Erscheint in Leipzig Mittwoch, Freitag, Sonntag. ÄbonncnientSprcis inr ganz Deutschland t Ät. 00 Pf. pro Quartal. Monats- lübonncmcntS werden bei allen deutschen Postanstalten aufden 2. und 1. Monat, und auf den s. Monat besonders angenommene im Sönigr. Sachsen und Herzogth. Sachsen- Alwnburg auch aus den ltcn Monat des Quartals h. 54 Pfg. Inserate betr. Bersammlungcn xr. Pctitzeile 1» Pf., betr. Privatangelegenheiten und Feste xr» Petitzeile Z0 Pf. ZZestcUungen nehmen an alle Postanstalten und Bi ch Handlungen des In- u. Auslaufe.. Filial» Expeditionen. New-Porl: Soz.-demvkr. lhenesfkn- schaftsbuchdruckerel, 154 QIckrisxo f'.r. Philadelphia: P. Hast,«30 üorlst ZeU Street. I. Voll, 1129 Charlotte Str. Chicago: A. Laus ermann, 295 Division Street. San Franzisco: F. Entz, 418(Vh'ar- rell Street. London: Bändig, 5 Nassau Street, Miidleaex Hosxital. Gentral Grgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 22. Mittwoch, 21. Februar. 1877. tsam Höhere Rücksichten. Aus„höheren Rücksichten" hat bekanntlich der deutsche Bun- desrath beschlossen, der Einladung Frankreichs an das deutsche Reich Aur Beschickung der Weltausstellung, die im nächsten Jahre in Paris stattfindet, nicht Folge zu geben. Wir haben schon wiederholt erklärt, daß wir diesen Beschluß für einen höchst bedauerlichen halten, daß wir der Ucberzeugung sind, daß diese freiwillige Verbannung von dem großen in dustriellen Weltschauplatz schwer drückend auf der deutschen Im dustrie lasten wird— doch was nutzt unsere Warnung, sie wird von der Unfehlbarkeit, die nicht allein dem Pabste an- klebt, unbeachtet gelassen. lltun, wir können's ertragen— ob es aber auch die Heu- tigen Träger der deutschen Regierungen auf die Dauer ertragen können, ist eine zweite Frage. Als der Bunvcsrath die ablehnende Antwort gab, stützte er sich auf die schwankende Haltung von Italien, Oesterreich, Schwe- den und Norwegen, da stützte er sich ferner auf den allgemeinen Mißmuth, der sich kundgab, weil die Weltausstellungen so schnell auf einander folgten und die betreffenden Regierungen nicht vor- her sich mit den Nachbarregierungcn verständigten. Dieser Grund des Mißmuths ist berechtigt, wie wir auch schon früher zugegeben haben; die Weltausstellungen sind inter- national und so sollten auch die Vorbereitungen von den ver- schicdenen Völkern gemeinsam berathen und betrieben werden. Aber der vollendeten Thatsache gegenüber und in Anbetracht, daß die Franzosen nicht anders gehandelt haben, als vorher die Engländer, Oesterreicher und Amerikaner fallen all' die ange- gebenen Gründe in's Wasser, und nur die eine Frage ist maß- gebend: Hat die deutsche Industrie, die deutsche Arbeit Nutzen, wenn die Pariser Ausstellung beschickt wird? Und diese Frage wird von den meisten Industriellen, von allen Fachmännern und von allen wissenschaftlichen Autoritäten, Professor Reuleaux an der Spitze, mit Ja beantwortet. Triumphe würde die deutsche Industrie nicht feiern, aber sie würde lernen können und darauf kommt es vorzugsweise an. Eine falsche Scham muß man es deshalb nennen, wenn man sich, wie es von Seiten einzelner Industrieller geschieht, deshalb gegen die Beschickung der Ausstellung erklärt,' weil man nicht mit den Franzosen concurriren könne. Shin, zum Henker, wenn mir noch nicht mit dev großen Nach- barvölkern concurriren können, so wollen wir von ihnen lernen, daß wir baldmöglichst die Concurrenz mit Erfolg aufnehmen können. Aber höhere Rücksichten haben den Bundesrath be- stimmt!>k Welche höheren Rücksichten? Das sagt man nicht! Sagen wir es. Der alte Franzosenhaß, die Rivalität im Militärismus ist es, vor welchen die Rivalität in den Künsten des Friedens zu- rückstehen muß. Wo fortwährend die Drohung vorhanden ist, daß die Krupp schen Kanonen die Stimme des Friedens, der Vernunft über- tönen werden, da ist kein Raum für die Bestrebungen der Völker, mit Fleiß und regcin Eifer an ihrer Culwrentwickelung zu ar- beiten. Man wird entgegnen, daß Frankreich eben so sehr zur ewigen Kriegsdrohung beitrüge, als Deutschland. Nun gut! Aber zeugt davon denn die höfliche Einladung jur Weltansstellung? Liegt die Kriegsdrohung nicht vielmehr� in dem Ab- schlagen der Einladung? Deutet ein solches Verfahren die eminente Friedensliebe, deutet es auch nur die Kraft an, mit welcher unsere Patrioten fortwährend prunken? Keins von Beiden. Die„höheren Rücksichten" können uns, können Demjenigen nicht imponiren und noch weniger gefallen, der weiß, aus welchem Borne sie quellen. _ Ob der deutsche Reichstag auf die„höheren Rücksichten" Rücksicht nehmen wird? Wir glauben wohl, weil auch dort der kuror tentomcoB eine nicht seltene Erscheinung ist. Und das Schlimmste für den deutschen Bundcsrath bei der ganzen Ge- schichte ist, daß Deutschland in der Frage ganz isolirt dasteht. Italien hat zugesagt, die Weltausstellung zu beschicken; der deutsche Bundesrath blickte noch hoffnungsvoll aus Schweden, Nor- wegen und Oesterreich. Schweden und Norwegen haben be- schlössen, der Einladung gleichfalls Folge zu leisten. Des hohen Bundesraths einzige Hoffnung blieb Oesterreich. Der Ausschuß des österreichischen Abgeordnetenhauses beschloß, die Ausstellung nicht zu beschicken— der deutsche Bundesrath war obenauf, und die Reptile gaben ihrem Franzvsenhaß jubelnden Ausdruck. Da geschah das Unerhörte. Das österreichische Abgeordneten- haus war klüger als sein Ausschuß nnd beschloß mit Majorität unter Zustimmung der Regierung gegen den Aus- schuß die Beschickung der Weltausstellung zu Paris. Deutschland steht nunmehr völlig isolirt da— und was das Schlimmste ist: ein derartiger Groll gegen Frankreich ist völlig ohnmächtig, ja er verzehrt den eigenen Leib. Tic deutsche Industrie ist krank, die deutsche Arbeit liegt darnieder— anstatt sie in die frische Luft zu senden, damit „ cn ihnen eingehaucht werde, halten die„klugen" beut- f'e zurück in der verpesteten Krankenstube! Kluge Aerzte das!— Armes Deutschland! Aus Großbritannien. Edinburgh, 12. Februar 1877. Tas Parlament wäre also wieder eröffnet und somit manchem lange und schmerzlich verhaltenem Redewässerlein freier Lauf gegeben. Die sogenannte„Thronrede", deren Verlesung„Ihre Majestät" auch heuer wieder in höchst eigener Person vornahm, war diesmal außergewöhnlich armselig und unerquicklich. Nichts- destoweniger ist in derselben eine �Vereinfachung und Verdes- serunq der Fabrikgesetze" und eine„Regulirung der summari- schen Jurisdiktion der Magistratsrichter" versprochen, zwei Punkte, welche im parlamentarischen Programme der Gewerkschaftler stehen. Auch die Gesetzesvorlage bezüglich der Ccntralisirung des Gefängnißwesens in den Händen der Regierung soll diese Session wieder vor's Parlament gebracht werden, anknüpfend an welche Vorlage die Arbeiter nicht versäumen werden, ihren Wünschen bezüglich Regulirung der Gefängnißarbeit Nach- druck zu verschaffen. Conservative wie Liberale haben übrigens heuer ausnahms- weise günstige Gelegenheit, die soziale Gesetzgebung im Innern durch Rodomontaden über die orientalische Frage zu vertrödeln und niederzuschwätzcn. Der Ausfall der Wahlen in Deutschland scheint übrigens auch den Führern der englischen Trades-Unions zu denken ge- geben zu haben. In der„Jndustrial Review"(seit Neujahr hat der„Beehive" diesen Namen angenommen und seinen Preis verdoppelt) wurde schon einige Male darauf hingewiesen und die Haltung der deutschen Arbeiter den englischen zur Nachahmung empfohlen. Neuerlich nimmt dieses Blatt, iudem es die Nachricht bringt, daß die gegenwärtigen Vertreter von Halifax und Newcastle-ander-Lyme auf ihre Parlamentssitze zu verzichten gedenken, Gelegenheit, darauf hinzuweisen, daß dies der gün- stigste Moment sei, um zwei Arbeitervertreter in's Parlament zu bringen, indem an beiden Orten Pas Arbeiterelement den Ausschlag zu geben in der Lage wäre; besonders in Halifax sei die Arbeitermajorität ganz unbestritten und, wie der Leader des„Jndustrial Review" sagt,„wenn die Arbeiter selbst die Macht hätten, im ganzen vereinigten Königreich einen Ort zu wählen, an tvelchem die Schlacht zwischen Kapital und Arbeit geschlagen werden solle, ein besserer Platz als Halifax könnte nicht gefunden werden." Die Ursache, warum die Arbeiter Englands bis jetzt nicht mehr Vertreter ihrer Klasse m's Parlament gesandt, verstehen die Führer entweder nicht, oder lassen sie geflissentlich unberührt. Es fft einfach die, daß die Arbeiter trotz ihres entschiedenen Klassenbewußtseins bis jetzt»och nicht dahin gekommen sind, dieses Klassenbewußtsein durch Formirung einer selbstständigen, sozialpolitischen Partei offen zum Ausdruck zu bringen. So lange die„radikalsten" der Gewerkschaftsführer im Programm des Liberalismus das höchste des Erstrebeus- werthen und Erreichbaren auch für die Arbeiter Großbri- tanniens finden, wird es ihnen nicht gelingen, den Arbeitern plausibel zu machen, daß es gerade Arbeiter sein müssen, die sie zu wählen haben. Daß man im englischen Parlamente für die Fabrik- Gesetzgebung Experten aus Arbeitcrkreisen brauche, ist nicht wahr; die Herren Großfabrikanten, die dort sitzen kennen die Wünsche und Bedürfnisse ihrer Arbeiter gerade so gut, wie diese selbst. Warum man Arbeiter im Parlamente braucht? Weil den besitzenden Klassen der Wille fehlt, Gesetze zu Gunsten des arbeitenden Volkes zu machen. Das getrauen sich aber die Herren Arbeiterführer nicht auszusprechen; ander- seits haben die gegenwärtigen Vertreter der Arbeiter im Parla- ment, die Herren Macdonald und Burt, durchaus nichts ge- than, was sie von den liberalen Volksvertretern gewöhnlichen Schlages vortheilhaft abstechen ließe. Besonders der erstgenannte ist sichtlich bemüht, den Kapitalparlamentlern abzulauschen, wie sie sich räuspern und wie sie sich spucken. Leider ist er bei seinen Copirversuchen immer so unglücklich, daß er sich trotz seiner Gelehrigkeit die Gunst seiner Vorbilder nicht zu erringen ver- mag. Daß zwischen Kapital und Arbeit, und folglich deren Vertretern ein tiefer, unversöhnlicher Gegensatz besteht, getraut sich Keiner auszusprechen. Wenn aber die Herren Arbeiterver- tretcr im Parlament nichts Besseres zu thun wissen, als so har- mpnisch wie möglich mit den liberalen Wölfen zu heulen, was Wunder, daß die Arbeiter die brennende Nothwendigkeit von Arbeiterdeputirten nicht empfinden? Die Herren Gewerkschaftsführer treiben die politische Heuchelei so weit, daß sie nun schon zweimal öffentlich gemeinsam mit den jungen Pfaffen Londons öffentliche Versammlungen abgehalten haben,„um dem heranwachsenden Klerus auf dessen Verlangen über das Wesen der Trades-Unions Vorträge zu halten," als ob diese Herren Seelenhirten nicht auch auf anderem Wege im Stande wären, sich die gewünschte Belehrung(wenn sie einer solchen überhaupt bedürfen) zu verschaffen. Es ist klar, daß es im Interesse der Pfaffen liegt, ihren Arbeiterpfarrkindern glauben zu machen, daß sie mit deren Gewerkschaftsführern auf vertrau- tem Fuße stehen; es kann das nur dazu beitragen, ihren Nimbus in den Augen der benebelten christlichen Heerde wo- möglich noch heller strahlen zu machen. Was aber die Gewerk- schaftler ihrerseits von einer öffentlichen Assozirung mit dem Pfaffenthum gewinnen wollen, ist für Unsereinen schwer erfindlich. Die englischen Gewerkschaften sind stark genug, ihre Stellung auch ohne den allerdings mächtigen Einfluß der hochkirchlichen Geistlichkeit und wenn nöthig, auch gegen diesen zu behaupten. Es kann dieser betrübenden Erscheinung leider nichts anderes zu Grunde liegen, als(da Religiosität in England das erste Erforderniß zur„Anständigkeit" ist) die Sucht der Herren Führer, in den Augen des goldenen Kalbes„anständig", Parlaments. und gesellschaftsfähig zu erscheinen. Und durch deu Wunsch allein sind sie es auch. A. Sch. Sozialpolitische Uebersicht. — Arbeit oder Brod! In einer der Vorstädte Berlins kam es den 15. d. M. Abends zu einer Zusammenrottung beschäftigungsloser Arbeiter. Die Polizeibeamten, welche die Leute vertreiben wollten, wurden mit dem Rufe empfangen: Arbeit oder Brod! Man sah, so berichtet unser Berliner Partei- organ, mehrere verdächtige Gestalten, deren Hände nicht gerade Verwandtschaft mit Proletaricrhänden zeigten, eifrigst unter dem Haufen wühlen; Niemand kannte sie, jedoch waren die von hungrigen Mägen gepeinigten Arbeiter halb und halb geneigt, : ihren unverantwortlichen Provokationen Gehör zu schenken, und wer weiß, was geschehen wäre, wenn nicht etliche Sozialisten vorübergekommen wären und die Leute zum Auseinandergehen bewogen hätten. Es st schon wiederholt bemerkt worden, daß sich bald hier bald dort höchst verdächtige Elemente zeigen und die � mit Recht über die herrschenden Verhältnisse unzufriedenen Ar- beiter zu Gesetzesübertretungen aufzustacheln suchen. Möge man sich vor diesen Kreaturen, deren bodenlose Niedertracht nur durch die raffinirte Bosheit ihrer Austraggeber übertroffen werden kann, ernstlichst hüten. Sie sind die Werkzeuge derer, welche nichts sehnlicher wünschen, als daß die Beschäftigungslosen rebel- liren, damit sich Polizei- und Militärgewalt einmischen und das Unheil einen ganz ungeheuerlichen Charakter annehme— damit im Trüben gefischt werden kann!! — Roheit und Uebcrmuth der„Gebildeten". Das langjährige Leiborgan des Fürsten Bismarck, die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", sagt in einem Artikel über die Entenzucht wörtlich:„Die Federn der Enten haben wenig Werth; sie können nur zu Betten für Knechte und Mägde ver- wendet werden, wenn sie erst weiter vorbereitet wurden." Dazu bemerkt unser Chemnitzer Parteiorgan:„Mit einer solchen Roheit und mit einer solchen cynischen Offenheit kann sich der Dünkel der„Auserwählten" kaum zur Zeit des Bauernkrieges geltend gemacht haben. Man mag daraus ersehen, in welchen Vorurtheilen die herrschenden Klassen befangen sind."— Ganz recht. Und dieselbe„Norddeutsche" beschuldigt uns der„Auf- rcizung" des Volks. Wir können dem sauberen Blatt versichern, der eine von ihm verübte Satz, den wir vorstehend abdruckten, ist„aufreizender" als alle je veröffentlichten Leitartikel aller so- zialistischcn Blätter zusammengenommen. Nur weiter so! Die Ernte loird der Aussaat entsprechen. — Auch ein Zeichen der Zeit. In Bauchköbel(bei Hanau) hat sich, wie verschiedene Blätter berichten, herausgestellt, daß die größere Anzahl von Mitgliedern des Kriegcrvereins für die Sozialdemokratie inehr Neigung hat, als für den National- liberalismus. Bei der nochwendig gewordenen Abstimmung darüber, ob die sozialdemokratischen Mitglieder auszutreten hätten oder der Verein auszulösen sei, ergab sich eine so große Mehr- heit für die Sozialdemokraten, daß die nationalliberalen Mit- glieder sich genöthigt sahen, ans dem Verein auszutreten, wäh- rend die Sozialisten den Beschluß faßten, den Verein fortzu- sichren und zu diesem BeHufe alsbald einen Vorstand wählten. — Also fängt auch das sozialistische Gift an, auf die Krieger- vereine herabzuträufcln, auf dieselben Kricgervercine, die doch dazu berufen sind, den(Mords-) Patriotismus zu pflegen w.! Da bleibt freilich schließlich nur noch Flinte, Säbel und Riesen- kanone übrig, nm die Anhänger der Bismarck'schcn„verbrechen- schen Thorheit" und Eulenburg'schcn„verrückten Schwärmerei" unschädlich zu machen, denn nirgends ist man mehr vor ihnen sicher. Da aber auch dieses Mittel kaum noch durchführbar ist, so wäre gewiß wieder einmal eine„Sündsluth" nöthig, um die sündige Menschheit zu verderben und die paar Auserwählten des Herrn als Stammväter eines neuen besseren Geschlechts zu erretten! — Welche„Schindluderei" man mit dem Namen des großen Agitators Lassalle treibt, geht aus folgender Cor- respondenz hervor, die der liberal-conservative„Hamburgische Correspondent" sich aus Altona noch vor der Wahl schreiben ließ:„Dem bevorstchnden Wahlkampfe wird insofern eine be- sondere Beachtung geschenkt werden müssen, als diesmal die von der sozialistischen Partei abgefallenen Anhänger der rein Las- sallcanischen Lehre für ihren Candidaten Röthing aus Leipzig alles Gewicht in die Wagschaale zu werfen�bemüht sind, der im vorigen Wahlgange kaum einige hundert Stimmen auf sich zu vereinigen vermochte. Wenn die kürzlich stattgehabte Volksversammlung, in welcher Herr Röthing seine Candidaten rede und das Programm seiner Partei darlegte, den Zweck hatte, zugleich Heerschau über die Anhänger dieses Programms zu halten, so kann der spärliche Besuch der Versammlung den Candidaten über die Aussichtslofigkeit seiner Mitbewerbung gegenüber der compacten Masse, welche hinter seinem sozialisti- schen Concurrenten steht, nicht wohl getäuscht haben, wie denn auch der Schluß der Rede die Hoffnungslosigkeit eines für dieses Mal zu erringenden Erfolges hinlänglick durchschimmern ließ und mehr nur der Hoffnung Ausdruck gab, daß die durch die in Scene zu setzende Agitation in weitere Kreise getragene Lehre der zur Zeit noch numerisch schwachen Partei weitere Anhänger erwerben und namentlich dazu beitragen werde, die fälschlich sich Lassalleancr nennende, jedoch auf dem Boden der Internationale stehende Arbeiterpartei zu dem ursprünglichen Programm ihres � Begründers zurückzuführen. Wer durch die seit langer Zeit hier tonangebende internattonale Sozialistenpartei in den Volksver- sammlungen nicht nur an die ärgsten Jnvckttvcn gegen die libe- � ralen Parteien gewöhnt und durch die alles Gefühl für Vater- land und die heiligsten Bande der Familien schmähen- den Expectorationen angeekelt war, dem konnte die jach- liche Behandlung der Gegensätze und die Hochhaltung der na- tionalen Einheit, wie sie in der Wahlrede des Candldaten ' Röthing und in noch entschiedenerer Weise in dem Vortrage oes diesem folgenden Redners zum Ausdruck kam, nur woyltyuuiv sein, da dieser in höchst eindringlicher Weise die VaterlancS losigkeit der anderen sozialistischen Partei nnd ihre verbreche- rische Mißachtung alles dessen, was den Menschen für heilig gilt, geißelte. Das Programni der Partei, das in dem ersten Punkte den auf die Herbeiführung und Befestigung der Einheit unter den deutschen Stämmen gerichteten Be- strebungen allen Beifall schenkt, verlangt ferner die Erweiterung des allgemeinen und direkten Stimmrechts auf alle Wahlen, die Communaltvahlen eingeschlossen, und zwar vom 20. Lebensjahre an und plaidirt in seinem dritten Punkte statt für ein stehendes Heer für Einführung der Völkswehr nach schweizerischem Muster und schließt behufs Befreiung der Arbeit von dem überwältigen- den Drucke des Kapitals mit der Forderung von Produktiv- Associationen mit Staatshilfe, weist aber alle anderen überschivänglichen Forderungen der internationalen Ar- beitervartei weit von sich. Da von den liberalen Parteien schon seit langer Zeit denjenigen Forderungen der Sozialisten, welche den Anspruch auf Verwirklichung zu erheben haben, alle Beach- tnng geschenkt ist und dem weiteren gesetzlichen Schutze der In- teressen des Arbeiterstandes innerhalb der möglichen Grenzen, von vornherein jede Sympathie gewiß ist, so würde eS immerhin erfreulich sein, wenn durch das Erstarken der anti internationalen Arbeiterpartei mit ihrem zum Theil doch discutablen Programm der Boden für ein Vernehmen gefunden werden könnte, der für eine Verständigung mit den utopistischen For- derungen der internationalen Soziall st en von vornherein fehl t." Wir haben den Verdächtigungen gegen uns, den Tiradcn der „rein Lassallcanischen" Partei gegenüber nur eins zu bemerken: Lebte Lassalle noch und es besuchte ihn der Altonaer Correspou- dcnt des„Hamburgischen Correspondentcn" und der Herr Nö- thing, so würde er bei guter Laune zu denselben sagen:„Aber Freunde, ich kann doch nicht Jedem eine Stalllaternc in den Kopf hängen."— Bei schlechter Laune würde er ihnen aber seinen Bastiat-Schulze um die Ohren schlagen mit dem Zornes- ruf:„Habt Ihr nicht einmal dies gelesen?!" — Aus Kempen in Posen wird uns mitgctheilt, daß in Oberschlesicn zwei, in Mochbern bei Breslau eine Person durch Patrouillen und Posten, welche die verschiedenen Distrikte der Rinderpest wegen absperrten, erschossen worden sind. Der betreffende Mann bei Mochbern war taub und konnte deshalb den Ruf des Postens nicht hören. — Aus Wiesbaden wird uns berichtet, daß ein Mühlen-) besitzer denjenigen seiner Arbeiter, welche Schulze-Delitzsch ihre Stimmen geben wollten, einen halben Tag frei gab; einem Ar- bester, der frei heraussagte, daß er Jacoby gewählt habe, wurde ein halber Tag von dem Arbeitslohne abgezogen. — Dänemark. Die in vorvoriger Nummer erwähnte Ar- beiterdeputation hatte am 8. Februar eine Audienz beim Präsidenten des Ministeriums. Derselbe erwiderte auf die be- kannten Anträge der Deputation, daß er bedaure, der in der That herrschenden Arbeitslosigkeit nicht durch die Vornahme ver- schiedcner Bauten abhelfen zu können, nachdem der Reichstag den bezüglichen Regierungsanträgen kein Gehör geschenkt habe. Die Unterstützung Hilfsbedürftiger sei Sache der Communcn und der Unterstützungsvereine, erst wenn diese nicht mehr im Stande seien, die Ausgabe zu bewältigen, könne die Frage an die Staats- lasse herantreten, helfend einzuschreiten. Was sodann die Fort- schaffung der überflüssigen Arbeitskraft durch Auswanderung an- betreffe, so würde er i der Minister) hierauf gern eingehen, wenn er mit den Antragstellern über die Voraussetzung einig sei, daß das Land übervölkert, so daß es der Bevölkerung nicht mehr hinreichende und hinreichend lohnende Arbeit zu schaffen ver- möge. Das Land sei jedoch nicht übervölkert, wie die fort- dauernde Einwanderung fremder Arbeiter beweise. Schließlich drückte der Minister die Hoffnung aus, daß die Arbeitslosigkeit bald beendet sein möge.— Also auch hier abgewiesen! Es war nicht anders zu erwarten. In den Aeußerunzen des Herrn Ministers steckt viel Confusion. Erst erkennt er die Arbeits- losigkeit als bestehend an, dann leugnet er, daß das Land„über- völkert", das heißt, wie er selbst es definirt, außer Stand sei, der Bevölkerung ausreichende und ausreichend lohnende Arbeit zu schaffen. Wenn das Land i m Stand ist, dann herrscht keine Arbeitslosigkeit; und wenn Arbeitslosigkeit herrscht, dann ist das Land auch außer Stand. Der Mann muß das Abspeisen mit leeren Redensarten noch lernen. Genug: die dänischen Arbeiter mögen forthungern! — OrdnnngSbestien. Nach einer Mittheilung der„Menschen- rechte"(in einer der letzten Nummern) gelang es vor einigen Monaten dreizehn Deportirten in Neucaledonien sich eines kleinen Dampfers zu bemächtigen und zu entfliehen. Sie wurden s Wir ersuchen das„Bulletin" der Jurassier, welches hieraus aber von einem Kriegsschiff eingeholt und zurückgebracht. Gleich gegen die Person Bürger Greulich's Kapital schlug, von dieser nach ihrer Ankunft ließ der Commandant der Insel Noumea Berichtigung Notiz zu nehmen.) jedem der Unglücklichen vierzig Peitschenhiebe(conps Ebenso gehört das„Aargauer Wochenblatt" der dcmokrati- icke oorcke— eigentlich Hiebe mit einer Art Knute aus dünnen schen Richtung des aargauischen Kulturkampfes an(hier giebt Stricken bestehend) ertheilen, und schickte sie dann vor das! es nicht einmal eine demokratische Partei, geschweige denn eine Kriegsgerichts Was dort aus ihnen geworden ist, wissen wir sozialdemokratische); ein Arbeiterblatt ist es aber auch nicht. nicht. Die Sache soll in der Kammer zur Sprache gebracht Es ist hier jedenfalls eine Verwechselung mit dem„Lenzburger werden. Dieser schmachvolle Vorgang liefert aber einen neuen Boten", von dem der„Landbote" schrieb, daß er„mit vollen Beweis dafür, daß die herrschende Klasse durch die Logik ihrer Segeln zu den Sozialdemokraten hinüber schiffe". Also auch eigenen Ungerechtigkeit in worfen wird. die scheußlichste Barbarei zurückge- — Die orientalische Frage ist durch den plötzlichen Sturz Midhat Pascha's, dem Rußland seine kolossale diploma- tische Niederlage verdankt, keineswegs ihres drohenden Charakters entkleidet werden. Mag kommen was da wolle, Rußland, will es nicht sein ganzes Prestige(Zauber des Namens, Einfluß) verlieren, muß zum Krieg schreiten. Aber— die(türkische) dieser kann ohne Weiteres noch nicht zu unserer Presse gezählt werden. Der„Pädagogische Beobachter" ist allerdings in der Sache freundschaftlicher Weise geschrieben, das kann man aber auch noch von anderen Lokalblättchen sagen, z. B.„Bülacher Wochen- zeitung",„Winterthurer Volksblatt" u. s. w., in welche Klasse aber auch der„Lenzburger Bote" gehört. Was nun den„Winterthurer Landboten" betrifft, so ist die Redaktion sozialdemokratisch, allein es ist zu beachten, daß die Flinte schießt, der(türkische) Säbel haut!— Statt uns in Be- j 6000 Abonnenten und 20,000 Leser desselben zum kleinsten Theil trachtungen einzulassen, die wir doch, wie Bismarck sein letztes Sozialisten sind. Der„Laudbote ist eben ein verbreitetes parlamentarisches Biergespräch, mit dem Geständniß schließen Schweizerblatt, und den meisten seiner Leser ein unentbehrliches müßten, daß wir nichts wissen, geben wir nachfolgenden Auszug Tagblatt. aus einem Privatbrief(von kundiger Seite): Hätte die„Tagwacht" 6000 Abonnenten statt nur etwa 2000, „Die Midhat- Pascha- Jntrigue(von Jgnatieff vermittelst und könnte sie daher entsprechend mehr bieten, so würde die seines Verbündeten, des Vicckönigs von Egypten, in Szene ge- � Sache schon ein anderes Gesicht haben, aber das ist eben nicht rasch geschähe, die Russen können vor Mai nichts Entscheidendes des Arbeitcrbundes; der„Grütliancr" in Winterthur, Organ anfangen und fänden dann eine resolute Regierung sich gegen- der Grütlivercinc; ferner die Vertreter der„anarchischen" Rich- über, die weiß, was sie will. Midhat hat ein paar sehr gute tung: das„Bulletin", Organ der Jura- Föderation(in Sou- Witze gemacht. Als er noch Bali(Civil- und Atilitärgouoer- villier), und die„Arbeiterzeitung" in Bern, welche keiner spe- neur) von Bulgarien war, kam der Hohenzoller Karl einmal j zicllcn Organisation angehört. nach Giurgcwo, um dort seine paar Paradesoldatcn zu inspiziren. Ein Adjutant Midhat's kam von Ruschtschuk herüber, brachte ihm Midhat's Complimentc und bat ihn, ob er nicht auch der türkischen Garnison von Rustschuk die Ehre erweisen wolle, die Parade abzunehmen, zu der sie bereits aufgestellt sei. Karl ging herüber und fand— eine prächtige, wohldisziplinirte und aus- gerüstete Truppe, gegen die seine Walachcn wahre Jammcrkerls waren. Mit ellenlangem Gesicht ging er wieder über die Donau. Ebenso jetzt auf der Conferenz, als Salisbury dem Midhat feierlich auseinandersetzte, Montenegro müsse doch eine Grenz- berichtigung und einen Hasen haben. Oh, sagte M., dagegen habe ich nichts, ich bin ganz einverstanden, daß sie die Bocche di Cattaro bekommen. Salisbury, der von der Lage von Cat- taro ungefähr soviel weiß, wie etwa der gelehrte Mac Mahon, theiltc diese Nachricht ganz entzückt seinem Freunde Jgnatieff mit.— Ja, sagte Dieser, aber die Bocche di Cattaro gehören ja Oesterreich!" — Aus Teuchern wird uns mitgethcilt, daß Parteigenosse Otto wegen unerlaubten Collektirens(Tellersammlnng) in einer Versammlung eine Strafoerfügung von 15 Mark erhalten hat. Derselbe wird natürlich die richterliche Entscheidung anrufen. Das preußische Obertribunal hat nun schon zu wiederholten Malen entschieden, daß derartige Tellersammlungcn nicht unter die Rubrik:„Unerlaubte Collckten" zu bringen seien. Wenn werden die preußischen Verwaltungsbehörden endlich einmal diesem Bescheid Rechnung tragen? Daß sie an Ansehen nicht gewinnen, wenn sie auf solchen Einwand sagen, sie kennen die ObertribunalSentscheidung nicht, versteht sich wohl von selbst. Allerdings fühlen wir uns nicht berufen, das Ansehen dieser Herren zu schützen, doch möchten wir unsere Parteigenossen vor überflüssige Scherereien bewahren. — Aus Königsberg erhielten wir die Nachricht, daß unsere Parteigenossen Grigatis und Arnoldt als Vorsteher des dortigen sozialdemokratischen Vereins vom Stadtgericht freigesprochen find und die Schließung des Vereins aufgehoben wurde. — Vom Bundescomitv des Schweizerischen Arbeiter- bundcs erhalten wir folgende Zuschrift: Winterthur, 11. Februar 1877. Im Anfang des Monats Januar brachten Sie in Ihrem werthen Blatte eine Corrcspon- denz, betreffend unsere sozialdemokratische Presse. Tarin sind einige Unrichtigkeiten, die wir hiermit verbessern wollen. Der„Freie Glarner" ist nicht das Organ der dortigen Ar- beiter, sondern ein echt„liberales" Blatt.(Hier bemerken wir, daß Bürger I. H. Staub, welcher zum Redakteur der„Tag- wacht" vorgeschlagen wurde, für dieses liberale Blatt schreibt. Seine Wahl wäre daher ein Rückschritt gewesen, und die Stimm- gäbe der Genfer Genossen kann nur auf Unkenntniß beruhen. Wir können daher noch nicht mit Stolz auf unsere Sache zurückblicken, abgesehen davon, daß es bei uns mehr als an jedem andern Orte heißt:„Schau vorwärts, Werner, und nicht hinter dich!" Mit parteigcnössischem Gruß Namens und im Auftrage des Bundeskomitv des Schweizerischen Arbeiterbundes Der Sekretär: Herter. — Unser amerikanisches Parteiorgan, der täglich in Riesen- iormat erscheinende Chicago'er„Sozialist", besitzt seit Anfang dieses Monats ein Sonntagsblatt(in gleichem Format) betttelt:„Tie Neue Zeit". Glück auf! Correspoudenzen. Attourt. Der Sieg ist trotz der Riesenanstrengungen, welche unsere Parteigenossen gemacht haben, wieder zweifelhaft ge- worden; unsere Gegner haben sich gleichfalls tüchtig gerührt und waren in der Wahl ihrer Mittel gerade nicht fein säuberlich. Das definitive Resultat ist: Hartmann 13,157 Stimmen, Carsten 13,099 Stimmen und auf Herrn Röthing fielen 96 Stimmen; es zersplitterten sich 31 Stimmen. Also Stichwahl zwischen Hartmann und Carsten. Ueber 85 Prozent der in den Wähler- listen Eingetragenen haben gestimmt. Nun gilt es noch einmal! Parteigenossen allerorts, thut jetzt Eure Pflicht für Altona, das uns nimmer verloren gehen darf, thut sie in erhöhtem Maße. Geldsendungen nimmt das Wahleomite, Adresse: Lensch, Holstenstr. 43 I, Altona, entgegen. Aus Holstein, 6. Februar. Der 10. Januar war für das Proletariat Holsteins kein bedc.'.tcnder Siegestag. 1874 hatten wir zwei Wahlsiege zu verzeichnen, jetzt nur einen. Der Grund dieses Rückschritts ist größtcutheils, daß der Arbeiter in vielen Theilen unseres Landes nicht wählen kann, wen er will, sondern wählen muß, den er soll; und falls er dennoch einem Sozial- demokratcn seine Stimme giebt, einfach fortgejagt wird. Diese elende Waffe unserer Gegner kann uns nicht abschrecken, sondern uns nur mit neuem Kampfcsmuth erfüllen. Vor uns steht bereits ein neues Ziel, die nächste Rcichstagswahl; ihr müssen wir wieder unsere ganze Kraft zuwenden, von neuem müssen wir unsere Mitmenschen aufrütteln, sie zum Bewußtsein ihrer Lage bringen und sie auffordern, mit uns an der Befreiung der Menschheit, an ihrer eigenen Befreiung thätig zu sein. I. B. Aus dem 9. schkeswig- horsteinischen ZöalMreife. Bei der Reichstagswahl am' 10. Januar 1874 wurden im Ganzen abge- geben 15,400 Stimmen, von denen 176 Stimmen ungiltig waren. Es erhielten Stimmen: Reimer(soz.) 8098, Seelig(fortschr.) 6871, Rehder(Landespartei) 240, zersplittert waren 23Sttmnlen. Am 10. Januar 1877 war die Zahl der Wähler 22,183, die Zahl aller abgegebenen Stimmen war 15,315, von denen 35 ungiltig waren. Es erhielten Stimmen: Graf von Holstein- Eine geschichtliche Berichtigung. (Schluß?) Ich sehe ab von dieser Ungeheuerlichkeit, die keinen Protest in einer Versammlung hervorrief, welche eine beträchtliche Zahl von Magistratspersonen in ihrer Mitte hatte, hervorrief: ich meine den Befehl, einen Menschen auf das einfache Wort eines andern hin zu erschießen, der zugleich Richter, Partei und Straf- Vollzieher ist. Wenn Herr Gambetta wirklich, wie er sagte, die Hände voll Beweise hatte, warum veröffentlichte er sie nicht? Die moralische Verurtheilung wäre viel vernichtender gewesen, als die physische. Und schließlich schloß die eine die audere nicht aus. Nun, hier sind Beweise: Sorbier, der Chefredakteur des „Peuple"(„Volk") in Marseille schreibt: „Eine der mit Verhaftung Cluserets beauftragten Gerichts- Personen befand sich eines Abends in einem Hause, wo auch ich war. Man sprach von den neuesten Ereignissen und der Be- treffende erklärte, wenn auch in gemessenen Ausdrücken, daß Clu- seret die Seele, das Rückgrat der Oktoberbeweguug(während der Belagerung von Paris) gewesen sei; darauf kam er auf die Anklage zu sprechen, welche Gambetta gegen ihn geschleudert hatte und sagte, er habe die famosen Beweise in der Hand in Gestalt zweier Briefe von Cluseret. „Ich kannte ihn als einen Ehrenmann, und sagte ich zu ihm ohne Umschweife: „Sie suchen Cluseret, ich weiß, wo er ist; zeigen Sie mir seine Briefe, liefern Sie mir Beweise, und mit Hilfe einiger dieser Leute von der Bürgerwehr, die man so sehr fürchtet, führe ich Ihnen Cluseret an Händen und Füßen gebunden herbei." „Darauf antwortete die Gerichtspersou: „Ich habe nicht die Möglichkeit, Ihnen diese Briefe zu zeigen.— Mar�hat sie mir wieder abverlangt,— aber, wie es scheint, kennen Sie die Handschrift Cluseret». Können Sic mir vielleicht einige von ihm geschriebene Zeilen zeigen?" „Sehr gern, kommen Sie morgen auf das Bureau des „Peuple", dort werde ich Ihren Wunsch erfüllen." „Die Gerichtsperson kam zum Stelldichein, prüfte mit Muße verschiedene von der Hand Cluserets geschriebene Dokumente und nach vollendeter Prüfung rief er vor Zeugen aus:„Nein, das ist nicht die Handschrift der Briefe, welche ich in Händen gehabt habe." „Was die in Frage stehende Gerichtsperson anlangt, so ist sie heute Abgeordneter für Marseille; man kann sich bei ihm er- kundigen, es ist der Bürger Bouchct. „Jetzt, fügt der Freund Cluserets hinzu, fragt es sich, ist es möglich, daß ein Mann, der bis zu einem Alter von 47 Jahren überall als ein Muster von Rechtschaffenheit galt, dessen streng sittlicher Lebenswandel in des Wortes strengster Bedeutung sich nicht einen Tag verleugnete, der stets arbeitete und knapp von dem lebte, was er verdiente, der Vermögen, Familie, Carriere, alle Neigungen und Beziehungen einer Sache geopfert hat, die nicht die seinige ist,— denn er hatte keinerlei Ursache, mit dem Platze, den ihn der Zufall seiner Geburt gegeben, unzufrieden zu sein— der 30 Tage auf seine alleinige Unterschrift hin, ohne Controle, über beinahe 20 Millionen verfügte und dabei nicht reich wurde, der die Gewissenhaftigkeit soweit trieb, im Ministerium den alten Kassirer beizubehalten und aus der per- sönlichen Kasse des Ministers— 40,000 Frcs. jährlich— alle Bedürfnisse des Ministeriums während der 30 Tage mit 1500 Francs bestritten hat(man kann diesen Kassirer fragen, der sicherlich kein Communard ist): wie ist es möglich, daß ein sol- cher Mann von heute auf morgen fähig werden soll, sich zu verkaufen? Ohne uns mit der politischen Frage, ohne uns mit den Ereignissen, welche den Rahmen dieser Vorgänge bilden, zu beschäftigen, überlassen wir es der öffentlichen Meinung, sich auszusprechen, und auf Grund der Thatsachen die Wahrheit fest- zustellen gegenüber einer so monströsen Beschuldigung, die für einen Mann von Herz bei weitem schmerzlicher ist,»ls die schmerzlichste Todesqual, die schmerzlichste Niederlage. Der Abgeordnete Bürger Alfred Naquet hatte zuerst den Muth, die Spalten des von ihm geleiteten Blattes(„Revo- lution") einer Widerlegung der elenden Verleumdungen zu öffnen, welche die Reaktion vermittelst der parlamentarischen Untersuchung gegen den General Bürger Cluseret vorbrachte. Tie Verbannten der Commune von Marseille haben aus ihrer Asylstätte in Barcelona folgenden Brief an ihn gerichtet: „Bürger Alfred Naquet! Es sind Geächtete, die Ihnen hiermit ihren Dank aussprechen erstens für Ihre wahrhaft republikanische Haltung in der Kam- mer und in allen Commissionen, denen Sie angehört haben,. und ferner dafür, daß Sie die Vertheidigung eines der Unsrige» aufgenommen haben, und zwar eines der hervorragendsten, mu thigsten, eifrigsten, freimüthigsten Vcrtheidigers der Volkssache und deshalb zugleich eines der am meisten Verleumdeten. Wir hatten Gelegenheit, uns ein Urtheil über den Bürger General Cluseret zu bilden, als er sich in Marseille an unsere Spitze stellte, um am 2. November 1870 die Commune zu pro- klamircn. Da haben wir ihn in der Nähe gesehen und er hat durch seinen Muth und seine Selbstverleugnung, von dem er uns zahlreiche Beweise gab, sich unsere Bewunderung und Hoch- achtuug erworben. Nein Bürger, das ist nicht der Mann, den Herr v. Bis- marck oder sonst ein anderer hätte kaufen können; dieser 53jäh- rige Veteran, welcher heute im Exil von seiner Hände Arbeit lebt, der— wir wissen es aus sehr guter Quelle— pflügen und graben muß, um sich ein Stück Brot zu erringen, da seine Feder ihm nicht genug einbringt, um davon leben zu können. Dieser unbesiegbaren Energie, dieser strengsten Gewissenhaftigkeit gegenüber war und ist alles Geld der Erde ohnmächtig. Es ist ein Unglück, daß der Sohn des großen Raspail, den wir alle lieben und verehren, sich zum Echo solcher infamen Verleumdungen gemacht hat! O, hätten wir doch Cluseret in Marseille gehabt, daß er un- serc Erhebung vom 23. März 1871 hätte leiten können, welche am 4. April ein so beklagenswcrthes Ende nahm und dessen Gelingen sicher für die Stadt Paris, und für ganz Frank- reich vom höchsten Nutzen gewesen wäre... Durch die Ver- theidigung dieses Mannes haben Sie sich Anspruch ans die Waternev�rstorf(cons.) 6940, Reimer(soz.) 4793, Selig(fortschr.) 2518, Hölk(nat.-lib.) 981, es zersplitterten sich 43.— Bei der engeren Wahl am 20. Januar wurden im Ganzen abgegeben 16.239 Stimmen, davon erhielt der Graf von Holstein 11,416 und Reimer 4823 Stimmen.— Nicht ist hier ein �.Rückgang" zu constatiren, nur die Knute des Hungers war im Stande, den Arbeiter von der Wahl fern zn halten. Auf dem Gute Brodau wurde vor der engeren Wahl eine Schrift der Guts- Herrschaft den Arbeitern vorgelesen folgenden Inhalts: Bei der ersten Wahl seien in dem Gute auf Reimer 98 Stimmen gc fallen und auf die übrigen Candidaten nur 61, während in den Gütern Sierhagen und Hasselburg 30 resp. 28 auf Reimer und 139 resp. 60 auf die übrigen Candidaten gefallen seien; wenn solches wieder vorkommen sollte, würde den Land-Insten die Jnstcn-Stelle entzogen, und mit der freien Medizin würde man auch nicht mehr so freigebig sein; mündlich wurde dem�seitens des Holzvogts hinzugefügt:„Wer nicht wählt, wird als Sozial- demokrat angesehen." Dieses Machtgcbot, welches für den Ar- beiter gleichbedeutend mit„fügen oder hungern" ist, erfüllte denn auch seinen Zweck und erhielt Reimer bei der engeren Wahl im Gute Äradau 8, Graf Holstein 128 Stimmen.— Die Wahl soll eine freie sein— sie ist es auch, aber nur für unsere Gegner, uns verbot man sogar in der Gegend von Lütjenburg das Aus- tragen von Stimmzetteln, und dem Unterzeichneten legte man eine Strafe auf von 10 Mark wegen Bertheilung von Flugblät- lern, obgleich er für den Vertrieb von Drucksachen 48 Mark Gewerbesteuer bezahlen muß. Aber ivir leben in dem gelobten Lande— gelobtes Land? für wen? Für den Arbeiter? O weh! Joh. Heinr. Haß. Iv— 1. Schwerin, 11. Februar. Das Ergebniß der Wahlen in Mecklenburg-Schwerin und-Strelitz ist folgendes: 1. Kreis: Finn(soz.) 269, Möller(lib.) 11,396, von Bülow(cons.) 5243; 2. Kreis: Finn 2802, Wehmcper(lib.) 9877, v. Wrisbcrg(cons.) 4520; 3. Kreis: Finn 169(einschließlich der zersplitterten), Ad- vokat M. Wiggers(fortsch.) 10,093, Justizrath Karrig 3892; 4. Kreis: Hofbaurath Temmler(soz) 12, Pogge-Roggow(lib.) 8777, v. Plesseu(cons.) 6283; 5. Kreis: Finn 2742, Baum- garten(gewählt— liberal), Reichhoff(cons.) 3251; 6. Kreis: Hofbaurath Temmler 1809, Prof. I. Wiggers 6747, v. Bassewitz 4602; Mecklenburg-Strelitz: Finn(mit zersplitterte) 246, Poggc- Blankenhof(lib.) 8253, v. Dewitz(cons.) 1439. Stimmenzahl der Sozialisten 8049, Liberalen 65,373, Conservativen 35,250. Agitation haben wir nur im 2., 5. und 6. Wahlkreis betrieben. Im Ganzen hat sich unsere Zahl um circa 4000 vermehrt, also um 100 Prozent, ein Erfolg, der bei den mecklenburgischen Ber- hältnffsen glänzend genannt werden darf, da mau es sowohl auf oem Lande, wie in den Städten an direkten wie indirekten Wahl- becinflussungen nicht hat fehlen lassen. Besonders stieß man sich daran, daß Herr Finn— nur ein Zimmerer ist. Behaup- tungen der blödsinnigsten Art wurden über ihn in Umlauf gesetzt. Das„Rostocker Tageblatt" hatte nämlich die Nachricht von der Bcrhaftung Finn's(natürlich erlogen) gebracht und daran die Bemerkung geknüpft, daß dieser an den vielen Rohheiten, die vor der Wahl verübt worden, schuld sei. Das saubere Blatt ist damals genügend gekennzeichnet worden, eine weitere Bcmer- kung darüber also überflüssig. Bersammlungen, die wir zwecks Agitation abhielten, erfreuten sich nur im Anfange der Wahl eines ungestörten Verlaufes; es meldete sich selbst Niemand zum Wort gegen uns. Später nahm man sich BiSmarck's Rezept zn Herzen, man suchte uns zu interpelliren, das scheiterte indessen höchst kläglich, denn„die Liberalen verfügten über keinen auS- gebildeten Rednerstamm", wie ein Blatt jammerte. Was blieb anders übrig, als„energischer" vorzugehen? Durch Skandalircn bei der Bürcauwahl machte die liberale Partei einen jeden Vor- trag unmöglich.„Wir sind nicht gesonnen, das Bureau in so- zialistischen Händen zu lassen, das hat lange genug gedauert!" so antworteten die Zeitungen auf die Beschuldigungen, daß die liberale Partei sich pöbelhaft betrage. Die Arbeiter suchten die Liberalen selbst durch ein besseres Beispiel zur Raison zu bringen. Sie verhielten sich in Versammlungen, in welchen liberale Größen sprachen, ganz ruhig. Sie hörten die„volkswirthschaftlichcu"(!) Tiradcn eines Wiggers, und den„frei- theologischen" Quark Baumgartens mit musterhafter Ruhe an. Es half alles nichts. Die Liberalen wollten Plebs bleiben und sie führten dieses edle Vorhaben auch durch. Unter solchen Umständen war cs die Höchste Zeit, ein Parteiorgan zu gründen; wir konnten ja nir- gends und in keiner Weise mehr den Verleumdungen entgegen- treten. Und das ist uns auch gelungen. Der„Mecklenburgische Arbeiterfreund" hat sich schon einen ansehnlichen Leserkreis er- worden und hat gegründete Hoffnung, seine Abonnentenzahl immer mehr anwachsen zu sehen. Leicht ist uns das freilich nicht geworden. Nun erfreut er sich eines vierteljährlichen Be- stehens, und vielleicht ist es sogar möglich, ihn in nicht allzu langer Zeit zweimal wöchentlich erscheinen zu laffen. Die letzte Dankbarkeit und Zuneigung der Geächteten und der wahren Rc- publikaner erworben. . Genehmigen Sie, Bürger, nöch einmal unsere Tank- lagungen und die Versicherungen unserer brüderlichen Freund- schaft. Jim Namen der Marsciller Geächteten, welche allesammt mit diesem Briefe einverstanden sind und in ihrem Auftrage: Mariel, Mitglied der Versaillcr Commune. Morel Edouard. Gavard. Fumel." (Für den„Vorwärts" übersetzt au? der„Revolution" vom 30. No- vember 1376.) — Tie in Berlin herrschende große Roth treibt die unzlück- lich-n Leute häufig dazu, vollständig verdorbene Sachen zu ge- nleßen, um nur ihren Hunger zu stillen. So wurde kürzlich ein au- scheinend dem Handwerkerstünde angehöriger Mann beobachtet, der in der Zmllschreiberstraße emsig bemüht war, hinter einem Eisengiltcc einen Haufen verdorbener, gekochter Kartoffeln hervorzulangen, die derselbe aiodann mit großem Heißhunger verzehrte. Wie lange mag der Mann wohl schon nichts mehr genoss-n haben, wenn er dieses' verdorbene Rahrungsinittel mit so großer Hast verzehren konnte. �— Ein auffälliges Urtheil über die Sozialdemokratie -giebl die konservative„Post" ab' Bei einer Besprechung der Berliner s-achwahl sagt sie:„Der Sozialdemokrat hat vor dem Berliner Fort- a � wenigstens den Borzug der Offenheit und Klarheit seiner B c.e voraus, während er ihm häufig in den Formen seiner Polemik und m dem Anstände seines Auftretens voransteht. Bei ihm begegnen nix �rrthumcrn, die aus einer falschen Bildung entspringen, dort fri- •yoler Ucberhebung und einer Ägilation wider besseres Wissen im chariel-�nteresse" Gegen die„falsche Bildung", bemerkt hierzu unser Berliner Parteiorgan, wollen wir uns hier nicht wenden, die„Post" � eben ein konservatives Organ; aber bei den uns sonst endlos ge< 'nachten Lorwürfen über Verschwvmmenheit unserer Ideen, Unklarheit «der unsere{siele, Roheit der Polemik u. f. w. glaubten wir Akt neh- mm zu müssen von der Anerkennung des Gegentheils. Nummer des„Arbeiterfreund" brachte einen interessanten Erlaß eines mecklenburgischen Amtes an die Schulzen, der hier wohl mitgetheilt zu werden verdient. Derselbe lautet: „Es wird in Folge höherer Anweisung Ihnen hierdurch auf- gegeben, auf etwaige sozialistische Bestrebungen in N. sorgfältig zu achten und denselben rechtzeitig und mit Nachdruck eutgegen zu treten, wobei bemerkt wird, daß sozialdemokratische Vereine und Versammlungen, �abgesehen für Wahlen zum Reichstage (§ 17 des Reichsgcsetzes de 31. Mai 1869), nicht erlaubt sind und die Betheiligung an solchen Bereinen und Versammlungen strafbar ist. Die Lösung etwaiger Zweifel hinsichtlich des von Ihnen einzuschlagenden Verfahrens ist bei dem Amte als Polizei- behörde, wenn Gefahr im Verzuge, mündlich bei dem Herrn Polizeibeamten vorkommenden Falls nachzusuchen. Eine kurze Nachricht über Sozialdemokraten und ihre Ziele ist hier angeschlossen. In dieser Hinsicht wird anch auf den Brief„über die soziale Frage" im Hinstorfi'schen Kalender für 1877 hingewiesen. N., den.. Januar 1877. Großhcrzogliches Amt. An den Schulzen---- zu____" Diesem Erlaß ist eine„kurze Nachricht" über unser Wesen und unsre Prinzipien beigegeben, die nicht von„schlechten Eltern" ist. Da mir aber der Raum des„Vorwärts" zu kostbar ist, um mehreres aus der„kurzen Nachricht" zu geben, sei hier nur eine der auffallendsten Stellen kurz berührt. In derselben wird nämlich gesagt, die Sozialdemokraten wollen zwecks Umsturzes „sogenannte Arbeiterbataillone" bilden!— Was kann man mehr verlangen? Es wird sich bei der Revolution sehr schön machen, wenn rings um den rothcn Uniformkragen die schwarze Auf- schrift zu lesen sein wird:„—tes Arbeiterbataillon"! Und daran hat nur Lassalle schuld mit seinen Worten:„Hört ihr den dumpfen Schritt der Arbeiterbatailloue?" Nun, es ist in Meck- lenburg geschehen, und da ist mancher Eulenspiegclstreich zu entschuldigen. An die mecklenburgischen Arbeiter richten wir schließlich die Aufforderung, unablässig für den„Arbeiterfreund" zu agitiren. Derselbe hat während seines kurzen Bestehens hinreichend be- wiesen, daß er energisch für die Arbeiterintcreffen eintritt. Seid nicht lässig, sondern„Vorwärts" sei Eure Parole. Bleibt nicht urück hinter Euren Gesinnungsgenossen in den übrigen beut- chen Ländern. HUnncverg, 7. Februar. Am 22. Januar ist unser alter, treuer Parteigenosse Peter Heins nach längerem Siechthum verstorben. Es hatten sich zn der Beerdigung am 25. v. Mts., trotzdem wir uns mitten in der Wahlbewegung befanden, insbe- sondere viele alte Parteigenossen cingcfnnden, um den Berstor- benen die letzte Ehre zu erweisen. Heins war einer der ältesten und eifrigsten Parteigenossen hier an: Platze und für die Ver- brcitung des„Vorwärts" u. s. w. sehr thätig. Er trat 1867 dem Allgemeinen deutschen Arbeiterverein bei und war bis zum letzten Augenblick ein treu bewährtes Mitglied der Partei. Mögen ihm alle Parteigenossen hierorts ein gutes Andenken be- wahren. H. Fahl. Heff tzesfin(Mecklenburg), 12. Februar. Anch hier kann die Partei mit frohem Muth in die Zukunft blicken, denn die Stim- men für unserm Candidaten, Hofbaurath Temmler aus Schwerin, haben sich seit dem Jahre 1874 im 6. Wahlkreise beinahe ver- doppelt. Hier in Tesfiu haben wir unseren Gegnern viel Kopf- schmerzen gemacht, denn im Jahre 1874 hatten wir 17 Stimmen für unserm Candidaten, aber diesmal waren wir besser auf dem Posten und haben es auf 219 Stimmen gebracht; die National- liberalen hatten 230 Stimmen, mithin 11 Stimmen mehr wie wir. Zu unseren Fortschritten haben unsere Gegner viel beige- tragen, denn ihre Flugblätter waren voll von Lügen und Ver- drchungen, so daß solchen Leuten, die noch nichts von den Sozialdemokraten gehört hatten, wirklich hätte angst und bange werden können. Aber Parteigenosse Carl Finn auS Berlin wußte alle Anschuldigungen glänzend zu widerlegen und dadurch wurden den Arbeitern die Augen geöffnet. Freilich haben die nationallibcralen Helden mit 11 Stimmen gesiegt, aber in drei Jahren wollen wir siegreich aus dem Kampfe hervorgehen. Nun lügt und verdreht nur' immer zu, andere Waffen habt ihr ja doch nicht; wir aber lassen uns nicht mehr beirren. Euch aber rufe ich zu, ihr kleinen Handwerksmeister, die uns noch fern stehen, seht ihr denn noch nicht ein, daß Euch das große Ka- pital immer mehr zum Lohnarbeiter hcrabdrückt? Wollen wir unsere Lage verbessern, so müssen wir Mann für Mann einen Arbtzitercandidaten wählen und eintreten in die Reihen der So- zialdcmokratie. H. Ä. iM. Haklierlkadt. Bei der Reichstagsmahl wurden im Ganzen 11,519 Stimmen abgegeben von 28,000 Wahlberechtigten, und vertheilcn sich dieselben folgendermaßen: Staatminister a. D. v. Bernuth 8313, v. Kunowsky 916, Schulze-Dclitzsch 855, Otto Kapell 1376, die übrigen zersplitterten sich. Versammlungen, außer in Osterwieck, haben aus den bekannten Gründen nicht abgehalten werden können und war unsere Agitation nur all- gemein eine private. Besonders hat das Resultat am hiesigen Orte die Gegner verblüfft, indem wir trotz der großen Wahl- enthaltung 150 Stimmen mehr als vor drei Jahren erzielten, während v. Bernuth über 1000 weniger erhielt. Der 4. Februar war ein Tag so recht für uns, und hatte es den Anschein, als sollte irgend eine große Versammlung oder dem ähnliches stattfinden. Es waren die Arbeiter aller Branchen im Festanzuge massenhaft erschienen, jedoch es war der Menge anzusehen, daß es ganz etwas besonderes sein müsse. was sie zusammenführte. So war cs auch. Es galt, einem unserer besten Kämpfer das letzte Geleit zu geben. Am 30. Jan., Abends 5 Uhr, verunglückte der Zimmerer Theodor Simon beim Zulegen eines Daches und stürzte, erfaßt von einem starken Windstoß, 8 Meter tief hinunter und brach da-s Genick. Was der Dahingeschiedene seinen Mitarbeitern, und speziell der Ar- beitersache war, geht daraus hervor, daß ihm ca. 700 Personen das Geleite gaben und hat Halberstadt ein solch großes Gefolge noch nicht gesehen. Auch war cs keinem Priester er- laubt, dem mit Kränze reich geschmückten Sarg voranzugehen. Dies besorgte eine Musikkapelle und� wurde sodann der Sarg unter den Klängen eines Traucrmarsches der Erde übergeben. Tags zuvor wurde Genosse Voigt bei der Polizei vorgeladen und ihm anbefohlen, weder zu reden, noch das Tragen rother Fahnen zu gestatten, ividrigcnfalls die Polizei einschreiten würde, was demzufolge denn auch unterblieb. Das Andenken an den Verstorbenen wird nicht verblassen. Unser Genosse Th. Simon war ein bei Freund und Feind beliebter Mann, er hatte alle Eigenschaften, durch welche der Mensch sich die Achtung selbst des Gegners erzwingt. Möge ihm die Erde leicht sein. Sokingen. Am 30. v. M. tagte hiersclbst eine sehr gut besuchte Sattlcrversammlung mit der Tagesordnung:„Gründung einer Ceutralkrankenkasse und Zweck uns Nutzen der Gcwcrks- genoffenschafren." Referent: Herr Brachwitz aus Elberfeld.— Derselbe erledigte beide Punkte zur vollen Zufriedenheit der Bersammlung. An der Debatte betheiligten sich vornehmlich die Herren Polinzki, Bastian und Krause; der letzgenaunte wurde mit Beschaffung von Aufnahmematerial seitens des Centralvor- standes des deutschen Sattlervercins beauftragt; es ließen sich ungefähr 30—40 neue Mitglieder provisorisch aufnehmen. Hof- fentlich werden die Sattler überall sich aus ihrer bisherigen Unthätigkcit aufraffen und Mitgliedschaften gründen. Die nächste Versammlung findet Dienstag, den 6. Februar, statt. Seifert, Schriftführer. Aonncöurg, 12. Februar. Die Wahlen sind vorüber, und auch unser Kreis hat eine bedeutend größere Stimmenzahl auf den sozialistischen Candidaten vereinigt, als dieses im Jahre 1874 der Fall war. Durch alle nur irgend denkbaren Berleum- düngen und Beschimpfungen unserer Partei mittelst ihrer Presse gelang es den Liberalen, die Landlcute gegen uns zu Hetzen, so daß dieselben an den meisten Orten mit großer Majorität für den liberalen Dr. Wagner stimmten. So leichten Kampf, wie in den ländlichen Distrikten, beson- ders im Westkreise, hatten die Liberalen jedoch in Ronneburg nicht. Hier befolgten dieselben die Worte unseres Reichskanzlers, welcher bekanntlich den Liberalen cs anempfahl, uns in den Versammlungen entgegenzutreten, damit das Volk von den bösen Lehren der Sozialdemokratie abwendig gemacht würde. Aber gerade diese Taktik war es, welche den Liberalismus hier Vernich- tete. Die erste derartige Versammlung war am 6. Januar, wo Freund Klute aus Erfurt über den Nutzen der Reichstagsivahl referirte. Nach dem gediegenen Vortrage desselben wurde vom Vorsitzenden zur Interpellation aufgefordert, und richtig meldete sich auch ein hiesiger Lehrer, Herr Vogt, zum Wort. Von den Ansichten dieses Herrn will ich nur einige Proben anführen, die aber genügen, um zu zeigen, weß Gcistcskind der Interpellant war. Wir leben, äußerte er, nicht in einer Zeit der Reaktion, wie der Herr Klute behauptete, sondern in einer viel zu großen Freiheitsepoche, und zwar beweise dies das bayerische nltramon- tane Blatt„Vaterland", welches täglich die größten Schand- artikel gegen den deutschen Kaiser und Bismarck bringe. Ferner habe der Referent l'/s Stunde die Zeit mit aufreizenden Reden verbracht. Unsere Forderung einer Volkswehr sei Unsinn» wir haben ja eine Volkswehr, denn die Armee ist eine Wehr, und ist der Soldat ans dem Volke, nun da haben wir doch eine Wehr aus dem Volke.(Welche Logik!)— Die Ansichten des Herrn Lehrers wurden jedoch noch von zwei anderen Gegnern übertroffen, welche an unsinnigem Geschwätz das Höchste leisteten. Ja der eine der letzten beiden Interpellanten verging sich in solchen Beleidigungen gegen Klute, daß selbst der anwesende Bürgermeister aufstand und denselben zum Verlassen des Saales aufforderte. Da die drei Gegner unter dem stürmischen Beifall der Versammlung vom Referenten sowie vom Genoffen Richter glänzend abgefertigt wurden, so zogen dieselben es vor, sich plötzlich sichtbar zu macheu. Die zweite Versammlung fand am 10. Februar statt. Tages- ordnung lautete:„Der Rückgang der Sozialdemokratie." Freund Klute beleuchtete in einem kurzen, kernigen Vortrage, lvie weit der Rückgang des Sozialismus sich erstreckt habe, und wie man an den 650,000 Stimmen denselben bemessen könne. Auch in dieser Bersammlung traten einige Gegner auf, welche besonders wegen der Haltung unserer sozialistischen Abgeordneten bei Be- rathung der Verlängerung des Eisenzolles erbost zu sein schienen, und die Abstimmung unserer Vertreter(für Verlängerung) als Berrath am Volke bezeichneten. Klute sowie Freund Richter legten jedoch das Grundlose dieser Behauptung klar, und der lebhafte Beifall zeigte deutlich genug, daß die Liberalen anch hier abgeblitzt waren.— Hierauf ergriff Herr Schuldirektor Rudolph da» Wort, um seine Achtung vor der hohen Begabung des Herrn Klute auszudrücken, und bat denselben, in nächster Zeit einen Vortrag über die anzu- strebende Volksbildung zu halten, was von Klute auch zugesagt wurde.— Um halb 12 Uhr wurde hierauf in begeisterter Stim- mung die Versammlung geschlossen. Hoffentlich treten in nächster Versammlung wiederum Gegner für den Liberalismus in die Schranken, damit doch dem Volke der Unterschied zwischen Sozialisinus und dem ausbeutenden Liberalismus recht klar werde. Dresden, 7. Februar.(Ketzcrhetze.) Nr. 4 des„Vorwärts" von diesem Jahre erwähnte einer Justizaffaire, wie solche nur in Chemnitz möglich ist. Es war daselbst ein wissenschaftlicher Vortrag über die Entwickelung des Menschengeistes gehalten und der Vortragende, Lchrinstitutsdirektor Kl e mich, vierzehn Tage danach in seinem Wohnorte Dresden zur Hast gebracht morden, und zwar auf Requisition des Herrn Staatsanwalts v. Mangoldt in Chemnitz. Die Motivirung des Verhaftsbefehls war jedoch eine so unlogische und widersinnige, daß der bald darauf frei- gelassene Klcmich eine Anklage gegen Mangoldt wegen Amts- niißbrauchs und Freiheitsberaubung erhob. Wir wünschten dem Beschwerdeführer damals im Interesse der Gerechtigkeit besten Erfolg, sagten aber gleich voraus, daß wir feine darauf hin- zielende Hoffnung nicht theilen könnten, und— wir irrten uns nicht. Das Justizministerium hat diese Beschwerde an den Gc neralstaatsanwalt v. Schwarze abgegeben und dieser hat einen Beschluß gefaßt, in welchem in scharfsinnigster Weise eine Masse RechtfertigungSgründe für diese Verhaftung vorgeführt werden. Dieser Beschluß ist eine wahre Vertheidigungsschrift fürHerrn v. Mangoldt, doch fehlt ihm etwas: nämlich alle jene Motive, die von Mangoldt zur Unterstützung seines Verhaftsbefehls vor- geführt worden waren und die Klcmich als ungcsetzmäßige an- gegriffen hatte, diese waren in dem gencralstaatsanwaltlichen Beschluß gar nicht berührt worden, vielmehr sind darin nur neue Gründe zur Rechtfertigung der Bcrhaftung aufgezahlt und damit der Beschwerdeführer abgewiesen worden. Eine An- klage gegen Klemich ist bis jetzt nicht erhoben worden und kann niemals erhoben werden, denn sie wäre, da sie wissenschaftlich anerkannte Lehrsätze angreifen müßte, eine Blamage für unsere Justiz. So rcspektirt man die persönliche Freiheit! Als be- sonders interessant heben ivir aus dem gencralstaatsanwaltlichen Beschluß hervor, daß nach demselben nicht behauptet werden könne:„daß bei der Motivirung der Verhaftung der Beamte in Wahrheit eine andere Ansicht als die kund gegebene gehabt haben könne." So nichtig diese Behaup tung ist und so oft wir Gelegenheit haben uns vom Gegentheil zu überzeugen, so wollen wir nur darauf noch hinweisen, daß es darauf, ob ein Beamter wider besseres Wissen handelt, allem gar nicht ankommt. Der Z 42 der Verfassung macht Staats- dienet für jede ihrer Dienstleistungen verantwortlich, also auch wenn Mangel an Borsicht und Gewissenhaftigkeit, blinder Parteifer, religiöser oder sonstiger Fanatismus„Strebsam- keit" zc. die Ursache zur Pflichtvcrgcssenheit sind. Wenn der v. Schwarze'schc Grundsatz gelten soll(und er gilt faktisch'' dann kann niemals ein durch Beamtenwillkür Geschädigter eme Anklage l»egründen. Uebrigcns behauptet Klemich in schucn „Blättern für geistigen Fortschritt", es scheine ihm, als vv v Verhaftung, die ja erst am 22. Dezember erfolgte, wahrcnv mr Vortrag am 6. Dezember stattfand, mehr behufs Lahmlegung seiner agitatorischen Thätigkeit zur Reichstagswahl im soziatisti- scheu Sinne als aus anderen Gründen erfolgt sei. Wir wollen dies dahingestellt sein lassen, richtig ist nur, daß der national- liberale Kaufmann Roth in Chemnitz bereits in der Debatte nach jenem Klemich'schen Vortrage seine Denunziation anbrachte, die auch noch in derselben Versammlung von Klcmich als solche gekennzeichnet wurde. Letzterer wird sich nun an den sächsischen Landtag wenden und von diesem eine Aufforderung an den Justizminister zu erwirken suchen, gegen den Staatsanwalt von Mangoldt einzuschreiten und denselben in Anklagezustand zu vcr- setzen. Wir denken aber, von den Zehnthalermännern wird nicht viel zu erwarten sein. Wittweida, 9. Februar. Wir sind unterlegen! Diese drei inhaltschweren Worte trafen manchen Parteigenossen nach Bc- kanntwerden des Wahlresultats wie ein Tonnerschlag. Viele wollten ihren Ohren nicht trauen, als die ersten Hiobspostcn nach Mittweida und nach Chemnitz von den Liberalen in die Linde zu uns gelangten. Burgstädt und Limbach nebst unge- fähr 40 zugehörigen Ortschaften, welche bei der vorigen Wahl durch erdrückende Majoritäten uns den Sieg verschafften, kamen diesmal mit circa 800 Stimmen Minorität an. Selbstverständ- lich müssen wir, da wir an ein Fortschreiten der sozialistischen Bewegung glauben, den Ursachen unserer Niederlage nachfor- scheu. Die Hauptschuld trifft den Arbeiterstand im hiesigen Wahlkreise selbst. Während ein kleiner Bruchtheil stunden- weit in die Versammlungen kam und unsere Leute dadurch stets in der Majorität waren, hielten es Andere nicht der Mühe Werth, unsere Prinzipien näher kennen zu lernen, und sie wußten thaffächlich nur das von uns, was ihnen die Gegner erzählten. Und daß Letztere eifrigst bestrebt waren, uns in den Augen der- artiger kurzsichtiger und denkfauler Gesellen zu diskreditiren, liegt auf der Hand. Die Folgen dieser elenden Verhetzung zeigten sich nur zu deutlich während der Wahlbcwegung sowie am Wahl- tage selbst. Wir mußten oftmals von blutarmen, durch Hunger und Roth gebeugten Arbeitern die ungerechtesten Urtheile über uns mit anhören:„Der Kerl(unser Candidat) kann uns auch nichts geben, der bringt uns auch kein Brot in's Haus", sagten Viele, und m trauriger Verblendung wählten sie den Gegner. Andere Arbeiter waren bereits in den Versammlungen für uns gewonnen und mochten den festen Vorsatz haben, ffür uns zu stimmen; da traten unsere Gegner auf den Plan. Bei ihnen hieß es: Sein oder Nichtsein. Die„liberalen" Arbeitgeber wußten, daß ihre Arbeiter im Stande waren, Vahlteich das Ucbergewicht zu verschaffen. Nachdem die guten Freunde in Stadt und Land, die sich bei der vorigen Wahl nachlässig ge- zeigt hatten, durch Citiren des rothen Gespenstes mit Mühe und Noth zur Wahl bewogen waren, wurde der natürliche Feind der Arbeiter hergenommen. Diesem galt es begreiflich zu machen, daß man bei der jetzigen schlechten Geschäftszeit nicht nöthig habe, Anhänger der Sozialdemokratie zu beschäftigen. Man drohte mit Arbeitsentlassung und überall, wo man konnte, drückte man den Arbeitern den Daumen auf's Auge. Selbstverständlich haben dieselben ihren Genselzettel zur Wahlurne getragen, was natürlich nichts an der Thatsache ändert, daß man sie aus der Arbeit entläßt, wenn man sie nicht mehr brauchen kann. Die unverzeihliche Feigheit dieser Arbeiter läßt sich freilich in Etwas entschuldigen, denn ihre Existenz stand auf dem Spiele. Hätten aber alle in Lohn und Brot stehenden Arbeiter sich einschüchtern lassen, so hätten wir nicht 1000, geschweige denn 73W Stimmen bekommen. Ueberhaupt werden wir gegen die Wahl Protestiren, da die Stimmzettel für Gensel fett durchgedruckt waren, also mit sichtbaren Kennzeichen versehen waren. Unsere Partcige- nossen, die hier in Mittweida mit in dem Wahlvorstand saßen, kennen z. B. viele Leute, die für Gensel stimmten, die aber ihrer ganzen sozialen Stellung nach für uns gestimmt hätten, wenn sie die auffällige Verschiedenheit der Stimmzettel nicht ein- geschüchtert hätte. Trotzdem war das Resultat hierorts eines der besten: Vahlteich erhielt 871, Gensel 506 Stimmen. In Grünhainichen, mit einer starken Arbeiterbevölkerung, wo wir daS vorige Mal 94 Stimmen hatten, haben wir diesmal nur 89 erhalten. Daß dort eine scharfe Kontrole ausgeübt wurde, kann man daraus ersehen, daß Nachmittags 2 Uhr freudestrahlenden Antlitzes ein Wahlvorstandsmitglied zu einem Bekannten äußerte: „Na, jetzt geht es bei uns gut! Wir haben kaum erst 2 bis 3 Vahlteichzettel'rein, die Gensel'schen kennt man nämlich sehr genau, sie find fett durchgedruckt."— Ob uns der Protest etwas nützen wird, bezweifeln wir. Wir werden es uns aber ange- legen sein lassen, den Boden im hiesigen Wahlkreis noch besser zu bearbeiten wie bisher, und als Antwort auf die maßlosen Angriffe unserer Gegner, die sie in den Amtsblättern gegen uns führten und denen sie wohl auch den Sieg mit verdanken, werden wir vom 1. März an ein vorläufig wöchentlich einmal crschei- nendes Blatt,„Volksfreund für den 15. Wahlkreis", herausgeben und in allen fünf Gerichtsämtcrn unseres Wahlbezirkes das Blatt energisch verbreiten. Stimmen haben wir überhaupt bei diesem Wahlgang nicht verloren, im Gegentheil noch gewonnen. Hier das offizielle Resultat: 1874 Vahlteich 7180, Gensel 6745; 1877 Vahlteich 7328, Gensel 9031. Aus dem letzten Resultat geht nun hervor, daß die Gegner Alles aufboten und eine viel größere Rührigkeit, als das vorige Mal entwickelten, um den verhaßten Sozialdemokraten aus dem Felde zu schlagen, und daß wir, wenn wir das nächste Mal siegen wollen, wenigstens 10,000 Stimmen haben müssen. Hoffentlich trägt die Nieder- läge etwas mit dazu bei, daß die Gesinnungsgenossen sich enger aneinander anschließen und besser auf dem Posten sind wie bis- her, was im Interesse unserer Sache nur zu wünschen wäre. Mit Gruß G. Gladewitz. Treuen, Kreis Ncichenbach.(Wahlbericht). Unserm Can- didat I. Auer standen in unscrni Wahlkreise zwei Candidaten, der Fabrikant Franz Dietel aus Wilkau bei Zwickau und Rilter- gutsbestßer Conrad v. Trützschler gegenüber, und es haben alle Parteien ein hier noch nie dagewesenes reges Leben gezeigt. Dank der aufopfernden Agitation und infolge der allgemeinen Gcschäftskrisis war das Resultat für uns sehr günstig. Kein Wunder, daß bei der Jntcressenjagd mitunter unsere liberalen Herren die Maske ihrer Volksfreundlichieit verloren haben. Wüthend fallen sie jetzt mit Arbeitsmaßregclungen und Vcr- leumdungen gemeinster Art über den wehrlosen Arbeiterstand wodurch sie aber natürlich am augenscheinlichsten ihre Schwache den Arbeitern zu erkennen geben. Um den fernereü Beelnflussungen d>r liberalen Presse thatkräftig entgegen treten zu können, müssen in nächster Zeit die voigtländischen Partei- genossen ein selbststäudiges Parteiblatt zu gründen suchen, damit ferner unfern Arbeitern gegenüber den Verunglimpfungen der ssslllwssiichen Presse die Möglichkeit der Abwehr geboten ist und Ilufklarung über unsere Grundsätze verbreitet werden kann. ?Ma«, 5. Februar. Sonnabeud, den 27. v. Mts. tagte in Ritters Kasseegarten eine öffentliche Volksversammlung mit der Tage.'ordnuug:„-ue Erfolge der Sozialdemokratie bei der letzten Relchstagswahl" welche sehr gut besucht war. Auch waren in dieser Versammlung viele Gegner anwesend. Ter| „Anhaltifche �?taatsanzeiger" hatte sie auch genug amgefordcrt, Ans m allen Stucken entgegenzutreten. Ein Artikel besonders machte den Gegnern Vorwürfe, daß sie oft versprochen, uns ent- gegenzutreten, daß sie es aber niemals gethan hätten. Ein Priester meinte in dem Blatte, daß in der Schule zu wenig Religion gelehrt würde; das sei das Grundübel, in welchem die Sozialdemokratie Boden gefunden. Ein Zweiter will durch I volkswirthschaftliche Sckmlen die Sozialdemokratie vertreiben, er j schiebt England vor. Tort würde den Arbeitern mehr Wirth- schäftlichcs gelehrt. Ein Tritter, wahrscheinlich Harmonie- apostel, will uns aus der Welt schaffen dadurch, daß die Guts- besitzer und Fabrikherren mit den Arbeitern mehr Hand in Hand gehen, sich mehr um das Wohl und Wehe der Arbeiter kümmern sollen.— In ein oder der andern Weise wurde fast in jeder Nummer geschrieben. In der Versammlung selbst aber meldete sich Niemand zum Wort. Sandmann und Hansen er- läuterten die Tagesordnung zur Zufriedenheit aller und zum Schluß wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:„Die heutige Volksversammlung erklärt sich mit den Ausführungen beider Redner voll und ganz einverstanden, schleudert mit Ent- schiedcnheit alle Verleumdungen unserer Gegner zurück und for- dert zugleich alle Diejenigen, welche uns belehren und bekämpfen wollen auf, frei und offen uns entgegen zu treten." Hier hat sich ein Agitationscomitö gebildet und zwar aus folgenden Personen: 51lotz, C. Hahn, C. Meißner, F. Schuh- mann, W. Alter, F. Ludlci. Sämmtlichc Briefe, die Agitation betreffend sind zu richten an E. Racbiger, Böhmische Gasse. Kakloch in der Pfalz, 11. Februar. Wie die Parteigenossen aus den letzten Versammlungs berichten bereits gesehen haben werden, ist die Stimmung am hiesigen Orte für unsere Idee eine ausgezeichnete; den besten Beweis dafür lieferte uns der 10. Januar. Trotz allen Machinationen unserer Gegner, trotz der ungeheuren Fluth von Flugblättern— betitelt die Sozial- demokratcn— womit man Haßloch überschwemmte, mußte man erfahren, daß die relative Stimmenmehrheit auf den sozialistischen Candidaten fiel; die ausgezeichneten Vorträge Dreesbachs hatten ihre Wirkung nicht verfehlt. Die Person Drecsbachs ist unter den Arbeitern Hierselbst, trotz der gemeinen Beschimpfungen, welche die gegnerischen Wische von Zeitungen gegen ihn in's Feld führten, eine allgemein beliebte geworden. Wie uns der 10. Januar gezeigt hat, haben die Liberalen bereits allen Boden im hiesigen Orte verloren; von etwa 435 Stimmen, welche im Ganzen ab- gegeben wurden, fielen 87 auf Jordan, 20 auf Möhl(ultr.), 150 auf Hers(cons.) und 169 auf Dreesbach. Die beiden Letzteren traten in dieser Wahlschlacht zum ersten Mal auf den Plan. Die wenigen, gegenwärtig hier anwesenden industriellen Arbeiter halten sich jeder politischen Thätigkcit fern; sie schlum- mern eben noch. Die Agitation der Gegner gegen uns gipfelt natürlich in dem reinsten Blödsinn. So hat unlängst einer dieser Helden in einer Vereinsvcrsammlung angerathen, keine sozialistischen Schriften zu lesen, und neulich hörte ich einen Schulmeister in einer hiesigen Wirthschaft erzählen, Dreesbach habe alle seine Reden, die er gehalten, auswendig gelernt. Als ob es nöthig wäre, Dinge, die man alle Tage wahrnimmt, erst zum Zweck einer Rede einzulernen.— Wir wollen unermüdlich den Kampf fortsetzen, bis es uns endlich gelingen wird, unsere Gegner, mögen sie heißen wie sie wollen, aus allen Positionen zu verdrängen. W. G. Stuttgart. In Nr. 18 des„Vorwärts" finden wir die fol- gendc Briefkasten notiz:„Warum kein Protest erhoben gegen ver- schiedcnc Wahlen'?" fragen uns„mehrere Parteigenossen" aus Stuttgart. Warum nicht? Nun, an vielen Orten ist Protest erhoben, und an noch mehr Orten wird Protest erhoben werden. Vielleicht hilft die Anfrage dazu." Wir bemerken dazu, daß bis jetzt in Württemberg unseres Wissens allerdings nur im ersten Wahlkreise Protest erhoben ist, nach Lage der Dinge ein Protest höchstens noch aus den Wahlkreisen Canstatt und Gmünd kommen könnte, aus diesen Bezirken bei dem großen Ucbergewicht der gegnerischen Stimmcnzahl jedoch höchstens den Werth einer akten- mäßigen Feststellung der geschehenen Uebcrgriffe und Gewalt- thaten haben würde. Immerhin möchten wir jedoch besonders die Freunde im Göppingen- Gmünder Kreise ersuchen, an das Reichstagspräsidium Wahlprotest einzusenden. Genügende Gründe sind vorhanden. Bezüglich der Wahl Payer's nnd Retter's haben wir keine Veranlassung, gegen dieselbe zu protcstiren, die„icichs- freundlichen" Ungesetzlichkeiten sind durch die Niederlage der Can- didaten Lenz und Geß gerächt, und was die uns von Anhängern der Volkspartei besonders im fünften Wahlkreis zwischen die Füße geworfenen Prügel betrifft, so sind dieselben größtenthcils derart, daß sie nicht Gegenstand eines Wahlprotestcs sein können. Hier wird es haupffächlich Aufgabe unserer Parteigenossen sein, die bisherigen Hindernisse durch praktische Organisation unschädlich zu machen.(„Südd. Volksstimme.") 1,29. Expedilion d.„32. Offenbare: Ztg." Ab. 59,99, Photegrepb.' 29,99. F. Bsch Altcnbueg Ab. 39,99. Brl Cannstadt 2,85. Ortlt Türmitz 1,75. Rttmnnr München Schr. 19,59. Erl St. Johann Ab.- 1,39. Ebrt Zwickau Schr. 29,75. Mllr hier Ab. 1,29. Grbnstn Li::-; denau Schr. 19,94. Wnhlfonds) Illbrcht hier 9,65. Lhmnns Küche 9,25. Gls Brnndbra 1,89. Von Parteigenosse Str. hier 3,99. Tonnerstag, de» 22. Februar, Abends- z9 Uhr, im. „Thüringer Hos", Burgstr. 29: Oeffentliche Sozialistenversammlung. Tagesordnung: Vortrag von Mottelcr über die deutsche ReiÄs- Verfassung. Fragekastendebatte. Der Agent, sö» Freunde und Parteigenossen, welche den Aufenthalt des Daniel Keil(Schuhmacher von Mosbach, Hessen) kennen, sind dringend um Angabe desselben ersucht. H. Reichhart.(129 >(2a) Allg. Arbeitcrbildungsverein St. Gallen. Für Mctallarbe.tcr insbesondere Dreher zc. Berechnungen über das Gewindeschneiden nebst gründlicher Anlcitu ng und Erklärung des Versahrcus. Bon H. Aaumann. Geprüft und empfohlen von Fr. Auth enheimer, Direktor des Zürcherischen Technikums. Preis für Parteigenossen M. 1,69, sonst M. 2,99. Es empfiehlt sich vorherige Betrags-Einscndung in Briefmarken oder Bestellung per Postanweisung, da von hier ans mit Kreuzband- Nachnahme nicht versandt werden kann.— Bei Partien lohnender Rabatt! Dieses Schriftchen, von dem nur noch ein kleiner Vorrath vor- Händen, wird jedem Fachmann gewiß treffliche Dienste thun.(2b) Volksbuchhandlung 5,19) Zürich(Schweiz, also Doppel-Porto!). Lissagaray, Histoire de la Commune de 1871 ist im französischen Original erschienen und vom Unterzeichneten zu 9 Mark zu beziehen. An Wiederverkäufer Rabatt. Die deutsche Uebersetzung ist in Arbeit und wird in einigen Mo- natcn erscheinen. Für Arbeiterkreise wird eine Ausgabe zu er- mäßigtem Preise veranstaltet.(Z.19 Braunschweig, 39. Januar 1877. ___(2b)_ W. Bracke jr. Göppingen. Den Mitgliedern der„Sozialistischen Arbeiterpartei" und der„Gewerkschaften" zur Nachricht, daß wir hier bei Hrn. Rehna eine„Herberge" errichtet haben, welche am 11. Februar eröffnet wurde. Für anständiges Quartier, sowie preiscntsprechende Speisen und Ge- � tränke ist Sorge getragen; auch sind jeden Abend eine Anzahl Ge- nossen im Lokale. Der„Vorwärts", die„Süddeutsche Volkszeitung", der„Wecker" und das„Panier" sind nebst den Lokalblättern aufgelegt. Zu fleißiger Benutzung ladet ein Das C o nr i t 6. „Die Neue Welt." Jllustrirtes Unterhaltungsblatt. Wöchentlich l'/a Bogen. Preis vierteljährlich Mk. 1,2(1. In Heften ä 30 Psg. II. Jahrgang. Auflage über 30,000. Jede Auchhandkung nnd HWlkanKatt nimmt ZZesickkungen an. Die Leser unserer Parieiblätter machen wir darauf aufmerksam daß zur Einführung der„Neuen Welt" „Jllustrirte Prospekte" gratis versandt werden, welche ein Verzeichniß des Inhalts der ersten Rummer von 1877 und Jllustratipnsproben enthalten. Die Bcrbreitnng der Prospekte in Versammlungen. Vereinen, Werkstätten, Wirthschafren und Familien wird den Gesinnungsgenoffrn als bestes Agitationsmittel dringend an's Herz gelegt. Wir bitten bei Bestellung Zahl des Bedarfs und genaue Adresse anzugeben. Plakate zum Aushängen in öffentlichen Lokalen und Sammellisten stehen zu Diensten. Die Genossenschastsbuchdrnckerei. Leipzig, Färberstraße 12/11. Die Parleipreffe wird um grälis Wciterverbreiiung dieser Annonce ersucht. Im Berlage der Genossenschaftsbuchdruckerei Chemnitz ist soeben er- ! schienen: Alphabetisches Sachregister zu Die parlamentarische Thätigkeit des deutschen Reichstages und der Landtage j in den Jahren 1871— 73 I. und II. Auflage, 1874— 76 I. Auflage. Preis: durch uns zu beziehen: Zur Grund- und Bodenfrage �von Wilhelm Liedknecht. 2. vervollständigte Auflage. Preis per Exemplar 0,75 Mark. Die Expedition des„Vorwärts". Soeben erschienen und durch uns zu beziehen: Waldverwüstung und Ueberschwemmung. Ein Kapitel der Grund- und Bodcnfrage. Von cheorg Bossmar. Preis pro Exemplar:5 Pfennig. Die Expedition des„Vorwärts". «erantwortlicher Redakteur: W. L i e b k n e ch t in Leipzig. Redaktion»nd Expedition Färberstraße 12/11. in Leipzig. Druck und Berlaq der SenoflenschastSbuchdruckerei in Leipzig