Erschein! in Leipzig Mittwoch, Freitag, Sonntag. Abonncm-ntsPrcis sllr ganz Tentichland t W. eo Pf. pro Quartal. MonatS- NbonncntcntS werden bei allen deutschen Postaastalten auf den S. und 3. Monat, und aus den ».Monat besondcrs-angcnomnlen: im Slönigr. Sachsen und Herzogth. Sachsen- Altenburg auch aus den ucn Monat des Quartals st M Psg. Inserate betr. Jersammlungen pr. Petitzeile 10 Pf., betr. Priratangcl-genheit-n und Feste pr- Petirzeile»0 Pf. Vestellungcn nehmen an alle Postanstalten und Buch» Handlungen des In- u. Auslandes. Filial- Expeditionen. Rew-Porl: So».-demokr. Genossen- schastsbuchdruckerei, lbt Dlstrickxo ktr. Philadelphia: P. Hast, ggo Ilortli »-a Street. I. Boll, 1129 Charlotte Str. Hobolen: F. A. Sorge. Chicago: A.Lanscrmann, 74 Clxbourne«vc. San Franzisco: F. Entz, 419 v'b'arrell Street. London: Bauditz. 5 Hlassan Street, Middlesex Hospital. Eentrat Hrgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 48, Mttwoch, 25. April. 1877. Ter Kanonenköuig. Wir haben schon mehrfach uns mit dem Herrn Krupp be- schäftigt, doch nicht deshalb, weil wir gern Personenfragen er- ledigen, sondern deshalb, weil Krupp ein charakteristischer Re- Präsentant der Herren der heutigen Gesellschaft ist und weil sein Gebahren, seine Wirthschaft der Gesellschaft den Spiegel vorhält. Herr Krupp beliebt ab und zu, einen Ukas an seine Arbeiter zu schreiben. Einmal erklärte der ehrenwerthe Mann, daß in seiner Fabrik die Arbeiter völlig unbeeinflußt in politischen Dingen sein sollten, daß es ihm gleichgültig sei, ob sich ein Arbeiter zum Ultra- montanismus oder Sozialismus bekenne, wenn er nur seine Pflicht in Bezug auf die Arbeit erfülle. Diese Erklärung fiel noch in die Zeit, wo Krupp selbst auf nicht ganz festen Füßen stand, wo er 9 Millionen Mark auf den Namen der Madame Krupp in die englische Bank einzahlte. Jetzt aber, nachdem die blutigen Kriege der letzten Jahre das Krupp'sche Land gedüngt haben, und nachdem ,da� Ge- schüft flott geht", zieht der ehrenwerthe Herr andere Seiten auf und wirft 128 gute Arbeiter, von denen mehrere 20 Jahre lang bei ihm„gedient" haben, weil sie Sozialdemokraten, weil sie Christlich-Soziale sind, auf's Straßenpflaster. Solcher Uebernmth wird von den liberalen Zeitungen, zum Beispiel von der Berliner„Volkszeitung" noch gelobt. Die Sozialdemokraten, die Christlich- Sozialen— sie sind ja „Reichsfeinde", und für diese Bande ist das deutsche Straßen- Pflaster noch zu gut— in solcher Weise wird die Krupp'sche „That" noch gar entschuldigt. Sehen wir uns aber bei dieser Gelegenheit den Herrn Krupp etwas näher an. Im Jahre 1868— also kurz vor dem deutsch-französiscken Kriege— hat Herr Krupp an den„bleichen Henker an der Seine", an den europäischen Nichtsnutz, Louis Napoleon Bona- parte folgenden Brief geschrieben: „Sire! Ermuthigt durch das Interesse, welches eure er- h-ibene Majestät für einen einfachen Industriellen und die glücklichen Ergebnisse seiner Bemühungen und seiner unerhörten Opfer bewiesen haben, ivage ich von Neuem mich allerhöchst- derselben mit der Bitte zu nahen, geruhen zu wollen, den bei- folgenden Atlas anzunehmen. Er enthält eine Sammlung von Zeichnungen verschiedener, in meinen Werkstätten ausge- führtrr Gegenstände. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß besonders die vier letzten Seiten, die ich für verschiedene hohe Regierungen Europas angefertigt habe, einen Augenblick die Aufmerksamkeit eurer Majestät auf sich lenken dürften und meine Kühnheit entschuldigen werden. Mit dem tiefften Respekt, mit der größten Bewunderung bin ich eurer Majestät unter- thänigster und ergebenster Tiener." Das ist der Brief eines deutschen Mannes! Wollen wir den deutschen Staatsmännern, den deutschen Patrioten glauben, so war nach dem preußischen Siege bei Königsgrätz der Krieg mit Preußen von Seiten Napoleons schon beschlossene Sache—„Rache für Sadowa", so lautete das ge- flügelte Wort, welches man dem Bonaparte mit Recht oder mit Unrecht in den Mund legte. Herr Krupp will preußischer oder deutscher Patriot sein, Herr Krupp mußte als solcher die Stimmung in den Tuillerien kennen, und dennoch bot er dem Kaiser der Franzosen seine Dienste, seine Waffen an, mit welchen derselbe über Deutschland späterhin herfallen konnte! Nun weshalb? Nur um Geld zu verdienen, des Mammons halber! Uns Sozialdemokraten nennt man so gern und so leichthin Vaterlandsverräther ohne irgend welchen vernünftigen Grund. Liegt aber nicht in jenem Briefe von Ehrenkrupp ein tüchtiges Stück vom Vaterlandsverrath? Deutsche Männer sollen mit von deutschen Arbeitern geschmiedeten Waffen nieder- gemacht, massakrirt werden! Dem Geldsack zu Liebe wird der Henker auf dem Throne, der Feind des Rechts, ja der Feind Deutschlands mit Waffen unterstützt, und deutsche Arbeiter werden dem Hunger preis- gegeben— gleichfalls aus Liebe zum Geldsacke. Und das nennt man Reichsfreund! Auf den elenden Brief erhielt Krupp übrigens auch eine von Louis Napoleon diktirte Antwort, die folgendermaßen recht charakteristisch lautet: „Der Kaiser hat mit vielen, Interesse den Atlas empfangen, den Sie ihm zugestellt haben, und seine Majestät hat den Befehl gegeben, Ihnen für diese Mittheilung zu danken und Ihnen zu wissen zu thun, daß seine Majestät lebhaft den Erfolg und die Ausdehnung einer Industrie wünscht, welche die Be- stimmung hat, der Menschheit beträchtliche Dienste zu erweisen." Heil dir o Krupp, heil deinen Kanonen, Hosiannah in der Du leistest der Menschheit beträchtliche Dienste, daß sie dem Kriegsbarbarismus besser huldige, daß sie die„Gebilde von Menschenhand" und die Menschen selbst schneller und gründlicher vernichten kann. Hosiannah in der Höh'! �" dir, o Krupp, solches Loblied singen ließ, es war �' �Mestät der Menschenmörder en gros, der Meineidige auf Das Arbeiterschutzgesetz im Reichstag. i. fi-c v-wvv« uitumwvvvv w* � iÄne' e* war Louis Bonaparte. Und dennoch, trotz dieses Lobliedes, trotz der 9 Millionen in iglischen Bank, trotz deiner Unduldsamkeit in politischen der eng und religiösen Dingen bist und bleibst du Krupp, der Kanonen- kömg. Krupp der Ehrenmann! Träger du bijf �eutiae Gesellschaft, dessen charakteristischer Der Antrag, welchen die sozialistischen Abgeordneten in Gestalt einer Novelle zur Gewerbeordnung eingebracht haben, ist zum Angelpunkt geworden, um welchen sich die dreitägige Gewerbe- ordnungsdebatte drehte. Von allen Seiten wurde die hohe Be- deutung des Antrags anerkannt, nur Herr Max Hirsch, der sich vollständig in den Hintergrund gedrängt sah, bellte das unan- genehme Objekt an. Die zwei- und vierbeinigen Möpse können das nun einmal nicht lassen. Was ven Gegnern— und im Reichstag haben wir ja mit Ausnahme unserer eigenen Vertreter nur Gegner— besonders imponirte, war die präcise Fassung, die praktische Formulirung, um uns so auszudrücken, die gesetz- geberische Tauglichkeit des Antrags. Das mußte sogar vom Präfidenten des Bundeskanzleramts anerkannt werden. Die Redensart, daß die Sozialdemokratie nicht auf dem Boden der realen Verhältnisse stehe, sich in ein utopistisches Wolkcnkukuks- heim verirrt habe, wo sie Windeier ausbrüte und Nebclbildern nachjage, ist jetzt in ihr Nichts aufgelöst und umgekehrt durch die Debatte und durch die Vorschläge der Gegner der Beweis geliefert worden, daß gerade die gegnerischen Parteien es sind, ivelche auf wirthschaftlichem Gebiet den unsinnigsten Utopistereien huldigen und die Fähigkeit organischer, praktischer Gesetzgebung verloren haben. Die Rath- und Planlosigkeit der alten Parteien trat mit möglichster Deutlichkeit und— Kläglichkeit zu Tage. So weit die Anträge der Gegner sich nicht auf vage Gelüste auf fromme Wünsche beschränkten, erstrebten sie entweder reaktiv- näre Maßregelungen der Arbeiter, oder sie berührten blos einen winzigen Bruchtheil der wirthschaftlichen Fragen, um deren Re- gelung es sich handelte. Entweder hohle Phrase, oder elendes Flick- und Stückwerk. Und wie die Anträge, so die Reden ihrer Bertheidiger. In der dreitägigen Debatte rangen die verschiedenen Welten und Weltanschauungen miteinander: die christliche Welt, die mittelalterliche Feudalwelt, die Bourgeoiswelt, und, sie alle be- kämpfend, von ihnen allen bekämpft, die Welt des Proletariats — Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Daß die Anwälte der Vergangenheit dabei den härtesten Stand hatten, am schlechtesten wegkommen mußten, liegt auf der Hand. Sie konnten wohl die Anarchie geißeln, zu der die sogenannte Gcwerbcfteiheit geführt hat, aber Borschläge zur Heilung hatten sie nicht, wenigstens keine, die von einem ernst- haften Menschen ernsthaft genommen werden könnten.„Die Kirche" hat fast zwei Tausend Jahre Unrecht und Roth herrschen lassen,— heute, da ihre Macht größtentbeils dahin ist, wird sie nicht, selbst den Willen vorausgesetzt, dem Volk zu gewähren vermögen, was sie zu den Zeiten ihrer Macht, ihrer Allmacht ihm nicht gewährt hat. Der tadelloseste„christliche Sinn" schafft die nothwendigen Konsequenzen der kapitalistischen Produklions- weise nicht aus der Welt. Und daß die mittelalterliche Organi- sation der Arbeiter für das 19. Jahrhundert nicht paßt, daß „König Dampf" die Zwangsjacke des Zunftwesens wie Spinn- fäden zerreißen würde, das ahnen sogar die politischen Revenants (Nachtgespenster), die sich von andern Gespenstern nur dadurch unterscheiden, daß sie Fleisch und Blut haben,— und das hat die Galen und Kleist-Retzow noch zehnmal konfuser gemacht, als sie sonst zu sein pflegen. Mit diesen Antagonisten hatten die Vertreter der Gegen- wart natürlich relativ leichtes Spiel. Daß eine Rückkehr in's Mittelalter nicht möglich, daß die Nachteulen in die Ruinen der Raubritterburgen und Klöster gehören, nicht aber in das nüch- terne, emsige Treiben des Jndustrialismus, das weiß auch jedes Kind. Allein leider weiß auch jedes Kind, daß dieser In- dustrialismus die furchtbarsten Uebel erzeugt hat, und fortwäh- rend in immer erhöhtem Grade erzeugt. Hier liegt die Schmie- rigkeit. Die Uebel in Abrede stellen, das alte Wort: si fecisti nega— wenn du es gethan hast, leugne ab! befolgen, das ist das Bequemste, nützt jedech nicht viel, weil Jedermann die Uebel mit Händen greifen kann. Den Nothstand ableugnen, ini Augen- blick, wo der Hungertyphus seinen Rundgang durch Deutschland macht, kann nur ein Sophist mit eiserner Stirn oder ein in sein Steckenpfed vernarrter, verrannter Polterer wie der alte Grumbrecht. Die Rickert, Wehrenpfennig, Lasker waren auch nicht so thöricht; sie geben zu, daß„etwas faul sei" in un- serer Gewerbeordnung, und daß reformirt werden müsse. Refor- mirt ja! Aber wie weit? Soll wirkliche Abhilfe geschafft werden, so muß die Reform sich auf das ganze Produktionssystem er- strecken. Es leuchtet aber ein, daß die Vjertreter dieses Systems keine Lust haben, eine Reform vorzunehmen, die ihnen die Grundlagen ihrer politischen und ökonomischen Macht unter den Füßen wegziehen würde. Die Herren Rickert und Genossen hüteten sich daher sehr wobl, in den Kern der.schwebenden Fragen einzugehn, und handelten nach dem Satz: Wasch mir den Pelz und mach mich nicht naß. Den Sozialdemokraten fiel es zu, die ftommen Wünsche, die Sophismen, die Halbheiten in die Retorte der Kritik zu werfen, und an der Hand der Wissenschaft und der Thatsachen, den Nachweis zu liefern, daß die Uebel, an welchen die Gesellschaft krankt, im Wesen der heutigen Arbeitsverhältnisse ihre Wurzel haben, daß diese Uebel nicht beseitigt werden können, ohne daß auch die Wurzel beseitigt wird, daß eine Reform der Gesellschaft an Haupt und Gliedern zur gesellschaftlichen Nothwendigleit ge- worden ist, und daß es die Aufgabe der Gesetzgebung ist, diese Reform, allmählich aber methodisch, ehrlich durchzuführen, wenn Katastrophen vermieden werden sollen. Welcher Schritt zunächst gemacht werden muß, um den Weg der allgemeinen gesellschaftlichen Refom zu kommen, zeigt das Arbeiterschutzgesetz der sozialistischen Abgeordneten. Ist der Reichstag klug, so wird es zum Anfang einer deutschen Fa- brikgesetzgebung; wird der Entwurf in der Commissivn be- graben und vom Reichstag bei Seite geschoben— gut— man erinnere sich der Fabel von den Sybillinischen Büchern. Je länger gewartet wird, desto höher der Preis, bis schließ- lich der Preis zu hoch wird. Sozialpolitische Uebersicht. — Der Moloch. Der vom Kriegsministerium für Februar dieses Jahres veröffentlichte Hauptbericht über den Kranken- zustand des preußischen, württembergischen und sächsi- scheu Heeres ergiebt, daß in dem erwähnten Monat die Zahl der militärärztlich behandelten Kranken 29,356 Mann, oder 8,1 der Effektivstärke betrug. Die Todesfälle betrugen hier 99, worunter die Mehrzahl an Lungenschwindsucht und Typhus. Außerdem kamen noch 37 Todesfälle in nicht militärärztlicher Behandlung vor, davon 8 durch Krankheiten und 4 durch Ver- unglückung. Die Zahl der Selbstmorde betrug sechsund- zwanzig! Im Ganzen hat das Heer 136 Mann durch den Tod verloren, und dabei hat die Zahl der Selbstmorde etwas mehr als den fünften Theil aller Gestorbenen aus- gemacht. Das ist geradezu entsetzlich! Wenn dasselbe Verhältniß für die Gesammtbevölkerung gälte, würde in Deutschland, wo jährlich in runder Summe 1,200,000 Todesfälle vorkommen, die Zahl der Selbstmorde sich das Jahr durchschnittlich auf eine Biertelmillion belaufen. Und das sind die Opfer in Friedenszeiten! Wenn der Krieg alle Bande der Menschlichkeit aufgclöset hat, dann erst hat der Moloch seine eigentliche Ernte. Dann werden die Opfer nicht mehr nach Dutzenden und Hunderten, dann werden sie nach Tausenden und Zehntausenden gezählt. —„Die Sorge vor dem Eindringen der Sozial- demokratie in die Armee, schreibt die„Germania", wird immer allgemeiner und hat bekanntlich schon zu Nachsuchungen nach sozialdemokratischen Schriften in den Kasernen, zum Verbot von gewissen Wirthshäusern, in denen sozialdemokratische Zei- tungen aufliegen und sozialdemokratische Gäste verkehren, für die Soldaten und zu anderen Vorsichtsmaßregeln geführt. Der Hauptmann v. Lattorff hat dieser Gefahr sogar eine kleine Broschüre:„Die Unteroffizicrfrage und die Sozialdemokratie in der Armee" gewidmet; die Broschüre wurde zwar in Hannover verlegt, durfte aber nicht zur Ausgabe gelangen, um„den Teufel nicht an die Wand zu malen." Denn der Stand der Unter- offizicre hat ähnliche sozialdemokratische Versuchungen zu bestehen, wie der Stand der kleinen schlecht besoldeten und oft auch noch schlecht behandelten Beamten, insbesondere der Postbeamten, welche zahlreich der Sozialdemokratie zufallen. Auch an den Hochschulen, hier in Berlin z. B. an der Universität sowohl, wie an der Bau- und Gewerbeakademie giebt es bereits sozial- demokratisch gesinnte Studenten, wie auch schon in öffentlichen Blättern constatirt worden ist. Das wird so lange dauern, als im ewigen Kreislauf wirthschaftlicher Schwindel und wirthschaft- licher Nothstand fort und fort sich ablösen und als andererseits diejenige religiöse und politische Richtung mächtig bleibt, durch welche die Falk'sche Kirchen- und Schulpolitik möglich geworden ist."— Das soll heißen: Die„religiöse und politische Richtung" Germania" ist das Kraut, welches wider den Sozialismus der gewachsen ist. Lassen wir das Blatt bei diesem Glauben. Die — Zum„parlamentarischen Meuchelmord „Frankfurter Zeitung" schreibt: „Der Reichstag hat mit allen Stimmen gegen die der Sozialisten die Wahl des Abg. Hasenclever kassirt, weil nachgewiesener Maßen eine Anzahl Wähler durch Verheften der Wahlliste ihres Wahlrechts verlustig gegangen sind. Aber diese Tbatsache an sich kann unmöglich das Votum des Hauses recht- fertigen, und zu unserem Erstaunen suchen wir sowohl in dem Bericht der Wadlprüfungs-Commission, wie in den gestrigen Ver- Handlungen vergebens den Punkt, auf den hier Alles ankommt, nämlich authentische Auskunft darüber, ob erstlich die Listen bezirksweise zur Auslegung gekoinmen sind, und ob zweitens das Verheften der betreffenden Blätter vor oder nach der Aus- legung der Listen stattgefunden hat. Nur wenn die Listen nicht bezirksweise ausgelegt ivarcn, ist die Kassation der Wahl ohne Weiteres als begründet anzuerkennen; waren sie aber, was kaum zweifelhaft ist, bezirksweise ausgelegt, so hängt die Ent- scheidung von der Beantwortung der zweiten Frage ab. Ein Verheften einzelner Blätter vor der Auslegung giebt, wie die Auslassung von Wählern aus der Liste— und es kommen ja Auslassungen ganzer Häuser öfters vor— in diesem Fall nur das Recht der Reklamation der Betreffenden innerhalb der gesetzmäßigen Frist des Aufliegens der Listen; wird diese Frist«crsäumt, so hat der„Berheftete" ebenso wenig wie der Ausgelassene ein weiteres Recht auf Geltendmachung seines Votums zur Beanstandung der geschehenen Wahl. Die Bewohner der drei Häuser, um die es sich im Hasenclever'schen Falle han- delt, würden bei dieser Lage gerade so daran sein, als wenn sie überhaupt nicht in der Liste aufgenommen worden wären und eine Reklamation unterlassen hätten. Ganz anders aber würde die Sache liegen, wenn das Verheften stattgefunden hätte, nachdem das Wahlrecht der Betreffenden in dem bezeichneten Bezirk durch das Ausliegen der Listen einmal . sanktionirt gewesen wäre; alsdann hätte eine Entziehung des Wahlrechts stattgefunden, die, wenn sie ziffermäßig wie hier, die � Wahl in Frage stellte, unbedingt die Kassation derselben fordern in«"vtuuijji uic amfjtuiuu üci|eiücu würde. Wie lag nun die Sache im 6. Berliner Wahlbezirk? Darüber sind wir, wie oben bereits bemerkt wurde, in keiner Weise aufgeklärt worden und demnach nicht in der Lage, den gestrigen Beschluß des Reichstages, wie imponirend auch die Majorität für denselben sein mag, ohne Weiteres als einen be- gründeten anzuerkennen."— Was sagt Herr Holthoff zu diesen Ausführungen, dem sein juristisches Gewissen verbot, für die Gültigkeit der Wahl zu stimmen? Die„Frankfurter Zeitung" aber, welche in so logischer und trefflicher Weise den Fall behandelt, machen wir noch darauf aufmerksam, daß die Wahlprüfungs-Commission selbst zugesteht, daß das VerHeften der betreffenden Blätter wahr- scheinlich vor Auslegen der Wählerlisten stattgefunden hat. In dem Bericht der Commission heißt es: „Auf die Frage: ob, wie der Protest anzudeuten scheint, die Wählerliste für die betreffenden Häuser der Liste des 348. Wahl- bezirks(nachträglich) angeheftet gewesen, oder— was wohl anzunehmen ist— ob die fraglichen Häuser von vorn- herein in der Liste des 348. Wahlbezirks gestanden und so mit den gesammten Wählerlisten öffentlich auf- gelegen haben, kann gegenüber der positiven Borschrift des § 8 des Wahlreglements ein Gewicht nicht gelegt werden." Die„Frankfurter Leitung" und auch jeder vernünftige nicht vom Parteihader verblendete Mensch aber legen gerade darauf Gewicht und zwar aus den von der„Frankfurter Zeitung" an- geführten Gründen. Man kann also kühnlich behaupten: Die Wahl Hasenclever's ist vom Reichstag mit Un- recht für ungültig erklärt worden! —„Die Diktatur, welche der Abgeordnete Valentin im Reichstage über die Redefreiheit, wenn auch nur als vorgeschobener Stellvertreter einer höheren Gewalt ausübt, fängt nachgerade an unerträglich zu werden. So lange die be- kannten gedruckten Schlußanträge zur Kategorie der beliebten Foyerscherze gehörten, war dagegen nichts einzuwenden, seitdem sie aber fortgesetzt zur Maßregelung der Redefreiheit benutzt werden, ist es wohl Zeit, daß Protest erhoben wird. Von einem ganz besonderen Mangel an Takt scheint es uns zu zeugen, daß man vorzugsweise parteiisch gegen Demokraten und Sozial- demokraten vorgeht, welche vermöge ihrer geringen Zahl am wenigsten widerstandsfähig solchem Terrorismus gegenüberstehen." So schreibt die„Volkszeitung" in Bezug auf die Notiz, die wir im„Vorwärts" brachten. Zuweilen scheint selbst diesem Blatte das Gewissen zu schlagen; die Herren Fortschrittler im Reichs- tage aber unterstützen den Herrn Valentin unfern Abgeordneten gegenüber, indem sie oft für dessen Schlußanträge stimmen. — Tessendorf. Wie wir schon berichtet haben, hat der geehrte Herr sich neuerdings in einer Gerichtsverhandlung ge- müßigt gefunden, die Sozialdemokratie zu schmähen und sie für die in Berlin stattfindenden Krawalle und Morde verantwortlich zu machen. Das kann uns eigentlich nur zur Ehre gereichen. Unser Parteigenosse Grottkau hat die Sache aber schief gc- nommen und in der„Berliner Freien Presse" dem verehrten errn Staatsanwalt gewaltig auf die Finger geklopft. Daß essendorff Klassenhaß vor den Besitzenden gepredigt, daß er die Unwahrheit wissentlich gesagt habe, Alles das wirft ihm Grottkau vor. Eine Anklage erwartete unser braver Ge- nosse— doch anstatt derselben erhielt er eine Antwort. Und was für eine! Eine nichtssagendere Erwiderung haben wir noch nicht gelesen. Die eigentlichen Vorwürfe von Grottkau werden in derselben kaum erwähnt. Auch eines Hasselmann'schcn Briefes an Gehlsen ist Erwähnung gcthan. Grottkau erklärte, daß Tessendorf in Bezug auf den Brief privatim geäußert habe, der Brief enthalte nur wenige Zeilen und beschränke sich auf eine Zurückweisung einer Einladung Hasselmann's von Seiten des Herrn Gehlsen. In seiner Erwiderung erklärt Tessendorff dies für eine Unwahrheit. Nun aber bezeugen außer Grottkau die Genossen Rackow und Heinsch, daß Tessendorf nach dem Termin wörtlich zu ihnen gesagt habe:„Es ist nur ein Brief von Hassel- mann gefunden worden, in welchem er auf eine Einladung Gehlsen's ablehnend antwortet und angebotene Manuskripte zurück- weist." In dem Termine hatte Tessendorff bekanntlich durch Erwähnung des Hasselmann'schcn Briefes an Gehlsen der Sozial- demokratie einen Hieb versetzen wollen.— Ob Tessendorff den Verdacht, daß er die Unwahrheit gesagt habe, wohl auf sich sitzen läßt? Ein englisches Programm. Voriges Jahr erschien in England unter dem Titel:„Social Architecture, or Reasons and Means for the Demolition and Eeconstruction of the Social Edifice, by an Exile from France"*) ein Buch, das, wenn ihm auch der Vorwurf, daß es mitunter utopostisch wird, selbst von unserer Seite nicht ganz erspart werden kann, doch, trotz seines zugestandenermaßen mehr compi- latorischen(versöhnlichen) Charakters, vieles Vortreffliche enthält und besonders dadurch werthvoll ist, daß seine Darlegungen über die Mängel der heutigen gesellschaftlichen Zustände durch aus- führliches, oft mühsam erworbenes, statistisches Material belegt sind. Indem wir uns vorbehalten, auf dieses Buch selbst ein- gehend und kritisch zurückzukommen, wollen wir heute hier eine Uebersetzung des im Anhange mitgetheilten Programms geben, das die Mittel und Wege angiebt, wie— zunächst in England— die sozialistischen Reformen nach und nach auf friedlichem und gesetzlichem Wege durchgeführt werden können**). In Hinsicht auf die spätere Besprechung des ganzen Werks enthalten wir uns dabei jeder kritischen Bemerkung. Das demokratische Zukunstsprogramm oder Grundzüge der fortschreitenden Reformen in Regie- rung. Sozial- Oekonomie, Arbeits- Einrichtungen, Erziehung, Gesetz, Polizei, Militär, Armen- Unterstützung!c. (Zuerst veröffentlicht 1870.)***) Reformen in der Regierung und Gesetzgebung. Erste Stufe des Fortschritts. Forderungen der Gegenwart. Reform des Hauses der Gemeinen. 1. Die Mitglieder des Parlaments werden durch allgemeines Stimmrecht gewählt. 2. Die Abstimmung für die Parlaments- Vertretung wird geschützt durch die Ballotage. *) Soziale Architektur oder Gründe und Wege für die Zerstörung und Wiederaufrichtung des sozialen Gebäudes, von einem aus Frank- reich Verbannten. **) Wir haben absichtlich die Uebersetzung so wörtlich wie möglich gemacht und sind daher nicht verantwortlich für die unvermeidlichen Härten, abgesehen von dem nicht sehr glänzenden, öfters auch nicht ganz klaren Styl des Verfassers. **') Es ist uns nicht bekannt, wo dies geschah. —„Böhmisches". Am 17. April hat die Stadtverwaltung in Reichenberg(Böhmen) 20,000 Gulden für Straßenbauten bewilligt, um den Arbeitslosen Arbeit zu schaffen. Den Magistraten und Stadtverordneten in Deutschland sind derartige i Handlungen natürlich„böhmische Dörfer". — Das schweizerische Fabrikgesetz, auf welches wir schon öfter hinzuweisen Gelegenheit hatten, liegt jetzt in dem Wortlaute vor, wie es aus den Berathungen der Bundesver- sammlung hervorgegangen ist. Das Gesetz zerfällt in ö Abthei- lungen(1. Allgemeine Bestimmungen, 2. Beschäftigung von minderjährigen Arbeitern in den Fabriken, 4. Bollziehungs- und Strafbestimmungen. 5. Schlußbestimmungen) und ist dazu ange- than, den Fabrikarbeiter vor der schrankenlosen Ausbeutung und vor sonstigen Fährnissen, welche die nicht unter Staatscontrole stehende Fabrikarbeit für den Arbeiter gewöhnlich im Gefolge hat, zu schützen. Nur einige und zwar die wichtigsten Bestim- münzen aus diesem Gesetz seien hier angeführt: Allgemeine Bestimmungen: Art. 1. Als Fabrik, auf ivelche gegenwärtiges Gesetz Anwendung findet, ist jede industrielle Anstalt zu betrachten, in welcher gleichzeitig und regelmäßig eine Mehrzahl von Arbeitern außerhalb ihrer Wohnungen in ge- schlossenen Räumen beschäftigt wird. Wenn Zweifel waltet, ob eine industrielle Anstalt als Fabrik zu betrachten sei, so steht darüber nach Einholung eines Berichtes der Kantonsregierung der endgültige Entscheid dem Bundesrath zu. Art. 2. In jeder Fabrik sind die Arbeitsräume, Maschinen und Werkgeräthschaften so herzustellen, daß dadurch Gesundheit und Leben der Arbeiter bestmöglich gesichert werden. Es ist namentlich dafür zu sorgen, daß die Arbeitsränme während der ganzen Arbeitszeit gut be- leuchtet, die Luft von Staub möglichst befreit und die Luftver- änderung immer eine der Zahl der Arbeiter und der Beleuch- tungsapparate sowie der Entwicklung schädlicher Stoffe entsprc- chende sei. Diejenigen Maschinentheilc und Triebriemech, welche eine Gefährdung der Arbeiter bilden, sind sorgfältig einzufrie- digen. Zum Schutze der Gesundheit und zur Sicherheit gegen Verletzungen sollen überhaupt alle erfahrungsgemäß und durch den jeweiligen Stand der Technik sowie durch die gegebenen Verhältnisse ermöglichten Schutzmittel angewendet werden. Art. 4. Der Fabrikbesitzer ist verpflichtet, von jeder durch den Betrieb seiner Fabrik vorgekommenen erheblichen Körperver- letzung oder Tödtung sofort der competenten Lokalbehörde An- zeige zu machen. Diese hat über die Ursachen und Folgen des Unfalles eine amtliche Untersuchung einzuleiten und der Kau- tonsregierung davon Kenntniß zu geben. Art. 5. Ueber die Haftpflicht aus Fabrikbetrieb wird ein Bundesgcsetz das Erforderliche verfügen. In der Zwischenzeit gelten für den urtheilenden Richter nachfolgende Grundsätze: a. Der Fabrikant haftet für den entstandenen Schaden, wenn ein Mandatar, Repräsentant, Leiter oder Aufseher der Fabrik durch ein Verschulden in Ausübung der Dienstverrichtung Ver- letzung oder Tod eines Angestellten oder Arbeiters herbeiführt. h/ Der Fabrikant haftet gleichfalls, wenn, auch ohne ein solches spezielles Verschulden, durch den Betrieb der Fabrik Körperver- letzung oder Tod eines Arbeiters oder Angestellten herbeigeführt wird, sofern er nicht beweist, daß der Unfall durch höhere Ge- walt oder eigenes Verschulden des Verletzten oder Getödtcten erfolgt ist. Fällt dem Verletzten oder Getödtcten eine Mitschuld zur Last, so wird dadurch die Ersatzpflicht des Fabrikanten an- gemessen reduzirt. Fabrikordnungen haben nur dann Gültigkeit, wenn sie zwi- schen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart und von den bekr. Kantonsregierungen genehmigt sind. § 11 setzt die Arbeitszeit auf 11 Stunden fest. Nach§ 13 ist die Nachtarbeit nur ausnahmsweise und auch nur mit Zustimmung der Arbeiter gestattet. Beschäftigung von Frauen in Fabriken. Art. 14. Frauenspersonen sollen unter keinen Umständen zur Sonntags- oder Nachtarbeit verwendet werden. Wenn dieselben ein Haus- wesen zu besorgen haben, so sind sie eine halbe Stunde vor der Mittagspause zu entlassen, sofern diese nicht mindestens 1«/, Stunden beträgt. Vor und nach ihrer Niederkunft dürfen Wöchnerinnen im Ganzen während acht Wochen nicht in der Fabrik beschäftigt werden. Ihr Wiedereintritt in dieselbe ist an den Ausweis geknüpft, daß seit ihrer Niederkunft wenigstens sechs Wochen verflossen sind. Der Äundesrath wird diejenigen Fabrikationszwcige bezeichnen, in welchen schwangere Frauen überhaupt nicht arbeiten dürfen. 3. Das Parlament wird alle zwei Jahre durch Neuwahl erneuert. 4. Alle Wahlkreise enthalten eine gleiche Anzahl Stimmender. 5. Ein Parlamentsmitglied, das seine Wähler nicht befrie- digt, ist gezwungen zu verzichten, wenn seine Vollmachtgeber es mit Eindrittels- Majorität beschließen. 6. Das Parlament ist permanent, indem es einen Ausschuß ernennt, der während der Ferien tagt. 7. Die Minoritäten erhalten Vertretung im Parlament, wenn ihre Stimmen zwei Drittel der vom siegreichen Candidaten in ein- und derselben Wahl erhaltenen Stimmen betragen. 8. Die Vertreter der Minoritäten können an den Abstim- mungen im Parlament nicht theilnehmen, wohl aber an den Debatten. 9. Oeffentlicher Empfang von Deputationen an den Schranken des Hauses wird allen Parteien gewährt, wenn jene mehr als 100 Personen zählen und durch drei Mitglieder des Parlaments eingeführt sind. 10. Ehrenmitglieder*) des Parlaments werden durch Zwei- drittels- Majorität des Hauses selbst gewählt. 11. Die Zahl der Ehrenmitglieder darf nicht mehr betragen als ein Zehntel der Totalzahl der vom Volke gewählten Ver- treter. 12. Ehrenmitglieder können auch von anderer als britischer Nationalität sein. 13. Ehrenmitglieder genießen nur das Recht der Correspon- denz und Debatte. 14. Die Mitglieder erhalten eine angemessene Bezahlung, die jedoch sich richtet nach der Anzahl der Sitzungen, denen ste beigewohnt haben, und der auf Parlamentsgeschäfte verwandten Zeit. 15. Die Gesammtzahl der durch das Volk gewählten Ab- geordneten beträgt 1000. 18. Die gegenwärtige Gewalt der Exekutive wird beschränkt und allmählich aus das Parlament übertragen. 17. Die verschiedenen Ministerial-Abtheilungen der Regierung werden durch permanente Parlaments-Ausschüsse controlirt. 18. Kein Minister darf eine Maßregel vorschlagen, die nicht vorher durch den betreffenden Parlaments-Ausschuß gebilligt wurde. *) Lafayeite, Vaier und Sohn, waren beide Ehrenmitglieder des amerikanischen Conzresses. Beschäftigung von minderjährigen Arbeitern in den Fabriken. Art. 15. Kinder, welche das vierzehnte Alters- jähr noch nicht zurückgelegt haben, dürfen nicht zur Arbeit in Fabriken verwendet werden. Der Bundesrath ist ermächtigt, diejenigen Fabrikationszweige zu bezeichnen, in welchen Kinder über- Haupt nicht beschäftigt werden dürfen. Ein Fabrikbesitzer kann sich nicht mit Unkenntniß des Alters oder der Schulpflichtigkeit seiner minderjährigen Arbeiter entschuldigen. Bollziehungs- und Strafbestimmungen. Atr. 18. Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen dieses Ge- setzes oder gegen die schriftlich zu ertheilenden Anweisungen der zuständigen Aufsichtsbehörden find, abgesehen von den civil- rechtlichen Folgen, mit Bußen von 5 bis 500 Fr. durch die Ge- richte zu belegen. Im Wiederholungsfall darf das Gericht außer angemessener Geldbuße auf Gefängniß bis auf 3 Monate verhängen._ — Zur Neuwahl in Berlin. Tie Wähler, welche seit dem 10. Januar im sechsten Wahlkreise ihre Wohnung gewechselt haben oder die aus dem Wahlkreise verzogen sind, wählen in ihrem alten Bezirke, weil neue Listen nicht angefertigt werden. — Wegen Betheiligung an verbotenen Vereinen wurden in Schwerin am 19. d. Mts. 7 Zimmerleute, 5 Tischler und 4 Maurer zu insgesammt 560 Mark Geldbuße ver- urtheilt. Die verbotenen Vereine sind eine Anzahl Gewerk- schaften, denen die Schweriner Behörden, trotz lebhaftester Pro- testationen seitens der Gewerkschaften, hartnäckig auf den Kopf zu sagen, daß sie politischen Tendenzen huldigen. n Berlin, 19. April. Auf der Tagesordnung der heutigen Reichstagssitzung steht zunächst eine lange Liste von Berichten der Wahlprüfungs- commission snicht weniger als 11), die theilweise zu Tis- kussionen Anlaß geben. Bedeutende„Unregelmäßigkeiten"(wi- derrechtliche Beeinflussungen, Formverletzungen, Vergewaltigungen) wurden nachgewiesen, allein nur in einem einzigen Falle konnte die Majorität sich zur Beanstandung der Wahl(im 10. ba- dischen Wahlkreise, wo der nationallibcrale Eisenlohr gegen einen conservativen Pietisten gewählt wurde) entschließen. Man darf es mit der Reinheit und Unabhängigkeit der Wahlen nicht allzugenau nehmen, denn sonst würde es, bei der jetzigen laxen Handhabung des Wahlgesetzes und des Wahlreglements, sehr wenige Wahlen geben, die nicht kassirt werden müßten. In weniger als zwei Stunden waren sämmtliche Berichte erledigt und der 2. Punkt der Tagesordnung:„Bericht der 1. Abthei- lung über die bei Prüfung der Wahlverhandlungen wahrge- nommenen Verstöße gegen das Wahlreglement", führte nicht einmal zu einer Diskussion. Die Sozialdemokraten, welche die ganze Angelegenheit bei Verhandlung ihres, heut eingereichten Antrags zum Schutze der Wahlfreiheit, ausführlich zur Sprache bringen werden, hatten keine Veranlassung, sich mit den im Bericht hervorgehobenen untergeordneten„Unregelmäßig- leiten" zu befassen. Nach rascher Erledigung zweier Berichte der Petitionskom- Mission kam der Antrag des Dänen Kryger zur Verhandlung. Derselbe lautet:„Der Reichstag wolle beschließen: den Reichs- kanzler aufzufordern und zu beaustragen, sofort Vorkehrungen dahin zu treffen, daß das durch den§ 5 des Prager Friedens den nördlichen Distrikten Schleswigs gewährte Recht der freien Abstimmung über die staatsrechtliche Angehörigkeit derselben bal- digst verwirklicht werde." Kryger begründete seinen Antrag in längerer Rede. Zn widerlegen war er nicht: der Prager Vertrag besteht, und der Antrag verlangt nichts als die Aus- führung des Vertrags." Da blieb denn nichts anderes übrig, als den Sachverhalt zu verdunkeln und sich auf das persön- liche Gebiet zu flüchten. Das that der nationalliberale Wachs mit ebenso viel Ungeschick als Behagen; er drohte dem Antragsteller verblümt mit Hinausweisen aus dem Reichstag, erklärte, im Landtag die Streichung des§ 5 beantragen zu wollen und biß überhaupt die Mordspatrioten nach Herzenslust heraus. WfindtHvrst rügte dies,„mit den Regeln des Anstandes nicht ganz übereinstimmende" Benehmen und entwickelte kurz die Ge- schichte des§ 5 des Prager Friedensvertrags. Was Kryger verlange, sei vollkommen berechtigt. Er(Windthorst) stimme nur deshalb nicht für den Antrag, weil er die„gegenwärtig sehr delikate politische Lage" nicht zu übersehen im Stande sei. 19. Die gegenwärtige politische Abhängigkeit*) zwischen den Mitgliedern des Kabinets und ihr gemeinsames Handeln unter der Führerschaft eines Premier wird aufgehoben und alle Minister werden vom Parlament ernannt und entlassen. Abschaffung des Hauses der Lords und Errichtung eines britischen Senats. 1. Die erbliche gesetzgebende Gewalt wird unterdrückt durch Ausschluß aller Derer, die bisher im Oberhause kraft ihrer Adelstitel saßen. 2. Die Gesammtzahl der Senatoren darf die Hälfte der Mit- glieder des Unterhauses nicht überschreiten. 3. Im Senat zu sitzen sind berechtigt: a. die Richter, nach Ivjähriger Amtsdauer; b. die Mitglieder des Hauses der Ab- geordneten, wenn sie der Nation 10 Jahre gedient haben, ohne ein einziges Mal von ihren Wählern abgerufen worden zu sein. 4. Die fehlenden Senatoren werden durch Volkswahlen er- gänzt, welche unter Theilnahme aller Wähler in zehnjährigen Perioden stattfinden. Aus diesen Ernennungen, welche immer die Zahl der erforderlichen Senatoren überschreiten werden, trifft das Parlament eine endgiltige Auswahl. 5. Der Senat ist dem Hause der Abgeordneten unter- geordnet. 6. Der Senat hat keine absolute Macht, ein Gesetz, welches das Abgeordnetenhaus passirt hat, zurückzuweisen. 7. Jede Bill, die das Abgeordnetenhaus passirte und nachher vom Senat verändert oder nicht genehmigt worden ist, wird dem Unterhaus zur Berückfichtigung zugesandt; wird sie aber dem Senat zum zweiten Mal zugestellt, so kann derselbe durch zwei Drittel Mazorität ihre Verwerfung der diretten Abstimmung durch das Volk unterbreiten. 8. Alle Maßregeln, die vom Senat in Initiative beschlossen oder angenommen worden sind, unterliegen der Berathung im Unterhause. Das letztere entscheidet entgiltig über deren An- nähme oder Verwerfung. 9. Der Senat bildet ein Obertribunal in allen Civil- und Criminalprozessen. 10. Ein Senator ist jedem Ministerial-Ausschuß beizuordnen. 11. Die Senatoren erhalten Bezahlung und müssen bei der Uebernahme ihres Amtes 40 Jahre alt sein. *)„Liability"; der Ausdruck ist schwer wiederzugeben; er be- zeichnet, daß die einzelnen Minister in ihrer politischen Meinung von einander abhängig sind, eine solidarische Politik vertreten. Man solle aber derartige Fragen möglichst schnell aus der Welt bringen, da sie mitunter zu sehr ungelegener Zeit auftauchen könnten. Die Drohung, eine Bestimmung des Prager Vertrags durch preußischen Landtagsbeschluß ausheben zu wollen, sei eine Lächerlichkeit, da der preußische Landtag mit völkerrechtlich be- stehenden internationalen Staatsverträgen absolut nichts zu thun habe. Herr Hänel, der fortschrittliche Syrupsredner, sah sich zu dem Versuch gedrungen, den nationalliberalen Wachs an Mords- Patriotismus zu übertreffen. Er verstieg sich zu der klassischen Aeußerung, daß Punkt 5 des Prager Vertrags deshalb that- sächlich aufgehoben sei, weil die darin vorgesehene Abstimmung wegen der Unmöglichkeit der Abgrenzung des betreffenden Ge- biets nicht vorgenommen werden könne. Nach einigen scharfen Bemerkungen des Centrumsmanns Schröder(Lippstadt), der für den Antrag stimmen zu wollen erklärte, trat der Staats- sekretär v. Bülow im Namen des Reichskanzlers auf und machte einige Bemerkungen, welche in jedem seiner Zuhörer, die verbohrtesten Nationalliberalen nicht ausgenommen, das Ge- fühl des Staunens ob solch beispielloser—„Genialität" er- weckten. 0 si tacuisses! Hättst du geschwiegen still! tönte es aus manchem Mund, der sonst für alles vom Ministertisch Kom- mende nur ein Bravo! hat. Was Herr v. Bülow eigentlich gewollt hat, habe ich nicht zu ergründen vermocht, und auch keiner der Reichsboten, an den ich mich gewandt, hat es mir sagen können. Die jedenfalls nicht beabsichtigte Wirkung war, daß Kryger, der bereits auf sein Schlußwort als Antragsteller verzichtet hatte, dem Herrn Staatssekretär nun eine ziemlich empfindliche Lektion im Staats- und Völkerrecht ertheilte. Für den Antrag stimmten die Sozialdemokraten, die Elsäffer und Polen und Schröder- Lippstadt. Das Vogelschutzgesetz, welches den nächsten Punkt der Tagesordnung bildete, wurde vom Fürsten von Hohenlohe- Langenburg, der dasselbe eingebracht, zurückgezogen, und der Abgeordnete Becker mit der pfeifenden Fistelstimme war gerade im Begriff, auf die Rednertribüne zu hüpfen, als Herr Gene- ralpostmeister Stephan das Wort verlangte und erhielt, um dem Hause mitzutheilen, daß der Uebelthäter in der Ledochowski- Kantecki-Affaire endlich erwischt worden sei, ohne daß Lantecki ihn denunzirt habe(Bravo für Kanteck i, das der verdutzte Herr Stephan für sich in Anspruch nahm), und daß Letzterer seit gestern Abend sich in Freiheit befinde. Das Auftreten des Herrn Generalpostmeisters war dem Hause so wenig sympathisch, daß er wiederholt durch„Heiterkeit" und Murren unterbrochen wurde. Merkwürdigerweise schien er das— Eigenthümliche seiner Stellung gar nicht zu fühlen. Seine zum Schluß ausgesprochene Hoffnung, daß der Kantecki-Fall nun erledigt sei und das Haus nicht weiter beschäftigen werde, rief schallendes Gelächter hervor und der Reichstag trat sofort, als gäbe es keinen Generalpost- meister Stephan, in die Berathung des von den Rationallibe- � ralen eingebrachten„Nothgesetzes" zur Verhütung von Zeugniß- zwangs-Einsperrungen a la Kanteckl. Herr Becker konnte nun seine Rede herunterzwitschcrn und es entspann sich eine längere Debatte, die um halb 5 Uhr durch einen Vertagungsantrag durchschnitten wurde. Die„unangenehme Viertelstunde" des Rabelais, die Herr Windthorst dem Generalpostmeister zuge- dacht hat, ist also auf 24 Stunden„in's Salz gelegt"— Herr Stephan wird dabei nichts profitiren. Der wunderbare Zufall, daß unmittelbar vor Verhandlung der auf die Kantecki-Affaire bezüglichen Anträge der geheimniß- volle Urheber des ganzen Skandals entdeckt und so dem Herrn Gencralpostmeister ein Ausweg aus der Sackgasse eröffnet wird, hat unter den Reichstagsabgeordneten zu mancherlei Vermuthun- gen Anlaß gegeben; und nicht klein ist die Zahl Derjenigen, welche da glauben, der Zufall sei etwas zu klug. Die heutige„Nationalze tung" bringt einen echt Dernburg- scheu Schimpfartikel gegen die Sozialdemokraten im Reichstag. U. A. wird von Bracke behauptet, er habe gestern durch seine Rede und seine Geberden den Reichstag insultirt, und sich förm- lich angestrengt, das Höchste in Roheit zu leisten. Wer Bracke kennt, muß über den Vorwurf lachen. Die Wahrheit ist: Bracke sprach gestern mit größter Mäßigung und in durchaus parla mentarischcn Ausdrücken, aber— neben Herrn Dernburg sitzt Herr v. Unruh! Die Bordellphantasie dieses ehrenwerthen Herren hat ihm in Bezug auf die Person Bracke's denselben Streich gespielt, wie in Bezug aus das Wesen des Sozialismus, und Herr Dernburg ist für derartige Ausgeburten einer ungesunden und unreinen Einbildungskraft sehr empfänglich. Zweite Stufe des Fortschritts. Spätere Formen. Anwendung des Föderativ-Prinzips. 1. Lokal-Parlamente werden in Mitten aller großen Centren der Bevölkerung und für die Vertretung verschiedener Nationa- litäten ernannt. 2. Lokal-Parlamente tagen in London, Dublin, Edinburgh, Manchester, Glasgow, Liverpool ic. 3. Delegirte derselben bilden eine centrale gesetzgebende Versammlung. 4. Die Initiative zu den Gesetzen steht allein den Lokal- Parlamenten zu. 5. Jede Maßregel, die von einem der Lokalparlameute ge- nehmigt ist, wird in der Central- Versammlung in Erwägung gezogen, verändert, angenommen oder abgelehnt. 6. Das consöderative Prinzip wird erst auf getrenute Länder angewandt und schließlich umfaßt es ganze Continente. Es werden vereinigte Staaten so gut in Europa wie in Ame- rika sein. 7. Auf dieser Stufe politischen Fortschrittes wird ein Senat nicht bestehen. 8. Die Minister der Exekutive werden vom Central-Parla- ment ernannt. Dritte Stufe des Fortschritts. Communistische Gestaltung. Endliche Verwirklichung der reinen Demokratie. 1. Die Repräsentativ-Regierungen hören insgesammt auf und werden ersetzt durch die direkte Gesetzgebung und Regierung durch das Volk. 2. Lokal-Parlamente für je 1000 der erwachsenen Bevöl- kerung werden organisirt. 3- Diese Theil- Parlamente stehen mit einander in tele- ll?°phischcr Verbindung, wodurch es ermöglicht wird, die Ent- Mitteln� �cr ganzen Nation in denkbar kürzester Zeit zu er- Oekonomische und finanzielle Reformen. i m �tufe. des Fortschritts. Foroerungen der Gegenwart. 1. Reduktion und schließliche Tilgung der Staatsschuld durch Verwandlung des Kapitals in jährliche Abzahlungen und Ueber- .ragung defielben auf eine größere Zahl von Gläubigern. 2- Progressive Einkommen- und Eiqenthumssteucr, zahlbar von Allen. 3. Alle Handelsgeschäfte werden registrirt, besteuert oder freigegeben. Noch Eins: Heut wurde ein Schlußantrag Valentin's abge- lehnt. Ein Ereigniß das! Unser Antrag hat gewirkt, und außer auf nationalliberaler Seite fängt man im Reichstag an, sich der Praktiken des Herrn Valentin und seiner Helfershelfer und Anstifter zu schämen. Die Berliner„Volkszeitung" druckt heute unsere neulichen Bemerkungen über dieses Treiben zustim- mend ab— was freilich wohl nicht geschehen wäre, wenn nicht ein fortschrittlicher Abgeordneter, Herr Wolter aus Dresden, das Pech gehabt hätte, in der Gewerbeordnungsdebatte valen- tinirt zu werden, was denselben, da er eine weltgeschichtliche Rede für das Kleinhandwerk in der Tasche hatte, nicht wenig in Harnisch brachte und zu einigen sehr heftigen Glossen veran- laßte. So lange blos Sozialdemokraten betroffen wurden, schwieg die biedere„Bolkszeitung" hartnäckig, jetzt, da es ihrer eigenen Partei an den Kragen geht, fängt sie an, das früher stillschweigend Gutgeheißene ungerecht zu finden. 20. April. Die Debatte über das Lasker'sche Nothgesetz wird fort- gesetzt. Demnächst ergreift das Wort der Vater des parlamen- tarischen Würmleins. Durch die wunderbare Entdeckung des Amtsgeheimnißbrechers sei die Sache nicht erledigt, man müsse dafür sorgen, daß ein künftiger Kantecki nicht auf unbestimmte Zeit, sondern blos 6 Monate für das Verbrechen, kein Schuft zu sein, eingesperrt werden könne. Der Pole Komerowski und der Centrumsmann Reichensperger erklärten sich mit den Ausführungen Lasker's einverstanden, und das Haus beschloß dann, den Entwurf nicht in eine Commissien zu begraben und demnächst zur zweiten Lesung auf die Tagesordnung zu setzen. Einige Elsaß betreffende Gesetzentwürfe untergeordneter Art wurden hierauf rasch erledigt. Die nun folgende Berathung des „Freundschaftsvertrags" mit den Tonga-Jnseln(„beliebigen Hei- denländern") führte zu einer hitzigen Kulturkampfbalgerei zwischen dem Centrumsmann Fürst Radziwill und dem ehemaligen Auswanderungsagentcn Kapp. Hier katholische, dort protestan- tische Seelenverkäufer. Möge der Himmel die armen Tonga- Insulaner vor Beiden behüten!— Den Rest der Sitzung füllen Budgetposten für öffentliche Bauten aus: zunächst das Hotel Radziwill, das der Reichskanzler bewohnen soll und für dessen Umbau weitere 525,000 Mark gefordert werden, obgleich schon über 6 Millionen— schreibe sechs Millionen Mark hinein- gesteckt wurden. Seitens des Centrums liegt der Antrag vor, blos 302,000 Mark zu bewilligen, aber das Haus votirt mit großer Majorität die geforderte Summe. Ein paar mal hunderttausend Mark mehr oder weniger, was will es besagen? Die Deutschen sind reich genug, ihren Ruhm und ihren Reichskanzler zu bezahlen. Und wer es nicht ist, je nun, der mag am Hungertyphus sterben.— Die Forderung größerer Summen für Post- und Telegraphen gebäude wurde von anscrem Genossen Temmler scharf kritisirt, die vorgelegten Baupläne seien mangelhaft und unvollständig, die Kosten zu hoch veranschlagt, bei mehreren der Gebäude habe eine genaue Unter- suchung des Bodens nicht stattgefunden u. s. w. Er stellt dem- gemäß den Antrag, die betreffenden Baupläne einer nochmaligen Revision zu unterwerfen. Der Antrag wird aber abgelehnt. Wir haben ja so heidenmäßig viel Geld. Die Sitzung, welche um 12 Uhr begonnen hat, wird um'/,ö Uhr geschlossen. Tagesordnung der morgigen Sitzung(11 Uhr Vormittags): die Zoll- gesetzt. Bei dieser Gelegenheit wird Bracke unsere Stellung zur Schutzzoll- und Freihandelsfrage präzisiren— volentv deo, d. h. wenn der Reichstagsjupiter und sein Valentin es erlauben. In die Gewerbeordnungs-Commission ist Fritzsche gewählt worden und zwar auf Vorschlag des Centrums. Da die aus 21 Mitgliedern bestehende Commission 10 Nationalliberale und Fortschrittler, und 10 Centrumsleute, Deutschconservative und Mitglieder der Reichspartei enthält, so giebt Fritzsche in der Commission den Ausschlag. Bei der Wahl des Präsidiums erhielten der Conservative von Hell dorf und der Centrums- mann Graf Galen je 11 Stimmen, siegten also über die „liberalen" Gegencandidaten, worüber groß Heulen und Zähne- klappern im Lager der Liberalen. Das ist die erste empfindliche Schlappe, welche die Herren auf diesem Gebiet erlitten haben— die letzte wird's nicht sein. Auer's Wahl, das vergaß ich bisher zu erwähnen, ist vor einigen Tagen ohne Widerspruch für gültig erklärt worden. Die„Unregelmäßigkeiten", welche, wie bei jeder Wahl, v»r- gekommen sind, waren durchaus geringfügiger Natur und ohne Einfluß auf das Gesammtresultat. 4. Alle Vierteljahre müssen die Bücher aller Handelsleute, Kaufleute, Gesellschaften zu öffentlicher Untersuchung vorgelegt werden. 5. In Fällen, wo Kapital schwankend oder schwer nachzu- weisen ist, muß um Dispensation nachgesucht werden. 6. Alle ausgclieheyen Geldsummen, welche durch jährliche Zinsen, die 3 Prozent nicht überschreiten dürfen, zweimal zurück- gezahlt sind, sind amortisirt. 7. Die Amortisation wird bewirkt durch jährliche Reduktion des Kapitals im Betrage von der Hälfte der Jahreszinsen. 8. Der Zinsfuß ist um so geringer, je größer die ausge- liehene Summe ist; 3 Prozent für alle Beträge bis zu 1000 Pfund Sterling, 2'/, Prozent für Summen von 1000— 5000, 2 Prozent für solche über 10,000 Pfd. St. 9. Der Zinsfuß darf 3 Prozent nicht übersteigen. 10. Der Staat wird alleiniger Eigenthümer alles Eigen- thums an Land, Häusern, Bergwerken, Werften, Llanälen, Fische- reien, Versicherungs- und Versorgungs- Gesellschaften, Banken, Wasser- und Gaswerken, Eisenbahnen, Telegraphen k. 11. Alle Expropriationeil werden bewirkt gegen billige Ent- schädigung. 12. Alles nationale Eigenthum wird verwaltet oder geleitet unter den vortheilhaftestcn Einrichtungen. Zweite Stufe des Fortschritts. Spätere Reformen. 1. Geld gegen Zinsen auszuleihen wird vollständig verboten. 2. Der Staat wird alleiniger Eigenthümer des Eigenthums, einziger Arbeitgeber, einziger Leiter der Industrie, der Fabriken und des Handels.- 3. Jede Arbeit und Anstellung wird gemäß der Geschicklich- keit des Angestellten bezahlt. Dritte Stufe des Fortschritts. Communistische Gestaltungen. 1. Die Kapitalmacht wird endgiltig vernichtet durch gänzliche Vernichtung des Geldes und des Elbens. 2. Die Nationalisirung des Eigenthums erstreckt sich auf alle Artikel der Produktion, seien sie das Resultat körperlicher Arbeit, geistiger Anstrengung oder Ausflüsse des Genies. 3. Gleiche Verpflichtung zur Arbeit wird allen Mitgliedern der Gemeinschaft aufgelegt; Faulheit wird als Verbrechen erklärt und demgemäß bestraft. 4. Alle Güter und Bequemlichkeiten werden unter Alle gleich vertheilt. 5. Physische Arbeit wird gleich vertheilt entsprechend physischer Fähigkeit; denn wenn sie anziehend ist, so wird bei dieser Ver- Innere Parteiangelegenheiten. Als Agenten des Vorstands wurden ernannt: Limbach b. Eh.: G. Baumgärtel; Pforzheim: Albert Ficker, L. Becker; Elenstadt: Neuser; Eningen: Joh. Bauer. Hamburg, den 23. April 1877. Mit sozialdemokratischem Gruß I. A.: C. Derossi. I. Auer. Pferdemarkt 37. Correspondenzen. Akt»««. Die Wahlprüfungscommission des Reichstags hat sich am 20. April mit der hiesigen Wahl beschäftigt. Wir wolle« sehen, ob den Protesten, welche beweisen, daß in der vom Magistrat ausgelegten Wählerliste nachträglich fast 100 Namen gestrichen sind, Rechnung getragen wird. Vorläufig hat die Commission beschlossen, den Magistrat von Altona aufzufordern, die Wählerlisten der Commission einzusenden. Iserlohn, K. April. Am 2. ds. Mts. tagte Hierselbst eine Versammlung von Landwirthen, zu der sich ungefähr 300 Per- sonen aus allen Theilen der Kreise Iserlohn, Arnsberg fund Altena eingefunden hatten. In das Bureau wurden gewählt: Tölcke, Vorsitzender!, Malter, Stellvertreter, A. Schöneis, Schriftführer. Zweck der Versammlung war, gegen den über- handnehmenden Wildschaden zweckentsprechende Schritte seitens der Landwirthe anzuregen. Der Vorsitzende Tölcke verbreitete sich in ausführlicher und überzeugender Weise über die feudal- reaktionäre Tendenz der in Preußen bestehenden Jagdgesetze und wies auf die Nachtheile hin, welche das von den Jagdbesitzern absichtlich beförderte massenhafte Anwachsen des Hoch- und Schwarzwildes für die gesammte Land- und Forstwirthschast, mittelbar also auch für das Volkswohl im Allgemeinen, zur Folge hat. Während einer kurzen Pause wurden 51 Landwirthe des Kreises Iserlohn namhaft gemacht, welchen im Jahre 1876 durch das Hoch- und Schwarzwild allein an ihren Feldfrüchten ein Schaden von fast 3000 Thlrn. zugefügt worden ist; bei einem einzigen Landwirthe im Amte Menden betrug der Schaden all- jährlich mindestens 200 Thlr., bei einem Landwirthe im Amte Limburg im Jahre 1876 Mehr als 300 Thlr.— Es wurde festgestellt, daß sich der durch das Wild in den Forsten und an Feldfrüchten im Kreise Iserlohn allein angerichtete Schaden jähr- lich auf mindestens 10,000 Thlr. beläuft. Es war dem Vorsitzenden C. W. Tölcke ein Leichtes, die Versammlung zu überzeugen, daß solche Zustände nothwendig zum Ruin der Land- und Forstwirthschast führen müssen und die allgemeinen Volks-Jnteresscn schädigen, sowie, daß dieselben ein grelles Licht auf die heuchlerische Phrase von der�„Heiligkeit des Eigenthums" werfen. Nachstehende Resolution wurde vorgelesen und von der Ver- sammlung einstimmig angenommen: „Die heute in der Stadt Iserlohn versammelten Landwirthe aus den Amtsbezirken Hemer, Menden, Ergste und Limburg, Kreises Iserlohn, aus dem Amtsbezirke Balve, Kreises Arns- berg, aus den Amtsbezirken Altena und Neuenrade, Kreises Al- tena, haben in Betreff des in den Gebirgsgegenden Westfalens durch das Roth-, Damm- und Schwarzwild angerichteten Scha- dens einstimmig folgende Beschlüsse gefaßt: I. Die Versammlung erklärt sich mit den in der Einladung zu derselben vom 14. März d. I. entwickelten Ansichten des Volksanwalts C. W. Tölcke zu Iserlohn durchaus einver- standen. Die Versammlung erklärt demgemäß ||II. daß die nothwendige radikale Beseitigung des Uebelstandes nur durch die Aufhebung des preuß. Jagd-Polizei-Gesetzes vom 31. Oktober 1850 und durch die Wiederherstellung des Gesetzes vom 31. Oktober 1848 über die Aufhebung des Jagdrechts auf fremden Grund und Boden und über die Ausübung der Jagd herbeigeführt werden kann. Die Versammlung erklärt III. daß die Staatsregierung nach den bestehenden Landesgesetzen ebenso verpflichtet als berechtigt ist, bis zur Erneuerung des Gesetzes vom 31. Oftober 1848 die zur Verminderung des Nothstandes geeigneten Mittel in Anwendung zu bringen. Als solche Mittel bezeichnet die Versammlung folgende: 1. Sämmtliche von den Gemeinde-Vorstehern ohne Zustim- theilung keine Schwierigkeit bestehen, und wenn sie unangenehm ist, so haben wir kein Recht, ihre Ausführung den arbeitenden Klassen allein zn überlassen, wie es im gegenwärtigen Zustand der Gesellschaft der Fall ist.(Forts, f.) — Bekannte Späße. Das„Leipziger Tageblatt", als Moniteur des Herrn Rüder, veröffentlicht folgendes LommnoiguS! „Unter Beifügung eines Blattes- der„Elberfelder Zeitung", worin die Bekanntmachung des hiesigen Polizeiamts vom 17. März o. I., das Verbot der Abhaltung einer Volksversammlung, in welcher Herr W. Liebknecht über die Pariser Commune sprechen wollte, betreffend, abgedruckt ist, ist dem Direktorium des Polizeiamts mit dem Poststempel Köln folgende Zuschrift zugegangen: Visalh Hoch die Europesche Comnmno Ach Du sauige Rüdersmann wohntest Du Doch im Wuperthal Jeder Streich gegen Libknecht und Bebel Erwachen Tausend Hebel Nur fleißig zu Gereuthert Wen der Schnurbarth zu lang wird So wird er abgeschnitten(wohlverstanden) Ihr Menschenschlachter und Bluthunden Ihr werdeth bleich voz der Wahrheit guter Apetith zum Menschen Blut ein köstlicher Trank— saubere Geseleu. Ihr Tessendorfer-Stibersch schühreth nur den Brand, Wir werden zur Zeit mith Peterohliohms löschen." Genau in demselben Stil sind Liebknecht in den letzten 16 Jahren Hunderte von Schimpf- und Drohzuschristen zugegangen, die sä mint- lich, trotz der verstellten Hand und der künstlichen orihographlschen Fehler, als Produkte der sogenannten„gebildeten" Gesellschaft zu er- Mitteln waren. Wenn Herr Rüder so gut sein will, das obige Poem seinem Nachbar Liebknecht zu zeigen, so wird ihm derselbe wahrschein- lich den Nachweis zu liesern vermögen, daß dasselbe aus Rüder'schen Gesellschaftskreisen stammt. Sozialistische Arbeiter sind solcher Roheit und Dummheil einfach unfähig. Man sieht aber, an welcher Stoff- armuth das„Tageblatt" leidet, daß es zu solchem Quark greifen muß. — Ein gegnerisches Lob. Ein Berliner Blatt schreibt:„Die erste große Campagne, welche die Sozialdemokaten im Reichstage durch- geführt haben, hat eigentlich mit einem, wenn nicht postlwen, so doch ideellen Erfolge für dieselben geendet. Während Herr Tessendor; den Sozialdemokraten„amtlich" vorwirft, daß sie eigentlich an ollen Raubmorden schuld seien, die in Berlin vorkommen, scheinen rhre Führer mh als für unser parlamentarisches Leben ganz nützliche Elemente z««£; weisen— wären sie auch nur der Sauerteig, der die früher etwas trage gewordene Waffe in Gährung bringt und erhält." mung der Gemeinde-Verordnctcn, also dem Z 10 des Jagd-Polzei-Gesetzes vom 7. März 1850 und den§§ 23, 32 und 54 der Landgemeindeordnung für die Provinz Westfalen vom 19. März 1858 entgegen abgeschlossenen Jagd-Pacht-Contrakte müsien für ungültig erklärt werden, ebenso auch diejenigen, durch welche die Jagd ohne Ge- nehmigung des Landraths aus„freier Hand" und nicht im Wege des Meistgebots verpachtet worden ist. Die betreffenden Gemeinden sind für berechtigt zu er- klären, die Jagd anderweitig zu verpachten. 2. Die Landräthe müssen angewiesen und nöthigenfalls im Disciplinarwege angehalten werden, die Jagdpächter zur Abschießung des Wildes aufzufordern und— wenn dieser Aufforderung nicht Folge geleistet wird— den Grund- besitzern zu erlauben, das Abschießen selbst zu besorgen. 3. Wenn die Staatsregierung etwa aus Rücksicht auf die Erhaltung des Wildstandes im Allgemeinen Bedenken hegen möchte, diese Erlaubniß durch die Landräthe er- theilen zu lassen, dann ist sie unzweifelhaft verpflichtet, das Wild in Gemäßheit des ß 6 des Gesetzes vom 11. März 1850 über die Polizei-Verwaltung auf Kosten der Jagdpächter durch geeignete Truppentheile z. B. das 7. Jäacr-Bataillon abschießen zu lassen. IV. Die Versammlung beauftragt das von ihr gewählte Bureau, in Gemäßheit dieser Beschlüsse Petitionen an das preußische Staatsministerium und an den preußischen Landtag auszu- arbeitet: und gbzusenden." Schließlich sprach die Versammlung die Erwartung aus, daß sämmtliche Blätter der betreffenden Kreise den Bericht des Bu- raus über die Verhandlungen und die gefaßten Beschlüsse ver- öffentlichen werden. Karlsruhe, im April. Aus der badischen Metropole des Kulturkampfes haben Sie Ihren Lesern schon lange nichts mit- getheilt, woran bei Ihrem Correspondenten mehr der Ekel an hiesigen Verhältnissen als dessen Arbeitslust Schuld trägt— trotz des Stoffes in Fülle. Carlsruhe, die Philisterstadt par Mcelleuce, bietet des Interessanten so Vieles, daß es sich der Mühe lohnt. Manches an die Oeffentlichkeit zu ziehen, wenn die hiesigen Bewohner nichts zu sehen scheinen— oder nichts sehen wollen. Zunächst greife rch auf den Kaisertag zurück. Auch wir haben einige„Thaten", aber nicht des Janhagels, sondern der zum Schutze des Publi- kums bestimmten löblichen Polizei zu verzeichnen. Ein Herr N_____ Vice-Feldwebcl der Artillerie(der in Civil war), wurde durch die Volksmasse gelegentlich der großen Parade auf dem Marktplatz über den Polizeicordon gedrängt und trotz- dem er sich nichts zu Schulden kommen ließ, arretirt— sofort aber wieder freigelassen. Herr N...... Sohn angesehener und vermögender Eltern, hat gegen die unbegründete Arretur Ge- nugthuung resp. Bestrafung des Polizisten verlangt, ob mit Erfolg konnte ich bis dato nicht erfahren. Außer Parade und theuren Kanonenschüssen fand Abends eine Illumination des großen Stadthauses statt— auf Gemeinde- kosten natürlich. Zur allgemeinen sogenannten Festfreude und der Beflaggung der Häuser ic. bildete ein trauriger Contrast die nahe der Parade emsig arbeitenden Kanalarbeiter, welche oft bis an's Knie im Grundwasser und Schlamm stehen und täglich nur M. 2—2,50 verdienen. Die Fama erzählt, in Carlsruhe existire ein sogenannter „Ring", von dessen Dasein beinahe jedes Gemeinwesen leider heimgesucht ist; ein Auswuchs davon scheint die Thatsache zu fein, daß ein gutbezahlter Hofopernsänger, der nebenbei noch Agentur-Geschäste betreibt und hervorragendes Mitglied der Loge zur Treue ist, das Amt eines städtischen Einauartierung-Com- missars mit 800 Gulden Gehalt versieht. Fano man für eine solche mit 800 Gulden dotirte Stelle keinen Beamten ohne sonstige einträgliche Hauptbeschäftigung— oder muß der Ein- quartierungs-Commissar Sänger sein, um stets das hohe Lied vom herrlichen deutschen Reich, vom glänzenden Kriegsheer:c. mit geschulter Stimme singen zu können? Erkläre mir Graf Oirendur, diesen Zwiespalt der Natur!!! Nun Etwas für Herrn v. Unruh. Die hiesige„Süddeutsche Lebens-, Renten- und Unfallversicherungsbank" ist vor 14 Tagen in Concurs erklärt worden, nachdem der Rechenschaftsbericht bei der vor zwei Monaten stattgehabten Generalversammlung den Geschäftsstand als blühend bezeichnet hatte. Das Defizit soll über 30,000 Mark betragen und ließ außer diesem Passivum der abgereiste Herr Doktor und Direktor Lüdtge nur die ver- blüfften Gesichter der betrogenen Genossenschafter zurück.(Die Anstalt war eine genossenschaftliche.) Da die Anstalt nur etwa «in Jahr bestand, die Schäden normal waren, so kann nur eine „Gesellschaftstheilung" vorgekommen sein!— Geehrter Herr v. Unruh, wer hat hier wieder einmal getheilt? Etwa die bösen Sozialisten? Die Genossenschaften ä la Schulze-Delitzsch und dessen Nach- beter werden immer beliebter, und wenn erst Herr M. Hirsch sein weiter fortgebildetes Glücklichmachungssystem an den Dummen fertig probirt hat, sind alle Sozialisten todt! Nun noch etwas Anregendes unter so vielem Ekeln. In tagefeld, einem Dorf bei Carlsruhe, kam zu einer Bäuerin ein rveiter, der brodlos, weil arbeitslos, war und klagte über Hunger; die Bäuerin, die gerade buck, ließ den Armen setzen und warten, bis das Brod fertig wäre. Inzwischen trat ein Gensdarm ein, der den Armen hatte eintreten sehen, und verhastete ihn trotz Protestes der Frau!— Ein Stunde darauf kam eine Deputation der Gemeinde, um zu collektiren für irgend einen Zweck. Nun hätte man aber die Entrüstung der braven Frau ?iören sollen, mit welcher sie den Herren die Thüre wies. U. A. agte sie:„Aus Hunger Brod betteln wird bestraft, weil es einen Armen betrifft, und Ihr bettelt mit obrigkeitlicher Genehmigung." Wernburg, 15. April. Wie schon früher berichtet, wurden 7 Mann von hier gleich nach der Reichstagswahl mit Straf- Mandaten von 30 Mark beglückt, wegen Verstoßes gegen§§ 6 und 17 des Reichspreßgesetzes, weil der Verfasser auf unseren Flugschriften nicht angegeben war. Damit noch nicht genug, bedachte der Herr Kreis-Direktor von hier auch noch die Parteigenossen Flohr aus Po'~" Gerner aus Uderstcdt, Heinecke aus' stadt, Heidenreich aus Mehringen, Neundorf. Selbstredend waren wir v. i_j.___ Bezahlen bei der Hand, sondern erhohen' beim herzoglichen Kreisgericht hier Widerspruch. Wir 7 Mann von hier hatten deshalb am 30. Januar Termin auf dem Kreisgericht und wurde jeder zu 20 Mark und Tragung der Kosten verurtheilt, wo- gegen wir aber nochmals beim Oberlandesgericht zu Dessau Widerspruch erhoben haben. Flohr, Falke, Germer, Heinecke und Barbi hatten am 13. Februar Termin vor dem Kreisgericht hier und wurden kostenlos freigesprochen; nur gegen Heinecke aus Plötzkau erhob der Polizeianwalt Protest. Am 18. März standen wir und Heinecke vor dem Oberlandesgericht zu Dessau. Heinecke wurde kostenlos freigesprochen und wir nur Jeder zu ifi j 3 Mark und'/? der Kosten verurtheilt. Heidenreich aus Meh- � ringen hatte am 17. März in Sandersleben Termin und wurde ;u 30 Mark und Tragung der Kosten verurtheilt; er hat natür- ich auch Widerspruch erhoben. Naumann und Röder aus Neundorf haben ohne Widerspruch bezahlt. Straube in Ballen- stedt war noch mit mehreren anderen Strafen gesegnet: 1) wegen unerlaubten Plakateanklebens 50 M.; 2) wegen Beleidigung eines Beamten 10 M.; 3) weil in seinem Hause Flugschriften beschlagnahmt, welche für den Harzkreis bestimmt waren, und 4) wegen Verbreitung der Flugschriften in Hoym 30 M. In dem ersten Prozeß ist er in zweiter Instanz freigesprochen worden, in den anderen hat er auch Widerspruch beim Ober- landesgericht zu Dessau erhoben. Auch Schäfer aus Bernburg sollte 20 M. wegen Verbreitung von Flugschriften in Hoym bezahlen, er hat aber ebenfalls Widerspruch erhoben. Aber alle Maßregelung und Beeinflussung wird uns nicht schrecken. Des- halb rufe ich den Arbeitern, Klcinmeistern und Kleingewerbtrei- benden des zweiten Anhalttschen Wahlkreises zu, sich immer mehr und fester der Sozialdemokratie anzuschließen, damit nicht nur Einzelne zu kämpfen haben. Denn ohne Kampf kein Sieg, und eine große Idee verlangt große Opfer. Ch. Vopel. Hamburg, 20. April.(Allgemeiner deutscher Schiffs- zimmererverein.) Die Schiffszimmerer im Reiherstieg an der Elbe hatten die Arbeit am Montag, den 16. April, eingestellt, da die Meister eine geforderte Lohnerhöhung nicht genehmigen wollten Tonnerstag, den 19. April, wurde die Arbeit jedoch wieder ausgenommen, da die Meister eine Lohnerhöhung von 39 Pf. pro Tag bewilligten. H. Groß. Disputation mit Nauert, der ihm dort und an anderen Orten hart zusetzte, bereit erklärt, und wird, sobald Nauert's Gesundheitszustand es erlaubt, an sein verpfändetes Wort erinnert werden. der Expedition. I. Oßmann, Erfurt: Retourniren Sie, was Sie nicht brauchen, aber franko.— Wie stehts mit Zahlung von Dich.? fragen Sie Klute.— H. A. Mllr., Langen alza: Der Preis von hr, Dulk's Drama„Jesus der Christ, ist uns unbekannt, zu bezichen wird es durch die Findel'sche Buchhandlung hier seiu. Die gewünschten Hefte der„N. W." von 1876 können Sie bekommen.— Henze, London: Kopf des„Vw." wird geändert. Senden Sie um- gehend corrccte Abonnentenliste. Weiteres suchen wir richtig zu stellen. — Picht, Bleicherode: 3 Abonnements 2. Quartal kosten M. 4,92 ein- schließlich Porto.— Schultz, Hamburg: Saldo nach unsrem Buch blos M. 27,29(nicht 69). Quittung. Schmdt hier Ab. 1,29. Tlzk Wien Ab. 9,37. Albrtz Eßlingen Ab. 12,99. W. C. St. Johann Schr. 29,99. Stmntz Offen- baw Ab. 4,79. E. Wntr Wien Ab. 5,99. Grßr Wien Ab. 4,89. M. Mrkvc Pancsowa Ab. 1,69. Vgntz hier Ab. 9,99. Bril Jankowitz Ab. 8,99. Spnkr Oxford Ab. 4,59. Oßmnn Erfurt Ab. 12,99. Arnld Karlsruhe Schr. 19,29. Hch Frankfurt Ab. 29,99. Hrtl Gottesberg Schr. 1,99. Schlz hier Ab. 2,49. Fr. Engl Reudnitz Ab. 199,99. Ntzschmnn Connewitz Ab. 2,29. A. Lnfrmn Chicago Ab. 492,88. -zig, Falke aus Gcrbitz, fllötzkau, Barbi aus Jller- Naumann und Röder aus nicht so schnell mit dem Den Parteigenossen im 10.. 11., 1Z. und 14. sächsischen Wahlkreise diene zur Mittheilung, laß alle Zuschriften, die Agitation in den oben genannten Wahlkreisen betreffend, von nun an an R. Seiffert, Färber- slraße 12/Il, Leipzig, zu richten sind. Ferner wird dringend aufge- fordert, Versammlungen erst dann einzuberufen, wenn den resp. Ein- berufern die Mittheilung geworden ist, daß ein Redner erscheinen wird. Die Erfahrung hat gelehrt, daß viele Versammlungen zum Nachtheil unserer Sache um deswillen resultatlos auseinandergehen mußten, weil sich die Einberufer erst nach Festsetzung von Tag und Stunde der Ver- sammlung nach einem Redner umsahen, was dann allerdings öfter zur Folge halte, daß kein Redner erschien, weil überhaupt kein Redner disponibel war. Nur die planmäßige Agitanon verbürgt den Erfolg; und nur, um diese herzustellen, sind AgitationscomitöS in's Leben gerufen worden. Das unterzeichnete Comilö wird alleS lhun, was in seinen Kräften steht, um allen Anforderungen gerecht zu werden; an den Genossen des 19., II., 13. und 14. Wahlkreises ist es nun aber auch, das ihrige zur Ausbreitung der sozialistischen Idee und zur Gewinnung neuer Genossen beizutragen. Und zwar müssen umsomehr alle Kräfte angespannt wer- den, als gerade in Sachsen sich die Gegner zu einer umfassenden Gegen- agitation rüsten. Rur wenn Jeder seine Schuldigkeit thut, ist auf Erfolg zu rechnen. Leipzig, den 21. April. Der Borstand des Agitationscomitös des 19., 11., 13. und 14. Wahlkreises. R. Seiffert, Borsitzender. H. Oehme, Sekretair. 51 j:"ruf an die Malcrßchilsen Deutschlands! Allen C—.gen hiermit zur Nachricht, daß wir dieses Jahr zu Pfingsten in Leipzig einen Congreß abhalten werden. Derselbe be- ginnt Im 1. Feiertag 3 Uhr Nachmittags im„Thüringer Hof-, Burg- straße. Ctl.egen, welche sich an demselben betheiligcn wollen, haben uns spätestens bis zum 6. Mai zu benachrichtigen, resp. ihre Vertretet anzumelden, ebenso diejenigen, welche keinen Delegirlen entsenden können, damit wir für Vertretung sorgen können. Alle College», welche bis dahin sich nicht angemeldet, können sich trotzdem betheiligen, haben aber ihr Mandat vom Congreß bestätigen zu lassen. Ebenso möchten die Herren Delegirten uns die etwaige Zeit ihrer Ankunft mitlhcilen. Die Mitglieder der Empfangscommission, an blauen Schleifen erkenn- bar, sind auf den Bahnhöfen anwesend. Zum Schluß ersuche ich nun noch einmal dringend die Collegen allerorts, meine Briese umgehend zu beantworten, eoent ihre Adressen bekannt zu geben. Letzteres gilt hauptsächlich von Dresden, Breslau, Königsberg, Kiel, Hannover, Braun- schweig, Cassel, Frankfurt, Stuttgart, Nürnberg, München. Es wird nämlich jetzt ein Congreß-Flugblait mit näheren Details über den Zweck des Congresses u. s. w. ausgegeben, welches ich allen mir bekannten Adressen sogleich zustellen werde. Auch fordere ich die Collegen noch- mals auf, recht zahlreich auf unser Fachorgan, den„Grundstein", zu abonniren. Derselbe erscheint in Hamburg und ist durch alle Postan- stalten zu beziehen für nur M. 9,45 vierteljährlich incl. Bringerlohn. Also thut Eure Pflicht, Collegen! Euer Wahlspruch sei:„Auf zum Congreß nach Leipzig." Alle Anfragen, sowie diesbezügliche Mittheilungen sind zu richten an G. Cousin, Alexanderstr. 28/111, Leipzig. KS. Alle Arbeiterblätter werden hiermit dringend um Nachdruck er sucht! Noch zwei Parteiblätter haben wir in unserem letzten Ver- zeichniß vergessen: Der„Märkische Volksfreund" erscheint in Berlin. Die„Stettiner Freie Zeitung" erscheint in Stetttn. Es ist uns ein Vorwurf daraus gemacht worden, daß wir diese beiden Blätter nicht erwähnt haben. Wir bemerken zunächst, daß wir die Lokalblätter vielfach unregelmäßig erhalten und daß uns die„Stettiner Freie Zeitung" wie auch die„Rothe Fahne" nicht zugeschickt werden; den„Märkischen Bolksfteund" haben wir erst nach verschiedenen Reklamattonen erhalten. Wer Manuskript an die Redaktion des„Vorwärts" und der„Neuen Welt" schickt und, im Fall der Nichtauf- nähme, Rücksendung verlangt, muß den Portobetrag ein- legen, der, wenn er nicht zur Rücksendung gebraucht, für die Partei verwandt wird. Briefkasten der Redaktion. C. S. Plagwitz schreibt unS: In der letzten Sitzung des hiesigen Arbeitervereins entspann sich bei Durchnahme des Parteiprogramms eine lebhaste Debatte, namentlich über den Begriss „direkte Gesetzgebung durch das Volk"; Parteigenosse K. ist der Ansicht, -ine aus allgemeinen, direkten Wahlen hervorgegangene Körperschaft, deren Beschlüsse sofort Gesetzeskraft erlangen, ohne an die Zustimmung einer anderen Körperschaft oder einer einzelnen Person gebunden zu sein, bedeute die direkte Gesetzgebung im Sinne unseres Programms, Parteigenosse S. hingegen behauptet, von einer auS allgemeinen, direkten Wahlen hervorgegangenen Körperschaft werden die Gesetze entworfen und dann dem Volke zur Abstimmung ob ja oder nein vorgelegt; daS sei direkte Gesetzgebung durch das Volk. Wessen Ansicht ist die richtige? Antwort: Die Ansicht des Parteigenossen S. Das Nähere über direkte Gesetzgung findet sich in den Rittinghauscn'schen Broschüren, die von unserer Expedition zu beziehen sind. H. Br. in Gr.-Steinheim bei Hanau: Wenden Sie sich an Fritzsche, Berlin 80., Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8a.— W. R. in Halle: Ihr Gedicht ist nicht in den Papierkorb gewandert, aber es eignet sich auch< nicht zur Veröffentlichung—& in Naumburg: Ihre beiden Berichte werden im Zusammenhange veröffentlicht.— Ein Gesinnungsgenosse: Prof. Birnbaum hat während des Wahlkampfs im 17. sächsischen Wahl- bezirk in öffentlicher Wählcrversammlung zu Oberlungnitz sich zu einer Meinen Parteifreunden zur Nachricht daß meine Adresse von heute, ab nicht mehr Kajernenftraße 11 ist, sondern Untere Margasse 27,| ' 3 Treppen hoch. Cassel. I. Meise. Agitatiousfond«. Von Vgntz hier Ueberschuß der Versammlung in den„Drei Mohren" 21,26. Für die gemaßregelten Krupp'schen Arbeiter in Essen: Von Pianofortearbeitern hier durch Müller 3,75. Anzeigen ze» Sänger-Chor de« sozialdemokr. Wahlvereins. �UUllvl. tv. Freitag, 27. ds., Abds. 8>/, Uhr, Hebung, im Ber- einslokal, Mittelstr. 11. Um zahlr. Erschein, ers. Die Commisfion. (F. 163)(9.99 O/vi'M-U/t Donnerstag, den 26. April, Abends>/,9 Uhr, im �U-Pzig.„Thüringer Hof", Burgstr. 29: Oeffentliche Sozialistenversammlung. Tagesordnung: Der diesjährige Sozialisten-Eongreß in Gotha. Der Agent. Alle Gelder für die statistische Tafel der sozialist. Wahlen find umgehend an August Geib, Hamburg, Rö- dingsmarkt 12, zu senden. Die weiteste Verbreitung der statistischen Tafel liegt im Interesse der Partei!__ Soeben erschienen und durch uns zu beziehen: Waldverwüstung undUeberschwemmung. Ein Kapitel der Grund- und Bodcnsrage. Bon Heorg Kollmar. Preis pro Exemplar.5 Pfennig. Die Expedition des„Borwärt»". Durch uns ist zu beziehen: Die Quintessenz des Sozialismus. 68 Seiten Oktav. Preis M. 1,29. Die Expedition des„Vorwärts". B rantwortlicher Redakteur: W. Hasencleverin Leipzig. Redaktion und Erped tion Färbtistraß, 12/11. in Lechzig. Druck und Verl«« der Genoffruschas.sbutdruckeret ch Leipzig, Verlag von W. Bracke jr. in Braunschweig. 1299) PreiSconroat bei direkter Versendung(Arbeiterpreise). Segen baar oder Postvorschuß. Partie- Einzel- Preis: Bebel A., Der deutsche Bauernkrieg(1 Bd. oder 3 Heft,) M. 1,50 2,— Becker B., Der alte und der neue JesuüismuS. 4 Aast.„—,25—,40 — Briese deutscher Bettelpatrioiea,(neu) 0 Lieferungen„ 2,50 3,76 — Mißbrauch der Nationalitätenlehre. 3. Aufl.„—,75 1,— — Reaktion iu Teutschland gegen die Rev. v. 1848 3. Aufl.„ 1,59 2,— — Geschichte der Arbeiter-Agitatt»» F. Laffalle's, 5 Lief.„ 2,— 3,— — Sarl Fourier. Mit»uhang: Da« Familistere in Guile„—.29—,30 — Geschichte der«vol. Pariser Kommune v. 1789— 1794„ 1,59 2,— BIoS SB., Zur Geschichte der Kommuue v. Pari«. 2. Aufl.„—,25—,49 — Die Reooluiion zu Mainz 1792 und 1793.„—,45—,60 Bracke W., Der Brauuschw, Ausschuß in Lötzen u. vor Gericht„ 1,— 1,26 — Der Laffalle'schc Vorschlag„—,39—,69 —„Nieder m. d. Sosialdemokraien!"! 59 St. 4,99; 299 — Verzweiflung im liberalen Lager s 12,59; 199959,99."— Brunnemaun, Skizzen und Studien zur französischen Revolutionsgeschichte„—,75 1,— Complotgegend. Intern. Arb.-Ass»;. Uebers. v.S.Kokoeky„— ,59— ,75 Dedekiad. Dr, Prozeß Siever's gegen Bogel». Falkeustein„—,75 1,— Geiser. Gr., Die Forderungen de« Sozialitmu» 2. Aufl.„—.35—.69 Hepner, A.. Meine 3�, jährige Leipziger Polizncampague„—.40—.60 Katastrophe von Rosenfeld„—,19—,16 König, E.. Schwarze Kadinette. Nelst Nachw.v B. Becker„—.69—.76 krasser, Dr. H., Anti-Sylladu»(Gedicht) 199 Stück„ 2.--.96 Uunj. Dr. K. I N. Swelble's Gehörentwicklaugsmethode„—,25—.49 Lussallr, Ferdiuaud, Antworlschreideu„— ,0«—,19 — Arbeiterprogramm„—,19—.16 — Die Wissenichaft und die Arbeiter„—,16—.29 — Criminalprozeß 3. Heft„—.29—,89 — Indirekte Sceuern„—,29—,39 — An die Arbeiter Berlin»„—,19— ,I6> — Ueber Bersaffung«wesen. Was nun? Macht und Recht„—.29—.39 — Alfisenrede, geh von den Geschworenen zu Düsseldorf„—,15—,20 — Zur Arbeiterfrage„—,16—,20 Most, J Die Pariser Kommune v-r d. Berliuer Gerichten„—,59— ,60 — Die Bastille am Plötzrnsee„—,59—,6V Otto-Walster, K., Braunschw. Tage. Roman„ 2,— 2,69 — Am Webstuhl der Zeit Romau in 3 Lücher»„ 2,— 2,59 ~ Eine mittelalterliche Internationale, Novelle„—,59—,75- — Kranke Herzen. 2. Aufl. 2 Novellen„— ,75 1,— Prowe. Jodn O«. Brown, der NegerheUand„—.76 1,— Rasch, Dr. G., Die Preußen in Elsaß und Lothringen„ 2,— 2.69 Rohledcr, Die Pariser Kommune vor der Bers.-Kammer„—,20—,30 Ruller. Der bekehrte Nagelschmied 199 Stück„ 2,-- ,05 Seck, Ed, Unsere Schulen im Dienste gegen die Freiheit„—.59—,69 Slrodtmo-», Arbeiterdichtung iu Frankreich„— ,59—,75 — Brutus! Schläfst Du? Zeitgedichte.„—,59—,76 Bolts-Kaleuder für 1876, gehestet„—,16—,26 vollS-koleuder für 1876, geheftet„—,16—,26 Volks-K-leuder für 187?-.39-.69 Zimmer«»»», It., Pfaffeypeitsche„ 1,20 1,60