Iii*. 81. Absmüments• Kedingungen: ttbonnements- Preis pränumerando: vierteljährl. 3,80 Mb, monall, l.loMl,. wöchentlich 28 Pfg. frei in« Hau«. Ein-elne Nummer S Pfg, Sonntag«- Stummer mit tllnftrteriec Sonntag«- ltZeilage„Tis Neu- Welt" 10 Pfg, Post- W'oimeinent: 3L0 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zsilung«- Preisliste für lvoo unter Hr. 7071. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungar» 2 Marl, für da« übrige Ausland 3 Marl pro Monat, Erscheint täglich»ulier Wonlag«. Devlinev Volksblatt. 17. Jahrg. Die Instrtions-Vrliühr beträgt für die fschsgespalten« Kolonei« zeile oder deren Raum«0 Pfg., für politische und gewerls chastltche Vereins- und Versammlung«-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anzeigen" jede« Wort S Pig. (nur da« erste Wort fett). Inserats für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag« in derExpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bt« 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen biSSUhr vormittag« geöffnet. Fernsprecher: Nmk l, Nr. 1508. Telegramm- Adresse: „Sorialdemostrak Srrlin" Centvalorgan der socialdemokratiMen Partei Deutschtands. Kcbnlitinm SW. 19, Vcnlb-Slrnsse 2. Expedition: SW. 19. Beuth-Straste 3. Guittnng. Im Monat März gingen bei dem Unterzeichneten folgende Partcibeiträge ein: Zlltenburg S.-A., von den Parteigenossen 100,—. Arnstadt, durch G. 15.—. Augsburg, U. d. G. U. i. St. 20.—. Berlin. Bei- träge der Wahlkreise: 2. Kreis 250.—. 4. Kreis sOsten) 1000,—. 4. Kreis sSüdosts 1000,—(darunter Klub„Südost" 150,—, Schl. Maskenball Urania 3,—, Skatklub„Hurra" 3,50). 6. Kreis(Wedding und Oranienburger Vorstadt) 1250,—(darunter Kranz- Uebcrschuß der A. E.-G. Ackerstraßc und Brunuenstraße 514,75, Skatklub„Oller ehrlicher Seemann 5,—). 6. Kreis(Rosenthaler Vorstadt u. Gesund hruuuon) 350,—. 6. Kreis(Moabit) 340,70(darunter Gesang verein.Liedeslust II" 50,—, ein Parteigenosse aus Spandau 3, G. I. 3,—. Berlin, diverse Beiträge: Von Mitgliedern der U.- Dr. 3,60. H... p... l 1.—.'Dr. L. A. 50.—. Alter Genoise, Schönhauser Allee 5,—. Von den Arbeitern der Fabrik H. Grauert. Stralau. Uebcrschnst v. März-Kranz 21,05. Mechanische Werkstatt v. Riewe, Kranzüberschuß 2,—. Cigarrculaden Peters burgerstr. 41 2,—. Uebcrschuß der Kranzspende von den Drehern der„Germania" in Tegel 16,20. Geburtstagsfeier bei Brenneckc, iliittcrstr. 11, 1,60. Uebcrschuß d. Sechscrkasse d. Buchdr. v. Paß u. Garleb d. Ebel 12,20. Jule, Ritterstr. 85, 25,60. Ueberschuß vom März Kranz von Mix u. Genest, Abteil. Schlosserei. außer drei 6,85. Chamifloplatz. Salomonstr. 7,50. A. B. 50.—. P. S. 50.—. Berg. Swinemünderstr. 52 5,—. Märzfcicr Siemens n. Halskc 8,20. Rest vom Kranz der abgebrannten Maschinenarbeiter Gartcustr. 9 8. Onkel 1,—. Uebersch. der H. Schulze-Feier 2,60. Werkabteilung von M. Badi»g20,—. Note Buchbinder Grnnstr. 5,—. Cigarrenfabr. R. Schulze Friedrichsselderstr. 21. 7,40. S. C. W. 15.—. Buckau b. Magdeburgs W. K. S. 5,—. Bern 50,—. Bunzlau, Organisation der Steinarbeiter durch Zimmermann 10,—. Bremen, v. Parteigenossen 300,—. Brauu- schweig, Uebersch. v. Drcher-Vcrgnügen d. Br. Mühlenbau-Anstalt 6,50. Bamberg, Jäcklein Rohrbach 5,—. Süthen, von den Parteigenossen 25,—. Charlottenburg, F. Kt. 6,—. Crimmitschau. 18. sächsischer Wahlkreis 100,—(darunter A. I. in G.—.20. A. C. f. Notizkal. � G. H.— ,60, Doppelt, im Gasth. Ncnkirchen— ,57, Restauration Kons. d. E. U. 4,50). Falkenbcrg iOberschl.) 2.—. Frankenthal, rote Geburtstagsfeier im Nachtlicht 4,12. Greiz. Wahlkreis Neuß ä. L. 50.—. Gera Reuß, von den Parteigenossen 100,—. Hastedt bei Bremen, von Parteigeuosscn. 10,—. Hof i. B.. durch den Vertrauensmann Geißler 30.—. Hamburg. im Monat März in der Expedition des„Echo" eingegangen 156,25 Haßsurt a. M., L. Richter 3,—. Hamburg, von den drei social- demokratischen Vereinen Uebersch. der Mahlgelder von 1898 9071,27, Uebersch. der Maifeier 1899 723,85, Sa. 9795,12. Jena. 3. Weimar- scher Wahlkreis. 1. Quartal 1900 30,—. Köpenick. F. F. ges. beim Maskenball Adlershof 2,10. Kattoivitz. H. 2.—. Köpenick, Heizer u. Maschinisten, Ueberschuß vom Stiftungsfest 15,—. Kiel, vom 7. schlcswig- holsteinschen Rcichstagswahlkreis 100,—. Lechhausen, von Parteigenossen 15,—. Lübeck, von Parteigenossen 300,—. München, Waldläufer 5,—. Mannheim, socialdcniokratischcr Verein 100.— Mcmcl, Parteibeitrag von G. Sch. G. 7.—. Ober- Langcnbielau, Arbeiter ans'dem Enlengebirge 100, Sarau N.-L., von Parteigenossen 30,—. Stuttgart, G. U. 10,—. Stuttgart. H. L. 6,—. Triberg, Parteibcitrag vom Arbeiter-Wahlverein 5.—. Tiesenfurth, Malcrpersonal P. Donath 2,55. Vegesack, Gcburtstagsf. Gcsangv.„Vorwärts" 2,—. Vegesack, Ergebnis einer amerik. Bukt. d. K. L. 3,65. Württemberg 50,—. Wittenberg, v. d. Parteigenossen 10,—. Berlin, den 4. April 1900. Für den Parteivorstand A. Gerisch, Kreuzbergstr. 30. Ein Narrenstreich! Der wohlbeleibte, gänzlich unpolitische Lebemann, der einmal der Firmenträger des englischen Imperialismus werden soll, hat bei seiner Durchfahrt durch Brüssel einen halbwüchsigen Bengel angereizt, mit einem untauglichen Revolver ein paar Fehlschüsse zn thun. Bestellt wird dies Operetten- Attentat Wohl nicht sein; denn der gute Prinz von Wales ist zwar stolz auf die Erfindung neuer Westenmodelle, aber er hat nicht den Ehrgeiz, mit Hilfe eines Polizei- Arrangements den Ruhm eines Märtyrers zu erwerben. Er fühlt sich auch ohne solche künstlichen Sensationen wohl und sicher, er geizt nicht nach den Lorbeeren eines ver- haßten und deshalb bedrohten Fürsten. Zu den Verbrechern scheint der junge Mann auch nicht zu gebären, der. denAnregungen derpolitischenAttentatsspckulanten folgend, ihre gemeinen Thaten politisch bronzieren, weil das feiner und vornehmer aussieht. Auch ein Geisteskranker braucht es nicht zu sein— bleibt übrig also ein Dummerjungen- streich: erhitzte Jugendlichkeit, die der nur auf Gewalt und Raub sinnenden Zeit das Haupfinittel der heutigen Weltpolitik entliehen hat, dabei aber die furchtbare Zcrstörungstcchnik der Gewaltpolitik nur zu einem unwirksamen Kindcrspielzeug und gefahrlosen Narrenspiel kopierte. Alle derartige Gewaltthaten sind sinn- und zwecklos: in diesem Fall ist es aber eine bloße Lächerlichkeit, die aufzubauschen nur eine Partei Anlaß hätte. wenn es ihr dämm zu thun wäre, nach der Art der Herr- schänden Klassen Sensationen zu verwerten: die Social- demokratie. Denn wenn man überhaupt ein vemünftiges Motiv für das unvemi'mftige Attentat ausfindig machen kann, so läßt es sich nur aus einem durch die gegenwärtigen Engländerhetze verwirrten Geist erklären: ein Boeren- Fanatiker ist der Mensch, da er ja wohl— auch das Motiv wäre an sich denkbar— nicht ein Fanatiker der lex Hcinze sein wird. Die Socialdemokratie aber hat vor allem seit jeher vor der wüsten Englandhetze gewarnt, so sehr sie auch mit den schwächeren Boeren sympathisiert, und sie könnte nun, nach dem Vorganz der gewöhnlichen Attentats- ausbeuter, ein Ausnahmegesetz wider die„zu Mord und Totschlag, zu scheußlichen Angriffen auf Fürsten anreizenden" Agitatoren der Englandhetze fordern. Gesegnet sei die Bombe! Gesegnet sei der Revolver— so klang es sonst überall im Kreise der Reaktionäre. So schrie man nach den Attentaten der Hödel, Caserio, Luccheni. Diesmal aber murmelt man auf dem Kontinent im stillen: Verwünscht sei der Revolver, der unser ganzes Attentatsgewerbe diskreditiert und man erklärt eifrig, die Englandfeinde seien nicht verantwortlich für die ruchlose That zu machen. Auf einmal verleugnet man das hübsche Princip, je nach dem politischen Bedürfnis Parteien und Richtungen für Verbrechen oder Kindereien verantwortlich zu machen. Hätten unsre„Nationalen" aber den Mut, den e i n st die Vorkämpfer des Deutschtunis bewiesen, als sie offen die meuchlerische Ermordung Kotzebues durch Sand verherrlichten, so würden sie auch jetzt den„edlen, hochherzigen" Motiven des Brüsseler Jünglings Gerechtigkeit widerfahren lassen und zwar die That mißbilligen, aber die Thäter mit Achtung und Mit- leid nennen. So tapfer ist man mm heute nicht mehr. Jämmerlich feig verkriechen sich die teutonischen Männer hinter Dünger- Haufen phrasenhaft- heuchlerischer Entrüstung, von den ein- fältigen Lumpen und Lügnern ganz zu schweigen, die von einem anarchistischen oder gar socialistischen Attentat sprechen und— das Höchste idiotischer Gesindelhaftigkeit!— aus dem belgischen Vorkonunnis ein Ausnahmegesetz gegen die-- Socialdemokratie abzuleiten bemüht sind; die Jour- nalisten der Scharfmacherei werden nicht für verstandesmäßige Arbeit, sondern für ihre Niedertracht bezahlt, das erklärt sowohl die Dunimheit wie die Gemeinheit. Natürlich treiben heute die englischen Chauvinisten das Handwerk, das sonst unsre nationalen Reaktionäre ausüben; von London aus macht man jetzt die Englandhetze genau so verantwortlich für das„Attentat" des belgischen Burschen, wie man bei früheren Gelegenheiten die Socialdemokratie der moralischen Schuld an derartigen Verbrechen anklagte. Aber die englische Presse kann wenigstens noch mit einem Schein von iiiecht einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der That Sipidos und der englandfeindlichen Agitation bc- haupten, während in all den Fällen, wo die Socialdemokratie in dieser Weise beschuldigt wurde, wir nachweisen konnten, daß solche Handlungen nicht Ivegen, sondern trotz unsrer Agitation von unreifen, unaufgeklärten Phan- tasten begangen werden; die ganze socialistische Welt- anschauung verbietet es, eine einzelne Person für alles Geschehene verantwortlich zn macheu, weder im Guten noch im Schlimmen. Der Attentäter, der sich Staatsober- Häupter zum Ziele seiner Anschläge aussucht, lebt in den Wahn- anschauungen unsrer Monarchisten, die da predigen, daß e i n Mensch die Geschicke eines Volks bestimme. Wer das Märchen von dem allein alles Gute wirkenden Fürsten geflissentlich zum Nationalglauben zu erheben sucht, der trägt auch die intellektuelle Schuld, wenn irgend ein beschränkter Mensch den einzelnen für den Urheber von allem Schlimmen hält und demgemäß handelt: Attentäter entnehmen sowohl das psy- chologische Motiv wie das Mittel der Ausführung der herrschenden Klassennicinung: Ihr Wahn erwächst aus dem Personenkult, und ihre Waffe borgen sie von der bürgerlich- kapitalistischen Wcltanschauug der segnenden Gewalt. Wenn die englischen Jingoes nach dem Beispiel unsrer charfmacher die Anklage beweisen wollen, daß die kontinen- taten Englandhetzer die eigentlichen Schuldigen des Brüsseler Narrenstreichs seien, so brauchten sie nur eine Sammlung der bisher aus Anlaß des Transvaalkricges veröffent- lichten aufreizenden Karikaturen auf den Prinzen von Wales zu verbreiten. Aber die verständigen Engländer Iverden den guten Geschmack haben, �über das Reiseabenteuer ihres lebenslustigen Thronanwärters zu lachen. Daß unsre Scharfmacher hingegen aus dem Vorfall die Lehre entnehmen werden, daß die Methode für sie selbst nicht ungefährlich ist, Attentate gegen ganze Parteien und politische Strömungen gesetzgeberisch auszubeuten, ist nicht zu erwarten. Sie haben a kein andres.Kampfmittel als den Appell an die Furcht der Philister. Dem Vorbild unsres Stumm und seiner Preßsölduer hat Lord George Hamilton erfolgreich nachgeeifert, der in einer Londoner Rede erklärte: Wenn man nach Gründen des abscheulichen Attentats suchen sollte, so würde man offenbar sich daran erinner», daß Brüssel die Hauptniederlassung jener Lügcnfabrik ist, deren Leitung Dr. Leyds übernommen hat. Ein gelehriger Schüler unsrer Scharfmacher, dieser Lord! Er- wähnt sei noch, daß Wilhelm II. und König Leopold von Belgien ihre Glückwünsche dem mit heiler Haut davon gekommenen Prinzen ansgesprochen haben. Die„Norddeutsche Allgemeine Ztg." stilisiert in demselben Sinne eine offiziöse Kundgebung.— lieber die Person des Mörders und die mutmaßlichen Motive ler thörichten Hilfsaktion zu Gunsten der Boeren entnehmen wir den vorliegenden Nachrichten folgende Einzelheiten: Der Prinz von'Wales, der mit dein Expreßzug von Calais um Uhr 45 Minuten eingetroffen war und dreißig Minuten lang in Begleitung zweier Sekretäre in der Haupthalle des Bahnhofs un- behelligt promeniert hatte, saß bereits iviedcr in einem Kupee des Uhr 15 Minuten nach Köln abgehenden Expreßzuges, als der .ugendliche Attentäter sich auf daS Trittbrett des Waggons schwang und zwei Schüsse auf den Erben der cnglisckie» Krone abfeuerte, die cdock> ihr Ziel verfehlten. A» dem Abfeuern eines dritten Schusies will der Bahnhofsinspcktor den Attentäter durch einen Schlag auf den Arm verhindert haben. Der Zug, der sich bereits in Bewegung gesetzt hatte, wurde sofort angehalten und der sich heftig sträubende Attentäter durch den Bahnhofs- inspektor und mehrere hinzugceilte Personen überlvältigt und gc- fesselt.. Der Attentäter ist ein Illzähriger Klempner Namens Sipido. Als Grund seiner That gab er im Verhör an:„Ich habe gesckiosscn, weil der Prinz von Wales Taufende in Transvaal umkommen läßt. Ich habe dcffcn Opfer rächen wollen und bedaure nickt, dieses Attentat gegen den Prinzen verübt zu haben, der sich zum Mitschuldigen der üttmenschlichc» Politik Chambcrlaius machte." Der„Attentäter" soll auch in einer Versaunnlung anwesend ge- Wesen sein, die für die Boeren gegen England demonstrierte. ZSolikifilsze Meberfiitzk» Berlin, den 5. April. Im Güstrowcr Meineidsprozeß traten einige Polizisten als Belastungszeugen gegen Holst auf, deren Glaubivürdigkcit durch ein Zeugnis des Wismarer Polizei- senators Dr. König bekräftigt werden sollte. Nachdem nun bereits der wichtigste Zeuge Schutt durch die Vorgänge vor der Straf- kammcr in Rostock am 28. März d. I. schwer kompromittiert ivorden ist, enthüllt ein weiterer Prozeß, der am 31. März vor der Strafkammer in Schwerin stattfand, lehrreich den politischen Hintergrund des Holstschen Prozesses. Nedncteur G r o t h von der„Mccklenb. Volksztg." stand vor Gericht wegen Beleidigung des Polizeisenators Dr. König. Er wurde zu zivei Monaten Gefängnis verurteilt, Iveil er, wie das Urteil sagt, in einer Versaminlnng geäußert hat,„Dr. König besitze nicht diejenigen Fähigkeiten,.welche für sein Amt erforderlich seien". Vorsitzender des Gerichts war derselbe Dr. Schmidt, welcher der Schwurgerichtsverhandlmig in Güstrow präsidiert hatte. Der Thatbestand, der dem Prozeß zn Grunde lag, ist folgender. In der Wirtschaft„Zur Hansa" veranstalteten die Wismarer Gewerk- schaften von jeher ihre Versammlungen und Vergnügungen. Seitdem Dr. König Polizeisenator in Wismar geworden ist. wurden den Gewerkschaften alle möglichen Schwierigkeiten bc- reitet. Sobald ein Vereinsfest stattfand, schickte Dr. König dem„Hansa"- Wirt einen Sträfbefehl unter der Angabe, es habe eine öffentliche Tanzlustbarkeit bei ihm stattgefunden. Die gerichtlich angerufene Entscheidung fiel in allen Jnftaiizen zu Gniisten des Wirts ans. dem die Auslagen für seine Verteidigung ersetzt wurden. Aber gleichviel, immer und immer wieder trafen neueStrafbcfehle wegen Handlunge» derselben Art ein und nötigten den Wirt, immer und immer wieder die Hilfe der Gerichte gegen die Polizeibehörde in Anspruch zu nehmen. Ferner hat dcrPolizei- senator Dr. König unter Berufung auf das mecklenburgische Gesetz vom 27. Jamrnr 1851 g e w e r k s ch a f t l i ch e V e r s a m m l u n g e n v'c r b i e t e n und auflösen lassen mit der Begründung, eö seien politische Pcrjauunlnngtn. Trotz dieser Begründmig aber hat der Herr Polizeisenator es unterlassen, Strafversolgnng einzuleiten, obgleich dies erforderlich gewesen wäre, da nach dein mecklenburgischen Gesetz derjenige strafbar ist, der ohne ministerielle Erlaubnis eine politische Versammlung veranstaltet. Da kaum anzunehmen ist, daß der Polizeisenator wissentlich gesetzliche Bestimmungen nicht anwandte, so ist offenbar, daß Dr. König es nicht verstanden hat. sich gegenüber den Arbeitervereinigungen so zu verhalten, wie es das Gesetz vorschreibt. Dies aber war es. ivaS Groth in einer Protcstvcrsammlung gegen die Polizeiznstände in Wismar zum Aus- druck brachte. Den Thatbestand hat das Schiveriner Gericht durchaus zn- gestanden, dennoch verurteilte es Groth ivegen formeller Beleidigiiiig. Die Wcnirteilung Groths zn einer ansehnlichen Gefängnisstrafe er- scheint völlig u n v e r st ä n d l i ch. Selbst der Staatsanwalt hatte nur 100 M. Geldstrafe beantragt. Alles Unrecht lag materiell auf feiten der Polizeibehörde, ivelche die Arbeiterbewegung mit allerlei, selbst gesetzlich nicht zulässigen Mitteln bchindcrtc. Alles Recht lag auf feiten des Augeklagten, der für die staatsbürgerlichen Rechte der Arbeiter sprach, selbst wenn er— was wir nicht untersuchen wollen— in der Form sich vergriffen haben sollte. Dennoch ge- langte das Gericht zu einer so harten Verurteilung. Der Prozeß zeigt, wie schroff sich in Mecklenburg die politischen Kämpfe zugespitzt haben. Die Reihenfolge der Prozesse, die wir in jüngster Zeit dort erlebten, enthüllt wahrhaft sächsische Zustände. Und die Polizisten in Wismar-, die in den hitzigen Kämpfen des Polizeisenators Dr. König gegen die Arbeiterbewegung ausführende Beamte waren, sie waren die Belastungszengen im Meineids- prozeß gegen Hol st, der mit andren Mitgliedern des Wismarer Bürgerausschusses wiederholt gegen die Maßnahmen des Senators Einspruch erhoben hatte. Wo dermaßen verbitterte Verhältnisse zwischen Polizei und Arbeiterbewegung bestehen, ist das Zeugnis des einen Teils gegen den andern mir mit größter Borsicht aufzunehmen. Das hätte auch das Güstrower Schwurgericht berücksichtigen sollen. Ein Jcsuitenstrcich gegen Rören. Der litterarisch-katholische Aprilscherz der„Köln. VolkSztg.", daZ Interview mit dem Abg. Rören, ist fast von der gesamten Presse für ernst genommen ivorden und auch der„Vorwärts", der allein den Charakter des StücklcinS durchschaute, hat nicht die ganze Wahr- hcit ausgesprochen, daß es sich nämlich um eine Reihe von Ci taten handelt, die dem Abg. Rören in den Mund gelegt worden sind. Die„Köln. VolkSztg" ist natürlich außerordentlich vergnügt über de» jonrnalistischen Erfolg, daß es ihr gelungen, die Presse hinein- zulegen. Wenn das Blatt aber genug gelacht hat, wird es entdecken, daß es die H i n e i n g e f a l l c» c n sind, die zuletzt und am stöh- lichsten lachen dürfen. Die„Köln. Volksztg." schreibt: „Unser Artikel war eine Maskerade, eine Täuschung, wie sie Nachdem ungeschriebenen deutschen Preßgesetz am 1. April erlaubt ist. uud doch ivar diese Täuschung echt: Was man als Urteile des ' Herrn Rören verdonnern sollte und verdonnert has, das sind echte Urteile fast ausnahmslos liberaler Zeitnügen. k i b e- raler Dichter, liberaler Littcratlirhiftorikcr. Und das lo a r des Pudels Kern Das ultraniontanc Blatt hat in dein Artikel gelegentliche Zcitinigsänsiernngen, Stellen aus gistigcn Pamphleten', ans dem ssusaunneilhaiig gerissene beiiänsige Bem'erknngen, briefliche Augen« blicksivenduiigcn, blinde Dhorheiten und persönliche Gickiässigkcite», loie sie die litterarischo Polemik jeden Tag uiasseiihnsl erzeugt, zusaimnengetlebt und damit das bon uns bezeichnete„Sammel- inrium von gemeiner Schimpferei, komischer Uinvissenheit und grotesker Uebertreibnug" fabriziert, das auch dann nicht günstiger beurteilt iverdcu kann, ivemi seine Urheber nicht aus der Jesniteli schule slamnicn. Es ist der„Köln, Voltsztg," nicht geglückt, auch nur ein einziges abschliesiendcs Gcsamtnrtcil einer kritischen Autorität anzuführen; und in cinein Falle—>vo der Biograph Heines, Ctrodtmanni gegen den Dichter citicrt wird— nnisi das Btatt sogar eine, kleine irrtümliche Fälschung zu Hilfe ziehen. Alles, was jemals im Eifer dcS Streits, ans Beschränktheit oder aus niedrigen Motiven der htacke und dcS Neides Dnnimes. Gemeines, Exaltiertes, Unbilliges gesagt worden ist,' gelegentliche Sätze, die die Verfasser selbst jetzt nicht mehr unterschreiben loiirden, alles dies niusi nun in toller Häufung der nuglnckliche Rören ans sein Conto nehmen, dem es sicherlich kein Trost ist, daß nun bewiesen ist, wie auch Nicht-Centrnmslcute Unfug zu schreiben vermögen. Beladen»nit den Sünden des kritisierenden Schreibervolks wird Nüren von seinen eignen Parteigenossen in die Wüste gejagt! Und er mich all' diese Thorheitcn und' Maßlosigkeiten noch übertrumpfen, indem er sie nicht mir samiiiett. häuft und diirch die Berschärsung von unerheblichen Bcilänfiglciieii zu Totalu rtcilcn in ihrer Bedeutung vergewaltigt, sondern er muß auch einen ivcitereu Streich begehen, den auch der Einfältigste der eilicrten Autoren nie- inals gewagt haben würde, er muß diese Aenßernngen des Kunst- geschmackhaders ans der Arena der freien Kritik in da» Bereich der Strafrechtspslcge treiben; ihni lvird die Folgerung au» der Folterzeit angesonnen, daß man gegen die schlechte Kunst statt mit der Waffe des geistigen Urteils mit den Dmhischlingen des Staatsanwalts vorgehe» müsse. Solch eine Behandlimg hat denn doch der Abg. Rören. der in der Flottenvorlage sich durch seine entschiedene Haltung sehr vorteilhaft von dem zlvcidcntigeu Treiben seiner Parteigenossen vntcrscheidct,� nicht verdient. Es' ist bitter, daß er über Goethe nichts andres zu sagen iveiß, als die läppische Ruchlosigkeit, die irgend feinmid ciuiual gelegentlich entschlüpft ist. Es ist' vollends grau- lani, daß man ihin sogar die berühmten Albernheiten eines Änton von Werner in den Mund legt, der seiner ganzen Natur nach weit mehr unter die Hciiizeinäniier als unter die Gücthebündlcr gehört, Was hat der Abg. Rören seinen Parteigenossen zii Leide gcthan, daß man gegen ihn diesen Icsuiteiistrcich richtete, der ihn zum Verant- wortlichen aller erdenklichen Narretei macht? Der Arme hat doch schon schwer genug an der Berantlvortlichkcit für die Dummheiten und Niederträchtigkeiten des u I t r a in o n i a n c n ObikuraiitcntnmS zu leiden, war c» da nötig, ihm noch die Sünden des„Liberalismus" aufzubürdeg!— «« Deutsches Mejch. Das Pctitiousrccht der Bcauikrn ist schon häusig Gegenstand der Beratungen des Reichstags gewesen. Tie preußische und auch die ReichSregierxing hat wiederholt Beamte bisciplinarisch bestraft, weil sie dieses ihr einziges Recht zur Ausübung gebracht hatten, Als im März l8ö8 im Reichstag berichtet ivnrdc. daß mehrere elsöfsische Beamte wegen Unterzeichnung einer Petition au den Reichstag gemaßrcgelt worden waren, wurde beschlossen, daß der Regierung in Znkunft die Namen der Unterzeichner nicht mehr mitgeteilt werden sollte». Damit wurde aber auch die Bcrechti- g u n g der Bcaintcn, zu petitionieren, als zweifellos anerkannt. Die Regierung scheint aber nach wie vor andrer Meinung zu sein. So ivird uns an» Kiel geschrieben: Lergniigenc Woche ist den sämtlichen Bcamten der k a i s e r l. Werft in Kiel, vom höchsten bis zum niedrigsten gegen die Unterschrift der erfolgten Kenntnisnahme ein an» dem Jahre j886 staimnendeS, vom „Gesamt in i n i st e r i u m" unterzeichnetes Aktenstück wieder zur Kenntnis gebracht, in dem den Beamten verboten wird, irgend welche Petitionen, die sich gegen Maßnahnicn oder Bcr« fügnngcn der Regierung richte», in irgend einer Weise zu unterstützen oder zu unterzeichnen. In' dein der Abschrist dieses Aktenstücks beigegcbencn Begleitschreiben wird noch mitgeteilt, daß diese Verfügung ans Anlaß eines Disciplmarfalls den Beamten wieder in Erinnerung gebracht würde, und daß im- nachsichtlich jede Ueberfchrcitimg dieses Berbots durch die Beamten diScivlinarisch verfolgt werden würde. Auch die Bersammltmgen, Ivo solche Petitionen, beraten lvcrdcn könnten, seien von den Beamten zu meiden. Dieses Borkomnmis zeigt übrigens auch, wie wenig die Re- gicrung Rücksicht auf die Ansichten der ReichstagS-Mehrheit nehmen zu muffen glaubt.— Die sächsische Polizcischneidigkcit auf der Anklagebank. Man schreibt uns aus Dresden. 4. April: Im Landtag gab es heut eine„große" Sitzung. Zur Beratung standen die Posten des Ministeriums des Jimern iGendarmcrie, Sicherheitspolizei, Etat de»„Dresdner Journals" und der„Leipziger Zeitung" mit 81 400 M. usw.) Abg. Seifert(Soc.) ging mit dem Minister v. Mötsch scharf ins Gericht wegen der Vorlömmniffe bei dem Maurerstreik in Zwickau, bei welchem die Polizei ruhig des Wegs gehende Arbeiter vom Trottoir gewiesen und über 30 Per- sonen Strafmandate a 15 M. zugeschickt hatte, weil sie durch„Streik- postenstehcn"„groben Ilnfng" begangen hätten. Tie Agenten der Unternehmer hätten dagegen ruhig auf dem Perron des Bahnhofs in Zwickau lagern kvniien, um ankommende Maurer sofort unter Bedeckung von' mehreren Schlitzkenten in„Sicherheit" zu bringen. Mehreren böhmischen Maurern hatte die Streikleitung zur Rückfahrt in die Heimat Fahrkarten gekansk. die Agenten und die Polizei habe» aber den Leuten sowohl die Karten wie auch daS Fahrgeld und die Jnvalidrnkarte fortgcnommcu und sie dami wider ihren Willen zu einem der Jnilnngsmxistcr geschafft! ?lbg. Fräßdorf tiirisiertc die Maßnahmen, welche die Behörden anläßlich des Zwickau er B e r g a r b e i t c r st r e i k s verfügt hätten und wie» der Regierung nach, daß sie gesetzwidrig gehandelt habe. Redner geißelte ferner in scharfen Worten die Handhabnug des Bercius- und Bersammlungsrechts in Sachsen, und verglich die Maßnahmen der Regierung einerseits den Arbeitern. andrerseits den andern Kreisen gegenüber. Bei crsteren weist man Minderjährige ans gcwerkschastlichcu Bcrsaminlungeii aus, und nach" andrer Richtung gehe man derart skrupel- los vor, daß man sogar Schultiudcr zur Flottenagitatio« benutze, wie mau c» kürzlich hier beobachten konnte. Die Debatte hatte im ganzen einen hochpolitischen Anstrich, denn cS kam über die Flottcnvorlagc und ihre Nützlichkeit für die Arbeiter mehreremal zu heftigen Zusammenstößen zwischen misren Genosse» und der Kammer- Mehrheit, die natürlich in Wasser- und Weltpoluik macht, als sei sie aus Biilows Schule hervorgegangen. Ter Minister de» Inner» tonnte wenig zu seiner Rechtsertigiing und der der Zwickancr Polizei sagen, er erklärte nur,— und da» ist selbst für Sachsen charalicristisch — die Regierung habe das Recht, das Streikposteustehcn aus Grund der Bestimmuiigöii der BerkehrSordnuug von 1872 nach wie vor zu verbieten, sobald es„über den Rahmen des Gesetzes hinaus- geht"— was das heißt, weiß man ja. Bezeichnend war e?. daß beim Kapitel betreffend die Vermehrung der Gendarmerie Gen Fräßdorf darauf hinweisen konnte, daß doch Schutzleute in solcher Menge vorhanden seien, daß sie sogar oben noch die Tribünen füllten. Thatsächlich sah man unter den Tribiiiiciibcsuchcrn fünf der bekanntesten Kriminalbeamten, welche natürlich ob solchen Erlcnncns recht verdutzt waren. F r ä ß d o r s Kiid H o f m a ii n gingen dann noch scharf gegen die Regierung vpr. weil sie immer mehr das Bestreben zeige, den Ar- bei'tcrn das Koalitionsrecht cinsach illusorisch zumachen. Abg. Opitz hielt dann noch der„Leipziger Zeitung" ctiic lauge schwülstige Lobrede, ausHcrabcranchdcrIstiivstc den Selbstiiitcressiertei! heraushörte. lOpitz ist selbst Muarbeitcr an diesem Blatt.) Fräßdorf erklärte denn auch mit Recht, nur hätten keine Ursache, für Blätter, welche für jede crz- reaktionäre Maßregel eintreten, sobald sie gegen die Arbeiter sich richte, noch einen Zuschuß zu bewilligen. Die geforderten 8l4lZ0M. (59 200 M. für das„Dresdener Journal" und 27 200 M. für die „Leipziger Zeitung") winden schließlich gegen die Stimmen unsrcr Genossen angeiiommen. Unsre Genossen setzten übrigens der reaktionären Mehrheit arg zu. Fast zu jedem Kapitel brachte Fräßdorf Wünsche und Beschwerden vor. zum Entsetzen der bicdaen Konservativen, welche dicserhalb die ganze Sitzung über(welche sechs Stunden währte) aushalten mußten. LoräuSsichtlich wird auch die morgige Sitzung ivieder sehr intereiiant werden: es sieht da u.a. ein Teil' des I n sti z c t a t s auf der Tagesordnung. Der Bundesrat erteilte in seiner heutigen Sitzung seine Zu- stimmnng: dem Ausschußbericht betreffend den Entwurf eines Ge- setze» zur Ergänzung der Gesetze über Posldampfschisis-Vcrbindnngcn mir Afrika, ferner den Ansschußbcrichten über: a) den Entwurf von Bestimmungen zur Hcrßellniig einer Kriminalstatistik für da» deutsche Heer und die taiserliche Marine, b) den Entwurf eines Gesetzes betreffend die militärische Strafrcchtspflege im Kianischou-Gcbick.— Ein gräßliches Fiasko der Flottentollen. An» dem Ruhr- gebiet wird uns geschrieben: Ms bor einigen Wochen die„Rh.-W. Ztg." ihren Lesern die Petitionsbogen für die Miinchener„Massenbitte" für eine Wcltflotte zusandte, da jubelte das Kohlenorgan über den Schlag, den es jetzt den Reichsnörglern versetzen werde. Jetzt landet der müde Greis wieder im Hafen mit ganzen 7000 Nnterschristr» der„Massenbitte". Um da» gräßliche. Fiasko dieser slotientollen Zeitung voll zu ermessen, muß man wissen, daß ihr Verbreitungsgebiet das dicht bevölkerte Ruhrbecken ist, mit seinen H und ertlau s e nd e u ab- hängiger Arbeiter. Der„Vorwärts" hat schon berichten können bon der„freiwilligen" Flottenfrcundschaft gepreßter Berg- und Fabrik- arbeiter im hiesigen Industriegebiet. Bei der letzten Neichstagswahl sind im Vcrbreitniigsgcbict der„R. W.-Ztg." über 80 000 Stimmen für die nationalliberal-freikoiiservative Partei abgegeben worden. Und Von diesen hat die„Massenbitte" im Zeitraum von 3 Wochen nur 7000 innd wie!) ans die Beine gebracht. Norb gräßlicher wird aber die Blamage dadurch, daß besonders in dem hiesigen Bezirk die großen Werke jKrnpp, Baare:c.) liegen, die zweifellos hauptsächliH au den Flottenlicfernugei: interessiert sind. ES ist den Arbeitern in unzähligen Broschüren, Flug- blättern und Versammlungen„bewiesen" worden, daß sie. gerade sie als Stahl- u n d E i s en a r b e i t e r großen Nutzen hätten. wenn die Flotte bewilligt würde: es gäbe viel Arbeit und viel Verdienst. Und doch nur 7000 Unterschriften! Mit der„Willens- einhcil" des Voltes ist es nicht weit her. Drastisch kommt die Volksstiminmig der Wellslotte gegenüber zum Ausdruck in einem Bericht nnsreß Essener Partei. Organs. de»„Wcckrns»", der sich aus Roithauscn, einem vorwiegend u l t r a m o u t a u c n Arbeiterdorf, schreiben läßt: „Bor wenigen Tagen fand in Rotihaufcn eine Versammlung für Floitenpropaganda statt. Nach den Berichten der„Flottenvrcsse" war dieselbe sogar gut besucht, es niiißte demnach sti Rotthausen Stimmung für die Flötteiivermehrnng vorhanden sein. Das Gegenteil ist aber der Fall! Am Sonntag verbreiteten die Socialdemotralen in Rott- Hansen ein Flugblatt gegen die Flotte. Fast ansnahmsloS wurden die Verbreiter unwirrsch empfangen, mau wollte das Blatt nicht iicbmeu— weil man von einer Flottcnvetinchrung absolut nichts wissen wolle. Erst als die Verbreiter die Tendenz d-S Blatts be- kennt gaben, da griffen alle ohne Ansnahme mit Freuden zu! Keine Flottenvermchrung, das ist die Stimme des Volks, daran ändert keine Skmmumgsmachcrei etwas, ebenso wenig wie gutgläubiger Flottenwahnsinn." Keine freisinnigen Mittelstands-Rettcr. Ter Fortschrittliche Verein«Franz Zicgler" läßt uns durch ein Eirkular ersuchen, davon Notiz zu nehmen, daß eine von„nnbernfener Seite in öffentlicher Versammlung" anfgestelllc Bchanpiimg, besagter Verein sei mit der WarcnhauSstcuer einverstanden, aus Unwahrheit beruhe.— Ten Tieren, die an de» Wurzeln der deutschen Eiche nage», ividmet die„Post" einen Leidartikel. Sie beklagt da» tragische Geschick der verkannten MenichheitSbeglücker. „Es ist ein unveräußerliche» Attribut der demokratischen Organisation, mag inangin der Geschichte zurückgehen von heute bis'oiif die Volksherrschaft in Athen, daß die Besten de» Volks dem Scherbengericht zum Opfer sollen, und der Pöbel da» große Wort führt." Es verrät die profunde GeschichtSanffassnng der„Post", daß sie die Demokratie Athens mit dem modernen demokratischen Ideal verwechselt und zur Vernichtuiig des Pöbel» den braven Aristides citicrt. Wenn die„Post" einmal aus Alheii cxemplisizicrcn will, so läge es näher, die Gefddren der Kolonial- und E r o b e r n n g s- Politik an diesem klassischen Beispiel zu demoustriercn, sintemalen äe ohnehin ans den Wafscrpatriotismus zu sprechen kommt. Der radikalen Linken schleudert sie dabei die Anklage inS Gesicht, daß sie durch ihre Verfolgung der Marinisten die ,. Volks- vorstcllnng von den Knl tilrau fg a d en dcS deutschen Volks" törriunpiere. Ach. wenn die Politik der gepanzerten Fanst das K n l t ii r i d e a l d e r V o l k S v o r st e l l u n g wäre, wozu brauchten dann die Flotteniniercssenten durch Inserate den erforderlichen Stab von predigend reisenden Wasserrednern zlisammenznironmickn? Landrat und Amtsdiencr als FlottcnkolPortrurc. Wie ans Pankow mitgeteilt wird, har der Land rat des Kreises N i e d e r- B a r n i m an die Aintsvorsteher seines Bezirks ein Eirkular zur Sammlung von Unterschriften für die Flotte versandt. Der Aintsvorsteher von Pankow ließ diese» Eirkular von Haus zu Haus durch die Amts- r e s p. Polizcidiener verbreiten Ueber die Unzulässigtcit einer derartigen landrätlichen Flotten- agitatiem braucht wohl lein Wort mehr verloren zu werden. Unter den BevölkernngSkreisen, auf deren Bekehrung man es durch Wer- brcitung solcher Erzeugnisse gerade abgesehen hat, wird übrigens die amtlich' kolportierte Flottenmakulatnr mir doppeltem Mißtrauen bc- gcgncn.— llmgiuigsformen eines Landrats. Infolge eines Streits. der wegen der Frage des Ersätze» von Wildschaden zwischen einem lleinenD Landinann und dem Landrat von Klitzing cm- standen war. eines Streit», der aber von dem Landinann unter Respektierung der im Verkehr mit einem Landrat üblichen Formen geführt wurde, sah sich der Herr Landrat veranlaßr. dem Kläger folgende Probe seiner stilistischen Begabung zukommen zu lassen: „Wenn es sich um denselben Schaden handelt, der schon einmal abgeschätzt wurde, so liegt zur Ansctzung eines ncnen Termins nicht der geringste Anlaß vor. Durch Ihre höchst unmanierliche Grob- hcit� welche jede Verhandlung unmöglich machte, haben Sie c» ganz allein verschuldet, daß ein Vergleich nicht zu stände kam. oder richtiger gesagt, eine Erklärung von Ihnen nicht erlangt werden komite. Beide Taxatoren sind ganz ruhig und höflich gewesen. Sie aber haben ohne jeden Grund in Jfhrcr bekannten flegelhafte» Weise �ede Erklärung abgelehnt. Sie hatten das wohlbegründete Recht, gleich im Termin die Zuziehung und Entscheidung eines Obmanns zu beantragen. Das haben Sie nickit gcthan. Somit kann ich mir annehmen/daß die nach bestem Wissen und Gewissen vorgenommene Schätzung der Herren Taxatoren richtig war. Zu dieser Annahme habe ich' um so mehr Anlaß, als die Herren Taxatoren von mir den festen Auftrag haben, alle Schätzungen möglichst reichlich zu bc- messen. Auch habe ich mich schon einmal, wie Sic sehr wohl wissen werden, persönlich davon überzeugt, daß die Schätzungen der ge- nannten Taxaloren nichts nur sachgemäß, soudcr-n sehr reichlich, sind, daft Sie aber beliebe», für Ihre Person unangemessene Forderungen zu stellen._ Landrat von Klitzing." Tie saftigen Ausdrücke de» Briefs siechen zwar höchst' wohl» lbucnd gegen den sonst üblichen farblosen Burcaptratenstil ab. aber es ist sehr die Frage, ob der Empfänger de» Briefs als schlichter Landmcum Vcrsiäudni» genug für'dergleichen stilistische Vorzüge haben wird, um den Herrn Landrat nnt einer Jnjnrieuklage. zu vcr- schonen. Jnterefsant wäre es auch, zu erfahren, ob der Herr Landrat beini Empfang ebenso g c m ü t v o ll c r R ü ck äußerniigen dasselbe Behagen cmpfiiidcn würde, das er beim Niederschreiben seines Briefs empfunden haben muß.— Militär-Strasgcrichtsordmmg. Tie neue Militär-Straf- gcrichtsordnung tritt am 1. Oktober auch für die Marine in Kraft, wobei bestimmt worden ist. daß an Bord der Kriegsschiffe Ilntcrsüchungshandlnngcn der höheren Gerichtsbarkeit auch durch einen Gerichtsherrn der niederen Gerichtsbarkeit erledigt werden können. Die Aüsführinigs-Besiiiiimiingcn der Militär-Strafgerichts- ordimng für die Marine entsprechen im übrigen denen des Land- Heeres: jedoch ist im Bereich der Mitilär-Jnstizverwalümg der Marine eine besondere Tisciplinarkamincr für die richterlichen Militär- Jnstizbemiiteii bestellt worden, die ihren Sitz in Kiel erhalten hat. Für die Sitzimgcii dieser Disciplinarkammer ist, soweit nicht mündlich verhandelt wird, die Oeffentlichkeit ausgeschlossen.— Gegen den Fleischwucher. Tie„Polks-Ztg." berichtet: Eine Agrardcbctte erlebte der Landtag de» Herzogtum» Altenburg am Dienstag anläßlich eines socialdemolratischcn Antrags, den' Der- ircter Alteubnrgs beim Bundesrat anzuiveisen. seine Stimme gegen das im agrarischen Sinne verhunzte Fleischbeschan-Gesctz ab- zugeben. Die Kommission beantragte Uebsrgang zur TageSordnimg, ivcil jetzt schon ein Beschluß in dieser Sache v e r s r ü h t sei. da das fragliche Gesetz ja noch nicht endgültig■ vom Reichstag beschlossen wäre! Im Plenum gab sich, wie uns auS Asten bürg geschrieben lvird, der StaatSministcr v. H e 1 1 d o r s- die menschenmögliche Mühe, eine Diskussion hiutanzuhaltcn, diesmal freilich ohne Erfolg, denn der konservative Zteichs- und LandtagS-Abgeordncte v. Blödäu, seines Zeichens Kammerhcrr und Rittergiitsbesitzer, wollte es sich als Befürworter des Fleischbcschau-Gcfetze» nicht nehmen lassen, seine Stellungnahme coram publico zu verteidigen. Die Regierung mußte nun wohl oder übel in den saiiren Äpfel beißen. Der ge- wundenen. langen staatSministcrlichen Rede kurzer Sinn war der, daß die altcnbnrgische Staaisregierung den? Gesetz« in der jetzt de- stehenden Form ihre Zustimmimg nicht geben wird. Das Ende vom Licde war. daß gegen sechs Stimmen Ilebergang zur Tages- ordmmg beschlossen wurde, nachdem sich die Mehrheit mit der Rc- gicrnngserkläruug für befriedigt erachtete.— Ausland, Frankreich. Endlich soll Blut fließen. Nachdem die an dem famosen Ehrenhandel Lubersac kontra Robert Rothschild Bc- teiligten gleich den homerischen Helden ihren KampftSmnt durch Austausch der ansgesiichtcstci! Verbalinjurien bis zur Siedehitze ge- steigert haben, scheint es endlich einmal zum Kreuzen der Klingen zu konimen. Lubersac hat sich dazu herabgelassen, die Forderung Ephrussis. eines Zeugen Rothschild», anzunehmen. Aller Blicke werden sich nunmehr vom südafrikanischen Kriegsschauplatz hinweg und jener Schlacht zuwenden, die noch der„Libre Parole" der aus Reinheit de» Blut» haltende französische Adel der Judenschaft und dem vcrjndeten Adel zu licscrii gcdenlt. Die„Köln. Volks-Ztg." hegt freilich gelinde Zweifel an dem Ernst dieses Kreuzzngcs. eaie meint: „Wenn der französische Adel wirklich gegen das Judentum kämpfen wollte, müßte er allen Verl ehr mit den Juden abbrechen, s i cki gewisser Geld-, Börsen- und G r ü n d e r g e s ch ö f t: enthalten, sich nicht durch Wer- s ch w ä g e r u n g mit jüdischen Baut- und Börsen» s a>n i l i e n z n b c r e i ch e r n s n ch e n. Der französische Adel ist viel zu sebr mit der Bcsitzerkasie. Bourgeoisie und Judentum, vor- sipvt und verbunden, um einen ernstlichen Kampf gegen das Inden- mm unternehmen zu tönnen." Diese Eharaktcrifierung der kapitalistischen Korruption des sranzvschen Adels ist sicherlich nicht übertrieben. Aber träfe sie nicht ebenso auf einen nicht niierhedlichen Teil unsrcr deutschen Bkaiiblütigen zu? Hat doch auch bei nnS schon mancher Graf und Freiherr für jene Rassenkrenzung gesorgt,- die nach dem ein Ivenig Stlilldnft atmenden Worte Bismarcks eine besonders glückliche sein soll. Das Zeug zum Gründer und Jndustrierittcr befaß freilich auch vordem schon mancher Edelgeborene.— Einen Maulkoi-b-Erlasi nennt die„Fraiikf. Ztg." einen Erlaß des Eh ff» der französischen UnterrickitSverwaltiing. Herrn Georges L e Y g u e S der in der That höchstes Befremden'erregen muß. Ter genannte Minister har nämlich allen Lchrcr» durch ein Eirkular verboten, in öffentlichen Lersammlimgen Themata zu besprechen, die „mittelbar oder nmnittclbar die innere oder äußere Politik des Landes berühren". Beispielsweise dürfe nicht über die orientalische Frage.- die Kolonialpoiitik usw. gesprochen werden. Auch die Zoll- und Sieucrangclegcnheiten und das IlnterrichtSwesen sind mit einem Tabu belegt worden. Daß dieser unglaubliche Erlaß nicht etwa mir einer momentanen, für den Pshchiatcr interessanten Stimmung seine Ursache verdankt, beweist folgendes Verkominnis: lieber fünftanfcnd Lehrer haben eine Petition an den Senat unterzeichnet, die den Zweck hat. ihre Befreiung von der dritten Lstägigen Rcserveüvung zu erwirken.' Der llntcrrichtSmmister hat nun durch ein Eirkular die Unterzeichnung von Petitionen vcr- böte n. ES wäre sehr zu wünschen, daß die Kollegen- de» Herne Leygnes, nameiitlich Millerand und Baiidin, demselben schleunigst eine gründliche Belehrung über da» Wesen der Verfassung und die An- ftandspflichtcn eines Kiilturstaats zu.teil werden ließen!— Bon der Farce im Haag. Paris, S. April. In der Tcputicrtcnkainmcr wurde heute ein Golbbnch über die Haager Konferenz verteilt, welches 13 t-schrifrstücke, vom ersten Rundschreiben des Grasen Muraivjcw bis zum Schlußalte der Konferenz, enthält. Eine» der Schriftstücke nmfaßt die Berichte der französischen Vcr-. tretcr an ihre Rcgicrimg über die Arbeiten in den Kommissionen. Das Gelbbuch wird nur unsre Anffassnng von der BedentiingS- losigkcit der„Friedens"-Konferenz bestätigen. Immerhin ist nnS Frankreich durch die Veröffentlichung um eine Rasenlänge voraus.— Belgien. Eine Debatte übcv das Llttentat. Brüssel, S. April. Rcpräscntantenkammer. Baron Si>ot>. stellvertretender Präsident, der Minister de» Auswärtigen de Favereau und der Deputierte Woeste protestieren energisch gegen das hasienswcrtc Attentat auf den Prinzen von Wales. Ter Minister de Favereau erinnert daran, daß England zur Aufrichtung der Unabhängigkeit Belgiens beigetragen hat'. Vandcrveldc(Soc.) und Lorand tPrögrcsi.l schließen sich der Bei- urtciluiig des Attentats an, protestieren jedoch gleichzeitig auSbrück- lich gegen den schimpflichen und vcrdammungZwürdigcn Krieg, der von England gegen ein freies Volk geführt werde.(Der Socialisr Fnrnem'oiit ru?t:„Hoch die Bocrcn!"> Die Debatte niiimit einen immer erregteren Charakter an. Die Redner der Linken und die Socialisten fahren mit' Vorwürfen gegen England wegen des siid- afrikanischen Krieges fort. Minister de Favereau legt gegen diese Haltung der Linken Verwahrung ein. Vandervelde weist die von Woeste gegen ihn erhobene Unterstellung zurück, daß er durch sciiic Worte in einer Versammlung am. Dienstag dazu beigetragen habe, daß der Mordversuch unternommen wurde. Woeste bcmertt dagegen, die Verantwortlichkeit werde auf denjenigen lasten, welche sie' auf sich geladen haben.(Eine philosophisch tiefgründige Bemer- kung! Anm. d. Redaktion.) Danach erklärt der Präsident den Zwischenfall für erledigt. Dänemark. Kolouialschachcr. Kopenhagen, ö. April. RitzanS Bureau erfährt, daß die Verhandlungen zwischen Amerika und Dänemark betreffend den Verkauf der dänisch-westindischen Inseln bis zum Schluff der jetzigen ZkeichStagS-Session. lvclche nur noch einige Tage dauert, nicht zu Ende geführt werden können.— Türkei. Der„Löwe von Plewna" gestorben. M u s ck i r G h a z i O S m o n Pascha ist, wie daZ W. T. B. vom S. ans Konstantinopel mitteilt, gestorben, nachdem er bereits vor mehreren Wochen tot gesagt worden war. 1837 zu Amasia in'Kleinasicn geboren, trat Osman Pascha 1850 in die türkische Militärakademie ein, wurde 1854 Unter» lieutenant der Kavallerie, um 1867, nachdem er sich in mehreren teldziigen hervorgethan hatte, zum Lbcrstlicutcnant und Bei dcS eueralstabs befördert zu werden. Er erklomm nun rasch die militärische Stufenleiter, wurde 1871 Oberst, 1874 Brigadcgcncral, 1875 DivisionSgeneral und 1876. nachdem er sich in den Kämpfe» gegen Serbien ausgezeichnet hatte, Marschall lMuschir). Weltruf erwarb sich Osman Pascha durch seine Tbaten im r u s s i s ch- türkischen Krieg bei Plcwna. Er schlug mehrere russische Angriffe blutig ab. mußte jedoch schließlich am 10. Dezember 1877 wegen Mangels an Proviant kapitulieren, wobei er in Gefangen- schaft geriet.' Erst 1885 schied er auS seiner Stellung als Kriegs- mlnister aus.—_ Von der Pest. K o n st a n t i n o p e 1, 4. April. Der Sanitäts- rat erhielt ein Telegramm, demzufolge in der Ortschaft Lassa unter dem Stamme Bcni Amer zwei Pcstfällc festgestellt sind. Der Stamm hat seinen Sitz in dem Assir-Distriki, in welchem sich zur Zeit 28 000 Beirampilger aufhalten. Mnbrvm nvuopten Nuvs. Marz. 2. Hanau. 3 Maurer� 6 Wochen bczw. 8 Tage Gefängnis wegen Beleidigung von Streikbrechern. 5. Magdeburg. Je 15 M. Geldstrafe 3 Vorstandsmitglieder der Orts-Krankenkasie wegen Ilebcrtretung deS VereinSgesetzes. 6. Erfurt. Genosse May wegen Beleidigung dcS Landrats 300 M. Geldstrafe. , Jena. Wegen Verübung grobe» UufugS die Genossen G r u n e iv a l d 50, Klopfer 30 und Vopclius 23 M. Geldstrafe. 7. Chemnitz. 2 Wochen Gefängnis Genosse S ch ö p f l i n wegen Beleidigung eines Fabrikanten. 16. Altcnbnrg. Genosse stücklen wegen Beleidigung eines Lehrers l Monat Gefängnis. „ Frailkfnrt a. M. 200 M. Geldstrafe Gcnoffe Quarck wegen Beleidigung eines Pfarrers. „ Strasburg i. E. Wegen Beleidigung eines Gendarmen Genosse Dein Hardt 150 M. Geldstrafe. „.Zwickau. Die Genossen K u n z- Cainsdorf, TrinkS und Z s ch e» d e r l e i n- Niederplanitz wegen unerlaubten SanimclnS je 13 M. Geldstrafe. 17. Leipzig. In der Revisionsinstanz Genosse H o f r i ch t e r- Köln 2 Wochen Gefängnis wegen Beleidigung des Reichs- kanzlers. 17. Güstrow. 3 Jahre Zuchthaus Gcnoffe Holst-WiSmar wegen wissentlichen Meineids. 20. Erfurt. Genosse May wegen Beleidigung dcS Staatsanwalts 2 Monate Gefängnis. „ Gera. Wegen' Zcugnisverwcigerung Genosse Seifert 50 M. Geldstrafe. 21. Bochum. 4 Wochen Gefängnis Genosse Wolf wegen Bc- leidigung eines Werkdircktors. , Berlin. Ter Schuhmacher Großmann 4 Monate Ge- fänguis wegen Aufreizung zu Gewaltthätigkcitcn verschiedener BcvölkerungSklasscn gegen einander. * Ebcröwaldc. Ebenfalls 4 Monate Gefängnis der Handels- mann Rcppi»- Odcrberg i. M. wegen Majcsiäts- beleidjgung. 29. Rostock. Genosse Groth 50 M. Geldstrafe wegen Bc- leidigung eiues PolizciscnatorS. „ Leipzig. In der Revisionsinstanz Genosse Haupt-Magde- bürg 200 M. Geldstrafe wegen Beleidigung dcS preußischen S t a a tSmi nisteriuniS. 308 Itzehoe. Wegen Beleidigung eines Streikbrechers das Dienst« mädcheu eines Lcdcrfabrikantcn 3 Tage Gefängnis. . Bochum. 1 Monat Gefängnis Genosse O st r o w s k i- Herne D wegen Aufreizung zum Klassenhaß. » Berlin. Der Sattler Schneider 50 M. Geldstrafe wegen Bedrohung eines Streikbrechers. , Zwickau. 13 M. Geldstrafe Genosse Lorenz- Marienthal wegen unerlaubten SammelnS.— Die gleiche Strafe die Genoffen Helbig- Wilkau und Lorenz- Bocklva Wegen streikpofieiistchenS. 31. Naumburg. In der Benifungsinftanz der Lackierer Z a u s ch S 1-1 Tage Gefängnis wegen Verübung groben Unfugs. , Oldenburg. Genosse Patzer wegen Beleidigung der Direktion deS ArincnhaiifcS in Delmenhorst 2 Monate Ge- fängms. „ Schwerin. Die Genossen Groth und Schmidt- Rostock 3 Monate Gefängnis bezw. 30 M. Geldstrafe wegen Bcleidi- gung eines Polizciscnators. Insgesamt wurde erkannt auf 3 Jahre Zuchthaus, 1 Jahr 7 Monate 4 Wochen und 4 Tage Gefängnis und 1300 M. Geld- strafe. Berlin, den 6. April 1000. Der P a r t e i v o r st a n d. Gemeiudcratöwahlcu. Auch in die schlesischcn Gemeinden bringen nach und nach Sociakdcmokraten ein. So wurde kürzlich wieder in Häßlich(Kreis Stricgan) ein focialdemokratifcher Per- trctcr in der dritten Klaffe mit 19 gegen 14 Stimmen durchgcbracht. Dem Mülhauscucr Gemciudcrat haben die Genossen Hickel und B u e b einen' Slntraz unterbreitet, wonach bei Ausführungen städtischer Arbeiten eine Klausel aufgenommen worden soll, welche die Unternehmer verpflichtet, den Arbeitern ihren Lohn in derjenigen Höhe zu zahlen, die sie in ihren eingereichten Angeboten selbst an- gegeben haben. Poliieilichcs, Gerichtliches usw. Vom Polizeikantpf gegen die socialdemokratie. Am vor- gangeuen Sonntag fand in T h e i ß e n bei Zeitz zum erstenmal nach etwa sünf Jahren eine Volksversaminlung statt, in welcher der Abg. Genoffe Thiele-Halle mit größtem Erfolge sprach. Am folgenden Tage erhielt der Wirt dcS Versammlungslokals nachstehendes Schreiben: «Stempel.)_ Theißen, den 2. 4. 1900. Da sie Ihr Lokal der socialdemokratischc» Partei zur Ab- Haltung von Versammluiigeii überlasten, so wird für dasselbe die Polizeistunde hiermit auf 10 Uhr nächts festgesetzt. Au den Gastwirt Der Amts vorst eh er: Herrn T r a u t m a n n gez.: Schiller. in Theißen. lStcmpel.) Herr Schiller ist in der That ein recht offenherziger Mann, er giebt unumimmden den Grund seiner Maßnahmen an; sonst geschieht die Maßregelung solcher Wirte meist in mehr oder weniger verschleierter Form. Klarheit und Deutlichkeit ist natürlich vorzuziehen; die Arbeiter wissen so wenigstens, woran sie sind, sie werden nun erst recht den betroffenen Wirt unterstützen. — Wegcu Beleidigung des Schokoladcnfabrikanten König in Plauen wurde der Gcnoffe Riem. Redakteur der„Sächs. Arb.- Ztg." vom dortigen Schöffengericht zu 100 M. Geldstrafe verurteilt. — Anlästlich ciucö Schmiedcstreiks, der bei dem Kommerziell- rat Hallströin in Nienburg zürn Ausbruch gekommen war. hatte das„Volksblatt für Alchalt" in Dessau die niedrigen Löhne der genannten Firma einer Kritik unterzogen. Der Herr Kollimerzienrat fühlte sich durch den Artikel beleidigt und Genosse Günther, der Ver- ant wörtliche, wurde vom Schöffengericht zu 100 M. Geldstrafe verurteilt. Das Landgericht bestätigte als Berufungsinstanz dieses Urteil. GomevkMoiftUiJzrs. Berlin und ttmgegcud. Achtung, Schrifthaucrk Am 2. April beschlossen die Schrift- Hauer, nicht eher die Arbeit in den Grabstcin-Gcschästcn wieder auf- zunehmeu, bevor der neue Tarif von den Meistern iintcrschricben und der Kommission zugestellt ist. Es kann für uns nicht maß- gebend sein, ivenii der eine oder andre Geschäftsinhaber in der Hauptperiode bezahlen will, aber jetzt nicht unterschreibt. Pflicht eines jeden Schrifthauers ist es, nur in solchen Geschäften zu arbeiten, Ivo der Tarif unierschrieben ist. Folgende Geschäfte haben den Tarif anerkannt: Malllvitz, Poppe. Albrccht, Ww. Kroll, Ney, Schober, Sippcrliug, Stahl u. Herzog, Pfaffenbcrg, Zabel, Vicregg, Krämer, Ncuendorf, Lauge u. Bicrsch'röder. Die Kommission der Schrifthauer. I.A.: A. Meyer. Achtung, Filzschuharbeite»: und Arbeiterinnen k Die Sperre über die Filzicbubsabrik von Kusche, Büschingftr. 24, dauert uuvcr- ändert fort. Laut Beschluß der letzten GciieralvcrsaiiiMlung hatte die OrtsverwalMng des Vereins dculschcr Schuhinacher von neuem den Versuch unternommen, die Sache beizulegen, jedoch hat sich Herr Kusche diesen Versuchen gegenüber ablehnend verhalten. Der Ver- band deutscher Schuhmacher. Deutsches Reich. Die Zabakarbcitcr in Finster walde werden um eine geringe Lohnerhöhung in den Streik treten, da ihnen von den Uiiternchmern eine entschiedcnc Absage zu teil wurde. 320 Arbeiter haben die Kündigung eingereicht. Die Mühlcnbesitzcr haben in Halle am 26. März d. I. eine Konferenz abgehalten,'in der die Gründling einer Organisation be- schlössen wurde. Die Herren haben daun'festgesetzt, daß die Ein- gäbe der Lohnkommission nicht beantwortet wird.' Ferner müsscii die Mitglieder cineil Vertrag unterschreiben, der ihnen verbietet, Nachrichten über in der Vereinigung gefaßte Beschiiisie bekamit zu geben und sie anhält, die schivarzen Liften über mißliebige Arbeiter streng zu befolgen. Jede Uebcrtretung dieser Verciiibarnng wird mit 50 M. Strafe geahndet. Mögen die Arbeiter dieses Berufs sich ihrer Organisatioiispflicht erinnern und die vom Unternchmerdünkel diktierten' Pläne ihrer Ansbeiitcr durchkreuzen. Die Handschuhmacher in H a y n a u(Schlesien) haben den Erfolg zu verzeichnen, daß sie eine Lohnerhöhung von 10 Proz. für Accordarbeit durchgesetzt haben. Die Übrigen Forderungen wurden von den Handschuhmachern zurückgezogen und somit von beiden Teilen der so revidierte Lohntarif mit der Gültigkeitsdauer von 3 Jahren angenommen. Dannt ist die Lohnbelvcglmg, ohne daß cS zum Einstellen der Arbeit kam, beendet. Breslau, 3. April.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Der Streik der Holzarbeiter bei l.r Aktiengesellschaft Linkcsche Wagen- bau-Anstalt wurde heute beendigt. Die Forderungen der Arbeiter sind bewilligt worden. Kiel, 3. April.(Privat- Depesche des„Vorwärts".) Die Stemmer der Germaniawerft traten wegen Lohreducierimg und Maßregelimg eines Kollegen in den Ausstand. Ein Bcrgarbciter-Ausstaud ist auf der Grube„Prinz Wilhelm" der Braliiifchmcigcr Kohlenbergwerke ausgebrochen. Von 400 Man» fuhren nur 93 an. Die AilSstäiidigen verlangen höhere Löhne und Berkürzmig der Arbeitszeit. Lohnbewegung der Schneider. In Dresden haben die Schneider ihren Tarif m 130 Geschäften durchgesetzt. Die Ver- handluiigeii mit den Jiimmgsineistern vor dem Gewcrbcgericht scheiterten an der schroffen Haltimg der Meister.— Die Schneider AugSbnrgS find in den Streik eingetreten. 13 Firmen mit ca. 140 Arbeitern haben die Forderung bewilligt. Die Meister der ZwangSinnung bingcgen weigern sich, auf die Forderuuge» der Gehilfen einzugehen.— In K o n ft a n z ist eine Erhöhung des Tarifs durch- gefetzt, die 1—3 M. wöchentlich Mehrvcrdienst bedeutet. Die Textilarbeiter in Bramsche haben auf die an die Unter- nchiiicr gefnildtcn Forderungen die Antwort erhalten, daß in allen Betrieben die Arbeitszeit auf 10 Stunden herabgesetzt werden soll. Nur über die Lohnerhöhung ist keine Einigung erzielt.' Ob eS deshalb zum Ausstand kommen wird, oder auch hier noch eine Ver- ftändigung eiutriit, ist ungewiß. Ausland. Zur Uutcrstüliullg der östrcichischcn Sohnkämpfe sind bis zum 24. März für den Strcikfoud der östreichischeii Gewcrkschafts- komiilission 330 048.40 Kronen cingegaugen. Davon erhielten die Bergarbeiter 313140 Kronen, die Textilarbeiter in Wernsdorf 13300, in Grüliwald 400, in Waystadt 300, in Jägerndorf 1200 und die Meerschaum- und Massopfcifeiischneidcr in Wien 400 Kronen, so daß die Gcfamtsimime der von der Gewerkschaftskominisswu ailSgezahlten Strciklmtersiützuiigeii 328,740 Kronen beträgt. In diesen gcivalligcn Summen sind die sehr bedeutenden Be- träge nicht enthalten, die in den einzelnen Streikgcbictcii selbst auf- gebracht und direkt an die Streikkomitees abgeführt wurden, ebenso- ivenig die der czccbo-slavischcn Gewerkschastskoimiiission in Prag zu- gekommeiicli Iliiterstiitznugsgelder. Erst wenn die Abrechnungen der Streikkomitecs vollständig vorliegen werden, Wird es möglich fein, einen genauen Ueberblict über die gesamten Kosten des Bergarbeiter- ftrcikS zu geben. � Sr»Oie»lvs. Gcsängiiissc und Gefaugene in Preußen. In 34 Zuchthäusern und 1121 Gefängniffen befanden sich am 31. März 1890 im ganzen etiva 38 OUl Gefaugeiic. Außerdem waren in 3„Erziehungsaustallen" 382„Zöglinge" im Alter von 12 bis 18 Jahren untergebracht, die wegen mangelnder Einsicht frei- gesprochen waren. Die Zahl der Zuchthausgefangeiien belief sich 1898,99 auf 23 464 und war die kleinste i n dem Zeitraum seit 1860. Die Zuchthauskrimiilalität war nach de» im ..Oleichs- Anzeiger" gemachten Angaben 1898/99 um 31.5 Prozent günstiger als 1869 und um 46,5 Prozent günstiger wie 1881/82, in welchem Jahrgänge der höchste Stand der ganzen Periode erreicht wurde. Die Zuchthauskrimiualitiit ist also in cntschiedcncm, seit Jahrzchutcu andauerndem Sinken begriffen. Diese aultlichen Feststellirngen sind besonders ivcrtvoll gegenüber deut fortgesetzten Verlmigen gewisser Kreise nach Ver- schärfung des Strafvollzugs. Auch die Zahl der Vorbestraften unter den Zuchthausgefangeiien ist gesunken und zwar die Zahl der Vor- bestrafte» übcrhanpr. wie die der mehr als dreimal Vorbestraften. Im übrigen befanden sich unter den 1898/99 neu aufgenommenen Zuchthausgefangeiien 87,20 Proz. rückfällige Männer und 77,53 Proz. rückfällige'Frausn._ Nicht Ausbildung— Ausbeutung der Lehrlinge, das ist es. was die Herren Handwerksmeister imeiiigeschräilkl betreiben wollen. In dem schesischen Städtchen Münsterberg sollte eine gelverbliche Fortbildungsschule gegründet werden. Die Klcwmeister erklärten sich in einer geharnischten Resolution rinftimmig dagegen. Sie sehen in der Gründung einer solchen Schule eine„empfindliche" Schädigung ihrer gewerblichen Jntcreffen". Die Freigabe der sungcir Lcnte auf einige Stunden schädigt natüriich den Profit, lim diese recht schofle Ablehiinng nicht so o'nsfällig iverden zu lassen, wurde sie noch mit einem andern Grund verbrämt. Tic Moral der noch „braven Lehrlinge" könue durch de» regelmäßigeil Betkehr mit lockeren Altersgenossen leiden.— Gründe find billig wie Brom- beeren!. Nns dev Fvsuvnbvtvognng« Tie Kellnerinnen hielten in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag ivieder eine Versammlung ab, in der Frau ö. Ihrer und Fräulein A. P a p p r i tz über die Lage der Kcllnerinneii und über die Mittel zur Beseitigung der vorhaudeiieu Mißstände referierten. Die Erhebungen der'Kommission für Arbciterstatistik haben ergeben, daß in diesem Beruf eine 16- bis 18stü!idige Arbeitszeit vorherrscht und daß Ruhepausen und Ruhetage iinr in wenigen Fällen gewährt werden. Troßdein daß meifteiiS überhaupt lein Lohn oder nur ein ganz geringer gezahlt wird, »iüsscn sied die Kellilerinncn gewöhnlich noch selbst beköstigen. Auf gleicher Höhe mit der Ausbeutung seitens der Wirte sieht die der Stellenvenuittler, die oft gleichzeitig auch die Logisivirtc find und in dieser Weise die Kelliieriimen auf die u»verfchän>icste Art ausnützen. Wie sehr der GcsnndhcitSziistaud imter den Arbeits- verhältuiffen leidet, wird schlagend durch die Statistik der Orts- kraükcukasse der Berliner Gastwirte und verwaiidtcn Gewerbe bc- wiesen. Von ca. 5000 Kellnerinnen in Berlin sind in dieser Kasse etwa 3500 versichert. In vielen Fällen meldeii die Wirte die Kellnerinnen überhaupt nicht oder erst daim, wenn dieselben erkrankt sind. Von dicscil 3500 gemeldeten Kellnerinnen sind im verflosscucn Jahre ca. 1550 erkrankt und kosteten der Kasse rund 70 000 M., während sie der Kasse nur ctiva 30000 M. einbrachten, so daß die übrigen Mitglieder rund 40 000 M. jährlich nur für die Kellnerinncil aufbringen iiiüsscli. Neben dem außerordentlich Hohen Prozeiitsatz dar Geschlechtskrailtbeiteii bilden natürlich die Magcukraukheitcu, die Folgen des starken Moholgenuffes, der schlechten Eruähruugs- und Lebensweise, den Würgc-Engel ilutcr den BerufSaugehörigen. Die Rcfercntiimen als auch Frl. S a l o m o u und Frau T i e tz wiesen darauf hin, daß hier unter allen Uinständeu die Gesetzgebung ciiigreifen, die Kelliierinuen selbst auf die gesetzliche Regelung der Arbeitsverhältnisse dringen müsscil, um de» ganzen Beruf zu'einem soliden zu gestalten und um den skandalöse» Zuständen ein Ende zu bereiten. In der Diskussion schilderten mehrere Kellnerinnen, in welcher gemeinen Weise sie scitcus eines Teil» der Wirte be- handelt, wie sie geradezu zur Unsittlichkeit veranlaßt wcrdaii, und im Interesse solcher Wirte die Gäste ausbeuten und dabei ihre eigne Gesundheit opfern müssen. In den größeren Lokalen, das kam auch in dieser Versammlung wieder zu», Ausdruck, ist die Lage der Kellnerinnen ctlvaS erträglicher, ivciiigftciis sind sie nicht so den Gemeinheiten ausgesetzt.' als in den berüchtigten ,. A n i in i r- kneipen", deren Inhaber den Namen Gastwirt wirklich zu Unrecht führen. Wie anspruchslos die Kellnerinnen ffchoii geworden sind in Bezug auf den Lohn, geht daraus hervor, daß eine Redncrin ein Monatsgehalt von 10 bis 15 Mark als erstrebenswertes Ziel bezeichnete und nebenbei nur noch ivüuschtc, daß die Wirte auch einen Teil der Krailkenkassenbeiträge, die jetzt fast immer von den Kellnerin»!» allein bezahlt werden müssen, ersetzen. Kaum hatte aber diese Rednerin die gewiß bescheidenen Wünsche ausgesprochen, so trat die Inhaberin einer wie oben geschilderten Kneipe auf. meinte, es wäre purer Unsiil», den Kellnerinnen Gehalt zu bc- zahlen, sie müßten eben sehen, daß sie an den Gästen genug ver- dieiitcn. Diese Wirtin wundennild wurde ob einer derartigen Zu- liilltmig so ausgebracht, daß ihr schließlich, nur weiter ver- handeln zu könne», das Lokal verwiesen werden mußte. Den Wirten und Agenten hatte man überhaupt den Zutritt zur Versami, iliiiig verweigert, desto zahlreicher waren dafür die weiblichen Angehörigen dieser Kategorien vertreten. Nach einer längeren Diskussion gelaugte obermalS eine eingehend begründete Resolution zur Aunahiiie, in der die rcichsgesetzli'che Regelung der Arbeitsverhältnisse im Gastivirtsgcwerbe gefordert ivird. Die Reso- lution soll den in Betracht kommenden Körperschaften eingereicht werden. Bereiu für Frauen und Mädcheu der Arbeiterklaffe. Montag, den O.April,, abends 80? Uhr in Ilhland'S Brauerei, Turniftr. 25/26, Vortrag von Frl. Adele Schreiber über..Die Frau als Mutter". Um zahlreichen Besuch der Mitglieder und Gäste bittet__ Der Vorstand. MonrnrunÄles. Stadtverordnete»- Versammlung. 13. Sitzung vom Donnerstag, den 5. April 1900, nachmittags� II h r. Z» Beginn der helitigen Sitzung wird der im 44. Bezirk III. Abteilung iieugewählte Stadtv. Expedient Glocke in sein Amt eingeführt und verpflichtet. Die Akademie der Wissenschaften spricht den Gemeindebehörden ftir die aus Anlaß der 200jährigcn Jubelfeier beschlossene Stiftung von 100 000 M. ihren Dank ans. Zur Erörterung steht zunächst der schon vor drei Wochen ein- gebrachte, damals aber bis nach der Feststellung des StadthauShalts- EtatS vertagte Antrag Diu sc und Genossen betr. die Ein- segung einer gemischten Deputation zur Bc- rat u n g über die Lage b c z>v. Neuregelung des höheren und mittleren Schulwesens in Berlin. Stadtv. Diuse: Meinem Antrag liegt nichts ferner' als eine Spitze oder auch nur die geringste Tendenz gegen die humanistischen Anftalten. Aber die Zeil, in der sie allein linsre höhere Jugend vozubildcn kalten, sind seit der Inbetriebsetzung der ersten Dampf- Maschine vorüber. Die Industrie ist in Preußen derart erstarkt, die Technik zu einer solchen Vollkonnneiiheit gelangt, daß die Vorbildung der Tcchiiitcr durchaus dein modernen Stniidpiinkt entsprechend reformierst werden muß. In Berlin ist, abgesehen von den Bertram- scheu Realschulen, auch nicht von dem kleinsten Schritte zu berichten. In den allerletzten Tagen hat Professor Slaby. der ftühcre Rektor der" Charlottenburger Technischen. Hochschule, im Herrenhaus die Forderniig der Äushebimg der monopolistischen Privilegien der hninanistischen Gymnasien erhoben. und das mit Recht, damit muß angefangen Werde». Die Stadt ficht im Begriff, cv. zwei neue Gymnasien' zu errichten. In einem Moment von sokchcr Tragweite und da sich die Organisationsfrage des gesamten höhrcn Schulwesens im Fluß' befindet, ist mein Antrag eine Notwendigkeit. Die Rede dcS Stadtv. Diuse wird an dieser Stelle bchnfs Vor- nähme der auf 6 Uhr angesetzten Wahl des zweiten Bürgermeisters unterbrochen. Es iverden 136 Stimmzcliek abgegeben,' davon ist 1 unbeschrieben. StadtsyndiknS Mcubriiik erhält 66, Bürgermeister Brinkmann- Königsberg 6S Stimme». Letzterer ist somit auf 12 Jahre gewählt. Tie Auszählung wird mit wachsender Spannung seitens der Versammlung und der dichtgedrängten Zuhörerstribiine verfolgt, da sich die beiden Kandidaten lange Zeit genau die Wage halten und noch bei 50 und 56 Stiinmcn gleichstehen. Erst ganz zuletzt neigt sich die Wage zu Gunsten BriiikmaiinS; in dem Moment, wo seine Wahl entschieden ist, erhebt sich im Saale bei den Siegern und auf der Zuhörertribüne stürmisches, l a n g a n d a n e r n d c s Bei- fallsrufcti. das sich im Saale wiederholt, als der Vorsteher das Resultat amtlich verkündet. Darauf beendet Stadtv. D i» i c unter nur sehr geringer Auf- merlsamkeit der fast verödeten Versammlung seine Ausführungen zu Gunsten feines Antrags. Stadtschulrat Fiirfteuau polemisiert zunächst gegen die bei der Etatsberatung gefallene Aeutzerung, die Berliner höhere Schulder- waltung habe seit 20 oder 30 Jahren geschlafen. Er wirft dann ziemlich unverblümt dein Angtragstellcr vor. das; auch er nicht den eigentlichen Charakter der Nefotinschule klar erkannt habe. Stadtv. Cassel steht bis zu einem geivisscnGrnde auf dem Stand- Punkt Dinses, giebl aber dem Stadtschukral zu, daß der Gedanke des Reformgymnasimns die von Dinse erstrebte Reform keineswegs in sich scbließe, da auch hier die schließliche Ausbildung eine rein huma- nistische sei. Die Mängel, an denen die höhere Schulbildung kranke, lägen in dem bisherigen Bcrcchtigungssystem' stelle man den Besuch aller Hochschulen sämtlichen Abiturienten der Gymnasien, Real- gymnasien und Ober-Realschnlen frei, so sei ein Teil der Uebel mit einem Schlage beseitigt. Stadlv. Gymnasialprofessor Glatzel hält eine Lösung der Schul- frage auf dem Wege einer solchen Diskussion für unmöglich und empfiehlt den Antrag Dinse zur Annahme, da in der gemischten Deputation eher eine gründliche Erörterung stattfinden könne. Der Antrag Dinse wird angenoinuien. Den Antrag Lüde» wegen Bereitstellimg von SO 000 M. für die Besichtigung der Pariser Weltansstellung hat der eingesetzte Ausschuß in folgender Forni einstimmig angenommen: Die Versammlung ersucht den Magistrat, die Summe von SO 000 M. für den Besuch der Weltänsstellung von Paris durch städtische Beamte, Lehrer, Fachlehrer, Techniker und Arbeiter bereit zu stellen. Ucbcr die Auswahl der städtischen Verwaltungen und Betriebe, sowie der Personen sieht die Ver- sammlung einer Vorlage des Magistrats entgegen. Referent dcS Ausschusses ist Stadlv. Singer. Ohne Debatte beschließt die Versammlung nach dem Ausschußantrage. Die Petition des Kaufmanns L. Meyer. Rosenthalerstr. 43, um Beseitigung des Strastenhandcls in der R o s e n t h a l e rst ra ß e soll dem Magistrat zur Be- rücksichtig nn g überwiesen werden, mit der Maßgabe, daß der- selbe in Gemeinschaft mit dein Polizeipräsidium Vorkehrungen gegen ctivaige Verkehrsstörungen trifft, welche durch de» dort stattfindenden Srraßenhandel entstehen. Ein Antrag, über die Petition wie über die analogen von 1894 und 1895 zur Tagesordnung überzugehen, hat diesmal im Pctitionsausschnssc keine Mehrheit gefunden. Referent ist Stadtv. Hugo Sachs. Stadtv. H e i m a n n befürwortet Ucbergang zur Tagesordnung. Die Petenten gingen nicht ans lediglich selbstlosen, idealen Motiven vor; sie betonten ausdrücklich, daß sie durch den Straßcnhandcl materiell beeinträchtigt würden. So schlimm, wie es die Petenten darstellten, stehe es um die Kalamitäten in der Roseiv thalerstraße wirklich nicht. Als Referent in dem Petitions- ausschuß hat Redner wiederholt Gelegenheit genommen, diesen Straßenhandcl zu den verschiedenen Tageszeiten zu beobachten, und kann nicht bezeugen, daß er in dieser großen durchgehenden Verkehrs- oder zu einem Verkehrshindernis geworden sei' Auf demselben Standpunkt stehe ja auch die Polizei. Müsse daS Vcrkehrsmoment und das sanitäre Moment ausscheiden, so bleibe nur die Beeinträchti gung dcS Erwerbes als Grund für das Petitum übrig. Da aber die Straßcnhändlcr ein völlig legitinics Gciverbe betreiben, andrerseits unzweifelhaft zu den ivirtschastlich Schivächsten gehören, so würde cS ein sehr engherziger Schritt sein, wenn die Versammlung entgegen friihren Entscheidungen für die Ladcnbesitzer Partei ergriffe. Denn das bedeute der Ausschußantrag, wenn er auch sich lediglich an das Verkehrsinteresse anlehne und so nicht Fisch noch Fleisch sei. Stadtv. R of e n o w macht sich diese Argumente im wesentlichen zu eigen und plädiert ebenfalls für Ucbcrgnng zur Tagesordnung. Im Verkchrsintcresse habe das Polizeipräsidium allein die Korn- peteuz. Stadtv. Louis Sachs beantragt, die Erivähnung der Polizei ans dem Ausschuß herauszulassen, denn er wolle nicht uacb der Polizei rufen und au-h nicht mit veranlassen, daß die Versammlung danach rufe. Die Mißstände seien aber derart, daß der Magistrat immerhin auf Aiishilfsmittcl siinien sollte. Nachdem noch Stadtv. P r e tz e l für die Petenten lebhast ein- getreten ist, wird unter Ablehnung des Antrags Sachs der Ausschuß antrag unverändert mit schwacher Mehrheit a n g e n o m in e n. Die übrigen Gegenstände sind von nntergeordneter Bedeutung. Schluß 8'/« Uhr. Gevritzk-s-Rettung» Die gewissenhafte Verteilung des Kalenders„Märkischer Landbote" hat unserm Parteigenosten Schüttler in Hohen- S ch ö n h a u s e n eine Geldstrafe von b SR. eingetragen. Das Schöffengericht, welches dies Urteil gesprochen hat, ging von der Ansicht aus, daß die Verteilung des Kalenders gewerbsmäßig und öffentlich erfolgt sei, wozu Schüttler die durch die Gewerbe- Ordnung vorgeschriebene polizeiliche Genehmigung nicht hatte. Infolge der von Schüttler eingelegten Berufung wurde die Angelegenheit vor der dritten Strafkammer am Land gericht II verhandelt. lieber die Art. wie Schüttler den „Märkischen Landboteii" verteilt hat, sagte ein als Zeuge vernommener Gendarm folgendes auS: Schüttler kam in das Haus, wo ich ivohne. Nachdem er an zwei Thürcn seinen Kalender abgegeben hatte, trat ich auf den Flur hinaus, und als ich sah, daß er den„Märkischen Landboten' verteilte, rief ich ihm zu, daß er den Kalender nicht verteilen dürfe. Daun brachte ich Schüttler zur Anzeige. Auf eine Frage des Verteidigers, Rechtsanwalt Wolfgang Heine, warum den» der Gendarm die Verteilung des„Märkischen Landbotcu" für unstatthaft halte, wußte dieser Beamte nichts andres zu erwidern, als daß im vorigen Jahr auch jemand wegen Verbreitung desselben Kalenders bestraft worden sei. Zur Begründung der Berufung wies Rechtsanwalt Heine darauf hin, daß der„Märkische Lnndbote" überhaupt nicht gewerbs niäßig, sondern nur unentgeltlich verbreitet wird. Ferner berief sich der Verteidiger auf Kammcrgerichts-Ilrtcile, nach denen ein von allen Seiten umschlossener Raum, auch wenn er dem Publikum zugänglich ist, kein öffentlicher Ort ist. Der Verteidiger beantragte die F r e i s p r e ch u n g des Angeklagten und die Ucber nähme der baren Auslagen einschließlich der Kosten der Ver- teidigung auf die Staatskasse. Nach kurzer Beratung gab das Gericht dem Autrag deS Rechts anwalts Heine in vollem Umfange st a t t. Daß die Verbreitung von Druckschriften unter den in diesem Fall vorliegenden Umständen nicht strafbar ist, haben gerichtliche Urteile schon seit Jahr und Tag zu wiederholten Malen ausgesprochen. Werden nun wohl endlich dieser Rechtslage entsprechend die preußische» Gendarmen und Polizei- beamten dahin instruiert werden, daß sie die socialdemokratischen Kalenderverteiler in ihrer mühseligen und auf dem Lande be- sonders notwendigen Kulturarbeit nicht weiter stören? Tote Kinder als Ankläger. Die Bevölkerung Wiens ist in den letzten Tagen durch einen Beleidigungsprozeß. der sich vor dem Gcschwornengericht abspielte, auf das lebhafteste bewegt worden. Im vorigen Jahre hatte ein Anhänger des Naturheilverfahrens, der Buchdruckercikorrektor S t e l l b o g e n,«ine Broschüre verfaßt, durch die grauenhafte Mißstände im Wiener St. Josephs-Kinder- Hospital aufgedeckt wurden. Durch diese Broschüre fühlten sich die beiden Aerzte des Spitals. Heim und M e l z e r, beleidigt und strengten Privatklage gegen Stellbogen an. Gar bald wurden in dem dreitägigen Gerichtsverfahren die Kläger zu Angeklagten. In langen Reihen traten schmerzerfüllte Mütter und Väter als Zeugen auf, um in eindrucksvoller Darstellung die Ouälerein und Vernachlässigungen zu schildern, denen ihre kranken Kinder in dem genannten Spital ausgesetzt waren. Besonders richtete sich die Anklage gegen die Roheit und Herzlosigkeit, mit der der Arzt Dr. Melzer und die Nonnen im Spital sowohl die Kleinen als deren Eltern in vielen Fällen traktierten. In einem Falle schlugen die O r d e n s s ch w e st e r n ein krankes Kind und warfen ihm dann ein Tuch um den Kopf, damit es nicht schreien solle. Dann wurde ein Fall zur Sprache gebracht, wo der Arzt einem an Diphtherie erkrankten Kinde eine Öhrfeige gab, weil es weinte. Der Zeugin Anna Schubert starb ein Kind im Spital. Als sie das sterbende Kind besuchte, fand sie es allein. Die Ordens- schwestern waren in einem Nebenzimmer und unterhielten sich dort vortrefflich, indem sie um einen Krampus fein als Kinderschreck be- nutztcs Spielzeug) herumrauften und ihn zerfetzten. Ich hatte, sagte die Zeugin, der einen Schwester versprochen, daß ich ein Bild für die Kapelle stiften werde, wenn sie das Kind gut Pflegte. Die Schwester sagte:„Es geschieht aus Liebe zu Gott." Als das Kind tot war, sagte die Schwester: „Trösten Sie sich, es wird ein schöner' Engel werden." Ich habe aber mein Kind ins Spital gebracht, damit es gesund, nicht, damit es ein Engel wird. Da spielen die Schwestern mit dem KrampnS und drin sterben die Kinder. Zeugin Panline Mayer, Metalldrchersgattin, hatte zwei Kinder im Spital, die beide Diphtheritis hatten. Sie ging mit ihrem Manne zweimal im Tage nachfragen, wie es den Kindern gehe. Immer hieß es:„Es geht sehr gut, aber lassen Sie die Kinder noch ein paar Tage drin." Plötzlich hieß es, Franz habe Scharlach, Johann Fieber bekomnien, und am nächsten Tage wieder. Johann habe Scharlach und Franz Fieber. Besuchen durfte die Zeugin ihre Kinder nicht, alle Bitten waren vergebens. Plötzlich hieß eS, der Johann ist gestorben. Da forderte die Zeugin das andre Kind zurück. Der Arzt sagte:„Wir können Ihnen nicht alle Kinder am Bändel henimführen." Schließlich bekam die Zeugin das Kind. Es war nicht zu erkennen. Voll verhärtetem Kot. das Gesicht aufgedunsen, unrein, der Kopf voll Un- g e z i e f e r. Der Arzt, der das Kind dann behandelte, war ganz entsetzt über den Zustand. Dem Angeklagten selber ist ein P/s Jahr altes Kind durch die ungenügende Pflege und durch die S e r u m s b e h a n d l u n g, wie er behauptet, zu Grunde gerichtet worden, so daß es starb. Be- sonders lebhaft waren in vielen Fällen die Klagen darüber, daß die kranken Kinder ohne genügende Sicherung im Winter der kalten Zugluft ausgesetzt waren. Der Beleidigungsprozeß endete schließlich mit einem eklatanten Mißerfolge der Kläger. Von 23 Schnldfragen wurde nur eine mit Stimmenmehrheit bejaht, d. h. nur in einem Punkte wurde Stell- bogen der Ehrcnbcleidigung schuldig erkannt, dagegen in allen andren 27 Klagcpnnkten, vornehmlich aber in allen Klagepunkten, die sich auf Dr. Melzer bezogen, freigesprochen. Verurteilt wurde er nur wegen dcS PaffuS in der Broschüre, der den Aerztcn insinuiert, daß sie die Kinderleichname zu wissenschaftlichen Zwecken mißbrauchen, und zwar zu einer Geldstrafe von h u n d e r t K r o n e n. Zur Erklärung der beschämenden Zustände sei bemerkt, daß die Stadt Wien keine eignen Krankenhäuser besitzt. Die öffentliche Krankenpflege liegt vielmehr zum größlcn Teil in den Händen gcist- sicher Orden, die ihre Aerzte, allerdings vielfach infolge knapper Mittel, auf daS kärglichste besolden. Vevlanrmlnngen. SeitcuS der lokalorgauificrtcn Tischler war am Mittwoch eine öffentliche Tischlerversammlimg einberufen mit der Tages- ordnnng:„WaS lehrt uns der Streik der Möbeltischler". Die Ver- sammlung war von etwa 100 Persnnen besucht. Das Referat hatte Maurer Kater übernommen. Er wies darauf gin, daß die Unter- nehmer organisierte und Nichtorganisierte Arbeiter ohne Unterschied ausgesperrt' haben. Dieser Umstand müsse den Nichtorganisierten die Lehre geben, daß sie in die Organisation einzutreten habe». denn wenn es den Unternehinern auf ciuc Kraftprobe ankommt. so schonen sie auch nicht die fügsamen, indifferenten Arbeiter. Auf den Ausgang des Streiks eingehend, meinte der Redner, ein Ver- trag zwischen Unternehmern und Arbeitern hemme die Bewegnngs- freiheit der letzteren. Tie Ruhe, welche durch das VcrtragsverhältniS geschaffen wird, werde von den Unternehmern nur dazu benutzt, die eigne Organisation zu stärken, um zu geeigneter Zeit mit umso größerer Macht gegen die Arbeiter vorgehen zu können. Das sei eine Erfahrung, die die Maurer gemacht haben, und ebenso werde auch der Vertrag in der Holzindustrie wirken. Die Arbeiter dürfen mm nicht glauben: Wir haben jetzt einen Vertrag und deshalb brauchen wir nichts mehr zu thu», denn die Leute in den Kom- Missionen werden schon alles machen. Man dürfe sich— meinte der Redner— nicht nur auf die Leitung verlassen. Jeder Einzelne müsse an den Aufgaben der Organisation mitarbeiten, derart, daß die Leitung nur daS ausführende Örgan der Gesamtheit ist. Im andren Falle habe mau kein Recht, der Leitung Vorwürfe zu uiachcn. wenn sie dieS oder jeneS nicht nach deni Wunsche des einen oder andren gemacht habe.— In der Diskussion, die einen sehr ruhigen Verlaus nahm. äußerten mehrere Redner ihre Unzufriedenheit mit dem Ausgang des Streiks und der VcrbandSleitung und plädierten für die Lokal« organisation.— In seinem Schlußwort bedauerte Kater, daß in der Diskussion nur die schon oft erörterten und nicht mehr zu ändernden Dinge besprochen worden sind, anstatt daß man sich darüber unter- halten hätte. waS in Zukunft zu thim sei. Weiter sprach Redner ganz entschieden gegen Verträge zwischen Arbeitern und Unteruehniern. Er und seine Organisation seien principiell gegen die Tarifgemein- schaft, weil sie den revolutionären Geist der Arbeiter beeinträchtige. Die Schrifthaurr hielten am Montag eine Versammlung ab. in welcher die Kommission über die bisherige Lohnbewegung Bericht erstattete. Danach haben zehn Gcschäfle den bisherigen Tarif durch Unterschrift anerkannt. Die Diskussion ergab, daß niemand gewillt ist, unter dem Tarif zu arbeiten. In einer Resolution erklärten sich die Anwesenden bereit, in den Geschäften, welche den Tarif nicht unterschreiben, am Dienstag die Arbeit ruhen zu lassen. Nachdem noch zum festen Anschluß an die Organisation angeregt war, erfolgte der Schluß der Versammlung. Die Cemcutierer verhandelten am Mittwoch über ihre Lohn- bewegung. Nike berichtete über die gepflogenen Verhandlungen mit den Unternehmern. Zu der Sitzung waren nur drei Unter- nehmer erschienen und obwohl sie die aufgestellten Forderungen anerkannten, konnten sie dennoch keine Erklärung abgeben. sondern machten den Vorschlag, die Forderungen ihrer Organisation, den Vereinigten Gips- und Cementbaugeschästen, zu unterbreiten bezw. mit dem Vorstand derselben zu verhandeln. Nike empfahl. diesen Vorschlag anzunehmen und auch die Forderungen präciser zu fassen. Nach einer längeren Diskussion wurde der Vorschlag Nikes angenommen und nachstehende Resolution angenommen': Die Ceme'ntierer erklären, um ihre Forderung auf gütlichem Wege zu erreichen, sich zu Unterhandlungen mit der Unter- nchmerorganisation bereit und beauftragen ihrerseits hiermit den Vorstand der Zahlstelle der Cementierer und Berufsgenossen als Vertreter der Organisation der Arbeiter, die Verhandlungen anzn- bahnen. Als Forderungen stellten die Versammelten folgende Nonnen auf: Die Accordarbeit ist gänzlich abzuschaffen, der Minimal- lohn beträgt pro Stunde für Cementierer 60 Pf., für Einschaltet und Flechter 65 Pf. und für Hilfsarbeiter 45 Pf. pro Stunde. Sonn- abends eine Stunde fniher Feierabend ohne Lohnabzug." Charlotteuburg. Hier tagte am 26. März eine Versamnilung der Textilarbeiter, in der F r a n z K o tz k e über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse bei der Finna Gebauer sprach. Nach lebhafter Diskussion wurde folgende Resolution angenommen: Die Kommission, welche im vorigen Jahr die Arbeiter vor dem EinigungSamt ver- treten hat. wird beauftragt, das hiesige Einigungsamt des Gewerbe- gerichts anzurufen und Herrn Gebauer zu veranlassen, seinen Ver- pflichtungen nachzukommen. Wie uns mitgeteilt wird, sind infolge der Versammlung einige Arbeiter entlassen. Köpenick. Der hiesige socialdemokratische Arbeiterverein hielt am 27. März eine Sitzung ab. Es wurde mitgeteilt, daß von der Märzfeier ein Ueberschuß von 55,40 M. zu verzeichnen ist. Sodann wurde beschlossen, am 1. Mai, wie üblich, ein Fest zu arrangiere» und de» Bormittag den Gewerkschaften zu überlassen. Pankotv-Tchönhausen. Am Dienstag sprach im Arbeiterverein bei Großkurt Genosse Sonntag über das Mieterrecht nach dem Bürgerlichen Ecsctzbnch. Redner gab einen Ueberblick über die Rechts- Verhältnisse zwischen Mieter und Vermieter und wies besonders darauf hin. daß er seine Anregimg zu dem Referate dem Kursus über Gesetzeskunde in der Arbeiter- BildungSschnle verdanke. Unter Ver- schicdencm wurde beschlossen, am 1. kvkai durch eine Vormittags- Versammlung zu demonstrieren und abends sich zu einer cnt'prechen- den Feier gemütlich zusammenzufinden. Der Krieg. Die Lage bei Bloemfontein ist noch unverändert. Zu weiteren Zusammenstößen ist eS nicht ge« kommen, obwohl die berittene Infanterie mit den Boercn ständige Fühlung unterhält. Ziemlich starke Bocrenabteilungcn sollen sich nach den„Times" jenseits des Modder River östlich von Blocm- fontcin befinden. Auö Maseking wird etwaS reichlich verspätet vom 26. März gemeldet: Die Stadt wurde heute beschossen. Trotz gegenteiliger Befehle ziehen sich jetzt täglich viele Boeren von hier zurück. ES befinden sich jetzt im Um- kreise der Stadt kaum 2000 Boeren. In Ermanglung neuer Nachrichten stellt die.Prcffe Betrachtungen über die neue Operationsbasiö an, die die Engländer sich in Bcira geschaffen haben. Der mit Portugal abgeschlossene Vertrag, der' den Engländern gestattet, Truppen durch das portugiesische Gebiet von B e i r a nach Rhodesia zu befördern, stammt ans dem Jahre 1891. Bereits im Jahre 1896 hat England von dem ihm eiiigeränmtcn Recht zur Niederwerfung der Maschona Gebrauch gemacht. Daß trotzdem Portugal seine Neutralität nicht gewahrt hat, unterliegt keinem Zweifel. Es wird für die Boeren kaum etwas andres übrig bleiben, als ebenfalls portugiesisches Gebiet zu betreten. Portugal wird'sie daran auch kaum verhindern können. Letzte Meldungen. London» 5. Apnl. Die Abendblätter veröffentlichen folgendes Telegramm ans Laurenyo Marques von vorgestern: Aus Boeren- quelle ist hier aus dem Lager am Malopo vom 1. April die Meldung eingegangen, daß am Tage vorher ein heftiger Kampf stattgefnnden hat. Die Engländer in Maseking machten einen Ausfall und gleichzeitig wurde von der Kavallerie des Obersten Plnmer in der Umgegend von Ramathlabama ein Angriff auf die V'öeren unternommeu' Beide Angriffe wurden jedoch abgeschlagen.� Von der Kolonne Plumers wurden 20 Mann getötet und 6 gefangen ge- nommcn, die Verbündeten hatten nur geringe Verluste. Maseking ist nach wie vor eng eingeschlossen.„ London, 5. April. Unterhaus. Kolonialminister Chamber- lain erklärt, er habe amtlich keine Kenntnis von einer Proklamation SteijnS erhalte», wonach die englischen Burghcrs, die sich weigern würden, die Waffen gegen das englische Heer zu ergreifen,- er- schössen werden würden: er werde jedoch eine Nachfrage halten.— Nasch konservativ) fragt im weiteren Verlaufe der Beratung, ob Graf Adalbert Sternberg. welcher am Paardcberg mit den Boeren gegen die britischen Truppen kämpfte und welcher Verfasser des im „GauloiS" erschienenen Artikels:„Die Welt und England" sei. mit dem General Cronje gefangen genominen sei, irnd wenn das der Fall sei. weshalb er ireigelassen und weshalb ihm gestattet worden sei, nach England zu kommen. UnterstäatSsekretär Wyndham entgegnet, er habe von der An- gclcgenheit keine amtliche Kenntnis. ES scheine ihm aber, als wenn der Genannte bereits vor der Uebergabe Cronjcs in die Hände der Engländer gefallen sei. WaS die zweite Frage betreffe, so glaube er. Sternberg sei im Besitze der entsprechenden Papiere und im stände gewesen, über seine Anwesenheit in dem Operationsgebiet eine Auf- klärung zu geben, welche damals als genügend erachtet worden sei. BowleS stellt die Frage. ob Sternberg sich als Zeitungs- korrespondenten bezeichnet habe. � llnterstaatssckretär Wyndham entgegnet, er glaube, daß dies der Fall gewesen sei. Zur Zeit befänden sich 2700 gc- fangene Boeren an Bord englischer Schiffe, 2000 würden alsbald nach St. Helena geschafft, der Rest aber auf den Schiffen längs der Küste gefangen gchallen werden, bis auf St. Helena weitere Ein- richtungen zur Änfnahmc von mehr Leute» getroffen seien. Lord Balfour bemerkt, die Justizbeamten hätten dahin entschieden. daß kein hinreichender Grund für Einleitung eines Verfahrens gegen gewisse Lieferanten des Kricgsministerinms vorliege. Je eher daher zur Untersuchung der angeblich begangenen Betrügereien eine�Kom- Mission gebildet werde, desto besser werde es sein. Pretoria, 2. April. sMeldung des„Reuterschen BnreauS".)"' Im Volksraad des Oranje-Freistaats, der in Kronstad tagt, erklärte Präsident Steijn, er habe die Hosfnnng auf den Triumph' der Sache der Boeren-Repnbliken nicht verloren. Redner widmete dem General Jonbert einen warmen Nachruf und fuhr fort: Wir habe» den neutralen Mächte» mitgeteilt, daß die Engländer die Flagge des„Roten Kreuzes" verletzt haben. Der in Roberts' Proklamation gemachte Versuch, Zwietracht unter die Boeren zu säen, ist inißlungen. Auf die Korrespondenz mit Lord SaliSbury'Hin- weisend, sagte Steijn: Diese unsre Bemühungen sind nicht die ein- zigen, die Republiken haben auch eine Deputation nach Europa und Amerika entsandt, die auf die neutralen Mächte einwirken soll, mit das Aufhören des Blutvergießens herbeizuführen. Ich hoffe und wünsche lebhaft, daß diese Bemühungen von Erfolg gekrönt sein mögen. Schließlich teilte Redner mit. daß die Regierung des Lranjefreistaats eine temporäre Anleihe in Transvaal aufgenommen habe. Pretoria, 3. April. lTclegramm des„Reuterschen BnreauS".) In dem Kampfe mit der Kolonne des Obersten Plumcr bei Ramath- labama am Sonnabend nahmen die Boeren drei schwer verwundete Hauptleute gefangen, von denen zwei seither ihren Wunden erlegen sind, ferner zwei Stabsoffiziere und nenn Gemeine, von denen sechs verwundet sind.— Heute früh wurden 41 britische Unterthanen. welche bisher in Pretoria gewohnt hatten, über die Grenze geschafft. Uetzke LtaiCzvichtett und Depefchrn. Kampf gegen die Maifeier. Wien, 5. April.(B. H.) Der Minister des Jnnerp erließ durch Cirkularverordnuvg an alle Landeschess strenge Weisungen betreffs der Maifeier. Desgleichen habe» der Finanz- und der Eisenbahnininister mitteS Cirkularverordnung das Feiern am 1. Mai bei den Staatsbetrieben auf das strengste untersagt. Frankfurt a. M., 5. April. kB. H.) Die„Frankfurter Zeitung" meldet aus Konstantiiiopel: Von gut unterrichteter Seite wird die frühere Nachricht der„Frankf. Zeitung" bestätigt, daß die Entsendung des russischen Finanzdelegierten Kobeko Bezug habe auf die Aufnahme einer bulgarischen Anleihe im Betrage von ungefähr 100 Millionen Franks bei Rußland. Diese soll in der- selben Art und Weis«, wie das serbische Geschäft gegen Garantie verschiedener Scezölle aufgenommen werden. Ferner gedenkt Ruß- land auf Wunsch Bulgariens einen ständigen Beamten dem bnlgari- schen Finanzressort zu attachieren. Sieg der italienischen Opposition. Rom, 5. April.(W. T. B.) Heute ist ein königliches Dekret erlassen worden, durch welches das„Decreto legge" aufgehoben wird. Rom, 5. April. sW. T. B.) Der„Avanti" veröffentlicht eine umfangreiche, von 66 Mitgliedern der äußersten Linke» der Kammer unterzeichnete Kundgebung, tvelche sich an das Land richtet, die in der Deputirtenkammer erhobenen Proteste wiederholt und die Be» völkerung auffordert, ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen., Verantwortlicher Redacteur: Panl John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing m Berlin. Hierzu 1 Beilage und llnterhaltungsblatt. Dr. 81. 17. Iahrnang. KilU Ks„Nmiirts" Kerlim UcksM Freitag, 6. April IMl). Ranbmord-Prozetz Gönezi. Dritter Tag. Nach Eröffnung der Sitzung durch den Laudgerichls-Direktor H u t h werden mehrere Zeugen vcrnoninren, nm de» Tag näher fest- zustelle», an welchen» nach der Wahrnehmung mehrerer Zeugen die beiden Angeklaglen zu auffallend früher Morgenstunde ans ihrer Wohnung weggegangen sein sollen. Es ist Streit darüber, ob dies am 14. August fdem Tag des Mords) oder, wie die Angeklagten bc Haupte», am 17. August geivefcn ist. Als Merkzeichen tritt der Um stand in den Vordergrund,� daß an einem bestimmten Tag Gvnczi seinen Laden durch einen Schlosser hat öffnen lassen müsse», weil Straffe» jungen das SchlnsseNoch seiner Ladenthür und jeineJalousie ntit Pech verschmiert hatten.— Der Bärkermstr. Frnch und seine Ehefrau. die mit Gviiczi in demselben Hause in der Mühlenstr. 4/5 wohnten. stiib der Meinung, daß es Sonnabend, 14. August, gewesen, an welchem beide Angeklagten früh gegen 7 Uhr ausgegangen seien. Das sei ihnen der frühen Stunde wegen aufgefallen. Die Frach'schen Eheleute erinnern sich, baff an diesem Morgen Gönezi darüber gescholten habe, daff er seinen Laden nicht öffnen könne und einen Schlosser holen müsse. Dagegen hat der Schlosscrmcisler Paul Gerlach, lvie er bekundet, das Schloff an» Montag. 16. August morgens zwischen 8 und 9 Uhr geöffnet. Eine andre Version ergiebt sich wieder ans der Aussage des Schank tvirlS V o r iv e r k. Dieser unternahm am Sonntag, 13. Augu't eine Landpartie nach Schildhorn und ist der Meinung, daff an diesem Morgen Gönezi sich darüber aufgeregt habe, daff sein Thürschloff verschniiert sei. Die Anklage neigt bei diesen Wider- sprüchen, deren Vorhandensein die Verteidiger wiederholt hervor- heben, der Ansicht zu, daff doS Schloff mehrere Tage hinter einander verdorben gewesen sei. Der Zeuge Schankwirt Vorwerk, bei den, der Angeklagte viel verkehrte, schildert diesen als einen netten, bc scheideneu Menschen. Nach seiner Erinnerung ist am 18. August Gönezi etwa gegen 8 Uhr abends zum ihm gekommen und hat ihm gesagt, daff er schleunigst in seine Heimat reisen müsse, und daff Vor- werk in der Zeit seiner Abwesenheit für seine.Stieftochter' Rafalski Essen kochen solle. Bei der Abreise hätten die Gönczis viel Gepäck, Kisten, sioffer und Pakete mitgenommen. Es sei ihm aufgefallen. daff Fron Gönezi um diese Zeit ängstlich war, er habe ge glaubt, daff es sich dabei um Geldsorgen handelte. Gönezi behanptet, daff er am 18. August schon zwischen 4 und K Uhr bei dem Zeugen gewesen sei.— Staatsamvalt P l a s ch k e: So so! Also zwischen 4 und 5 haben Sie schon dem Zeugen auch erzählt, daff die Damen verreist seien, während Sie früher behaup- tele», Löwy habe Ihnen erst nach 7 Uhr abends im Pschorr- Bräu erzählt, daff die Frauen erschlagen worden seien.— Gvnczi giebt ausweichende Antworten. Die Kraftwundc. Die Witwe Lebuda hat seiner Zeit für Gönczis gewaschen. Sie behauptet, daff sie am 14. August morgens nach 8 Uhr aus dem Laden des Gönezi ein paar Pautoffelu abholen wollte. Sie hat den Laden verschlossen gefunden und durch die Scheiben gesehen, daff niemand anwesend war. Um 12 Uhr sei sie wieder zum Gönczischc» Laben gekommen und Gönezi allein angetroffen. Er sei sehr vertieft in ein Zeitungsblatt gewesen und als er zu ihr aufblickte, will die Zeugin an seiner Backe eine frische Kratzwunde bemerkt haben. Sie bleibt auch dabei, obgleich ihr der Vorsitzende und der Verteidiger wiederholt vorhalten, daff andre Zeugen, die den Aiigcklagten'zn damaliger Zeit gleichfalls gesehen, vo!i einer Kratzwunde nichts bemerkt haben. Frau Lebuda bleibt bei ihrer Behauptung und meint, die Kratzwunde habe so ausgesehen, als ob das Blut eben im Vertrocknen ivar. Ucber die Möglichkeit, daff eine solche Wunde andren Leuten entgehen könne und ob die Wahrnehmung der Zeugin zutreffend erscheine, werden noch mehrere Zeugen und der Saniläts- rat Dr. Mittenziveig befragt.— Gönezi behauptet, daff er früher die oberen Backcnteilc ohne Bart getragen habe. Er habe an der rechten Backe eine kleine Narbe und wenn er rasiert wurde, sei diese immer rötlich erschienen.— R.-A. Dr. F rän ke l beantragt, dem Angeklagten aufzugeben, sich den Backenbart abnehmen zu lassen.— Präs.: Vielleicht bewegen Sic Ihren Klienten selbst dazu. Wir können doch nicht beschlieffcn, daff dem Angeklagten zwangsweise der Bart a b g e n o m in c n wird.(Heiterkeit.)— Frau Gvnczi erklärt, daff sie keine Rratzlvunden an ihrem Mann wahrgenommen habe.— Zeuge Dr. Schlesinger»icint, die Kratzivunde hätte sehr minimal sein � müsse», wenn sie ihm hätte entgehe» können.— Zeugin Droschkenkutschersrau Hahn, die Wand an Wand mit Gönczis wohnte, behauptet, daff sie in der Nacht zum 13. August Frau Gönezi laut habe weinen hören. Beide Ehegatten hätten so laut und erregt gesprochen, daff sie einen Zank zwischen beiden vermutete. Sie wunderte sich darüber, da ein solcher Zank noch nie vor- gekommen war. Gönezi habe seiner Frau minier wieder energisch zugerufen, sie solle still sein. Am Sonnabend. den 14. August, früh sieben Uhr habe sie ans dem Fenster gesehen und bemerkt, daff beide Angeklagte über die Straffe gingen. — Kriminalkommissar v. Kracht bestätigt auf Grund der von'ihm angestellten Versuche, daff man in der Wohnung der Zeugin ganz genau verstehen könne, ivenn in der Gönczischen Wohnung' laut ge- sprachen werde.— Der Zeuge W ö p p e l war früher Hausverwalter in dem Hause Mühlenstr. 4/3. Er schildert Gönezi als eine» guten Mieter, der seine Miete vünktlich zahlte und seine Wohnung sauber hielt. Zur Eröffnung des Ladens hat ihm Zeuge 1000 M. auf einen Wechsel geliehen, der am 13. August fällig war. Er habe den Bäckermeister gebeten, ihn»»nitzuteilen, wenn Gönezi etwa Anstalten zum Rücken machen tollte, da dieser ihm seine Wirtschaft verpfändet hatte. Eine solche Mitteilung sei denn auch gekominen. er habe am 13. August vergeblich um Bezahlung des Wechsels gedrängt und Gönezi habe sich dann dazu verstanden, eine Kleinigkeit abzuzahlen und einen Schuldschein zu geben.— G o n c z i bestreitet, einen Wechsel gegeben zn haben. Er habe nur einen Schuldschein gegeben, in» übrigen sei er zur Mietung des Ladens nur überredet ivorde».— Das Dienstmädchen Henne erinnert sich ganz genau, daff sie an, Sonntag, 16. August, den Angeklagten im Hause Königgrätzerstr. 35. abends gegen S'/e Uhr, gesehen habe, als er dabei Ivar, Gas anzustecken. Zeuge Schlossermcister Pflugmacher: Am 15. August früh 9 Uhr sei Gönezi bei ihm-erschienen und habe ihn gebeten, init»ach der Königgrätzerstr. 35 zu kommen, um den Gasometer nachzusehen. Der Zeuge ist denn auch hingegangen, hat aber dpi» in einen» Raun» neben den, Keller stehenden Gasometer in Ordnung vorgefunden. Gönezi habe ihn dam» beauftragt, seinen nach der Straffe zu belegenen verschlossenen Keller— den Keller, in welchen, die Leichen gefundeu worden sind— zu öffnen. Nach geschehener Oefinung hat Zeuge in d e r M i t t e dcS Kellers zwei Kisten stehen sehen, die zum Teil mit Treppenläufern bedeckt ivaren. Gönezi habe gesagt, die Läufer seien sehr ivertvoll und könnten leicht gestohlen iverden, der Zeuge solle ihm daher niöglichst bald einen Schlüssel zu dein Keller machen. Der Zeuge behauptet nun ganz bestimmt— trotz Gönczis lebhafter Proteste— daff schon an diesem Sonntag Gönezi ihm davon gesprochen habe, daff er in den Keller- Erde zum Lagern von Ungarwcin fahren lassen»volle. Er habe ge fragt, wo man wohl billige Erde bckoinme und der Zeuge habe ge- sagt: er solle es doch bei der Gewerbe-Ansstellung versuchen, diese loerde ja abgebrochen. Gönezi behauptet wiederholt, daff er erst am Montag von der Erde gesprochen habe. Der Zeuge Pflug- »nacher hat dann das Schloff mit»ach Hause genommen. Am Montagmorgen<16. August) sei dann Gönezi zu ihn» in die Werk- statt gekomnien und habe ihn beauftragt, siir das Kellerschloff noch eine künstliche Sicherung anzufertigen, sie müffte aber bis ll'/ZHHr fertig sein. Pflugmacher mochte dann auch pimktlichst� das Schloff an und übergab Gönezi den Schlüssel. Als er um diese Zeit in den Keller kam, standen die Kisten noch genau so, wie er sie tags vor- her gesehen, es wurde schon durch das Kellerfensier Erde in den Keller geschaufelt.— Präs.: Sehen Sie. Gönezi, das ist doch a u ff e r o r d e n t li ch aufsallend, daff Sie sich schon am Sonntagvormittag nach der Erde erkundigten. Nach Ihrer Darstellung' sollten die Frauen tags vorher nach Hannover abgereist sein und Sie erkundigten sich schon Sonntag nach der Erde, die doch ihatsächlich zum Verbergen der beiden Leichen benutzt worden ist. Sie haben behauptet, daff Hinz die Erde zun» Lagern von Wein haben wollte und den» Zeugen haben Sie ganz deutlich gesagt, daff Sie Ungarwcin lagern wollten.— G ö n c z sucht die Aussagen des Zeugen' zu entkräften, dieser bleibt aber bei dem, waS er gesagt. Auch Rechtsanwalt Dr. Fränkel richtet an den Zeugen eine Reihe von Fragen darunter auch die stets wiederkehrende: ob Zeuge die Frau Gönezi jemals im Hause Königgrätzerstr. 35 gesehen habe. Zeuge veincint dies.— Der nächste Zeuge ist Arbeiter Emil P r e u ff, der folgendes bekundet: Am Montag, 16. August, morgens gegen 8 Uhr, habe der ihm bis dahin linbekamite Angeklagte ihn'an" dem Hafenplatz angesprochen und gefragt, ob er ihm nicht recht schnell einige Fuhren Erde besorgen könne; er erivarte eine Sendung Wein, die er sofort in Erde lagen» wolle. Der Zeuge ist dann mit Gönezi in das Hinzschc Lokal gegangen, hat dort auf Gönczis Kosten einige Glas Bier getrunken und hat sich dann auf die Suche geniachl. In der Alexandrinenstraffe habe er die Kutscher Steinberg und Klein mit zwei Fuhren Schachtcrde getroffen und sei»nit ihnen zum Gönczischen Keller gefahren. In der Erde fei viel Schutt gewesen. Gönezi habe sie aber für gut befunden. Die Erde sei auf den Bürgersteig hinabgewörfen und von hier durch das Fenster in den Keller geschaufelt ivordcn. Für ihre Arbeit hätten die beiden Kutscher von Gönezi je 1.39 M. und Zeuge Preuh selbst 6 M. erhalten Gönezi habe auch alle drei mit Bier und Schnaps traktiert. Während des Einschanfelns der Erde hatte Preuh in dem Keller die Gardinen abgenommen, und hat sie nach vollendeter Arbeit auf Gönczis Geheitz wieder anniachen müssen, so daff ein Einblick in den Keller von der Straffe aus nicht möglich war. Preuh ist während seiner Arbeit noch von einem Polizciwachtmeistcr gestellt worden wieso er dazu konime, ohne Erlaubnis Erde abzuladen. Preutz hat den Beamten an Gönezi gewiesen und dieser hat sich entschuldigt. da er nicht gewufft habe, daff eine polizeiliche Erlaubnis dazu nötig sei. Die Kutscher Klein und S t e i n b e r g geben eine gleich lautende Schilderung, während Polizeiwachtmeistcr Wandel bekundet, daff er beim Abladen der Erde dem Verwalter Gönezi ge> boten habe. baldigst für Reinignng des Bürgersteigs zu sorgen. Der ehemalige Portier des Hauses Königgrätzerstr. 33, M u r a w s k i bestreitet entschieden, daff die Klara Schnitze ein Liebesverhältnis gehabt habe. Mittagspause. In der Nachmittagssitzung wird die Beweisaufnahme fortgesetzt.— Filzschuh- Fabrikant S ch m o I l i n g bekundet, daff er de» Angeklagten Gönezi schon kannte, als derselbe noch Wcrkführcr war. Nachdem Gvnczi sich selbständig gemacht hatte, ist der Zeuge mit ihm in schäftsverbindung getreten. Anfangs habe derselbe prompt reguliert, dann sei er lässig geworden und jetzt noch mit etwa 69 Mark im Rückstände. An» Sonntagnachmittag den 15. August, sei der Zeuge zu Gönczi gegangen, we'll derselbe versprochen habe, ihm einei» gröffcren Abnehmer nachzu weisen. Der Zeuge weih genau, daff er den Besuch am Sonntag. den 15. August, abgestattet' habe. Kratzwunden hat Schmolling nicht bemerkt. ES folgt jetzt der Zeuge Gastwirt Hinz, dessen Vernehnnlng mit grofffr Spannung entgegengesehen wird Der Zeuge giebt an, daff er noch niemals irgend eine Bestrafung erlitten habe.— Präs.: Kennen Sie den Wcinhändler Löwy? Zeuge: Nein.— Präs.: Er soll im Hinterzimmer neben den» Ladenraum in» Schultzeschen Hause gewohnt haben?— Zeuge: Davon weife ich nichts.— Präs.: Er soll doch bei Ihnen verkehrt und mehrfach mit.Gönczi bei Ihnen gewesen sein?— Zeuge: Das ist nicht wahr.— Präs.: Nun, Angeklagter Gönczi?— A n g e k l.: SJitt' schön, Herr Präsident, er kennt ihn ganz genau. er verleugnet ihn bloff.— Präs.: Herr Zeuge, ist Ihr Lokal sehr besucht?— Zeuge: Jawohl, es verkehren besonders viele Droschken- kutschcr bei mir.— Präs.: Wann lernten Sie Gönczi kennen?— enge: Es mag im Juli 1897 gewesen sein, als Gönczi wieder- olt mein Lokal besuchte. Er machte sich nach und nach bekannt und erzählte, daff er ein Schnhwarcngeschäft in der Mühlensiraffe besitze. Später habe dann Gönczi erklärt, daff er von der Frau Schultze als Verwalter angenommen worden sei. Bei dieser Gelegen- heit habe Gönczi gesagt:.Die Schultzcn muff viel Geld haben.' Der Zeuge habe erwidert:„Das brauchen Sie mir nicht zu sagen. daö weih ich selbst."— Präs.: Kannten Sie die Damen Schultze genauer?— Zeuge: Nein, ich kam nur hin, wenn»ch die Miele herumbrachte, es wären sonderbare Leute.— Präs.: Wen von ihnen haben Sie zuletzt gesehen?— Zeuge: Die Klara Schultze 'ah ich zuletzt an» Freitag- oder Sonnabcndvormittag gegen 19 llhr, genau kann ich es nicht sagen. Gönczi war' kurz zuvor bei' mir gewesen, wir hatten zusammen ein Glas Bier getrunken.' Er ging nach wenigen Minuten fort. Ungefähr nach zwei Stunden— etlva gegen Mittag— kam Gönczi wieder, trank sein abgestandenes Bier aus und er trank mit ihm noch zwei frische. Er ging dann hinten ins Billardzimmer, wie lange er dort verweilte, wisse er nicht. Ein Droschkenkutscher habe ihm erzählt, daff er Gönczi nach der Prenzlaucr-Allee und dann nach der Mühlenftrahe gefahren, Schrammen hat Zeuge damals nicht an Gönczi wahrgenommen. Abends ist Gönczi wieder gekoinmcn, hat die Schlüssel gezeigt und gesagt: die Frauen seien vom Bahn- Hof Friedrichstraffe nach Brüssel und Paris gereist, er habe die Frauen nach dem Bahnhof gebracht und sei nun Venvalter. Frau Gönczi hat der Zeuge nie gescheu. Am Montag, den 16. August, früh, habe ihn Gönczi gefragt, wo er wohl einige Fuhren Sand herbekomme; er wolle ungrischen Wein lagern. beruhigle ihn aber scherzend, daff er ihm keine Konkurrenz machen wolle. Er habe sich über diese sonderbare Lagerung ge- wundert. Gönczi habe aber gesagt, das sei nach ungrischer Art und Weise.— Präs.: Der Angeklagte behauptet nun aber, daff gerade S i e den Wein lagern wollten.—Zeuge: Ich habe kein Wein- lager.— Präs.: Sie sollen aber die Absicht gehabt haben, von Löwy Wem zu beziehen,»nit dem Sie verkehrten.— Zeuge: Das ist ja alles Schwindel! Präs.: Sie sollen nach seiner Angabe auch den Sand bestellt und die Sandsiihrleute bezahlt haben.—Zeuge: I Jott be- wahre! Das ist alles Schwindel, der sckwindelt sich noch vom Galgen los!— Der Vorsitzende hält dem Zeugen vor. was der Angeklagte über das angebliche Liebesverhältnis der Klara Schultze mit dem angeblichen Löwy, über des Zeugen angebliches Rencontre»nit den beiden Frauen, über seinen plötzlich entstandenen Jähzorn und die angebliche Erschlagung der Frauen durch Hinz-c. gesagt hat. Der Zeuge konmlt aus dem Staunen nicht heraus, sieht Gönczi mit lackender Miene und kopfschüttelnd an und bricht immer wieder in die Worte aus: I Jott bewahre, von alleden» ist auch nicht ei» Wort»vahr!— Rcchtsanw. Dr. Fränkel: Hat der Zeuge am 14. August an dem Anzug des Angeklagten Blutspnren bemerkt? — Zeuge: Nein.— Bert.: Welche Wand ist zwischen Jhrc>n Laden und dem Laden des Gönczi.— Zeuge: Eine Zichwand.— V c r t.: Und Sie haben am 14. August nichts Verdächtiges gehört? — Zeuge: Nein.— Bert.: Für welchen Mann haben Sie bis dahin den Gönczi geHallen gehabt?— Zeuge: Ich habe nie gedacht, daff er so etwas fertig kriegt.— StaatSanw. Pla'schke: Kann der Zeuge bei dem'Geräusch. ivelcheS in der Königgrntzerstraffe herrscht und bei den» in seinem eigne» Lokal herrschenden Lärm üherhaupt hören, was im Gönczi- scheu Laden passiert?— Zeuge: Nein.— Bert.: Welches Schild stand an diesem Laden?— Zeuge: Gönczi u. Komp.— Gönczi selbst beharrt darauf, daff er noch einmal in» Zusamincnhange„die ganze Geschieht' wie sie is passiert" erzählen dürfe. Er erzählt doti>« init einem nicht zn bändigenden Wortschwall noch einmal Wort für Wort die ganze Entwicklung der Dinge, wie sie nach»einer früheren Darstellung sich ereignet haben und mit der Erschlagung der beiden Frauen durch Hinz geendet haben soll. In kleinen Pansen fragt der Vorsitzende minier»nieder: Ist das wahr?»Nid Hin'z antwortet immer wieder: es ist alles erlogen, ivas der Main» hier erzählt. Gönczi läfft sich aber nicht aus den, Text bringen, sondern sagt schnippisch:„Jo, jo. da sagt er natürlich wieder nein!"— Staatsanwalt P l a s ch k e: War der Zeuge Habermann»nal in Brüssel?— Zeuge:?kie.— Staatsanwalt: Nach der Behauptung des Angeklagten soll ja Haber- mam» den Löwy schon 16—17 Jahre gekannt haben, da er ihn in Brüssel nicht hat kennen lernen, mühte also Löwy 16—17 Iahte in Berlin gcivescn sein.— Gönczi: Ich»veiff nix davon, aus »velchc Art und Weise sie sich haben kennen gekernt.— Der nächste Zeuge ist Hausverwalter Schlecht: Vor zwei Jahren sei er Vcrivalter des Schultzesche» HauseS in der Prenzlauer Allee gewesen, bis er in der Person des Gönczi einen Nachfolger erhielt. Am Donnerstag. hei» 12. August, sei Frau Schultze ii» Begleitung dc§ Gönczi iin Hanse gewesen, um den letztere»! einzuführen. An» Freitag, den 13. August, sei Gönczi allein gekominen und habe erzählt, daff die beiden Dainen Schnitze nach Hannover gereist feien. Am Dienstag, den 17. August, habe er gesagt, daff er auch verreisen müsse. Am folgenden Tag»»»ittags nach 12 Uhr sei dann eine Depeschb mit der Iliiterschrift der Frau Schultze eingetroffen, die folgenden Wortlaut hatte:„Wir verreisen nach Paris auf längere Zeit, bitte die Mieten an Gönczi abzuliefern. Grütze an Sie»md die übrigen Haus- beivohner."— Die Aussage der folgenden Zeugin, der Frau Schlecht, weicht nicht von derjenigen ihres Eheinanns ab. Der Staatsanwalt»veist darauf hin, daff Gönczi bereits am Freitag, den 13. August den Schlcchtschen Eheleuten gegenüber er- klärt habe, daff die Schultzeschen Dame»» verreisen»vollten, Es folgt darauf die Vernehmung dcS Schrcibsachvcrständige», Sekretärs A l t r i ch t e r. Er hat zunächst die Urschriften der beide»» Depeschen, die an Gönczi selbst und an den Hausverivalter Schlecht gerichtet ivaren, verglichen. Er begutachtet, daff der Augenschein lehre. daff beide Depeschen von einer Hand herrührten. Aber apch in betreff der Siechtschreibnng sei eine anfsällige Uebereiifftimmnng vorhanden. Die Depeschen sind beide auf frankierte, nicht adressierte Postkarten geschrieben, woraus der Sachverständige den Schlnff zieht, daff der Verfasser wahrscheinlich ursprünglich beabsichtigt hatje, eine Postkarte zu schicke»», daff die Abscndnng der Originalschrift vielleicht doch zu gefährlich»väre.— Präs.: Was sagen Sie dazu, Gönczi?— Gönczi: Bitt' schön Herr Präsident, ich Hab' nix geschrieben..,— Nachdem der Sachverständige noch einige Fragen des Verteidigers bcaiitlvortct,»vird der Möbclhiindler Franz Stiller vernonisnen. Dieser kennt Gönczi schon sehr lange, er hat ihm Sachen auf Abzahlung geliefert, Gönczi zahlte pünktlich 45 Mark monatlich ab. Zeuge hat ihm dann die Ladeneinrichtung in der Mühlenftrahe geliefert und Gönczi mehrfach Geld ge- liehen. Gönczi hat' darüber Wechsel ausgestellt. Er sagt», er brauche das Geld,»veil seine Frau in Wien ein Halts geerbt habe und er bauliche Veränderungen vornehmen müsse. Zeug« hat dann Gönczi die Einrichtung für den Laden in der Königgrätzer- straffe»nid in das Hinterzimmer geliefert, wobei Gönczi sagte, das solle nicht für ihn, sondern für einen gewissen Löwy aus Brüssel eingerichtet werden. Die Rechnungen wurden denn auch auf Herrn Löwy. Brüssel. Boulevard 2, ausgestellt. Gönczi hatte den Löwy als Schuhwarcnhändler bezeichnet. Gönczi rückte dann mit weiteren Plänen hervor, Ivonach er auch in der Prenzlauer Allee und in der Potsdamerstraffe einen Laden einrichte» lvollte. Der Zeuge ist auf diese Pläne nicht weiter eingegangen, sondern hat zunächst auf Zahlung gedrungen.' Gönczi ist dann eines Tag? aekommcn und hat erst scherzweise gesagt:„Der Brüsseler sei ge- storben," dann aber habe er gesagt, der Brünclcr sei gekommen und habe Geld gebracht und er habe ihn dam» mit den BrauhanS-Aktieii und mit den Skaskaer Kohlen-Obligationen bezahlt. Er sei-mit Gönezi zum Bankier gegangen und habe dort den Kurs der Brau- Haus-Aktic» festgestellt und gleichzeitig vom Bankier erfahren, daff die Skaskaer nichts toert seien. Auf Befragen des Bankiers habe Gönezi gesagt, er besitze die Papiere„schon lange". Eine Licbcsaffaire. HandekSfrau Adclinc Mohr ist durch Zufall mit Gönczi bekannt geworden, als sie einmal in einer Stchbicrbnlle in der Potsdamer- straffe ihre Waren anbot. Gönczi habe ihr von seinem Bier an- geboten und ein Gespräch begonnen. Er habe gesehen, daff sie zwei Trauringe trug i�id gesagt, er sei auch Witwer, seine Frau sei in» Kindbett gestorben, und sie könnten ja öfter mit einander ausgehen. Dies sei auch geschehen und sie haben sich mehrfach getroffen und Rendezvous abgehalten. Die Zeugin erzählt eine langatniige Geschichte, ans der hervorzugehen scheint, daff der Angeklagte ihr die Ehe versprochen hade. Er habe eines Tags auch von ihr erfahren, daff sie wegen groffer Schlaflosigkeit und Nervosität von Zeit zn Zeit zn Profesiar Mendel gehe und von diesen» Schlafpulver erhalte. Gönczi, der ihr seine» Namen genannt, habe sich sehr lebhaft danach erkundigt, wie die Wirkung eines solchen Schlaspulvers sei, er habe ein andermal, als sie ihm erzählt, daff sie einmal überfallen worden sei. sich wieder genau iiach den Einzelheiten erkundigt ,md dann als er hörte, daff sie eine Erbschaft zn erwarten habe, ganz genau sich orientiert, lvie hoch sie sei. Iivaim sie angetreten iverden könnte zc. Der Schluffeffekt der Erzählung, die der An- geklagte mit heiterem Gesicht anhört, geht dahin, daff die Zeugin 'chliefflich den Verkehr mit Gönczi aufgegeben habe. Weil sie es doch für richtiger hielt, sich nicht wieder zu verheiraten.— Gönczi er- klärt unter schallender Heiterkeit des Publikums: Ich kenne die Frau überhaupt nicht!— Auf Befragen des Rechtsanwalt Dr. Fränkel giebt die Zeugin zu. daff sie einige Jahre vorher eininal in einer Irrenanstalt'gclvesen sei. Sie habe dies Gönczi anch gesagt.— Schlnff 4Va Uhr. Fortsetzung Freitag. UokKles. Die nächste Lokalliste erscheint am Sonntag. 13. April. Reu- »neldiingen oder Mitteilungen über Aciidermigcn müssen spätestens Mittwoch, 11. April, in den Händen der in Betracht kommende»» Parteigenossen sein, und zwar sind Mitteilungen aus Berlin an Karl Scholz. Wrangelstr. 119, pari, zusenden; Mittcilnngcn aus dem Kreise N i e d e r b a r» i m an Paul Kette, Friedrichs- elde, Margarcthcilstr. 29; aus Teltow-BccSkow an H er» mann Quitt, Rixdorf, Hobrechtstr. 82. l V; aus dein Kreise Po tsdam-O st Havelland au E r n st R i e g e r,-Spandau, Moltkestraffe, und endlich Mitteilungeii aus Oberbarnün au R. Solomon, Wriezen a. O. Die StadtberordnetcmBersammlung üdlc flcftcm einen großen Tag: sie kjatte die Wahl deS.zweiten B ü r g e r m e i st e r S zu vollziehen. Die Sitzung war nn- gewöhnlich stark besucht, entsprechend der Wichtigkeit des An- tasses. Fast sämtliche Stadtverordneten waren ziir Stelle, mit Ausnahme lvohl nur der wenigen, die verreist oder durch Krankheit verhindert waren. Auch die Tribüne war bis auf den letzten Platz besetzt, und man sah hier oben dein Ausgang der Wahl mir nicht geringerer Spannung entgegen als unten im Saal. Die Wahl erfolgte durch Stimmzettel. Während der Feststellung des Ergebnisses steigerte sich die Spannung auf das äußerste, weil es fast bis zum letzten Augen- blick unentschieden blieb, wem der Sieg zufallen würde. Als endlich B r i n r m a n n mit(30 Stimmen gegen 06 für Meubrink Sieger blieb, brach im Saal ein Beifallssturm loS. der auf der Tribüne einen begeisterten Wiederhall fand. Dieser Jubel galt augenscheinlich weniger dem. Siege Brinkmanns als der Nieder- läge M e u b r i n k s. Ter Beifall oben wie uiiteu war ein Ausdruck der Freude weniger darüber, daß ivir Herrn Brinkmann zum zweiten Bürgermeister bekommen haben, der ja rrst�noch zu zeigen hat, ob er des ihm von der Stadtverordneten- Versammlung der Neichöhauptstadt entgegengebrachten Vertrauens Ivürdig ist, als darüber, daß uns ein B ii rg e r m eiste r Meubrink erspart geblieben ist, der in seiner bisherigen Thätig- keit als Mitglied des Berliner Magistrats gezeigt hat, wie sehr er— bei aller sonstigen Tüchtigkeit als Verwältim'gsbeamter— dieses Vertrauens nicht würdig ist. Die Bedeiituiig der Wahl und ihres erfreulichen Ausgangs liegt überhaupt glicht darin, daß hier ein Kandidat über den andern gesiegt hat. Sie liegt in dem Siege des fortgeschrittenen Teils der Stadtverordneten- Versammlung über die Rückständigen Elemente in ihrer Mitte. Den rückständigen Elementen hatte sich in diesem Kamps der Magistrat zugesellt. Auch er zählt jetzt zu den Unter- legeuen und trauert mit ihnen. Der Magistrat darf die Niederlage Meubriiiks auch in einem weiteren Sinne als eine ihm selber bereitete Niederlage ansehen. Die Wahl Brinkmanii-Z ist ein Protest gegen d i e s ch w ach l i ch e H altu n g, die der Magistrat v 0 n Berlin in den letzten Jahren in zahl- reichen! o m m u n a l p o Ii t i s ch e n Fragen gezeigt hat. Sie ist ein Mißtrauensvotum gegen den'Magistrat, und am MagisiratStische. der gestern' so stark wie nie besetzt war, schien man den Ausgang deS Kampfes Brink- uiann kontra Menbrink auch so aufzufassen. Besonders Herr Kirschner sah sehr ernst drein. Gerade er hat freilich doppelten Grund, darüber zu tranern, daß man ihm nicht Herrn Menbrink beigeordnet hat. Der gestrige Tag dürste ihm für manchen seiner Pläne das Konzept verdorben haben— und andren mit ihm! Teuuuziatorischeö zur Bürgermeistcrwahl. Bereits vor der Wqhl des Herrn Brinkmann hat am gestrigen Nachmittag die P o st" ihre bekannten Register spielen lasten':„Wenn es richtig ist, daß die Mehrzahl der den bürgerlichen Gruppen ange- hörenden Stadtverordneten für Meubrink stimmen will, würde Brinkmann mir durch die Stimmen der S o e i a l d e in o l r a t e n gewählt werden können, Berlin in ihm mithin einen zweiten Bürgermeister von Soeialdemokratens Gnaden erhalte». Die Sache hat aber auch noch eine andre, für die Stadt Berkin imerfrenliche Seite. Abgesehen davon, daß das Hineinziehen rein politischer Momente, wie es bei der Wahl von Brinkmann be- absichtigt wird. der Staatsregierung einen Freibrief für die Berücksichtigung politischer Mo m e n t e bei Ans- Übung des Bestätiguugsrechts geben würde, wirft sich auch von selbst die Frage ans, ob die Stagtsregierung nicht so berechtigt wie ver- pflichtet ist, den hier planmäßig inseeiiierten Versuchen, das kommunale Wahlrecht zu politischen Zwecken mit der durch den Zusa-nmienhang der Sache mit dem Friedhofsstreit gekemizeichneteii Tendenz zu mißbrauche n. von vornherein vermittels ihres B e st ä t i g u n g s- rechts wirksam entgegen zu treten." Somit ist der Regierung jetzt die Direktive gegeben. Sie weiß, was sie im Sinne Stimuns zu ihun hat. In einem Punkte allerdings treibt die„Post" mit ihrer Regierung einen verspäteten April- .scherz. Die Stadt würde vollauf nach deren Prineipien handeln, w e n« sie die politische G e si u n u n g bei der Anstellung von Beamten wesentlich maßgebend sein ließe. Oder hat die preußische Regierung schon je ein in Betracht kommendes Amt mit einem Maim besetzt, der zu einer andern als der konservativen Fahne schwor? Die Proletarierkrankheit. In der Reihe der Krankheiten, denen die Arbeiter des T i s ch l e r h a n d W e r k s besonders zum Opfer fallen, nehme» die Limgenkralikheiten die erste Stelle ein. Man hat sich deshalb längst daran gewöhnt, diese Krankheiten als „Bernfskraiilheiten des Tischlerhandwerks" zu bezeichnen. Wie zahl- reich die Opfer dieser sogenannten„BerufSkrankheiteil" sind, ergiebt der soeben erschienene Verivaltimgsbericht der„Orts-Kraiiken'kasie für das Gewerbe der Tischler und Pianofvrte-Arbeiter zu Berlin" für das Rechnungsjahr 1809. Diese Kasie hat'JI-402 Mitglieder(darunter 1140 Lehrlinge und männliche jugendliche Arbeiter und 719 weibliche Mitglieder). Die Zahl der im Jahre 4899 gestorbenen Kassenmitglieder be- trug 226. Dabon starben an Liingenertveiterung 4. Lungenkatarrh 2, akuter Miliartliberkiilose 2, Lniigeiitiiberkulose 3, Lungeueiitzüiiduiig 40, Schwindsucht 4, Luiigeiischwindsucht 34 und an andren Lungen- leidet« 29. Es sind demnach von 226 überhaupt Gestorbenen nicht weniger als 412— 433/i Prozent den Limgenkrankheiten zum Opfer gefallen Bei der Mitteilung upu der angebliche» Verseuchung des Schwimmbads an der Echillmgsbnicke erscheint es nach einer Mit- teilung auS dem Rathause ausfällig, daß lediglich einige, lvie man sagt 12. Mitglieder der Schwimmvereine„Triton".,'Forelle" und „Berliner Privatbadegesellschaft von 1896" sich'durch das Baden Augen- und Hantentztindlingen zugezogen haben sollen, während doch anderweitig solche Klagen von keiner Seite erhoben worden sind. Das Schtvimmbad an Ver Schillingsbrücke ist im abgelauseiien Betriebsjahr von 452 600 Personen, durchschnittlich täglich also von 424 Personen benutzt worden. Bei einem so regen Verkehr müßte», lveim die von den Privatbadebesitzern anfge'stellten Be- bauptinigen begründet ivären, jdaß die Anstalt der Infekt! onsort sei, doch in ganz andrem Ilmsang Erkrankungen vorgekommen sein. Das ist aber nicht der' Fall. Ans mehr als 10 000 Bäder ivürde demnach, iveim die oben genännten Behauptungen thjatsächlich be- gründet wären, was' bisher durchaus noch nicht erwiesen ist. noch nicht ein Erkranknngssall.konmten. Bis jetzt aber ist auch bezüglich der fünfzehn Fälle der Nachweis, daß es sich um Ansteckung im Bad handelt, gar nicht erbracht. Thatsache ist eS, daß bei den Schwimm- vereinen zu einer Zeit, als sie noch nicht die städtische Anstalt an der Schillingsbrücke, sondern andre Anstalten benutzten, bereits Augen- erkraiiklmgeii stattgefunden haben. Die Vermutung liegt nahe, daß es sich in' diesen lvie in den behaupteten Fällen zimächst eben nicht um Ansteckimg im Bade, sondern um Entzündungen der Augen handelte, die bei häufigem Tauchen und Schwimme» unter Wa'sier mit offenen Augen, wie' jeder Sachverständige weiß, durch zu große Reizung entstehen tömien und durchaus nicht selten sind. Die Vailarbeiteu im Zoologischen Garte» werden sehr eitrig gefördert. Vor allem lvird an der Ostseite ein ganz neuer Teil geschaffen. Der Vollendniig entgegen gehen unter andrem das iiene Hischhans, ein Vogelhaus für Ibisse und ein Straußenhaus. Der Ilmbau des alten' Bärenzwingers crfolgtf in mittelalterlichem Backsteinban. Eine Licbestragödie hat sich gestern morgen im Treptower Park abgespielt. Die 33 Jahre alte Auguste N o a t s ch war seit 12 Jahren auf einer Stelle in Treuenhrietzeu in Dienst und hatte »oährend dieser Zeit eine sür ihre Verhältnisse nicht uiibedcukend'e Summe erspart. Vor ungefähr vierzehn Tagen gab sie ihre Stellung ans, um einen 23 jährigen jungen Mann Namens Eltge lchen, der als Postschaffner in Falkenberg in Schlesien beschäftigt ist. zu cheiraten. Am Montag voriger Woche kam sie zu Verwandten, den Fnhrherr Dirtmamtschen Ehe- lenten in der Wrangelstraße 69, jjnd wollte bis zur Hochzeit bei ihnen bleiben. Am vergangenen Sonntag verließ Engelchen ohne Urlaub seinen Dienst und kam ebenfalls nach Berlin. Was nun zwischen den Verlobten vorgefallen ist. weiß man nicht. Engelchen wollte angeblich vorgestern iiachmittag�nach Falkenberg zurückfahren. Seine Braut, die geweint hatte, verließ nachmittags die Wohnung ihrer Verwandten, um ihn zum Bahnhof zu bringen. Von dort ivollte sie nach Hause zurückkehren, blieb jedoch aus. Als gestern morgen der Parkarbeiter Jostisch von seiner Wohnung zur Arbeit ging und einen kürzeren Weg durch das Gehökz nahm, fand er abseits von einem Wege nach dem Eierhänschen zwei Personen regiliigs- los und mit Blut besudelt in einer Fichteitschoiiimg liegen. Es waren Engekchen und Auguste Noatsch. Leide lagen mit auf- geschnittenen Pulsadern da, hatten viel Bl'nt verloren und waren bewußtlos und bereits halb erstarrt. Reben dem Mann lagen das Taschenmesser, mit dem er seiner Braut und sich die Adern ge- öffnet hatte, und eine Ansichtspostkarte ohne Adresse. Auf der Karte stand, daß der Beweggrund zu dem doppelten Selbstmord niemals an das Tageslicht kommen werde. Die Kosten, die er verursache, sollten auL dem Betrage mehrerer Sparkassenbücher, die das Mädchen besitze, gedeckt werden. Jostisch benachrichtigte schleunigst die Orts- behörde' von Treptow lind diese ließ auf Veranlassung eines Arztes zwei Rünzelsche Rettungswagen kommen, die die Schwerverwundeten nach Britz in das Kreiskrankenhaus brachten. Zu den Wechselsälschungcn aus den Namen des Herzogs von Sagau, deren sich. lvie wir kürzlich ausführlich berichteten, ein Schwindler-Konsortium ans Berlin in München schuldig gemacht hat, wird weiter berichtet, daß es den vereinten Bemühniigeii der Berliner lind Münchener Kriminalpolizei bisher nicht gelungen ist, der beiden flüchtig gewordenen Hochstapler habhaft zu werden. ES sollen dies angeblich ein Baron und ein Geschäftsmann ans Berlin sein. Ihr dritter Eompliee, ein Berliner Geldmakler, wurde be- kaimtlich in München auf offener Straße verhaftet und befindet sich dort in UntersuchnngShaft. Er behauptete bei seiner Vernehmung, daß er daS Opfer jener beiden geworden und selbst der Düpierte sei; denn er habe keine Kenntnis davon gehabt, daß die ans den Herzog von Sagau lautenden Dokumente und Unterschriften gefälscht seien. Den Beteuerungen seiner Uiischnld legt man jedoch keinen großen Wert bei, nmsomehr. als er sich unangemeldet in der bayrischen Hauptstadt aufhielt. Ter Haftbefehl gegen ihn wurde daher ausrecht erhalten. Von einem Krahu erschlagen wurde gestern morgen um &/4 Ulir der Arbeiter Karl Lindenberg aus dem Grundstück Mühlen- straße 73— 77. Lindenberg kam erst vor vierzehn Tagen aus Seblesien nach Berlin nnd fand Arbeit in dein Speichergeschäst von Riedel. Gestern morgen hals er beim Löschen eines Kohlenkahnes am Spree- Ufer Miihlenstr. 73— 77. Die Kohlen wurden mit einem eisernen Krahn ans dem Schiff ans den Wagen gehoben. Dabei erhielt Lindenberg von dem Krahn einen so heftigen Schlag gegen den Kops.'daß er bewußtlos zusammenbrach. Zwei Aerzte, die sofort gerufen wurden, bemühten sich vergeblich, das gefährdete Leben zu rette»: schon nach einer halben Stunde verschied der Verunglückte. Die Leiche wurde nach dem Schanhause gebracht, die Untersuchung über die Ursache des Unfalls eingeleitet. Frau Lindenberg. die mit einem Kinde noch in der Heimat geblieben war, bis. ihr Mann sichere Arbeit gefunden hatte, traf gerade gestern morgen hier ein, um sich nach einer Wohnung umzusehen. Sie fand ihren Mann als Leiche tvieder. Ans Abenteuer ist der 46 Jahre alte Kalifmannslehrling Hugo Dittmann, der bei seinen Elten in der Manteuffelstraße 440 wohnte, ausgegangen. Der junge Mann lernt« seit, zwei Jahren in der Wenigroßhandlung von Maurer u. Bracht in der Scharrnsiraße 4. Obwohl er sich in der Lehre gut führte und fleißig war. schien ihm doch die Handlung nicht zu behagen. Seinen Eltern gegenüber schwärmte cr oft von der See. fand aber damit durchaus keinen-Anklang. Am Montag, den 22. d. M. mittags kam er zur gewohnte» Zeit zum Essen nach Hanse, schien aber sehr zerstreut zu sein. Um l1/- Uhr ging er wieder weg. blieb aber dem Geschäft fern und kehrte auch nach- Hause nicht wieder zurück. Papiere hat er nicht bei sich, ebensowenig Geld. Die Eltern fürchten, daß er gelvisseiilssen Agenten in die.Hände gefallen ist... Der Vermißte iit für sein?kltcr sehr groß, hat dimkles'Haar und trägt einen dunkel- braunen Winterüberzieher, einen schwarzen Anzug, einen schwarzen weichen Fikzhnt und Gummizugstiefek. Eine KatzettMlSstcllnng, veranstaltet vom Verein für Katzen- schütz,-Zucht tind-Pflege in Dresden, ist gestern im Grandhotel am Aleränderplatz eröffnet worden. Sie nennt sich zwar„erste intcr- nationale", aber das bezieht sich wohl nur ans die Katzen, nicht ans die Aussteller, letztere beschränken sich, mit weiiieDn Ausnahmen aus Dresden, Leipzig. Freiberg und WolsratShansen. nur auf Berlin und die Vororte. Die Ansstellnng umfaßt prächtige Tiere in der Gruppe: „Deutsche Hauskatzen" und unter den fremdländischen Arten ragen besonders die Angora-Katzen hervor, daneben sind eine Ginsterkatze vom AtlaSgebirge(Bindeglied zwischen Katze und Bkorder) mtd einige Malteser-Katzen' viel bewmidert. Was Jokai in seinem Nabob- Roman so prächtig karikiert:„Die Gründling eines Vereins zur Pflege der Windhunde" durch ungrische Magnaten in einer Zeit, wo dem Patriotismus nnd HnmmiismnS viel ivichtigere und notwendiger zu erfüllende Aufgaben gestellt find, hat natürlich heute keine Gektnng mehr; bei uns(siebt es außer sür Flotteiipropaganda keine durch gemeinnützige Vereine zu lösende Aufgaben mehr. Die Ansstellnng ist bis 9. April geöffnet und namentlich von Damen frequentiert. deren Geruchsnerveu nicht allzu empfindlich zu sein scheinen. Theater. Im Schiller-Tiicater wird jetzt„Brand" von Ibsen neu einstudiert und Mittwoch, den 14. d. Vi., neu im Srtelplan erscheinen. Wiedeiliolnngeii von„Hinrtch Lvmsen" finden noch heute, morgen und Diens- tag statt.— Tie reizende Burleske- Operette„Verkehrte Welt", welche dem Metropol-Theater den gröblen Saison- Erfolg gedracyy gehl am Somiabend zum 100. Male in Seene. Feucrbcricht. Mittwochabend erfolgte ein Alan» nach Ecke Schul- nnd Müller straße auS unbedeutendem Anlaß. Gleich- zeitig gingen R e i ch e n b e r g e r st r a ß e 471 Möbel und Gardinen in Flämmen auf. Bei einem Wohmnigsbrandc in der G r o ß e ir H a m b n r g e r st r a ß e 20 imirden ebenfalls Möbel nud Kisten eingeäschert. W a ß>n a n n st r a ß e 42 hatte in einem Lager- keller Petroleum Feuer gefangen, das die Wehr längere Zeit beschäftigte. Nebenschluß im' öffentlichen Feuermelder hatte eine Alarinirung nach der Straße Unter den Linden 29 zur Folge. Bei einem' Kellerbrand Dresden er straße 79 wurde Gerumpel und Packmaterial zerstört. Kleinere Brände wurden außerdem ge- meldet von F r oben st r a tz e 1, L o r tz i n g st r a tz e 3, Elfasse r- straße 30, Nene Hochstraße 47 und HagelSberger- ft ratze 6. AuS de» Nachbarorten. Der focialdemokratische Wahlucrcin von Johannisthal- Nicderschöneweidc hält heute, 84 2 Uhr, bei Mertens seine General- Versammlung ab. In Adlershof ist unser Parteigenosse Fritz Richter am 4. April gestorben. Die Eoeialdemolratie in unsrem Orte hat diesem Mitkämpfer viel zu danken. Richter tvar einer der Begründer deS Bildimgsvereins und hat noch bis kurz vor feinem Tode sich eifrig allen Partcipflichtcn unterzogen. Die Beerdigung unsreS Genossen erfolgt Soimtagnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle aus. Tie Eharlottcnburger Stadtverordnete»- Versammlung beschäftigte sich am Mittwoch mit der ersten Beratung der Vorlage über die B e iv i l l t g n n g von R u h e k 0 h n und Hinter; b l i e v e u e n- Ve r so r g n ng für städtische Arbeiter. Der Referent Stadtv. Buka wies eingehend auf die hohe sociale Bedeutting der Vorlage hin, mit deren Grundzügen cr sich einverstanden erklärte.' Doch verlangte er, daß den Arbeitern ein Rechts- ansprnch ans den Bezug des RiihelohnS und der Rsliktengelder gewährt werde, indem er betonte, daß die Arbeiter dasselbe, wenn nicht ein größeres Recht hierzu hätten, wie die Beamten. Am Schluß seines Referats wandte er sich direkt an die soeialdemokratischen Mitglieder der Bersammlnng. die ans der Einbringung dieser Borlage sehen sollten, daß die bürgerlichen Stadtberordneten ihre socialen Pflichten erfüllen, auch ohne' daß sie dazu angetrieben werden. O b c r b ü r g e rm e i st c r S ch u st e h r u s bemerkte, cr persöu- sich glaube, daß lvir schließlich im Laus der Jahre auch einmal dahin kommen lverden, den Arbeitern ei» klagbares Recht zu gewähren. Vorläufig aber möge man ans Vorsicht dabon absehen, denn es handle sich hier um ein wenig betretenes Gebiet: es fehle an Er- fahruiigen. und die finanzielle Tragweite eines solchen Versuchs laste sich nicht übersehen. Stadtv. Wo Ilm er begrüßt die Lorlage mit großer Freude und wünscht, daß der Ausschuß noch eine Anzahl Verbesserungen vornimmt. Der neuen Einrichtimg»niste der Charakter einer Wohlthatcrwcismig genommen und ein wirklicher Nechtsänspruch geschaffen werden. Stadtv. H i r s ch(Soc.) erkennt an, daß die Vorlage in fast allen Puiilteii den ähnlichen Bestimmungen andrer Städte vorzu- ziehen sei. Trotzdem enthalte sie noch wesentliche Mängel. Ein Hauptmangel sei die Nichtgewährung eines klagbaren Rechts. Wenn der Magistrat in der Begründung sage, es fehle an Erfahrungen in dieser Hinsicht, so sei das richtig, aber warum solle nicht die Stadt Charlottenburg hier die Initiative ergreifen und den übrigen Gemeinden mit gutem Beispiel vorangehen? Redner bemängelt sodann»och einige Pimkte von untergeordneter Bedeutung nnd erwidert schließlich dem Referenten, daß allerdings die beiden soeialdemokratischen Mitglieder dieser Versammlung den Magistrat nicht veranlaßt hatten, die Vorlage eiiiznbringen! dazu seien sie erst viel zu kurze Zeit im Amte. Es miterliege aber keinem Zweifek, daß diese Vorlage, ebenso wie alle ähnlichen in andren Gemeinden, auf die socialdemokratische Anregung zurückzuführen sei, so daß thatsächlich doch die Socialdemokratie auch hier die treibende Kraft sei. Stadtv. Gleim hält es für notwendig, im Aussckmß folgende Fragen eingehend zu prüfen: 4. Sollen sämtliche Arbeiter berücksichtigt werden oder nur einzelne Klassen, nämlich diejenigen, die als ständige Arbeiter zu betrackiten sind? 2. Empfiehlt es sich, die Leistungen lediglicki ans die Stadtkasse zu übernehnien, oder sollen auch die Arbeiter Beiträge zahlen, ähnlich wie in der Eisenbahu-Verwaltung? 3. Soll gleich bis zum höchsten Satz gegangen werden, der überhaupt als Pension im Staatsdienst gezahlt lvird? Stadtv. Ströhler lvcist gletchsalls auf die bei den Eisen- bahnen bestehenden PensionSkassen hin nnd warnt davor, die An- gelegenheit sofort in großen Zügen zu beginnen. Man möge sich vielmehr auf einen mittlere» Standpunkt stellen und die Bildung von Klaffen in Erwägung ziehen. Vor allem aber dürfe die Stadt keine Einrichtung treffen, die die Industrie beeinträchtige. Nach einem Schlußwort des Referenten ging die Lorlage an einen Ansschiiß von 13 Mitgliedern, dem u. a. Stadtv. H i r s ch angehört. Ebenso wurde die Vorlage betr. die R e v i j i 0 n der Umsatz- steuerordnung und der G e m e i n d e-.G r u n d st e u c r« Ordnung einem'Ausschuß überwiesen. Bereinskalendor. Arbeiter-Bildiingsschulc, Neue Roysir. L. Freitag: RedeKIeLintg. iRcserate und Diskulflon über wisjenschastlichc Ttiemaia ens dem wirtkchait- lichen. gewerkschaftlichen und geistigen Leben.) Vortragender: SchristsleUer Dr. Rudolf S t ei n er.— Dibliothek: 8— S Uhr.— Beginn des Unterrichts: 9 llftr, Ende 11 Uhr. Arbeiter- Sängerbund Berlins und der Uuigcgend. Vor- fitzender: Bich. Thate, Schöneberg. Grunewaldstr. 90..— Erücr Kaijterer Seikrit. Fidicinftr. 16.— Alle Aeuderungen im Vercinskalcnder find zu richten an Otto Jmetf. Srrelitzersir..15, Hot 2 Treppen.— Freitag. UebiingSsiickide abends 9— 14 Uhr. Ausnahme von Mitgliedern.— . Koifer'schcr Mämiexchor", Wernau. SSwedterslr. 23/24,-„Nord". Adolf Nrumann. Brnnnenstr. 150.—„Unverzagt I", Batteroth, Skalitzcrsir. 51/22.— ..Buchbinder Männcrchor", Fürsienhof, Köpnickerstr. 437/Z?.—„Vereint« Sangcsbrüder Moabits", Psarr. Puttlitzstr. 10.—„Maiglöckatcn", Sacbie, Sindowerfir.26.—.„Gemütlichkeit"(Putzer), Krüger,«ciidewr. 30.—„Morgen- rot 4". Eyarlcttenbiirg, Leder. Bismcmlsir."4.—„Äeorgina", Wollfchläger, Lranicnsir 183.-„Rheingold", Feind, Wenchr. 1l.—„Rosentbalcr Vor- siadt", Geile, SwineutLuverftr. 26.—„Ins". Mortui. Raunynstr, 86.— „MäimenGeiättgvercln", Brandenburg 0. H., Mcngert, Bergsrr. 6.— Lieder- tgfel„Freie Sänger", Hahn. Neue Königstr. 73.—„Nordwacht", Milbrodt, Müllerstr. 7.—„Sängerkicis", Ncu-Weitzensee, Korostewitz, Friedrtchstr. 5.— ..Eintracht ll", Ebcrswalde, Restaurant„Zur Mühle".—„Neue Zeit", Lorenz, Watt- u. Voliastr.-Ecke.—„Liederkranz", Brandenburg n.H., Bcrgstr. 6.— „Klingmüllcrscher Männerchor", Weißenfee.. Zum Prälaten, Lchdersrr. 422.— „Karthaus-Kumurencher Mäunerchor", Gobel, Landsberger Allee 156.— „Treptow" in Treptow. Staffeldt, Baumschulenwrg.—..Metallarbeiter- Osten", Tabert,' MarluSstr. 14.—„Treue", Nowoch Manteuffelskr. 9.— „Arion". Rirdork, Eschert, Erlstraßc 8. �„Sangcsblüten", Conrad, Marfiliusstr.— Gesangverein der„Putzer", Schiller, Rosenthalerstr. 57.— . Moabiter Liedcrkraiiz", Spreehäveu, Kiichftr. 27.—„Freie Sänger l", Heegerniühle b. Eberswalde, Baugatz, Jagdichlößchc».—„Rosalia", Plaen, KöntgsbergerKr. S4.-„Ruf". Mänczold, Liegnitzerstr. 1«--„Sängetbort". Sander, Ktipnickerstr. 428.—„'Allianee". Kaiser Franz Grenadierpiätz? 1 Restaurant).—„Borax", Kuckuk, Naimyustr. 6. �„Melodia", Rndors, Menzter, Stcinuietzstr. 5s-.—„Einigkeit Nordtvest", Beyer, Bredowstr. 11.— „Freiheit Moablt". Becker, Sickinzenür. 3. Arbeiter-Raucherbnud Berlins und der Umgegend. Aenderungen im Borewskalevser sind zu richten an Eugen Raschle, Rirdork, Mahlower- straße 4. IV. Freitag: ,. Germania", Kobatzki, Arudtftr. Zl.—„Frohe Stunde Gqvgcr. Aierandrinensw. 122.—„Avfelblüte". Hoffmonn, Wiejen- sirage 29s.—„Gemütlichkeit II", Gratzta. Wrangclftr. 22. Gesang-, Turn- und gesellige Betzgino. Freitag. TaitMhrer- verein„Scttdaritäi" Englischer Hof, Reue Roststr. 3.— Vei-gnügungSvercin „Waldesgrüu", Pichoskt. Stalitzerstr. 142. stlrbeiter-Turncrdnnd. Freitag. Turnv„Fichte", Berlin. AbdS. von 8—40 Uhr: Männerobt. Stalitzerstr. 55—56. 4. Männerhbt.: Stcphanstr. 3. 5. Männerabr. Ackers». 67. 6. Männerabi Stallschreibcr- st ratze 54. I.Lehrliugsobt Friedcnstr. 37. 3. Lehrlwgeabt. Bocckhstr. 17/20. l. Damenabt. Marionnen-Uier 1e.-„Freie Turnerichast". Rirdors-Britz. 4. Lchälinasabt abends oon 8>,'„— 10>/„ Uhr, Tbomas,.stermannfw. 4820. 4. Schülerinnenavi. obendS 6i,i,— S/k. Uhr. 1. Männerabt. tz'/.— lOhk. Ulm bei Peters, Ütiasebeckstratze 443.'—' Turnerichast des Vereins„Nereus" tgeqr. 4882). Männerabt. von 8—40 Uhr abds., Rcichenbergerstr. 134-432 Damen-Abl. d. S---40 Uhr abss., Manteusieliir. 7.— Turnverein„Eiche". Köpenick, Männer- und Fug'eudabteUmig von 7>„ bis w/z Hbr abends, Hotel Klein öm WilbelmSslax.— Turnv.„Floh u.'Frei". Grotz-Lichlerselde, Vogel, Ebausiecstr. 404,«»/.-10»/, Uhr abends.—„Freie Tumerschast", Friedrichsfotde. abends 8l/„— lOid, Uhr. Bube, Prln.zeii-Ällcc 30. -Zlrbeiter-Schwimiiicrbiind. An-ragen an E Brätle. Sckwlnr. 24. Schwimniklub„Neptun", Wcißensce, abends 7>/„ Uhr, im Seebad Deitzenlee. — Schmimaikiub„Vorwärts", abends 7t,'.. Uhr, Ratiborstr. 14b(alles Studcntciibad).— Schwiinnivercin„Gut-Na�". Uevungsstunde jeden Freitag, abends 7'llbi:, VolkS-Badeanstalt Moabit, Zunnstr A». 2irbeiter- Radsabrerverein, Berlin. Freitag: Heben im Kunft- nnd Rcigensohrcn bei Raab-, KoEergerilr. 23. Arbeiterverein„Vorwärts". Kopenhagen. Feden Sonnabend im Vcrkehrslokal, K 0 r s g a d e 49: Versammlung. Daselbst beendet sich auch die Bibliothek des Vereins. Die nach Kopenhagen kommenden Acnosfcil wollen dies beachten. Allgemeine Bolke- Kraukenkaffe 126 i. L. Versammlung am Sonntag, den 8. April, mittags 1 Uhr, Brumicnstr. 188. Eentral Raucher-Bund«Kreis Teltow). Freitag Sitzung des Fest- Ausschusses zum 9. Bundesfest bei Koch, Rirdorh H-rmannstr. 34. VevnriMtos. Zum Morde in Koni» wird geschrieben: Seitens des Kommissars Wehn, welcher immer noch eifrig bemüht ist, das geheimnisvolle Dunkel, das über der Mordthat schwebt, zu lüsten, ist der Sack, in welchen einzeln aiitgesimdeiie Leichenteile des Wjnter eingenäht waren, behufs Enniltelintg seines Ursprungs an die hiesige Krmnualpolizci gesandt worden. Es ist festgestellt worden, daß dieser Sack von einem gelernten Packer genäht worden ist. Nach Gutachten der Herren Weiser und Düwe sowie Reichelt-Berliu werden solche Säcke nur auf Bestellung gefertigt und in der Rege! zum Versand von Blouholz benutzt. Es geht daraus hervor, dost an dem Morde Leute beteiligt gewesen. sein müssen, die mit Droguen und Färb- waren zu thun haben. Eine schreltliche Benzinexplosion wird aus Düsseldorf berichrel.' In einem Houic der Älostcrstraste wurden durch die Explosion fünf in dem Raum anwesende Personen entsetzlich ver- bräunt. Die Verletzten liegen im Krankenhaus hoffnungslos dar- nieder. Priigelpadayogik nach der Methode Bell-Lancaster. Einer merkwürdigen Erziehungsmethode befleißigte sich ein Volksschullehrer in Düsseldorf, der unlängst in seinem Klassenlolal bekannt gab, daß jeder Schüler, der sich während deS Unterrichts umschc, von dem hinter ihm sitzenden Knaben geohrfeigt werden solle. In einem Fall besorgte das denn auch ein'Fungc einem Kameraden gegenüber so gründlich, daß der.Geschlagene sofort zu Hause über Ohrcnschmerzen klagte, und die'ärztliche Untersuchung die Zertrümmerung des Trommelfelles ergab. Di� Staatsanwaltschaft hat gegen den de- treffenden Lehrer bereits die Untersuchung eingeleitet. Eine tollkühne That, die an die Wiener Turmkraxler erinnert, hat der Klempncrgehilse Bontautn zu Halle a. S. ausgeführt. Der W jährige siuige Mensch erkletterte infolge einer Wette den dortigen„Roten Turm" von außen. Er benutzte bei seiner ver- wegeueu Kletterei ziimcist die geringen Vorsprünge der Sandstein- vcrzienuigen, teilweise auch den Blitzableiter und gelangte auf diesem halsbrecherischen Wege schließlich bis über den höchsten Aufsatz d«S Turms hinaus. An der südöstlichen Ecke brachte er eine giwße weiße Fahne an, die er sich vorher auf dem Rücken fest- gebunden hatte. Er hatte diese Fahne ursprünglich aus der höchsten Spitze des Turms befestigen wollen, gelaugte jedoch nicht über den Tunnäuffatz hinaus, da ihm auf der glatten, steilen Fläche der Spitze nur der Blitzableiter als Halt diente. Zudem froren ihm auch die Füße, denn er hatte die Stiesel unten gelassen, die Strümpfe aber beim Klettern ganz zerrissen. Auf dem gleichen Wege, auf dem Bontaum hinaufgelangt war. kehrte er zurück. Er hatte über eine Stunde zu der Kletterei gebraucht. I» Robcrcdo, Südtirol, ist der dortige Gymnastal-Direktor Dr. Johann Alton nebst seiner 24 jährigen Nichte, die ihm den Haushalt führte, in seiner Wohnung e rm ord er worden. Der Mörder ist entflohen. lieber das' Motiv der Handlung herrscht Unklarheit. I» Paris erregt die Bcrhaftung des ehemaligen Advokaten am Appellatiousgcrichtöhosc und frühere» Pariser Stadtrats Da- vills des Esjards, der einer sehr alten Familie angehört. großes Aufsehen. Es handelt sich um Uiiterschlagung von Mündel- geldcrn im Betrage von 1800 000 Franks. Bor mehrere» Jahren mußte nämlich aus Antrag der Familie ein Sohn deS verstorbenen Bankiers Gcllinard unter Kuratel gestellt werden. Als nun die Kuratel anfgehoben und des Eflards Rechnung legen sollte, erklärte dieser dem Anwalte Gellinards, daß von dem Vermöge» des letztren nichts mehr übrig sei er behauptete, es sei in Bezahlungen von Schulden Gellinards und in unglücklichen Svcinlationcu anf- gegangen, zu denen Gellinard, mn seinen luxuriösen Lebenswandel fortsetzen zu können, seinem Vormunde ausdrücklich feine Zustimmung gegeben hätte. Leo und Zitha. Der„Bad. Landsmann" brachte in seiner MontagS-Nuininer folgende Wariwng. Ich warne jeden, meiner schon stebzchnmal entlaufenen Frau Zitha Schneider etwas auf meinen Namen zu borgen, weil ich für sie keine Zahlung mehr leiste. Leo Schneider. Ettlingen. Als Antwort bringt die entlaufene Ehefrau folgende Erklärung.-■ Ich erkläre hiermit, daß ich schon 8 Monate nicht mehr mit Leo Schneider Hause und seither ans einer anständigen Schüssel esse und nicht aus dem Sautrog, wie er es mit nur im Sinn hatte: Er hat vielleicht einmal nichts mehr in einem Sautrog, viel weniger in einer Schüssel; auch brauche ich ihn nicht zur Bezahlung, denn er wird vielleicht auf seineu Namen selber nichts bekommen. Er glaubte, wenn er nach Ettlingen zieht, gehe ich wieder zu ihm, indem er es mir vielmal sagen ließ und sogar durch das Gericht mich verlangen wollte. Mein Gott behüte mich' Zum quälen lassen für meiner Lebtag bin ich gewiß nicht geboren. Er hätte ruhig in Sulzbach bleiben können. Dieses als erste und letzte Antwort. Zitha Schneider, Ettlingen. Wir glauben auch, daß diese erste und letzte Antwort der Frau „Zitha" genügen wird, um den blamierten Leo von der Veröffcnt- lichung weiterer„Warramgen" abzuhalten. Marktpreise von Berlin am-t. April 1000 neck Ermittlungen deS kgl. Polizei»>msidi»»is. »)Mcijen D.-Etr. �Roggen FuttcrHerst« Hiiser giii„ uiillcl„ „ oerchz Nlchtsiroh Heu ,. flürbsen„ vtSpeisebohneu„ -j-flimicti„. Jlnitoijeiii,»en« Riiidllrisch, Keine l llz do. Banch,„ ) Eiuntlett pro 14.10 15,60 13,— 14,30 13,50 12,80 4,32 4,70 25,- 50,- 5,— 1.20 0 00 von SKweüicfleifcy RnlBflciich Hammelfleisch Butter Eier Karxsc» Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse IbS 60©tfljjt 1 kg per Schock 1,60 1,(50 1,60 2,60 ■ 4,- 2,20 3.- 2,50 1,80 1,80 3, 1,20 12,- I,- 1,— 1,- 240 1,20 st- st-r- 6,80 1,20 0,80 350 15,30 14,20 14,- 15,— 14,20 13.40 5,00 7,40 40,- 45,- 70.- 1,60 1,20 Dono« wirtschaftSkoDmern— Noticrunasstellc— und umgerechnet präsidiinn sjir den Doppelccutncr, 's) Klciiihandelsvrel>e, Produttcnniarkt vom 3. April- Getreide Ter amtliche Soatensiaudsbericht ouS Ungom wurde bei uns ungimslig bcmtcilt und übte in Verbindung mit den böbcren Preismeldlingen aus elmerita und Franlreich einen stimulierenden Einfluß aus den hiesigen Getreidemarkt aus. To jedoch die ONcldimgen von den östreichilch iingrifchen Marlten selbst lchwöcher lauteten, so gaben die ankangs erhöhten Liefcrungspreise bald wieder nach. Zluch das wärmere Wetter und die Aussicht auf baldigen Regen üblen einen Druck auf die Preisgestaltunz auS. Weizen und Roggen waren bei Ileincni Handel zuerst 0,50 V.H. höher gcSaltc», gingen dann wieder im Preise zurück und Ichlossen gegen gestern schwaw behauptet. Ter Handel der Ecntrolstelle der Prenß, Land- vom Polizei- in effektiver Ware beschränkte sich aus ewige Posten schwimmenden Lavlats- Weizens, die noch hier vettchlosien wurden. Roggen war auS Rußland reichlich und billiger angeboten, ohne Ausnahme zu finden. Das Inlands- angövot'in beiden BrotirMten war weniger umfangreich. Hafer und Mais lagen fest- im Anschluß an die dauernde Maisbauffe in New Aor! und Ehicago, Am Mehlmarlte war Roggeumehl unverändert, Weizenmehl eher cmc Kleinigkeit schwächer. Spiritus 70 er loco mit 40,— Vc.(-s- 0,10) gehandelt. Rüböl in Patts 0,50 Fr,, bei uns 0,30 M, gebessert. Kartoffelfabrikate. Feuchte Kartoffelstärke 10,50 M. Prima reine "'' disponibel 19.75 M., April-Mai 20-20,23 M. Abfallende und Mehl disponibel 17,50—18,50 M. per Kartoffelstärke Prima- Qualitäten Stärke 100 Kilograumi. E i e r- B c r i ch t vom 4. April. Normale Eier je nach Qualität von 2,82—3,10 M. per Schock. Ausiortiette kleine Ware je nach Qualität von 2,55 bis 2,60 M. per Schock. Kalkeier je nach Qualität von— bis— M. per Schock. Tendenz: Fester. Eingegangene Denckschriften. Für die Freiheit der Kunst 1 Rede gegen die§§ 184 a und b der sogenannten!es Hcinze, gehalten in der Sitzung des Reichstags vom 15. März 1900 von Georg v, Bollmar.— Preis 10 Pf. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Kolporteure. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montag. DieuStag und Freitag uo» 7—9 Uhr abends statt. Hossmau». Eine solche Anstalt existiert unsres Wissens noch nicht in Berlin. Ter Berliner Kinderschuh verein, Wilhclmfir. 10, Hof l. II, girbt Säuglinge bei Familien in Pflege und zahlt dafür 18 M. monatlich, Hierzu muffen die Eltern in der Regel etwa die Hälfte zustcuenl. Met- düngen wochentäglich von lO— 1 Uhr, Der Berliner Krippenverei», Borsttzenber Dr, Krohne, Nürnbergcrstr. 25/26, verwahrt in seinen drei An- stalten Zlnklamcrstr. 3S, Markthalle Anniniusplatz und Barbarostastr, 74 tagsüber(nicht nachtö) gesunde Kinder im'Alter von � scc.,s Wochen vis zu drei Jahren gegen eine Gebühr von 20 Pf, fiir den Tag. Kurths. Es war cm Scherz. tkaftu. Die Redaktion hat mit den Angelegenheiten nichts zu thun, wenden Sie sich an den Verband der Schneider. Bsitiernugüstbersicht vom 5. April 1900, iiiorgeu» 8 Uhr. |8 Stationen Z--> Swinemde Hamburg Berlin ZLiesbadc» München Willi r= lä ? 1 B - I a 1« Wetter läs i»" Iga 750 QSB 735 O 756' SO 754SSO 75« SW TöS'Siill 1 öhciter | ü'bedcckt ' vvedcckt ; i Dunst j linolkig -'bedeckt 1« i Siaiioneu|o 'S® R- s s S»©■ ,773?? siaparanda Petersburg 770 ONO Sott-! 756??NV Aberdce» i 750 SSW Paris � /753SSW Wetter !s S |K' 1 5 a jLL, 2 wolkensi—7 yvolkcul.-4 chftciter I k 25(0. beb. 7 2 bedeckt i S Wette,- Prognose für Freitag, den ti. April 1900. Nachis etwas wärmer, am Tage cswas kühler, vprjviegend nebelig oder wolkig mit geringen Niederschlägen niid mäßiger Lusibewegung. B e r l in e> PL e ll er b» i e ach. Für bin Inhalt der Inserate übernimmt die Ncdaktiou dem Publik»»! gegenüber keinerlei Berantwartnng. T!i.rntvu. Freitag, de» 6, April- cperiihauS. Falsiafi.?lns.7»/zllhr. Schanspielhaus. Gevatter'Tod. Aittang Uhr. Tciitfchrs. Wenn wir Toten er- wachen- Olnsmifl?>/„ ilhr. Lcsstug. Liebelei, Jephtas Tochter, Ansang 7»/, ilhr, Berliner. Neber unsre Krakt.?ln- kang 7-5. Uhr Neues. Im Erik. Aiisang 7>/zl>Iir. Stcsidcnz. Die Dame bon Maxim. Anfang 7>/„ Ilhr. Westen. Ter Bettclstudcnt. An- sang V/n Uhr. Schiller. Hinpich Louisen. Anfang .8 Uhr. Thalia. Im Himmelhof, Zkufang 7> 7 Uhr, Luise». Tie Waise von Lowood. ?k»saiig 8 Uhr. tscniral. Die Helrfliülustigcu. An- ' iaich 7W» Uhr,,.' i Bclle-Rlliance. Ein toller Emsall,. Ostiimia 8 Uhr,.■.... 0'arl Wetsi. Der Mwenloiitg'von Transvaal, Ansang 5 Uhr,.' Bietpria. Tie Eirlns-Fec, Anfaüg. 7>, Uhr, Friedrich- Wilüclmftndtischcs. Kcibake und Liebe, Ans, 8 Uhr, Metropol. Sveeialitätciworftellnng, Die vettehnc West,'Ansang 8 Uhr.. Apollo. Svcciali'älcn- Vorstellung. -Im Reiche des Jndra. Aula, ig s Uhr. Palast. Svecialttälcn- Vorstellung, Tie neue Herrin. Ansang 7-/. Uhr, RecchshaNe». Stctliner Säuger. Sttffang 8 Uhr. Pasiage- Panovlikmii. Specials- iälrii-Vorsleliimz. Ilrnuia. Jnvaiidenstr. 57/tiS. Täpflch abends von 5— 10 Uhr: Sieunvarle. Tauhenstrastc 48/t9. Abends b Uhr irm Tbcatersaak):„Von den Alpen zum Besuv," Jhl Hürsaat: Pros. Dr. Müller: .Hühnchen im Er'._ Lchllitl-TIjtlittt (Wallner-Thealer). Freitag, aberips 8 Uhr: Uinried Lornsen. Bürgerliches Trauerspiel in 3 Aus- züge» von Erich Schlaikjer. Sonnabend, n a ch m. 3 Uhr: Vorstellung des Akademischen Vereins kür Kirnst und Liticralur. Anclgonc. Sonnabend, abenps 8 Uhr: Blnrlch Lornven. Sonntag, nachuiittags 3 Uhr: Sonntag, abends 8 Uhr: vor Vrobepfell._____ CariWeiss-Iheater (Br. Frankinricrftras«c IS*. Töglich-sUhr: Der Vilikilköiiiq voll Trailsvaal. Vorzugsdillels hoben Gültigleit, Sonnabend, nachmittags s Uhr: Kindervorstellung: Knecht Ruprecht «nd die imarngcn Königskinder. Centvnl T krntov Direltivn: sooo Fetenezy. Ne fjfivötöluftiöcn. Vandcville in drei?tktc» von Erik Meyer-. Helm un d. Anfang 7>/„ Uhr. Morgen und folgende Tage: Tie Puppe. Sonntag, nachm. 3 Uhr zu halben Preisen: Die Fledermaus von Johaiin Strauß. 'Mia-'I'kkater. Tel. AmtIVa 6440. Oreodeiierstr. 72/73. Täglich: Ricseulacherfolg! Im Hin», nelhof. Thomas. Thielschcr. Hcliucrding, Hnnkermauu, Pauluiüller. Zlufang 7l/z Uhr. Morgen und jolgende Tage: Im Himmelhos. Sonnmg, 8, April, nachm.?'/. Uhr: Oessentliche Hauptprobe zu„W!,!»»" von Mendelssohn. Zu kleinen Preisen. öene-lUnsnee-Tlieslsf. . Ein toller Einfall. -vchwank in 4 Akten von KarlLonffs. Sosicnrröffnuug 7 Uhr, -Anfang 8 Uvr,— Ende'/.ll Ubr, WNBl-IIlMks. Um 0 Uhr 30 Min. zum 09. Mhlc; Verkehrte Welt! mit der hochorißinellcn Weiber-Parade. Porher dos voltstä«dig lltve stiisiltiontlle April- Zpecilllitattn-Prograiiün: jülce llö kliiiel. Ii'iOtJupitei'. Brothers Lloyd. Felsinaßrothers. Paul Jülich. etc. etc. Sonnabend, den 7. April 1900: lsr. Zvbtl. Mvorsiellnttg. Zum 10V. Male: Verkehrte Welt. Anfang an Wochentagen um 8 Uhr. an Sonn- und Festtagen um 7'/. Uhr, -V Rauchen überall gestattet, rfr- Palast-Theater früher Feen-Pal««!, iöingstt. 22. Neue» Künstler-Personal. ScnHatl o n»-\ umm c vu Erstklassiges Riesen• Programm Noch nie dagewesen! S»wsteiittse Blefanten. 14 dpesBlertc iClegeii. Gravi' Idarlina:.-MW Mu'ik. Elektric- Genius, U>» 8l/z Unr: Großer Lachcriolg! Direktor Wilhelm Fröbel in der urkomi'cheu Berliner Bolls- Operette vis neue ttenrin. Alst, 7>/, Uhr. KasienerSffnung S>'.Uhr, Billct-Vorvcrkauf v. 11-1 Uhr. UR'snis 1'ai>I»e»««ti-a»«»e 4K/49. Im Theater abends 8 Uhr: „Von den Alpen zum Vesuv!' im Hörsaal: Prof. Dr. Müller;„Hühnchen im Ei." luv nliilcnittr. 57/03: Tägl. Slonivvnrte. Nachmiltags 5-10 Ulir._ "Passaiß-Panopticüiii; 35 Togo-Neger (28 Mädchen. 5 Männer, 2 Kinder.) Vorstellung um 11, 12, 3'/j, •IV- 3V., eV-'V-, 9 Uhr. Von 7-iOV. Uhr; Thfelltre varletö. "■ CASTANS■■ PANOPTICUM Originalitaticnische Sänger- o. Konzert- Gcsellscliaft „Colombo". Die neuen sensationellen lebenden Photographien. 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April, abends» Uhr. bei B«II, Adalbertstr. 81: Ncgclnmsiige Versaiinillnng. Mitlc I?. Wilitär-ZMler. in den ArminhaUe», Kommandantenstr. 80- "Vei'saiiiiiiKiiiiK. WjJ Tagesordnung: 1. Der 1. Mai. 2. Wahl eines Arbeitsuachweisführers. Z. Verschiedenes. 137/4 Um recht zahlreichen und pünktlichen Besuch bitten _ Die Torstände. Achtung! Sattler. Sonntag, den 15. April 1900(1. Osterfciertag): Achs Streilhkstlzert ausgesührt von einer»0 Mann starke» Kapelle unter Leitung ihrcS Dirigenten Herrn W. Guttniaun. Veranstaltet zu Ehren der anläßlich der Generalversammlung nach Berlin kommenden Delegierten deS Verbands. Abgehalten im grofte» Saale des neuen Gewerkschaftöhauses. Eugel-ttfer 1». Festrede, gehalten vom Reichstags-Abg. J. Auer. Ferner Auftreten des Gesaugvereins der Sattler Berlins. Nach dem Konzert: VuH. Eintritt 30 Pf. Herren, die am Tanz teilnehmen zahlen. SO Pf. nach. LM" Eröffnung 5 Uhr. Anfang des Konzerts 6 Uhr. Prograuim an der Kontrolle gratis."913 Um zahreichen Besuch bittet Das Komitee. NB. Einlaßkarten sind überall da. wo Plakate aushängen, in allen Zahl- stelle» und bei Nachstehenden zu erhalten: F. H a b e r m a n n, 80. Lübbener- straße 2o-, W. Tuschke, 0. Langestr. 103; A. Ja nicke, 80. Fallen- steinslr. 36; O. Kleinod, 30. Köpnickerstr. 7. Deutsch. Metallarbeiter-tferband Terwaltnngsstelle Berlin. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt VII. 353. Sonntag, den 8. April cr., dormittags 10 Uhr, in CohnS Fcstsäle», Bcnthstraße 20/21: Allgemeine Versammlung der Heiztingworlteme, Cas- nlldWasser-Rejrleger intb ßelser. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Emil Rosenoiv über: Die Arbeiterbewegung früher und jetzt. 2. Diskussion. 3. Verbands- angelegeuheiten. 112/5 Tie OrtSverwaltung Verband der Barr-, Erd- nnd pwerbl. Hilfsarbeiter Dentschlands(Zahlstelle Berlin I). Am Sonntag, den 8. April, vormittags lOVa Uhr, im Lokal des Herr» Feuerstein, Alte Jakobstraste Nr. 75: Mitglieder-Versammlung.'WG Tages- Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1360. 2. Bericht von den Konferenzen. 3. Wie stellen sich die Mitglieder zur Gründung einer Liedertafel. 4. Bcr- bandsangelegenheiten. 32/13 Die Ortsverwaltnng. CentralvarliaiKl dar iiirar Deutsdilaads (Zahlstelle 1. Berlin). Am Sonntag, den 8. April, vormittags 11 Uhr, im Lokal „Arminhallen", Kommandantenstraste 20:_ Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Das Obligatorium zum Streikfonds. 2. Abrechnung vom 2. Quartal. 3. Neuwahl der Unterstützungskommission. 4. Verschiedenes. 134/5 Im Auftrage der örtlichen Bcrwaltung: 5ranr Sclmltz. Verein der Bauanschläger Berlins nnd Bnigcgend. Am Sonntag, den 8. April, vormittags 10l'i Uhr, im Lokal des Herrn Buske, Grenadicrstraste 33 Derl'mu mluu g. Tages-Ordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Abrechnung vom Stiftungss-ft. 3. Ersatzwahl zur Statutenberatungs-Konimission. 4. Verschiedenes und Fragekasten. 33/16 Beiträge werden nur zwischen 10—11 Uhr angenommen. _ Der Vorstand. Tischler Verein. Sonnabend, den 7. April, abends 8l/s Uhr, Mclchiorstr. 15: Oeneral-V ersaiiimluiig. Tages-Ordnnng: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1900. 2. Bericht über die Bibliothek. 3. Antrag des Vorstands und Ausschusses, des Statuts§H 1 und 2, und zwar Erböhung der Beiträge nnd Zahlung einer Sterbcunterstützimg. 4. Unterstützungsgesuch.— Ausgabe der Billets zum Osterverguügcn und Vereinsangelegenheiten. 198/8 DM- Mitgliedsbuch legitimiert."MW> Der Vorstand. AchtilW! KißMlliljer. M» v Am Sonntag, den 8. April, vormittags 9Vz Uhr, im Lokal des Herr» Graumann, Nannynstraste 27: fpM" Versammlung"WW sämtlicher im Süden und Südosten arbeitenden Kollegen. Tages-Ordnung: 1. Vortrag(Referent wird in der Versammlung belannt gemacht). 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 94/11 Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. I. A.: Karl Juckel. Achtung! Achtung: Bauarbeiter! (SfrtrimeiMttitiicr�ciitriilii'iitieii.) Sonntag, den 8. April, vormittags 10 Uhr, im Ijokal „Englischer Garten", Alexanders trasse 27c: Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Dislussiov- 3. Abrechnung vom 1. Quartal 1900. 3. Dereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Der Vorstand, prltr Iliügor. Achtung! Bauarbeiter SffiEl (Zahlstelle Berlin III). Am Sonntag, den 8. April, vormittags 11 Uhr, im Lokal deS Herrn Oskar Zimmermann, Badstr. 57—58: Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung des Kassierers vom 1. Quartal. 2. Neuwahl eines 2. Bevollmächtigten. 3. Verbandsangelegenheiten und Berichterstattung von der letzten Konserenz. 32/14 Die Ortsverwa ltung. I. A.: Adolf Bölcke. iiigemeine Tolks-Krankenkasse 126 in Liq. Versammlung am Sonntag, den 8. April, mittags 1 Uhr. Brunnenstr. 188. 3386 I. A.: R o g g e m a n n. Für Dampferpartien nnd Ausflüge! .Zum Snortshaus" in Zlegenlials bei Zeu'liien. swiiwHw(Vorort-Station d. Gärlltzer- u. Stadtbahn.) Xcu eröffnet! 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Den Mitgliedern des Social- demokratischen Arbeitcr- Bildnngsvereins f. Adlershof and Umgegend zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied krili kiedler am 4. April cr. gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 8. April, nachmittags 4 Uhr in Adlersof statt. Um rege Beteiligung ersucht 6/1 Der Vorstand. Deutseher Metallarbeiter-Verband Nachruf! Am 31. März starb unser Mitglied, der Schlosser Mb Ehrhardt. Ehre seinem Andenlen! 112/6 Die Ortsverwaltuiig. Parteigen. Adlershof. Am 4. April verschied nach langem Leiden an Gehirnhautentzündung der Genosse kritn Richter. Für fein langes Wirken und ziel- bewußtes Kämpfen für die Social� demokratie werden die Parteigenossen ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung sindet am Sonntag- nachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle aus statt. Die Parteigenossen werden um recht rege Beteilignng ersucht. Treffpunkt: nachm. 3l/z Uhr, Restaur. Schmauser. 202.17 Ter Vertrauensmali». Ceutralverbaud deutscher Maurer. Zahlstelle Berlin II. Am 3. April starb unser Mitglied, der Maurer Kotttrieck Müller im Alter von 51 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, den 6. April, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Schöneberger Kirch- hoss, in der Maxstraße, aus statt. Uni rege Beteiiiguiig der Kollegen ersucht 137/5 Die Verhandsleltung. Ctlltrllt-Kranktll- u. Sterbe* lasse ber Tischler ie. (Ortsverwaltung Berlin H.) Todes- Anzeige. Am Dienstag, den 3. April, verschied nach schalerem Leiden das Mitglied unsrer Kasse, der Tischler ltsH Appel im Alter von 43 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, nachnlittags 4t/z Uhr, von der Halle des EmmanS-Kirchhofs aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 184/7 Tie OrtSverwaltung. De» t Tod 43852* ist ohne Gnade sicher allen Wan- zen samt deren Brut durch das sofort silber tötende»Konzen» trierteWanzeu-Fluid»(ges.ge- schützt) in Flaschen zu 50 Pf., Mk. 1,00, 3,00, 3,00 und Literflasche Mk. 3,00. Spritz- Apparat 30 Pf. 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