen. Stets zum Kampfe bereit, bietet das Schlachtfeld uns ein Hochzeitsfest. Unsere Existenz ist der Krieg. Wir wissen freudig unser Leben zu -opfern. Wir marschiren scurigen Mulhcs in die Schlacht, wo wir uns .glücklich fühlen, den Tod zu finden und Märtyrer zu werden. Wenn wir einig find, machen wir das ganze Menschengeschlecht von der Erde verschwinden. Der Kriegsstand ist unser Stand. Gott mit uns. Er steht uns bei. Vor uns geht der Prophet. Sie beide lenken unsere Arme. Seien wir von Eifer für unsere heiligen Traditionen beseelt, seien wir gehorsam gegen unsere Führer, aber stets brav und tapfer. Unsere ruhmvollcu Vdrf-hrxn haben wie Löwen dieses Land erobert. Kummen wir ihnen nach und vtr,hi-it>>gcn wir mit dem Säbel das Erbe, das sie uns anoerlraut. Mögen Alle diese Wahrheit erfassen, daß wir durch Gottes Willen wieder Söhne unserer Vorfahren/" Ulema Firzi Efendi hat in diesem Liede einen solchen(ächten Mords-) Patriotismus, eine solche Begeisterung für das edle Handwerk der„Säbelhelden" zum Ausdruck gebracht, daß mancher un- serer deutschen„Schlachtensänger" von ihm in diesen Beziehungen ler- nen könnte. Aber auch Derjenige, der nicht gerade von Patriotismus und Begeisterung für's Waffenhandwerk trieft, auch wir Sozialisten können aus diesem Liede lernen, daß der türklsche Soldat der Ansicht ist,—„der Säbel des Krieges adele tadelnswerthe Handlungen und mache mit dem Blinken seines Stahles die Geschichte erglänzen." Bei uns, in Deutschland, wo die„Intelligenz" und der„Schulmeister" die � Schlachten gewinnen, ist der Soldat natürlich anderer Ansicht. �— Wunder der Optik. Ein Wiener Physiker, Namens Dworzack, Zeigt jetzt in Deutschland eine junge löjährigc Dame, die vollständig tadellos gewachsen ist und nur den einen Fehler hat, daß ihr, von der Mitte des Leibes an, der ganze Unterkörper fehlt, gerade als ob er mit einem scharfen Instrument abgeschnitten wäre. Das klingt un- glanblich, aber ist Thalsache. Der Zuschauer erblickt auf dünner Tfich- plalie aus einem rothen Sammetkissen nur die lebende Büste erwähnter Dame. Jedem Anwesenden crlheilt das lebende menschliche Bruchstück bereitwilligst Antwort aus jede Frage. Der vierbeniige Tisch steht voll- kommen frei; selbst zwischen Tischplatte und dem auf drei dünnen Stäb- chen ruhenden Polster bietet dem Blick sich durchsichtiger Raum dar. Hierbei nun entsteht die Frage: wo bleibt der übrige Körper der Dame? und hierin beruht das bis jetzt ungelöste Räthsel der Erscheinung. So v icl wir erfahren, hat ein Professor Robinson in London die Erfindung dieser optischen Täuschung gemacht, die mittels Reflektoren hervorgebracht wird. In Hannover, wo das Wunder zuletzt ausgestellt war, hat sich ein„Dorsschullehrer" zu folgendem poetischen Hungercrgruß„anFatimah" — so läßt das Halbmädchen, oder die Mädchenhälste sich nennen— begeistern lassen: Tscherkessin ohne Unterleib, Du herrliche Augenweide, Du in Hannover gezeigtes Weib, Erlaub', daß ich dich beneide. Bis an die Taille sieht Jedermann An ganz untrüglichen Zeichen, Daß du ein Weib; doch von da an Hast du gar nichts dergleichen. Du hast einen Kopf und einen Hals, Eine Brust und Arme und Hände, Dann folgt der Gürtel noch allenfalls, Dann aber bist du zu Ende. Und wenn mein Aug' dies Wunder sieht, Dann denke ich: Um Gottes Willen, Du hast gewiß keinen Appetit, Und brauchst ihn auch nicht zu stillen. Und da dich nie der Hunger plagt Am Abend, Mittag und Morgen, So hast du, mit einem Wort gesagt, Durchaus keine Nahrungssorgen. Ich aber, ich bin ganz complet, Habe Oberleib und Unter-; Doch wenn es Mittags zu Tische geht, So sohlt mir das Essen mitunter. D'nnn muß ich voll Neid dich immerzu Anschauen als einer derer, Die innig wünschen:„Ach wär' ich Du!" Ergebenst Knapp, Dorfschullehrer. gut Glück! Bange machen gilt nicht! denken wir aber.— An Partei-Blättern werden am hiesigen Orte zwei Exemplare des „Vorwärts" und ein„Crimmitschauer Bürger- und Bauern- freund" gelesen. Mit sozialdemokratischem Gruß Die Parteigenossen von Rehden. Essen, S. Februar. Wie sehr die Thätigkeit des Herrn Hasselmann im Reichstage für das arbeitende Volk auch von den hiesigen Arbeitern anerkannt wird, davon zeugte gestern die massenhaft besuchte Versammlung, in welcher derselbe über das Thema:„Die gegenwärtige Nothlage, und wie ist derselben ab- zuhelfen", referirte Redner wies in einer fünfviertelstündigen Rede in klarer und verständlicher Weise, wiederholt durch Beifallsbezeugungen unter- krochen, nach, daß die in Zeiten des Nothstandes von der Herr- schenken Partei angewandten Mittel zur Beseitigung desselben stets verfehlt gewesen seien. Ein wirklich durchgreifendes und praktisches Eingreifen derselben wäre schon aus dem einfachen Grunde nicht zu erwarten, weil das für die besitzende Klasse hieße, sich den Strick um den eigenen Hals legen, da man hierbei nothgedrungen auf sozialistische Bahnen lenken müsse und— gern oder ungern— ein Stück der sozialistischen Forderungen zu acceptiren genöthigt sei.— Nachdem der Redner noch ein- gehend die sog. Volksküchen, mit welchen auch die Stadt Essen demnächst beglückt werden solle, behandelt und einer scharfen Kritik unterworfen hatte, erledigte er den zweiten Theil der Tagesordnung:„Wie ist dem Nothstande abzuhelfen? Ein totales Unmöglichmachen dieser fortwährend wiederkehrenden und jedes- mal in größerem Maßstabe auftretenden Nothstände sei zwar unter der heutigen Produktionsweise nicht denkbar, dazu bedürfe es einer Radikalkur: Beseitigung der planlosen kapitalistischen Produktionsweise und Ersetzung derselben durch Produktiv-Ge- nossenschaften. Nur hierdurch allein würden die fortwährend wiederkehrenden Handelsstockungen endgültig beseitigt werden. Aber auch momentan wäre die Arbeitslosigkeit und deren noth- wendige Folge, der gegenwärtige Nothstand, wesentlich zu heben; allerdings nicht durch„Volksküchen" und„Suppenanstalten", sondern dadurch, daß der Staat gerade jetzt mit Legung von Eisenbahnen, Kanälen, Chausseen u. s. w., deren gerade Deutsch- land noch viele— und zwar im Interesse der Gesammtheit— bedürftig sei, beginne. Aber gerade in flotten Zeiten habe man Eisenbahnen, Kanäle, Chausseen ic. in Masse angelegt, während jetzt in dieser Beziehung allgemeiner Stillstand herrsche. Heran- ziehung der Arbeitslosen zu produktiver Arbeit, die in der Zu- kunst wiederum dem gesammten Volke zu Gute käme, wäre der einzig richtige Weg zur Hebung des heutigen Nothstandes. Nachdem dem Redner stürmischer Beifall gezollt worden, sprachen noch die Herren Kühl und Seelig über dasselbe Thema, worauf die Versammlung geschlossen wurde. Nachmittags fand sodann ein gemüthliches Arbeiterfest, be- stehend in Concert, deklamatorischen Vorträgen und Festrede statt, welch letztere von Herrn Hasselmann gehalten wurde und in welcher er namentlich der Frauen gedachte und sie aufforderte, ihre Kinder im sozialistischen Sinne zu erziehen, damit die spätere Generation eine Generation des Sozialismus werde. („Duisburger Freie Zeitung".) Ärnssadt. Die Agitation in unserem zersplitterten schwarz- burger Wahlkreise war eine überaus mühevolle, aber trotzdem ließen unsere Parteigenossen den Muth nicht sinken. Schon seit Dezember waren wir bemüht, unsere zahlreichen Dörfchen mit Extrablättern, der„Thüringer ftcien Presse", mit Broschüren:c. zu versorgen. Leider sind wir manchmal auf sehr harten Grund gestoßen, jedoch dies konnte uns nicht beirren, immer weiter und weiter zu agitiren; die erlittenen Schmähungen wurden leicht wieder abgeschüttelt. Auch die Unterherrschaft Sondershausen, Greußen, Ebcleben, Schernberg und Alles was d'rum und d'ran hängt, wurde von unserem Parteigenossen Pabst auf's Pünktlichste besorgt, welcher 10 Tage daselbst verweilte. Er hatte da- mals viel Schwierigkeiten zu überwinden, jedoch stiegen dieselben bei der zweiten Reise vom 1. bis 10. Januar auf das Unglaub- lichste. Es wurde ihm noch Parteigenosse Küllmer beigegeben; diese Beiden hatten denn im ganzen Distrift der Untcrherrschaft Wahlaufrufrufe und Stimmzettel zu vertheilen. Die„gebildeten" Herren glaubten, ihr Ländchen sei in Gefahr und arbeiteten uns mit allen Mitteln entgegen. Jedoch trotz all' ihrer Macht waren sie nicht mächtig genug, uns zu hindern, denn ganz erhebliche Re- sultate unsererseits sind zu verzeichnen. Pabst und Küllmer haben einen sehr schweren Stand gehabt, denn mit Rippenstößen und Fußtritten sind sie traktirt morden, ohne die verschiedenen Schmähungen und Drohungen, die sie sonst noch erduldeten. Hier in Arnstadt freilich durften die Verehrer des Sankt Ba- lentin nicht so extrem vorgehen, denn die Sozialdemokraten sind ihnen aus dem Garne gewachsen, trotz der fchändlichstcn Ver- leumdungen des ,;Nachricht- und Jntclligenzblattes". Am 7. Ja- nuar hatten wir hier noch eine Wählerversammlung, welche jeder Beschreibung spottete, denn so etwas hat man in Arnstadt noch nie gesehen. Um>/z3 Uhr empfingen wir unseren Candidaten W. Bock am Bahnyofe. Die Folge der hier abgehaltenen Ver sammlung war ein glänzender sieg für unsere Sache. Das Versammlungslokal, die Marienhöhe, war schon vor unserer An- kunst gedrängt voll. Es waren ungefähr 3000 Menschen dort versammelt, unter denen vorzüglich viele Landbewohner. Unser Candidat W. Bock wurde von der versammelten Menge mit Freuden begrüßt. Parteigenosse Hägerich eröffnete die Ver- samnilung. Gewählt wurde zum Vorsitzenden Carl Hägcrich, zum Schriftführer Unterzeichneter. Parteigenosse Bock entledigte sich seiner Aufgabe auf's vortrefflichste. Während des Vortrags wurde er mehrmals unterbrochen durch die stürmischen Bravo's, welche von Zeit zu Zeit laut wurden. Der Schluß des zweistündigen Vortrags endete mit einem donnernden Hoch auf den Arbeitercandidaten Wilhelm Bock aus Gotha. Der Vorsitzende Hägerich forderte hierauf zur Interpellation auf, aber Niemand meldete sich zum Wort. Parteigenosse Wincklcr empfahl noch nachträglich die �Candidatur Bocks und wurde dieselbe einstimmig angenommen. Für den Wahlfonds wurden durch die Teller sammlung 31 Mark 25 Pfg. eingenommen. Trotzdem die Ver- sammlung einen glänzenden Verlauf nahm und die Begeisterung sehr groß war, so wußten die Herren Liberalen doch einen schweren Druck auf die hiesigen Arbeiter auszuüben, denn das Wahlresultat ergab in Arnstadt bei dieser Wahl nur eine Stimmenmehrheit von ungefähr 100 Stimmen gegen die vorige Wahl. Im Ganzen erhielt unser Candidat W. Bock 1397 Stimmen, sonach 101 Stimmen mehr als vor 3 Jahren. Von Wahlbeeinflussungen können auch wir ein Liedchen singen, denn in verschiedenen Ortschaften existirt nichts weniger als ein ge- Heimes und direktes Wahlrecht. Jedoch dies Verfahren der be sitzenden 5t lasse dem Arbeiter gegenüber ist uns ja bekannt und bedarf iveiter keiner genaueren Schilderung. Das Wahlresultat constatirt im Allgemeinen doch ein immer mächtiger werdendes ! Umsichgreifen der Sozialdemokratie. In Ortschaften, wo man : uns früher noch gar nicht kannte, bat unser Eandidat mon J nennenswerthe Minoritäten erzielt. Wir werden also nicht auf- hören zu kämpfen, bis wir endlich St. Valentin, den Schluß- machcr, aus dem Sattel gehoben haben. Mit sozialdemokratischem Gruß R. Gläser. ZZreskau, 21. Januar. Auf dem Armensünderbänkchen saß am 20. d. der Mitarbeiter der„Wahrheit", Genosse Fritz Glo- gauer, augeklagt aus K 131.(Falsche oder entstellte Thatsachcn, wissend, daß sie falsch oder einstellt sind, verbreitet zu haben, um dadurch Staatseinrichtungcn oder Anordnungen der Obrig- keit verächtlich zu machen.) Er soll sich dieser schrecklichen That dadurch schuldig gemacht haben, daß er im Dezember 1874 aus Zürich das Buch„Heinrich Heines Besuch im Reich der Gottes- furcht und frommen Sitte" kommen ließ und unter Billigung des Inhalts verbreitete. Herr Referendar und Reservelieutenant v. Mark hat sich das großartige Verdienst um die Gesellschaft erworben, ihn deshalb zu denunziren, weil nach seiner Meinung die Opposition im Staate nur durch den Staatsanwalt nieder- gekämpft werden kann. Herr Glogauer verthcidigte sich in längerer Rede selbst, wies zunächst nach, daß eine eigentliche Verbreitung gar nicht vorliege, da er das Buch zugleich mit der Schrift„Daniel in der Löwengrube" für sich und einige Collegen bestellt, den Inhalt also vorher gar nicht gekannt habe. Auch feien in der ganzen Schrift keine Thatsachcn, sondern nur sub- jektive Auffassungen des Dichters zu erkennen, die allerdings eine Majestättsbeleidigung involviren, für die man ihn aber nicht verantwortlich machen könne. Angeklagter will zu den einzelnen Stellen übergehen, weshalb die Tribüne geräumt werden muß. Stück für Stück wies nun G. nach, daß � 131 hier nickt zutreffe, so daß selbst der Staatsanwalt, Herr Warm- brunn, die Richtigkeit der Ausführungen zugestand und nur in einem Punkte, die Versorgung der Invaliden betreffend, die An- klage aufrecht erhält. Tagegen findet der Staatsanwalt in der Verbreitung des Buches das Vergehen des K 110(Aufforderung zuni Ungehorsam) in idealer Concurrenz mit Majestätsbeleidiguug und beantragt daher eine Gcfängnißstrafe von 9 Monaten. Aus der Stellung des Angeklagten als sozialdemokratischer Redner und Redakteur der„Wahrheit" gehe hervor, daß er dieses Buch, welches lediglich die„hirnverbrannten sozialistischen Lehren in der schmutzigsten Form wiedergebe," nur zu Agitations- zwecken verbreitet habe, d. h. in der Absicht, Staatseinrichtungen verächtlich zu machen. Auch habe er gegen den Zeugen v. Mark die Worte fallen lassen:„Warum hätte ich denn sonst das Buch kommen lassen und gratis unter meine Freunde vertheilt?" (Diese Worte erklärt G. für erfunden.) Somit sei erwiesen, daß der Angeklagte eine Majcstätsbelcidigung und Aufforderung zum Ungehorsam beabsichtigt und daß er auch falsche Thatsachcn ver- breitet habe, um Staatseinrichtnngen verächtlich zu machen.— Wieder ergreift Glogauer das Wort und weist zunächst entschieden den Vorwurf zurück, daß der Inhalt des Buches mit den so- zialistischen Tendenzen etwas zu schaffen habe und überhaupt in seinem Sinne geschrieben sei. Trotzdem er schon mehr als hundert Reden gehalten habe, sei er noch niemals angeklagt tvordcn, woraus hervorgehe, daß es ihm nicht um Verhetzung, sondern nur um Aufklärung zu thnn sei. Er kämpfe aus wissen schaftlichcr Ueberzeugung, werde sich aber mit dem Herrn Staats anwalt über die Berechtigung der von ihm verfochtenen Theorien auf keinen Kampf einlassen, da hier kein politischer Fechtbodcu sei. Wenngleich er den Kern des Buches billige, z. B. hin- fichtlich der Militärfrage, so billige cr doch keineswegs die Form, welche ja allein strafbar gefunden werden könne. Häufig handle es sich um poetische Redensarten, noch häufiger um reine Phan- tasicgcbilde, die Niemand als baare Münze hinzunehmen brauche. Wäre irgend etwas in diesem Buche mit falschen Zahlen oder Trugschlüssen bewiesen, dann allerdings würde die Sache anders liegen. Die Schrift enthalte abep nur subjektive Aeußcrungcn eines Mannes, der durchaus kein Sozialist, sondern nur bür- gerlichcr Demokrat fei. Der Dolus könne ihm nirgends nachgewiesen werden, und deshalb bitte er, ihn freizusprechen. Nach i langer Berathung des Gerichtshofes wurde das Urtheil verkündet, welches auf Freisprechung lautete. In den Motiven hatte sich der Gerichtshof im Wesentlichen den Ausführungen des An geklagten angeschlossen. Bolkmarödorf. Quittung. Einnahme des KreiScomitss sür den 13. Wahlkreis. Conserenz Volkmarsdorf 3,84; vom Centralcomite! lt),13; v. T. in S. 50,00; Venammtung Taucha 0,68; Versammlung Zwenkau 9,10; Versammlung Zjchocher c,21; Versammlung Schönau 2,22; Versammlung Miltitz 2,70; Versammlung Liebertwolkwitz 3,61; Versammlung Thekla 5,62; do.„Nieder mit den Sozialdem." 4,33; Versammlung Volkmarsdorf 9.95; do.„Nieder m. d. Sozialdem." 3,00; Versammlung Schönefeld 5,53; do.„Nieder m. d. Sozialdem." 0,45; Versammlung Sellerhausen 7,02; Sammelbogen Nr. 1 2,65; do. Nr. 15 2,05; do. Nr. 25 7,25; Sa.: 144,00. Sollten sich Fehler eingeschlichen haben, so bitten wir, sofort zu reklamiren. Einige der Genossen haben Sammejbogen, die von uns ausgegeben, an das Centralcomitö abge- liefert, auch ist aus Verschen 1 Bogen von Stötteritz nach Hamburg gesandt. Mit bestem Gruß Dohne, Vorsitzender. Nagel, Kassirer.' Nachsteheude Slbristeu sind tuich die Exxctiti-n des„Vorwärts" in Leipzig, sowie durch die Expedinon d.r„Irnn, Presse" in B-rlm, Kaiser- sravzgrenatieipliitz 8», zu beziehen: Zlrinen- und Heintathsgesehsrbuuz...... 1. Mark Aufschlüsse über die badilche Nkvvlution von 1849.... Ardel, A., Unsere Ziele. 6. Auslage........ -- Bauerukrieg............ -- Die xarlamentarischc Tb ät, gleit des deutsche» Riick>«tag? und der Landtage und die Sozialdemolratie(1874—70) Atter, B., Der alte und der neue ZesuitwmuS..... —— Briefe deutscher Bettclpatrioten. 5 Lies...... -- Die Reaktion in Deutschland gegen die Revolution v. 1�48 -- Mißbrauch der, Nationalitäteulehre....... -- K. Fourier............... -- Geschichte derArbeilcr-Lgitanon F. Lassalle«. In 5 Lies. 4 -- Geschichte der revolutionären Pariser Commune 1789—94 Atter» I. PH., Wie und Wann?......... -- Vorbote. Soz.-pol. Monatschrist.<0 Jahrgänge, 1860 1871).............. Aergnimmi Auch. Bericht über den Delegirtentag sächsischer Berg, nnd Hültenordeiur zu Zwickau 1874.... Aloz, W.. linset: Prcßzukände.......... -- Blut und Eisen od. die Entstehung d. Krieges von 1800 -- Zur G>schich:e der Commune von Pan«..... -- Die Rerolution zu Mainz 1792—1793,.,.. Aorutlau, Religion und Sozialismus....... Arockr, W.. Ter Lassalle'sche Vorschlag........—.50. -- Nu der mit den Sc;ialdooiialdkm°lra!le..... -- Die Lösung der soziale» Frage........ (Oldenburg, Was wollen die Sozialdemokraten?..... Nlto-Walller, A., Allerhand Proielurier. Eine HauSgeschichte. --- Rienzi. Drama in 5 Auszügen........ -- Am Webstuhl der Zeit. Svz. Roman...... -- Eine mittelalterliche Internationale. Histvr. Novelle. -- Kraute Herzen........... phatographien: Auer, Bebel, Bracke, Bios,'Temmler, Dietzgen, Engels, Feuerbach, Fritzzche. Geib, A. Gogq, Hasenclever, Haffclmann, Hepner, Heß, Hcrwegh, Hirsch. I. Jacob?, Lassalle, Lange, Liebknecht, Marx, Most, Motteler, P,. Becker, Reimer, Vahlteich, Walstcr, Iorck, Garibaldi, Blanqni, Courbet, Crvmieux, DelcSeluze, Dom- browski, Ferrö, Flouren«, Leo Frankel, Marat Millidre, Owen, Raonl-Rigault, Rossel, Baillant in Vifitenlartensorma»».......... Photographien: Gruppenbilder(Tableaux) der sog. Wiener, Braunschweiger, Leipziger und Bester Hochverräther, von der Eourbet'schen Büste der„Didortö"(Freiheit) a -- in Kabinetformal ä............ -- in Groß- Folio(Lassalle, Bebel, Liebknecht) a.... preußischer Schnaps im deutschen Reichstage...... pressgefetz vom 7. Mai 1874........... Protokoll des Stuttgarter Kongresse« 1870...... -- des Dresdener Congresses 1871........ —— de« Loburger Longresse« 1874........ -- des Gothaer Congresses 1870......... -- Holzarbeitercsngreß zu Nürnberg 1873..... Protokoll, de« Schweizer Ärbeiter-EongresseS zu Ollen.. -- de« Schweizer Arbeiterbundes zu Winlerthar.... -— de« 3. Longresses de« Schwel;er'ichea Arbeiter- Bunde». Prozeß gegen Dr. H. Tauschinskt und 31 Genossen in Graz wegen Relizionsstorung und geh. so;.- dem. Äerbin- düngen................ prowe, John Onawatomie Brown, der Negecheiland... tOuiniesseuz des Zozialismus........... flaihgeber für«ewerdtreibendr........... l-eoidirte Landgemeindeordnung für Sachsen...... „ Ztädteordnung............. Viltinghauseu, Sozial-demokrauswe Abhandlungen, 5 Hefte. pohleder, die Pariser Commune vor der Deputirlenkammer in Versailles............... N-tel, Sachsen« Erhebung und das Zllchthau« zu Waldheim. Zack, Unsere Scholen im Dienste gegen die Freiheit.... -. 15. -. 05 10. —. 20. 1. 60. -. 20. -. 15. -. 10. 25. 25. -. 25. 1.—. -, 45. —. 50. 15. 10. 4. 80. -. 15. -. 15. -. 15. -. 75. -. 50. -. 50. 20' 40 50. 50. 50. 40, 10. 00. -. 25. -. ,16. -. 15. —. 25. —. 45. -. 15. —. 20. -. 50. 1.—. -. 20. —. 12. 1. 25. -. 75 —. 05 —. 05. —. 15. ' Sauerteig, Für Männr.chÜre I. BurdeSlied, 4 stimmig m. Panitnr 0,05, ohne Partitilur 11. Der w�bre Meusch„., 0,55,„ III. u. IV. Republik u d. Arbeltswann 1,50,„ V. An Michel, 4stimmig m. Partitur 0,75,„ VI Frühlingsgedanten„„ 0,80,„ VII. Sängermarsch„„ 1,50, Schramm, Giundzüge der Nationulülonomie, 1. Abth... -- Ein Won zur Verständtgung der sozialen Frage.. Schulze, 6., Der große Krach, ein Märchen für große und. kleine Kinder........... geb. broch. s Serno-Solowiemitsch, Unsere russischen Angelczeubeiten... Sozialistische Theaterstücke. Ne. 1: Ein Schlingel(die Rolle zu 5 Expl. M. 1.50) ä Nc. 2: Preßprozeffe zdie Rolle zu 7 Expl. M. 1.40) a Nr. 3: Em Opfer(die Rolle zu 20 Expl. Sßi 0.—) a Specht. Populäre EmwidlargSgesitichie de« Weltalls... Slaluten der Internationalen Arbeiter-Assoziation.... Strafgesetzbuch für da« deutsche Reich........ Tessendorf und die deutsche Sozialdemokratie...... Vahlteich, Der Deklamator. Hest 1, 2, 3 ä...... Verfassung 6c« deutschen Reiche«.......... Vogel, Äpotbcken-Monopol............. Vollisstael- Palender für 1874........... —— für 1875............... Volksstaat-Zremdniörterlmch........|• Lolksfchulgefetz für Sachsen............ Vollmar, G., Waldverwüftung und Ueberschwemmung... Wahre«ekalt des Chlistenthums.......... Wehnungsfrage. Ein soziale Skizze......... jDutlfcf, Die deutschen Zeitschriften(4 Lief, a 50 Pf.)... gorck. Die industrielle Arbeiierfrage......... Zimmermann, Psiissenpeitsche. 1. Bd......... —. 4 5. -. 40. 1. 10. —. 00. -. 00. 1.—. -. 25. -. ift —. 50. —. 40. -. 20, -. 35, -. 25. -. 40. 2. 50 J -. lÜ.j 1.—. —. 40. 15. -. 75. —. 00. -. 25. —. 25. -. 50. -. 65. 1.—. -. 15. —. 50 -. 201 o_«j 1. 60' Agenturen-Gesuch. In Folge meiner Thätigkeit für die Wahl Grillenbergers von meinen Arbeitgebern den Herren Ungar u. Schneider entlassen, suche ich Agenturen in gangbaren Artikeln. Ich würde auf Commission, wie gegen Baar beziehen, und bitte Parteigenossen und Freunde un- serer Sache, um gefällige Offerlen. Aug. Paschold, Maler. Gräsenthal b. Saalfeld, am Markt.1 15. 20. 10. 08 25. 30. 10. 15. 30. 15. 50. —. 40. -. 15. -. 20. —. 75. 3,—. -. 20. —. 15. 25. . 15. —. 75. -. 75. -. 30. -. 30. 15. •. 25 Briefkasten der Redaktion. Mai in Mannheim: Der Bericht ist eingelaufen und schon in Satz gegeben. Einzelexemplare der alten Agitations- nummern mir dem Aussatz:„Was wir wollen" sind nicht mehr zu haben, aber der Beweis, daß sie jahrelang unbehelligt blieben, ist leicht zu liefern. Erforderlichenfalls konnten die betr. Jahrgänge des„Volks staat" dem Gericht zur Einsicht gegeben werden.— P.' in Stuttgart: Mit der Erbschaft hat es allerdings seine Richtigkeit. Nur daß der Bc« treffende zum Glück noch am Leben ist und hoffentlich auch noch lange bleibt.— der Expedition. H. L. Halberstadt: Bestellung folgt pr. Nach« nähme. Reklamationen auf„V." übergeben der Hauptpost hier. Ter Cigarrenarbeiter Fr. FuchS aus Delitzsch wird zur schlei: nigen Regelung der Parlamentswahlkkassen-Gelder um seine Adresse er- sucht. Parteigenossen, welche den Aufenthalt des Fuchs kennen werden gebeten, dessen Adresse an Unterzeichneten zu übersenden.(Porto wird vergütet.) HB. Noch ist es Zeit, die betreffende Angelegenheit in Güte zu regeln. Adolph K u tz s ch e r, Cigarrenarbeiter, gr. Karlstr. 50, 2. Etage, Ottensen. 50. 80. 30. 60. 25. 15. 50. OO. 50. 40 30. 40. 30. Quittung. Exped. d.„Wahrheit" Breslau Ab. 828,84. Kllnr Saalfeld Ab. 3,00. G. Lnk Pieschen Ab. 15,00. Ptmnn Duisburg Ab. 3,00. Aug. Geib Hamburg Schr. 30,00. Zchrds Hermannstadr Ab. 5,00. Rtr Gelenau Ab. 3,70. Schlbch Lütge Ab. 0,50. Mhrs j Hanau Ab. 1,00. C. Vrtl Mähr.-Schönberg Ab. 3,23. Vllmth Am-! berg Ab. 3,00. Arbeiterverein Altschöneseld Schr. 2,50. Wllk hier Ab.) 2,25.' Brns hier Ab. 3,00. Schnzlr Budapest Schr. 4,80. S. Brty- Mainz Ab. 80,00. Rdl Zwickau Ann. 3,00. Wahlfonds. Vom der stenogr. und declamat. Section des Arbeitcrbildungs-! Vereins hier l,50. Bon Gesinnungsgenossen d. Willecke 2,00. Zwickau: � Bon vereinten Kräften durch K. 15,00. Liste 48 d. Sieber 2,25, Liste ! 35 d. Emil Ulbricht 1,15, Liste 7 d. Bruno Schräder 15,00. Gewerkschaft der Holzarbeiter. onnabend, den 17. Februar, Abends 8 Uhr, im -. 25. 25. 00 10. 25. 15. 20. 30. 30 20 25, 50. 30. —. 75. 1.—. 1. 20. 3. 50- —. 90- 1. 40 1. 80. —. 30. 1. 60. Leipzig. Thüringer Hof: Oeffentliche Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Berathung der Anträge zur Generalversammlung. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwartet D. B.(70 Mittwoch, den 14. Februar, Abends 8 Uhr, im Thüringer Hof: AuSschußsitznng. Alle am Platz. D. C.[30 (>ev»Vv»trt Reichstagswahlcomitö. Mittwoch, den 14. Februar, Abends>/,9 Uhr: Sitzung im Arbeiterbildungsverein.[60 Der Vorsitzende und Kasssrer des Krciswahlcomitüs sind dringenb zu dieser Sitzung eingeladen. Ter Vorsitzende. Donnerstag, den 15. Februar, Abends 1 29 Uhr, im „Thüringer Hof", Burgstr. 20: Oeffentliche Sozialistenversammlung. Tagesordnung:„Die Bedeutung der Presse", Vortrag v. B. Geiier. ! Fragekastendebatte. Ter Agent.[70 d7B. Tie Parteikarten sind vorzuzeigen. �-»'ürP Donnerstag, den 15. Februar, Abends sX�glUHjtUU.. 81/? Uhr, im Saale des Hr.?. Kuhlmann, Altemün,e 21: Oeffentliche Arbeiter-Versammlnng. Tagesordnung: Sozialpolitischer Wochenbericht. Verschiedenes. 70) P. Krowiarz. � Ottensen Montag, den 20. Februar, in Burmeisters Ärbeiterfest bestehend in Concert und Ball und arrangirt von den Sozialisten' Ottensens, unter Mitwirkung des Lttenser„Gesangvereins" und des Quartetts„Laffalea".(F. 241) Saalössnung 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Karten im voraus sind in den Mannten Wirthschaften und in allen Versammlungen zu haben für 1 Herrn nebst Dame 40 Pfennig (Kassenpreis 50 Psg), Damenkarte ä 20 Pfg.[3,00 Das Comtts. A u f s o e r u n g. Alle Diejenigen, welche Photographien von Hakenberger zum Verlaus erhallen haben, werden ersucht, das Geld und die nicht ver- kauften Photographien an K. Baumle, Genossenschaftsstr, einzusenden. Pforzheim, den 8. Febr. 1877.[150 Verantwortlicher Redakteur: W. Liebknecht in Leipzig.. Redaktion und Expedition Färberstraße 12/ll. in Leipzig. Druck und Verlag der Genossenschaf:« buchdruckerei in Leipzig