Erscheint in Leipzig Mittwoch, Freitag, Sonntag. AbonnemcntöVreiS Zir ganz Teutschland 1 SÄ. 60 Sßf. pts Quartal. Monats-AbonncmentS werden bei allen deutschen Poltanftalten aus de» S. und S. Monat, und aus den S.Monat besonder« angenommen: im «enigr. Sachsen und Herzogth. Sachsen« SUenburg auch aus den lten SÄonat de« Quartali i M Psg. Inserate betr. Versammlungen pr. Betitzeile 10 Bs., betr. Prioaraitgelcgend eilen und Feste pro Petitzeilc SO Ps. Vorwärts ZZesteilunzen nehmen an alle Postanstalten und Buch« Handlungen de» In- u. Auslände«. Filial-Srpcditionen. Rem-Bork: Eoz.-demolr.«mosten« schastSbuchdruiiere,, 154 Eldridg« Str. Philadelphia: P. Haß, 6S0 North 3"i Street. I. Boll, 1120 Charlotte Str. Hoboken N.J.: F. A. Sorge, 215 Wuh- inglon Str. Chicago: A. Bonfetmattn, 74 Clybounic»T«. San Franziico: F.«ntz, 41» V'b'nrreU Str. London Vf.: T. Hrnze, 8 New Str. Golden Square, Gentrat Hrgan der Sozialdemokratie Deutschlands. Nr. 65. Mittwoch, k. Juni. 1877. Parteigenossen Berlins! Die Neuwahl im 6. Berliner Wahlkreise ist auf den 14. Juni angesetzt. Die vereinigten Gegner des arbeitenden Volkes werden Alles aufbieten, um uns den Sieg streitig zu machen— aber sie dürfen ihn nicht erringen! Wenn alle Diejenigen, welche zur Erkenntniß gekommen, daß die heutigen Zustände verrottete� sind, an deren Stelle bessere treten müssen, zusammenhalten, so wird das kleine Häuflein der .Zufriedenen", der„Satten" nicht im Stande sein, dem Volke den Sieg zu entreißen. Freilich sind die Mittel Jener groß, um Beeinflussung auf einen Thcil der Wähler auszuüben, und den anderen im Schlepp- tau zu halten; es muß deshalb jedes einzelnen Genossen Be- streben sein, durch energische und rastlose Agitation im Kreise seiner Bekannten und Kollegen Aufklärung über die Ziele der sozialistischen Partei zu schaffen. Nur dadurch, daß die Gegner diese Ziele in ihrer Presse in unverschämtester Weise entstellen und verdrehen, ist es ihnen bis jetzt noch immer gelungen, einen Theil des Volkes, besonders den Kleinmcisterstand, von der großen Bewegung zur Befteiung der Menschheit fernzuhalten, ja gegen diese Bewegung zu Hetzen. In den zehn Tagen muß jeder Genosse Agitator sein und nicht rasten noch ruhen, die noch bei Einzelnen herrschenden Vor- urtheile zu entfernen, und diese Männer der Partei des Volkes zu gewinnen! Wähler Berlin's! Die Genossen ganz Deutschland's blicken auf Euch und rechnen auf Euren Sieg!— Sie werden auch, so weit es in ihren Kräften liegt, hinter Euch stehen, wenn Eure Mittel nicht ausreichen, um Alles anwenden zu können, die An- strengungen der Gegner zu nichte zu machen! Also frisch aus in den Zvahlnamps— der Sieg wird Kner sein! Hamburg, 3. Juni 1877. Das Central-Wahlkomit6. Auer. Brasch. Derossi. Geib. Hartmann. Die Horatier und Curiatier. Als die beiden Städte im alten Italien, die neuerbaute Roma und die ältere Stadt, Alba Longa, sich bekämpften und zwar um den Preis der Oberherrschaft, lagerten die beiden Heere unthätig wochenlang sich gegenüber. Fehlte der Muth auf beiden Seiten, scheute man die Menschen- leben, deren jene Staaten allerdings nicht so viele überflüssige hatten, als unsere modernen Staaten,— nirzum man kam nicht zum Kampfe. Da machte der Dictator von Alba Longa den Vorschlag, aus jedem Heere drei Jünglinge zu wählen, die den Entscheidungs- kämpf führen sollten. Im römischen Heere dienten drei Brüder, die Horatier, und im albanischen Heere gleichfalls drei, die Curiatier; auf welche Seite sich der Sieg entschied, dessen Vaterstadt erhielt die Oberherrschaft über die Nebenbuhlerin. Und wie nun die Geschichte weiter erzählt, gelang es dem einen noch unverwundeten Horatier, dessen Brüder schon gefallen waren, die drei schon verwundeten Curiatier zu überwinden. Alba Longa erkannte Roms Oberherrschaft an. Es waren nur fünf Todte auf dem Schlachtfelde geblieben, wo sonst in der allgemeinen Schlacht deren zehntausend ge- fallen wären. Mag die ganze Erzählung auf Sage beruhen, so gibt die- selbe doch von der Anschauungsweise der antiken Völker Zeugniß, welche unbedingt davon überzeugt waren, daß wenn vor solchem Zweikampf Bedingungen von den Dictatoren oder Heerführern beschworen worden seien, diese auch gehalten würden.— Auch im Mittelalter haben wir noch einzelne Beispiele, wo der Zweikampf über das Geschick ganzer Ländcrstrecken entschied. Wenn wir nun auch die Ansicht haben, daß ebenso wie die Kriege, auch die Zweikämpfe auf unsittlicher Grundlage beruhen, so hat aber ein Zweikampf, der einen Krieg venneidet, immer- hin einen bedeutenden Vorzug vor dem Kriege selbst. Wie anders stellen sich diese Anschauungen bei den modernen Völkern, die auf der Culturhöhe zu stehen meinen. Die Zweikänipfe werden um lüderliche Dirnen oft genug ge- führt oder eines hastig gesprochenen Wortes halber. Kriege auf Kriege entstehen aus dynastischen Interessen, welche me Männer und Jünglinge der Völker bis zur gegenseitigen -Vernichtung und Verwüstung großer Länderstrecken ausfechten wüssen. Könnten sich die Dictatoren der modernen Welt nun bis zur Anschauungsweise der antiken Welt erheben, würden sie selbst wit ihren Nebenbuhlern den Zweikampf eingehen, wie leicht Keßen sich da die Conflikte lösen. Das ist jedoch eine recht curiose Weltanschauung. Und welche prächtige Gelegenheit hätten jetzt die beiden„ersten Tiener" zweier großen Völker, das„Väterchen an der Newa" und der„Nachfolger des Propheten" zu Stambul, ihre Bravour presse ihrer Völker zu zeigen. Es handelt sich ja nach des Czaren eigenem Ausspruch nicht um Landererwerb, sondern um einige Reformen in der Türkei und um die Ehre. Nach modernen Begriffen wird ja letztere genügend gewahrt, wenn ein Zweikampf entscheidet. Also Czar, also Sultan— heraus die Schwerter, es ent- icheide der Zweikampf! „Väterchen" schüttelt lächelnd das Haupt und schlürft in aller NuHe ein Gläschen Champagner oder Cognac, bis ihm die Augenlider niedersinken, während tausende seiner„Söhne" jetzt Avn an Krankheiten und in den„mneknmmen sind: der Unterröcke seiner Haremsdamen und vergißt bei solchen Freuden die großen Opfer, die die Gläubiger seinetwegen bringen müssen. Und wenn ihr Herrscher selbst nicht kämpfen wollt oder könnt, so mögt ihr einige eurer Generäle schicken, die auch ge- wöhnlich dem Sprüchworte huldigen:„Weit davon ist gut vor dem Schuß"—, damit sie den Zweikampf ausfcchten.— Aber selbst wenn solche Zweikämpfe in unser modernes Leben , eingeführt würden, sie könnten sich nicht bewähren. Wir hegen die gerechte Befürchtung, daß die Bedingungen, welche vor dem Zweikampf festgestellt worden wären, nachher von der doppel- züngigen Diplomatie wieder entstellt oder bestritten und dann nicht gehalten würden. Aus demselben Grunde können wir uns auch nicht für ein europäisches Schieds- oder Friedensgericht begeistern, weil die Mächte dasselbe nur in soweit respekttrcn würden, als die Be- dingungen, welche es stellte, ihnen convenirten. Bei obigen Ausführungen leitete uns die Absicht, die Denk- weise der Mächtigen in der antiken und in der modernen Welt zu zeigen; einen prakttschen Borschlag hatten wir selbstverständlich nicht im Auge. Wir kennen, um die Kriege zu verhindern, auch nur einen einzigen. Und dieser lautet: Das Volk muß bestrebt sein, die ökonomischen Abhängigkeitsverhältnisse zu beseitigen, es muß eine allgemeine Rechtsgrundlage schaffen, aus welcher Freiheit und Gleichheit„Alles dessen, was Menschenantlitz trägt", blühen und gedeihen können. Mit einem Wort: die Culturvölker müssen die Fahne des Sozialismus ergreifen, sie ist die Fahne der Versöhnung, sie ist die Fahne des ewigen Friedens. Je lauter der Donner der Schlachten brüllt, je schmerzhafter das Geächze der Verwundeten, das Jammern der Verlassenen tönt, je unheimlicher das Wimmern der Sterbenden klingt, desto fester muß in der Brust des freiheitsliebenden Mannes der Ge- danke reifen, daß diesem menschenschänderischen Unfug ein Ende gemacht werden muß. Also nochmals, angesichts des Krieges, der im Osten Europas toset, angesichts des entbrennenden Völkerkrieges— Männer der Arbeit, Männer des Rechts, Männer des Gedankens, schaart Euch um die Fahne der Brüderlichkeit, um die rothe Fahne des Sozialismus! Sozialpolitische Uebersicht. — Die Ohnmacht hes Reichstags ist wieder einmal handgreiflich bewiesen worden: der Bundesrath hat das Lasker'sche Zeugenzwang-Nothgesetz in den Papierkorb spedirt. Makulatur war es von Haus aus, undTbranen werdendem verunglückten Mach- werk nicht nachgeweint werden. Wie dem aber sei, die Reichs- tagsmajorität hat eine Ohrfeige bekommen.— — Die Oeffentlichkeit der Wahlen betreffend hat der preußische Minister des Innern, nach der„Nordd. Allg. Ztg.", an die Regierungsbehörden in Bezug auf die Interpretation eines Punftes der Wahlvorschriften für den Reichstag im Ein- verständniß mit dem Reichskanzler ein Cirkular gerichtet. Darin wird zunächst die Frage, ob die Oeffentlichkeit der Wahlhandlung nur bis präzise 6 Uhr Abends zu dauern habe, und ob der Wahlvorsteher berechtigt sei, von da ab zur Feststellung des Wahlresultats das Wahllokal zu räumen oder zu schließen, ver- neint. Die Ermittelung des Abstimmungsergebnisses in den ein- zelnen Wahlbezirken bildet einen wesentlichen Theil der Wahl- Handlung. Diese Auffassung des Begriffs der Wahlhandlung findet ihre Bestätigung im Z Abs. 2 des Wahlreglcments, wonach einer der Beisitzer die Stimmzettel bis zum Ende der Wahlhandlung aufzubewahren hat, und in Abs. 3, wonach die geführte Gegenliste beim Schluß der Wahlhandlung vom Wahl- Vorstande zu unterschreiben ist. Dem gegenüber kann es nicht in Betracht kommen, daß nach dem Wortlaut des§ 9 des Reglements die Wahlhandlung um 6 Uhr geschloffen wird, da nach ß 17 um 6 Uhr die Abstimmung für geschlossen erklärt wird.— Mit der Oeffentlichkeit der Wahlhandlung wären wir nun im Reinen— aber wie steht es denn mit der Wahl- freiheit? Darf jeder beliebige Beamte oder Fabrikant die Wahlen beeinflussen, oder ist eine Beschränkung der freien Wahlen ungesetzlich? Ein Circular wäre auch in diesem Falle sehr am Platze. r ebnet der Kapitalismus dem Sozialismus die Bahn und die Zeit wird bald kommen, daß der Bauer einsehen lernt, wie schnell er dem Proletariat verfällt. Das Schimpfen auf die Sozialisten ist darum eine fürchterliche Dummheit." — Zum Kapitel der Leibeigenschaft. In unserem freien Deutschland können die„Knechte" und„Mägde" durch Haft wegen Widerspänstigkeit bestraft werden. So berichtet der „Graudenz. Ges.":„Der Kreisausschuß des Kreises Rotenberg in Westpreußen hatte sich mit der Frage beschäftigt, ob die An- Wendung unmittelbaren Zwanges gegen widerspänstiges Gesinde angesichts der neueren Gesetzesbestimmungen noch zu- lässig sei, und hatte sich in dieser Sache an den Minister des Innern gewendet. Der letztere nimmt in seinem Bescheide Bezug auf eine von ihm in derselben Angelegenheit an die Stettiner Regierung erlassene Verfügung. In dieser Verfügung spricht der Minister seine Bedenken aus, die Frage, ob die von den Ortspolizeibehörden in Gesindestreitsachen erlassenen vorläufigen Entscheidungen noch jetzt ohne Rücksicht auf den erhobenen Wider- spruch vollstreckbar seien, allgemein zu entscheiden, ohne daß spezielle Fälle zu einer solchen Entscheidung Anlaß geben. An und für sich sei das Reskript vom 17. April 1812 nicht auf- gehoben. Das Reskript verordnet nun, daß in den Fällen, in � welchen es sich um eine Weigerung des Gesindes, im Dienst zu bleiben, handelt, die Polizeibehörde die vorläufigen Bestimmungen zu erlassen und sie auch zu vollstrecken hat. Diejenigen Parteien, welche sich bei dieser Bestimmung nicht beruhigen wollen, können zwar versuchen, vor Gericht ein anderes Urtheil zu erstreiten, sie sind aber verpflichtet, bis zur Entscheidung des Nichters den � Bestimmungen der Polizei Folge zu leisten. Da nach§ 38 des Competenzgesetzes die Anwendung unmittelbaren Zwanges zu- lässig erscheint, wenn die betr. Anordnung ohne einen solchen undurchführbar ist— hat der Kreisausschuß die Ansicht ge- Wonnen, daß widerspänstiges Gesinde auch jetzt noch durch sofortige Vollstreckung mit Haststrafe zum Verbleiben im Dienst gezwungen werden darf." Mso haben wir hier schon Gcsängnißstrafe für den Contract- britch. Und wer bestimmt dieselbe? Die Polizei, die vielfach mit den Grundbesitzein liirt ist; sie urtheilt über die„Wider- spänstigkeit", sie urtheilt, wer sie verursacht hat und wird höchst wahrscheinlich meist das Gesinde verurtheilen. Das sind Zu- stände, welche die Auswanderungslust der Arbeiter wahrlich nicht vermindern und die Gutsbesitzer mögen sich es selbst zuschreiben, wenn sie die Arbeitskraft immer theurer bezahlen müssen. Doch so müssen die Verhältnisse sich erst zuspitzen— dann kommt das Volk, wenn auch spät, zur Erkenntniß. — Die Gleichheit vor dem Gesetz ist im Prinzip eine schöne Sache, aber noch schöner wäre es, wenn sie auch in Wirklichkeit bestünde, was aber, namentlich wenn Sozialdemo- traten im Spiele sind, nicht immer der Fall ist. Parteigenosse Just in Breslau z. Ä. wurde entgiltig auch in letzter Instanz zu einer Geldstrafe verurtheilt, weil auf einem von ihm unter- zeichneten Wahlflugblatt neben dem Wohnort nicht auch die Wohnung angegeben gewesen sei; und doch sind, wie die„Wahr- heit" in Breslau berichtet, sämmtliche liberale Flugblätter, die durchweg namenlos und daher auch ohne Angabe des Wohnorts des Herausgebers erschienen sind, unverfolgt geblieben.— Heißt das auch Gleichheit vor dem Gesetz? — Am 23. Mai wurden vom großherzoglichen Kreisgericht zu Weimar der bisherige Verleger der„Thür. Freien Presse", Buchhändler C. Kettet, sowie der Mitredakteur Herr Fr. Leuschke wegen verschiedener Beamtenbeleidigungen zu je 5 Monaten Gefängniß verurtheilt. Congrch der Sozialdemokraten Deutschlands. (Schluß.) Die Sitzungen wurden am 29. Mai gegen V»9 Uhr früh er- öffnet. Nachdem eine Zuschrift aus Genf verlesen, reserirte Tölke als Vertreter der Organisations-Commission. Er er- klärte, die Commission sei zu der Erkenntniß gekommen, daß in Preußen eine Partei-Organisation unmöglich geworden, weil dort in Bezug auf Beremswesen vollständige Rechtlosig- keit herrsche. Die Partei jedoch sei jetzt soweit erstarkt und so allgemein verbreitet, namentlich auch durch die Bemühungen Tessendorff's, daß sie keine bestimmte Organisation mehr brauche. Die Commission empfiehlt daher, alle auf Organi- sation bezüglichen Anträge abzulehnen und es ganz den Ge- nossen an den einzelnen Orten zu überlassen, wie sie sich zu- 4»... �..S* 4 t vt Sv TttV« X•.* CO____ 1__' l/-."!* r'._ 4««.. YY-..'. — Nieder mit der Großproduktion! Diesen Ruf schob j man vielfach den Sozialdemokraten ftüher in die Schuhe und mancher Aroeiter glaubte, daß der Großbetrieb die Ursache alles Uebcls sei. Die Erkenntniß ist aber jetzt bald überall hin- gedrungen, daß die Parole für die Gesammtheit nicht heißt: Nieder mit dem Kapital! sondern: Her mit dem Kapital zur-........»v«..»,,«..,.... 0»- gemeinschaftlichen Großproduktion!„Daß die kapitalistische Pro- lammenfinden und für die Partei thätig sein wollen.— Dies duktionsweise den Sozialismus vorbereitet, so schreibt unser wurde einstimmig accepttrt. Es wurde vorgeschlagen, zur Wah- Hamburger Parteiorgan, wird recht deutlich klar an der Zucker- fabrik in Wesselburen. Dieselbe hat in letzter Zeit durchschnittlich täglich 40 Morgen in die Saat gebracht. Das von ihr gesäete Sommerkorn steht, wie es bei der sorgfältigen Bearbeitung durch die besten landwirthschaftlichen Maschinen und bei der energisch betriebenen Drainage zu erwarten war, ganz vortrefflich. Die Ausdehnung des landwirthschaftlichen Betriebs der Fabrik ist aber von bedeutendem Einfluß auf den ganzen Habitus des Kirchspiels geworden. Statt der um diese Jahreszeit regen Bauthätigkeit der Landwirthe sieht man jetzt Arbeiter mit dem Niederreißen und Abbrechen von Äohn- und Wirthschastsgebäuden !$on an Krankheiten und in den Gefechten umgekommen sind; der Sultan aber flüchtet sich, wenn er den Ruf beschäftigt; wo einst prachtvolle Bauernhöfe standen, zieht jetzt der Pflug seine Furchen. Eine große Anzahl von Gebäulich- leiten sind nämlich in Folge der von der Zuckerfabrik gemachten hört, hinter die Ankäufe und Pachtungen überflüssig geworden. Auf diese Weise " rv p----- 1----* �«.4,«wuy rung der Interessen der Partei ein Central-Wahlcomitö zu wählen, welches aus 5 Mann bestehen soll, aus zwei Vorsitzen- den, zwei Sekretären und einem Beisitzer. Dieser Vorschlag wurde angenommen. Ferner wurde bestimmt, einen Ort zu wählen, in welchem die Parteigenossen eine Commission zu er- nennen haben, welche die Thätigkeit des Centralcomites zu unter- stützen, resp.*u controliren hat. Mehrere Anträge, welche nun zur Debatte gelangen, wollen für dte Zu uust festgesetzt wissen, daß ein sozialistischer Candidat nur tn einem offiziellen Wahlkreise aufgestellt werde. Diese Anträge wurden nach kurzer Debatte mit großer Mehrheit an- genommen. Anschließend daran wurde noch beschlossen, für den Fall, daß in Folge etwaiger Auflösung des Reichstages bereits im nächsten Jahre wieder eine Wahl stattfinde, dem Central- comitä im Einverständniß mit der Controlcommission die Be- stimmung zu überlassen, welche Wahlkreise als offizielle zu be- trachten seien. Liebknecht beantragt, den Verkauf der Photographien leben- der Sozialisten zu verbieten und möglichst zu beschränken. Der Antragsteller erklärt, von aller Götzendienerei sei der Personencultus der gefährlichste und verwerflichste. Er tadelt namentlich in schärfster Weise den Cultus, welcher mit sozialistischen Reichs- tags abgeordneten getrieben wird und bezeichnet denselben geradezu als Unfug. Der Antrag wird angenommen. Ein Antrag, welcher fordert, die Partei möge in Zukunft von der Bethelligung an den Reichstagswahlen absehen, da der Reichstag ja doch machtlos sei, findet keine Unterstützung und fällt dadurch ohne Debatte. Man kommt zum 3. Punkt der Tagesordnung, die Partei- presse. Geib in Hamburg beantragt: „Eine wissenschaftliche Revue in geeignetem Format vom 1. Oktober ab in Berlin monatlich 2 Mal herauszugeben und bis zu genanntem Termine dem„Vorwärts" alle vierzehn Tage eine wissenschaftliche Beilage beizugeben, damit die Wissenschaft- liche Seite der Bewegung berücksichtigt werde." Der Antragsteller erläutert das Projekt und erklärt, daß die Partei in der glücklichen Lage sei, das Blatt unverhältnißmäßig billig herzustellen, da ein Parteigenosse zu diesem Zwecke jähr- lich eine namhafte Summe zur Verfügung stelle. Q Ramm bekämpft den Antrag, weil die Mehrzahl der Partei- genossen das Abonnement auf den„Vorwärts" ichon schwer ge- nug aufzubringen vermöchten und das neue Blatt nicht würden halten können. Der Redner wünscht, daß die vorhandenen Zu- fchüsse zu einer Erweiterung des„Vorwärts" benutzt würden. Grillenberger wünscht, die wissenschaftliche Revue dem „Vorwärts" als Beilage beizugeben. Neisser tritt für die Gründung der Revue ein, durch welche wissenschaftliche Klarheit verbreitet und dadurch das Partei- �Interesse gefördert werde. Meister erklärt sich gegen die Ansicht Grillenberger's, da ausführliche wissenschaftliche Polemiken(nach Art der jetzt er- scheinenden Artikel gegen Dühring) für den„Vorwärts" nicht unbedingt als geeignet zu bezeichnen seien. Bebel macht gegen die Bedenken Ramm's geltend, daß ein Blatt, wie die projektirte Revue, durch Auslegen in Arbeiter- lokalen:c. den Parteigenossen leicht zugänglich gemacht werden könne. Es würde in der Revue mancher Artikel erscheinen, der sonst als Broschüre herausgegeben werden müsse. Der Antrag Geib's wird angenommen. Fritzsche wünscht die Entscheidung des Congresses darüber herbeizuführen, ob es den sozialistischen Abgeordneten freigestellt sein solle, sich im Reichstage aus praktischen Gründen eventuell mit den bürgerlichen Demokraten zu vereinigen. Liebknecht: Verhandlungen hätten nicht stattgefunden, bloß kurze Besprechungen, und zwar nur mit Holthof, der die Sache angeregt, sich aber sehr bald überzeugt habe, daß er mit seinen Anschauungen allein stehe, indem seine Collegen Payer und Retter ihm erklärten, sie könnten sich einer Frak- tion, wie er sie beabsichtige nicht anschließen. Von einer eigentlichen Fraktionsbildung hätte überhaupt nicht die Rede sein können, höchstens von einem geregelten, geschäftlichen Zusammengehen in gewissen Fragen. Jndcß auch das sei ja überflüssig, da unsere Abgeordneten obgl ich nicht 15 Mann stark, doch in der Lage seien, für alle Anträge die nöthige Stimmenzahl zu erlangen, wenn nicht bei den Mitgliedern der Volkspartei, dann anders- wo. Kurz, der Plan habe von Anfang an in der Luft gestan- den, und es sei, nach dem Mitgetheilten, gar nicht daran zu denken, daß er sich verwirkliche. Daß die sozialistischen Abge- ordneten sich in keine Compromisse einlassen würden, verstände sich von selbst. Blos schließt sich dem an. Man geht unter Berückpch- tigung dieser Erklärungen zur Tagesordnung über. Es folgt eine Reihe von Anträgen, welche Wünsche in Be- zug auf die Parteipresse und besonders auf den„Vorwärts" ent- halten. Dieselben fallen zum Theil wegen mangelnder Unter- stützung. Oldenburg erläutert die Nothwendigkeit eines kleineren, billigen Parteiorgans, durch welches die Parteigenossen, denen es nicht möglich ist, größere Blätter zu lesen, über die sozia- listische Bewegung in Deutschland unterrichtet werden. Er schlägt vor, daß dasselbe monatlich ein Mal und zwar an einem Orte erscheinen solle, wo nicht zu fürchten ist, daß es dem dort etwa bestehenden Lokalblatt Concurrenz mache. Meister beantragt, ein solches Unternehmen zu gründen und mit der Ausführung desselben Oldenburg zu beauftragen. Das- Prozch Diest-Daber. (Fortsetzung.) Der Angeklagte protestirte gegen die Unterstellung, als ent- hielten seine Briefe irgend eine Zustimmung zu der Haltung der „Reichsglocke", er habe nur seine Zustimmung zu einem ganz bestimmten Artikel derselben:„Kirche und Staat" erklärt. In Bezug auf die in Stargard gethane Aeußerung zu dem Guts- besitzcr Hammerstein und dem Rittergutsbesitzer v. Beraell,„er besitze Material genug, um zu beweisen, daß Fürst Bismarck durch Bleichröder über eine halbe Million Aktien der Central- Bodcnkrcditgesellschaft erhalten und mit 20 Proz. Avance verlauft, woriii zwar nichts Strafbares liege, es sei aber auch nicht gentlemanlike", erklärte der Angeklagte, er habe gesprächsweise im Coup6 geäußert, er besitze ziemlich sichere Nachrichten von Blanckenburg über die Sache und etwas müsse daran sein. Uebrigens habe er sofort hinzugesetzt, es käme ihm nicht darauf an, den Fürsten Bismarck irgendwie zu schädigen, sondern ihn von unlauteren Quellen zu trennen, und das habe er für seine patriotische Pflicht gehalten., p. � p Betreffend die Aeußerung zu dem Gutsbesitzer Grafen von Borcke: er habe Bedenken gegen die Verwaltung Bismarck's, welche leicht in Abhängigkeit von Bleichrvder gerathen könne, der ihm aus Verlegenheiten geholfen, deponirte der Angeklagte, dieses Gespräch habe auf einer Jagd bei seinem Schwiegersohn stattgefunden, und sofort habe er hinzugefügt, es sei sehr wohl möglich, daß Bismarck's Name dabei gemißbraucht werde. Später habe ihm v. Borcke mitgetheilt, er sei bei einem Besuche in Varzin von dem Fürsten selber dahin bedeutet worden, er wisse von allen diesen Vorgängen nichts, er könne durch seine Bücher nachweisen, daß er Aktien der Central-Bodenkredit-Gesellschaft nicht besitze. Und wieder später habe v. Borcke ihm gesagt, er glaube jetzt auch, daß etwas daran sei, aber den Für- sten treffe keine Schuld, möglich jedoch, daß Bleichröder nicht ganz rein dastehe. Ferner bestreitet der Angeklagte auf's bestimmteste den Ge- brauch des Ausdrucks:„er werde den Kaiser aus den Klauen dieses Mannes befreien." Der Richter in Naugard habe ihm f. Z. die Aussage des Herrn v. Petersdorff vorgelesen, zu dem er die Aeußerung gethan haben solle, und da stehe ganz bestimmt, selbe solle pro Quartal 50, pro Monat 20 Pfg. kosten. Dieser Antrag wird angenommen. Ferner wird beschlossen, daß zur besseren Organisation der Parteipresse eine sozialdemokratische Correspondenz geschaffen werde, welche insbesondere Berichte über die Reichstagsverhand- lungen, sowie über die soziale Bewegung des In- und Aus- landes für unsere Lokalpresse bringt. Die Kosten können durch von den Lokalblättern zu erhebende Abonnementsgebühren und eventuell durch einen Zuschuß der Partei aufgebracht werden. Als Ort, wo diese Correspondenz erscheinen soll, wurde Berlin bestimmt. Der Schluß der Vormittagssitzung erfolgte 123/4 Uhr. Die Nachmittagssitzung wurde kurz nach 3 Uhr eröffnet. Man debattirte mehrere Anträge, die sich auf die Haltung resp. die Schreibweise des„Vorwärts" bezogen. Im Allgemeinen wurde anerkannt, daß der„Vorwärts" seine Aufgabe erfülle. Einige Einwände, welche dahin hinausliefen, der„Vorwärts" enthalte zu wenig agitatorische Artikel, wurden zurückgewiesen, durch die Bemerkung, es handle sich nicht darum, nur aufzu- regen, sondern vorzugsweise aufzuklären und dies geschehe ganz gewiß durch den„Vorwärts". Hasselmann frägt an, wes- halb der„Vorwärts" zur Geburtstagsfeier Lassalle's keinen Leitartikel gebracht habe, obwohl Hasenclever ihm vorher ge- sagt, ein solcher werde geschrieben werden. Hasenclever bemerkt, daß er den 11. April noch auf der Reise gewesen sei und im Drange der Geschäfte vergessen habe, einen derartigen Leitartikel einzusenden. Er habe aber gleich nach seiner Ankunft in Leipzig einen Artikel:„Anstatt einer Briefkastennotiz" gebracht, der ge- wiß auch dem glühendsten Lassalleverehrer Rechnung tragen mußte. Im Uebrigen bemerkte er Hasselmann, daß es sehr zweifelhaft sei, ob die Verehrung Lassalle's, die sich nicht in dem fortwährenden Anrufen seines Namens documentire, in der Re- daktion des„Vorwärts" oder in der Redaktion der„Bergischen Volksstimme" größer sei. Im Uebrigen sei es genug, wenn jedes Jahr der Todestag Lassalle's gefeiert werde. Liebknecht: Der„Vorwärts" sei kein wesentlich agitato- rischcs Blatt, und könne es nicht sein. Das habe sich bei den Wahlen gezeigt, wo die Agitation von den Lokalblättern be- trieben worden sei, während der„Vorwärts" gerade wegen seines Charakters als allgemeines Parteiorgan sich nur allge- mein an der Wahlbewegung habe betheiligen können. Darum habe er auch durch den Wahltampf keinen Abonnentenzuwachs erlangen können, wie die Lokalblätter. Der„Vorwärts" hat vor Allem die geistige Führung zu übernehmen, und zu diesem Zweck muß er belehrende, wissenschaftliche Artikel bringen; und mitunter auch solche, die auf die fortgeschritteneren Parteige- Nossen berechnet, durch welche ihr Inhalt dann doch in die Massen komme.„Populär" sei ein sehr dehnbarer Begriff, die „Vorwärts"-Artikel seien mit geringen Ausnahmen durchaus populär— freilich nicht in dem Stil Hasselmann's, den er aber nicht kritisiren wolle. Warum schreibe Hasselmann nicht für den „Vorwärts"? Die Redaktion sei ihm angeboten gewesen— er habe sie abgelehnt; er habe ihm(Liebknecht) nach dem vorigen Congreß in Berlin versprochen, für den„Vorwärts" schreiben zu wollen— er habe das nicht gethan, dagegen die„Rothe Fahne" gegründet. Die„Rothe Fahne" sei unzweifelhaft ein Concurrenzunternehmen gegen den„Vorwärts" und betone den spezifischen Lassalleanismus in einer Weise, daß es den Anschein gewinnen könne, als solle eine Spaltung provozirt werden. Am Geburtstag Lassalle's sei Hasenclevever nicht anwesend gewesen, er(Liebknecht) habe es nicht für nöthig gehalten, einen Artikel zur Feier des Geburtstages Lassalle's zu bringen, weil er glaube, daß diese Art des Personencultus nicht im Geist un- serer Partei und jedenfalls auch nicht im Geiste Lassalle's sei. Dagegen sei die Redaktion der Ansicht, daß der Todestag Las- salle's, ähnlich wie früher der Todestag Blum's, als allge- meiner Gedenktag an unsere Märtyrer, als ein sozialistisches Todtenfest gefeiert werde. Er habe vor Jahresfrist diesen Ge- danken in einer großen Parteiversammlung in Hamburg, wo Lassalle treue Anhänger habe, ausgesprochen, und der Gedanke habe allgemeinen Anklang gefunden; daß die deutschen Arbeiter Lassalle hochhalten, sei ganz in der Ordnung, aber allzuviel sei schädlich. Hasenclever: Um jedes Mißverstündmß zu vermeiden, frage er bei Liebknecht an, ob er, im Falle er(Hasenclever) einen Artikel eingesandt haben würde, diesem die Aufnahme versagt hätte.— Liebknecht verneint dies— selbstver- ständlich wäre der Artikel aufgenommen worden.(Diejenigen Blätter, welche auch eine Spaltung zwischen Liebknecht und Hasenclever bemerkt haben wollen, mögen sich den wahren Her- gang der Debatte hinter die Ohren schreiben.) Hasselmann erklärt, er habe nur Aufklärung in dieser Frage erhalten wollen. Im Uebrigen habe Keiner das Recht, daß dergleichen Aeußerunaen nicht gefallen seien. Gelegentlich eines Frühstücks im Hotel de Prusse zu Stettin sei die Frage aufgeworfen worden, ob der Kaiser� wohl die„Reichsglocke" lese, und da habe er die Bemerkung fallen lassen, er glaube, der Kronprinz lese das Blatt, ab und zu auch der Kaiser, dem das Blatt durch eine Dame bei Hofe, die aber nicht etwa die Kai- serin sein solle, angeblich ab und zu zugestellt werde, mehr habe er aber nicht gesagt. Der letzte Punkt der Anklage betrifft die angebliche Aeuße- rung zu Herrn v. Bülow auf der Jagd bei Karnitz: er(der Angeklagte) besitze jetzt genügendes Material gegen den Fürsten, jetzt müsse er'ran, er müsse noch so klein werden, daß er das Brod aus der Hand eines ehrlichen Junkers esse. Der Ange- klagte bestritt eine derartige Aeußerung, will vielmehr nur gesagt haben, Fürst Bismarck habe keinen Respekt mehr vor Charak- teren, er müsse erst wieder lernen, Respekt vor dem Charakter auch des einfachsten pommerschen Junkers zu haben. Damit ist das Verhör des Angeklagten beendet und es beginnt das Zeugenverhör, zu welchem zwölf Personen geladen sind. Unter denselben wieder der Geheime Commerzienrath v. Bleich- röder, dessen Körperzustand sich eher noch verschlimmert als verbessert hat; ferner der Chef des Frankfurter Bankhauses, Frhr. Meyer Karl v. Rothschild, der sehr schwerhörig ist, und der Staatssekretär a. D. v. Thiele, der zU dem Angeklagten in einem weiteren verwandtschaftlichen Verhältniß steht. Herr v. Rothschild beantwortete die Frage, ob ihm Jemand Geschenke oder Geld für eine bestimmte Aussage geboten, mit einem ent- rüsteten:„I behüte!" Herr v. Bleichröder, über sein geschäftliches Verhältniß zu dem Fürsten Bismarck befragt, ließ sich wie in den früheren Prozessen dahin aus, daß weder durch ihn, noch durch sein Haus, noch durch irgend einen seiner Beauftragten ein Geschäft in Central-Bodenkreditaktien in Höhe von einer halben Million gemacht worden sei. Auf die Frage des Angeklagten, wie sich denn der Jrrthum der Verwechselung der preußischen mit den russischen Bodenkreditaktien aufklärte, welche im Meyer'schen Pro- zesse erwähnt wurde, antwortet der Zeuze, er wisse nicht mehr genau, wann Fürst Bismarck an ihn die Frage stellte, ob er auch preußische Bodenkreditaktien für ihn gekauft habe, so viel sei ihm jedoch in Erfahrung gekommen, daß in Stammaktten ihn wegen der Herausgabe der„Rothen Fahne" zu verdächtigen; die„Rothe Fahne" habe er in's Leben gerufen, um dadurch seine Arbeitskraft den andern Parteiblättern im Rheinland un- entgeldlich zur Verfügung stellen zu können. Die„Rothe Fahne" brauche er nicht zu vertheidigen. Sie wirke für sich selbst. Im Rheinlande wird der Geburtstag Lassalle's alljährlich gefeiert, deshalb sei den dortigen Arbeitern das Schweigen des„Vorwärts" aufgefallen. Liebknecht constatirt, daß Hasselmann in Hamburg vor fast leerem Hause eine Festrede zur Lassalle's Geburtstagsfeier ge- halten habe. Was die„Rothe Fahne" betrifft, so wirke sie allerdings fürsich selbst, aber auch nach der„Bräuer'schen Seite hin". Er wiederholt: Der„Vorwärts" bettachte es als seine Hauptauf- gäbe, Aufklärung zu bringen. Hasselmann bestreitet, daß das Fest in Hamburg so schlecht besucht gewesen sei und verwahrt sich gegen jegliche Jdentifi- cirung mit den„Bräuer'schen". Haier vertheidigt den Antrag, daß der„Vorwärts" mehr populäre Artikel anstatt der langen wissenschaftlichen, denen mau einen andern Platz anweisen könne, bringen möge. Es wurde beschlossen:„Der„Borwäris" möge mehr populäre Artikel bringen." Ein Anttag, den„Vorwärts" nach Berlin zu verlegen, er- langte nur eine Unterstützung von 6 Stimmen. Most und Genossen beantragen:„Da Artikel, wie die Polemik Engels contra Dühring für die große Mehrzahl der Leser des „Vorwärts" interesselos sind, haben solche Artikel in Zukunft aus dem„Vorwärts" fortzubleiben." Nachdem ein Antrag, dahingehend, die Angelegenheit rein formell und vom praktischen Gesichtspunkte aus zu behandeln, angenommen worden, beantragt Bebel, in Anbetracht der Länge dieser Arnkel, in Anbetracht des Umstandes, daß dem Ange- griffenen ein gleicher Raum zur Vertheidigung eingeräumt werden müßte und es sich nur um eine wissenschaftliche Stteitfrage handle, die Artikel künftig in Form einer Broschüre herauszugeben. Liebknecht meint, da der Most'sche Anttag nun zu einem Messer ohne Sttel und Klinge geworden sei, habe eine Debatte keinen Sinn mehr. Most zieht seinen Antrag zu Gunsten des Bebel'schen zurück, der von Bebel auf rein sachliche Gründe zurückgeführt wird, unter ausdrücklicher Erklärung des Einverständnisses mit den Engels'schen Artikeln. Vahlteich erklärt, daß er mit der Haltung des„Bor- wärts" im Allgemeinen stets zufrieden war und um so mehr werde die Redaktion ihm glauben dürfen, wenn er konstattre, daß die Aufnahme der Engels'schen Artikel ein Mißgriff gewesen sei, welcher dem Blatte und der Partei großen Schaden bringe. Die Art und Weise, wie Engels dozire, sei für die Mehrzahl der Parteigenossen unverdaulich. Marx und Engels haben der Sozialdemokratie viel genützt und werden ihr hoffentlich noch viel nützen, dasselbe gilt aber auch von Dühring, wir habe« Alle im Interesse der Partei zu benützen, aber wenn sich die Professoren streiten, sei der„Vorwärts" nicht das Forum, vor dem dieser Streit ausgcfochten werden dürfe. Liebknecht: Er begreife den ganzen Lärm nicht. Nachde» man beschlossen, in die eigentliche Streitfrage nicht ein- zugehen, und nachdem man weiter die Gründung einer wissenschaftlichen Beilage und„Revue" beschlossen, sei die Debatte vollkommen sinnlos. Natürlich werden in Zukunft solche Artikel in dieser Beilage resp.„Revue" veröffentlicht werden. Aber ehe dieselbe gegründet war, hatten wir kein anderes Blatt zur Veröffentlichung als den„Vorwärts". Die Veröffentlichung war aber durch den vorjährigen Congreß beschlossen, und zwar auf Provokation von„Dähringianern". Die Artikel er- scheinen Manchem„zu lang„— man konnte doch der Redaktto» des„Vorwärts" nicht zumuthen, einem Mann wie Engels, der an wissenschaftlicher Bedeutung nur mit Marx zu vergleichen Vorschriften zu machen, wie lang oder kurz er schreiben solle. Lang mußten und müssen die Artikel sein, weil es sich dariii* handelt, die in dickleibigen Bänden gemachten Angriffe Dühring'� auf der ganzen Linie zurückzuweisen, und sein ganzes System philosophisch, naturwissenschafftlich und ökönomisch zu wider- legen. Engels habe dies glänzend gethan. Seit dem Erscheine« des Marx'schen„Kapital" halte er(Liebknecht) diese„Dühring- artikel" für die bedeutendste wissenschaftliche Arbeit, die aus de» Schooß der Partei hervorgegangen. Und sie sei im Jnteresst der Partei nothwendig gewesen, denn Dühring habe durch seiu> Angriffe auf Lassalle und Marx, d. h. die Männer, denen lvi< vor Allen die wissenschaftliche Grundlage unserer Partei verdanken, die Partei selbst in ihrem innersten Wesen angegriffen- es galt den Boden zu vertheidigen, auf dem wir stehn. Dai niemals etwas gekauft worden, sondern daß die einzigen Umsätzs die gemacht worden sind, preußische und russische Bvdenkredil und Pfandbriefe betrafen. Der Angeklagte behauptet ferner, der Jrrthum sei dadurfl aufgeklärt worden, daß Bleichröder damals nach Durchsicht seinck Bücher dem Fürsten erklärt habe, es stehe vor der Notiz eil „R."(russisch). Das sei aber nach seiner Ansicht ganz un' möglich, denn russische Bodcnkredit- Pfandbriefe seien niemal' über den Kurs von 92 hinausgegangen. Der Zeuge richtete fehl erregt an den Angeklagten die Frage, woher er denn eigentli» so genau über diese„R's" in seinen Büchern unterrichtet se<- worauf Dieser antwortete, daß Bismarck's Bruder de« Hergang so dargestellt habe. Nachdem der Zeuge v. Äleichröder nochmals versichert, da Geschäfte in Bodenkredit-Aktien niemals von seinem Hause fts den Reichskanzler oder irgend ein Glied seiner Familie gemaä worden, verwies Rechtsanwalt Quenstcdt auf den Umstand, da der Zeuge früher nur den Kauf und Verkauf v-on ru! fischen Bodenkredit-Pfandbriefen zugegeben, eines solchen aber von preußischen Pfandbriefen bestritte' habe, während er diese Thatsache heute zugebe. D«' Äudienzprotokoll in dem Meyer'schen Prozesse habe� auch u' sprünglich„preußische" Bodenkredit-Pfandbriefe ausgeführt, na» her sei aber dieses Wort ausgestrichen. Der Gutsbesitzer v. Flemming stellt die Auslassung des Ä« geklagten in dem Stettiner Hotel wie folgt dar: Auf die z«, fällig aufgeworfene Frage, ob der Stoiser wohl die„Reichsglocke lese, habe der Angeklagte geantwortet: Nein, das leide Fü� Btsmarck nicht, aber eine Dame bei Hofe stelle dem Kaiser Blatt von Zeit zu Zeit zu. Ob Herr v. Diest den Ausdr« gebraucht,„er werde den Kaiser den Klauen des Ministers e»' reißen", könne er nicht bestimmt behaupten, jedenfalls sei es ei« drastische Redensart gewesen: Frhr. Meyer Karl v. Rothschild: Es sei bei der betreffend« Gründung niemals von einer Consortialbetheiligung von ein'j ganzen oder einer halben Million oder auch nur von ein«1 Pfennig oder von der Betheiligung eines Dritten oder Unds kannten die Rede gewesen; auch von einer Aeußerung an A, verstorbenen v. Savigny über die Betheiligung Bismarck's w'l' er nichts. Er bedaure überhaupt, daß die Verstorbenen � hat Engels gethan, und dafür sind wir ihm Dank schuldig. .„Aber er hätte es feiner thun sollen." Nun, einen Gegner, mit dem es Ernst ist, packt man nicht mit Glacehandschuhen an. Uebrigens hat Engels niemals„geschimpft"— wo starke Aus- drücke vorkommen, sind sie stets durch den Sinn gerechtfertigt. Und er hat sich ja gleich zu Anfang den Spaß gemacht, einige Dühring'schc Kraftphrasen aufzuzählen. Jedenfalls haben die Anhänger der Herrn Dühring kein Recht, sich über zu derbe Sprache und über„Schimpfen" zu beklagen, denn Niemand hat wohl je in diesem Punkt Größeres geleistet als Herr Dühring. Nach kurzer Debatte wurde der Antrag Bebel's mit der von Liebknecht vorgeschlagenen Modifikation: derlei Artikel in der wissenschaftlichen Beilage des„Vorwärts" oder in der wissenschaftlichen„Revue", eventuell in Broschürenform, zu veröffentlichen, angenommen. Bezüglich der„Neuen Welt" wurde beschlossen, aus prak- tischen Gründen künftig den Jahrgang am 1. Oktober zu be- ginnen und am 30. September zu beenden. Es folgte nun die auf allen Kongressen übliche Debatte über die Lokal- Parteiblätter. Viel Neues kam dabei nicht zu Tage. Hierauf tritt eine halbstündige Pause ein. Nachdem die Verhandlungen wieder aufgenommen und meh- rere Protokolle verlesen worden sind, werden einige Anträge nuf Gründung von Blättern, darunter eines in dänischer und eines in polnischer Sprache, dem Centralcomitö zur besondern Berück- sichtigung empfohlen. Geib bemerkte, daß bereits mehrere Broschüren in's Pol- nische übersetzt und an die unter deutscher Oberherrschaft stehenden Polen vertheilt morden seien. Es liegt auch eine Zustimmungs- adreffe aus dortiger Gegend vor. Ein Antrag aus Ottensen verlangt: Die Verfaffer der Wahlprogramme haben sich streng an das Parteiprogramm zu halten. Es wurde ein Fall angeführt, welcher einen Verstoß gegen das Programm bilden sollte. Eine heftige Debatte, an der sich unter Anderen Otto, Hartmann, Bebel, Most, Hasen- clever, Geib, Frohme und Liebknecht betheiligtcn, förderte zu Tage, daß durchweg nach der Auffassung des vorjährigen Be- schluffes die Wahlflugblätter den Verhältnissen der einzelnen Gegenden anzupassen, auch gehandelt sei, daß aber allerdings dabei verschiedene Verstöße gegen das Programm, wie auch gegen die praktische Agitation vorgekommen seien. Schließlich wurde der Antrag Ottensen angenommen. Hierauf kam der Antrag zur Debatte, die Verbreitung von Broschüren einzustellen, welche Gehässigkeiten gegen einzelne Par- teigenossen enthalten. Der Antrag richtet sich gegen B. Becker's Schrift:„Die Agitation Lassalle's." Fritzsche betonte, daß man sich mit Maßregelungen von Preßerzeugnissen nicht be- fassen könne und Lassalle zu hoch stehe, um von den gerügten Angriffen erreicht zu werden. Man geht unter der Bemerkung zur Tagesordnung über, daß das Central- Wahlcomitv schon diesbezügliche Schritte gethan habe. Hierauf entspann sich eine lange und heftige Debatte, ver- anlaßt durch die Frage, ob es wahr sei, daß Hasselmann sein Ehrenwort gegeben habe, die„Rothe Fahne" nach Beendigung der Wahlen eingehen zu lassen. Von einer ganzen Reihe von Rednern, namentlich von Auer und Geib, Grottkau, Rackow und Fritzsche, wurde unter voller Zustimmung fast aller Dclegirten bemerkt: daß allgemein die Annahme gewesen sei, Hasselmann würde die„Rothe Fahne" nach den Wahlen eingehen lassen. Dies habe Hasselmann dem Central- Wahlcomitö und den Verlegern und Expedienten des damals noch in Berlin erscheinenden„Neuen Sozial-Demokrat" wiederholt versichert oder angedeutet, und nur in Folge dessen hätten sich Letztere bewogen gefühlt, die„Rothe Fahne" nicht gleich bei ihrem Entstehen zu bekämpfen, was unter den obwal- tenden Umständen jedenfalls besser gewesen wäre. Herr Hass l- mann habe jedoch sein verpfändetes Wort, das doch einem Ehren- wort gleichbedeutend sei, nicht nur nicht gehalten, sondern schlage auch in der„Rothen Fahne" einen Ton an, der unverkennbar darauf berechnet sei, eine Spaltung innerhalb der sozialdemo- kratischen Arbeiterpartei Deutschlands herbeizuführen. Mit Vor- liebe schmeichele das bezeichnete Blatt der„schwieligen Arbeiter- faust" und hetze diese gegen die„sogenannten Intelligenzen". Dieses Vorgehen habe auch bereits einige Früchte gezeitigt, denn schon an mehreren Orten beginne sich, von einigen„unklaren Querköpfen" zusammengesetzt, eine Partei„Rothe Fahne" oder besser gesagt, eine„Fraktion Hasselmann" zu bilden. Bei den Bräuer'schen in Hamburg sei das Blatt sehr beliebt. Einem derartigen Treiben müsse bei Zeiten ein Ziel gesetzt werden. Hasselmann stellte zunächst, im Widerspruch mit mehreren Zeugen, in Abrede, daß er versprochen, nach den Wahlen die l„Rothe Fahne" eingehen zu lassen. Daß er in der„Rothen Fahne" die„schwielige Arbeiterfauft" gegen die„sogenannten In- telligenzen" gehetzt, sei unwahr. Alle seine Handlungen geschehen in vollem Interesse der Partei. Er könne absolut nicht einsehen, daß die„Rothe Fahne", wenn auch für ganz Deutschland be- stimmt, dem„Vorwärts" Conkurrenz machen könne. Die„Rothe Fahne" sei im eigentlichen Sinne des Wortes gar keine Zeitung, sondern eine, in bestimmten Zeiträumen erscheinende, laufende Broschüre und zur Herausgabe einer solchen bedürfe er doch nicht erst der Genehmigung der Parteibehörde. Deshalb, weil er Hasselmann heiße, könne man ihm solche literarische Unterneh- mungen ebenso wenig verbieten, als den Herren Most, Bracke und Genossen. Ohne die„Rothe Fahne" wäre die von ihm redigirte„Bergische Volksstimme" in Barmen längst eingegangen und es falle ihm durchaus nicht ein, sich die Herausgabe der „Rothen Fahne", die bis jetzt blos im Interesse der Partei ge- wirkt, von irgend Jemandem verbieten zu lassen. Tölcke frägt an, was es für ein Bewenden habe mit der von Hasselmann projektirten Gründung einer illustrirten Wochen- schrist, die doch geeignet sei, der„Neuen Welt" Conkurrenz zu machen. Hasselmann erklärt, daß die„Neue Welt" als Beilage für ! die„Bergische Volksstimme" zu theuer sei und deshalb ein solches billiges Unternehmen, welches der„Neuen Welt" keine � Conkurrenz mache, geplant sei. Hasenclever bemerkt, daß die Anfrage Tölcke's entstanden sei, weil er demselben mitgetheilt habe, daß ihm(Hasenclever) in Duisburg gesagt worden sei, Hasselmann beabsichtige Hinsicht- lich dieses illustrirten Wochenblatts bei allen in Rheinland und Westfalen bestehenden Parteiblättern anzuftagen, ob sie dasselbe als Beilage haben wollen. Wenn nun von keiner eigentlichen Concurrenz der„Neuen Welt" gegenüber die Rede sein könne, da die Mittel und Kräfte in Barmen dazu nicht vorhanden seien, so würde doch die Herausgabe der illustrirten Wochenschrift durch Hasselmann ebenso wie die Herausgabe der„Rothen Fahne" mit oder ohne Willen Hasselmann's bei einer großen Anzahl von Parteigenossen den Verdacht erregten, daß Hasselmann eine Spaltung beabsichtige, und dieser Verdacht schon sei geeignet, die Partei in hohem Maße zu schädigen. Auf Antrag Bebel's wurde schließlich fast einstimmig be- schloffen:„Der Congreß verpflichtet Herrn Hasselmann, sobald die„Bergische Volksstimme" ihre Unterhaltungskosten selbstständig zu decken im Stande ist, die„Rothe Fahne" eingehen zu lassen." Eine große Anzahl Stettiner Sozialisten hatten sich in einem längeren Schreiben über das Gebahren des dortigen Agitators, Schuhmachers Zielowski, beschwert. Dieser hätte die Partei in ganz Pommern in gröbster Weise discreditirt und es schließlich soweit gebracht, daß eines Tages in Stettin zwei sozialdemo- kratische„Stettiner freie Zeitungen" nebeneinander erschienen und sich gegenseitig in unerhörter Weise bekämpften. Nachdem mehrere Delcgirte die vorgeführten Beschuldigungen bestätigt, wurde einstimmig beschlossen:„Zielowski sowohl als auch die von ihm augenblicklich redigirte„Stettiner freie Zeitung" werden fortan nicht mehr als zur sozialdemokratischen Partei gehörig betrachtet." Endlich wurde noch beschlossen:„Zu dem im Monat Juni d. I. zu Gent tagenden universellen sozialistischen Weltcongreß einen Delegirten zu entsenden und die diesbezügliche Personen- frage dem Central- Wahlcomits anheimzugeben" Liebknecht bemerkt: Er ersuche das Central- Wahlcomitö, bei der Auswahl eines Delegirten sehr vorsichtig zu verfahren, denn er befürchte, daß auf dem zu beschickenden Congresse die bakunistisch- anarchistische Richtung, die gegenwärtig sich wieder stark in den Vordergrund dränge, daselbst dominiren werde. In diesem Falle könne der Congreß der gesummten Arbeiterbewegung nur Schaden verursachen. Endlich wurde Bremen als Sitz der Beschwerde-Commission und Hamburg-Altona als Sitz des Central-Wahlcnmitö's und zwar die Genossen Auer, Braasch, Derossi, Geib, Hartmann wieder gewählt. Schluß des Congresses gegen 1 Uhr Nachts mit einer kurzen Ansprache Geib's und einem Hoch auf die sozialistische Arbeiter- bewegung aller Länder. Correspondenzen. Uertin, 29. Mai. Der„Löwe" hat endlich gebrüllt, daß er aber gut gebrüllt hätte, möchte ich nicht gerade behaupten. Am Mittwoch, den 23. Mai, tagte im großen Saale der Norddeut- schen Brauerei eine liberale Wählerversammlung, einberufen vom Vorstand des Wahlvereins der Fortschrittspartei und vom Vor- stand des liberalen Wahlvereins. Auf den Einlaßkarten stand ausdrücklich: Sozialdemokraten sind ausgeschlossen. An sechs Cerberussen vorbei, deren jedem ich meine Einlaßkarte zeigen mußte und die jeden Eintretenden mit prüfenden Blicken musterten, gelangte ich in den Saal, wo ich indessen für über- standene Prüfungsangst aufs herrlichste belohnt wurde, indem ich von einem siebenten Thürsteher ein Exemplar der Richter- schen Brandrede gegen die Sozialdemokratie, über die ich schon zu berichten die Ehre hatte— gratis erhielt. Hocherfreut über oen unfehlbaren„Sozialiftentod", den ich in der Hand hielt, begab ich mich an einen Tisch, von dem einige Parteigenossen mir ver- stöhlen zunickten. Auf der Tribüne thronte rechts der Wahl- vorstand der Fortschrittspartei, links der der Nationalliberalen, über dem ganzen söhwebte der conservativ-reaktionäre Geist, und so war die Dreieinigkeit fertig, die den Kampf aufnehmen soll gegen die„Mächte der Finsterniß". Bevor der Vorsitzende dem Candidaten Ludwig Löwe das Wort ertheilte, bat er, das Rauchen zu unterlassen. Herr Ludwig Löwe hielt dann seine Candidatenrede, ein so jämmerliches Stück Arbeit, daß ich die Genügsamkeit der Zuhörer nicht genug habe bewundern können. Er gestand selber, daß er nicht Zeit gehabt habe, sich seine Rede zu überlegen, und betonte zugleich— man sollte es kaum glauben— die großen Opfer, die er habe bringen niüssen, um die Candi- datur übernehmen zu können. Für Denjenigen, der zwischen den Zeilen lesen und zwischen den Worten hören konnte und wollte, ergab sich mit leichter Mühe die Unwissenheit und Aufgeblasen- heit des Mannes. Aus der Rede selbst, die im allgemeinen der alte Brei war, will ich nur wenig anführen. Herr Löwe hängte sich zunächst das arbeiterfreundliche Mäntelchen um und besah sich darin von allen Seiten. Er gefiel sich augenscheinlich so gut in demselben, daß ihm die Erinnerung an die alten Zeiten, wo er noch zum allgemeinen Arbeiterverein gehörte, aufstieg und er sich in Phrasen erging, die hart an Sozialismus und Men- schenliebe streiften und augenscheinlich wenig Beifall bei seinem Publikum fanden, noch weniger aber auch von nur einem Ar- bester geglaubt wurden. Er meinte dann wohl den be- gangenen Fehler wieder gut machen zu müssen und erzählte des- halb nachher, daß er zwar Freund von Lassalle gewesen, ihm aber nicht mehr gefolgt sei, als er aus verletzter Eitelkeit die Fortschrittspartei verlassen und die Sozialdemokratie begründet habe. Hier wurde nachher von einem Interpellanten behauptet, daß der Löwe gelogen habe, indem er noch nach Lassalle's Tode dem Allgemeinen Arbeiterverein angehört habe. Doch wurde der Interpellant zur Ruhe verwiesen, weil Herr Löwe nach Ende seiner Leseübung das Lokal schleunigst verlassen hatte. Der Hauptvorwurf, den der saubere Fortschritts-Löwe übrigens der Sozialdemokratie machte, war— ihre Vaterlandslosigkeit. Nachdem Hrn. Löwe seine Rede beendet hatte, wurde er über Grün- düngen, an denen er Theil genommen und über Zuchthausarbeit, die er hatte anfertigen lassen, interpellirt. In Betreff der Zucht- Hausarbeit behauptete Herr Löwe, den Sträflingen denselben Lohn gegeben zu haben, was, wie die„Berliner Freie Presse" erfährt, nicht wahr sein soll. Im Verlauf der Interpellation erklärte übrigens der Vor- sitzende, daß er Sozialdemokraten das Wort nicht geben werde. Auf das darauf folgende„Aha" der anwesenden Sozialisten, er- scholl der Schreckensruf„Es sind Sozialdemokraten hier! Raus, raus!" Darauf furchtbarer Tumult, bei dem 75 Stühle zer- krochen sind. Ein neben uns sitzender Mann sagte nachher zu seinem Nach bar, daß er einmal in einer sozialistischen Versammlung gewesen, wo eS musterhaft zugegangen sei, und der Wirth des Lokals, dessen ich hier als eines sehr gerechten und uns gefälligen Mannes Erwähnung thun will, hat nachher den Herren gesagt, daß am nächsten Tage, wo die„rohen" Arbeiter Versammlung hätten, keine Stühle zerbrochen werden würden. So ist es denn auch gekommen. Am folgenden Abend nämlich war in demselben Lokale von unserer Seite eine allgemeine Wählcrversammlung veranstaltet, in der Herr Hasenclever über„Volksfrcunde und Volksfeinde" sprach. Die Versammlung war noch besuchter, als die liberale. Eintrittskarten brauchten nicht gezeigt zu werden, Thürhüter waren auch nicht da, auch las Herr Hasenclever seinen Vortrag nicht ab. In demselben riß er dem Liberalismus die heuchle- rische Maske der Volksfreundlichkeit vom Gesicht und zeigte dessen Vertreter in ihrer wahren Gestalt als Volksverräther und Volksfeinde. Der Vortrag wurde mit Enthusiasmus aufgenom- men, und die Versammlung sprach sich zum Schluß einstimmig für die Wahl Hasenclever's aus. Eugen Richter, wiederholt eingeladen, war auch jetzt nicht er- diese Weise in die Debatte hineingezogen werden, und daß hier so große Begriffsverwirrungen oder Verleumdungen vor- liegen. Das könne er alles beeidigen, denn er habe noch nie einer Fliege etwas Unrechtes gethan, viel weniger einem Menschen/ bitte aber um seine Entlassung, da seine Kinder allein zu Hause seien. � Der Wirkliche Geh. Rath v. Thiele deponirte ungefähr Fol- gendes: Vor etwa 7 Jahren habe ihm Savigny mitgetheilt, er habe von Rothschild gehört, daß bei den Besprechungen über die Gründung der Central-Bodenkreditgesellschaft von der Reserviruna einer Million Aktien die Rede gewesen, die Bleichröder auch successive ausgeführt habe, und zwar im Interesse des Fürsten Bismarck, wozu er sich als dessen Bermögensverwalter berechtigt gehalten. Unvorsichtigerweise habe er(Zeuge) das en farnille auch Herrn v. Diest vertraulich erzählt. Auf die Bemerkung des Vertheidigers, der Zeuge v. Rothschild habe immer nur von einer„Betheiligung" gesprochen, was man im Sinne des Börsen- ausdrucks verstehen müsse, entgegnete der Vorsitzende, daß der Zeuge schon gesagt, es sei ihm nichts davon bekannt, daß Bis- marck irgend etwas in dieser Sache erhalten habe. Gutsbesitzer v. Simpson war bei der Gründung der Gesell- schaft in keiner Weise betheiligt, und als Herr v. Wedemeyer ihn wegen der Rescrvirung der halben Million für den Reichs- kanzler befragte, habe er ihm geantwortet, er wisse nichts davon. Gutsbesitzer v. Hammerstein resumirt den Inhalt des Ge- fprächs im Eisenbahncoupö dahin, daß v. Diest behauptete, es sei dem Reichskanzler aus den Differenzgeschäften bei den Aktien der Central-Bodenkredit-Aktiengesellschaft ein Vortheil von 200,000 Thalern erwachsen, welches Verfahren er als nicht gentlemanlike bezeichnete, selbst wenn der Fürst vorher nichts davon gewußt hatte. Herr v. Diest habe aber schon damals erklärt, es sei nicht scine Absicht, den Reichskanzler zu stürzen, sondern ihn dem Einflüsse der Haute-Finance zu entziehen. Der Gutsbesitzer v. Bergell versichert, daß er von der an- geblichen Betheiligung des Fürsten schon lange vorher gehört, ehe er den Angeklagten kennen lernte, das sei allgemeines Gesell- schaftsgespräch gewesen. Graf v. Borcke sagt aus, der Angeklagte habe ihm auf der Jagd am 3. Januar v. I. mitgetheilt, er könne beweisen, daß der Reichskanzler bei der Gründung der Central-Bodenkredit- Gesellschaft Aktien ohne Einzahlung erhalten und Blcichröder dieselben zu bedeutend höheren Kursen verkauft habe. Er sei der Meinung, der Angeklagte habe diese Behauptung böswilliger- weise aufgestellt. Gutsbesitzer v. Bülow versichert, gehört zu haben, daß v. Diest gesagt habe:„Bismarck müsse jetzt'ran!" und„er müsse noch so klein werden, daß er sein Brod aus der Hand eines ehrlichen pommerschen Junkers esse". General-Landschaftsrath v. Blanckenburg bestätigte im Allge- meinen seine Aussagen vor dem Kreisgericht. Fürst Bismarck möge lange selber in dem Glauben gewesen sein, daß die Aktien für sein Conto zu 103 gekauft und später verkauft wurden, aber seine direkte Frage danach habe der Fürst mit großem Unwillen zurückgewiesen. Er habe deshalb an v. Diest geschrieben, die Gerüchte seien leere Phantasien, seine Gewährsmänner hätten ihn belogen. Daß er(Zeuge) s. Z. bei einem Ehrenhandel mit dem Angeklagten an den Vermittler v. Eysenhardt geschrieben, es solle zu 108 wirklich gekauft sein, beruhe auf einem Jrrthum seinerseits.(Schluß folgt.) Frankreichs Maienblüthe. Gemordet habt ihr die Gemeine*) Und sie verscharrt wie giftig Aas, Dann wuscht ihr euch die Hände reine Nicht wie Pilatus, nein im Scheine Der oräre worale**) Caiphas'. Die Republik, das sind die Winde, Die ihr nun sätet vor der Welt. Sturm ist die Ernte; und die Binde Zerreißt; gewahrt ihr nun, ihr Blinde, Daß ihr auf Nattern euch gestellt? Die Pfaffen dienten gen die Flamme Ter Freiheit euch als ein Popanz! Als Schacher hängt ihr jetzt am Stamme Des Kreuzes, doch mit keinem Schwämme Tränkt euch eoelesia militans. *) Deutsch für Commune.**)„Moralische Ordnung"— Stich. wort der Bersailler Ordnungsbanditen. Ich gönnt' den Funken euch, Barbaren, Im Pulverfaß, worauf ihr steht, Wüßt' ich es nicht seil langen Jahren, Daß wenn Tyrannen sich zerfahren, Das arme Volk in Trümmer geht. Kurt Mook. — Beitrag zur Unfall-Statiliik. Bei der Magdeburger All- gemeinen Versicherungs- Aktien- Gesellschaft— Abtheilung für Unfall- Versicherung— kamen im Monat April 1877 zur Anzeige: 6 Unfälle, welche den Tod der Betroffenen zur Folge gehabt haben, 5 Unfälle, in Folge deren die Beschädigten noch in Lebensgefahr schweben, 23 Un- fälle, welche für die Verletzten voraussichtlich lebenslängliche, theils totale, theils partielle Invalidität zur Folge haben werden, 393 Un- fälle, mit voraussichtlich nur vorübergehender Erwerbsunfähigkeit. Sa. 337 Unfälle. Von den 6 Todesfällen treffen je einer auf ein Etablissc- ment für Gas- und Wasseranlagen, eine Eisengießerei und Maschinen- sabrik, Gerderei, Holzschneiderei, Chamottefabrik, Glockengießerei; von den 5 lebensgefährlichen Beschädigungen 2 auf Bierbrauereien, je eine aus eine Mahl- und Schneidemühle, Bleiweiß- und Firnißfabrik, Holz- Handlung und Landwirthschaftsbetrieb; von den 23 Jnvaliditätsfällen 3 auf Zuckerfabriken, je 2 auf Papierfabriken, Baumwollspinnereien, Gasanstalten, Spiritusbrennereien mit Häckjelmaschinenbetrieb, und je einer auf einen Landwirthschaftsbetrieb, Steinbruch, eine Mineralöl- und Paraffinfabrik, Kunstwollfabrik, Tuchscheererei und Spinnerei, Ziegelei, Spinnerei und Weberei, Röhren- und Nietenfabrik, Holz- schneideret, Malzfabrik, ein Baugewerbe und ein Puddel- und Walzwerk. — Ditto. Im Monat Mai dieses Jahres wurden bei der Allgemeinen Unfall-Bersicherungsbank in Leipzig 12 Todesfälle, 4 Un- fälle, die den Betreffenden Lebensgesahr bereiteten, 3 Unfälle, die ihrer Natur nach den Eintritt einer totalen oder theilweisen Invalidität der Verletzten erkennen lassen und 434 Unfälle, aus welchen sich für die Verletzten nur eine vorübergehende Erwerbsunfähigkeit prognosticiren läßt, zusammen 45K Unfälle angemeldet. Von den 12 Todesfällen er- eigneten sich 4 in einer chemischen Fabrik durch Dampfkessel-Explosion, je 2 in Steinkohlenbergwerken und Baugeschästen und je 1 in einer Papierfabrik, einer Streichgarnspinnerei, einer Eisensteingrube und einem Steinbruche. Von den 4 lebensgefährlichen Beschädigungen entfallen je eine auf eine Eisengießerei, eine chemische Fabrik, eme Zwirnerei und Nähfadenfabrik und einen Kalksteinbruch, während von den K Invaliden je einer auf eine Eisengießerei, eine Papierfabrik, eine Buchdruckerei, eine Fabrik für Hufbeschlag- Material, eine Gußstahlfabrik und eine Brückenbauanstalt kommt. - und feige Seitdem hat sich die Fortschrittspartei wieder einmal in ihrem wahren Lichte gezeigt. Im hiesigen Norddistrikt, einem sogen. Bezirksverein, sollten nämlich am Mittwoch, den 30. Mai, so- wohl Hasenclever als Löwe sprechen. Beide waren eingeladen, aber man hat es kurz vorher dahin zu bringen gewußt, daß die Versammlung nicht stattfand. Man sieht die blasse Furcht, die diese Leute vor der Wahrheit haben. Die Wahlvorbereitungen gehen indeß rüstig weiter, so daß wir das Beste hoffen dürfen. Auch im 5. Wahlkreise fand am Dienstag, den 29. Mai, die erste Wählerversammlung statt, in der Herr Dr. Stamm einen Bortrag über den„Sozialismus und die Förderung des Ge- sammtwohles" hielt und zum Schluß die sehr gut besuchte Ber- sammlung aufforderte, energisch für die Wahl Otto Kapell's ein- zutreten. Die Stimmung der Versammlung war eine sehr gute. Hoffen wir auch hier das beste. Dortmund, 29. Mai. Wie auf Verabredung werden auf den Zechen des hiesigen Kohlenreviers die sogenannten„Arbeits- Ordnungen" eingeführt. Daß mit diesen„Arbeitsordnungen" nur eine noch größere Knebelung der Arbeiter bezweckt wird, als sie seither geübt wurde, braucht kaum erwähnt zu werden. Nachdem auf den Zechen„Tremonia" und„Westfalia" mit den Knebelungsversuchen der Anfang gemacht worden war, konnte es nicht ausbleiben, daß das Beispiel bald Nachahmung finden würde. Den Reigen eröffnete neuerdings die Zeche„Marga- retha" bei Sölde, wo gestern Morgen bekannt gemacht wurde, Ich habe diesen Betrag unter entsprechenden »°*nd° m*«...wi>-d.« d°- Lokal sofort verlassen und rief ihnen m seiner Beschränktheit �auf aufmerksam machen, daß, so zeitgemäß die Mahnung zur mit Stentorstimme zum Fenster hinaus auf die Straße� nach:„Sparsamkeit" dem allerorten herrschenden Elend gegenüber auch sein „Da gehen die Sozialisten Vorarlbergs, das sind lauter sozial- mag, dabei nicht stehen geblieben werden darf, wenn es sich um eine Demokraten," als ob man seiner politischen Ansicht wegen nicht so erhabene Sache wie die der gegenwärtigen sozialen„Ordnung" hau- mehr über die Gasse gehen dürste. Und um das Werk zu delt. Unter uns, lieber Herr Doktor, Sie könnten sich ein großes krönen, wurde die seit längerer Zeit schon bestehende gegenseitige.«erdienst erwerben und der„sozialdemokatischcn Verführung" in nie Wanderunterstützung von 1 Mark gegenüber den österreichischen �tz�entt AA entgegenwirken, wenn Sie einen Thnl Jhnr kostbaren Arbeitern verworfen. Der Bodensee- Gauverband wurd? auf- � ieI��Un™t-iart&bClf-eI6™i\bCn"Süddeutschen Verband" em. gtieb9r� LanZe, Schaeffle u s. w. verwenden wollten. Sollten Daß der Beschluß, die Wanderunterstutzung betreffend, auch von die genannten Herren und deren Werke Ihnen nicht bekannt sein, so den denkenden Arbeitern ebenso freudig, wie von den Telegirten thut das nichts.„Widerlegen" können Sie dieselben ja doch! Möge acceptirt werden sollte, glaubte gewiß Niemand und würde es der Gott der„liberalen Katholiken" Sie inspiriren! Der Genius der mich freuen, wenn die süddeutschen Mitglieder der Arbeiter-„Bolksbildung" wird sich vergnügt die Flügel reiben und Ihnen danken Bildungsvereine einstimmig gegen das Vorgehen ihrer Delegirten...... durch sein mitleidigstes Lächeln. Vrotesi erbeben würden Kaukmanu. CmB eermanns Pgcudo-Bourgeoig. �rewn, 27 Mai Am 16. d. M. starb na�längerem. Leiden unser Genosse Gotthold Stöcke! im 48. Lebensjahre.®ä Ja ü6wo11 t'on unb � Wie seiner Familie als Ernährer, so ist er uns als wackerer D. O. Mitstreiter viel zu früh entrissen worden. Er war der Erste- und auch fast der Einzige, der an unserem Orte, als 1869 die Aufforderung. Herr P. Hundt, stüher in Barmbeck, wird ersten Keime der freiheitlichen Bewegung sich zeigten, unsere � hiermit ersucht, mit Unterzeichnetem in Correspondenz zu tuten. Bevölkerung aus dem Schlafe rüttelte, mit Manneskraft und ganzer Hingebung unseren Ideen Eingang verschaffte und seit- dem treu und tapfer bis kurz vor seinem Ende wirkte. In Folge seines rücksichtslos energischen Vorgehens erntete er bei den: besitzenden Klaffen stupide Verurtheilung, und leider fanden sich E. Breuel, Hohenfelde bei Hamburg. Angerstr. 42._ daß bei Denjenigen, die von jetzt an einfahren, angenommen auch Arbeiter, welche ihn zu schädigen suchten. Am vergangenen Für die gemaßregelten Kruppffchcu Arbeiter. Bon O. Sch. hier 1,Ä>. C. F. 2,50. In voriger Nr. ist irrthümlich Mk. 10,00 für Berliner Wahlfond quiltirt. werde, daß sie die seit März dort aushängende neue„Arbeits ordnung" unterschrieben hätten und zu den in derselben aufge- stellten Bedingungen arbeiten würden. Man hatte bei diesem löblichen Borhaben, wahrscheinlich aus Angst, daß die Arbeiter es sich nicht würden so ohne Weiteres gefallen lassen, die Poli- zeimacht in entsprechender Anzahl bei der Zeche posttrt; aber es verlief alles ruhig, die Arbeiter nahmen mit stummer Resigna- tion die Botschaft auf, denn sie wissen wohl, daß bei thätlichem Widerstand für sie Nichts herauskommt. Lagegen waren Alle darüber sich im Klaren, daß sie unter den ihnen aufgedrungenen Bedingungen nicht weiter arbeiten könnten, und ist in Folge dessen kein Einziger, weder Bergmann, noch Maschinenwärter, Berliner Wahlfonds. Von C. F. Reutlingen 2,50. ZrbS Reutlingen 1,00. Anzeigen ersten Pfingstfeiertag wurde Stöcke! unter zahlreichem Geleit von Freund und Feind zur ewigen Ruhe bestattet. Mehrere Partei- genossen aus Reichenbach waren trotz des niederströmenden Regens herbeigeeilt, um dem verehrten Todten die letzte Ehre zu erweisen. Unter ihnen war unser tüchtiger Genosse Robert Müller, welcher einen Lorbeerkranz auf das Grab des Dahin- �. g.„ geschiedenen niederlegte und dabei des Schaffens und Wirkens PlltOltCl. WJwmnA hm. ---«wf&i. ta»«°-x».-w-ch».-. W-» Ä„.- Z?*■ 3'"'"""""••*-" N?»?hS w'" W'" � lÄs" Geschlossene Mitgliederversammlung. - I Tagesordnung: BereinSangelegenheiten. H. Walther, Wilhelmstr. 59, 3 Tr. r. an m noch Schürer, wieder angefahren/ Die alsdann erfolgende erste �«hbeUaotga� KB. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Ndig�Äuff�r� Aktion des©cwctffchajta" in Oesterreichs HaNlwVer..Donnerstag, 7. Juni, Abends 8 Uhr, fo?nXlrS" lSÄ F räUmoert[,Ä.Belegschaft! hindurch bekannt, daß für" den„Bund" vom 30. W usp l.'W! ar c"SNdrgarechö betragt 4o0 Mann. Als Beweis, daß die d. I. an ein Organ unter dem Namen:„Neue Glashütte", Organ für Arbeiter den„Herren nicht zu viel von ihrem„Entbehrungs- die Interessen der Glasarbeiter, wöchentlich Imal erscheint, und ersuchen lohn" abgenommen, mag erwähnt werden, daß von der Beleg- wir die geehrten Redaktionen derjenigen Arbeiter- Blätter, welche mit fchast nur ein Mann über 30 Thaler, etwa 30 Mann über J uns in ein Tauschverhältniß zu treten ein Interesse haben, dies unter 1 20 Thaler, alle Uebrigen aber unter 20 Thaler monatlich ver- dient haben. Eine Herabsetzung dieser Löhne würde die Fami- lien der Arbeiter ohne Frage dem Hunger und Elend preis- geben.— Auch auf Zeche„Schürbank- Charlottenburg" bei Aplerbeck ist man an demselben Tage gegen die Arbeiter vor- gegangen, indem man zuerst eine(man höre und staune!) zehn- stündige Arbeitsschicht verlangte. Die Arbeiter gingen aber darauf nicht ein, verlangten vielmehr Beibehaltung der alten Sitte und Erhöhung der seit Februar herabgesetzten Löhne um 25 Prozent. Die„Herren" blieben aber unerbittlich, und die Arbeiter fuhren nicht wieder ein. Die Belegschaft dieser Zeche beträgt circa 400 Mann. Es müssen nun vor allem Bergar- beiterversammlungen anberaumt werden, um die weiteren Schritte in Betreff beider Zechen zu berathen. Hoffentlich werden die Bergarbeiter diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne einzusehen, was dringend noth thut— und das ist Orga- nisation! Atudenz, 27. Mai.(Gautag des Bodensee-Gauverbandes der deutschen und österreichischen Arbeiter-Bildungsvereine, ab- gehalten zu Lindau.) Anwesend sind Delegirte aus: Augsburg, Bregenz, Bludenz, Constanz, Dornbirn, Freiburg i. B., Feld- kirch, Hardt, Radolfzell, Ueberlingen. Bureauwahl war laut den Statuten des Verbandes leider nicht gestattet. genauer Angabe ihrer Adressen bis spätestens den 25. Juni d. I. Unterzeichneten gefälligst zu berichten. Achtungsvoll Für den Vorstand und die Redaktion: G. Horn. Löbtau bei Dresden, im Juni 1877. Wilsdrufferstr. 50/1. NB. Sliie arbeiter freundlichen Blätter werden ersucht. Obiges ihre Spalten aufnehmen zu wollen. D. O. 14. sächsischer Wahlkreis. Gestern constituirte sich das am 18. d. gewählte Kreiswahlcomitö- Alle Briefe sind zu senden an Karl Kluge, Windmühlenstr., Gelder aber an Gustav Reichelt, Lindenplatz. Groitzsch, 31. Mai. Otto Germer, Vorfitzender, Frauengasse. Briefkaste« der Expedition. Henze London: 4,59 haben wir Ihnen Conto Spencer gut gebracht. Quitiung. A. Brbm Gotha Ab. 11,00. Tmmlr Geyer Schr. 8,00. Mhlhrn Crimmitschau Schr. 2,00. Schn Stummsdorf Ab. 1,00. F. Entz San Francisco Ab.„N. W." 33,97,„Vorw." Ab. 40,00. Slbrhrn Eßlingen Ab. 14,27, Schr. 0,76. Tht hier Ab. 0.60. vr. ai■-c Rpp Rottweil Schr. 5,00. Lschk hier Ab. 0,55. Ntzschmnn Connewitz �,„„_ Bei Eroff- 2,20. Arb.-Bild.-Berein Masfersdorf Ab. 2,31. A. Lnlrmnn nung der Versammlung stellten die Vorarlberger Abgeordneten i Chicago 399,97. R. Ebhrdt Liegnitz Schr. 2,50. Essnwn Barmen den Antrag, man möge an den Arbeitercongreß in Gotha, resp. Schr. 1,65. Tbl Murg Schr. 5,00. der Redaktion. A. A. in Göppingen: Aus taktischen Gründen können wir Ihre Polemik gegen die Haltung des Blattes nicht ver- öffentlichen. Wenden Sie sich an Diejenigen, denen die Leitung und Ueberwachung des Blattes zusteht, vr. M. M. in W.: Der sicherste an das dortige Lokalcomite, ein Begrüßungs-Telegramm senden. Der Vorsitzende fragte ledoch kurz:„So, Sie wollen, daß wir als Anhänger von Schulze'an Sozialisten ein Begrüßungs- 1-.---..» I-Nd--?. Si° w st Ii?, s.'-i-elegirte über die. mfnt nc6� �0tt0 bei wöchentlich dreimaliger Couvertsendung Arbeitertnteressen zu berathen und wollten auch sofort das Lokal z�k. 10,00, bei einmaliger Sendung(3 Nummern) Mk. 4,80 pro Ovar- verlassen. Ein Vorarlberger Delegirte tadelte jedoch in ernsten tal. Für die Notiz besten Dank. Worten das Austreten des Vorsitzenden und es gelang ihm auch,-— die entrüsteten College» zum Bleiben zu bestimmen. Offener Brief an Hrn. vr. I. Gihr in Stuttgart. 2. Punkt der Tagesordnung: Rechenschaftsbericht des Da sich der„Vorwärts" einer großen Verbreitung erstcut, so glaube Gauverbandes, ergab, daß der frühere Gauverbands-Vorstand ich Ihren edlen Bestrebungen zur Verbreitung des Smiles'schen Buches vom damaligen Vorort Constanz die Verbandskasse um 28 Mark!„Die Sparsamkeil", welche nach Ihnen ja mit der Bekämpfung der betrogen hatte. Trotzdem laut Statuten die Vereinsleitung und Sozialdemokratie gleichbedeutend ist, förderlich zu sein, indem ich die der Borort für die Cassagebahrung nicht verantwortlich ist, stellte! Redaktion genannten Blattes bitte, Ihrem Circular einige Zeilen zu der Vorsitzende den Antrag, es habe der frühere Vorort Eon-„ ,, ,,..,..... avfhu ,,, hi-rfpn as/f, x L- tfl- Mit Paula Erbswurst von dem Gedanken beseelt,„nicht vorgreifen stanz dies DeM zu decken Daß sich der Abgeordnete für � �n-, kann ich doch nicht umhin, beiläufig zu erwähnen, daß Constanz dies ruhig gefallen ließ, ist mir insofern erklärlich, als mich die„Sparsamkeit" bei Verausgabung von Geldern für allkatholische er warmer AnHanger von Schulze ist, demnach zu Allem Ja> und sonstige Gihr'sche Schriften in den Stand gesetzt hat, 5 Mark für und Amen sagen muß, was von„Oben" kommt. Abgehend von___ der Tagesordnung wurde vom Vorsitzenden ein Antrag zur De-'*j Ist überflüssig! Zur Erheiterung unserer Leser bringen'wir batte gestellt, dahingehend, im Interesse der Arbeiter beider aber das kostbare Schriftstück nachstehend zum Abdruck: Reiche gegenseitig auf eine Zeitung zu abonniren, um mit den„Stuttgart, Datum des Poststempels. verschiedenen Vereinen stets geistige Fühlung zu behalten und Tit.! erklärten die Vorarlberger Delegirten einstimmig die„Süddeutsche Bei der gegenwärtigen sozialistischen Agitation, welche so vielfach �11 V- yt /y" 01* Vn I 44* w** ffsx sw« v* t 4 1 � �■! t ,4 v* im Saale des Ballhoses: 190 Große 5'0)iöli|lnt-l)cr(amntluug. Tagesordnung: Berichterstattung des Hrn. Meister vom Gothaer Congreß.(F. igZ) H. Rudolph. QptlUtil Bund der Tischler u. verwandter Bernfsgenosse«. Die Mitglieder werden wiederholt darauf aufmerksam gemacht, ihre allen Gewerkschaftsbücher in Ordnung zu bringen und die neuen Bundesbücher in Empfang zu nehmen. Kranken-An« und Abmeldungen können nur bei unfern Kassirer Nebel, kl. Fleischergasse Nr. 15, Exped. der„Fackel" bewirkt werden. 90j Die Ortsverwaltung. Mittwoch, den 6. Juni, Abends il29 Uhr, AuSfchußsitzung im Arbeiterbildungsverein. im Donnerstag, den 7. Juni, Abends'/,9 Uhr, Saale des Hrn. Michael, gr. Windmühlenstr. 7: Oeffentliche Sozialistenversammlung. Tagesordnung: Diskussion über die Verhandlungen deS Sozialisten- Congresses. Der Agent.(60 Leipzig. Arbeiterbildnngsvereio. Sonntag, den ID. Juni: Erstes Sommerfest im„Neuen Schnbeuhaus", bestehend in ununterbrochenem Concert, Gesang, Belustigungen für Damen, Herren und Kinder, und Ball von 6 Uhr an. Freunde und Gönner sind hiermit freundlichst eingeladen. Programms sind zu haben im Bereinslokal Ritterstr. 43/11. — Anfang Nachmittags 3 Uhr. D. B.(270 Donnerstag, den 7. Juni, Abends S'/j Uhr im Saale des Hrn. Hillebrand, Altemünze 21: Oeffentliche Arbeiter-Versammlung. Tagesordnung: 1. Berichterstattung vom Sozialisten- Congreß. 2. Rechnungsablage über die eingenommenen und verausgabten Gelder zu denselben. Um recht pünttliches und zahlreiches Erscheinen ersucht(90 P. Krowiarz. Für ein größeres Parteiorgan wird ein Mitarbeiter gesucht, der selbständig arbeiten und sich über seine literarische Befähigung aus- weisen kann. Offerten unter A. Ii. an die Exped. d. Bl.(90 Meuselwitzer Braunkohlen, Zwickauer Steinkohlen, Erfurter Landesprodukte, Nordhäuser Branntwein it. vermittelt in preis- werther Maare ein gemaßregelter reeller Parteigenosse, der gezwun- gen ist, sich ohne öffentliche Namensnennung als Agent den geschäfts- treibenden Parteigenossen, Consumvereinen ic. auf diesem Wege zu em- pfehlen. Briefe vermittelt zur Einleitung weiterer Verbindungen Die Expedition des„Vorwärts". Stellegesuch. Arbeiterzeitung" erwählen zu wollen, wenn die Süddeutschen die � d'- Arbeitermassen von dem einzig sicheren Wege auf dem eine gedeih- Gleichheit" in Wien accevtirten Der Gedanke war aut dock liche Zukunft zu gewinnen ist, demieiiigen des Fleißes und der Spar- d.? Kren Sch uKaner efflärten' eA Nwmi? dLes siZ!!??*-*«*'»nd einer sittlichen und ge.st.gen Verwilderung entgegen mit ihre Prinzipien nie vereinbaren ließe, eine Zeitung, welche die Aufschrift: Organ der Sozialdemokrntte Oesterreichs trage, zu unterstützen. Eine solche Engherzigkeit und Aengstlichkeit hätte ich an dieser Stelle nicht erwartet. Der Vorsitzende, ein sehr beschränkter Kopf, soweit es sich um die Beurtheilung der Arbeiter- frage handelt, ließ später wieder von der Tagesordnung abgehen und kam hierbei eine Korrespondenz zwischen Lindau und Bregenz zur Verlesung, in der die Lindauer Vereinsleitung in puncto der Bildung in ein nicht grade günstiges Licht gestellt wurde. Der Schriftführer von Lindau glaubte nun seinem Aerger, indem der feine Umgangston auch seines Herrn Vorstandes bestens be- leuchtet wurde, dadurch Luft machen zu müssen,� daß er schnell führt, kann nicht eindringlich und laut genug auf jenen Weg hingewiesen und muß der sozialdemokratischen Verführung durch die Lehren der Vernunft, der Erfahrung, der Sitte und Religion werden. Der unterzeichnete Herausgeber der„Flugschriften für Volksauf- klärung(Verlag des Süddeutschen Sonniagsblatt in Stuttgart) hofft ein Scherflein zu dem angedeuteten Zwecke beizuttagen, indem er die Grundgedanken des rühmlichst bekannten Werkes von Smiles:„Die Sparsamkeit", das seines Umfanges und seincs Preises wegen den großen Massen nicht zugänglich ist, in Form einer Flugschrift in be- kanntem Format und Preis(32 Seiten klein Oktav, ä 10 Pf. das Exemplar) behufs Massenverbreitung in einfacher, allgemein verständ- licher Sprache für Jedermann zugänglich gemacht hat. Vielleicht sind Sie so freundlich, ihn durch Bestellung von einer An Ein junger Kaufmann, gewandter Buchhalter, Correspondent und Rechner, der mehrere Jahre in großen Bankgeschäften thätig war und sich als eifriger Parteigenosse und Mitarbeiter au Parteiblättern ausweisen kann, sucht Beschäftigung, am liebsten an einem Parteiblatt oder an irgend einem sonstigen Partei- unternehmen. Briefe für ihn adressire man unter L. M. an die entgegengewirkt �ition dieses Blattes.(Fl 60.(3c)[300 Soeben erschien im Verlag der Buchhandlung des„Zeitgeist" in München: ZuristischkÄ TascheiUcrikon! von Dr. Lehn. Unentbehrlicher Rathgeber in Prozeßsachen. Wichtig für Arbeiter,. Kleingewerbetreibende, Kaufleute ic. v.-............„...,„„p-------....—............ �--------------------------------- Das Werk ist zudem noch ein leichtfaßliches, übersichtliches Hand- eine vor ihm stehende Blumenvase ergriff, um diese dem Sprecher von Exemplaren, die Sie in den Kreisen Ihrer Umgebung in ge- buch für Prüfungs-Candidaten. �__[3,00 an den Kopf zu werfen. Der Herr wurde aber noch rechtzeitig Einern Be--7«„« m... beim Arme festgehalten. Nach wenigen Minuten saßen nur noch die Delegirten von Freiburg i. B., Constanz, Ueberlingen, Radolfzell und Carlsruhe bei den tapfern Streitern vom Bureau. Und trotz der traurigen Lage, hervorgerufen durch die Unfähig- eit des Vorsitzenden eine Versammlung zu leiten, wagten es streben zu unterstützen. ES wird Ihnen ein Rabatt von 25 Prozent eingeräumt. Ihrer gefälligen Entschließung entgegensehend, zeichnet hochachtungsvollst Ihr vr. I. Gihr." (Folgt Bestellzettel ic.) 8. Preis 1 Mark. (3c> Verantwortlicher Rebakteur: R. Eeiffertin Leipzig. Redaktion unb Expedition Färberstraße 12/11. in Leipzig. Druck unb Verlag der Genossinschasttbuchdruckerei in Leipzig