Erscheint in Leipzig Mittwoch, Freitag, Sonntag. AbonnemcutSpreis sär ganz Tcutschland t M. 60 Pf. pro Quartal. Monais- Abonnements werden bei allen deutichen Postanftalten ans den 2. und 3. Monat, und ans den 3. Mona: besonder zeangenommen: im ttönigr. Sachsen und Herzogth. Sachsen- Allcnbnrg auch aus den iten Monat de« Quartals& 54 Psg. Inserate betr. Lersammlungenpr. Petitzeile 10 Pf., betr. Priraiangelegendcilen und Feste pro Petirzeile 30 Pf VorwärlK ktstellungen nehmen an alle Poltanstalten und Buch» Handlungen des In- u. Auslandes. Filial- Expeditionen. New-Horl: Soz.-dcmolr. Genogen- schastsbuchdruckerei, 154 Qlitrickgta Str. Philadelphia: P. Hah,«go Xortb g-a Street. I. Boll, 1129 Charlotte Str. Hobolcu: F. A. Sorge. Chicago: A.Lanscr:nann, 74 Cl�donrne»v». San Franziseo: F. Entz, 418 OTarrell Street. London: Bauditz, 5 Xassum Street, Uiddlescx Hospital. Gentrat Grgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Str. 38. Freitag, 39. März. 1877. Äliomleintlits-Einladilug. Mit dem 1. April 1877 beginnt ein neues Quartal, und fordern wir deshalb zu zahlreichem Abonnement auf das wöchent- lich dreimal erscheinende Parteiorgan auf. Der Preis beträgt 1 Mark 60 IVf. pro Quartal, 34 pro Monat für ganz Deutschland. Alle Postanstalten und Buchhandlungen nehmen Abonnements entgegen. Denjenigen Abonnenten, welche das Blatt per Kreuzband beziehen, wird dasselbe bei wöchentlich dreimaliger Zusendung in folgender Weise berechnet: für Deutschland, Oesterreich, Helgoland und Luxemburg 3 Mark per Quartal; für die Schweiz, Serbien, Belgien, Seandinavien, Italien, die Niederlande, Großbritannien, Rumänien, Portugal, Frankreich, Spanien, Türkei und Vereinigten Staaten von Amerik., 4 Mark; Couvertsendungen innerhalb des deutschen Postgebietes incl. Oesterreich- Ungarn, Luxemburg und Helgoland wöchentl. 3mal 10 Mark pr. Quartal, wöchentl. Imal 4,80 Mark pr. Quartal. Der Abonnements- Betrag ist bei Bestellung einzusenden. In dem Zcitungskatalog steht der„Vorwärts" im Nachtrag XI, unter Nr. 3770», Seite 2. Für Leipzig und Umgegend ist der Abonnemcntsprcis mit Bringerlohn) aus 1 Mark 80 Pf. pro Quartal und 60 Pf. pro Monat festgesetzt. Man abonnirt bei der Expedition d. Bl. Färberstraße 12/11, unserem Colportcur Moritz Ulrich, Süd- straße 12, in den Filialen: Cigarrenladen des Hrn. Peter Krebs, Ulrichsg. 60, und Sattlerwerkstatt am Königsplatz 7; für die Umgegend von Leipzig bei den Filialexpeditionen: Volk- marsdsrf, Steudnitz, Neulchönefetd ic. je. bei Frau Engel, Reudnitz, Täubchenweg 29, 2 Tr.; für Connewitz:c. Hackert, Kurze Str. 10 part.; für Kleinzschocher und Ztmgegend bei F. Trost das.; für Thonberg bei Besch, Hospitalstr. 39/11. dahier; für Zleureudnih bei Zschau, 15 I; für chohlis ic. bei A. Hermsdorf, Lindenthalerstr. 7; für Stötteritz bei E. Grude, An der Papiermühle; für fPlagwitz-Lindena» bei Frau Grebenstein, Aurelienstraßc 3. Für Perlin wird auf den„Vorwärts" monatlich für 75 Pf. (frei in's Haus) abonnirt, bei der Expedition der„Berliner Freien Presse", Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8» und Rubenow, Brunnenstr. 34, im Laden. Dir Leipziger Abonnenten werden noch besonders darauf «nfmrrksam gemacht, daß bei allen Stadtpost-Filialcn sowohl Quartals- als MonatsabonnrmentS angenommen werden. Die Redaktion und Expedition des„Vorwärts". „Le socialisme contemporain en AUemagne." Iii. Wenn wir den wie vorstehend titulirten Artikel aus der „Revue des Dcux Mondes" erst nach sechs Monaten zur Ber- antwortung heranziehen, und das noch mit Unterbrechungen, so diene zur Entschuldigung, daß es nicht der Artikel, nicht sowohl der vergängliche Gegner ist, um den es sich handelt, als das unver- gängliche Werk des Genossen Marx, es handelt sich um Ent- deckungen, welche zu popularisircn für die Sozialdemokratie allzeit opportun(zeitgemäß) ist. Dazu kommen proletarische Gepflogenheiten des Referenten, dein Geld und Muße fehlen, die Erscheinungen der Literatur aus erster Hand zu nehmen, zn kaufen und prompt hinterher zu sein. Wir waren beim„Fundamental-Jrrthum" angelangt, und fragt es sich nun, wo derselbe steckt, ob in den Köpfen des Monsieur de Laveleye und Eonsortcn, oder im deutschen Sozialismus. Wir stehen nämlich vor der Frage, woher der Werth stammt, wie er entsteht, ob das Kapital oder die Arbeit ihn schafft. Die Gegner sagen: beide im Verein. Kapital und Arbeit zusammen erzeugen die Werthe. Gut! Aber das Kapital ist bekanntlich ein todtes Instrument, welches kein Leben hat und also auch keine Lebensmittel, keinen Profit oder„Mehrwerth" bedarf. Um die Frage nach dem Werth wissenschaftlich zu erledigen, will vor allem bemerkt sein, daß Privatinteressen ihrem Verständniß hin- derlich im Wege stehen. Die Sache ist in der That nur insofern fraglich, als gefragt wird, wem gehört der Werth. Um Werthe zu erzeugen, muß man arbeiten, und um arbeiten zu können, muß man Instrumente, Stoffe, Mittel, Dinge oder Werthe haben, welche mit vergangener Arbeit gewonnen wurden, aufgehäuft sind und Kapital genannt werden. Darüber ist kein Streit, das wissen die Sozialisten so gut, wie die Bourgeois. Um nun weiter arbeiten, um neue Werthe nach civilisirtcr Art erzeugen zu können, müssen Arbeiter und Kapital gemeinschaftlich an's Werk gehen. Was dabei aufgearbeitet wird, die verschlisse- neu Stoffe und die verschlissenen Kräfte, sind fort und fort zu ersetzen. Das ist nicht fraglich: das Kapital muß leben, insofern Ersatz für alles Verschlissene zu verstehen ist, und die Arbeit muß leben, wenn irgend die Produktion fortgesetzt werden soll. Darüber ist kein Streit. Es fragt sich nur, wem gehört der Profit, wer soll den„Mehrwerth" genießen. Es handelt sich um den Gewinnst. Die kapitalistischen Interessenten behaupten, der Arbeiter sei zu unterhalten, und das Kapital habe zu profitiren. Tie Sozialisten lehren klar und deutlich das Um- gekehrte. Dem Arbeiter gehöre der Gewinn, und das Kapital, das todte Instrument, sei nur zu unterhalten. Nun tritt der Kapitalist hervor und zeigt, daß hinter dem todten Instrument em lebendiger Kerl steht. Der Streit schwebt nicht um zwei Objekte, um Kapital und Arbeit, sondern um die Subjekte, ob die besitzende oder die arbeitende Klasse den Vortheil haben soll. Wenn die Interessenten des Kapitals sich gegen die Lehre auflehnen, daß Arbeit die Werthe zeugt, dann handelt es sich bei ihnen nicht um Wissenschaft, sondern um Praxis. Als vor- mals die klassischen Forscher der Oekonomie die Natur des Werths untersuchten, da zur Zeit war die Arbeit kaum mehr, als ein passives Zubehör des Kapitals. Unterdessen ist die Arbeit er- wacht, hat sich als lebendige, menschenwürdige Substanz kennen gelernt und findet sich berechtigt, die Sache umzukehren und das todte Kapital zu einer Accidcnz(Zubehör) der lebendigen Arbeit machen zu wollen. Wenn wir mit deu Klassikern der politischen Oekonomie sagen: Arbeit schafft den Werth, so soll damit nicht verneint werden, daß die Kapitalien mitwirken. Es wird nur bestritten, daß der Besitzer als Besitzer mitwirkt. Ist er„Auch-Arbeiter", so mag er sich in Reih' und Glied stellen. Wir arbeiten dann künftig wie bisher, in Gemeinschaft mit dem Ding, welches sich Kapital nennt, mit Proviant, Rohstoff, Werkzeugen und Maschinen, theilen aber das Produkt anders, so daß dem Kapital nur die erforderliche Unterhaltung, und dem Arbeiter die menschen- würdige zu Theil wird. Die Wortführer des Kapitals wollen die Wissenschaft um- kehren, iveil sie uns das Geheimniß der Profitmacherei verrathen hat.„Beinah alle Oekoilomen", sagt Monsieur de Laveleye, „von Adam Smith bis auf Thiers, bekunden, daß die Arbeit den Werth erzeugt. Wenn man diese Prämisse zuläßt, wird Marx mit einer unwiderleglichen Logik darthun, daß Kapital das Produkt der ungerechten Ausbeutung ist."...„Wenn man Marx liest, findet man sich eingezwängt zwischen den Rädern seiner stählernen Logik, man wird gleichsam die Beute eines Alps, weil, wenn man die Prämisse zugegeben hat, welche den zweifellosesten Autoritäten entlehnt ist, man den Consequenzen sich nicht mehr entziehen kann."...„Wenn man die Theo- rie des Werths zugiebt, welche durch Smith, Ricardo, Bastiat und Carey so sehr verbreitet ist, dann sind wir verloren. Mau- rice Bloch hat versucht zu widerlegen, daß der Arbeiter seinen Unterhalt in einenl Thcile des Arbeitstages erzeugt, und der andere Theil des Tages vom Patron in Anspruch genommen wird;... indessen ist diese von Marx constatirte Thatsache un- bestreitbar. Der Prinzipal kann demjenigen, den er beschäftigt, nicht den vollen Werth, keine volle Entschädigung für das Pro- dukt geben, welches geschafft wird. Denn wenn er das thäte, womit wollte er die Interessen des Kapitals und die Reute, womit Zahlung für sein Risiko und seine Bemühung leisten?"... „Die Geschichte beweist es: immer mußte ein Theil der Arbeit zum Vortheil Dessen geleistet werden, der über die erforderlichen Arbeismittel disponirte; so war es in der Sklaverei, in der Leibeigenschaft, in der Hörigkeit, und so ist es bei der Lohn- arbeit."...„Das Faktmn ist richtig, aber nicht mit ökonomischen Subtilitätcn(Feinheiten) über den Mehrwcrth läßt sich eine Verthei- lung des Produkts angreifen, welche auf dem bürgerlichen Gesetz (äes lois civiles) fußt... Wollt ihr, daß der Produzent mit seinem ganzen Produkt gelohnt werde, so macht ihn zum Kapi- talisten." Richtig! das ist der wahre Vorschlag, das wollen auch die Sozialisten: der Arbeiter soll Kapitalist, der Kapitalist Arbeiter werden, und zwar in der Weise, daß die Instrumente der Arbeit, Erde, Maschinen, Rohstoffe zc. aus dem Privatbesitz erlöst und in der Nationalökonomie placirt werden. Die Veränderung in der Lebenslage beider Klassen würde dabei so groß werden, daß der alte Name nicht mehr paßte. Die Kapitalisten und die Arbeiter lösten sich auf und würden demokratische Genossen. Diese einzige, nothwendige und verständige Lösung des Räthsels hat unser Franzmann nicht begriffen, darum will er die kleine Bauernwirthschaft favorisiren, predigt Bildung uno Sparsamkeit, und verspricht:„Dann ivird der Moment kommen, wo Alle Eigenthum haben, Alle vom Zins befreit sein werden, weil Jeder sein eigener Kapitalist ist." Unterdessen aber, daß Monsieur sich dieser sanguinischen Hoff- nung hingiebt, machen rund um ihn in aller Herren Ländern die Thatsachen den entgegengesetzten Weg. Im Fortschritt der landwirthschaftlicheu und industriellen Entwicklung entfernen sich die Arbeiter und ihre Arbeitsmittel immer weiter von einander. Je mehr neue Kenntnisse und Wissenschaften die Menschen be- lehren, wie das Größte in kürzester Zeit zu leisten ist, um so mehr sind dazu concentrirte Kapitalien erfordert, um so unmög- licher wird der Kleinbetrieb, um so weiter rückt das Eigenthum von der Arbeit und die Arbeit vom Eigenthum. Aber Beides gehört zusammen. Ja wohl! Darum wird und muß die Zeit kommen, wo das Auseinanderrücken der feindlichen Brüder in sein Gegentheil umschlägt, wo Beide sich die Hand reichen, Ar- beiter und Kapitalisten mit einander fraternisiren und die Thei- lung des Produkts in Unterhalt und Profit, sammt den„lois civiles" abschaffen. Alsdann wirb möglich, ivas bis jetzt nur ein frommer Wunsch von Monsieur bleiben muß:„Ei.ie große Meuschenzahl besitzt die Erde und die Werkzeuge, kann in der eigenen Weinlaube sitzen und die Früchte genießen, welche fleißige Arbeit einem unverschuldeten Boden abringt." Die nothwendige fortschrittliche Bewegung, die Anwachsung der kleinen zu großen Kapitalien, welche die Bauern und Hand- werker ruinirt, wird, weil die Sache unbequem ist, links liegen gelassen. Das Fundamentalgesetz, das alle Oekonomen„von Adam Smith bis Thiers" anerkennen, das Gesetz, welches den Werth der Dinge von der Arbeit abhängig macht, die sie kosten, heißt„complctter und Fundamentalirrthum", ohne daß mau dem System, das auf diesem Gesetze fußt und uns„zwischen die Räder seiner stählernen Logik zwängt", etwas Anderes als einige seichte Plattheiten entgegenzusetzen wüßtes Sehen wir uns die„Thatsachen" an, imt welchen Monsieur beweisen will, daß der Werth nicht im Verhältniß zur Arbeit steht:„An einem Jagdtage erlege ich einen Rehbock und du einen Hasen. Sie sind das Produkt derselben Anstrengung in derselben Zeit. Werden sie auch denselben Werth haben? Fünf- mal wird der Werth des einen größer sein, als der Werth des andern." Wie wunderbar! daß dieser Franzmann, der, um zu vcr- hüten, daß unsere Prinzipale den Profit nicht vorwegnehmen, auf den gescheiten Einfall geräth, den Arbeitern anzurathen, sie sollen inittels Fleiß und Sparsamkeit sich zu Kapitalisten machen— daß nun dieser kluge, wohlwollende Mann so unklug und leichtfertig ist, alle jene Nebenumstände zu übersehen, welche erst das Wcrthgesetz zur Geltung bringen. Kann er denn be streiten, daß die Tannen schlanke Bäume sind, trotzdem recht viele Kt/üppel unter ihnen? Oder daß Monsieur ein talentvoller Ge- lehrter, trotz der vielen Schnitzer, die er diesmal gemacht? Aus- nahmen vernichten die Regel nicht. Ob ich in der That einmal dieselbe Arbeitszeit dazu gebrauche, einen Hasen zu erjagen, während du einen Rehbock erlegst, so werde ich doch„durch- schnittlich" oder im Allgemeinen fünf Hasen holen, während du einen Bock auftreibst. Dazu noch erklären die Oekonomen ausdrücklich: das Werth- gesetz kommt erst in der bürgerlichen Gesellschaft zu einem klaren Ausdruck, weil man hier erst lernt, die Produkte durch Arbeit willkürlich zu vervielfältigen. Nun ist das Jagen nach Hasen und Böcken noch kein bürgerlicher Erwerb, sondern eine Kavalier- Passion. Sobald aber die Kavaliere, sammt Hasen, Rehböcken und Wildnissen vor der Cultur schwinden, ivenn man sich dann verstehen muß, Wildprett zu züchten und zu cultiviren, dann wird nothwendig auch das Preisverhältniß zwischen Hasen und Rehböcken ein cultivirtes, jedes Stück wird nach der durchschnitt- lich darauf verwendeten Arbeitszeit berechnet werden. Weitere„Thatsachen", welche das Werthgesetz widerlegen: „Weizen, der auf gutem Boden wächst, wird besser gezahlt und kostet weniger Arbeit, als dasselbe Kraut, welches auf geringen, un- fruchtbareren Ländern gezogen wird; und das auch.durchschnitt- lich', regelmäßig und im Allgemeinen."„Butter verkauft sich zu 4 Francs pr. Kilogramm und ist doch das kostenlose Produkt der Kräuter, wovon sich die Kuh nährt." So steht es ge- schrieben; und es wird mir schwer, auf diese gedankenlosen Ein- Wendungen eine ernste Antwort zu geben. Daß Kräuter, wovon sich die Kuh nährt, ohne Kosten und Arbeit in Frankreich oder Deutschland„durchschnittlich" zu finden sind, ist einfach unwahr, und daß der gute Weizen, der auf fruchtbarem Lande wächst, dadurch mehr kostet, weil der Kapitalist das Monopol des guten Grund und Bodens hat, und also sich ein großes Stück Geld oder Arbeit für die Benutzung zahlen läßt, daß demnach der Weizen von gutem Boden dennoch mehr Arbeit kostet, wie schlechtes Kraut, das weiß jeder Bauer. Monsieiir will behaupten:„Der Werth kommt von der Nütz- lichkeit; wir schätzen die Sachen nach dem Vortheil, den sie bringen"...„Der Nützlichkeit muß man noch als Werthbe- dinaung die Rarität zufügen."— An diesem letzten Sätzchen muß Jedem einleuchten, der Augen hat zu sehen, daß unser Kritikus ein Fremder ist in Israel. Was heißt in unserer Zeit „Rarität"? Sobald die Forellen rar werden, treibt man künstliche Fischzucht, und wo ein Geschäftchen zu machen ist, da wird es gemacht. Keine Rarität und keine Nützlichkeit, nur die Kosten der Arbeit sind zu berechnen. Sollte man doch glauben, Emile de Laveleye, der große Umkehrer der ökonomischen Wissenschaft, müßte wissen, daß die Gesetze der Nationalökonomie auf dem breiten Wege der Cultur und nicht in der Wüste Sahara zu suchen sind. Er erklärt: „Dasselbe Wasser, obgleich es nützlicher ist, wie Gold und Edel- steine, und doch gemcinlich keinen Werth hat, ist in der Wüste alle Millionen der Erde werth. Daraus folgt denn, daß der oft wiederholte Satz: Wasser- hat keinen Tauschwerth, weil es keine Arbeit kostet, offenbar zweifelhaft ist." Wenn man nun die Finger dieses vernünftigen Herrn in einen Schraubstock klemmte und ihn also unvernünftig schreien machte, so würde deshalb seine Vcrnünftigkeit doch nicht zweifelhaft werden. Wohl aber berechtigen die trivialen Excmpel zu dem Schluß, daß dem Manne die redliche Absicht fehlt, sich und seinen Klienten ein klares Verständniß der politischen Oekonomie beizubringen. I. Dictzgen. Der Kampf um's Dasein iu der Menschenwelt. i. Wenn die Geschichtsschreibung und Geschichtskenntniß einen allgemeinen Nutzen haben soll, so muß sie nach Art der Naturforschung Gesetze der menschhcitlichen Entwicklung erkennen, ihre innere Nothwendigkeit aufzeigen und also zugleich Warnerin vor den Einseitigkeiten der Vergangenheit und verläßliche Weg- wciserin der Zukunft sein. Diese Anfgabe der Geschichte ist schon von sslchen tüchtigen Denkern wie Herder, die beiden Hum- boldt und Hegel, begriffen, vom Letzteren auch angegriffen, aber erst seit Darwin und Carl Marx möglich geworden— geleistet ist sie noch nicht. Jene geistreichen Äänner hatten blos ein Auge für die geistigen Errungenschaften der Einzelnen und der Völker; für sie hatten die leiblichen Lebensbedingungen, aus welchen dieselben hervorwachsen, wenig Bedeutung. Sie fanden nicht eben viel Schwierigkeiten dabei, eine Reihe geistiger Fort- schritte in der Weltgeschichte nachzuweisen; sie mußten aber ge- künstelte Erklärungsversuche machen, um das Hervorgehen jeder Entivicklungsstufe aus vorherigen denkbar zu zeigen.'Besonders ist Hegel ein wahrer Tausendkünstler hierin. Es fällt ihm ganz leicht, z. B. das Christenthum als eine Verschmelzung und Ber- söhnung in höherer Einheit des alten Hellenen- und Judenthums zu erklären, und den preußischen Staat seiner Zeit als wesent- liches Ziel und Ende aller Weltgeschichte. Wer in der Luft des „reinen Gedankens" baut und mit lauter Luftstoff, dem fügt sich bei lebhafter Einbildungskraft Alles leicht zum Ganzen. Man kommt dabei freilich über die Theologie nicht hinaus und wun- dert sich, wie diese„Offenbarung Gottes in der Geschichte" so ganz das Gegentheil der darin gesuchten„Zweckmäßigkeit" ist. Allein man fühlt sich immerhin wohlthätig durch einen gewissen Gerechtigkeitssinn berührt, welcher die Thaten und Unthaten der Vergangenheit nicht nach unfern heutigen Werthbegriffen mißt, in jedem alten Aberglauben noch eine Spur in's Dasein strebender Vernunft, in jeder alten Weisheit noch eine arge Beschränktheit nachweist, und aus dem Ganzen ein regelrechtes Drama in drei Akten mit zahlreichen Auftritten, welche innig zusammenhängen, gestaltet. Da erschienen in einem und demselben Jahre(1859) Darwin's„Ursprung der Arten" und Marxens„Kapital", welche keine Geschichtswerke sind, aber gleichsehr Bahnbrecher zu aller wahren ferneren Geschichtsschreibung. Der Erstere betritt den Weg einer wirklich erklärenden, naturgesetzlichen Geschichte der ganzen„Schöpfung", freilich nur in einem engen Rahmen, indem er, den Begriff der Schöpfung und des Zwecks der Weltent- Wicklung beseitigend, wie seine Vorgänger Göthe, Oken, Lamarck, St. Hilaire, mittels des inzwischen riesenhaft an- gewachsenen Thatsachenstoffes nachweist, daß eine materialistische Welterklärung schon jetzt möglich ist, welche wirklich befriedigt. Der Letztere zeigt, daß alle geistigen Leistungen aller Zeiten natürliche Gewächse des jedesmaligen Leibeslebens sind, und weist dies an der Geschichte der Produktion nach. Erst jetzt konnte Albert Hermann Lange seine verdienstliche Geschichte des Materialismus schreiben. Ueber diese behalten wir uns eine eingehende Beurtheilung für ein anderes Mal vor; mit dem, was wir unter obiger Ueberschrift auseinandersetzen wollen, haben wir nur den Zweck im Auge, den schädlichen und schändlichen Mißbrauch aufzuklären, welcher mit der Darwinschen Theorie vom Kampfe um das Dasein von solchen Kulturhistorikern und Geschichtsphilosophen wie Frdr. von Hellwald, Hartmann und der Schopenhauer'schen Schule im Allgemeinen getrieben wird. Diese Schule vertheidigt den Krieg als einen Theil des Kampfes um s Dasein, als nothwendig und nützlich, und mit dem Kriege auch die stehenden Heere, den Militarismus und Cäsarismus. Und warum nicht?— Hatte doch in den Narren- spielen des Mittelalters auch der Teufel seinem Advokaten. Unser Zeitalter hat es verlernt, sich über irgend etwas zu wundern: warum sollte es sich wundern darüber, wenn Kultur geschildert wird als etwas Kultur Zerstörendes? Es giebt keinerlei Wahn- sinn, dessen nicht ein Professoren-Hirn fähig wäre. Gerade das, was an der Darwinschen Lehre eine unbe- wiesene Voraussetzung ist— die Malthus'sche Uebcrvöl- kerungsfurcht, die Annabme, daß von jedem Organismus zuviel Keime entspringen, als daß alle zur vollen Entwicklung kommen könnten, so daß nur die lebensfähigsten überleben, sich fort- pflanzen und neue Arten bilden, wird als bewiesen hingenommen und zum Erklärungsgrund der Geschichte gemacht; alle entgegen- gesetzten Thatsachen werden vernachlässigt. Es giebt eine lange Reihe von Thaffachen, welche zeigen, daß, je größer die Frucht- barkeit eines Lebewesens, desto größer in andern Hinsichten seine Verkümmerung ist; während umgekehrt bei einer reicheren Entwicklung aller Organe und ihrer Verrichtungen die Fort- Pflanzung sehr mäßig, und zuletzt sogar sehr schwer wird. Somit erscheint die übermäßige Fruchtbarkeit als ein Anzeichen be- ginnender Ausartung, wenn nicht gar baldigen Aussterbcns. Sie ist nichts Normales und Durchgehendes, also für sich allein nicht ein genügender Erklärungsgrund aller Naturentwicklung. Mehr noch: diese Lehre schmuggelt, vielleicht arglos, den Zweckbegriff wieder in die Naturforschung herein, den sie hin- ausgeworfen zu haben vorgiebt. Sie schließt nämlich so:„Jeder Vorzug, welchen ein Lebewesen vor andern seiner Art zufällig erwirbt, und welcher seine Anpassung an gegebne neue Daseins- bedingungen erleichtert, wird sich, wenn dauernd vererbt, in einer neuen und lebensfähigern, also vollkommneren Art oder Abart erhalten."— Allein jeder Vorzug hat einen entsprechenden Nachtheil im Gefolge und umgekehrt. Ein großes Thier ist z. B. unbehilflicher, ein kleines Thier gewandter. Die Vorzüge aber und Nachtheile müssen sich bei jedem Lebewesen die Wage halten, weil seine gegebne Lebenskraft— wie alle Kraft— nicht vermehrt oder vermindert werden kann, ohne daß alle seine Lebensbedingungen gleichsehr sich verbessern. In der Regel werden erworbne neue Vorzüge einer Art, auf Kosten der andern, ihre nachtheilige Kehrseite dadurch zeigen, daß die Einzel- Wesen dieser Art, weil sie alle die gleichen Lebensbedingungen haben, sich dieselben einander schmälern, was schließlich zu neuer Ausartung, oder zum Aussterben führt. Ein Naturwald z. B. aus lauter gleichartigen Bäumen wächst, weil dieselbe Nahrung:c. von allen gleichsehr gesucht wird, langsam und stirbt einmal ganz aus, um einer andern Art Waldbäumc, welche da ihre besondere Nahrung u. s. w. noch nicht erschöpft finden, Platz zu machen. Von Vorzügen also und von Vervollkommnung der Arten zu reden, ist mißlich. Aber zurück zur Fruchtbarkeit. Es ist gewiß, daß fette, oder gar gemästete Thiere wenig oder gar keine Nachkommenschaft zeugen, und daß gefüllte Blüthen keinen Samen geben, während bei mäßiger Nahrung eine ziemliche Fruchtbarkeit fortbestehen kann, welche sich bei noch karger werdender Nahrung eine Zeit lang steigert, bis am Ende die Fruchtbarkeit mit der Nahrung zu Ende geht. Und wie Nahrung und mäßige Fruchtbarkeit nur innerhalb enger Grenzen neben einander bestehen können, so wird ganz allgemein das Darwin'sche Gesetz dahin vervollständigt werden müssen: daß die normale Fruchtbarkeit eines Lebewesens nur bei allseitiger Entwicklung aller seiner Organe und Ver- richtungen gegeben, und dann immer mäßig ist,. so daß in diesem Falle(wenn alle Lebewesen gleichzeitig sich allseitig entwickeln könnten) eine Entstehung neuer Arten unerklärlich wäre. Sie wird blos dadurch erklärlich, daß die Lebensbedingungen für jede Art gradweise verschieden günstig sind, und daß immer bei vielen dadurch eine einseitige Entwickelung bedingt wird, welche bei großer Nahrungsfülle zum raschen Aussterben, bei abneh- mender Nahrungsfülle zu größerer Fruchtbarkeit, schließlich aber ebenfalls zum Aussterben führt. In dieser Vervollständigung des Darwinismus ist kein Zwcckbegriff mehr vorhanden. Denn die zunehmende Fruchtbarkeit ist keine zweckmäßige Beran- staltung der Natur, etwa um eine bedrohte Art Lebewesen im Dasein zu erhalten, sondern einfach die Folge davon, daß deren Lebenskraft, wenn anderweit verkümmert, in der Fortpflanzung um so stärker fortdauert— weil vorhandene Kraft nicht vernichtet werden kann. Die große Fruchtbarkeit aber führt zum Aussterben der Art, so gut wie die Unfruchtbarkeit. Wenn also die Natur selbst schon einer Uebervölkerung vor- beugt, so braucht sich kein Pfaff oder Philosoph darum ein graues Haar wachsen zu lassen. Geradezu unverschämt aber ist die Bertheidigung des Kriegs, welche sich auf zu fürchtende Uebervölkerung beruft; sie ist es doppelt, so lange eine Minder- heit alle Lebensmittel monopolisirt, großentheils verwüstet, oder deren Vermehrung hindert. Sobald einmal die Armuth überall durch Gesetzgebung abgeschafft sein wird, wird es Allen immer wohler gehen; und wenn es dann der Menschheit so wohl geht, daß das Gleichgewicht zwischen Nahrung und Fortpflanzung, durch eine Uebcrfülle der crsteren gestört wird, hört die stärkere Fortpflanzung von selbst und ohne alle unmenschlichen Mittel auf. In derselben Richtung muß das schon erwähnte Natur- gcsetz dadurch wirken, daß bei fortschreitender Verkürzung der Arbeitsstunden die geistigen Beschäftigungen Aller sehr überwiegen werden, daß also eine Einseitigkeit des Organismus eintritt, welche die Fortpflanzungskraft schwächt, wie ja erwiesen ist, daß die fleißigsten Denker und fruchtbarsten Geister wenig Kinder hinterlassen haben. Man darf sich an diefer letzteren Wahrheit nicht durch die Thatsache irre machen lassen, daß die protestanti- scheu Geistlichen in der Regel eine fast unanständig große Kinder- zahl haben— denn diese Klasse gehört ja nicht zu den fleißigsten Denkern und fruchtbarsten Geistern. (Schluß folgt.) Erinnerung an 1848. In Baden fochten Männer Einst für das Deutsche Reich, Sie fochten für die Freiheit Und Einheit auch zugleich. Doch waren sie Rebellen, Weil sie für Herrscher nicht, Weil sie für's Volk nur stritten, Nach eig'ner Wahl und Pflicht. Es spieen die Kartätschen In ihre Reihen Tod, Es sank das deutsche Banner In ihrem Blute roth. Dann wurden die Gcfang'nen Standrechtlich füsilirt,— Und Preußens Krieger haben In Baden triumphirt. Der diese Krieger führte, Siegreich nach Helden-Art, Prinz Wilhelm wars von Preußen. Der später Kaiser ward. Ein komischer Heiliger. In Nummer 26 dieses Blattes haben wir eine Notiz gegen Johannes Scherr gebracht, weil derselbe behauptete,„die Agita- toren entwerfen immer zur Hälfte, oft zu zwei Dritteln ver- logene Schilderungen vom sozialen Elend". Hören wir nun, welch ein Zukunftsbild derselbe Herr im Februarheft der Neuen Monatshefte laufenden Jahres vom sozialen Elend entwirft. „Der deutsche Philister und Reichsbürger nach der liberalen Schablone hat die Augen verwundert aufgerissen, als die letzten Reichstagswahlen verriethen, wie gewaltig im Reiche der Sozia- lismus um sich gegriffen habe. Als ob es anders sein könnte! Wenn Herzoge, Fürsten, Grafen und Freiherren für gut fanden, unter die Gründer zu gehen, warum sollten Bürgersleute sich nicht veranlaßt sehen, unter die Sozialisten zu gehen? Jeder will eben„seine Fortune poussiren", wie es im Börsenjargon heißt. Der hochgelobte Jndustrialismus und die höhergelobte Sozialpolitische Uebersicht. — Der Reichstag vertagte sich, nachdem er in seiner Sitzung vom 24. März die Frage der Verlegung des Reichs- gerichts zu Gunsten Leipzigs endgültig erledigt hatte, bis Dienstag den 10. April. — In Bezug auf die Wahl Hasenclever's schreibt unser Berliner Parteiorgan unter Zugrundelegung der auch von Großkapitalwirthschaft haben ja dafür gesorgt, daß der deutsche Bürgerstand schon halb und halb zur Mythe geworden ist. Seit- dem jede Werkstatt zur„Fabrik", jeder Stümper zu einem„Ge- schäftsmann", jeder Pfuscher zu einem„Arbeiter" geworden, hat das Handwerk nicht nur seinen goldenen,- sondern überhaupt seinen Boden verloren und ist das Bürgerthum nebst einem nicht kleinen Theil der Bauernschaft in den Mälstrom des geschäft- lichen Schwindels hineingerissen worden. Der Strom wird weiterrauschen, denn jeder Unsinn, jeder Wahnwitz, jede Pesti- lenz muß seinen oder ihren Verlauf haben. So will es die be- kannte„sittliche Weltordnung". Bald dürste es der unfehlbaren Manchesterei, auf deren Leim man in Deutschland schon darum nicht hätte gehen sollen, weil sie aus England importirt war, bald dürfte es ihr leicht, sehr leicht werden, die Häupter ihrer lieben„Bourgeois" zu zählen. Denn wir sind ja auf dem jäh abfallenden Wege zu einer Zeit, wo es auch in Deutschland neben den„oberen Zehntausend", will sagen neben etlichen tau- send Protzen nur noch Millionen von Proletariern geben wird. Genau zugesehen und alle Redensarten bei Seite gelhan: es ist ja schon jetzt eine brutale Thatsache, daß das alte Europa wie das neue Amerika, Monarchien oder Republiken gleichviel, von den Millionendi— sponenten*) regiert werden. Man hat der wilden Ausbeutungsgier Thor und Thür ge- öffnet, hat namentlich den Eisenbahnschwindel durch Ertheilung von Concessionen und staatlichen Subventtonen förmlich Prämiirt, hat eine geile Ueberproduktion in jeder Weise begünstigt und mittels der dadurch ermöglichten Pfuscherei die deutsche Arbeit vor aller Welt prostituirt,— kurz man hat den Kern der Na- tion, das arbeitsame, solide und patriotische Bürgerthum, wo- runter natürlich nichts von„Bourgeosie" verstanden sein kann, ausgehölt oder der Aushöhlung desselben wenigstens gleichgültig zugesehen, und jetzt wundert man sich, daß die Anhänger des Sozialismus oder, saug pin-ass, des Communismus, nach Hun- derttausenden zählen. Sie werden— ihr mögt euch dagegen abzappeln, wie ihr wollt, pfiffig- gesetzgeberisch oder brutal- ge- waltthätig— sie werden bald nach Millionen zählen und dann, ihr Herren Comproniißkünstler, wird alle eure publicisttsche oder parlamentarische Liebesmühe umsonst sein. So etwas wie eine europäische„Commune" wird kommen, noch bälder vielleicht, als ihr fürchtet.'Denn ihr fürchtet sie, sagt was ihr wollt. Durch die Maske eurer zur Schau getragenen Zuverficht auf die Festig uns in voriger Nummer erwähnten Notiz der Berliner„Volks- zeitung" folgendes:„Die ganze Notiz der„Volkszeitung" ist das vollendetste Meisterstück einer Täuschung des Publikums. Zunächst hat die Wahlprüfungscommission des Reichstags gar nicht das Recht eine Wahl ungültig zu erklären. Die Com- Mission hat nur einen Antrag auf Ungültigkeitserklärung zu stellen. Ferner ist es eine grobe Unwahrheit, daß 62 in der Perlebergerstraße wohnende Wähler protestirt hätten. Im Gegentheil hat sich die ganze Protest-Angelegenheit ziemlich sicher als ein gröblicher Betrug einiger fortschrittlicher„Größen" herausgestellt. Es haben nämlich nicht 62 Wähler einen Protest unterzeichnet, sondern nur 19. Bon diesen 19 Protestlern haben aber 10 schriftlich erklärt, daß sie den Protest gar nicht selbst unterschrieben haben, sondern von fortschrittlichen„Führern" ihren Frauen und Töchtern die Unterschrift abgelockt sei; 6 an- dere haben nur in Folge falscher Borspiegelungen die Unter- schrift gegeben. Alle 16 erklären ferner, daß, wenn sie über Haupt gewählt hätten, sie unbedingt Hasenclever gewählt haben würden. Ja, man hat sich sogar erfrecht, hinter den Namen eines Werkführers, ohne dessen Wissen und Willen die Bemer- kung zu setzen:„Im Namen aller übrigen 76 Wähler". Da von weiß der Mann Nichts. Er hat aber ebenfalls schriftlich erklärt, nur für Hasenclever zu stimmen. Alle diese Erklärungen der Protestler— und es ist festzuhalten: 19 haben nur pro- testirt und von diesen 19 haben sich 16 für Hasenclever schriftlich erklärt— sind der Mandatsprüfungscommission des Reichs- tages rechtzeitig eingereicht worden. Es ergiebt sich hiernach, daß die drei Protestler. welche sich nicht für Hasenclever erklärt, von seiner absoluten Mehrheit abgezogen, die 16 hingegen, die sich für ihn erklärt, hinzugerechnet werden müßten, wodurch sich seine ursprüngliche Majorität noch um 13 Stimmen erhöhen würde. Wenn nun die Mandatsprüfungscommission trotz alle- dem diese Wahl ungiltig erklären wird, geschieht das eben nach unserer Meinung keineswegs mit Recht. Wenn außerdem seitens der Mitglieder der Prüfungscommission behauptet wird, die Wählerlisten wären erst, nachdem sie bereits öffentlich zur Ein- ficht der Wähler ausgelegt, verheftet worden, so erlauben wir uns dies zunächst zu bezweifeln. Für das VerHeften verdient der Magistrat jedenfalls eine scharfe Rüge. Wenn das auf einem ländlichen Wahlkreise vorkäme, so wäre es noch zu ent- schuldigen, in der Hauptstadt aber nicht."— Unsere Berliner Parteigenossen gehen schon, wie eine Annonce in der„Berliner Freien Presse" zeigt, mit aller Energie in den wahrscheinlich be- vorstehenden neuen Wahlkampf. — Das Briefgeheimniß im deutschen Reich wird trefflich illustrirt durch nachstehende Annonce in der„Königs- berger Hartung'sche Zeitung" vom 24. d.: „Die hiesige Königliche Staatsanwaltschaft belegt Briefe, die unter meiner Adresse auf dcm hiesigen Postamte eingehen, mit Beschlag. Der Staatsanwalt Hecht läßt sie sich ausliefern und sendet sie mir erst, nachdem er sie geöffnet und durchgelesen— mit dem Siegel der Königl. Staats- anwalt verschlossen— zu. Diese Maßregel hat er als öffentlicher Ankläger in einem polittschen Prozeß ergriffen, in welchem ich am 15. Februar d. I. in erster Instanz freigesprochen bin, und in welchem er die Appellation eingelegt hat. Alle Diejenigen, die mit mir in Correspondenz stehen, bitte ich, hiervon Kenntniß zu nehmen. Königsberg i. Pr., den 22. März 1877. Hermann Arnoldt." Eines Commentars bedarf es nicht. Unsere Abgeordneten werden dafür sorgen, daß dieser„Fall" im Reichstag zur Sprache kommt und die gebührende Beleuchtung findet. keit der Monarchie, die Disziplin des Heeres, die Vortrefflich- keit der parlamentarischen Gaukelei zc. hindurch sehe ich die Blässe der Zukunstsfurcht auf euren Gesichtern. Ihr wißt ja auch wohl, es ist ein weltgeschichtliches Gesetz, daß von Zeit zu Zeit große Kataklysmen(Ueberschwemmungen, Bäder oder Klystiere? wie heißt? Hr. Scherr?) und Katastrophen eintreten müssen, um die verlumpte und verschlampte Menschheit im Fegefeuer ungeheurer Trübsal wieder reinzubrennen und wieder für eine Weile zu verjüngen." Wahrlich Johannes Scherr redet gewaltig und nicht wie die Schriftgelehrten. Er hat einen starken Hang zum Propheten, wie der Schlußsatz dieses Citates zeigt. Bis seine Verkündi- gungen in Erfüllung gehen, wollen wir ihn einstweilen zu den kleinen Propheten zählen. Seine Ausfälle gegen den Sozialismus abgerechnet, kramt er weiter nichts aus als— um eine beliebte liberale Phrase zu gebrauchen—„abgedroschene sozialistische Redensarten". Nur in Eines können wir uns nicht hineindenken, wie nämlich nach solch einer Scherr'schen Philippika die Rede eines sozialisttschen Agitators beschaffen sein muß, um„zu zwei Dritteln verlogene Schilderungen vom sozialen Elend zu enthalten". Die Wissenschaft und der Sozialismus. *) Lies: Millionendisponenten(Berfüger über Millionen). In dieser Worttheilung soll ein sehr feiner Witz stecken, den der Leser erralhen möge. Während die Charlatane der Asterweisheit mit den bezahlten Agenten in Verunglimpfung und Beschimpfung des Sozialismus wetteifern, sieht ein Mann der Wissenschaft nach dem andern sich gedrungen, für den Sozialismus Zeugniß abzulegen. Die letzte Nummer der„Gleichheit" bringt wieder ein solches Zeugniß. Dr. Theodor Dantscher, Privatdozent der Rechts- und Staats- Wissenschaft an der Wiener Universität, sagte in einem seiner Vorträge, nachdem er den Begriff der Persönlichkeit geschichtlich entwickelt hatte: „..... Endlich muß darauf aufmerksam gemacht werden, wie gerade in unserer Zeit die Anerkennung des Begriffes der Persönlichkeit auf einem neuen Gebiete sich vorbereitet. Auch mit der Herausbildung des Begriffs der politischen Freiheit ist nämlich das Wesen der Persönlichkeit noch nicht erschöpft; die folgende Zeit wird den Begriff der Persönlichkeit auch auf dem Gebiete der Arbeit verstehen lernen. Wir alle haben schon die Ahnung, daß das Wesen der Persönlichkeit auf diesem Ge- biete nach einer Umgestaltung dränge, daß es seiner Entwicke- lung entgegen arbeitet auf dem sogenannten sozialen Gebiete. Dafür sind schon viele Anzeichen vorhanden; in der letzten fran- — Zur Brief stieberei. Ueber einen bereits früher im „Vorwärts" und auch im Reichstag von Liebknecht erwähnten Fall schreibt man uns jetzt des Näheren:„Sollte das etwa Briefgeheimnißverletzung sein? Es war zur Blüthezeit des Kulturkampfes, im Mai 1876, als die Buchhandlung von Ed. Groppe in Trier die Bolanden'sche Broschüre„Der Pascha", an deren Confiskation damals noch Niemand dachte, an den Privatsecretär Herrn Cronymus in Prüm an der Eiset sandte. Die Post in Prüm gab die Schrift indessen nicht an den Adressaten ab, sondern lieferte sie mit dem Vermerk„Zur Durchsicht" dem Bürgermeister, als dem Chef der Polizei, aus. Auf eine später erfolgte Reklamation des Empfängers erklärte der Postmeister Arimond: 1) der Bürgermeister kenne die Broschüre nicht(!) und habe sie nie nennen hören.(!) Als Herr Cronymus aber auf seinem Eigenthumsrecht bestand und hinzufügte, der Bürgermeistereischreiber Michels habe ihm die bezügliche Mit- theilung gemacht, und als dieser in Gegenwart des Postmeisters und Bürgermeisters dies zugeben mußte und hinzufügte, der Kreuzbandstreifen sei verkramt worden, sagte der Bürgermeister: „Die Schrift habe ich hier liegen, gebe sie aber nicht heraus, weil auf derselben steht: ,Das Volk ist dazu da, um Steuern zu zahlen':c. Ich will Ihnen jedoch das Schriftchen bezahlen." Mit diesem Versprechen— ob die Zahlung erfolgte, wissen wir nicht— sei nun, meinte lachend der Postmeister Arimond, die Sache erledigt. Dies war jedoch nicht der Fall; denn bald darauf befaßte sich der Untersuchungsrichter mit derselben. Herr Literat W. Koch, damals in Trier, erhielt nämlich durch die betreffende Buchhandlung zufällig Kenntniß von der Sache und als Mitarbeiter der„Deutschen Post" in Berlin glaubte er der Angelegenheit, die offenbar eine Verletzung des Briefgeheimnisses enthielt, näher treten zu sollen. Vor Publikation derselben fragte er jedoch, um sich zu vergewissern, bei dem Postmeister in Prüm an. Dieser aber fühlte sich durch die offene Karte„beleidigt" und übergab die Sache zur weiteren Veranlassung der Ober- Postdirektion in Trier. Postmeister Arimond gab an, durch ein Versehen sei die Schrift in die Hände der Ortspolizei gerathen, was aber nicht der Fall war, da die zeugeneidliche Vernehmung des Schreibers Michels constatirt hat, daß der Vermerk„Zur Durchsicht" auf der Adresse stand. Und was that das Gericht? Nichts! Es hat die Beleidigungsklage fallen lassen und die Sache war—„erledigt"!— Ja, ja,„die Briefe sind in den Händen der Postbeamten so sicher wie die Bibel auf dem Altar" sagt schön jener sprachreinigende Ehrendoftor. —„Deutschland ist das freieste Land in Europa und wir haben das höchste Maß der Preßfreiheit," sagte ein nationalliberaler Durchfallscandidat und„Professor der(Unmissen- heit in) Nationalökonomie und Landwirthschaft", den wir zur Strafe nicht nennen, während der verflossenen Wahlcampagne, und der komische Kautz steht mit diesem Ausspruch auch nicht allein. Zur praktischen Illustration des geflügelten Worts drucken wir ab, was die„Chemnitzer Freie Presse" an der Spitze ihrer Adonne- mentseinladung schreibt: „Die sechs Jahre ihres Bestehens brachten der Re- daktion mehr als fünfzehn Jahre Kerker. Von den Redakteuren der„Chemnitzer Freie Presse" haben zwei vor Kurzem nach jahrelanger Haft die Freiheit begrüßt, zwei schmachten auf Jahre hinaus im sächsischen Landes- gefängniß, uud zwei stehen schon wieder an der Schwelle des Kerkers." Das ist die deutsche Preßsreiheit. — Die Roth unter den Arbeitern in Westfalen und Rheinland hat eine Höhe erreicht, die geradezu mit Schauder mnd Schrecken den noch nicht verhärteten Menschen erfüllt. Selbst die nationalliberale„Rhein- u. Ruhrzeitung" schreibt in einer Weise, die man bei uns gewiß als Uebertreibung und Aufhetzerei hinstellen würde: „Es ist zwar in Folge Anordnung der staatlichen Behörden eine strengere Ueberwachung der Bettelei eingetreten, aber wer da glaubt, dieselbe habe abgenommen, der irrt sehr. Die Bettler sind nur vorsichtiger geworden, sie wissen sich der Aufmerksamkeit der Polizei mehr zu entziehen. Es mag sein, daß die gewohn- heitsmäßigen Bettler an Zahl abgenommen haben, dagegen hat die Zahl der wirklich bettelnden Personen in erschreckender Weise zugenommen. Jun�e, kräftige Leute gehen von Thür zu Thür und mag dies auch in anderen Zeiten empören, äugen- blicklich kann man es den Leuten nicht verdenken und wer einsichtsvoll genug ist, der muß sich sagen, die Leute können nicht anders. Sie wollen und können doch nicht verhungern, Arbeit können sie nirgends bekommen, viele unter ihnen sind schon seit Monaten arbeitslos und die Hilfe, welche die Armenkasftn gewähren und gewähren können, ist unzulänglich, abgesehen davon, daß diese Hilfe noch lange nicht in allen nöthigen Fällen gewährt wird. Andere Personen, die sich scheuen, selbst die Mildthätigkeit Anderer in Anspruch zu nehmen, schicken ihre Kinder zum Betteln aus. Diesen wird auf solche Weise das Laster des Müßiggangs und der Vagabon- dage anerzogen und dadurch eine Entsittlichung der kommen- den Generation herbeigeführt. Vom Betteln zum Stehlen ist nur ein Schritt und mancher, den die Roth zu dem erstercn getrieben hat, geräth aus dieser abschüssigen Bahn auch zu dem letzteren. Wer gezwungen ist, mit solchen Leuten umzugehen, wem wiederholt die Roth und der Hunger als Entschuldigung für Verbrechen entgegengehalten wird, dem drängt sich wohl das Gefühl auf, daß es die höchste Zeit ist, gründlich Hand an- zulegen, um den Nothstand und die Arbeitslosigkeit zu vermin- dern und zu beseitigen." So schreibt ein nationalliberales Blatt! Ja gewiß ist es die höchste Zeit, Hilfe zu leisten— aber anstatt dies zu thun, verfolgt man in empörendster Weise alle diejenigen Personen, vorzüglich die Sozialdemokraten, gerade weil sie in vernünf- tiger Weise Abhilfe schaffen wollen. Wie wir nachträglich erfahren, hat man alle„auswärtigen" Arbeiter möglichst aus Westphalen und dem Rheinland entfernt, um den einheimischen Arbeitern Luft zu verschaffen. Das ist sehr— liberal, stimmt namentlich gar hübsch mit der gerühmten „Freizügigkeit" und hat den ferneren Lortheil, daß die„ein- heimischen" und„auswärtigen" separat, auf eigene Faust, Jeder an seinem Geburtsort— verhungern können. Lieb Vaterland, magst ruhig sein, das Geschlecht der Staatsmänner ä la Camphausen und Achenbach ist noch nicht ausgestorben. — Zur Frage der Aenderung der Statuten der Knappschaftskassen. Das Comite der arbeitslosen Bergleute hat an den Vorstand des Märkischen Knappschaftsvereins zu Bochum eine Eingabe gesandt, in welcher beantragt wird, eine Statutenänderung dahin vorzunehmen, daß in Anbettacht der nnverschuldeten Arbeitslosigkeit der Bergleute dieselben von der keit entbunden werden, ohne ihre Rechte an die Kasse zu verlieren. In den Gründen heißt es, daß durch die gegenwärtige Geschäfts- krise im Dortmunder Kohlenrevier allein mehr denn 8000 Bergleute ohne jeden Erwerb dem größten Mangel preisgegeben sind. Die natürliche Folge ist Entbehrung des zum Leben Nothwen- digsten, Krankheiten verschiedener Art. Die Communalbehörden werden täglich von Hunderten arbeitsloser Bergleute mit Gesuchen um öffentliche Arbeiten bestürmt, ohne daß die Ersteren Hülfe gewähren könnten. Noch viel trauriger ergeht es aber den er- krankten Arbeitern. Das Knappschaftsstahit besagt, daß dieselben nur dann ein Anrecht auf Unterstützung haben, wenn sie in der Bergarbeit erkrankt oder arbeitsunfähig geworden sind. Wohl steht ihnen nach Austtitt aus der Arbeit das Recht zu, ihre Beiträge zur Kasse weiter zu entrichten, um des Anrechts an dieselbe nicht verlustig zu werden; aber wie können sie ihre Bei- träge aufbringen, wenn ihnen, wie gegenwärtig, jeder Erwerb fehlt? Arbeiter, welche 10, 15, viele sogar 20 Jahre ununterbrochen ihre Beiträge zur Kasse gezahlt, sind so innerhalb weniger Wochen ihres Anrechtes an dieselbe verlustig geworden, und dies ganz ohne ihr Verschulden. Hier befindet sich im Statut eine Bestimmung, durch welche Tausende schweren Nachtheil er- leiden. Wie allgemein bekannt ist, besitzt die Kasse einen starken Fonds, und stellt das Comits deshalb im Namen der zahlreichen arbeitslosen Kameraden aus dem Dortmunder Kohlen- revier den Antrag: Sämmtliche abgelegten Bergleute, welche länger denn zwei Jahre der Knappschaftskasse als zahlungspflich- tiges Mitglied angehört haben, in ihren bisherigen Rechten un- entgeltlich bis zum 31. Dezember 1877 zu belassen.— Wir halten diesen Antrag für völlig gerechtfertigt bei den drakonsschen Bestimmungen der Knappschaftskassen. Dieselben bedürfen über- Haupt dringend einer allgemeinen Revision, da sie früheren Zeiten entstammen und den Stempel der Reaktion doch allzudeutlich an der Stirn tragen. — Gelegentlich der Feier des 18. März fanden in Bern abermals schändliche Ejtcesie der Polizei und des Ordnungs- pöbels statt. Wir warteten mit der Mittheilung, weil die Nachrichten sehr widersprechend waren. Es hat sich aber nun herausgestellt, daß unsere Parteigenossen(Bakunistischer Rich- tung) durchaus in ihrem Rechte waren, und daß sie auch nicht der entfernteste Vorwurf treffen kann. Wir erklären dies aus- drücklich, weil man gegnerischer Seits den Versuch macht, die Sache der Sozialisten, welche in Bern das Opfer eines pöbel- zösischen Revolution haben diese Gedanken furchtbaren Ausdruck gefun- Den. Auch theoretisch versucht man auf alle mögliche Weise das Wesen der Persönlichkeit auf sozialem Gebiet zum Ausdruck zu bringen. Es entstehen soziale Theorien und Systeme, um die Bestimmung der Persönlichkeit im Gebiete des Erwerbes und der materiellen Güter zu erfüllen; einzelne politische Versuche sind auch schon gemacht worden. Auf theoretischem Gebiete wird nun diese Ent- Wicklung der Persönlichkeit angestrebt zunächst im sogenannten Communismus; dieser erblickt im Eigenthum und der jetzigen Vererbungsweise des Besitzes die Quelle der wirthschaftlichen Ungleichheit— in anderer Weise versuchen es die sozialen Theorien. Zu diesen gehören alle Versuche, welche eine Orga- nisatiou anstreben, damit die Arbeit das Individuum allein zu einem ihrem Maße und ihrer Arbeit entsprechenden Besitze führe — allein man ist auch an den Staat herangetreten, hat ihn um die Lösung des sozialen Problems angegangen, daß er diesen Begriff der Persönlichkeit verwirklichen solle. Man verlangt dies mittelst der sozialen Demokratie, darin liegt ein ganz anderer Gedanke als in der Republik; man verlangt nämlich vom Staate Hebung der niederen, nicht besitzenden Klasse. Auch dieser soll die Möglichkeit geboten werden, durch ihre Arbeit sich zu heben und zum Kapitalbesitze zu gelangen. Der Staat soll Unter- nehmer werden, er soll sein Kapital mit der Arbeitskraft der nicht besitzenden Klasse verbinden; der Staat könne nämlich den Unternehmergewinn dem Arbeiter geben, da er selbst ihn nicht braucht. Dies ist die Idee der Organisation der Arbeit. Oder man verlangt vom Staat, er soll zinslose Kapitalvorschüsie dem einzelnen geben; vorzugsweise soll Stoff für die Arbeit dem einzelnen gegeben werden. Der Staat soll solche Einrichtungen treffen, daß jeder im Verhältniß zu seiner Arbeitsfähigkeit auch Stoff bekomme, um die Arbeitsfähigkeit be- chatigen zu können. Diesen Stoff bekommt er nun dadurch, daß der Staat ihm unverzinsliche Kapitalvorschüsse giebt, daß er diese durch seine Arbeit abarbeite und bezahle. Diese Idee lst die der Organisation des Credits und die soziale Demo- kratie ist es. welche die Verwirklichung dieser Ideen durch den Staat ansttebt. Während die Republik sich damit begnügt, das Wesen der Persönlichkeit in der Verfassungsform zum Ausdrucke zu bringen, die Freiheit und Gleichheit der Individuen herzustellen, allen das Stimmrecht einzuräumen, ist es bei der sozialen Demo- kratie anders. Diese geht so lange Hand in Hand mit der Re- publik, als es sich um die Verwirklichung des allgemeinen Stimmrechtes handelt; dann tritt eine Trennung ein, denn wäh- rend die Republik mit der Erreichung einer solchen Verfassung ihr Ideal erreicht hat, hat die soziale Demottatie diese Ver- fasiungsform nur angestrebt, um vermöge dieser die Herrschaft über die Staatsgewalt zu bekommen, sich in den Besitz der ae- setzgebenden Gewalt zu setzen und mit dieser Herrschaft das so- ziale Problem zu lösen. Sie betrachtet die Verfassung nicht als Ideal, sondern als Mittel zum Zwecke. Wie eine neue Ge- scllschaftsform begann, indem die menschliche Gesellschaftsform aus der ständischen in die freie staatsbürgerliche Gesellschaftsordnung überging, so wird auch eine solche Veränderung in der Zukunft stattfinden: an die Stelle unserer jetzigen Stiaats- bürger-Gesellschaft wird eine neue Gesellschaftsform treten. Wir haben freilich noch keine Vorstellung, wie dieser Gedanke sich in eonereto verwirklichen werde; wir wissen nur, daß eine Lösung kommen wird für das, was man mit der sozialen Frage bezeichnet." — Es ist doch gut, wenn man König ist— dann hat man doch wenigstens das Recht, die Wahrheit zu sagen. Schloß da z. E. der König von Sachsen seine Geburtstagsrede an Kaiser Wilhelm mit den bedenklichen Worten:„Mögen Euere Majestät das auf blutigen Schachtfeldern gegründete deutsche Reich noch viele Jahre in ungestörtem Frieden und Wohlergehen regieren." Wie mancher Sozial- demokrat ist schon mit dem Strafrichter in Conflikt gekommen, weil er sich über den Ursprung des preußisch-deuischen Reiches ähnlich geäußert. — Zum Culturkampf. Die„Steeler Zeitung" enthält folgende Mittheitung:„Heute<21. d.) Morgens ist von hiesigen(Steeler) Bür- gern folgende Depesche an den Regierungspräsiden en Herrn Bitter zu Düsseldorf abgegangen:„„Steele beabsichtigt, am Geburtstage Sr. Majestät großartig zu flaggen. Wird dasselbe an den bevorstehenden Piusfesten auch gestattet sein? Rückaniwort bezahlt. Im Namen vieler Bürger: Anton Luke."" Darauf erhielt der Unterzeichner heute Mittag folgende Antwort:„Gestellte Frage bleibt unbeantwortet. Regierungs- Präsident Bitter." — Ein Radikalmittel. Mit Zustimmung ihres Staatsrathes erließ Ranavahmanjaka, Königin von Madagascar, ein Gesetz, wonach in allen Häfen ihres Reiches die Verkäufer von Spirituosen verantwort- lich sind für Mordthaten und Verbrechen, welche in Trunkenheit ver- übt werden. Em Schenkwirth wurde bereits gehenkt, weil er nicht sagen konnte oder wollte, wer den Branntwein lieferte, durch dessen Genuß ein Betrunkener einen Mord verübte. — Eine ergreifende Illustration der augenblicklichen sozialen Lage finden wir im lokalen Thcile der„Franks. Zeitung". Da heißt es:„Verflossene Woche wurden 100 Bettler und eine große Anzahl obdachloser Dirnen besttaft." Das ist die„schwere Roth der Zeit". — Hunger und dann noch Gefängniß! ' haften Attentats geworden sind, von der unsrigen zu � trennen.— — Wie wir erfahren, gedenkt unser dänischer Parteigenosse Pio noch in diesem Monat nach Amerika zu reisen, um dort der projektirten sozialisttschen Colonie die Wege zu bahnen. EslebendieFeinde! DiePolizei hat denHalberstädter Sozialdemokraten, wie wir nachttäglich erfahren, zu ihrem Partei- organ verholfen. Sie verbot ihnen nämlich die Verbreitung eines Aufrufs zur Reichstagswahl, und darauf erschien derselbe als Probe- nummer einer Zeitung, was nach dem Gesetz nicht beanstandet werden konnte. Aus der Probenummer ist nun eine wirkliche Zeitung entstanden. — Die Jacoby'sche Begräbnißfeier wird ein sehr eigenthümliches Nachspiel erhalten; es soll nämlich über die sämmtlichen Redner eine Polizeistrase verhängt werden. So will es weuigstens das„Berliner Tageblatt" wissen und wir glauben es gern. — Bei der am Sonnabend, den 17. März, in Stuttgart stattgehabten Verhandlung gegen unsere Parteigenossen Hirsch, Burghard und Gutekunst, wegen„Widerstandes gegen die Staatsgewalt", wurde Hirsch zu 4 Wochen und Burghard zu 3 Wochen Gefängniß und in die Kosten verurtheilt, Gutekunft dagegen freigesprochen. — Auf verschiedene Anfragen haben wir zu er- klären: Die Reichstagsreden unserer Abgeordneten werden laut Congreßbeschluß nicht im„Vorwärts" veröffentlicht, weil die- selben zu viel Rauni einnehmen würden.— Die Nothwendigkeit einer sozialisttschen Reichstagscorrespondenz wird allseitig aner- kannt, und unsere Abgeordneten haben sich in Berlin wiederholt mit der Angelegenheit beschäftigt. Die Sache hat aber sehr große Schwierigkeiten, die sich bisher nicht überwinden ließen. Es sind indeß die nöthigen Schritte gethan, um nach den Oster- ferien, wo die Session voraussichtlich sehr interessant werden wird, das Erscheinen regelmäßiger Reichstagsberichte wenigstens im Centtalorgan zu ermöglichen.— Wer auf die offiziellen stenographischen Reichstagsberichte zu abonniren wünscht, hat sich an die Post zn wenden. Warnung. Die Kautz'sche Verlagshandlung in München versendet Prospettusse eines Machwerks: Die Sozialdemo- kraten oder Blaues Blut im Volke. Geschichtlicher Zeitroman von einem Sozialdemokraten." Und zwar wird der sozialdemo- kratische Verfasser als„einet der hervorragendsten Führer der Sozialdemokraten" bezeichnet. Natürlich ist das schamlos ge- logen, und wer auf den Leim geht, ist um sein Geld geprellt, und das musikalische Bierglas, welches er mit der„letzten" Lieferung(die Zahl der Lieferungen ist schlauerweise nicht an- gegeben) bekommt, wird eine Melodie spielen nach dem Text: Die Dummen werden nicht alle.— Erklärung. Bei einigen Parteigenossen ist der Gedanke aufgetaucht, daß ich im Interesse der Partei richtiger gehandelt haben würde, wenn ich das Reichstagsmandat für Altona angenommen und das für den Berliner 6. Wahlkreis abgelehnt hätte, da dann unserer Partei ein Wahlkreis doch sicher erhalten worden wäre, während jetzt beide Wahlkreise wieder verloren gehen können. Zunächst bemerke ich, daß man nachher immer leicht einen guten Rath ertheilen kann; ferner erkläre ich, daß es mir persön- lich angenehmer gewesen wäre, wenn ich meinen alten sicheren Wahlkreis hätte behalten können. Aber im Partei-Jnteresse war es geboten, daß ich die Wahl in demjenigen Kreise annahm, in welchem ich die geringere Ma- jorität hatte, und welcher bei einer eventuellen Neuwahl voraus- sichtlich die geringere Aussicht auf einen Sieg bot— und das war unzweifelhaft der 6. Berliner Wahlkreis. Hätte ich für den 6. Berliner Wahlkreis abgelehnt, so glaube ich nicht, daß derselbe der Partei treu geblieben wäre; die Neuwahl wäre dann durch unsere Partei und durch mich veranlaßt gewesen-- dies verzeihen die Wähler nicht leicht. Anders verhält es sich, wenn meine Wahl für ungültig erklärt wird, und zwar nicht etwa deshalb, weil unsere Partei bei derselben sich Uebergriffe oder Unrechttnäßigkeiten Hat_ zu Schulden kommen lassen, sondern weil der hochlöbliche Magistrat der Hauptstadt des„deutschen Reichs" oder dessen Beamte durch Berheftung von Wahllisten eine Fahrlässigkeit an den Tag gelegt haben, wie sie nach dem Ausspruch eines Mitgliedes der Wahlprüfungscommission des Reichstags nicht in Krähwinkel, geschweige denn in Berlin vorkommen dürfte. Die Antwort der Wähler des 6. Berliner Wahlkreises auf solche Fahrlässigkeit dürste sehr leicht die Wiederwahl mit außer- ordentlicher Vermehrung der sozialistischen Stimmen sein. Man glaubte allgemein in der Partei, daß in Altona- Stormarn bei der Neuwahl der Sieg uns nicht entrissen werden würde. Daß dies doch geschehen, daran sino die unerhörtesten Wahlbeeinflussungen schuld— der Kampf selbst aber war für uns deshalb von großem Nutzen, weil man an demselben deutlich ersehen konnte, wie in Zukunft überall dort sich die Kämpfe ge- stalten werden, wo das Klassenbewußtsein sich hoch entwickelt hat. Und wenn es uns dann gelingt, Siege zu erfechten und nach und nach eine größere Anzahl von Sitzen in den gesetz- gebenden Körpern zu erobern, dann haben diese Siege eine entscheidende Bedeutung, weil die Majorität der bewußten Wähler hinter ihren Abgeordneten, hinter denen der sozm- listtschcn Partei steht. Es wird meiner Meinung nach noch mancher Wahlkreis eine ähnliche Feuerprobe wie Altona durchmachen müssen, und besteht er diese, wie Altona unzweifelhaft sie nach drei Jahren be- stehen wird, dann, nach der Niederlage der vereinigten Antisozialisten, wird der Wahlkreis immer sozialistisch wählen. Im Uebrigen haben der Parteivorstand, die Altonaer Partei- genossen und meine näheren Freunde sämmtlich meinen Entschluß gebilligt, das Berliner Mandat anzunehmen. Ich für meine Person gebe, wie der„Vorwärts" schon einmal richtig bemerkte, nicht eine Nickelmünze für ein Reichs- tagsmandat, für die Partei aber werde ich selbstverständlich keine Mühe scheuen und bei einer etwaigen Neuwahl mit ganzer Kraft auch persönlich in den Wahlkampf eintreten. Ich weiß, daß die Berliner Parteigenossen voll und ganz ihre Schuldigkeit thun werden, ich hoffe aber auch, daß die Par- teigenossen in ganz Deutschland den Berlinern ihre thatkräftigfle Unterstützung nicht versagen werden. Leipzig, den 27. März 1877. Mit bestem Gruß Hasen clever. NB. Alle befreundeten Blätter werden um Abdruck gebeten. j- Correspoudenzen. (L) Äus Hakizien, 17. März.(Ein Nihilisten-Prozeß.) Zwischen den deutschen Sozialdemokraten und den russischen Nihilisten ist ein himmelweiter Unterschied. Obwohl die Einen wie die Anderen die Weltordnung anders und besser haben wollen, so sind die von den Einen und von den Anderen ge- brauchten Mittel und gewählten Wege zur Erreichung des großen Zweckes ganz verschieden. Jedenfalls aber dürfte für die Leser des„Vorwärts" interessant sein zu erfahren, daß gegenwärtig eben in Lemberg ein Criminalprozeß gegen vier Nihilisten im Zuge ist. Gestern hat die Schlußverhandlung gegen die seit zwei Monaten verhafteten jungen Männer begonnen und obwohl ungeachtet des Protestes ihres Vertheidigers Dr. Jackowski, die Verhandlung bei geschlossenen Thören mit Ausschluß der Oeffent- lichkeit vor sich geht, werde ich Ihnen morgen einen bündigen Bericht über dieselbe erstatten. Hier will ich nur erwähnen, um was es sich handelt. Die russische Gesandtschaft in Wien hat die österreichischen Behörden aufgefordert, nach Personen zu fahnden, welche sozialistische Druckschriften nach Rußland aus dem Auslande, namentlich aus der Schweiz, schmuggeln. Die österreichische Polizei hat natürlich mit bencidenswerthem Eifer dem Wunsche des guten Nachbars Genüge gethan. Nach vielem Suchen hat man vier junge Männer verhaftet, namentlich: den hiesigen Akademiker Herrn M. Pawlik(23 Jahre alt) und die aus der Schweiz hier angelangten russischen„Unterthanen" Herrn S. Jastrzebski(21 Jahre, Sohn eines russischen Beamten, ge- wesener Hörer der Charkower Universität), A. Czerepakin(25 I., Mediziner aus Kijew) und A. Karatyjew(25 I., aus Odessa, gewesener Gemeindeschreiber). Die k. k. Staatsanwaltschaft klagt sie auf Grund der bei ihnen vorgefundenen Briefe des russischen Flüchtlings Professors Dragomanow aus Genf und des Re- dakteurs des sozialistischen Blattes„Wpiered", Herrn Robert Dale, des Verbrechens der Störung der öffentlichen Ruhe, der Theilnahme an geheimen, der bestehenden„Ordnung" schädlichen Bereinen, der Falschmeldung u. dgl. an. Die Verhandlung wird in polnischer Sprache geführt, da die drei Herren aus Rußland derselben aber nicht genug mächtig find, antworten sie russisch. — 21. März.„Viel Lärm um Nichts!" Geheim wurde die Schlußvcrhanvlung in dem Sozialistenprozessc durch drei Tage geführt und es zeigte sich endlich, daß die Angeklagten der öfter- reichischen Regierung gegenüber nichts verschuldet haben und sich höchstens der Paßübertrctung, Beleidigung der Polizeiwache, falscher Meldung u. s. w. schuldig erwiesen. Vorgestern wurde daher das Urtheil des k. k. Strafgerichts veröffentlicht. Der hie- sige Akademiker Herr Pawlik wurde wegen Unterhaltung von Correspondenzen(hört!) mit bekannten Sozialdemokraten zu acht Tagen und die russischen Unterthanen HH. Jastrzembski und Czerepakin zu einem Monat einfachen Arrestes verurtheilt, Kurtyew aber wurde von aller Schuld freigesprochen. Der Letzte wurde gleich der Polizeibehörde übergeben, die ihn über die Grenze in der von ihm zu wählenden Richtung schaffen wird. Die zwei anderen russischen Herren werden auch gleich nach ausgestandener Arreststrafe Oesterreich zu verlassen gezwungen sein. So endete der große Nihilistenprozeß, aus dessen Verlauf wir erfahren haben, daß es in Oesterreich nicht erlaubt sei, mit Sozialdemo- kraten in Correspondenz zu treten. s Kamöurg, 25. März. Aus unserem Nachbarkreise Altona- Wandsbeck sind verschiedene interessante Sachen zu melden. So fand in Altona den 23. März vor dem dortigen Kreisgericht eine Verhandlung statt, in welcher der Staatsanwalt einen straf- erschwerenden Grund darin fand, weil die Angeklagten Sozial- demokraten seien und, von Parteiha-ß geleitet, eine Schlä- gerei provozirt hätten. Die alte Geschichte!— Die Liberalen haben sich schnell nach der ersten Siegcshitze wieder abgekühlt, so daß man wohl behaupten kann, ein neuer Wahlkampf in Altona- Stormarn würde für dieselben nicht siegreich ausfallen. So hat ein Bauer mit Namen Wolgast aus Elmhorst bei Bargteheide am Tage der Stichwahl im Auftrage mehrerer Mit- glieder des liberalen Agitationscomitös sein Fuhrwerk gegen Entschädigung von 21 Mark zur Verfügung gestellt, ohne jedoch bis jetzt Zahlung erhalten zu haben. Zweimal hat er sich schon an den Kassirer des liberalen Agitationscomitös, Herrn Lindcmann in Wandsbeck, gewandt, dieser aber gab den Bescheid:„ihr Geld sei alle, sie hätten noch 100t) Thaler Schulden; vor der Wahl hätten sie Säcke voll gehabt, er müsse sich noch gedulden, damit durch Sammlungen, wozu das Landgebiet auch etwas thun müsse, Alle befriedigt würden." Der Bauer Wolgast hat darauf erklärt, daß er doch lieber für die Sozialdemokraten gefahren hätte, denn diese hätten am Abend, wenn sie einmal ein Fuhrwerk gebrauchten, gleich ihr Geld gezahlt und dem Kutscher noch ein gutes Trinkgeld gegeben.— In Wandsbcck ist Herr E. B. Richter gegen die Sozialdemokratie in einer öffentlichen Versammlung auf- getreten; er plaidirte für stramme Disziplin in der Armee in feiner bekannten Korporalsweisc, dann für Beibehaltung der stehenden Heere u. s. w., so daß ein in der Wolle gefärbter Nationalliberaler den Vortrag hätte ebenso halten können. Sämmtliche liberalen und conservativen Zeitungen loben Herrn Richter, voran der„Hamburgische Correspondcnt". Auch sprach der Redner sehr viel von„Wissenschaft",„Versöhnung",„Liebe zum Guten" und dabei schimpfte er natürlich auf die sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands in der be- kannten Weise— er sprach vor Bourgeois und einigen Bräue- rianern— und nahm dabei den Mund bedeutend voll, während er auf dem Parteicongreß zu Gotha so zahm, so schüchtern oder sagen wir es offen heraus, so feig war, daß er seine Ansichten nicht offen und frei zu vertreten wagte. Das Bräucr'schc Blatt sagt, daß die Versammlung größtcntheils von Besitzenden und „qualifizirten" Proletariern(?)(der Referent hat einmal von„qualifizirter Arbeit", wie Lassalle sich ausdrückt, gehört) besucht gewesen sei; man habe ein Eintrittsgeld erhoben, um die gewöhnlichen Handarbeiter fern zu halten,„weil Richter bei diesen gewöhnlichen Handarbeitern nicht zu Worte hätte kommen können". Das glauben wir wohl— gewöhnliche, das heißt einfache und vernünftige Arbeiter lassen sich von Re- negaten nichts vorgaukeln. Die„gewöhnlichen" Handarbeiter sind entschieden klüger, als die„qualifizirten" Hanswurste einer objknrcn Nergelclique. Herr E. B. Richter verübte zum Schlüsse noch ein kleines Denunziatiönchcn, indem er meinte, daß, wenn man dem Treiben der Sozialdemokraten(sozialistische Arbeiter- Partei) nicht Einhalt geböte(mit Ketten und mit Banden mit Pulver und Blei, Herr Richter?),„die Arbeiter auf Trümmern und Leichen ihr Ziel zu erreichen suchen könnten". Also auch Herr Richter wollte seinen Zuhörern Gruseln erregen durch den Hinweis auf den Knüppel und die Petroleumflasche! Warum nicht die Schnapsflaschc, Herr Richter?— Der Schnaps aller- dings ist für einzelne Leute eine lieblichere Erscheinung, derselbe fördert auch mancherlei schöne Redeblüthen zu Tage. Doch ver- lassen wir den Richter, der in den„gewöhnlichen" Arbeitern seinen Richter schon gefunden zu haben scheint.— Zum Schlüsse wollen wir noch erwähnen, daß bei der letzten Wahl in Altona viele Wähler zurückgewiesen worden sind, weil ihre Kinder in die Armenschule gingen) oder weil der Armenarzt oder der Armenanwalt ihnen ein oder das andere Mal zur Verfügung gestanden hatte. Wenn aber das Wahlgesetz so ausgelegt werden soll, dann können auch diejenigen Leute nicht wählen, deren Söhne zum Studiren oder um das Jahr als Einjährig- Frei- willige absolviren zu können, aus Staats-, Provinzial- oder Gemeindemitteln Stipendien erhalten. Auch wird auf manchen Gymnasien und Realschulen einzelnen begabten Schülern das Schulgeld erlassen, so daß deren Eltern, analog den Vor- gängen iu Altona, gleichfalls von den öffentlichen Wahlen aus- zuschließen wären. Verfolgt man diese Angelegenheit in's Ein- zelne, so wird man sehr eigenthümliche Schlußfolgerungen ziehen müssen. Bei der Prüfung der Altonaer Wahl im Reichstage muß von Seiten der sozialistischen Abgeordneten diese Frage zu eingehender Erörterung angeregt werden. Äraunschweig. Gegen eine in Nr. 25 des„Vorwärts" erschienene Correspondenz aus Braunschweig veröffentlicht ein Herr Gemeinden und Einzelstaaten empfohlen werde, die zur Abhilfe des Nothstandes erforderlichen Mittel auf dem Wege der ver- zinslichen Anleihen beizuschaffen. Hieraus würde dem arbei- tendcn Volke eine neue Steuerlast erwachsen. Wir verlangen vielmehr Abschaffung des Systems der ver- zinslichen Staats- und Gemeindeschulden und erwarten, daß die deutschen Staaten noch stark genug sein werden, durch unver- zinsliches, nach bestimmter Frist wieder einzuziehendes Staats- Papiergeld und Einkommensteuerzuschläge sich und ihreu Gemeinden zu helfen. Franz Rohleder. Karl Frohme. (Diese Resolution soll dem Abgeordneten für Frankfurt a. M. überreicht, den demokratischen und sozialdemokratischen Abgeordneten, dem Büreau des Reichstages und dem Bundesrathe im Abschrift mitgetheilt werden.) Warnung. Es treibt sich unter dem Namen Michaeli- ein angeblicher Partei- äri-«- rw,.- C m � a> genösse herum, der blos darauf ausgeht, die Parteigenossen auszubeuten. Wllltam Huch, Obergenchts-Advokat und Notar, eine»Braun-> derselbe giebt an, ein Schlosser aus Dresden zu sein. Da wir aber dessen schweig, den 7. März 1877" datirte„Berichtigung", die wir, Gebühren als Schwindel erkannt haben, so warnen wir, sämmtliche da sie dem„Vorwärts" nicht zugesandt wurde, zufällig in! Unterzeichnete, hiermit alle Parteigenossen vor dem Michaelis. anderen Zeitungen, wo sie als bezahlte Annonce figurirt, ge- W. Secl, Ludwigshafen. I. Schmalbach, Mutterstadt. funden haben. Der Verfasser der„Berichtigung" ist zwar offen- W. Gerhold, Hzßl»ch. W.Harstrich, Speier. Tob. Guth, Neustadt. bar sehr aufgebracht, da er aber das in jener Correspondenz Gabler, Neustadt. � Klein. F. Gramann, Bevollmäch- betreffs des Lotterie-Inspektors Wolff u. s. w. Gesagte eher hi, sw- bestätigt als widerlegt, so haben wir keinen Grund, weitere J6i Lr Warnung beschlossen Notiz von der„Berichtigung" zu nehmen. R. d.„V."|" LX�afrSö S«ä�l877?" W. S-el. Mannheim.(Berichtigung.) In der Notiz„Eine Ltte--------—---— ratenperle der herrschenden Klassen" in Nr. 26 des„Vorwärts" Berichtigung. wurde anläßlich des Prozesses Brentano gesagt:„Es schien dem! Am Schluß der Notiz„Infam" in der sozialpolitischen Uebersichb liberalen Parteiführer(jetzigen Reichstagsabgeordneten) Kiefer der letzten Nummer sind einige Worte ausgelassen, wodurch ein Sinn- als Staatsanwalt schwer zu fallen, einen jahrelangen, getreuen und Stilfehlir entstanden ist. ES muß heißen: Die Unsterblichkett, nach Mitkämpen(den Lumpazms Brentano) der Gerechtigkeit zu über-( iXL liefern." Dem entgegen erfahren wir aus bester Quelle, daß' geworden. T.e Unsterbl.chkett der Infamie._ Oberstaatsanwalt Kiefer in dieser Sache voll und ganz Briefkasten seine Schuldigkeit gethan hat, was wir hiermit rückhaltlos con- der Redaktion. S. in Agram: Leider veraltet.— O. T. in D.r statiren Sommer ist aus Sondershausen— scheint also der Richtige. Aransilurt a. M, 14. März. Der heutige„Volksfreund". d-r Expedition F. F. Postmaster Berg Buffalo: Wir werden �thält Folgendes Wir �r�rn Grundrechte! Für die Sonntag'�udolpskam! Vormittag, 25. Marz, im Saale des Schutzenhofes zu Born- Quittung. Grbnstn Lindenau Ab. KHK). Krhl Quedlinburg Ab. heim stattfindende große Volksversammlung, zu der alle Sthr B. Aicha Ab. 15,00. Schffitr Schrobenhausen Ab. 1.60. freisinnigen Männer eingeladen sind, und in welcher die gegen! Mskwty Stuttgart Schr. 3,25. Ritmnnr München Schr. 8,88. Arnldt den jetzt herrschenden Nothstand zu ergreifenden Maßregeln be Königsberg Schr. 9,14. Stmnn Zittau Schr. 5,15. Brbm Gotha rathen werden sollen, schlagen wir folgende Resolution zur Be- Schr. 5,95. Lhmnil hier Ab. 1,60. Orbg Gießen Schr. 8,40. Mllr sprechung und Beschlußfassurg vor: Leisnig Schr. 4,80. Gldbrg Königsberg Schr. 4,58. Hffmnn Hirsch- „In Erwägung, daß einem Volke, dessen politische Rechte berg Schr 1.20 Stpp G°yer 6 75. Drp«-rden Ab 7,80 Hrhld v■- 0--■------ r-~~ Ottensen Ann. 36,00. Fschr Mylau Schr. 4,60. Am Ende Zschopau Schr. 32,90. Gr Osnabrück Ab. 8,90. Flr Schwab. Gmünd Ab. 20,00. Albrtz Eßlingen Ab. 9,00. Srrhr Kaiserslautern Schr. 4,00. nicht den ihm auferlegten Pflichten entsprechen, niemals die Ver- antwortung für die in Staat und Gemeinde ausbrechenden Miß- stände auferlegt werden kann, diese Verantwortung aber that- � S.' Brth'Mawz Ab�ÄM I. Sch Wien Ab. 4.95. Wrgs Wien sächlich stets durch die Gewalt der bestehenden, nicht durchgehends Schr. 10,00. Expcditwn der„Fackel" hier Ab. 7,65. Ullrch hier Ab. auf den Grundsätzen der Gleichheit und Gerechtigkeit beruhenden � 5,40. Lgs Hannover Ann. 1,30. Genossenschaftstischlerei Cöln Ann. politischen und wirthschaftlichen Einrichtungen von dem arbei- tenden Volke in materiellen Entbehrungen getragen wird, er warten die unterzeichneten Wähler von dem Abgeordneten für Frankfurt a. M., Herrn Karl Holthof, daß er mit aller Kraft dafür im Reichstage eintrete, daß folgende politische Forderungen in der Reichsvcrfassung auf Grund des Art. 4 derselben, nach welchem die Gesetzgebung des Reiches für die Bestimmungen des Staatsbürgern.Yls competent ist, als Grundrechte der deutschen Reichsbürgcr iu einem besonderen Abschnitte gesetzliche Aner- kennung find t,, mit deren Inkrafttreten die entgegenstehenden Gesetze der Eanzelstaaten auf Grund der Bestimmungen des Art. 2 der Reichsverfassung aufgehoben werden. 1) Jeder Deutsche, welcher das 20. Lebensjahr vollendetlhat und im Vollgenuß seiner staatsbürgerlichen Rechte ist, hat in der Commune, wo er seinen Wohnsitz hat, das Stimmrecht für alle Gemeinde-, Kreis-, Provinzial-, Land- und Reichstags- wählen. Für alle Wahlen sind die Eintheilungen nach Klassen(Klassen- wählen) und die Beschränkungen des Wahlrechts nach Maßgabe des Besitzes(Censuswahlen) aufgehoben. Jede Wahl findet durch geheime, direkte und obligatorische Stimmabgabe statt. 2,50. Trsfrth Diepholz Ab. 1,00. Engl Reudnitz Ab. 14,60. Schrmr. Lübeck Ab. 6,90. H. Grmm Kopenhagen Ab. 4,04. Expedition des „Bolkssreund" Düsseldorf Ab. 12,00. Wß Goldlauter Ab. 9,45. Sbttzky Wien Ab. 3,96. I. Wchtr Bludenz Ab. 4,80. C. Müller Graz Ab. 7,09. Lßmnn Rendsburg Schr. 2,84. Ich frage Herrn Lensch, Hamburg, ob ihm von Dessau zur Stich- wähl in Altona Gelder eingesandt sind und wieviel? Dessau, den 25. März__ E rnst Räbiger. Agitationsfond. Wie ein preußischer Lehrer fortgesetzt den Tod seines College» Höfer rächt. Zur Nachahmung empfohlen. Mark 10,00. Fond für Gcmaßrrgeltc. Vom Arbeiterverein Plagwitz d. Q. 1,01. �TrttmVMoy Am 2 Ostertag: Musikalische Abendunter- "�HUlUDl. tzl-. Haltung und Vorträge bei G. Loges, Ihme» brückstraße 3.__(F 161)"[30 Sozialdemokratischer Wahlverein. OjUUUUiCi- Sonnabend, den 31. März, Abends 8Vz Uhr, im Lokale des Hrn. Boge, Mittelstraßc Nr. 11:(F. 161) Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: Vortrag des Hrn. Meineke über „„WDie Wissenschaft 2) Jeder Deutsche hat das Recht, durch Wort, Schrift, Druck und die Arbeiter". Der Lorstand.[0,70 und bildliche Darstellung seine Meinung frei zu äußern. Die Rede- und Preßfreiheit darf nicht durch besondere(Preß-) Ge- setze beschränkt werden. 3) Jeder Deutsche hat volle Glaubens- und Gewissens- freiheit. Niemand soll von Staatswcgen zu einer kirchlichen oder reli giösen Handlung gezwungen werden. Demnach ist der religiöse Eid abgeschafft; an seine Stelle tritt die Wahrheitsversicherung, auf welche die gesetzlichen Be--- Sonnabend, den 31. März. Abends OvilUUlt«?vDl(. gl/, Uhr, im Lokale des Hrn. Suße: Eiilwohner-Verslimillllmg. Tagesordnung: Die Steuer- und Schulfrage. Referent Ge- meinderathsmitglied Dohne. Zahlreiches Erscheinen erwartet[0,90 Das geeinte Comit« des Arbeiter- und Gemeinde-Bereins. stimmungen über Meineid Anwendung finden. 4) Die Deutschen haben das Recht, sich in geschlossenen Räu- wen oder unter freiem Himmel zu versammeln. Einer beson- deren Erlaubniß dazu bedarf es nicht. 5) Die Dentschen haben das Recht, Vereine zu bilden. Genossenschaststischlerei Cöln. (Eingetragene Genossenschaft.) Samstag, den 7. April, Abends 8'/, Uhr: Generalversammlung Dieses Recht soll durch keine vorbeugende Maßregel beschränkt im Lokale des Herrn Jonas Streit, Zeuggassc Iva. werden. Tagesordnung: Neuwahl des Borstandes. Alle Mitglieder werden Alle die Vereins- und Versammlungsfreiheit beschränkenden ersucht, pünktlich zu erscheinen.(F65) Der Aufsichtsrath.[240 Gesetze sind aufgehoben." Todesanzeige. Wir sind der Ueberzeugung, daß eine radikale Beseitigung Unfern Freunden die traurige MUtheilung, daß unser unvergcß- solcher Krisen, wie sie in immer kürzeren Zeiträumen die Cultur- lichcr Freund und Gesinnungsgenosse länder beider Erdhälften treffen, nur durch eine soziale Umge- �____-«»ton vlteh_ staltung von Grund aus zu erreichen ist, halten aber dafür, daß h°"le Wittag 1 l � Uhr von seinen l°"�" Hi' nndet�ttitao Na*" auf dem Wege der Gesetzgebung durch eine umfangreiche Herab- � uhr vom Sterbehause, kreufgasse 17-, statt.- Zu recht setzung der Heerespralenzziffern, nut welcher die Errichtung ,�hlreicher Betheiligung laden ein im Auftrage der hiesigen Sozialisten� cantonaler Land- und Volkswehren zu verbinden wäre, durch 2 70) Fr. Harrendorf. 0). Schumacher. M. Blaukcnhagcii. Abschaffung der Besteuerung von Nahrungs- und gewohnheits- I"J�ein am" 1?April begwn-nden neuen Quartal der inäßigcn Gennßmitteln die Lasten der arbeitenden Volksmassen! ÄUnrlW bedeutend zu erleichtern sind. �„$mCU V�lDtXlU Um dem augenblicklichen überall im Deutschen Reich Herr- redigirt von Dr. August Specht, schenden Rothstande abzuhelfen, erwarten die Unterzeichneten als kommt u. A. zur Veröffentlichung:„Die Entstehung des Lebens aus nützliche Maßregeln die schleunige Inangriffnahme derjenigen, der Erde",„Aus dem Katechismus der neuen Weltan,chauung" und gemeinnützigen Bauten, für die öffentliche Mittel bereit gestellt. verschiedene andere«rtckel belehrenden freir-l.w°s-n Jnh°lts(2b) sind, besonders von Straßen. Canälen und Eisenbahnen, Sollten � Bestellungen mmmt iede Postanstalt oder Buchhandlung entgegen. diese Maßregeln zur Beseitigung der Roth nicht ausreichen, so tlgej0w,, R. E. Höhme, Verlagsbuchhandlung. sind ferner die bisher vernachlässigten ländlichen und klein---I?°.-—-—;—....— städtischen Kranken- und Schulhausbauten in solcher Weise her- 3)ls spätestens().'!lde.UcCirz a. C. Müssen zustellen, daß in den Schulgebäudcn außer für die Lehrräumc Rückstände auf ; Schriften, Neue Welt- u. Vorwärts- In den größeren Städten ist durch Abbruch der Casernen Äs sz ,11117 KM PN � Raum und Material zu gewinnen, an deren Stelle Wissenschaft-..... �-,,,„ liche und gemeinnützige Institute, öffentliche Gemeinde- und Be regulirt fem, dafernnichtEusstrllungweiterer Lieferungeiierfolgensoll. lirtefiniifer in seken den iftrer Dienstvslicbt oblieaenden Staats � Jnvenlur und Bücherabschluß, sowie die Nolhwendigkeit eigene Ber- 00- alle bürgern dagegen ist in Bürgerhäusern Obdach zu geben, damit i Pt seDTatmafiXaen die dem Gemeinwesen schädliche Abschlicßung des Militärs be- Die Expedition des werden wir also nicht mehr erfolgen lassen. seitigt werde. Wir wünschen, daß der Herr Abgeordnete für Frankfurt a. M. im deutschen Reichstag entschieden dagegen eintrete, daß den Die Expedition des Vorwärts u. Genossenschaftsbuchdruckcrei v-rantworckicher R'dakteur: W. Liebknecht in Leipzig. äiioat m und Exped'Kon Färberstraß'. 12/ll. in Leipzig. Druck und V:rleq der G:noss-nschastsbuchdn.'ckir»i in Lcpzig