- > Erscheint in Leipzig Mittwoch, Freitag, Sonntag. AionncmcntsPrciö für ganz Teutschland 1 M. eo Ps. pro Ouartal. Monats. Abonnements werden bei allen deutschen Postanstalten aus den 2. und 3. Monat, und auf den 3. Monat besonders angenommen: im Könige. Sachsen und Herzogth. Sachsen- Altenbura auch aus den tten Monat des Quartals b 54 Psg. Inserate betr. Versammlungen pr. Petitzeile 10 Ps., betr. Privatangelegenheiten und Feste pro Petitzeile 30 Ps. Vesteihmgen nehmen an alle Postanstalten und Buch- Handlungen des In- n. Auslandes. Filial- Expeditionen. Rew-Bork! Soz.-demolr. Slenosscn- schastsbuchdrnckerei, 154 Eldridge Str. Philadelphia: P. Haß,«30 North «rs Street. I. Boll, 1129 Charlotte Str. Hobolen: F. A. Sorge. Chicago: A.Lanscrmann, 74 Clxhourne»vo. San Franzisco: F. Entz, 41» v'Earrell Street. London: Bauditz, s Nassau Street, Middlesex Hospital. Gentrat Hrgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 31. Mittwoch, 14. März. 1877. Zur Beachtung! Abonnements auf den„Vorwärts" und die „Neue Welt", Bestellungen auf Schriften, sowie alle Geldsendungen und Annoncen sind nur an die Expedition, hingegen Berichte und Correspondenzen nur an die Redaktion des betreffenden Blattes zu adressiren. Leipzig, im März. Die Redaktion u. Expedition. Bismarck'sche Politik. Die„St. Petersburger Zeitung" führt in einem längeren Artikel den mutmaßlichen weiteren Gedanken der deutschen aus- wältigen Politik aus und kommt zu deni Schlüsse, daß die Jnti- mität zwischen Rußland und Deutschland im wesentlichen darauf beruht: daß ersteres, indem es freie Hand für seine Eroberilngs- Pläne im Orient erhält und damit indirekt den österreichischen Nachbar schwächt, gleichzeitig Letzterem in die Hände arbeitet, da der„große Staatsmann" nur auf die passende Gelegenheit warte, die durch die s. Z. französische Einmischung bei Nicols- bürg unterbrochene Arbeit, einen Theil Oesterreichs in's große deutsche Vaterland einzuverleiben, wieder aufzunehmen. Darum sei auch der inzwischen in Oesterreich vollzogene Dualismus, die Zweitheilung des Reiches voni deutschen Kanzler mit Freuden begrüßt worden, indem mit dem Ausscheiden Ungarns aus der Gesammtmonarchie die in Aussicht genommene Annexion der 'deutsch-österreichischen Provinzen um ein bedeutendes erleichtert werde. Da aber auch große Männer gewissen bestimmten Naturge- setzen unterworfen sind und der gegenwärtige Leiter der deutschen Politik bei seinem vorgerückten Alter und seinem ohnehin schon etwas zerrütteten Gesundheitszustand, im besten Falle nur noch etwa 10 Jahre politischer Thätigkcit vor sich haben kann, so dürfte er, wenn es an die Krönung des Gebäudes gehen sollte, sich schon etwas beeilen. In solcher Weise wird die gegenwärtige Haltung Deutsch- lands in der Orientfrage vom genannten russischen Blatte unge- fähr erklärt.— Wir würden indcß kaum Anlaß genommen haben, von diesen mehr oder weniger zutreffenden Aeußerungen Notiz zu nehmen, wenn wir nicht schon häufiger Gelegenheit gefunden hätten, einen ähnlichen Gedankengang in verschiedenen Variationen bei ganz verschiedenen Veranlassungen wahrzunehmen; zumeist begegnen wir in Oesterreich selbst ab und zu derlei Ansichten und wenn wir uns richtiger ausdrücken sollen: Befürchtungen; so erst kürz- lich bei der Gründungsfeier des„akademischen Lesevercins" in Wien, wo der ehemalige deutsche Reichs- und österreichische Staatsminister, der gegenwärtige Lordoberrichter Ritter von Schmerling, der eminenteste Vertreter des österreichischen Ge- sammtstaatsgedankens, die Jugend vor einem Liebäugeln und Hinüberschielen der Czechen nach Moskau, der Deutschen nach Berlin eindringlich warnte. All das klingt gar wenig tröstlich für die nächste Zukunft. Wohin wir blicken, nichts als Kasernen, Waffen, Rüstungen, Schrecken, Krieg und Vernichtung! Heute stehen wir vor einem unabsehbaren Mcnschenmorden im Orient, demnächst schon viel- leicht ist dasselbe jammervolle Schauspiel in unserer nächsten Nachbarschaft im Osten— und da vermuthlich auch unsere west- lichen Nachbarn bei solch blutigem Spiel nicht werden ruhig bleiben wollen, so haben wir auch dort ähnliches zu gewärtigen. Das also wäre die gerühmte Zukunft, welche die mannich- fachen Wunden, die uns erst die jüngste Vergangenheit so tief empfindlich geschlagen, heilen und vernarben machen soll? Wir bluten noch aus tausend Wunden, der Staatskörper ohnehin innerlich durchfressen und zerrüttet, von den letzten über- mäßigen Anstrengungen geschwächt, ja erschöpft, soll sich noch mit dem schweren Rüstzeug allerhand Mordwaffen umpanzern und in der krankhaft zitternden Hand das Beil schwingen, um einerseits die heraufbeschworenen Gefahren abzuwehren, anderer- seits auf neue Abenteuer auszugehen. Aber das„ist"der Fluch der bösen That", so erklärt es uns der Dichter, und der berühmte Stratege giebt den Commentar dazu, indem er ganz richtig sagt: daß die Eroberungen weniger Monate zu einer bewaffneten Wachsamkeit eines halben Jahr- Hunderts nöthigt. Wohin das führen muß, das kann heute keinem logisch denkenden Menschen mehr zweifelhaft bleiben. Die Entfesselung der Kriegsfurie, indem sie das beste Blut des Volkes aufsaugt, den materiellen Wohlstand auf Decennien hinaus vernichtet, muß Roheit und Verwilderung der Sitten bewirken und alle Erningen- sthaften der Kultur in_ ihren Grundfesten erschüttern. «tatt einer organischen Entwickelung müssen wir einem völligen I»? entgegengehen.— Würde aber die Presse, anstatt superkluge Leitartikel und maponnements, statt aus dem Reptilienfond geschöpfte Berichte zu dann im vorgeschriebenen Sinne zu zerlegen !»+ a darauf beschränken, nichts weiter als Thatsachen, £.�Zeichnen, einfache Berichte aus dem wirklichen staatvokonomi?chen und gesellschaftlichen Leben dem Publikum in rr uugffchminkter Weise vorlegen und es demselben uberlassen, stch selbst daraus sein Bild zu machen, sein Urtheil ssi• r te �stände und die zu gewärtigenden Folgen, In kurzer Zeit würde es sich zeigen, auf welcher Seite das Volk seine Freunde zu suchen, habe, ob da, wo auf naturgemäße, organische Entwicklung hingearbeitet wird oder dort, wo es auf ewigen Zank und Streit mit allerhand Nachbarschaften, Länder- gier und Zerrüttung aller Verhältnisse abgesehen ist. Aber„das Vaterland muß nun einmal größer sein", wie es in Bezug auf Frankreich weiland Napoleon 1. gehalten, und —„Napoleon war ein ehrenwerther Mann!" Die Gesellschaft ein Organismus. ii. Das Maß von Freiheit des Einzelnen in der heutigen Gc- sellschaft ist äußerst gering selbst unter den Culwrvölkern. Das Vorurthcil herrscht noch in gewaltiger Ausdehnung und Tiefe, sowohl das religiöse, als das politische und soziale. Die Wissen- schaft hat sie alle drei widerlegt, aber die herrschenden Klassen haben ihren Vortheil davon, sie am Leben zu erhalten und zu stärken. Das Gehirn der Menschheit wird künstlich verhindert, ihren ganzen Körper zu durchgeisten; ja ganze Gehirngegenden werden gegen die übrigen als Betäubungsmittel verwendet. Ganze Gelehrtcnklassen sind lediglich dazu vorhanden, um alte religiöse, politische und soziale Borurtheile zu verbreiten, größten- theils gegen besseres Wisten der Verbreiter. Sie lassen sich zu diesem fluchwürdigen Beginnen mißbrauchen, weil sie anders ihren Lebensunterhalt zu finden sich nicht getrauen. Wäre also„die Wissenschaft und ihre Lehre" wirklich„frei", d. h. dürften die wissenschaftlichen Männer als Körperschaft entscheiden, welche Lehren der Vergangenheit nach der dermaligen Erkenntniß falsch, schädlich und der Verbreitung durch Schule und Volksbildungs- anstalten unwürdig sind, und was dagegen dermalen feststeht, oder mehr oder minder wahrscheinlich ist, also in die Volks- erziehung eingebürgert werden sollte— welchen ungeheuren Fort- schritt gäbe dies, und zwar binnen wenigen Jahren! Die Unfteiheit der Wissenschaft und ihrer Lehre kommt also daher, daß das leibliche Dasein., der Gelehrten und Lehrer nicht vom llrtheile der Fachmänner und Sachverständigen abhängt, . so würden wir bei dem gesunden Sinne der im Volke herrscht, Euurssen'» enaitt' nac� e'9enem besseren sondern von der Vergünstigung mächtiger Laien. Und die Frei- heit von allen knechtenden Vornrtyeilcn kann dem Volkskörper nur dadurch gesichert werden, daß es außer dem Volke selbst keine Macht giebt, sowie daß die Volksmehrheit begreift und verordnet, dag die Wissenschast und ihre Lehre durch ihre Ver- tretcr Macht über das leibliche Dasein dieser Vertreter haben sollen. Eben diese Sorge um das leibliche Dasein ist es, welche die Willensohnmacht und Charakterlosigkeit, also die sittliche Unfrei- heit verschuldet. Jedermann weiß oder ahnt, daß er in der Welt nicht vorwärts kommen kann, wenn er die wissenschaftlich erkannten Sittengesetze seines Zeitalters befolgt, sondern nur, wenn er der Welt glauben macht, daß er sie befolge, im Uebrigen aber so handelt, daß sein Dasein sichergestellt und seine Be- gierden und Leidenschaften möglichst besriedigt werden. Die Heuchelei ist allmächtiges Lebensgesetz unserer bürgerlichen und staatlichen Gesellschaft geworden; die Treue gegen die bessere Ueberzeugung wird fast ausnahmslos gransam bestraft durch Hunger, Mißachtung und Einflnßlosigkeit; die Untreue wird be- lohnt durch Reichthum, Ansehen und Macht. Daß darunter sdcr sittliche Volksgeift nicht noch weit mehr leidet, als es der Fall ist, sondern den Alpdruck dieses inneren Zwiespaltes abzuschüt- teln und die sittliche Freiheit zum allgemeinen Lebensgesetz zu niachen sucht, ist der stärkste aller denkbaren Beweise dafür, wie sehr Recht die Sozialdemokratie mit ihrer Behauptung hat, die Culturvölker würden sofort einen höhcrn Grad der Sittlichkeit erlangen, wenn sie allgemein das Mittel kennten, wie das leib- liche Dasein eines Jeden sofort auch ohne Heuchelei sichergestellt werden kann. Die äußerliche Unfreiheit, der Kampf um das Dasein unter künstlich erschwerenden Umständen, die Sorge um das tägliche Brot im weitesten Wortsinne ist also der Punkt, wo der Hebel zur Befreiung und wahren Organisation der Menschheit ange- setzt werden muß. Der Geist ist das Geschöpf des Körpers, die leibliche Daseinsweise bestimmt die geistige— oder mit anderen Worten: die Produktionsweise bestimmt die Religion, den Staat, die Gesellschaft, den sittlich-geistigeu Zustand der Völker— Brot ist Freiheit! Wer uns nachweist, wie die möglichst sorgenfreie leibliche Existenz eines Jeden sichergestellt werden kann, der hat uns zugleich gelehrt, wie jeder Mensch geistig und sittlich frei, und dadurch die Völker und ihr Bund Organismen der voll- kommenstcn Art werden können. Und dieser Nachweis ist ge- liefert. Es ist mehr als dieses nachgewiesen. Organismen entstehen nicht aus dem Nichts, noch aus dem Unorganischen. Von Disteln kann man keine Feigen lesen. Vollkommenere Organismen bilden sich stufenweis aus weniger vollkommenen hervor. Wäre die Menschheit, wäre jedes Volk, wären insonderheit die Cultur- Völker nicht schon in gewissem Maße Organismen, so hätten sie kein Bedürfniß nach Vervollkommnung derselben. Das, was in der organischen Welt erst noch werden und sich ausentwickeln will, ist immer vorher schon im Keime angelegt und angedeutet. Wollen wir den zukünftigen Gesellschafts-Organismus studiren» so müssen wir die stufenweisen Fortschritte der Produktionsweise und Gesellschaftsformen studiren und untersuchen, welche neuen Keime künftiger Entwickelung durch die bestehenden Verhältnisse naturwüchsig entstanden sind. Alles, was vereinte Anstrengung der Menschen planmäßig ermöglichen soll, muß vorher sich naturwüchsig bewährt und or- ganisch sich vorbereitet haben. Die herrschende Produktions- weise muß schon nachweislich sich selbst ihr Grab gewühlt und ihre Nachfolgerin erzeugt haben. Die wirklichen Erzeuger aller Güter müssen schon die Keime zukünftiger Organisationen ge- schaffen und ihren gesellschaftlichen Beruf für die Zukunft ahnen und erstreben gelernt haben. Die politische Macht, durch das allgemeine Stimmrecht angedeutet und erleichtert, muß schon innerhalb des Bereichs aller wirklichen Produzenten liegen, so daß nur noch die zweckmäßige Anwendung dieses verbürgten Rechts den wirkliche» Machtbesitz zu verbürgen braucht. Die machsende Gefährdung des leiblichen Daseins für die Millionen, welche Folge der bestehenden Produktionsweise und Ursache des geistigen und sittlichen Rückschritts der Völker ist, muß in diesen Millionen lebhaste Besorgnisse für die eigene Zukunft, Ekel vor der allgemeinen Heuchelei und den Willen zur Rettung der wahren Menschlichkeit erweckt haben. Alle diese Keime der werdenden Entwickelung sind heutzutage schon sichtbar. Kein Gelehrter und kein Kapitalist wäre je Erfinder des Ge- dankens geworden, daß in demselben Maße, wie durch Maschi- nerie und Chemismus die Arbeit produktiver gemacht wird, die Stundenzahl des Arbeitstags vermindert werden müsse; viel- mehr predigen alle Gelehrten und Staatspfaffen das Gegentheil. Die Arbeiter aber opferten lieber einen Theil ihres Lohns, um dieses Verlangen als unerläßliche Grundlage jedes weiteren Fort- schritts durchzusetzen. Welche Weisheit! Die ersten Produktions- Maschinen wurden ans Betrieb zünftiger Handwerksmeister von Obrigkeitswegen zerstört; später ahmten Arbeiter, welche durch Maschinen in Masse brotlos gemacht wurden, diese Maßregel lange und oft nach. Wodurch nun ist es dahin gekommen, daß die Arbeiter die Maschinen nirgends mehr zerstören, auch wo sie könnten? Wer hat ihnen gelehrt, daß die Maschinen zwar im Besitz von Privateigenthümern ihre Todfeinde, aber in einer bessern Zukunft ihre Erlöser zu werden bestimmt wären, also die gegenwärtige Roth um ihrer Nachkonunen willen zu ertragen? Kein Gelehrter— sondern ihre eigene Weisheit. Die Frauen- und Kinderarbeit in den Fabriken, dieses schändliche Unrecht, wurde und wird von Gelehrten und Staats- pfaffen vertheidigt, von den Arbeitern aber mit unnachgiebiger Folgerichtigkeit bekämpft und— soweit sie jetzt abgeschafft ist— durch ihr Verdienst äbgeschafft. Und doch war, besonders im ! Beginne dieser Unmenschlichkeit, der augenscheinliche Vortheil auf ! Seiten des Vaters, welcher Frau und Kinder in die Fabrik- sklaverei verkaufen und dadurch die Einnahme der Familie steigern konnte. Wer lehrte diese verwahrlosten Arbeiter menschlich und weise, anstatt gierig sein? Wer sonst als ihr eigner gesunder Menschenverstand? Die Gewerkschaften— wie allgemein und bitter, und mit welchem Aufwände von„ökonomischer Weisheit" sind sie bekämpft worden und werden es noch! Und ihre Ausstände, wie Hand- greiflich wurde doch bewiesen, daß sie ein wahnsinniges Gebah- ren und zum Schaden aller Theile wären! Und doch, wie weise ist der Gedanke, daß der Arbeiter seine Menschenrechte in dieser kapitalistischen Welt nur behaupten könne, wenn er— selbst unter bedeutenden Opfern— in der Vereinigung aller Berufs- genossen seine Schutzwehr suche, seine Würde als freier Mensch, sein nothdürftiges Einkommen und die Möglichkeit geistiger Fort- bildung bewahre. Und so fort durch die Reihe der Arbeiter- Forderungen, bis zur Stiftung der internationalen Arbeitervcr- brüderung gegen die Kriege mit Waffen und Handels-Mitbewerb, zur endlichen Abschaffung der Lohnarbeit und der Forderung, daß die allseitige Bcfteiung der arbeitenden Menschheit nur durch diese selbst, und zwar zunächst durch ökonomische Unab- hängigkeit mittels großer Produktivgenossenschaften und staatlichen Betriebskapitals errungen werden müsse! Was die Studirten bei diesen weisen Rathschlüssen geholfen haben, das besteht doch überwiegend in der Erforschung des Wegs, welchen die Arbeiterbevölkerungen schon naturwüchsig ein- geschlagen hatten, und in dem Nachweise seiner innern Wiffen- schaftlichkeit, in dem geschichtlichen Studium aller vergangenen Produktionsweisen, um das nothwendige Hervorgehen jeder aus der vorhergehenden, und der zukünftigen aus der bestehenden zu beweisen. Erst seitdem Marx diesen Weg bahnbrechend betreten hat, ist es möglich worden, die Arbeiter und die unbefangenen Gelehrten so vieler Völker auf ein Programm zu vereinigen, d. h. dessen Sieg in nicht weiter Ferne zu sichern. Es kann hinfort nie mehr von einem Organisationsplane für die Culturvölker die Rede sein, welcher im Gehirn eines Einzel- nienschen entsprungen wäre. Die Arbeiter mit Kopf und Hand aller Völker im gemeinsamen Rathe allein können wiffen, wie die Menschheit in Zukunft bis in alle Einzelheiten hinein orga- nisirt sein soll. Die Herren Gelehrten sollten uns mit ihren Rezepten für das Gemeinwohl verschonen. Sie sollten anstatt dessen sich in Fachgenosscnschaften vereinigen, um den interna- tionalen Handarbeitern die Bruderhand zu reichen. Sie sollten — so lange sie zu abhängig von den bestehenden Gewalten sind, um dies- offen zu thnn— wenigstens die leiblichen Interessen ihrer Fachgenossen pflegen, und zwar in internationaler Ver- bindung. Sie sollten die Beschwerden, welche ihr leibliches Dasein unter den herrschenden Btüchten erduldet, offen und ent- schieden vor die Oeffentlichkeit bringen; sie sollten die Thatsache statistisch feststellen, daß ihre Wissenschaft, ihre Kunst, ihre Technik, kurz ihr Beruf, ebenso sehr ein Stiefkind de» Herr- schenken Gewalten ist, als jedes Fach der Handarbeiter. Ganz besonders sollten die Volkslehrer und Beamten es thun. Der Organisnius der Kulturvölker wird nicht blos in einzelne verschiedensprachige und örtlich abgegrenzte Völker sich gliedern, welche politisch durch ewigen Frieden und ein Weltschiedsgericht geeinigt und in allen Culturinteressen verbrüdert sind, sondern es wird— wie durch alle Gliedmaßen des Menschenkörpers—- gleichster ein Netz von Berufsgenossenschaften sich verästeln, welche die Produktion und Konsumtion aller Glieder und Zellen durch wissenschaftliche und künstlerische Berechnung friedlich ver- einbaren. Ebenso gut, wie im Staate die streitigen Berufs- interessen schon heutzutage vereinbart werden können, ebenso gut— oder vielmehr bei weitem besser, weil jeder Einzelmeusch, jede Genossenschaft, jedes Staatsganze in nie erlebtem Maße frei sein wird— können die Genossenschafts- Parlamente das leibliche Dasein aller dieser Blutkörperchen, Zellen, Gewebsnetze und Gliedmaßen der Menschheit zu einem Organismus von immer wachsender Vollkommenheit ausgestalten. An Reichthum dazu wird es ja nicht fehlen, und an Wissen und Können noch weniger. Sozialpolitische Uebersicht. — Ueber Johann Jacoby wird eine ausführliche Bio- graphie in der„Neuen Welt" erscheinen. Hier mögen über das öffentliche Leben des seltenen Mannes zunächst nur einige Notizen Platz finden. Am 1. Mai 1805 geboren, trat er politisch und publizistisch zuerst durch seine epochemachende Broschüre: Vier Fragen eines Ostpreußen(1843) hervor. Diese Schrift zog ihm den Prozeß wegen Hochverrath zu. Vom Berliner Kriminal- gericht zu dreijähriger Festungsstrafe verurthcilt, sowie zum Verlust der Nationalkokarde, wurde er vom Kammcrgericht frei- gesprochen. Im Jahre 1845 gab er zwei Flugschriften heraus, betitelt:„Preußen im Jahre 1815", und„das königliche Wort Friedrich Wilhelm's lll." Wegen dieser Schrift zu 2ln Jahren Festungsstrafe verurtheilt, sprach ihn das Ostpreußische Tribunal frei. Im Jahre 1848 war Jacoby Mitglied des Vorparla- ments in Frankfurt a. M. und des Fünfziger Ausschusses, dann der Deutschen und der Berliner Nationalversammlung; als Mit- glied der Deputation sprach er das berühmt gewordene Wort: „Es ist eben ein Unglück ic." Nach Auflösung des Rumpf- Parlaments begab er sich nach der Schweiz, stellte sich aber, wegen Hochvcrraths angeklagt, in Königsberg und wurde nach siebenmonatlichcr Untersuchungshaft freigesprochen. Im Jahre 1864 traf ihn die Verurtheilung zu 6 Monat Gefängniß wegen einer Wahlrede, das nächste Jahr brachte ihm noch wegen einer inkriminirten Stelle in seiner Biographie Heinrich Simon's eine Gefängnißstrafe von 14 Tagen. Im Jahre 184S vertrat Johann Jacoby den 4. Berliner Wahlkreis in der aufgelösten zweiten Kammer, in den Jahren 1863—1870 den zweiten Wahlkreis, anfänglich der Fortschrittspartei zugehörig, alsdann alleinstehend. Während des französisch-deutschen Krieges ließ ihn Vogel von Falckenstein auf die Festung Lötzen bringen. Im Jahre 1874 für Leipzig von unserer Partei in den deutschen Reichstag gewählt, lehnte er ab. Sein letztes Wort im Abgeordnctenhauje sprach er am 16. Januar 1869, als er seine Ablehnung des Etats motivirte. — Europa der Spielball des Serails. Die Türkei weiß, daß die europäischen Mächte sich selbst das Weiße im Auge nicht gönnen, daß dieselben durchweg beute- und ländergicrig sind, deshalb kümmert sie sich auch nicht um Rathschläge und Meinungen einer einzelnen Macht und spielt mit ganz Europa Fangball. Oder um ein besseres Bild zu gebrauchen: Europa sitzt auf einem Pulverfaß und muß ruhig sitzen bleiben— gefällt es dem Türken, die Lunte anzulegen, sofort steht Europa in Brand, gefällt es ihm noch nicht, so verzehrt Europa die Angst, daß es dem Türken einmal gefallen könne. Das sind herrliche Zustände und nicht am Wenigsten Schuld daran hat die preußisch- deutsche Annexionspolitik der letzten Jahrzehnte. — Reichsgericht. Zum ersten Male hat Fürst Bismarck dem Reichstag eine Vorlage zugehen lassen, gegen deren An- nähme er im Bundesrsthe seinen Einfluß geltend gemacht hatte. Den Motiven zu dem Gesetzentwurfe, welcher das Reichsgericht nach Leipzig verlegen will, glaubt man es in ihrer gleichsam schüchternen Düftigkeit anzumerken, daß die Verfasser mit ihren Gründen, weshAb denn nun gerade Leipzig(und nicht Berlin, das mit keiner Silbe erwähnt wird), gewählt werden soll, nicht an die Oeffentlichkeit treten wollen.— Im Reichstage wird die preußische Minorität des Bundesraths für Berlin eintreten. Die Debatten dürften deshalb sehr interessant werden. — Antwort auf eine Beschwerdeschrift in Bezug auf Unregelmäßigkeiten bei der Reichstagswahl im sechsten schleswig- holsteinischen Wahlkreise: „Schleswig, den 5. März 1877. Von dem Königlichen Ministerium des Innern ist uns eine Ein pädagogisches Buch. (Schluß.) Mit dieser Definition der Bildung können auch wir So- ialisten vollkommen einverstanden sein, um so mehr, wenn wir amit zusammenhalten, wie der Verfasser die Aufgabe der Volks- schule aussaßt.„Nur eine Allen gemeinsame Volksbildung — so sagt er— ist im Stande, das gegenseitige Verftändniß und das hierauf beruhende Zusammenleben und Zusammenwirken der Glieder eines Gemeinwesens zu begründen und zu erhalten, nicht aber die frühzeitige Verfolgung von Sonderinteressen und die hieraus entstehende egoistische Verengung des Denkens und Strebens. Daß die letztere Geistesrichtung den Einzelnen nicht nur ungeschickt und abgeneigt macht, seine Pflichten als Mensch und Staatsbürger zu erfüllen, sonder» ihm selbst zum Nachtheile gereicht, lehrt die Erfahrung. Denn bei geistiger Erstarrung und Beschränktheit geräth der Mensch inmitten des vielgestaltigen und wechselvollen Lebens leicht in Verhältnisse, in denen er sich weder zu rathen noch zu Helsen weiß; sein Schicksal wird stets mehr das Werk seiner Umgebung und zufälliger Ereignisse, als seiner eigenen Thaten sein. Vollends das Streben nach sittlicher Ver- edlung, nach dem ewig Wahren und Guten, nach menschlicher Vollkommenheit und Würde, das Gefühl seiner höchsten Beftim- mung wird ihm in der Tretmühle der Alltäglichkeit abhanden kommen. Die allgemeine Menschen- und Bürgerbildung also ist die eigenthümliche Aufgabe der Volksschule, und vermöge dieser eigenthümlichen Aufgabe ist die Voltsschule eine selbstständige, von keiner anderen Schule abhängige Bildungsanstalt." „Allerdings wird sie, indem sie ihre Aufgabe löst, zugleich zur Borbildungsanstalt für Höhere Schulen. Allein nur ein kleiner Theil der Volksschüler geht in höhere Schulen über, und die letzteren können nicht verlangen, daß die Volksschule blos ein HilfsinMtut für sie sei." Aus dem Abschnitt über moralische Erziehung wollen wir folg.mdcn Satz wiedergeben:„Der sittliche Werth oder Unwerth einer bestimmten Person beruht aus dem Verhältniß, in welches sich dieselbe zu den menschlichen Gütern und Uebrl stellt. Es ist unsittlich, ein geringes Gut einem höheren vorzuziehen, oder durch Scheu vor einem kleineren Uebel ein gröyeres herbeizuführen; es ist sittlich, alle Dinge nach ihrem wahren Werthe zu schätzen und der richtigen Werthschätzung derDinge gemäß zu leben. In dem letzteren Satze ist die oberste von Ihnen in Gemeinschaft mit Reichstagsabgeordneten unterm 13. Dezember v. I. dem Reichskanzler mit der Bitte um ab- hülfliche Maßnahmen übermittelte Eingabe des F. Wegener und Genossen in Ottensen zur geeigneten weiteren Veranlassung zu- gefertigt worden, worin die Betreffenden beschwerend zur Anzeige bringen, daß bei Aufstellung der Wählerlisten für die letzten Reichstagswahlen im Kreise Pinneberg zufolge einer den Ge- me'ndevorstehern von dem Landrathe des Kreises ertheilten Weisung unverheirathete Personen überhaupt oder doch Dienst- boten von der Aufnahme in die Listen ausgeschlossen und be- zügliche Reklamationen von den Wahl-(richtig Gemeinde-) Vor- stehern zurückgewiesen seien. Mit Beziehung hierauf unterlassen wir nicht Ihnen mitzu- theilen, daß auf eine Beschwerde gleichen Inhalts, welche von denselben Personen gleichfalls unterm 13. Dezember v. I. auf telegraphischem Wege hierher gerichtet ward, denselben unterm gleichen Tage von hier aus eröffnet worden ist, daß es den ver- meintlich unrichtig aus den Wählerlisten Ausgelassenen über- lassen bleiben müsse, dawider gemäß§ 3 des Wah�reglements an zuständiger Stelle zu reklamiren und daß die Entgegennahme solcher Reklamationen eingeschärft sei. Eine unmittelbare Einwirkung auf die Aufstellung der Wähler- listen konnte der Zeit, nachdem die Auslegung bereits am 10. s. M. begonnen hätte, diesseits nicht mehr ausgeübt werden. Dagegen wurde gleichzeitig dem Landrathe des gedachten Kreises die Anweisung ertyeilt, nicht nur wegen der angeblich stattgehabten ordnungswidrigen Zurückweisung von Reklamationen das Erforderliche wahrzunehmen, sondern auch die eingehenden Reklamationen in Ucbereinstimmung mit einer in anderer Veran- lassung demselben bereits gemachten Eröffnung zu entscheiden, die ihrem-wesentlichen Inhalte nach dahin gerichtet mar, daß nach unserer Auffassung Dienstboten, Handwerksgesellen und andere Personen in ähnlicher Lebensstellung vorausgesetzt, daß sie überall ein eigenes Domicil besitzen können, im Zweifel am Orte ihres Dienst- oder Arbeitsverhältnisses als domicilirt und folgeweise nach Maßgabe der§ 1 und 7 des Gesetzes vom 31. Mai 1869 als wahlberechtigt anzusehen seien. Da die letztere Beschwerde demnach die geeignete Berücksich- tigung bereits gefunden hatte, so hat die uns später zugegangene, an das Reichskanzleramt gerichtete Eingabe desselben Inhalts uns zu weiteren Anordnungen in gleicher Richtung keinen Anlaß geben können, wovon Sie hierdurch in Kenntniß gesetzt werden. Königliche Regierung, Abtheilung des Innern. W. Rumohr. An die Herren Reichstagsabgeordneten Hasenclever und Genossen in Berlin." Wir freuen uns, daß zum Mindesten im Prinzip gegen den Herrn Landrath entschieden worden ist; das nächste Mal werden die Dienstboten und Handwerksgesellen nicht so große Last haben. —„In der sozialistischen Gesellschaft geht die Wissenschaft unter"— diesen Ausspruch muß man so oft von an und für sich verständigen Menschen hören. Selbst Pro- fessor Brentano zu Breslau befürchtetes, deshalb hauptsächlich wendet er sich dem Sozialismus nicht zu. Daß aber in der heutigen Gesellschaft durch Roth und Elend eine ungeheure Summe des Wissens zu Grunde geht, will man nicht wissen. Wir lesen in der„Vossischen Zeitung" folgenden sehr bezeich- nenden Aufruf: „Trauriges Geschick eines Philosophen. Ein genialer Mann, welcher als Schüler in Berlin nach einem nur halbjährigen Auf- enthalte in Prima das Abiturientenexamen mit dem Prädikate gut bestand, später nach Prag übersiedelte und dort eine recht wohlhabende Dame heirathete, vertraute sein ganzes Ver- mögen einem Banquier an. Beim Wiener Krach verlor er Alles bis auf den letzten Pfennig. Durch energische schriftstellerische Thätigkeit und den allmählichen Verkauf seiner Mobilien fristete er mit seiner Frau bis jetzt zwar das Leben, wenn auch gegenwärtig sehr kümmerlich, ist aber nach dem Eintritte eines hartnäckigen Blasenleidens körperlich so gebrochen, daß er ein neues Werk, auf welches ihm sein freundlicher Ver- leger in Leipzig bereits Vorschuß gegeben, nur schwer wird vollenden können. Wir appelliren an das gute Herz des Ber- liners zu Gunsten eines hochgebildeten, äußerst bedrängten Mannes. Die Stuhr'schc Buchhandlnng, Unter den Linden 61, ist in der Lage, nähere Mittheilung zu machen und nimmt Bei- träge an. Prof. Philipp Spiller." In einer sozialistischen Gesellschaft, in welcher der Schwindel und moralische Norm(das höchste Moralprinzip) ausgesprochen, und je nachdem der Wille eines Menschen der wahren Werthschätzung der Dinge entspricht oder widerstreitet, ergeht über ihn eine sittliche Billigung oder Mißbilligung. Es ist Pflicht des Men- scheu, die Sumnie der Güter und des durch sie bewirkten Glückes möglichst zu vermehren, die Summe der Uebel und der durch sie bewirkten Leiden möglichst zu vermindern." „Wollte aber hiebet ein Jeder nur im eigenen Interesse handeln(Egoismus), so würde das oberste Moralprinzip verletzt werden und an die Stelle desselben die Unsittlichkeit treten. Denn es käme dann eine falsche Werthschätzung zur Geltung. Zwar kann es bei unbefangener Weltansicht nicht zweifelhaft sein, daß einem jeden Individuum seine Kräfte zunächst um seiner selbst willen verliehen sind. Und wenn nur jeder einzelne Mensch in rechter Weise für sich selbst sorgte, so wäre fü» die ganze Menschheit bestens gesorgt. Allein hierbei ist die Rücksicht- nähme des Einen auf den Anderen keineswegs ausgeschlossen, sondern vielmehr geboten. Im Allgemeinen steht ja doch der Mensch dem Menschen wesensgleich und ebenbürtig gegenüber; dieselben Bedürfnisse, dieselben Kräfte, dieselbe Bestimmung, die- selben Rechte hat die Natur Allen verliehen. Schon dieses thatsächliche Verhältniß fordert zur allgemeinen Menschenachtung auf. Wir dürfen uns nicht prinzipiell über unser» Nächsten erheben, denn wir sind seines Gleichen, und er theilt unsere Würde. Auch für ihn giebt es Güter und Uebel, wie für uns; auch er strebt jenen nach und diesen entgegen, wie wir; auch er hat das Recht, seine Kräfte zu entwickeln und zur Geltung zu bringen, wie wir. Nur einem entarteten und gegen die that- sächlichen Weltverhältnisse(soll wohl heißen: gegen gerechte Weltverhältnisse) verblendeten Menschen ist es möglich, sich allein als Person und Zweck, seine Mitmenschen aber blos als Sachen und Mittel zu betrachten; nur ein solcher ist geneigt, den eigenen Vortheil auf fremde Kosten zu erwirken; nur die Engherzigkeit beschränkt sich auf die Familie oder Gemeinde; nur bornirte Volksthümelei setzt den Nationalhaß an die Stelle der Hu- manität." „Wie aber der natürliche Verstand zur allgemeinen Menschen- achtung, so treibt das natürliche Gefühl zur allgemeinen Menschen- liebe. Jedes unverdorbene Herz empfindet fremdes Glück als eigenes Glück, fremdes Leid als eigenes Leid, und daher ist ihm das Wohlthun und Helfen ein Bedürfniß. Ueberdies zeigt sich im Zusammenleben der Menschen, wie vielfach das Wohl und selbstredend auch Roth und Elend fehlen, braucht ein„genialer Mann" nicht für sich betteln zu lassen. Die Gesammtheit hält ihn und ohne äußere verderbliche Einflüsse kann er seinem Genius die Schwingen verleihen. Und ganz abgesehen davon. Die Summe der geistigen Kraft ist auch bei einem gesunden Volke bedeutend größer, als bei der heutigen elenden und corrupten Gesellschaft. — Nothstand— Hungertyphus! In einer amtlichen Verfügung der Regierung zu Oppeln(Oberschlesien) finden wir, daß in den Kreisen Beuthen, Kattowitz und Pleß bis vor Kurzem 1555 Erkrankungen an der Typhusepidemie (Flecktyphus) vorgekommen sind: unter denselben beträgt jetzt schon die Zahl der Todesfälle 151. Die königliche Regierung sagt, daß die Krankheit hauptsächlich durch Entbehrung der nothwendigsten Nahrungsmittel entstehe! Wir werden die Verfügung in nächster Nummer dem Wortlaute nach bringen. — Zur Lage der niederen Beamten. Aus Köln ist dem Reichstage eine Petition zugegangen, durch welche 217 Post- und Telegraphenbeamte die für diese Beamtenkategorien schon längst in Aussicht gestellte Erhöhung der Gehälter in Er- innerung bringen. Es heißt in dieser Petition: „Auf unsere Petition vom Jahre 1874 erhielten wir von hoher Stelle den Bescheid, daß unsere Angelegenheit im Auge behalten werden sollte; auf die von 1875 wurde uns eröffnet, daß unsere Sache dem Herrn Reichskanzler zur Erwägung unter- breitet sei(J.-Nr. Il 206 v. 29. 12. 1875). Aber bis jetzt ist zu unserer Besserstellung noch nichts geschehen, im Gegentheil Icheint es uns, daß das Aufrücken in höhere Gehälter seit der Bewilligung des Wohnungsgeld-Zuschusses viel mehr in die Länge gezogen wird. „Die anhaltende Theuerung aller Lebensmittel und der Wohnungsmiethe hat eine solche Höhe erreicht, daß es uns nicht möglich ist, von dem geringen Einkommen das Allernöthigste anzuschaffen.� Der anstrengendste Dienst bei Tag und Nacht er- fordert, daß dem Körper kräftige Nahrungsmittel zugeführt werden, welche wir jedoch leider entbehren müssen, was daher Krankheiten und frühes Ableben znr Folge hat. Haben wir doch schon vor Eintritt in den Verkehrsdienst eine langjährige Dienstzeit beim Militär zurückgelegt, oder sind in Folge der Strapazen der Feldzüge oder durch schwere Verwundungen vor dem Feinde invalide geworden, was uns wohl berechtigen durste, eine angemessene Versorgung zu erhalten; dieselbe mangelt uns aber ganz besonders hier in Köln und Deutz, und sind daher auch so viele etatsmäßige Unterbeamtenstellen mit Bürgern besetzt, die aber, sobald sich ihnen eine andere Beschäftigung bietet, den Postdienst sofort wieder verlassen. „Das gewährte höchste Gehalt von 1350 Mark beziehen nur einige der ältesten Unterbeamten, welche bereits über 30 Jahre im Verkehrsdienste fungiren. Die Zahl dieser ist aber eine sehr kleine, weil nur wenige ein so hohes Dienstalter erreichen und schon früher pensionirt werden müssen, da wir bei dem unaus- gesetzt anstrengenden Dienste mit den härtesten Entbehrungen zu kämpfen haben. „Bis jetzt ist eine definitive Feststellung der Gehälter für Unterbeamte nach den Dienstjahrcn nicht bekannt, und anscheinend nur nach Gutdünken der nächsten vorgesetzten Behörde geordnet, und zwar ungefähr in folgender Abstufung: Mit 1— 2 Jahren Berkehrsdienst Mrk. 810, 2—5 Jahre» 900, 6—7 Jahren 975, 7— 10 Jahren 1035, 10— 15 Jahren 1080, 15— 20 Jahren 1140, 20-30 Jahren 1200. „Nun haben wir noch Abzüge zu erdulden, als: Postarmen- lasse, Wittwen- und Kleiderkasse:c., die jüngeren Unterbeamten haben sogar noch 9 Mark monatlich zur Vervollständigung ihrer Kaution zu entrichten, so daß denselben im günstigsten Falle von ihrem Gehalte nur noch 18 Thaler monatlich für ihre Familien verbleiben. Dabei die enorme Wohnungsmiethe, indem für zwei große Zimmer 270—330 Mark gezahlt werden müssen u. s. w." Das Schicksal der Petitionen im Reichstage ist bekanntlich fast immer— der Papierkorb. Dazu kommt in diesem Falle, daß der Generalpostmeister Stephau über das Petitioniren seiner Unterbeamten Ansichten hat, die häufig in Einleitung des Diszi- plinarverfahrens gegen die Petenten zum Ausdruck gelangen. Alles in Allem also werden die niederen Post- und Telegraphen- beamten sich weiter abquälen und hungern müsse». — Ein erschossener Wilddieb. Im November 1874 wurde im Jagdrevier des Freiherrn v. Böselager bei Menden, so schreibt unser Westfälisches Parteiorgan, der Maurer B. aus Wehe jedes Individuums mit dem Wohl und Wehe der Gesell- schaft verknüpft ist. Wo aber die persönlichen Interessen mit denen der Gefammtheit im Widerstreit stehen, da ist Entsagung und Aufopferung Pflicht des Individuums; denn das Wohl der Gesammtheit ist ein größeres Gut, als das dcS Einzelnen; das Unheil der Gesammtheit ein größeres Uebel, als das des Ein- zelnen." Wie man sieht, zeigt der Verfasser sehr oft sozialistische Ten- denzen, er erkennt auch an, daß die oben aufgestellte sittliche Norm in vielen Menschen nur mangelhaft zur Durchbildung kommt, und die sozialen Verhältnisse verdorben sind. „Bei den höchst verwickelten und vielfach verderbten Zuständen der gegenwärtigen Gesellschaft ist es allerdings äußerst schwierig, alle irreleitenden Einflüsse von dem aufwachsenden Geschlecht abzuhalten; um so ernster ist aber für den Erzieher die Auf- gäbe, seine eigene Weltansicht schlicht und rein zu erhalten und mindestens im nächsten Lebenskreise des Kindes jeder Sache und jeder Person den Werth beizulegen, der ihr gebührt." Sehr charakteristisch spricht sich Dittes auch über die söge- nannte höhere Bildung des weiblichen Geschlechtes aus, er sagt: „Bisher litt die höhere Bildung der Mädchen an eben so großen, ja noch größeren Mängeln, als die höhere Bildung der Knaben. Während die letztere allqemach gar zu praktisch, d. h. zu sehr auf raschen Erwerb abzielend, also egoistisch geworden ist, hat sich in bie erstere viel Schein und Blendwerk eingeschlichen. Und so ist aus einem kläglichen Gemisch von schönen Redensarten, conventionellen Manieren und Abfällen etlicher Wissenschaften, Sprachen und Künste eine sogenannte„höhere Töchterbildung" entstanden, die nur dazu bestimmt scheint, allerlei Gebrechen deS Leibes, das anspruchsvolle und selbstsüchtige Wesen, die Genuß- sucht und Neigung zum Luxus, dem Eigensinn und die Eitelkeit, die praktische— Untüchtigkeit und Arbeitsscheu, die Oede und den Unfrieden des Gemüths zu verhüllen. Die Eigenschaften, welche den Werth und das Glück des Weibes begründen und es befähigen, seinen Beruf als Gattin, Mutter und Hausfrau zu erfüllen, oder nöthigenfalls sich selbst eine befriedigende Existenz zu gründen, nämlich Gesundheit deS Leibes, praktische Tüchtigkeit, ein gesunder Menschenverstand, ein ed- les, dem Wohle anderer sich hingebendes Herz, ein bescheidener Sinn und ein heiteres Gemüth, sind bei dieser höheren Töchter-- j bildung auffallend vernachlässigt worden; eS hat derselben an Einfachheit, Natürlichkeit, strenger Zucht und prakttscher Zweck Holzen von Förstern des Herrn v. Böselager durch drei Schüsse getödtet. Die Förster behaupteten, daß der Wilddieb, mährend ein zweiter mit der Ausweidung eines erlegten Rehes beschäftigt gewesen sei, mit seinem Gewehre„im Anschlage" gestanden habe, was für sie genügende Veranlassung gewesen sei, den Mann „aus Nothwehr" zu erschießen. Der„Wilddieb" wurde nach vorheriger Erkundigung beim Untersuchungsrichter und mit Zu- stimmung des„hochwürdigsten Bischofs" Herrn vr. Konrad Martin in Paderborn— als„Selbstmörder" auf dem Kirchhofe zu Menden in der Reihe der„armen Sünder" beigescharrt.— Reklamationen der Angehörigen des B. blieben erfolglos. Da- gegen wurde— nicht etwa gegen die Förster— sondern gegen einige, der Theilnahme an dem„Jagdfrevel" des B. verdächtige Personen eine Untersuchung eingeleitet und mit großem Eifer, jedoch ohne Erfolg, betriebe». Demnächst wurden drei in jener Untersuchung eidlich vernommene Männer wegen Meineides in Anklagestand versetzt; sie waren seit Monaten verhastet. Die Sache sollte kürzlich vor dem Schwurgericht in Hagen verhandelt werden, wurde jedoch vertagt, weil ein Zeuge nicht erschienen war. Und die„Moral von der Geschichte"? Gegenstand: ein einfältiges Reh. Der„Wilddieb" wird erschossen und mit „hoher obrigkeitlicher und geistlicher Bewilligung" als„Selbst- mörder" begraben. Die ihres Ernährers beraubte Familie fleht vergebens um sein„ehrliches" Begräbniß. Die beiden Förster gehen unbehelligt ihrem„Beruf" nach, dagegen sitzen drei bis dahin unbescholtene Männer unter der Beschuldigung des Mein- eides Monate lang hinter Schloß und Riegel. Und das Alles um— ein Reh! — Arbeit und Brod den arbeitslosen Arbeitern— gicbt es eine berechtigtere Forderung, welche gegenwärtig an den Staat gestellt werden könnte? Aber was thut der Staat gegen- über dieser Forderung, die vernehmlich genug seitens der durch die herrschende Krisis auf die Straße geworfenen Arbeiter er- hoben wird?— Nichts; er rührt nicht den kleinen Finger und thut, als ob die Nothlagc gar nicht vorhanden wäre, als ob sie ihn gar nichts anginge. Gut, wir sind's zufrieden; wird doch der Masse der Arbeiter dann um so eher klar werden, daß der heutige Staat nicht gewillt ist, sich mit ihrem Wohl und Wehe zu beschäftigen. Inzwischen wollen wir eine weitere Kundgebung aus Arbeiterkreisen registriren. Es sind diesmal die westfälischen Arbeiter, welche weit über 10,(XX) arbeitslose Genossen in ihrer Mitte zählen, die ihre Ansicht über die Aufgaben des Staates in folgenden Sätzen aussprechen: 1) Umwandlung der jetzigen kapitalistischen Produktionsweise mit ihrer planlosen, verderblichen „freien Concurrenz" in Produktiv-Genosienschasten der Arbeiter, ermöglicht durch Staatshülfe; bis dahin 2) sofortige Beschäftigung der brodlosen Arbeiter bei ohne Verzug in Angriff zu nehmenden Staatsbauten, namentlich von Eisenbahnen, Kanälen und Straßen, und 3) verlangen die westfälischen Arbeiter,„daß die sonstigen Borschläge der Arbeiterpartei" durchgeführt werden." Enthalten sind diese Forderungen in einem Aufrufe, den die Genossen Tölcke, Stützer und Schlänstedt in der„Westfälischen Freien Presse" an die Arbeiter, Bürger und Bauern Westfalens im Auftrage einer am 18. Februar in Iserlohn stattgehabten Volksversammlung gerichtet haben. — Das neueste Cirkular des Verbands sächsischer Berg- und Hüttenarbeiter bringt folgende Mittheilung: In der am 28. Januar d. I. abgehaltenen zweiten consti- tuirenden Generalversammlung des Verbandes sächsischer Berg- und Hüttenarbeiter zur Eintragung in das Genossen- fchaftsregister wurden die den anwesenden Genossen bekannten Statuten im Allgemeinen nicht geändert. Als Verbands- organ gilt vom I.April ab der in Leipzig erscheinende „Vorwärts"*), und zwar bis zur nächsten Generalversamm- lung. Der Generaloersammlung ist die Bestimmung� der Ver- bandsorgane vorbehalten. Der Bericht über den Stand des Verbandes war befriedigend. Als erster Vorsitzender�wurde Ge- nosse Ebert in Zwickau, als Stellvertreter Albin Schmiedel in Cainsdorf gewählt. Hoffentlich wird die Prüfung, bez. Ge- nehmigung der Statuten nicht lange auf sich warten lassen, so daß allen Genossen durch Behändigung derselben binnen kurzem *) Sämmtliche Obleute ohne Ausnahme sind gehalten, vom 1. April 1877 an den„VorwärrS" zu halten und w rd zunächst 1 Mark ver- gület, resp. haben die Obleute diesen Betrag aus der vierteljähr- lichen Abrechnungstabelle tn Rubrik der Lokalausgaben in Abzug zu bringen. Mäßigkeit gefehlt. Und so haben denn viele Mädchen nicht ein- mal begriffen, wozu sie denn eigentlich in der Welt seien, was allerdings in der That bei manchen modernen Damen sehr zweifelhaft ist. Der Schaden wird nun mehr und mehr offen- bar und vielfach zeigt sich ein reger Eifer für Verbesserung der weiblichen Bildung. Man erkennt, daß bisher in der Bil- dung wie in der Lebensstellung beider Geschlechter ein zu großer, das Maß des Natürlichen weit überschreitender Gegensatz be- standen hat." „Ob man die Kinder auch nach ihren äußeren Lebensverhältnissen, nach Stand, Vermögen und Bildungsgrad ihrer Eltern. trennen solle, ist eine pädagogische Streitsrage, die nur nach concreten Verhältnissen entschieden werden kann. Es wäre jeden- falls sehr erfreulich, wenn alle Kinder einer Gemeinde, ja eines Volkes, bis zu einem gewissen Alter eine gleiche, möglichst all- festige und vollkommene Ausbildung erlangen könnten, und man muß dieses Ziel mehr und mehr zu' erreichen streben. Leider sind aber bei unseren sozialen Verhältnissen, welche von der Pädagogik nicht beliebig geändert werden können, die nothwen- digcn Borbedingungen zu einer solchen allgemein gleichen Jugend- bildung fast in keiner größeren Gemeinde vorhanden, und es ist daher nothwendig, daß den Kindern armer Eltern durch öffent- liche Mittel ein regelmäßiger Schulbesuch ermöglicht werde. Jedenfalls muß die Erziehung nach Möglichkeit darauf hin- arbeiten, die spannenden Gegensätze zwischen verschiedenen Volks- schichten zu mildern und in dem aufwachsenden Gejchlechte das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu begründen." Die wenigen angeführten Stellen mögen zeigen, in welchem Geiste der„Grundriß der Erziehungs- und Unterrichtslehre" ge- schrieben ist; sie empfehlen das Buch, welches gegenwärtig in der 5. Auflage erscheint und bei einer Seitenzahl von 230 einen Preis von Mk. 2,75 hat, gewiß hinreichend. Zum Andenken an Johann Jacoby. „Ich komme nicht, um dich zu preisen, Du Mann des Volks, du Wwerp-rt Der Politik von Blut und Eisen, Durch die die Welt in Eisen starrt. „Ich poche laut an deine Grube In heißem Zorn mit einem Schwert, Und fluch' der deutschen Kinderstube, Daß sie bis heuie dein nicht wcrch. Rechnung getragen werden kann. Ob die Genossen nach! der Genehmigung der Statuten nochmals eine Generalver- sammlung wünschen, ist Sache der Genossen selbst, und hat nicht der Vorstand, sondern nur die Controlcommission— selbst wenn es auf Antrag der Mitglieder geschieht— das Recht, die Gene- ralversammlung einzuberufen. Verbandsgenossen! Bisher habt Ihr treu und muthig zur Fahne der Solidarität, der Bruderliebe gestanden, und Ihr werdet es auch in Zukunft thun, das hoffen wir. Wenn es je eine Zeit gab, welche mahnend an Euch herantrat, daß Ihr Euch zusammenschaaren sollt zu einem Bund, der mächtig, zu einer Kette, die stark, zu einer Hilfskasse, die fähig ist, Euch in vor- kommenden Fällen zu schützen, so ist es gewiß die jetzige Zeit, welche Euch laut in's Ohr ruft: Seid einig! Denn vereinigt seid Ihr Alles, vereinzelt Nichts! Unter heutigem Datum hat die Controlcommission, durch 5 Delegirte vertreten, eine Bücher- und Kassenreoision bei dem Vorstande in Zwickau vorgenommen und soweit Alles in bester Ordnung befunden. Die Einrichtung war derart, daß der erste Vorsitzende im Besitz des Verbandsmaterials, der Kassirer im Besitz der Kasse und Genosse Ebert im Besitz der Geschäftsbücher war, weil derselbe bislang immer noch die eigentliche Geschäfts- leitung besorgte. Lugau- Würschnitz, den 28. Januar 1872. Für die Controlcommission: Friedrich Schramm, Geschäftsführer. — Ein wahnsinnig gewordener Communistenfresser. Wie aus Petersburg vom 28. Februar geschrieben wird, hat der Chef der geheimen Polizei, Potapow, welcher di« Nihilisten und Communisten in Rußland unter seine besondere Obhut genommen hatte und bekanntlich im vorigen Herbst als Begleiter des Zaren auf dessen Reise nach der Krim im Wahnsinn verfiel, seine Dienstwohnung bereits verlassen, d.h. derselbe ist als unheilbar anzufehen. — Unser Offenbachcr Parteiorgan, die„Neue Offenbacher Tageszeitung" bringt eine Erklärung Liebknccht's, die wir hier zum Abdruck bringen, weil es sich um eine Berläumdung handelt, die von der ganzen Reptilien- und reptilisirten Presse kolportirt wird: „Lieber Herr Ulrich! Sie schicken mir die(nationalliberale) „Offenbacher Zeitung" vom 25. Februar nebst Ihrer Wider- legung der darin enthaltenen Liebenswürdigkeiten. Sie haben der„Offenbacher Zeitung" zu viel Ehre ange- than. An dem Artikel:„Deutsche und französische Sozialdcmo- kraten" ist sie so unschuldig, wie ein neugeborenes Kind; sie hat ihn aus dem bekannten Reptiliensumpf fix und fertig zugestellt erhalten und bloß am Schluß einigen Originalschmutz Hinzuge- klext. Oder hat sie auch diesen Schmutz vielleicht aus Berlin bezogen,- jedoch nicht aus der allgemeinen Gosse, sondern aus einer Privatpfütze? Ist möglich! Und gleichgültig. Nun zu dem„Vorwärts"-Telegramm an die„Droits de l'Homme"(Menschenrechte). Was zunächst den„groben Sprachschnitzer" betrifft, so existirt derselbe nur in den Schädeln einiger deutsch-chauvinistischer Know- nothings(Nichtswisser). Der angebliche Schnitzer ist von der Redaktion der„Droits de l'Homme" selbst begangen und bc- steht darin, daß„Redaktion und Administration" als grammatt- kalische Einheit aufgefaßt sind, was einem deutsch-chauvinistischen Knownoching schlechtes Französisch erscheinen mag, aber für einen französischen Nicht- Knownothing gutes Französisch ist, und jedenfalls die Verfasser des„Borwärts"telegrainms nichts angeht. Und jetzt die Hauptsache: Daß das Banket der„Droits de l'Homme" einen französisch- chauvinistischen Charakter getragen habe— Lüge! Daß das Telegramm des„Vorwärts" eine ungünstige Auf- nähme gefunden habe— Lüge! Daß Guyot eine französisch-chauvinistische Rede gehalten habe— Lüge! Und so fort: Lüge! Lüge! Die„Droits de l'Homme" waren bis zu ihrer gewaltsamen Unterdrückung, mit Ausnahme der„Revolution", das einzige französische Blatt, das den Chauvinismus systematisch bekämpfte, und für die Verbrüderung des deutschen und des französischen Volkes eintrat. Die beiden Hauptredakteure, Lacroix und' Guyot(welch letzterer die Bankelrede hielt) sind übrigens dem deutschen Publikum durch ihre vorzügliche, den Geist der Wissen- „Du Mann, der schlich: und unverdrossen, Stets kämpfend für des Volkes Heil, D r Lüge durch das Herz geschossen Der Wahrheit unentwegten Pfeil." Da klang's wie Geisterstimme leise: „Du junger S reiter laß mich ruhn, Denk, daß einst sprach der große Weise: „„Sie wissen ja nicht, was sie thun!"" Kurt Mook. — Ein sauberes Kleeblatt. In der letzten Nummer des„Ge- werkverein" lobt Herr Dr. Max Hirsch den Herrn Röthing seines Xenegale-thums halber und erzählt, daß der Renegat Herr Küster aus der Schweiz zurückgekommen sei und sich in Plötzensee gestellt habe. Hirsch-Röthing-Küster— ein herrliches Kleeblatt. Zur Heiligkeit der Ehe. Man hat eine Bibel aufgefunden, in welcher sich von Luthers eigener Hand folgende Widmung befindet: O Go>t, durch deine Güte, Bescheer' uns Kleider und Hüte, Auch Mäntel und Röcke, Feite Kälber und Böcke, Im Sialle glatte Rinder, Biel Weiber, wenig Kinder. Denn kein lieber Ding auf Erden Als Frauenlieb', wem sie mag werden. Die katholische„Germania" hält sich über den Vers in etwas ent- rüsteter Weise aus.— Das„Bayreuther Tageblatt", ein ächter Kultur- kämpier, vertheidigt die Vielweiberei nun mit folgenden Worten: „Daß der große Reformator die Frauen liebte, verhehlte er nie, das wird aber in den Augen eines braven Mannes ihn nicht kleiner machen, denn— wie er bekannilich selbst zu sagen pflegte:„„Wer nicht »iebt Wein, Weiber und G-sang der bleibt ein Esel sein Leben lang."" „Viel' Weiber!"— gewiß nicht übel, aber wo bleibt da die Heilig- keit der Ehe? — Ein merkwürdiges Aktenstück. Der Herzog Carl von Braunschweig erließ nach seiner Vertreibung folgende Proklamation: „Zugeständnisse Sr. königl. Hoheit des Herzogs von Braunschweig an feine Unt rthanew W>r Carl, von Gottes Gnaden souverainer Herzog von Braunschweig und Lüneburg erklären und befehlen: 1. Die Konskription ist aufgehoben. 2. Jeder ist Wähler und die Bertteter des Volks werden in Zu- kunst von der Mehrheit der Bewohner des Herzogthums gewählt. 3. DaS Schwurgericht wird eingerichtet. ! schaff und reinsten Humanität athmende Schrift: kSkucks sur les doctrines sociales du Christianisrne bekannt, d e unter dem Titel:„Die wahre Gestalt des Christenthums" in das Deutsche übersetzt worden ist. Auf die Freundschaft solcher Männer bin ich stolz. Wenn ich einmal mehr Zeit habe, werde ich mit der„Offeu- bacher Zeitung" ein Wörtchen über Patriottsmus, Jntcrnatto- nalität!C. reden. Für heute nur soviel: Jnternattonal sind unsere Gegner(einschließlich der„Offenbacher Zeitung") so gut wie wir. Der Unterschied ist bioß: unsere Sympathien ge- hören den freiheitlicbenden, edlen, ehrlichen Menschen aller Länder, und die Sympathien unserer Gegner gehören de« — anderen Leuten aller Länder. Das ist Alles. Vide z. E. die„deutschen �Bettelpatrioten in den Tuilerien", unter denen kein einziger Sozialdemokrat, wohl aber so mancher Freund der „Offenbacher Zeitung" zu erblicken ist. Oder will die„Offen- bacher Zeitung" in Abrede stellen, daß die ganze Bourgeoisie Deutschlands ein halbes Menschenalter hindurch vor dem in- famen Blut- und Eisen-(und Koth-) Empire des De- cemberschlächters Louis Bonaparte auf dem Bauch gelegen hat, während wir(und insbesondere auch ich— S. d. Affaire Vogt) es waren, die gegen dieses schmachvolle Treiben protestirten und für die Ehre und das Interesse Deutschlands eintraten? Aber uou olet pecunia, das Geld riecht nicht, ist die Maxime des internattonal- liberalen Geldprotzenthums: Das Geld riecht nicht,„man nimmts, wo mans findet", seien es französische 20-Francsstücke, preußische Reptilienthaler, oder meinet- wegen auch„Rubel auf Reisen". Und damit genug und— zu viel für die„Offenbacher Zei- tung". Ich werde gleich nach Schluß der Seffion dem Redak- teur derselben und seinem Berliner Patron Gelegenheit geben, vor versammeltem Volk die Frage zu verhandeln, wer die Ehre und das Interesse Deutschlands geschädigt hat und fortwährend schädigt, die Partei des„Vorwärts" oder die Partei der„Offenbacher Zeitung". Juckt der„Offenbacher Zeitung" das Fell schon vorher, so braucht sie es blos zu sagen. Es kann ihr stets gedient werden.-- Und juckt Anderen das Fell, so haben sie's ebenfalls bloß zu sagen. — Georg Odger, Schuhmacher, oft genannt als einer der hervorragendsten englischen Arbeiterführer, ist am Sonntag in London gestorben. Bei der letzten englifchen Reform- bewegung vor etwa zehn Jahren spielte er eine bedeutende Rolle. Im Jahre 1820 im Süden Devonshire's von armen Eltern ge- boren, ernährte er sich sein Leben lang vom Handwerk und verdankte alles, was er an politischem und sonsttgem Wissen sich zu eigen gemacht hatte, lediglich seinem Fleiße und seiner Aus- dauer. In die Oeffentlichkeit trat er schon im Jahre 1849, als die Schuhmacher sich gegen die Einführung von Maschinen in ihr Gewerbe sträubten und er ihnen das Thörichte dieses Wider- standes durch Schrift und Wort zu Gemüthe führte. Zehn Jahre später finden wir ihn als einen der thätigsten Führer der Gewerkvereine, die bedeutend kampfesmuthiger sind als die von Hirsch in Deutschland verleiteten, und im Jahre 1863 bekleidete er den Posten eines Secretärs des Londoner Gewerkrathes, in welcher Eigenschaft er mit sämmtlichen Gewerkoereinen des Landes in inniger Verbindung stand und keinen geringeu Einfluß auf deren Beschlüsse ausübte. Bedeutender noch war die Rolle, die er in der Reformbewegung zu Anfang der sechziger Jahre spielte und in der sein Name unter den Volksführern und Fürsprechern für eine Ausdehnung des Wahlrechts als einer der hervor- ftechendsten genannt wurde. Die R>formbewegung selber war erfolgreich und die Ausdehnung des Wahlrechtes eine bedeutende. Odger selber aber vermochte doch nicht in das Unterhaus zu gelangen, obwohl er sich dreimal— darunter zweimal in Lon- doner Wahlbezirken— um einen Sitz beworben hatte. Odger gehörte auch eine Zeit lang der Internationale an und bekannte sich in den letzten Jahren zum Sozialismus. Er starb an den Folgen einer schleichenden und schmerzlichen Krankheit. — Parteigenosse Klute ist am 5. d. M. wegen Majestäts- und Bismarckbeleidigung zu 8 Monaten Gefängniß verurtheilt worden. — In Rcichenbach(Schlesien) sind 26 Parteigenossen an- geklagt worden, die ein Flugblatt verbellet haben, in welchem ein Verstoß gegen Z 130(Haß und Verachtung erregen, zu Ge- ivaltthätigkeiten anreizen) enthalten sein soll. 4. Die Zehnten und Herrendienste werden um die Hülste des Werths ablösbar gemacht. 5. Se. königl. Hoheit erklärt, seine Domainen mit dem Volke thei- len zu wollen. 6. Alle Hoheiisrechte werden verkauft. 7. Alle Güter der Aristokratie werden confiscirt und an den Meist- bieienden zu Gunsten der armen Klasse verkauft. 8. Die Gemeinden sollen das Recht haben, ganz nach ihrem Willen, ihre Richter, ihre Vorsteher und ihre Geistlichen zu wählen und zu besolden. 9. Die ganze Armee wird aufgelöst, um dem Volke zu beweisen, daß man Vertrauen zu ihm hat, daß man nicht durch den Schrecken Helschen will 19. Die Familien der armen Klasse sind von allen Steuern, welcher Art immer, befreit. Frankfurt a. M., den 26. Nov. 1839. Carl, Herzog." — Eine eigenthümliche Illustration zu der Phrase vom „Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte", so schreiot der Münchener „Zeitgeist", lii,erte die letzte Schwurgerichissitzung, in welcher e>n Ver- brechen gegen die Sittlichkeit verhandelt wurde. Junge Mädchen, die ! kaum der Töchterschule entwachsen sind, sowie feuchtohrige Jungen strömten gegen den Zuhörerraum, nachdem die Beschränkung der Oeffcnt- lichkeil gegen Schluß der Verhandlung aufgehoben wurde. Man beachte, daß trotz der gerade nicht gelinden Temperatur dieses Publikum, das nach Beginn der Verhandlung den Saal räumen mußte, auf dem Gange vor dem Saale ausharrte, bis der Zutritt zur Verhandlung wieder ge- stattet wurde. Dieses beinahe krankhafte Haschen nach den sogenannten Pikanterien, das durch die Sensationssucht einer gewissen Presse noch annesacht wird, wirst ein keineswegs günstiges Bild aus unsere sittlichen : Zustände. Und dennoch„Reich der Gottesfurcht und frommen Sitte"? — Die Dunckersche„Volkszeitung" bedauert in süßlich- , frechem Tone den Abgeordneten Hasenclever, daß er sein unantastbares Altona« Reichstagsmandat aufgegeben und das Berliner angenommen habe, welches er nun auch noch verlieren würde. Zunächst sei hier be- ! merkt, daß mit ziemlicher Sicherheit jetzt zu sagen ist, daß die Wahl im 6. Berliner Wahlkreis für gültig erklärt werden wird. Dana � aber bemerken wir, daß Hasenclever als Person für ein Reichstags- Mandat nicht eine Nickelmünze giebt, daß er den Verlust eines Sitze» > nur der Partei Haider bedauert, od er oder ein anderer Genosse ihn verliert, ist gleichgültig. Für den kindisch-eitlen vr. Max Hirsch und für den geckenhaft in röthlich- schimmerndem Affeniammet- - jäckchen daher stotzierenoen Franz Duncker wäre allerdings der Berlus. . des Mandats ein trauriges Ereigniß. — Arbeitsausschluß. In Delmenhorst bei Bremen find einzelne Cigarrenarbeiter wegen Agitation für die Partei aus der Arbeit entlassen worden, weshalb sämmtliche Arbeiter einiger Fabriken die Arbeit eingestellt haben. Zuzug ist abzu- halten. Frick. Reißer. —„Thüringer Volksblatt"— unter diesem Titel ist in Meiningen ein neues Parteiblatt erschienen, dem wir gutes Gedeihen wünschen. Correspondenzen. He, 26. Februar. Ein hiesiger, schon längere Zeit arbeitsloser Buchbinder versuchte heute Morgen sich und zweien seiner Kinder mittelst Erstechens das Leben zu nehmen. Der Unglückliche und die Kinder wurden verwundet in das städtische Spital gebracht und man zweifelt an dem Aufkommen des erstern, da er sich den Stich unter dem Herzen beibrachte. Verzweiflung über anhaltende Verdienstlosigkelt und deren schwere Folgen wird als Anlaß der That angegeben. Schwabach. Vergangenen Sonntag, den 4. März, hatten wir, nachdem Hierselbst seit mehreren Jahren die Agitation fast ganz geschlummert hatte, eine ausgezeichnet gut besuchte Volks- Versammlung. Flur, Treppe und Bodenraum, von welch' letzterm Luftlöcher in den Saal hinabführen, waren mit Menschen be- setzt, welche dem gediegenen Vortrage unseres Parteigenossen Carl Grillenberger aus Nürnberg lauschten. Die Tagesordnung lautete: Die Besttebungen der Sozialdemokratte und die ver- flossenen Reichstagswahlen. Der Referent besprach in ändert- halbstündiger glänzender Rede die oben erwähnte Tagesordnung und erntete allgemeinen Beifall. Hätten wir vor der Wahl eine solche Versammlung abhalten können, so hätten wir statt 55 wohl viermal so viel Stimmen an hiesigem Orte für unseren Candidaten bekommen. Bei der Wahl 1874 wurden in unserem ganzen Wahlkreise 5 Stimmen abgegeben, diesmal waren es doch 149, obwohl keine Versammlung oder Agitation stattfand; und wenn uns die Nürnberger Genossen, wie sie es uns versprochen, mit Rednerkräften unterstützen, so wollen wir es unseren Libe- ralen und Fortschrittlern zur nächsten Wahl schon warm machen. Georg Feil. Kalle. Eine musterhafte Polizei nach preußischer Art besitzt unsere Stadt. Gegen unfern dorttgen Genossen Restaurateur Rüdiger regnet es förmlich Strafmandate, und zwar meistens wegen— Duldens von Gästen über die Polizeistunde hinaus. Während viele andere Lokale geöffnet sein können, so lange es beliebt, werden hei R. fast regelmäßig jeden Abend polizeiliche Revisionen angestellt, und falls man 10 Minuten nach 11 Uhr noch einen Gast antrifft, wird ohne Rücksicht mit Strafe vorgegangen. Auf Grund einer siebenmaligen Bestrafung der angegebenen Art führt nun die Polizeiverwaltung Klage gegen R. und beantragt Entziehung der Konzession zum Schank- betrieb, glaubt sich auch zu der Behauptung berechtigt, daß bei R. die Völlerei gefördert wird, ohne dafür aber irgend einen anderen Beweis zu haben. Bis jetzt hat das Verwaltungsge- richt zu Merseburg dem Anttage nicht entsprochen, was hoffent- lich auch später nicht geschehen wird, da ein trifti, ... triftiger Grund nicht vorhanden ist. Wieder eine treffliche Illustration zum Kapitel vom„Rcchtsstaate" bildet die Sache jedoch, wenn man ficht, daß die Polizei für das nächtliche Treiben in anderen Lokalen nicht so offene Augen hat, resp. duldet, daß in denselben viel später sich noch Gäste befinden, während sie gegen unseren Genossen Strafmandate in Höhe von zusammen 117 Mark im Laufe eines halben Jahres erlassen hat, weil er seine anstän- digen Gäste nicht um 11 Uhr hinauskomplimentirt. Es lebe der preußische„Rechtsstaat"! Iorfl, 11. März. Auch hier ging die letzte Reichstagswahl nicht ohne jede Denunziation vorüber. Unser Parteigenosse Hugo Schmidt, welcher bei der Wahlagitation mit gutem Er- folg wirkte, wurde am 12. Januar auf Requisition der könig- lichen Staatsanwaltschaft zu Sora» verhaftet. Derselbe befand fich am 6. März auf der Anklagebank wegen Beleidigung des Triebler Bürgermeisters und Verstoß gegen 8 130 des Sttaf- gesetzbuchs. Der Staatsanwalt begehrte 8 Monate Gefängniß, der Gerichtshof war aber anderer Ansicht und erkannte im letzten Falle auf Freisprechung, hingegen im ersten Falle auf 3 Monate Gefängniß. Zittau. Die Wahlen haben trotz unsrer Anstrengungen nicht den Erfolg für uns ergeben, welchen wir erwartet haben. 1874 hatten wir über 1S00 Stimmen, und 1877 etwas über 1200 Stimmen, wir haben also 300 Stimmen eingebüßt. Es wurden neun Volksversammlungen abgehalten, wovon zwei auf Zittau und sieben auf die größern Orte kommen, welche alle sehr gut besucht und vom besten Geist beseelt waren. Wir hatten zwei Gegner, Dr. Pfeifer(nat.-lib.) und Fabrikbesitzer Frankel(fortsch. Dem letzteren hatten wlVs besonders zu danken, daß die Wähler des ersten sächsischen Wahlkreises in eine Aufregung versetzt wurden, wie das hier noch nie der Fall war. Die Fortschrittler und Nattonalliberalen bekämpften sich heftig, uns gegenüber aber bildeten sie„eine reaktionäre Masse". Alle möglichen Ver- leumdungen wurden Tag für Tag in Zeitungen und Flugblättern gegen uns geschleudert, auch in Versammlungen ging's über die bösen Sozialisten her, besonders wenn die Gegner merkten, daß von diesen keiner anwesend war. Neben den Kämpfen mit unfern politischen Gegnern hielten auch die Behörden scharfen Auslug nach uns. So wurden zwei unsrer Genossen zu 15 Mark Geld- büße und in die Kosten verurtheilt, weil sie während der Wahl- agitation auch Kalender verkauft hatten; da aber selbstredend Geld nicht vorhanden war und die Exekution ebenso selbstredend kämpfen und streiten wir weiter, und gewonnen haben wir trotz alledem in der öffentlichen Meinung diesmal mehr als vor drei Jahren, das haben die zwei Volksversammlungen, welche wir nach der Wahl abgehalten haben, zur Genüge bewiesen. Genosse Keller(Görlitz) unterstützte uns nach Möglichkeit, was wir dan- kend anerkennen. Unsre„Zittauer Nachrichten" leisten seit der Wahl ungemein viel Scheerenarbeit, alle Schundartikel, did sie aus andern Blättern gegen uns Sozialdemokraten nur auf- gabeln kann, werden gebracht und die sogenannte„Oberlausitzer Dorfzettung" geht als würdige Nachbarin voran. In einem Herzenserguß derselben vom 3. März heißt es wörtlich:„der sozialistische Zukunftsstaat soll am besten sich unter einem Schweine- stall vorstellen lassen." Auch der Reichstagsabgeordnete und Parteigenosse Fritzsche wird darin auf sehr gemeine Weise anae- griffen. Nun immer zu so, wenn die Gegner so weiter kämpfen werden ihre Waffen bald stumpf sein. Die Arbeitslosigkeit, die Roth und der Kummer werden dadurch noch beseitigt, denn wenn der Oberlausitzer Handweber die Woche jetzt 3 Mark verdient, so kann er fich glücklich schätzen gegen die vielen Hunderte, die " Ihr H-*-..... Briefkasten der Redaktion. M. B. in Groß-Steinheim: Die betr. Briefe sind uns nicht zugegangen.— H.: Ihr Artikel„Ueber Produktion im Großen und Kleinen" ist nicht zu verwerlhen.— V. in Bernburg: H. hat nicht so reizbare Neiden, wie Herr v. Bismarck. Bei einer so offenkundigen Verläumdung, wie das„Bernburger Wochenblatt" sie gegen H. schleudert, ruft derselbe den gesunden Sinn des Volkes als Richter an. Im Uebrigen bedankt er sich auch dafür, sich mit allerlei Preßgesindel herumzuschlagen. der Expedition. Uh in C.: Ja— Preis bekannt. Bitte freundlichst möglichst genaue Angaben über Gesammtzahl in Web- und Spinnereien beschäftigter Kinder und Erwachsener beiderlei Geschlechts vermitteln zu helfe». Dauer der Arbeitszeit, Lohnverhältnisse, Krank- heit, Sterblichkeit, Durchschnittsbedürfnisse für Familien und Einzelne thunlichst angeben. In Werdau, Zwickau, Meerane regen Sie schlcu- »igst dasselbe an. Eilt, wegen der Arbeiterschutzgesetze.— Gesandtes wird bestens verwendet. Freundlichen Dank. Quittung. Rschr Zittau Schr. 4,36. Ltk Wien Ann. 3,09. Mhrs Hanau Ab. 1,69. Strm u. Kppe hier Ann. 6,69. Brtl M. Schönberg Ab. 8,23. Bttchr Cöthen Schr. 1,12. Altr Mainz Schr. 9,60. Kls Buckau Schr. 4,65. Hrfrt Hohenstein Schr. 1,29. Rhwr Bremen Schr. 39,36. Nmz Wien Ab. 29,99. I. Lmbrd Paris Ab. 48,99. Grd Stötteritz Ab. 8,49. Bnch Saalfeld Ab. 29,99. Gr Osnabrück Ab. 8,59. Stfwts Neusatz Ab. 1,32. Rchtr Fischendorf Schr. 9,39. Zchrds Hermannstadt Schr. 11,29. Hch Frankfurt Ab. 13,49. Kppl Schwarzenbch Schr. 2,65. Ott Teuchern Schr. 6,98. Wahlfonds. Von F. aus Leutsch Liste 199 4,99. Auzeigeu Annoncen für die MittwochS-Nummer müssen bis Mon- tag Vormittags 9 Uhr; für die Freitagö-Nummer bis Mitt- woch-Vormittaas 9 Uhr; für die SonntagS-Nummer bis Frei- tag Vormittags 9 Uhr hier sein, wenn solche noch bestimmt Aufnahme finden sollen. Annoncen, denen der Betrag nicht beiliegt, oder für welche der Einsender kein Depot bei nnS hat, können eine Aufnahme nicht finden. ie Expedition des„Vorwärts". Arbeiter Bildungs-Verei«. Sonntag, den 18. März, veranstalten wir im (219 „Hotel de Pologne" eine Abendunterhaltung wozu Freunde und Gönner des Vereins freundlichst eingeladen werden. Anfang: 7 Uhr. Am letzten Montag hat ein Cursus in der Literaturgeschichte begonnen, sich dafür Jnteressircnde können am Montag Abend 8 Uhr noch beitreten.— Auf unsern Zeichnenunterricht machen wir nochmals aufmerksam, derselbe findet jeden Sonntag von 1— 3 Uhr statt. Auf- nähme jeden Abend von S1/., Uhr an Ritterstr. 43 II. Beittag monat lich 69 Pf.(69 gebt Mittel und Wege an, wie der Arbeitcrstaud sich aus diesem, � Elende heraus winden kann, mit dem bloßen Geschimpfe auf die � Sozialdemokraten werdet ihr nichts gewinnen. F. Renke, Agent. Lambrecht, 27. Februar. Die geistigen Waffen unserer Herren Arbeitgeber hier bestehen in Denunciationen und Maß- regelungen. Als Belege mögen folgende Beispiele dienen. Am 7. September fand im Saale des Herrn L. Jung eine stark be- suchte Volksversammlung statt, in der als Referent A. Drees- bach anwesend war, mit dessen gediegenem Vorttag die Ver-- sammlung vollständig einverstanden war. Am Schlüsse der Ver sammlung veranlaßte der Vorsitzende A. Richter eine Teller-- sammlung, wogegen die anwesende Polizei nichts einzuwenden hatte. Da nun aber einige von den Fabrikanten sahen, daß die ! Stimmung für den Arbeitercandidaten günstig war, wußten sie ihrem Unmuthe nicht anders Luft zu machen, als daß sie eine Denunciation wegen unerlaubten Collektirens bei der Staats- ' anwaltschaft einreichten, worauf A. Richter vom Landgericht zu Neustadt a. d. H. zu 20 Mark event. 6 Tagen Haft, H. Schike- danz und Ph. Ohler zu je 15 Mark event. 4 Tagen Haft ver- urtheilt wurden. Auf von den Beklagten erhobene Berufung � erfolgte jedoch Freisprechung seitens des Bezirksgerichts Franken- ' thal. Das vorläufige Ende dieses Liedes ist, daß der oberste Gerichtshof auf die Nichtigkeitsbeschwerde der Staatsanwaltschaft hin den Prozeß an die erste Instanz zu anderweitigen Ver- fahren zurückverwiesen hat. Ferner fand am 7. November 1876 bei dem Verttauensmann sowie bei dem Kasfirer der Gewerks- genossenschaft der Manufattur-, Fabrik- und Handarbeiter eine Haussuchung statt, wobei die Bücher der Genossenschaft mit Be- schlag belegt und der gesammte Ausschuß in Anklagezustand ver- setzt wurden, weil er einem Verein, der politische Tendenzen ver- folge, präsidire. Es fand auch ein Verhör mit 22 ausgetretenen Mitgliedern statt, ohne aber das gewünschte Resultat zu liefern. Auf mehrmaliges Ersuchen gab uns das Gericht endlich das Kassenbuch zurück,� alle sonstigen Bücher und Schriftstücke befinden sich noch in den Händen des Gerichts. Nach der Wahl, welche hier und in der Umgegend die Mehr- heit für Dreesbach ergab(hier erhielt Dreesbach 201, Jordan, nationalliberal, 186, Herf, conservativ, 24, Moehl, ultramontan, 54 Stimmen), wußten die Fabrikanten nichts besseres zu thun, als sofort Maßregelungen vorzunehmen, welche in erster Reihe A. Richter und PH. Ohler getroffen haben. Ersterer ist Fa- milienvater. Weitere Maßregelungen sind angedroht, so daß sich die Genossenschaft wahrscheinlich hier auflösen wird. Die Fa- brikanten bilden sich ein, sie könnten dadurch die Bewegung hier lahm legen, was ihnen aber nicht gelingen wird. Eöerfiadt. Wie bekannt ist, war hier in unserem Wahlkreis Herr I. Most als Candidat aufgestellt, aber noch kurz vor der Wahl durfte man sich kaum gettauen, den Namen Most auszu- sprechen, ohne verhöhnt zu werden, da auf einmal änderte sich die Sache. Am 7. Januar wurde hier eine Volksversammlung abgehalten, in welcher Parteigenosse Fleischmann aus Frankfurt refcrirte und wobei es den hiesigen Arbeitern wie Schuppen von den Augen fiel und es ihnen klar wurde, in welcher Lage sie sich befinden. Von unfern Gegnern hatten sich viele in dieser Versammlung eingefunden, aber nicht Einer getraute sich nur ein Wort zu entgegnen. Der Erfolg dieser Versammlung war, daß für unsern Candidaten 140 Stimmen abgegeben wurden; bei der Wahl 1874 hatten wir 38 Stimmen. Damit aber noch nicht genug, sofort traten einige unerschrockene Arbeiter zusammen und fieberten die übrigen Arbeiter zur Gründung einer Mit- glicdlchast auf; natürlich bieten die Gegner jetzt alles auf, um uns zu verdrängen, was ihnen aber nicht gelingen wird. �Montag � den 19. März, Abends 8 Uhr, in der Volksversammlung. Tagesordnung: Vortrag über die Pariser Commune, kritisch-histo» rische Skizze nach Lissagarey. Referent W. Liebknecht. 39) Der Einberufer. Donnerstag, den 15. März, Abends >L�sll(!l)rillk« 8'/z Uhr, im Saale des Hrn. Kühlmann, Altemünze 22: Oeffentliche Arbeiter-Versammlung. Tagesordnung: Vortrag. Verschiedenes. Referent Herr Kühn aui Tagesordnung: Vortrag. Verschiedenes. Referent Herr Kühn aus Osnabrück.(39 Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht P. Srowiarz. r O-flonfon Donnerstag, den 15. März, Abends 8'/» Uhr, »�lieNseN. in Bnrmeister's Salon, 1. Treppe: Sozialistenversammlung. Tagesordnung: Wie wollen wir uns hier in Ottensen organisiren. Sämmtliche Parteigenossen ersuche ich zu erscheinen(9,79 F. Heerhold. Neue Welt ErsterZahrgang, 1876, complett kann erst mit Ende März d. I. versandt werden. Mehrere Rum- mern sind total vergriffen und ist Nachdruck nicht eher möglich, da un- � sere neue Maschine ftüher nicht eintrifft und laufende Aufträge unsere! ganze K/aft in Anspruch nehmen. Wir empfehlen also lieferbar wie oben angegeben: Die Neue Welt. Erster Jahrgang, 1876, complett. Preis: ungebunden 5 M., in elegantem Einbände 7 M. 50 Pf.! franco. Die Einbanddecken wagen in Golddruck das große Titelbild dcS Heftumschlags, darstellend: „Z>ie Befreiung der Menschheit". Diese eleganten Einbanddecken sind a 1,29 Mark gegen baar oder Nachnahme(excl. Porto) durch uns, sowie durch die Buch bin- derei von H. Jansen, Leipzig, Universitätsstr. 16, zu beziehen. Bei Partiebezug entsprechender Rabatt.— Es empfiehlt sich bei Einzel- bestellung Einsendung des Betrages in Briefmarken. Leipzig. Die Expedition der„Neuen Welt". Färberstt. 12. II. Soeben ist erschienen und durch uns zu beziehen: Statistische Tafel der sozialistischen Wahlen zum deutschen Reichstage. Eine genaue Zusammenstellung der Gesammttesultate(sozialistische und gegnerische Stimmen) derjenigen Wahlkreise, in welchen bei den» diesjährigen Wahlgange sozialistische Candidaten aufgestellt wäre«, unter Einschluß der engeren Wahlen zwischen Sozialisten und Can- didaten anderer Parteien. Für 20 Pf. zu beziehen vom Verleger August Geib, Rödings- markt 12 in Hamburg, an den alle Bestellungen zu richten sind. Soeben erschien: Die Märtyrer der Commune in Neucaledonien. Berichte zweier Eutwichenen. Von �aschat chroussct und Ar. Zourde. PreiS: 30 Pfennig. Der Ertrag dieser deutschen Uebersetzung ist für die deportirten Com- munards und deren Familien bestimmt. Ein grauenhaftes Bild menschlichen Elends und menschlicher Nieder- tracht entrollen die Verfasser. Die wenigen Bogen bilden ein unver- löschliches Denkmal der Schmach für die Henker der Pariser Commune. Verlag der Genossenschasts-Buchdruckerei in Leipzigs Färberstraße 12/11. Soeben erschienen und durch uns zu beziehen: Waldverwüstung und Ueberschwemmung. Ein Kapitel der Grund- und Bodenfrage. Von Keorg'Aollmar. Preis pro Exemplar l5 Pfennig. Die Expedition des„Vorwärts". BERLIN, SO., Kaiser Franz- Rrenaiiier-Platz 8a. >4- Zur\ xf/ Ueber- . � y' nähme von .0� �rDrack- Aufträgen �/jeder Art und joden � v yT Umfunga, ala: Zeitungen, Zeitschriften, Werke, Broschü-� 'ren, Statuten etc. empfiehlt sich dio� Allgemeine Deutsche Associations-Buchdmckerei >5 (Eingetragene Genossenschaft) .-v unter Zusicherung prompter u. � Vk Bedienung bei soliden Preisen. ✓ � v> x % � Dampikraft-Betrieb a. Doppel-/ Schnellpresse.— � �>�denren jeden � * K.\ Karten, Circu- X � �\laire, Avise/ � etc. » OoiWlict Donnerstag, den 15. März, Abends �z9 Uhr, im „Thüringer Hof", Burgstr. 20: Oeffentliche Sozialistenversammlung. BERLIN, SO., Kaiser Franz- Orenato-Platz 8a. gar nichts verdienen. Ihr Herren Gegner mit dem Fischgehirn, � Tagesordnung: Vortrag über das Armen- und Heimatsgesetz. Res«- rent I. Motteler. Der Agent.(69 Verantwortlicher Redakteur: W. Hasenclever in Leipzig. Redaktion und Expedition Färberstraßc 12/11. in Leipzig. Druck und Verlag der Benoffenschaftsbuchdruckerei in Leipzig