Ur. 82. Abonnements-Kedingungrn: Slbonnimenti-Preis pränumerando: «ierteljährl. Z,Z0 Me, monatl. l.lvMe. wöchintltch 28 Psg. frei ins Haus. Siruelne Nummer S PIg. SonniagS- Nummer mit illuNrierler vonmag»- iSeilage„Tie Neue Welt" 10 Psg. Polt- Abonnement: 3,zo Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für 1900 unter Nr. 7971. Unter«reuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Erscheint täglich«ufjtc Montag«. Devltnev Volksblatt. 17. Jahrg. Die Insertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel» zetle oder deren Raum»0 Psg., für politisch- und gewerlschaftltche Verein«- und BersammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anscigeu" jedes Wort 5 Psg. (nur da» erste Wort fettl. Inserate für die nächste Nummer müssen biZ 4 Uhr nachmittag» in derExpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtage« bt» 8 Uhr vormittag» geössnet. Fernsprecher:»urt I, Nr. 1208. Telegramm- Adresse: „Sorialdemostrak Berlin" Centralorgan der soeialdemokratischen Partei Deutschlands. Kedakkwn: SW. 19, Beutlz-Skraszr 2. Sounabeud, den 7, April 1900. Expedition: SW. 19, Bentlz-Skrafze 3. Die Blutopfer kapitalistischer Wirtschaft in Kamerun. Mnil schreibt uns: .Die bereits von den verschiedensten Seiten in der Oefscntlichkeit zum Ausdruck gelangte Meinung, das; Kamerun die beste unsrer Kolonien sei, dürfte bald zn allgeuieiner Anerkennung gelangen."— So schließt der letzte Bericht über die Entivickelung des Schutzgebiets ber im Namen des Reichskanzlers dem Reichstag übergeben wurde und jetzt erfahren ivir, daß in dieser„besten unsrer Kolonien alles drunter und drüber geht, daß dort Blut in Strömen fließt! Bor einigen Monaten wurde der Lieutenant V. Quatz und der Kaufmann Conrau ennordet. Wie üblich, wurde eine Strafexpedition ausgerüstet und vor kurzem kam die Nachricht, daß diese Expedition unter der Führung des Hauptmanns v. Besser vernichtet worden sei. Die Nachricht wurde zur Hälfte dementiert, aber gleichzeitig wird gemeldet, daß ganz Kamerun in Aufruhr ist, daß die Plautagen verlassen werden müssen infolge der Unruhen. In einem Briefe aus Victoria an die„Kölnische Zeitung" wird berichtet, daß sich der Aufstand am ganze» Mungoflusse entlang schon bis Malende erstreckt „Dieser Ort liegt! uur wenige Kilometer von dem nördlichen Ende des jetzigen Pflauzungsgebicts, der Grenze der vor kaum Jahren iu Augriff genommenen Pflanzung Esser Occhelhanscr. Der dortige Beiriebsleiter berichtet, daß bei ihm Tauseude von arbeitsscheuen, diebischen Naturkiudern im Busch herumluugcrii und, sowie nur ein Aufseher den Rücken dreht stehlen, ivas sie stehlen können. Alle Dörfer sind verlassen Frauen und Kinder im Urwald versteckt, rmd die Männer ziehe» bewafsnet, raubend und plündcnid durch das Land. Unter diesen Uiiisländcu ist an einen rcgclmäßigcnBelricb nicht mehr zu denken und auf der Pflanzung Günther-Soppo. die ganz nahe auf dein Kamerunbcrgc liegt, hat die Arbeil bereits aufgehört. Auch auf den Pflanzunge» der Westafrilanischen Gesellschaft Bibundi ist der Be- trieb gefährdet. Denn Ivo wären noch Arbeiter zu bekomme», wenn schon in dem nächsten Binnenlande keine Sicherheit mehr herrscht? Nachdem vor einigen Monaken Conrau auf einem Zuge nach Bali unterivegs den Tod gefunden hatte, unternahm vor einigen Wochen ein Pflanzungsbeamter nnt einer wohl ausgerüsteten Expedition eine Reise in derselben Richtung, denn die Rot an Arbeitskräften ist so groß, daß auf seiner Pflanzung, nachdem die 700 im vorigen Jahr von Bornmüller zugeführten Balileme wieder hciiugekchrt waren, kaum noch 200 Schwarze beschäftigt tverden. Die Expedition kam indes nicht weit über Muiidniue hinaus, und da jeder Zugang ins Hinterland gesperrt ist, machte sie bei Skiliwindi Kehrt j es war um so notwendiger, als die Eingeborenen auf die Expedition Feuer gaben,"— Ter Brief schließt mit der beweglichen Klage: �„Es ist gar keine Aussicht mehr, Arbeiter aus irgend welchem Teile des Schutzgebiets selbst zn gewinnen, und die Pflauznugen sind wieder wie vor einigen Jahren auf die spärliche Zufuhr der mit M o ii o p o l g e b ii h r e ir und P n w e rb p ng.s gebühren belasteten Weileute aus Liberia ausgewiesen. Es ist zu erwarten, daß Tauseude von Hektaren, die iu den letzten Jahren mühsam gerodet wurden, in der Frühjahrs-Regenzeir wieder mit üppig verschlungenem Unkraut bestanden sein werden." Darob»nn ein klägliches Gejammer in der gesamten bürger- licheu Presse über die Zerstörung der schönen Plantagen, die so schönen Profit erhoffen ließen, und gleichzeitig erheben Blätter ver- schiedener Schatliernngen, von dem„Berliner Tageblatt" bis air die fromme„Germania", die Forderung, es müsse die Schntztruppe verstärkt werden. Wie liegen nun die Dinge eigentlich? Aus allem, was bisher verlautet, geht hervor, daß die Unruhen direkt nnt den Anwerbungen zur Plantagenarbeit zusammenhängen.— Im„Deulschen Kolonial dlatt" wird das von einem Herrn L. Berucgau teilweise bestätigt, nur giebt er für die Unlust zur Plantageuarbeit einen eigentümlichen Grund an: Die Sterblichkeit unter den Plantagenarbeitern sei derart groß, daß die Neger erschreckt davonlaufen. Warum ist sie so groß? Der Herr hat«ine sehr einfache Antwort:„Da von denHäupt- l i ii g e n des H i n t e r l a n d s das schlechteste Arbeitermatcrial, kranke sowie schlecht genährte und schlaffe Leute, wie mir die Herren Pflänzlings leiter mitteilen, zur K ü st e gesandt werden, so ist ein Grund niehr für die rasche Erkrankung derselben vorhanden." Diese Auskunft ist ini höchsten Grad verdächtig: Bor allem dokumentiert sie, daß von freier Arbeit nicht die Rede sein kann: die Leute werden von den Häuptlingen geschickt, sie kommen nicht freiwillig, es sind ZwangSarbciter, Hörige und Sklave». Daß deni thatfächlich so ist, wird auch von dem Korrespondenten der„Kölnischen Zeitung" bestätigt: Die Zufuhr bleibt beschränkt auf die mit„Monopol- Gebühren belasteten Weileute ans Liberia". Das ist also eine Art Schuldsklaverei. Jedoch weiter I Es ist eine durchaus unhaltbare Annahme, wenn von „Häuptlingen" der Negerstämme gesprochen wird im Sinne von Ge walt habern. Alle Forscher stimmen darin durchaus überein. daß diese Häuptlinge bei den afrikanischen Stämmen nirgends irgend welche Gewalt über die Stammesgenoffcn ausüben: sie sind die Berater und Anführer bei den Jagd- und Kriegszügen und nichts weiter. Wenn also Verträge mit Haupt- lingcn geschlossen werden, die Arbeiter liefern, so können damit nur der arabische Sklavenhalter gemeint sei, oder der europäische Einfluß hat die nrspriinglichen Zustände in der Weise korrnmpicrt, daß die„Aeltesten", die„Verater", die„Führer" eine Gewalt über die Stammesgenosicn usurpiere», die ihnen nicht zukommt. Es liegt also die Ver- mutung nahe, daß das, was sich in Kamerun abspielt, eine sociale Bciveguug im wahren Sinne dcS Wortes ist: Eine Empörung der BvlkS masse gegen die neue Sklaverei, in die man sie hineinzwingt und eine Empörung der Sklaven gegen die neue, schärfere, bisher ungewohnte Ausbeutung ihrer Arbeits- traft. Diese Vermutung wird bestärkt durch die— offiziellen Berichte.— In dem Berichte für 1833/31 ist die Rede von„Zu- führung von Strafarbeitcrn des Gouvernements an mehrere Plan- tagen". Dieses Mittel reichte jedoch bei weitem nicht aus.— Im nächsten Jahre wird berichtet, daß ein Versuch mit Arbeitern des Stanimcs Dande nicht geglückt ist.„Inzwischen sind Abgeordnete der Bali in Kamernn eingetroffen, welche Arbeiter für das Gouvcrne nient anboten." Diese Bali sind jetzt im Aufruhr, sie haben Cornau erschlagen. Im Bericht für 1833/86 heißt es:„Die Bali sind im Berichtsjahre noch nicht in größerer Zahl zur Küste gekommen; der Häuptling Garega hat jedoch dem Dr. Esser, welcher mit Dr. Zintgrasf zusammen Bali einen Besuch abgestattet hat, versprochen, jährlich hundert Leute für die Plantage der We st afrikanischen Pflanz ungs- gesellschaft Victoria zur Küste zu sende n."— Was für Leute? Freie Leute doch wohl kaum!— Für 1836/37 sind diese Balileute bereits tbätig: Es sind„ständig kleinere und größere Trupps Bali-Arbeiter, die allerdings— der Scß haftigkeit abgeneigt— häufig zu wechseln pflegen, auf der Plantage der Wcstafrikanischen Pflanzimgsgesellschaft beschäftigt, — Schließlich heißt es in dem letzten Bericht:„Es arbeiten auf den Pflanzungen gegenwärtig ca. 4000 Arbeiter gegen noch nicht 2000 im letzten Berichtsjahr; beinahe 3000 sind Eingeborene des hiesigen Schutzgebiets. Hierunter finden sich die verschiedensten Stämme ver- treten; zunächst aus dem Nordbezirke die Bolandas, welche in diesem Jahre zum erstenmal sich zur Plantageuarbeit anwerben ließen— ein großer Erfolg des amtlichen A r b e i t e r k o in m i s s a r s, der gerade in das Gebiet von Rio del Ney das Hauptfeld seiner Wirksamkeit verlegt hatte— dann, in Fortsetzung der alten Beziehungen dcS Dr. Zintgraff zu Garega, Balis und Leute der benachbarten Stämme, Es gelang z. B. Herrn Direktor Bornmüllcr von der Victoria- Pflanzung, durch eine Expedition nach Bali ca. 700 Arbeiter von dort mitznbringeii." Es stellen also die Dinge sich folgcuderinaßen dar: Jahrelang herrscht Mangel an Arbeitern, die Eingeborenen wollen nicht auf den Plantagen schanzen; Verwalter der Plantagen und Bcanitc der Regierungen versuchen alle Mittel, um dem Uebel ab- zuhelfen. Als Retter in der Not erscheint der„Häuptling" Garega, der Leute„liefert". Wer ist Garega, auf welche Weise geschieht die Anwerbung? Darüber erfahren wir nichts. Doch sind nur zwei Möglichkeiten offen: Entivedcr es ist ein Sklavcnbcsitzer, der seine Sklaven zwingt, auf die Plantagen zu gehen, oder es ist ein afrikanischer„Häuptling", der seine Stanuiiesgenosseii zwingt, Frohnarbeit zu leisten, wobei als Zwangsmittel möglicherweise die Schießknüppel dienen, mit denen er seine Sippe bewaffnet! und die ihm von den„friedlichen" Plantagenvcrwaltern geliefert werden. Daran, daß er freie Arbeiter„liefert", glaube wer da will.— Dem Beispiele des Garega folgen bald andre Häuptlinge, und so gelingt es in kurzer Zeit, 4000 Arbeiter zusäiiimeiizubriiigeii, Ivo früher keine 100 zu haben waren.— Aber für die Bevölkerung hat das sehr unangenehme Folgen: die„Hanssklavcrci" artet in Plantagcnsklavcrei ans. oder freie Mensche» werden zur Zwangsarbeit gezwungen, oder auch es geschieht das eine und das andere. Taö Resultat ist dann— die allgemeine Empörung, die Nicdcrmrtzclnng der Expeditionen, die als Ursache des NcbclS von den Schwarzen erkannt worden sind. Die Herren Beamten werden freilich das nicht wahr haben wollen, aber diese Herren bestreiten es auch, daß in Kamerun klavcrei bestehe, während der Missionar B o h n e r. ein Mann, dem doch wahrhaftig nichts daran liegen kann, hier die Umvahrheit zu sagen, wiederholt mit aller Entschiedenheit behauptet: „ES besteht in Kamerun nicht nnr die HauSsklaverei, sondern auch der Binnen- Sklavenhandel mit allen feiiicn Greuel» steht noch immer im Schwange.... ES werden noch immer den Muri, Mnngo, Lnngasi, Sanaga herunter Sklaven in die Kolonie eingeführt und in derselben auch als Zahl mittel verwertet." Und am Mungo haben Ivir jetzt die Empörung! Nicht die Entsendung von Schntztrnppen ist vonpöten, sondern vor allem thut not die Aufklärung dieser Zustände. Daß Blut in Kamerun geflossen, ist, wie wir behaupten, die Schuld der kapitalistischen Ausbeuter. April. wird in handelt. A�olitifrsze Uebevfiltzt« Berlin, den 6. Die Deck», ngsfrage der„Kreuz-Ztg." als spielend leicht zu lösende de Ihr Rezept ist von durchschlagender Einfachheit! Man braucht nur die durch die Handelsverträge ermäßigten Zollsätze zu erhöhen,„und die Kuh wird erheblich mehr Milch geben als bisher". Beiläufig ein agrarischer Vergleich von ver- bluffender Offenherzigkeit. Das arbeitende Volk rangiert für die der Landwirtschaft beflissenen Garde-Offiziere a. D. oder z. D. unter die Gattung der schleppfüßigen Rinder. Nun, ganz so schwerfällig und gutmütig dumm, wie die gehörnten Milch- zroduzenten, ist die Masse gegenwärtig denn doch nicht niehr! Die„Kreuz- Ztg." führt aus, daß die Zolleinnahme für eigen, Roggen, H a s e r, Gerste, Mais, Malz und Mehl im Rechnungsjahr 1898/99 infolge der Zoll- ermäßigung nur 133 Mill. Mark betragen habe, während sie nach dem Zollsatz des Generaltarifs 178 Millionen, d. h. 45 Millionen mehr betragen haben würde, was der Fall gewesen wäre, wenn die Zollsätze nicht„unnützerweise" er- mäßigt worden wären. „Ein Gleiches", fährt das Blatt fort,„gilt von den Zöllen auf Fleisch, Schmalz und Fett, welche 1838/33 nur 28 Millionen Mark ergeben haben; diese Summe muß gegenüber dem ein- geführten Quantum der betreffenden Waren sehr gering erscheinen. Auch für Pferde und Vieh ist der durch die Tarifverträge herbeigeführte Verlust an Zollciimahmcn ans Millionen zu schätzen. Es bedarf sonach gar nicht einmal einer an sich freilich wünschenswerten Erhöhung der laiidwirtschaftlichcii Schutzzölle in nnsenn Gcncraltarif, um der Rcichskaffe beträcht- liche Mehreiniiahincn zu sichern. Werden aber nach die von der Jndusirie verlangten Zollerhöhiingcn mit angemessenen Beträgen eingestellt, so erscheint es iinziveifelhaft, daß die Kuh erheblich mehr Milch geben wird als bisher." Diese Ausführungen zeugen jedenfalls nicht dafür, daß das Junkertum so ohne weiteres geneigt sein wird, die Kompromißbrücke zu betreten, die zu zimmern das Centrum sich so eifrigst den Anschein giebt. Die Junker schmettern zwar der flottenheischenden Regierung nicht mehr das Trutzwort„Ohne Könitz keine Kähne" entgegen, trotzdem seinerzeit Kanitz die Preisregulicrung durch die land- wirtschaftlichen� Schutzzölle für eine völlig unzulängliche er- klärte, aber sie zeigen sich auch nicht gewillt, die„gräßliche Flotte" ohne Kompensationen vom Stapel laufen zu lassen. Das C e n t r u m seinerseits erklärt zwar täglich mit konstanter Energie, daß die Deckungsfrage— und zwar im nichtagrarischen Sinn— positiv gelöst werden müsse, und daß es nicht genüge, bloß eine„principielle Verständigung" herbeizuführen, allein derartige Deklamationen der ultramon- tauen Presse habest nachgerade ihre Ueberzeugungskrast ver- loren.—_ Die Attentatsposse. Unsre Scharfmacher sind natürlich über jedes Attentat tief betrübt, das sie für ihre unsauberen Zwecke nicht benützcn können. Ganz verstört ist die„P o st", so verstört fast, wie in den Tagen der Zcdlitziade. Sie will, so scheint es, immer noch beweisen, daß der„Vorwärts" oder die Socialdemokratie oder die gescheiterte Zuchthausvorlage an dem Narrenstreich schuld sei. Möglicherweise will sie aber auch etwas andres beweisen— wer vermag sich in dem Gestammel zurecht zu finden! Nur eins ist klar: ein Ausnahmegesetz gegen die Englandhetzer fordert das Blatt nicht; die„Post" beweist damit eine bewunderungswürdige Kunst, die einzige Forderung nicht zu stellen, die von ihrer politischen Logik aus konsequent wäre. Uebrigens ist das grause Attentat auf den Prinzen von Wales in seiner Art sogar eine, wenn auch vielleicht unbeab- sichtigte, sinnige Huldigung für den englischen Sportsmann: es soll die Folge einer Wette um 5 Franks sein; der Bursche hatte, wegen seiner Feigheit gehänselt, mit seinen Alters- genossen gewettet, um 5 Fr. er werde auf den Prinzen schießen. Und er hat die Wette glänzend gewonnen. Wenn der englische Thronerbe das erfährt, wird er von dieser originellen Form einer Wette höchlichst entzückt sein. Da Brüssel der Sammelplatz von Polizeikorrespondenten ist— anständige Blätter sind sehr vorsichtig, wenn sie in Brüssel einen Berichterstatter suchen—, so ist es erklärlich, daß die ungeheuerlichsten Meldungen von a n a r ch i st i s ch e n Verschwörungen itu die Welt telegraphiert werden— eine würdige Neuauslage des Alexandriner Bombenschwindcls, an den Herr v. d. Recke innner noch glauben soll. Nur ist der Schwindel noch dümmer eingefädelt als in Alexandrien; denn wenn es wirklich in Brüssel solche mordssüchtigen Fanatiker gäbe, so würden sie sich wahrhaftig nicht gerade den Prinzen von Wales aussuchen— das muß auch dem Leichtgläubigsten einleuchten. In welcher unsinnig gewissenlosen Weise in erster Linie das offiziöse Telegraphenbnreau der deutschen Regierung und Bleichröders Bericht erstattet, dafür ist z. B. das folgende Wölfische Telegramm ein Beweis: Meert— ein cm dem„Komplott" beteiligter und verhafteter Altersgenosse SipidoS!— hat noch gestern im„Volkshause" an einer Probe zu Hauptmanns„Die Weber" teilgenommen, in welchen er eine Rolle spielen sollte. Außer Meert soll noch ein gewisser P., dessen Verhaftung noch nicht erfolgt ist, an der Verabredung üder das Attentat teilgcnoinineii haben, und zwar soll es sich ursprünglich darum gehandelt haben, das Loos zwischen diesen drei Personen entscheiden zu lassen. Indessen hatte der P., mit welchem Sipido wettete, bis zum letzten Augenblick den Eindruck, daß es sich mn einen Scherz handle, und war anfs höchste überrascht, als er von dem Mordversuch hörte. Der zwanzigjährige Meert war ein eifriger Leser der a u archi st i scheu Zeitungen „Libertv",„Pöre Peinard" und„Bataille". Der Vater Meerts soll an dem R o in m u ii e- A u fst a n d teilgenommen haben; er hat in der Mansarde seiner Wohnung eine Waffen- s a»i m l ii n g, welcher sein Sohn beriinitlich den Revolver ent- nahm. Der Vater Sipidos befand sich, wie ferner bekannt wird, früher einmal wegen Geisteskrankheit in ärztlicher Bchandliing. Ist eiiie blödere und zugleich perfidere Darstellung möglich? Zwischen die Angaben, daß das Ganze ein Scherz sei und daß Sipido erblich belastet scheine, wird mit dumm- Pfiffiger Harmlosigkeit von Hauptmanns„Webern" gesprochen, von"der eifrigen Lektüre anarchistischer Zeitungen, von dem Gerücht, daß der Vater des einen Burschen ein Kommunard gewesen sei. So werden mit beilmifigen Andeutungen eine große Dichtung, eine politische Partei, ein gewaltiges historisches Ereignis verdächiigt, und außerdem zugleich die Kinderei, der .Scherz" zu einer Politischen That aufgebläht. Ist es aber wirklich nötig, daß das deutsche offiziöse Bureau derlei klerikal-polizistischen Schwindel weiter verbreitet?— Zickzackknrs in Italien. Der Mutige weicht zurück— denkt der italienische Premierminister mit weiland dem preußischen Minister der rettenden Thaten. Herrn v. Manteuffel. Unmittelbar nach- dem mit Ach und Krach die parlamentarische Knebelakte in der Kammer durchgedrückt worden ist. kommt uns Plötz- lich die Nachricht, daß das Ministerium Pclloux das berüchtigte decreto-legge(Dekret-Gesetz), d. h. jenes königliche Dekret, das ein verschämter und verkappter Staatsstreich war, zurückgezogen hat. Wenn man bedenkt, daß die ganze Aufregung der letzten Monate in Italien dieses Tekret-Gesetz zur Quelle hatte.— daß die leidenschaftlichen, zum Teil tvildeu Kämpfe der„Obstruktion" diesem Dckret-Gesetz galten, und daß endlich die am vorigen Dienstag durchgedrückte Parka- mentarische Knebelakte die Durchdrückung jenes Dckret-Gesetzes z u m Z>v e ck hatte, so kommt die Kopf- und Planlosigkeit dieses Ministeriums Pelloux uns zu vollem Bewußtsein. Wir zeigten neulich, wie es ohne Ziel, ohne Steuer, das Spiel der Wellen und Winde, von den Ereignissen hin- und hergctriebcn wird; wie es ödeste Augenblicks- Politik, Politik von der Hand in den Mund treibt und jeden Tag die Entschlüsse des vorhergehenden Tags über den Haufen wirst. Herr Pelloux ist weder ein Staatsmann, noch ein Charakter, allein ungerecht wäre es, ihn persönlich für die jammervolle Rolle, die er spielt, verantwortlich zu machen. In Italien haben wir es seit Schöpfung des neuen Königreichs nicht mit Minifterkrisen zu thun, sondern mit Regierungs krisen— mit organischen Störungen, die im Wesen des jungen Staats ihren Ursprung haben. Durch die Revolution auf den Thron des geeinten Italiens emporgehoben, von dem Papsttum bekämpft, das im Volk noch mehr Halt hat als die Dynastie', ist das Königtum in Italien auf die revolutionären Elemente als Stütze angewiesen. Im Kampf mit der Revo- lution geht es seiner Stütze verlustig. Monarchie und Revolu- tion passen eben nicht gut zusammen, und das Verhältnis trübte sich in Italien mehr und mehr, bis die Monarchie es sich schließlich in den Kopf gesetzt hat. mit der Revolution zu brechen. Unter Viktor E manuel, dem ersten König des geeinten Italien und Freunde Garibaldi's ging es noch zur Not, allein sein Sohn, der jetzige König Umberto hat die Erinnerung an den revolutionären Ursprung des Königreichs Italien verloren und seine Ratgeber haben sie verloren. Sie suchten in die Bahnen der älteren Monarchien einzulenken, äfften namentlich die preußisch-deutsche Hohenzollern-Monarchie nach, stürzten sich in Militarismus. MariniSmus und Weltpolitik. dabei übersehend, daß die Savoyer Dynastie keine festen und tiefen Wurzeln hat und daß der Papst in Italien mehr Macht besitzt, als der König. Wie diese unheilvolle Politik zu blutigen Aufständen und Hungerrebellionen geführt hat, ist in frischem Gedächtnis. Als nach dem Sturz Crispis Pelloux Minister wurde, war Italien durch eine wahnsinnige Politik der Aushungerung und Unterdrückung im Innern, toller Abenteuer nach außen zu Grunde gerichtet. Sollten geordnete Zustände herbeigeführt, gesunde Grund- lagen für das Staatswesen geschaffen werden, so mußte eine durchgreifende Reform und eine vollständige Umkehr erfolgen. Das begreift Pelloux nicht. Ein alter Soldat, der wenig gc- lernt hat. kennt er nichts Höheres, nichts Mächtigeres als die Gewalt. Er proklamierte die Säbeldiktatur und verließ sich auf den Belagerungszustand, mit dem, nach Cavours berühmtem Wort, jeder Esel regieren kann. Das heißt regieren so lange, bis es eben nicht mehr geht und die Regierungsmaschine zerbrochen daliegt. Nach der Straßenmetzelei, dem Be- lagerungszustand und den Kriegsgerichten wurde es mit dem Staatsstreich versucht— dem verschämten Staatsstreich, der in dem Dekretgesetz gipfelte. Den Willen des Staatsstreichs hatte Herr Pellmix Wohl, doch nicht die Kraft. Er ließ sich eine Konzcssion um die andre abringen und blieb ohne Programm. Er dachte nur daran, seine Existenz zu fristen. Der oberste Gerichtshof des Landes erklärte vor fünf Wochen das Dekret- Gesetz für verfassungswidrig, für un- verbindlich. Statt den Moment zu benutzen und durch Preisgeben des gebrandmarkten Staatsstreich- Dekrets die Möglichkeit des Einlenkens in neue Bahnen zu gewinnen. steifte sich Pelloux auf das Staatsstreich. Dekret. Er bringt die Kammer in Aufruhr, ruft die gewalt- thätigsten Scenen hervor, macht einen Parlamentärs» s ch e n Staatsstreich, um den Dekret- Staatsstreich zu retten, zerrt den Staat bis an den Rand des Bürgerkriegs und— schreckt Plötzlich zurück, läßt das Staatsstreich- Dekret fallen, als habe ein Medusenhaupt ihm den Arm gelähmt. Das ist keine Politik mehr, das ist das Schwanken und Taumeln hilfloser Schwäche, Und was nun? Der flammende Appell, den die äußerste Linke nach dem parlamentarischen Staatsstreich des Dienstag an das Land, an das Volk gerichtet hat, wird angesichts dieser hilflosen Schwäche einen verdoppelten Wiederhall finden; und wenn am 18. Mai die Kammer nach dem Monte Citorio zurück- kehrt, wird die äußerste Linke voraussichtlich alle thatkräftigen gesunden Elemente des Landes hinter sich haben und Herrin der Lage sein. Deutsches Fleich. Ein Loblied auf den Handel. Zur Eröffnung des deutschen HandclstagS hielt Graf Posadowsky eine Ansprache, in der er die Bedeutung der von Reichs ivegen vorgenommcneil P r o d u k t i o n s- st a t i st i k schilderte, die namentlich zeige, wie hoch der eigne Ver- brauch Deurschlands sei. Dann feierte er die Bedeutung des Handels: „Die Aufgabe des Handels besteht darin, die mifgestapelten Erzeugnisse der übrigen Ermerbszweige iu die unzähligen Kanäle deS Verbrauchs zu verteilen. Welche Wertsteigerung die fertige Ware auf dem weiten Weg von der Erzeugungsstelle bis zum letzten endgültigen Verbraucher erfährt, läßt sich für die einzelne» Waren- aattungen nicht einmal durchschnittlich feststellen, denn die Wert- steigcrung hängt von der Länge des TransportivegS, von dem Wechsel der Nachfrage und des Angebots und schließ- lich von den lokalen Verhältnissen deS letzten VerbrauchsortS ab. Man sollte hiernach in Ermangelung der Möglichkeit eines schlüssigen Nachweises, inivielveit der Handel in be- rechtigter oder unberechtigter Weise zur Vermehrung des Werts der Güter und zur Erhöhung ihres Preises beiträgt, aus der öffentlichen Erörterung die Behauptung ausscheiden, daß der Handel, welchem nur die Verteilung der Güter zufalle. eine minderwertige Thätigkeit gegenüber den auf die unniittelbare Erzeugung von Gütern gerichteten Thätigkeiten darstelle. Ein leuchtender Körper wirft vielfache Strahlen und doch lann man dieselben nicht von einander scheide» und i>n cinzelncir messen, weil sie einer einheitlichen Lichtquelle entstammen. So zeigt auch unser Wirt- schaftsleben die verschiedenartigsten Thätigkeiten. die sich von einander nicht trennen lasien, weil sie sich gegenseitig ergänzen müssen und deshalb auf einander angewiesen sind. Der gemeinschaftliche Urquell nnsreS gesamten wirtschaftlichen Wohl- stands und Fortschritts ist aber deutsche Arbeitskraft und deutsche Arbeitslust. Sie zu erhalten und ihnen fortgesetzt'neue Gebiete der Thätigkeit zu erschließen, mutz unser aller Aufgabe sein." Dieser Himveis ans den Wert des Handels klingt in der Zeit der Warenhanssteuer außerordentlich komisch. Der Hinweis auf de»„Urquell" alles Lichts, die Arbeitskraft und Arbeitslust, könnte sogar als ein Kokettieren mit dem Umsturz aufgefaßt iverden, wenn man nicht wüßte, wie weitherzig der Graf den Begriff der Arbeit anffäßt. Tie Unternehmerintelligenz eines Anfsichtsrats wird sicherlich von ihm stark in de»„Urquell" eingerechnet. Die agrarische„Dentsche Tageszeitung" ist sehr«»gehalten über diese Würdigung deS Handels, der nur i>yowcit berechtigt sei. als er Volksivirtschaftlich, will sage», den agrarischen Interessen nützlich sei. Und dabei hat das Blatt erst kürzlich den Grafen Posadowsky neben Miguel als den einzigen bezeichnet, der das Vertrauen der Landwirtschaft genießt!— Interpellation über die Fleischbeschau. Aus Gera wird uns telegraphiert: In Bcaiitwortung der socialdernolratischen Jntcr- pellation über da? Fleischbcschau-Gesctz erklärte der StaatSminister, der Bnndesratsvertreter von Renß j. L. sei beauftragt, gegen die Beschlüsse m der zweiten Lesung des Reichstags und für Kompromiß- bcschlüsse mir dann zu stimmen, wenn wesentliche Bedenken gc- fallen seien.— Von der„Germania". Bei dem Berliner EentrnmSorga» „Germania" scheint der allgcnwine Verstand seinem besonderen Kmist« verstand zu entsprechen. DaS Blatt nnteniiimnt eS heute, den„Vorwärts" ans einer„Fälschung" festzunageln: DaS socialdemokratiscbe Ccnlralorgan behauptete noch vor einigen Tagen keck und frech,„daß die Haupt s u in m e» für die Flottenvermehrung doch auS den Zöllen u n d V e r- brauchsabgaben hergeholt werde» sollen", wobei jeder socialdemokratische Leser selbstverständlich an Zölle und Verbrauchssteuern denkt, welche die breite Masse des Volks belasten. Das spricht auch der„Vorwärts" deutlich ans, wenn er schreibt: Wir werden unablässig das feile Gaukelspiel, das da zwischen Regierung, C e u t r u m und den übrigen bürgerlichen Parteien betrieben wird, vor dem Volk d e n ü n z i« r e u. da» die Zeche schließlich doch b«- zahlen muß. Es ist mehr als ein„feiles Gankclspicl", was der„Vorwärts" hier betreibt, eS ist eine gemeine Lüge u n d V e r d ä ch t i- g u n g. Der„Vorwärts" wird doch nicht etwa behaupten wollen, daß die Erhöhung der Zölle auf anSländischen Champagner und Ltqneur«, auf importierte Cigarren und Cigarctten, oder daß eine Vcrbranchsabgabe für deutsche Schaumweine die armen Ar- beiter oder die breite Masse des Volks belaste, wenn wir auch nicht lenguen wollen, daß der eine oder der andre Socialdeniokrat auch davon betroffen werden könnte. Wir wüßten nicht, welche von den vorgeschlngcuc» Stenern und Zöllen von socialdemokratischer Seite mit Rücksicht auf die Belastung des Volks bemängelt werden könnte, da dieselben sämtlich so gewählt sind, daß nur die reicheren Klassen betroffen iverden. Wir haben nicht nötig, die Germania unsrerseits festzunageln, sie ist schon vernagelt genug, wenn sie wirklich nicht einsieht, daß u n s r e Meinung vollständig den Thatsachen entspricht. Das Centrum will nur die aus den laufenden Mitteln nicht deckbaren Flottcnaus- gaben durch Steuern einbringen, welche die breiten Massen nicht belasten, anstatt— ivie es jeder ehrliche Socialpolitiker vor- schlagen müßte— die ganze Sliiinnc,»nabhängig von den sonstigen ReichSeinimhme». durch eine direkte gerechte Besteuerung zu decken. Da nun der größte Teil der FlotteiianSgaben aus den laufende« Einnahmen bestritten iverden wird. d. h. onS der Bc- lastuiig der notweiidigcnLebeiismittel.so bleibt es trotz des„Germania"- Geschiiiipfs und der nltramontaiien„Fürsorge" für die ärinere» Bc- völkeruiigsklassen dabei, waS wir behauptet: die Wasserpolitik wird dank dem Cenirum iii der Hauptsache geimu so bezahlt ivie bisher das Reich imterhaltcn worden ist: durch die Besteneriiiig ver Masten. Der«Vor- ivärts" hat nie», als behauptet, das Tentnim»volle die über die laufenden Einnahmen hinaus etwa nötig iverdcndcn Silmme» durch AiiSbelltung des MasienkonsiimS aufbringen: wir haben nur darauf hiiigcwicscn. daß das sociale Gctbne der Ultra- iiioiitmien Wind ist, weil sie sich nicht z» der Forderung aufznsckiviugen vermöge», daß die G e s a m t k o st e n der Marinevorlage, nicht bloß ein eiiva sich ergebender kleincr nicht gedeckter Rest, auf dem Wege einer Bcstencrung der Besitzeliden aufgebracht werden, Jetzt wird die„Germania" wohl begriffen haben, worum eS sich handelt, niid ihrer christlichen Gesiiminig gemäß, daß man nicht falsches Zeugnis reden dürfe, ihre Beschiildigimgen des„BortvärtS" zurücknehmen. Unterläßt fie das. so müssen ivir wohl oder übel anilehmeii, daß sie nicht auS Dummheit geirrt, sondern mit Bewußt- sein verleumdet hat.—_____ Der Teuunziaiit. Bekanntlich war eS die„Germania", die durch ihre Denunziation deS angeblich gotteslästerlichen Gedicht» von Sigmar Mehring „Die feige That von RciiiicS" den Staatsanwalt auf die Spur dieses Verbrecher» brachte. Die„Gerniania" selbst war indes erst durch eine private Deniliiziation zu ihrer öffentlichen Demmziation veran- laßt ivorden. Und zivar hatte sie sich damit gebrllstet, daß eS sogar ein in seine» heiligsten Gefühlen gekränktes protestantisches Gemüt geivesen sei. das seine Empörung»n ihren katholischen Busen aus- geschüttet habe. Nunmehr ist auch der Name deS protestantischen Eiferers bekaimt geworden. Dr. Max Obcrbreyer»ernit sich der tief religiöse Mann, dessen P o st k a r t e als„Sturm der Entrüstung" von der „Germania" frnktifiziert worden ist. Bon Herrn Dr' Oberbreycr erzählt nun die liberale Presse folgendes hübsche Geschichtchen, das beweist, daß das Gemüt des gekräiiklen Mann» auch noch andren als religiösen Emotionen zugänglich ist: Der sittliche Stürmer, Dr. Max Oberbreher, hat im Jahr tS86 in Magdeburg einen öffentlichen Skandal dadurch erregt, daß er als Theaterkritiker des„Gencral-Anzeiger" der Schauspielerin Fräulein Melles schriftlich einen unverschämten Antrag machte und dann, als er eine energische Ablveisiing crsilhr, die Schauspielerin so lange übel behandelte, bis diese sich zur Wehr setzte niid den Tartüff entlarvte. Als der lveise und gerechte Äunstrichter sogar den Direktor des Stadt-ThcaterS veraiilaffcn wollte, gegen Fräulein Melles einzuschreiten, führte ihn der Schauspieler A. Hoffmann im Namen aller Mitglieder de» Stadt-TheaterS gehörig ab." Wir fügen dem noch hinzu, daß Herr Oberbreher sich durch eine schriftstellerische Thätigkeit bekannt gemacht hat. die auch ohne die durch die lex Heinze beabsichtigte Geschmacksverseinerimg geeignet ist. daS Schamgefühl sensibler Naturen bisweilen gröblich z» ver- letzen. Die„Gerinama" hat also iveuig Ursache, auf die Bundes» gcnossenschaft eines Herrn Oberbreher stolz zu sein.— Mecklenburgische Praxi». Bei der Beschlagnahme der Nr. S4 lind 35 der„Mecklenbnrgische» VolkS-Zeitung" ivurdeii, entgegen den gesetzlichen B e st i in m»„ g e», weder die inkrimiiiierten Stellen noch die aiigeblich verletzten Strafbestimuningcn bezeichnet. Haben die Beamten daS nicht gewußt V— Landestrauer. Der Geliihauser Landrat macht bekannt: „AuS Anlaß des am SO. März er. erfolgte» Ablebens Seiner Durchlaucht des Grafen Karl zu Asenburg und Büdingen in Meerholz findet gemäß$ 8 des lurhesfische» Edikts vom 29. Mai 1833 in dem standesherrlichen Bezirk Meerholz, nämlich in den Gemeinden Mcerholz. Hailer, Haitz, Gettenbach, Roth, Lieblos, Rothenbergen, Niedergründau. Neuen- Haßlau, Niedermittlau irnd Gondsroth eine öffentlich« Trauer für sechs Wochen vo» heute ab statt. Oeffentliche L n st b a r k e i t e u dürfen während d i e s e r Z e i t nicht stattfinden. Die Herren Bürgermeister der betreffenden Orte wollen dies in ihren Gemeinden bekannt geben und für Beobachtliiig Sorge tragen. Gelnhausen, den 2. April 1900. Der königliche Landrat. v. Baumbach." Danach scheinen, trotz der dentschen Einheit, die Staudesherren iimncr noch hiiircichend von Gottes Gnaden zu sein, um eine Ueine Landestrauer erzielen zu können. Für vergiiügungssüchtige Lenie ist es gefahrvoll, in solchen standesherrlichen Bezirken zu wohnen.— Tächsische Schöppenstiidtcrei. Der Rat der Stadt Chemnitz verbot der d e n tsch- k a t h o l i s ch e n Gemeinde jede fernere Abhalinng der Gottesdienste in den bisher diesen Zwecken dienenden städtischen Schulgebänden, weil der Verdacht vorliege, daß die Mi!- glicdcr der Geinciude socialdemokratischeu Tendenzen hilldigten. Sächsische Behörden schießen doch trotz der hitzigen Koiiknrrcnz. die ihneil neuerdings, namentlich vom Lande des Ochsenkopfs, gc- macht wird, noch immer de» Vogel ab.— Die wahren Absichten der Mariniste» treten tmmer nnver- hüllter zu Tage. Während man früher immer nur bchmiptete, daß Dentichland einer starken Flotte bedürfe, um Angriffe abwehren zn köiineii, sucht man jetzt das Volk mit dem Gedanken einer späteren Offensive vertraut zu machen Zo liest man in dm„Gruiz- boieu":. „Auf niiser Ziel losgehen, niemand zulieb, niemand zuleide, iins nicht auf die Hühneraiigei» treten laffen,� aber auch niciiiaiid unnütz herausfordern, immer hübsch� zuerst an uns denken, jeden Vorteil benutzen, um etivas für uns einzuheimsen— die Hauptsache für iiiis ist aber jetzt, den Frieden z» er- halten und Zeit zu gewinnen, btS wir die starke lotte habe», die wir brauchen, um»nS in Respekt zu setzen. ann erst habe» wir die Arme frei, dann greift unS schwerlich jemaiid an, und wenn'S einer wagt, nun, dann mag er in Gottes Namen komme»." Wenn wir unS auch jetzt schon»ichtauf die Hühnerauge» treten zu lassen brauchen, Ivozu dann die Niesenftotte? Der fettgedruckte Paffns gicbt hinlänglich Aufschluß über de» imperialistischen Größen- ivahii gewisser Elemente. Der letzte Satz scheint den vorhergehenden abznsch'ivächen, aber das ist auch nur Schein. denn auch er atmet iveltmachtpolitischen Uebcrmut. Was hilft uns übrigens die„starke S lotte", wenn England sich inzwischen eine stärkere geschaffen at?- Hohle Renommistcrei. Der deutsche Fkottenverein prahlt mit der großen Zahl seiner Mitglieder. Daß die paar hlinderttausend Flolteiieiithiistasten aber nur einen kleilien Bruchteil des Volks bilden, würde klar zu Tage treten, wenn man es zur Reichstagsauflüsung kommen ließe lind bei dem Wahlkampf eiiinial auf behördliche Wahlmache, den Unfug der Saalabtreibereien, das Verbot der Versamuiliingeil unter freiem Himmel und dergleichen Machinationeil verzichtete.— Wozu der Lärm? Die„nationale" Presse kann sich noch immer nicht über den Fall Lipps bernhige». Sie ergeht sich in allerlei textkritischen Tüfteleien darüber, was Professor Lipps in Wahrheit wohl gesagt haben möchte. Nach der Bchauptiiiig des Centrums hat er gesagt:„Die Richter mögen noch so gute Richter sein, aber sie sind mitunter auch recht schwache Menschen, und ich spreche eS offen aus, das absolute Ver» rauen in nnsre Rechtsprechung, ich habe es verlöre». Die Lehre von der absoluten Unbestechlichkeit des deutschen Richters ist eine Legende getvorden". Von liberaler Seite wird dagegen versichert, er habe gesagt: „Wenn man U n b e st e ch I i it, k e i t nicht nur im groben, materiellen Siim auffaßt, sondern darunter die U n- zn länglichkeit für unberechtigte Einflüsse jeder Art lind die unerschütterliche Wider st andSfähigkeit auch gegenüber mächtigen Tagesströminige» verstehe, so sei daS Wort von der Unbestechlichkeit des deutschen Nichterstands zur Legende geworden." Vollniar erklärte: Daran, daß Herr Professor Lipp» von einer Bestechlichkeit der Richter im geivöhnlichen Sinne gesprochen habe, hat wohl ein vernünftiger Mensch überhaupt nicht denken konneii. Perr Professor Lipps hat einfach ausgesprochen, daß der Richter von Aiischaiiiuigcn abhängig sei. die in seinem Kreise herrschen; es hat sich einfach darum gehandelt, daß das sociale Milieu außerordentlich auch auf den Richter eimvirke und in »eurer Zeit mehr als früher— genau das, WaS ich Niid meine Parteigenossen wiederholt in diesem Hause ausgesprochen haben, Der Streit um den Wortlaut ist einfach lächerlich, denn der Sinn der Ausführungen des Professors Lipps ist sonnenklar. Daß in einer social zerklüfteten Zeit die Richter nicht objektiv Recht sprechen können» da die Richter eben doch auch Menschen sind, wird ein normal organisierter Mensch bei einigem Nachdenken kaum zu leugnen wagen. Der Grad der Beei»stussu»g durch daS Milieu wird natürlich nach der Intelligenz und dem Temperanient der Richter außerordentlich differieren. Weniger begabte oder cholerffche Naturen iverden den Anschauungen ihres Milieus zuiveilen einen höchst bedenklichen Ansdruck geben. Und faktisch sind auch unter dem Richterstand alle Abstufungen deS Talents und Temperaments vertreten.— Vom Schutz der Schwachen. Bezüglich de? KontraktbnichS ländlicher Arbeiter haben der LandwirtschaftSminister und der Minister des Innern an die Regierungspräsidenten folgende Verfügung erlassen: Es ist eine allgemeine Anordnung dahin in Anregung gebracht worden, daß die Aiigelegeuheiten, ivelche sich auf den Vertrags- bruch des Gesindes und der ländlichen Arbeiter beziehen, als eilige zu behandeln sein sollen. Wenn sich auch aimehmen läßt, daß mit Rücksicht auf die in Betracht ko», Menden wichtige» staatlichen und Privatinteressen schon jetzt entsprechend verfahren wird, so empfiehlt es sich doch, auf die Eilbedürftigkeit solcher Sachen noch besonders ausiuerksam zu machen. Wir ersuchen deshalb, fviveit die Mitwirkung der Polizeibehörden i» Angelegeilheiten jener Art in Frage koinnit, für den dortigen Bezirk euie entsprechende Verfügung zu erlasse». lieber die Beschleuiiigung des umgekehrten Falls, deS Kontraktbruchs der ländlichen Arbeitgeber, wird iu der Verfiigniig bezeichnenderweise nichts gesagt.— Durch Pauke» und Trompete« soll der angeblich dafür so empfängliche» deutschen Volksseele daS Flottenevangelium suggeriert werden. Man liest in der ,B. Z.": Unter Mitwirkung von Militärmusik durch di« Kapelle des 13. Jiifa>itrie-Negiiiie>»ts wird nach dem„Müiiftrischen Anzeiger" an diesem Souiiabeud der Berliner Privatdozent A. v.'Wenckstcni in einer Flotten- Versammlung i» Münster „auftreten". Die Vorführung von Licht- b i l d e r ii wird sich an den Vortrag anschließen, und da in der Einladinig auch«die v e r e h r t e n D a m c n w i l l- i o m m c n" geheißen werden, ivird der Abend, ivie es iveiter heißt, » d es Interessante» i n H n l l« u» d F ii l l e b i e t e n." Wäre es nicht gut, den Frauen auch daS Wahlrecht zu geben, da nian sich doch solche Mühe mit der politischen Bearbeitung der» selben giebt? Oder vertraut man fest genug auf die Unterrocks- Politik?— Die Zulassung der Realgymnasial- Abiturienten ,*ut medizinischen Studium seitens des Staate», inisteriumß uard al« beschlossene Sache bezeichnet. Die Zulassung soll jedech'mr Hann rrfofgen, wenn die Abiturienten im Latein dieselbe Reife aufzuweisen fiabem die von den Gtimnasial-Abitnrienten gefordert wird. Eine iiteschluszfasinng über die Zulasinng der Rcalgymnasial-Abiturienten zu andren Studien, naniemlich dem juristischen, soll noch von weiteren Erwägungen abhängig sein.— Di« Wedizwalverwaltung dem Ministerium des Innern zu unterstellen, soll ernstlich geplant sein. Als Gründe werden die angebliche Ueberlastuitg des stultiiSministcriuins, zu dessen' Ressort diöhcr die Mcdizinalvcrwaltung gehörte, wie die Nützlichkeit, die Sanitätspolizei in einen organischen Zusainmenhang mit der allgeuicinen Polizei zu bringen, gellend gemacht. Gegen den Loslrennmtg der Mcdizinalvcrwaltung anS ihrem jctzigeit verbände wird angcsührt, dah etil lebendiger Zusanuncnhang zwiicheu dem Kultusministerium und den medizinilchcn Wissenschaften dringend erwünscht sei. Jedenfalls sei das Schiucrgewicht darauf zu legen, dag das KnllilSministerium durch die Reform nicht Schranken zwischen sich und der mediziuischcu Wissenschaft aufgerichtet sehe.— Dresden, B. April.((Sig. Bcr.) Man sollte eS kaum für möglich halten: Auch die Geduld des sächsischen Landtags hat ihre Grenzen! Der sächsische Jnstizminisier Dr. S ch n r i g Holle sich näinlich in der bentigcn Sitzung eine einpfindliche Schlappe. An- h'älich einer Fordern»» der Regierung betr. de» Ankaiü einer Billa, >v>.lche für Dienstwohnungen der AintsaerichtSbeotnten eingerichtet werden und 46000 M. kosten sollte, halte die Finanzdcpntation den Antrag gestellt, dir Kammer möge diese Summe streichen. Der Jnstizininistcv erllärtc n»ir nnler Hinweis aus diesen Vcschlnß, die Kanuner solle sich doch mehr von dein Grundsatz über Treu und Glaube» als von kühler Berechnung leiten lassen, ivorauf der Prä- sidcnl Dr. v. M e h n e r t d i e K a ni m e r ganz entschieden d a g e g en verwahrte, dag sie jemals von diesem � ll..?.» d s a tz abgewichen sei. Dieselbe trage in ihre» E»t- Ichliissen das Wohl der Allgemeinheit in sich. sie beivillige aber mich n n r dort Anlchassnngcii, wo sich ein volkswirtschaftliches Be- düirfnis dafür zeige! Der arme Schurig! Sogar dieser Landtag wird von der Kultur beleckt! Später»ahm dann der Minister das Wort»Itter dem Ausdruck des Bedauerns wieder zurück, und erklärte. es habe ihm fern gelegen, die«hohe Kammer" zu verletzen. tWcnn mau doch� in Preußen und Mecklenburg auch erst so weit Ware! Die Red.) Damit lvar dieses seltsnine Ncnkontre er- lediirt. Dw Kammer beriet sodann über mehrere Neu- und Uinbanten des JnstizdcpartcmcntS, solvie über den Bericht der Finanzdcpniation betr. den Verg-, Hütten- tnid Miiuzetat, und über allgemeine Aus- gaben im fiskalischen Bergbau. Bei der ersten Lesung hatte hier der Minister v. W a tz d o r f in Bezug ans den tSVSer Streik der Bergleute im Zanckerodcr Revier gesagt, dieses sei der frivolste von allen bisherigen Streiks gewesen, da er direkt von.socialdeniokra tischen Führern" provoziert sei. Die Socialdenwkrwtie habe hier eine direkte Kraftprobe veranstalten wollen. Genosse Fräfcdorf kam heute darauf zurück. Mit einem reichhaltigen Material, welches er an Ort und Stelle gesammelt hatte, wies er nach, datz thntsächlich schon 18V8 die Arbeiter unzu- fmden gewesen feie». Man habe ihnen damals Versprechungen gemacht, diese aber nicht gehalten. Sogar notb einen Monat vor AnSbrnch des Streiks habe eine Versammlung eine Rc- solntion gesagt, in welcher die Bergleute eine Vcr- stäudigiing mit der Verwaltung hcrbeiiviinschten. Aber während dieser Verhandlungen sei plötzlich der Direktor für einen Monat auf „Urlaub" gefahren, man habe die Arbeiter mit ihren minimalen Fordeningen hingehalten, ja ihnen schließlich sogar mit dem berüchtigten 80 de« Berggesetzes gedroht! Erst al, mehrere Arbeiter a u (Stund dieses Paragraphen gcmaßregclt seien, hatten sich die Nebrigcn mit ihnen solidarisch erklärt, und mit Recht I Und da nun auch die Streikleitimg in den Händen aktiver Bergleute gelegen habe fauch hierfür brachte Frätzdors den Beweis, der Minister hatte die Lcitinig.sremde Agitatoren" genannt), so treffe auch nicht eine einzige Behauptung des Ministers zu! Der Minister wich der Antwort geschickt ans, dafür legten sich aber einige reaktionäre Heißsporne ins Zeug' inachten aber, trotzdem einer von- ähnen mit Stcntvrfttzniiie in den Saal schrie:„Und der Streik war trotzdem III) frivol!" sonderbarcrweile ans die Kammer nicht den geriiigstei, Eindruck. Nach unwesentlicher Debatte wurden darauf die Kapitel des Berg- etats ee. einstimmig angenommen. Chronik der Majcstätsbclcidigungs-Prozesse. Aus Essen wird uns berichtet: Die Essener Strafkammer berurteilte heute einen Bahnarbeiter Rudolf Steinntann ans lieber- richr lvegen Beleidigung der deutschen Kaiserin zu zivei Monatc» Gesmigiiis. Die heleidigenden Aeußerimgeu sind ans der Arbeits- stelle, Zeche„Charlotte" gefallen. Die Verhandlunge» wurden unter AnSschlnß der Oeffcntlichkeit geführt.— Das Landgericht München I verurteilte hinter verschlossene» Thüren den Maschinisten Bonaventura B u ch e r von Strnhlfeld wegen Beleidiguiig des Prinzregenten und de§ dentscheu Kaisers, zu acht Monaten Gefängnis. Die Belcidigiing des Kaisers wurde gesunden in einer Kritik des Angeklagten über die Flotte»vorläge. Die Beleidigung des Prinzregenten in einer Unterhaltung über den Einsturz und Wiederaufbau der Prinz- regcnten-Brücke.— Der Gegen dcö Militarismus. Die»Mecklenburgische Zeitimg" meldet folgenden monströsen Vorfall: Nach§ 112 de? St.» G.» B. wird derjenige in Strafe ge- nominell, der eine Person des Soldateiistandes auffordert oder an- reizt, dem Befehle des Oberen nicht Gehorsam zn leisten. Unter dieser Anklage erschien nun der Barbier Treimert. DerAngeklagte betrieb bis vor kurzer Zeit sein Barbier- und Friseurgcschäft i» der Brnimen- slrahe und erfreute sich einer zieinlich große» Kundschaft ans den Mannschafte» des in dem Quarlicrhausc ll liegeiideu Bataillons des Grenadier-Regiments Nr. 8g. Ob es nun, wie der Angeklagte ineint, dem Obersten durch irgend einen Denuiizianteii bekannt gcivorden, daß er wegen Fahnenflucht und Majestätsbeleidiguug �vorbestraft ist. oder ob andre Gründe ihn daz» veranlaßt haben, genug, der Oberst erließ vor einiger Zeit den Befehl, daß die Mannschaften des betreffenden Bataillons sich nicht mehr bei Treimert rasieren lassen sollte». Der Verlust war hart für Treimert und machte sich in schwerer Weise in seinen pekuniären Verhältnissen fühlbar. Um nun die Kundschaft doch wieder zu er- laugezi, schickte er ani 20. Jauuar dieses Jahres einen Jimge». dein er einen Barbicrkittel angezogen hatte, mit Empfchlnngskarten in das Quartierhans und ließ sie dort an die Maiiiischasten verteile». Daniit die Leute sich leichter entschließen möchte». trotz des Verbots wieder zu ihm zn kommen, hatte er auf dielen Karte» den Preis für Barbieren ans 8 Pf. und für Haar- schneiden ans 8 Pf. herabgesetzt. Durch die« Vorgehen hat der Angeklagte sich,»ach Ausichl des Gerichts, einer strafbaren Handlung aus Grund des 8 112 schuldig gemacht, und wenn er dafür nur mit der geringen Strafe von 5 Tagen Gefängnis belastet wird, so geschieht dies nur i» der Erwägung, daß er geständig und in einer Rotlage gewesen ist, daß er sich bei dein Obersten entschuldigt hat und daß überall nur 4 Karten zur Verteilung gekommen sind." Also erst wird ein armer Teufel durch den Befehl eines Offiziers onfs schwerste in seinem Broterwerb geschädigt, und dann, wenn der Gcboykottcte in seiner Lerzweiflimg den Versuch macht, den n»- barmherzig gegen seine Exislcnz geführten Schlag zu parieren, wird er ins Gefängnis"g e st e ck t. wo ihm Gelegenheit gegeben ist. über den Segen des schnöde von ihm verkannten Militarismus Betrachtungen aiizustellen! Der Militärbopkott ist längst zu einer schweren Schädigung der wirtschaftlichen Interessen deS Volks ausgeartet, er str eine politische Znchlrute geworden, mit der. lveun es sich beispiels- weise um Existenzgesährdimg von Wirten handelt, die nicht begreifen können, daß Socialdeniokralen vogelfrei sind, harmlose» Geschäfts- lentcn Patriotismus eingepeitscht werden soll. Wir begreifen es vom Standpunkt de» Militarismus ans. daß man selbst den schneidigsten Umsturzvernichtungsreden der Herren Offiziere nicht die Fähigkeit bei- mißt, die Soldaten gegen dst socialistische Juseition'zu imnnniisiere», daß man sie deshalb vom Verkehr mit notorischen Socialdcinokratcn abzuschließen suckit. Daß man aber über Wirts den Militärboykotl verhängt, mir weil bei ihnen alle Quartal einmal ei»« soeialdemo- kratische Volksvcrsan>mln»g stattfindet, daS verrät den» doch eine übertriebene Vorsicht, die selbst den naivste» ländlichen Nelrutcn nicht zu imponiere» vermog. Ebenso unmotiviert erscheint uns der Bohkott deS BarbierL Treimert. Wir wüßten wenigsteiiz nicht, wie durch die gesichtsverschönenide Thätigkeit dieses Manne» die Subordination und der patriotische Geist der Soldaten hätte gefährdet werde» können. Die Vorstrufen Trcnncrts allein berechtigte» aber durchaus noch nicht zu dein über ihn verhängten Militärbopkott. Das Gericht seinerseits hat den ß 112 uiisreS Erachten» etwa» zu weitherzig interpretiert. Unter Anreiznng zur GchorsainSverweigcruiig dürfte der Gesetzgeber denn doch wohl etwas ganz andres pcrstandcii wisseii wollen. Und wenn schon eine Verurteilung erfolgen»mßtc, so hätte man sich in Anbetracht der verzweifelte» Lage des feinem Ruin Preisgegebenen mit einer Minimolstrafe von 1 Tag begnügen können, lagen doch die Vorstrafen auf einem wesentlich andren Gebiet. Der Fall Tremiert lvird die Begeisterung de? Volks für den Militarismus jedenfalls nicht zur helleren Lohe anzufachen vcr- mögen.— Aitsland. Frankreich. PariS, 6. April. Die D e p n t i e r t e n k a m>n e r beriet de» Gesetzcntivurf. betr. die Kolonial Zlriucc. und genehmigte den erstell Artikel,»ach welchem die Kolonial-Arince dem Kriegörnimster unterstellt wird.— Italien. Ein Pernütistiger Ecschworueusprnch. Die vier der Mit- schuld am Anschlag Acciaritos bezichtigten jugendlichen Anarchisten wurden heute von den Geschivornen von Teramo freigesprochen, denen das Publikum Ehruilgen darbrachte.— England. London, 6. April. Unterhaus. Der Parlamentssckrciär des Kriegs, W y n d h a m, führt ans, die Gesamtziffer der Ge- fangciir» von Transvaal und dem Oranjc- Freistaat habe sich am 23. März ans SOOO Mann beziffert. Die Gesaintsumine der ge- faiigencii Engländer sei nicht genau festgestellt! die Zahl der Vcr- mißte» und Gefangenen habe am 3. März 3480 Mann betragen. Man halte nicht dafür, daß die Zeit gekommen sei, die Frage der AnsivechSIiilig der Gefangenen zu regeln.— Unruhen»ntcr de» AschantlS. London, 6. April. Dem „Reuterschen Bureau' wird aus Accra sGoldküste) von gestern ge- meldet: In Aschanti sind unter den verschiedenen Stämmen Feind- scligkeiten ausgebrochen. Die Telegraphendrähte sind zerschnitten, die Verbindung ist unterbrochen. Von hier begeben sich starke Ab- teilmigeu nach dem Innern. Die Lage ericheint ernst. Der Gouvernciir befindet sich mit sekner Frau in Kuniasi.— Cccil Rhodcö ist heute früh, aus dem Kapland kommend, in Southampton eingetroffen.— Amerika. Die Zustände auf den Philippinen, die nach den offiziellen amerikanischen Nachrichten durchaus zufriedenstellende sei» sollen, werden in einem P r i v a t b r i e s e, dessen Schilderung sich bis Mitte Februar erstreckt, als äußerst uilgünstige dargestellt. In de» occnpierten Teilen des Archipels habe man zivar geordnete Ver- hältniffe Garnisonen, Civilvcrwaltungen ic.— eingeführt, trotzdem tobe aber der Guerillakrieg schlimmer denn je. Fast jeden Tag würden Patrouillen von SO Mann oder weniger in Hinterhalte gelockt und ausgerieben. Die Zahl der Toten und Verwnudetcn auf amerikanischer Seite sei während der letzten zwei Wochen größer als zu irgend einem früheren Zeichmikt der Insurrektion, mit Ausnahme der Zeit deS Ausbruchs der letzteren und der mit dem 25. März 18vg beginnenden 14 Tage. VvrralstraiuS. kleine Eskorten und NckognoöcierungS- abtcilnngen seien den Ueberfällen der Insurgenten ausgesetzt und überall zögen kleine Räuberbanden umher, welche in Verstecke» ans jede günstige Gelegenheit warten, bei welcher sich Lentc machen läßt.—- Pstvfei-Mschvitszkvn. Dem verstorbrilc» Parteigenosse» Ocrtrl widmet die ge- samte Parteipresse ivarm empfundene Nachrufe. In einigen Blättern wird darauf aufmerksam gemacht, daß erbliche Disposition bei Oertels Erkrankiiiig i» Frage kommt, denn auch sein Vater ist in jungen Jahren in geistiger Unniachtiing plötzlich gestorben. Uebcr seine letzten LebenSstnnden erfährt man noch, daß schon am Montag Schwäche-Ansällc mit Erbrechen und Diarrhoe eintraten, die sich Mittwoch früh wiederholte» und nach raschem Verfall der Kräfle mit dem Tode endigten. Die Leiche ist Freitag früh nach Nürnberg überführt worden. um Sonntag, früh 9 Uhr. ans dem dortigen Ceutralfriedhof beerdigt zu werden. Oertcl erhält seine letzte Ruhestätte nicht weit von dem Denkmal Grillenbergers. In der bayrischen Kanuner widmete der Präsident Dr. Orterer dem Verstorbenen folgeiidcn Nachruf: Meine Herren! Nach hierher gelangter, lvciiii auch mir privaten, jedenfalls aber verlässigen, betrübenden Nachricht, ist»euerdingS ein Mitglied aus linsrer Mitte gerissen worden. Unser verehrter Kollege Karl Michael Oertel. Reichstags- und Landtags- Abgeordneter für den Wahlkreis Nürnberg, Biichdriickercibesitzcr daselbst, ist gestern eines raschen, mierlvarteten Todes verblichen. Er hat mir 34 Lebensjahre erreicht, ein Leben voll reger Thätigkeit »nd anfreibender Aiistrcngilng. die ihn denn auch schon vor mehreren Rochen mit einer schmerzlichen Krankheit heimgesucht haben. Der Herr Kollege hat nur einige Monate, seit der Ren- ivahl vergangenen Jahres bekanntlich, unsrem Hause angehört. Wir habe» aber doch durch die liebenswürdige, hiimanc»nd freundliche Art, die er im Umgang mit uns belhätigte, ihn lieb gewomieil. Wir werde« nicht verfehlen, dem Heimgegangenen ein treues, ehrendes Andenken für immerdar zn bewahren. Sie haben sich zum Zeichen dessen, daß Sie mit den Gefühlen, die ich hiermit zum AnSdnick gebracht habe, einverstanden sind, von den Sitzen erhoben. Ich werde, sobald verlässige Nachrichten über die Beerdigung des Kollegen eingegangen sind. Ihnen Mitteilmig davon»lachen und nicht verfehlen, den Angehörigen den Ausdruck unsres Beileids zu unterbreiten. Phantasten. Die unter der falschen Flagge der Unparteilichkeit segelnden„Berliner Neuesten Nachrichten" messen die Organisatiau der socialdemokratischen Partei mit dem Maße, das sie ihrem eignen Lokalendascin abgelausckit haben: Ein Diktator, dem sich die Masse der übrigen Lakaien fiir gutes Geld mit Leib und Seele verkauft haben' und mm auf seinen Wink zu allem bereit »nd fähig find. Roch diesem Maßstabe behandelten sie und behandeln sie noch de» Fall Oertel und»ach diesem Maßstäbe haben sie ivicder einen neucil Fall entdeckt: den Fall Ledebour. Sie lassen sich aus Dresden schreiben: „Die Sächsische Arbeiterzeitung" dahier wird am 1. Juli in der Gestalt eines Herr» Südclum einen neuen Redacteur erhalten. während der bisher leitende Publizist Herr Ledebour seinen Rücktritt nimmt. Der letztere soll nicht ganz freiwillig sein. Herr Ledebour gehört innerhalb der socialdemokratilchen Presse zu den sogenannteii„Eni- schiedenen", wührcud an entscheidender Parteistelle zn Berlin derzeit mehr opportnnistische Tendenzen vorzuwiegen scheinen; man citiert darüber von einem bekannten Parlamentarier das bezeichnende Wort, daß die ursprüngliche» Grundsätze von Zeit zu Zeit ans dem Nellyuicnkästchcn hervorgeholt«nd gezeigt, zntäglich aber sorgfällig nntcr Verschluß gehälte» ivcrden»ckißien. In Bekämpfung dieser letzteren Tendenz geriet Herr Ledebour be- sonder» mit der:„Leipziger VollSzestiing" deS Reichstag»- Abgeordneten Dr. Brnuo Echoenlank und dem Berliner Central- organ der Partei zusammen, zwffchcn welchen beide» letztere» übrigens gleichfalls eine besondre Liebe nicht zn herrsche» scheint. Man hat von der Berliner Socialdcmokratie ans gegen die hiesige bei diesem Anlaß ein gewisses HoheitSrecht geltend gemacht. Ivobei daran erinnert wird, daß der bayrisch geborene und in der Reichs- Hauptstadt lebende Herr Jgnaz Auer dem Reichstag für den sächsischen Wahlkreis Glaiichan angehört." Wir sagen in christlicher Milde: Sie können nicht ander»; Lakaien könne» die Handlungen von Männern nicht begreife». „Der t. Mai und dcr Achtstundentag",«ine AgitationS« brofckiüre für da» polnische Proletariat, heransgegeben von der poliiisch-soeialdemokratischcn Partei ist erschienen mid durch die Redaktion dcr„Gazeta Robotnicza", Berlin O., Stralarier Platz 21, zu beziehe». Einzelne Exemplare 10 Pf.! für Kolporteure, Agitations- koninnssioiicn und Vertranziisleute 50 Proz. Rabatt. Auf dem Parteitage der uugrische» Socialdcmokratie ivcrden einige bemerkenSivcrte Anträge zur Verhandlung gelangen. Von dcr Parteioraanisotion in Arad wird beantragt, daß ein Partei- blatt in rnmänifchcr Sprache hcranSgcaebcn werde. An» Kronstadt kommt der Antrag, ein rniiiänischxs Agitationskoinitee zn ivählcn. daS seinen Sitz in einer Stadt Rnmöiifc»» hat und ferner, zu Pfingsten eine Konferenz der Soelaldemokraten Siebenbürgen» in Kronstadt abzuhalten»nd dazu sämtliche social« demokratische Organisationen Siebenbürgens einzuladen. Weiter liegt ein Antrag vor, daß die Parkes Kompromisse mit bürgerlichen P arteten vermeiden»nd bei der Eroberung de» Wahl- rechts sich nur ans die eigne Kraft der Arbeiter stützen solle. Auch die Agitation znr Förderung der Frauenbewegung wird ans Grund eine» Antrage» verhandelt werden. Ter in Paris bcftchcnde Ungarverein, ein Unierstütziiiig»- zwecken dienender Landsinniinsvoreiii, hat, wie die„Volksstimnie" in Budapest meldet, in seiner letzten Generalversaniinlung ein �»»r anS socialdemokratischen Arbeitern bestehendes Präsidimn� gewählt, worüber die bürgerliche Presse Ungarns sehr entrüstet ist und die Hilfe der Pariser Polizei aiirnst. Polileiliches, Gerichtliches n sw. -- Wegen Peleidigmlg cincS ostpreussische» Rmtöpor- stcherS wurde Genosse Günther in Desiau als verantwortlicher Reoactcur des dortigen Parteiblätts zn 45 M. Geldstrafe verurteilt. Er hatte dein„Vorwärts" einen Artikel cutilomnien über die Leiden eines Landarbeiters, dcr wegen„nnbcrechtigtcn" VcrlasscnS der Arbeit lnehrmalS eingesperrt worden ivar. Infolge der Kälte, die in dcr schlechten Zelle herrschte,»nd des Mangels an einem geeignete» Lager, war der Arme krank geworden. Eine Decke, die er gefordert, war ihm von dcr Frau des Nachtwächters verweigert worden initcr dein Vor» geben, dcr Amtsvorsieher hätte gesagt, es sei tmincr so gewesen und werde immer so bleiben. In dcr Verhandlung ivnrde der That- bestand voll erwiesen, auch die Aenßerniig der Nachtivächtcrsfrnil; aber diese Aeiißernng enthielt die llnwahlchelt! die Frau hatte gar nicht mit dein Amtsvorsieher gesprochen. Weil mm in dem Artikel der Mangel einer Decke dem AnitSvorstchcr zur Last gelegt worden war nnd die Worte dcr NachtivächtcrSfran erklärlicherweise für lvahc gehalten wurden,»mß de» Redacteur, dcr durchaus in gutem Glanben gehandelt hat und auch ivcder in der Lage»och anch nur verpflichtet war, die Worte der Nachtwächtcrfran auf ihre Nichtigkeit zn prüfen, Strafe zahle».— Der Prozeß bildet eine treffliche Illustration dcr dentichen Prcßfrcihcit. — AlS sehr wenig mit seiner Aufgabe vertraut erwies sich in Hannover ein Polizeibeamter, der dort eine Fachvcrsammlnng überwachte. Als ein Redner in dcr Debatlc sitzend sprach, forderte ihn dcr Beamte unter Bernfnng auf da« Vereinsgesetz auf. sich zu erheben. Der Beamte wurde darauf anfincrksam gemacht, daß es ihn nichts anginge, ob ein Redner sitzend oder stehend spreche, und dabei beruhigte er sich dann. Als die Versammlung zu Ende und vom Vorsitzenden ordnungsgemäß geschloffen war. fvrderle der Beamte die Allivcseiidcn auf. sich sofort zn entfcrucu. Als ihm klar gemacht worden, dafj er anch darüber nichts zu bcstinnnen habe und ihm der Rat gegeben worden war. sich über seine Rechte und Pflichten besser zu informieren, entfernte er sich mip der' Bemerkung. daß er wiederkommen werde. ES läge doch wahrlich im Jutcresse deS Ansehens dcr Behörden. mit dcr ilebcrwachung von Veriammlungcn nur solche Beamte zu becinftragcn, die ihrer Aufgabe' gewachsen'sind. Ader anch die Staatsbürger, deren BeivegungSfreiheit wahrlich genügend einge« schränkt ist durch die bcstchciidcn gesetzlichen Bestimmungen deS Versammlungsrechts, dürfen mit Recht fordern,.daß die.mit dcr llcbcrwachiuig der Versammlungen beauftragten Beamten ihre Rechte und Pflichteil genau kennen. — Ohne direkt»»sittlich zu sein, soll ein Gedicht R.Dehmcl» „Die Magd" da« Gefühl religiöier Menschen gröblich verletze». Mit dieser Begründung schloß daS Gericht in Magdeburg die Oeffcntlich« kcit bei enier Eerhandlnng anS, in der sich Genosse Hanpt, der verantwortliche Redacteur dcr Magdeburger„Volttstimme", wegen Ab- druck dieses Gedichts zu verantworten hatte. DaS Resultat der Verhandlung lvar die Verurteilung HauptS zu einem Monat Ge- fängniS._ Geiuevkslhnftlich.cs. Perlin nnd llmgcgcnd. Der AilSstand der Pcrliucr Maßschneider neigt seinem Ende zu. In fast allen Geschäften. Ivo die Fordermigeil von der Organlsation gestellt nnd von den Arbeitern, vertreten wurden, ist die Bewilligung erfolgt. Nur einige kleinere Firnicn stehen noch aus nnd dürften' diese auch in den näckiflen Tagen zn einem Rachgeben sich bequemen. Sieben erstklassige Geschäfte haben einen gemeinschaftlichen Tarif unter sich festgesetzt. der über den von dcr Lohnkommission festgesetzten Stück- preisen noch um einiges binausacht. IBS sind die» die Finnen Bothmer u. Dünzer, Faßkeffel u. Müntmann, Heider u. Jean Jogues, E. Levy. Charlottcnstraße. Truutz u. Voß. Jary, Pabst u. Knntze, vorm. Ellroth. In der zweiten und dritten Klasse sind Anffchläge von 2 bis 4,50 M. für Großstücke nnd 50 Pf. bik 1,50 M. für Klcinstücke(Hosen und Westen) erzielt worden. Die Firma Hillmcr, Dorotheenstraße. hat den den Arbeiter» erst bewilligten Tarif lvieder zurückgezogen und den sogenannle» Meister- tarif eingeführt. Die Firma S. Adam. Leipzigerstraße, hat sämtliche ausständigen Arbeiter entlassen unter dem Hinweis. daß. die Forderungen nn- durchführbar sind. Die Organisation beabsichtigt. in der nächsten Zeit sich mit diesen Firmen, welche die For- dcrnngcn igiioriert haben, speciell zu beschäftigen rcsp. das kaufende Publikum auf die Firme» anfmerksanl zu machen. Bei einigen größeren Firmen billigen Genres, welche im Centrum und an der Peripherie gelegen sind, konnte eine Regelung bis jetzt nicht stattfinden, was in dem großen Jndifferentismus und der im- gemein erschwerten Agitation uiiter den Heimarbeitern.� welche die große Mehrzahl der in diesen Geschäften Thätigen bilden, seine» Grund hat. Jedoch soll i» späterer Zeit versucht werden, auch in diesen Geschäften die Tarissrage endgiltig zn regeln. Die katholisch- christliche» Arbeiterfreunde. Der Verein „Arbeiterschutz" entfaltet zur Zeit eine rege Thätigkeit ans geiverk- schaftlichem Gebiet. Begreiflicherweise möchte» diese Herren gern die Macht und den Einfluß der katholisch- christlichen Gewerkvereiue stärken und den sogenannten socialdemokratischen Gewerkschaften das Wasser abgrabe». Deshalb versuchen sie jetzt auch mehr zu organi« sieren und im größeren Maße zu agitieren. Der Erfolg ent- spricht jedoch mir selten den gehabten Anstrengungen und Erwartungen. Neuerdings hat man nun da unter andrem auch einen„Verband der Fleischcrgesellen Deutschlands" gegründet. Augenblicklich beschränkt sich aber derselbe fast ausschließ- lich auf Berlin. Der Verband soll natürlich umfangreicher werden und da wird denn den Fleischergcsellcn die vorgesetzte Speise so schmackhaft lvie nur irgend möglich gemacht. In der letzten Berliner Versammlung wurden vom Referenten, dem Rcichstagsabgcordneten Kaplan Hitze, eine ganze Reihe von Forderungen erhoben, wie Einführung von Maximal- Arbeitszeiten. Miiiimallöhnen. Abschaffung des Stellenschachers. Regelung des Kündignngs- Wesens und der Sonntagsarbeit, Durchführung besserer Unfall- verhütungs- Vorschriften und dergleichen mehr. Auch wurden die Anwesenden ermahnt, ihre bestehenden Rechte in rniSgiebigster Weise auszunützen und bei Beschränkung derselben eventuell den Schutz der Behörden anzurufen. Selbst den Streik hat man ein- pfohlen. Ferner wurde noch die Beseitigung der gröbsten Mißstände im Schlächtergewerbe in nahe Aussicht gestellt, da genauen In- formationen zufolge die Regierung einer Verbesserung der Lage der Flcisckergesellen nicht abhold sei. Wie' man sieht, haben der Referent, Herr Hitze, und mit ihm auch die andern Leiter der Bewegung ziemlich viel Versprechungen gemacht. Vielmehr fordern bekanntlich die Gewerkschaften auch nicht. Die Eentrinns-Manncn haben jedoch bisher in der Praxis einen andern Weg beschritten und es wird immerhin noch sehr fraglich sein, ob sie in Zukunft für die Verwirklichung des Angeführten sorgen werden. Die Zimmerer in Tegel befinden sich in einer Lohnbewegung. Nachdem die ursprünglich gestellte Forderung von 62Vä Pf. pro Stunde neben der neunstündigen Arbeitszeit auf 60 Pf. ermäßigt, um zunächst die herrschende Lohnungleichheit zu beseitigen, wurde am 5. April die Arbeit niedergelegt. Die Forderung wurde von 3 Firmen: Borsigs Werke, Müller und Micßner, zusammen 67 Ge- seilen, sofort bewilligt. Bei den übrigen drei, und zwar bei Engelke- Tegel, Blümke-Reiuickendorf und Maader-Waidmannslust dauert der Ausstand fort. Es wird gebeten, den Zuzug fernzuhalten. Der Verein der Zimmerer. Deutsches Reich. Der ZlnSstand der Stemmer auf der Kruppschen Gennania- Werft in K i e l ist auf eine durch den Meister veranlaßte Reduzierung der Aecordpreise für das Stemmen der Stoßnähte der Schiffe von SO Pf. auf 25 Pf. zurückzuführen. Eine von sämtlichen Stemmern unter- zeichnete Eingabe hiergegen hatte den Bescheid zur Folge, daß die Preise auf 28 Pf.„erhöht" seien. Eine mündliche Verhaudlnng bei dem Direktor Ober- Baurat Rauchfutz führte zur Maßregelung des Wortführers der Arbeiter, Adam, welches die Arbeitsniederlegung zur Folge hatte. Die Feilcuhaner in Kiel und Preetz haben durch ein ge- fchlofsciies Vorgehen einige bedeutende Verbesserungen ihrer Lage er- zielt; der neunstündige Arbeitstag, in Preetz vom 1. Jnli ab, oprozentige Tariferhöhung, 24 M. Minimallohn und Freigabe des ersten Mai als Feiertag wnrde ihnen bewilligt. Die Gewerkschaftsbewegung in Posen. Man schreibt uns: Die Gewerkfchaftsbeivcgung macht hier erfreuliche Fortschritte. In dieser Woche wurden bis Mittwochabend nicht weniger als 6 gewerk- schaftliche Versammlungen abgehalten, in denen recht günstige Re- snltate zu verzeichnen waren. So haben die Maurer die 10 ftündige Arbeitszeit und eine» Stundenlohn von 41, 42 und 43 Pfg. durch Verhandlung mit den Arbeitgebern erreicht. Mit dem 9. April be- ginnt also im Baugewerbe Poscns eine neue Epoche. Der Zehn- stundentag ist ohne Streik errungen und nahmhafte Aufbesserung der Löhne durchgesetzt. Die Schneider beabsichtigten in eine Lohnbewegung einzutreten, sahen aber im letzten Augenblick von einem Streik ab, da sie ein- sahen, daß ohne feste Organisation nichts zu erringen war. Die Folge war dann ein Masicncintritt in den Verband, so daß die Mitgliederzahl von 4 auf 130 stieg. Auch die Schuhmacher, die hier jahrelang keine Organisation hatten, hielten kürzlich mehrere Versammlungen ab und gründeten eine Zahlstelle, die jetzt schon 90 Mitglieder zählt, darunter gegen 30 weibliche. Am Mittwoch, den 4. d. M., sollte nun der Vor- stand gewählt werden. Zu dieser Versammlung ivarcn auch mehrere von den Frauen und Mädchen erschienen, die dem Verband als Mitglieder angehören. Der Überwachende Beamte verlaugte min, daß die Frauen den Saal verlassen, da er den Verein als einen politischen ansehe. Alles Hin und Wider nutzte nichts, und NM die Versammlung nicht unmöglich zu machen, kam man dem Ver- langen nach. Genosse Gogowski, welcher in dieser Versaminlnng über den Nutzen und Zweck' der Organisation sprach, ivies auf das Ungesetzliche dieses Berlangenshiu und fand lebhafte Zustinunnug. Jeden- falls werden wir energische Maßregeln ergreifen, um auch für Posen die Gleichberechtigung der Frauen in gewerkschaftlichen Organisationen durchzusetzen. Doch mit solchen kleinen Aktionen begnügt sich die Polizei nicht, sie holt zu größeren ans. Am Donnerstag fand nun eine Haussuchung im Gewerkschafts- , bureau und in der Privatwohnnng deS Gewerkschafts- Sekretärs Gogowski statt, um nach den von dem Ccutralvorstand der Holz- arbeiter hcransgcgebcnen polnischen Statuten zu fahnden. An diese Haussuchung schloß sich eine ivcitere bei de» Genossen Kasprzak und Koppen; letzterer ist Vorsitzender der hiesigen Zahlstelle des Verbands. Das Resultat war die Beschlagnahme von drei Paketen und einigen losen Exeinplaren dieses Büchleins. Welches Verbrechens wir uns schuldig gemacht haben, das mag die Polizei wisse», uns ist es bisher unbekannt geblieben. Im Eifer für nnsre Sache erlahmen wir deshalb nicht. Mit dein 1. April ist unser Geivcrtschaftsbnrean in ein Arbeitersckrctariat umgcivandelt und ivird diese Neuerung gelviß von allen Arbeitern freudig begrüßt lverden. In die Arbeil teilen sich die Genossen Gogoivski und Kasprzak. Letzterer ist gewonnen, um die Arbeiten in polnischer Sprache bewältigen zu können. Die Tischler in Marburg sind in eine Lohnbewegung ein- getreten. Ihre Forderungen sind: zehnstündige Arbeitszeit, Ab- schaffnng von Kost und Logis beim Meister, Mindestlohn 16 M. Seither ivurden durchschnittlich 12 M. pro Woche bezahlt. Nur ein- zelne Gesellen verdienten bis zu 18 und 20 M. die Woche. In Kost und Logis betrug der Lohn 5—6 M. Die Gesellen haben ihre For- derungen formuliert und sie den Meistern überreicht. Bo» den Schneidern in S t r a ß b n r g i. E. sind 325 am Ausstand beteiligt. Bisher haben fünf größere Geschäfte die For- derungen der Streikenden beteiligt, während eine Anzahl von Ge- schästsinhabern, ihren, zuerst eingenommenen Standpunkt entgegen, sich nnnniehr bereit erklärt haben, mit der Lohnkommission der Arbeiter in Unterhandlungen zu treten, so daß weitere Bewilligungen zu er- warten sind. 'Ausland. Zum Brüsseler Sctzer-Streik wird vom 6. April berichtet: Die dortigen Schriflsetzer, welche sich mit den im Ausstand ver- bliebenen 700 Schriftsetzern solidarisch erklärten, beschlossen in einer im„Volkshause" abgehaltenen Versammlung den allgemeinen Aus- stand, welcher heute in allen Druckereien begonnen hat. Sacmlos. Die Arbcitersckrctariate haben in den letzten Jahren in Deutschland einen großen Aufschwung genommen, und bald werden alle namhaften größeren Städte solche besitzen. Die social- politischen Gesetze, vor allem die Arbciterversicheruugs-Gesctze mit ihren oft höchst komplizierten Bcstimniungen mache» es für die Arbeiter schier unmöglich, sich in diesen zurccht zu finden. Es ist notwendig, daß ihnen bei dem Verfolg ihrer Interessen Leute mit Rat und Thal zur Seite stehen, die'sich speciell und fast ausschließlich mit diesen Dingen beschäftigen. Das ist heute eine der Hauptaufgaben der' Arbeitersekrctäre. Das Frankfurter Arbeitersckrctariat bat diese Aufgabe, lvie ans dem uns vorliegenden ersten Jahres- Verantwortlicher Redactcur: Paul John in Berlin. bericht von 1899 ersichtlich ist, vollkommen gelöst. Ueber die Personen- freqnenz, Gegenstand der Auskünfte des Arbeitersekretariats, Berufs- stellung der Besucher, über deren Stellung zu den gewerkschaft- lichen Organisationen us>v. sind eingehende Statistiken auf- genommen worden. Die Gewerbe-Jnspektion suchte das Frankfurter Sekretariat dadurch zu unterstützen, daß es ihr Beschwerden von Arbeitern übennittelte. Der Gcwcrbe-Jnspektor beschwerte sich in einem Schreiben an das Sekretariat über das mangelnde Vertrauen der Arbeiter, bemerkte aber, daß die eingegangenen Beschwerden untersucht werden würden; dagegen lehnte er es aus„dienstlichen Gründen" ab, über das Resultat der Untersuchungen an das Sekretariat Mitteilungen z» machen. Daneben war der eine der Sekretäre auch sehr in Anspruch genommen durch seine Thätigkeiten für die Gewerkschaften. Die Arbeiten für diese wuchsen so, daß diese bald ein besonderes Bureau gründen mußten. Dem Jahresbericht ist beigefügt eine übersichtliche Tabelle über den Stand der Frankfurter Gewerkschaften, die Abrechnung und die Satzungen des Sekretariats, sowie ferner eine recht interessante Ab- Handlung über:„Vom Frankfurter Zunftgescllcn zum klassenbewußten Arbeiter." Der Bericht legt Zeugnis ab' von einer eifrigen und für die Arbeiterschaft höchst ersprießlichen Thätigkeit. Die Arbeitslosigkeit muß in Budapest eine erschreckende Höhe erreicht haben. Es haben sich bei dem staatlichen Arbeits- Vermittlungsamt seit seinem Bestehen, das ist seit einem Monat. 18 000 Arbeiter um Arbeit beworben, und nur für etwa 3 Proz. der Bewerber konnte Arbeit beschafft werden. GeviMs--Äeitung. Bcendignng der Schulpflicht tu der Provinz Hannover. Ein Herr Eckardt in Wilhelmshaven war der Uebertretnug des Z 125 des hannoverschen Polizei-Strafgesetzes beschuldigt worden, weil er seinen Sohn nicht mehr in die Volksschule geschickt hatte, nachdem dieser soeben 14 Jahre alt geworden war. Schöffengericht und Strafkammer sprachen jedoch den Angeklagten frei. Das Land- gericht führte u. a. ans: In Hannover bilde das hannoversche Gesetz über die christlichen Volksschulen vom Mai 1845 die Grundlage für die Schulpflicht. Danach ende aber das schulpflichtige Alter „regelmäßig" mit der Vollendung des vierzehnten Lebensjahres. Auf das Wörtlbcn„regelmäßig" sei keine besondere Bedeutung zu legen, jedenfalls sei die fragliche Bestimmung nicht ausdehnend zu interpretieren. Der Staatsninvalt ergriff noch das Rechtsmittel der Revision und niackte geltend, daß auch in Hannover die Schulpflicht crlt mit dem Halbjahr ende, wo die Volksschüler vierzehn Jahre als würden.— Der Strafsenat vcrivarf die Revision als unbegründet. Maßgebend sei hier die Bekanntmachung des Kon- sistoriumS zu Anrich vom 27. März 1879. Darin werde bestimmt, daß Kinder, die das 14. Lebensjahr zurückgelegt hätten, in den Scbnl- versäninnisliste» nicht mehr zu führen seien; auch wären ihre Eltern 2C. nicht zur Strafe zu bringen, wenn sie die Schule ver- säumten. Hiernach könnten die VolkSschülcr im Konsistorialbezirk Anrich nach der Vollendung des 14. Lebensjahrs ans der Schule ivegbleiben, der Angeklagte habe sich demnach nicht strafbar gemacht. Nach dieser Entscheidung hängt cS in der Provinz Hannover in jeden: Konsistorialbezirk von dem Willen der kirchlichen Behörde ab, ob für das Ende der Schulpflicht da? vollendete vierzehnte Lebens- jähr der Schüler oder der Schluß des betreffenden Schulsemesters maßgebend sein soll. Wegen Landstreicherei und Nichtbefolgnng eines polizeilichen Befehls stand dieser Tage in München der 28 Jahre alte Kandidat der Medizin Karl P. aus der Provinz Sachsen vor Gericht. Er hatte keine Mittel zum Studium mehr, war aus seiner Wohnung gewiesen worden und hatte sich in den oberen Anlagen rechts der Isar im Walde eine Einsiedelei von Baumzwcigen und Moos eingerichtet, in welcher er den ganzen strengen Winter zubrachte. Nnr alle zwei oder drei Tage ging er in die Stadt, besuchte das Hof- brau oder Angnstincrbrän, ließ sich von mildherzigen Gästen Fleisch- oder Brotabfälle reichen, oder kaufte sich für wenige Pfennige Küchen- reste. Gebettelt hat er nie, Vcrlvandte und Bekannte ließen ihn: zu- weilen kleine Geldbeträge zukommen. Die Polizei hatte unlängst seine Waldeinsiedclci aufgespürt und erteilte ihm den Auftrag, sich binnen 14 Tagen Arbeit und Unterkommen zu suchen. Da er dein Auftrage nicht nachkam, wnrde er verhaftet. Der Angeklagte wurde von der Landstreicherei freigesprochen, in» übrigen zu vier Tagen Haft verurteilt, die bereits' verbüßt sind. Inzwischen haben sich, durch die Zeitungsnotizen aufmerksam gemacht, verschiedene Gönner bei der Polizei gemeldet, welche dem Sonderling(?) die Mittel gewähren wollen, nach einer andren Universität zu reisen und sich dort immatrikulieren zu lassen._ VerlÄmmlungcn. Tie GastwirtSgehilfcn und daS Berliner Gewerkschaftö- hanS. Ueber dies Thema verhandelte am Freitag eine Bersamm- lung der Kellner. Der Referent, Arbeitsvennittler Zeiske. be- richtete, daß der Pächter des Restaurants seine Kellner snnorgnnifierte) bereits engagiert habe. Die Rücksprache n»it einigen Rlitgliedern des Anssichtsrats habe kein befriedigendes Resultat ergeben. Diese Mitteilungen ivnrdcn von den Versammelten mit lauten Mißfallciisänßerungen aufgenoimncn. Nach langer erregter Debatte wnrde eine Kommission beauftragt, am Montag »ochnials mit dein Ockonom Rücksprache zu nehmen. Der Kommission wurde aufgegeben, zu verlangen. daß im„Ge- w e r k s ch a f t s h a n s" nur organisierte Gastlvirtsgehilfcn. und zwar zu den vom Verband anfgestellten Tarifen beschäftigt werden dürfe». Sollte diese Forderung nicht bewilligt werden, so bat der Vorstand nnverzüglich die ihm geeignet erscheinenden Schritte in dieser Angelegenheit zu thini. Ausdrücklich wurde betont, daß man im eignen Hause der Berliner Gewerkschaften nicht neben„Schwarzbcinen" arbeiten werde. Die Kutscher, welche den SteintranSport besorgen, beschäftigten sich in einer Bersammlimg, die an» 5. April stattfand, mit ihren Arbeitsverhältnissen. Martin schilderte die lange Arbeitszeit und großen Ansprüche an die Leistungsfähigkeit der Kutscher. Er empfahl, einen Wochenlohn von 27 M. zu fordern. Die Diskussion gestaltete sich im Sinne des Referats, worauf die Vertrauensleute beauftragt wurden, den Untenichmern die Forderung zu unterbreiten. Von einem Fuhrherrn war bereits eine zusagende Antwort eingetroffen. Die Getreidcträger, Speicheret- und Bodeuarbeiter hielten am 5. April in den Borussia-Sälen eine gut besuchte Versammlung ab, die sich mit dem Verhalten des Herrn Donner lJnhaber der Firma P. Möbius, Lehrter Speicher) beschäftigte. Dieser Herr hatte Ende März erklärt, daß er den vercinbarteu Tarif bis zum 1. Okt. d. I. inne hält. Jedoch wurden bereits nach wenigen Tagen Abzüge gemacht, die zur Folge hatten, daß die Arbeiter 2 bis 3 M. pro Tag weniger verdienten. Da es sich um Saisonarbeit handelte, so lehnten sich die Arbeiter gegen den Abzug sehr entschieden auf und legten am 2. April die Arbeit nieder. Der Lohn- kommission gegenüber verhielt sich Herr Donner vollständig ab« lehnend. Sämtliche dort Beschäftigten gehören dem Verband aller im Handels- und Transportgewerbe beschäftigten Hilfsarbeiter an. Es gelangte sodann eine Resolution zur Annahme, in welcher sämtliche Streikenden sich verpflichteten, die Arbeit nicht eher wieder aufzunehmen, bis der alte Lohntarif wieder in Kraft tritt. Berichtigung. Zu dem Bericht über die Versammlung de« Deutschen Holzarbeitcr-Verbands vom 25. März sendet uns Herr Zaske folgende Zuschrift: Ich sagte nicht das Amt Glockes müßte durch einen andern ersetzt werden, sondern wie folgt: Eine Lehre haben die Berliner Tischler aus diesen Vorgängen gezogen und zwar die, daß es höchste Zeit ist. selbständig zu werden. Denn bis jetzt, hat eine Gleichgültig- keit geherrscht, daß man sagen möchte, es war eine wohlverdiente Abfertigung. Zum Schluß plädierte ich nicht für den ehrlichen Frieden, sondern wir retten, was zu retten ist und stimmen für den faulen Frieden. Für den Inseratenteil verantwortlich Th. Glocke in Berlin. Druck und Der Krieg. Ueber die militärische Lage in Südafrika schreibt der„Standard", das Organ der konservativen NegierimgS« Partei: U n s r e Schwierigkeiten werden durch die That« fache ver ni ehrt, daß wir nicht gegen eine Armee, sondern gegen ein Volk in Waffen z n kämpfen haben." Das heißt den Nagel auf den Kopf getroffen; und wir registrieren mit Genugthunng dieses gewichtige Zeugnis zu Gunsten eines Vollsheers. Es wird hier von kompetenter Seite rückhaltlos anerkannt, daß ein Volk in Waffen einem Angriff kräftigeren Widerstand entgegensetzen kann, als ein stehendes gedrilltes Heer es vermöchte. In dem nämlichen Artikel wird zugegeben, daß von einer Unter-- wcrfung vieler Boeren nicht die Rede sein kann, und daß die be- treffenden Meinungen irrig waren. Wohl hätten einige Boeren alte unbrauchbare Flinten an die Engländer abgeliefert, allein mit ihre» guten Mausergewehren kämpften sie gegen die Engländer. Die Situation bei Bloemfoutein ist unverändert. Die Boeren sind bemüht, den Ring um die Stadt in weitem Bogen zu schließen. Den„Times" wird aus Bloemsontein vom 4. d. M. gemeldet: Gestern, Dienstag, zeigte sich der Feind in einiger Stärke mit drei Geschützen in der Richtung auf den Bnschmanskop, der noch von einer Compagnie der berittenen Infanterie von Queensland als Be- obachtu'ngSpostcn besetzt ist. Vereinzelte Gruppen der Boeren ließen sich nüt nnfren Vorposten in ein Geplänkel ein. doch stellt sich heute früh heraus, daß die Boeren einen weiteren Bogen rechts nm Bloem- fontciii zu machen vorhaben. Heute früh wurde am Bnschmanskop aus Süden konimendes Geschützfener vernomnien. Der„Lok. Anz." bringt folgendes Privattelegramn»: Aus dem Boerenlagcr in Brandfort wird telegraphiert: Bei dem Kampf bei Santas Post wurden 380 Engländer gefangen ge- nommen. Die Hauptbedeutung des Siegs liegt jedoch in dem Fang aller britischen geheimen Papiere, darnutcr sind sorgfältig ansgcsührte Karten und Pläne von 1897, 1898 und 1890 zur Invasion' des Freistaats und Transvaals. Die für die Boeren wertvollsten darunter� sind die Pläne zum Marsch auf Johannesburg von Mnseking aus auf der Jameson-Route mit Verbesserungen, um Fehler zu vermeiden; ferner ein Plan für den Marsch von Blocmfontein nach Kroonstad über Brandfort. Winbnrg und Ventcrsburg.— Der Sieg wurde durch ein Kommando Freistnatler auf offnem Gelände ohne Deckung errungen. Kommandant de Wet sandte die eroberten Geschütze und Gefangenen nach Winbnrg. Alle Kommandos im Süden haben sich jetzt vereinigt und bilden eine große Armee von Veteranen. Die Pricska- und Kenhardt- Distrikte der Kapkolonie sind in voller Rebellion, die Kenhardtcr Rebellen marschieren auf Talvinia und andre auf Fourteen Strcams. Wie„Daily News" aus Pretoria vom 3. d. M. meldet, ist Oberst Plnmer 6 Meilen von Mafeking entfernt auf dem Vormarsch begriffen. Die Boeren zwangen die Engländer, sich zurückzuziehen, welch' letztere 20 Tote und 10 Verwundete hatten. Die Boeren verloren 1 Tote» und 2 Verwundete. Letzte Meldungen. London, 6. April. Eine Depesche von Lord Roberts vom gestrigen Tage besagt: General Mcthuen telegraphiert heute früh aus Boshof: Ich umzingelte heute General VilleboiS Mareuil und eine Boerentrnppe. Keiner entkam. VilleboiS und 7 Boeren wurden getötet, 8 verwundet und 54 gef»ngen genommen; auf uusrcr Seite wurden 4 Manu getötet, 7 verwundet. Eine andre Depesche Lord Roberts von gestern 9 Uhr abends lautet: Ich fürchte, daß drei Conipagiiien Jnfantcrie und zwei Kompagnien berittener Jnfantcrie bei Reddcrsbnrg. östlich vor-- Bahnhof Bclhanie von den Boeren umzingelt find; es befand sich dort eine große Anzahl Boeren niit 4 oder 5 Geschützen. Die Engländer hielten sich vom 8. d. M. mittags bis zum 4. d. M. 9 Uhr vormittags gut; es ist anzunehmen, daß sie sich dann ergeben haben. Sobald Lord gioberls am 3. d. M. nachmittags Meldung von dem Kampfe erhielt, befahl er General Gatacre mit größter Be- schleunigung von Springfontein nach Reddcrsburg zu marschieren. Außcrden, schickte Roberls die Cameron-Hochländcr von Bloemsontein nach Bethanie. Gatacre traf, ohne auf Widerstand gestoßen zu sein. am 4. d. M. um IG/s Uhr in Reddersbnrg ein, konnte aber nichts über die vermißte Infanterie erfahren. Es ist kein Zweifel, daß die Jnfanterictrnppe gefangen genommen ist. London, 6. April. Das„Rentersche Bureau" meldet aus Springfontein vom 5. ds. Mts.: Ein von Jagersfontei» nach Spriiigsontcin gebender Zug und die fünf Meilen von dem Lager bei Springfontein entfernt stehenden Vorposten wurden vom Feind beschossen, der sich augeuscheinlich von der Bahn nach Westen zu bewegt._ Vehte und Depefttzen. Ein EhrenzcugniS für die Boeren. London, 6. April. Unterhaus. � C o u r i n e y lenkt die AufmertsaMteit des Hauses auf die Lage in Südafrika. Die Zeitungen seien thatsächlich denen verschlossen, welche gegen den Krieg find, die Beratung über diesen Gegenstand in öffentlichen Lokalen werde gcwalt- sam unterbrochen, deshalb miisse das Vorrecht der Redefreiheit in diesem Hanse ausrecht erhalten werden. Im Laufe der Debatte verlaugte Bryn Roberts drmgcnd. daß die Engländer die Gefangenen mit größerer Rücksicht behandeln. Er sagte ferner, die Boeren hätten sich nicht nnr im Felde überlegen gezeigt, sondern auch weit mehr Großinnt an den Tag gelegt. Holvard Vincent, der eben vom Kriegsschauplatz zurückgekehrt ist, erklärt die gefangenen Boeren wurden von den britischen Soldaten ausgezeichnet behandelt. Schließlich wird der Antrag Balfours aiigeiioniinen. Weiter wird die Finanzbill in dritter Lesung mit 103 gegen 16 Stimmen angenommen._ Zur NttentatSgrschichte. Brüssel, 6. April.(W. T. B.) Der Attentäter Sipido hat heute den Schreiber des Briefs an seine Eltern genannt, der ihm ermöglichte, am Mittwoch das elterliche Hans zu Verlanen. Der Schreiber des Briefs heißt Decker und wohnt in Uccle bei Brüssel. Decker wurde heute nachmittag verhaftet und dem Uiitersuchnngs- lichter vorgeführt. Wie verlnutet, ergaben die letzten Feststellmigeii der Ulltersnchlliig, daß der Attentäter Sipido infolge der Beeinfliisiimg älterer Freunde, unrer deren Einfluß er stand, gehandelt habe. Sipido habe, als der Zeitplinkr heraniiahte, den Gang zum Bahnhof nicht machen wollen, sei» Vater erinnerte ihn aber an den Brief vom„Bolkshanse" und der Sohn wagte nicht einzilgestehei», daß der Brief eine Vor- spiegelung enthalte. Als Sipido sich ans der Wohinnig seiner Eltern ciitseriite, traf er seine Genossen, die ihn dann nicht mehr verließen. Er weigerte sich trotz ihres Drängens, auf den Prinzen zu feuern, als dieser sich auf dem Bahnsteig' erging; schließlich aber, als seine Begleiter ihn verhöhnten, fttirzre er sich auf den abgehenden Zug und feuerte. Brüffcl, 6. April.(23. T. B.) Der verhaftete Decker erklärte vor dem Uiitersilchinigsrichter, er habe den falschen Brief im „Volkshausc" mir zu dem Zwecke geschrieben. um feinem Freunde einen Ausgang zu ernöglicheii, von der Absicht Sipidos habe er nicht gewußt. Decker wurde wieder freigelassen. PariS, 6. April. Die D e p u t i e r t e n k a m in e r hat mit 400 gegen 131 Stimmen den Gesetzentwurf betreffend die Kolonial- armer angcnonimen. Nach diesem Gesetz rekrutiert sich die Kolonial- armce an» Freiwilligen und Kapitulanten und aus Eingebornen der Kolonien mir europäischen KadrcS. London, 6, April. Nach einer bei Lloyds eingegangenen Depesche erfolgte der Untergang des„M e x i c a n" 80 Meilen von Kapstadt. Alle Personen, welche sich an Bord befanden, sind ge- rettet, ebenso die meisten Postsachen. -erlag von Max Bading in Berlin. Hierzu S Beilagen, nr. 82, it. mm. i. Kilaze hes Dmiilts" Aerlim WIKsdlM?. iphi taoo. Raubmord-Prozeß Göuezt. Vierter T a cz. Nach Erüffiiimg der Sitzung teilt der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Frankel folgendes mit: ES fei ein Herr an ihn herangetreten, der ihm gesagt halic, dah ihm ein Wcinhäiidlcr Löwy bekanut sei. Dasselbe hätten ihm zivci andre Personen mitgeteilt. Er bean- trage, diese Personen zu laden. Der Gerichtshof dcschlicvt, diese Personen als Zeugen zu laden.— Zunächst werden nochmals der Möbelfadrikant Stiller nnd dessen Sohn«der die Waren, die sie dem Angeklagten geliefert, und über die Abrechnung mit diesem vernommen. Beide Zeugen sind in vielen Punkten grnnd- verschiedener Ansicht mit dem Angeklagten. Letzterer bleibt dabei, das; er bei seinem Abgange von Berlin dem Stiller nichts mehr schuldig gelvcscn sei nnd auch kein Aeccpt für geliehenes Geld gc- geben habe.— Schuhwarenhändler Schmidt, der den Angeklagten längere Zeit kennt. schildert diesen auf Befragen als sehr liebcnS- »vnrdig nnd einschmeichelnd. Er Hütte ihm eine solche Thnt»innncr- mehr zugetraut.-• Präs.: Haben Sic Giiiiczi jemals und ins. besondere am 18. Ananst 1837 eine Depesche zugeschickt?— Zeuge: Nein.— Präs.: Haben Sie jemals an(Jivuczi Ringe oder eine Brosche verkauft, wie dieser behauptet?— StaatSamv. Plaschte: Hat Gonczt überhaupt nach den Verhältnisse», in welchen Sie zu ihm standen, eine Depesche von Ihnen erwarten können?— Zeuge: Rein.— V e r t.: Haben Sie den Gvnczi jemals für einen gcwalt- thätigen Menschen gehalten?— Zeuge: Nein.— Zeugin Fra» M enge hat am 18. Angnst. abends, als Gönczi abreiste, in dem Wartesaal 2. Masse dcS Bahnhofs Friedrichstmße dem Angeklagten. seiner Frau und der RafsalSki dreiviertel Stunden gegenüber gc» fene». Das Mädchen weinte fortwährend und hielt sich das Taschen- tiich wiederholt vor das Gesicht. Tic Frau ging einmal hinaus. in der Ziviichcnzeit trank Gvnczi dem Mädchen'einmal zu. Auf dem Perron sah die Zcngi», das; die drei ein Abteil in dem Inge Posen- Jnstcrbnrg bestiegen. Gönczi hat sich in der ganze» Zeit nicht ans den» Wartesaal entfernt gehabt, ein fremder Man» war in seiner Begleitung auch nicht zu bemerken gewesen. Gönczi bc- hnuptet bekanntlich, das; er hier ans dem Bahnhof zunächst mit Lvwy die Reise bis Brüssel mitgemacht habe. Hilfsbrcmser Klrschke hatte am 18. Angnst abends in Frankfurt a. O. einen Güterzug zu übernchincu. Er ist ein Nachbar von Gönczi nnd als er gegen �/Uv Uhr an dem Gvnczischcn Lade» vorbeikam, begrnhte er da§ Ehepaar. Er tvUnderte sich natürlich, dast cr bei seiner Ankunft in Frankfurt das Ehepaar dort auf dein Bahnhof vorfand. AIS Gönczi seiner ansichtig wurde, suchte er sich zu..drucken" nnd der Zeuge boläm die Idee, das; das Ehepaar wahrscheinlich.gerückt" sei. Er stellte aber Gönczi nnd fragte, wo cr dcn» her komme, nnd Gönczi awiderte darauf, daß cr eine Depesche aus Dresden bekonnncn hade. ivonach seine Schwägerin im Sterben liege. Der Zeuge hat sick, sehr darüber getmuidert. das; Gönczi diesen seltsamen Weg gewählt habe. itin nack, Dresden zu kommen, Gönezi hat aber allerlei nicht ganz verständliche Beuierknugeu gcinachl.— Verl.: Ist Gvnczi dem Zciigcn als gcwaltthätigcr Mensch bekannt?— Zeuge: Nein.— Bert.: Hat Gönezi Sic manchmal betrogen?— Z e n g c: Mich nicht, aber meine Frau hat er öfter recht grob beschwindelt.~ Staatsanwalt: Haben Sie in Frankfurt a. O. einen etiva ützjährigc» Mann in Gesellschaft des Gönczi gc- schcn?— Zeuge: Nein.— Die Angeklagten sind ans der Reise nach jlottbns ferner noch bau dem EtationSporticr Lehmann, dein Schaffner Rudolf Thiel und dem Reisenden Kowalski gesehen ivorden. Bei Lehmann und Kowalski hat sich Gönczi nach dem schnellsten Wege nach Brüssel erkundigt, aber keine allcr dieser Personen hat einen Begleiter dcS Ehepaars bemerkt. ES folgt die Vcrnchimmg der Zeugin Hinz, der Ehefrau dcS Schankwirts Hinz. Präs.: Kennen Sie den Wcinhändler Lvivy?— Zeugin: N-in, ich habe ihn meine» WisscuS nie gesehen.— Präs.: Er soll doch bei Ihnen verlehrt und cind Wohnung in demselben Hanse innc gehabt haben.— Zeugin: Ich iveis; es wirklich nicht, ich habe nie etlvaS von ihm bcmcrkt.— Präs.: Gönczi behauptet, dasi das Fräulein Klara Schnitze mit Löwy ein Liebesverhältnis miterhalten habe und das; Sie diesem Verhältnisse dadurch Vorschub leisteten, daß Sic Ihr Lokal zu Zusammenkünften hergaben.— Zeuai»: Unser Lokal besteht ans einem einzigen grötzcre» Rani», das ist kein Ort für heimliche Zusammenkünfte.— P r ä s.: Nun. Gönczi. ivas haben Sie hierauf zu erwidern?— A n g e kl.: Vitt' schön, sie kcnnr den Low» ganz genau.— Staatsanwalt P l a s ch k e: Frau Zeugin, hat Ihr Mann sich mit der Frau Schnitze schlecht gc- standen?— Zeugin: Nein, im Gegenteil, sie sagte immer:„der Mann ist gut. aber die Frau taugt nicht?."(Heiterkeit ans dcn Tribünen.)— Präs.: Gönczi behauptet ferner, datz Ihr Mann sich am Montagabend darüber getvundert habe, dasi Gönczi noch keine Nachricht von den Damen habe. Gönczi habe erwidert:„Ach was. die hast Du ja längst massakriert." Darauf hätten Sie zu Ihrem Mann gesagt:„So halte doch das Maul!"— Zeugin: Ist alles nicht tvahr.— Gönczi: Bitt' schön, ivenn sie sagt„is nicht ivahr". kann ich nix gegen machen, sie wird doch nicht„ja" sagen.— Hierauf erläutert SmntätSrat Dr. Mitte nzlpeig unter Vor- zeigmig der Schädcldccken der Ermordeten dcn Geschwomc» die Art der Berlctzungcn. die darauf hindeuten. daß der Thätcr wahrscheinlich mit einem Handbeil mehrfach hinter einander zugeschlagen hat.— Der Sachvcrsländige zeigt den Schädel der alten icrau Schnitze auch dein lächelnd z u s ch a u e u d e n Augetla�ten vor und bemerkt ihm, daß die Wunden jedenfalls durch dcn Schlag eines scharfen Instruments hervorgebracht sein »nüffen.— Gönczi: Ja, was iveiß i? H weiß doch nix, mit was er geschlagen hat.— Dr. Mittenzwerg: Sie habe» aber nach meiner Erinnerung gesagt, die Hanptwnnde sei durch Ans- schlagen auf die Oscuchür hervorgerufen ivorden.— Gönczi: Ja, i kann nix dazu sagen. I hab'v doch nicht gethan. bitt' schön.— — Auch Physikns Dr. Schulz zeigt an der Schädeldeckc der cr- mordeten Klara Schnltzc, daß auch die dieser beigebrachten Wunden auf die Anwendung cincö scharfen Schlaginstruments hindeuten.— Ans vefrageu des Verteidigers und des Staatsanwalts erklärt ScuütätSrat Dr. Mittenziveig. daß es unmöglich sei. unter dcn hier obwaltenden konkreten Verhältnissen genau festzustellen, wann sich der Leichcugcruch bemcrtbar gemacht haben müsse. Der Sachvcr- ständige»oeist namentlich auf den in der Wohnung der Frau Schulde vorhandenen Geruch verdorbener Nahrungsmittel, auf die Einivicklnng der Leichen in Packleinivrnid:c. hin.— Bert.: Deuten die Verletzungen auf große Kraft hin?— Dr. Mittenzweig: Ja.— Staats« u>v alt: Hat Gönczi solche Kraft?— Der Sachverständige untersncht Gönczis Muskeln nnd antwortet: O ja! Gönczi bemerkt, daß der Lcichcngeruch nnbedingt von den Arbeitern hätte ivahrgenommen«Verden müssen. lieber die Frage des Lcichciigcrnchs cutspinnt sich eine längere Ans- einandcrsctzung zwischen Staatsanwalt. Verteidiger und Sach- verständigen Dr. M i t t e n z»v e i g. Der Staatsanwalt iraat den Sachverständigen, ob die Arbeiter'am 1«. Angnst mittags dcn Geruch der Leichen, welche vormittag» nach dem Keller geschafft worden waren, tvahrnehmeN in u ß t e». Der Sachverständige kann dies mit absoluter Bestimmtheit nicht bejahen. Unter gewöhnlichen Verhältnissen entwickele sich„ach 8 Tagen Leichengernch. Hier hätten sich die Leichen aber in Kisten befunden, welche wie ein Sargverschluß wirkten. Auf Befragen des Verteidigers gicbt der Sachverständige die Möglichkeit eines Leichengeruchs ZU. Der Zeuge Habermann erklärt aiif Befragen, daß der Keller 2,2g Meter unter dem Straßenniveau liege.'— Gönczi: Und ich bleibe dabei, daß die Arbeiter bei der großen Hitze Leichengernch hätten wahrnehmen müssen, bitt schön!- Der Zeuge Preutz wird wieder vorgerufen. Er beknnoct, daß er zuerst in dcn Keller gegangen sei, als die Fuhren mit der Erde kamen. Er habe das Fenster ausgehoben und die Gardinenstange beseitigt. Dies habe beinahe 10 Minuten in Anspruch genommen. Eine» Leichengernch babe cr nicht wahr- genommen.— Ans Verlangen Gönczis und ans Antrag sciiicL Verteidigers sollen noch Versuche darüber angestellt werden, in welcher Weise der Verschluß der Kisten gewirkt haben kann. Hierauf wird Landgerichtsrat Herr, welcher die Voruntersuchung geführt hat, als Zeuge vernommen. Präs.: Der Angeklagte hat in der Hanptvcrhandlnng Behauptungen anfgestcllt. die in der Vor- nntersuchung entweder gar nicht oder in andrer Weise zn Tage ge- fördert worden sind. Er erklärt dies damit, daß ihm in der Bor- n n t e r s u ch u ii g d a S W o r t abgeschnitten worden sei. So will cr n. a. von vornherein gesagt haben, daß ihm nicht Löwy sondem Hinz 10000 M. Schweigegeld' angeboten habe, daß ihm die Emiordeten schon am Sonnnbcn'dmorgcn' von ibrcr geplanten Reise gesprochen hätten, daß cr schon Ende Juni die Schlüssel der Frau Schnltze erhallen habe. Ich bitte, sich hierüber zu äußern.— Zeuge: Mir war schon durch dcn Bericht des Kommissars von Kracht über den Transport des Angeklagten bekannt geworden, daß derselbe alles leugnen werde. Ich war somit ans Schwierigkeiten vorbereitet. Ich erkläre hiermit unter meinem Eide, d ie Behauptung des Angeklagte», daß ihm das Wort abgeschnitten worden i st. f ü r e i n e d r e i st e L n g e. Gönczi ist'von vornherein als vollendeter Schauspieler aufgetreten, der von nicht» weiß. Er hätte schon bei seiner ersten verantwortlichen Vernehmung ausführlich alles anführen kvnucn. Er ist mit großer Geduld oft eingehend vcrnoiiinicn worden. Allerdings gebe ich zu, daß ich ihm vorgehalten habe, daß seine Behaliptungen h a a r st r ä n b e n d e Lügen seien, nnd daß sich kein preußischer Geschivorncr finden werde, der ihn bei dicsein Belastungsmaterial freisprechen werde. Ich muß nach ge- wisscnhaftcr Prüfung entschieden bestreiten, daß ich die vom An« geklagte» behauptete, in der Form zweifellos beleidigende Nenßc- nnig:„M a u l halten! Und wenn der Herrgott Ihr Ver- teidiger wäre. würden Sie nicht freikommen I", gethan habe. Gönczi wurde sehr häufig vernommen und bei allen seinen Ver- nchniimgen wurde er aufgefordert, zu wiederholen, was er über den Mord gehört habe. Da ist es denn bemerkenswert, daß cr stets neue Thatsache» vorbrachte und neue Behauptungen aufstellte. So trat cr unter andrem plötzlich mit der Behauptung hervor, daß der Schankwirt Hinz ihn nach dem Bahnhof Friedrichstraße begleitet habe. Ich sagte:„Aber Gönczi, davon haben Sie bisher in noch kein Wort erwähnt." Und was war die Antwort?„Bitt schön, das habe ich schon bei der ersten Vcrnchimmg gesagt."� Ich erklärte ihm, daß mir so etwas noch nicht vorgekoininen fei nnd daß ich beschwören würde, daß er mir' in diesem Augenblick die bewußte Unwahrheit gesagt habe.— Er entgegnete darauf weiter nichts als sein gewöhnliches„Biit' schön". Es mag sei», daß ich meiner EmpLiung über seine Verlogenheit in etwa« drastischer Weise Ausdruck gegeben habe, aber mit allcr Eni- Ichiedenbeir behaupte ich hier vor der Oeffcntlichkeit, daß ich nie den Ausdruck„Maul halten!" ihm gegenüber gebraucht habe.— Staats- anivalt P l a f ch k c: Haben Sie ihm nicht vorgehalten, wie wenig wahrscheinlich cZ fei. daß cr flüchte, weil Löwy seine Geliebte er- schlagen habe?— Zeuge: Das werde ich sicher gethan haben.— Der Zeuge erwähnt weiter u. a.. daß das„Frnnlciii Löwh", die Schwester des angeblichen Löwy, in der Boruntersuchung von dem Angeklagten immer eine„Frau" Löwy gewesen sei. Alle Versuche, die Existenz und den Aufenthalt dcS mysteriösen Löwy nnd seiner Schwester zu ermitteln, seien gescheitert. Der Angeklagte sei nicht weiter gekommen, als daß die Schwester in der Nahe der Kaiser Wilhelm- WedächtniSkirche wohnen solle, und daß bei seinen Versuchen, die Wohnung der Schwester festzustcllcii, immer merkwürdigerweise Herr Löwy hindernd dazwischen getreten sei. Der Zeuge giebt noch eine Reihe klassischer Beispiele von der Lügenhaftigkeit de» Angeklagte». Dieser hatte behauptet', daß er die beiden Frauen um 4 Uhr nach dem Bahnhof begleitet habe, und hatte gegen den Vorhalt, daß damals der Zug nack Hannover erst um 7 Uhr abging, nichts- sagende Einwände. Auch bei andern Punkten konnte' ihm die absolute Uiiwahricheinlichkeit seiner Vehaiiptungen sofort vorgehalten werden. Er habe sich die denkbarste Mühe gegeben, alles anfzii- klären und, obgleich er selbst fest davon überzeugt war. daß alle Angaben dcS Angeklagten über dcn angeblichen Löwy pure Lügen waren, habe er eifrigst geforscht. ob nicht doch ein Könichcn Wahrheit dabei sei. So habe er sich einen Plan von Brüssel kommen lasten nnd habe mit dem Krimiiialkomniiflar sick alle erdenkliche Mühe gegeben, um sestzusiellen, wo Gönezi in Brüssel gewohnt habe. Und das Resultat sei gewesen, daß bei der Ab- führnng Gönczi zu dem GerichlSdiener gesagt haben soll: Wenn die denken, sie können mich mit so lvaS sangen, dann irren sie sich. Der Zeuge schließt mit der nochmaligen Versicherung, daß die von ihni abgefaßten Protokolle nicht mehr und nicht wcnigcr enthalten, als die Vernehmungen Gönczis thal- jächiich ergeben haben. GöneziS Rechtfertigung. Gönczi, vom Präsidenten aufgefordert, sich zu äußern, erklärt, heftig gestikulierend nnd mit vibrierender Stimme, daß cr nur das, was er bisher gesagt habe, wiederholen könne.„Als ich zum Herrn Untersuchnngörichter hineingeführt wurde, empfing mich dieser mit den Worten: Sie sind der Mörder! Sie müssen ei» Geständnis ablegen I Ich sagte: Nein, ich kann kein Geständnis ablegen, ich bin lein Mörder. Darauf Hab' ich alles erzählt, wie'ö gewesen ist. Ter anlvesende Polizeikommissar hat gesagt. eS seien alles Lügen. Ich habe mich beschwert, aber es hat geheißen: Halten Sic's Maul, antworte» Sie. wenn man Sic fragt! ES ist nicht allcS aufgeschrieben ivorden. waS ich gesagt habe. Der Protokollführer hat nicht geschrieben, sondern mich nur angeschaut, so daß ich ihm sagte: Ich bin nicht so dumm, iv i e D n mich a n s ch a u st! Wenn ich wirklich der Mörder war', hätt' ich das schon längst gesagt. Seit ö Monaten chon sitzt ich in Eisen, wenn ich effe. muß ich mit dem Mund in die Schüssel, ist denn das nicht eine Schande? Ich bitte, daß das erste mit mir anfgenoinmene Protokoll verlesen wird. Daraus geht hervor, daß nicht alles aufgeschrieben wurde. Jedes Wort, was ich gesagt Hab', hätt' aufgeschrieben werden müssen. Es handelt sich hier nicht um ein Glas Bier, sondern um die Todesstrafe!" Der Herr Staatsanwalt hat mir gesagt. daß ein Brief cingelaufen sei in Brasilien, wo sich einer als Mörder bezeichnet: der Mann muß doch hergeschafft werden bei so einer schweren Sach! Ich Hab meinem Doktor Rechtsanwalt meine ganzen Protokolle übergebe» und ich bitte, daß die verlesen werden. � Da werden Sie sehen, daß alles stimmt, was ich gesagt habe von vornherein, und daß ich nicht gelogen habe. Das Protokoll ist 60 Seiten lang. Unter heftigen Handbewegnngcn nnd mit vor Erregung gesteigerter Stinime betont Gönczi wiederholt, daß er die Mordlhat nicht begangen habe. Achtzehn anonyme Mörder. Staatsanwalt P l a s ch k e giebt hierzu folgende Erläuterungen: Vom Gcncrallonsul in Rio de Janeiro sei am 20. Februar cr. ein Schreiben eingegangen. Danach hatte ei» Mann Namens Louis Schulz an das' Konsulat einen Brief gerichtet, in welchem tS hieß: „Ich habe eiiicii schweren Mord auf dem Gewissen, den ick mit dem Gvnczischen Ehepaar in Berlin verübt habe. Herr Gönczi hat sein Wort mir gegenüber nicht gehalten. Der Berliner Magistrat hatte aus niei'ne Person keinen Steckbrief erlassen. Aber meine Rene läßt es nicht zu, daß ich schweige. Sie werde» die Reue eines schwer bela denen HerzcnS nicht aufgehen nnd mein Gewissen aufhelfen."— Der Staatsanwalt erklärt, daß bei jeder Mordsache bekanntlich anonyme Briefe wie Pilze an» der Erde schießen. Bei der letzten Mordsachc, die er zu bearbeiten hatte, seien 18 Briefe bei ihm eingetroffen, in denen sich 18 M ö r d e r gemeldet hätten. Obgleich cr nun ans einen Brief, der mit LouiS Schulz unterzeichnet sei, nichts gebe, habe er doch noch weitere Nachforsckimgen veranlaßt, da gleichzeitig mit der Selbstanzeige des LouiS Schulz in Rio de Janeiro ein Brief an diesen eingegangen War. auf dem der Schoriistcinscgermcister H e i n r ich in Sondcrb'urg als Absender verzeichnet war. Er habe deshalb den Kriminalkommissar v. Kracht mit Ermittelungen betraut.— Kriminalkommissar v. Kracht bekundet in dieser Beziehung: Er sei nach Soiidcrburg gefahren und habe festgestellt, daß bei dem Schornstein- fegcrmeister Heinrich eine Frau Jemen wohne, deren Tochter mit Ludwig Schulz verheiratet sei. Letzterer ist, wie ihm mitgeteilt wurde. vor Jahren von Hamburg nach Brasilien ausgewandert. Zeuge hat sämtliche Angehörige desselben aufgesucht, namentlich seinen Bruder in Rendsburg nnd seinen Vater in' Itzehoe. AnS dcn Briefen, dke diese Personen von Schulz empfangen hatten, ging hervor, daß Schulz keinerlei Absicht bekundete, nach Deutschland oder nach Berlin zu kommen. Darunter befand sich ein Brief vom 2. Juni 1807 aus Bahia.— Der Staatsanwalt erklärt, daß er telcgraphische An- Weisung gegeben hatte, den von Schulz eingegangenen Brief zu offnen, um zu sehen, ob' sich etwas auf dcn Mord Bezügliche darin befinde. Die tclegraphische Antwort des Konsulats lautete:„Inhalt harmlose Familienangelegenheiten."— Kriminalkommissar b. Kracht erklärt, daß seine eigene Meimmg, die mit derjenigen von Ver- wandten des Schulz übereinstimme, dahin gehe: Der Malm ist in- zwischen in schleckte Verhältnisse geraten und möchte auf diese Weise ohne K o st e n n a ch Deutschland komme»." (Mittagpause.) Nach der Pause werden nochmals die Polizeibeamten, welche acht Tage nach dem Morde die Leichen im Keller aufgefunden haben. vernommen. Sie haben auch zn dieser Zeit keinen Verivcsimgsgeruch ivahrgenommen. wobei allerdings nicht zu übersehen ist, daß damals die Kisten ganz mit Sand bedeckt waren.— Hierauf werden noch einige Zeugen anfgenisen, die nachträglich auf Antrag des Staatsanwalts und der Verteidigung geladen ivorden sind.— Der ersia dieser Zeugen ist der Kanfmann Schlesinger, von dem Gönczi Schuhwaren entnommen bat. Er ist zuerst seinen Verpflichtungen regelmäßig nachgekommen. Später haperte es damit und es sammelte sich eine Schuld bis zur Höhe von 506 Mark ans. Ans wiederholtes Drängen hat Gvnczi den Zeugen bis zum 15. Angnst vertröstet, indem cr sagte: eine Tante seiner Frau iii Hannover sei schwer krank, sie werde wohl bald sterben, seine Frau sei zur Pflege dorthin' gereist und cr habe von dort eine Erbsckaft zu erwarten. Der Zeuge hat dann am 14. August einen Brief an Gönczi gerichtet und ihn an seine Ver- pflichtuiig erinnert, jedoch am 15. August kein Geld erhalten.— Gönczi behauptet, daß cr nur von der Krankheit der RafalSli, die damals in Hannover war, gesprochen habe.— Aus Befragen des RechtSanwakls Dr. F r ä n k c I erklärt der Zeuge, daß er den An- geklagten als Aufschneider nie kenne» gelernt habe. Er habe ihm cinmal erzählt, daß er die Berwaltunis eines HanseS übernommen habe nnd einen Laden in der Königgrätzerstraßc eröffnen werde.— Einige andre Zeugen wissen Wesentliches»icht zu bekunden.— Kauf- manii Carl Meyer, für dcn der Angeklagte einige Zeit lang als ProvisionSrciseiider thätig War, bekundet einen Fall, ist dem der Angeklagte zn hohe Provision sich berechnen wollte. Der Staatsanwalt nieint, daß es sich nach der Darstellung des Zeugen mn.einen ganz gewöhnlichen Provisionsschwindel handle.— Zestge Meyer bestätigt' dem Verteidiger, daß Gönczi inmier aufgeschnitten habe; dies sei seine Gewohnheit gewesen. � Gönezi gerät diesem Zeugen gegenüber wieder in hochgradige Aufregung.— Fräulein T h i e m o n n war Verkäuferin im Stillerschcn Geschäft. Sie kennt Gönczi als einen sehr höflichen und zuvorkommenden Mann. Nach ihrer Erinncrimg hat Gönczi zuletzt am 14. August zwischen 5 und 6 Uhr eine Bestellung gemacht.— Frau Cigarrenhändler E l s n e r: Am Tage nach dem Morde sei Gönczi in ihren Laden gekommen, habe ein Paket abgegeben und gesagt, daß cr eS bald wieder abholen werde. Er sei aber erst nach 2—3 Tagen wiedergekommen, nnd zwar in Begleitung eines Herrn, von dem die Zeugin sagt, cr sei viel größer und kräftiger als Gönczi gewesen und habe einen rot- blonden Schnurrbart gehabt. Gönczi habe das Paket mitgenommen nnd sich entfernt, der andre habe sich 5 Cigaretten gekauft nnd sei dann auch weggegangen.— Präs.: Nun, Gönczi, wer war der andre Mann?— Gönczi: Das wird wohl der Löwy gewesen sei«. (Heiterkeit.)— Präs.: Das wäre ganz gut, wenn nur nicht die Pcrsolinlbcschrcibnng, die die Zeugin von dem Manne gicbt, grund- verschieden von Ihrer Beschreibung des Löwh wäre.—' Frau Stiller, die nächste Zeugin, bestreitet, daß Gönczi jemals mit einem fremden Mann bei ihr gewesen sei. Gönczi behauptet das Gegenteil.— Präs.: Sind Sie denn mit Löwy'mal bei der Zeugin gewesen?— Ang e kl.: Mit Löwy? Nein, nie!— Präs.: Aber Gönczi, da? haben Sie doch vor zwei Tagen klipp und klar behauptet. Haben Sie es inzwischen schon vergessen?— Gönczi: Vitt' schön, Herr Präsident, ich wcrd' gleich sagen, wie ich's gemeint Hab'. Und nun folgt wieder eine lange Erzählung mit dem Schlußeffekt: cr have Löwy mit zur Zeugin genommen, derselbe sei aber' draußen geblieben, während cr seine geschäftliche Besprechung mit der Zeugin hatte.— Eine Frau Groß- mann und deren Tochter bekunden: Sie haben im August 1897 Gönczi einmal in der Pferdebahn getroffen nnd da habe er ihnen erzählt, daß cr zwei Geschäfte aufmachen wolle. Auf dia Benierkimg, daß cr ja dann ein Glückskind fei, habe Gvnczi er- loidert: Seine Frau habe 30 000 M. in der Lotterie gewonnen. Es folgte dann noch der Zusatz:„Ach, was sage ich. 30 000 M.? Viel, viel mehr!"— Gvnczi erklärt dies für Klatsch und Quatsch.— Der als Zeuge vorgeladene Fuhrmann Giersch, der dcn Angeklagten am 14. August von der Königgrätzerstraße nach der Prenzlauer Allee gefahren haben soll, kann wegen Erkrankung nicht erscheinen.' Der Gerichtshof beschließt, ihn durch einest beauftragten Richter in der Wohnung de? Zeugen vernehmen zu lassen.— ES erübrigt noch, einige Zeugen zu vernehmen, die vom Verteidiger Dr. Früntel geladen sind und bekunden sollen, daß sie einen Weinhandler Löwy kennen. DaS Ergebnis ist ein negatives. Der Schlosser Paul Lucht erklärt, daß cr einen Tischgeiiosicn beim Gastwirt Schinke kennen gelernt habe, der Weinrciseiidcr war und Löwy oder Lcvn hieß. Er sei etwa 30 Jahre alt gewesen, habe einen schwarzen Schnurrbart getragen nnd erzählt, daß cr im Ausland gewesen sei.— Der Staatsanwalt weist darauf hin, daß der Beschriebene höchstwahrscheinlich der im Jahre 1869 in Hanau geborne Wcinrcisende Lewy sei. Der Schankwirt Schinke bekundet cbenfallö, daß der Gast, der eine Zeit lang bei ihm gespefft habe, ein Wcinreisender RamcnS „Levy" gewesen sei. In gleicher Weise äußert sich eine dritte Zeugin. Der letzte Zeuge, Barbier Dörr, weiß mir miizuteilcn, daß cr im Sommer 1897 einmal einem etiva 40jährigeii Herrn dessen schwarzen Bollbart abgc- nommen habe. Darauf wird die Verhandlung bis Sonnabendvormittag 10 Uhr vertagt. Aiir i>c» Juhnlt der Inserate ttdcniimntt die Ncdaktio» dem Publikum gegenüber keinerlei Peraiitmortnug. TlzvÄtev. Sonnabend, den 7. April. Opernhaus. Kam. Die roten Schuhe. Ansang 7Vz Uhr. Schauspielhaus. Jugend von heute. Anfang 7V2 Uhr. Deutsches. Winterschlaf. Hieraus: Paracelsus. Anfang 7>/z llhr. Lessiug. Im weihen Röh l.' Anfang 7V- Uhr. Berliner. Arria und Messalina. Anfang?>/, Uhr. Neues. Frau Sonne. Hierauf! Im Exil. Anfang 7-/, Uhr. Residenz. Die Danie von Maxim. Anfang 7r/, Uhr. Westen. Der Waffenschmied. Die schöne Galathec. Anfang 7>/i Uhr. Schiller. Hinrich Lornsen. Ansang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Antigone. Thalia. Im Himmelhof. Anfang 7-/z Uhr. Luise». Kabale und Liebe. Anfang 8 Uhr. Central. Die Puppe. Ansang 7-/2 Uhr. BeUe-Nlliance. Ein toller Einfall. Anfang 8 Uhr. Carl Weift. Der Minenkönig von Traiisvaal. Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Kindervorstellung: Knecht Ruprecht und die geraubten Königskinder. Victoria. Die CirkuS-Fee. Anfang 7l/z Uhr. Friedrich- Wilhelnistiidtisches. Das Käthchcn von Heilbronn Ansang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Kindervorstellung: Im Schlaraffenland. Metropol. Specialitätenvorstellung. Die verkehrte Welt. Anfang 8 Uhr. Apollo. Specialitötcu- Vorstellung Im Reiche des Jndra. Anfang 8 Uhr. Palast. Specialitäten- Vorstellung. Die neue Herrin. Anfang 7'/z Uhr. Reichshalle». Stcttiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage< Panoptikum. Special! lätcu-Borstellniig. Urania. Juvalideustr. K7//z Uhr. Morgen und folgende Tage: Im Himmelhof. Sonntag, 8. April, nachm. 31/2 Uhr: Oeffcntliche Hauptprobe zu„Ena«" von Mendelssohn. Zu kleinen Preisen. LPfl'-Thclita' lWnlluer-Theater). Sonnabend, nach m. 3 Uhr: Vorstellung des Akademischen Vereins für Kunst und Litteratur. Antigene. Sonnabend, abends 8 U h r: Hinrich Eornsen. Bürgerliches Trauerspiel in 3 Auf- zügcu von Erich Schlaikjcr. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Hachcth. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Probepfeil. Montag, abends 8 Uhr: FrOscliweilcr. lelle-Älüance-Tlieater. Ein toller Einfall. chwank in 4 Akten von Karl Lauffs. Kassenerüffnung 7 Uhr. Ilnsaug 8 Uhr.- Ende y.ll Uhr. Palast-Theater früher Feen-Palast, Sitrgflr. 22. Neues Künstler-Personal. 8ensatl o n«- Aumm ern. Erstklassiges Riesen- Programm. Noch nie dagewesen! 5 mysteriöse Elefanten. 14 dressierte Ziegen. Grave Darling."tWtZ Münk. Elektric- Genius. Um 8r/z Uhr: Groher Lachcrfolg! Direktor Wilhelin Fröbel in der urkomischen Berliner Volks- Operette vis neue Herrin. Am. 71/0 Uhr. Kaffcneröffnuugv'/.UHr. Villet-Borvcrkauf v. 11—1 Uhr. lietropol-TliGotfir. Behrenftr. 55/57. Direktion R. Schultz. Sonnabend, den 7. April ISOO: Zun, 100. Male: Verkehrte Welt. Vorher hos Mmite April- Soecialitöteil-Prograiilio: 6 Debüts. Anfang an Wochentagen 8 Uhr, au Sonn- und Festtagen 7>/, Uhr. Rauchen in allen Räumen'gestattet. W. Hoacks Theater, Vrunncnstrahe 16. Sonnabend, den 7. April 1900. Bcnestz-Borstcllnug für die Haus-Kapelle. Nur einmalige Aufführung: Der Mlilftlüvilig. Posse iu 4 Alten von Mannstädt. Musik von Steffens' Anfang 8 Uhr.'9S Nach der Vorstellung: Tauzkrättzcheu. Rsionsualisn. Täglich: 8tettiner Silnger Anfang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Entree 50 Pfennig. Vorverkauf 40 Pf. Urania Tanbcnstrasse 48/49. Im Theater abends 8 Uhr: „Von den Alpen znm Vesnvi' 5 Uhr; dasselbe(ermässigte Preise). 8 Uhr im Hörsaal: Dr. Donath: Elektrotechnik IV Invalldcnstr. 57/9%: S fern warte. Naclnuittags 5—10 Uhr._ "Passage-Panopticum." 35 Togo-Neger (28 Mädchen, 5 Männer, 2 Kinder.) Vorstellung um 11, 12, S'A, 41/2, 5V2. 6-/-, 71/,, 9 Uhr. Von 7-10".. Uhr; Thfeätre värlfetö. CASTANS PANOPTICÜM Original-italienisclie Sänger- n. Konzert- Gesellschaft „Colombo". Die neuen sensationellen lebenden Photographien. Stiergefeoht.— Mann über Bord.— Stapellauf eines modernen Schlachtschiffs. — Baby-Wäsche u. v. a. m. 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Heute, Sonnabend. 7. April, abends j 71/2 Uhr: lüg Eife Eveuing. Zum Benefiz des Herrn Burkhardt- Foottit und Madame Maria Dore. Zum 149. Male: Tie Camorra. Außerdem die berühmten 16 Hengste des Dir. Busch. Gr. Sd)ulgnadrille. Dreigespann. Die weiße Dame. Sämtl. Clowns. (Cpntirnl-vl Itcntct Direktio»: Jose Ferenczy. Die Puppe.(La Poupöe). Operette in 3 Akten und einem Vorspiel von Ed. Andrau. Anfang 7Vz Uhr. Morgen und folgende Tage: Die Puppe. Sonntag, nachm. 3 Uhr zu halben Preisen: Die Fledermaus von Johann Strauß. Apollo-Thester. Ein 8 Ehr: liehe des IM. Ferner: T o r t a j a d a. Greteben Reutter. etc. etc. Anfang 8 Uhr. Kassen- Eröffnung 7 Uhr. Vorverkauf im Theater von 10 bis 2 Uhr sowie beim„Künstlerdank" und„Invalidendank". Sanssouci Kottbnscrstr. 4a. Heute, Soiiuabeiid: Hofi'manns Norhheutslhe Tänger Wir von der Kavallerie. Nach der Soiree: XaasEhrtta-chen. Donnerstag, den 12. April: Unwiderruflich letzte Vorstellung. Schluft der erste» Saison. Heute, Sonnabend, de» 7. 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Dritter Wahlkreis. Sonntagabend 7 Uhr, im„Märkischen Hof", Admiralstr. 18 c: Gemütliches Beisammensein mit Tanz und Gesang. Eutree inll. Garderobe 20 Pf. Schöncbcrg. Sonntag früh 7Vs Uhr findet eine Flugblatt- Verbreitung statt und Mollen sich die Genossen in einem der hier bezeichneten Lokale zahlreich einfinden: S t e n d e r, Hohenstaufein strafte 80: Schilling, Kyfihäuserstr. 16; O b st, Grunewald strafte 110; Hoppe, Mcrseburgerstr. 7; Schulz, Bahnstr. 35; Lade. Siegfriedstr. 8; Häuser, Scdanstr. 31; Püschel, Gutzkowstr. 9; Moll, Sponholzstr. 3t. Ober- Schöneweide. Heute abend 8Vs Uhr findet bei Töpfer die Generalversammlung des Arbeiter-Bildungsvcrcins statt. Neuwahl des Vorstands. Weisteusce. Dienstag findet im„Prälaien". Kvnigchanssee und Lehderstraften-Ecke, die Generalversamnilung des socialdcniokratischcn Arbeitervereins statt. Genosse C u r t F r e u d c n b e r g wird einen Vortrag über:„Kulturaufgaben leiden nicht" halten.' Gleichzeitig machen wir daraus aufmerksam, daft ani Sonntag früh 8 Uhr vom Lokal des Genossen Gartz, Lehderstr. 5. zur Agitation für den Verein ca. 500 Kouverts zur Verbreitung gelangen. Um zahlreiche Be- teiligung ersucht Der Vorstand. Munrmmmles. Aus der Magistratösihung am Freitag. Das Magistrats kolleginm wählte an Stelle des aus seinem Amt tretenden Ober lehrer Professors Irin er den Dr. Clajus zum Oberlehrer am Königstädtischen Realgymnasium. Ferner besetzte das Kollegium die zwei neu kreierten Oberlehrerstellen am Sophien-Gymnasium durch die Hilfslehrer Dr. Wessely und Dr. Werner. Der Oberlehrer Professor Dr. H e l l w i g an der V. Real schule ist vom Magistratskollegium zum Direktor dieser Anstalt ge wählt worden. Das Magistratskolleginm hat beschlossen, die Begründung einer Fahrschule auf städtische Kosten abzu lehne n, dagegen hat das Kollegium die Geneigtheit ausgesprochen, falls durch Privatpersonen ein solches Unternehmen ins Leben gerufen werde. bei der Stadtverordueten-Versailimlung eine Subvention für dasselbe zu beantragen. Das Vermächtnis des Dr. I a g o r, welches aus einer Summe von 500 000 M. und der sehr wertvollen Sammlung, welche der Erblasser von seinen Reisen mitbrachte, besteht, hat das Magistrats- Kollegium für die Stadtgenicinde Berlin anzunehmen beschlossen. Das Kuratorium der Stiftung wird zusammengesetzt sein ans drei Stadträten mit dem Oberbürgermeister, einem Mitglicde der Universität, einem Mitgliede der Akademie der Wissenschaften und einem Mitgliede des Vereins für Gcwerbefleift. UoKäIvs. lieber die im Bau begriffene elektrische Hochbahn der Firma Sieniens u. Halske bringen die Blätter von Zeit zu Zeit Nachrichten, die den Fortschritt im Bahnbau illustrieren sollen, lieber den E r ö f f n u n g s t e r m i n des Bahnbetriebs verlautet allerdings nichts. Die Mitteilungen sind aber auch ohnedies recht hübsch, sintemalen sie angenehnr über die leidige Thatsache hinwegtäuschen, daft nach dem Vertrag, den die Firma mit der Stadt abgeschlossen hat, die Unternehmer verpflichtet sind, vor Ablauf von vier Jahren nach dem Datum des Eintreffens der staatlichen Genehmigung die Bahn fertig zu stellen. Die Genehmigung ist am 15. März 1836 erteilt worden; die Gesellschaft hätte mithin vcrtragsmäftig die Bahn am 15. März 1900 eröffnen müssen. Nach den» bei uns »gültigen Kalender ist dieser Termin vor drei Wochen abgelaufen, und nach§ 13 des Vertrags hat die Stadtgemeiude jetzt, wo der Vertrag von der Firma Siemens u. Halske nicht ein- gehalten worden ist, das Recht, die Erlaubnis zum Weiter bau zurückzuziehen, so daft die Ballgesellschaft die ganze Anlage tvicder zu entfernen hätte. Wird nun auch nieinand ernstlich verlangen, daft dies geschehe, so hat doch die Stadtverwaltung alle Ursache, die Terniinsverlängerung von Konzessionen abhängig zu machen. Dies ist um so eher erforderlich. wenn nian sich vergegenwärtigt, in welche U n- g e l e g c n h e i t e n die Gesellschaft die Stadt dadurch gebracht hat, daft sie, auf den Wortlaut ihres Vertrages fuhend, auch solche Plätze als öffentliche in Anspruch nahm, die garnicht diesen Charakter trugen, sondern Bauplätze waren. � Muftte doch infolge der Rücksichtslosigkeit der Baugesellschaft s. Z. ' das schon fertig gestellte Projekt der B a d e a n st a I t in der De n n ewitz strafte vollständig umgearbeitet werden, so daft � das in Betracht kommende Grundstück nur sehr beschränkt ausgenutzt werden konnte. Nebenher sei bemerkt, daß es Herr M e u b r i n k war, der jetzt durchgefallene Bürgermeistcr-Kandidat, der sich mit dem Ruhm, einen so unvorsichtigen Vertrag ausgearbeitet zu haben, bedeckt hat. Nunmehr, da die Firma Siemens u. Halske ihre Verpflichtungen nicht erfüllt hat, ist es an der Stadt, zum mindesten den da- mals erlittenen Schaden wieder weit zu machen. Wie in Magistratskreisen verlautet, hat die Gesellschaft beantragt, die Frist zur Eröffnung deS Betriebs um achtzehn Mo« nate zu verlängern. Nach dem Vertrage ist eine Verlängerung ohne weiteres nur zu bewilligen, wenn höhere Gewalt vorliegt oder Verhinderungen eingetreten sind, welche die Erfüllnng des Ver- trags ohne Verschulden der Unternehmer unmöglich gemacht haben. Hierin sind vorsichtigerweise auch Arbeitsein st ellungen ein- gerechnet worden. Streiks habe» unsres Wissens den Bau nicht aufgehalten, ebenso wenig können etwa die Verhandlungen wegen Ueberführung in eine Untergrundbahn als höhere Gewalt anfgefaftt werden. Die Schuld an der Verzögerung trifft mithin einzig die Gesellschaft. Für die Stadtverwaltung eine außerordentlich günstige Situation zum energischen Handeln!_ Gesundheitliche Miststände im Handelsgewerbe bespricht R e ch ts a n w a l t D r. Ko rn in den„Mitteilungen für weibliche Angestellte" auf Grund der Beobachtungen, die er in seiner gerichtlichen Praxis gemacht hat. Solche Miftstände werden pft erst durch gerichtliche Verhandlungen aufgedeckt. Erst wenn die Erkrankung eines Angestellten zu einem Prozeß zwischen dem Angestellten und dem Chef führt, kommt die ganze Gleichgültigkeit und Rücksichtslosigkeit zu Tage, mit der manche Geschäftsinhaber ihr Personal in diesem Punkte behandeln. Nach Dr. Korns Er- fahrungen ist die Erkrankung von weiblichen Angestellten ein besonders häufiger Grund zu Prozessen. Man dürfe an- nehmen, sagt Korn, daß die große Mehrzahl der Chefs schon in ihrem eignen Interesse alles thun werde, um Erkrankungen der weiblichen Angestellten zu verhüten, es kämen aber doch Fälle vor, in denen die vollkommene Rücksichtslosigkeit des Chefs gegen die Gesundheit seiner Angestellten zu deren Erkrankung führe. Nach 8 62 des Hanvelsgcsetz- buchs ist der Priuzipal verpflichtet, die Geschäftsräume so einzurichten und zu unterhalten, auch den Geschäftsbetrieb und die Arbeitszeit so zu regeln, daft der Handlungsgehilfe gegen Gefährdung seiner Gesundheit geschützt ist, soweit die Natur des Betriebes es gestattet. Dazu gehört, daft die Geschäftsräume ordnungsmäßig gelüftet und im Winter geheizt werden, daft sie nicht nur bei künst- licher Beleuchtung benutzbar, nicht zu feucht und gegen Zuglust stets geschützt sind. Auch Gelegenheit zum Sitzen muft geboten sein. Die Verletzung dieser Vorschriften gicbt dem dadurch krank gewordenen Handlungsgehilfen das Recht, über sechs Wochen hinaus vollen Schadenersatz für die Störung seiner Gesundheit zu fordern, wenn die Krankheit nachweislich durch die gesundheitlichen Mängel der Gcschäftsräunle verursacht ist. Korn führt einige Fälle an, die bei Gelegenheit solcher Prozesse vor Ge- richt zur Sprache gebracht wurden. Eine Angestellte einer hiesigen Finna erkrankte an schweren nervösen Erscheinungen und stellte unter Beweis, daft die Beschaffenheit der Komptoirräume polizeiwidrig sei, und die Krankheit hierauf zurückzuführen sei. Das Komptoir- personal sei in unterirdischen Räumen untergebracht, die nur künstlich beleuchtet, ungenügend ventiliert und nach Polizei- licher Vorschrift zum dauernden Aufenthalt von Menschen nicht benutzbar seien. Die beklagte Firnia widersprach zunächst heftig. Als aber verhandelt werden sollte und die Beweisaufnahme durch Sachverständige unvermeidlich schien, befriedigte die Firnia den An- spruch der Klägerin, so daft die Feststellung des Sachverhalts ver- hindert wurde. Bei einer andren Firnia mit zahlreichem Personal erkrankten viele Angestellte— darunter zwei bedenklich an Lungen- katarrh— weil bis W e i h n a ch t e n in den Verkaufsräumen kein Ofen angebracht und die Eingangsthür des Ladens ohne W i n d f a n g war. so daß die unniittelbar dahinter stehenden Verkäilferinnen der gefährlichsten Zugluft ausgesetzt waren. Die beiden an Lungenkatarrh erkrankten Verkäuferinnen haben auf vollen Schadensersatz geklagt; der Prozeß ist noch nicht entschieden. Neuerdings machen'manche Finnen mit ihren An- gestellten schriftlich ab,' daß in Krankheitsfällen kein Ge- halt gezahlt wird. Eine solche Abmachung ist leider rechts gültig! Den Rat, die Unterschrift zu verweigern, können aus nahe liegenden Gründen die wenigsten Angestellten befolgen. Ungültig ist aber eine solche Abmachung, wenn die Erkrankung auf Verletzung der bezüglichen gesetzlichen Vor- s ch r i ft e n z u r ü ckz u fü b r e n ist. Korn rät den Angestellten gegen gesundhcitschädliche Mängel des Geschäfts ausdrücklich vom Chef Schutz zu fordern und, wenn der Schutz nicht gewährt werde. sofort d i e S t e I l u n g aufzugeben, wozu sie berechtigt seien. Leider können sich in solchem Fall wieder mir wenige den Luxus gestatten, von dieser Berechtigung Gebrauch zu machen. Die Streikklausel in den Snbniisfionsbedinguugen des Bauiinternehmcrtums steht in der heute stattfindenden Sitzung der vereinigten B a u d e p u t a t i o n e n der Stadt auf der Tagesordnung Wir wollen bei dieser Gelegenheit nochmals darauf hinweisen, daß die städtische Verwaltung sehr wohl in der Lage wäre, durch AuS- führuug öffentlicher Bauten in eigner Regie den Entbehruiigsloh» der Unternehmer zu Gunsten des Stadtsäckcls zu sparen und damit den Herren den Beweis ihrer Ueberflüssigkeit möglichst zu erleichtern. Uns wird als verbürgt die kaum glanbliche Nachricht mit- geteilt, daft die Verwaltung der städtischen G a s a n st a l t in der Müllerstraßc den in ihrem Betriebe beschäftigten Maurern den vor dem Einignngsamt des Berliner Ge Werbegerichts vereinbarten Minimallohn nicht zahle. Wir wollen abwarten, was die Verwaltung dagegen zu sagen weiß. lieber die Person des Biirgermeisters Brinkmann schreibt die„Voss. Ztg.": Der zum zweiten Bürgermeister von Berlin durch die Stadtverordneten- Versammlung gewählte Bürgermeister Brink« mann in Königsberg i. Pr. war 1881'Gerichtsassessor, dann Rechts- anwalt in Tilsit und später Syndikus der dortigen Kaufmanns- korporation. Als Stadtverordneicr beteiligte er sich an der kom« liiunalen Verwaltung. Er wurde dann zum ersten Bürgermeister von Tilsit gewählt, aber wegen seiner liberalen Gesinnung nicht bestätigt. Im Jahre 1891 wurde er Syndikus bei der Kommunal- Verwaltung in Königsberg und 1894 zweiter Bürgermeister und als solcher bestätigt. In Königsberg mitcrstcht der Leitung deS Herrn Brinkmann die ganze Ann'enpflege und die Oberleitung der Wasser- Versorgung. Er hat dort auch das Gewcrbegerichr eingerichtet und für die Angestellten der Wasserwerks- Verwaltung Wohnhäuser mit kleinen Gärlchen gebaut. Man rühmt an dem jetzt 46 jährigen Bürgermeister viel Gewandtheit in juristischen Fragen und in Ver- walt'ungsangelegenheitcn bei großer persönlicher Liebenswürdigkeit. Heber die Abstimmung der einzelnen Fraktionen der Stadtverordneten-Versammlung bei der Bürgermeisterwahl geht uns von unterrichteter Seite folgendes Abstimmnngsbild zu: Es stimmten für Brinkmann für Meubrink .Von der alten Fraktion der Linken....... 15 38 Von der Fraktion Spinola. 1 21 Von der Neuen Fraktion. 27 2 Socialdemokraten.... 22— Bnrgerpartei......•- 2 Wilde........ 4 3 Zusammen 69 66 Der Sieg der Linken im Stadtparlament wird auf bürgerlich- demokratischer Seite ziemlich nüchtern betrachtet. Die„Volks- Zeitung" verhehlt sich nicht, daß angesichts der ganzen kommunalen Sachlage kein Grund vorliegt, in ungeniessenen Jubel auszubrechen. Es sei schlimm genug, daft die auch als freisinnig durch die Welt gehende Minderheit so stark gewesen sei. Andrerseits giebt sich das demokratische Blatt aber gefährlichen Illusionen hin, soweit die in ihrer Gesmntheit doch so wenig aggressiv gesinnte bürgerliche Wählerschaft in Betracht kommt: „Sie(die Wählerschaft) muh mit eisernem Besen dazwischen fahren und das Mandat jedem Stadtverordneten nehmen, der sich in dieser eminent wichtigen Principicnfragc auf die Seite der Reaktion gestellt hat. Denn wenn diese Bürgcrmeistcrwahl nicht Anlaß zu einer gründlichen Scheidung der freisinnigen Kautschukmänner von den entschiedeneren Elementen giebt, so ist für die Kommune Berlin herzlich wenig gewonnen. Es besteht dann die Gefahr weiter, daß der Reaktion bei nächster Gelegenheit der Triumph erblüht, der ihr gestern noch mit einer nur zu knappen Mehrheit entriffcn worden ist. Sympathischer als man denken sollte, betrachtet die katholische Märk. Volkszeitung" die Wahl: „Daß die Mehrheit für Brinkmann nur eine geringe wurde, hatte man vorher erwartet; es ist daraus zu erklären,' daft der andre Kandidat, Herr Meubrink, etwas nach rechts steht und daß man mit seiner Wahl der Regierung und einer noch höheren Stelle einen Gefallen erzeigen wollte. Jinmcrhi» ist der Berliner Verwaltung sehr zu wünschen, daft ihr von außen h e r in a l etwas frisches Blut zugeführt wird." Ein mächtiges Toben erhebt sich in der konservativ-antisemitischen Presse. Gestern bereits haben wir ein Deiuiuznitionsstiicklein der „Post" niedriger gehängt. Ganz im Sinn des Stümmschen Blatts wütet die„Deutsche Tageszeitung", nachdem sie Herrn Brinkmann vorgeworfen hat, daß er noch jüdischer sei als die Juden: „Die Majorität der Stadtverordneten-Versammlung steht nun einmal auf radikalem Boden und sie hat das unbestreitbare Recht, eine ihr genehme Person zu wählen. Anders liegt es mit der politischen Bedeutung. Unter normalen Umständen käme auch diese nicht in Betracht; nachdem jedoch von den Stadt- verordneten selber und von der Rathaus- Presse die Wahl als politische Demonstration gegen den„nach oben" allzu willigen Magistrat gestempelt worden ist, wird auch die Auf- sichlsbehörde nicht umhin können, dieser Bedeutung Rech- nung zu tragen. Vor allem wird die. in Berlin vorherrschende Ansicht: die Stadtverordneten hätten auch in politischen Dingen mitzureden und selber ihre eigene Politik zu machen, wiederum als irrig erklärt werden müssen." Wie werden sich da die in der Kanalfrage gemaßregelten Land- räte freuen, in Herrn Brinkmann eine Art Leidensgefährten zu bc- kommen! Ebenso schilt die„ S t a a t S b.»Z t g.": „Der Ausfall der Wahl ist ein neuer Beweis dafür, wie wenig im Roten Hause wirkliche Tüchtigkeit gilt. Solche wagten incht einmal die politischen Gegner Herrn Meubrink abzusprechen. Trotzdem wurde ein Fremder gewählt nur seiner„demokratischen" Gesinnung wegen. Von den„Berlinern" ist Herr Brinkmann nicht gewählt; seine Wahl ist lediglich das Ergebnis trauriger Kl i q u e n w i r t s ch a ft im Roten Hause. Darauf stolz zu sein, mag ihm gegönnt sein. Der durchgefallene Herr Meubrink kann einem wegen so an- rüchiger FreundschaftSbezeugungen ja leid thun, aber verdient hat er solche Bundesbrüdcr. Zu einer sensatioilellen Offiziersausschreitung, die ivohl auch noch den SHeichstag beschäftigen wird, gestaltet sich nnumehr das blutige Rencontre, daS der Heizer Tuttas im Juni vorigen Jahrs mit dem O b e r l i c u t c n a n t B ö t t r i ch hatte. Tuttas wurde damals von dem Obcrlieuteiiant Böttrich, den er angeblich belästigt und mit Schimpfworten verfolgt haben soll, durch einen Degenstich zu Boden gestreckt und dann, als er wehrlos auf dcni Pflaster lag. durch eine Reihe weiterer Degenstiche so schwer ver- letzt, daß er wochenlang im E l i i a b e t h- K r a n k e n h a u s e auf den Tod daniederlag. Nur seiner kräftigen Natur verdankte es Tuttas, daß er niit dem Leben davonkam. Tuttas hatte von vornherein be- stritten, daß er dem Oberlieutnant Böttrich irgendwie zu nahe ge- treten sei, und es fand sich auch eine ganze Anzahl von Zeugen, welche übereinstimmend bekundeten, daß Tuttas ruhig seines Wegs gegangen und daß er ohne jeden ersichtlichen Grund von Böttrich angegriffen und mit dem Degen bearbeitet worden sei. Sobald als Tiiltäs aus dem Rrankeuhanse entlassen worden war, wandte er sich mit einer Klage gegen Böttrich an das Militär- g e r i ch t, wurde aber von dieser Behörde mit der Begründung abgewiesen, daft der Oberlieutenant die Grenzen der berechtigten Notwehr nicht überschritten habe. Mit diesem Urteil beruhigte sich Tuttas jedoch nicht, sondern, einmal um Ersatz für den ihm durch Böttrich zugefügten Schaden zu erlangen, alsdann aber um den Thatbestand zweifelsfrei festzustellen, strengte er beim hiesigen Landgericht eine Civil- klage gegen den Offizier wegen eines Anspruchs auf 500 M. an. In diesem Civil-Streitverfahren hat nunmehr, wie die„Berliner Zeitung" mitteilt, die 16. Civilkammer am Landgericht I ein Urteil gefüllt', das allerdings in striktem Gegensatz zu dem Erkenntnis der Militärbehörde steht. Durch Zwischcmirteil vom 3. April hat die genannte Civilkammer entschieden, daft die Forderung deS Klägers Tuttas an den Beklagte», Oberlieutenaut Böttrich, dem Grunde nach als berechtigt anzuerkennen sei. Damit hat das Gericht festgestellt, daß Tuttas den Böttrich sticht beleidigt oder angegriffen hat, sondern daß er von dem Offizier widerrechtlich an seineni Leib geschädigt worden ist. Die Höhe des von Böttrich an Tuttas zu zahlenden' Schadensersatzes wird das Gericht in einem demnächst zu erwartenden Urteil bcstinimcn. Wie die„Berl. Ztg." hört, hat Böttrich durch seinen Vater, welcher R e i ch s g e r i ch t s r a t ist und welcher auch für seinen Sohn in dem Prozeß umfangreiche Schrift- flitze eingereicht hat, dem Herrn Tuttas einen Vergleich auf 300 M. anbieten lassen. Ob die Militärbehörde nach Beendigung des Civilverfahrens Veranlassung nehmen wird, gegen Böttrich einzuschreiten, bleibt abzuwarten. Wilhelm II. Nach einem hiesigen Blatt hat der Kaiser an den Vorstand des Karlsvereins zur Wiederherstellung des Aachener Münsters das folgende als sehr bemerkenswert bezeichnete Tele- graunn gerichtet: „Professor Schaper hat mir heute sein Modell und die Kartons gezeigt, welche für die Ausschmückung der alten Krömmgskirche Karls bestimmt sind. Selbst ein unermüdlicher Forscher auf dem Gebiete der romanischen und byzantinischen Mosaikkunst, bin ich auf das freudigste überraschr gewesen von der großartigen und stilgerechten Auffassung, sowie von der Korrektheit der Linienführung und harmonischen Gesamtlviriung, welche das Modell so vortrefflich veranschaulicht. Die Wiederherstellung nach dem vorgelegten Entwürfe ist wahrlich im Geiste Karls des Großen aufgefaßt und seiner würdig. Ich beglückwünsche den Karlsverein dazu. Wilhelm I. Q." Zu den vielen von der gesamten staatstreucn Presse als hervor- ragend gepriesenen Fähigkeiten und Kenntnissen des Kaisers in Musik, kommunalen Angelegenheiten, Jagd, Theater, Litteratur, Malerei und andren Zweigen menschlichen Könnens gesellt sich nunmehr nach dem eignen Zeugnis des Monarchen eine neue Fertig- keit auf einem Gebiet, das gewöhnliche Fachgelehrte wie Bayct, Kondakoff, Borbet de Jouy, Rossi n. a. für einen ganz beträcht- lichcn Teil ihres Lebens ziemlich ausschließlich in Anspruch ge- nornmen hat. Die tiefen Rinnsteine, diese häßlichen Uebcrbleibsel anS Berlins kanalisationsloser Zeit, sind dem Bewohner der inneren Stadt kaum mehr bekannt, aber in den äußeren Stadtteilen sind sie noch in ziemlicher Ausdehnung zn finden. Im Jahre 1899 waren im Berliner Weichbilde noch 17 860 lausende Meter, also nicht viel weniger als 2Vs Meilen, von diesen Rinnsteinen vorhanden. Die meisten davon kamen auf die den Nordosten und den Norden der Stadt umfasseiideu Radialsysteme V, IX und X; 6138 Meter auf System V, 4888 Meter auf System IX. 4914 Meter auf System X. Die Beseitigung der tiefen Rinnsteine hängt hauptsächlich von der Möglichkeit' eines vorherigen Anschlusses der Grundstücke an die Kanalisation ab. Sie hat sich in den letzten Jahren sehr ver- langsamt und dürfte auch in diesem Jahre kaum wesentliche Fort- Hritte machen, Die Große Berliner Straßenbahn will sich jetzt ein eignes Verwaltungsgebäude einrichten und hat dazu das Grundstück Leipziger- platz 14 angekauft. Die Errichtung des Neubaus soll so beschleunigt werden, daß dieser spätestens zu Anfang nächsten Jahres bezogen werden kann. Die Maßnahme» zur Erhöhung der Fenerstcherheit in den Verlincr Geschäften werden nach folgenden Gruiidsätzen durch- geführt. Biel Sorgfalt muß künftighin auf die Sicherung brennbarer Stoffe gelegt werden. Keller müssen hermetisch von der oberen Etage abgeschlossen sein, so daß ein direkter Aufgang numöglich ist. Die' Gänge in den Geschäftsräumen sollen auf ztvei bis drei Meter erweitert werden und die Thüren derart eingerichtet sein, daß sie wit einem Griff zu öffnen sind. Auch bezüglich der Ladenregale und Requisiten macht die Polizei Vorschriften. Die Regale dürfen nicht HS zur Decke reiche». Durch die feuerpolizeilichen Vorschriften wird das Innere der großen Geschäfte nach und nach ganz umgestaltet. Der Botanische Garten ist am Sonntag, nachmittags von 2—7 Uhr, für das Publikum wieder geöffnet. Von den Gewächs- Häusern werden das Kamelien- sowie das Palmenhaus geöffnet sein. Das Alpimun und die pflauzengeographischen Anlagen sind wegen der bereits in Augriff genommenen Neuanlage des Botanischen Gartens in Dahlem fast nahezu aufgelöst. Das gastliche Preusten. Als.lästige" Ausländer aus Preußen ausgewiesen sind in der letzten Zeit durch Verfügung des Polizeipräsidenten zu Berlin der Cigarettenarbeiter Noah Inhaber, russischer Staatsangehöriger, der holländische Staatsangehörige Kellner Dirk de Haas und der östreichische Staatsaugehörige Vollschiveizer Ludwig Kieslinger. Die Affairc Clansten- von Broich hat setzt endlich ihren Abichluß gefunden. Claußt» wurde, wie s. Z. mitgeteilt, nachdem er den Prozeß gegen den vortragenden Rat im Ministerium, Frei- Herrn von Broich, gewonnen hatte, wegen Betrugs demmziert. Das Landgericht in Flensburg hat nun das Verfahre» gegen Claußen ein- gestellt, weil die gegen ihn geführte Voruntersuchung die Denunziation als unbegründet erscheinen ließ. Aus Berlin scheint ein unbelaimter Mann zu sein, der sich am �4. d. M. im Göblerschen Gasthof zu Behlitz durch einen Re- volverschuß getötet hat. Der Gast erzählte, wie der Erste Staats- anwalt zu Magdeburg mitteilt, daß er früher ein großes Geschäft besessen, dieses aber verloren habe. Hierin sucht man auch die Ver- anlassung zum Selbstmorde. Die Bemühungen zur Feststellung der Persönlichkeit haben noch keinen Erfolg gehabt. Die Arau Bürgervorsteher. Von der hiesigen Kriminalpolizei wurde gestern die Frau des Bürgervorstehers und Tapetenhändlers «Pieck aus Stade verhaftet, welche, gleich ihrem Ehemau», vor einigen Tagen heimlich ihren Wohnort verlassen hatte und steckbrief- lich verfolgt wurde. Der Ehemann der Verhasteten konnte bisher nicht ergriffen werden. Dieser wird wegen großartiger Betriigereien und Wechselfälschungen ebenfalls behördlicherseits gesucht. . Gteckbrieflich verfolgt werden von den Staatsanwaltschasten beim Landgericht I und 11 der Tischlermeister Georg B r v ck e r wegen Beihilfe zum betrügerischen Bankrott, der Hausdiener Adolf B ottcher wegen schweren und der Maurer Mar Busse wegen einfachen Diebstahls. . AlS ein Mord- nnd Telbstmordbersnch scheuit sich die blutige Affaire im Treptower Park, über welche wir gestern berichteten, herauszustellen. Im Kreiskrankenhaus, wohin die beiden Verletzte» gebracht wurden, erlangte die Auguste Noatsch für kurze Zeit das Bewußtsein wieder und machte ihren Geliebten. den Posischaffiier Eugelchen, schwer belastende Angaben, nach denen sie leineswegs frei- Hillig den Tod gesucht hat. Dem Anschein»ach sind ihr wider ihren Willen von Eugelchen— wie man anuiilimt. aus gewinn- süchtigen Absichten— die Pulsadern durchschnitten worden. Wahr- schenilich von Neue erfaßt, hat sich E. sodauu selbst zu töten versucht. Der Zustand des Mädchens soll ein wenig hofsiuiugsvoller, derjenige Engelchens dagegen günstiger sein. Seitens der Staatsanwallschaft ist bereits die Untersuchung eingeleitet worden. Bon einem herrschaftliche» Wagen überfahren und sehr schwer verletzt wurde gestern nachmittag um 3V» Uhr die neunjährige Pflegetochter Antonie des Hausverwalters Wippermami aus der Pauk- ftraße 31a. Da§ Kind spielte mit Altersgenossinnen a» der Ecke der Badstraße und Priuzen-Allee. Ein herrschaftlicher Wagen, der sehr schnell fuhr, stieß es um und die Räder gingen ihm über den Kopf, de» rechten Arm und den Leib. Mit sehr schweren älißere» und inneren Verletzungen wurde die Verunglückte mit einem Lückschen Rettungswagen nach dem Kaiser und' Kaiserin Friedrich-Kinder- Kraukenhaus in der Reinickendorferstrafe gebracht. Der Kutscher des Wagens, in dem eine Dame und Herr saßen, jagte davon, wurde vom Publikuin verfolgt, konnte aber nicht eingeholt oder ermittelt werden. DaS Lehrprogramm der BolkS-Hochschule Hamboldt-Akademie für daS am 19. April beginnende.yrühjahrsqiiartal enthült die Anzeigen von 48 BortragscyNen»nd UnterrichtSkurie» aus fast allen Wissensgebieten, toelche in den 4 Lehrstätten ITtV., W, WH,(Arcbiteltenhaus, hier vor- niittags) und C., sowie im königl. Alte» Museum(nachmittags), im übrigen abends, für Herren und Damen gehalten werde». Im vorigen Quartal wurden in den S LehrstäUen Berlins 82 Cykleu und Kurie von 2KK0 standigen Hörern besucht, außer einer Anzahl von Hörern auf Eiuzelkarteil! die Frequenz der beiden Wmterqiiartale betrug für 177 CvNen b8«ä stkndige Hörer, Herren und Damen auS allen Klaffen und Bernsen. Das Programm� ist im Juvalideiidank und in den BurcauS der Akademie: Dorotheen- straße 7S, Nicolatsche Buchhandlung Borftelt u. Reimarus(nicht mebr Stuhrsche Buchhandlung), PotSdanierstr. Ulla, Prinzenstr. 64, Landsbergcr- ftrahe 32 und im ArchnettcuhauS für 10 Pf. käuflich. Theater. Im Schiller-Theater ist für die Osterfeiertage folgender Spielplan ausgegeben: Ostersonntag, de» 16. April, iiachmUtags „Der Probepfeil", abends„Macbeth", Ostermontag, den 1«. April, nach- mittags„Brand", abends das Bolköstück„Gebildete Menschen".- In der Urania werden während der Schulferien heute, Sonnabend, und in der daraus solgenden Woche am Mittwoch und Somiabend um 6 Uhr Nack)- mittagsvorstelluilgen des dekorativen Ausstattungsstückes„Von den Alpen Zum Vesuv" zu ermäßigten Preisen stattfinden.— Im Deutschen T h e a t e r geht heute, Sonnabend, Max DreyerS Drama„Winterschlaf", zum erstenmal in folgender Besetzung in Seeue: Förster Ahreus— Hermann Riffen; Trude, seine Tochter Lotti Sarrow; Fräulein Aerwff, ihre Tante— Louise von Pöllnitz: Franz Voigt, Forstgebilse— Siudolf RiUner; Hans Metuecke- OSkar Sauer. In Arlbur Schnitzler« Vor- spiel„Para cell us daS veu einstudiert den Abend deichltefit, spielt Emanuel Reicher zum erstenmal die Titelrolle; den Eyprie« giek» Hermann Kiffen, Justliia— Louise Dumont, Cacilia— Else Helms, Dr. Copnö HanS Fischer, den Anselm— Bruno Zlcner.— Im M e t r o p o l, Theater wird heute die 100. Aufssthrmig der.Berkehrten Welt" durch «ine Fcstvorstellung begangen. KiefjliugS»ener Radfahrerplan von Berlin und den Vororten ist soeben in neuer Auflage erschiene». Der Plan gewährt ein sehr Übersicht- sichtliches Bild von dem Stand des Pflasters am 1. April et. Asphaltierte Straßen sind blau, mit gutem Steinpflaster versehene oder gut chaussterte Straßen braun, mit schlechtem Steinpflaster versehene oder schlecht chaussterte Straßen gelb gefärbt. Alle ungepflastertcn oder projektierten Straßen find weiß geblieben, so daß fich die bclreffcnd« Farbe nach erfolgter Pflasterung leicht eintragen läßt Der Preis beträgt 1 M. Die saubere Ausführung, welche alle kartographischen Arbeiten aus dem KIeßlingfchen Verlag aus- zeichnet, fällt auch an dem neuen Plan angenehm auf. Ei» Schadenfeuer, von dem auch das Postamt Rr. 45 bedroht war, brach gestern früh 6>/» Uhr in der Scharrenstraße 12/13 aus. Die Parterreräume des linken Seitenflügels dienen als Paketranm der Post, darüber liegt die Buchbinderei von Maaß und neben der Buchbinderei befindet sich daS Warenlager der Weißwarenhandliing von P. Bernhardt. In diesem Lager brach der Brand au«. Die Feuerwehr war bald in erheblicher Stärke zur Stelle, hatte aber mit fast»ndringlichem Rauch zu kämpfe», der die Löscharbeit«» migemeiii erschwerte. Das Feuer ergriff daS im ersten Stock befindliche Woll- Warengeschäft von L. Rosenthal und richtete auch hier arge Ver- beerungrit an, so daß der verursachte Schaden sehr beträgtlich ist. Erst nach fast dreistündiger Arbeit konnte die Wehr wieder ab- rücken. Feuerbericht. In den letzten 24 Stunden erfolgte eine größere Reihe Alarmierungen. Zimmerbrände, bei denen Möbel beschädigt wurden, waren Kleine Andreas st raße 4, RoßstraßeLö, Klopstockstraße 1, Alexander st raße 53 und Kur- f ü r st e n st r a tz e 146 zu beseitige». Holz- und Packmaterial ginge» Urban st raße 26 n»d Köpnickerstraße 175 in Flammen auf. Auf dem Stettiner Bahnhof war Gas ausgeströmt, doch konnte eine drohende Explosion noch rechtzeitig durch die Wehr verhindert tverden. Böswillige Brandstiftung verursachte einen Alarm nach der Triftstraße, wo ein Arbeiter anS Uebermnt einen Bretterzann angezündet hatte. Der Thäter wurde verhaftet. Bei der Explosion einer Petroleumlampe wurde F r a n s e ck i- st r a ß e 18 eine Person leicht verletzt, doch konnte das hierbei ent- standene Feuer noch im Keim erstickt werden. SluS den Nachbarorte». Im Gegensatz zum Kreise Teltow, der in verschiedenen KreiS- teilen auf Kreiskosten größere Krankenhäuser errichtet hat und unterhält, hat der Kreistag des Kreises Niederbaruim in Ileberein- stiminiing mit dem Kreisansschuß sich dafür ausgesprochen, daß ver- schicdene' Gemeinde» sich zn Zweckverbänden vereinigen und die Er» richtung und den Betrieb der Krankenbäliscr übernehmen. Der KreiS wird hierzu cntsprecheude Zuschüsse leisten. I» Wcißcusce hat die Gemeindevertretung gestern die Wahl unsrcs Parteigenossen Taubmann zum Gemeindevertreter für gültig erklärt. Die Beanstandung war erfolgt, weil von Taub- mann behauptet worden war, daß er kein Angesessener der Ge- meinde sei. Anfschen erregt die in Spandau erfolgte Verhaftung des frühere» Lehrers H i» tz, der als Jugendschriflsteller und als Kenner der Imkerei bekannt ist. In Spandau gab er, nachdem er früher in Oranienburg eine Fachschrift für Bieiienkniide geleitet, eine illustrierte Kiliderzeitung heraus und hatte auch das Erscheinen einer Schrift über Bienenzucht angekündigt; auf diese hatte er Aboiuienientsgelder entgegciigciiomiiic»:' da aber die Schrift ausblieb, so haben die Bc- stellcr, die sich getäuscht sahen, Anzeige erstattet und daraufhin ist Hintz nuiimehr verhaftet worden. Ttadtvcrorductcn-Versauiiiililug in Spandau. Zur Ab- fiudiuig der Kircheiigemeiiide Staaken für die Alifhebiing und Ab- lösung des KircheiipatroilatS von Staaken wurde in Abänderung eines früheren Beschlusses ein Betrag von 17(XX) M. bewilligt. Nach längerer Debatte, welche von liiisrer Seite durch den Genosse» R i e g e r geführt wurde, beschloß die Versamniluiig gemäß dem MagistratSautrag, zukiliistig eine Gebühr von 50 Pfennig für jede Radsahrerkarte zu erheben, vergeblich wurde von soeialdemokratischer Seite darauf hiiigcwiesc», daß von dieser licuen Steuer wieder solche Arbeiter betroffen werden, die sich ein Fahrrad uickit zum Luxus, sondern zu Berufszwecken halten. Ten Herren H a n n e ni a» n und Klei»fe ld schienen 50 Pf. zu wenig, diese schlugen eine Gebühr von 1 M. vor. Herr Oberbürgermeister K ö l tz e stellte eine Vorlage betr. B e st e» c r»i ii g der Fahrräder überhaupt für einen gewisse» Zeitpunkt in sichere Aussicht. Der Beschluß der Stadtverordneteu- Versammlung vom 1. März d. I., der die R e i s e k o st c»- e n t s ch ä d i g u u g für die Beaniteii und Vertreter der Stadt so- wie für die Snbalternbeanitcn und endlich für die Iluterbeanitc» auf 6, bezw. 4 bczw. 2 M. für eine Fahrt nach Berlin. »nd a»f 8 bczw. 5 und bezw. 3 M. für eine Reise»ach PolSdaiii festsetzt, hat nicht die Zusliiiimuug des Magistrats gesunde»; dieser bringt seine alle Vorlage wieder ein, die Sätze von 8. 5 bezw. 3 M. und 12, 8 bezw. 5 M. enthält. Geuoiie Ri e g e r trat sehr energisch für die niederen Sätze deS Stadtverordneten« Beschlusses ein. Der Stadtverordneten- Versaiiiiiilmig beliebte es jedoch anders, indem sie ihren eignen mit erhsblichcr Majorität gefaßten B-jchluß einfach wieder falle» ließ und eineu Rmrag des Siadtv. Wt ü l l e r annahm, welcher der Magistratsvorlage bedeuteud näher ko»»ut. Es sind darin Sätze von 7.50, 5 bezw. 2.50 M. für Berlin und 0 M. bezw. 7 M. bezw. 4 M. für Potsdam festgelegt. Schöncberg. Eine neue Apotheke soll in dnn westlich vom Winlerseldlplatz sich auSdehn enden Stodlteil errichtet werden.— Die ll e b e r st ii» d e n der Beaniteii besonders zu honorieren— wie es in Eharlotteudiirg geschieht— hat der Magistrat abgelehnt. Nach einem Beschlüsse' de« Magistrats soll nur ganz misnahnis- weise über die festgesetzte Zeit hinmis gearbeitet werden. — Eine Mitwirlung der Stadtverordiieten- Brrsqmmlmig beim Erlaß von P o l i z c i v c r o r d n n u g e». welche eine hervorragende Bedeutung beanipruckicil oder gewerbliche Verhältliisie be- rühre», soll von dein Magistrat verlangt werde».— Ein Abkoiiiine» mit der Bank deS Berliner KasseiivereinS bchufs E i u z i e h» n g der SlaatS- und Gemeindefteueril durch Vernnttliing dieses Instituts und allen mit diesem in Berbindntig stehenden Berliner Bankhälisern ist von der städtischen Verwallung getroffen worden.— E!» sehr frecher Ei»bruchS-Dieb stahl wurde in der Wohnung einer Lehrerin, Motzflr. 10. begangen. ES fielen dem Diebe' Schmuck- und Weitfachen im Betrage von 800 M. i» die Hände.— Der dritte Volk s-ll uterhaltungs- abend(Schillerabcnd) findet am 8. April in der Aula der Hohe»- zolleriifchnle statt. Wilmersdorf. Beigelegt ist der Konflikt zwischen nnsrer Ge- nieinde und der Großen Berliner Straßeiibahngesellslbaft. Dieselbe erhält nunmehr das Recht, die Geleise ihrer Linie Spittcluiarkl— Halensee aus der Gasteincr in die Uhland-, Berliner und Branden- burgische Straße zu verlegen nnd damit die Linie um ein Be- drulendes zu verlängern, ferner die Linie Küstrincr Platz— WilmcrS- dorf— Hagenaucr Straße über de» Platz an der Ludwigskirche bis ziini Olivaer Platz zu verlängern. Dagegen hat sich die Gesellschaft verpflichtet, die Linie Linlstraße—Nvlleiidorfplatz— Wilmersdorf- Schmargendorf— Gruucivald vom 12. d. M. ab. die Linie Küstrincr Platz— Olivaer Platz vom 1. �uli ab, die Linie Spittelmarkt— Halen- jec vom 1. Oktober ab elcltrisch zu betreiben. J» dem Abkommen ist ferner die Einführmig dcS 10 Pfennig. Tarifs für die Strecke Linkstraßc— Wilmersdorf— Schmargendorf vom 12. d. MlS. ad vor- gesehen._ Gev iihks ikung. Wegen Bewncheruug deS frühren CirkuSdirektorS Ernst Renz hatte sich gcftcrii der Kaunnänn Franz I u h a c z vor der dritte» Strafkammer de« Landgerichts I zu verantworten. Als Renz sich im Herbst 1898 mit seinem CirkuS in München aufhielt, geriet er in Geldverlegenheit. Er sandte einen Bevollmächtigten nach Berlin mit dem Auftrage. zu versuchen, hier ein Tarleb» von 15 000 M. z» erhalten. Ter Bevollmächtigte wandte sich an Jiihaez, der zivar nicht die volle Smiime, aber doch einen Teil beschaffte. Er wußte dabei demiaßen in feine Tasche zu arbeite», daß er sich obige Anklage zuzog. In der Verhandlung kam zur Sprache, daß für den inzwischen entmündigten Direktor Ernst Renz bei der Reichs- dank ein Betrag von 1600 000 M.. hinterlegt ist. Die Verteidiger, Rechtsanwälte Leonh. Friednianii»nid Dr! Schwindt. stützten auf diesen Umstand ihre Ausführungen, daß von einer Notlage bei dem Geldsucher nicht die Rede sein könne, der Ge- richtshof hielt aber daS ganze Verhalten des Angeklagten für ein wucherisches und verurteilte ihn nach dem Antrage deS Staatsanwalts zu 6 Wochen Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe. I« der RachtragSsache zum Harmlose«> Prozeß ist nun- mehr gegen den Spieler Wolff Anklage erhoben worden, die indessen nicht auf Betrug, sondern nur auf gewerbsmäßiges Glücksspiel lautet. Auf Antrag des Verteidigers. RechtSanlvalt Wronker, ist dem Au- geklagten eine längere Frist zur Ausfertigung seiner BerteidigungS- jchrift gewährt worden. Et» betrübender Unglücksfall kam gestern vor der 7. Straf- kammer des Landgerichts I zur Erörterung. Der 16jährige Schüler Ernst Robert befand sich wegen fahrlässiger Körperverletzung auf der Anklagebank. Am Nachmittag des 7. Januar spielte eine Anzahl halberwachsener Burschen, darnnter auch der Angeklagte, in der Nähe des HumboldthainS„Zeck". Der Angeklagte hatte am Tage zuvor von seinem Vater ein Taschenmeffcr geschenkt bekommen. Während deS Spiels hatte er dasselbe hervorgezogen und geöffnet. Als der Schüler Gustav Mainz auf ihn' zlistürzte, um ihn zu greifen, hielt der Angeklagte, um ihn zu erschrecke», das Messer entgegen. Mainz vermochte nicht, seinem Körper»och im letzten«Ilgen- blick eine andre Richtung zu geben, er rannte in das Meffer hineiii und sank, ins Herz getroffen, gleich darauf zu Boden. Er verstarb nach wenigen Minuten. Der Angeklagte bot vor Gericht daS Bild eines schwer bereuenden jungen Menschen. Der Gerichtshof erkannte mit Rücksicht hierauf nur auf eine Gefängnis st rafe von sechs Wochen.' Wegen Gendarmenbeleidigung hatte sich gestern der Tischler Hermaiiii W n st r o w aus Grünau vor der 3. Strafkammer am Landgericht II zu verantworteu. Am 22. Oktober v. I. fand im Lindeiihayiischeii Lokal in Grüna» eine Versammlung statr, in welcher der Weber K o tz k e über den„Kampf wider das Unrecht" referierte. In der Diskussion wurden meist lokale Verhältnisse besprochen. Der Angeklagte führte n. a. aus:.Wen» um l'Sl2 noch Musik in den Lokale» gehört wird, die schon um i/4l2 geschlossen fein sollen, oder wen» Soiiutagvormittag uni �»12 auf der Straße noch Möbel abgeladen werden, das hört und sieht ein gewisser Jemand nicht, aber wenn bei Lindenhayn das Lokal nur ein paar Minuten länger auf ist, das sieht er!" Der die Versamniluiig überwachende Gendarm H a u f s ch i l d bezog diese Auspieluiigen, die der Buchdrucker Otto Engel»och bekräftigte, auf seine Person. Er fühlte sich dadurch be- leidigt nnd stellte gegen Wustrow und Engel Strafantrag. Beide Ivurdcn vom Schöffengericht in Köpenick zu je 30 Mark verurteilt. Während Engel sich bei dem Urteil beruhigte, legte Wustrow Berusung ein und trat vor der Strafkammer die Führung des Wahrheitsbeweises an. Der Beweis wurde zwar erhoben, vom Gerichtshofe aber»ach der subjektiven Seite hin nicht als gelnngen angesehen. Die Becusuiig wurde verworfen. Unzulässige Polizeivcrfügung. Einer großen Zahl von Kölner Halviveltdaincn war vom Polizeipräsidenten z» Köln auf- gegeben worden, ein Abonnenient in dem städtischen K r a ii k e» h a» s e e i n z u g e h e n»nd dem Präsidium uachzu- iveiscn, daß sie für das jeweilige Vierteljahr abonniert seien. Ver- schiedene Prostituierte, die dein Verlangen nicht nachgekoniiiien ivaren, eihieltcn Anklagen wegen Ilebertretmia des§ 861 Runmier 6 des Strafgesetzbuchs, wonach mit Haft zu bestrafen ist:„eine Weibsperson. welche wegen geiverbSniäßiger Unzucht einer polizeilichen Aufsicht unterstellt ist.'wenn sie den in dieser Hinsicht zur Sicherung der Gesundheit. der öffeiitlichen Ordnung und deS öffentlichen Anstaiidcs erlassenen polizeilichen Vorschrrften zuwider- handelt". Schöffengericht und Landgericht sprachen indessen die Angellaglen frei, worauf die Staatsanwaltschaft Re- Vision ciiilegie und geltend mochte, daß die übertrelene Der- fügUiig cine solche im Sinne des§ 861 Nr. 6 sei. Sie solle dem Schutze der Gesnndkeit dieiikii. Der Strafsenat des K a»i m e r- g e r i ch t S verwarf jedoch die Revision mit folgenderVegrüiiduiig: Die Änordiiung des Polizeipräsidenten entbehre der rechtSwirlsame» Kraft. Der Strafrlckter habe zu prüfen, ob eine Verfügung, die sich als eine solche im Sinne des z 361 Nr. 6 giebt, mich de» dort aiigegebeiien Zwecken wirklich dieiien solle. Das müsse hier hinsichtlich der Versügiiiig. beim Krankenhaus zu abonnieren. v c r>i c i ii t werden. Sie sei thatsächlich nicht„zur Sicherung der Gesimdheit", solideru zur Sicherung des finanziellen Interesses der Stadt Köln erlassen wordcir. Dle Mädchen müßten im Notfall ja so wie so in das Kraiikcnhans ailsgeiiommeil iverdeii, ganz gleichgüllig. ob sie aboniliert seien oder nicht. Die Bcrfügnng des Kölner Polizeipräsidenten ver- folge demnach nicht polizeiliche Gesichtspankte! von einer strafbami Ucbertretung könne darum nicht die Rede sein. Nercinskalender. Zli beiler Tniiflerbmid Berlins und der Umgegend. Dorfitzeuder ZkickiLrd Than, Echöneberg, Grunewaldstr.»9. Erster Kassierer Sei KU. Fidicin- Straße 16. Alle«eudmiiaeii im Verein« falen der find z» richte» an Otto Jsaack, Tweliverstr. 1», Hos II So,»labend. adcndS v— Ii Uhr: Uediingsfuinde und»lnsiiahme neuer Milglieder.— „Liirania", Göbcl. Landsberger Allee 166.-„Sanges- Echo", Kuckuck. Rawumstr. 6.—„Jiiimergriiii", Tegel, Reniner, Spandauerftr. 13.—„Glück zu". Lorisch, Pauksir. 326.-„Hand m Hand II". Friedrichüberg, Heuieckc, Friedrich Saristr. 11.-„Frisch aus I", FriedrichSberg, Paul, RummelS- liirgerür. 46.—„Weifie Rose II", Melveiisee, Sorrer, Stnißburgstr. 66.- „Eintracht I", Teltow, Ter?, Zehleiidorferstr, 6.—„Sänger Inst", Luckenwalde. Schulze, Bkklitzersir. 34.-„Frohflim", Rummelöburg, Bentliilg, Goethe- u. Kantstravni- Ecke.-„Echo II", Markgraseuopiesle bei gürsteu- walde, Grasnick.-„Gem. Chor". Luckenwalde, Gerhart, Haag 6.—„Ober- Schöiieweider Liederrafel", Ober-Schöiieiveidc, Wagener, Edisonstr. 6.— „Vorwärts VII", RumiNilSburg, Bcutling, Goethe- u, Kanistrasien-Eckc.- „Zündholz", Becker, Wriczcncnm 6. � Zlrbcirer-Rauchcrbnnd Berlins und der Umgegend. Aenderungcn im Bereiiislalender sind zu richten an Eugen Raschle, Rixdorf, Mahlower- sirahe 1, 4 Tr. Somiabend:„Angler I" Ruppert, Zliiwlerstr. 69(alle 14 Tag«),—„Havana II", Nvwawes-Neurndors, Simon, Priesterstr. 31.— „Glück Aus", Rüdcrodorf-Kallberge, Greve, Heiiiivstr. 19,-„Kuba", Mehr- wald, Alte Jalobstrave 64/66.-„Pappel" Dahmle, Buckiholzerstr. 6.- „Havana I", Nixdors, Pflug, Juliusstr. 69.-„Blauer Dampf". Doye. Nlülleistrasie S2a.-„Koulmmie", Barsch, Drontheimerfir. lo.-„Grüne Wiese", Schräder, Stralsunderstr. 68.-„Wasserturm", Schwarz, Straß- bürgerst raste 32.-„Einigleit III", Wahlert, Herzselde, Haupiftraß«.- „Guter Tabal", Kupsch, Teltow, Hoher Steinweg 41.—„Venus", Elsen- blättcr, Charloitcuburg, Cauerstr. 20. Arbeiter. Tnrnerbund. Sonnabend: Tum».„Fichte", Berlin. abds. 8-10 Uhr: 1. ivlänner- Abt. Friedenstr. 37.— 3. Männer-Abt. Boeckhstr. 17/20- 8. Männer-Abt. Höchstestr. 36/37.- 2. Lehrlings- Abt. Stalitzerstr. 66—66.— 4. LehrlingS-Abt. Stcphanstr. 3.— 6. Lchrl.-Abt. Ackcrflr. 67.—„Freie Turnerfchast Johannisthal" abds. 9—10 Uhr Senst- lebe».— Turncrschaft d. V.„Nereus"(gegründet 1882), 1. Lehrlings- Abieilung 8-10 Uhr abds. Maiiieusielslr. 7.-„Arb.-Tumv." üi Adlershof, Schuiauser, Bismarckstr. 16, St/,— 10»/, Uhr abends.„„ Teutichrr soeialdcmotrattscher Lesetlnb in PartS. CafS Le Procope, R»c de l Anciciiue-Comödie 13. Jeden Sonnabend öffentlich« ver jmtMilung! reiche Blblioihrt. Zeitungen, französischer Unterricht. London. Ter einzige hiepge socialdemotr. Verem Londons, der«te, von Karl Marx und Friedrich Engels 1846 mitbegrvndetr Koimumusttsch- Arbciter-Bildungsvereiii befindet sich nach wie vor 49 Tottenham Street, Tottcnham Eourt Vid., 353. London. All- Anfragen in gewertschastlichen und paricigenössischen Angelegenheiten sind au vorsleheude Adresse unter Bezeichnung:„Au den I. Sekretär" zu Händen des Verelnsvorstaudcs". zu richten. Bercin Vorwärts, Johaiiiirsbnrg(Transvaal). Beremslolal Progich-Vierhalle, Corner of Marshall and Small Sweet. Gesang.. Turn- und gesellt«««ereine. Sonnabend. Theater- und Vergnügungsverein„Aölania", Ramlerstraße 36.— Theaterverein „Bohcmia", Pletschow, Beterniienstr. 18.- Schauspielklub„Eevtruni", Haas?, Mehnerstraste(Ecke Büschingstraße). Konsumverein Eintracht. Irden letzten Sonnabend im Monat, Protz, Aimeusu. 9. Deutscher Arbeiterverein Brüssel. Verkehrs- und Vereinslokal: hloison du peuple. Freireligiöse Gemeinde zn Berlin. Sonntag, den 8. April, vorm. 8»/, Uhr, im oberen Saal de«„Englischen Gartens",«leranderstraße 27o: Bersanintlung: Freireligiöse Vorlesung.— Um 10»/« Uhr ebendaselbst: Bor- trag des Herrn Dr. Bruno Wille:„DaS Vater linier. V. Und führe uns nicht in Versiickmng. sondem erlöse uns von dem Uebel". Gäste, Damen und Herren, sehr wilUoinmcn.— Montag, den 9. April, abends 8»/, Uhr, pünktlich, ebendaselbst: Beschliestende Versammlung. Vorstandswahlen usw. Weiste Onittung legitimiert.„, Soeialdemokratischer AgitatiouSverein für de» Reichstag», «Sahlkreis Stralsnnd.Franzdurg, Rügen. Sonutag, den 8.«prit, vorm. 10 Uhr bei Rauilow, Schönhauser Alle« 136, Generalversammlung. Allgeni.«ranken- und Sterdekasse der Metallarbeiter.(E. H. 29 Hamburg). Filiale 6. Heute, abends 9 Uhr, im Restaurant Schiller, Rosenthaierstr. 67: Wahl der Abgeordneten zur Generalversammlung.— Filiale Charlotte n bürg. Heute, abend» 8»/, Uhr. im Restaurant Lehder, BiSmarckstr. 74: Mitgiiederversamuilung. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung.— Filiale Rix da rj. Heute, abends 8 Uhr, bei Presticr, Ziethcnstr. 69: Mitgliederversammlung. Wahl der«»geordneten zur Generalversammlung. Tischlerverei». Heute, abends SV, Uhr, Melchiorstrabe 16: General- Versammlung. Mitgliedsbuch legitimiert. Masch, neubouer und Metallarbeiter Berlin lV. Heute, abend» 8Va Uhr, bei Mönch, Teltowerstr. 3: Dortrag des Herrn Rechtsanwalt Dr. Guttmaim„Wie steht sich der Mieter nach dem neuen Bürgerlichen Gesetzbuch?" Bericht von der Kombinierten über„Die Wiedereinführung da 10 stündigen Arbeltszeit".__> VermiMkes- Uebcr die Mordaffaire in Könitz wird jetzt in westpreußischen Blättern mitgeteilt, daß bei der Sektion der Leichenteile Winters in der Speiseröhre Speisereste gefunden wurden; der Befund ergiebt, daß der Mord einige Stunden nach dem Mittagessen, nicht abend« ltattgeftmden hat. Am Dienstag haben wieder über zwanzig Ver« nehmnugen durch einen Berliner Kriminalkommissar stattgefunden« Ein Resultat ist aber bis jetzt nicht erzielt worden. Diese Angelegen« heit ist noch genau so unaufgeklärt wie am ersten Tage. grihtcu Holz geschieht... In WaldhilS« M. ist der Bürgermeister Braun und Wenn da» am dach bei Frankfurt a. M. ist der T em ein d erat Collcrmann beim W i Id e r n ertappt und verhaftet worden. Collermann erhielt eine Schußwunde. Soldatenmihhandlung. Ans Würzburg wird berichtet: Im Krankenstalle versetzte Ende Oktober v. I. der Unteroffizier Kunz des 5. Thcv.-Regts. dein Gemeinen Zippelins, der eine Rüge desselben , licht beachtet hatte, einen Stoß auf die Brust und nanutc ihn einen Büffel. Zugleich verlaugte Kunz, daß Zippelius die Worte:„Ich bin ein Büffel" nachsprechen sollte. Zippelius, dein diese Selbstkritik nicht behagte, schwieg sich ans und erhielt nun für diese angebliche Renitenz einen Schlag auf das linke Ohr, daß das Trommelfell zcr- riß, so daß Zippelius niedrere Wochen in, Spital liegen mußte. Kunz wurde zu 2Vs Monaten Gefängnis verurteilt. Am Schnee begrabe». Ans Graz wird berichtet: Franz Morgan, ein Gehilfe der meteorologischen Bcobachtungsstatioil des Rainer Schutzhauscs am Obir, wird seit dem 29. März vermißt. Am genannten Tag stieg er von der Bogantschhube zum Schntzhaus auf. Sein Viktualicukorb lvurde zehn Dünnten unter dem Schlitz Haus ge- flmdcn. Er selbst ist zweifellos im Schnee begraben. Millerand«nd die moderne Pariserin. Die das Haupt, portal der Pariser Ausstellung krönende Figur der moderne» Pariserin, vom Volkswitz„Liane im Schlafrock" bezeichnet, wurde auf Anordnung des Handelsministers entfernt und soll durch den Gallierhahn ersetzt werden. Ermordung einer Prostituierten. Im Quartier del'Europe ist, wie mau ans Paris berichtet, wieder eins jener Verbrechen begangen worden, die leider zu den Spccialitätcn aller Großstädte, de so ichers aber von Paris zählen. In dem Hause Rue Glnpcyron 14 wilrde_ von dem Hausmeister der Leichnam der 3ö jährigen Prostituierten Leonie G r a n a e r in einer Blutlache gefunden. Die Granger war durch drei sDolchstöße in den Rücken und in die Brust cnnordet worden. ES liegt sicher ein Raub- mord vor, da alle Kästen und Schränke aufgcriffen und durch- wühlt waren. Viel kann der Mörder nicht mitgeuommen haben, da das Opfer sehr ann war und überhaupt wegen seines be- fchcidencil, melancholischen Auftretens gar nicht für das traurige Metier geschaffen zu sein schien, dnS es ausübte Die Polizei besitzt das Signalement des Mörders, der vor dein Berlaffen des Hauses gesehen wurde. Man glaubt es mit einem JudivldiUim zu thun zu Haben, das schon mehrere ähnliche Unthate» begangen Hot und längst von der Polizei gesucht wird. ES ist kein in verbrecherkreisen lebender Strolch, sondern ein Manu in geordneten Verhältnissen, der unter dem Einflüsse krankhastcr Borstellnugen oder Suggestionen handelte. Neber eine entsetzliche Dampserkntnstrophe bringt der Telegraph ans Kapstadt folgende vom Freitag datierte Meldung: Der Dampfer„Mexico n" von der Union-Eastle-Linie, welcher Kapstadt am 4. d. M. verließ, ist untergegangen. Der „Mcxican" stich, zwei Tagrciscn von Kapstadt entfernt, mit einem Transportschiff zusammen. Einzelheiten fehlen. »sWelzeu «>Nogge» Marktpreise von Verlin am 3. April 4000 nach Ermiltlnngcn des tgl. Polizeipräsidiums. D.-Ltr. Fiiiicr-Gersle Ho' 1&,30| H,30 14,— 15,— 14,30 13.80 5,00 7,40 40- ih- ,0,— 7- 1,80 1,20 Tonn« 14.10 13,60 13,- 14,40 13,70 13,- 4,32 4,70 25- 25,- 30,- 6,- 1,20 090 von Schwciiicsleisch Ztalbsleisch Hamiilelsleisch Vulter Eier ffiirpfeu Aale Zander Hechle Barsche Schlei« Bleie Krebst 1kg 60 Stück 1kg per Schock 1,80 1,00 1,60 2,00 4,- 2,20 3- 2,60 1,80 1,80 3- 1,20 12, 1,- 1,- 1,- 2,- 2,40 1,20 ),- 1,- 1,-4 0,80 1,20 0,80 3,50 steigemnz kaum behaupten. Rüdöl war trotz fester Meldungen au» Pari» bei uns auf Realisationen 0,20 bis 0,30 M. gedrückt, Am�SpirituS» markt notierte nilirkilcher 150 Abuahuce im Mai WW>W W. 158->.l57,50 mit 2 M. Mehr- oder Mindcrwert,- Noagent Loco vommericher 141,50 ab Balm, feiner Wartheroggen 142,50 Kahnfrei hier April-Licsermig. Normalgewicht 712 Gr, Per Mai 145—144,75, per Juli 144-143,50, per September 143-142,25. Gerste: Per 1000 Kilo, Poscncr 132,50 ab Bahn.- Haser: Loco per 1000 Kilo, feiner ponnaerschcr 138 biS 143, mittel 130-137, postner mittel 181-135, fchlesischer 131-134, feiner mecklenburgischer 139—144, mittel 132-137, ab Bah». Nornialgcwicht 450 Gr. Abnahme im Mai, dito 132,25 Abnahme im Juli, dito Abnahme im September mit 2 M. Mehr- oder Minderwert.- Mehl: Weizen- Niehl 00 18,50-21,50 M.- Roggen Niehl Nr. 0 und 1 18,30-19,70 M., aus Abnahme im Mai M., September M.— Mais: Amerikanischer Miped 118,50-120,50 M. stet Wagen bez., ans Abnahnic im September 108,50 M. bez.— R ü b ö l: Aus'Abnahme im April— M. bez.. Mai 56.5 M Geld. Oktober 56,8- 56,6- 56,7 M. der Centralstelle der Preuß. Land- paser gut . mittel, „ gering Richlstroh. He»> PErbst» «Speisebohnen +)Vi«ieii. Kartolseln, neu« Rindileisch, Keule 1 kg da. Banch„ *) Ermillelt pro. wirlschaftSlaiilnicr»— Notierung� stelle— und umgerechnet vom Polizei» präsidtnui für den Doppelcentner. 4) kleiuhandelsprcisc. Produkte» markt vom 8. April. Am heutigen Frühmarlt c»t- wickelte sich etivaS regeres Geschäft in effektiver Ware, besonders in Roggen aus Deckungen hiesiger Grotzuntcruchmer gegen aiiimhalb placierte Ware. Die Preise setzten fest ein, gaben mittags bei wesentlich stillerem Geschäft leicht wieder nach und zwar im Anschluß an die mattere Tendenz des waren wieder reichlich am Licferunasgeschäst war durch schwächere Prelsmcldimgen von den nordamerikanische» Börsen sowie ferner durch die Ankündigung neuer bedeutender Berschiffniigcii Argentiniens»nd durch das warme, von Regen verheihcndnn Stidweslwind begleitete Wetter ungünstig beeinflußt. Weizen war durchschnittlich 0,50 M. billimr zu haben. Roggen war schwach behauptet, per September ebenfalls 0,50 M. abgeschwächt. Hafer gab im LiefcntngShandel nn Einklang nut Brotgetreide etwas nach. Das Loeogrfchäit war leblos bei nominell unveränderten Preisen. Mais fand wenig Interesse und kvimte seine gestrige Preis- leicht wieder nach und zwar im Anschluh an LicfeningögeschäftS. Rusüsche Roggenofferten w Markt, bieten aber noch kein Rcndcment. Das Li «IttenlnzStzberffcht vom«. April IV00. morgen»» Uhr. Slatlvucu --- 3 S Wetter t>5 8» Gwincmde 761 OSO 2heiter 3 Haparanda Hamburg 760 SO 1 bedeckt 4 Petersburg Berlin 760, SO 2 heiter 3 Eork Wiesbaden 760, Still- hlb.bed. 5 Abcrdceu München 761 fS 2 beb eckt 3 Pari» Wien 761 W 2, Nebel 3 Weiter-Prognose für Sonnabend, den 7. April 1900. Mild«nd vielsach heiler, zeitweise wollig bei schwachen südUchep Wilideu; leine oder unerhebliche Niederschläge. Berliuer Delterbnreau. Siaiionen B S 8«■ 770$»« 771'SO 7ö6SW 757, W 7eiW$W Welter — wolkig Iheitcr 6 Regen mm 2,hlb"bed 2.bedcckt öK S � iii i» SJi -7 —0 7 6 6 Briefkasten der Redaktion. Die juristifche Sprcchslnnbc findet Montag, DieuStag und Freitag von 7—0 Uhr abeudü statt. Tchwerln. UnS nnbekämit. Todes- Anzeige. Allen Verwandten, Freunden und Bekannte» zur Nachricht, dah»icin lieber Mau», unser guter Vater, der Zimmerer und Kistenmacher Angust Beriult am 3. d. M., früh 8»/, Uhr, nach langem, schweren Leiden sanft rut- schlafen ist. Um stilles Beileid bittet Frau Bertha Berndt liebst Kindern. Ardristr-Gesanglltttin „ktkllleil", Aillersliof. Am Donnerstag, de» 5. April a. c., starb plöizlich nach kurzem Kranlen- kager Up/.: treues Mitglied Ulbert Bby\z. Die Beerdigtmg findet am Sonntag, den». April, nachmittags 2 Uhr, auf . dem Kirchhof tu Alt-Glienicke statt. Um rege Beteiligung der Sanges- brüder ersucht 63/1(>1ü'-■_ D«p Topstand. fahl sow Todea-Anselge. Den Mitgliedern des Arbeiter-Rad- hr- Vereins„Ziel" zu AdlcrShof, owt« den verehrltchen Bundesvereinen Berlin, Ripdorf, Köpenick und Um- gegend die traurige'Nachricht, daß unser Mitglied II,/« Albert Bertz aus Glienicke am 5. April verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag nachmittag um 2 Uhr daselbst statt. Um rege Beteiligung bittet vor srdeltar-Nackfatir.Voreln„2>el" Adlenhof. nein Hrnistblättcr l» Hüpferradlcning Ter große Beifall, den dt» zu Weihnachten erschienenen Kunstblätter Marx und Cngds—==?> gefunden haben, hat uni veranlaßt, die I�rtrsUs von Bebel, cieblmecht und Singer in Supfer- Ladirrnng«uf China» Pap irr folgen zn lasten, und zwar um ihnen eine allgemeine Verbreitung zu stchern» in l»t«in,rr»r Format«, nämlich»1:40 llenltmeter «im preise von tlik. 1,50 pro Blatt. Der BeifpleUoS billige Preis dieser moisUrHaft ausgeführten Knnftbiatter ist natürlich nur bei Massenadsah möglich. Wie von den Marp» und Sngcl!- Radierungen, haben wir auch hiervon eine kleine Anzahl kemarkäntcke kedel, ciedknecht, Zinger ans Japan-Papier »um Preise von Mk. 10 pro Stück, Pik. 26 skr all» drei w lammen, herstellen lassen, die wir bestens-mpfchlen. Van den Marx- und »Ngeis-Remarten stnd nvr noch eine lehr veschränltc Anzahl vorhanden. Zahlreichen Austragen steht entgegen Buchhandlung vorwärts. Berlin SW. ig, Beuthstr. 2. st'. puu;i;airiiiuiii| vvi warii, du iui o tt. i�, ncuti;>ir. Todes-Anzeige. Ten Mttgliebem des Soollilckemo- keatlecben Fedoltor- klltlungsvarol»» tue FlII»r»dot unü Lmgagsnü zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied Albert Bertz am 5. April er. plötzlich gestorben ist. Tie Beerdigung findet am Sonn- tag, den 8. Wril, nnchmittags 2 Uhr, auf denl Friedhof in Alt-Blienicke statt. Uin zahlreiche Beteiligung ersucht 8/2 Idol- Vorstund. Freunden und Bekaimten die traurige Nachricht, bah mein lieber Mann, unser guter Vater, der Former August Kunze am Mittwoch, den 4. April, verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntagnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des Dimkes» Kirchhofs au» statt. s44lö1, Die trauernden Hinterbliebenen. Cenlral-Verein der deutschen Former. (Zahlstelle Bcrlia.) Hiermit die traurige Nachricht, dag Mtfer Mitglied, der Former August Kunze verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntagnachmittag 4 Uhr vom Dankes- Kirchhof, Scharnwederstrafie, aus statt. 61/3 Um rege Beteiligung wird gebeten. Di« crtSvcrtoaltung. Ceiltrlll-Krlülktilkiljse kl Zimmerer. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser braves Mitglied !K»i>K Fitzner von langen Leiden durch den Tod erlöst wurde. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 8. d. M., nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des EmmauS-Friedhofs in Britz aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 259/4 Tie Ortsverwattung. 33 Grosse Fänge, Preise billig! ICablian, _ uro Pfund -- de» st Im ganien ohne Kopf 30 Pf«-: CJ3 CA „SS G-O CaO o»ehr beliebt, zum Kochen wie zum Braten sehr empfehlenswert ist, Aueechnllt AÄ-Ä5 Pf« P« P'"nd, üchellflsche... �-0-25 «crflnchcrtcr Seelachs 40 Pf«., Fluntlepn 50— 60 Pf«. Alle nndron Flschnrten ebcnfulls billig, empfiehlt die DGUtSCllß ßTk(Ok Sßk 6§ Dampfflsclierei- Gesellschaft kw Ihren O'Vcrhanfs-Stellcn:...........— nannt-Flltalc:| Ko. III. Berlin.\W., Ko. T. 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Vortrag des Kollegen Reuter: Rückblicke über den Streik und was lehrt uns derselbe. L. Dislussion. 3, Verschiedenes. 14C/10 Friedrich sherg. IMF" Die Morgensprache findet Sonntag, den 8. April, morgens v Uhr, Friedrich Karlstr. 1l, statt. Für Möbelpoliercr lind die Firmen Stern, Seliger n. Co., Königs bergersir. 8. Hhhne u. Kreimer, Krauistrahe, Gew.-Hof, wegen Biahregelung der Kollegen; auherdemIDresden und Umgegend, wegen Streits der Kollegen, gesperrt._ Der Arbeitsnachweis für Möbelpolierer ist nni? bei Scheere Vluuienstr. 38; Amt VII. 3760. Mohn, Oranicnstr. 197; Amt IVa. 6819 und Jrmer, Swinemünderstr. 26. Daselbst Annahme von Beiträgen. Ner Vorstand. Achtung! Achtung! Sonnabend, April, abends 8 Uhr: Allßkwldkntt. ykllammlmig der Teppich- u. Linolcunileger. Bericht über den Bcschluh deö Einigungsamts. 3S3b S a l o m o n. im itallarligi Vornaltungsstelle Berlin. Sonntag, de» 8. April, vor»,. 9Ve Uhr. in den Bornssia-Sälcn, Ackerstr. 9—7: Grdrntl. Generalvevsammittng Tages- Ordnung: 1. Bericht der OrtSverwaltnng»nd der Revisoren. 2. Ersatzwahlen. 3. Stellungnabme zur Maiseier. 4. An die Ortsverwaltung gelangte Anträge, ö. Verschiedenes. 280/11 Kollegen! Da wichtige Beschlüsse zu fassen sind, welche die Mitglieder durchzllführcu haben, ist rechtzeitiges Erscheinen aller notwendig. Mitgliedsbuch legitimiert. Ble Ortsverwaltung. Achtung! Achtung! Somitag, 8. April, nachmittags l Uhr: LMl. Brauer- Versllmiiillliig in vräLklL restsälell. lieue rrieSrlodstr. 35 he der Ccntral-Markthalle). 3ö8b l a g e S- O r d n u» ä: 1. Das Ergebnis der Verhandlungen der Fünfcr-Koininiffion mit dem Verein der Brauereien Berlins und Umgebung. 2. Das Verhalten der ringireie» Brauereien und ivclche Mahnahmen sind zu ergreisen, u»i dieselbcir zur Anerkennung unsrer Forderungen zu vcr- anlassen. Kollegen! In Anbetracht der äußerst wichtigen Tagesordnung ist zahl- reiches Erscheinen nötig. Der Saal muß um ö Uhr geräumt werden, darum erscheint pünktlich. Die Flinfer-Kominission. Aliitmio! BrayerBi-Hüfsarbeiter! w»s! Sonntag, den 8. April 1900, mittags präeise 12 Uhr, iii Kellers Festsälen, Koppenstr. 29: Gr. öffentliche Versammlung sämtlicher Hilfsarbeiter, als da sind: Fahrer, Mitfahrer, Stalllente, Hofarbeiter, Kcllcrarbritcr, Heizer, Maschinisten, Schlosser, Schmiede und aller sonst beschäftigten Hilfsarbeiter. Tages-Ordnung: 3S2b 1. Der Nutzen der gewerkschaftlichen Organisation des Centralverbands der Bräuerei-Aibeiter. Referent: Kollege Lchllisr. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Es ist Pflicht sämtlicher Kollegen, pünktlich 12 Uhr zu erscheinen, da der Saal um 4 Uhr gerämiU werden muß.. Der Vorstand. der Fabrili-, Land-. Meiterinnen DentsctiWs. Sonntag, 8. April, nachm.<» Uhr, Kolbergerstr. 23 ifsarboiter und (Zahlstelle Berlin.) in Rab eS Salon, General- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht der OrtSverwaltnng. 2. Bericht der Delegierten zur GeWerk- schafts-Komiuission. 3. Bericht des Bibliothekars. 4. Verbandsangelegen- heilen. 3S6b Der wichtigen Tagesordnnng wegen ist es Pflicht aller Kollege», in dieser Versanliulung zu erscheinen. Nach der Versaiinnlulig: Cieiuütllches Beisammensein. Ble Ortsverwaltung. TiMzlev- Verein. Sonnabend, den 7. April, abends 8'/s Uhr, Mclchiorstr. IS: Creneral-V er Sammlung. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1900. 2. Bericht über die Bibliothek. 3. Antrag des Vorstands und Ausschusses: Ahänderung der§§ 1 und 2 des Statuts(Erhöhnng der Beiträge und Zahlung einer Sterbeunterstützung). 4. Unterftützungßgesuch..— Ausgabe der Billets zum Ostervergnüge» und Bereiusangelegeiiheiten. jgf Mitgliedsbuch legitimiert. 198/8 Der Vorstand. Rixdorf. Socialdemokrat. Verein„Vorwärts". Dienstag, den 10. April, abeuds 8Vz Uhr, in der Vereinsbrauerei, Hermann-Strafie Nr. 211: gZenornl> VerkÄinlnlung. Tages- Ordnung: 1. Kassenbericht, Bericht des Vorstands und des Bibliothekars. 2. Neu- Wahl des Gesamtvorstands und der Revisoren. 3. Vcrcinsangclegcuheitcn. Mitgliedsbuch legitimiert.— Zahlreichen Besuch erwartet 232/4 Her Vorstand. HO. Der Urauia-Besuch findet Sonntag, den 6. Mai, mittags 1 Uhr, statt. Billets sind m den Zahlstellen und bei den Vorstandsmitgliedern zu haben. D. O. Kottbnser-Vrer 44 a. Am Montag, den 9. Abpril, abends 8 Uhr, im Konzerthans SanSsonei, Kottbuscrstraße 4s General-VersuBtimlungo Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstands. 2. Kassenbericht. 3. Regelung des Mankogelds des Rendanten. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert und für die Liefcraiitc» die Legitimationskorte. Der Vorstand. BasTiOkal wird erst mn 7'/, fJhr geöffnet. MgbiHilk Sonntag, den 8. April, abends 7 Uhr» in Kellers Festsälcn» Koppenstrahe 29: Gr. Frühlings-Feier. Ziinkler-Konzert» Gesang» Retttation. Mitwirkende: Frl. K....(Sopran), Frl. Barle Gerdcs(Klavier), Herr Professor Johannes Sliersch, königlich griechischer Kammervirtuos(Biolme), Herr Zlax l-anrence(Recitation). Nach dem Konzert: Vsllt. � Billets für Mitglieder a 40 Pf., für Gäste a 50 Pf. sind in nach- siebenden Zahlstellen zu haben: Norden: E. Knapp, Rest., Grünthalerstr. 5; E. Schmidt, Rest., TrcSckowstr. 22: Löhr, Ackerstr. 38, 2 Tr. Nordoste»: W. SchroMe, Friseur, Landwehrstr. 3; H. Neft, Georgeulirchstr. 24 a, 1 Tr. Nordwesten: Herrn. Becker, Gotzkoivökystr. 9. Westen: Arendt, Steinmetzstraße 67, 2 Tr. Südwesten: C. Werling. Zosseiierftt. 32; J. Pech, Möckcnu straße 120(Schuhgeschäft). Süden: H. Bohalen, Kommandantenstraße 62. Südosten: Ih. Stampehl, Marionnenstr. 26; H. Köhn, Rest., Namiynstr. 86; H. Kaukhold, Wrangelstr. 62. Osten: Aug. Bölke, Rest., Rüdersdorferstr. 18 (Ecke Koppeustraße). DM- Abendkasse findet nicht statt.-MV Nächste Vereins-Vorstellung 4 Osterfelertag l.« im (nur für Mitglieder) Thalia-Theater. Velbllnd der iu Buchbindereien, der Papier- und Leder- Galanteriewarell-Jndustrie beschnft. 3lrl>eiter und Arbeiterinnen Dentschlands. Zahlstelle Berlin. Am Montag, den IS. April 1900<2. Oster-Feicrtag): Grosser Fest-Kommers zu Ehren der anwesenden Delegierten des Verbandstags, verbunden mit den: XI. 8tlltullg8-Fe8t dtS„Buchbiilder-Mll'ililerchorS" in den Gcsamträumen des Gcwerkschaftshanses, Engcl-Ufer 16, Grosses Yokal- und Inslrumental-Ronzert, ausgeführt vom Nene» Berliner Koiizcrt-Orcheftcr(Dirig. Herr Tleh). Tiirnerische Ailssiihriiilgeil(iamorpupeit). Gcsangsvorlräge des„Buchbinder- sHänncrcliors" unter Leitung seines Dirigenten Herrn Bumpel. Nach dem Konzert in beiden Sälen: Ball* Herren, die daran teilnehmen, zahlen 60 Pf. nach. Billet 30 Pf. Anfang abends priicise 7 Uhr. PP** Festprogramm am Eingang gratis.-MV Billets sind in sämtlichen Zahlstellen, bei allen Werlstubcii-Vertrauens- Personen, sowie im Bureau Engcl-Ufer 16, II. zu haben. 23/18 Tie Zahlstelle bei Henherg, Ladewlg, und nach der Restauration verlegt worden. von Alte Jalobstr. 76 ist aufgehoben Kommandantenstrahe 05 Einlasskarte» zu dem am 14., 15., 16. und 17. April im„Gewerk- schastohauS", Engel-User 16 stattflndeuden Berbandstag sind von heute ab in unserm Bureau zu haben._ Billets a 10 Pf. zu dem arn Donnerstag, den 12. April stattfindenden Philharmonischen Konzert sind ebenfalls im Bureair erhältlich. Ble Ortsverwnltnng. Nationale Krankenkasse der deutschen Gold- u. Silberarbeiter u. verw. Berufsgen.(E. H.) Sonntag, den 15. April<1. Osterfeiertag). mittags präe. 12 Uhr, im Pnlast-Theater, Burgstr. 22: d�rnssv HallnSS DGi zum Beste» der Familien langwierig kranker Mitglieder. Billets a 30 Pf. find zu Haben bei den Mitgliedern des Vorstands, in den Zahlstellen der Kasse, im Bureau des Metallarbeiter-Verbands(Ge- wcrkschaftöhnns), sowie bei den Komiteemitgliedern M. Schönemann, Skalitzerstr. 7 und F. Hcyneulann, Wienerstr. 68. 367b Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Borstaad. I. A.: C. Holtkamp, Vors., Admiralstr. 18E. Kluism-Vereik Verlik-Wors. Umstiinde halber kaim die VerkauWelle Kobreeht- srasse S2 erst ivonnerstag, den t2. 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Die ordentliche Generalversammlung findet Dienstag, de» 10. April, abends 9 Uhr, im Saale des Herrn Spiegelb erg, Sebastianstr. 39, statt. Tagcs-Ordnnng: 1. Beschlußfassung über die Abnahme der Rechiinng des Jahres 1899. 2. Kassenbericht. 3. Feststellung der Vergütung für den Rechnungsführer. 4. Verschiedenes. Hierzu ladet ein 366b Der Borstand. G. 8 ä t s ch, Vorsitzender. -RMahrcr- „Berlin". iSQl i Verein 11/10 Morgen Va? Uhr nach Baruth. Mittags 1 Uhr nach Gr.-Machnow. Start sür beide Touren:„Steuer- hanS", Tempelhofer Feld. Gäste will- kommen. Karfreitag O'/i Uhr vormittags bei Wille, Andreasstr, 26: Gemeuiscliaftl. Wnrstessen. KB. Die Ostertouren werden in der nächsten Donnerstags- Nummer bekannt gegeben._ Friihlingsgrnss! Ernst Wolffivotmt immer noch Boxhagen 3. Vier ff. Auch habe ich Land, Ouadratrute 40 Pf., zu verpachte»._[4416L Jeder Arbeiter Jeder Handwerker sollte zur Arbeit die Lcderhose Berhnles tragen. Allein-Verkans. 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