Erscheint in Leipzig Mittwoch. Freitag. Sonntag. AbonncmcutSPreis sür ganz Deutichland t M. 60 PZ. pro Quartal. Monats- Abonnements werden bei allen deutjchen Postanstalten aus den 2. und 3. Monat, und aus den Z. Monat besonders angenommen: im ttönigr. Sachsen und Hcrzogth. Sachsen- Allenbnrg auch aus den tten Monat bei Quartals i 54 Psg. Inserate betr. Versammlungen pr. Petitzeile 10 Pf.. betr. Prioatangelegcnheiten und Feste pro Petitzeile 30 Pf. Vo rw ärl ZZcstclluilgtn nestmen an alle Postanstalten und Buch Handlungen des In- u. Austandes. Filial» Expeditionen. New-Uorl: Soz.-demolr Menosten- fchaftibllchdruckerel,>54 Qllleiiiipe tiin. Philadelphia: P. Hab, 630 Karlll z>u ltken.n I. Boll, 112« Charlott« Str Hoboken H. J.: F. A. Sorge, 2t5 Waoll- inpston Str. Chicago; A. Lanserma: n, 74 c!I>Kollrne->e. San FranziSco: F.Entz,4l6 0't'arrvII Str. London Vf.; C. Henze, 8 Kew rrr. Golden Square. Eentrat Hrgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 54. Mittwoch, 9. Mai. 1877. Pfui über solches Gesindel! Mit obigen Worten schließt unser Berliner Parteiorgan eine Notiz, die folgende Thatsachen enthält: „In der„Bossischen Zeiwng" stand eine Annonce des In- Halts, daß eine arme Wittwe, die eine brustkranke Tochter hat, besser situirte Leute ersuchte, ihr, da sie gänzlich erwerbslos sei, 2b Thaler zur Anlegung eines Kleinhandels zu leihen. Es stellte sich auch schon am Donnerstag ein fein gekleideter Herr ein, der sich die Wohnung und die Verhältnisse der Hilfe suchenden Fam lie ansehen und nöthigenfalls auch helfen wollte. Die Frau war eben auf einem Ausgang begriffen, und ihre Tochter hatte für kurze Zeit das Bett verlassen. Die Tochter ersuchte den Herrn, sich einige Minuten zu setzen, da die Mutter sehr bald zurückkommen müsse. Dem Herrn schien jedoch am Zurückkehren der Letzteren wenig gelegen zu sein, er fing viel- mehr an, mit der Tochter zu unterhandeln. Diese Unterhandlung war allerdings für das kranke Mädchen sehr peinlich, denn jener feine Herr redete von„gewissen" Bedingungen, unter denen er helfen wollte, und verließ erst nach mehrfach wieder- Holter sehr dringender Aufforderung, sich zu entfernen, die Woh- nung, jedoch nicht, ohne noch an der Thür einige höchst an- stößige Bemerkungen gethan zu haben. Am Freitag hatte die Witttve kaum wieoer die Wohnung verlassen, um etwas zu essen für sich und ihre Tochter zu beschaffen, als auch schon ein zweiter Herr, fein geschniegelt und gebügelt erschien. Derselbe fragte zunächst das überaus leidend aussehende Mädchen, was ihm fehle. Nach erhaltener Antwort erbot er sich, dasselbe auf seine ftosten kuriren zu lassen, unterließ jedoch dabei nicht, sich ihr wiederum in nicht mißzuverstehender Weise auf- dringlich zu machen. Auch hier gelang es der entrüsteten Prole- tarier-Tochter, den frechen Gast aus der Wohnung zu entfernen. Endlich am Sonnabend kam ein dritter alter, sehr ehrbar aus- sehender, ebenfalls eleganter Herr, sah sich in der Wohnung um und sagte zu der Mutter des Mädchens:„Ja, liebe Frau, Ihnen werde ich die gewünschten 25 Thaler geben, Ihre Tochter werde ich mir kuriren lassen, die nehme ich aber mit auf mein Gut in die frische Luft, da soll sie es, wenn sie artig ist, recht gut haben. Die alte Frau hatte jedoch indessen schon den in der Ecke stehenden Besen ergriffen, was der„Menschen- freund" nicht freundlich aufzufassen schien, indem er sich eiligst entfernte." Pfui über solches Gesindel! Der Abgeordnete Most hat in einer Reichstagsrede kürzlich gesagt, daß die sozialistische Presse nicht„schimpfe"; die liberalen Blätter aber, welche obigen Entrüstungsausruf hören, rufen triumphirend aus:„Die sozialistische Presse schimpft nicht— „„Pfui!"" und„„Gesindel"" sind wohl keine Schimpfworte?" Und mit diesem Rufe glaubt sie die Most'schen Worte ab- gethan zu haben. Ganz abgesehe« davon, daß es lächerlich ist, das Kind nicht bei dem rechten Namen zu nennen, daß ein Entrüstungsruf noch lange kein Geschimpfe ist, ganz abgesehen davon, bewirkt die liberale Presse dadurch, daß sie sich über das„Schimpfen" der Sozialisten bei solchen Vorkommnissen aufhält, daß die Aufmcrk- samkeit der Leser von den Thatsachen und von dem„Gesindel" abgelenkt wird und sich den bösen Sozialisten zuwendet. Wenn irgend eine Schandthat in der heutigen Gesellschaft verübt wird und wir stellen die handelnden Personen an den Pranger— sofort fällt die liberale Presse über uns her und sucht dadurch die Schandthat selbst und ihre Verüber zu decken. Und leider gelingt ihr dies allzuhäufig. Das Urtheil der Sozialisten, die von der herrschenden Presse als Raubmörder und Banditen hingestellt werden, kann ja nicht maßgebend sein, so kalkulirt der biedere Spießbürger und er empfindet vielleicht sogar noch Mitleiden mit dem„Gesindel", welches sich die Krankheit eines hübschen Mädchens zu Nutze machen wollte, um seiner Wollust zu fröhnen, Mitleid deshalb,'weil die Ver- ächter der„Heiligkeit der Ehe", die verruchten Sozialdemokraten sich nicht scheuen, das richtige Wort für solches menschen- fchänderische Beginnen anzuwenden. Die corrumpirte Presse trägt in solcher Weise die Corruption in die weitesten Kreise der Gesellschaft.— Und selbst im Reichstage tritt uns eine ähnliche Erscheinung entgegen. Sobald die Sozialisten die gedrückte Lage der Unter- beamten schildern und Abhülfe fordern, springt irgend ein Mit- glied der Majorität auf und erklärt, daß dadurch, daß die Sozialdemokraten solche Forderungen stellten, der Reichstag so- wohl wie die Reichsregierung in die Lage gebracht würden, den nothleidenden Unterbeamten keine Hülfe zu bringen. Wir nennen in der Presse das Kind bei dem rechten Namen —„Geschimpfe"; wir fordern im Reichstage in eindringlicher Weise das Recht sür nothleidende Beamte—„Geschimpfe"; wir treten der Corruption in unverblümter Weise entgegen, so daß alle edel denkenden Menschen unsere Absichten billigen, und doch tönt es aus den Reihen der„verdunckerten" Stimmführer unserer Gegner fortwährend heraus:„Geschimpfe"! . /sun denn, in„dreiunddreißigtausend Teufels Namen", wenn oasGeschimpfe ist, so wollen wir schimpfen!--- Im Uebrigen müssen wir in Bezug auf obige Notiz noch be merien, daß durch die herrschende Presse, ferner durch die ru- n/x. Romanliteratur die Moralität in weiten Kreisen der Gezellichaft leider schon derart untergraben worden ist, daß viel- fach unser Entrüstungsruf: Pfui, über solches Gesindel!" kaum verstanden wird. Für Geld kann man Alles haben, man kann sogar«den Teufel tanzen sehen", weshalb soll man sich da entrüsten, wenn einige gemeine Burschen für Geld ein krankes unschuldiges Proletarierkind heilen lassen wollen, um nachher ihrer Wollust zu stöhnen? Weshalb soll man sich wundern oder gar darüber lamentiren, wenn ein„hervorragender Volksmann" statt einer Frau deren vier hat— er hatte ja Geld und wäre ihm dieses nicht ausgegangen, es hätte kein Hahn und kein Huhn nach den vier Frauen gekräht; daß ihm das Geld ausging, das war unmoralisch, nicht daß er vier Frauen hatte. Und so lange der bekannte Leitartikelschreiber des„Organs für Jedermann" durch seinen Chef in leidlichen Vermögensverhältnissen gehalten wer- den konnte, genirten ihn die überzähligen sieben lebendigen Leitartikel gar nicht, aber als das leidige Geld ausging, da trat auch die lebendige Leitartikelschande zu Tage. Doch was noch weiter über etwas zu reden, was sonnenklar ist,—„Geld regiert die Welt", für Geld kann man sogar kranke Proletariertöchter haben— welcher Sinnenkitzel! Daß in beregtem Falle die Moralität und der Besenstiel siegten, dies gereicht der Proletarierfrau und dem Proletariermädchen ganz gewiß zur Ehre; wir aber müssen mit Energie weiter- arbeiten, daß solche Siege nicht mehr erfochten zu werden brau- chen, daß solche Versuchungen nicht mehr an die Menschen her- antreten können, ja wir müssen es bald soweit bringen, daß unter dem Einfluß des Sozialismus Jedermann den Muth hat, das Kind bei dem richtigen Namen zu nennen: „Pfui, über solches Gesindel!" Sozialpolitische Uebersicht. — In Berlin cirkuliren die beunruhigendsten Ge- rüchte. Man glaubt allgemein an eine baldige Mobilmachung. Der Reichstag sei blos deshalb so rasch heimgeschickt worden, um sich unangenehme Frager, die doch nicht ausgeblieben wären, vom Halse zu schaffen. Gewiß scheint, daß die„militärischen Ausgleichmaßrcgeln", von denen Moltke gesprochen, bereits im Vollzuge sind, und daß, während die Ostgrenze, so weit nicht die Lage Polens Ueberwachung erheischt, von Truppen ent- blößt wird, nach der Westgrenze zu dagegen enssprechende„Dis- lokationen"(Truppenversctzungen) stattfinden. Natürlich ist das kein Krieg, aber, wie einer unserer Abgeordneten neulich in einer Berliner Wählerversammlung sagte, so fangen alle Kriege an. Von Truppenzusammenzichungen an der östrcichischen Grenze verlautet noch nichts. Man zweifelt aber nicht, daß sollte Oestrcich sich beikommen lassen, dem russischen Mord- Kulturkämpfer in den Weg treten zu wollen, das deutsche Reich im Namen der„Neutralität" Halt zurufen würde.„Rußland' hat uns 1870/71 den Rücken gedeckt; jetzt ist an uns die Reihe, Rußland den Rücken zu decken; wir sind moralisch dazu ver- pflichtet"— ist eine häufig gehörte Redensart, die einem von oben ausgegebenen Stichwort ähnlich sieht, wie ein Ei dem an-� dern, und uns den Weg aus dem lokalisirten in den all- gemeinen europäischen Krieg zeigt. — Ein bezeichnender Polizeibericht. Das Polizeipräsidium von Berlin hat eine statistische Zusammenstellung der im Jahre 1875 ausgeübten Thätigkeit herausgegeben. Darnach betrug die Zahl der in's Polizeigcwahrsam eingelieferten Per- sonen 23,588, nämlich 11,L23 Männer, 11,648 Frauen und 117 Kinder, und zwar 1560 Männer, 70 Frauen und 8 Kinder wegen Bettels, 10,944 Frauen und 6 Kinder wegen Unsittlich- keit, 8 Männer und 2 Frauen wegen versuchten Selbstmordes, 6744 Männer, 209 Frauen und 9? Kinder wegen Obdachlosig- keit, 341 Männer, 73 Frauen wegen Trunkenheit, 8 Männer wegen unerlaubten Handelns, 501 Männer, 31 Frauen wegen Auflaufs und Straßenunfugs, 28 Männer, 10 Frauen wegen Geistesstörung, 78 Männer und 1 Frau wegen Widersetzlichkeit gegen Beamte und 253 Männer, 27 Frauen auf dem Durch- transport. Zur Jsolirhaft wurden wegen der verschiedensten Verbrechen und Veraehen 4954 Personen, nämlich 4313 Män- ner, 613 Frauen und 23 Kinder gebracht. Die Zahl der unter Polizeiaufsicht stehenden Personen bcläuft sich auf 1361. Wie wenig die Zahl der Verbrechen und Vergehen, deren Thäter er- griffen sind, die vorgekommenen Fälle erschöpft, ergiebt sich dar- aus, daß nach den Revier- Anzeigen in 6086 Fällen der Thäter nicht ermittelt worden ist. Es befanden sich hierunter 20 Bauern- fängereien. 15 Hazardspiele, die übrigen waren Diebstähle. Beim Leichen-Commissariat des königlichen Polizei-Präsidiums wurden 2206 Unfälle und ähnliche Vorkommnisse angezeigt, darunter 800 mit tödtlichem Ausgange. Am zahlreichsten sind vertreten die inneren und äußeren Verletzungen mit 174 Fällen, dazu kommen 96 Erhängte, 78 durch Kohlendunst Gestorbene, 62 Er- tränkte, 46 aufgefundene Leichen neugeborener Kinder, 44 Ver- giftete, 37 an Schußwunden Verstorbene ic. Unter sittenpolizei- licher Controle standen am Schlüsse des Jahres 2241 Personen; die Zahl der beaufsichtigten Frauenzimmer hat sich hiernach im Laufe des Jahres um 14'/, pCt. vermehrt, während die Be- völkerung Berlins um 3'/, pCt. zugenommen hat. Sistirt wur- den im Ganzen 16,587 Frauenspersonen, von denen im Wege administrativer Exekution 5854 zum Gefängniß gebracht wurden. — Diese nackten Zahlen sind gewaltige Anklägerinnen gegen die heutige sogenannte Weltordnung, sie stempeln dieselbe zu einer Weltunordnung, an welche die bessernde Hand schleunigst gelegt werden muß, wenn nicht die Menschheit darüber zu Grunde gehen soll. � Man schreibt uns aus Berlin:„Gott behüte mich vor meinen Freunden", hat gewiß die„beurlaubte" Sphynx falls sie in der Lage ist, Zeitungen zu lesen— in letzter Zeit manchmal innerlich ausgerufen. Bismarck hat in der That schreckliche Freunde, und der schrecklichste der Schrecken ist natür- lich das Schreckenskind Hans Blum— derselbe, der mich pesche eingerührt hat. Sein jetziger Geniestreich ist aber noch viel compromittirender. Er hat nämlich in den„Grenzboten" über den reichskanzlerischen Urlaub einen Skandalartikel ver- ösfentlicht, der an schlechtem Geschmack und— Taktlosigkeit Alles übertrifft, was bisher auf diesem Gebiete geleistet worden ist. Die„Reichsglocke" war nichts dagegen. Eine Sammlung des widerlichsten Klatsches überdcnHof und eine„hoheFrau", welche als der Mittelpunkt aller„Jntriguen" gegen den„genialen" Mann hingestellt wird. Und zwar gerirt der Anfertigcr dieser Klatsch- und Schmutzsammlung sich derartig, daß in dem Leser der Glaube erweckt werden kann, der Mann handle im Auftrag des Fürsten Reichskanzlers. Das ist die colossale Dummheit des Machwerks, und die Gegner des„großen Staatsmanns" verfehlen nicht, sie auszubeuten. Es sollte mich nicht wundern, wenn die bisher landesüblicbcn Bismarckbeleidigungen ein uncr- wartetes Gegenstück finden, oder richtiger: einmal umgekehrt werden sollten. So viel steht fest, der Bär, welcher seinem Herrn die Fliege abwehren wollte und ihm den Schädel zerschmetterte, hat in unserem Hans einen gelehrigen Nachahmer gesunden." — Die Fortschrittler von Berlin wünschen, und sie sollen auch schon dieserhalb petitionirt haben, daß die Nachwahlen im 6. und 5. Wahlkreise bis zum Herbst hinausgeschoben werden, wahrscheinlich, damit inzwischen über die Affaire Dunckcr Gras wachse. Der Z 34 des Wahlreglements aber heißt:„Im Falle der Ablehnung oder wenn der Reichstag die Wahl für un- giltig erklärt, hat die zuständige Behörde sofort eine neue Wahl zu veranlassen." Im§ 31 heißt es, daß bei engeren Wahlen die Wahlbezirke, Wahllokale und Wahlvorsteher un- verändert bleiben; bei Nachwahlen kommt dieser Paragraph auch in Betracht, nur mit der Maßgabe, daß bei den Bekannt- machungen die in§ 8 vorgeschriebene achttägige Frist innezu- halten, deren Jnnehciltung bei engeren Wahlen nicht erforderlich ist.— Die zuständige Behörde ist die Regierung zu Potsdam; wir wollen nun abwarten, ob dieselbe dem Gesetz gemäß oder der Fortschrittspartei und dem Herrn Duncker zu Liebe ihre Anordnung treffen wird. — Herr Schmidt. Bon glaubwürdiger Seite wird uns mitgetheilt, daß die interessante Persönlichkeit, welche den lang- gesuchten Postagenten in der Kantecki- Affaire ausfindig gemacht hat, ein Postbeamter ist, der auf den Namen Schmidt hört, und ein Sohn des Casseler Postmeisters gleichen Namens und Faktotum bei Herrn Stephan sein soll. Es ist nicht das erste Mal, daß der Name Schmidt bei derlei Gelegenheiten auftaucht. — Vom schutzlosen Schutzmann. In der Tuchler Haide (Westpreußen) hat vor einigen Tagen der als Forstschutzge- Hilfe sungirende Amtsdiener und Käthner Krzeminski einen zehnjährigen Knaben erschossen. Er betraf denselben beim Einsammeln von Raff- und Leseholz. Als der Knabe die Flucht ergriff, rief K. ihm nach:„Bleib stehen oder ich schieße!" und schoß, als der Junge der Aufforderung keine Folge leistete, wirklich. Sechszehn Schrotkörner drangen dem Getroffenen in den Unterleib, und nach drei Tagen war er todt.— Der arme schutzlose Schutzgehilfe! — In dem von uns schon erwähnten Ministerbeleidigungs- Prozesse gegen die Herren Ed. Sack und Ludwig Pfau ver- kündete das Appellationsgericht in Frankfurt a. M. am 4. Mai das Urtheil. Herr Sack, welchen die erste Instanz in diesem Falle vollständig freigesprochen, jedoch wegen eines auf die Bis- marck'schen Verdächtigungen durch die Reichsglocke zc. bezüglichen Berliner Correspondenz-Artikels zu 3 Monaten Gefängniß ver- urtheilt hatte, wurde im Ganzen zu vier Monaten, Herr Ludwig Pfau, der in erster Instanz mit 100 Mrk. Geldbuße davongekommen war, zu drei Monaten Gefängniß ver- urtheilt. — Eine würdige Demonstration der französischen Jugend. Der reaktionäre Professor St. Renä-Taillandier hielt in Paris vor Kurzem Vorlesungen„über die Redner und Schrift- steller der französischen Revolution". Die Vorlesungen waren ungemein besucht; die„Kölnische Zeitung" läßt sich, natürlich von einem reaktionären Literaten, darüber Folgendes schreiben: „In der letzten Vorlesung hatte St. Renö- Taillandier ange- fangen, über Robespierre und Danton zu sprechen, und nach einer Charakteristik derselben bemerkte er, daß er mit diesen Männern der Schreckenszeit beginne, die beklagenswerthe Zeit, die„das Herz des Franzosen mit Trauer und Scham erfülle", weil sie die große und segensreiche französische Revolution„mit Schande bedecke" und die große That dieser politischen Refor- mation im Auslande, wo man ungerechter Weise„die Verbrechen der zweiten Periode" von den Verdiensten der ersten nicht immer trenne, in Mißachtung gebracht habe. Er nannte jene Männer — und damit schloß er die Vorlesung—„Abtrünnige von den Prinzipien der großen französischen Revolution" und Renegaten des Jahres 1789. Wie immer zum Schluß wurde Beifall ge- klatscht, und als zwei junge Leute ein Zischen vernehmen ließen, erfolgte ein sehr kräftiger und unendlich lange anhaltender Bei- fall. Ties sollte aber eine bedeutende Demonstration hervorrufen. Als ich am 1. Mai vor 1 klhr(die Vorlesung beginnt um IVz Uhr) in den Saal trat, bewies mir der erste Blick, daß das Publikum zum größten Theil ein anderes als das gewöhnliche war. Einige Ihrer Leser wissen vielleicht nicht, daß die öffent- lichen und unentgeltlichen Vorlesungen von allgemeinerem In- teresse sowohl an der Sorbonne wie am College de France mehr von Damen jeden Alters und alten, zum Theil sehr kahlscheite- seinem Patron die Geschichte mit der berüchtigten Emser De- ligen Herren(darunter Habituös, die fast in keiner Vorlesung fehlen) besucht werden, als von jungen Studirenden. Diesmal aber überwog die männliche Jugend, sie stürmte die Treppen hinauf, drängte sich unter großem Lärm zusammen, und auf vielen Gesichtern zeigte sich die Erwartung deffen, was erfolgen sollte. Zeichen uno Rufe wurden von einer Seite des Saales zur andern ausgetauscht, und es war klar, daß Alles bestens organisirt war. Als der Professor erschien, begann der dem Katheder zunächst befindliche Theil der Versammlung(Damen, alte Herren und einige Studenten, die wahrscheinlich in Voraussicht der Kund- gebung zuerst Platz genommen hatten) ein lebhaftes und energisches Beifallgeklatsch, welches anfänglich das Pfeifen und Schreien der Tumultuanten übertönte, aber nach einigen Minuten erlahmte und von den gellenden Tönen der Pfeifer und des Geheuls überboten wurde. Letztere ermatteten nicht, und es blieb dem Professor schließlich nichts anderes übrig, als den Saal zu verlassen unter dem Bedauern derjenigen, die gekommen waren, die Fortsetzung eines außerordentlich interessanten Vor- trags zu hören, und die natürlich beklagen, daß der Hörsaal eines so bedeutenden Gelehrten zum Schauplatz einer unwür- digen Demonstration geworden."— So der reaktionäre Correspondent der„Kölnischen Zeitung". Wir halten die De- monstration der Jugend gegen die Demimonde und die Habituös für eine sehr würdige— jedenfalls hatte sich der kleine Professor den großen Revolutionär Marat in der zweiten Vorlesung aufs Korn genommen, um ihn mit Schmutz zu bewerfen, woran er von der vernünftigeren Jugend gehindert wurde. —„Vom Kriegsschauplatz nichts Neues"— so mag wohl die Parodie der bekannten Podbielsky'schen Meldung:„Bor Paris nichts Neues" von jetzt an oft genug in den Berichten der Generalstabschefs der russischen und der türkischen Donau- armee lauten, wenn die Herren nicht vorziehen, einige kleine Lügen auch ihren gekrönten Vorgesetzten aufzutischen. Gegen- wärtig steht nur das Eine fest, daß die Türken in ihrer fatalisti- schen Anschauung die Russen an ihrem Vormarsch nicht mit genügender Kraft gehindert haben. Alle wichtigen Stellungen auf dem linken(rumänischen) Ufer, welche die Türken leicht hätten besetzen können, sind ohne Schwertstreich in die Hände der Russen gefallen. Vielleicht raffen die Türken sich auf, wenn es den Kampf unter der grünen Fahne des Propheten um den heimischen Heerd gilt._____ — Zu Vahlteich's Verurtheilung schreibt die„Chem- nitzer Freie Presse": Ueber die in Mittweida stattgehabte Ge- richtsverhandlung wider Vahlteich können wir einen Bericht nicht geben, da die Prozedur geheim war. Wir bemerken nur für die Fernerstehenden, daß die Anklage auf eine Rede erfolgt ist, welche Vahlteich am 14. August 1876 im Elysium zu Chemnitz in Folge der Verurtheilung Saevecke's zu drei Jahren Gefäng- niß gehalten hatte. V. wurde, nachdem von Dresden aus An- Weisung zur Verfolgung gegeben war, von der hiesigen Staats- anwaltschaft„sistirt" und vernommen. Es war angeordnet, daß derselbe in Haft zu nehmen sei, sofern sich aus seiner Verneh- mung ergeben sollte, daß Collusionen, d. h. Verabredungen mit etwaigen Entlastungszeugen, zu befürchten seien. Dieser Fall trat nicht ein, da die angeklagten Worte im Polizeibericht richtig wiedergegeben waren und Vahlteich gar kein Bedenken trug, sich voll und ganz zu dem von ihm Gesagten zu bekennen. Man mag hieraus schon den Grad der„Gefährlichkeit" der angeklagten Worte erkennen. Die Untersuchung wurde durch die Rcichstagssession unterbrochen und dann für den 28. d. Hauptverhandlung angesetzt. Die Staatsanwallschaft beantragte Geheimhaltung der Sitzung und dieselbe wurde„im Interesse des Staats" vom Gericht beschlossen. Die Richter und Schöffen waren ohne Ausnahme Gegner der Sozialdemokratie, darunter zwei, welche bei den politischen Kämpfen in persönliche Rei- bung mit Vahlteich und anderen Parteigenossen gekommen waren. Der Gerichtshof sollte zuerst zusammengesetzt sein aus folgenden Richtern und Schöffen: Gerichtsdirektor Or. Schilling, Ger.-R. Grohmann, Ger.-R. Reichenbach, Gemeindevorstand Seidel in Königshain, Mühlcnbesitzer Engelmann in Liebenhain, Mühlenbesitzer Engelmann iu Liebenhain, Kaufmann Hob usch und Oekonom Donner in Mittweida. Es waren aber zwei der Herren abgehalten; für einen der Gerichtsräthe trat ein junger Gerichtsbeamter, für einen der Schöffen der Ober- lehrer Hilpert ein. Vahlteich hatte die Vernehmung von drei Zeugen beantragt, das Gericht aber entschieden, daß es der Zeugenvernehmung gar nicht bedürfe, und so erfolgte denn die Verurtheilung zu Vh Jahr Gefängniß wegen Majestäts- und Richterbeleidigung lediglich auf Grund der Aussagen des Auge- klagten und des Polizeiprotokolls. Wir werden selbstverständlich auf diesen Prozeß noch näher zurückkommen, wenn nicht Zur Völkerverbrüderung. Vor wenigen Monaten hatten ungarische Studenten pne Deputation nach Konstantinopel gesandt, um den türkischen Stu- denten ihre Sympathie auszudrücken. Jetzt, kurz nach der ruf- fischen Kriegserklärung, sind türkische Studenten in der Haupt- stadt Ungarns angelangt, um den Besuch zu erwidern. Ueber die Tragweite dieses Ereignisses äußert sich die Wiener„Neue Freie Presse" in einem längeren Artikel folgendermaßen: Aus der Hauptstadt Ungarns kommen fortgesetzt Berichte über stürmische Aeußerungen des Enthusiasmus und der Sympathie, welche der seit Sonntag in Pest weilenden Sofia- Deputation gelten. Ihre Reise war begleitet von Jubelrufen, ihr Einzug in Pest von einer Demonstration, die großartig genannt zu werden verdient, wie jede Kundgebung, die spontan vom Volke ausgeht und in welcher ungezählte Massen eines freien Volkes ihre Meinung und Gefühle' aussprechen. Die Muuizipalvertre- tung der Hauptstadt, das Parlament, die akademische Jugend, die Comitate, die Deputationen der Provinzialstädte wetteifern in lauten Ovationen für die türkischen Gäste. Es ist die„Hin- gebung der Entrüstung", welche da zum Ausdrucke gelangt und den mit russischen Waffen Bekämpften moralischen Lohn und Ersatz bieten soll. Die gemeinsame Regierung verhinderte den Abgesandten des Sultans, die„Corvina" an Ort und Stelle zu übergeben; die ungarische Regierung war besorgt, die Schätze des Schriftthums einer längst entschwundenen Zeit nur von einem Beamten empfangen zu lassen; Graf Andrassy ging sogar so weit, durch den türkischen Consul an die Pforte die Bitte zu richten, sie möchte den Studirenden und ihren Lehrern den Aus- flug nach Pest verbieten. Aber die Pforte belehrte den öfter- reichisch-ungarischen Minister von parlamentarischer Herkunft, der einstmals den Türken Reformen beibringen zu müssen wähnte, daß es nicht wohl angehe, friedlichen Bürgern das Reisen zu untersagen, und so sehen wir die Softa-Deputation in Pest, um- jubelt von den Repräsentanten Ungarns. Altkluge Cisleithanier, genährt von der offiziösen Milch der frommen Denkungsart, mögen über die Demonstrationen zu Pest spotten. Sie mögen es immerhin sonderbar finden, daß sich Christen und Mahomedaner, Vertreter abendländischer und mor- j früher, so doch nach vollständigem Abschluß desselben. Als Rechts- ; mittel stehen dem Angeklagten noch die Nichtigkeitsbeschwerde und i die Appellation offen, welche beide vom Oberappellationsgericht 1 in Dresden entschieden werden. — Eine alte Lüge. Die Wochenschrift„Neue Zeit", welche bei Besprechung der neuesten Gedichte Herwegh's die längst als infame Berläumdung gebrandmarkte„Spritzleder- geschichte" aufzuwärmen den traurigen Muth gehabt hatte, bringt in ihrer letzten Nummer(19) folgende„Berichtigung": „Nach 8 11 des deutschen Preßgesetzes ersuche ich Sie um Aufnahme folgender thatsächlichcn Berichtigung: In einem mit L. unterzeichneten Artikel der Nr. 11 Ihrer Wochenschrist, aus- gegeben am 8. März 1877, über meines verstorbenen Mannes, Georg Herwegh,„Neue Gedichte" heißt es:—„und vor allem — sie(nämlich die Gedichte), radotiren, als ob es ihrem Ver- fasier Herzenssache gewesen wäre, das Spritzleder von Schopf- heim nicht in Vergessenheit gerathen zu lassen." Der Verfasser spielt mit diesen Worten auf die verschiedentlich aufgestellte Be- hauptung, als ob sich Herwegh in dem sogenannten badischen Feldzuge von 1848 nach dem Gefecht bei Dossenbach, unter dem Spritzleder eines Wagens verborgen, aus dem Staube gemacht hätte, wie auf eine Thatsache an. Obgleich schon wiederholt zu Herwegh's Lebzeiten nachgewiesen wurde, daß die ganze Ge- schichte vollständig erfunden ist, namentlich auch von drei Augen- zeugen, nämlich von mir selbst in„Zur Geschichte der deutschen demokratischen Legion aus Paris. Von einer Hochverrätherin. Grünberg 1849. Verlag von W. Levysohn", von Hrn. v. Cor- vin in„Aus dem Leben eines Vorkämpfers. Erinnerungen 1862—64" und von Professor Krebs in einem Artikel der „frankfurter Zeitung" vom Februar 1875, so sehe ich mich als Wittwe des Angegriffenen veranlaßt, nochmals zu erklären, daß Herwegh nirgends und zu keiner Zeit in der angegebenen oder in einer andern Weise leine mitkämpfenden Kameraden im Stich gelassen, daß insbesondere nach dem unglücklichen Ausgang des Dossenbacher Gefechtes er einer der Letzten war, der— und zwar zu Fuß— sich nach Rheinfelden auf Schweizer Boden rettete, was ihm nur dadurch gelang, daß er, als Bauernbursche verkleidet, einen Tag lang in Nanzenbach auf dem Felde ar- beitcte und auf diese Weise den verfolgenden Soldaten entging. Stuttgart, den 17. April 1877. _ Emma Herwegh. n Berlin, 3. Mai. Seit 10 Uhr„sitzt" der Reichstag, das heißt er sitzt in Ge- statt von etwa 40—50 Reichsboten, flanirt, plaudert und kneipt in Gestalt von etwa 90, und schwänzt in Gestalt von etwa 250 Volksvertretern. Die ersten 14 Punkte der Tages- ordnung sind wesentlich formeller Natur— meist dritte Lesungen von Gesetzen(darunter Patentgesetz, Laskcr'sches Nothgesetz, Decker'sches Grundstück, Elsaß-Lothringen:c.), über die bereits Alles und mehr gesagt ist, als darüber gesagt werden konnte und an denen mit einer einzigen Ausnahme nur sehr wenige Punkte noch zu kurzen, schwächlichen Ausstellungen— von De- batten zu reden, wäre ein Mißbrauch des Wortes— Veranlassung geben können. Die einzige Ausnahme ist die Gesetzes- vorläge über das Decker'sche Grundstück, die zu heftigem Aufein- anderplatzen der Meinungen führt. Die Nationallibcralen win- den und drehen sich wie Würmer, um das servile Votum, wel- ches sie abgeben wollen, zu beschönigen. Schorlemer-Alst ver- legt ihnen grausam den Weg zu einem anständigen Rückzug, indem er feststellt, daß alle Voraussetzungen, an die sie bei der 1. und 2. Lesung ihre definitive Zustimmung geknüpft(be- ruhigende Versicherungen in Bezug auf künftige Verwendung des Decker'schen Grundstücks), unerfüllt geblieben seien. Half selbstverständlich nichts. Der Appell an den politischen polm d'honneur(Ehrenpunkt) findet kein Echo in nationalliberaler Brust— läßt sich das bekannte Bismarck'sche Wort(beiläufig die Copie eines schlechten französischen Originals) realpolitisch modificiren. Recht scharf geht es bei den„persönlichen Be- mcrkungen" her— sozialdemokratischem Mund entsprungen, wür- den sie vielleicht einen(Theater-) Blitz des parlamentarischen (Theater-) Donnergottes angezogen und die Auszeichnung eines Ordnungsrufes erlangt haben. Es kommtz schließlich zur na- mentlichen Abstimmung, die 133 Stimmen für, 90 gegen das Gesetz ergibt. Alle in Berlin und Umgegend befindlichen Abge- ordneten waren telegraphisch herbeigerufen worden, so daß für die Dauer der Abstimmung das Haus die beschlußfähige Zahl hatte. Der Bericht des Dr. Thilenius über die Petitionen gegen den Impfzwang veranlaßt den Jmpfgegner Reichensperger (Crefeld) die Verweisung der Petitionen an den Reichskanzler genländischer Cultur,„Brüder" nennen, und sie mögen auch den Enthusiasmus der Studirenden aufgespart wissen wollen für Gelehrte, deren Weisheit sich in dickleibigen Büchern ausspricht; sie mögen endlich ihre wohlfeilen Witze über die„naturalisti- schen" Politiker machen— Witze, welche diesen traurigen Ge- seilen in ihrer bänglichen Stimmung so ganz und gar nicht vom Herzen gehen— all das ändert an der ernsthaften Bedeutung dieser Demonstrationen nicht das Mindeste. Diese erreichen voll- kommen ihren Zweck, vor der ganzen Welt Zeugniß abzulegen, ans welcher Seite Ungarns Sympathien in diesem Kampfe zwi- schen Gewalt und Recht zu finden sind. Sie sollen ein dröhnen- des Echo sein der Meinungen der Volksvertretungen und der Aeußerungen der Presse Ungarns, ein wohl zu beachtender Wink und eine ernste Mahnung für die offiziellen Lenker der Politik Oesterreich-Ungarns. Während die Letzteren den türkischen Gästen die Wege weisen möchten, speisen die Ungarn diese Männer auf dem Prytaneion! Das ungarische Volk hat sich zu keiner Zeit sein Recht der freien Meinungsäußerung verkümmern oder gar eskamotiren lassen. Nicht diesen Softas, diesem Scheik oder dem so und so genannten Hodscha gelten die Ovationen, sie gelten der um ihre Existenz gegen brutale Gewalt ringenden Türkei, dem„ruhigen Nachbar", dem befreundeten Staatswesen, dem Volke, das sich mit den letzten Kräften anstrengen möchte, einen modernen Staat, ein culturelles Gemeinwesen zu bilden, und an dieser Arbeit durch moskowitische Ärglist und Raubgier ge- waltsam gehindert wird. Doch mit dieser Charakteristik ist das Wesen der Pester Demonstration nicht erschöpfend geschildert, und Jene hätten Recht, welche in dieser Zeit der grausam nüchternen Realpolitik die Ungarn als„sonderbare Schwärmer" hinstellen möchten. Das waren die Ungarn aber niemals und sind es heute am allerwenigsten. Jeder eljenrufende Magyar weiß es, daß auf der Ofener Citadelle anderthalb Jahrhunderte die Fahne des Halbmondes wehte; kennt aus seiner Geschichte, daß die Osmanen Ungarn wie ein Paschalik behandelten; daß die Kämpfe mit den Türken mit zum großen Theile die Ursache sind, weshalb Ungarn so lange und so weit hinter der Cultur des Westens zurückge- blieben ist. Darüber hat der Ungar eine Belehrung fürwahr nicht nöthig. Aber jeder Ungar weiß auch, daß seit dem Passaro- zu beantragen. Die Rede Reichensperger- bringt in glänzender Weise sein eminentes schauspielerisches Talent zur Erscheinung und Geltung. Die Mimik des alten Kautzes— die unnachahmlichen Kopf- und Handbewegungen, das wunderbare Ge- sichtersch neiden und Augenverdrehen, die klassischen Handbe- wegungen— find von wahrhaft unwiderstehlicher Wirkung; und obgleich er sich, wider seine Gewohnheit, befleißigt— und mit Erfolg— möglichst langweilig und trivial zu reden, erzielt er stürmischen Beifall. Wäre ich Barnum, ich böte dem Mann für Borstellungen in der niederen Komik 100,000 Dollars und machte ein gutes Geschäft dabei. Schade, daß der seinen Be- ruf verfehlt hat. Nach Reichensperger sprach Most, der Berücksichtigung der von ihm eingereichten Petitionen gegen den Impfzwang forderte und diese Forderung begründete. Schließlich wurde über die sämmtlichen Petitionen einfach zur Tagesordnung übegegangen. Für Ueberweisung an den Reichskanzler stimmten nur die So- zialisten, das Centrum und ein paar Elsaß-Lothringer. So wäre denn auch diese Frage wieder einmal bei Seite geschoben. Das Beiseiteschieben unbequemer Materien ist überhaupt eine charakteristische Eigenthümlichkeit des Reichstags: Reform der Gewerbeordnung— bei Seite geschoben; Reform der Zollgesetz- gebung— bei Seite geschoben— und nun auch, um die Liste nicht größer zu machen, die Jmpffrage. Einem Problem aus dem Wege gehn, ist freilich leichter, als es zu lösen. Es ist 4 Uhr— die Tagesordnung der Morgensitzung ist erledigt— Forckenbeck kündigt an, daß der Reichstag Abends >/z7 Uhr zusammen zu kommen hat, um sich zu begraben— oder begraben zu lassen. Für die Leichenrede wollen wir sorgen. Zu dem Bericht des Berichts der Geioerbeordnungscommission hat Fritzsche in der Commission heut folgende Erklärung zu Protokoll gegeben:„Bei Verlesung des von der Tommission im Plenum zu erstattenden Berichts, ist mir erst bekannt geworden, welche Motive die Mehrheit der Commission geleitet, als sie auf Antrag des Grafen Luxburg beschloß, den Antrag v. Galen und Genossen dem Reichskanzleramt als Material nicht mit zu über- weisen. Für mich waren diese Mottve nicht maßgebend, leider war es mir nicht möglich, meinen Standpunkt zu präzisiren. Mit der Majorität stimmte ich lediglich in der Absicht, den von meinen Parteifteunden und mir eingebrachten Anttag dem Reichs- kanzleramt überwiesen zu sehen." Abends 7 Uhr. Bor einer Viertelstunde—„ba§_ akademische Viertel" wurde eingehalten— begann„die letzte Sitzung". Tagesordnung»/« Elle lang, aber doch nichts darauf— der Rest, der noch for- mell zu erledigenden„Geschäfte". Im Saal 70—80 Mitglie- der, die entweder stehen, herumgehen, oder auf ihren Plätzen Herumrutschen— denn Sitzfleisch hat Keiner mehr. Nur fort! Nur fort aus dieser parlamentarischen Folter! Wehe dem, der jetzt noch eine Rede versuchen sollte! Er würde unbarmherzig niedergeschrieen, unter Zornesrufen erstickt! Schade, daß das„hohe Haus" so spät zur richtigen Erkenntniß des Werthes oratorischer Leistungen gelangt ist. Forckenbeck, der sich abquält, möglichst feierlich auszusehen, hat allein das Wort:„Wir treten ein in den ersten Punkt der Tagesordnung.— Das Wort wird nicht gewünscht. Ich schließe die Diskussion. Wer der Gesetzesvorlage seine Zustimmung gibt, den bitte ich, sich zu erheben. Es ist die Majorität, die steht. Die Gesetzesvorlage ist angenommen, und damit der 1. Punkt der Tagesordnung erledigt. Wir kommen nun zum 2. Punkt der Tagesordnung." Und nun wiederholt sich Wort für Wort dieselbe Prozedur. Kein Mensch hört zu. Herr v. Forckenbeck macht trotzdem ein so ernsthaft feierliches Gesicht, daß ein rö- Mischer Augur, der ihn betrachtete, vor Neid bersten oder— vor Lachen zerplatzen würde. Genau 15 Minuten dauert das grausame Spiel. Ein neuer Abschnitt beginnt— die Leichenrede, aber nicht die richtige, bloß die offizielle; Forckenbeck hält sie. Er zählt auf, was der Reichstag geleistet— wir wissen es. Wozu noch warten? Ich halte es nicht länger aus. Weg! Durch die kaum geschlossene Thür tönt mir ein dünnes Hoch! auf Seine Maje- stät unfern Kaiser nach— so dünn, daß Forckenbeck's Gurgel- töne deutlich herauszuhören sind. Tont est fini! Alles ist fertig, — bis es wieder von Neuem anfängt. Wird es von Neuem anfangen? Wird dieser Reichstag wieder zusammenkommen? Ueberhaupt wieder ein Reichstag? Wer weiß es— quien sade — sagt der kluge Spanier Da hinten in der Türkei ist ein Tanz losgegangen, dessen Ende und Ausgang Niemand absehen kann. Wenn der Kehraus gemacht wird, wer und was wird dann noch aufrecht stehn?(juien sabv? Die Varziner Sphynx gewiß nicht.— witzer Frieden die Türkei Oesterreich- Ungarns bester Nachbar gewesen: daß die Erhaltung der Türkei ein Lebens- Interesse Oesterreichs ist; daß das Auftreten slavischer Kleinstaaten an Oesterreichs Grenzen als ebenso vieler Vasallen Rußlands für das Lebens-Interesse unseres Staatswesens gefährlich ist. Seit dem Auftteten des„größten Ungars", seitdem Stephan Szechenyi die Donau- Dampfschifffahrt ins Leben rief, weiß jeder Ungar die Bedeuwng des Stromes zu würdigen, von dem Rußland fernzuhalten unter allen Systemen, in allen Epochen erste Auf- gäbe Oesterreichs gewesen. Staatliches und wirthschaftliches In- tcresse erscheinen bedingt von der Aufrechterhaltung der Integrität der Türkei. Hingegen fühlt jeder Ungar instinktiv die Gefahr, welche der Stephanskrone, dem Rechtszustande Ungarns von Rußland und der Ausbreitung seiner Macht an der untern Donau droht. Zu guter Stunde veröffentlicht Herr v. Arneth die Briefe und Resolutionen der Maria Theresia, welche als Königin von Ungarn alle russischen Theilungspläne auf die Türkei mit Entschiedenheit zurückwies, damit Rußland nicht der Grenznachbar Ungarns werde. Jenseits der Leitha fühlt Jeder- mann, daß Rußlands slavische Befreierrolle mit Erfolg nur auf Kosten Ungarns durchzuführen ist. Man ahnt in Ungarn mit klarer Voraussicht, daß Rumäniens Selbständigkeit Aspirationen auf ungarisches Gebiet weckt; man fürchtet mit Recht die Entfesselung nationaler Leidenschaften unter den Walachen und erinnert sich noch der Erhebung der Romanen, ihrer Greuelthaten unter Avram Jancu und der furcht- baren Bauern- Rebellionen gegen die magyarischen Adeligen. Alltäglich werden die Ungarn daran erinnert, daß im südlichen Theile des Reiches der Hauptsitz der Omladina ist; daß die meisten der Bewegungen in Südungarn geplant waren; daß die Belgrader Serben hinwiederum den Kampf gegen Ungarn 1348—49 als ihre eigene Sache betrachteten; daß die unga- rischen Südslaven förmliche nationale Wallfahrten nach Belgrad veranstalteten; daß die Omladina mit Einem Worte einen großen Theil des Stepbansreiches unterwühlt. In einem Volke, das mit vollem Antheil in seiner historischen Tradition lebt, wie das ungarische, bleiben auch die Erinnerungen an Verhältnisse wach, die heutzutage in unendlich ferner Zeit hinter uns zu liegen scheinen. Congrch der Sozialdemokraten Deutschlands. Zur Vorbereitung des Congreffes hat sich hier ein Lokal- comits constituirt. Um die nöthigen Quartiere zu beschaffen, werden die ge- wählten Delegirten ersucht, sich an Emil Sauerteig zu wenden. Mitglieder des Lokalcomitss werden schon am Sonnabend den 26. Mai von Vormittags an, mit rothen Schleifen versehen, am Bahnhof die Delegirten empfangen. Das Lokalcomito eröffnet sein Bureau am 26. Mai Vor- mittags im Congreßlokal: Thüringer Hof. Gotha, 4. Mai 1877. Das Lokalcomite. Emil Sauerteig, Vorsitzender. Correspondenzen. Ottensen. Die Wahlprüfungs-Commission des Reichstages hat rücksichtlich der Wahl des Abgeordneten Prof. Dr. Beseler <6. Schleswigcholsteinischer Wahlkreis) beantragt: Der Reichstag wolle beschließen: 1) die Wahl zu beanstanden; 2) den Herrn Reichskanzler unter Mittheilung des Protestes und der Wahl- akten zu ersuchen: a) im Verwaltungswege feststellen zu lassen, ob und aus welchen Gründen die Vertrauensmänner des Otten- sener Wahlcomites bei der ersten Wahl aus den Wahllokalen in den sämmtlichen Bezirken des Kreises Pinneberg, sowie in den Wahlbezirken Fahrcnkrug, Nahe, Almstedt, Mahlstedt und Schmalensee, Kreises Segeberg, bei der zweiten Wahl aus den Wahllokalen in Blunk, Garstedt und Mahlstedt ausgewiesen sind, und dabei amtlich ermitteln zu lassen, ob event. die Ausweisung durch Verfügung der Königl. Preußischen Landrathsämter zu Pinneberg und Segeberg veranlaßt sei; b) gerichtliche Beweis- erhebungen über aa) den im Proteste behaupteten Vorgang bei der ersten Wahl in Groß-Rönnau, sowie über die Angabe, daß in Mahlstedt bei der ersten Wahl das Wahllokal eine Zeit lang verlassen gewesen sei,� bd) die Behauptung, daß der Gensdarm Winckler bei der ersten Wahl in Stuvenborn Stimmzettel für den Maschinenbauer Stöhr confiszirt habe, eo) das angebliche Verfahren des Wahlvorstandes bei der zweiten Wahl in den Wahlbezirken Armstedt, Bramstedt und Duckenhuden, ää) die Beschwerde, daß der Gensdarm Müller bei der zweiten Wahl in Bramstedt Stimmzettel für den Abgeordneten Dr. Beseler vertheitt und das Ausgeben von Stimmzetteln für den Maschinen- bauer Stöhr verhindert habe, sowie endlich ev) den behaupteten vorzeitigen Abschluß der Wahlhandlung bei der zweiten Wahl in Mahlstedt— eintreten zu lassen und über das Ergebniß der� Ermittelung und Beweiserhebung unter Anschluß der betreffenden Verhandlungen dem Reichstage eine weitere Mittheilung zu machen; damit auch c) eine Auskunft darüber zu verbinden, ob und aus welchen Gründen in der Zeit zwischen der ersten und zweiten Wahl Wahlversammlungen der sozialdemokratischen Partei in Pinneberg, sowie in den Pinneberger Landdistrikten von den Königl. Preußische» Behörden verboten sein.— Der Reichstag hat sich dem Vorschlage der Commission angeschlossen und die Beanstandung der Wahl Beseler's ausgesprochen. Wir sind be- gierig, zu erfahren, welche Resultate die Ergebungen in Bezug auf die Wahlbeeinflussungen haben werden. Kutin, 1. Mai. Am 3. Februar stand Genosse Wehrendt aus Hassendorf vor dem hiesigen Schöffengericht, angeklagt: Mitte � Dezember vorigen Jahres bei mehreren Einwohnern seines Wohn- vrtes freiwillige Gaben zu sozialdemokrattschen Zwecken(ohne Erlaubniß der Regierung) gesammelt und sich dadurch einer Uebertretung der Regierungsbekanntmachung vom 21. Januar 1847 schuldig gemacht zu haben. Wehrendt machte geltend, er sei nicht mit dem Vorsatz ausgegangen, um Geld zu sammeln, sondern um ein Verzeichniß sozialistisch gesinnter Wähler seines Wohnorts zusammen zu bringen und für selbige die amtliche Wählerliste controliren zu können, wozu er vom Arbeiterwahl- ! comits ersucht worden sei. Die vorliegenden Beweismittel er- gaben aber, daß W. Gaben entgegengenommen habe, worauf selbiger zu 15 Mark Geldstrafe und in die Kosten des Verfahrens verurtheilt wurde.— Am 7. April stand vor selbigem Gericht Genosse Struck aus Neudorf, beschuldigt: am 10 Januar den Wahlvorsteher Witt bei der dort stattgehabten Wahlhandlung dadurch beleidigt zu haben, daß er trotz Verbot desselben den Deckel der Wahlurne aufgehoben habe mit dem Bemerken:„Laß kommen was da will, ich will doch sehen, ob was drin ist." Struck machte geltend, daß er die ihm zur Last gelegte Be- merkung bei seiner Handlungsweise nicht gethan, daß er um 10 Uhr in das Wahllokal getreten sei, und daß zur selbigen Zeit einige Mitglieder der Wahlcommission nicht zur Wahl ge- hörige Diskussionen geführt hätten, drei von den Mitgliedern hätten ihre Zettel abgegeben, welche der Vorsteher in die Urne warf, nach einiger Zeit hätte derselbe dann gesagt: Nun, wir können ja wohl anfangen, und die Herren begannen, ohne die Wahl gesetzmäßig zu eröffnen. Darauf bemerkte Struck, daß die Urne bei Eröffnung der Wahl leer sein müsse. Der Vorsteher Witt äußerte, das sei ihre Sache, er gehe streng nach oem Gesetz, und es sei demgemäß alles in Ordnung. Dann las er das Gesetz�vor, und wie er an den§ 13 des Reglements kam (auf den Struck sich berufen), hielt er inne, worauf er(Struck) die erwähnte Handlungsweise begangen habe. Nach dem Ber- halten des Wahlvorstandes habe er die Ueberzeugung nicht ge- Winnen können, daß die Wahlhandlung eröffnet sei, und sei seine Handlungsweise durch die des Vorstandes veranlaßt, er beantrage deshalb seine Freisprechung. Struck wurde schließlich zu drei Tagen Gefängniß und in die Kosten verurtheilt.— Am 14. April hatten sich die Genossen Wiese, Moll, Gurgel aus Burkau und Unterzeichneter vor dem Schöffengericht zu Ahrensbock wegen unerlaubten Collektirens zu verantworten. Das Urtheil lautete betreffs der vier erstgenannten Angeklagten auf 15 Mark Geld- strafe und Tragung der Kosten, wogegen Unterzeichneter frei- gesprochen werden mußte, weil ihm nichts nachgewiesen werden konnte. Parteigenossen, Ihr seht, daß sobald wir uns rühren und für unsere Interessen wirken, uns sofort Verfolgungen aller Art treffen, gedenkt deshalb des Wahl- und Gemaßregeltenfonds. Arbeiter von Eutin und Umgegend! Euch lege ich noch be- sonders ans Herz, jetzt mehr denn je zu unserer Fahne zu halten, denn unsere Gegner wenden alle Mittel an, den So- zialismus hier zu unterdrücken, und namentlich machen sie ihren Einfluß in dieser arbeitslosen Zeit geltend durch Maßregelungen aller Art, welche sie auch auf Handwerker, die unseren Prinzipien huldigen, ausdehnen. H. F. Schröder. Berichtigung: Im vorigen Bericht ist irrthümlich vom ersten statt vom neunten Schleswig-Holsteinischen Wahlkreise die Rede; es muß dort heißen: Hier im ersten Oldenburgischen wie im neunten Schleswig-Holsteinischen Wahlkreise stehn die Sachen so. Ikenskurg, 1. Mai. Wie den Parteigenossen bekannt sein wird, konnten hier schon seit längerer Zeit keine Volksversamm- lungen abgehalten werden, weil die Polizei unter allerhand nichtigen Vorwänden deren Einberufung untersagte. So z. B. war das Lokal bald zu klein, oder es befand sich nicht in geeig- netem Zustande. Zum lleberfluß entschied die Regierung in Schleswig auf erhobene Beschwerde auch noch gegen uns. Na- türlich waren wir mit einem solchen Bescheide nicht zufrieden und wandte ich mich um Abhilfe an das Ministerium des In- nern, und zwar unterm 27. November v. I. Da uns aber die Antwort zu lange ausblieb, brachte ich am 22. März d. I. die Angelegenheit nochmals in Erinnerung und ließ den betreffenden Brief auf der Post einschreiben. Das fruchtete, denn am 26. April wurde mir durch die hiesige Polizciverwaltung nachstehen- der Bescheid des Ministeriums des Innern zugestellt, über dessen Empfang ich Bescheinigung in Händen der Polizei zurücklassen mußte. Der schriftliche Bescheid hat folgenden Wortlaut: „Auf die Beschwerde vom 27. November v. I eröffne ich Ihnen hierdurch nach näherer Prüfung derselben, daß ich es nicht habe für gerechtfertigt erachten können, wenn die Ab- Haltung der für den 4. Oktober v. I. nach dem Wirthshause Wilhelminenthal bei Flensburg von Ihnen einberufen ge- wesenen öffentlichen Versammlung polizeilich verhindert worden ist. Das Verfahren der Polizei- Verwaltung zu Flensburg beruht auf einer unrichtigen Auslegung des Bereinsgesetzes, und ist die qu. Behörde hierüber in entsprechender Weise be- lehrt worden Der Minister des Innern. Gr. Eulenburg." Das„Hamburg- Altonaer Volksblatt" wird um Abdruck ge- beten. A. F. Portmund, 1. Mai. Auf den Kohlenzechen„Tremonia" und „Westfalia" sind 650 Bergarbeiter abgelohnt worden, weil sie sich einer neuen Arbeitsordnung nicht fügen wollten. Ist es an sich schon entehrend für die Arbeiter, daß die Arbeitsordnungen in der Regel ohne ihr Zuthun zu Stande kommen, so tritt in diesem Falle noch hinzu, daß die Arbeitsordnung die Interessen der Arbeiter auf das Empfindlichste schädigt. Nur einige Pröbchen, wie die Verwaltungen obengenannter Zechen mit den Arbeitern umzuspringen gedenken, mögen hier angeführt sein. Wenn die Verwaltung z. B. einen Theil der Arbeiter in Folge von Betriebseinschränkungen außer Betriebsamkeit setzt, haben die Letzteren keinen Anspruch auf Lohn für die verfeierten Schichten und dürfen ihre Entlassung gleichwohl nicht nehmen, falls die Arbeitslosigkeit nicht länger als drei Tage dauert. Verspätetes Erscheinen zur Anfahrt wird mit Bernullung bis zur ganzen Schicht besttaft. Schlecht gefüllte Fördergefäße oder unrein geförderte Kohlen werden gratis abgestürzt. Die Lohn- Zahlung erfolgt monatlich, und zwar in der zweiten Hälfte des folgenden Monats. Die Quittung leistet für den Empfänger ein Grubenbeamter! Wer gegen die Richtigkeit des ausgewor- fenen Lohnes bereits am Lohntage Einwendungen macht, verliert jedes weite Anrecht.— Diese Bestimmungen sind auf den ge- nannten Zechen zwar schon lange in Kraft, neu jedoch ist eine Klausel, die das langersehnte Eontraktbruchgesetz gleichsam über- flüssig machen soll. Es sollen nämlich im Fall eines Strikes die Feiernden ihren Lohn erst nach Verlauf eines Vierteljahres zu beanspruchen berechtigt sein. Daß man kein wirksameres Mittel erdenken konnte, um eine strikende Belegschaft mit der wünschenswerthen Schnelligkeit auszuhungern, liegt auf der Hand; diese Neuerung sollte nun zunächst in Gestalt eines umschrie- benen Alinea in die Arbeitsordnung von zwei Werken einge- schmuggelt werden, auf denen noch keine größere Arbeitsein- siellung stattgefunden, und sie daher eher unbeachtet bleiben konnte, um später zusammen mit dem Ganzen als Normalentwurf auf alle Zechen des Reviers ausgedehnt zu werden. Obgleich die Arbeiter von diesem menschenfreundlichen Plane keine Kennt- niß hatten, haben sie sich doch fast einmüthig den Forderungen der Arbeitgeber widersetzt.— Daß die feiernden Bergarbeiter den Grubenverwaltungen gegenüber einen schweren Stand haben, ist in dieser Zeit der Geschäftsstille nicht zu verwundern. Es hat denn auch an Abmahnungen vor übereilten Schritten nicht gefehlt, und namentlich ist es Genosse Tölcke gewesen, der den Bergarbeitern das Mißliche ihrer Stellung vorgehalten hat. Zu- nächst wollen die brodlos gewordenen Bergleute wiederholt die Stadt Dortmund und außerdem das Oberbergamt um Arbeit angehen, mit welchem Erfolg, das ist unschwer vorauszusehen. Alles in Allem sind es wieder einmal die Provokationen der Arbeitgeber gewesen, welche eine große Zahl fleißiger und tüch- tiger Arbeiter in's Elend gestürzt haben. Deflau. 31. April. Unsere Stadt ist in nicht geringe Aufregung versetzt durch das vor etlichen Tagen erfolgte plötzliche Verschwinden der Direttoren der hiesigen Gewerbebank Fiedler und Eiseck. Das Schlimme an der Sache aber ist, daß die Flüchtlinge ein Defizit von Mk. 561059,24 hinterlassen haben, welches gedeckt werden muß. Wenn man bedenkt, daß die Mit- glieder der Gewerbebank zum großen Theil dem kleinen!Ge- werbestande angehören, so kann man sich ungefähr eine Vor- stellung von dem Elend machen, welches die Betrügereien der beiden Schwindler hervorrufen werden, wenn nicht ein Aus- weg zur Verständigung mit den Gläubigern gefunden wird. An Anstrengungen in dieser Richtung fehlt es nicht, ob sie aber von Erfolg gekrönt sein werden, muß die nächste Zukunft lehren. Vorläufig hat die Gewerbebank sich bereit erklärt, den Glau- bigern 80 pCt. in vier Raten binnen einem Jahre zu zahlen, und gedenkt dieselbe durch freiwillige Beisteuern die hierzu er- forderlichen Gelder aufzubringen. In einer am 24. April abgehaltenen Versammlung der Gläu- biger der Gewerbebank wurden auch mehrere Parteigenossen, welche mitbetheiligt sind, zu dem zu wählenden Comits, welches mit den Curatorium der Gewerbeoank in Verbindung treten soll, vorgeschlagen, jedoch gelang es denselben blos einen durchzu- bringen. Doch wie dem auch sei, jedenfalls hat sich hier wieder einmal die Vertrauensseligkeit bitter gerächt, welche in der Regel Leuten entgegen gebracht wird, die ein Amt bekleiden(Fiedler z. B. war Stadtrath, außerdem auch Mitglied des hiesigen liberalen Reichstagswahlcomites) oder sich sonst irgendwie wichtig zu machen verstehen. Weißen, 29. April. Am 21. April fand im Saale zum „Goldnen Schiff" eine Volksversammlung statt, in der Unter- zeichneter zum Vorsitzenden und Korth zum Schriftführer ge- wählt wurden. Die Tagesordnung lautete:„Die Frauen und die soziale Frage." Das Referat hatte Frau Klemich aus Dresden übernommen, welche denn auch einen mit allgemeinem Beifall aufgenommenen Vortrag hielt. Frau Klemich� bezeichnete die Stellung der Frauen in der heutigen Gesellschaft als eine in vielen Stücken ungerechte und wies darauf hin, daß dies im sozialistischen Staate ganz anders sein würde. Herr Klemich, welcher ebenfalls anwesend war, ging auf einige erwähnte That- fachen etwas näher ein, und wurde ihm ebenfalls stürmischer Beifall zu Theil. Es meldeten sich auch noch einige andere So steht vor dem Geiste der Ungarn Rußland, das 1849 mit seiner aufdringlichen und aufgedrungenen Hilfe aus den Donaufürstenthümern eindrang, wie ein Verhängniß, das die Aussöhnung des aufständischen Ungarn mit seinem Könige hin- derte. Schuselka, der Minister Krauß in Kremsier und Lord Palmerston in London erklärten die Russenhilfe für das Unglück Oesterreich-Ungarns, und war sie etwas Anderes.„Ungarn" lag„zu den Füßen des Czars"! Und als dies geschah und ungarische Flüchtlinge in der Türkei ein Asyl fanden, um der- einst ihrem Lande wieder dienen zu können; als der öfter- reichische Internuntius und der russische Gesandte drohend vom Sultan die Auslieferung der Flüchtlinge verlangten, ja den diplomatischen Berkehr mit der Pforte abbrachen und diese ganz isolirt war: da hatte dieselbe Türkei, in deren Geschichte man keinen Zug von Humanität entdecken will, den Muth, ihr be- stimmtes„Nein" zusagen. Auch das hält man in Ungarn ln dankbarer Erinnerung. Und nun, all das wohl erwogen, sage man noch, daß in den Pester Kundgebungen etwa nur ein kindisches Spiel oder hohle Demonstrationen zu Tage treten. Nirgends ist man in poli- tischen Dingen, dem heißen Blute zum Trotz, so nüchtern wie i» Ungarn.' Politik heißt dort aktuelle, momentane, die Volks- Meinung aufrufende Wirksamkeit. Man ist dort eminent praktisch. Man machte sich keine Gedanken über die Reiseziele des in Pest gleichzeitig eingetroffenen Feldmarschalls Erzherzog Albrecht; man wendete in volksthümlichen Kreisen den Blick unverwandt auf die unscheinbare— Sosta-Deputation. Man wollte offen- bar demonstriren, weil man die Witterung hatte, daß es gut sei, auf eine Kraft in der politischen Arena aufmerksam zu machen, me zum Bundesgenossen zu gewinnen sich wohl verlohnt. Die -Begeisterung der Massen braucht oft einen Hochdruck; aber solche spontane Kundgebungen, wie die eben zu Pest stattfindende, die Jnttressen� herv � Instinkts, aus der Einsicht in die P'-�nölsch-r Gröpenwahnsinn. Der berühmte Sprach- t rscher Grimm lebt, abgesehen von seinen Werken, auch in einem «ohne fort, der Professor in Berlin ist und sich von einem Todten zu , 9ULben Ziemlich bekannten Namen Goethe hört. -wir dachten unsere berühmten todten Männer wären dadurch sattsam 3 hrt, daß wir ste m ihren Werken fortleben lassen. Man sollte mei- sie hätten vor dreilausend Jahren gelebt und wenigstens chinesisch geschrieben, ein solches Heer von Auslegern haben sie im Gefolge. Be- sagter Sohn heißt Hermann und hat zwei Bände Vorlesungen über Goethe gesprochen, das wäre verzeihlich. Nun sind sie aber auch im Driick erschienen und damit steht der Kritik das Recht zu, darüber zu urtheilen. Man höre: Band 1. S. 277 heißt es:„Goethe war Süd- deutscher, vielmehr Südwestdeutscher" und Band II. S. 107 heißt es: „Er(Schiller) war ein Würtemberger, ein Schwabe, ein Süddeutscher, während Goethe, da bekanntlich nur Sachsenhauscn, als südlich vom Maine gelegen, zu Süddeutschland gehört, ein Norddeutscher war" Der Größenwahnsinn ist eine Geisteskrankheit, die vor 70 auf 71 nur vereinzelt in Deuischla d austrat, seit dieser Zeit aber hat sie sich epidemisch verbreitet. Als Herr Professor Grimm den ersten Band„Goethe" sprach, war er sicher noch nicht vom Massen- Größenwahnsinn befallen, da war denn der Frankfurter Goethe noch Süddeutscher. Die Gehirn- störung ging erst beim zweiten Band vor sich. Was wäre Norddeutsch- land, wenn nicht der größte Dichter Deutschlands ein Norddeutscher ge- wesen wäre? Was nützen uns Moltke uns Bismarck, wenn wir nicht auch den Goethe haben? Und haben wir ihn nicht, so annekliren wir ihn! Die Karte her, hier der Main, hier Frankfurt, dort Süddeutsch- land:„Den Finger drauf, den nehmen wir!" Ein komisches Fünkchen vom Geiste seines großen Vaters, was die Sprachforschung betrifft, scheint auch im Sohne Hermann zu stecken, er schreibt:„Der franzö- fische, Deutsche und italienische Elerus";„Griechische Gesinnung, rö- mische Bildung, Deutsches Gemüth." Oder deuten die großen D viel- leicht nicht aus Größenrahnsinn hin? Da wir es mit einem Deutschen Professor zu thun haben, wollen wir nicht weiter citiren als mit einem: „Der Zopf der hängt ihm hinten." — Auch! Die Züricher„Freitags-Zeitung" enthält folgende Notiz: „In verschiedenen Bezirken des Cantons sind neue Fälle von Hundswuth vorgekommen— Im Spital starb unter den unsäglichen Leiden der Wasserscheu ein Mann, der vor vier Monaten in Glallfelden von einem wülhigen Hunde gebissen worden war.— In Grüningen mußte man eine wutykranke Kuh schlachten.— Auch die Kirche von Uster--- wird eine Orgel bekommen" Der denkende Leser muß bei diesem„Auch" eine wahre Heiden- angst bekommen, daß die Kirche von Uster„auch" von der Hundswuth befallen worden— glücklicherweise bekommt sie nur eine Orgel, was unstreitig weniger schlimm ist. — Hungersnoth in China. Nach einer Correspondenz der „Times aus Schanghai vom 15. März wüthet im Norden China's eine entsetzliche Hungersnoth, die sich von der indischen dadurch unterscheidet, . daß von Seiten der Regierung so gut wie nichts zur Linderung des Unglücks geschieht. Taujcnde sterben den Hungertod. Die Berichte der Missionäre schildern vor allem in Shantung die Roth als das denkbar schrecklichste Schauspiel, hervorgerufen durch die Dürre de? vorigen Sommers. Die Leute nähren sich theilweise von Blättern und Stengeln, tausende aber haben nicht einmal das und sterben, nachdem sie ihre Kleider und ihre Kinder verkauft haben. Viele kriechen, nachdem sie keine Kleidung mehr besitzen, in unterirdischen Gruben zusammen. Aus Dörfern von 500 Famlien werden 300 Fälle von Hungertod gemeldet. Allen diesen Schrecknissen gegenüber hat die chinesische Regierung nichts gethan, als die jämmerliche Summe von etwa 14,000 Lstr. auf die Gesammtheit der acht leidenden Distrikte anzuweisen. Die Leute er- halten auf die Weise täglich etwa>/« Penny. Täglich nimmt die Sterb- lichkeit zu. Schnee bedeckt den Bod-n und die armen Geschöpfe können nichts bekommen, um den Hunger zu stillen. Nach drei Monaten wer- den einige Kräuter wachsen und die Bäume im Laub stehen, jetzt bietet der gestorene Boden lediglich Todtengrüfte. — Heiter. In verschiedenen Blättern findet sich folgende Annonce: „Für Liedertafeln und Gesangvereine. Soeben erschien im Verlage von Edmund Rost in Sulza und ist durch jede Buch- und Musikalienhand- lung zu beziehen: Der rothe Sozialoemokrat. Vierstimmige Gesangs- Humoreske für Solo und Chor. Dichtung von Hermann Görmitz, Musik von Schäffer. Partitur und Stimmen 1 Mark. Einzelne Stimme» ä 15 Pf. stehen in beliebiger Anzahl zu Diensten. Dieser äußerst er- heiternde Gesang mit Solo und Chor für Gesangvereine und gesellige Zirkel schildert in launig-satyrischem Tone die ganze Doktrin des sozial- demokratischen Zukunfls-Staates. Sehr amüsant und dramatisch lebhast ist der in Form von Frage und Antwort gehaltene Wechsel von Solo und Chor. Probeweis hier nur einen Vers(Vers 2). Solo: Den jetzig'en Staat den stürz' ich um! Chor: Wie so? Wie so? Wie so? Solo: Ich schaffe ab das Eigenthum!.... Ach so! Ach so! Ach so! Denn Eigenthum ist eigentlich Nur Diebstahl und den hasse ich!— Ja, ja! Ja, Eigenthum ist eigentlich, Ja, Eigenthum ist eigentlich Nur Diebstahl und den haß' auch ich!— Ja!" Ei wie schön! Um das Schöne noch schöner zu machen, mußten die Verschen: „Ja Eigenthum ist eigentlich Nur Diebstahl und den hasse ich!" von dem vierblättrigen Kleeblatt: Braun, Bennigsen, Miqusl, Birnbanm gesungen werden. Chor: Solo: Chor: Redner zum Wort, von welchen der eine meinte, er ginge überall hin, und so sei es ihm auch neulich eingefallen, in die Kirche zu gehen. Da habe ihn aber ein Kirchendiener beim Bermel gefaßt und habe gesagt, daß der Platz für einen Andern bestimmt sei, er dürfe sich da nicht hinsetzen und müsse erst abwarten, ob der Betreffende kommen würde; das babe ihn so empört, daß er von jetzt an nicht wieder die Kirche besuchen wollte. Da hier eine ziemlich starke Abneigung gegen die Kirche herrscht, so riefen auch diese Worte ein allgemeines Bravo hervor. Ein anderer Herr sprach den Wunsch aus, daß der sehr lehrreiche Vortrag der Frau Klemich gedruckt werden möchte; was Frau Klemich auch versprach, indem sie die Versicherung gab, daß der betreffende Vortrag in den von ihr redigirtcn„Blättern für geistigen Fort schritt" demnächst erscheinen werde. Die Versammlung war sehr stark besucht; zum ersten Mal hatten wir auch Frauen öffentlich eingeladen, und waren dieselben auch in größerer Anzahl er- schienen. Es wird hier lebendig, aber auch die Maßregelungen nehmen zu. T. Leipzig.(Verspätet.) Am 20. April fand in den 3 Mohren im Anger die in der Zeit des Wahlkampfes verabredete Dispu- tation zwischen dem Fortschrittsmann Hrn. Findel und unserem Parteigenossen Geiser statt. Aus den bereits veröffentlichten Thesen erhellt schon, wovon im allgemeinen die Rede gewesen ist. Nur hervorgehoben sei, daß Herr Findel den vielfach abge- brauchten Vorwurf brachte, das von ihm freilich erst dem Sozialismus imputirte absolute Gleichheitsideal sei mehr dem roma nischen Rassen angemessen, bei welchen ein„heerdenartiger Cha rakter zu constatiren sei, der eine immer strengere Concentration bedinge; dem deutschen Nationalcharakter sei mehr der Zug nach individueller Freiheit, nach Befteiung des Einzelnen eigenthümlich. Run hat uns aber leider die neuere Entwickelung gezeigt, daß dieser„Heerdencharakter" in unserer deutschen gesetzgebenden Ver- sammlung in ganz bedenklicher Weise um sich gegriffen hat. Beweise liegen auf der Hand, man denke nur an die zahllosen „Hammelsprünge" und an das fliegende Wort von der„Heerde von Pferden", mit der ein uns gegnerischer Abgeordneter, die wie auf Ordre stimmenden Nationalliberal n verglich. Jenes Hereinziehen der nationalen Gegensätze schmeckte etwas nach der bekannten Hetze gegen den„Erbfeind". Durch einige Kalauer suchte Findel die von uns geforderte geistige und körperliche Be- thätigung der Einzelnen ins Lächerliche zu ziehen: ein Professor könne nicht Vormittag Collegien lesen und Nachmittag Straßen Pflaster»; wogegen Geiser betonte, daß derzeit den geistigen Arbeitern es oft an Bethätigung ihrer Körperkräfte mangele, und, was ebenso schlimm, wenn nicht noch schlimmer ist, andrerseits ganz erhebliche Bevölkerungstheile nicht in der Lage seien, ihre Geisteskräfte zu üben, und so auf beiden Seiten Mißbildungen und unnatürliche Verkrüppelungen einträten. Von Punkt zu Punkt war Herr Findel genöthigt, sein„erfeuliches Einverständ niß" mit unserem Genossen Geiser zu erklären. Als der Letztere daraus die Folgerung zog, daß Herr Findel wohl mehr Sozialist sei, als er sich träumen lasse, ergriff diesen ein gelinder Schauer, der ihn veranlaßte, die erste gebotene Gelegenheit zum Abbrechen der Disputation zu benutzen. Nun verlangte Geiser bestimmte Antwort auf die Fragen 1) ob es in einem vernünftig organi- firten Staat Existenzen obne Arbeit(abgesehen natürlich von den Arbeitsunfähigen) geben dürfe; 2) ob ohne eine Aenderung in diesem Sinne eine gründliche Bessergestaltung der staatlichen Ver- Hältnisse möglich sei und 3) ob eine andere als die von den Sozialisten angestrebteGesellschaftsformdiesemöglichmache. Tarauf wollte nun Herr Findel durchaus nicht antworten und nannte die Frageste' ung Geisers eine Gewaltmaßregel, es werde ihm damit„der Revolver auf die Brust gesetzt, das stehe nicht in den Thesen" u. dgl. m. Wir meinen nun, daß man recht wohl diese Fragen beantworten kann, daß es im Wesen der Disputation liegt, jede auftauchende Differenz zu beleuchten und daß endlich diese Fragen selbst genau in den Rahmen der 4. These gehören. Die Versammlung erklärte sich gegen eine Minorität von sechs Stimmen für eine von Geiser eingebrachte Resolutton: daß Herr Findel außer Stand sei, den Sozialismus zu widerlegen. Ten einzig richtigen Protest gegen diele Resolution durch eine Wider- legung verschmähte Hr. Findel und so ging die Versammlung auseinander, nachdem noch ein Herr Dr. Gladstern, in Volksversammlungen auf den Namen„Müller" hörend, mit Geiser zu disputiren sich bereit erklärt. Wie wir vernehmen, hat er sich jedoch nachträglich anders besonnen. Die Waffen der Wissen- schaft sind, wie es scheint, entweder zu schwer zu regieren für die Herren Gegner oder aber es ist mit ihnen dem Sozialismus überhauvt nichts anzuhaben. Delitzsch, 25. April.(Allgemeiner Bericht.) Verschiedene Leitartikel im„Delitzscher Kreisblatt", welche von Verleumdun- gen gegen uns strotzen, veranlassen mich, den Raum des„Vor- wärts" in Anspruch zu nehme». Ich würde diesen gegnerischen Artikeln keine besondere Aufmerksamkeit schenken, wenn ich nicht wüßte, daß es darauf abgesehen ist, uns unsere bei der letzten Reichstagswahl hier neugewonnenen 500 Wähler wieder zu ent- reißen. Die verschiedenen Artikel näher zu besprechen, halte ich für zwecklos, nur eine in den Artikeln enthaltene Stelle ist von Bedeutung, speziell für unfern Wahlkreis. Der Verfasser führt nämlich aus, daß die Sozialdemokratie nur in denjenigen Wahlkreisen Forlschritte gemacht habe, wo die große Masse des Volkes polittsch unreif sei(dieser Ausspruch läßt mich allerdings zweifeln an der politischen Reife des Verfassers), und daß es nur der polittschen Reife der Wähler des Delitzsch-Bitterfelder Wahlkreises zu verdanken sei, daß die Sozialdemokratte keine allzu großen Fortschritte gemacht habe. Was es mit dieser poli- tischen Reife aber für eine Bewandtniß hat, das haben wir beim Austragen der Wahlaufrufe und Stimmzettel, namentlich auf dem platten Lande, erfahren, wo ein sehr großer Theil der Be- völkerung nicht einmal wußte, was der Reichstag resp. die Reichstagswahl für eine Bedeutung hat. Was den intelligen- teren Theil der Städte anbetrifft, so erscheint die politische Reife hier erst recht zweifelhaft, wenn man in Erwägung zieht, daß der Delitzsch-Bitterfelder Wahlkreis lange Jahre und namentlich in der Konfliktszeit von der Fortschrittspartei vertreten wurde, wo hingegen jetzt von einem Konservativen alles Heil erwartet wird. Doch um den Gegnern Gelegenheit zu geben, ihre politische Reife zu bethätigcn, hielten wir Sonntag, den 22. April, eine Volks- Versammlung mit der Tagesordnung:„Die geistigen Waffen unserer Gegner" im Bürgecgarten ab, zu welcher der Verfasser der betreffenden Artikel durch das hiesige Kreisblatt speziell ein- geladen, aber natürlich nicht erschienen war. Herr Werner aus Leipzig als Referent verstand es denn auch vortrefflich, die groben Verleumdungen und Verdächtigungen gegen uns in ihr Nichts zurückzuführen, und die Kampfesweise besagter Artikel- schreib«: gehörig zu kennzeichnen. Die gut besuchte Versammlung war mit den Ausführungen des Referenten einverstanden, was der ungetheilte Beifall, welcher während des Vortrags, sowie am Schlüsse desselben dem Referenten zu Theil ward, bewies. Eine im Sinne der Tagesordnung abgesaßic Resolution wurde ein- stimmig angenommen. Zum Schlüsse sei noch erwähnt, das Abends ein Ball der Gesellschaft„Brüderlichkeit" stattfand, zu welchem uns zu unserer größten Freude der Gesangverein „Lassallea" aus Halle ein vorzüglich eingeschultes Doppel- Quartett gestellt hatte, das uns einige recht angenehme Stunden bereitete, wofür die Delitzsch« Genossen nochmals ihren Dank Halle aussprechen und zugleich die Bitte an den Gesangverein zu richten, sie bald wieder mit ihrem Besuche zu erfreuen. 8t. Wecrane, 2. Mai. Es ist viel geschrieben worden über die Aussperrung der Arbeiter seitens des Kanonenkönigs Krupp, und doch ist dieser nur ein Stümper gegenüber der Fabrikanten- gruvpe am hiesigen Ort. Es dürfte nicht uninteressant sein, die Sache etwas eingehender zu besprechen. Die hiesigen Weber nennen die Fünfziger Jahre und namentlich die Zeit während des Krimkrieges die Blüthezeit der Weberei. Es gab damals auch vollständig genug Arbeit, die Lebensmittel waren 40, 50 bis 60 Proz. billiger und der Fortschritt der praktischen Weberei machte sich geltend, denn es wurden in einem Stuhle Doppel- stücke statt der einfachen angeferttgt. Auch wurden von allen umlie- genden Dörfern Lehrlinge zur Weberei herangezogen, kurz, der Meister, welcher zwei, drei und 4 Webstühle gehen hatte, fühlte sich wohl. Es sollte aber sehr bald anders kommen, die Kauf- leute nahmen bald wahr, daß bei der Weberei Geld zu verdienen sei, auch lernten sie die Vortheile der Weberei kennen; die Eon- currenz trat in den Vordetgrund, die Löhne konnten zwar nicht gekürzt werden, indem dieselben gegen Glauchau und andere Orte weit niedriger standen, aber die Stücke wurden von 70 auf 80 Ellen Länge geschraubt. Der damalige Kaufmann L., welcher die ersten 80elligen Stücke anfertigen ließ, lebt heute noch, ist stets Fortschrittler und seine Stücke haben jetzt eine Länge von 126 Ellen erreicht, natürlich zu dem früheren Lohnsatz. Zum Berkauf aber werden dieselben auseinandergeschnitten. In der Weberbewegung 1872 stieg der Lohn an einzelnen Stellen bei einem Stück fünfundzwanzigpfennigweise bis zu 1 Mark 50 Pf., diese Zulage wurde aber am Schlüsse der Saison gekürzt. Den Profit nimmt der Fabrikant mit der größten Seelenruhe hin, nicht darnach fragend, ob seine Arbeiter schwer darunter leide» Dagegen haben die Verleger, welche noch größere Geldeinsäck- ler sind, vollauf zu thun, indem sie die auf die Maare ge- machten Abzüge einziehen, ohne das Material vollständig zu- rückzugeben. Wenn man so ein Arbeiter-Verlegerbucb zufällig durchsehen kann und die auf die Waaren gemachten Abzüge«- blickt, so muß man staunen.— Unsere Stadt, welche eine Schuldenlast von mehr als 600,000 Mark hat und blos auf die Steuerkraft angewiesen ist, wird durch das Vorgehen der Fabri- kanten vollständig ruinirt, die Pfandleiher machen das beste Ge- schüft: Alles was sich forttragen läßt, Kleidungsstücke, Möbel, ja die unentbehrliche Uhr wandert in's Leihhaus, und wenn man zufällig einer Auktion beiwohnt, so glaubt man sich in einen Uhrmacherladeu versetzt, und meistens werden die Pfänder zur Hälfte des Werths abgegeben. Mehr denn 800 Steuerzahler haben auf 1875 noch die Steuern zu bezahlen und sind der Aus- Pfändung gewärtig. Daß die Steuerreste für 1876 nicht geringer sein werden, ist selbstredend.— So sind die Zustände heute, und noch unerttäglicher würde unser Loos sein, wenn wir bei letzter Reichstagswahl unterlegen wären. Zu dem Mangel an Arbeit hätte sich dann auch noch die Verhöhnung gesellt; als Memmen müßten wir einhergehen und die Verfolgung wäre noch ärger geworden. So aber haben wir noch vollständig das Vertrauen der Massen, Alles harrt und freut sich auf Volks- Versammlungen und das einmüthige Zusammenhalten wirkt einschüchternd auf unsere Gegner.— Zum Schluß will ich noch erwähnen, daß die Auslösung eines hier noch nie bestandenen sozialistischen Vereins seitens des Bürgermeisters mit ungeheurer Heiterkeit begrüßt wurde. R. Abermalige Aufforderung. Unserer Mahnung in Rr. 49 d. Bl. vom 27. April d. I. sind nicht nachgekommen: I. G. Büth, Meiningen; Ccrl Solomon für die Parteigenossen Fraureuths! Ad. Stölle, Söitin�en; Arbeiterverein Neuschöncsetd; Sand- mann, Dessau; Baumann, Schneider, Neuschöneseld, Marbstraße; R. Schneeweiß, Uelzen; W. Tausche, Theresienstadt; I. Keßner sür den Arbciierbildungsverein Brünn; Adolf Schroth, Schremer, Bayreuth; A. Reichel, Colporleur, Troppau(Aufenthalt z Z. unbekannt); E. Fenske, Eisenach; Kalbfleisch,„Wests. Freie Presse", Dortmund; H. Kölschen, Süchteln; I. Sältz, Bremen; H. Fennemann, Duisburg; E. Greulich, Forst N/L.' Nachfolgende Personen werden hiermit zum ersten Male aufgefor- dert, ihre Angelegenheiten mit der Expedition ungesäumt zu ordnen, dafern nicht Boragc an den Congreß erfolgen soll: W. Teuer«, Düsseldorf; H. Freudenthal, Kraschwitz; H. Hintermeyer, Wiesbaden(Aufenthalt gewechselt); Mox Kayser, Dresden; A. Eonrad, Lausigk, jetzt Borna.(Forts, folgt.) Vertrauensleute und Agenten werden dringend gebeten, die Aufge- rufenen von unseren Aufforderungen in Kenniniß zu setzen. Dreimal ohne Erfolg Aufgerufene werden wir zur Kenntniß des Congrcsscs bringen, welcher böswillig erwiesene Säumige wcücr im Parteiorgan bekannt gebe» wird. Leipzig, am 5. Mai 1877. Die Expedition des„Vorwärts" und der„Neue Welt". An dir Mitglirder der früheren Gewerkschaft der Holz- arbciter, speziell aber an die Bevollmächtigten und Orts- kassirer derselben. In Nr. 18 des„Bund" Seite 3, befindet sich eine Aufforderung eitens des Krankcnkaffen-Vorstandes rur ungesäumten Ablieferung äwmtlicher in den Ortskassen befindlichen Gelder u. s. w. Ich fordere hiermit die Mitglieds auf, terselben keine Folge zu leisten, indem der Bunteskrankenkassenvvl stand nicht das ger ngste Recht hat, über Gelder zu verfügen, die laut Frankfurter Congreß Beschluß von 1876 den am Orte befindlichen Mitgliedern verbleiben. Näheres hierüber i» Nr. 19 des„Bund". Mitzulheilen ist noch, daß der D-nkstem für Th York am 13. Mai, dem Geburtstage York's eingeweiht werden soll. Die Feier verspricht eine erhebende zu werden, da sämmtliche hiesige Gewerk- choiicn ihre Theilnahme zugesagt haben. Hamburg, 5. Mai. Wilh. Eberhardt, St. Pauli Augustcnpassage 18 III. Diese Punkte sollen genau besprochen und darüber Beschluß ge- faßt werden. Alle Parteigenossen werden aufgefordert, diese Bekannt! machung möglichst weit zu verbreiten und nach Kräften für die Be- schickung des Congresses zu wirken. Wir haben schon zu wiederholten Malen in unserem Organ(im !„Ambos" Aufrufe erlassen. Auch die„Berliner Freie Presse" hat auf j unfern Congreß ausmerkfam gemacht; wir nebmen aber hier nochmals; Gelegenheit, alle Parieigeu offen auf den Congreß aufmerklam zu! machen und fordern wir' alle Schmiedegesellen auf, ihre Pflicht zu thun. Auf nach Leipzig! Orte, welche Delegirie zum Congreß senden, haben dieselben bei Hrn. Heinrich, Leipzig Nordstraßc 10 I., anzumelden. Mit brüder ichem Gruß Der Vorstand des Vereins der Berliner Schmiedegesellen: E. Basner. H. Schartow. Die Neuwahl im 6. Berliner Wahl-] kreis ist auf den 17. d. anberaumt. Briefkasten der Redaktion. E. B. in Altona: Wird geschehen. Quittung. Hrbg hier Ab. 1,25. Mllr Frohburg Ab. 2,20, Schr.! 1,32. Schlz Schönefe d Ab. 1,80. Knn hier Ab. 1,80. Expedition: der„Tagwacht" Zürich Ab. 200,00. Knk Frankfurt Ab. 10,00i Mknsy! Düsseldorf Ab. 11,40. Wrgs Wien Schr. 8,71. Hrbg Würzburg Ab.! 20,00. Expedition der„Fackel" hier Ab. 23,17 u. 46,00. Ullrch hier Ab. 3,0». Jnghnns Connewitz Ann. 1,50. Hmmtzsch Dresden Ab.! 1,30. Schltr Dresden Sckr. 12,00. Grbnstn Lindenau Schr. 2.30,! Ab. 1,80. Mllr Schalksmühlc Schr. 5,75. H. Schmdt Hannovc. Ab. � 100,00. Schlr Frohmau Ab. 9,14. Rpp Rottweil Schr. 2,20. Hhl i Baden-Baden Schr. 8,30. Meine Adresse ist jetzt: Joseph Hauptmann, bei Ernst Keil, Neuwied. Dies den Fürther Parteigenossen zur Mittheilung. Montag, den 7. ds Mts., hat unser Genosse Rödiger seine zwei« monatliche Haft angetteten. Briefe sind an Frau Rödiger, Restau«! ration, Gr. Wallstraßc 24, Halle, zu richten. Agitationsfonds. Durch F. A. Reichlein S. Francisko Mk. 196,52. Annonce« für die Mittwochs-Nnmmer müsse« bis Man« tag Vormittags 9 Uhr; für die Freitag s-Rumm« bis Mitt« woch-Vormittags 9 Uhr; für die SonntagS-Rnmm« bis Frei-; tag Vormittags 9 Uhr hier sein, wenn solche noch bestimmt Aufnahme finden sollen. Annoncen, denen der Bettag nicht beiliegt, oder für welche der Einsend« kein Depot bei unS hat» können eine Aafnahme uicht finden. Die Expeditton des„Vorwärts". Donnerstag, den 10. Mai, Nachmittags 6 Ühr� bei Kahl, an der Haager-Slraße: Allgemeine Sozialisten-Verfammlung.' Tagesordnung: Berathung über a. Beschickung drS Sozialisten- j Congresses und event. Wahl des Delegirten; d.«niräge zum Congreß.! Um zählreiches Erscheinen ersucht.(F. 4b)[80 j Der Einberufer. Soilaldemokrat, scher Wahlverein. �Clvlv|vl1. Sonnabend, den 12. Mai, Abends 8'/, Uhr, i im Vereins lokal bn Kahl: Versammlung. Tagesordnung: Vortrag des Hrn. Bruno: Dem Andenken Johann Jacoby'S. 43) M 1 Um zahlreiche JSeJheiligung ersucht Der Borstand. Den Parteigenoffen die vorläufige Anzeige, daß »JJWilUl. Vv.1. gm 1. Pfingsttagr e-n[1,80 Familien-Fest in den Sälen des Hrn. Narten stattfinde» wird. (Fl 63) Die Fest-Commissiou. Arbciterbildungsverein. evClf-JI-z. Im Laufe dieser Woche beginnen neue Unterrichts- Curie: in der einfachen Buchführurg: Dienstag Abend 9 Uhr; in der 1 deutschen Sprache: Freitag Abend 8 Uhr, im Schönschreiben: 9 Uhr» in Stenographie(Gabelsberg): Sonnabend 8 Uhr; außerdem im Rech- nen 3 Curse für Anfänger und Fortgeschrittenere: Montag, den 14. i ds. Mts., 3 und 9 Uhr; in der doppelten Buchführung: Dienstag, de» 15. ds., Abends 8 Uhr.— Dem Unterricht in Gesang, Turnen, Zeich- nen(technisch und Freihandzeichnen), in Stytistik und Redeübung, der stenographischen Sektion(Fortbildungs-Cursus), sowie dem deklamato« rischen Club kann stets b.jgetreten werden. Beitrag monatlich 60 Pfg. Aufnahme jeden Abend von S'/j Uhr an im Vcreinslokale, Ritlersttaße 43 II. Die Gesinnungsgenossen werden ersucht, für den Verein fleißig zu agitiren, um demselben neue Mitglieder zuzuführen.[1,60 Der Vorstand. Der Congreß der Schmiede Deutschlands finde» vom 20.— 22. Mai in Leipzig statt. Wir fordern alle Schmiede Deutschlands auf, denselben durch Abgeordnete ihres Ortes zu beschicken. Die heutige Lage der Schmiede Deutschlands ist eine höchst gedrückte und wird durch Arbeitslosigkeit immer sch echter. Die Schmiede Deutsch- lands müssen sich ausraffen, wenn sie nicht ganz und gar in Knecht- schaft untergehen wollen. Vor der Mitte dieses Monats findet in Berlin ein Congreß der Schmiedeme» er Deutschlands statt und die Bestrebungen dieser Herren wird jeder Schmiedegeselle zu würdigen verstehen. Der Congreß soll die Mittel und Wege berathen, durch welche eine Besserung dieser elenden Verhältnisse ermöglicht werden kann; zu diesem Zweck werden dem Congreß folgende Gegenstände zur Besprechung vor- gelegt: 1. Gründung eines deutschen Schmedeverbandes; 2. Beraihung über die Einsührung gleichmäßiger Agitation; 3. Berathung über die Einführung gleichmäßiger Arbeitszeit; 4. Beraihung über«ranken- und Sterbekassen-Ängelegenheiten. Mittwoch, den 9. Mai, Abends 8 Uhr, in der ■vvl-j.'giy.„Tonh.ille": Volksversammlung. Tagesordnung: Die Gewcrbegesetznovelle(Arbeiterschutzgesetz). Rese- � renten W. Hasenclev« und I. Motte!«. 90]__ Der Einberufer.____ Donnerstag, den 10. Mai, Abends 8>/, Uhr, �>�'11(1011111. im Saale des Hrn. Hillebrand, Altemünze 21:, Oeffentliche Arbeiter-Versammlung. Tagesordnung: 1) Beraihung der Anträge zum Congreß. 2) Ver- schiedenes.[70 i Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht P. Srowiarz. Mittwoch, den 9. Mai, Abends 8'/, Uhr, in �llUffUl. Burmeistrr'S Salon, 1 treppe: Volksversammlung. Fortsetzung der Tagesordnung von letzter Versammlung. F. Heerhold.[60 Ädrkßäilderuiig. Da Herr I. Franz aus der Volksbuchhandlung des Schweiz. Ar- beiterbundes ausgetreien und eine eigene Buchhandlung begründet hat,! so wolle man alle Sendungen an uns einfach: Volksbuchhandlung, Zürich oder noch besser: Volksbuchhandlung, Zeltweg- Hottingen mit Henwcglajlung des Namens I. Franz adressiren. Wird der Name I. Franz noch neben demjenigen der Volkse I buchhandlung aus die Adresse gesetzt, so werden die Sendungen gc- wöhnl ch in der Buchhandlung des Herrn I. Franz abgegeben, was z« Verzögerungen und Verwirrungen Anlaß giebt. Also nochmals: adreisire man einfach Volksbuchhandlung ohne Beifügung des Namens I. Franz.(2b> V rantwor-lechw Redakteur: W. Hasenclever n Leipzig. üedal on und Evved' nn Farberftt eß 12/IL m Leipzig. Druck und Verlag v« G-noss nschaitsduchdi-uckerei m Lewz-K