Erscheint in Leipzig Mittwoch, Freitig, Sonntag. Abonnementspreis ftr ganz Deutschland 1 M S0 Ps. pro Quartal. Monats- Abonnements werden bei allen deutschen Postanstalten aus den 2. und 3. Monat, und aus den 3. Monat besonders angenommen� im Könige, Saebsen und Herzogth. Sachsen- Altenburg auch auf den lten Monat des Quartals k 54 Psg. Inserate betr. Bersammlungen pr. Petitzeile 10 Pf,, betr, Priratangelegendeilen und Feste pro Petitzeile 30 Pf. Vo rw ftrls Veliellungen nehmen an alle Postanstalten und Bull! Handlungen des In- u. Auslände-, Filial- Expeditionen. Rew�Porl: Eoz.-demokr aienosfer schaslSbuchdruckcrei, 154 Eldridgo Str. Philadelphias P, Hast, K30 livril 3ra Strsnl I. Boll, 1133 Charlotte Str. Hobolen N.J.: F. A. Sorge, 215 Waeh- ington Str. Chicago: A. Lanferinann, 74 CI>doarne San granzibco: F. Entz, 41» O'Farrell Str. London W.: lt. Henze, 8 New"itr. Goldeu Square. Kentrat Grgan der Koziatdemokratie Deutschlands. Nr. 68. Mittwoch, 13. Juni. 1877. ÄIionnements-Einladlmg. Mit dem 1. Juli 1877 beginnt ein neues Quartal, und fordern wir deshalb zu zahlreichem Abonnement auf das wöchent- lich dreimal erscheinende Parteiorgan auf. Der Preis beträgt 1 Mark KO H'f. pro Quartal, 54 pro Monat für ganz Deutschland. Alle Postanstalten und Buchhandlungen nehmen Abonnements entgegen. Denjenigen Abonnenten, welche das Blatt per Kreuzband beziehen, wird dasselbe bei wöchentlich dreimaliger Zusendung in folgender Weise berechnet: für Deutschland, Helgoland und Luxemburg 3 Mark per Quartal; für die Schweiz, Serbien, Belgien, Scandinavien, Italien, die Niederlande, Großbritannien, Rumänien, Portugal, Frankreich, Spanien,.Türkei und Bereinigten Staaten von Amerika 4 Mark; Couvertsendungen innerhalb des deutschen Postgebietes incl. Oesterreich- Ungarn, Luxemburg und Helgoland wöchentl. 3mal 10 Mark pr. Quartal, wöchentl. Imal 4,80 Mark pr. Quartal. Der Abonnements-Betrag ist bei Bestellung einzusenden. In dem Zcitungskatalog steht der„Vorwärts" Nachtrag XI, unter Nr. 3770», Seite 2. Für Leipzig und Umgegend ist der Abonnementspreis mit Bringerlohn) auf 1 Mark 80 Pf. pro Quartal und 60 Pf. pro Monat festgesetzt. Man abonnirt bei der Expedition d. Bl. Färberstraße 12/11, unserem Colporteur Moritz Ulrich, Süd- straße 12, in den Filialen: Cigarrenladen des Hrn. Peter Krebs, Ulrichsg. 60, und Sattlerwerkstatt am Königsplatz 7; für die Umgegend von Leipzig bei den Filialexpeditionen:"D�kK» marsdarf, Reudnitz, Aeufchönefekd'ic. zc. bei Frau Engel, Reudnitz, Täubchenweg 29, 2 Tr.; für Konnewitz zc. Hackert, Kurze Str. 10 pari.; für Kleinzschocher und Umgegend bei F. T r o st Hauptstr. 10 1; für Thonberg bei B ö s ch, Hospitalstr. 39/11 dahier; für Nenreudnitz bei Zschau, 15 1; für Köhlis:c. bei A. Hermsdorf, Lindcnthalerstr. 7; für Stötteritz bei E. Grude, An der Papiermühle; für Ulagwitz-Pindcnau bei Frau Grebenstein, Äurelienstraße 3. Für Aertin wird auf den„Vorwärts" monatlich für 75 Pf. lfrei in's Haus) abonnirt, bei der Expedition der„Berliner Freien Presse", Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8» und Rubenow, Brunnenstr. 34, im Laden. Die Leipziger Abonnenten werde« noch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß bei allen Stadtpost-Filialcn sowohl Quartals- als MonatSabounementS angenommen werden. Die Redattion und Expedition des„Vorwärts". Berliner Proletariat, jugendlicher Held, thue Deine Pflicht, thue sie zunächst am 14. Juni, am Tage der Wahlschlacht, thue sie für und für im muthigen Ringen um die höchsten Güter, um die Freiheit und Brüderlichkeit! Thue Deine Pflicht Proletariat aller Länder, thue sie mein Herkules, auf Deinen Schultern' ruht die Welt! � � Berliner Proletariat, Berliner Parteigenossen! Nochmals 1 klingt unser Ruf: Am 14. Juni blickt nicht nur ganz Deutsch- land auf Euch, nein, die Sozialisten aller Länder erwarten von Euch den Sieg! im Ganz Deutschland blickt auf Euch! Berliner Arbeiter, Berliner Parteigenossen, in letzter Stunde rufen wir Euch noch das Mahnwort zu, welches die Ueberschrift dieses Artikels bildet:„Ganz Deutschland blickt auf Euch!" Die vereinigten Gegenparteien machen die verzweifeltsten An- strengunaen, Euch bei der bevorstehenden Nachwahl im 6. Berliner Wahlkreis den Sieg zu entreißen. Sie scheuen vor keinem Mittel zurück, nicht vor der Lüge, nicht vor der Verleumdung— sie lassen ihr zahlreiches literarisches Soldheer marschiren, welches die Köpfe der Wähler verdummen und ihre Herzen verderben soll, damit die Macht des Geldsacks triumphire über das Recht der Arbeit. So seht Ihr Euch umtobt von Tücke und allerlei Nieder- bracht, aber dem jungen Herkules in der Wiege gleich werdet Ihr all' das Schlangengezücht erdrosseln. Der junge Herkules, der in der Wiege die Schlangen er- würgte, er wurde der mächtige Held, der nachher der lernäischen Hyder die neun giftgeschwollenen Köpfe abschlug und den Stall des Augias reinigte, in welchem der Unrath hochaufgethürmt lag. Berliner Proletariat, Du jugendlicher Held, erdrossele die Schlangen der Lüge, der Verleumdung und Niedertracht, indem Du bei dem bevorstehenden Wahlkampfe dem Vertreter Deiner großen, erlösenden Ideen zum Siege verhilfst; eS hört dann auf zu zischen das giftspritzende Reptil, welches jetzt noch lustig in dem großen Sumpfe der heutigen Gesellschaft herumkriecht. Ge- lingt Dir dieser Sieg, so wirst Du bald zum Manne reifen, zum gewaltigen Herkules, der die Welt säubern hilft von allerlei ungethüm und allerlei Landplagen. Neun Köpfe hatte die lernäische Hyder, welche Herkules mit dem Schwerte abschlug und dann die Wunden, damit die Köpfe nicht wieder nachwachsen sollten, mit dem flammenden Holz- scheite ausbrannte. Auch Du sollst der modernen lernäischen Hyder die Köpfe abschlagen mit dem Schwerte des Rechtes und sollst die Wunden ausbrennen mit der Fackel der Wissenschaft. Erster Kopf: Klassenherrschaft; zweiter Kopf: Milita- rismus; dritter Kopf: Beschränkung der freien Meinungs- autzerung; vierter Kopf: Ausnahmegesetze; fünfter Kopf: Steuerschraube; sechster Kopf: Unwissenheit; siebenter Kopf: W°��undung; ach�r Kopf: Willkühr; neunter Kopf: Rechtlosigkeit. Dann wirst Du den Augiasstall der heutigen Gesellschaft reinigen m welchem Roth und Elend, Ausbeutung und Knechtschaft hochaufgethürmt liegen; Du wirst den Fluß Sca- mander hmdurchletten. und die herzlichen Finthen der sozia- ustischen Bewegung werden den Unrath von Jahrtausenden hin- wegschwemmen. Zum letzten Gothaer Sozialisten-Congretz macht ein anständiger Gegner in der zu Görlitz erscheinenden „Niederschlesischcn Zeitung" folgende„Bemerkungen": „Theuer ist mir der Freund, doch auch der Feind kann mir nützen: zeigt mir der Freund, was ich kann, lehrt mich der Feind, was ich soll."— Von diesem Gesichtspunkt aus ist der im Laufe der verflossenen Woche in Gotha abgehaltene Congreß fast noch interessanter für uns, als er es für die Sozialisten sein mag, und Berliner offiziöse Blätter haben bereits, allerdings nicht ohne tendenziöse Absichten, die man merken und über die man verstimmt werden muß, darauf aufmerksam gemacht, daß die Vorgänge auf dem Sozialisten- Congreß für das deutsche Bürgerthum ein„ernster Mahn- und Weckruf" sein sollten. „Das Wachsthum der deutschen Sozialdemokratie mehr noch in der Richtung nach Innen wie in der nach Außen tritt uns aus den Verhandlungen des Congresses als eine imposante Thatsache entgegen, und erstaunt möchten wir uns fragen, woher der Geist kommt, der solche Früchte zeitigt. Die Sozialisten ge- hören nur sehr ausnahmsweise den besitzenden und den gebildeten Klassen der Gesellschaft an, und doch ersehen wir aus den Be- richten, die in Gotha erstattet wurden, daß sie ihre Ziele mit einer Summe von materiellen und geistigen Mitteln zu erreichen suchen, gegen die Alles, was in den Reihen der Besitzenden und Gebildeten für Parteizwecke ver- wendet wird, sich so schäbig ausnimmt, wie das Ge- wand eines Bettlers zu dem Kleid eines Millionärs; es scheint fast, als ob da eine Rollcnverwechslung stattgefunden hätte. „Der Congreß hat sich ausschließlich mit inneren Partei- angelegenheiten beschäftigt, und gerade daraus war vor allen Dingen ersichtlich, wie viel die sozialdemokratische Partei seit einem Jahre an innerem Halt, an Disziplin, an Selbstbewußt- sein und damit an Einfluß auf die Welt des sogenannten„kleinen Mannes" gewonnen hat, der sonst gewohnt war, in politischer Hinsicht mit den Liberalen zu gehen, der aber jetzt beginnt, diesen den Rücken zu kehren, und der in ein paar Jahren ganz in die Hände der Sozialdemokratie gefallen sein wird, wenn die besitzenden und gebildeten Klassen, mit Einem Worte: wenn der Liberalismus in der bisherigen Indolenz verharrt und die edle Zeit verschläft, welche der Feind dazu benützt, um Unkraut unter den Weizen(Nein: Weizen unter vas Unkraut! Red. d.„V.") zu säen. „Wohl fehlte es in Gotha auch nicht an einzelnen Gegen- sätzen; aber dieselben griffen nicht tief und bildeten gleichsam nur den dunklen Hintergrund, auf welchem die vollständigste Parteieinheit in allen wesentlichen Dingen sich nur um so glänzender darstellte. Und diese Einheit ist um so mächtiger, als sie getragen ist v»n der Masse der Parteimitglieder und nicht, wie bei anderen Parteien, von der Persönlichkeit einzelner Führer, die sich nicht selten als die Herren der Partei geberden, während bei den Sozialisten die Führer weiter nichts sind als die ersten Diener der Partei und ausnähmslos derselben Disziplin unterworfen sind. Dem manchmal recht ekelhaften Personencultus, der sonst mit Führern getrieben wurde, haben die Gothaer Be- schlüsse den Boden entzogen, und mit Stolz konnten daher die Sozialisten dem Polizeistaat gegenüber ihre Machtstellung mit dem Verzicht auf jede gemeinsame Organisation bezeichnen, welche durch raffinirte Staatsanwälte der bestehenden Bereinsgesetz- gebung zum Opfer gebracht werden könnte. Das ist etwas, was m der That noch bei keiner der heute bestehenden Parteien da war, und was uns begierig macht, zu vernehmen, wie die„Nord- deutsche Allgemeine Zeitung" sich das reformirte Vereinsgesetz denkt, daS einer solchergestalt organisattonslosen Partei etwas anhaben soll. „Wir denken also, daß der Gothaer Congreß uns reichen und wichtigen Stoff zum Nachdenken liefert, und daß wir diesem Nachdenken uns nicht aus Hochmuth oder aus falscher Scham entziehen sollten. Lernen muß man, wo man kann!"-- So die„Niederschlesische Zeitung", deren„Bemerkungen" Herr Eugen Richter sich merken mag. Ja,„lernen muß man, wo man kann;" wer aufhört zu lernen, wer sich in das Bewußtsein der Unfehlbarkeit hüllt und das Höchste an Wissen erreicht zu haben glaubt, ist unfähig ge- worden, sich weiter zu entwickeln, ist zum Stillstand und damit zum geisttgen Tod verurtheilt. Wenn es aber je eine Partei gegeben hat, die sich das Wort:„Lernen muß man, wo man kann", zur Richtschnur genommen hat, so ist es die sozialdemokrattsche Partei, und auf dem letzten Congreß ist dies deutlich zu Tage getreten. Nur Blindheit oder Böswilligkeit kann das bestreiten. Und gerade aus diesem Streben nach Weiterenkwicklung, nach Beschaffung neuer geistiger Waffen und Verbesserung der vor- handenen sind wesentlich jene Meinungsdifferenzen entsprungen, in denen kurzsichtige Gegner Symptome des Verfalls und der Spaltung erblicken wollen. Eine Partei, die im vollen Lichte der Oeffentlichkeit so debattirt, wie auf dem letzten Gothaer Congreß debattirt wurde, hat sich damit das Zeugniß unverwüst- licher Lebenskraft ausgestellt. Wir entmannen uns nicht durch kindische Selbstbewunderung, sondern prüfen uns scharf, decken unnachsichtig jeden Schaden auf,„lernen wo wir können", und haben so viel Vertrauen in uns selbst und in unsrer Sache, daß wir das Tageslicht nicht scheuen. Wir haben nur zu gewinnen, wenn wir die Wahrheit sagen, alle anderen Parteien würden verlieren, ja zu Grunde gehen, wenn sie es thäten. Wer die Wahrheit zu seinem Leit- stern gewählt hat, ist unbesiegbar, wer aber ihr nicht huldigt, dem wird sie verderblich. Das darf sich auch die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hinter die Qhren schreiben. Ob das neue Vereins-Polizeigesetz, das sie in petto hat, zur Ausführung kommt oder nicht, ist uns sehr gleichgiltig. Der Plan bekundet den geistigen Bankrout seiner Urheber, und die Verwirklichung würde den Bankrout nur sichtbarer, eklatanter machen. Das neue Polizei gesetz wäre ein neues Polizei fiasko. Enthüllung des Börne-Denkmals. (Bericht der„Franks. Ztg.") Frankfurt, 6. Juni. Heute Vormittag fand die Enthüllung des Börne-Denkmals in Gegenwart der Spitzen der Civil- und städttschen Behörden, verschiedener Ehrengäste und Vereine sowie eines zahlreichen Publikums statt. Vor dem Denkmal waren einige Bänke auf- gestellt, auf welchen die hier lebenden Verwandten Börne's Platz genommen hatten. Die Feier wurde durch das Schuler'sche Quartett mit dem Beethoven'schen Chor:„Die Himmel rühmen des Ew'gen Ehre" eröffnet. Sodann sprach Herr Dr. Maximilian Reinganum als Vorsitzender des Komitö's folgende Worte: „Wandelt doch auf sichrer Bahn Frei das Recht zum Licht hinan*) Wir feiern einen Mann, welcher für Freiheit und Licht litt und wirfte. Börne, eine der edelsten Naturen, welche Deutsch- land aufzuweisen hat, war ein Edler vom Kopf bis zur Sohle und in jedem Augenblicke seines Lebens. Er hatte sich gewidmet der Vertheidigung der Freiheit und der Gleichheit: der Freiheit, welche die Nahrung des Geistes und des Gewissens ist, der Gleich- heit, welche das heiligste Gebot der Gerechtigkeit ist. Unerschüt- tert stand er bei allen Angriffen und Mißdeutungen, und bei allem Diesem war er doch ein Meister der Schreibart, unüber- troffen nicht allein, sondern von Keinem erreicht darin, daß jedes Wort,� was er schrieb und dachte, klassisch war. Man wird in allen seinen Werken nicht allein, sondern in seinen vertraulichen Mittheilungen immer und immer einen klassischen Schriftsteller finden, und er hat das selbst so ausgedrückt: ,Jch schreibe mit dem Blut meines Herzens und dem Saft meiner Nerven, und ich habe nicht immer den Muth, mir selbst die Qual anzuthun, und nicht die Kraft, es lange zu ertragen.' Sein Wirken war für die Freiheit; sein Wirken war für die Gleichheit; Freiheit, die Lebensluft des Menschen, die Lebensluft der Staaten, ihre wichtigste und mächtigste Stütze; Gleichheit, das Urmenschenrecht, denn da jeder Mensch auf dieselbe Weise geschaffen, geboren, aus- gebildet und ins Leben eingeführt wird; so ist der Mensch gleich von Geburt an, und die Verschiedenheiten, welche das politische oder bürgerliche Leben mit sich bringt, dürfen niemals das Fun- dament der Gleichheit verwischen. Freilich in früheren Zeiten war die Ungleichheit die Regel. Die Neuzeit, die Nachwirkungen der französischen ersten Revolution, die haben es herbeigeführt, daß wir jetzt die Gleichheit(welche?) als etwas Selbstverständliches betrachten. Das ist denn doch ein Fortschritt gegen die Zesten, die ich selbst mit erlebt habe, von 1806 an bis 1823, und von 1823 bis 1830, und dann wieder ein schwaches Wiederaufleben und Flicken und Feilschen, während wir uns gestehen müssen, daß jetzt die Gleichheit hergestellt ist in Deutschland.(Wogegen wir uns doch sehr ernsthaft verwahren müssen. Für diese Gleichheit würde sich Börne schön bedanken. R. d.„V".) Das Verdienst davon gebührt am Ende dem deutschen Sinne selbst. Ich habe wenig hinzuzufügen zur Charakterisirung Börne's, seines Lebens, seines Wirkens. Nur einige Worte gestatten Sie mir noch mitzutheilen. Es wurde über ihn geschrieben: ,Sein Andenken wird in seinen Werken leuchten durch die dankbaren Jahrhunderte Deutschlands, und wie sein Mühen wird man auch des Mannes großen Cha- ratter ehren. Unvergessen wird sein, daß dieser echte Sohn de? Vaterlandes ihm die treuesten Dienste leistete, da er unerschrocken die Wahrheit verkündet, auf welche das Wohl der Menschheit und die Sicherheit des öffentlichen Lebens der Völker beruht; da er die Gebrechen der Zeiten an das Licht der Sonne zog, um zu strafen nicht allein, sondern auch zu heilen. Unvergessen wird sein, daß er sein Vaterland herzlich liebte, freilich nicht mit der weichlichen, verschwimmenden Stimmung der gedankenlosen Enthu- siasten, aber mit der Strenge und dem Ernste eines Helden des Geistes." Hierauf übergab Herr Dr. Reinganum das Denkmal dem Magisttat als Vertteter der städtischen Verwaltung zum Eigen- thum der Stadt. Herr Oberbürgermeister Dr. v. Mumm erwiderte:„�m Namen der Stadt nehme ich die Widmung dieses Denkmals, für welches die städtischen Behörden hinfort zu sorgen haben werden, gerne an, indem ich zugleich allen Denen, die bei der Ausführung betheiligt gewesen, insonderheit aber dem Comitö für seine patriottsche Mühewaltung den wohlverdienten Dank hier- mit ausspreche. Dies Denkmal ehrt nicht nur die Manen des Mannes, dessen Bild es uns sofort zeigen wird, es legt zugleich em ehrendes Zeugniß ab von dem pietätvollen Sinn, der in ') Schlußworte des von Herrn Hürth(Redakteur der„Frkf. Ztg.") verfaßten Liedes. Frankfurts Bürgerschaft zu allen Zeiten gelebt hat, und mit w elchem die Bürgerschaft das Andenken an die berühmten Söhne dieser Stadt jederzeit lebendig erhalten hat. Möge hierin zu keiner Zeit Wandlung geschehen!" Bei diesen Worten fiel auf Aufforderung des Herrn ör. Reinganum die Hülle. Das Comitö, Herr Drill Namens des demokratischen Vereins, Herr Ober- regisseur Vollmer in Vertretung des Theaters, legten Blumen- kränze zu den Füßen des Denkmals, worauf das Quartett den Kreutzer schen Chor„Abendruhe", zu welchem Herr Hörth einen angemessenen Text verfaßt hatte, anstimmte. Zum Schluß legte Hr. Fr ahme im Namen der Sozialdemokraten einen Kranz auf das Denkmal„des Streiters für Freiheit und Recht." Der Journalisten- und Schriftsteller-Berein ließ einen Kranz dar- bringen. (Uns will bedünken, daß es ein großer Mißgriff war, die Rede zur Feier Börne's einem nationalliberalen Fortschrittler zu übertragen— mag derselbe hundertmal Freund Börne's ge- wesen sein. Heut wäre Börne sicherlich nicht sein Freund. R. d.„V".) Auch die französische Demokratie wohnte im Geiste dem erhebenden Feste bei. A. Naquet, das bekannte republikanijche Mitglied der fran- zösischen Nationalversammlung, hat in seinem und seiner Freunde Namen an die Redakteure der„Franks. Ztg." einen Brief ge- richtet, in welchem er der Sympathie der französischen Demo- traten mit der Feier des Andenkens von Ludwig Börne in beredter und herzlicher Weise Ausdruck giebt. Börne's Streben, so führt das Schreiben unter Citirung entsprechender Stellen aus den„Pariser Briefen" aus, war auf eine Allianz des deutschen und sranzöstschen Dotkes im Dienste der Sache der Menschheit, des Iriedens und der Areiheit gerichtet; ei» Denkmal Aörne's ist ein energischer Protest gegen den ver- derbtichen Hegensah, in den die Ereignisse Seide Zllationen gebracht Häven. An der Ausgleichung dieses Hegensahes, an der Krsüllung der Idee zu arbeiten, die in Mörne ihren tapsersten Vertreter fand, sei die Ausgabe der deutschen, wie der sranzöstschen Demokratie,„und darum"— so schließt Naquet —„haben wir französischen Republikaner das Recht wie die Pflicht, uns mit Euch zu vereinigen in der Huldigung, die dem Andenken Börne's in seiner Vaterstadt gezollt wird." Sozialpolitische Ueberficht. — Blühender Unsinn. In dem Berliner Dunckerblatt verübt Bernstein, den wir bei dieser Gelegenheit an gewisse lebendige Leitartikel erinnern möchten, in welchen er seinen sehr starken Familiensinn zum praktischen Ausdruck gebracht hat, seit einiger Zeit eine Reihe von Leitartikeln gegen die„So- zialdemagogie", soll heißen Sozialdemokratie, die Alles in Schatten stellen, was Rabbi Bernstein bisher auf diesem Gebiete Seleistet. Einem der letzten Artikel, betitelt:„Die Verwirklichung es demagogischen Phantoms", entnehmen wir nachstehende Kraft- stellen: „Das demagogische Verhalten der Herren, welche an der Spitze der sogenannten(!) Sozialdemokratie(Rabbi Bernstein ver- tritt wohl die ächte Sozialdemokratie?) stehen, enthebt uns jeder Verpflichtung, das System zu prüfen, welches sie als Weltbe- glückung anempfehlen. Angenommen, Alles was die Herren er- streben, wäre edel, richtig und durchführbar, so würde dennoch die Art und Weise, wie sie den unwissendsten und den von der Roth des Lebens am meisten betroffenen Theil des Volkes mit schönen Aussichten an fich ziehen und ihnen Groschen-Beiträge zum Zweck der Agitation aus den Taschen locken, den Stab über sie brechen." (Daß diese verkehrten„Sozialdemagogen" doch nicht bei Duncker gelernt haben, wie man dem Volk auf ehrliche Weise sein Geld aus der Tasche lockt!)-- „Wie stets bei der Falschmünzerei auch etwas echtes Metall angewendet wird, um die Täuschung zu fördern, so wird zwar in das System, welches diese Demagogen vorspiegeln, auch manche richtige Idee(Oho! Also doch!) hincingewoben; aber nur um zu blenden uno zu verführen und Unwissende und Schwachköpfe zu dem Wahn zu verleiten, daß sie edlen Aufgaben dienen, für welche man mit allen Mitteln kämpfen müsse. Ja, dieser Wahn wird dermaßen gepflegt und unterhalten, daß man alle andern Parteien, welche ihn abweisen, für selbstsüchtig, geldgierig, bös- willig und erkauft ausgiebt, die wissentlich das helle Licht der Weltverbesserung verfinstern und sich des Leidens der Mensch- heit freuen." Anti- Sklaverei von Ferdinand Ehrhardt in Boston, Massachusetts. Dichte Nebelwolken wallen, hindern unfern freien Blick, Sehen wir zum Uranfang, zum ersten Lebenskeim zurück— Denn bis dahin vorzudringen, fehlt's noch unserm Aug' an Kraft, Doch von Tag zu Tag wird's stärker, stärker durch die Wissenschaft. Schon sehn wir sich's seltsam regen, Leben kommt und Leben geht, Durch Vererbung und Verändrung, langsam Art auf Art entsteht— Und vollkommner stets die nächste, nur das Starke kann bestehn Und das Unvollkommne, Schwache muß dafür zu Grunde gehn. Unermeßne Zeiten gingen, bis dann jener Schritt gethan, Der fortan dem einen Wesen gab den Platz hoch obenan. Seit die Schranke aufgerichtet zwischen Jenen-- Mensch und Thier, Herrscht' der Mensch, der Erde König, des Gewordnen schönste Zier— Herrscht' und lebte frei von Sorgen, kein Bedürfniß kannte er Außer Stillung seines Hungers, und das war nicht allzuschwer, Denn stets volle Tafel fand er, ihm gedeckt von der Natur, Thier' und Früchte, süßes Wasser gab ihm reichlich Wald und Flur.*) Doch— dann mehrten sich die Menschen und die Nahrung ging dahin, Früchte nicht genug sie fanden, nicht mehr gab die Jagd Gewinn. Früher ringsum reiche Beute, jetzt versagt Natur das Brot, Und der Mensch lernt Thiere züchten, Land bebauen nun durch Noth. So gereift denn bis zur Arbeit, schritten sie auch rascher fort, Gründeten sich feste Stätten, zogen nicht von Ort zu Ort— Lernten Zeit und Werth bestimmen, schloffen sich einander an, Nicht mehr lenkte sie der Zufall, sondern die Vernunft und Plan. Doch je höher sie gestiegen zu dem Gipfel der Kultur, Umsomehr Gewaltthat herrschte und es wuchs die Unnatur, Denn zu bald nur kam ein Starker, der den Schwächeren bezwang, Bis der Ueberwundne flehend zu des Siegers Füßen sank.— Muß zum Sklavendienst sich beugen, für den Sieger Arbeit thun, Der, zu neuen Heldenthaten, kann die faulen Glieder ruhn. Und der Sklav' hat keinen Willen, seine Kinder sind nicht sein, Denn sein Herr kann sie verkaufen und verspielen sie beim Wein; *) Diese idyllische Schilderung des Urzustandes stimmt nicht mit den Ergebnissen der Wissenschaft. Red. d.„V". I(Die armen verkannten Tugendhelden Hirsch, Duncker, Richter, Löwe, Bernstein und Consorten!)--- „Denken wir uns einmal das Phantom der Demagogie ver- wirklicht, so ist gerade die verheißene Gleichheit der Lebensge- nüsse ein zwingendes Gebiet, welches jede Erhöhung der Lebens- genüsse unmöglich macht. „Wenn die Herren Demagogen nicht das Künststück verstehen, Caviar und Austern für Alle zu machen, so bleibt nichts anderes übrig, als den Genuß ganz und gar zu verbieten. Hinterviertel dürfen die Ochsen nicht haben, oder sie müssen, weil man nicht Jedem davon seine Mahlzeit bereiten kann, der Fäulniß über- geben werden. Alle größeren Häuser müssen niedergerissen werden, weil ja Niemand eine bessere Wohnung haben darf als der Andere, und man doch nicht Alle im ersten Stock wohnen lassen kann. Sammet und Seide muß vertilgt werden, da man sie doch unmöglich für Jeden herbeizuschaffen vermag. Equipagen und Reitpferde müssen verboten werden, falls man nicht von Staatswegen jedem Bürger den Genuß eines solchen Luxus dar- zubieten im Stande ist. Schließlich läuft das große Phantom von Weltbeglückung darauf hinaus, daß nur die allergewöhn- lichsten Lebensbedürfnisse dem glückseligen Menschengeschlecht dar- geboten werden sollen, die jejft ein Jeder haben kann, der arbei- tet, und die selbst dem Müßiggänger zu Theil werden, wenn er in das Arbeitshaus gebracht wiro, das dem Ideal der Welt- Verbesserung ungemein ähnlich ist."-- U. s. w., u. s. w. O Blödsinn, dein Name ist Bernstein! — Ein Ketzergericht soll in der Hauptstadt des Jntelli- genzstaates bevorstehen. In akademischen Kreisen geht nämlich das Gerücht, es sei eine Beseitigung des Dr. Dühring aus dem Lehrkörper der Universität im Werke, und zwar verlautet, daß ein Verfahren dieserhalb aus der Initiative der philosophi- scheu Fakultät eingeleitet sei. Jnkriminirt sind zwei neuere Dühring'sche Bücher: das mit dem ersten Preise der Beneke- Stiftung gekrönte Werk:„Kritische Geschichte der allgemeinen Prinzipien der Mathematik", von dem im vorigen Jahre eine zweite Auflage erschienen ist, und außerdem die kleine Schrift: „Der Weg zur höheren Berufsbildung der Frauen und die Lehrweise der Universitäten." In der letzteren Schrift soll die allgemeine Kritik der Universitätszustände bei der philosophischen Fakultät ganz besonderen Anstoß erregt haben. In ersterer da- gegen sollen bestimmte Aeußcrungen über Professor Helmholtz rnkriminirt sein. Letzterem gegenüber ist Dr. Dühring für den Arzt Mayer als Begründer und verdienstvollen Förderer der Wärmemechanik eingetreten, hat die Ansprüche des Professors Helmholtz in dieser Richtung nicht anerkannt und ihm überdies vorgeworfen, daß er„unklar ein wenig philosophele". Die phi- losophische Fakultät, deren Mitglied Professor Helmholtz ist, cnt- scheidet selbstständig über ihren Conflikt mit Dr. Dühring, sobald sie bei dem Unterrichtsministerium auf die Remotion(Entfernung) anträgt. Da gerade die Beneke-Preisschrift inkriminirt ist, so sei daran erinnert, daß einst Beneke von der Berliner philo- sophischen Fakultät angeblich wegen Materialismus, in Wahrheit aber darum entfernt wurde, weil er selbstständig war und sich nicht zur Hegel'schen Philosophie bekannte. Wir sind sehr begierig, wie die Sache auslaufen wird. Daß gegen Dühring etwas im Werk ist, steht fest. So hohe Vor- stellungen wir aber auch von dem deutschen Universitätszopf und von dem sprichwörtlichen Professorenneid haben, so können wir doch nicht glauben, daß der saubere Plan zur Ausführung kommt. Wir sind sicherlich keinerlei Parteilichkeit für Dr. Dühring verdächtig, aber das erklären wir laut: seine Maßregelung wäre ein Attentat gegen die„freie Wissenschaft", eine Schmach für die Urheber und ein ewiger Schandfleck für die Universität Berlin! — Zum Kapitel der wöchentlichen Lohnzahlung schreibt unser hiesiges Parteiorgan, die„Fackel":„Als vor Kurzem Parteigenosse Fritzsche im Reichstag erklärte, daß die Arbeiter sehr oft wochenlang darauf warten müßten, ehe ihnen der sauer verdiente Lohn ausgezahlt wird,— da erhob das „Tageblatt" ein großes Geschrei und versicherte, so etwas käme gar nicht vor. Nachstehende Zuschrift wird zeigen, daß noch viel Schlimmeres vorkommt. Ein Arbeiter schreibt uns: Am 19. März 1877 fing ich an zu arbeiten bei dem Schlosser Herrn Eduard Bcrgk(Ulrichsgasse) in Leipzig, Sonnabend den 24. März erhielt ich 15 Mark Lohn ausgezahlt mit den Worte«: Ueber acht Tage wollen wir rechnen. Ich habe dann weiter gearbeitet, 5 Tage, mit einigen Ueberstunden. Sonnabend den 31. März erhielt ich keinen Lohn, sondern ich wurde bedeutet, denselben Angstvoll sieht er seine Töchter prangen in der Schönheit Zier, Denn wenn es dem Herrn gelüstet, sind sie Opfer seiner Gier. Und— will murren er darüber—„Sklave, schweig! Du hast kein Recht, Zwar trägst du ein menschlich Antlitz, aber doch bist du ein Knecht, Und dein Herr kann frei dich tödten, wie er einen Hund erschlägt, Dessen Zerren an der Kette seinen Aerger hat erregt." So ist Macht denn Recht geworden, was es auch bis heut noch ist, Und zur Macht gesellte dienend bald sich Lüge und die List-- Denn bald waren's ihrer Tausend, die nur Einem unterthan, Da erfand man, sie zu zügeln, jenen blinden Himmelswahn. Und die Pfaffen jeden Glaubens lehrten mit demselben Ton: „Wohl dem Menschen, der hier leidet, er erhält dort ew'gen Lohn, Oben thronen gute Götter, sie nur wissen's was dir frommt, Darum füge dich mit Demuth, ob es gut, ob böse kommt." Und die Lüge hat gezogen, überall und jederzeit Sahen hoffend sie zum Himmel, trugen still der Erde Leid. Und brach durch das lange Dunkel zuckend hell der Wahrheit Licht, So verstanden sie die Worte„Wissen, Freiheit, Gleichheit" nicht. Schalten Den, der sie gesprochen einer Welt entgegen, kühn, Schalten den als Volksverführer:„kreuzigt ihn, ja kreuzigt ihn!" Völker kommen und verschwinden, ihre Götter, sie vergeh», Deren Himmel stürzen nieder, Sklaverei, sie blieb bestehn. Wohl sprach jener Nazarener,„alle Menschen, sie sind gleich"— Wohl gewann der neue Glaube, sturmfluthähnlich, Reich für Reich— Wohl bekannten sie,„wir glauben, was uns unser Herr gelehrt, Und verflucht sei, wer nicht jedes seiner Worte hoch verehrt!" Und verfluchet und gemordet haben Millionen sie, Die nicht beugten vor dem Dogma sklavisch den Verstand, das Knie, Doch die Worte jenes Christus„alle Menschen, sie find gleich" Haben sie, so scheint's, verwiesen in das große Fabelreich. Denn noch gab es Herrn und Sklaven, nur mit Rücksicht auf die Zeit Ward's nicht Sklaverei betitelt, sondern heuchelnd Hörigkeit. Mitten unter seinen Hör'gen ragt des Ritters Burg hervor Und inmitten frommer Schafe wohnt der feisten Mönche Chor. Es besitzen Pfaff' und Ritter ringsumher den ganzen Grund Und dem armen Sklav', dem Bauern, drücken sie die Schultern wund— den 3. Feiertag zu holen. Ich ging an diesem Tage zu Herrn Bergk, und meine Rechnung, welche dieser Herr auf ein Stück Papier schrieb, machte 12 M. 50 Pf. Es war den 3. April früh 8 Uhr, ich erhielt nichts und wurde von Herrn Bergk er- sucht, denselben Tag Abends wiederzukommen. Ich ging hin— wiederum wurde ich nicht bezahlt, sondern auf den folgenden Tag vertröstet, und so ist es fortgegangen bis Freitag den 6. April, wo ich mein Geld bestimmt erhalten sollte. Früh halb 8 Uhr bestellt, bekam ich nichts, Abends um 7 Uhr nochmals bestellt, sagte der sehr ehrenwerthe Herr Eduard Berg:„Sehen Sie, Fromm, ich will Ihnen wenigstens zeigen, daß ich Geld habe", worauf er drei Stück große Markscheine aus der Tasche nahm und mir zeigte,„aber Sie bekommen heute doch noch nichts." Ich fragte Herrn Bergk, wann ich endlich mein Geld bekommen sollte, und erhielt zur Antwort: ich könnte nach mei- nem Gelde kommen, so viel mal ich wollte. Ich erwiderte dem Ehrenmanne darauf: daß mir dann nichts weiter übrig bleibe, als zu klagen; die Antwort darauf war, ich sollte das nur thun. Die letzten Worte des Herrn Bergk waren:„Wenn es mir auch noch dreimal mehr kostet, ich bezahle Sie, wann ichLust habe." Ich wünschte Herrn Berg hierauf eine gute Nacht und ging. — Herr Fromm hat alsdann, als er auf gütlichem Wege durch- aus nicht zu seinem Gelde kommen konnte, den Herrn Bergk verklagt, dieser ist auch verurtheilt worden, Lohn und Kosten zu bezahlen, er hat jedoch nichts bezahlt. Auf nunmehr erfolgte Beichwerde bei dem Gerichtsamt wurde Fromm bedeutet, er könne zwar Herrn Berg auspfänden lassen, doch müsse er— wenn die Auspfändung fruchtlos ausfalle, was leicht jmöglich sei, indem das betreffende Geschäft der Frau des Herrn Bergk ge- höre,— die Exekutionskosten bezahien. So etwas kommt vor, und Sachsen bleibt doch ein— Rechtsstaat." Hierzu sei beiläufig bemerkt, daß es in Leipzig eine ganze Anzahl von Fabrik-Etablissements giebt, in welchen die Arbeiter allwöchentlich ein sogenanntes„Kostgeld" als Abschlagszahlung auf ihren verdienten Lohn erhalten, während die eigentliche „Rechnung" vierteljährlich beglichen wird: so u. A. in der Hofpianoforte- Fabrik des Herrn Blüthner, Weststraße, in ver- schiedenen Maschinenfabriken, u. s. w. Obschon uns das seit Langem bekannt ist, so haben wir doch das„Tageblatt" seinerzeit ruhig schimpfen lassen, weil die Arbeiter selbst die Sache ganz gut kennen und weil es eben das„Tageblatt" war. Es lohnt nicht der Mühe, die sämmtlichen Dummheiten, welche dieses Blatt tagtäglich verübt, Knall und Fall in's rechte Licht zu stellen. — Unsere Culturkämpfer haben recht wackere Bundes- genossen erhalten. Vor einigen Tagen haben in Prag Alt- und Jungczechen am Ziskaberge einen Scheiterhaufen errichtet und unter Absingung czechischer Lieder das Bild des Papstes und dessen gegen Rußland gerichtete Allokution verbrannt. Meh- rere czechische Studenten, die sich auch an dieser Kinderei be- theiligten, wurden verhaftet. — Aus der Schweiz berichtet der„Pädagogische Be- obachter" und nach ihm die„Tagwacht" folgende interessante Historie: „Herr Wunderli- v. Muralt, ein Mitglied des züricherischen Schlotjunkerthums, auch Glocken-Wunderli genannt, weil er im Spenden der Kirchenglocken sehr freigebig ist, traf in einem Gasthof zu Ragatz mit einem höheren preußischen Offizier, Herrn v. Wedelt, zusammen. Man sprach an der Tafel über Arbeiter und Sozialdemokraten k., da wendet sich der züricherische Schlot- junker an den preußischen Offizier mit den Worten: „Lassen Sie einmal in Berlin 10,000 Arbeiter zu- sammenkartätschen, das wird unseren schweizerischen Arbeitern gut thun!" Der preußische Junker, über eine solche Bestialität empört, dreht dem Herrn Wunderli- v. Muralt den Rücken zu und srägt einen Nachbarn:„Ist dieser Mann ein Schweizer?"" Die Frage des Offiziers war berechtigt, da er den Herrn Wunderli jedenfalls für einen Kannibalen halten mußte. Aber fragen wir, gibt es nicht eine große Anzahl solcher Wunderli's auch in Deutschland, welche ein frisches, fröhliches Sozialisten- massacre für die einzige Rettung halten? Haben die Äersailler Ordnungsbanditen nicht in Paris so gehandelt, wie Herr Wunderli in Bezug auf Berlin es wünschte? Der Ausspruch enthielt also gerade nicht viel Neues. —„Wenn ich das Unglück hätte, König zu sein"— an diese bedenkliche Satzwendung, mit der Rousseau einen Brief Denn jedwede schwere Arbeit that allein des Hör'gen Hand, Für die Freien, für die Herren, ward' entehrend sie genannt. Stöhnend sinkt der Bauer nieder unter seines Elends Last, Während zechend und turnirend ihm der Herr das Gut verpraßt; Hungern sieht er Weib und Kinder, höret bebend„Brot" sie schrei'n, Doch— was ihm sein Herr gelassen, zog die Kirch' als Zehnten ein, Gut und Blut und Leib und Seele— nichts gehört dem armen Sklav', Selbst den Trost der ew'gen Ruhe stört der Pfaffen Höllenstraf. Und da er es einst versuchte, unter Menschen Mensch zu sein Und vom Joche seiner Herren mit Gewalt sich zu befrei'n-- Waren Fürsten, Adel, Pfaffen auf das Tiefste drob empört, Solch' Verlangen von den Bauern schien den Herren unerhört! Selbst der„große Mann", der Luther, heiligte den Mörderbund, Denn er rief zur Bauernhetze:„Schlagt sie todt wie tolle Hund'!" Und durch Mord, Berrath nnd Folter zwangen sie den Bauersmann, Daß er, sich verblutend, fügte wieder in den alten Bann. Unterdessen wurden Fürsten immer mächt'ger ringsumher Und es wuchsen rasch die Städte, aller Schwachen Schutz und Wehr, Drin erblühten Kunst und Handwerk bald durch Bürgerfleiß empor— Doch der Adel— lag buschkleppernd vor dem Wall und vor dem Thor, Raubt dem Kaufmann seine Waare, wie dem Wand'rer Hab und Gut Und verlacht Gesetz und Rechte hinter seiner Mauern Hut. Da verband sich Fürst und Bürger und sie brachen manches Schloß Und erschlugen rings den Adel und den räuberischen Troß-- Bis der Adel kam und flehte um Erbarmen vor dem Thron Und nun so Hofschranze wurde, dienend um des Fürsten Lohn. Längst schon standen auch die Pfaffen dienend an des Fürsten Seit', Und— nach seinem Wort zu lehren und zu handeln stets bereit. So war denn in Eins verschmolzen Fürsten-, Adel-, Pfaffenmacht, Was dem freien Bürgerthume bald den Untergang gebracht. Nun gab's keinen Ort der Freiheit auf der weiten Erde mehr, Hier, der Fürst mit Pfaff und Adel— dort, ein großes Skla« venheer. Sklaven, die gehorsam folgen ihres Fürsten Machtgebot, an Friedrich den„Großen"(wenn wir nicht irren) begann— wurden wir lebhaft erinnert, als wir die Einzelheiten der Reise des„Väterchens" nach dem Kriegsschauplatz erfuhren. Nur muß es statt„König" Kaiser heißen, was ja im Grunde dasselbe. Man höre nur:„Am K.Juni", soschreibtmanuns,„kam �Väterchen' in Ploesti(„Plojeschti") an. Die umfassendsten Vorsichtsmaßregeln waren ergriffen, damit der Triumphator in spe keinen Schaden erleide. Zehn Minuten vor Seinem Zuge ging eine Courier- Maschine, dann der Hofzug,— in dem Er aber nicht war!— zwanzig Minuten später ein Hilfszug mit Schlossern, Bau- arbeitern, Schwellen, Schienen, Werkzeugen aller Art; wieder 20 Minuten später ein Zug, in dem Er, versteckt zwischen Herren von der Suite(Gefolge), Kosaken und sonstigen Ver- tretern der heiligen Dreieinigkett: Infanterie, Kavallerie und Artillerie, glücklich Sein Ziel erreichte. Der Güterverkehr war den ganzen Tag über vollständig eingestellt— den Kaiser selbst, der mit großem Geschick verborgen gehalten wurde, bekam Nie- mand zu sehen!" Der arme Czar! Sein Handwerk wird ihm wahrhaftig sauer gemacht. Uebrigens wurden ihm unangenehme Scenen doch nicht erspart. Kurz nach Seiner Ankunft drängte sich, wie telegraphisch gemeldet wird, ein polnischer oder tscher- kessischer Offizier durch Sein Gefolge, brachte irgend ein Gesuch vor, das nicht gewährt ward, und erschoß sich vor Seinen Augen. Der Vorgang soll auf den bemitleidenswerthen Mann einen erschütternden Eindruck hervorgebracht haben— was sehr begreiflich—: der fragliche Offizier hätte ja sehr leicht— da- neben schießen können. Inzwischen sitzt„Väterchen" nach den neuesten Nachrichten in guter Ruh und sicher vor'm Schuß an der Donau und läßt seine gedrillten Sklaven an sich vorüberziehen, die nächstens die Fluthen der Donau mit ihrem Blut färben sollen.„Hoch der Czar!" brüllen die stumpfsinnigen, schnapstrunkenen Söldner— te Caesarem morituri saiutant, die in den Tod Ziehenden grüßen Dich! So amüsirt sich ein Cäsar, und so amüsirt man die Völker! Und das Alles für die„Humanität", für die„Civilisation"' Damit Niemand daranzweifle, melden russische und englische Telegramme, daß die Montenegriner, des Czars Lieblinge, die auf dessen Geheiß ihre Raubzüge wieder begonnen, fünfhun- dert Türkenköpfe— Köpfe nicht blos getödteter, sondern auch gefangener und verwundeter Feinde,— abgeschnitten, und daß die russischen Truppen selbst in Ardaghan alle Häuser ge- Plündert, das Hospital mit den Verwundeten verbrannt und die Weiter geschändet haben.*) Wahrlich,„Väterchens" menschenfreundliches, friedliebendes Herz muß ihm im Leibe hüpfen vor Freude über so ruhmvolle Thaten seiner bewaffneten Apostel, welche die Kultur in den Orient tragen sollen! Ach, er ist so menschenfreundlich, so friedliebend, der edle Czar! Und wer es nicht glaubt, der lese das letzte Manifest semes Petersburger Reptilienkabinets— da steht's schwarz auf weiß. Er will keine Eroberungen machen; er verabscheut das Blutvergießen, blos das Mitleid mit den unterdrückten Christen hat ihm das Schwert in die Hand gegeben— und wer's nicht glaubt, der zweifelt an des Kaisers Wort und macht sich einer Majestätsbeleidigung schuldig. — Parteigenosse Mehlhorn, welcher während der Wahl- agitation für kurze Zeit als verantwortlicher Redakteur der „Glauchauer Nachrichten" fungirte, ist wegen Beleidigung der Casinogesellschaft in Glauchau zu 3 Tagen Gefängniß und Tragung der Kosten verurtheilt worden. *) Auf Hospitäler mit Verwundeten scheinen es die russischen„Cul- turkämpfer" überhaupt abgesehen zu haben— bei der Beschießung von Widdin zielten sie wiederholt auf das Hospital. Correjpondenzen. Uerkin, 8. Juni. Wir stehen am Borabend der Wahl. Die letzten Wochen sind in unausgesetzter Thätigkeit verstrichen. Die Wählerversammlungen haben ihren Fortgang genommen und waren alle sehr gut besucht. Zu einer dieser Versammlungen, die am Freitag, den 1. Juni in Moabit im 6. Wahlkreise abge- halten wurde, waren beide Kandidaten eingeladen. Es erschien jedoch nur Herr Hasenclever, der in seiner Rede unter anderem darauf hinwies, welche Achtung Herr Löwe durch sein Nicht- erscheinen den Wählern gezeigt habe. Herr Hascnclever ver- sicherte, daß er, falls das liberale Wahlcomitä ihn einladen sollte, ganz allein in die gegnerische Versammlung gehen würde, worauf der anwesende Vorsitzende ihn zum Freitag, den 8. Juni, zur liberalen Versammlung einlud, bei der auch Hr. Löwe erscheinen werde. — 9. Juni. Die am Freitag stattgehabte Disputation nahm einen für nns äußerst günstigen Verlauf. Trotzdem vom libe- ralen Wahles mite nur fünf Karten für Sozialdemokraten be- willigt waren, wurde Hasenclever beim Betreten der Tribüne mit einem großen Beifallssturm empfangen. Derselbe wies dann Auge in Auge mit den Liberalen alle die Unwahrheiten nach, die in der Richter'schen Rede standen und die die liberale Partei zu den ihrigen gemacht hatte, indeni sie die Rede in 50,000 Exem- plaren als Wahlflugblatt hatte vertheilen lassen. Borwürfen gegenüber, die ihm gemacht waren, äußerte Herr Hasenclever am Schluß seiner Ausführungen— und ich führe das an, um Miß- deutungen vorzubeugen— daß er das Programm so gut unter- schreibe, wie jeder andere Parteigenosse, daß er aber darum über verschiedene Punkte in der zukünftigen Organisatton anders denken könne, wie z. B. Bebel und Most und daß er für die von denselben in dieser Beziehung gethanen Aeußerungen nicht ver- antwortlich gemacht werden könne. Darauf ergriff Herr Ludwig Löwe das Wort und begann furchtbar auf die Sozialdemokratie zu schimpfen— doch nein, nicht zu schimpfen, sondern dieselbe mit„geistigen Waffen" zu bekämpfen. Wenn dabei in Gegenwart des Gastes Ausdrücke wie Frechheit, Unverschämtheit,„Leute, die auch nicht mehr Werth, wie Hasenclever" ic. unterliefen, so erklärte Herr Löwe am Schluß seiner Rede doch ganz frech, er habe nicht beleidigen wollen. Dabei sprach er nur von sich selber, erklärte sich für den ehrlichsten Mann von ganz Berlin(sie!) und bezeichnete sich bereits mit Bestimmtheit als gewählt! Daß er zuerst Sozial- demokrat, dann Demokrat, dann Fortschrittler gewesen und jetzt Kandidat aller antisozialistischen Parteien sei, konnte er nicht leugnen, er behauptete aber doch, konsequent geblieben zu sein. — Darauf ergriff Max Hirsch das Wort und wetterte gegen die Sozialdemokratie und ihre sittliche Verwahrlosung auf seine bekannte Altweibermanier. Er versuchte es auch Kukukseier'zu legen, indem er behauptete, Hasenclever hätte durch die oben angeführte Schlußbemerkung gezeigt, daß er mit seinen Partei- genossen uneinig sei. Außerdem pries er den Mittelweg zwischen Manchesterthum und staatlicher Organisation der Arbeit. Hasenclever erhielt dann das Wort zur Replik und wider- legte die Angrisse des Löwen und Hirsches dergestallt, daß Löwe nachher selber verschiedenes zurücknehmen mußte. Schließlich ging die liberale Wählerversammlung auseinander, ohne ihren Löwen als Candidaten proklamirt zu haben(die Gegenprobe wäre nämlich sehr faul für ihn ausgefallen!) und nahm die moralische Niederlage mit nach Hause, daß unser Kandidat in ihre geschlossene Versammlung zu kommen wagte, während die ihrigen nicht einmal in unsere öffentlichen Ver- sammlungen kommen mögen, wo jeder Liberale freien Zutritt hat.— R. Mlunster i. W., 7. Juni. Evviva Pio nono,*) das Feldgeschrei der Schwarzen während der drei Festtage ist verstummt und an Stelle des fanatischen Glaubenseifers tritt katzenjämmer- liche Nüchternheit. Die 50jährige Bischofsjubelfeier Pius IX. wurde hier in einer Weise begangen, wie wohl selten andernorts. Eingeleitet durch 13 stündiges Gebet am Samstag, feierte man sie am Sonntag mit Prozessionen und Festessen, bei welcher Gelegenheit unter andern Rednern besonders v. Schorlemer-Alst, der Liebling der Münsteraner, glänzte.— Im Dekoriren und Flaggen war das Größtmöglichste geleistet, nur war die grandiose Illumination durch das Verbot der Regierung zu Wasser ge- macht, doch dafür wurde» alle„Gläubigen" am Montag durch das Gartenfest im Schützenhofe entschädigt, welches, offen gestanden, ungemein glänzend war. Wohl an 10,000 Besucher, alle„Ketzer" natürlich inbegriffen, drängten sich in den weiten Räumen und tummelten sich bei Illumination, Konzert, Gesang und Feuerwerk. Die kurze Festrede des Domkapitular Klein aus Paderborn war ganz geeignet, die„getreue Heerde" zum Kampfe gegen die Be- drücker aufzumuntern, und die rasenden Hochrufe der„getreuen Schafe" legten das beste Zeugniß ab, daß an ein Nachgeben Seitens der Ultramontanen im„Kulturkampf" nicht zu denken ist.— Die am Dienstag Nachmittag einberufene„Volksversamm- lung" war größtentheils von Pfaffen besucht und bezweckte die Besprechung der Schulfrage.— Bekanntlich liegt de„Kirche" mit dem„Kultusministerium" darüber im Streite, wer die Inspektion *) Italienisch: Es lebe Pius der Neunte. Für unsere Leser, die in solchen Dingen nicht bekannt sind, die Notiz, daß der gegenwärtige Pabst, welcher den Titel Pius IX. führt, Anfang Juni 1327 zum Bischof gemacht wurde. R. d. B. Der, um Länder zu erwerben, sie schickt aus in Kampf und Tod— Um Mätressen zu bezahlen, sie verkauft für fremdes Geld— Der sie preßt und der sie prügelt, wie es seiner Laun' gefällt— Der sich nennt„von Gottes Gnaden", der selbst sagt:„ich bin der Staat", „Alles ist um meinetwillen, so beschloß es Gottes Rath."-- Ueberall war nun auf.Erden lange, stille Grabesnacht; Doch umsonst nicht hatten Wen'ge treulich stets des Rechts gedacht, Hatten nicht umsonst gesprochen zu der Masse will'gem Ohr, Denn urplötzlich und gewaltig brach des Volkes Grimm hervor. Und sie traten, Recht zu fordern, kühn hin zu des Fürsten Thron, Rissen ab den blut'gen Purpur, nahmen Scepter ihm und Krön'. Wareu mündig nun geworden, riefen jubelnd:„wir sind gleich, Nieder Adel, nieder Pfaffen und das Gottesgnadenreich!" Doch— die Reaktion, die starke, brach zu schnelle nur herein, Und der feiste Bürger reichte bald die Hand zum Bund den Drei'n. War ja selbst nun Herr geworden; Herr geworden aus'nem Knecht, Wandte treulos sich von Denen, die mit ihm gekämpft für Recht.— So ist's heut! Noch immer Sklave, keucht der Bauer auf dem Feld, Sä't und erntet— für den Gutsherrn, der ihm lohnt mit Hungergeld. Und befitzt er selbst'nen Acker, bleibt er doch ein armer Mann, Weil er nicht, wie dort der Gutsherr, mit Maschinen schaffen kann. �Wer schon hat, dem wird gegeben." Also heißt ein Bibelwort, Das durch tausend Menschenalter wirkte sicher fort und fort. „Und wer wenig hat, genommen wird das Letzt' ihm aus der ä v.. Hand." �-o verliert der arme Bauer auch das Letzte denn, sein Land; Ausgepreßt, besiegt im Kampfe mit dem großen Kapital, Bleibt ihm nichts, als zu vermehren der Lohnsklaven große Zahl. • zu vrel zum raschen Sterben, doch zum Leben nicht genug, Bringt ihm ein die harte Arbeit mit der Sense, mit dem Pflug; Und umher rings, Feld und Wälder, Heerde», Dörfer, Berg' Alles, Alles, Weil auf Meile, weiter als die Blicke sehn--- Alles das gehört dem Gutsherrn, für ihn reift die grüne Saat, Für ihn birgt der Wald die Beute, klappert dort das Mühlenrad. der katholischen Schulen auszuüben habe. Unter andern Rednern ging besonders ein Pfarrer Dr. Schulte dem Dr. Falk zu Leibe und wies natürlich nach, wie die„von Gott eingesetzte Kirche" und als ihre Repräsentanten die„Seelen- Hirten" einzig und allein das Recht hätten, den Religionsunter- richt zu beaufsichtigen. In diesem Sinne gehaltene Resolutionen wurden angenommen und schließlich gab Herr v. Schorlemer-Alst den einzig vernünftigen Wunsch zu erkennen, daß andernfalls „der Religionsunterricht aus allen Schulen ausgeschieden werden müsse." Mit einem Hoch auf Pius und die verbannten Bischöfe schloß diese„Volksversammlung." Wann wird„das Volk" in unserem Sinne hier Versammlungen halten? Leider kennen die hiesigen Proletarier nur das„Beten und arbeiten."— Die Nachricht in Nr. 63 des„Vorwärts", wonach vom 1. Juli ab hier ein sozialistisches Blatt erscheinen soll, überraschte selbst uns. Nichtsdestoweniger begrüßen wir ein solches Unternehmen mit Freuden; mit ganzer Kraft werden wir uns der Agitatton hin- geben, um das schlafende Volk aufzurütteln und zur baldigen Erkennwiß seiner Lage zu bringen. Ist einmal Bresche geschossen, dann wird auch hier der Erfolg nicht ausbleiben und in einigen Jahren haben wir kein„schwarzes", sondern ein„rothes" Münster! Meerane, 4. Juni. sWie die Fabrikanten dem Roth- stand abhelfen!) Die Arbeitslöhne der Weber sind durchweg reduzirt und in des Wortes ganzer Bedeutung„Hungerlöhne". Dennoch differiren diese Löhne, da das eine Manufakturgeschäft immer noch ein wenig mehr„zu Gunsten der Arbeiter" kalku- lirt, und darum ist es erklärlich, wenn die Leute in einer Fabrik lieber arbeiten als in der anderen, weil der Verdienst daselbst, wenn auch nur unbedeutend, doch immerhin etwas besser ist. Am traurigsten aber steht es mit dem Verdienst in der mecha- nischen Weberei von Heinrich Schmieder und Sohn. Die Ar- beiter verdienen meist kaum das trockene Brod, oft nicht das Salz zur Suppe. Wir kennen derer genug, die nicht mehr als 3, 4 und 5 Mark wöchentlichen Verdienst am Sonnabend trüb- selig nach Hause trugen. Das ist ebenso wenig und verhältniß- mäßig weniger als bei Geipel und Jäger in Asch. Es liegt das theils auch mit an dem ordinären Material u. s. w. Bei dem größten Arbeitsmangel hat es in H. Schmiedels Fabrik stets Arbeit gegeben, weil täglich Arbeiter davonlaufen. Aber flott gebt es keineswegs in dieser Dampfweberei. Wer einen guten Stuhl und leidliche Arbeit hat, und es sich will angelegen sein lassen, um das Nöthige zu erschwingen, bei dem treten öfters Arbeits- pausen ein. Bald fehlt es an dem, bald wieder an jenem. Wir wollten deshalb unseren Ohren nicht trauen, als wir gestern hörten, daß Heinrich Schmieder und Sohn hier für ihre mecha- nische Weberei in einem Prager Blatte 200 Arbeiter suchen. Der erste von dort ist bereits zugereist und in Arbeit getreten, andere sollen nachfolgen. Werden diese böhmischen Arbeiter besser hungern können als die sächsischen? Und wenn das nicht der Fall ist. so fragen wir, was bezweckt die Firma Heinrich Schmieder und Sohn? Katastrophen wie in Asch kann sie doch nicht bezwecken wollen. Wkanen. Nach dem„V. A." ist gegen 1100 hiesige Ein- wohner wegen Steuerrückständen aus dem Jahre 1876 die ge- richtliche Execution beantragt worden und kommt jetzt und in den nächsten Wochen zur Anwendung. Die Steuern, um deren Eintreibung es sich bei diesen Restanten handelt, sind die städtt- schen Anlagen und die Gewerbe- und Personalsteuer. Noch nicht inbegriffen sind also die Grundsteuer-, Hundesteuer-, Brandkassen- und Schulgeldrestanten. Die seit einer Reihe von Jahren fort- während sich steigernde Zahl dieser säumigen Schuldner gibt zu denken. Dieselbe betrug im Jahre 1872 212, 1873 426, 1874 521, 1875 652, 1376 1100. Die Mehrzahl derselben gehört dem Stande der Handarbeiter, Fabrikarbeiter und Handwerks- gehilfen an, zahlreich vertreten sind auch Sticker, Weber, Handels- leute, Dienstboten; weiter finden sich darunter mehrfach auch selbstständige Gewerbtreibende, Commis, Agenten, Kolporteure, Restaurateure u. s. w. ja selbst Rentiers fehlen nicht. Diese Zahlen sprechen deutlicher als alle Actenstücke, die man über den in manchen reichsfreundlichen Köpfen immer noch fraglichen Nothstand abzufassen vermag und den man gar zu gern ableugnen und als Erfindung der Sozialdemokraten bezeichnen möchte. Wir sind überzeugt, von allen Industrie- Städten würde ein Gleiches gemeldet werden, wenn man es der Oeffentlichkeit preisgeben wollte. ZKesde«. Sonnabend, den 2. und Sonntag, den 3. d. M. hatten wir hier zwei stark besuchte Wählerversammlungen, in denen Bebel, Reuhstagsabgeordneter für Dresden, Bericht über seine Thätigkeit im Reichstage erstattete. In beiden Versawm- Und in jenen kleinen Hütten wohnt sein armer Bauersmann, Glücklich meist noch, wenn er immer für den Gutsherrn schassen kann. So ist's heut! Wie auf dem Lande, grad' so ist's auch in der Stadt, Wo sich die enterbte Klasse massenhaft gesammelt hat. Wie im frühen Mittelalter ragen heut auch Thürm' empor, Doch aus ihnen, Alles schwärzend, steigt nur finst'rer Rauch hervor. In den Häusern schwirren Räder, klappert's, pochen Hämmer wild; Tausend schaffen gegen Lohn drin, Lohn, der kaum den Hunger stillt. Wie ein Junker ftüh'rer Tage, haust darin der Fabrikant, Dessen Geld mit Eisenbanden, Arbeiter wie Sklaven bannt. Heuchelnd heißt's:„es seien Alle, Aae seien gleich und frei"-- Doch der Hunger, unbarmherzig, ruft den Armen schon herbei; Sperrt ihn ein in dumpfe Säle, schickt ihn in der Erde Schooß, Kohlen, Erze, Gold gewinnend, doch der Arme— er bleibt bloß, Baut Paläste und Museeen, Schienen, Straßen dem Verkehr, Webt die Tücher— und doch friert er, schmückt die Häuser— sein's ist leer. Selbst Familienglück und Ehe existirt nicht mehr für ihn, Weib und Kinder müssen schaffen, müssen zur Fabrik hinziehn. Und die zarten Kinderleben werden früh dort schon geknickt-- Knospen, die der Sturm gebrochen, eh' ihr Wohlgeruch entzückt; Ja! er ist enterbt von Allem, Nichts gehört dem armen Tropf, Andern lohnet's, was er schaffte mit den Fäusten mit dem Kopf. Andre sacken ein die Früchte, die sein Fleiß hervorgebracht— Ja! der Arbeit Lohn noch immer ist des Elends trübe Nacht. Aber Jene— die der Zufall an'nen andern Platz gestellt, Wären selbst es Idioten, sie gewinnen Glück und Geld. All' das Herrliche, geschaffen durch die Wissenschaft und Kunst, Alles, was das Herz entzücket— ihnen gab's der Zufalls Gunst— Daß sie Söhne oder Erben jenes reichen Wuch'rers dort— Oder Jenes— der gegründet und Bankrott macht fort und fort, Oder Jener— die da rühmen laut ihr adeliges Blut, Und als edle Ritter stehlen dem Plebejer Hab und Gut— Oder Jener, welche hündisch-schmeichelnd lagen vor dem Thron, Gleich ob drauf ein Nero sitzet, zahlt er nur gehör'gen Lohn— Oder der modernen Junker, jener Junker von dem Schlot, Die dem Armen Arbeit geben und als Lohn ein dürftig Brot— Oder Jener— doch genug schon der Vampyre sind gezählt, Für die, von der Wieg' zum Grabe, freudlos sich der Arme quält; Jener, die der Menschheit stahlen das, was heute Reichthum heißt— Denn die ganze Menschheit schuf ihn, ftüh und spät, mit Hand und Geist. Alle haben sie gebauet, alle trugen Stein' herbei Für den Tempel, der die Menschheit soll umfassen, gleich und sr«. Doch die Wenigen, sie stahlen in den Tempel sich hmem— Und die Masse, hungernd, frierend, lagert immer noch im Frei n. Drinnen singt und jubilirt es, draußen herrscht Verzweiflung, � Roth, Und doch hat der Tempel reichlich für sie Alle Platz und Brot. Schon so manchmal tönte Klopfen an die Pforte, lers und zart, Doch auch manchmal, Einlaß heischend, klopften Fauste drohend, hart— Und auf zartes Klopfen immer war die Antwort Spott und Hohn; Klopften Fäuste, blut'ge Antwort spendete dann die Kanon'.—— Doch es mehren sich die Fäuste, immer stärker tönt der Schlag, Und die Pforte muß sich öffnen, kommen muß der Slegestag! Kommen muß der Tag, da Alle haben Platz und Brot und Licht, Wo nicht Einer schwelgt, wofür dann Zehnen es an Brot ge- bricht— Kommen muß der Tag, da jubelnd die Enterbten ziehen ein, Und den Menschheitstempel endlich voll und ganz der Mensch- heit weih n. Ja! er kommt! Ich hör' es donnern und des Tempels Pforte kracht— Seht dort hell die Morgenröthe! Endlich, endlich weicht die Nacht. Menschheit, Menschheit, auf vom Schlafe! Schrecke aus dem Traum empor, Dir— der ganzen— öffnet machtlos sich das schon geborsfne Thor.— turtgen wurde Bebel lebhaft begrüßt und sein Vortrag mit großem Beifall aufgenommen. In der ersten Versammlung, die in der „Centralhalle" statthatte, wurde folgende Resolution angenommen: „Die heute im Saale der Centralhalle versammelte Wählerschaft des Reichstagsabgeordneten August Bebel erklärt sich mit dessen Verhalten im Reichstage vollständig einverstanden und wünscht, daß derselbe im wohlverstandenen Jntereste des Volkes, bez. seiner Wähler in der bisherigen Weise fortwirke."— Die Sonn- tagsversammlung, welche im Dianasaale tagte, bekundete ihre Uebereinstimmung mit der Thätigkeit Bcbel's durch Annahme nachstehender Resolution:„Die heutige Versammlung der Wähler Bebels erklärt sich mit der Haltung ihres Reichstagsabgeordneten, welcher jederzeit muthig und entschieden für die Rechte des Volkes eingetreten ist, vollkommen einverstanden und beauftragt ihren Vertreter, auch künftig in gleicher Weise fortzuwirken." Hkeutkingen. Von hier schreibt man der„Süddeutschen Volkszeitung": Vielen Ihrer Leser dürfte es intereflant sein, zu erfahren, welch' verkehrte Begriffe von Ehre in unserer heutigen Gesellschaft, namentlich in militärischen Kreisen, herrschen. Ein allgemein geachteter und beliebter Offizier lebte schon seit Jahren in wilder Ehe mit einem braven Bürgersmädchen, welches ihn mit mehreren Kindern beschenkte; welche Hindernisse der gesetzlichen Vereinigung im Wege standen, wissen wir nicht, es gehört auch nicht zur Sache, Thatsache ist, daß die eheliche Verbindung vor Kurzem ersolgte. Der Offizier that also, was ein Ehrenmann in solchem Falle thun muß, und was jeder Ehrenmann für recht und billig halten wird, so sollte man wenigstens meinen; in Wirklichkeit ist die Sache aber gan* anders— eine solch Handlungsweise entspricht vielleicht den Begriffen, welche der„Plebs" von der Ehre hat, ein Offizier hat aber eine ganz andere Ehre. In Folge seiner Heirath mußte nämlich der Betreffende seine Entlassung nehmen, weil seine Kameraden erklärten, ihre„Standes- ehre" verbiete ihnen, ferner mit ihm zu dienen! Ein Offizier kann also unbeschadet seiner Standesehre eine oder auch mehrere Maitressen unterhalten, wenn er aber nach mehrjährigem Zu- sammenleben mit einem braven Mädchen, das aus Liebe ihm gefolgt ist, dasselbe heirathet, dann hat er seine Ehre verletzt und wird aus der„Genossenschast der Ehrenmänner" ausgestoßen. Das ist auch„Moral"— aber was für eine! Hoöurg, 6. Juni. Auf der Rückreise vom Gothaer Congrcß wurde uns die Gelegenheit geboten, aus den 2. Juni eine Volks- Versammlung einzuberusen, in welcher Genosse Grillenberger referirte. Auf der Tagesordnung standen die„indirekten Steuern", um dem„Sprechsaal"-Redakteur Herrn Müller, welcher be- kan ntlich bei der letzten Reichstags-Wahlagitation die Mitglieder des hiesigen sozial. Wahlcomits's unrichtiger oder besser gesagt übertriebenener Zahlenangaben betreffs der direkten und indi- rekten Steuern bezichtigt hatte, zu widerlegen. Zum Vorsitzenden wurde Heinrich Kcmpf und zum Schriftführer Unterzeichneter gewählt. Genosse Grillenberger bedauerte vor Allem den schwachen Besuch der Versammlung und ermunterte die Anwesenden, dafür zu sorgen, daß sich die Arbeiter Coburgs an unfern Be- strebungen mehr betheiligen möchten, überhaupt sei er das gar nicht gewöhnt, in einer so schlecht besuchten Versammlung über ein so wichtiges Thema zu sprechen und wolle er deshalb seinen Vortrag so kurz wie möglich halten. Aber trotzdem dauerte der ausgezeichnete Vortrag eine Stunde. Daß dieser Vortrag seine gute Wirkung gethan, bewies der dem Redner gespendete Beifall, und es wäre sehr wünschcnswerth, ja sogar nöthig, daß uns alle vier Wochen ein stemdcr Redner besuchte, dann würde hier bald wieder ein besserer Geist unter den Arbeitern Platz � Noch muß ich berichten, daß an dem darauf folgenden Tag, Sonntag, den 3. Juni, eine Versammlung der Zimmerer ab- gehalten wurde, in welcher Genosse Otto Kapell aus Berlin referirte. Diese Versammlung war leider ebenfalls sehr schlecht besucht I. Heymann. Schleswig, ö. Juni. Die Erwähnung der Pariser Kommune � r. 62 des„Vorwärts" hat auch unsere„Schleswiger Nach ' lungen zu besuchen(d. h. insofern dieselben nicht, wie sonst üblich, ' hinter verriegelten Thüren abgehalten werden); und obschon der Herr Meier genau die Taktik der nationalliberalen Stammver- wandten befolgt: nämlich unbequeme Interpellanten durch die Polizei hinausexpediren zu lassen, so darf dieses die Genossen doch nicht abhalten, bei vorkommenden Gelegenheiten sich ange- legentlichst bei dem Herrn Meier um sein Thun und Lassen im Reichstage zu erkundigen. I. Baustian. Zürich, 4. Juni. Gestern tagte in dem steundlichen Baden, einem Städtchen von 5000 Einwohnern, meist katholisch, im Kanton Aargau, mit 4 bis 5 Fabriken, auch sehr beliebter Bade- ort, eine von ca. 400 Personen besuchte Volksversammlung zu Gunsten des schweizerischen Fabrikgesetzes. In dieser Versamm- lung traten Nationalrath Baldinger, Fabrikant Zuppinger, Dr. Wyler und Bezirksamtmann Bopp-Weiß warm für das Fabrikgesetz ein. Am bemcrkenswerthesten ist das Votum des Fabrikanten Zuppinger. Redner ist für das Fabrikgesetz und thcilt die Bedenken nicht, die manchen seiner Kollegen bewegen, gegen dasselbe aufzutreten. Wenn auch die ungünstigen Verhält- niste, denen die schweizerische Industrie momentan unterliegt, Besorgnisse erwecken, so glaubt er doch nicht, daß mit dem Erlaß des Fabrikgesetzes, resp. Einführung eines 11 stündigen Normal- arbeitstages unsere Industrie konkurrenzunfähig gemacht werde und der Ruin über dieselbe hereinbreche. Wenigstens haben sich anderorts in gleichen Fällen ausgesprochene Befürchtungen auch nicht erfüllt. Er findet darum auch keinen Grund, die herrschende Geschäftskrise zum Motiv einer Verwerfung des Gesetzes zu machen, da man nach seiner Ansicht bei günstigeren Zeiten, die ja auch wiederkommen müssen, bedeutend größere Opfer von den Fabrikanten verlangt hätte, d. h. es würde dann weit mehr am 10 stündigen Normalarbeitstag festgehalten worden sein und viel leicht mit ziemlich sicherem Erfolg. Redner hätte es daher für einen ehrenden Akt von Patriotismus und Klugheit gehalten, � wenn die schweizerischen Industriellen ihre heftige Opposition gegen die heutige Vorlage nicht erhoben haben würden, denn die daraus entstehende Erbitterung zeitige Früchte, die keinem Theil erwünscht seien und berge unter Umständen für die Industrie größere Gefahren. Im Ferneren glaubt Herr Zuppinger nicht, daß eine Reduktion der Arbeitslöhne infolge reduzirter Arbeits- zeit eintreten werde oder für die Dauer durchführbar sei, hält vieselbe zum Mindesten für unedel und ungerechtfertigt, da der Fabrikant auch in günstigen Zeitläuften stets nur das Minimum bewillige. Die Bestimmungen über Beschränkung der Kinder- arbeit hält Herr Zuppinger für die Perle des Gesetzes, denn das Kind gehöre dem elterlichen Hause, der Schule und der frischen Luft an; das mögen nicht nur gewinnsüchtige Fabrikanten, son- dern auch kurzsichtige Eltern bedenken, denen die Kinder nicht früh genug verdienen können. So der Fabrikant Zuppinger.— Es thut einem ordentlich wohl, unter den Fabrikanten auch ein- mal einem Menschen zu begegnen, dessen Herz warm für seine Mitmenschen schlägt. Die deutschen Fabrikanten und deren Parteigänger dürften sich daran ein Beispiel nehmen, es würde dadurch sicher noch mehr ausgerichtet, als mit Maßregelungen von Arbeitern, Prozessen und unerhörten Verurtheilungen von sozialdemokratischen Rednern und Redakteuren. Denn was der Mensch säet, das wird er ernten!(Chemn. fr. Pr.) Agitationscomits. .VW-|.'gl.s}.Mittwo(h, den 13. Juni, präcise Abends 9 Uhr, Bersamni lang im Lokale des Arbeiterbildungsvereins. D. B. m richten" in Harnisch gebracht. Auch sie drucken den Waschzettel ab, der jetzt durch die gegnerischen Blätter die Runde macht, und vergessen natürlich nicht, den Schluß hinzuzufügen:„Hoffentlich ist der Tag nicht mehr fern, an welchem die deutschen Arbeiter Abrechnung halten mit ihren publizistischen Maulhelden, die es wagen dürfen, sie mit den Scheusalen der Pariser Kom- mune in einen Topf zu werfen, ja jene ihnen als Märtyrer der eigenen Sache zu oktroyiren." Ich fühle mich verpflichtet, den „Schl. Nachr." zu erwidern, daß auch wir deutsche Arbeiter hoffen, uns einst mit einer Klasse von Menschen auseinandersetzen zu können, die auf das Prädikat„Scheusal" einen weit größeren Anspruch machen dürfte als die Pariser Commuuards, und daß wir entschlossen find, die nationalliberale Sache uns nicht auf- oktroyiren zu lassen. Was das Maulheldenthum der sozialistischen Redakteure anbetrifft, so verlohnt es der Mühe nicht, darüber ein Wort zu verlieren. Unsere„Schl. Nachr." haben es sich seit dem letzten Quartalwechsel ganz besonders angelegen sein lassen, die Sozialdemokratie zu bekämpfen, und zwar auf ver- schiedene Weise, bald indem sie die Partei, sowie ihre„Führer", und die Presse verunglimpfen, und eifrig,'.wenn auch vergeblich, bemüht sind, dieselben in den Koth zu liehen, bald indem sie Volks- wirthschastliche Artikel bringen, welche aber nichts weniger als wissenschaftlich sind, weil deren Schlüsse dermaßen aller Logik Juwiderlaufen, daß selbst unsere Spießbürger ungläubig die köpfe darüber schütteln und dieselbe» einfach für dumme Schrei- berci erklären. Wenn aber dies letztere Kampfesmittel unseren „tztachr." absolut ohne Wirkung bleibt, so erreichen sie durch das erstere vielfach ihren Zweck, sie mache» deshalb auch fleißigen Ge- brauch davon. Außer diesen beiden Kampfesmitteln bringen sie bei gegebener Veranlassung noch ein drittes in Anwendung, sie nehmen nämlich den Zaunpfahl zur Hand und winkten damit dem Staats- anwalt, und zu unserer Verwunderung brachten sie dies Mittelchen in voriger Woche auch gegenüber der konservativen„Neuen Zeitung", einem in unserer Nähe erscheinenden Blatte, in Anwendung. Doch hiermit genug von unserem Nachrichtenschreiber. Seine Partei, welche früher in unserem Kreise dominirte, hat bei der letzten Rcichstagswahl einen argen Stoß erlitten, und ist jetzt so ziem- l lich„im Buddel". Jetzt haben wir es hauptsächlich mit den „Fortschrittlichen" zu thun; diese sind uns insoweit gefährlicher, als sie außer den schönen Eiaenschaften der ihnen stammverwandten Nationalliberalen auch noch die der politischen Heuchelei im höchsten Grade besitzen, und ihr Bannerträger. Hr. Meier, hat es seiner Virtuosität hierin zu danken, daß er bei der letzten Reichstags- wähl den Sreg errang. Anknüpfend hieran habe ich den Genossen unseres Kreises zu berichten, daß in letzterer Zeit ein fortschritt- licher Wahlvercin hierorts gegründet ist, der auch bereits seine Fühlhörner auf das Landgebiet ausgestreckt hat; auch wird der- selbe wahrscheinlich schon im nächsten Herbst den Bauernfang beginnen, wobei Herr Meier dann nicht ermangeln wird, über seine große Thätigkeit im Reichstage zu berichten. Er wird dabei auch jedenfalls bemüht sein, den Bauern plausibel zu machen, daß ihr Heil nur bei den Fortschrittlern zu finden ist. Unsere Genossen werden daher aufgefordert, jedenfalls diese Versamm- An die Sozialisten in Baden! Endlich sind wir in der Loge, einem längst gesühlten Bedürfnih ab- zuhelfen, nämlich die Agitation in Laden, besonders im badischen Ober- land, kräftiger als bisher zu betreiben. Herr DreeSbach wird näch- stens Baden bereisen und die Agitation in Verbindung mit dem in Mannheim bestehenden Centralorganisations-Comitä leiten. Partei- genossen in Baden! Wohl selten ist Euch eine solche günstige Gelegen- heit geboten, für unsere, für Eure Sache zu wirken, als gerade jetzt. Wem es daher Ernst ist mit unseren Prinzipien, der beeile sich, schleu- nigst seine Adresse an Herrn Buttle, I. 5. 16 in Mannheim einzu- senden, damit das Weitere veranlaßt werden kann. Wir thun unsere Pflicht, thut auch die Eure! Bleibe Keiner zurück! PH. Koch. NB. Die Sammellisten für den Preßfond des„Psälzisch-Badischen Volksblattes" wolle man längstens bis Freitag, den 15. Juni, an den Kassirer Hrn. Königshausen, I. I. 23, nebst dem gezeichneten Betrag einsenden. D. O. Briefkasten der Redaktion: 5. M.: Die Adresse von Marx ist: ilaitlanck I'srK Read, N., London. Weder von den„Grundzügen der Nationalöko- nomie" noch von der„Grund- und Bodenfrage" ist bis jetzt der zweite Theil erschienen. Es werden alle Diejenigen, welche hierorts noch mit Geldern für Abonnement, Schriften und Broschüren im Rückstände sind, ersucht, schleunigst ihren Verpflichtungen bei dem Unterzeichneten nachzukommen. Kiel. Chr. Starck. Quittung. F. Ws. Christophsgrund Ab. 21,20. Wbr. Wandsbeck An. 1.80. Rdl. Halle An. 0,50. Mknsy. Düsseldorf Ab. 13,60. Knzlmn. Reutlingen Schr. 16,05. Gtz. Oelsnitz Ab. 5,20. Pngr. Bremen Ab. Ll>,00. Hcht. hier Schr. 2,64. Wllck. hier Ab. 2,70. Dhn. Volkmars- darf An. 7 00. Arnldt. Königsberg An. 3,00. Oßmn. Erfurt Abon. 25,00. Gr. Osnabrück Ab. 9,10. Trst. Kl..Zschocher Ab. 3,95. ' Berliner Wahlfonds. Bon 3 Schlossern in Leipzig d. F. 6,30. V. einem Lehrer Ostpreußens 1,50. V. Vgt. Halberstadt 5,88. B. E. Rebentisch Tannen- derg 0,50. Von Arbeitern der Cichorius'schen Cigarrenfabrik hier 3,55. V. C. F. Nonnenhorn 5,00. V. Arbeitern d. Brendel'schen Schneider» Werkstatt 6,50. Anzeige» M Mitglieder-Versammlung des Volksvereins. �41 II, NN. Am Mittwoch, den 13. Juni, Abends 8>/, Uhr in Bohm'S Salon, Breitestr. 32. Tagesordnung: Vortrag. (0,50] H. Walther, Wilhelmstr. 5«UI. NB. Die Interims karten können abgegeben werden. Am Mittwoch, den 13. Juni, Abends präcise 9 Uhr in ./liUJNN. Heinsohn's Salon: Oeffentliche Versammlung. (0,80] Tagesordnung: Abrechnung des Arbeiter-Wahlkomitö's. A. Forschner. NB. Die Herren Vorsitzenden oder Leiter der verschiedenenen Ge- werke werden ersucht zu erscheinen. Sonnabend, den 16. Jnni, Abends SVa Uhr, --Olvlv|vlv. bei Kahl, Heeperstraße:(50 Allgemeine Sozialisten-Versammlung. Tagesordnung: Berichterstattung über den Sozialistenkongreß in Gotha Ortitlli/t Donnerstag, den 14. Juni, Abends>„9 Uhr, im O* Saale des Hrn. Michael, gr. Windmühlcnstr. 7: Oeffentliche Sozialistenversammlung. Tagesordnung: Diskussion über die Verhandlungen des Sozialisten- Congresses.(Fortsetzung.) Der Agent.(60 Bund der Tischler u. verwandter Berufsgenosscii Sonnabend, den 16. Juni, Abends>/, 9 Uhr in Saale von Michaeli: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: 1) Die Arbeitstheilung. 2) Die Statistik. Zahlreiches Erscheinen erwartet(0,70] D. B. Donnerstag, den 14. Juni, Abends 9 Uhr in Buk Titz II(L II. meister's Salon;(Ä Volksversammlung. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Max Stöhr. F. Hecrhotd. 5Bm schwarzen Bären. Donnerstag, de, MaUvvvrU. l4�Juni, Abends 8 Uhr: Großer rhetorischel Vortrag von Hermann Weber-Gordou:„Franz von Stckingen." Histor. Tragödie v. Ferdinand Lassalle. Im Austrage der Wandsbeck« Sozialisten: W. Kluge. I. F. Heitmann. Näheres die Tageszettel. Enttee 25 Pf.(F. ZZ1)[180 Einem Mechaniker, welcher sich selbstständig zu machen gedenkt, ist Gelegenheit gegeben, sich zur Etablirung eines Nähmaschinengeschäfte», die nöthigen Maschinen, Werkzeuge, Schablonen:c. nebst Lokalitäten z» miethen. Frankirte Offerten wolle man an C. Hardt in Darmstadt, Hochstraße 24 richten.(2b)[150 Vom 1. Oktober d. I. ab erscheint in Königsberg i. Pr. eine sozial- demokratische Zeitung, die '„Königsberger freie Presse." Zur Verbreitung derselben werden Verttauensmänner und Korr» spondenten aus allen Orten der Provinz und über diese hinaus gesucht Ges. Meldungen bittet man»ud B. 171 an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse(Braun u. Weber) in Königsberg i. Pr. schleunigst einzusenden.— Diskretion selbstverständlich.— Prospekte werden sofort gratis zugeschickt(F. ,80.)(12» Alle sozialdemokratischen Blätter werden ersucht, dieser Annonce die weiteste Verbreitung zu verschaffen. Bon nachstehenden Schriften wurden die Preise wesentlich herab- gesetzt und empfehlen wir dieselben zur weitesten Verbreitung: Auerbach, Tagebuch aus Wien....... Mark—. 70. Bergmanns Fluch. Bericht über den Delegirtentag säch- sischer Berg- u. Hüttenarbeiter zu Zwickau 1874..—. 10. Blos, W„ Unsere Preßzustände..........—. 10. 1 Bürgerkrieg in Frankeich............—.15. Eulturkampf und Volksschule in Preußen.....—.10. Die parlamentarische Thätigkeit von 1871—74....—. 10. Die Volksschule und die Lage ihrer Lehrer in der Provinz Preußen................—.10. Eccarius, I. G., Kampf des großen und kleinen Kapitals.—. 15. Engels, F. Zur Wohnungsfrage. 3 Hefte......—.30. -- Bakuniften an der Arbeit..........—. 10. Herr v. Treitschke der Sozialistentödter und die Endziele des Liberalismus..............—.20. Hillmann, Praktische Emanzipationswinke......—.10. -- Die Organisation der Massen........—.20 Hirsch, die Partcipresse, ihre Bedeutung und Organisation.—. 10. Liebknecht, Ueber die politische Stellung der Sozialdemokatie—. 10. -- Wissen ist Macht— Macht ist Wissen. 2. Aufl...—.20. -- Reichstagsredc 1874............—. 10. Preußischer Schnavs im deutschen Reichstage.....—.05. BolkSstaat-Kalender für 1874.........— 20. -- für 1875............. 20. Wohnungsfrage. Eine soziale Skizze.......—! 10. Jorck, Die industtielle Brbeiterftage........—.10. Die Filialexpeditiouen werden um sofortige Mittheilung ihres Lagerbrstandes ersucht, damit wir ihnen die Preisdifferenz gutschreiben können. Spätere Reklamationen können keine Berücksichligung finden. Leipzig, den 7. Juni 1877. Dir Expedition de»„Vorwärts". Wir empfehlen unsere Beilage zur„Neuen Welt" Nr. 20, ent» haltend: Karten vom russisch-türkischen Kriegs- Leipzig. Preis pro Stück 10 Psg. In Partien billiger. Die Expedition der„Neuen Welt". Färberstr. 12. IL Bei der Volksbuchhandlung in Zürich ist erschienen und durch uns zu beziehen: Der Staat vom sozialdemokratischen Standpunkt aus. Eine Auieinandersehung mit den„Anarchisten". Bon Hermann Greulich, Redakteur der„Tagwacht". gl/. Bogen groß Okta».— Preis 25 Pf. Die Buchhandlung de«„Borwärts". Im Berlage von Gebr. Fey in Frankfurt a/M. ist in 2. Auflage erschienen und durch uo» zu beziehen: Erinnerung an Börne. Einzelpreis 20 Pfg. Die Buchhandlung de«„Borwärt»". Wir emplehlen: Die Quintessenz des Sozialismus� 68 Seiten Oktav. Preis M. 1,20. Durch die Buchhandlung des„Vorwärts" ist zu beziehen: Im Berlage de» BerlagSmagazin Zürich ist erschienen und durch unS zu beziehen: Theokratisches Kirchenthum und Autokratische Justiz Ein Gotteslästerungs- Prozeß vor dem Schwurgerichte in Eßlingen. Preis pr. Expl. 75 Pf. Die Buchhandlung de» „Vorwärts". Soeben erschienen und durch uns zu beziehen: Waldverwüstung und Überschwemmung. Ein Kapitel der Grund- und Bodenfrage. Bon Keorg'Dolkmar. Preis pro Exemplar i5 Pfennig. B lamworil.cher R dakteur: R. Seiffert'N Leipzig. Redaktion und Expedition Färberstraße 12/ IL in Leipzig. Druck und B-rieg der G-noff'.nstattSbllchdruckerei in Lechze « Ol J. ft b t> N bezi folg