Erscheint in Leipzig . Miltwoch, Freitag, S-antag. AboniiemcnisPreis fiir ganz Teutschland 1 M. KV Pf. pro Quartal. Monats- Abonnements werden bei allen deutschen Postanstalten auf den 2. und S. Monat, und aus den S Monat befand er S«angenommen: im «Snigr. Sachsen und Herzogth. Sachsen- Alienburg auch aus den lten Monat des Quartals ie 5s Psg. Inserate betr. Persammlungen pr. Petitzeilc IVPs., betr. Prion tangelegenheiten und Feste pro Petitzeile 30 Pf, Bestellungen nehmen an alle Postanstalten und Buch» Handlungen des In- u. Auslandes. Filial- Expeditione». New-Norl: Soz.- bemoic. Genossen- schastsbuchdruckcrci, 154 Qlliriäxe Str. Philadelphia: P. Haß, K30 North 3-3 Street. I. Boll, 1129 Charlotte Str. Hobolen: F. A. Sorge. Chicago: A.Lansermann, 74CIxdouroe are. San Franzisco: F.Sntz, 41« O'rarreli Street. London: Bauditz, 5 Nassau Street, MidcUesex Hospital. Gentrat Hrgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Rr. 51. Mittwoch, 2. Mai. 1877. es Abonnements aus den„Vorwärts tär Monat Mai u. Juni zu M. 1. 10. werden bei allen deutschen Postanstalten, für Leipzig pro Monat zu 60 Pf. bei der Expedition, Färberstr. 12 II, unserm Colporteur Moritz Ulrich, Südstr. 12, in den Filialen: Cigarrenladen des Hrn. Peter Krebs, Ulrichsg. 60, und Sattlerwerkst, am Königs- platz 7; für die Umgegend von Leipzig bei den Filialexpeditionen: für �»ftttttnrsdorf, Reudnitz, Meuschönefekd:c. bei Frau Engel, Reudnitz, Täubchenweg 29, 2 Tr., für Konnewitz ic. bei Hackert, Kurze Str. 10 Part., für Kkeinzschocher u. Umgegend bei Trost, Hauptstr. 10/1, für tzhonöerg bei B ösch, Hospitalstr. 39/11, Leipzig, Zleurendnitz bei Zschau, 151, für?5agwitz-Lindcnau bei Frau Gräfenstein, Aurelienstr. 3, für chohfts ic. bei A. Hermsdorf, Lindenthaler Str. 7, für Stötteritz bei Grude, An der Papiermühle, angenommen. Für Rerkin wird auf den„Vorwärts" monatlich für 75 Pf., frei in's Hans abonnirt, bei der Expedition der„Berliner Freien Presse", Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8a, und bei Rubenow, Brunnenstr. 34, im Laden. Anerkennung über Anerkennung. Die anständigen Gegner können dem Arbeiterschutzgesetz, welches die sozialistischen Abgeordneten im Reichstage eingebracht haben, in vieler Beziehung ihre Anerkennung nicht versagen; solches Lob aber kann uns im Grunde genommen gleichgiltig sein, da dasselbe ja nur Vorschlägen gezollt wird, welche naturgemäß in den Rahmen der heutigen Gesetzgebung hineingepaßt werden mußten. Auch wird die Anerkennung der anständigen Gegner weitaus aufgewogen durch das Gebelfer der Leute, welche der Fahne eines Eugen Richter und eines Max Hirsch folgen. Wir wollen uns heute in Kürze mit einer weiteren Aner- kennung beschäftigen, die unsere Agitation, unsere Parteitaktik und unser Verhältniß zum gesummten Volke berührt. Das sonst so sozialistenfresserische„Communalblatt für Königs- berg" bringt einen Leitartikel:„Aus sozialistischen Kreisen", dem wir nachstehende wichtige Betrachtungen entnehmen: „Die sozialdemokratischen Mitglieder des Reichstages haben dieser Tage auf die letzten Tage des Monats Mai einen Partei- congreß nach Gotha einberufen. Das Ausschreiben, in welchem dieses geschieht, und welches von allen Blättern der Partei veröffentlicht wurde, giebt in mehrfacher Hinsicht zu denken. Es beginnt mit den Worten:„Parteigenossen! Von Euch mit der Vertretung der Interessen des arbeitenden Volkes im Reichs- tage betraut, halten wir es für unsere Pflicht, uns mit Euch über die nun vorzunehmenden weiteren Schritte in und außer dem Reichstage zu verständigen." Diese Worte zeigen uns ein Verhältniß zwischen Wählern und Gewählten, das etwas ungemein anheimelndes hat, das aber wenigstens in dieser Weise bei den anderen Parteien, auch bei den liberalen nicht existirt. Allerdings besteht bei uns in Deutschland kein imverativcs(gebundenes) Mandat; allein zwischen einem solchen und der Abwesenheit von jeder intimeren Beziehung zwischen dem Abgeordneten und dem Gros seiner Wähler, wie sie innerhalb der liberalen Partei gar nicht selten zu beobachten ist, liegt ein weiter Raum, für dessen zweckmäßige Ausfüllung dasVerfahrenderSozialdemokrateneinenpraktischenFinger- zeig giebt. Jedenfalls dürfte es sich empfehlen, wenn alle Ab- geordneten darnach trachteten, über dem Streben, Fühlung nach oben zu gewinnen, die Fühlung nach unten nicht zu verlieren; und je mehr wir in dieser Hinficht von den Gegnern lernen, um so zuträglicher dürfte dies der Würde unserer Vertretung im Reichstage sein. Das erwähnte Ausschreiben der Sozialdemokraten fährt dann fort:„Besonders erscheint es uns nothwendig, den Plan für die weitere Agitation und Organisation der Partei festzustellen." Auch aus diesen Worten tritt uns ein Gedanke entgegen, der im Schöße unserer Partei meist nur durch seine Abwesenheit glänzt. Die Sozial- demokraten rühmen sich gelegentlich— und namentlich geschieht dies auch in der Einladung zu ihrem Congresse— der groß- attigen Erfolge, welche sie bei den letzten Reichstagswahlen er- zielten; aber dabei vergessen sie auch nicht einen Augenblick, daß ihnen noch keineswegs jene Macht zu Gebote steht, welche zur Verwirklichung ihrer auf Staat und Gesellschaft bezüg- lichen Umgestaltungspläne erforderlich sein würde, und die Frage, wie sie diese Macht mittels des allgemeinen Stimmrechtes am sichersten und am raschesten erlangen, beschäftigt sie Tag und N acht und beherrscht ausschließlich ihre ganze Patteithätigkeit. Man werfe nur einen Blick in die sozialdemokratischen Blätter, und man wird staunen über die große Zahl von Volks- Versammlungen, die sie in immer weiteren Kreisen veranstalten, und auf denen sie eine für uns äußerst gefährliche Propaganda für ihre Prinzipien in Bevölkerungsschichten machen, die bis jetzt bei den Wahlen theilweise für uns gestimmt haben; ja in Gießen haben sie sich bereits auf jden Weg öffentlicher Tis- putationen begeben, und es würde Thorheit sein, leugnen zu w°ll-n daß ihre handgreifliche Bcredtsamkeit auch gegenüber hochgebildeten Vorkämpfern unserer Sache niemals ohne allen Erfolg bleibt. Es ist diesen klug berechneten, umfassenden und ausdauernden Agitationen der Sozialdemokraten gegenüber in neuerer Zeit ja Manches geschehen. Aber es ist unbestritten, daß im Allgemeinen die liberalen Parteien bezüglich des syste- matischen Arbeitens der sozialdemokratischen nachstehen, wir können von ihnen lernen, und daß wir bei ihnen in die Schule gehen, ist keine Schande für uns." Zunächst wollen wir noch bemerken, daß nicht nur in Gießen, sondern auch in Altona, Berlin, Cassel, Hamburg, Leipzig ic. ic. wiederholt Disputationen zwischen Sozialisten und„Liberalen" stattfanden, die bekanntlich zu Gunsten der ersteren ausschlugen. Nichts aber freut uns bei aller Anerkennung unserer Taktik in dem obigen Artikel mehr, als daß die gegnerischen Parteien bei uns in die Schule gehen sollen, und nichts ist bezeichnender, als daß, wenn sie von uns gelernt hätten, dies zuträglich der Würde ihrer Vertretung im Reichstage sei. Bei den Wahlen heißt es immer bei den Gegnern: es ist eine Schande für den oder jenen Kreis, einen Sozialisten in den Reichstag zusenden, jetzt aber erklärt ein gewichtiges gegne- risches Blatt, daß man von den Sozialisten eine würdevolle Vertretung lernen könne. Und wahr ist diese Mahnung an die Herren Volksvertreter der anderen Parteien, und brav ist es von einem conscrvativ- liberalen Blatte, daß sie dieselbe ausspricht, nämlich: daß die ■ Vertreter der nicht sozialistischen Parteien vor lauter Bauch- rutschen vor der Macht die Interessen des Volkes nicht ver- gessen sollen. Möge das Volk bei jeder Wahl aber die Thatsache beachten, daß es in Wirklichkeit von den Machtanbetern vollständig ver- gessen worden ist und auch vergessen wird. >- Die russische Kulturmission. Unsere liberalen Zeitungsblätter haben nahezu ein volles Jahr in allen möglichen Tonarten über die Bedrückung der christlichen Völkerschaften im Orient ihre Entrüstung geäußert, wiewohl sie recht gut wußten, daß der größte Theil jener Be- drückungen zumeist nur die natürliche Folge des bekannten„Rubel auf Reisen", der das Feuer zu schüren bestimmt war, gewesen, und wogegen die türkische Herrschaft ankämpfen mußte, thcils aber auch in der geschilderten Ausdehnung nur in der Phantasie der russischen Soldschreiber existirt hat. Unsere liberalen Zeitungs- macher, und obenan der Sozialistenfresser Herr Professor Eh-. v. Treitschke, schwammen tief im russischen Fahrwasser und trugen so ihr gut Theil bei zu der Türkenhatz, auf daß das heilige Rußland seine knuteschwingende flulturmission mit bewaffneter Hand nach dem Orient trage. Es war dies das Amt der Dankbarkeit an den„Erbfreund" für die 1870 geleisteten passiven Dienste. Schlage du deinen Juden, ich werde den meinigen schlagen, ein Liebesdienst ist des andern Werth! Von den schauderhaften Bedrückungen, welche die der nicht griechisch-orthodoxen Kirche angehörigen Christen im heiligen Rußland durchzumachen haben, findet aber unsere Rcptilienprcsse nicht die geringste Lust, Notiz zu nehmen. Kaum daß wir einige blasse Andeutungen über jene unmenschlichen Vorgänge in diesem und jenem Reptilicnblatte vorfinden, und doch waren die Schil- derungen jener haarsträubenden Gräuel in der ausführlichsten Weise aktenmäßig dargestellt in der„Kölnischen Zeitung" zu finden,*) in einem Blatte, welches die verschiedensten Reptilien- Redakteure sonst keinen Anstand nahmen bei den verschiedensten Anlässen zu citiren. So hilft das große, freie, einige Deutschland, das Volk der Denker, dem russischen Nachbar seine Kulturmission zu erfüllen, seinen Raubzug nach dem Orient, moralisch unterstützt, zu unter- nehmen. Der Einmarsch der Russen nach Rumänien ist bereits erfolgt. Der Donau entlang harrt der Osmane, in seinen Festungen ge- schützt und verschanzt, der Ankunft der russischen Kulturkämpfer, um sie würdig, zu empfangen. Noch ehe diese Zeilen die Presse verlassen, dürfte der Waffentanz angehen, und die Ufer der schönen blauen Donau werden in rothem blutigem Glänze leuchten. Die Donau, ein deutscher Strom und eine der wichtigsten Wasser- und Handelsstraßen, läuft nun Gefahr, unter russische Protektion zu gerathen, und der Osmane ist es, der dagegen anzukämpfen hat, aber auf die Dauer wird der zunächst intercssirte Nachbar Oesterreich dieser moskowitischcn Kulturarbeit nicht un- thätig zusehen können und früher oder später wird auch dieses Land vcrmuthlich gezwungen sein, in die Aktion zu treten, und diese Wahrscheinlichkeit voraussehend, hat Rußland schon recht- zeitig vorgesorgt, daß Oestreich an seinen südlichen Grenzen mit dem italienischen Nachbar zu thun bekommt. Damit ist das so- genannte Welschtirol, das Küstenland und wahrscheinlich auch Trieft, bisher stets noch als ein integrirender Theil von Deutsch- land betrachtet, in Gefahr! Auf der einen Seite die Donau, auf der andern einer der wichtigsten Häfen in Gefahr, von Deutschland enffrcmdet zu werden, das ist das Resultat der deutschen, von der liberalen Rcptilienpresse unterstützten Politik— der Dank für 1870 an den Erbfreund, den moskowitischcn Kulturkämpfer. Daß zugleich einige Aussicht vorhanden ist, daß auch Deutsch- land nicht unbeschäftigt bleiben soll bei diesem allgemeinen europäischen Waffentanz, das haben wir erst kürzlich aus sehr verläßlichem Munde im Reichstage zu hören bekommen. In- dessen, wir können nicht wissen, zu was das gut ist, vielleicht ist dies gerade die in Aussicht gestellte neue Wirthschastspolitik, wo- durch der Nothstand durch Pulverdampf aus der Welt geschafft werden soll, jedenfalls darf man annehmen, daß dabei etwas aus der Welt geschafft wird, zum mindestens einige Hundert- tausend beschäftigungslose, daher überflüssige Menschen. Es geht eben nichts über die Kulturmission der Nationen, an deren Spitze heute das heilige Rußland marschirt! *) Wir brachten einen Auszug in der vorigen Nummer und werden in nächster Nummer im Feuilleton t>en ganzen Artikel abdrucken lassen. D. R. d. V. Sozialpolitische Uebersicht. — Zur Heiligkeit der Ehe. Ost genug hat man uns von Seiten der Ordnungsmänner vorgeworfen, daß wir die Familie untergrüben und die Heiligkeit der Ehe mißachteten; wir haben dann solche Angriffe dadurch zurückgewiesen, daß wir den Be- weis erbrachten, daß jdie Heiligkeit der Ehe in der heutigen Gesell- schaft nicht cxistire und nicht cxistiren könne, daß wir nur die Formen weniger starr gestalten, aber das sittliche Wesen der Ehe rein und getragen von der Liebe herstellen wollten. Man hat unsere Beweise nicht gelten lassen wollen; wir bringen einen neuen. Aus München bringen die Zeitungen aller Parteien folgende Notiz: „Eine für die moralischen Zustände Münchens recht charak- teristische Thatsache ist neuestens von einem hiesigen statistischen Bureau festgestellt worden: unter den hier mit Karten versehenen Prostituirten befinden sich nämlich nicht weniger als 203 verheirathete Frauen! Bedenkt man, daß diese Weiber ihr schändliches Gewerbe nur mit ausdrücklicher, zu Protokoll erklärter Einwilligung ihrer Ehemänner betreiben dürfen, so kann man sich ein Bild von dem sittlichen Werthe und dem Glücke solcher Familien machen. Die Gatten derartiger Prosti- Wirten gehören keineswegs durchaus jener Sorte von Ehe- männern an, die des Morgens die Ochsen und des Abends die Menschen todtschlagen und die als die sogenannten Metzgerstrizzi bekannt sind, sondern sind theils fleißige Arbeiter, theils Pack- Wäger, thcils auch Subalternbeamte." Wie in München, so sieht's an vielen anderen Orten aus. Die Polizeibehörde selbst ist einverstanden mit solcher Auffassung von der Heiligkeit der Ehe— und warum sollte sie, die Be- schützerin der heutigen Gesellschaft, es nicht sein, da die Gesell- schaft ja selbst damit einverstanden ist? Und weshalb sollte die heutige Gesellschaft mit solcher Auffassung nicht einverstanden sein, da ihr ganzes Prinzip ja auf solcher Auffassung im Allgemeinen beruht? Ihr ganzes Prinzip, welches es jedem Einzelnen zur Pflicht macht, so viel Kapital aus seinem Besitzthum und seiner Ausbeutungskraft zu schlagen als möglich— und dies thun die Münchener Ehemänner— sie schlagen Kapital aus ihren Wei- bern.— Wie werden sich die Verfechter oer liberalen Oekono- mie, die Herren Schulze und Unruh, und, allen Anderen voraus, der Herr Reichstagsabgeordnete Dunckcr über diese „liberalen" Ehemänner freuen! — Die Gewerb eordnungs-Commission entledigte sich des ersten und wichtigsten Theils der ihr vom Plenum auf- getragenen Arbeit mit derselben„affenartigen Geschwindigkeit" und unter den gleichen„mustergiltigen Formen", wie dies im „hohen" Hause unter dem Hochdruck des National-Scrvilismus so Brauch ist. Das Präsidium der Commission hatte die Absicht, eine ein- gehende Äcrathung der Anträge einzuleiten, jedoch die Herren Graf v. Luxburg und Wehrenpfennig hatten anders beschlossen; dieselben reichten folgenden Antrag ein: Der Reichstag wolle beschließen: 1. Den Antrag v. Galen und Genossen abzulehnen. 2. Die Anträge: a) v. Seidewitz und Genossen, b) Rickert, Wehrenpfennig und Genossen, c) Fritzsche, Bebel und Genossen, ck) Dr. Hirsch und Genossen dem Reichskanzler als Material für die zur nächsten Session in Aussicht gestellte Novelle zur Gewerbeordnung zu überweisen. Die eigentlichen Motive für diese Anträge waren folgende: Der Antrag v. Galen und Genossen(der Ultramontancn) ent- hielt nach Ansicht der Antragsteller ein Mißtrauensvotum gegen die liberale Majorität, die ja in erster Linie die Gewerbegesetze „verbrochen" haben, und dann mochte man der Regierung die Initiative der Gesetzgebung nicht entziehen, wahrscheinlich im Vollgefühl des beschränkten Unterthanenverstandes; offiziell natürlich gab man die Erklärung ab, die Zeit sei in dieser Session schon so weit vorgerückt, daß an eine eingehende Be- rathung der umfangreichen Materie nicht zu denken sei. Nachdem die Nationalliberalen und Fortschrittler gesprochen, wurde der übliche Schlußantrag eingebracht. Wer hier den parlamentarischen Würgengel St. Valentin spielte, war nicht zu ermitteln. Den Vertreter der Sozialisten aber hatte er muno todt gemacht. Derselbe stimmte für Fottsetzung der Debatte, denn er hatte beabsichtigt, eine Trennung des Antrags in Bor- schlag zu bringen, und zwar dahingehend, den zweiten Theil mit Ausnahme des Antrags v. Seydcwitz und Genossen der Regierung zur theilweisen Berücksichtigung zu überweisen, aus dem Antrag v. Galen aber diejenigen Punkte auszuscheiden, welche eine Reaktion auf gewerblichem Gebiet bezwecken. Als er sah, daß nichts anderes übrig blieb, als für den Antrag v. Lnxburg's ic. oder gegen die Ueberweisung auch des sozialdemokratischen Antrags an die Regierung zu stimmen, entschied er sich für das erstere, zumal seine Stimme nicht mehr ausschlaggebend sein konnte und er wahrscheinlich Gelegenheit haben wird, in der Petitionsberathung, welche die ! Commmission noch vorzunehmen hat, und im Plenum selbst seinen Standpunkt zu motiviren. �— Zum Arbeiterschutzgesetz. Man schreibtuns:„Mülsen -t. Niclas, 20. April. Bei Durchlesung des Arbeiterschutz- gesetzes vermisse ich schmerzlich, daß die sozialistischen Abgcord- neten die Hausindustrie, namentlich aber die Verhältnisse der Weber zu ihren Fabrikanten und Faktoren gar nicht berück- sichtigt haben. Sie können sich keinen Begriff machen, wie viele a Tausende von Hauswebern namentlich dadurch unter der Willkür der Fabrikanten leiden, daß diese jeden beliebigen Betrag ohne jede gerichtliche Untersuchung am Lohne, ja den Lohn oft ganz abziehen können; ferner wie die sogenannten Faktore für ihre Arbeitsvermittelung unverschämte Beträge in Abzug bringen, deren Höhe man aber nicht erfährt, weil auf den Musterzetteln (Arbeitsvertrag) kein Lohnsatz seitens des Fabrikanten angegeben ist. Ja noch mehr: der Fabrikant erkennt den Arbeiter gar nicht an, sondern sagt bei etwaigen Differenzen einfach:„Mit Ihnen habe ich nichts zu thun, ich habe es blos mit dem Faktor zu thun n. s. w." Diese Zustände müssen unter allen Umständen beseitigt werden, wenn die Leute nicht selbst an der Sozial- demokratie verzweifeln sollen. Ich bitte Sie dringend, wenden Sie Ihre ganze Kraft daran, daß auch für die Weber Etwas geschehe! Sie dürfen überzeugt sein, daß Sie sich viel Dank erwerben werden. Es scheint mir, daß sich in Titel VII bei§ III ein Paragraph einschalten ließe, etwa so: § lila. Wer für eigene Rechnung Webwaaren oder Fantasie- Artikel aus Wolle, Seide, Baumwolle, Pflanzenfasern, Glas, Haaren:c., sowie aus derartigen Stoffen bereitete Garne(Ge- spinste) außer dem Hause bei Gewerbetreibenden oder Arbeitern oder Arbeiterinnen in deren Wohnung arbeiten lassen will, oder wer dies durch einen Dritten besorgen läßt, ist verpflichtet, jedem Arbeiter bei Uebergabe der Stoffe einen schriftlichen Arbeits- vertrag einzuhändigen. Der Vertrag muß enthalten: 1) Den Namen des Arbeitgebers. 2) Ort und Zeit der Uebergabe, sowie die Bezeichnung eines etwaigen Vermittlers. 3) Alle nöthigen Ausführungs- Vorschriften zur richtigen Fertigung der Waare in unzweideutiger, klarer und ver- ständlicher Sprache. 4) Der Lohnbetrag für ein bestimmtes Quantum Waare ist in Reichsmünze zu zahlen. 5) Bestimmungen über die Vermittelungsgebühren für etwaige Dritte. 6) Bestimmungen über die Zahl oder das Gewicht der zu verarbeitenden Garne oder Stoffe. Nicht nach Vorschrift gelieferte Waaren hat der Fabrikant unverzüglich dem Gewerbegericht oder dem an dessen Stelle fungirenden Ortsgericht zur Beurtheilung vorzulegen, dasselbe ist verpflichtet, innerhalb 8 Tagen den Streitfall zu untersuchen und zu erledigen. Die Gewerbegerichte sind befugt, Lohnabzüge für schlecht ge- arbeitete Waaren zu verfügen; diese Abzüge dürfen den dritten Theil des Arbeitslohnes für die vorliegende Waare nicht über- steigen. Arbeitgeber sowie Arbeitvermittler, welche ohne Genehmigung des zuständigen Gerichts Lohnabzüge machen, sind mit vier Wochen Gefängniß oder mit Geldbuße nicht unter 100 Mark zu bestrafen. August Wilh. Döhn." (Da die Gewerbeordnungs-Commission im Grunde genommen nicht mehr in Aktivität sich befindet, so können in derselben obige Andeutungen unseres Genossen nicht mehr vorgelegt werden. Es empfiehlt sich nun, soweit sich jene Andeutungen nämlich in greif- bare Gesetzesparagraphen fassen lassen, daß die sozialistischen Abgeordneten bei einer eventuellen Regierungsvorlage in nächster Session in Form von Amendements obige Anschauungen zur Geltung zu bringen suchen. Red. d. V.) —„Die guten Wünsche Deutschlands begleiten die russischen Waffen"— diese gemeine Lüge und Bauchrutscherei vor dem Czaren leistet die„Norddeutsche Allgemeine Zeiwng". Die Kreise, in deren Namen die„Norddeutsche" schreibt, bilden glücklicherweise nicht Deutschland; das deutsche Volk m i t A us n a h m e j- n e r K r e i s e will mit russischen„Stanis- und s onstigen Läusen" und russischer Schnapscultur absolut nichts zu thun haben, es will nicht, daß der„Erbfreund" obsiege und Eroberungen mache, auf daß später die russische Knute auch auf seinem Rücken tanze— deshalb lügt die„Norddeutsche"; sie„bauchrutscht" vor dem Czaren, nämlich vor dem Bilde desselben, welches auf den russischen Rubeln glänzt. — Das Manifest des Kaisers von Rußland, in wel- chem allerband Humanitätsschwindel getrieben wird, dient selbst- verständlich noch immer als Zielscheibe derber Angriffe und bit- terster Satyre. So meint die Wiener„Neue Freie Presse", daß aus ihm und den übrigen russischen Aktenstücken„der parfümirte Kosak rieche". — Zum türkisch-russischen Kriege. Ganz besonders auffallend hat es berührt, daß russische Truppen die türkische Grenze schon vor der Kriegserklärung überschritten haben.— Bei Saturn in Asien soll das erste Gefecht geliefert worden sein, in welchem die Russen geschlagen sind und 800 Mann ver- loren haben. Diese Nachricht kommt über Constantinopel und ist deshalb mit Vorsicht aufzunehmen, wie alle derartigen Nach- richten, da die Türken sowohl als die Russen im Lügen sich mehr auszeichnen werden als im Siegen. So können wir auch schon aus russischer Quelle melden, daß die Russen gleich- falls in der Nähe von Batuni mehrere türkische Grenzstädte ohne Gegenwehr besetzt und 107 Gefangene gemacht haben. Ob diese „Gefangenen" türkische Soldaten, oder wehrlose Frauen und Kinder waren, davon verräth die Depesche allerdings nichts.— Der Vicekönig von Egypten hat bis jetzt dem türkischen Sultan 35,000 Mann, die theils unter dem Oberbefehl des amerika- nischen Generals Stone stehen, zur Verfügung gestellt. — Russisch-Polen soll in Belagerungszustand versetzt wer- den; man befürchtet in Petersburg einen polnischen Aufstand. Wie verlautet, will Preußen ein Observationscorps an der russisch-polnisch-deutschen Grenze aufstellen. Danach scheint ein Defensivbündniß zwischen der russischen und deutschen Regierung vorhanden zu sein. —„Die gottlose Frömmigkeit und blutdürstige Menschenfreundlichkeit" der Russen findet in den eng- tischen Journalen einstimmige Verurtheilung. Die ministeriellen Blätter erklären den Angriffskrieg der Russen gegen die Türken als direkt gegen die Engländer gerichtet. England rüstet und zwar in bedeutendem Maßstabe, die Offiziere werden in die Hei- math beordert und die Flotte des Mittelmeeres wird verstärkt. dies deshalb derZFall, weil ich loyal genug war, von meinem Verhalten den sozialdemokratischen Abgeordneten Mittheilung zu machen. Ich war dazu nicht verpflichtet, konnte vielmehr einfach den betreffenden Verhandlungen fern bleiben— auch sozialdemokratische Abgeordnete werden ja nicht leugnen können, daß man zuweilen bei wichtigen Debatten fehlen darf— ich hielt es indeß für meine Pflicht anwesend zu sein und von meinem Ein- druck den Kollegen Mittheilung zu machen. Wenn man die auf diese Weise erlangte Kenntniß zu einem Angriffe auf mich benutzt— so darf ich es gewiß dem Urtheile jedes Unbefangenen anheimstellen, �ob das die richtige Antwort auf mein Verhalten ist. Ich darf Sie wohl bitten, obige Zeilen in Ihrem geschätzten Blatte aufzunehmen. Berlin, 26. April 1877. Hochachtungsvoll Karl Holthof. (Von einem Angriffe auf Herrn Holthof in beregter Notiz kann gar nicht die Rede sein; eine einfache Frage, die eine Ant- wort verdient und auch erhalten hat, ist kein Angriff. Bei den nahen Beziehungen, in denen Herr Holthof zur„Franks. Ztg." steht, lag die Frage gleichfalls sehr nahe.— Die Antwort selbst freut uns; die Erklärung des Herrn Holthof aber, die rechtliche Seite der Reichstagsabstimmung betreffend, genügt uns durchaus nicht— wir stehen nach wie vor auf dem von der„Franks. Ztg." � vertretenen Standpunkt. D. R. d. V.) — Gegen das Erkenntniß des Bezirksgerichts München l. d. I., welches 47 Münchener Genossen von dem Vergehen der Fortsetzung eines verbotenen Vereins freispracht, hat der Staatsanwalt Berufung eingelegt. Der Münchener Staatsanwalt will nun einmal, wie der See in der Fabel, alljährlich sein sozialistisches— Opfer haben. — Am Sonnabend(28. April) wurde Vahlteich in ge- heimer Schöffengerichtssitzung zu Mittweida wegen Majestäts- und Richterbeleidigung zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängniß verurtheilt. Der Staatsanwalt beantragte sofortige Jnhast- nähme, der Gerichtshof entschied sich aber für Entlassung auf Handgelöbniß. Wir werden auf dieses, leider nicht mehr un- erhörte Urtheil zurückkommen. Bemerkt sei blos, daß Vahlteich im Reden wie im Schreiben sich notorisch der äußersten, mit- unter fast übertrieben erscheinenden Mäßigung befleißigt, daß Mittweida in seinem ehemaligen Wahlbezirk liegt, und daß die Schöffen der besitzenden Klaffe angehören. — Es ist uns folgende Erklärung zugegangen: „An die Redaktion des„Vorwärts", Leipzig. Bei Anführung einer Auslassung der„Franks. Ztg." über die Annullirung der Wahl Hasenclever's fragen Sie in Nr. 48 Ihres geschätzten Blattes:„Was sagt Herr Holthof zu diesen Ausführungen, dem fein juristisches Gewissen verbot, für die Gültigkeit der Wahl zu stimmen?" Was ich dazu sage? Zunächst, daß ich weder für die An- schauungen der„Franks. Ztg." verantwortlich bin, noch daß die Ansichten dieses Blattes für meine Abstimmungen maßgebend sein können, zumal, wenn ich sie, wie in diesem Falle, für unzu- treffend ansehen muß. Auf die Thatsache, ob die Verheftung der Liste vor oder nach dem Auslegen der Listen(auf Grund des§ 8 des Wahlgesetzes) stattgefunden hat, kommt es absolut nicht an. Denn das Reklamationsverfahren kann sich gesetzlich nicht auf die Vertheilung der Listen in die einzelnen Wahllokale beziehen. Die in den verhefteten Listen figurirenden Wähler waren eben wahlberechtigt, weil sie in der(allgemeinen) Wählerliste standen, der durchgreifende Grund für die Kassation der Wahl, wurde gerade darin(meiner Anschauung nach mit Recht) erblickt, daß durch ein grobes Versehen des Magistrates wirklich Wahl- berechtigte widerrechtlich von der Wahl und zwar in einer Zahl ausgeschlossen waren, die bei der schwachen Majorität von Ein- fluß auf das Resultat sein konnte. Das ist in Kürze, was mich bestimmt hat, nicht für die Wahl- kaffation zu stimmen, sondern mich der Abstimmung zu enthalten. Wenn dies übrigens zur Kenntniß des„Vorwärts" kam, so war u Berlin, 26. April. In meinem Bericht über die vorgestrige Tagsitzung habe ich eines Zwischenfalls nicht erwähnt, der im Hause beinahe un- beachtet blieb und auch mir entging, aber so recht bezeichnend ist für unser parlamentarisches Leben. Zu einer Mehrforderung' im Militäretat(12,000 Mark für die Commandantur von Köln) ergriff der Demokrat Payer das Wort und sprach sich ent- | schieden dagegen aus, daß man dem Volk in dieser Zeit drückenden Nothstandes neue Stenern auflege. Die Erwähnung des Roth- standes im Zusammenhang mit dem Militärbudget machte den Präsidenten v. Forckenbeck„nervös"— er verwies Payer„zur Sache". Der„zur" Sache Verwiesene meinte, er sei bei der Sache, und wollte dies kurz begründen. Flugs wurde er von dem wachsamen Präsidenten zum zweiten Mal„zur Sache" ver- wiesen, und zwar mit Hinweisung auf die Bestimmungen der Geschäftsordnung(daß dem Redner, der dreimal zur Ordnung oder zur Sache verwiesen ist, das Wort entzogen werden kann). Herr Payer sah nun, daß er dem Lasso der Geschäftsordnung verfallen war, und verließ die Rednerbühne mit dem Bemerken, daß er bei der dritten Lesung des Etats sich zum Wort melden werde. Ob's ihm etwas nützen wird? Mit der parlamenta- rischen Redefreiheit wird's bei der dritten Lesung des Etats nicht besser bestellt sein als bei der zweiten. Die vorgestrige Abend sitzung war dem Rest des Etats gewidmet, der auch mit Dampfgeschwindigkeit glücklich erledigt ward. Die Positton betreffs Kasernenbauten gab Temmler Gelegenheit, die Kostspieligkeit und Unzweckmäßigkeit(namentlich auch in gesundheitlicher Beziehung) zu geißeln, was er denn auch gründlich besorgte— zum großen Aerger der Majoritäts- Abgeordneten, die vor stürmischer Sehnsucht nach dem Souper mit obligaten Seideln oder Schoppen an nichts Anderes mehr denken konnten. Ein englischer Vers meint, gar mancher Ange- klagte sei gehenkt worden, weil die Geschworenen Hunger gehabt. Wie manche Million wird unbesehen bewilligt, weil die Volks- Vertreter Hunger(und Durst) haben. Heute: dritte Lesung des Etats. Zunächst General- debatte, zu der sich unsererseits Liebknecht zum Wort meldet. Es wird ihm auf dem Bureau mitgetheilt, daß vor ihm fünf Redner sich zum Wort gemeldet haben, und er nach Maitz ahn Gültz das Wort erhalten werde. Erster Redner: Benda(na- tional liberal) laskert 19'/- Minuten, genau nach der Uhr gezählt, — etwas Anderes als nach der Uhr sehe» kann man natürlich nicht während der Rede dieser gelungenen Personifikation der Langweile. Gott sei Dank— er ist fertig.„Abgeordneter Jörg hat das Wort!" ruft Präsident Forckenbeck, seine sonst dumpf gurgelnde(bauchrednerartige) Stimme klingt hell und scharf, und das„Jörg" wird eigenthümlich betont. Erwartungsvolle Stille, die Herren an den Minister- und Bundesrathstischen werden un- ruhig. Herr Jörg schreitet feierlich würdevoll auf die Redner- bühne— das bedeutet eine große Aktion. Die Herren an den Minister- und Bundesrathsttschen werden unruhiger. Herr Jörg ist oben angelangt, räuspert sich, streicht sich den Kopf von hinten nach vorn, als wolle er ihn magnetisiren, und lüftet dann gra- vitätisch den Deckel, welche die„Staatsmänner" über den Hexen- kessel der orientalischen Frage gestülpt haben. Er schnüffelt Ein englisches Programm. /(Schluß.) Reformen in der Erziehung. Erste Stufe des Fortschritts. Forderungen der Gegenwart. 1. Der Elementar-Unterricht ist obligatorisch. 2. Uni das Talent zu erwecken, schließt der Elementar-Unter- richt die Grundzüge der Wissenschaften und Künste ein. 3. Selbst die ersten Schritte im Elementar-Unterricht werden begleitet durch industriellen Unterricht, wie die Kenntniß und Handhabung der in den verschiedenen Gewerben gebrauchten Werkzeuge, zu dem Zweck alle Kinder für die Lehrlingsschaft in den Älational-Werkstätten und industriellen Unterrichts-Etablisse- ments vorzubereiten. 4. Die Kinder werden theilweise oder vollständig in den Regierungs-Kostschulen verpflegt und logirt, falls ihre Eltern es wünschen und für sie bezahlen. c« s. � 5. Ein gradweises Aufsteigen oder Besordertwerden durch alle Erziehungs-Etablissemenrs des Staates, von der Klein- Kinderschule bis zur Universität, wird den Kindern der ärmsten Bürger zugänglich gemacht. Zu diesem Zweck wird eine große Summe aus der National- Schatzkammer reservirt und als Stipendien, Preise und Freistellen, talentvollen und würdigen Studenten zuerkannt. Zweite und dritte Stufe des Fortschritts. Erziehung im com- munistischen Staat. 1. Alle Kinder werden in Regierungs-Unterrichts-Anstalten untergebracht, verpflegt, gekleidet und unterrichtet und auf Kosten des Staates unterhalten. 2. Häufiger Verkehr zwischen Eltern und Kindern wird er- laubt sein. 3. Die Pflicht zu unterrichten ist für alle Bürger obligato- risch und wird von sich ablösenden Abtheilungen von Lehrern ausgeübt. Reformen in der Rechtspflege. Erste Stufe des Fortschritts. Forderungen der Gegenwart. 1. Ein Civil- und Strafgesetzbuch mit Ausführungsbestim- münzen wird von einem Körper hervorragender Rechtskundiger nach vorher vom Parlament niedergelegten Prinzipien ausge- arbeitet. 2. Die Resultate aller Bestrafungen werden in 10jährigen Perioden zusammengestellt. Nehmen in einer Periode von zehn Jahren die Verbrechen ab oder zu, so werden in den folgenden zehn Jahren die Strafen entsprechend vermindert oder ver- mehrt. 3. Jeder Mann, welcher die Wahlfähigkeit besitzt, kann in ein Geschwornen-Gericht gewählt werden. 4. Jedes Geschwornen-Gericht besteht aus 23 Mitgliedern, und ihre Verdikte werden durch einfache Majorität abgegeben. 5. Die Geschwornen werden für den Zeitverlust nach einer gesetzlich festgestellten Skala bezahlt. 6. Die Zahl der Richter bei jedem Verhör beträgt fünf. 7. Der älteste Richter verkündet den Urtheilsspruch. 8. Der über den Angeklagten zu verhängende Urtheilsspruch ist entweder einer, dem alle fünf Richter zustimmen, oder nicht. In letzterem Falle schlagen die dissentirenden Richter besondere Urtheilssprüche vor. 9. In beiden Fällen, sowohl der Uebereinstimmung als des Auseinandergehens, unterliegt der vorgeschlagene Urtheilsspruch, oder die Urtheilssprüche der schließlichen Bestätigung der Ge- schwornen. 10. Im Falle, daß von den Richtern den Geschwornen ver- schiedene Sentenzen unterbreitet werden, wählen die letzteren eine derselben mit einfacher Majorität. 11. Im Falle das Richter und Geschworene nicht zu einer Uebereinstimmung kommen, und zwar nach genügender Berathung, soll der Fall dem Senat vorgelegt werden, wenn er von erstem Range ist. 12. Handelt es sich aber um geringere Verbrechen oder Civilklagen, so kann die Jury eine Milderung oder Verschärfung eines der von den Richtern vorgeschlagenen Urtheilssprüche em- pfehlen. 13. Diese Empfehlung wird vom ältesten Richter behandelt und sein Ausspruch soll die schließliche Entscheidung der Sache abgeben. 14. Jeder Criminal- oder Civilprozeß unterliegt der Be- Handlung folgender richterlichen Gewalten: Einem Staatsanwalt 5 Richtern, 25 Geschworenen, zwei älteren und zwei jüngeren ' Sachwaltern(lawyers, Rechtskundigen) für jede Seite, den Spezial-Sachwaltern für jede Seite und einem Bertheidiger für jede Seite. 15. Der Dienst der öffentlichen Bertheidiger ist gänzlich un- entgeltlich, und ihre Auswahl wird durchs Loos entschieden, wenn mehrere zu plaidiren wünschen sollten. 16. Kein Sachwalter darf als Bertheidiger plaidiren. 17. Den offiziellen älteren und jüngeren Sachwaltern wer- den die Fälle der Reihe um nach einer vom Gerichtshof ver- öffentlichten Liste zuertheilt, und sie erhalten vom Staat eine Bezahlung für ihre Dienste. 18. Eine festgestellte Jllnzahl solcher Weise verrichteter Dienste berechtigt die jüngeren Sachwalter ältere zu werden, und ältere Spezial-Advokaten, welche von den Privat-Parteien, falls sie als ihre Bertheidiger engagirt sind, bezahlt werden. 19. Der Verlauf eines Prozesses geschieht in folgender Ord- nung: 1. Anklage durch den Staatsanwalt. 2. Zeugcnverhör durch die Richter. 3. Kreuzverhör der Zeugen erst durch den Spezial- und dann durch die offiziellen älteren und jüngeren Sachwalter. 4. Verhör der Angeklagten durch einen der Richter. 5. Plaidoyers der drei Sachwalter jeder Partei. 6. Vertheidi- gung des Advokaten. 7. Zusammenfassung durch einen oder mehrere Richter. 8. Verdikt der Schuld oder Unschuld. 9. Vor- schlag des Urtheils durch die Richter. 10. Bestätigung des Ur- theils durch die Geschwornen. 20. Die vierteljährlichen Sessionen werden ersetzt durch per- manente Sitzungen der Gerichtshöfe, und unmittelbar nach Ver- vollständigung der Beweise werden die Verhöre eingeleitet. 21. Jede Person, welche ins Gefängniß gesperrt worden ist und freigesprochen wurde, ohne daß der geringste Makel an ihrem Charakter hängen blieb, erhält eine Entschädigung, die ihr von den Richtern auf Empfehlung der Geschwornen zuge- sprachen wird. 22. Alle Verbrecher werden in mühseligen, aber produktiven Arbeiten beschäftigt, und das hieraus gewonnene Einkommen wird verwandt(nach Bezahlung ihrer Nahrung, Haft w.), um solche Personen zu entschädigen, welche durch Verbrecher materielle Verluste, körperlichen Schaden ,c. erlitten haben, wenn solche Verluste und Schäden gerichtlich festgestellt sind, und Entschädigung dafür von den Geschwornen beftirwortet wird. und guckt, und guckt und schnüffelt— und nachdem er 3U Stunden in beir Topf geguckt und geschnüffelt, war er und war das Haus so klug wie zuvor. Im Uebrigen war die Rede recht in- teressant. Jörg ist„weder Türke noch Russe". Er will, daß „die Türkei nicht den Russen überliefert, aber unter europäische Curatel gestellt werde"— was nicht so ganz leicht, sintemalen eine halbe Million regulärer und nicht viel weniger irreguläre Soldaten mit Flinten, die schießen, und Säbeln, die hauen, einen gehauenen und gestochenen Protest gegen besagte Curatel erheben. „Das göttliche Verhängniß hat uns die Zuchtruthe der türkischen Okkupation eines Theils von Europa gebracht— das christliche Europa hat die heilige Pflicht, diese Zuchtruthe zu entfernen." Für einen orthodoxen Katholiken allerdings eine sonderbare For- derung— oder heißt es nicht, der Vorsehung in's Handwerk pfuschen, eine Zuchtruthe beseitigen zu wollen, die sie der christ- lichen Menschheit applizirt und dann hinter den Spiegel gesteckt hat? Komischerweise findet Jörg eine Beruhigung in den Worten Bismarck's, die deutsche Politik könne nur dann von dem Frie- denspfad abgedrängt werden, wenn„vitale Interessen Oesterreichs berührt" würden. Als ob„Oesterreichs vitale Interessen" durch die orientalische Frage nicht schon längst, und von Anfang an, derührt wären! Und als ob die Abdrängung vom Friedenspfad nicht auch in der Richtung nach Oesterreich hin erfolgen könnte! Schließlich entdeckte Herr Jörg, daß in der Lösung der orien- talischen Frage die Lösung der sozialen Frage stecke— was jedenfalls neu ist. Und diese seine merkwürdige Entdeckung führte ihn auf das Gebiet des Nothstandes; auf die Conferenz zur Lösung der sozialen Frage, welche die Reichsregierung 1873 in Berlin veranstaltet(Conferenz Wagener-Bucher und Stieber— Letzteren vergißt Jörg zu erwähnen); auf die Sorglosigkeit, deren die Reichsregierung sich seitdem in ökonomischen Dingen schuldig gemacht; statt die soziale Frage zu lösen, habe sie den Culturkampf eröffnet und„die Träger des sozialen Beider- bens(die Sozialdemokraten) hereingelassen" u. s. w. Deutschland leide darunter, daß es zugleich ein großer Militärstaat und ein großer Industriestaat sein wolle. Einige Sticheleien aus die Moltke'sche Kriegspauke bildeten den Schluß der Jörg'schen Rede. Die Herren an den Minister- und Bundesrathstischen setzten sich und Reiner blieb stehen, um auf die Herausforderungen und Angrisse des Ccntrumsmannes zu antworten. Herr Bülow, der Vizekanzler für's Auswärtige, machte sich so dünn, daß man ihn kaum sehen konnte. Er war auch in schlimmer Lage— die Sphynx sitzt schmollend, grollend und unnahbar hinten in Varzin und hat Niemand in ihre politischen Räthscl eingeweiht. Böse Zungen meinen, die Sphynx selbst habe den Schlüssel nicht, oder habe ihn verloren. Wie dem nun sei, das fatale Dilemma, in dem sich der kleine Vizekanzler befand: entweder durch Schweigendem— Achselzucken des Reichstags oder durch Reden dem Zorn Ihrer Majestät, wollte sagen Nervosität, der Varziner Sphynx, zu verfallen. Er wählte das erstere Theil. Wohl bekomm's! Nun war die Reihe an Payer, der in kurzen, kräftigen Worten den Standpunkt der Demokratie gegenüber dem Milita- rismus vertrat. Ein paar gelispelte, unverständliche(jedoch an- scheinend gegen Jörg gerichtete) Sätze des Junkers Maitz ahn- Gültz und— die Reihe zu reden war an Liebknecht.(Einer der fünf ihm angekündigten Vorredner war mysteriös verduftet.) Doch die Parlamcntsgötter und ihr Valentin wollten es nicht. „Es ist ein Schlußantrag eingegangen Seitens des Abgeordneten Valentin!" gurgelt Forckenbeck in seinen tiefsten Gurgeltönen. „Wer unterstützt den Schlnßantrag?"—„Unterstützung reicht aus-- Wer für den Schlußantrag ist, den bitte ich, sich zu erheben!— Der Schlußantrag ist angenommen." Valentin, der Abends vorher in der„Frankfurter Zeitung" sein Porträt gefunden, wirst einen triumphirenden Blick auf Liebknecht. Und er hat Ursache zu triumphiren, denn in ihm verkörpert sich der deutsche Rcichsparlamentarismus. Das Volk aber wird wissen, was es von den Henkern des freien Worts zu halten hat. Der Staatsstreich Valentin's war in diesem Fall um so weniger zu entschuldigen, als die Generaldebatte noch nicht 1'/, Stunden gedauert hatte. Die Spezialdebatte wurde von Lasker zu dem Versuch einer Antwort auf die Ausführungen Jörg's benutzt. Der Wer- such war nicht fehr glücklich, und wahrhaft komisch der Passus, in welchem er sich zum Dolmetsch der Moltke'schen Rede aufwarf, und in dieselbe einen„eminent friedlichen Charakter" hinein- deutelte.(Der„große Schweiger" nickt wohlgefällig, aber etwas erstaunt, und versinkt dann in tiefes Sinnen.) Der Moment, Aufschlüsse über den Stand der auswärtigen Politik zu fordern, sei schlecht gewählt. Die Leitung der Geschäfte sei za in guten Händen, und ähnliches Bertrauensgedudel. Windt Horst übernimmt es, Herrn Lasker(und nebenbei Zweite Stufe des Fortschritts. Spätere Rechts-Reformen. 1. Tie Zahl der Bürger, welche eine Jury bilden, wird uach und nach erhöht. 2. Es wird mehr als ein Vertheidiger zugelassen. Dritte Stufe des Fortschritts. Rechtspflege im communistischen Staat. 1. Alle bürgerlichen und Criminal-Prozesse werden vor die Volksversammlungen oder Theilparlamente gebracht. 2. Jedes Parlament hat em permanentes juristisches Co- mitö, dessest Präsident als öffentlicher Ankläger zu fungiren hat. 3. Der Beruf der Anwälte, Advokaten, Sachwalter hört auf. Organisation der Polizei. Erste Stufe des Fortschritts. Unmittelbare Reformen. 1. Polizisten, Briefträger und Boten in Regierungsdieustcn werden aus den Arbeitern derjenigen Gewerbe genommen, welche durch sitzende Beschäftigung oft der Gesundheit schaden. 2. Solche Leute lösen sich in ganzen oder halben Tagen ab, und das wird eine abwechselnde Erholung zwischen mühseliger Arbeit und erftischender Beschäftung im Freien ergeben. Zweite und dritte Stufe des Fortschritts. Communistisches Reglement für diesen Dienst. Polizei- und untergeordneter Regicmngsdienst ist für Alle obligatorisch. Militärische Organisation. Erste Stu�e des Fortschritts. Gegenwärtige Erfordernisse. 1. Das Kaufsystem wird abgeschafft. 2. Die Soldaten werden theilweise bei dem Bau von Na- tionalwerken oder in nützlichen Gewerben verwandt und erhalten dann eine Lohnerhöhung. Zweite Stufe des Fortschritts. Spätere Reformen. 1. Die stehenden Heere der modernen Staaten werden ersetzt durch Valkswehren, in die jeder waffenfähige Bürger eingereiht wird. Kirchliche Reformen. Erste stufe des Fortschritts. Unmittelbare Forderungen. 1. Alle Kirchen werden gänzlich vom Staate getrennt. 2. Beide llouses of convocation werden aufgelöst. 3. Ueberflüssiges Kirchen-Eigenthum und kirchliche Einkünfte werden vom Staat eingezogen und zu Erziehungs- Zwecken benutzt. 'auch Herrn Maltzahn-Gültz) die Leviten zu lesen. Es sei des Reichstags unwürdig, ans Respekt vor dem Verstand des Herrn Reichskanzlers den eigenen Verstand zu kassiren; es müsse dahin gewirkt werden, daß die Volksvertretung einen Einblick in den Stand der Dinge gewinne. Rußland müsse daran ver- hindert werden, die Türkei zu verschlingen; um jeden Preis müsse man der Gefahr der panslavistischcn Ueberfluthung be- gegnen. Jörg habe Recht, wenn er es für die Aufgabe Europas erklärt, die Türkei zu erhalten, aber der türkischen Wirthschaft ein Ziel zu setzen._ Würden die diplomatischen Aktenstücke vorgelegt— was er sehr wünsche und lebhaft befürworte—, so dürste sich vielleicht herausstellen, daß Deutschland in der einen oder anderen Phase der orientalischen Frage zu Gunsten des Friedens erfolgreich hätte eingreifen können. Es sei des Reichs- tags unwürdig, die Vertrauensposaune zu blasen. Die Vertreter der Nation hätten ein Recht und die Pflicht, Aufschlüsse zu fordern. Und dabei blickt die„kleine Exzellenz" boshaft hinüber nach dem kleinen Vizekanzler, der sich immer dünner macht und gewiß ein hübsches Sümmchen gegeben hätte, wenn er in den Erdboden hätte schlüpfen können. Doch es ersteht ein Retter in der Roth. Der„große Schweiger", der inzwischen aus seinem Sinnen er- wacht ist, erklärt, er habe in seiner vorgestrigen Rede nicht ge- sagt, was er habe sagen wollen, oder gesagt, was er nicht habe sagen wollen, je nachdem man es nehme. Er habe vielleicht Krieg gesprochen, aber er habe Frieden gemeint; der Abgeord- nete Lasker habe ihn besser verstanden, als er(der große Schweiger) sich ausgedrückt. Und damit setzte der große Schweiger sich hin, unter Zeichen des Erstaunens ob solch tiefsinniger Weisheit und sehr vereinzelten Bravos. Valentin schneidet weitere Debatten ab. Und jetzt Hurre, hurre, hopp, hopp, hopp über einen Budgetposten nach dem anderen; in sausendem Galopp stürmt die Majorität vorwärts. Kein Hinderniß giebt's. Tau- fende. Zehntaufende, Millionen— ein Spornstich und die Par- lamentsmähre setzt lustig drüber weg. Bei dem englischen Ge- sandtschaftsposten giebt's einen kleinen Aufenthalt. Bei zweiter Lesung waren 30,000 Mark gestrichen worden; dieselben sollten wieder eingeschmuggelt werden. Abstimmung zweifelhaft. Ham- melsprung. 139 gegen 138— die 30,000 sind gestrichen. Das war aber auch die einzige Schlappe, welche die loya- litätswüthigc Majorität erlitt. Gleich darauf beantragte Schor- lemer-Alst, 30,000 Mark an den Ausgaben für den Gesandten in Petersburg zu streichen. Bei der zweiten Lesung war dieser Posten nur auf Bismarck's persönliches Drängen bewilligt worden, „Weil Bismarck nicht hier, sei die Ablehnung wesentlich erleich- tert", meinte Schorlemer. Doch die Bismarck-Garde hielt fest zusammen— der Posten wurde bewilligt. Das langweilige Einerlei des Jasagens wurde erst wieder unterbrochen, als bei Gelegenheit des Post- und Telegraphen-Etats der Abgeordnete Majunke von Neuem auf die Thatsache auf- mcrksam machte, daß, trotzdem Reichspost- und Preßgefetz be- stimmen, daß den deutschen Zeitungen der Postdebit innerhalb der Rcichsgrenzen nicht entzogen werden darf, die„Germania" seitens elsässischer Postanstalten nicht ausgegeben wird. Als dieser Gegenstand zum ersten Male im Reichstag angeregt wurde, er- klärte der Postgewaltige zum allgemeinen Halloh des Reichstags, daß das Postgesetz zwar bestimme, daß die Postbehörden die Zeitungsabonnements annehmen, nicht aber, daß sie die Zeitungen auch ausgeben müßten. Der Widerspruch, den diese Ausfüh- rungen im ganzen Hause fanden, war wohl die Ursache, warum heute an Stelle Stephan's ein juristtsch mehr gebildeter Ver- treter des Bundesraths das Wort nahm und in längerer Aus- führung darthat, daß Elsaß-Lothringen eigentlich„Ausland" sei, daß aber, wenn man selbst davon absehe, die Thatsache, daß ein Gesetz vom Jahre 1872, wonach dem Oberpräsidenten das Recht zustehe, Zeitungen zu unterdrücken und zu verbieten, existire, genüge, um die Handlungen der Regierung zu rechtfertigen. Die Post handle vollständig gesetzlich und sie treffe kein Vorwurf, denn— in den Bruderländern Elsaß und Lothringen herrschen eben Ausnahmszustände, richtiger: Belagerungszustand. Daß dieser faktisch vorhanden, gestand denn auch der Abgeordnete Lasker zu, indem er ausführte, daß der Vertreter des Bundesraths vollständig Recht habe und es sonach nur von der Willkür des Oberpräsidenten von Elsaß-Lothringen abhänge, welche Zei- tungen von den dortigen Einwohnern gelesen werden dürfen. Und dies alles sechs Jahre nach der Annexion. Nachdem diefer„Zwischenfall" erledigt, ging es wieder im gewohnten Loyalitäts- Galopp weiter. � Der Präsident verliest die Positionen, ohne daß ihn Jemand verstehen kann, die Abgeord- neten stehen plaudernd in Gruppen herum oder befinden sich 4. Uebertriebene Besoldungen und einträgliche Sporteln wer- den gekürzt. 5. Das Kirchen-Patronat wird abgeschafft, Pfarrer und Lehrer aller Richtungen werden von ihren betreffenden Gemeinden gewählt nnd abgesetzt. Zweite Stufe des Fortschritts. Spätere Reformen. 1. Alle Religionen und Sellen werden mit Plätzen zum Gottesdienst und Besoldungen für ihre Lehrer versorgt, wenn ihre Gemeinden zahlreich genug sind. 2. Niemand hat die Erlaubniß, Pfarrer oder Lehrer einer religiösen Sekte zu sein, der nicht anderweits als nützliches Mit- glied der Gesellschaft iv Gewerbe, Manufaktur, Industrie, Wissen- schaff oder Kunst beschäftigt ist.*) Dritte Stufe des Fortschritts. Stellung der Kirchen im com- munistischen Staat. 1. Religiöse Sekten und Gesellschaften dürfen sich die Mittel, Kirchen und Gotteshäuser zu errichten, nur durch. eigene An- strengungen verschaffen, nachdem sie vorher den lhnen zuge- fallenen Antheil an der nationalen Arbeit verrichtet haben. Gesundheitliche und andere Reformen von allgemeinem Nutzen. 1. Ein permanentes Gesundheitscomits tagt in allen Städten, stattet allen Lokalitäten, Häusern. Zimmern:c. häusige perio- dische Besuche ab und berichtet über seine Verhandlungen an das Lokal-Parlament. 2. Jedes Individuum unterzieht sich jährlich einer ärztlichen Prüfung seines Gesundheitszustandes. Dies geschieht, um eine genauere Kenntniß der in gewissen Gewerben und Beschäfti- gungen herrschenden Krankheiten zu erhalten und jener Vernach- lässigung und Unwissenheit entgegenzuwirken, welche sich heutzu- tage einer großen Anzahl von Personen so unglückbringend zeigen. 3. Alle körpertauglichen Armen, Vagabunden, Prostituirte, Schwindler und alle Personen ohne gesetzliche Mittel zum Unter- halt, werden zwangsweise in Straffabriken, Minen oder Acker- bau-Colonien beschäftigt. ♦) Vor 40 Jahren sah man noch an einer Hausthür in Dublin ein Messingschild mit der Auffchrift: Psarrer I. Foley, Tuchhändler. Das bildete eine Quelle sarkastischer Heiterkeit. draußen im Foyer; Millionen um Millionen werden ohne Wi- derspruch und ohne daß die meisten Abgeordneten wissen, um was es sich handelt, bewilligt; um einen heute gebrauchten Aus- druck des Abgeordneten Rickert zu wiederholen: es geht immer weiter.— Ja wohl, es geht weiter, nur ist die Frage, wohin es geht, und dürfte die heute herrschende Krisis und der allgc- meine Nothstand nebst dem„Krieg in Sicht" eine recht treffende Illustration dazu bieten, wohin es geht. Schluß der Sitzung 4'/2 Uhr. Die Sitzung, in der 540 Mil- lionen Mark dem herrschenden System— davon über vier Fünftel dem Moloch des Militarismus— in den Rachen geworfen wurden, dauerte genau 5 Stunden, das heißt 103 Millionen die Stunde, fast zwei Millionen die Minute! Volk, bewundere deine Vertreter! 27. April. Zunächst einen kleinen Nachtrag. Ich vergaß gestern zu er- wähuen, daß Windthorst den Umstand, daß in Leipzig provi- sorisch ein Gebäude für das Reichsgericht gemiethet worden ist, dazu benutzte, die Reichsgerichtsfrage auf das Tapet zu bringen und den Verdacht auszusprechen, man betrachte in maß- gebenden Kreisen die Verlegung des Reichsgerichts nach Leipzig noch nicht als definitiv und denke daran, dem Reichstagsbeschluß zuwiderzuhandeln. Die spitzigen Ausführungen der kleinen Ex- zellenz versetzten den Präsidenten des Reichsjusttzamts, Herrn Friedberg, in außerordentliche Auftsgung. Der Mann stotterte, ward bald roth, bald blaß nnd kam mit Mühe zu der Erklä- rung, für die Regierung sei, nach dem Beschlüsse des Reichs- tags, die Sache überhaupt nicht mehr zweifelhaft gewesen— eine Erkiärung, die jedenfalls zur Klärung nicht beigetra- gen hat. Heut haben wir das Nachspiel der„Zollschlachten". Ein sehr schwächliches Nachspiel. Das Ausgleichgesetz steht zu zweiter Lesung auf der Tagesordnung. Das„Haus" ist größten- theils nicht zu Hause, sondern draußen im Foyer, wo die Ab- geordneten rauchen und plaudern. Innen bemüht sich„unser Braun", die Sauce der freihändlerischen Gemeinplätze mit ein paar Witzen zu würzen. Es gelingt ihm aber nicht, obgleich er bei Meidinger Anleihen macht. Der alte Grumbrecht giebt sich Mühe, die lustige Person zu spielen, spielt aber blos die traurige. Schorlemer-Alst giebt Braun aus Barmherzigkeit ein paar Fußtritte(wozu dieser, der sich durch einige„Schoppen" gestärkt hat, vergnügt lächelt) und tiraillirt dann gegen die bisherige wirthschaftliche Politik der Reichsregierung, wobei er auch das Camphausen'fche Rezept nicht in's richtige Licht zu stellen ver- gißt. Dies bringt die Herren Achenbach und Camphausen auf die Füße. Der Herr Minister gegen Handel und Gewerbe, wie der„Glöckner im Exil" boshaft Herrn Achenbach titulirt, ergeht sich in Allgemeinheiten und sucht den vergeblichen Beweis zu liefern, daß er früher nicht dem Manchesterthum gehuldigt und den Großlapitalismus gefördert habe. Mehr zur Person- lichen Bemerkung ergriff nach ihm sein College mit der fettigen Stimme das Wort. Er hat„die üble Gewohnheit", auf Zei- tungsangriffe nicht zu antworten; jetzt aber, da ihm das Camp- hausen'sche Rezept vorgeworfen werde, müsse er antworten. Er habe nie gesagt, daß die Löhne reduzirt und die Arbeit vermehrt werden müsse— und verliest den betreffenden Passus seiner 1875er Rede, der zum Erstaunen des Haufes genau das besagt, was er nicht gesagt haben will. Er betrachtet es als„eine Hauptaufgabe der Regierung", die Lage der Arbeiterklasse zu heben. Was insbesondere die vorliegende Frage angeht, so kann er sich nicht entschließen, das Thema: Schutzzoll oder Frei- Handel? hier zu erörtern, weil— dieses Thema auch nach seinem Tode noch die Menschen beschäftigen wird(oder weil die Erör- terung vielleicht das Ministerportefeuille kosten könnte?) Verschiedene Andere„reden" noch; das, was sie geredet, wurde jedoch blos.für die Wähler oder den Geldbeutel der be- treffenden Reichsboten„geredet", und hat also für das größere Publikum und unsere Leser absolut kein Interesse. Endlich— nach vierstündiger Entleerung— sind sämmtliche Redebrünnlcin versiegt und es wird zur Abstimmung geschritten. Die Reihenfolge, in der über die verschiedenen Amendements u. s. w. abgestimmt werden soll, verursacht dem Vizepräsidenten Stauffenberg, der an Stelle Forckenbcck's den Vorsitz führt, das übliche Kopfzerbrechen. Der Schweiß perlt ihm von der Stirn— er sieht so perplex aus, als tanzten die Amendements und Anträge mitsammt der Gesetzesvorlage ihm wirbelnd vor den Augen herum. Drei-, viermal setzt er an; drei-, viermal erhebt sich Widerspruch. Endlich kann die Prozedur von Statten gehen. Angenommen— abgelehnt— angenommen— abge- lehnt. Und als man an den Regierungsantrag kommt, ist der- selbe durch die vorherigen Beschlüsse seines Wesens vollständig 4. Die würdigen Armen, die Kränklichen, Alten, Blinden und alle anderen unfähigen Personen werden nach den humansten Prinzipien behandelt. 5. Die jetzigen Insassen der Armenhäuser werden nach dem Grade, in dem sie selbst Schuld sind an ihrer Armuth, classifi- zirt. Je weniger sie die Schuld der Nachlässigkeit trifft, um so besser soll ihre Behandlung sein. 6. Im communistischen Staat wird Trunkenheit zum Ver- brechen erklärt, da es einen Mann zeitweilig oder für immer unfähig macht, seinen Pflichten gegen Staat und Familie als fleißiger Bürger nachzukommen. Ueberdies werden Trunkenheit und Schwelgerei im communistischen Staat seltene Vorkomm- nisse sein, denn alle Speisen und Getränke werden vom Staat nach den ökonomischsten und gesündesten Verhältnissen vertheilt, gemäß dem natürlichen Hunger Aller und übereinstimmend mit der Erhaltung guter Gesundheit und gesundem Geiste. Trunken- heit wird überdies verhindert werden durch das Verbot, alkoho- tische Flüssigkeiten zu fabriziren, ausgenommen zu medicinischen und gewerblichen Zwecken. Soweit das englische Zukunftsprogramm. Wir wiederholen nochmals, daß wir es mehr als einen interessanten Beittag zur sozialistischen Bewegung aufgefaßt wünschen, als daß wir Alles, was dasselbe enthält acceptiren wollten. Manches darin ist, wie gesagt, etwas utopistisch, rechnet nicht mit den Thatsachen der Verhältnisse und der menschlichen Natur; Anderes ist sehr an- nehmbar. Vorläufig wollen wir die Aussonderung unseren Le- fern überlassen, vielleicht daß wir sie bei Besprechung des ganzen Buches selbst noch vornehmen. — Ein würdiger Vertreter der Heiligkeit der Ehe. Vor einiger Zeit brachten wir eine Notiz über einen bekannten fortschritt- lichen Abgeordneten, dem seine Frau entlaufen war, weil er die Heilig- keit der Ehe„allzuhoch" hielt. Die«Verl. Fr. Pr." ergänzt nun jene Notiz noch in folgender Weise:„Herr Duncker, der sonst— voraus- gesetzt, daß er nicht wichtige Reisen behufs SozialistentSdwng machte — ein recht fleißiger Besucher des Reichstages war, leistet, seitdem die stadtbekannten Ereignisse circuliren, dem Abgeordneten Ratzinger Ge- sellschaft, d. h. er glänzt durch beharrliche Abwesenheit. Fortschrittliche Blätter haben noch nichts davon gebracht." Also Herr Duncker, der Mann der„Volkszeitung", der Busenfreund des HarmoniedoktorS, der Mitgründer der Gewerkvereine, ist diefer keusche Joseph. entkleidet und existenzunfähig gemacht. Tie namentliche Ab- stimmung, die auf Antrag erfolgt, ist eigentlich blos eine For- malität. Der Entwurf ist todt, er braucht nicht mehr todtge- schlagen zu werden. Resultat: 211 Nein, III Ja, 6 Enthal- tungcn. Die Niederlage der Regierung kann nicht eklatanter sein. Enthalten haben sich nur Sozialdemokraten, die keine Veranlassung zu haben glaubten, für den einen oder anderen der einander bekämpfenden Theile Partei zu ergreifen. Temmler und Blos stimmten— mit Rücksicht auf die Gestalt, welche der Entwurf durch die vorherigen Beschlüsse des Reichstags erlangt — mit Nein! Keine Partei des Reichstags stimmte„ge- schlössen". Jeder stimmte nach seinen Privatneignngen oder In- teressen— der beste Beweis, daß die Frage: Schutzzoll oder Freihandel? keine prinzipielle, sondern eine rein praktische Frage ist. Morgen giebt's noch ein Nachspiel des Nachspiels, nämlich eine Debatte über den Varnbüler'schen Antrag; außerdem steht morgen u. A. der Etat für Elsaß-Lothringen auf der Tagesordnung. Es besteht die feste Absicht, den Reichstag nächste Woche zu schließen; natürlich muß dann eine Menge von Anträgen, Ge- sctzesentwürfcn und sonstigen Materien unerledigt bleiben, doch das kümmert die„Diätenlosen" nicht. Es treibt sie fort mit Sturmeswehen zu ihren„väterlichen Ochsen", um mit dem geist- vollen Grafen Bethusy-Huc zu reden. 28. April. Zwei Stunden hat er geredet! Nein, nicht geredet— gcpicpset, wie ein Spatz, der sich erkältet hat. Zwei Stunden! Das geht ja über den Laster. Und die Stimme— oder Nicht- stimme. Vor neun Jahren konnte er noch reden, dieser Varnbüler; im Zollparlament donnerte er gewaltig gegen die Verpreußung und bildete den Krystallisationspunkt der reichs- feindlichen Elemente. Aber der kalte, trockene Nordostwind, der seitdem über Würtemberg gestrichen ist, hat ihm den Minister- stuhl unter dem Leib weggeblasen und statt dessen einen Stock- schnupfen gebracht, an dem er noch heute laborirt und wohl bis an's Ende seiner Tage laboriren wird. Was er gepiepst? Keinen artikulirten Laut habe ich ver- standen, und doch erfreue ich mich eines ziemlich scharfen Gehörs. Ich frage meinen Nachbar. Er schüttelt verzweifelt den Kopf. Ein zweiter College— dito. Niemand hat ein Sterbenswörtchen verstanden— sogar die Stenographen, die unmittelbar vor dem „Redner" sitzen, verstehen nur Bruchstücke und lassen jeden Moment ihren Bleistift ruhen. Der Herr Exminister wird ihnen die geschriebene Rede für's Stenogramm liefern, und— das ist ja bequem für beide Theile. Im Augenblick, wo ich meinen Bericht schließen muß— Vz2 Uhr Nachmittags— läßt Herr Hofmann seine kanzler- amtspräsidentliche Beredsamkeit mit grausainer Monotonie auf's Haus herabttäufeln. Ein paar unvorsichtige Mitglieder, die sich auf die frohe Mähr hin, daß Varnbüler geendet, aus dem Couloir(der breite Gang vor dem Sitzungssaal) und Kneip- zimmer unvorsichtig hereingewagt, stürmen Hals über Kopf wieder hinaus, als wären sie von Furien verfolgt. Correspondenzen. Ottensen. Die Wahlprüfungscommission des Reichstags hat die Wahl des Abgeordneten Beseler beanstandet, und steht zu erwarten, daß der Reichstag das Mandat kassirt, indem die bei Gelegenheit dieser Wahl vorgekommenen, sozialistischerseits in einem Protest gerügten Beeinflussungen und Bedrückungen der Wähler unerhörter Natur waren. Gegenkandidat Beseler's war der Sozialdemokrat Stöhr, welcher bei einer Neuwahl in unserm Wahlkreise große Aussicht auf einen Sieg hat. Verband sächsischer Berg- und Hüttenarbeiter. Wir halten uns für verpflichtet, den Genossen obigen Vereins mit- zutheilen, daß die Statuten seitens des Königlichen Gerichtsamts im Bezirksgericht zu Zwickau an den am 28. Januar d. I. gewählten Vorstand mit dem Bemerken zurückgekommen sind, daß die in§ 4 unter e, d und e enthaltenen Punkte vom Königlichen Ministerium des Innern der Genehmigung bedürfen. Es sind daher seitens des Vorstandes die diesbezüglichen Schritte gethan worden, und glauben wir in einigen Wochen Statuten u. s. w. im Druck erscheinen lassen zu können. Die Genossen wollen daher kräftig für Ausbreitung des Verbandes Sorge tragen, damit die Mühen des Vorstandes belohnt, sowie den uns Fern- stehenden gezeigt wird, daß Ausdauer, Muth und Arbeit doch endlich noch zum Siege führen. Glück aus! Zwickau, im April 1877. Die Verwaltung. losigkeit in jeder Beziehung solidarisch handeln. Der Arbeiter ist unter den heutigen Verhältnissen bei eintretender Arbeitslosigkeit mindestens ebenso unterstützungsbedürftig, als in Krankheitsfällen. Der Kranke wird im dringendsten Falle, wenn auch nicht in gewünschte: Weise, vom Staat oder der Gemeinde unterstützt, oder vielleicht in einer öffentlichen Anstalt untergebracht, für den Arbeitslosen hingegen hat unsere heutige Gesellschaft kein Gehör, der ist, wenn er sich nichts erspart hat, was aber bei den jetzigen Verhältnissen fast unmöglich ist, dem Elend preis- gegeben, und daher kommt es auch, daß dem noch in Arbeit stehenden Collegen eine fast unerträgliche Concurrenz geschaffen wird. Weiter wäre wohl auch unser Reiscunterstützungswesen noch anzuführen, welches hauptsächlich den jüngeren Collegen zu gute kommt. Aus den eben an- geführten Punkten kann man wohl ersehen, wie der Verein bemüht ist, nach allen Richtungen die Interessen der Collegen zu wahren und zu fördern. Aber nur ein gemeinsames Handinhandgehen kann es ermög- jichen, etwas Gutes zu schaffen und uns nach jeder Richtung hin soli- darisch zu zeigen. Freilich, einen augenblicklichen Bortheil oder sofortige Beseitigung aller Uebelstände unseres Gewerks kann keine Organisation gewähren, sondern nur durch stetes Wirken und Streben können wir Schritt für Schritt etwas erreichen. Darum rufen wir Euch, die Ihr unserem Verein nicht angehört, zu, tretet ein in den gerechten Kampf, helfet uns mitwirken in unseren Bestrebungen, welche darauf gerichtet sind, unsere gegenwärtige trostlose Lage zu heben, sowohl in materieller wie geistiger und moralischer Beziehung. Ferner fordern wir Diejenigen, welche sich in Lokalvereinen verbunden verbessern, auf, sich unserm Central- verband anzuschließen, denn nur durch centtalistische Vereinigung können wir etwas Ganzes und Großes schaffen. Wünschenswerth wäre es aber, wenn Collegen oder Vertreter von Lokalvereinen an den Berathungen der Versammlungen thcilnehmen würden, um dadurch die Bestrebungen des Vereins genauer kennen zu lernen. Jede weitere Auskunft ist bei Unterzeichnetem einzuholen. Dresden, 23. April. Mit collegialischem Brudergruß I. A.: Ernst Enghardt, Humboldstr. 6, 4. Etg. Parteigenossen nnd Abonnenten des„Vorwärts",„Hamburg-Altonaer Volksblatt",„Rothe Fahne" rc., welche gewillt sind, ihre gelesenen Blätter im Interesse der Partei zu verwenden, werden ersucht, dieselben bei Herrn Th. Leiding, Planke- mat, und bei Herrn W. Voß, Heiligergeistgang 22, abzuliefern. Flensburg. A. Albrecht. Das„Hamburg-Altonaer Volksblatt" wird um Abdruck obiger Zeilen gebeten. Warnung. Vor etwa einem Jahre wurde ein Anstreicher-Geselle C. Driburg, damals in Gelsenkirchen, wegen Unterschlagung aus der Arbeiterpartei ausgestoßen. Derselbe hat sich jetzt einige Monate hier in Solingen aufgehalten, und trotzdem man sich vor ihm hütete, hat der C. Driburg auch hier sich der Unterschlagung schuldig gemacht, weshalb wir Jeder- mann vor demselben warnen. Die Exped. der„Solinger Freie Presse". Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. Quittung über die seit Februar d. I. für den nun verstorbenen Genossen Rudolph in Erfurt eingegangenen Untersrützungsgclder: Durch W. Richard aus Hattenbach 2,(i<); durch Ed. Wein aus Dresden K.OO; d. C. Meyer aus Braunschweig 12,00; d. H. Hartmann Han- nover 5,00; d. P. Eisenhauer aus Mannheim von einer Berloosung 7,70; von W. Müller 3,10; von P. Wetzel 1,S0; von I. Roth 1,00; von verschiedenen Genossen 1,20; d. Ed. Wein aus Dresden 6,00. Erfurt, 23. April 1877. Thomas Kühn. An die Parteigenossen im 18. und 19. hannover'chcn Wahlkreis. Um einem schon lange gefühlten Bedürfniß für die Agitation abzu- helfen, ersuchen wir diejenigen Freunde und Genossen, welche Redner- kräfte für Versammlungen wünschen, dies rechtzeitig, d. h. 8—14 Tage vorher, bei dem Unterzeichneten christlich zur Anzeige bringen zu wollen, damit, soweit wie möglich, allen billigen Anforderungen Rechnung ge- tragen werden kann. A. A.: I. Sältz, Bremerhaven, Ostersttaße 20. Den Genossen des hiesigen Kreises zur Nachricht, daß sich hier ein Agitationscomitö gebildet hat, in welches gewählt wurden: F. Wecker, Max Decker, F. Gundlach, H. Herbst, I. Steinte, P. Georg, W. Heise. Briefe, die Agitation betreffend, sind an den Unterzeichneten zu richten. Freiburg t. B. I. F. Hau g, Löwenstraße 6. Brieflasten der Redaktion. C. W. Traunstein. Ein Minderjähriger kann wegen Beleidigung angeklagt werden; der Schriftsteller E. K. ist gegen- wärtig in Altona.— Anonymus Berlin: Senden Sie uns den Aufsatz: „Die Philosophie des Unbewußten von Ed. von Hartmann zum Sozia- lismus."— Louis Michaelis: Ihre„Aussätze" können nicht aufgenom- men werden, weil sie von persönlichen Beleidigungei-c. strotzen und — unserer Ueberzeugung nach— auch nicht die Wahrheit enthalten. Auf dem Congrcß haben Sie Gelegenhest, sich zu verantworten, und, falls es Ihnen möglich, die gegen Sie erhobene Anklage zu widerlegen. der Expedition. R. Ldwg hier: Das Versehen bei der Annonce ist Ihrerseits gemacht worden.— Klaws, Hamburg: Sie haben bei Ihrer Annonce den Tag der Versammlung anzugeben vergessen. Quittung. I. Frnz Jägerndorf Ab. 20,00. Wchrs Hamburg Ann. 2,40 Hckr hier Ab. 3,40. Jerms Philadelphia Schr. 40,00. Expe- dition der„Tagwacht" Zürich Ab. 30,00. Ägilationscomitö hier Ann. 4,80. Uhlmnn Cainsdorf Ab. 15,00. Kfmnn Bludenz Ann. 0,30, Ab. 1,60. Fr. Knpp Straßburg Ab. 3,00. Schstr Dresden Schr. 3,00. Hrm Elberfeld Ab. 5,00. Nmnn Neundorf Schr. 1,82. Frdnthl Krusch- witz Ab. 2,40. G. Lnk Pieschen Ab. 7,40, Schr. 1,75. Grstmr Mün- chen Ab. 183,25. H. Strbl Zwickau Ab. 149,90. Pfnnkch Cassel Schr. 9,60. Zchrds Hermannstadt Ab. 16,00. Fonds für Gemaßrcgcltc. V. Kfmnn Bludenz 3,10. Anzeigen zc» Annoncen für die Mittwochs-Nummer müssen bis Mon- tag Vormittags 9 Uhr; für die FreitagS-Nummer bis Mitt- woch-Bormittags 9 Uhr; für die Sonntags. Nummer bis Freitag Vormittags 9 Uhr hier fein, wenn solche noch bestimmt Aufnahme finden solle«. Annoncen, denen der Betrag nicht beiliegt, oder für welche der Einsender kein Depot bei unS hat, können eine Aufnahme nicht finden.. � Die Expedition des„Vorwärts". An alle Sattler und Bcrufsgcnosscn Deutschlands. Collegen! Nach Beschluß des Vereins der Sattler und Berufs- genossen wird in diesem Jahre abermals eine Generalversammlung statt- finden, und zwar zu Pfingsten in Leipzig, um gemeinsam über Mittel und Wege zu berathen, welche zur Besserung und Förderung unserer Lage, sowie zum weiteren Ausbau unserer Vereinigung beitragen. Als Hauptpunkt ist wohl die zu gründende Central- Kranken- und Sterbe- kasse anzusehen. Betrachten wir die in unserem Gewerbe jetzt bestehen- den Krankenkassen, so muß man doch gewiß zugeben, daß in dieser Be- ziehung vieles zu wünschen übrig bleibt. Bei den jetzigen Kassen kommt es nur zu häufig vor, daß man Jahre hindurch zu einer derselben ge- steuert hat und schließlich durch die Verhältnisse gezwungen wird, den Ort zu verlassen und somit auf alle Ansprüche und Rechte verzichten muß. Noch schlimmer steht es aber mit dem an einigen Orten noch bestehenden Fabrik- Krankenkassen, bei denen man bei etwaiger Lösung des Ärbeitsverhälwisses aller Ansprüche und Rechte trotz jahrelanger und theilweise hoher Beiträge verlustig wird. Ganz anders aber steht es mit der zu gründenden Central-Krankenkasse. Wer einmal dieser Kasse angehört und seinen Verpflichtungen pünktlich nachkommt, hat im- mer Anspruch an die Kasse, mag er nun arbeiten und wohnen wo er will. Dies ist gewiß ein bedeutender Vortheil gegenüber allen anderen Kassen, insbesondere für reisende Collegen, welche in anderen Kassen oft nach langer Zahlung von Beiträgen dennoch ohne jede Unterstützung in Krankheitsfällen blieben. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Unter- stützungskasse für Arbeitslose. Es ist nicht genug, uns in Krankheits- fällen zu unterstützen, sondern wir müssen auch im Falle der Arbeits- dVsfl-cm/'r Mittwoch, den 2. Mai, Abends 8'/, Uhr: Altona. Aeffentliche Versammlung im Convent-Saal früher Wittmaack's Salon. Tagesordnung: Vorlegung und Berathung der Statuten eines neu zu gründenden Vereins, evenwell Wahl eines Vorstandes.(80 C. Reimer. CM-fDttfcm Mittwoch, den 2. Mai, Abends 8>/z Uhr, in Burmeister's Salon: Große Volksversammlung. Tagesordnung: 1. Das hiesige Schulwesen und die Antwort des Miuisteriums auf die Petition betreffend die hiesige Volksschule. Refe- rent Max Stöhr. 2. Die eventuelle Neuwahl im 6. Wahlkreise. 1,10) F. Heerhold. Cyftftn /t Metallarbeiter-Gewerkschaft. opilUt vi. w. Sonnabend, den 5. Mai: Geschlossene Mitglieder-Versammlung.(60 Tagesordnung: 1. Berathung über die anderseits gestellten An- träge. 2. Delegirten-Wahl.(F. 160) Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten._ F. Gaudich. OotW-vt/t Donnerstag, den 3. Mai, Abends Ve9 Uhr, im sAl'ftglg.„Thüringer Hof", Burgstr. 20: Oessentliche Sozialistenversammlung. Tagesordnung: Fortsetzung der Debatte über den Sozialisten-Congreß und Wahl eines Delegirten. Der Agent.(60 Oivfim/'r Agitations-Comite. Mittwoch, den 2. Mai,(präcis 9 Uhr, Sitzung im Lokal des Arbeiterbildungsvereins. Ter Borstand.(30 Vorstände der Gewerkschaften und Fachvereine werden Dienstag, Abends 8 Uhr, zu einer Besprechung im Lokale de? Arbeiterbildungsvereins, über eine abzuhaltende allge- meine Gewerkschaftsversammlung freundlichst eingeladen. Zahlreichem Erscheinen sieht entgegen. R. Ludwig.(50 Schuhlcisten-Schneidcr, heres unt. Adr.: Josef Kaufmann, Bludenz, Vorarlberg.(F.40) 90 Lager roher Tabake von Gebrüder Frenkel. Kamöurg, Meulladt, I-nbrentwiete 9«. Wir empfehlen unser gut affortirtes Lager von Rohtabaken, und machen gleichzeitig darauf aufmerksam, daß wir neuerdings die Anord- nung getroffen, selbst das kleinste Quantuni zu versenden und Engros- Preise zu berechnen.(F160) 3b 1270 Ädrtßändcrullg. Da Herr I. Franz aus der Volksbuchhandlung des Schweiz. Ar- beiterbundes ausgetreten und eine eigene Buchhandlung begründet hat, so wolle man alle Sendungen an uns einfach: Volksbuchhandlung, Zürich oder noch besser: Volksbuchhandlung, Zeltweg- Hottingen mit Hinwcglassung des Namens I. Franz adressiren. Wird der Name I. Franz noch neben demjenigen der Volks- buchhandlung auf die Adresse gesetzt, so werden die Sendungen ge- wöhnlich in der Buchhandlung des Herrn I. Franz abgegeben, was zu Verzögerungen und Verwirrungen Anlaß giebt. Also nochmals: adressire man einfach Volksbuchhandlung ohne Beifügung des Namens I. Franz.(2a) Neue Welt ErsterJahrgang, 1876, complett ist wieder versandtfertig geworden, und wiederholen wir deren Em- pfehlung als Zierde jeder Bibliothek und besonders geeignet zu Fest geschenken. Preis: ungebunden 5 M., in elegantem Einbände 7 M. 50 Pf. franco nur gegen baar. Für Porto sind 50 Pf. einzusenden. Die Einbanddecken tragen in Golddruck das große Titelbild des Heftumschlags, darstellend: „Die Aefrciung der Menschheit". Diese eleganten Einbanddecken sind ä 1,20 Mark gegen baar oder Nachnahme(cxcl. Porto) durch uns, sowie durch die Buchbin- derei von H. Jansen, Leipzig, Universitätsstr. 16, zu bezichen. Bei Partiebezug entsprechender Rabatt.— Es empfiehlt sich bei Einzel- bestellung Einsendung des Betrages in Briefmarken. Leipzig. Die Expedition der„Neuen Welt". Färberstr. 12. II. Alle Gelder für die statistische Tafel der sozialist. Wahlen sind umgehend an August Geib, Hamburg, Rö- dingsmarkt 12, zu senden. Die weiteste Verbreitung der statistischen Tasel liegt im Interesse der Partei! Cfctfrt-weilviev/'v Sonntag, den 6. Mai, Abends 7>/, Uhr, bei �UllHülUg. Wittwe Nielsen, Groß-Straße 40.:(F.122) Oessentliche Arbeiter-Versammlung. Tagesordnung: Der diesjährige Sozialisten-Congreß in Gotha. i 60] A. Fechncr. Hambura. Grosze öffentliche Versammlung sämmtl. Töpfer von Hamburg u. Altona! im Lokale des Hrn. Hübner, Große Rosenstraße 37. Tagesordnung: Zweck und Nutzen der Gewerkschaftsbewegung. Refe- rent Herr E. Breuel. G. Klaws.(60 Donnerstag, den 3. Mai, Abends 8'/, Uhr, ��Hlltll. rillt.. � Saale des Hrn. Hillebrand, Altemünze 21: Oessentliche Arbeiter-Versammlung. Tagesordnung: Betr. Beschickung des Congreffes. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht P. Krowiarz.! Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert eä|, daß die Partcige- nossen sich in der Versammlung zahlreich einstellen.(80! imfli. SO., Kaiser Franz-Grenadier-Plaiz 8a. nähme von �Druck- Auftrügen /z..rV'% A W Ueber- X A.«. \% r jeder Art und jeden � Umfangs, als: Zeitungen,\ � / Zeitschriften, Werke, Broschü-�V yren. Statuten etc. empfiehlt eich die\ � �/__ � v., Allgemeine Deutsche\ Associations- Buchdruckerei/ (Eingetragene Genossenschaft) .unter Zusicherung prompter u. reelle� % Bedienung bei soliden Preisen. mpxkraft-Bctrieb a. Dopp Schnellpresse.— Acci- . �\Dampikraft-Bctrieba. Doppel-/ S*& •V-. X«_____ h.rr-\. S S**> denzen jeden Genres:. BERLIN, SO., Kaiser �aiiz- Grenadier-Platz 8a. Lerantwortltcher Redakteur: W. Hasen cleverin Leipzig. Redaktion und Expedition Färberstraße 12/11. in Leipzig. Druck und Lerlaq der GenossenfibaftSbuchdrockerei in Le-pzi»