Erscheint in Jeip�iz «ittwoch, Fr-itag. T-nnt-z. Abo»»emci,tsvreis für ganz Tkutfchlard 1 TO. 60 Pf. pro Quartal. Monats- Abonnements »erden bei allen dcutfchen Postanstalten ansden 8. und Z. Monat, und aus den S. Monat besonders angenommen; im «bnigr. Sachsen und Herzogth. Sachsen« Altenburg auch auf den iten Monat de« Quartal« ü ü Pfg. Jnferate betr.«ersammlungen vi. Petitzeile U» Pf., betr. Privatangclcgenbeiien und geste pro Peiiizcilc 30 Pf. Vorwärts. ZZesfellungcn nehmen an alle Postanstalten und Buch. Handlungen de« In« u. Auslandes. Filial- Expeditionen. Zliw-Port! Soz.-demolr. Sienoslen- fchaftsbuchdruckerei, iü ElOridge Str. Philadelphia: P. Haß, SZO diortl» Zre Strsvl. I. Boll, 1129 Charlotte Str. Hobolen N. J.: F. A. Sorge. 215 Wash- ington Str. Chicago: A. Lansermann, 74 eix�ourno»v«. San Franzisco: F. Entz, 41» O Farroll Str. London W.: T. Henze, 8 Newltr. Golden Square. Kentrat Hrgan der Sozialdemokratie Deutschtands. Nr. 66. Freitag, 8. Juni. 1877. Verbrechens- und Unterrichtsstatistik. „Die Sozialdemokraten haben Schnld daran!" so lautet der Ruf der fanatisirten Gegner bei jeder Gelegenheit. Sie haben in Rheinland, am Mittelrhein, am Oberrhein, in Thüringen und Westfalen, Hessen-Nassau gute Früchte getragen hat. In den erstgenannten Gegenden steht die Bevölkerung aber auf einer bedeutend tieferen moralischen Swfe, als in den Schuld, wenn ein Mord" verübt wird, sie haben Schuld, wenn letzteren.— ein Auflauf stattfindet, sie haben Schuld, wenn die Kälte zu groß Wir nehmen nun die Bildungsstatistik zur Hand und finden, und die Dürre zu anhaltend ist; Schuld haben sie, wenn der daß es im Durchschnitt im preußischen Staat auf 10,89 Ein- Blitz einschlägt oder wenn die Ströme aus ihren Betten treten wohner einen Analphabeten�) über 10 Jahre gab. Aber die und die Länder verwüsten. Grenzen waren>: 1 Analphabet zu 3,46 im Regierungs- Bezirk Daß man den Sozialdemokraten nicht auch noch Schuld an Bromberg, gegen 1 zu 81,27 im Reg.-Bez. Wiesbaden. Dieser den männermordenden Kriegen giebt, das ist Alles, aber sie haben Bezirk ist mit Kassel zur Provinz Hessen-Nassau verbunden, in dafür die Schuld! an der„zunehmenden" Rohheit und an den letzterem zählt aber ein Analphabet auf 23,63 Einwohner, so vielen Verbrechen, Schuld an der Unwissenheit des Volkes. daß die Provinz im Durchschnitt auf 1 zu 34,69 sintt. Früber Die„Irrlehren" der Sozialdemokraten sind„verbrecherische war die Provinz Sachsen mit 1 zu 36,09 Unterrichteten die Thorheiten" und Roth und Elend, welche die gegenwärtige Krisis erste, darin aber verhielten sich nach der letzten Volkszählung mit sich bringt, der Rückgang der Industrie ist ihre Hauptschuld die Analphabeten zu den Unterrichteten im Reg.-Bez. Merseburg — diese letzten Anklagen ertönten sogar aus dem Munde zweier wie 1 zu 40,27, Reg.-Bez. Magdeburg 1 zu 36,39, Reg.-Bez. leitenden Minister. Verbrechen und Unwissenheit werden also durch die Erfurt 1 zu 28,23. In den Rheinlanden betrug der Durchschnitt 1 zu 18,14, Sozialdemokraten genährt und verbreitet, so schreit die fanatisirte, aber im Reg.-Bez. Eoblenz 1 zu 36,80, Reg.-Bez. Aachen gegen die Sozialdemokratte aufgehetzte Menge. zu 11,18. Das sind jedoch alles hohe Zahlen gegen die Provinz Nehmen wir nun die Statistik zur Hand und sehen zu, ob Preußen mit 1 zu 4,40, Posen 1 zu 3,77, Schlesien 1 zu 9,30, etwas Wahres an diesen Behauptungen ist. Die Statistik in Pommern 1 zu 11,59. Bezug auf die Verbrechen und den Unterricht ist allerdings in Weiter besteht eine große Verschiedenheit in der Bildung Deutschland noch sehr mangelhaft, doch liegt uns durch den nach den einzelnen Ortsgattungen. Im Durchschnitt des Staates Direktor des preußischen statistischen Buraus, Hrn. Dr. Engel,; kam in den Städten ein Analphabet auf 33,88 Einwohner, in besonders im Hinblick auf das Königreich Preußen, genügendes Material vor, um die„verbrecherische Thorheit" des Sozialismus in das richtige Licht stellen zu können. Nach Engel haben durchschnittlich im preußischen Staate in den letzten Jahren auf 10,000 Einwohner 9 Personen Zuchthaus- strafe verbüßt, gewiß eine respektable Zahl. Bettachten wir nun den Unterschied zwischen den einzelnen Provinzen. Die fünf östlichen Provinzen Brandenburg,'Preußen, Pommern, Schlesien und Posen überschreiten alle den Durchschnitt zum Thcil recht beträchtlich, die Provinz Sachsen nimmt eine Mittelstellung ein und die westlichen und nordwestlichen Provinzen zeichnen sich vortheilhaft durch die geringste Zahl der Zuchthäusler aus. 1874 z. B. hatte Brandenburg 11, Preußen 16,1, Pommern o,e, Schlesien 12,5, Posen gar 17 Einsassen der Zuchthäuser auf 10,000 Einwohner, iu Sachsen sanken sie schon auf 8,9 und dann bis zu 3,3 in Schleswig-Holstein.— Und Schleswig- Holstein ist bekanntlich ein Hauptheerd der Sozial- demokratie! Die„Vossische Zeitung" bemerkt nun zwar Folgendes: „In der Befreiung von Grund und Boden von pattimonialen Einrichtungen, sowohl in Vertheilung des Grundbesitzes, wie in Justiz und Verwaltung, überhaupt in Selbstständigkeit der Per- sönlichkeit ist in den östlichen Provinzen viel geschehen, aber doch find noch immer von der«lten Hörigkeit, die dort am längsten erhalten blieb, Spuren vorhanden, und nicht blos in rechtlicher, sondern noch mehr in gesellschaftlicher Beziehung, die heute noch als Vorwand gegen eine wirklich freie Gemeindeordnung her- halten müssen und der Büreaukratte zu Gute kommen, wo sie den Grundherren abgenommen werden. Die späte Befreiung von dem Unterthänigkeitsverhältniß ist auch eine von den mehreren Ursachen, warum die Ostprovinzen Preußens heute noch mehr, als durch Lage und Handelsverhältnisse geboten ist, ackerbau- treibende geblieben sind, nicht denjenigen Zusatz von menschen- befreiender Industrie haben, den sie haben können. Die Bcrbrechensstatistik ist in dieser Beziehung sehr lehrreich und klagt nicht die Disttikte gehobenen Gewerbefleißes, sondern die durch Großgrundbefitz behinderter Eigenthumsbildung an. 3,7 Zuchthäusler in Rheinland, 5,3 in Westphalen gegen 17 unter 10,000 Einwohnern in Posen sind sprechende Thai« fachen." Wenn jemals ein oberflächliches Urtheil gesprochen worden ist, so ist es hier geschehen. In Schleswig-Holstein ist der Groß- grundbesitz noch ganz besonders vorhanden und Dreiviertel der Bevölkerung nährt sich von Viehzucht und Ackerbau, die„menschen- befteiende Industrie" ist dort gar nicht, in Oberschlesien aber vorzugsweise vorhanden— in Oberschlesien kommen aber 15 (in der ganzen Provinz 12) Personen, die im Zuchthaus waren, auf 10,000 Einwohner, in Schleswig-Holstein aber nur 3 Per- sonen! In Oberschlesien giebt es fast gar keine Sozialdemokraten, in Schleswig-Holstein aber ist die Hälfte der Bevölkerung sozial- demokratisch gesinnt. Wenn wir nun auch nicht behaupten wollen, daß die Sozial- demokratie wesentlichen Einfluß auf obiges Verhältniß gehabt habe, da dasselbe schon früher bestand, als die Sozialdemokratte überhaupt in den betreffenden Gegenden Einfluß gewinnen konnte, !° zeigt aber doch die Statisttk, daß es„verbrecherische Thorheit" lst, der Sozialdemokratie anzudichten, daß sie entsittlichend wirke. Wohl aber ist der Beweis als erbracht zu erachten, daß uberall da, wo die Bevölkerung schon an und für sich auf einer Höheren Stufe der Sittlichkeit steht, die Sozialdemokratie leicht Eingang findet; daß aber in einer sittlichen Bevölkerung nur wahr � Element Boden fassen kann, das ist ganz bestimmt den Landgemeinden 1 auf 10,87, in den Gutsbezirken 1 auf 5,15. In Schleswig-Holstein kommt ein Analphabet auf 48,15. Wir sehen also, daß der Bildungsgrad auf die Zahl der Verbrichen mit einwirkt und daß auch ferner der Sozialismus seine Heimstädte dort am leichtesten findet, wo die größere Bildung herrscht— er wird aber als ein neues Bildungselement von der gebildeten Bevölkerung gern aufgenommen. Setzen wir nun noch hinzu, daß die deutschen Soldaten aus den Landestheilen, wo der Sozialismus schon Wurzel geschlagen, in dem jüngsten französisch- deutschen Feldzuge sich am anstän- digsten und humansten in Feindesland benommen haben, be- obachten wir ferner, daß die Gewerke, welche während der kaum »ctflvsscncu Zimst«kt ihre größte Frrudc an Hcrvergspragelrtcn fanden, jetzt nachdem sie vom sozialistischen Gedanken ergriffen, oerlei Rohheiten strenge vermeiden, und daß alle Diejenigen aus unserer studirenden Jugend, welche sich mit dem Sozialismus beschäftigen, an den studentischen Saufereien und Paukereien nur geringen Antheil nehmen, wer kann es dann noch wagen, den Sozialismus eine„verbrecherische Thorheit" zu nennen und ihm die hochsittliche Idee abzusprechen?? Nur ein ungemein beschränkter oder ein besonders interesfirter Mensch kann angesichts solcher Thatsachen den Sozialismus ver- antwortlich machen für Rohheit und Unbildung.— Es wäre ein gewalttger Fortschritt, wenn die Statisttk auf allen Gebieten des Volkslebens schon derartig ausgebildet wäre, daß man überall Vergleiche in vorstehender Weise ziehen könnte, der Sozialismus würde schnell in die weitesten Kreise dringen. da man bald Zgenug auch von seinem segensreichen Einfluß auf die Moralität der Bevölkerung allseitig überzeugt sein würde. „Doch jedes gute Ding will Weile haben"; wir geben uns deshalb mit unseren seitherigen Erfolgen gern zufrieden, wir wissen, daß ihnen immer neue, immer größere nachfolgen werden. Ein gewisser G. M. Calberla, Dr. pliil., macht die Wissenschaft unsicher.— Es ist keine Freude mit diesen unsicheren Gesellen; dieser Calberla jedoch ist meiner besonderen Aufmerksamkeit von einem nahen Freunde empfohlen, mit dem Hinweis, daß wegen übergroßer Unwissenheit des Publikums aber- und abermals ein Exempel zu stawiren sei. vr. C. hat den Lorbeeren, die sich v. Sybel mit seinen „Lehren des heutigen Sozialismus und Communismus" erwor- ben, wie er sagt,„angemerkt, daß sie dem befangenen Raison- nement eines Parteistandpunktes entsprungen find". Er läßt nun in E. Schönfeld's Berlagshandlung in Dresden ein erstes Heft „Sozialwissenschaftliches" erscheinen, worin er anerkennt:„Der Sozialismus hat seine wissenschaftliche Basis",„nicht mit Flintenkugeln, sondern mit praktischen Reformen und wissen- schaftlicher Widerlegung könnte er besiegbar sein". An diejen zwei Wörtchen ist schon deutlich zu merken, welchen Praktikus wir vorhaben. Die wissenschaftliche Basis, die er den Sozial- dcmokraten nicht absprechen kann, wird er ihnen mit seiner „wissenschaftlichen Widerlegung" doch wieder absprechen können. Na, auch solche Käuze muß es geben. Dafür ist denn die„So- zialistenbibel",„die Marx'schen Grundbegriffe", das richtige Objekt. Um die wissenschaftliche Basis der Sozialdemokratie wissen- schaftlich zu widerlegen, dazu ist, wie Calberla sagt, die Tages- presse nicht im Stande,„sie kennzeichnet sich durch Unkenntniß der Grundzüge der Bewegung",„zeichnet sich ebenfalls sehr un- vortheilhaft durch Maßlosigkeit auS", macht sich„sehr häufig lächerlich durch Windmühlenkämpfe".� Dem„RodbertuS, Schmol Je weniger Sittlickkeit aber in einer Geaend berricbt desto kt' Ad. Wagner, Brentano, v. Scheel, Samter, Wyncken U.A. m." fesv»'um.,, w.««ttoln L sozialistischen Bewegung durch der Wahrheit Gewalt Einhalt zu Bebauvtuna:ur � thun."„Die sozialistische Frage kann nicht lediglich durch ma- ! P• 9 ä i terielle Reformen gelöst, sie muß auf dem Boden der idealen -f oiiaIi�mus dort aufzupflanzen. SB � 6 Wahrungen machen diese w Brandenburg(außer den großen Städten Berlin und Breslau)-- auf einen mehr oder weniger unfruchtbaren Boden gefallen,*) Eigentlich: der das Alphabet— AB C— nicht kennt; der nicht wahrend dieselbe in Schleswig-Holstein, im Königreich Sachsen, lesen und schreiben kann. suchung und Prüfung des feindlichen Arsenals für nothwendig befunden— oder gewagt?" Dazu hat nun vr. Calberla Muth; aber auch mehr Muth wie Talent. Allen konfusen Sprüngen des Querkopfs zu folgen, auf und ab, vorwärts und rückwärts, das wäre der Ehre für ihn, der Qual für mich und meine Leser zu viel. Versuchen wir statt dessen eine kurze populäre Darstellung des Terrains, auf dem er purzelt, um darnach an wenigen seiner hervorragendsten Leistungen unseres Widersachers windige Lufttgkeit zu kennzeichnen. In unserer civilisirten Welt treibt man nicht nur Privat- und Hauswirthschaft, und nicht nur Nationalökonomie, sondern auch eine richtige internationale communistische Produktion.„Das Kapital" des theoretischen Communisten Marx fußt auf dem„Grundbegriff", daß unsere Bourgeois in ihrem wirthschaft- lichen Treiben praktische Communisten sind. Marx'„Ka- pital liefert ihnen die Theorie, liefert den Beweis, daß die „moderne Gesellschaft" eine wahre Commune ist, die von Ruß- land mit Roggen, Talg und Thran, von den Preußen mit „Fusel", vom La Plata mit rohen Häuten und so von allen Seiten mit dem nöthigen Material und Proviant versorgt wird. So irgend ein brasilianisches Haus eine Schiffsladung Kaffee einem befreundeten Hanse in Hamburg in Consignation giebt, o geschieht das nicht, des letzteren Privatdurst zu stillen, son- lern der Dienst wird der großen bürgerlichen Gesellschaft ge- leistet', unter Beding eines Gegendienstes, mittels Gold oder Silber, von demselben„Werth". Wenn in der heutigen Welt keine communistische Tendenz vorhanden wäre, wenn diese Tendenz nicht schon fett Jahrtau- senden gelebt und sich emporgearbeitet hätte, dann würde nie- mals ein Tausch stattgefunden, der Handel nie die Großartigkeit des Welthandels erreicht haben, und das Problem des„Werths" nie zu feiner wissenschaftlichen„Fundamental"-Bedeuwng gekom- men sein. Adam und Eva und ihre erste Nachkommenschaft kannten keine Werthe, keine Waaren, keinen Handel; sie ver- schwendeten keine Arbeit an die Produftion. Das Aepfelab- pflücken für den Hausbedarf war wohl ihre ganze Beschäftigung, und schätzte man in dieser primitiven Oekonomie die Dinge nur nach threm Gevrauchswerlhc. Der andere, der Tauschwerth, den der Calberla nicht begreifen kann, kommt erst später zum Vor- schein, entwickelt sich allmälich und macht auch heute in den fortgeschrittensten Ländern immer noch seine Fortschritte. Unter uns und auch in England giebt es Bauern, die sich ihr Korn ziehen, ihr Ärod backen, ihr Fleisch züchten, Butter und Käse bereiten und von allem nur den Ueberfluß„verwerthen", also nur einen kleinen Theil ihres Produkts zu„Werth" machen. Andere Bauern neben ihnen sind in der Tauschwerthmacherei weiter fortgeschritten; sie verwenden vielleicht ihre ganzeArbeit zur Viehzucht, machen kaum den eigenen Butterbedars, sondern verfüttern alles, auch die Milch, an das heranwachsende Rinder- geschlecht. Ihre ganze Produktion geben sie, und ihre ganze Consumtion entnehmen sie der„modernen Gesellschaft", obgleich Calberla an diesem Begriff herumklaubt und ihn nicht zu fassen weiß. Also die moderne Gesellschaft ist kaum da, und die desttuk- tiven Sozialisten wollen sie schon„zerstören", wollen sie um- bringen; bevor sie noch herangewachsen, sprechen sie schon vom „Verfaulungsprozeß". Leider gehen auch Jünglinge mit der Schwindsucht umher: ja, genauer zugesehen, findet sich überall Asche und Moder als Bedingung des Lebens. So auch in der modernen Gesellschaft. Ihr Communismus ist gar noch wenig entwickelt, da finden die bewußten Commu- nisten oder Sozialdemokraten schon, daß die bürgerliche Form unzulänglich. Und um nun das dem Bürger klar zu machen, ü"ll er belehrt sein, daß der ganze Honorabele Theil seiner Ge- chäftigkett nicht darin besteht, sich die Taschen zu füllen sondern eine Arbeitsprodukte an die Gesellschaft zu liefern. Wer also chafft, wer Produfte in Form von Waaren auf den Marft bringt, der will Privatarbeit in Communalarbeit verwandeln. Marx sagt deshalb, daß die heutige Arbeit einen„zwieschlächtigen" Charafter habe. Daß der Bäcker seine Brödchen für sich bäckt, und doch nicht für sich, sondern für das Publikum, daß also die Produzenten Privatproduzenten und doch keine Privatprodu- zenten, sondern Lieferanten der öffentlichen Gesellschaft sind— dieser Mischmasch ist es, den Marx„zwieschlächtige Arbeit" nennt. Da kommt nun dieser Kukuk Calberla und legt ihm ein ab- scheuliches Ei in's Nest.„Er(Marx) spricht von der Zwie- schlächttgkeit der allgemeinen menschlichen Arbeit, und meint dabei offenbar den verschiedenen Inhalt der beiden Defini- tionen, welche sich von„zweckdienlicher Arbeit" geben lassen, je nachdem man sie vom Gesichtspunkte des arbeitenden Jndivi- duums, d. h. als Aeußerung der Arbeitskraft, als vitalen Prozeß betrachtet; oder je nachdem man sie vom Stundpunkte des Produkts aus zergliedert, wo sie sich als eine am ge- brauchsmäßigen Ding vollzogene Veränderung geltend macht." „Offenbar" hat der Herr Dottor seine unklaren Gedanken- gänge in unftare Worte gebracht.„Offenbar" hat kein Mensch daran gedacht, und im„Kapital" von Marx ist mit keiner Silbe diefRede davon, zu unterscheiden zwischen der Arbeit als„vitalem lirozeß, d. h. zwischen der subjeftiven Anstrengung und der »erartderung, welche die Arbeit am Objeft vollbringt. "Wie wir an der Hand von Marx sahen, ist die menschliche Arbeit zwieschlächttg, je nachdem sie vom Gesichtspunkt des Ar- bettsobjefts oder von dem des arbeitenden Subjekts zerglie- dert wird." Und wie ich an der Hand von Calberla sehe, ist der Ver- stand des Kritikers zwieschlächtig, indem er sich als groben Un- oder Mißverstand darstellt. Der Kohl, den diese Zwieschlacht in ihrer„Kritik" zusammen- stoft, ist zu ungenießbar, als daß ich dem Leser viel davon vor- setzen möchte. Dem philosophischen Doktor fehlt das Verständniß nicht nur für die Oeronomie, sondern auch für die elementarsten Dinge; und dabei ist er so dünkelhaft, ernstlich zu glaube», er habe die„wissenschaftlichen Grundlagen des Sozialismus", die Marx'sche Werththeorie widerlegt. Bevor auf diesem Felde mit ihm irgend etwas anzufangen, soll er sich über die Gleichheit und zugleich Verschiedenheit überhaupt aller Dinge dieser Welt unterrichten lassen. Daß alle Dinge gleich sind in der Verschiedenheit und verschieden in der Gleichheit, ist ihm wohl unerhört: alle Zwiebelköpfe sind verschieden, absolut mannichfaltig; aber alle find Zwiebelköpfe, darin sind sie absolut gleich. Bei der Arbeit verhält es sich ganz so. Trotzdem alle Ar- bellen verschiedene, mannichfaltige, individuelle Arbeiten sind, ge- hören doch alle zu derselben, zu gleicher Gattung, es ist„gleiche, unterschiedslose, abstratt menschliche Arbeit". Das will dem Herrn nicht in den Kopf. Er sagt und beweist zehnmal, daß die Arbeit nicht gleich, nicht unterschiedslos ist. Dann bringt er Anführungen, wo Marx sagt, daß alle Arbeit individuell, verschieden nach Gewerben, Ländern und Culturepochen ist; und wenn darnach dann von der unterschiedlosen, allgemeinen, gleichen Arbeit die Rede ist, meint Calberla einen besondern Trumpf gefunden zu haben, wenn er widersprechen kann:„Wir haben doch gesehen, die Arbeit ist nicht gleich." Was ist nun mit solchem Querkops zu machen? Der Doktor soll heimgehen, in die Philosophie, und erst lernen, daß alle Dinge gleich und ungleich zugleich sind, ungleich als Individuen, gleich als Angehörige einer Gattung.— Ich sollte denken, er sei doch ein Mensch gleich wie die anderen, wenn auch ein ganz eigenthümlicher Mensch. Noch eine Schlußprobe aus der Calberla'schen„Kritik". „Die allseitige Erfahrung in der kapitalistischen modernen Gesellschaft beweist, daß der Preis der Arbeit... sich nicht nach ihrer Dauer, wohl aber ungefähr nach ihren Leistungen... richtet."(Seite 41.) Erstlich ist es niemals einem vernünftigen Wesen eingefallen, zu denken oder zu sagen: daß sich der Preis der Arbeit nach der Dauer richte; aber das Schönste ist, daß Calberla den wissenschaftlichen Werthausdruck„ungefähr" entdeckt hat. Nun, denke ich, haben auch wir„ungefähr" genug. Allerdings ist die Werththeorie ein Cardinalpunkt, und sollte uns die Veranlassung ihrer eingehenden, ernsten Erörterung nur angenehm sein. Doch bedarf es dazu eines würdigeren Wider- sachers, und besitzen wir einen solchen in der„Quintessenz des Sozialismus", auf welche ich gelegentlich zurückkommen werde. I. Dietzgen. Nachschrift: So eben trifft Nr. 61 und 62 des„Bor- wärts" ein, woraus ich ersehe, daß Freund Schramm schon mit der„Quintessenz" in Unterhandlung getreten und mich Hof- fentlich des Weiteren überheben wird. (Nachdem der Artikel:„Karl Marx: Das Kapital� und der heutige Sozialismus" in Nr. 64 zum Abdruck gelangt war, erhielten wir vom Genossen Dietzgen die vorstehende Zuschrift über denselben Gegenstand.— Wenngleich die Anschauungen in den beiden Artikeln auf gleicher Basis beruhen, so sind die Aus- führungen doch verschieden, und obiger Artikel ist so belehrend, daß dessen Nichtabdruck ein Verlust für unsere Leser wäre. Die Red. des„Vorwärts".) Sozialpolitische Uebersicht. —„Der Rubel auf Reisen" entfaltet eine fieberhafte Thatigkeit. Das Fiasko der russischen Mobilmachung soll durch unverschämte Münchbausiaden in Vergessenheit gebracht werden. Thatsache ist: der„Aufmarsch" der russischen Armee an der Donau vollzieht sich mit einer Langsamkeit, welche beweist, daß in der Militärorganisation sehr viel faul ist, und die aus- posaunten„Erfolge" in Asien wiegen zusammengenommen nicht die Besitzergreifung der Kaukasusküste durch die Türken auf. Man munkelt von Friedensunterhandlungen— es scheint fast, als wolle die russische Diplomatie sich einige„Siege" zurecht- lügen, um mit einigem Anstand aus der Patsche zu kommen. Jndeß ist diesen Gerüchten vorläufig kein Werth beizulegen.— — Die Bilanz der Mordskultur. Nach einer Berech- nung des Londoner„Economist"— im Finanz- und Zahlen- wesen die erbe Autorität der Welt— haben die in dem letzten Vierteljahrhundert, von 1852— 1877, geführten Kriege gekostet: Prozetz Diest-Daber. (Schluß.) v. Eysenhardt behauptet, der Angeklagte habe ihm gegenüber noch nach dem Meyer'schen Prozesse schriftlich seine Behaup- tungen aufrecht erhalten. Damit ist die Beweisaufnahme geschlossen. Der Staatsan- walt fügt derselben noch die Bemerkung an, daß der Angeklagte in seinen Combinationen sich bis zu der Aeußerung verstiegen habe, der beste Beweis für die Richtigkeit seiner Behauptungen liege darin, daß Fürst Bismarck am 10. Januar v. I. nach dem Erscheinen der Broschüre seinen Abschied verlangte, und daß es nur den fünfstündigen Anstrengungen des Grafen Mottle gelang, den Fürsten zur Zurücknahme seines Antrages zu be- wegen. Die ganze Erzählung beruhe auf Unwahrheit. Es beginnen demnächst die Plaidoyers. Staatsanwalt Tessendorf. Die in den Prozessen gegen die „Reichsglocke" gemachten Erfahrungen nöthigen ihn zu der Vor- bemerkung, daß er die Vollständigkeit der Zeitungsreferate über seine Plaidoyers nach außen hin nicht übernehme, sondern in dieser Beziehng auf den stenographischen Bericht rekurrire. Be- züglich der Competenzfrage habe dieser Prozeß bereits seine Ge- schichte. Die Broschüre spreche nur von einem„Ungenannten", biete also keine Möglichkeit zur Einleitung einer Beleidigungs- klage, und als Gehlsen den Ungenannten in„Fürst Bismarck" übersetzte, habe ihn Diest nur dahin berichtigt, daß diese Substitution„so ohne weiteres" nickt gerecktfertigt sei. Dann kom- men die Prozesse gegen Gehlsen's Sitzredakteure, und gegen Ru- dolf Meyer, welch' letzterer von Diest und v. Wedemeyer als seine Gewährsmänner nannte. Auf Wunsch desselben und da auch inzwischen Gehlsen in gleicher Weise gegen v. Diest aus- sagte, sei gegen den Gewährsmann vorgegangen worden. Es handle sich dabei durchaus nicht um harmlose Jagdgespräche, son- dern um den Beweis, daß auch der Angeklagte zu Denjenigen gehörte, welche— vielleicht unbewußt— die niederträchtigsten Verleumdungen colportirten und deshalb zu verfolgen seien. Der Staatsanwalt erläuterte ferner die rechtlichen Begriffe der Be- 1,948,000 Menschen, also beinahe zwei Millionen, in der Schlacht getödtet, an Wunden und Krankheiten gestorben. 2413 Millionen Pfund Sterling, das heißt acht- und vierzig Milliarden zwei hundert sechzig Mil- lionen Mark an Geld— über zwölfmal so viel als die berühmten und berüchtigten„französischen Mil- liarden". Und diesem Ausgabekonto gegenüber das Einnahmekonto? Allgemeine Verarmung. Hungertyphus. Corruptiou. Knechtschaft. Nicht Ein Mensch, außer den politischen und unpolitischen „Gründern", der durch all diese Kriege an Wohlstand, nicht Ein Volk, das an Freiheit gewonnen hätte! Unsere Gegner nennen das„Civilisation" und die Gesell- schaftsordnung, die solche Giftfrüchte erzeugt,„die beste der Welten". Und wer mit gebührendem Nachdruck den Massen- mord geißelt und die Ueberzeugung ausspricht, daß die Menschen zu etwas Anderem da sind, als einander die Gurgeln abzu- schneiden, der wird in's Gefängniß geworfen. Wahrhaftig, es gehört eine Art geistiger und moralischer Krankheit dazu, um solche Zustände erträglich, ja„glorreich" zu finden! — Offiziöse Unverfrorenheit und Unvorsichtigkeit. Herr Virchow, mit dem wir sonst, auf politischem Gebiet we- nigstens, nicht leicht übereinstimmen, hat neulich über die gegen- wärtige Weltlage und die klägliche Rolle, die Deutschland dabei spielt, eine zum Theil recht vernünftige Rede gehalten. Dafür wird er nun in der halbamtlichen„Provinzialcorrespondenz" des „polittschen Dilettanttsmus", d. h. der Unwissenheit in politischen Dingen beschuldigt, und ihm auch der Vorwurf gemacht, daß er sich wiederholt mit seinen Urtheilen und Auffassungen geirrt. Das ist ja unzweifelhaft wahr. Aber der„Provinzialcorrespon- denz" steht es schlecht an, mit derlei Vorwürfen zu kommen. Uns will bedünken, alle politischen Böcke, die Virchow geschossen — und es sind ihrer nicht wenig— schrumpfen zu nichts zu- sammen, verglichen mit dem kolossalen Bock(schon mehr ein Mammuth), den ein gewisser Staatsmann geschossen hat, wel- chen die„Provinzialcorresvondenz" zu beweihräuchern pflegt und, komischer Weise, auch in oer gegen Virchow gerichteten Expetto- ratton mit Lobsprüchen ob seiner staatsmännifchen Weisheit überschüttet.(Wir meinen den„genialen" Entdecker des„Bis- chen Herzegowina." 0 si tacuisses! — Schlimmer als in Feindesland! Die ganze Mar- pinger Wundergeschichte ist für uns von geringem Interesse, und wir haben ihr bis jetzt wenig Beachtung geschentt, interes- sant ist jedoch ein jetzt in dieser Angelegenheit gegen den Pro- fessor Hr. Scheeben geführter Prozeß. Der Angeklagte hatte nämlich über die Haltung des Militärs in Marpingen in der „Kölner Volkszeiwng" einen Arttkel veröffentlicht, in welchem er behauptete, das Militär habe sich in Marpingen wie in Feindesland betragen. Darin war eine Beleidigung des Offi- zierkorps des 30. Regiments gefunden, jedoch war der Ange- schuldigte in erster Instanz freigesprochen worden. Gegen dies Urtheil war Appellation eingelegt, bei deren Verhandlung die Entlastungszeugen des Di. Scheeben eigenthümliche Sachen aus- sagten. Dieselben gaben unter Anderem an, daß der Ortsvor- stcher, bei welchem man requirirte, bewacht wurde, damit er nicht fliehe; daß man mehr Betten verlangt habe, als Soldaten dagewesen; daß der Hauptmann den Sohn eines WirtheS mit der Hand an den Kopf geschlagen, als dieser ihn ersucht habe, nach Hause gehen zu dürfen. Weiter habe der Hauptmann einen Mann unter das Kinn geschlagen; ein Fuhrmann habe ausge- sagt, er sei niedergeschlagen worden und habe dadurch einen lahmen Arm bekommen.(Dies bezeichnete der Gensdarm bei der Ver- Handlung unter dem Gelächter des Publikums als eine Lüge.) Bei einer Requisitton endlich habe ein Soldat mit dem Säbel in der Hand gesagt:„Wenn wir Euch über den Haufen stechen, dann seid Ihr bezahlt!" k. k. Das Urtheil der Appellkammer lautete demgemäß auf Frei- sprechung, nachdem noch der Vertheidiger bei der Verhandlung ausgeführt hatte, daß man sogar über den Kriegsbrauch hinaus- gegangen sei.— Wir haben hier eine der schönsten Blüthen, die der Culturkampf je getrieben hat. Daß man auf solche Weise dem Ulttamontanismus keinen Abbruch thut, kann doch wahrlich jedes Kind einsehen. — Statistik. Der Direktor des preußischen statisttschen Bureaus, Geh. Rath Engel, hat einen ausführlichen Plan für eine allgemeine Unterrichtsstatistik des preußischen Staates ent- worfen und zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Man kann ein solches Vorgehen nur mit Freuden begrüßen, da durch dasselbe leidigung und der Verleumdung, mit denen in letzter Zeit großer Unfug getrieben werde, indem man aus der Thatsache, daß Fürst Bismarck nicht wegen Verleumdung, fondern wegen Beleidigung klage, zu folgern pflege, daß er die Thatsachen zugebe. Wegen Verleumdung könne das Verfahren nur in dem Falle eingeleitet werden, wenn dem Beleidiger von vornherein nachzuweisen ist, daß er wider besseres Wissen beleidigt habe.(?) Die Aeußerung, der Reichskanzler soll noch das Brot aus der Hand pommerscher Junker essen, sowie der Satz, er werde nicht eher ruhen, bis er Sr. Maj. aus den Händen dieses Mannes befreit habe, trage den Charatter der Beleidigung. Die Ver- leumdung sei in der Behauptung falscher Thatsachen zu finden, so z. B. in der unnobel bezeichneten Gründungsbetheiligung des Fürsten. Die Aeußerungen im Eisenbahncoups mögen vielleicht nicht als öffentliche betrachtet werden, die in Stettin gethanen Beleidigungen seien aber zweifellos öffentlicher Natur. Auch die Mittheilungen des Angeklagten an Rudolph Meyer und Gehlsen mußten als Verleumdungen aufgefaßt werden, da der Ange- klagte die Wahrheit dieser Thatsachen nicht nachweisen könne und der Gerichtshof keine Verpflichtung habe, die Un- Wahrheit aufzudecken; übrigens sei in dieser Beziehung durch die früheren Prozesse genug aufgeklärt, denn kein Zeuge habe auch nur einen Schein von Wahrheit für diese Behauptungen erbracht. Die Zeugen und Gewährsmänner des Angeklagten be- weisen in dieser Beziehung auch nichts, v. Thiele habe seine Aeußerungen im engsten Familienkreise gemacht und Rothschild dieselben sofort als Unwahrheit bezeichnet. Wie die Gerüchte entstanden, sei nicht aufgeklärt; vielleicht hätten frühere Aeuße- rungen des Herrn v. Hansemann zu so groben Miß- Verständnissen Veranlassung gegeben, v. WedeMeher sei todt, auch kein Jugendfreund des Kanzlers gewesen und was die Be- ziehunaen des Angeklagten zu dem Fürsten anlange, so habe v. Diest früher in dessen Familie verkehrt und mehrere Briefe an den Reichskanzler geschrieben, die schließlich in reine Eiti- rungen und Rechenschaftsforderungen ausarteten, so daß schließlich der Fürst auf die schriftliche Bemerkung des Ange- klagten, er scheine auch schon vom Mammon angeftessen zu am besten festgestellt wird, wo etwas faul ist im Unterrichts- Wesen. Die Erkenntniß vom Sitz des Uebels ist ja immer der erste Schritt zur Heilung. Uebrigens wird sich dabei von Neuem ergeben, daß das Schulegehen und der Schulbesuch dort am besten, daß die Bevölkerung dort am intelligentesten ist, wo der Sozialismus schon feste Wurzeln gefaßt hat. — Strafgerichtliche Verfolgung eines Mitgliedes des österreichischen Herrenhauses. Die Prager Staats- anwaltfchaft hat sich an das Präsidium des Herrenhauses ge- wendet um Bewilligung der strafgerichtlichen Verfolgung des Herrenhausmitgliedes Grafen Georg Buquoy wegen Verbrechens nach§ 123 des Strafgesetzbuchs, begangen durch Schändung eines auf dem gräflichen Gute Gratzen in Böhmen als Kutscher be- diensteten Bauernknaben. Die bereits seit längerer Zeit schwe- bende Voruntersuchung ergab in Folge der Vernehmung des Klägers und der von diesem namhaft gemachten Zeugen Daten, welche die Staatsanwaltschaft zur Erhebung der Anklage veran- laßte. Georg Heinrich de Longueval Graf Buquoy, geboren am 2. August 1814, ist Präsident des böhmischen Katholiken- Vereins und hat sich vor einigen Tagen als Mitglied der De- putation der Katholiken Böhmens zur Jubiläumsfeier des Papstes nach Rom begeben.— Und was wird dem Verbrecher geschehen? Auf viele Jahre würde er ms Zuchthaus gesperrt werden, wenn er ein„gewöhnliches Menschenkind" wäre; der Herr Graf aber— nun, der hat einmal ein schwaches Stünd- chen gehabt. Und dann ist es ja auch nur ein simpler Bauern- knabe, an dem der Herr Graf zum Verbrecher wurde. Die Sache ist also nicht so schlimm! — Unsere Gegner. Die Bourgeois- und Reptilienblätter (zuerst, wenn wir nicht irren, die„Weserzeitung") enthalten fol- gende Notiz: „Die neueste Nummer des.Vorwärts� trägt an der Spitze des Blattes eine mit Trauerrand umgebene Gedächtnißtafel für die kommurstticken ,Ovfet' der Pariser blutigen Maiwoche vom 22. bis 28. Mai 187!:,,... hundertundelf Tausend Opfer, niedrig geschätzt, das ist vre B'lanz der Rache der Bourgeoisie für die Revolutton des 18. März', heißt es am Schlüsse der- felben. Sodann ist folgender d ohender Avis des, Vorwärts� an die Bourgeoisie zu lesen:-Das Proletariat vergißt seine Märtyer nicht. Es veeqcht nickr die Verbrechen seiner Feinde. Und es kennt seine Pflich:/ Die, Opfer' der Commune Märtyrer der Sache, die das offizielle Centralorgan der Sozialde- mokratie Deutschlands zu vertreten hat! Hoffentlich ist der Tag nicht mehr fern, an welchem die deutschen Arbeiter Abrechnung halten mit ihren publizistischen Maulhelden, die es wagen durften, sie mit den Scheusalen der Pariser Commune in einen Topf zu werfen, ja jene ihnen als Märtyrer der eigenen Sache zu oktrohiren." „Publizisttsche Maulhelden",„Scheusale"— nicht geschimpft! Doch lassen wir das. Also die Märtyrer der Commune, die nicht geraubt, nicht gestohlen, nicht gemordet, sondern sich des einzigen Fehlers schuldig gemacht haben, Bestien mit Men- scken zu verwechseln, sind„Scheusale", und wir sind„Maul- Helden"(!), weil wir diefe„Scheusale" verehren und bewundern. Ja, hätte jeder Communekämpfer sich zu dem Standpunkt aufzuschwingen verstanden, sich vier Mätressen zu halten, wie ge- wisse Leute; das Volk auszubeuten und seine Gläubiger zu be- trügen, wie gewisse Leute; zu lügen, zu verleumden� zu vlün- dern, zu morden, zu sengen und zu brennen, wie gewisse Leute—, dann wären die„Scheusale" Vertheidiger des heiligen Eigenthums und der heiligen Familie, Retter der Gesellschaft, Säulen der moralischen Ordnung, und wir„Maulhelden", wir wären würdig, Hand in Hand mit der Berliner Duncker- zeitung, dem Leipziger Post- Leonhardt- Blatt, dem Bremer Robolski-Braun-Organ und dem übrigen gleichbiederen Zeitungs- geschwister um das goldene Kalb der Bourgeoisie und die Milch- kühe des Reptilienthalers und des Rubels auf Reisen herum- zutanzen. — Die jüngste„Heldenthat" der italienischen Baku- nisten(wir thaten den Herren Unrecht, als wir die Vater- schaftl dieses— geistreichen Streichs auf andere Schultern wälzten) von der wir seinerzeit berichteten, hat zur Folge gehabt, daß eine Anzahl italienischer Arbeiterorganisationen, die mit den „anarchischen" Bestrebungen der Bakunisten nicht das mindeste zu schaffen haben, aufgelöst worden sind. Die nichtanarchistischen und die der sogenannten„italienischen Föderation" nichtan- gehörigen Föderationen: die sizilianische, die neapolitanische, die ligurische, die venezianische und die der Emilia waren in der besten Reorganisation begriffen, die oberitalienische Föderation zählte bereits allein mehr als 5000 Mitglieder, nachdem eine Arbeitergesellschaft in Mantua mit 3000 Mann ihren Beitritt erklärt sein, anordnete, daß alle seine Briefe uneröffnet zurückgeschickt werden sollen. Die Gewährsmänner des Hrn. v. Wedemeyer hätten ebenfalls kein Beweismaterial erbracht. Frage man nun aber nach dem Zweck dieser Verleumdungen, die.schon feit sieben Jahren in Deutschland herumgeschleppt'werden, so komme man dazu, daß der Fürst schon damals viele Feinde hatte. Der Krieg kreuzte die Pläne der Depositaire*) der sau- bereu Geschichte, sie wurde während der Gründerjahre aä depo- siturn gelegt, und erst nach dem Krach, den man ja auch dem Reichskanzler zur Last legt, und nach dem Prozeß Arnim, der die Zahl der Feinde Bismarcks noch vermehrte, begann der Kampf von neuem durch die Aera-Artikel der„Kreuzzeitung", und die Geschichte kam aus dem Depositorium wieder an's Tageslicht und durch die Vermittelung des Angeklagten an Gehlsen und damit an die große Glocke, nämlich an die„Reichs- glocke", das Organ aller Reichs- und Bismarckfeinde, der Hoch- conservativen, der Ultramontanen, der Sozialdemokraten�) und der Gruppe Arnim. Für dieses Blatt war die Geschichte ein gefundenes Futter. Die Artikel gingen aus der„Reichs- glocke" in andere*") sozialistische und ultramontane Blätter über, während die Presse im allgemeinen zu anständig mar, um sie abzudrucken. Die Attake schlug fehl, große Betrübniß war die Folge, man drehte den Spieß um und entdeckte, daß Gehlsen schließlich nichts weiter als ein„Reptil" sei und vom Staats- anwalt Tessendorff rechtzeitig den Wink erhalten habe, nach der Schweiz zu entkommen. Wegen dieser ftechen Behauptung habe er einen Strafantrag gestellt. Als dann der Prozeß Meyer ein schlechtes Ende nahm, da waren die letzten Pfeile so gut wie verschossen. Sein Strafantrag gehe dahin, den Angeklagte» zweier einfachen und vier qualifizirter Beleidigungen als schuldig zu erachten und denselben zu einem Jahre Gefängniß zu ver- urtheilen. Die Höhe der Strafe rechtfertige sich aus den gegen *) Verwahrer; ad depositum legen, aufbewahren, in den Schrank legen. **) Falsch! Herr Tessendorff. Red. d. ,.B." "*) Oho! Herr Tessendorff. Red. d.„B." hatte— sie alle sind jetzt verboten worden. Der in Palermo erscheinende„Povero" wendet sich in scharfen Worten gegen die„Verrücktheiten" der Bakunisten und auch der„Mirabeau" in Verviers(Belgien) will von den albernen Putschen der Herren nichts wissen. Alles in Allem ist der Bakunismus in Italien in starkem Rückgange begriffen. Die Arbeiter sehen eben «in, daß nicht„lächerliche bewaffnete Spaziergänge", wie der „Povero" die bakunischen„Heldenthaten" nennt, sondern lange unverdrossene und ernste Arbeit erforderlich ist, um den Sozia- lismus zur gesellschaftlichen Geltung zu bringen. — Vorläufige Abfertigung. Das„Bulletin" der Ju- rasfier beweist seine brüderliche Gesinnung dadurch, daß es seit einigen Monaten fast in jeder Nummer alberne, zum Theil pö- belhafte Angriffe auf den„Vorwärts" bringt, weil wir uns für die Revolutionsmacherei unreifer Knaben(Kasankirchen-Krawall und die italienische Schießprügelpromenade) nicht zu begeistern im Stande sind. Die neueste Nummer des„Bulletin" ist so liebenswürdig, uns des Wortbruchs und der Lüge zu zeihen, weil wir den uns zugehenden Brief einiger Russen, betreffend die Kasankirchen-Affaire, deflen Veröffentlichung wir angezeigt, noch nicht zum Abdruck gebracht, und weil wir gesagt, Fräulein Bardina habe mit dem Kasankirchen-Krawall nichts zu thun. Wäre Letzteres falsch, was wir indeß nicht glauben, so wäre das «in Jrrthum und nicht eine Lüge— das mögen die Herren des„Bullettn" sich merken. Und was den erwähnten Brief angeht, so ist derselbe im Drang ernsthafter Arbeiten einfach vergessen worden. Wir hoffen jedoch in den nächsten Tagen uns auf ein Halbstündchen mit dieser Kinderei beschäftigen zu können. Einstweilen sei den Herren Gerngroßen bemerkt, daß zur Zeit, wo in Deutschland die politische Bewegung noch den Luffchbeutel im Mund hatte, auch bei uns Streiche a la Kasan- kirchen-Krawall und italienische Schießprügelpromenade(nur nicht ganz so kindisch, vgl. z. B. den Sturm auf die Frankfurter Hauptwache) an der Tagesordnung waren, seit längerer Zeit aber zum großen Verdruß unserer lieben Polzei aus der Mode gekommen sind. Daß derarttge Streiche für die Betheiligten mitunter sehr schlimme Folgen haben, nimmt der Kinderei nicht ihren kindischen Charakter. Und wohlgemerkt: wenn wir von Kindereien reden, so brauchen wir das mildeste Wort, welches uns ohne Verstoß gegen die Pflicht der Wahrheit er- laubt ist. — Der frühere verantwortliche Redakteur der„Berliner Freien Presse", Dolinski, stand am 2. Juni vor Gericht, um sich wegen nicht weniger als 19 inkriminirten Artikeln, die theils in der„Berliner Freien Presse", theils im„Märkischen Bolksfreund" erschienen waren, zu verantworten. Die Straf- antrüge für die einzelnen Fälle summirten sich auf 25 Monate 14 Tage Gefängniß. Da der Angeklagte aber, so meinte der Staatsanwalt v. Zastrow, noch nicht bestraft worden sei, komme ihm der§ 74 des Strafgesetzbuchs sehr zu statten, und er glaube daher, Alles zusammenfassend, eine Gesammtstrafe von 15 Mo- naten fordern zu müssen. Der Gerichtshof aber war noch gnä- diger und verurtheilte Dolinski zu 9 Monaten Gefängniß. — Die„freie deutsche Arbeiterpartei", gegründet von dem unseren Lesern wohl noch in Erinnerung befindlichen Kutschbach, hat durch einen Congreß, der am Sonntagj den 3. Juni in Kassel eröffnet wurde, das erste Lebenszeichen von sich gegeben. Die Hauptrolle auf dem Congreß scheint Herr Max Hirsch gespielt zu haben, da ein von ihm entworfenes Programm zur Vorlage und Annahme gelangte. Das Programm fordert die geistige und materielle Hebung des Arbeiterstandes im Wege des Gesetzes und die vollständige Gleichberechtigung der Arbeiter mit allen anderen Staatsbürgern, unentgeltliche Volksbildung, gesetzlichen Schutz der Arbeiter, die obligatorische Einführung gewerblicher Schiedsgerichte, die gesetzliche Anerken- nung der Gewerkvereine, die Abwehr einer neuen Beschränkung der Coalitionsfreiheit und die Beseitigung der die freie Arbeit unterdrückenden Conkurrenz. Für die Einzelnen und die Vereine wird empfohlen die Herpellmig eines humanen Verhältnisses zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, die Förderung der Ausbildung von Lehrlingen, die Gründung und Förderung von Bildungsvereinen, wirthschaftlichen Genossenschaften und Hilfs- und Jnvalidenkassen, sowie die Bekämpfung aller auf Klassen- Herrschaft gerichteten Bestrebungen.— Wie man sieht, nimmt sich das Programm in einzelnen Puntten ziemlich radikal aus. Da aber bekanntlich zwischen dem Radikalismus auf dem Papier und dem Radikalismus im Handeln ein großer Unterschied be- steht, so werden die forffchrittlich-liberalen Gründer der„fteien deutschen Arbeiterpartei" mit ihrem radikalen Programm bei den deutschen Arbeitern wohl wenig Anklang finden. Die Zeiten der politischen Bauernfängerei liegen lange hinter uns, das, die übrigen Verbreiter bereits erkannten Strafen und aus der hohen Stellung des Beleidigten, sowie aus der Schwere des Vorwurfs. Der Angeklagte fühle angeblich den Beruf, den Reichskanzler von falschen Wegen abzulenken, habe dazu aber jedenfalls falsche Mittel angewendet. Wenn einst die Geschichte unserer Zeit geschrieben und das Verdienst Bismarck's aufgezählt werde, dann würde die Nachwelt mit Erstaunen hören, wie der große Mann monatelang sich habe durch die Gerichte hinschleppen müssen, um zu beweisen, daß er ein ehrlicher Mann sei.(Aller- dings sehr schlimm! Red. d.„V.") Unter den Namen der An- greiser werde dann aber auch der». Diest genannt werden. Demnächst nahm der Angeklagte nochmals das Wort, um abermals zu versichern, daß er nichts weiter beabsichtigt habe, als seinem Baterlande einen Dienst zu erweisen. Er habe durch- aus bona fiele gehandelt und deshalb das, was er dem Reichs- kanzler avertirte, auch anderen Leuten offen und ehrlich mit- getheilt. Die Anklage mache sich die Sache leicht, indem sie Privatgespräche zusammentrage, allerlei Combinationen mit der »Reichsglocke", mit Rud. Meyer zc. anstelle und daraus die Be- ßichtigung konstruire. Der Angeklagte bestreitet, daß Rud. Meyer 'hm gegenüber als beweiskräftiger Zeuge auftreten könne, und noch weniger Glaubwürdigkeit besitze Gehlsen, und dem Zeugen 5' Haminerstein im Coups habe er nur den Wunsch ausgesprochen, den Fürsten von den ihn umgebenden bösen Einflüssen zu be- s*' Zeugenaussagen in Betreff der Vorgänge in Stettin "'"dem Herrn v. Borcke seien ganz verschwommen; im legieren Falle handle es sich um ein Jagddiner, bei dem man nicht jedes Wort auf die Goldwage lege. Zu Herrn v. Bülow habe er nur gesagt, Bismarck müsse wieder Respekt vor Charak- teren, und sei es der eines pommerschen Junkers, kriegen. Das inen die sechs Privatgespräche: wolle man ihn deshalb strafen, so werde er die Strafe zu tragen wissen und nicht derselben durch Entfernung außer Landes ausweichen. Aber das wisse er. oaß er es ehrlich und gut mit seinem Vaterlande meine, und er hoffe, die Mit- und Nachwelt werde sagen, man habe dem Diest doch zu arg mitgespielt. Eventuell lägen mindestens mildernde dächten wir, sollten die fortschrittlich-liberalen Bauernfänger nach- gerade begriffen haben. Aus der Türkei. Constantinopel, 27. Mai. Ich war längere Zeit abwesend, daher mein Stillschweigen! Ich gehe morgen wahrscheinlich wieder auf einige Wochen weg, und werde später wieder auf meine Berichte zurückkommen können. Heute will ich Sie bloß von den letzten Ereignissen, die hier stattgefunden haben, in Kenntniß setzen. Gestern Abend haben einige Tausend Sofias vor dem Deputirtenhause eine Demon- stration in Szene gesetzt, die einen sehr hübschen Anblick bot. In dichter Menge standen sie auf einem Haufen, von einigen alten Hodjes angeführt, die einen mit grünem, die andern mit weißem Turban auf dem Haupte, und aus vollem Halse wurde nach Achmed Cewfik Pascha(Präsident der Kammer) gerufen, der auch eine Deputation vor sich ließ, die ihm nunmehr erklärte, daß sie die Zurückberufung von Mithad Pascha, die Absetzung des Kriegsministers Rebif Pascha und endlich die Entfernung Mahmud Pascha's, Daneah, Schwager des Sultan, und dessen Rathgeber verlangt. Letzterer ist beim Volke sehr verhaßt und scheint die ganze Demonstration auf ihn gemünzt gewesen zu fem. Achmed Cewfik Pascha versprach noch am selben Abend die Sache dem Sultan vorzutragen. Die Folgen davon blieben in- dessen nicht aus, um 10 Uhr in der Nacht erschien noch eine offizielle Bekanntmachung des Kriegsministeriums, die den Be- lagerungszustand über Constantinopel verhängt.— Damit ist es auch wahrscheinlich aus mit jeder weiteren Demonstration.— Die Stimmung ist in den letzten Tagen eine sehr gedrückte. Der Fall von Ardahan ist den Türken sehr zu Gemüth gegangen und die erste Consequenz davon ist wohl die gestrige Demon- stration; die Türken glauben, daß fähigere Männer die Russen auch besiegen würden, indessen wo sind die fähigen Männer? Mithad allein dürfte nicht Alles machen können, wenn er zurück- kommen sollte!— Nächstens mehr. Börne. Im Augenblick wo wir zur Presse gehen, wird in Frank- furt a. M. ein Denkmal zum Gedächtniß Börne's enthüllt, die Festrede soll ein Jugendfreund Börne's: Dr. Reinganum halten. Wir haben nicht die Zeit, und hier ist auch nicht der Ort, ein Lebensbild zu geben. Wer sich über den unsterblichen Ver- fasser der Pariser Briefe und„Menzels des Franzosen- fressers" unterrichten will, dem empfehlen wir die in Frank- furt a. M. erschienene Gelegenheitsschrift„Erinnerung an Börne".*)„Der Stil ist der Mann" und der Inhalt erst recht.„Ich schreibe mit meinem Herzblut", sagte Börne einmal. Hören wir ein paar seiner Aussprüche. lieber die Todesstrafe: „Vor einigen Tagen wurden hier(in Paris), zum ersten Male seit der Revolution, zwei Menschen hingerichtet. Da verlosch der letzte Strahl eines schönen Tages. Als damals das Volk über das Leben aller seiner Feinde gebot und es schonte, dachten einige edle Männer daran, die Tugend des Volkes, solange sie noch regierte, zum künftigen Gesetze zu erheben, damit, wenn die Macht wieder an jene käme, die nie geschont, sie ihren Rachedurst doch wenigstens nicht mit Blut sollten stillen dürfen. Sie trugen daher in der Kammer auf die Abschaffung der Todesstrafe an. Doch jene andere, die es genau berechneten, wie viel in dieser betrübten Zeit, da ihr Gewerbe ganz darniederlag, ihnen an Kapital und Zinsen verloren ginge, und daß sie das später alle wieder herbei- schaffen müßten, es zum alten Schatze zu legen, erschraken über die Abschaffung der Todesstrafe. All' ihr Glück liegt in der Hoffnungslosigkeit des Unglücks— wie kann man re- gieren ohne Tod?———— Der eine Verurtheilte sagte am Fuße der Guillottne zum Henker: eilt Euch! eilt Euch! Aber sie haben ihn nicht verstanden, diesen Donner des Himmels. Eilt Euch! Eilt Euch! ruft es ihnen von oben herab. Kurz ist eure Zeit. Die heillos verblendeten Thoren! Als der edle Tracy in der Kammer auf Abschaffung der Todesstrafe angetragen, da hätten sie nicht ruhen und rasten, sie hätten ihre Kinder nicht wiedersehen, nicht eher essen, trinken und schlafen sollen, bis das rettende Gesetz angenommen und verkündigt worden."---- lieber die Deutschen: „Ich erinnere mich aus meinen Schuljahren eines Decla- mations- Gedichtes, das fing so an:„Die alten Deutschen *) Verlag von Gebrüder Fey. Preis 20 Pfennig.(Siehe den Annoncenlhcil.) Der Vertheidiger, Rechtsanwalt Quenstedt, verwahrte zunächst den Grafen Arnim gegen die Unterstellung des Staatsanwalts, die„Gruppe Arnim" als Hintermänner der„Reichsglocke" zu bezeichnen. Begreiflich wäre ihm die Bestrafung wegen der Broschüre, eine Bestrafung wegen der Privatgespräche aber sehr bedauerlich. Dazu komme, daß die Dinge, die der An- geklagte angeblich verbreitet habe, in den betreffenden Kreisen längst bekannt waren und besprochen wurden. Eventuell sei nur der Fall mit Herrn v. Borcke zu bestrafen, und zwar bei der Unbescholtenheit des Angeklagten nur mit Geldstrafe. Nach kurzer Replik und Duplik zwischen Staatsanwalt und Vertheidiger betonte der Angeklagte in seinem Schlußwort noch- mals, daß die vielen Mittheilungen glaubhafter Personen ihn in den Glauben versetzt hätten, die Thatsachen seien richtig. Er habe nur die Interessen seines Standes wahren wollen, denn der Grundbesitz sei thatsächlich durch die Conzesfionirung der Bank geschädigt worden, und wenn er das dem Fürsten Bismarck unterbreitete, so halte er das für kein Verbrechen, sondern für ein offnes Verfahren, wie er es jedem Gentleman gegenüber wieder einschlagen würde. Nach dreiviertelstündiger Berathung�verkündete der Gerichts- Hof das Urtheil. Dasselbe lautete aus Schuldig der wiederholten, zum Theil öffentlichen Beleidigung, bemaß die Strafe auf drei Monate Gefängniß und legte dem Fürsten Reichskanzler die Be- fugniß zur Publikation des Urtheils bei. Die beiden ersten Punkte der Anklage wurden als nicht erwiesen erachtet, dagegen in allen anderen Punkten die Beleidigung als vorliegend bejaht. — Wenn Einer«ine Reise thut, dann kann er was er- zählen. Und da Herr Rüder von seiner Reise nach Gotha nicht? erzählen kann, so hat er doch wenigstens„was" geschrieben, da- mit die Freunde heiterer Lektüre in dieser„schweren Zeit der Roth" und des Nothstands nicht ganz leer ausgehen. Nämlich Folgendes: waren— nicht schmeidig wie der Aal— doch Löwen in Gefahren— und Lämmer beim Pokal". Geschmeidig sind wir noch heute nicht; Löwen sind wir noch in Gefahren, aber nur nicht in unseren eigenen, und Lämmer sind wir das ganze Jahr, nur nicht beim Pokal; da sind wir grob, und wenn das ganze deutsche Volk nur einmal vier Wochen hintereinander betrunken wäre, oder wenn es ebenso lange nichts zu essen hätte, da ließe sich vielleicht etwas mit ihm anfangen."— Ueber Nationalität und Patriotismus: „Keine Freiheit ist möglich, so lange es Nationen gibt. Was die Völker trennt, vereinigt die Fürsten; der wechselseitige Haß, der die Einen trennt und schwach läßt, verbindet die anderen zu wechselseitiger Liebe und macht sie stark. Die Könige werden Brüder bleiben und verbündet gegen die Völker, so lange ein thörichter Haß diese auseinander hält. Auch die Edelleute sind stark, weil sie kein Vaterland kennen. Deutsche! Franzosen! Ihr zumal, Schiedsrichter der Welt, laßt Euch nicht länger thöricht—— zum wahnsinnigen Patriotismus entflammen. Weil man eure Vereinigung fürchtet, soll wechselseitiges Mißtrauen euch ewig getrennt halten. Was sie als Vaterlandsliebe prei- sen, ist die Quelle eures Verderbens."---- Paßt jetzt gerade vortrefflich! Und über Vaterlandsliebe insbesondere: „Die Neigung, stete Bereitwilligkeit und der unerschütter- liche Muth, für das Glück, die Ehre, den Ruhm, die Freiheit und Sicherheit seines Lebens thätig zu sein, nnd dabei kein Opfer, keine Anstrengungen zu scheuen, sich von keiner Gefahr abschrecken zu lassen: das ist es, was wir Liebe des Vater- landes nennen. Das Glück, der Ruhm, die Freiheit und die Sicherheit eines Landes können von zwei Seiten bedroht werden, von außen und von innen. Die Uebel, die von außen kommen, sind seltener, es sind gewaltsame Verletzungen und sie gleichen den Verwundungen des menschlichen Körpers. Sie sind schmerzlich, aber nicht bösartig und können den stärksten und gesundesten Staat treffen. Die Uebel, die von innen kommen, gleichen den Krankheiten: sie sind häufiger und bösarttger, denn sie setzen verdorbene Säfte, eine fehlerhafte Constttution oder ungeregelte Lebensordnung voraus. Nun haben aber die Machthaber, welche die öffentliche Meinung, Moral und Erziehung nur zu ihrem eigenen Vortheile lenken, die Liebe zum Baterland, die sich gegen die inneren Feinde hilfreich zeigt, nie als eine Tugend geltend zu machen sucht, sondern vielmehr als das größte Laster verdammt und unter dem Namen Landesverrätherei und Majestätsverbrechen durch ihre Gesetze mit den härtesten Strafen bedroht. Diejenigen Bürger haben sie für die besten Patrioten erklärt, die ihren unheilbringenden Gesetzen am meisten Ehrfurcht und Achtung bezeigten, indem sie nur für sich und ihre Familie Sorge trugen, sich aber um die Kränkungen, welche ihre Mitbürger und ihr Vaterland erlitten, nie bekümmerten. Nur denjenigen Patriotismus, der sich äußeren Feinden des Vaterlandes ent- gegensetzt, haben sie als eine Tugend angepriesen und belohnt, weil er ihnen nutzt, weil er ihre Herrschaft sicherte--- Man handelt nur schön für das Vaterland, wenn es das Vaterland ist, für das man sich bemüht, nicht aber ein einzelner Mensch, ein Stand oder eine Interesse, die durch Ränke und Gewalt sich für das Vaterland geltend zu machen wußten." Waldeue Worte I Correspondenzen. Aerkin, 1. Juni. Der deutsche Lehrerverein, so berichtet die „Berliner freie Presse" hielt vor einigen Tagen hier eine General- Versammlung ab. Der Vorsitzende berichtete, daß der Verein über 10,000 Mitglieder habe, also ein Verein von hoher Bedeu- tung sei. In der Berathung, welche über die Frage zum Unter- richt gepflogen wurde, beantragte der Referent Vaake: daß der Lehrplan der allgemeinen Volksschule mit dem der höheren Schulen in organische Verbindung zu bringen sei, und daß das Abgangs- zeugniß der Volksschule zum Eintritt in jede höhere Schule be- rechtige. Herr Dr. Beck stellte den Zusatzantrag, daß demgemäß eine Reorganisation der höheren Schulen nothwendig sei, insofern diese nicht zugleich auch Volks- und Elementarschulen seien, son- dern die Schüler erst mit dem 14. Lebensjahre aufnehmen dürfen, wie es zum Theil schon in der Schweiz, in Schweden und Nor- wegen der Fall sei. Die Versammlung nahm den Antrag an, „daß das Zeugniß der Reife von der Volksschule zum Eintritt in jede höhere Schule berechtige." Es wurde hiernach die Frage, ob geprüfte Lehrer zur Errichtung einer Privatschule einer Kon- Zession bedürfen, verneint. Das ist ein Urtheil von Fachmännern und daher wohl zu beherzigen und zu begrüßen. Anders hin- „Bekanntmachung. Bus den öffentlich gepflogenen Verhandlungen des jüngst in Gotha abgehaltenen, auch von hier aus beschickten Sozialisten- Congreffes ist zu entnehmen gewesen, daß in öffentlitien Versammlungen, welche von Anhängem der sozialdemokratischen Richtung einberufen sind, Geldsamm- lungen vorgenommen werden, deren Ertrag zur Bezahlung und zum Theil auch sesten Besoldung sozialdemokratischer Agitatoren eines Vereins verwendet werden. Da ein solcher Verein seit der am 16. September 1868 erfolgten Auflösung des hiesigen allgemeinen deutschen Arbeitervereins hier nicht mehr besteht, so sehen wir uns veranlaßt, das weitere Veranstalten von Sammlungen in hier berufenen Versammlungen oder vor den Eingängen zu den Versammlungslokalen, falls sie ohne speziell erlheilte polizeiliche Genehmigung geschehen, bei Geldstrafe bis zu 190 Mark— oder Hast- strafe bis zu 4 Wochen zu verbieten. Diese Strafe trifft zunächst Denjenigen, welcher die Versammlung angemeldet hat, kann aber aucb gegen Diejenigen, welche die Leitung der Sammlung vorgenommen oder zur Leistung von Beiträgen für dieselbe aufgefordert haben, sowie gegen Spender zur Sammlung er- kannt werden. Leipzig, am 2. Juni 1877. Das Polizeiamt der Stadt Leipzig. vr. Rüder." Also zu lesen im„Leipziger Tageblatt", Nr. 154 vom Sonntag, dem 3. d., Seite 1, Zeile 19 ff. von oben.— Herrn Rüder hier noch die freundliche Notiz, daß auf dem Congreß ein Antrag, ihn zum Ehrenmi'glied zu ernennen und in das sozialdemokratische Wahl- comitö zu wählen, bereits eingebracht war und nur wegen seines(des Herrn Rüder) räthselhaften Berschwindens nicht zur Debatte gestellt werden konnte. Jammerschade! Der Antrag wäre einstimmig ange- rommen worden! Wir sind aber auf Wunsch gerne erbötig, das Ber- säumte nachzuholen. Wie wär's, Herr Rüder? Als Mitglied unseres Organisationsvorstandes würden Sie doch gewiß die beste Gelegenheit haben, den so schmerzlich vermißten„Berein" ausfindig zu machen. gegen denken die Berliner Stadtväter über diese Sache. Der Direktor am sogenannten grauen Kloster(Berlinisches Gymnasium) hatte sich sehr energisch gegen die Errichtung einer besonderen Vorschule an seiner Anstalt ausgesprochen. In unserer Zeit, wo das Bedürfniß und Verständniß für die allgemeine Volksschule immer mehr in den Vordergrund tritt, läßt sich ein Beschluß der städtischen Behörden, der ganz direkt gegen das Urtheil der Fach- männer und gegen das allgemeine Bedürfniß nach gleich guten Schulen, gerichtet ist, am allerwenigsten rechtfertigen. Dieser Beschluß begünstigt die Standesschulen und läßt die Volksschulen immer mehr als Armenschulen erscheinen. Wir meinen, daß die Klassenunterschiede in unserem heutigen Schulwesen schon in Ueber- fülle vorhanden sind und nicht noch erweitert und vermehrt werden brauchen. Erfurt, 1. Juni. Die Correspondenz aus Apolda in Nr. 63 des„Vorwärts" legt mir in meiner Entgegnung auf die Richter- schen Auslassungen einige unrichtige Aeußerungen in den Mund. Ich habe Eugen Richter nicht das Werk eines Herrn Seffner— ein derartiger Name ist mir nicht bekannt—, sondern Dr. Schäffle's„Quintessenz des Sozialismus" zum Studium empfohlen. Ferner habe ich nicht gesagt, Richter könne daraus erfahren, was Eigenthum sei, sondern ich habe erklärt, daß durch die Verwirklichung des Sozialismus das Eigenthum an sich nicht negirt würde.— Endlich ist es unrichtig, daß ich die in England nicht so hoch entwickelte sozialistische Ärbeiterbewe- gung auf Kosten der dort herrschenden politischen Freiheit gesetzt hätte. Richter war es, welcher sagte, nur in reaktionären Staaten könne der Sozialismus gedeihen. Die Gründe, welche ich angeführt— unter anderen die in England vorwiegende Gewerkschaftsbewegung 2c.— sind hier wegen Raummangels nicht aufzuführen. F. Klute. Königshütte, 31. Mai. Zur Kennzeichnung der Roth in hiesigen Arbeiterkreisen läßt sich jetzt sogar die„Schlesische Zeitung", gewiß kein arbeiterfreundlichcs Blatt, herbei, indem sie sich von hiesigem Orte folgendermaßen schreiben läßt: „Gegenüber den mannigfachen Versuchen die Nothlage des Arbeiterstandes in unserem Oberschlesischen Jndustriebezirk in einem günstigeren Lichte erscheinen zu lassen, als es die Wahr- heit erheischt, theile ich nachstehendes Schreiben mit, welches mir, ehe die Absendung desselben an die nachstehend bezeichnete Adresse erfolgte, zufällig in die Hand kam:„„Königshütte, den 27. Mai 1877. Bittgesuch des Werkarbeiter Rudolph Großer, in Arbeit bei Obermeister Herrn Barwig in der Räderfabrik. An die Hochwohllöbliche Hütten-Direetion in Königs Hütte. Hochgeneigtest bitte ich unterzeichneter die Hochwohllöbliche Hütten- Direktion ganz unterthänigst, wenn es möglich ist, um eine kleine Unterstützung. Ich bin Familienvater von 6 kleinen Kindern, wobei mich ein großes Unglück getroffen hat, durch sehr schwere Krankheiten. Im Monat März d. I. erkrankte mein Sohn im Alter von 14 Jahren an Flecktyphus und Nervenfieber, ich habe zwar den Arzt frei, indem ich Knappschaftlich bin, aber die Apotheke mußte ich doch aus meiner Tasche bezahlen. Ueber 4 Wochen lang hat mein Sohn im Krankenbette zugebracht, wo- bei er mir durch seine schwere Krankheit viel Geldkosten'ver- ursacht hat. Kaum hatte mein Sohn das Krankenlager verlassen, so erkrankte meine Frau nebst zwei Kinderchen, eben an Flecken- typhus und Nervenfieber, 14 Tage haben bereits die Kranken bei mir zu Hause verweilt, da nun aber der Docktor Herr Borronov, gesehen hat, daß es mit den Kranken Tag zu Tag schlimmer wurde, hat der Docktor auf der hiesigen Polizei An- zeige gemacht, und sofort wurde dann meme Frau nebst zwei Kinderchen in das städtische Krankenhaus gefahren. Bereits 14 Tage sind die Kranken im Lazareth gewesen, und wie ich halwegen dachte, daß das Fieber bei den Kranken nachließ, und das Gefährlichste vorüber war, so habe ich meine Frau nebst Kinderchen wider zu Hause geholt, indem ich die Lazarethkosten bezahlen soll. Täglich pro Person 1 Mark das wäre pro Tag 3 Mark, wie ich dieselben noch bezahlen werde, weiß ich wirklich nicht; und bin deßhalb von derZhiesigen Polizei schon mit Pfän- dung bedroht worden. Während der Zeit daß meine Frau und Kinder zu Hause, so wie im Lazareth krank gelegen haben, war ich nicht imstande in die Arbeit zu gehen, indem ich noch vier kleine Kinder zu Pflegen hatte, und dabei hatte ich auch schon Anfall von Typhus. Kaum hatte ich die Kranken aus dem Lazareth zurück geholt, so erkrantte ich auch an derselben Krank- heit, Flecktyphus und Nervenfieber, und so habe ich 5 Wochen lang die Arbeit verlassen müßen, und habe sehr schwer Krank gelegen. Den 19. April e. erkrankte ich, und bin sogleich in das Lazareth gegangen, und den 25. Mai bin ich durch meinen An- trag und vieles bitten wieder entlassen worden. Wie ich nach Hause kam, was sah ich? wider zwei Mädchen lagen im Bett eben auch an Flecktyphus, ich bin so bald zum Doetor Borronov gelaufen welcher sofort kam, derselbe hat beantragt und die älteste Tochter von 12 Jahren ist so fort am 26. Mai in das städtische Krankenhaus gebracht worden, die jüngere kranke Tochter von 4 Jahren ist mir zu Hause gelassen worden, aus welchem Grunde weiß ich nicht. Sollte die Sache der Hochwohllöblichen Hütten-Direetion unglaublich scheinen, so werde ich die Atteste von beiden Doetoren gefälligst einsenden, lo wie vom Obermeister Herrn Barwig wo ich m Arbeit stehe, welcher sämmtliche Kranken- scheine für uns alle geschrieben und ausgefertigt hat, der weiß es auch sehr gut wie es mir während diefer Zeit ergangen ist. Durch sehr große Roth bin ich gezwungen so schwach wie ich bin, wieder in die Arbeit zu gehen, um für meine noch sehr schwache Familie weiter zu sorgen. Ich weiß jetzt wirklich nicht mehr was ich aus Roth und Kummer ergreifen soll, und auf welche weise ich meine noch sehr schwache Familie den Hunger stillen soll. Ich wende mich daher nochmals ganz unterhänigst an die Hütten-Directton mit der Bitte, für meine 6 kleinen kranken Kinder, nebst Frau wenn es möglich ist, um eine kleine Unterstützung, damit sie sich wieder etwas erholen könnten. Dienstag haben wir Vorschuß und ich kann keinen erreichen, in- dem ich nur diesen Monat 3 Schichten habe, und den 11. Juni e. ist Lohnung, so werde ich mit abzug deß Knappschafftsbeitrag nicht mehr als 3 Mark erhalten, und so soll ich, und noch 7 Familien(-Glieder) 4 Wochen lang davon leben, und noch dazu wider alle Tage in die Arbeit gehen, damit es doch wider für die Zukunft mit uns besser gehen soll. Hochachtungsvoll zeichnet sich ganz unterthänigst Rudolph Großer in Arbeit bei Obermeister Herrn Barloig in der Räderfabrik."" Wir haben uns nach dem Erfolg, den dieses Bittgesuch bei der Hütten- Direction hervorgerufen, erkundigt und erfahren, daß dieselbe nach sorgfältiger Prüfung des Sachverhalts verfügt hat, es sollen an Großer, dessen Angaben— wie die amtlichen Erhebungen ergeben— durchweg auf Wahrheit beruhen(er ist feit dem 27. Januar 1875 in der Räderfabrik beschäfttgt und ein recht ordentlicher Arbeiter) 30 Mark außerordentlichen Vorschuß, in fünf Monaten wieder einziehbar, gezahlt werden. Nebst dem Eingangs bezeichneten Zwecke, ein Bild des Elends, welches hier so manche Familie trifft, zu liesern, haben wir die Absicht, mit- leidige Herzen zur thätigen Hülfe geneigt zu machen; denn es dürste klar sein, daß, so dankenswerth auch die sofortige Hülfeleistung der Hütten-Direction zu nennen, der Roth der Großer'- schen Familie nicht genügend abgeholfen ist. Bielleicht findet dieser Hinweis an mancher Stelle eine steundliche Beachtung!" Daß die„Schles. Ztg." der Privatwohlthätigkeit das Wort redet, nimmt mich nicht Wunder, meinen doch die herrschenden Klassen, sie allein repräsentirten den Staat, was sie auch allein berechtigte, dessen Hülfsmittel für sich in Anspruch zu nehmen. Gestaltet sich die gesellschaftliche Lage der Arbeiter einmal zu einer öffentlichen Calamität, wie es gegenwärtig der Fall, so ge- stehen die herrschenden Klassen den Arbeitern wohl das Recht zu, die Mildthätigkeit der Reichen anzurufen, beileibe aber dürfen dieselben nicht den Staat für sich zu engagiren trachten. Nur weil es den Interessen der herrschenden Klassen zuwiderläuft, sollen die Arbeiter den Staat nicht um Hülfe angehen, sollen ste hungern, und sollen sie evenwell auch verhungern. R. B. Kopenhagen, 30. Mai. Die heutige Nummer des „Vorwärts" enthält aus der„Neuen Zeit" in Chicago eine Ver- theidigung von Seiten des Herrn Geleff, welche es mir zur Pflicht macht, die Sache wiederholt jim„Vorwärts" zu be- sprechen. Zuerst muß ich vorausschicken, daß es gerade Geleff ist, der es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, und daß sein Herr College nicht viel besser ist, beweisen manche Auslassungen auf das Eclatanteste. Wie u. A.„Dagens Nyheder" Hierselbst berichteten, hatte Geleff nach seiner Ankunft in Chicago dem dasigen skandinavischen Parteiblatt„Falkets Röst" unter der hei- ligsten Versicherung der Wahrheit mitgetheilt, daß er und Pio nicht heimlich von Kopenhagen verschwunden, sondern daß sie von ihren Freunden nach dem Schiffe begleitet worden seien. Nun ja, wie man's nimmt; so viel ist gewiß, daß der Polizei- Inspektor Herz bereits 4 Wochen vorher erzählte, daß Pio und Geleff im Monat April nach Amerika abreisen würden, und als „Dags-Telegrafen" ebenfalls kurz vorher dasselbe erzählte, er- kärte Pio diese Nachricht für eine Lüge. Thatsache jedoch ist, daß weder das Redaktions- noch Expeditionspersonal von der Abreise der beiden Herren Etwas wußten(siehe die betr. Er- klärunaen im„Social-Demokraten"), und daß Pio noch am Tage der Abreife dem Expedienten hoch und theuer versicherte, er werde an diesem Tage nicht reisen, kein vernünftiger Mensch könne solchen Gerüchten Glauben schenken. Doch nun zur eigent- lichen Sache. Wenn Herr Geleff fagt, daß die bevorstehende Verhaftung(welche beiläufig bemerk nur im Gehirn beider Herren sputte) nicht der einzige Grund zur Abreise war, so hat er ganz Recht; wenn er aber sagt, die Oppositton in der Partei habe ihn und Pio dazu getrieben, die Flinte in's Korn zu werfen, so muß ich mir doch erlauben, einen Zweifel darüber auszusprechen. Der eigentliche Grund war wohl der, daß sie zu viele Privatschulden hatten, zu deren Deckung keine Gelder aufzutreiben waren. Herr Geleff stellt entschieden in Abrede, daß er und Pio die Kassen vor ihrer Abreise geleert haben sollten— nun wohl, dies könnte ja für Geleff, aber nicht für Pio zutreffend sein, denn was ist es anders, als die Kassen leerenj, wenn man hingeht zu Arbeiter-Vereinen mehrere Tausend Kronen zu leihen unter dem Vorgeben, das Blatt, oder vielmehr Pio's Privateigenthum, die„Centraldruckerei", vor dem Zusammenbrechen zu bewahren? oder wenn man aus der Expe- ditionskasse ungefähr 400 Kronen nimmt unter dem Vorgeben, damit sollte eine Strafe auf dem Gericht bezahlt werden? oder wenn man dem Vorstand des„Vereins zur Erbauung eines Ver- eins- und Versammlungshauses in der Hauptstadt eine Summe von 500 Kronen abjagt unter der Drohung, daß das Blatt am andern Tag nicht mehr erscheinen könnte, wenn kein Geld her- gegeben würde? Möglich, daß Herr Geleff alles dieses läugnet und es als Lüge hinstellt, aber er wird doch nicht in Abrede stellen können, daß Pio auf eine gerade nicht sehr anständige Weise Privatpersonen schädigte, so z. B. die Mitarbeiterin am Blatt, Fräulein L.? Man entschuldige, wenn ich zu sehr auf die Details eingegangen bin, aber Geleff's Vertheidigung und sein Angriff auf meine Wahrheitsliebe erforderten dies. § 68. Jede Handlung des Richters, welche wegen der begangene� That gegen den Thäter gerichtet ist, unterbricht die Verjährung. Die Unterbrechung findet nur rücksichtlich desjenigen Statt, auf . welchen die Handlung sich bezieht. Nach der Unterbrechung beginnt eine neue Verjährung." Betreffs Ihrer Militärangelegenheiten möchten wir Ihnen doch rathen, sich mit einem Rechtsanwalt des betr. Bezirks in Verbindung zu setzen.— der Expedition. G. Schmidt, Mölle: Ihre Reklamation haben wir der hiesigen Hauptpost übergeben. Es wird Ordnung werden. Quittung. Grbnstn Lindenau Ab. 6,00. Rdlf Hannover An. 0,90. Frnkl Budapest Ab. 32,21. Kchnrthr Hof Ab. 13,50. Hrm. Elberfeld Ab. 5,00. Orbg Gießen Ab. 4,00. Mttg Altona Ab. 20,00. Brbm Gotha Ab. 9,00. Wlthr Gera Schr. 3,00. Schlr Frohmau Ab. 7,20. Schr. 0,90. Mllr Mannheim Ab. 16,00 und 20,00. Krwrz Osnabrück An. 9,00. M. Kltzsch Dresden Ab. 89.50. F. A. Schmdt Hannover Hannover Ab. 100,00. N. Wsnr Anina Ab. 15,97. Schr. 1,80. Lnd. Hamburg Ab. 100,00. Agitationsfoud. Von einem 48 und 49er Kämpfer in Mannheim 2,00. Fond für Gemaßregelte. Vom Arbeiterverein Plagwitz d. Q. 1,00. Kongreß der deutschen Maurer und Steinhauer. Durch die schon mehrere Jahre lang anhaltende Krise in allen Industriezweigen ist auch das Baufach hart betroffen, und unsere Lage hat sich von Tag zu Tag verschlechtert, so daß Tausende von Mau- rern und Zimmerern arbeitslos sind und nicht wissen, auf welche Weise ste ihr Leben stiften sollen. Ein übermäßiges Angebot von Arbeits- kräftcn war daher die Folge. Ueberall, wo man hinblickt, gehen die Arbeitgeber mit Lohnreducirung und Verlängerung der Arbeitszeit vor, um— wie nicht anders zu erwarten ist— unsere Lage zu verschlech- tern. Um nicht gänzlich in Kummer und Elend untermgchen, liegt es an den Maurern Deutschlands, gemeinschaftlich eine Besserung unserer traurigen Lage zu erstreben, was sich Jeder selbst, wie seiner�Familie schuldig ist. Auf dem Congreß, welcher am 9. Juli d. I. in Leipzig stattfindet, sollen Mittel und Wege berathen werden, auf welche Weise eine Besse- rung dieser elenden Verhältnisse herbeizuführen ist. Zu diesem Zwecke sind folgende Gegenstände zur Besprechung aufgestellt: 1) Welche Stellung haben die Maurer und Steinhauer Deutsch- lands dem Nothstande der Gegenwart gegenüber einzunehmen, und welche Mittel haben sie zu ergreifen, um die Calamität in Zukunft in unserm Berufszweig abzuwehren? 2) Die Nothwendigkeit des Haftpflichtgesetzes für die deutschen Bau- Handwerker. 3) Gründung einer Central-Kranken-, Sterbe-, Invaliden- und Reise-Unterstützungskasse(benannter Berufszweige) nach dem Hilfskassen- gesetz. ' Angesichts der traurigen Verhältnisse erwarten wir von den Mau- rern und Steinhauern Deutschlands, daß sie diesen Austuf nicht unbe- achtet lassen und den Congreß durch Delegirte beschicken. Ferner er- suchen wir alle Parteigenossen, bei den Maurern und Steinhauern ihres Ortes für die Beschickung deS Congreffes zu wirken. Orte, welche Delegirte entsenden» haben dieselben bei Herrn H. Pfützner in Leipzig, Albertsttaße 6, anzumelden. Hamburg. Mit Bruder-Gruß DaS Einberufungs-Comitö. Für die gemaßregelten Krupp'schen Arbeiter. Vom Arbeiterverein Thonberg M. 1,50. Anzeigen tc* Rixdorf-Brietz. Volksversammlung in Brietz bei Riedorf im Hut'schen Lokale. Tagesordnung: Berichterstattung des Delegirten vom Gothacr Congreß.— Die Genossen der andern Ortschaften werden ersucht, in dieser Persammlung zu erscheinen, da nach derselben eme Confercnz der Genossen des Teltvwer-Beskower- Storkower Wahlkreises stattfindet. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist zahlreiches Erscheinen unbedingt nothwendig.(1,00) � H. Dietzmann. R. Mathiles. Für Hamburg-Altona-Wandsbeck. Genossenschaftsbuchdruckerei zu Leipzig. Die in Hamburg und dessen einmeiligem Umkreise wohnhasten Mitglieder obiger Genossenschaft, werden ersucht, am Montag, den 11. Juni, Abends 9 Uhr, in der„Stadt Berlin"(bei Burmester), behufs Neuwahl des Aufsichtsrathes sich einzufinden. _ I.«•: August Geib. Bund der Tischler u. verwandter Berufsgenossen. Sonnabend, den 9. Juni, Abends'/,9 Uhr, im Saale des Hrn. Jacobi, Rosenthalgasse: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: 1. Zweck und Bedeutung der Gewerkschaften. Ref. Taute. 2. Die Arbeitstheilung. Ref. Seifert. 3. Die Bundes- organisation.[1,00 Das Erscheinen der Mitglieder sowie sämmtlicher Holzarbeiter von Leipzig erwartet Der Borstand. Allgemeine deutsche Assoziations-Buchdruckerei zu Berlin. (Eingetragene Genossenschaft.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die diesjährige Ordentliche Generalversammlung am Sonntag, den 1. Juli, Morgens um 10 Uhr, in Sander's Restaurant, Prinzenstr. 45ä, oberer Saal, zu Berlin, stattfindet. Laut tz 21 der Statuten sind die Anträge zur Generalversammlung bis spätestens den 10. Juni bei dem Unterzeichneten einzureichen. Nur diejenigen Mitglieder, welche gemäß§ 11 ihre Pflichten erfüllt haben, sind zur Stellung von Anträgen berechtigt. Hamburg, den 24. Mai 1877. Der Aufsichtörath. I.«.: Augckst Geib, Rödingsmarkt 12. Einem Mechaniker, welcher sich selbstständig zu machen gedenkt, ist Gelegenheit gegeben, sich zur Etablirung eine» Nähmaschinengeschäftes, die nöthigen Maschinen, Werkzeuge, Schablonen ic. nebst Lokalitäten zu miethen. Frankirte Offerten wolle man an C. Hardt in Darmstadt, Hochstraße 24 richten.(2a)(150 Im Verlage von Gebr. Fey in Frankfurt a/M. ist in 2. Auflage erschienen und durch unS zu beziehen: Erinnerung an Börne. Einzelpreis 20 Pfg. Die Buchhandlung des„Borwärt»". Briefkaste« der Redaktion. P. G. in Annaberg: Lesen Sie die Verhanv- lungen des letzten Congreffes. Der Abdruck kann im„Vorwärts" nicht erfolgen. Verfügen Sie über das Manuscript.— Pönitz in Constanz- Der zweite Artikel(Nr. 58) ist der Schlußarttkel.— C M. in London: Eine präci e Antwort auf Ihre Frage können wir tzicht ertheilen, da Sie verges en haben)"uns mitzutheilen, welcher Art Ihr Vergehen ist. Vielleicht ist Ihnen aber mit dem Abdruck der einschlägigen Para- graphen des Reichsstrafgesetzbuchs gedient: „§ 67. Die Strafverfolgung von Verbrechen verjährt, wenn sie mit dem Tode oder mit lebenslänglichem Zuchthaus bedroht sind, in zwanzig Jahren; wenn sie im Höchstbetrage mit einer Freiheitsstrafe von einer län- geren als zehnjährigen Dauer bedroht sind, in fünfzehn Jahren; wenn sie mit einer geringeren Freiheitsstrafe bedroht sind, in zehn Jahren. Die Strafverfolgung von Vergehen, die im Höchstbetrage mit)einer längeren als dreimonatlichen Gefängnißstrafe bedroht sind, verjährt in fünf Jahren, von anderen Vergehen in drei Jahren. Die Strafverfolgung von Uebertretungen verjährt in drei Monaten. Die Verjährung beginnt mit dem Tage, an welchem die Handlung begangen ist, ohne Rücksicht auf den Zeitpunkt des eingetretenen Erfolges. Im Berlage des BerlagSmagazin Zürich ist erschienen und durch uns zu beziehen- Theokratisthes Kirchenthum und Autokratische Justiz Ein Gotteslästerungs-Prozeß vor dem Schwurgerichte in Eßlingen. Preis pr. Expl. 75 Pf.(Die Buchhandlung de» „Vorwärts". Bei der Volksbuchhandlung in Zürich ist erschienen und durch uns zu beziehen: Der Staat vom sozialdemokratischen Standpunkt aus. Eine Auseinandersetzung mit den„Anarchisten". Von Hermann Greulich, Redakteur der„Tagwacht". 2,/2 Bogen groß Oktav.— Preis 25 Pf.- Die Buchhandlung des„Vorwärts". Durch uns ist zu beziehen: ■ Zur Grund- und Bodenfrage von Wilhelm Liebknecht. 2. vervollständigte Auslage. Preis, per Exemplar 0,75 Mark. ' Die Expedition des„BorwSrtS". Wir empfehlen: Die Quintessenz des Sozialismus. 68 Seiten Oktav. Preis M. 1,20. Die Expeditton des„Vorwärts". Verantwortlich« Redakteur: R. Seiffertin Leipzig. Redaktion und Expedition Färberstraß- 12/11. tn Leipzig. Druck und Lerlaq der Genoff-nschaftSbuchdruckerei in Leipzt >»'.»