Erscheint in Leipzig Mittwoch, Freitag, Sonntag. AbounemcntevrriS tür ganj Teutichland t M.eo N.pr» Quartal. Monat«-«tonnemenl« werden bei allen deutichen Poftanstalten aus den 2, ii ab 3, Monat, und auf Km 3. Monat ieionderS angenommen: im Königr. Sachsen und Herzogth. Sachsen- Mtenburg auch auf den lten Monat deb Quartal» d U Pf». Jnferatr betr.«erfammlungen pr. Petitzeilc 10 N., betr. Privatangelegenheiten und Feste pro Petitzeile 30 Pf. Gestellungen nehmen an alle Poftanstalten und Buch. Handlungen de» In- u. Buolandeu. Filial- Expeditione». New-Vork: Coj.-demolr Otniollen- fchaftsbuchdrnckerei, Ida bllSrichxv»Ir. Philadelphia: P. Haß,«30 IfurtK Zrä Streot� I. Boll, 1183 Charlotte Str. Hobolen H.J.: F. A. Sorge. 2lS Waoh- ivgton Str. Chicago: A. Lanfcrmann, Ii Clybourne»v«. Ean FranziSco: F. Env, 41» oharrall Str. London Vf.: E. Henje, 8 Sew"tr. Golden Square. Gentrat Grgan der Sozialdemokratie Deutschtands. Nr. 62. 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Mai. 1877. nd bei Trost, 39/11, Leipzig, enau bei Frau i A. Herms Die blutige Maiwoche und ihre Opfer 22.-28. Mai 1871. Fünfundzwanzigtansend Männer, Weiber und Kinder während des Kampfes nnd nach dem Kampfe getödtet; dreitausend, niedrig geschätzt, im Kerker, auf den Pontons, in den Forts oder an, durch das Ge- fängniss erzeugten Kraukhciten gestorben; dreizehn- tauscudsiebenhnndert, meist auf Lebenszeit, verurtheilt; siebcnzigtausend Frauen, Kinder, Greise ihrer uatür- lichen Stützen beraubt oder aus Frankreich getrieben: hundert und eilf Tansende Opfer, niedrigst geschätzt— das ist die Bilanz der Rache der Vonrgeoisie für die Revolution des 18. März. Lissagarav, Geschichte der Commune von 1871. Das Proletariat vergißt seine Märtyrer nicht. Es vergißt nicht die Verbrechen seiner Feinde. Und es kennt seine Pflicht. Die Ouintefsenz des Sozialismus. Von C. A. Schramm. II. Nach dieser Erläuterung gehe ich nun zur Beantwortung der von Prof. Schäffle aufgeworfenen Fragen, die er Seite 47 in folgenden Worten stellt: »ES fragt sich nur: 1. theoretisch, ob der Vordersatz richtig ist, wonach gesellschaftliche Arbeitszeit das Werthmaß der Güter ist,— 2. praktisch, ob der geschlossene Sozialistcnstaat die enorme Sozialbnchhaltung bewältigen und ungleiche Arbeit auch richtig nach sozialen Arbeitszeiteinheiten abzuschätzen vermöchte. „Die erstere Frage muß vorläufig jedenfalls verneint werden; denn der Werth der Güter richtet sich ersichtlich nicht blos nach den Kosten, sondern auch nach dem Gebrauchswerth, d. h. nach der Dringlichkeit des Bedarfs. Ohne Berücksichtigung des wech- selnden Gebrauchswerthes verschiedenartiger Arbeiten und ver- schiedenartiger Produkte ist eine soziale Werthtaxe, welche an Stelle der Marktpreisbestimmung der Gegenwart auf volkswirth- schaftliche Weise gesetzt werden könnte, schlechterdings undenkbar. Wie schon bemerkt, muß der Sozialismus seinen Fundamentalsatz vom sozialen Arbeitskostenwerth der Güter von Grund aus zu corrigiren verstehen. Das ist vielleicht nicht unmöglich, wir lassen es dahingestellt. Aber der bloße Arbeitskostenwcrth, wie er jetzt formulirt ist, macht die ganze Oekonomie des Sozialismus vorläusig zur Magie. Wenn z. B. der Sozialbürger nach schlechter Ernte Brod verlangt, kann ihm der Sozialistenchef nicht Steine und nicht Kleider und nicht Vergnügen dafür bieten. Aber dem, welcher das besonders begehrte Brod verlangt, muß eine Taxe über den Kostenwerth angesetzt werden, bei der er sich nach der Decke streckte, damit das Mangelnde, aber Begehrtere, für Alle wenigstens zur Roth reichen könne. Also der Sozial- Werth(Tauschwerth) muß nicht blos als Kosten-, sondern auch Zugleich als wechselnder Gcbrauchswerth bestimmt sein; Sozial- bedarf und Sozialproduktion gerathcn sonst in eine heillose quantitative und qualitative Disharmonie, die Niemand bewät- tigen kann. Der Sozialismus muß diesen, von seinen Theoretikern arg mißachteten Punkt am ehesten zu berichtigen suchen; vorher •üfct sich mit ihm doch kaum eine Diskussion von praktischer Be- deutung anknüpfen." Diese ganze Stelle beruht auf einem fast unbegreiflichen Mißverständniß. Professor Schäffle übersieht ganz, daß Marx durch den so scharfsinnig gewählten Wortlaut inner Werth- Definition auch schon dem Gcbrauckiswerth, soweit er auf die ausgedrückte, meist nur imaginäre Tauschwerthgröße s f ii"�eu im Stande ist, vollständig Rechnung getragen rÜn«Tv barin besteht meines Erachtens die hohe wissenschaft- uche Bedeutung der Marx'schen Werththeorie. Die älteren englischen Oekonomcn sehen den Werth einer m ber Zu ihrer Herstellung aufgewendeten Arbeit. Die plötzliche Entwerthung einer Menae, bisher mit der Hand her- gestellten Waaren durch Einführung einer Maschine läßt diese Erklärung des Werthes als durchaus unzutreffend erscheinen; deshalb war es ein bedeutender Fortschritt, als der Amerikaner Carey den Werth dahin definirte, daß nicht die wirkliche, zur Herstellung der Waare aufgewendete Arbeit, sondern die zur Wiederherstellung aufzuwendende Arbeit die eigentliche Werth- substanz bilde. Erst die Marx'sche Werthdefinition trägt der durch wechselvden gesellschaftlichen Bedarf eintretenden Werth- steigerung oder Entwerthung der Waare vollständig Rechnung, denn nicht die gesellschaftliche Durchschnittsarbeitszeit, sondern die gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit bildet hiernach den Tauschwerth. Das habe ich in meinen schon citirten Artikeln des Weiteren ausgeführt; dort freilich des Zusammenhangs wegen an einem nicht recht deutlichen Beispiel, welches die Verwechselung von Preis und Werth leicht herbeiführen kann; ich lasse die Stelle hier folgen, füge aber gleich danach die für Getreide besser zutteffende Erläuterung bei. „Gesetzt, es haben sich doppelt so viel Weber an die Arbeit gemacht, als früher, es ist also auch doppelt so viel Leinwand da, als gebraucht wird; es sinkt ihr Werth, denn es war nur die Hälfte der Arbeit gesellschaftlich nothwendig und es haben daher in diesem Falle zwei Stunden nur so viel Werth, als sonst eine Stunde." „Die Gesellschaft braucht eine bestimmte Quantität Weber- arbeit; wird nun doppelt so viel geleistet, so ist die Hälfte über- flüssig; man kann aber den einzelnen Ellen Leinwand nicht an- sehen, welche von ihnen grade die überflüssig produzirten sind, daher sinkt der Werth jeder einzelnen Elle so gut, wie der Ge- sammtwerth der ganzen Leinwand." . Speziell auf den von Prof. Schäffle citirten Fall angewendet, lautet die Erläuterung: Die Gesellschaft braucht ein bestimmtes Quantum Getreide; die zur Erzeugung desselben aufgewendete oder aufzuwendende allgemein menschliche, gesellschaftlich nothwendige Arbeit, gemessen nach Zeit, bildet den Tauschwerth alles Getreides. Ist mehr Getreide erzeugt worden, als gebraucht wird, so wurde auch mehr Arbeit darauf verwendet, als gesellschaftlich nothwendig war; ist also doppelt so viel Getteide gebaut worden, so steckt darin nur halb so viel Werth, nur halb so viel gesellschaftlich nothwendige Arbeit, als wirkliche Arbeit zur Getreidegewinnung aufgewendet worden ist. Wäre dagegen der gesellschaftlich« Bedarf nur zur Hälfte durch den Ernteertrag gedeckt, so ist eben nicht das genügende Quantum„gesellschaftlich nothwendige Arbeit" auf Ge- treidebau verwendet worden; das vorhandene Getreidequantum revräsentirt also einen doppelt so hohen Tauschwerth, als wirk- liche gesellschaftliche Durchschnittsarbeit zur Produktion verwendet worden ist. Nimmt man also auch an, daß Preis und Werth gleich hoch sein soll, so wird der Brodpreis bei einer reichlichen Ernte sinken, das Brod wird billiger werden, man wird mit dem Arbeitsertrag einer Stunde doppelt so viel kaufen können, als in gewöhnlichen Jahren. Ist dagegen nur halb so viel Getreide gewonnen worden, als zur Deckung des gesellschaftlichen Bedarfs nothwendig ist, so wird der Brodpreis steigen, man wird für den Arbeitsertrag einer Stunde nur halb so viel Brod kaufen können als sonst. Dient also die Marx'sche Werththeorie wirklich zur Bestim- mung des Preises, so wird nach einer Mißernte der Brodpreis ebenso gut in die Höhe gehen, wie das jetzt— von den heute entstehenden Wucherpreisen abgesehen— der Fall ist. Dieser so gewichtig scheinende Einwand des Herrn Schäffle entbehrt also jeder Begründung und ist durchaus hinfällig. Herr Professor Schäffle befindet sich aber überhaupt im Irr- thum, wenn er annimmt, Marx plane oder beabsichtige eine Vertheilung der Güter nach Arbeitszeit- Einheiten. Ich für meinen Theil habe wenigstens von einem solchen Plane in dem „Kapital" keine Spur entdeckt, vielmehr das grade Gegentheil darin ausgesprochen gefunden. Herr Schäffle schreibt in dieser Hinsicht Seite 17:„An einer Stelle äußert Marx, allerdings nur hypothetisch, dieses Programm ungefähr so: Ein Theil dieses Produttes dient im Kapitalersatz wieder als Produktionsmittel; er bleibt gesellschaftlich. Ein an- derer Theil wird als Lebensmittel von den Gesellschaftsgliedern verzehrt, er muß daher unter sie vertheilt werden. Der Antheil jedes Produzenten wäre, so sei vorausgesetzt, bestimmt durch seine Arbeitszeit. Dann werde die Arbeitszeit zugleich als Maß deS individuellen Antheils des Produzenten an der Gewinn- arbeit und zugleich als das Maß für den Antheil am individuell verzehrbaren Gemeinprodutte dienen." Diese Stelle ist aber nicht wörtlich citirt, und daher kommt denn auch der falsche Schluß, mit welchem Schäffle den Vorwurf der Undurchführbarkeit des Sozialismus begründet. Die Stelle im Kapital lautet wörtlich S. 371 1. Auflage: „Setzen wir an die Stelle Robinson's(des vereinzelt lebenden Menschen) einen Verein freier Menschen, die mit gemcinschaft- lichen Produktionsmitteln arbeiten und ihre vielen individuellen Arbeitskräfte selbstbewußt als eine gesellschaftliche Arbeitskrast verausgaben. Alle Bcstinimungen von Robinson's Arbeit wieder- holen sich, nur gesellschaftlich, statt individuell. Ein wesentlicher Unterschied tritt jedoch ein. Alle Produtte Robinson's waren sein ausschließlich persönliches Produtt nnd daher un- mittelbar Gebrauchsgegenstände für ihn. Das Gesammtprodukt des Vereins ist ein gesellschaftliches Produkt. Ein Theil dieses Produkts dient wieder als Produktionsmittel. Er bleibt gesell- schastlich. Aber ein anderer Theil wird als Lebensmittel von den Vereinsgliedern verzehrt. Er muß daher unter sie vertheilt werden. Die Art dieser Vertheilung wird wechseln mit der be- sonderen Art des gesellschaftlichen ProduktionSorganiSmuS selbst und der entsprechenden geschichtlichen Entwickcluiigshöhe der Produzeuten. Nur zur Parallele mit der Waarenproduktion setzen wir voraus, der Antheil jedes Produzenten an den Lebensmitteln sei bestimmt durch seine Arbeitszeit. Die Arbeits zeit würde also eine doppelte Rolle spielen. Ihre gesellschaftlich planmäßige Bertheilung regelt die richtige Proportton der ver- schiedenen Arbeitsfunkttonen zu den verschiedenen Bedürfnissen. Andererseits dient die Arbeitszeit zugleich als Maß des indivi- duellen Antheils der Produzenten an der Gemeinarbeit und daher auch an dem individuell verzehrbaren Theil des Gemein- Produkts. Die gesellschaftlichen Beziehungen der Menschen zu ihren Arbeiten unb ihren Arbeitsprodutten blieben hier durch- sichtig einfach, in der Produttion sowohl als in der Disttibutton." Aus dem Wortlaut, wie aus dem ganzen Zusammenhang geht doch unzweifelhaft hervor, daß Marx an diesem fingirten Gesellschaftszustand nur den Zusammenhang zwischen der Pro- duktion und der Vertheilung der Güter, welcher in unseren heutigen Gesellschaftsverhältnissen dunkel und schwer entwirrbar erscheint, in einfacher und durchsichtiger Weise zeichnen, nicht aber einen sozialistischen Vertheilungsplan entwerfen wollte. Er sagt ja ausdrücklich: Die Art der Bertheilung wird wechseln mit der besonderen Art des gesellschaftlichen Produktionsorga- nismus selbst und der entsprechenden geschichtlichen Entwickelungs- höhe der Produzenten. Damit ist doch unzweifelhaft die Ansicht ausgesprochen, daß es selbst nach vollständig eingeführtem Com- munismus an allen Produktionsmitteln je nach den Umständen verschiedene Maßstäbe zur Abmessung des den Einzelnen für ihre Arbeitsleistung zufallenden Antheils an den Produtten geben könne und geben müsse, nicht aber, wie Schäffle irrthümlicher Weise annimmt, daß die geleistete Arbeitszeit diesen Maßstab unter allen Umständen bilden solle. Eine derartige Utopie ist einem so klaren Kopfe wie Marx sicherlich nicht zuzutrauen. Ja, wenn alle Menschen frei von Egoismus wären, wenn der von Fourier geträumte Trieb zur Arbeit in Allen gleichmäßig entwickelt wäre und zu Tage träte, möchte ein derartiger Vertheilungsmaßstab wohl möglich sein; so lange aber die Menschen eben noch Menschen bleiben, wird ein Antrieb zur Arbeit, und zwar zu der von der Gesellschaft gebrauchten Arbeit, noch von Nöthen sein. Deshalb wird auch der vernünftige Sozialismus„jeden Einzelnen mindestens so stark mit seinem Privatinteresse für die Gesammtleistung inter- essiren, als es bei der heutigen Produktionsweise geschieht; ja, noch viel mehr, weil die heutige Arbeitsleistung nur in seltenen Fällen einen mit dem Arbeitserträge mitstcigenden Antheil daran erhält; er wird jede Einzelabtheilung für außerordentliche Col- lektivleistung Prämiiren, für wirthschaftliche Nachlässigkeit büßen zu lassen wissen; er wird besonderen technischen Fortschritt und individuelles Verdienst um's Ganze materiell belohnen; er wird auch die Arbeitskräste an die Stelle ihrer produktivsten Ver- Wendung nicht nur durch obrigkeitliches Commando, sondern durch die Macht des Jndividual- Interesses zu dirigiren ver- stehen." Daß das„Wie?" eines der schwerwiegendsten Probleme ist, an dem die besten Köpfe mitzuarbeiten haben werden, daß trotz- dem noch viele Mängel und Fehler vorkommen werden, die sich erst bei der prattischen Durchführung herausstellen können, das ist ja nicht abzustteiten; die Blöglichkeit einer derarttgen Orga- nisation kann doch aber vernünftiger Weise nicht bezweifelt werden. Sollte die Menschheit an der Lösung dieser höchsten Culturaufgabe verzweifeln, weil augenblicklich noch kein fertiger Plan für den Zukunftsstaat vorliegt? Hat denn etwa das Kö- nigthum, als es den Feudaladcl zu stürzen begann, einen bis in die Details ausgearbeiteten Plan in der Tasche gehabt, nach welchem es den absoluten Staat einzurichten gedachte? Hat das Bürgerthum, als es das absolute Königthum über den Haufen warf, vorher eine fertige Staatsverfassung ausgearbeitet? Hat man bei Aufhebung der Sklaverei etwa ein klares Bild von der Produttion durch sogenannte freie Arbeiter und von der Bcr- theilung der Produkte durch den Arbeitslohn gehabt? Zeigt nicht vielmehr der wachsende Mammonismus und Pauperismus, daß der wirthschaftliche Liberalismus, von dem man die steigende Wohlfahrt Aller erwartete, sich gründlich getäuscht und die Folgen der vollständig freien und daher planlosen Produttion und Ber- theilung nicht vorher geahnt hat? Haben also die Menschen bei keiner der großen politischen und wirthschaftlichen Umwälzungen nach einer fertigen Schablone operirt, sondern immer nur den icweiligen Umständen entsprechend nach dem �im Großen erkannten Ziele hingearbeitet, weshalb sollte der Sozialismus in anderer Weise verfahren? Er darf, meiner Meinung nach, noch gar keinen fertigen Plan vorlegen, und man ist berechttgt, den von einzelnen unklaren Köpfen bis in das Detail hinein ausgemalten Bildern des einstigen Sozial- staates den Vorwurf der Utopie zu machen, weil eben Niemand den Gang der wirthschaftlichen Entwickelung vorauszusehen vermag. Das schließt aber nicht aus, eingehende Studien über die Möglichkeit einer gerechten Vertheilung von Arbeitsleistung und Arbeitsertrag anzustellen, und dies zu thun ist so recht Aufgabe der Wissenschaft. Es ist erfreulich, daß Herr Professor Schäffle das voll und ganz anerkannt und sich bereit erklärt hat, an der Lösung dieser Aufgabe mitzuarbeiten. Nimmt erst die Wissenschaft in dieser Weise Partei für die sozialistischen Ideen, wie sie nach langem Zögern endlich Stellung genommen hat gegen das fadenscheinige ManchestertHuni, welches sich bis dahin als alleinig berechtigter Vertreter der Wissenschaft- lichen Bolkswirthschaft aufspielte, dann wird die Berechtigung des Sozialismus bald allgemein anerkannt sein, dann werden sich die Mittel und Wege zu seiner allmähligen Durchführung fmdcn. Daß hochwissenschaftliche Männer dies für möglich halten, hat Rodbertus bewiesen, dem ja Prof. Schäffle selbst das Zeugniß Sab, er sei einer der selbständigsten deutschen Denker; derselbe hrieb schon vor 25 Jahren die Worte: „Ich glaube, daß zwar schon die Wissenschaft die staatswirth- schaftlichen Funktionen des rentirenden Eigcnthums zu ersetzen verstände, aber ich glaube nicht, daß der freie Wille der Gesell- schaft heute stark genug ist, um auch den Zwang zur Arbeit, den jene Institution außerdem noch übt, schon uunöthig zu machen. Und Arbeit ist das Prinzip des gesellschaftlichen Fort- schrittes, ist der Initialbuchstabe jeglichen Reichthums und jcg- licher Civilisation. Ich glaube also, um mich kurz auszudrücken, nicht, daß die Gesellschaft den Weg durch die Wüste schon be- endigt hat, daß ihre sittliche Kraft schon groß genug ist, um das gelobte Land der Erlösung vom Grund- und Kapitaleigeuthum durch freie Arbeit erwerben und behaupten zu können." Was aber die Wissenschaft in dieser Richtung zu leisten im Stande ist, das hat gerade Rodbertus, der meines Trachtens von sozialistischer Seite viel zu wenig gekannt und gewürdigt wird,*) durch seinen Aufsatz über die Einführung eines Normal- Werkgeldes bewiesen, welches im Stande wäre, selbst bei vor- läufig bestehenbleibendem Privateigenthum am Kapital und Grund und Boden, das Lohngesetz zu durchbrechen und der Arbeit einen constant mitsteigenden Antheil am Gesammt- Arbeitsertrag zu gewähren. Durch das vorstehend Gesagte ist auch die zweite Frage,„ob der Staat die enorme Spezialbuchhaltung bewältigen und un- gleiche Arbeit auch richtig nach sozialen Arbeitszeit- Einheiten abzuschätzen vermöchte", eigentlich schon erledigt, da ich nachge- wiesen habe, daß eine Verthcilung nach Arbeitszeit- Einheiten wenigstens von Marx nicht gefordert wird. Denkt man sich aber die Sache in der Weise, daß für jede einzelne Produktionsbranche ein zeitlich genau bestimmter Arbeits- tag festgesetzt wird, der, so verschieden auch seine Zeitdauer sein möchte, für Alle.einen gleich hohen Lohnsatz repräsentirte; denkt man sich dann das heutige Stücklohnsystem, die Akkordarbeit in der Weise eingeführt, daß für jede Produktion die in einem Normalzeittage durchschnittlich zu leistende Arbeit festgestellt und der Lohn dann nach der in der festgesetzten Normalzeit gelei- steten Arbeit gezahlt werde, so fallen die mit Recht gegen den Normalzeittag erhobenen Bedenken in sich zusammen. Es muß ja zugestanden werden, daß der fleißige und geschickte Arbeiter durch den Normalzeit- Arbeitstag bei gleichem Lohn gegen den faulen und ungeschickten Arbeiter zurückgesetzt, und daß das Streben nach größerer Arbcitsgeschicklichkcit und der Trieb zur erhöhten Anspannung der materiellen Kräfte durch einen mate- riellen Erfolg am sichersten und besten geweckt und erhalten wird. Würde dann also ein tüchtiger Arbeiter im achtstündigen Normaltage so viel Werk fertig stellen, als durchschnittlich in zehn Stunden geliefert wird, so würde er auch trotz der nur achtstündigen Arbeitszeit den Lohn für 1V Stunden erhalten; wer in den 8 Stunden nur für 6 Stunden Werk fertig gemacht, erhielte auch nur für 6 Stunden Lohn. Das würde jeden Einzelnen zu erhöhter Thätigkeit anspor- nen; für die Gesammtheit entstände wieder daraus der Vortheil, daß durch die so vermehrte Produktion der Werth und damit der Preis der Produkte fiele, so daß also Alle für den Lohn ihrer Arbeitsleistung mehr Waare kaufen könnten, als früher. Man sieht also, daß selbst eine Vertheilung der Produkte nach Arbeitszeit- Einheiten vollständig gerecht und zweckmäßig wäre, sobald man nur auch dem einzelnen Arbeiter gegenüber die so viel angefeindete Marx'sche Werththeorie in Anwendung bringt, und den Lohn nicht nach der zur Herstellung des Produkts wirk- lich aufgewendeten, sondern nach der, in den einzelnen Pro- duktionszweigen nach lokalen und sonsfigen Verhältnissen vor- her festgestellten„gesellschaftlich nothwendigen Arbeitszeit" be- rechnet. Die freilich nothwendig werdende, von Herrn Schäffle ihres kolossalen Umfangs halber für undurchführbar gehaltene So- zialbuchführung dürfte übrigens trotz ihres Umfangs noch be- deutend weniger Schreiber- und Buchhalterkräfte in Anspruch nehmen, als heutzutage in den bestehenden Geschäften gebraucht werden. Ich glaube bewiesen zu haben, daß die Einwendungen des Herrn Schäffle gegen die Marx'sche Werththeorie der sachlichen Begründung entbehren und nur erhoben worden sind, weil Herr Schäffle die Bedeutung des Ausdrucks„gesellschaftlich noth- wendige Arbeit" nicht richtig aufgefaßt hat; ich habe gezeigt, daß der dem Sozialismus imputirte Vertheilungsplan von Marx nicht aufgestellt worden ist; damit fallen die auf Grund eines ungenauen Citats gezogenen Schlüsse in sich zusammen. Es sind somit die wenigen, von Herrn Professor Schäffle noch gegen die Berechtigung und Durchführbarkeit des Sozialismus ♦) Lassalle hat sich mehrfach auf Rodbertus bezogen.(Anm. d. R.) 'erhobenen Bedenken und Einwendungen als widerlegt anzu- sehen. Wenn Herr Professor Schäffle also keine anderen Gründe gegen den Sozialismus beizubringen hat, wird er, wohl oder übel, im Geheimen oder vor der Oeffentlichkeit, die Berechtigung und Durchführbarkeit des Sozialismus anerkennen müssen. Der sittliche Bankerott der Bourgeoisgesellschast. (Nr. 57 des„Vorwärts.) Wenn wir dem Verfasser des wie vorstehend überschriebenen Artikels auch darin vollkommen Recht geben können, daß der ' betreffende Bericht der Petitionskommission eine volle Anerken- nung der, in der modernen Gesellschaft in krasser Weise um sich greifenden Uufittlichkeit enthält, so können wir ihm doch nicht in gleicher Weise beistimmen, wenn er jene Petition der Schwe- riuer Aerzte selbst ein Kennzeichen der Unsittlichkeit nennt und sie verwirft.*)— Wir Sozialdemokraten haben ja stets aner- kannt, daß wir keiner auf dem Boden der heutigen Bourgeois- gesellschaft möglichen thatsächlicheu Reform, wofern sie aus auf- richtigen Motiven hervorgegangen ist, unsre Zustimmung versagen dürfen. Die Errichtung resp. Wiedereinführung von öffentlichen, 'unter strenger polizeilicher Kontrole stehenden Häusern ist aber eine thatsächliche Verbesserung.— Die unüberwind- lichen Anforderungen der menschlichen Natur kann und darf man ! nicht durch Zwangsmittel eindämmen wollen, das würde stets noch gröbere Ausschreitungen und unnatürliche Laster zur Folge haben. So lange unsere heutigen Eheverhältnisse andauern und die Schwierigkeiten, welche der Ehe und dem dazu nöthigen Erwerb entgegenstehen, wird eine Art von Prostitution nicht zu vermeiden sein; dieser Prostitution selbst aber vermag man sehr wohl durch Paralysirung einen Zaum anzulegen, und dazu könnten jene öffentlichen Häuser dienen, wenn sie unter strenger Aufsicht gehalten werden und wenn zu gleicher Zeit jede andere erwerbsmäßige Unzucht streng geahndet wird. Eine solche Maßregel dürfte außerdem auch dem allzuwciten Umsichgreifen syphilitischer Krankheiten entgegenarbeiten und daher doch nicht so ganz verwerflich erscheinen.— Diese Auffassung beeinträchtigt in Nichts die sozialdemokratische Anschauung, daß die Bourgeoisgesellschaft vor einem sittlichen Abgrunde steht und daß nur eine radikale Umgestaltung zu helfen vermag, sie weist vielmehr auf ein Mittel hin, in praktischer Weise einen Uebergang herbeizuführen, welcher der Unzucht, wenigstens der � erwerbsmäßigen, einen Damm setzt. L., Neustrelitz.**) Sozialpolitische Uebersicht. — Kein Zweifel, in gewissen Kreisen sucht man die öffent- liche Meinung auf einen Krieg mit Frankreich vorzubereiten. Man lese nur nachstehende Auslassung der„Post", deren„Krieg- in-Sicht"- Artikel noch nicht vergessen sind, und der die Fama hartnäckig sehr nahe Beziehungen zum Fürsten-Reichskanzler zu- schreibt:„Wir enthalten uns", heißt es dort,„jeder Bermuthung über den Ausgang betreffs der innern Lage Frankreichs, aber die Verschwörung, welche die Arbeit begonnen hat, ist nicht nur eine Verschwörung gegen die Republik, weit mehr noch gegen Deutschland. Dies ist das wahre Wort der Situation. Es wäre pflichtvergessen, das Wort nicht auszusprechen, es wäre aber auch übereilt, anzunehmen, daß die Verschwörung gelingen muß. Welches sind die Fäden, deren die Verschwörer sich glauben bemächtigen zu können? Die französischen Rüstungen sind auf den höchsten Stand gebracht, es ist nichts mehr zu thun übrig, als: die Maske abzuwerfen. Aber Frankreich will nicht allein in den Krieg gehen, es sei denn im höchsten Notbfalle. Dem klerikalen Staatsstreiche müßte ein eben solcher Streich in Wien und Rom folgen, um die Absicht der Verschwörung zu erfüllen. Daß man an solchen Streichen arbeitet, ist außer Zweifel; ob sie gelingen, ist sehr zweifelhaft. Man möchte das antiklerikale Ministerium zu Rom durch die Consorteria stürzen, der italie nische Senat hat vorgearbeitet. Man möchte in Wien Andrassy stürzen, am liebsten mittels einer Unbesonnenheit seiner eigenen Landsleute, um ein klerikales Ministerium einzusetzen, aber nicht zum 5kriege gegen Rußland. Rußland ist auf lange genug be- *) Dazu sei bemerkt, daß der Verfasser des betreffenden Artikels nichts weiter gemeint und gejagt hat, als daß die Thatsachc der Schwe- nner Petition bereits die tiefe Unsittlichkeit unserer Zustände beweist. In einer sittlichen Gesellschaft gehörten derartige Anforderungen an die Gesetzgebung eben einfach zu den Unmöglichkeiten, während sie bei uns mit Nothwendigkeil aus den Verhältnissen hervorgehen. R. d B. '*) Es versteht sich, daß d e Redaktion des„Vorwärts", indem sie Obiges veröffemlichte, damit nicht die Verantwortlichkeit für den In- halt übernommen hat. R. d. V. schästigt. Die deutsche Staatskunst hat zwar den Plan vereitelt, eine Coalition gegen Deutschland als Bundesgenossen Rußlands zusammenzubringen. Aber Deutschland steht doch allein, wenn es gelingt, den Hebel des Ultramontanismus überall da zur er- 1 folgreichen Wirkung zu bringen, wo der Ultramontanismus im Staude ist, die Hebel einzusetzen. Wir glauben nicht, daß dies gelingen wird, finden also auch heute keinen„Krieg in Sicht". Aber was unsere Feinde wollen, ist allerdings Krieg gegen uns; sie arbeiten wieder einmal daran mit aller Rück- sichtslosigkeit, die ihnen die Leidenschaft gebietet, deren Unbe- zähmbarkeit durch die scheinbare Gunst des Moments gesteigert wird. Es ist ein empörendes Schauspiel, das wir in Frankreich wieder eininal aufführen sehen, das Schauspiel, wie rücksichts- loser Parteifanatismus dem Vaterlande die schwersten Wunden schlägt. Immer mehr befestigt sich der Charakter der Gegensätze, den wir schon mehrfach betont; in Frankreich bedeutet die Republik fortan den Frieden, die Monarchie, die nur noch Dienerin des Klerikalismus sein kann, den Krieg, und zwar nur Einen Krieg. Wir wissen nicht, ob die monarchisch- klerikalen Ver- schwörer die Monarchie vor dem Kriege oder während des Krieges einsetzen wollen; der Hauptzweck ist ihnen die Einsetzung des Papstes in die weltliche Herrschaft, der Weg zum Königthum des Papstes aber geht über das besiegte deutsche Reich. So bitterer Ernst es den Feinden der Geistcscultur mit ihrem Vor- haben ist: der Plan ist allzu phantaftisch, als daß er fchwere Besorgniß einflößen könnte. Aber der Staatskunst, deren Händen Deutschlands Leitung anvertraut ist, haben wir mehr als je die Pflicht treu und fest zur Seite zu stehen." Allerdings— sintemalen sie es ist, die uns in diese an- genehme Lage gebracht. Auf die Einzelnheiten des Artikels gehen wir nicht ein. Das unvorsichtige Geständniß, daß die Republik in Frankreich den Frieden bedeutet, denunziren wir den Leitern des Reptilienfonds, die für geschicktere Handlanger sorgen mögen; und was die übrigen Auslassungen betrifft, so enthalten sie eine solche Masse von Unsinn und Albernheiten, daß die Widerlegung uns mehr Zeit und Raum kosten würde, als uns zur Verfügung steht. Wer kann im Ernst glauben, Frankreich wolle jetzt Deutschland angreifen? Rußland, dessen Bundesgenossenschaft es zu diesem Zweck bedürfte, ist ja der thatsächliche oder vertragsmäßige Bundesgenosse Deutschlands. Kein Zweifel, die Möglichkeit liegt vor, daß Frankreich sich im Lauf der dem russisch-türkischen Krieg entspringenden Verwicklungen gegen Deutschland wird wenden müssen, allein nur in dem Fall, daß Preußifch- Deutschland offen für Rußland eintreten, und ein Rußland feindliches Einschreiten der vorläufig noch neutralen Mächte„auf den Knauf des Schwerts gestützt" im Namen der „Neutralität" verbieten folltc. Dies ins Auge gefaßt, erscheint der Artikel der„Post" einfach als Hetzartikel und nichts weiter. In ähnlichem Sinne, nur vorsichtiger in der Sprache, drückt sich die amtliche„Provinzialcorrespondenz" über die„merk- würdige Wendung in Frankreich", über die„Krisis" aus, deren „weiterer Entwicklung" sie zum mindesten höchst überflüssiger Weise„die ernste Betrachtung von allen Seiten" in Aussicht stellt. Natürlich kann die biedere„Norddeutsche Allg. Zeitung" bei einem so hübschen Zeitvertreibe nicht fehlen. Und das Glück ist ihr günstig gewesen: sie hat eine wunderbar passende Mordgeschichte von zwei deutschen Offizieren aufgegabelt, die in Nancy von französischen Civilisten und Soldaten, unter morali- scher Mitwirkung französischer Offiziere entsetzlich mißhandelt morden sind— oder sein sollen. Es wird ja wohl gelogen, oder doch stark übertrieben fein, aber seine Dienste thut's doch, und daß man in diesem Moment mit derartigen Mordgeschichten aufwartet, ist ein„Zeichen der Zeit". Erwähnt sei noch, daß die europäische Börse, voran die Berliner, den jüngsten Abstecher des Fürsten Bismarck nach Berlin mit einer an Panik streifenden Baisse(allgemeinem Sinken der Werthpapiere) begrüßt hat. Es ist dies ein prak- tischer Commentar zu dem geflügelten Wort Bennigsen's von! der„bewährten friedlichen Politik" des deutschen Reichs- f kanzlers. In Constantinopel herrscht große Aufregung. Die Sofias sind wieder in Bewegung, um die Rückberufung Midhat Pascha's, des fähigsten und energischsten der türkischen Staats- männer zu erwirken. Einer Depesche nach soll der Belagerungs- zustand in Constantinopel proklamirt fein— auf die Dauer wird aber die Bewegung durch derartige Gewaltniaßregeln nicht zurückzudrängen sein. — Die deutschen Militärbehörden haben Anordnungen für John Osawatomie Brown, der Negerheiland. (Schluß.) Der Distrikt Pottawattomie wird nun der Schauplatz der Handlung. Ein gewisser Wilkinson, vom Prosklavereigouverne- ment als oberster Verwaltungsbeamter eingesetzt, beherrscht den- selben. Dieser war nach Missouri gegangen, um Truppen zur gewaltsamen Austreibung der Familie Brown zu holen. John Brown ging als Feldmesser in's Lager der Jnvasionsarmee und erfuhr dort, daß es auf seine und seiner Angehörigen Ermor- dung abgesehen sei. Die auserlesenen Opfer bericthen in großer Versammlung, was zu thun sei, sie beschlossen, beim ersten An- zeichen des beabsichtigten Massenmordes die Anstifter aufzuheben und zu lynchen. So geschah es, doch waren weder Brown noch seine Söhne bei dem Akte der Lynchjustiz anwesend gewesen. Auf der anderen Seite gelang es den Missouriern, zwei Söhne Brown's in ihren Niederlassungen zu überraschen� und gefangen zu nehmen; die jungen Männer wurden in Eisen geschlagen, John, der älteste Sohn, wurde bei der unmenMchen Behandlung, die er zu erdulden hatte, wahnsinnig. Die Missouner er- eilte rasch das Strafgericht, bei Black-Jack holte Brown die Ma- rodeure ein, welche sich in einer Wagenburg verschanzt hatten. Mit 24 Mann griff Brown die Gegner an, nach mehrstündigem Kampfe ergrissen dieselben die Flucht, 20 Gefangene sielen in die Hände Brown's, außerdem eine Menge gestohlener Pferde, eine Masse Gut und Geld, die Wagenkarawanen mit Feldgeräth, Munition. Fourage und Provision für sechszig Mann und siebzig Pferde. Kansas wurde von den Missouriern. die nun alle Kraft auf- boten, vollends unterjocht bis auf Topeka, das heldenmüthig ver- theidigt wurde und John Brown stets als Stütze diente. Aber auch Topeka fiel und Brown mußte in seine Heimat bei Osa- watomie zurückreisen. Es folgte eine Reihe glänzender Waffen- thaten, darunter der siegreiche Kampf bei Osawatomie und die heldenmüthige Vertheidigung von Lawrence, das ihn bei seiner zufälligen Anwesenheit zum Vertheidiger wählt. Wir müssen es uns leider versagen, bei diesem spannenden Theile des Buches noch länger zu verweilen. Brown hat jetzt einen Wendepunkt in seinem Leben erreicht; bis dahin hatte er sich noch immer auf streng constitutionellem Boden bewegt, jetzt verließ er ihn und faßte den Entschluß, eine Erhebung der südstaatlichen Sklaven herbeizuführen. Sein Plan war folgender: Mit einer Truppe von hundert gut berittenen und bewaffneten Leuten sollte das Unternehmen ausgeführt werden, als nächstes Ziel war Harpers Ferry in Aussicht genommen, wo sich ein Unions-Arseual befand. Dies sollte mit Hilfe der ersten befreiten Sklaven so- fort in's Gebirge geschafft und sodann der Guerillakrieg in Scene gesetzt werden— die virginischen Alleghanys waren als Schauplatz desselben ausersehen worden. Der Krieg sollte lang- wierig und zäh geführt werden und Brown hoffte allmählig viele Hunderte, bald auch wohl Tausende von Sklaven in Vir- ginien zur Flucht oder Empörung zu reizen. Anfangs müßte die Erhebung nur als ein vorübergehender, ganz lokal begrenzter Aufftandsversuch erscheinen, der nach kurzer Gegenwehr zu er- sticken sein dürfte. Wenn aber nun selbst die betheiligten Pflanzer für sich allein nichts ausrichteten und dann auch die Miliz des Staates in ihren Versuchen zum Einfangen der entronnenen oder gewaltsam befreiten Sklaven eine mehrfache Reihe von Fehlschlägen würde erfahren haben, alsdann mußte sich sein Ruf als Befreier unzweifelhaft rasch durch alle südländischen Pflanzungen längs der Alleghany Kette verbreiten und ein flüch- tiger Sklavenschwarm nach dem andern und eine arbeiterent- blößte Pflanzung nach der andern ihnen Schlag auf Schlag in die Hände fallen. Er rechnet weiter auf die Mitwirkung der kanadischen freien Neger, sie sollten ihm von den nordischen Freiheitsfreunden nachgesandt werden und binnen Monatsfrist ein Heer bilden. Der erste Schlag sollte, wie erwähnt, gegen Harpers-Ferry geführt werden. Als Zeitpunkt war das Früh- jähr 1859 in Aussicht genommen. Sobald sich mehr Flüchtlings- schwärme zu ihnen fänden, hatte er Postenketten durch die ganzen Alleghanyschluchten bis Tenessee und in die Sümpfe von Süd- Karolina in Aussicht genommen, um überall Anhalt zu Banden- und Cadres-Formirungen zu geben. Die erste Bewafsnung sollte in Lanzen, alten Musketen und Sensen bestehen; die Offiziere sollten mit Sharper-Rifles(Büchsen) ausgerüstetwerden. Endlich war eine provisorische Regierung in Aussicht genommen und Brown hoffte, daß die organisirte Insurrektion dem Süden die lähmende Angst einjagen würde, der gesammte Norden sei im Begriff sich über ihn herzustürzen, und andererseits erwartete er vom Nor- den, daß ihn entweder Scham oder Begeisterung zu energischem Eintreten für die Sache der Sklavenbefreiung hinreißen würde. Brown's Auffassung war:„Gib einem Sklaven ein Bajonnet und er ist ein freier Mann", und in Betreff des Guerillakrieges stützte er sich sowohl auf seine eigenen Erfahrungen als auch auf das Faktum, daß Rat Turner, der Negerhäuptling, ganz Vir- ginien fünf Wochen lang mit 90 Mann behauptet hatte. Ueber die zukünftige Stellung der befreiten Sklaven war, wie wir schon einmal erwähnten, seme Ansicht:„Das Land gehört dem Knecht, der es reich gemacht hat und der Früchte seiner Ar- beit beraubt ist.� Harpes-'Ferry ist ein wichtiger Knotenpunkt auf der Grenze dreier Staaten und nahe dem vierten(Ohio). Jene drei sind Maryland, Birginien und Pennsylvanien. Die Stadt selbst mit ungefähr 5000 Einwohnern gehört zur Grafschaft Jefferson in Birginien, sie liegt gerade da, wo die Ausläufer des Alleghany- Gebirges, die sog.„Blauen Berge" von den Flüssen Potomac und Shenandoah durchbrochen werden. Ihr Abhang ist hier noch immer 1200 Fuß hoch und ziemlich steil. Wir übergehen alle die mühsamen und oft vereitelten Vor- bereitungen, welche John Brown für sein kühnes Unternehmen traf.— Der Stein kam rascher in's Rollen, als er selbst vor- ausgesehen. Ein Neger, Jim, der mit Weib und 2 Kindern und einem andern Neger in ein oder zwei Tagen nach dem Süden verkauft werdcnsollte, bat umHilfe und in zwei kleinen Abtheilungen, von denen eine Brown selbst, die andere sein Genosse Kaye führte, ging es nach Missouri. Die Sklaven wurden auf dem Gehöfte befreit, dann ein anderes Gehöft besucht und hier gleich- falls fünf Sklaven, aber auch zwei Weiße mitgenommen. Die ändere Abtheilung befreite eine Sklavin und tödtete den Eigen- thümer, der sich widersetzte. Von den Gütern wurde absichtlich Eigenthum genommen, das� eines einfachen Einwohners aber, das sich darunter befand, sofort zurückerstattet. Das mitgenom- mene Gut wurde zur Entschädigung der Sklaven verwendet. Es waren im Ganzen 4 Familien befreit, eilf Kövfe stark. Die Folge des Einfalls zeigte sich sofort. Eine wilde Panik lief durch den Süden. Vor John Brown's Einfall zählten die Grafschaften Bates und Vernon 500 Sklaven, zwei Wochen iie Bewaffnung und Bekleidung des Landsturms ge- raffen.„Purer Zufall", sagen die Offiziösen,„das Landsturm- gesetz ist schon seit einigen Jahren in Kraft und mußte doch einmal ausgeführt werden." Warum gerade jetzt?„Purer Zufall." — Russische Humanität.„Am 12. Mai, schreibt man dem polnischen Blatt„Czas", ist auf der Warschauer Citadelle der Jnsurgentenführer aus dem Jahre 1363, Krysinski, erschossen worden. Er kehrte mit seiner Frau aus dem Exil zurück und stellte sich auf Gnade und Ungnade der Regierung. Man internirte ihn in der Citadelle und verurtheilte ihn zum Aufenthalte in einer sibirischen Colonie. Ehe man ihn jeooch „verschickte", ertheilte ihm der Offizier du jour die Erlaubniß, in die Stadt zu gehen. Als er eines Abends nicht zurückkehrte, schickte man ihm eine Patrouille nach, welche ihn ergriff. In aller Schnelligkeit wurde er erschossen, während der Offizier äu jour zum gemeinen Soldaten degradirt wurde.— Und dieses Rußland will„an der Spitze der Civilisation" mar- schiren! — Ein fortschrittliches Manöver. In der�Berliner Stadtverordnetensitzung vom 24. Mai beantragte der Stadtver- ordnete Keilpflug, bei den bevorstehenden Nachwahlen zum Reichstage die Wahlberechtigten von Seiten des Magistrats durch Karten einzuladen; der Stadtverordnete Ludwig Löwe, der zum Candidaten der vereinigten Liberalen und Reaktionäre am 23. Mai unter dem Vorsitze eben deffelben Herrn Keilpflug in einer geschlossenen Versammlung nominirt war, unterstützte den Antrag. Keilpflug verwahrte sich von vornherein, ohne ange- griffen zu sein, davor, daß durch derartige Einladungen eine Beeinflussung stattfinden solle— das böse Gewissen schlug dem edlen Fortschrittler. Die„Vossische Zeitung" brachte vor einigen Tagen einen Artikel, in welchem die Behauptung aufgestellt wurde, daß, wenn in Berlin 60 Prozent der Wähler sich bei der Neuwahl an der Wahl betheiligten, die Fortschrittspartei siegen würde. Diese Behauptung, die uns allerdings nicht ein- leuchtet, war dem Herrn Keilpflug zu Kopfe gestiegen; er weiß, daß mancher Wähler glaubt, wenn er vom Magistrat eine be- sondere Einladung zur Wahl bekommt, dem Magistrat durch sein Erscheinen eine Gefälligkeit zu thun— er geht dann zur Wahl; daß solche Wähler auch nach dem Herzen des Magistrats wählest, ist gleichfalls sicher. Hier- aus sieht man, daß der Antrag ein Parteimanöver der perfidesten Sorte war, an dem sich der Candidat der Fortschrittspartei, Herr Löwe, zu betheiligen nicht schämte. Derlei Manöver werden übrigeus am Wahltage durch die Sozialdemokratie zu Schanden gemacht werden. Uebrigens war die Stadtverordnetenversamm- lung selbst nicht erbaut von dem Keilpflug-Löwe'schen Antrage. Ein Redner nannte ihn mißlich— das läßt sich hören; ein anderer nannte ihn zwecklos— also doch ein Parteimanöver. Schließlich wurde der Antrag durch Uebergang zur Tagesordnung beseitigt.— Wahrscheinlich findet die Neuwahl im 5. und 6. Wahlkreis an einem und demselben Tage statt. Die rührigste und umfassendste Agitation thut deshalb noth. Die dazu nöthigcn Geldmittel sind in der letzten Woche etwas spärlicher geflossen, als vorher, deshalb müssen die Parteigenossen in ganz Deutschland, die von der Wichtigkeit der Berliner Nachwahlen überzeugt sind, für dieselben thatkräftig eintreten. Geldsen- düngen sind zu richten an die Adresse: C. Anders in Berlin, Steglitzerstraße 53. — Herr Eugen Richter hat in einem seiner berufs- und geschäftsmäßigen Waschzettel die Behauptung aufgestellt, die sozial- demokratischen Abgeordneten, weit entfernt durch Valentin in ihrer Redefreiheit beschränkt worden zu sein, hätten im Reichstag häufiger gefprochen, als ihnen ihrer Zahl nach eigentlich zu- komme. Bekanntlich weist die— noch unvollständige— Wahlstatistik für 1877 der sozialistischen Partei eine größere Zahl von Stimmen zu als den Fortschrittlern, der Partei des Herrn Richter. Wohlan: aus der soeben veröffentlichten Redestatistik für die letzte Session ersehen wir, daß alle sozialdemokratischen Abgeordneten— die persönlichen Bemerkungen besonders ge- rechnet— zusammengenommen fünfunddreißig Mal geredet haben, der einzige Herr Eugen Richter aber fünsund- sechzig Mal! Und das will uns Redelust und Mißbrauch des Rederechts vorwerfen! — Zweifelhafte Wohlthätigkeit. In Holstein bestehen viele Vereine zur Unterstützung von Hilfsbedürftigen; unter an- deren auch ein Verein zur Unterstützung hülfsbedürftiger verwaister Predigertöchter. Die„Jtzehoer Nachrichten" machen auf die Generalversammlung, welche am 29. Mai statt- findet, besonders aufmerksam, indem sie die baldigste Einsendung der rückständigen Jahresbeiträge dringend empfehlen und außer- dem betonen, daß den Mitgliedern Gelegenheit geboten würde zur persönlichen Begrüßung.— Wessen? Der Mitglieder oder der verwaisten Predigertöchter? Darüber schweigt die sonst so schwatz- hafte Tante. Ist das letztere der Fall, so entpuppt sich der Hülfsverein als ein schlau angelegtes Heirathsbureau. Im Uebrigcn aber fragen wir uns, wie man bei der allgemeinen Volksnoth solche Spielereien mit der Unterstützung treiben kann. Leiden die Töchter der Lohnarbeiter nicht noch größere Roth? Sie mögen arbeiten, klingt die rauhe Antwort. Sie würden gern arbeiten, wenn sie nur Arbeit hätten. Warum sollen aber die verwaisten Predigertöchter nicht arbeiten? Weshalb sollen sie von„milden Gaben" ihr Leben fristen. Merkt der Unter- stützungsverein denn nicht, daß er die Predigertöchter mißkreditirt, daß er dieselben an den Pranger des Müßiggangs stellt? — Unsere Gegner. Aus Reichenbach i. Schl. wird in Bourgeois-Zeitungen(z. B.„Leipziger Tageblatt" vom 25. d.) geschrieben:„Als Folge der sozialistischen Agitationen in Arbeiterkreisen ist es wohl anzusehen, daß die Unzufriedenheit mit der eigenen Lage mehr und mehr gesteigert und in bedenk- lichster Weise zum Haß gegen die Inhaber der Fabrik Etablisse- ments angefacht wird. Welche Nachtheile schließlich für die Ar- bester daraus erwachsen dürften, wenn sie die Fabrikbesitzer be- drohen, crgicbt sich aus einer Anzeige, die der Commerzienrath Geisler zu Peterswaldau veröffentlicht. Dieselbe lautet wie folgt: „Am Sonntag, den 6. Mai c., erhielt ich de dato Poststempel Peterswaldau einen Brief, unterzeichnet„im Auftrage der Verbündung", in dessen Inhalt die frevelhaftesten Drohun- gen gegen mein Leben ausgesprochen sind. Dieser Brief legt mir auf und hat mich veranlaßt zu dem unabänderlichen Ent- schluß, den Betrieb meines Waaren-Fabrikationsgeschäftes hier nunmehr aufzugeben. Um jedoch keine Härte obwalten zu lassen, habe ich bestimmt, daß die Ausgabe von Garnen an die Handweber bis den 15. Juli fortgesetzt wird und die Ein- lieferung der Waaren noch bis den 1. August c. erfolgen könne, au welchem Tage das Geschäft hier unnachsichtlich für immer geschlossen wird. Geisler, Firma: Friedrich Waagenknecht." Wenn Herr Commerzienrath Geisler schwachnervig genug ist, sich durch den Drohbrief irgend eines namenlosen Lumpen in's Bockshorn jagen zu lassen, so kann man den Mann nur auf- richtig bedauern. Mit welchem Recht aber kommt der Schreiber obiger Correspondenz dazu, die Sozialdemokratie für diesen Drohbrief verantwortlich zu machen? Anonyme Drohbriefe schickt nur ein roher und in jedem Fall auch ein feiger Mensch. Roh- heit und Feigheit liegen aber nicht im Wesen der Sozialdemo- kratie— deren Prinzip es überdies zuwiderläuft, einen einzelnen Menschen für die Schaden der bürgerlichen Gesellschaft verant- wortlich zu machen. Und nun die Frage— wer ist„der bessere Mann": der Verfasser dieser anonymen Denunziation gegen unsere Partei, oder der Urheber des anonymen Drohbriefs an Herrn Geisler? Der Erstcre gewiß nicht.— — Die„Neue Zeit" in Chicago veröffentlicht Nachstehen- des:„Pi o und Gele ff. Da in letzter Zeit über die Abreise der beiden Sozialistenführer Pio und Geleff nach Amerika viel- fache Gerüchte, sowohl in der sozialistischen Parteipresse, wie auch in gegnerischen Blättern, in Umlauf gesetzt wurden, sahen wir uns veranlaßt, gestern einen Berichterstatter au die beiden Obengenannten, welche sich seit einigen Tagen hier aufhalten, abzuschicken. Herr Pio war nicht anwesend, wird aber in eini- gen Tagen von Kansas zurückerwartet. Von Herrn Geleff er- fuhr unser Berichterstatter im Wesentlichen Folgendes: „Pio, Geleff und Brix(Letzterer befindet sich im Gefängniß) waren die Eigenthümer der Zeitung, die ihnen die Partei vor einigen Jahren auf Lebenszeit Übermacht hatte. Der„Sozial- Demokraten" war mit einer Schuld von 8000 Kronen belastet, dahingegen hatten die genannten Eigenthümer in letzterer Zeit eine Druckerei im Werthe von 10,000 Kronen angeschafft. „Ueber die Ursache der eiligen Abreise äußerte sich Herr Geleff folgendermaßen: Er habe aus sicherer Quelle erfahren, daß sowohl er wie Pio in nächster Zeit von der Regierung ver- haftet werden würden(?), und da sie schon einmal auf längere Zeit hinter Schloß und Riegel gesessen hätten, so wäre dies keine be- sonders angenehme Aussicht für sie gewesen. Doch hätte auch dieser Grund noch nicht maßgebend sein können, wenn nicht Neid und Gehässigkeit in der eigenen Partei sie schließlich bewogen hätten, die Flinte für eine Weile in's Korn zu werfen und Eu- | ropa den Rücken zu kehren. Es habe sich eine starke Opposition innerhalb der Partei gebildet, mit der ausgesprochenen Absicht, bei dem nächsten Parteikongresse die bisherigen Leiter der Zei- tung zu verdrängen, um andere Leute an deren Stelle zu i setzen. i„Herr Geleff betonte besonders, daß ein gewisser Klein, der in Kopenhagen ein kleines Blättchen herausgiebt und dasselbe unentgeltlich vertheilen läßt, im Solde der Polizei stehe(?) und alles aufgeboten habe, um die Führer der dänischen Sozial- demokratie bei den Arbeitern in Mißkredit zu bringen. Da dieser Zweck erreicht worden sei, hätten sie es vorgezogen, frei- willig von ihrer öffentlichen Thätigkeit zurückzutreten, da ja doch der Fortschritt der sozialistischen Bewegung bekanntlich nicht von einzelnen Personen abhängt. „Herr Geleff stellte entschieden in Abrede, daß er und Pio die Kassen vor ihrer Abreise ausgeleert haben sollten. Die Kasse wäre so ziemlich leer gewesen(wie dies bekanntlich bei den meisten ' sozialistischen Kassen der Fall ist), und wenn Pio nicht bei wohl- habenden Verwandten Geld bekommen hätte, so hätten sie nicht einmal die nöthigen Reisemittel gehabt. „Die Correspondenz im„Vorwärts" erklärte Herr Geleff als erlogen und bezeichnete den genannten Klein als den wahr- scheinlichen Verfasser derselben. „Auf Befragen sagte Herr Geleff noch, daß sowohl er wie Pio ihre Frauen mitgebracht hätten und vor der Hand noch nicht wüßten, welchen Erwerbszweig sie ergreifen würden." Nach dem Grundsatz oes audiatur et altera pars—„man muß sie hören alle Beede"— hielten wir uns zur Wiedergabe des Obigen verpflichtet. Unser Urtheil kann dadurch nicht um- gestoßen werden. Ohne uns auf Einzelheiten einzulassen, sei nur hervorgehoben, daß die Herren Pio und Geleff nach ihrer eigenen Darstellung jämmerliche Ausreißer sind, Fahnen- flüchtige in Mitten des Kampfs. Ob das Geld, welches sie zu ihrer Durchbrennerei benützt, gestohlen war oder nicht, darauf kommt wenig an; bei solcher Erbärmlichkeit fällt es nicht in's Gewicht. Die betreffende Correspondenz im„Vorwärts" war übrigens nicht von Klein; und rührte von einem bewährten Parteigenossen her, der gleich jedem andern Menschen irren kann, aber unfähig ist, zu lügen. Congrch der deutschen Sozialdemokratie. Als Delegirte zum Congreß sind weiter noch angemeldet: Ottensen: Max Otto. Hamburg: G. W. Hartmann, A. Geib, Aug. Hörig. Hamburg(Landgebiet): Aug. Kapell. Forst und Berge: Otto Kapell. 15. sächsicher Wahlkreis: I. Vahlteich, R. Krecher. Fürth: Gabriel Löwenstein. Berlin: W. Hasenclever, F. W. Fritzsche, Joh. Most, Carl Finn, Otto Kapell und Paul Grottkau. Düffeldorf: A. Mackenzy. Hamburg, den 25. Mai 1877. Mit sozialdemokratischem Gruß I. A.: I. Auer, Pferdemarkt 37. fpäter kaum 50! Brown brachte die Sklaven in's Innere von Kansas und von dort fanden sie bald den Weg zur völligen Freiheit. Brown's Hauptaugenmerk war nun darauf gerichtet, die freien kanadischen Neger für den Aufstand zu gewinnen. Die meisten erfüllte ein glühender Haß gegen ihre früheren Herren, gewiß 500 machten jährlich Exkursionen nach Florida, um von da aus, durch alle Südstaaten schleichend, Unglückge- nossen zu retten und zu befreien. Sie hatten, so zu sagen, eine unterirdische Telegraphen- und Eisenbahnleitung in jeden Sklaven- staat geführt, ihre Freischaaren waren wohlgeübt und ganz mi- litärisch einexerzirt, sie warteten nur auf das Zeichen einer neuen und größeren als der von Nat Turner angelegten Emancipa- tionsbewegung, um sich auf die gehaßten Sklavenbarone zu stürzen. John Brown rechnete zuverlässig auf dieses Element. Im Mai 1869 berief er eine kleine Versammlung von Ver- trauensmännern nach Catham; sie tagte in einer der Negerkirchen. Es wurde ein Verein gebildet, sein Präsident war der Neger- Prediger Monroe, sein Sekretär Brown's tapferer Genosse Kaye, ihn selbst erklärte die Versammlung einstimmig zum Oberbefehls- Haber im Felde, zum Kriegs- und Staats-Sekretär. Die Mehr- zahl der Anwesenden bestand aus Canadiern. Das Bundesgesetz wurde feierlich beschworen und unterzeichnet.— Schon vorher waren die Unternehmungen Brown's durch den Verrath eines Eingeweihten, Kapitän Fordes, unterbrochen worden. Fordes hatte dem Unionsgouvernement Brown's Absicht enthüllt, eine Jnsurgirung der Sklavenstaaten herbeizuführen. Dieser Ver- rath legte den Verschworenen große Vorsicht auf, und so sehr auch alle nach einer Entscheidung brannten, mußte der Aufschub des Losbruchs, der auf den Frühsommer anberaumt war, doch vertagt werden. Bis zum Oktober blieb Brown agitirend und rüstend thätig. Am 14. Oktober war er noch einmal auf der Rückkehr von seiner letzten Fahrt nach Norden in Marylands Hauptstadt Baltimore. Am 16. ging er unter irgend einem Vorwande nach Harpers-Ferry. Der Ankunft Hierselbst folgte ein schrecken- erregendes Telegramm, das durch alle Gebiete Amerikas flog und bald auch in Europa die größte Aufmerksamkeit hervorrief: «Harpers-Ferrh. 17./10. 59. Furchtbarste auftegendste Nach ncht! Negercmpörung hierorts! Negerverschwörung durch ganz Virgmien und Maryland! Erstürmung des Unionsarsenals durch die Aufständischen! Alle Waffen erbeutet und in's Innere weg- geschickt! Die Eisenbahnbrücke über Potomac-Shenandoah-Zu- sammenfluß befestigt, verbarrikadirt und besetzt mit Kanonen! Züge beschossen und angehalten! Mehrere Todte! Telegraphen- drähte durchfchnitten! Bürger in Contribution gesetzt! Truppen aus Washington und Baltimore rücken gegen die Insurgenten an!"— Leider entsprach der Inhalt des Telegramms nur theilweise der Wahrheit. Auf bisher unerklärte Weise hatte Brown acht Tage zu früh losgeschlagen, die Erhebung sollte am 24. Oktober erfolgen. Mit 22 Mann hatte Brown Harpers-Ferry genommen und sich all der Positionen bemächtigt, deren das Telegramm er- wähnt, aber von einem Negeraufstand war nirgends die Rede. Was Brown dazu veranlaßt, so früh vorzugehen, das ist nie er- mittelt worden, man muthmaßt— und Herr Prowe schließt sich dem an— daß der schon einmal genannte Verräther Brown dazu gedrängt habe. Wahrscheinlich hoffte Brown, der den Ausfüh- rungstag verrathen sah, aus die Mitwirkung der Sklaven des Überfallenen Bezirks. In dieser Hoffnung fand er sich getäuscht. Die Neger der Umgegend, auf einen späteren Termin vorbereitet, wußten nicht, ob dies der richtige Revolutions-Anfang war. Sie verhielten sich theilnahmslos Ein Verzweiflungskampf gegen ein ganzes Heer von Feinden schloß das Drama. Brown fiel(mit einigen seiner Genossen lebend in die Hände seiner Feinde und erlitt den Tod durch Henkershand. Seine heroische Natur verläugnete sich auch im Tode nicht, er starb eines Hel- den würdig. Wir wollen schließen. Man wird aus unserer flüchtigen Skizze ersehen, daß Prowe's„John Osawatomie Brown" ein Buch ist, das die weiteste Verbreitung verdient. Wir können es nur warm emvfehlen.— Der Verfasser hat sich durch sein Buch Anspruch auf den Dank der Unterdrückten erworben. Wir sind überzeugt, daß für Herrn Prowe der beste Dank der wäre, daß wir sein Buch nach Kräften verbreiten helfen. Mag es nirgends fehlen und John Osawatomie Brown's Name sich bei uns ein- bürgern, als ob er zu uns gehörte. C. L. Correspondeuzen. Nremerhaven, im Mai.(Situ ationsberi cht.) Da unser Parteiorgan, die„Bremer Freie Zeitung", welche auch hierorts in ziemlicher Anzahl verbreitet ist und wöchentlich Berichte über örtliche und Parteiverhältnisse bringt, keine so weite Verbreitung wie unser Central-Organ der„Vorwärts" hat, so ist es Pflicht, den auswärtigen Genossen ein kurzes Gesammtbild von den hie- figen Verhältnissen zu geben. Selbstverständlich herrscht hier, wenn auch nicht in ganz so schroffer Weise wie fast überall in Deutschland die leidige Geschäftskrise, und hängt dieselbe wesent- lich mit dem Verkehr zur See zusammen. Hunderte von ein- heimischen Arbeitern müssen feiern, während zu den Bauten am neuen(Kaiser-) Hafen Arbeiter aus Mecklenburg engagirt sind. Die industriellen Arbeiter strömen förmlich aus allen Theilen des Landes schaarenweise hierher, weil einige größtenthcils nur kleinere Geschäftsleute zur Erzeugung von Gebrauchsgegenständen für die Seeleute noch immer Beschäftigung haben; die Arbeiter sehen sich aber genöthigt, bald wieder umzukehren. Mit der Schifffahrt ist es sehr schlecht bestellt. Seit Jahr und Tag liegen im alten Hafen 10—12 der größten Transport- und Auswanderer-Dampfer, zumeist der Norddeutschen Lloyd-Gesell- schaft angehörig, unthätig vor Anker, und kaum annähernd be- findet sich nur eine gleiche Anzahl im Cours. Abgesehen von den Millionen, welche diese nun zur Unthätigkeit verurtheilten eisernen Schiffsriesen gekostet haben, und nun als todtes Kapi- tal brach liegen müssen, sind durch diese Stockung im Verkehr Hunderte hiesiger Arbeiter zum feiern verurtheilt. Laufen ein- mal ein paar Schiffe in den Hafen ein, so strömen die Arbeiter herzu um in kurzer Zeit, nachdem die Arbeit des Verladens be- endet ist, wieder nach Hause zu gehen. Die Geschäftsleute am hiesigen Platze genießen nur einen geringen Vortheil von dem Seeverkehr, oa kurz nach Ankunft eines Schiffes die Passagiere nach Bremen hinüber fahren. Aehnliches ist mit den Auswan- derern der Fall, welche per Extrazug von Bremen anlangen und dann uolens volens auf das Schiff steigen um die Reise über See anzutreten. Auf diese Weise geht der Vortheil, den Bremer- Häven als Seehafen und bedeutender Handelsplatz einnehmen sollte, fast gänzlich verloren. In Folge der enormen Commu- nalsteucrn, mit welchen die hiesigen Einwohner durch eine em- fettige und kurzsichtige Verwaltung beglückt werden, ziehen viele wohlhabende Familien es vor, dem Freistaat(vulgo Bourgeois- Republik) deii Rücken zu kehren und sich auf preußischem Gebiet niederzulassen. Selbstverständlich erfüllen sich auf diese Weise die großen Hoffnungen, welche viele Geschäftsleute und Gewerb- treibende bei ihrer Niederlassung am hiesigen Platze hegten, nicht; die hauptsächlichste Schuld daran aber trägt die uner- fättliche Habsucht der großen Schiffsrheder Bremens, welche durch ihre Makler eine schamlose Ausbeutung betreiben lassen, und das mobile Kleinkapital aufsaugen; geht dies noch eine Reihe von Jahren so fort, so wird Bremerhaven statt See- stadt— ein Dorf werden. Wie schon oben bewerft, werden Berichte über die hiesigen Parteiangelegenheiten in der täglich zu Bremen erscheinenden Bremer Freien Zeitung" veröffentlicht. Diese Zeitung ist aber vorzugsweise Lokalblatt für Bremen und kann deshalb am hie- i sigen Platze den gewünschten Aufschwung schwerlich erreichen, da die sozialen Verhältnisse Bremens, welches, wenn auch nur scheinbar, ein sogenanntes Bürgerthum repräsenttrt, wesentlich verschieden find von denen Bremerhavens, wo dasselbe in rapi- der Weise schwindet. Hier cxistirt ein Arbeiterstand, dem nur ' noch eine feste und praftische Organisation fehlt. Der kleine Stamm der hiesigen Parteigenossen steht fest zum Prinzip! Die gewerkschaftliche Agitatton ist ebenfalls eine ziemlich lebhafte, aber es fehlt leider an einem gemeinschaftlichen Bindemittel d. h. an einem Organ für die Arbeiter am hiesigen Platz und der Umgegend. Es ist beim besten Willen nicht möglich, gegenuver den hier bestehenden drei gegnerischen Organen der„Provinzial-, „Nordfte"- und„ Bremerhavener-Zeitung", welche allein mehr als genügend sind, das geschäftstreibende Publikum mit An- noncen zu versorgen, den Abonnentenstand der„Bremer Freien Zeitung" höher empor zu heben. Zur praktischen Agitation unter der hiesigen Arbeiterbevölke- rung bedarf es eines populär geschriebenen Arbeiterblattes, wel- ches 2—3 Mal wöchentlich erscheint, um namentlich im 18. und 19. hannöver'schen Wahlkreis lokale sowie die Parteiinteressen wirsam vertreten zu können. Der etwa sich bemerkbar machende Einwand eines das Gesammtinteresie der Partei schädigenden Einflusses durch ein solches Unternehmen wäre hinfällig, denn jeder in hiesiger Gegend wohnhafte Parteigenosse wird die Rich- tigkeit desselben anerkennen, und nach seinen Kräften dazu bei- tragen, dasselbe verwirklichen zu helfen.— l. Congrch der Sozialdemokraten Deutschlands. Gotha, 27. Mai. Anstatt der sonst üblichen Borversamm- lung zu den Congressen hat diesmal am Sonnabend vor dem Congreß hier eine Volksversammlung stattgefunden. Es referirten im Saale des„Thüringer Hofes" unter dem Vorsitz von Bock- Gotha der Abgeordnete A. Kapell-Hamburg und Reißer- Bremen über„Kleinbürgerthum und Sozialismus", während Au er- Hamburg über„die Thätigkeit des Reichstags" berichtete. Die Versammlung war sehr zahlreich besucht und verlief auf's Beste. Nach dem lebhaften Beifall, den sämmtliche Ausführungen fanden, ist abermals konstatirt, daß der Sozia- lismus hier ein gutes Verständniß und eine bleibende Stätte gefunden hat. Der Congreß wurde um 11 Uhr Vormittags durch Auer Namens der Einberufer eröffnet, worauf sofort die Constttuirung des Bureaus erfolgte. Hasenclever und Geib Präsidiren. Als Schriftführer fun- giren: Wiemer- Chemnitz, Ullrich-Ulm, Lehmann- Pforzheim, Kaulitz-St. Johann, Oldenburg-Hamburg, Grottkau-Ber- lin, Schlesinger- Breslau, die Rednerlisten führen Klute- Erfurt und Kaiser-Dresden. Das Bureau ist per Akklamation einstimmig gewählt worden. Geib übernimmt den Vorsitz. Man stellte folgende Tagesordnung fest: 1) Bericht der Mandatsprüfungskommission. 2) Bericht über Gang und Stand der sozialistischen Agita- tion in Deutschland, mit besonderer Berücksichtigung der Wahlen vom 19. Januar 1877. 2 a) Bericht der sozialistischen Reichstagsabgeordncten. 3) Die sozialistischen Organisationen in Deutschland. 4) Die Parteipresse. ö) Das Parteiprogramm. Vor Eintritt in die Tagesordnung beantragt A. Schlesinger- Breslau:„Berichterstatter nichtsozialistischer Blätter sollen den Verhandlungen nicht beiwohnen dürfen." Der Antragsteller so- wie mehrere Redner nach ihm begründen die Nothwendigkeit dieser Maßregel damit, daß nach seither gemachten Erfahrungen Berichterstatter gegnerischer Blätter über frühere Congresse die böswilligsten Schilderungen gebracht und die Sozialisten auf das Taktloseste verleumdet hätten. Auer konstatirt, daß zu der von Schlesinger beantragten Maßregel um so weniger Veranlassung sei, als einestheils alle bisherigen gegnerischen Manöver die Wahrheit über die Sozial- demokratie nicht haben ersticken können, anderntheils sei der Con- greß als ein öffentlicher einberufen und habe als solcher auch voll und ganz öffentlich zu tagen. Die Sozialisten rechnen es sich zur Ehre an, nicht nur öffentlich, sondern auch unter Assi- stenz eines königlich preußischen Polizeibeamten zu tagen, der speziell zu diesem Zweck an Ort und Stelle gekommen sei und trotz bei dem hiesigen Ministerium unsererseits erhobener Beschwerde bis jetzt noch nicht habe zurückgewiesen werden können. Der Antrag Schlesinger wird hierauf durch den Beschluß auf„Uebergang zur Tagesordnung" erledigt. Ein Antrag von Just auf„Einsetzung einer Correspondenzkommission" Behufs Anfertigung einer autographirten Correspondenz über die Kon- greßverhandlungen wird abgelehnt und darauf hingewiesen, daß die meisten größeren Parteiblätter direkt vertreten und die klei- neren Lokalblätter stets rechtzeitig aus denselben zu schöpfen in der Lage seien. Der Vortheil einer autographirten Correspon- denz für den Congreß stehe somit in keinem Verhältniß zu den Kosten und der erforderlichen Arbeit. Zur Berichterstattung Namens der Mandatsprüfungskommission spricht Auer. Er beantragt sämmtliche Mandate für gültig zu erklären, da dieselben mit Ausnahme eineger weniger Formfehler, die als aufgeklärt zu erachten sind, in Ordnung befunden wurden. Soweit auf den Mandaten die Zahl der in den Delegirten- Wahl-Versammlungen Anwesenden verzeichnet zu finden ist, er- giebt sich folgendes Resultat: 31,255 Wähler find als Mandat- geber verzeichnet. Vertreten sind 177 Orte durch 89 Delegirte, wovon 5 Mann je einen ganzen Wahlkreis vertreten. Die Wählerzahl dieser Wahlkreise ist nicht aufgezählt, wie denn über- Haupt auf 28 Mandaten dies unterlassen wurde. Betreffs dreier Delegirten aus Württemberg liegt eine Zuschrift aus Stuttgart vor, worin begründet wurde, weshalb Stuttgart einen besonderen Delegirten sandte. Eine Differenz, welche zur Wahl eines zweiten Delegirten neben Hirsch führte, ist derart als erledigt zu erachten, daß beide Delegirte vom Kongreß anerkannt werden. Hasselmann beantragt, der Congreß wolle das Bureau beauftragen, genau zu ermitteln, wie viel Stimmen auf die De- legirten an den Orten, die sie vertreten, überhaupt kommen, um ein für allemal allen gegnerischen Verdrehungen in Hinsicht der zu den Congreffen jeweilig erwähnten Zahlen ein Ende zu machen. Es wird dem entgegen auf unsre Wahlerfolgc und die hiermit gegebenen kompetenten Zahlenanhalte hingewiesen und die An- führung der oben erwähnten Zahlen ins Protokoll beschlossen, womit der Antrag Hasselmann als abgelehnt zu erachten ist. Zu Punkt 2 der Tagesordnung referirt Auer Namens des sozialistischen Central-Wahlcomits's über die Agitation und den Stand der sozialistischen Bewegung im Allgemeinen. Aus dem sehr ausführlichen Berichte, welcher nach Beschluß des Congresses in der nächsten Freitagsnummcr des„Vorwärts" als Extra- beilage wörtlich gegeben werden soll, geben wir hier nur kurz folgende besonders bemerkenswerthe Zahlen: Es waren in 175 Wahlkreisen sozialistische Kandidaten aufgestellt, auf dieselben fielen, zuzüglich der bei den Stichwahlen abgegebenen Stimmen, 559,211 Stimmen. Am 19. Januar 1877 waren abgegeben 496,843 Stimmen. 1874 zählten wir einschließlich der bei Stich- wählen abgegebenen Stimmen 379,512 Stimmen; bei der Haupt- Wahl waren es 356,153 Stimmen 1877 sind also in's Gesammt 179,699 Stimmen mehr gewonnen worden, als 1874. Das Stimmenmehr kommt wesentlich auf die großen Städte und be- sonders auf Sachsen. Die Hauptwahlkasse weist in dem Zeit- räume vom 11. August 1876 bis 3. April 1877 eine Gesammt- einnähme von Mark 54,217.69 auf, wovon zur Zeit M. 3582.94 noch in Kassa vorhanden sind. Die von den Einzelkreisen außer- dem aufgebrachten Mittel sind hierbei nicht in Betracht gezogen und übersteigen die vorbenannte Summe in geradezu erstaunlicher Höhe. Altona z. B. hat für seine Wahlen allein 39,999 Mark aufbringen müssen.— Neben dem„Vorwärts" bestehen 41 Lokal- blätter und 14 Gewerkschaftsorgane. Ein belletristisches Blatt („Neue Welt") zählt gegen 35,999 Abonnenten, der„Vorwärts" 12,999. Beschäftigt sind bei sozialistischen Blättern und Unter- nehmungen 44 Redakteure zc. zc., worunter 12 Literaten; also sind mehr als aus Arbeiterkreisen unter den sogenannten Führern der Bewegung, entgegen der gegnerischen Behauptung, daß dieselbe ausschließlich ein Machwerk verbummelter„Nicht- arbeiter" sei. Vertrieben wurden neben Tausenden anderer Schriften und Broschüren sozialistischen Inhalts: 3599 Protokolle des vorjährigen Eongreffes; 199,999 Exemplare der Broschüre: „Nieder mit den Sozialdemokraten"; 59,999 sozialistische Kalender. Das Centrawahlkomiö empfing binnen Jahresfrist 2298 Sen- düngen und expedirte 5724 Briefe. Der Kassirer verzeichnete 3299 Eingänge und 959 Ausgänge. Der Redner gedenkt schließlich noch speziell der Verhaftungen und Bestrafungen sozialistischer Redaktcure und Agitatoren, sowie der andauern- den, aber ebenso erfolglosen Vernichtungs- Arbeiten des Herrn Tessendorf, besonders auch des Umstandes, daß die sozialistische Partei seit Jahresfrist aufgelöst, dieser staatsanwaltliche Akt aber noch nicht in letzter Instanz entschieden sei. Jahresfrist werde wohl abermals darüber hinweggehen, ehe end- giltia entschieden sein werde. Daß gegen uns entschieden werde, sei kaum zu bezweifeln. Redner votirt einen speziellen Dank der segensreichen Thätigkeit des Herrn Tessendorf. Eine weitere Debatte erfolgt nicht und der Congreß vertagt sich um 1'/» Uhr bis 3 Uhr Mittags, um von da ab bis Abends 8 Uhr weiter zu tagen. Begrüßungsdepeschen und Glückwünsche aus Gera, Wersschetz in Ungarn, Pest, Weißkirchen, Lindau werden zuvor noch verlesen. Die Stimmung ist eine vortreffliche. Die Arbeiten gehen mit Emst und Energie von Statten.(Wir fügen gleich noch den Bericht der Beschwerde- commission bei, welcher nach Wiedereröffnung der Verhandlungen 3'/« Uhr Mittags erstattet wurde, nachdem Fritzsche- Berlin zu Punkt 2a der Tagesordnung gesprochen hatte.) Namens der Beschwerdecommission erstattet Neißer-Bremen anerkennenden Bericht über die stattgehabte Prüfung der Geschäfts- belege des Centralwahlcomitös, welche tadellos befunden worden sind. Speziell beantragt derselbe, Decharge unter Ausdruck des Dankes an das Centralwahlcomitö zu ertheilen. Mit Rücksicht auf die Behauptung eines Blattes, es haben hinsichtlich der Thätigkeit des Centralkassirers Erörterungen stattgefunden, erklärt die Beschwerdecommission, daß dies eine böswillige Verdächttgung sei, da solche niemals stattgehabt; sämmtliche Kassabelege, Bücher zc. sind in vollster Ordnung befunden worden, weshalb die Com- Mission dem Kassirer Geib ganz besonders ihren Dank und ihre Anerkennung auszusprechen sich gedrungen fühlt. Der Congreß ertheilt Decharge und spricht den Vertrauensleuten seinen Dank für ihre Arbeiten aus. (Fortsetzung folgt.) Ausruf an sämmtliche Schlosser Deutschlands! Nachdem die gegenwärtige geschäftliche Krisis schon so viele Aus- schreitungen unserer Arbeitgeber zu Tage gefördert hat, und immer noch kein Aufhören derselben in Aussicht steht, und da besonders wir Eisenindustrie-Arbeiter am härtesten davon betroffen sind, so drängt sich Jedem von uns die Frage aus: wie können wir uns Helsen? Wenn nun auch Einzelne kämpfen und ringen um Recht und Ehre, so bleibt e< eben nur ein Kampf, Erfolg kann nur erzielt werden, wenn vereinte Kräfte streiten. Dies ist aber nur möglich durch die Organi- sation, durch das Einstehen Aller für Einen und Eines für Alle. Durch die Gewerkschaften ist jedem Arbeiter Gelegenheit geboten, einzutreten in die Reihen der Kämpfer, welche auf ihre Fahne die Devise geschrieben haben:„Menschenrecht und Menschenwürde!" Leider lassen noch so Viele den Ruf unbeachtet, und besonders giebt es unter uns Schlossern noch so viele indifferente Elemente, welche, theils weil sie die Prinzipien der Gewerkschaften nicht kennen, theils aus bösem Willen, von den- selben fern bleiben, oder sie über die Schulter ansehen. Nürnberg z. B. liefert einen schlagenden Beweis für diese Behauptung, da nur sünf Bauschlosser der Gewerkschaft angehörten. Wir faßten daher den Ent- schluß, einen Fachverein der Schlossergehilfen zu gründen, und siehe da, unser Streben war nicht erfolglos, bereits zählen wir an 5(1 Mann— immerhin ein bedeutender Erfolg seit dem 27. Januar 1877. Dazu kommt noch, daß die in einer größeren Fabrik beschäftigten Schlosser nicht ausgenommen werden können, weil wir zu der Ansicht gelangt sind, daß selbige weder für uns, noch wir für sie irgend welchen wescnl- lichen Einfluß auszuüben im Stande wären. Es herrscht auch schon ein ganz anderer Geist unter uns. Jeder fühlt sich wie von einem Alp befreit, man kennt sich, man achtet sich, und eS liegt die Zeit nicht fern, wo die noch fernstehenden Collegen uns freudig beitreten werden. Wir predigen ja nicht Haß und Verach- tung, sondern wollen nur dahin wirken, daß die Verhältnisse zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf gegenseitiger Achtung gegründet sein sollen, und daß man uns das zukommen läßt, was uns gehört. Es giebt nun fteilich, wie allerorts, so auch hier Existenzen, welche sich so zu sagen für jede Schufterei gewinnen lassen, doch solchen Sub- jeklen wird durch die Vereinigung eine enge Grenze gezogen, entweder müssen sie ehrlich Farbe bekennen, oder sie werden moralisch todt ge- macht. Wir richten nun an alle Collegen Deutschlands die Aufforderung, zusammenzutreten in Treue und Einigkeit. Scheut keine Mühen und Opfer, gehen nur Einzelne mit guten Beispielen voran, so folgt die Mehrzahl nach. Darum frisch daran. An die schon bestehenden Bereine richten wir die Bitte, uns ihre Statuten gefälligst zu übersenden. Mit der Hoffnung, daß unsere Aufforderung nicht unberücksichtigt bleibt, zeichnet mit collegialischem Gruße für den Nürnberger Schlosser- gehilsen-Verein Ernst Krug, Schriftführer. Adresse: Nürnberg, vordere Badergasse 16. XL. Wir ersuchen alle arbeitersreundlichen Blätter um Ausnahme obigen Aufrufs. feier 2,19; Lüneburg d. B. 2,55; Rostock N. N. 7,95; Salzungen d. Eckardt v. Axb.-Bild.-Verein 6,99; Zwickau d. Jul. Seifert 2,15; Arnstadt d. Franz Pabst 4,99; Altona d. Ricchert 3,99. Aus Hamburg: Von M. Freigang Mittelstr. 9,59; v. den vereinigten Küpern 8,99; v. den Eisenarbeitcrn b. Justus u. Co. j 12,65; v. der Unterstützungskasse der Hamburger Zimmerer d. Jalandt 199,90; v. mehreren Reepschlägern d. Hansen 5,40; v. der Pfingsttour d. Nagel 29,20; d. L. W. T. von anderen 3,35; v. E. N., Uhlenhorst, 0,59; aus Ludolphi's Werkstelle, Uhlen- Horst, Liste 173 d. Kohsche 3,99; v. Sandbagger-Verein auf Liste 175 11,49 und auf Liste 176 19,99. Für den Wahlfonds(auch Bersiner Wahl) erhielt ich: Hamburg d. E. N. 6,29; do. v. mehreren Reepschlägern d. Hansen 5,49; do. Tischlerwerkstelle Pusch u. Sohn 15,19; do. Ladage u. Oelke's Schneiderwerkstelle 39,99; do. v. Ungenannt 2,00; Altona v. Jacob Delmonte's Cig.-Fab. 6,00; do. v.Neu- schwenders Cig.-Fab. 15,00; Berlin v. Fritzsche 2,98; do. d. Fritzsche 120,00; Eisenach d. C. Simon 2,00; Waldheim i. S. d. Wegener aus einer Volksvers. 3,00; Harburg d. Janutsch 12,00; Leipzig Storck's Schneiderwerkstelle 13,59; Stuttgart v. T. H. u. I. G. 2,00; Steinwärder v. den Parteigenossen d. Kerl 15,00; Lübeck Pfingsttour der Liedertafel„Brüderlichkeit" 9,11; Bremerhafen d. H. R. Kaht 28,00; Bremen d. I. Rohwer 43,95; Naumburg a. S. d. K. 7,70; Hannover Ueberschuß v. 18. März d. Schaars 25,00; Gelsenkirchen d. H. Tenhaef 19,00. Ferner erhielt ich durch A. L. in Tübingen an Beiträgen 3,60. Von K. I. in S. Geldsendung vom 19. Mai erhalten. Hamburg, 25. Mai 1877. August Geib, Rödingsmarft 12. Briefkasten der Redaktion. M. in Vielau: Den Gemeinden ist völlig freie Hand gelassen in der Errichtung und Leitung von Fortbildungsschulen. Quittung. I. Ptmnn Duisburg Ab. 5, Ol). Zhtnr Darmstadt Ab. u. Schr. 20,80. Kls Magdeburg Schr. 4,70. Fachvcrein E. u. Mit.-Arb. Innsbruck Ab. 2,39. Kppl Schwarzbach Ab. 6,40. Mrbch hier Ab. 7,50, Schr. 8,60. E. Brggmr Seesen Ab. 16,00. Expedition der „Fackel" hier Ab. 6,00. Quntl Leer N. W. 8,00. Ed. Fsk Gotha Schr. 10,50. I. Btz Hamburg Schr. 10.00. Jimschi, Newyork Ab. 5,35, Schr. 0,95. Ver. d. Buchdr. u. Schrstg. Wien Ab. 5,00. Btz Weiden Schr 0,40. Lit.-Anst. Freiburg Schr. 0,65. Gns Hildesheim Ab. 1,00. Wndhs Gotha Schr. 3.19. Für die gemaßregeltcu Krupp'schen Arbeiter. „Ler aspera ad astra" in Geldern 3,00. Slfffrm/t Bolksverein. •vlllL uvl, Mittwoch, den 30, Mai, Abends 8 Uhr, in Hein- sohn's Salon: Geschlossene Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: Vereinsangelegenheiten. XL. Neue Mitglieder werden aufgenommen. s80 H. Walther. Ortimtfr Donnerstag, den 31. Mai, Abends>,9 Uhr, im gaaie vxz Gosenthals: Oeffentliche Sozialistenversammlung. Tagesordnung: Berichterstattung über den Sozialisten-Congreß in Gotha. Referent Nauert. Der Agent.(70 Metallarbeiter-Gewerkschaft. Sonnabend, den 2. Juni, AbendS 8 Uhr, in Menzel's Restauration, am Täubchenweg: Bersammlnug. Tagesord.: Berichterstattung des Delegirten von der Generalversammlung zu Gotha. Zahlreiches Erscheinen erwartet(2-) Der Bevollmächtigte.(50 Allgemeine deutsche Ass oziations-Buchdruckerei zu Berlin. (Eingetragene Genossenschaft.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die diesjährige Ordentliche Gcileralvcrsammlung am Sonntag, den 1. Juli, Morgens um 10 Uhr, in Sander's Restaurant, Prinzenstr. 45d, oberer Saal, zu Berlin, stattfindet. Laut§ 21 der Statuten sind die Anträge zur Generalversammlung bis spätestens den 10. Juni bei dem Unterzeichneten einzureichen. Nur diejenigen Mitglieder, welche gemäß§ 11 ihre Pflichten erfüllt haben, sind zur Stellung von Anträgen berechtigt. Hamburg, den 24. Mai 1877. Der AnfsichtSrath. I.«.: (2a) August Geib, Rödingsmarft 12.(570 Stellegesuch. Ein junger Kaufmann, gewandter Buchhatter, Correspondent und Rechner, der mehrere Jahre in großen Bankgeschäften thättg war und sich als eiftiger Parteigenosse und Mitarbeiter an Parteiblättern ausweisen kann, sucht N