I soll tbuch ektur betr. e.— t hnen sigen !ann. oort: > zu-! qt-i chtet, jung! linge 1 die' erscheint in Leipiig Mittwoch, Zreitag, Sonntag. ÄbonnemcntspreiS sür ganz Teutschland t M. 00 Ps. pro Quartal. Monats»AbonnemeiitS werden bei alle» deutschen Poftansialten aus den L. und 3. Monat, und aus den Z. Monar besonders angenommen: im »Smgr, Sachsen und Herzogth. Sachsen- Altenburg auch aus den lten Monat deb Quartals K 54 Psg. Inserate detr. Versammlungen pr. Petitzeile 10 Ps., betr. Privatangclegendciten und Feste pro Petitzeile 30 Ps. VorivärtK Vestelliliigen nehmen an alle Pollanstaltcn und Buch. Handlungen des In- u. Auslandes. Filial> Expeditionen. New-Aort: Soz.-demolr. Slcnollen- schastSbuchdruckerei, 154 Llllriesg'S k>tr. Philadelphia: P. Haß,«30 Korth 3'4 Stroet. I. Boll, 1129 Charlotte Str. Hodolen N.J.: F. A. Sorge, 215 Vash- in�ton Str. Chicago: A. Lansermann, 74 Ctydourne•»«. San FranziSeo: F. Tiitz, 4IS O'l'nrreli Ktr. London W.: C. Henze,» Nev'ltr. lZoiil«» Square. Kentrat Grgan der Sozialdemokratie Deutschtands. auch i 4» chpfr sung. Mittwoch, 27. Juni. 1877. orth >ort- �ind >.S0. llrtn cden !.L0. Parteigenossen! -Hof M- Ihr. Zern An- !rrn >lei» lben SS» Ihr, Z. I am> s?» Ihr,. y ier- [8»; en- °gS 1 ies- 150 »ölt ind [40 Schnell eilt die Zeit— wiederum naht ein Quartal seinem Ende, ein neues beginnt, und an seiner Schwelle nun erinnern wir Euch daran, Eure Pflichten gegen die Partei, gegen Euch selbst als Parteigenossen zu erfüllen. Ihr habt uns berufen, die Interessen der Partei zu fördern, über sie zu wachen; allein Ihr habt dies keineswegs gethan, um Euch dadurch auf den Beweis der Existenz einer Arbeiter Partei zu beschränken, sondern um in das Parteileben eine be- stimmte Willensrichwng zu bringen, um anzuerkennen, daß die Parteibewegung einen einheitlichen Charakter haben solle. Angesichts der Hindernisse nun, welche einer festgeschlossenen, formellen Partei-Organisation in Deutschland im Wege stehen, kann die Einheit der Partei nur gewahrt werden, wenn fort und fort das bewußte Streben nach einem Ziele uns Alle leitet, wenn wir uns einen geistigen Brennpunkt schaffen, der Jeden unter uns befähigt, ohne besondere Winke, zur Roth ohne formelle Bereinigungen, für die gute Sache des arbeitenden Volkes in Uebereinstimmung mit den übrigen Parteigenossen zu wirken. Dieser Brennpunkt ist vorhanden. Das Centralorgan der Partei, der„Vorwärts", ist längst von der Partei als solcher bezeichnet und gewürdigt worden. Was aber von der Gesammt- hcit proklamirt worden, das soll auch von jedem Einzelnen beachtet werden. Jeder Einzelne vonEuch, Parteigenossen, hat die Pflicht, das Centralorgan selbst zu lesen und zu verbreiten. Nur durch die Erfüllung dieser Pflicht kann ein Anrecht auf die direkte Zugehörigkeit zur Partei begründet werden. Die Zeiten sind schlecht, das ist wahr. Aber wer allein den „Vorwärts" nicht halten kann, der thue es mit zwei, drei Ge- nossen vereinigt. Jedenfalls muß Euch allen der„Vor- wärts" höher stehen, als die Lokalblätter— sollte dies nicht der Fall sein, dann hieße das Verzicht leisten auf das Kennenlernen der gesammten Arbeiterbewegung, die sich in keinem Blatte so vollendet abspiegelt als im„Borwärtsl" Parteigenossen! Ueberall in Nord und Süd, Ost und West, tretet ein für die Verbreitung des„Vorwärts", tretet jetzt ein, gerade der Quartalswechsel macht Euch die Agitation für das Centralorgan der Partei leicht. Thue jeder seine Schuldigkeit ohne Agitation kein Erfolg. Das Central-Wahlcomitö Deutschlands. � Auer. Brasch. Derossi. Geib. Hartmann. er- SO K"■ Ntl r! Str! 'st ic! »jt V S Man soll das Staatsoberhaupt nicht in die Debatte ziehen — so heißt es in den Parlamenten der constitutioncllen Staaten, und wenn wir auch weniger prüde sind, so bringen wir die Fürsten constiwtioneller Staaten doch nur selten in unsere Be- fprechungen politischer Dinge hinein, 1) weil wir wissen, daß die Fürsten selbst nicht so tzroßes Gewicht haben bei den politischen Ereignissen und 2) iveil mit de»„großen Herren" des Straf- gesetzbuchs halber schlecht Kirschen essen ist. Wir rühmen uns dieser„Feigheit"(die Bakunistcn werden es so nennen, besonders die, welche dem Czaren so auffällig aus dem Wege gehen) hier öffentlich, weil wir dieselbe für Klugheit halten und weil wir in den bedeutenderen politi- schen Fragen ganz bestimmt mit Energie zu schreibe» und zu handeln wissen. Daß wir trotzdem heute der Person des deutschen Kaisers hier Erwähnung thun, das hat seinen Grund darin, weil die preußische ministerielle„Provinzial-Correspondenz" in ihrer letzten: Nummer erklärt, der Kaiser habe vor seiner Abreise nach Ems die Minister um sich versammelt, um denselben in ernst bewegter Weise seine Besorgnisse wegen der auflösenden Be- strebungen auf dem kirchlichen und sozialen Gebiete aus- zusprechen und sie vertrauensvoll zu festem gemeinsamen Wirken bei den sich daraus ergebenden Aufgaben aufzufordern. Um die„auflösenden Bestrebungen" auf kirchlichem Gebiete wollen wir uns nicht besonders kümmern, ihnen stehen die liberalen„Kulturkämpfer" viel näher. Wir danken diesen Herren vorläufig für eins: Sie haben den einen großen Pfeiler, der das„Gottesgnadenthum" stützt, die„Kirche" durch ihre„Kultur- bestrebungen" sehr wacklig gemacht— daß dieselben uns immer während die atheistischen„nivellirenden und demoralisirenden" Tendenzen in die Schuhe schieben, das kümmert uns nicht; wir sind im Stande, alle Consequenzen unserer Bestrebungen gern und freudig zu tragen, wir sind auch klug genug, diejenigen Bestrebungen feindlicher Elemente, sofern sie unseren Anschauungen dienlich imd, zu befördern und auszunützen. Wollen jene Herren aber in letzter Stunde noch vor der römischen Kirche und vor der protestantischen Orthodoxie zu Kreuze kriechen, so haben wir nichts dagegen— ihre destruktiven Gejctze haben nachhaltig gewirkt und den auflösenden Tendenzen aus kirchlichem Gebiete den weltlichen Segen ertheilt. Daß der deutsche Kai» er, als er die betreffenden Gesetze unterschrieb, dies nicht annahm, vielleicht auch nicht annehmen konnte, wollen wir gern zugestehen, aber es steht fest, daß gegenwärtig in den dem Kaiser näher stehenden Kreisen eine entschiedene Umkehr in k-rchenpolitischen Dingen vorgeschlagen wird, und daß darauf hin die bezüglichen Worte des Kaisers wahrscheinlich hinzielen. Wir haben die Ueberzengung und freuen uns auch dessen, daß es nun zu spät ist. Sollte auch eine scheinbare Verständigung der omnipotenten Kirche mit dem omnipotenten Staate stattfinden, sollten die protestantisch-orthodoxen Priester auch für diese Verständigung mit der römischen Kirche aus naheliegenden Gründen voll und ganz eintreten, so hat doch das Volk— ob es katholischer, protestantischer oder atheistischer Anschauung ist— aus dem langen Streite die rechte Lehre gezogen: Staat und Kirche verbinden sich immer, wenn es gilt der Freiheit an den Kragen zu gehen, sie entzweien sich nur, wenn es gilt, die der Freiheit geraubten Güter zu theilen. Und das Volk hat ein gutes Gedächtniß! Daß auch der zweite Pfeiler des„Gottcsgnadenthums", der privilegirte Grundbesitz, von eben denselben guten Berathern des Königthums durch die wirthschaftliche Gesetzgebung in Deutsch- land, welche den Finanzbaronen und Schornsteinrittern das Heft in die Hände gespielt hat, endgültig vernichtet worden ist, freut uns wiederum— wir haben an solchen„destruktiven Arbeiten" selbstverständlich unser Vergnügen, daß aber jene„Umstürzler" keinen anderen Pfeiler, die Liebe des Bokes, errichtet haben, ist natürlich ihre Sache. Der Kaiser soll in Bezug auf die auflösenden Bestrebungen auf sozialem Gebiete auf das jüngste Wahlresultat im 6. Ber- liner Wahlkreis hingewiesen haben— auch darüber freuen wir uns. Können sich aber auch alle diejenigen freuen, welche veranlaßt haben, daß offiziell der Nothstand in diesem Theile Berlins, resp. in Berlin überhaupt, abgeleugnet wurde!? Ist denn von Staatswegen bis jetzt irgend etwas für das uothleidende Volk geschehen? Soll der Staat seine besten An- gehörigen, die Arbeiter, ohne einmal den Versuch zur Hülfe gemacht zu haben, in grenzenloser Roth zu Grunde gehen lassen? Soll der Staat gar nichts thun, um solche Kalamitäten, wie sie jetzt hereingebrochen sind, für die Dauer zu beseitigen? Soll der Staat zusehen, daß Millionen elender und einige Tausend übennäßig reicher Leute ihm zur Last fallen, die einen durch Verbrechen aus Noch, die Ander» durch Verbrechen aus Ueber- muth hervorgerufen, oder die Einen durch ihre Armuth, die Andern durch ihre Faullenzerei? Aus alle solche Fragen erhalten wir von der herrschenden Gesellschaft und von den maßgebenden Bcrathern des Staates ungenügende Antworten---- Unsere Antwort aber darauf, die Antwort des Volkes, lautet: „Wenn die heutige herrschende Gesellschaft, wenn der heutige Staat die elenden gesellschaftlichen Zustände nicht aus der Welt schaffen will oder schaffen kann, dann muß eine andere Macht auf dem Kampfplatz erscheinen und die Geschicke der Menschheit zum Guten lenken— diese Macht ist der Sozialismus, sein Bannerträger ist die Wissenschaft, sein Schild ist das Recht." Der deutsche Kaiser aber wird, wenn er die eine Thatsache ins Auge faßt, daß auch in„seinem" Reiche, wie in allen Kulturstaaten, gerade die gegenwärtigen sozialen Machtverhättnisse und die gegenwärtigen Gesetze die„auflösenden Bestrebungen auf sozialem Gebiete" ssind, einsehen müssen, daß neue Macht- Verhältnisse, neue Gesetze, welche das Volk, das arbeitende Volk, welche der Sozialismus hervorrufen wird, den„auflösenden Bestrebungen auf sozialem Gebiete" einen Damm entgegensetzen und Ruhe und Frieden, Volkswohl und Bruderliebe auch in Deutschland herstellen müssen._ Krupp in England. Die Kapuzinaden des Kanonenkönigs gegen den Sozialis- mus und die deutschen Arbeiter sind von dem„Bund der eng- tischen Arbeitgeber" in's Englische übersetzt worden und haben ihre Wirkung gethan. Die„Jndustrial Review", unter wel- chein Titel seit einiger Zeit das Hauptorgan der englischen Ge- werkschaften, der„Beehive" erscheint, macht sich in seiner Nummer vom 9. d. das grausame Vergnügen, die Ergüsse des „schwatzhaften Mannes, der, gleich den meisten mit übergroßer Redseligkeit behafteten Leuten von Dingen zu sprechen liebt, von denen er nichts versteht", in einem besonderen Arttkel kritisch zu behandeln. „Wir kennen die Masse der deutschen Arbeiter nicht ge- nügend" sagt das englische Gewerkschaftsorgan,„um wissen zu können, ob der Sozialismus, welcher in dem Briefe des Baron Krupp beschrieben wird, irgend ausgedehnte Verbreitung unter ihnen hat. Wir hoffen nicht, denn dieser Sozialismus ist höchst albern und unsinnig. Wenn die preußischen Sozialisten ihren Mitbürgern das Eigenthum rauben wollen, so ist das sehr frevelhast. Wenn sie ungeschickte, unerfahrene Arbeit an die Stelle geschickter und erfahrener Arbeit setzen wollen, so sind sie größere Narren, als unserer Ansicht nach irgendwo, selbst nicht im dunkelsten Winkel der Erde existiren können. Wenn diese verrückten, hirnlosen Menschen, wie unser guter deutscher Ka- nonenmacher(our xoock xennan gunrnaker) uns vorredet,„alles Eigenthum, das Erbrecht, jeden Thron, jede staatliche Ordnung vernichten, abschaffen," und wenn„Viele von ihnen sogar offen oder indirekt die Religion und die Ehe abzuschaffen beabsich- tigen", dann haben wir einfach zu erklären: das Krupp'sche Etablissement ist eine Pesthöhle von gemeinfährlichen Tollhäus- lern, die vor die Mündungen der Riesenkanonen, die sie jetzt zu machen haben, gebunden und in Atome„geblasen" werden sollten."*) *) Eine in Indien gebräuchliche Hinrichtungsart, die von den phi- lanthropischen Engländern während des letzten Sipoy-Aufstandes mit xnsto an Tausenden von Rebellen ausgeübt wurde. Nach dieser ironischen Einleitung beschäftigt das englische Gewerkschastsorgan sich mit einigen volkswirthschaftlichen Weis- heitssprüchen des„guten Kanonenmachers", und kommt dann, nachdem es dessen„Zustand geisttger Verwirrtheit"(condition of mental conl'uaion) constatirt hat, zu den Aussprüchen des Essener Pabst-Kaisers über die englischen Arbeiter und Arbeiter- Verhältnisse. „England wurde groß und mächtig durch seine Industrie", schreibt Herr Krupp.„Da bildeten die englischen Arbeiter Trade» union» und machten Strikes, um von ihren Arbeitgebern höhere Löhne zu ertrotzen. Dies hat zur Folge gehabt, daß viele Arbeit in's Ausland geschickt wurde, und die deutsche In- dustrie hat aus dieser verkehrten Taktik der englischen Arbeiter Bortheil gezogen. Das sei Euch(den deutschen Arbeitern) eine Warnung! Wenn Ihr das schlechte Beispiel der englischen Arbeiter befolgt, so wird auch unsere Arbeit in's Ausland ge- trieben." Ei! Ei! Herr Krupp ist offenbar durch die Heul- meiereien des Organs unseres Arbeitgeberbundes, des„Lapital and Labour"(Kapital und Arbeit"— der Titel des englischen Fabrikantenblättchens) genasführt worden. Also einst war Eng- land ein reiches, prosperirendes Land. Aber die englischen Ar- bester geriethen auf Irrwege und warfen sich in die Trades- union-Bewegung— das war ungefähr um das Jahr 182S, wo die Gesetze gegen die Arbeiterverbindungen(Coalittonen— die sogenannte eombination- law») widerrufen wurden. Und seitdem ist England von seiner Höhe gesunken und die unvernünftige ' Thorheit der englischen Arbeiter ist Deutschland zu Gute ge- »kommen.„Ist das Hundstags-Tollheit(midsummer mad- nes»), oder verkehrt gelesene Geschichte, wie man Hexensprüche rückwärts liest? Was bezweckt„Baron" Krupp mit solch tollem Blödsinn?(Wiat doe» Baron Krupp man by uttering such wild folly as this?) Im Jahre 1849, ehe die Trades-Unions Zeit gehabt hatten, ihre„schlimmsten Wirkungen" hervorzu- bringen, belief sich die Aussuhr Englands an Dampfmaschinen und allen andern Sorten von Maschinen auf 700, 000 Pfd. Sterling in Gold.-- Wohlan, im Jahre 1875 betrug die englische Maschinenausfuhr neun Millionen Pfund Sterling in Gold. Wir sind so gründlich„ruinirt" worden, daß wir statt für 700,000 blos noch für 9,000,000 ausführen! Und dieses „entsetzliche Unglück" verdanken wir dem Umstand, daß die eng- tischen Arbeiter Gewerkschaften haben und nach höheren Löhnen streben. Scherz bei Seite! Wir glauben nicht, daß„Baron" Krupp wissentlich eine Unwahrheit sagt. Er sprach wahrschein- lich aus Unkenntniß." Und mit diesem mitleidigen Trost entläßt das Organ der Trades-Unions den unglücklichen„Baron" Krupp, um sich gegen das Fabrikantenblatt„Capital and Labour" zu wenden, das den mildernden Umstand der Unwissenheit nicht bean- spruchen könne. Armer„Baron" Krupp! Zur Lage der kleinen Geschäftsleute. Die„Duisburger Volkszeitung" bringt eine kleine Episode aus dem Geschästsleben, die auch für unsere Leser von Interesse sein dürfte. Nachdem ihr Gewährsmann erzählt, daß er bei einem Freunde, einem kleinen Ladeninhaber, zum Besuch gewesen sei, heißt es folgendermaßen: „Kaum waren wir eingetreten, als ein Junge, bettelnd, ein- trat und kurz daraus mit einer Schnitte Brod entlassen wurde. Nach Verlauf von einigen Minuten trat ein Handwerksbursche ein, um sich einen Zehrpfennig zu holen. Ein sehr ärmlich ge- kleidetes Mädchen holte hierauf ein halbes Pfund Mehl, das Kind hatte einen Pfennig zu wenig und wurde entlassen mit der Weisung, den Pfennig später mitzubringen. Ein älterer Arbeiter trat ein mit Thränen in den Augen(der Mann hatte offenbar niemals gebettelt) und während er mit halb erstickter Stimme seine Bitte um ein Almosen vorbrachte, rieselten die Tropfen hell über seine Wangen herab. Dem Manne folgten zwei Frauen, welche etwa für 50 Pfg. Waaren holten und dieselben bezahlten. Ihnen folgte eine Frau, welche für 1 Sgr. Brödchen holte mit der Bemerkung, sie wolle sie„nachher bezahlen". Ein Junge kaufte eine Freimarke für 10 Pfg. und ein anderer ließ einen Thaler wechseln. Dann wurden zwei Kindern für 5 Pfg. Bonbons verabreicht, ein anderes Knd nach ihnen holte für l Pfg. Stecknadeln. Der Steuerdiener bringt die Steuerzettel, und mein armer Freund kratzt sich hinter den Ohren, weil die Communalsteuer schon wieder gesttegen ist. Es treten jetzt meh rcre Kunden ein, die ä Person für einige Groschen holen, mit ihnen der Briefträger, der ein Circular bringt, welches unfein Geschäftsmann benachrichtigt, daß die vereinigten Kaufleute von B. beschlossen haben, den Kredit von drei auf zwei Monate herabzusetzen." Nachdem der Einsender nun versichert hat, daß diese Schil- dcrung völlig auf Wahrheit beruhe, schließt er: „Arbeiter, Beamter, der du vielleicht noch eitx etwas erträgliches Einkommen hast, du hast wahrlich keine Ursache. diesen Mann zu beneiden, weil er etwa in Rock und Pantoffeln geht, er ist heute oft ärmer daran wie du, er lebt in glänzen- dem Elende." 6 Wir stimmen dem ganz bei, daß der Arbeiter, welcher jetzt ein erträgliches Einkommen hat, viel zufriedener sein kann, als der oben geschilderte Geschäftsmann. Aber hat denn der Einsender der„Duisburger Voltszeitung" gar keine Ahnung, weshalb es seinem Freunde so schleckt geht? Wir wollen es ihm sagen: Weil die Lohnarbeiter sämmtlich entweder gar kein„Einkommen" oder doch kein erträgliches haben. Hätten sie ein solches, so würde der kleine Geschäftsmann ebenfalls ein gutes Einkommen haben. Daraus erhellt aber, daß derselbe es mit den Arbeitern in guten und bösen Lebenslagen halten muß; daß er nicht, wie es jetzt fast immer noch geschieht, im öffentlichen Leben die Kapitalbesitzer unterstützen darf. In Berlin sind vielfach die kleinen Geschäfksleute aus ihrem Dusel erwacht, das haben die letzten Wahlen bewiesen— sie halten jetzt treu zur Sozialdemokratie. In den Provinzen haben diese kleinen Geschäftsleute übri- gens noch mehr Ursache, in ihrem eigenen Interesse Freunde der Arbeiterbestrebungcn zu sein, und zwar abgesehen von den oben angeführten Gründen, weil die Reichen und Bornehmen der kleinen Städte ihre Waaren und Bedürfnisse selten von den Geschäftsleuten der Stadt, in welcher sie wohnen, beziehen, sondern ihre Einkäufe bei den Engroshandlungen machen, da sie dort dieselben billiger erhalten. Paris und Berlin liefern den Herren die Kleider, Schuhe und Möbel, Hamburg die Co- lonialwaaren, und so haben Schneider, Schuster, Tischler und Krämer das Nachsehen— sie würden verhungern oder müßten ein anderes Handwerk ergreifen, wenn die Lohnarbeiter ihnen nicht zur Seite ständen. Sozialpolitische Uebersicht. — Aus der„besten der Welten". Die letzte vom statisti- schen Bureau der Stadt Berlin veröffentlichte Wochenstatistik beginnt wie folgt: „In der Woche vom 27. Mai bis 2. Juni wurden lebend geboren 81L, todtgeboren 30, es starben 569. Zugezogen sind 1537, fortgezogen(1325 Z- 189) Personen. Es sind demnach niehr geboren als gestorben 247, mehr zu- als fortgezogen 23, mithin hat sich die Bevölkerung vermehrt um 270. Unter den Lebendgcborcnen waren 98, unter den Todtgeborenen 10 außer- eheliche Kinder." Das klingt so alltäglich, daß den Meisten, die es lesen, nichts dabei auffällt. Und doch steckt in dem letzten Satz eine furcht- bare Summe sozialen Elends, enhüllt sich in ihm eine der „Nachtseiten" unserer Gesellschaft. Vergleichen wir die Zahl der lebend- und todtgebornen außerehelichen Kinder mit der Ge- sammtzahl der(lebend und todt) geborenen Kinder, so kommen wir zu dem Ergebniß, daß ein Drittel sämmtlicher todt- geborenen 5linder außerehelich geboren sind, während, die Gesammtzahl der außerehelichen Geburten weniger als ein Siebentel aller Geburten ausmacht, mit anderen Worten, daß die Zahl der todtgeborenen außerehelichen Kinder verhältniß- mäßig um weit mehr als das doppelte(etwa 5 zu 2) die Zahl der todtgeborenen ehelichen Kinder übersteigt. Es ist das bei- läufig„eine alte Geschichte". In welchen Abgrund des Elends und Verbrechens lassen uns aber diese Ziffern hineinblicken? Und wer, für den Menschlichkeit nicht ein leeres Wort ist, muß nicht mit all seiner Energie auf die Beseitigung von Gesell- schastszuständen hinwirken, welche dieses Elend und diese Ver- brechen erzeugen? — Das Wahlgesetz verordnet, daß wenn eine Wahl vom Reichstage für nichtig erklärt wird, die Neuwahl sofort anzuord- neu sei. Im 6. Berliner Wahlkreise ließ das„Sofort" drei Monate lang auf sich warten; weshalb, erfahren wir jetzt aus sicherer Quelle. Die„Vossische Zeitung" kündigte seinerzeit den Wahltermin für Dienstag vor Pfingsten an. Sofort begab sich eine Deputation der Fortschrittspartei zum Oberpräsidenten tcrrn v. Jagow nach Potsdam und erwirkte von demselben eine inausschiebung des Termins, bis der Candidat der Fortschritts- Partei Ludwig Löwe aus Italien zurückgekehrt sei. Herr Löwe genoß also schon von vornherein die Protektion der Regierung, und es wäre gar nicht nöthig gewesen, daß sich die Polizei am Wahltage zu seinen Gunsten verwendete, wie es bekanntlich der Fall war; man kannte die Katze ohnehin schon an den Pfoten. — So erzählt die„Berliner Freie Presse". —„Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser", so schreit Mäxchen's Seele nach Anerkennung seiner Reden und Thaten durch die liberale und fortschrittliche Presse, die ihm diese so beharrlich verweigert. In Nr. 25 des„Gewerkverein" liefet man nämlich einen Leitartikel:„Die Lehre des 14. Juni" unterzeichnet W. K.(Max Hirsch), in welchem sich in Bezug auf die bekannte Moabiter Versammlung folgender Jammerruf befindet:„Während jeder einzelne persönliche Hieb und Gegen- hieb(von den liberalen Blättern) wohlgefällig berichtet wurde, fertigte man die grundsätzliche Widerlegung seitens eines geladenen Reichstagsabgeordneten(Max Hirsch) mit Stillschweigen ab."— Armer Max! Während du glaubst, daß du die Sozialdemokratie grundsätzlich widerlegt hast, glauben die liberalen Zeitungen und selbst die dir befreundete „Volkszeitung", daß du Unsinn geschwatzt hast und schweigen, ! l.- Russische Greuel. Es liegt eine ganze Reihe von Nachrichten vor, welche darin übereinstimmen, daß die russischen Truppen im Kaukasus wie die Kannibalen hausen und alle Gesetze der Menschlichkeit mit Füßen treten. So telegraphirt der Berichterstatter des„Daily Telegraph" aus Suchum-Kale: „Seit meiner Ankunft sind mir täglich Berichte von russischen Grausamkeiten zu Ohren gekommen, und obwohl ich moralisch überzeugt war, daß die Berichte wahr seien, enthielt ich mich, dieselben zu telegraphiren, bis ich im Stande sein würde, per- sönlich das Innere dieses„russischen Bulgarien" zu besuchen. Dies habe ich nun gethan, und ich bin im Stande, zu erklären, daß Dörfer geplündert, Moscheen entweiht, Muselmanen mit dem Bajonnet gezwungen wurden, den moskowitischcn orthodoxen Glauben anzunehmen, daß Männer massenweise nach Sibirien transportirt und Frauen fürchterlich mißhandelt wurden. Die mir erzählten Geschichten lassen, gepaart mit dem, was ich gesehen habe, keinen Zweifel über die Strenge dieser Unterdrückungs- maßregeln." Am folgenden Tage meldet derselbe Correspondent:„Ich habe soeben Flüchtlinge aus drei Dörfern im Otocpsi-Thale ge- sehen, die von den Russen niedergebrannt wurden. Sie erklären, daß fünfzig ihrer angesehensten Männer gefesselt lveggeführt und andere Einwohner übel behandelt wurden." Aus K'onstantinopel berichtet ein anderer Correspondent des- selben Blattes:„Eine seltsame Geschichte wird mir von bester Quelle aus Ardahan mitgetheilt. In den amtlichen russischen Berichten über die Einnahme von Ardahan heißt es, daß, als der russische General in die Stadt einrückte, er 800 getödtete Türken vorfand. Ich werde nun aus einer äußerst zuverlässigen Quelle benachrichtigt, daß diese 800 Türken Männer, Frauen und Kinder waren; daß die Ursache ihres Todes ein Versuch auf Seiten der Einwohner war, gegen die Härte der Kosaken zu rebelliren; daß nach der Einnahme von Ardahan die Kosaken erbarmungslos Jedermann massakrirten, und daß bei der Ankunft des russischen Generals das Gemetzel entdeckt wurde." blos um dich zu schonen, diesen Unsinn todt. Armes verkanntes Genie! — Die Corruption der liberalen Presse. Ueber die „Kölnische Zeitung", das große rheinische Bourgeoisblatt, schreibt Otto Glagau, der sich selbst zur nationalliberalen Partei bekennt, Folgendes:„Selbst die„Frankfurter Zeitung" durfte der„Köl- nischen Zeitung" vorwerfen, daß diese um einen Thaler pro Zeile die„höhere Bauernfängerei" getrieben, daß sie nie ein Wort der Warnung gegen den verbrecherischen Schwindel gehabt habe. Gegen die großen Gründerprozeffe am Rhein brachte sie anfänglich entweder gar nichts, oder sie schlüpfte darüber mög lichst kurz hinweg. In Sachen der spitzbübischen„Rheinischen Effektcnbank" brachte sie die Ausführungen des Anklägers und der Civilpartei verstümmelt, dagegen die Plaidoyers der Wer- theidiger vollständig. Ihre Parlamentsberichte enthalten oft geradezu Fälschungen."— Wenn dieses Urtheil bei der„Kölnischen Zeitung" zutrifft, die doch noch ein anständiges Organ ist, wie würde sich dann erst das Urtheil gestalten, wenn Herr Glagau sich herabwürdigte, ein solches beispielsweise über die Berliner„Volkszeitung" oder das„Leipziger Tageblatt" zu fällen. — Zum Arbeiter-Risiko. Nach dem„Rh.-W. Volks- freund" belief sich zufolge einer amtlichen Registrirung im Jahre 1876 die Zahl der Unfälle in dem größten Fabriketablissement Essens(Krupp) auf nicht weniger als 1033 bei einer Arbeiter- zahl von 8000, d. h. es verunglückten mehr als ein Achtel oder 13 Prozent der Beschäftigten. Die Zahl der Unfälle im Jahre 1877 dürfte im Verhältniß zu 400 Unfällen, welche das Eta- blissement bereits im ersten Vierteljahr zu verzeichnen haben soll, eine noch höhere Ziffer und einen noch bedenklicheren Prozentsatz erreichen. Zu den registrirten Unfällen gehören nicht die leichten Verletzungen, sondern nur die erheblichen Verwundungen, welche ärztliche Behandlung erfordern und eine längere oder kürzere Arbeitsunfähigkeit nach sich ziehen. Mit Recht sieht der„Volks- freund" die Ursache jener übergroßen Zahl der Unfälle nicht in der Unerfahrenheit und Unachtsamkeit der Arbeiter oder in ungewöhnlichen Ereignissen, sondern vielmehr in der Verminderung der Arbeitskräfte unter Festhaltung derselben An- forderungen an Arbeitsleistung, ebenso in der Verlängerung der Arbeitszeit, vor Allem aber in der Mangelhaftigkeit der Schutz- Vorrichtungen an den Maschinen und einer unzureichenden Leitung und Ucbcrwachung.— Daß ein Schutzgesetz für die Arbeiter, daß ein strengeres und gerechteres Haftpflichtgesetz nothwendig ist, wird kein anständiger Mann, außer vielleicht dem Herrn Eugen Richter, bezweifeln. — Berurtheilungen. Herr Eduard Sack, Redakteur der „Frankfurter Zeitung", wurde am 22. Juni wegen Verächtlich- machung des Preßgesetzes in zweiter Instanz zu 6 Monaten Gefängniß verurtheilt. Die erste Instanz hatte auf Freisprechung erkannt.— Das Berliner Kämmergericht hat das stadtgerichtlichc Urtheil, welches Herrn Guido Weiß, Redakteur der„Wage", wegen Majestätsbeleidigung durch einen Artikel über den Drei- kaiserbund zu einer dreimonatlichen Festungshaft verurtheilte, bestättgt. Parteigenosse Götze in Chemnitz ist wegen Beleidigung des Reichsheercs in zweiter Instanz zu vier Monaten Gefängniß verurtheilt. Es steht ihm also nichts mehr im Wege, in dem bekannten rothen Thurm sein Quartier aufzuschlagen. — Etwas, was wir längst wußten. Die„Germania" bringt in ihrer letzten Sonntagsnummer(17. Juni) eine Be- trachtung über die Stellung der christlichen Fürsten'im Gegen- satze zum Papste. Ohne Gnade und Barmherzigkeit will sie die Ersteren unter Letzteren gestellt wissen,„denn— argumentirt sie ganz richtig— durch die Lossagung von dieser Autorität (der Autorität des Papstes) haben die Fürsten nur verloren. Die tief erschütterte fürstliche Autorität wird nicht eher wieder auf festem Grunde stehen, als bis sie sich der höheren päpstlichen Autorität unterwirft und dadurch wieder aller der Vortheile theilhaftig wird, welche einst die Kaiser des heiligen römischen Reiches besaßen." So weit die„Germania".— Mögen die Herren Liberalen und ihre Haupthähne auch noch so laut schreien: „Wir gehn nicht nach Kanossa!" sie werden doch nothgedrungen hingehen müssen, wenn sie wollen, daß die Kirche wieder alle Hebel in Bewegung setze, um das Volk zu verdummen, damit es in tiefehrfurchtsvollem Respekt vor dem Vorrechte der Geburt und des Geldsacks ersterbe. In Sachen des Kulturkampfes werden also die Herrn wohl nachgeben. Ob diese Nachgiebigkeit aber noch etwas nützen wird, und ob das Volk ihnen und ihren schwarzen Complicen nicht schon zu viel in die Karte gesehen Natürlich geschieht das stets im Namen der„Humanität". Die ekelhafte Heuchelei, die in der russischen Politik herrscht, waltet auch in seiner Kriegführung. Man wacht mit Sorgfalt darüber, daß kein Kosak eine Platzkugel in sein Gewehr ladet, erlaubt ihm aber, an Wehrlosen alle bestialischen Neigungen zu befriedigen. Rüder in Gotha. (Nach Goethe.) Kennst du die Stadt, wo die Congresse blüh'n, Im grünen Laub die rothen Fahnen glüh'n? Der brave Bürger steht und schaut sich um: Mein Kind, riechst du noch kein Petroleum? Kennst du die Stadt? Dahin, dahin Sah man im Mai den Leipz'ger Rüder zieh'n. Kennst du das Haus mit seinem weiten Saal Und hörtest dort die Reden ohne Zahl? Da drinnen haust der Sozialisten Brut; Verfalle nicht, o Bürger, ihrer Wuth! Kennst du das Haus? Dahin, dahin Sah man gespitzten Ohr's Herrn Rüder zieh'n! Kennst heimlich hinten du der Treppe Steg? Wer sucht zurück verstohlen seinen Weg? Wer flieht von bannen trüben Angesichts? Der außer Spott erlauschen konnte Nichts? Kennst du ihn wohl? Dahin, dahin Wird er im nächsten Mai nicht wieder zieh'». __(H.-A. V.) — Ein Pflästerchen auf die Wunde. Das fortschrittliche„Wahl- comits" im K. Berl. Reichstagswahlkreise hat an seinen Tandidaten, Hrn. Ludwig Löwe, folgende Adresse gerichtet:„Geehrter Herr! Wir er- achten es für eine Ehrenpflicht, Ihnen hierdurch auch öffentlich Dank und Anerkennung auszusprechen für den lebendigen Eifer, die große Hingebung und das Geschick, mit welchem Sie Ihre ganze Kraft ein- gesetzt haben, um unsern Wahlkreis der Sache der bürgerlichen Ordnung wieder zu gewinnen. Wir und mit uns die vielen Tausende unserer Mitwähler sind uns bewußt, daß, wenn irgend eine Candidawr geeignet gewesen wäre unseren Wahlkreis nach dessen langjähriger Desorgani- hat— das ist freilich eine andere Frage. Es müßte aber au blind sein das Volk, wenn es bei eintretender Wiedervereinigun zwischen den reaktionären Gewalten in„Kirche und Staat" niö einsehen sollte, daß diese Wiedervereinigung nichts weiter is als eine Verschwörung zu seiner ferneren Unterdrückung, zu sein« systematischen Verdummung und Ausbeutung. Man sei deshal auf der Wacht und halte die Augen offen! Sch. — Aus Belgien. Am 3. und 5. Juni tagte in Brüss« ein Arbeiter- Congreß, über dessen Verlauf einige Notizen au dem„Mirabeau" hier Platz finden mögen. „Eine große Masse von Arbeitern bereitete den Delegirte und den namentlich aus den vlümischen Landestheilen in große Zahl eintreffenden Besuchern einen begeisterten Empfang. Jl einem großen Zuge begab man sich nach dem Versammlungs lokal, wo ein Meeting abgehalten und ein energischer Protes gegen das Verfahren beim großen Kohlengräber- Strike voi Seraiug erlassen wurde. Am Abend war ein Bolksconcert ar rangirt, bei dem Dr. De Paepe einen Bortrag über„die Bor läufer des modernen Sozialismus in Belgien" hielt, der große» Beifall fand. Am Congreß waren durch 88 Delegirte folgende Städte ver- treten: Antwerpen, Brüssel, Gent, Mecheln, Berviers, Huy, Charleroi, Joliniont, Haine St. Pierre, Haine St. Paul, Fayt und Jemappe. Das Büreau des Congrcsses wurde beauftragt, an die Repräsentantenkammer einen Protest gegen die Ein-I Mischung der Behörden von Seraing und Lüttich gelegentlich des Strikes von Seraing einzusenden. Die Hauptfrage des Congresses>var die Feststellung der Statuten des„Sozialisttschen belgischen Arbeiterbundes". Die vlämischeu Delegirten beantragten durch ihren Sprecher Coenev von Antwerpen(Redakteur des„Wecker") Anschluß an die aus dem Congreß zu Mecheln gegründete Sozialdemokratische Arbei- terpartci Belgiens. Dieser Antrag veranlaßtc eine lange Dis- kussion, welche zur Annahme des folgenden von Bertrand (Brüssel) beantragten Beschlusses führte: „„Ter belgische Arbeitercongreß, versammelt am 3. und 4. Juni 1877, billigt die Idee, nur eine Organisation der Arbeiterkräfte Belgiens zu schaffen und zwar eine gleichzeitig politische und ökonomische Organisation. Er verbleibt bei dem Grundsatz der freiwilligen politischen Agitation, wie es am Congreß zu Gent beschlossen wurde. Die Arbeitskammer (Gewerkschaftsverband) von Brüssel ist beaustragt, einen Gegen- entwurf zu den von Gent unterbreiteten Statuten auszuarbeiten. Dieser Gesetzentwurf wird allen Arbeitergescllschaften des Landes zugesandt, diejenigen, welche mit Zweck und Hal- tung einverstanden sind, sollen ihren Beitritt anmelden und ein definitiver Congreß soll noch vor Ende des Jahres statt- finden. Oeffentliche Versammlungen zur Verbreitung dieser Idee sollen in allen Gegenden des Landes veranstaltet werden." — Die Auflösung der französischen Deputirten- kammer ist auf Antrag des Präsidenten Mac Mahon vom Senat mit 150 gegen 130 Stimmen beschlossen worden. Bei den Neu- wählen, die im September stattfinden, wird es sich zeigen, ob die reaktionäre(monarchistisch-imperialistische) oder die liberale (bourgeois-republikanische)Partei den größten Anhang in Frankreich hat, wenn bis dahin nicht schon durch einen Gewaltakt Lulu,„das Kind Frankreichs" zum Herrn Frankreichs gemacht worden ist. Die Bourgeoisrepuvlikaner sind zwar tapfere Helden auf der Parlamentstribüne, ob sie aber auch dem Säbel Widerstand leisten, das ist eine andere Frage— es fehlen ihnen hierzu die von ihnen hingemordeten Kämpfer der Kommune. Die Ver- saillcr„Ordnungsmänner"(Thiers, Gambetta zc.:c.) erhalten jetzt vielleicht schon ihren Lohn, sie sollen von den kaiserlichen „Ordnungsmänuern" zur Ordnung zurückgeführt werden—- und das Volk von Paris wird die Mörder seiner Söhne und Brüder nicht schützen. — Die Aussperrung der Schiffsbauhandwerker in Clyde(Schottland) ist nach den Mittheilungen der„Jndustrial Review"(ehemals„Beehive") in ein für die Arbeiter ziemlich günsfiges Stadium getreten. Daß ein Theil der Arbeitgeber(in Greenock) die Arbeit wieder aufnehmen niußtc, haben wir bereits mitgetheilt. Wie das englische Gewerkschaftsorgau meint, wäre Aussicht vorhanden, daß auch die übrigen Arbeitgeber zu baldiger Aufhebung der„Sperre" genöthigt würden. Uns icheint der Stand des Geschäfts diese Hoffnung kaum zu rechtfertigen.— Der Strike und Lockout der schottischen Kohlengräber von Fiese und Clackmannan, dessen wir wiederholt erwähnten, dauert fort. Auf einen Vermittelungsvorschlag der Arbeiter, der vorige Woche erfolgte, ist von den„Meistern" noch keine Antwort eingelaufen. In Südwales, Menmouthshire und Süd- Dorkshire > j sation wieder;u gewinnen, dies nur durch die Ihrige möglich gewesen wäre. Die Einmüthigkeit aller Parteien und die große Betheiligung an der Wahl bezeugen schlagend, daß der sclbstdenkende und freihcit- liebende Theil unserer Bevölkerung zu Ihrem bewährten Charakter volles Vertrauen besitzt. Lassen Sie sich deshalb weder durch die un« lauteren Angriffe, noch durch den Mißerfolg beirren, zwei Faktoren haben über unsere Macht hinaus zum Mißerfolge hauptsächlich beige- tragen: Der momentane Nothstand hat Tausende in die Reihen der Gegner getrieben und ein Theil der liberalen Presse hat uns in unserer schweren Arbeit nicht in genügender Weise unterstützt. Wir sind ge- schlagen, aber nicht entmuthigt! Die Zukuuft wird zeigen, daß wir nicht vergeblich gearbeitet haben."— Herr Löwe als guter Geschäfts- mann wird, als er obigen Schreibebrief erhalten hat, ausgerufen haben:„Was ich mir dafür kaufe!" — Die Perfidie der Fortschrittspartei wird von der„Frank- furter Zeitung" in folgender Weise sehr treffend geschildert: „Jedem das Seine"— darum heute der frciconservativen„Post" die Anerkennung, daß sie einmal richtig prophezeit hat. Nach der Wahl im sechsten Berliner Bezirk am 15. Juni schrieb das Blatt:„Die Fortschrittsblätter von heute Morgen meldeten ihre Niederlage aller- dings mit der rührenden Heuchelei, daß die vereinigten liberalen Par- teien betroffen seien. Es ist dies aber uur ein Kunstgriff der gewöhn- lichsten Art; denn wenn der Candidat der Fortschrittspartei gewählt worden wäre, so würde von dem liberalen Anhang mit keinem Worte gesprochen worden sein; alles Verdienst wäre der Größe und Herrlich- keit der Fortschrittspartei auf Conto geschrieben worden." Wirklich hieß es in der„Boss. Ztg." am 15. Juni:„Der Candidat der ver- einigten liberalen Parteien, Herr Löwe, erhielt zc.", jetzt aber nach der Wahl im fünften Bezirk schreibt dasselbe Blatt:„Bei der ReichstagSwahl im fünften Berliner Bezirk hat der Candidat der Fortschrittspartei, Dr. Zimmermann, mit großer Majorität ge- siegt." Womit allerdings die Nationalliberalen den ihnen von der „Post" vorhergesagten Fußtritt richtig erhalten haben. — Mac Mahonnat. Die Berliner„Tribüne" erzählt ihren Lesern, daß bei Gelegenheit der neuen Staatsstreichsaffaire in Frank« reich das Septennat Mac Mahons— Mac Mahonnat genannt werde und fügt hinzu, daß dies die neueste Bezeichnung des französischen Septennats sei. Ohne für die Sozialdemokraten ein besonderes Ver- dienst in Anspruch nehmen zu wollen, bemerken wir, daß der sieben- jährige Militärcompromiß, welcher von den Liberalen im Jahre 1874 mit der deutschen ReichSregicrung geschloffen wurde, von dem bereiten sich neue Conflikte zwischen den Kohlengräbern und Grubenbesitzern vor, da letztere nicht blas die Löhne immer mehr drücken, sondern auch— worüber das volkswirthschaftliche Licht Eugen Richter nachdenken möge— die Arbeitszeit ver- längern wollen. — Der Rubel auf Reisen ist thätig. Ein Gelehrter der reptilisirten und nun auch rubilisirten„Weserzeitung" hat entdeckt, daß die Russen gerade in Folge ihrer niederen Kultur besonders geeignet seien, die Türkei zu kultiviren; hätten sie eine „überlegene" Kultur, so wäre der Abstand zu groß und der Einfluß auf die Bevölkerung entsprechend gering. Daß Rußland es mit seinen Humanitätsphrasen nicht ernst meine, sei gleich- gültig, denn„für die Menschheit komme nichts darauf an, ob die Arbeiten, deren ihre Entwicklung bedarf, von dem Arbeiter mit Bewußtsein vollbracht werden."— Warum denn nicht sämmt- liche Zuchthäuser und Preßbureaus leeren und den Inhalt als „Civilisationsschlemme" über die Türkei ausschütten? Ueber- flüssige Moralität wäre da nicht zu befürchten. Isnd auch keine zu„überlegene Kultur". Sollte man aber doch in Bezug auf letzteren Punkt einige Bedenken haben, so könnte man ja eine Beimischung von Päscheräh's, Kalmücken et caetera geben.— Probatum. Beiläufig stehts mit den russischen Kriegsthaten so eigen- thümlich, daß selbst die rnbelgetränktesten Knutenanbeter verdutzt sind, und zugeben müssen, daß nicht Alles in Ordnung ist. Wenn man bedenkt, daß die russischen Truppen schon vor b Monaten am Pruth conzentrirt wurden, und schon vor länger als 2 Monaten den Pruth überschritten haben, so muß die Stärke der an der Donau„aufmarschirten" Armee wahrhaft lächerlich klein er- scheinen, namentlich verglichen mit den militärischen Leistungen Deutschlands im Sommer 1870. Was über das Mißlingen der russischen Armeereorganisation gesagt wurde, hat sich also bis jetzt»ollständig bestätigt. Dazu kommt die, nach allen Berichten, erbärmliche Verpflegung, die, an sich schlecht, durch colossale Unterschleife noch viel schlechter gemacht ist.— Di» pomphaft gemeldeten„glänzenden Erfolge" in Asien haben sich, mit Aus- nähme der Eroberung Ardahan's, deren Bedeutung aber colossal übertrieben ward, als ebenso viele Aufschneidereien erwiesen. Dagegen hat sich die Lage der Türken, besonders durch den immer mächtiger aufflammenden Aufstand im Kaukasus entschieden gebessert. — Trübe Aussichten für Rumänien. In Bukarest sieht man dem Beginne der Aktion mit Sorge entgegen. Man glaubt nämlich, daß die Verluste der Russen um so größer sein müssen, als es nachgerade feststeht, daß die Jnfanteriegcwchre die Türken viel weiter tragen als die der Russen, so daß letztere schon in Entfernungen Verluste zu erleiden haben, aus welchen sie das Feuer der Türken noch gar nicht erwidern können. Für die Bevölkerung von Rumänien wäre es ein entsetzliches Un- glück, wenn die Russen an der Donau eine Niederlage erleiden und ihnen der Uebergang nicht glücken sollte. Sie würden in einem solchen Fall die ganze ungeheure Armee für längere Zeit im Lande behalten, welche alsdann höchst wahrscheinlich jede Rücksicht auf die Convention aus dem Auge verlöre, so daß die Lage Rumäniens schlimmer würde, als die von Serbien.— Der rumänischen Regierung gönnen wir ihrer Perfidie halber diese unerquickliche Situation, dem rumänischen armen Volke natürlich nicht. — Man schreibt uns ans Bukarest: Am 9. Juni kam„Väterchen" nach Bukarest, woselbst er von 12—2 Uhr verblieb.— Der Bahnhof war für alle, außer die Dienst habenden und Empfänger, durch einen riesigen Aufwand von Polizei geschlossen, die Straßen waren offiziell beflaggt und durch zwei unvollendet gebliebene Triumpfbögen geschmückt(?!). Unter öer Menge vertheilt befanden sich bezahlte Buben, welche Hurrah rufen mußten. Uebrigens ist nicht viel interessantes zu sehen gewesen.— Den 16. Juni kam Milan, König in spe, von Belgrad hier an.„Väterchen" kam Abends ebenfalls nach Bukarest, aber nicht in die Stadt, sondern er blieb bis 11 Uhr Nachts bei einem wahrscheinlich recht frugalen Abendmahl mit Milan und Carl in Cottotrochin(Lustschloß des letzteren bei Bukarest). Samstag Morgens reiste Milan nach Ploesti ins Hauptquartier. Ob er noch Gelüste nach der Königskrone trägt, weiß ich nicht. Tritt Serbien in Aktion, dann dürfte auch Oesterreich ec. dazu beitragen helfen, die Schlächterei in Europa allgemeiner zu machen.— Ein Tscherkessenkapitän stieß sich in Jassy vor den Augen„Väterchens" den Dolch in die Brust als er von ihm keinen Pardon erhielt. Der Kapitän war einer der Anführer jener 300, welche in Ginrgewo die Kugeln von den Patronen genommen haben sollen und welche von dort entfernt wurden. — Hier in Bukarest hat alles Vergnügen an Sammlungen und „Neuen Sozialdemokrat" zu jener Zeit schon das„deutsche Mac Mahonnat" genannt wurde.— Nichts für ungut, liebe„Tribüne"! — Schöne Gesellschaft. Deutsche Blätter veröffentlichen eine Londoner Corrcspondenz, in welcher erzählt wird, daß der englische „Cobvenclub", der dieser Tage unter dem Vorsitz des Lord Hartington «in„Festmahl" abhalten wird, drei Deutsche zu Ehrenmitgliedern hat: Hrn. Karl Blind(der die betr. Correspondenz geschrieben hat), Hrn. Karl Schurz und Hrn. Schultze-Deiitzsch. Baterland, freue Dich! — Schwindel. Eine obskure Mainzer Buchhändler-Firma, die sich„Export-Buchhandlung Mainz" zeichnet, hat die Unverfrorenheit, einen ihrer neuesten Schundromane(die höchst wahrscheinlich aus einem Reptiliensonds ihr schandvolles Dasein fristen):„Das rothe Gespenst, oder: Bekenntnisse eines Sozialdemokraten; großer politisch- sozialistischer Zeitroman" dadurch zu empfehlen, daß ein Gottfried Bebel als Verfasser desselben figurirt. Der Sozialist Bebel heißt ab.r August; einen Gottfried dieses Namens gibt es zur Zeit nicht unter den Parteigenossen. Nun hat es die noble Firma jedoch auf doppelte Täuschung abgesehen. Einmal, um durch den Namen Bebel glauben zu machen, der Inhalt des Machwerkes sei einer sozialistischen Feder entflossen, das andere Mal, um durch Aussicht auf Prämien(die man zum vollen Werth bezahlen muß) leichtgläubige Gcmüther zu ködern. � Um eine Probe davon zu geben, weß Geistes Kind dieser Gott- fried Bebel ist, theilen wir die folgende Stelle aus dem Prospekte des in Rede stehenden Schundromans wortgetreu mit— daß aber Keiner lache!:„Alle die Anschläge, welche die Grundfesten des Staates zu erschüttern unternehmen, alle die Thaten, die von der geschlossenen Ver- bindung ausgehen, welche sich die Sozialdemokratie nennt— alle die Pläne, die im Verborgenen ausgeheckt werden und dann plötzlich in grauenvollen Wirkungen sich äußern, sie geben ein sprechendes Zeugniß für das Dasein des rothen Gespenstes."— Unsere Leser werden dafür sorgen, daß Niemand, den sie kennen und mit dem sie verkehren, aus den Leim gehe. "'Auch eine nette Pflanze. Durch die Zeitungen liefen vor einlgen Wochen mehrere Artikel, welche den Leipziger„Grenzboten" entnommen, ein gewisses Aufsehen erregten, da sie das Demijsionsge- such des Kanzlers mit den Bestrebungen einer„hohen Dame", die an- geblich gegen des Kanzlers Politik gerichtet seien, sowie mit Friktionen mit dem Finanzminister in Zusammenhang brachten. Die Freunde der betreffenden und betroffenen„hohen Dame" machten Miene, die Sache krumm zu nehmen, worüber der Redakteur der„Grenzboten" in sol- Charpiezupfen für Verwundete gefunden, auch eine Art, Huma- nität zu üben!— Soviel für heute, wenn ich einmal Zeit habe, will ich Ihnen ausführlicher schreiben. P. 8. Hiesige Blätter bringen keine Telegramme mehr über Kriegsereignisie, deshalb muß man, um etwas zu erfahren, nur ausländische Blätter lesen. — Unser Glauchauer Parteiorgan schreibt unterm 20. Juni: „Heute Vormittag l/,10 Uhr überraschte uns ein Bote der Ge- rechtigkeit mit seinem Besuch, eine gerichtliche Ordre vorzeigend, in welcher er zur sofortigen zwangsweisen Vorführung zweier Setzer und des Mafchinenmeisters beauftragt war. Zur Be- ruhigung können wir unseren Interessenten mittheilen, daß es sich hierbei nicht um einen Hochverraths- oder Majestäts-Belei- digungsprozeß handelt, sondern um einen Wahlausruf, in wel- chem sich Herr Professor Birnbaum in Leipzig beleidigt fühlt." Wir wollen dabei nicht unerwähnt lassen, daß Herr Birn- bäum erst seit seiner Niederlage im 17. sächsischen Reichstags- Wahlkreise ein so äußerst zart besaitetes Ehrgefühl zur Schau trägt. Ob aus Aerger über die Niederlage? wer kann das wissen. Aus der Türkei. V Constantinopel, 15. Juni. Meine in letztem Bericht ausgesprochene Meinung, daß die Demonstrationen der Sofias im Sande verlaufen würden, hat sich bewahrheitet. Der Belagerungszustand hat seine Wirkung gethan, und die auf Anregung einiger höheren Staatsbeamten, die seitdem theilweise verbannt wurden, heißgewordenen Sofias haben sich wieder abkühlen lassen. Im Uebrigen war die ganze Bewegung orientalisch ruhig gehalten, und die Berichte, die man darüber nach allen Weltgegenden ausgestreut hat, waren alle stark mit Uebertreibungen geschmückt. Das einzig Richtige bei dieser Demonstration dürfte blos der Umstand sein, daß man dahinter eine kleine Jntrigue von dem verbannten Midhat Pascha zu wittern glaubt, der hier unter den gebildeten Türken einen gewissen Anhang zählt, welcher von dem gegenwärtigen Rath- geber des Sultans, Mahmud Pascha Damat, nichts wissen will. Indessen zu weiteren Ausschreitungen der Softas dürfte es kaum kommen, denn die Regierung bewacht dieselben mit Argusaugen, und die leiseste Bewegung wird schon im Keime unterdrückt. Den Türken ist� das Politisiren auf's strengste verboten; ein Schwärm von Spionen ist über Constantinopel verbreitet, und wehe dem Türken, der ein Wort der Mißbilligung gegen die Regierung fallen läßt: er wird sofort arretirt, muß sodann längere Zeit im Gefängniß sitzen, oder wenn er der höheren Gesellschaft angehört, wird er exportirt. Die Polizeibeamten be- nützen übrigens auch diese Gelegenheiten, um von den Bestraften Geld zu erpressen. So kommt es z. B. vor, daß ein Angeklagter einen, zwei Monate sitzt, nie zum Verhör kommt und endlich entlassen wird, nachdem an ihm nichts mehr zu rupfen bleibt. Unter solchen Umständen ist die Apathie wohl erklärlich, die im türkischen Volke herrscht; die Furcht hält Alles zurück und nur durch wiederholte Niederlagen am Kriegsschauplatze dürfte die gegenwärtige Regierung von ihren Feinden etwas Arges zu be- fürchten haben. Durch den Krieg sind wir beinahe von der ganzen Welt ab- geschlossen, denn wir empfangen nur alle acht Tage einmal Nachrichten von Europa; von Deutschland mit dem Triester und von England und Frankreich gewöhnlich mit dem Marseiller Dampfer. Mit dem Durchlassen der Depeschen ist die Regierung sehr strenge; die Depeschen harmlosesten Inhalts werden manch- mal am Tclegraphenamt nicht angenommen. Die Regierung veröffentlicht wohl ziemlich regelmäßige offizielle Nachrichten vom Kriegsschauplatz, allein mit der Wahrhaftigkeit derselben sieht es sehr traurig-aus; so sind wir tagelang mit der Wiedereinnahme von Ardahan gefüttert worden, die sich schließlich, wie man es hier in eingeweihten Kreisen im Voraus wußte, nicht bestä- tigt hat. Von dem asiatischen Kriegsschauplatze haben wir bereits seit verschiedenen Tagen in offizieller Weise nichts zu hören be- kommen, indessen wird dieser Ausfall zur Genüge durch Nach- richten aus Montenegro gut gemacht, die alle von verschiedenen den türkischen Waffen günstigen Gefechten zu erzählen wissen. Weitere Berichte hierüber will ich nicht machen, denn die Rela- tionen der Regierung sind ziemlich widersprechender Natur, so daß man besser thut, noch Weiteres abzuwarten, bis man an Vortheile in Montenegro glaubt, die ohnehin ohne Wichtig- keit sind. Bis zur Stunde verlautet nichts Offizielles über einen Donau- chen Schreck gerieth, daß er klein beigab und den Artikeln eigenhändig die Spitze abbrach. Fürst Bismarck, dem von seinen Gegnern natür- lich die moralische Urheberschaft zugeschoben ward, mußte sich durch die ungeschickten Artikel auf's ärgste compromittirt fühlen. Nunmehr theilt die-„Berliner Westend-Zeitung" einen Passus aus einem Schreiben fttit, das die Ansichten des Fürsten Bismarck über den erwähnten Artikel und Hrn. Hans Blum wiedergiebt. In diesem Schreiben, dessen Ver- sasser nicht näher bezeichnet wird, heißt es:„Ich hätte es nicht gedacht .... Aber circa zwanzig und einige Minuten habe ich dem Fürsten doch abgerungen. Fünf davon kamen auf das Befinden, auf Friedrichs- ruh, auf Kissingen.... Endlich hatte ich die Unterhaltung so ge- wandt, daß ich die Grenzboten-Artikel auf's Tapet bringen konnte. Der Fürst verzog das Gesicht.„Ich will nichts davon hören", jagte er.„Ich will von dem Blum nichts wissen. Wie, habe ich Ihnen nie erzählt, was der mir schon einmal für einen Streich gespielt? Es war ini April 1869, als ich einen ersten Versuch mit einer parlamenta- rischen Soiree machte. Ich sage: Versuch. Denn an eine regel- mäßige Wiederkehr solcher Gesellschaftsabende hatte ich anfangs nicht gedacht, und in der That hätte sie Hans Blum mir fast verleidet. Gleich den ersten Abend konnte ich ihm keinen Augenblick entgehen, er war immer hinter und vor mir, sing jedes Wort auf, ja, ich iah ihn zuweilen den Bleistift gebrauchen. Ich ärgerte mich, machte jedes Mal auf den Absätzen Kehrt, wenn er mich anreden wollte, faßte den Grasen Bechusy-Huc oder sonstwen unter den Arm, ließ mich mit ihm in ein tiefes Gespräch über die Dressur der Jagdhunde ein, nachdem ich ihm zugeflüstert:„Lassen sie mich nicht los, bis der Blum fort ist", aber er wich und wankte nicht, verfolgte mich mit den Augen und die Hundedressur war nahezu erschöpft. Ich erblickte plötzlich LaSker, mit dem ich ohnehin ein Hühnchen zu rupfen hatte, und operirte so ge- schickt, daß es mir gelang, Lasker in einen Winkel zu ziehen, wo ich durch andere Abgeordnete gegen meinen Verfolger gesichert schien. In demselben Augenblicke war dieser an meinen Fersen und wollte mich an- reden.„Erlauben Sie einen Augenblick, Herr Blum, eine Angelegen- heit von der höchsten Wichtigkeit..." Das half, aber auch nur für einige Minuten. Am nächsten Morgen bin ich im Reichstage, studire auf meinem Platze ein großes Aktenstück, das mir eben aus Paris zu- gegangen. Da bringt ein Parlamentsdiener einen mit Bleistift ge- schriebenen Zettel von Hans Blum. Darauf steht:„Erlauben Sie, daß ich über die gestrige Soiree, die überall einen so herrlichen Eindruck hinterlassen hat, ein Feuilleton für die„Gartenlaube"— oder war es das„Daheim"?— schreibe?" Was sollte ich machen? Ich schrieb ärgerlich darüber: Meinetwegen. Nach acht oder vierzehn Tagen mußte ich dann lesen, daß bei mir auf der Soiree Witze erzählt worden 'Übergang der Russen, der nach hier sich verbreitenden und an Consistenz gewinnenden Gerüchten bereits stattgefunden haben soll. Ich meinerseits glaube aber nicht daran, da nach einge- langten Berichten das Wasser der Donan noch immer zu hoch steht, um den Uebergang jetzt schon möglich zu machen. Sie denken sich wahrscheinlich dort, daß seit Berhängung des Belagerungszustandes unsere Stadt bereits die Physiognomie angenommen haben dürfte, die die Städte in Europa gewöhnlich unter solchen Umständen anzunehmen pflegen; dem ist aber nicht so. Wir Europäer leben hier gerade so wie früher, können zu jeder Stunde in der Nacht ausgehen und werden von Nie- mandem behelligt. Diese günstigen Umstände verdanken wir den Capiwlationen, die auch während des Belagerungszustandes auf- recht erhalten bleiben sollen. Die Pforte soll bereits einige Versuche gemacht haben, um die Europäer während der Dauer des Belagerungszustandes ebenfalls unter das militärische Regime zu stellen, allein die hiesigen Vertreter der Mächte sollen da- gegen opponirt haben, daher ist Alles noch beim Alten. Diese hier verbreitete Version scheint mir aber nicht recht glaubhaft, ich bin vielmehr der Meinung, daß die Türken mit dem Belagerungs- zustand ebenso langsam zu Werke gehen, wie mit allen anderen Sachen. Die Sache wird langsam in's Werk gesetzt und der Krieg wird vielleicht vorüber sein, ohne daß wirkliche Belage- rungszustände in Constantinopel eingetreten sind. Die Langsamkeit, mit der hier Alles vorangeht, ist unbe- zahlbar und in keinem andern Lande wieder zu finden. Diese Langsamkeit findet man auch am Kriegsschauplatz, wo etwaige Bortheile in den seltensten Fällen ausgebeutet werden. Man darf sich deshalb auch nicht beklagen, wenn der Fortschritt in der Türkei nur ganz langsame Schritte thut, Alles ist dem lieben �arasob(Langsam) zuzuschreiben, mit dem der Türke ißt, trinkt und schläft und mit dem er sein Tagewerk beginnt, um wenigst möglich den ganzen Tag zu thun, da es schon wieder Abend wird, bis er sich zur Arbeit entschlossen hat! Correspondenzen. Wien, 19. Juni. Der„Vorwärts" erfreut sich einer sehr liebevollen Aufmerksamkeit seitens der löblichen österreichischen Behörden, welche von Zeit zu Zeit sich bemühen, ihn auch in solchen Kreisen bekannt zu machen, die bisher von seinem Be- stände nichts ahnten. Anlaß zu dem letzten Einschreiten„unseres Tessendorff" gegen den„Vorwärts" gab eine Correspondenz aus Wien, welche die Vergehen nach Z 300 und§ 302 des Strafgesetzes enthalten soll. Diese Paragraphen sind die berüchtigten und genugsam gebrandmarkten Haß- und Verachtungsparagraphen. § 300 beschäftigt sich mit Herabwürdigung der Behörden resp. Aufreizung zum Hasse, zur Verachtung oder grundlosen Be schwerdcsührung gegen Staats- oder Gemeindebehörden oder gegen einzelne Organe der Regierung, gegen Zeugen und Sach- verständige vor: Gericht, bewirkt durch Schmähungen, Ver spottungcn, unwahre Angaben und Entstellungen. Der Ruchlose, der eine dieser Schandthaten begeht, macht sich des Vergehens der Aufwiegelung schuldig und wird mit 1—6 monatlichem Kerker bestraft. Nicht besser geht's dem, der sich gegen§ 302 ver- sündigt. Dieser Paragraph behandelt die Aufreizung, Aneifcruug und Verleitung zu Feindseligkeiten wider die verschiedenen Nationalitäten, Religions- und anderen Gesellschaften, einzelne Klassen der bürgerlichen Gesellschaft zc. Mit Hilfe dieser Kaut- schuckparagraphen ist es natürlich möglich, eine jede Opposition mundtodt zu machen. Selbst die Erzählung wahrer Thatsachen, auch in objektivster Form, wird nach diesem Paragraphen zum „Bergehen", sobald diese Thatsachen die Regierung oder die herrschenden Klassen in ein schiefes Licht setzen. Die Behörden lassen sich daher ungenirt die gröbsten Ungesetzlichkeiten zu Schulden kommen, jeder Bericht über dieselben wird nach.Z.300 des Str.-G. confiszirt. Es wäre ein blaues Wunder, wenn Graf Lamezan und seine Collegen diese Paragraphen nicht weidlich ausbeuteten. Abgesehen von den schamlosen Confis- kationen der„Gleichheit" beginnt man jetzt auch wieder durch Prozesse die Partei zu verfolgen. Genosse Dnnn stätter sitzt in Untersuchungshaft, weil er in einer öffentlichen Versammlung erklärt haben soll, er erkenne die Verfassung nicht an. Unsere Verfassung ist ein solches Unding, ein so systemloses zusammen- geläppertes Gebäude aus Altem und Neuem, Gutem und Schlechtem, voller Confusion, Widersprüche und voll Ungerechtigkeit gegen die Besitzlosen, daß keine Opposition diese Verfassung anerkennen darf'und kann, da sie nur zu dem Zwecke fabrizirt wurde, jede Opposition unmöglich zu machen. Keine der oppositionellen Par teien erkennt die Verfassung an, oft genug wurde das aus- gesprochen— aber eingesperrt werden nur die Arbeiter, welche so reden. Natürlich, die Pfäffleins und Gräfleins, welche der Verfassung ein Schnippchen schlagen, die sind unantastbar t wären, wie sie— wörtlich!— der Buchhändler nur versiegelt zu ver- schicken pflege! Seitdem fürchte ich die Reporter. Seien Sie überzeugt, ich ging anfangs ernstlich mit dem Gedanken um, Journalisten zu meinen Soireen hinzuzuziehen, aber Hans Blum hat mir das ver leidet. Früher las ich die„Grenzboten". Seit Herr Blum sie redi girt, habe ich sie abgeschafft. Ich habe immer Angst, es könnte mal ein Artikel darin stehen, wie der von 1869 in der„Gartenlaube". Ich traue dem Blum Alles zu... Jetzt haben wir die Bescheerung.. — Auf den Inhalt des Artikels ging der Kanzler nicht ein, obwohl ich noch wiederholt davon anfing... —„Seht mich an! Ich bin der Bismarck."„ER" ist wieder in Kissingen— trotz Kullmann-Reminiszenzen— und die Anekdoten fabrikanlen haben wieder zu thun. Das Neueste(bis auf Weiteres) liest sich also:„Auf einer Promenade, die der Fürst Bismarck gewöhn lich des Nachmittags in das sogenannte Moswäldchen macht, begegneten ihm am Sonntag, den 3. d., zwei Landmädchen, deren cigenthümliche Tracht und Flügelhüte ihm auffielen.„Ihr seid wohl nicht aus Kissingen", fragte der Fürst.„Ich habe solche Tracht und solche Hüte hier noch nicht gesehen."„O nein!" antworteten Jene.„Wir sind aus dem Grabenfelder Gau. Wir sind mit dem Bergnügungszuge, der aus Meiningen gekommen ist, herübergefahren und möchten gern den Bismarck sehen."„Dann braucht Ihr nicht weit zu gehen," sagte der Fürst lachend,„seht mich an, ich bin der Bismarck." Ein Aus- ruf des Erstaunens entfuhr den Lippen der beiden Mädchen.„Ihr seid also der Herr Bismarck?" sagte die Eine schüchtern.„Ja, der bin ich," bestätigte der Fürst.„Nun könnt Ihr zu Hause er. zählen, daß Ihr den Bismarck gesehen habt. Reist mit Gott und grüßt mir den ganzen Grabfelder Gau."" Schade, daß ER den Mädchen kein Andenken mitgegeben hat. Nicht einmal ein Stück Hutfutter! — Zu Tode gearbeitet. Am 11. Juni erhielt auf der Ring oscn-Ziegelei bei Bochum ein trotz der glühenden Hitze arbeitender Ziegelbrenner einen Sonnenstich und fiel um. Als man nun denselben m's Krankenhaus bringen wollte, verschied er schon auf dem Wege dorthin. Notiz. Durch ein Versehen ist ein Theil der Zwischen bemerkungen zu dem letzten Feuilleton-Artikel statt an der durch Ziffer: bezeichneten Stelle im Text an den Schluß des Artikels gesetzt wor- den, wodurch ihre Wirksamkeit natürlich stark beeinträchtigt wird. Gleiches Recht für Alle!— Unter den weiteren in Schwebe be- findlichen Prozessen wäre noch hervorzuheben die Anklage Rein- thals und die Entdeckung einer sozialistischen„Verschwörung" in Galizien. Was an dieser Geschichte wahr ist, gelang mir noch nicht zu erforschen, denn die heilige Hermandad bewahrt ein unverbrüchliches Stillschweigen. Wahrscheinlich weiß sie noch selbst nichts und wäre in Verlegenheit, wenn sie das Still- schweigen brechen sollte. Mit den hiesigen Parteigenossen standen die„Verschwörer" nicht in Verbindung, sollte daher ein Körnchen Wahrheit in der ganzen Geheimbundsgeschichte enthalten sein, so dürfte man am ehesten annehmen, daß es bakunistische Ele mente waren, welche die Sache in Kluß brachten. Aber nach den gemachten Erfahrungen thut man am Besten, daran festzu- halten, daß die Verschwörung von der Polizei, und nicht von Sozialisten„gemacht" wurde. Sucht man doch begierig nach Material, um die Partei noch mehr zu schwächen. Alle An- zeichen deuten auch darauf hin, daß die jetzt vorgenommenen Aktionen der Polizei nur die Einleitung zu emer größeren find, welche nach dem Parteitage in Scene gesetzt werden soll. Kommt dieser wirklich zu Staude, dann ist das Ende vom Liede eine lustige Sauhatz auf die Sozialdemokraten Oesterreichs. crssen, 18. Juni.(Freisprechung.) Wie schon früher mit- getheilt, hatte sich der Redakteur der„Essener Freien Zeitung", Herr Strumpen, gestern vor der Eriminal-Deputation des hiesigen Kreisgerichts wegen eines Lokalberichts, in welchem er den Polizei-Wachtmeister Wiggers von Altendorf den Vorwurf des Meineides gemacht haben sollte, zu verantworten. Der An- geklagte bestritt die von der Königl. Staatsanwaltschaft aufge- stellte Behauptung, daß er durch diese Notiz dem pp. Wiggers den Vorwurf des Meineides gemacht habe, indem er hervorhob, daß die Bemerkung, Wiggers habe Sachen angegeben und auf seinen Diensteid genommen, die nicht wahr seien, durchaus nicht den Vorwnrf des Meineides enthalte. Wollte man das als einen Vorwurf des Meineides verstehen, so stände fest, daß in jeder Prozeßsache Meineide geleistet würden. Dafür, daß Wig- gers Sachen angegeben und auf seinen Diensteid genommen, die nicht wahr seien, hatte Angeklagter den Beweis der Wahrheit angetreten und ergab die Beweisaufnahme die Richtigkeit des in jenem Lokalbericht dem Wachtmeister gemachten Vorwurfs. Die Königl. Staatsanwaltschaft suchte in einem längeren Vor- trage den Gerichtshof zu überzeugen, daß der Beweis der Wahrheit nicht erbracht sei und beantragte ö Wochen Gefäng- niß. Der Gerichtshof erkannte nach einer halbstündigen Be- rathung dem Antrage des Angeklagten gemäß auf Freisprechung. Katers«»(N e w- I e r s e y), den 6. Juni 1877. Werthe Parteigenossen! Wir fühlen uns verpflichtet. Euch folgende Auftlärung über die hiesige Seiden-Industrie zu geben. Paterson, N.-J., ist der Hauptsitz der Seidenindustrie von Amerika(Bandweber befinden sich hier ohngefähr zwischen 6—700, Seidenstoffweber 8—900), welche in fortwährender Ausbreitung sich befindet. Diese Industrie ist geschützt durch einen 60prozentigen Einfuhrzoll, aber trotzdem ist die Lage der Seidenarbeiter eine sehr schlechte: Lohnabzüge über Lohnabzüge haben die letzte Zeit stattgefunden, wodurch die Gegensätze zwischen Arbeiter und Arbeiwehmer besonders verschärst worden sind. Letztere suchen sich nun der Arbeiter und besonders der aufgeklärten, durch Ma- schinen-, Frauen- und Kinderarbeit und Zuzug von Arbeitern aus Europa ganz zu eutledigen. Der Lohn rst bis zum Hunger- lohn herabgedrückt, dazu kommt noch, daß die Wemgsten anhal- tende Beschäftigung haben, viele kaum die Hälfte Zeit. Der dritte Theil aber ist ganz ohne Beschäftigung. Die Lage ist deshalb eine ganz miserable. Wir warnen deshalb hiermit jeden Parteigenossen, wie überhaupt alle Weber, nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika auszuwandern. Unversucht aber wollen wir nichts lassen, über die Ursache dieser Misere unsere Mit- arbeiter aufzuklären, um so die Reihen zur Abhülfe derselben zu verstärken. Mit sozialdemokratischem Gruß Im Auftrag der Weber von Paterson(.N I.) H. W. Moraweck. Die Parteiblätter in Schlesien und besonders am Rheine werden um Abdruck gebeten. Königwatde, 20. Juni. Am 18. Juni Abends tagte hier eine" Volksversammlung mit der Tagesordnung:„Die Sozial- demokratie und der jetzige Nothstand", in welcher Parteigenosse Wiemer aus Chemnitz referirte. Die Versammlung war gut besucht, jedoch hatten sich auch einige ungebildete Gegner einge- funden, welche die Versammlung durch Störungen zu sprengen suchten, was ihnen aber nicht gelang. Eine Tellersammlung durfte laut Verbots des hiesigen wohllöblichen Gcmcindevor- standes nicht stattfinden, und wurden freiwillige Beiträge gegeben, welche sich auf 5 Mark 38 Pfg. beliefen. Die Versammlung nahm, abgesehen von den erwähnten Störungen, einen günstigen Perlauf. Auch wir haben jetzt gesehen, mit welchen Mitteln unsere Gegner zu Werke gehen, um der Sozialdemokratie zu schaden. Wir werden aber zeigen, daß die Gegner der Sozial- demokratie gegenüber machtlos sind. Nothwendig ist aber, daß auch in den Nachbarorten Volksversammlungen abgehalten wer- den, denn nur dadurch kann die Sozialdemokratie an Ausbrei- tung gewinnen. G. M. Göppingen, 20. Juni.(Situationsbericht.) Neben Consta- tirung der für den Arbeiter so überaus schlechten materiellen Verhältnisse in hiesiger Stadt in einer der letzten Nummern des„Vorwärts" dürste es für die denselben lesenden Partei- genossen doch auch von Interesse sein, etwas über den Stand unserer Sache hier zu erfahren. Leider ist der Bericht, der hiervon zu geben ist, kein besonders erfreulicher. Trotzdem, daß dem hiesigen Proletariat das Wasser bis an den Hals geht, be- greift der bei weitem größte Theil desselben nicht, daß nur in felsenfester Vereinigung und Hingebung der Arbeiter an die ge- meinsame Sache die Beseitigung der Leiden des vierten Standes zu erwarten ist. Man giebt sich der kühnsten Hoffnung hin, daß die nächste Zukunft in ihrem Schooße bessere Tage bringen werde, und hat es doch vor Augen, daß es von Tag zu Tag schlimmer wird. Solche Elemente müssen durch Schaden klug werden! Die Zahl der hiesigen Parteigenossen wäre nicht so klein, leider aber beweist nur der dritte Theil seinen Patrio- tismus auch mit Geldbeiträgen. In letzter Zeit hat sich hier ein Agitationscomitö constituirt, das sich die Aufgabe stellt, mit allen nach Gesetz und Recht erlaubten Mitteln für unsere Sache zu wirken. Zunächst wurde an einem der letzten Sonntage eine Volksversammlung zum Zweck der Widerlegung der aus dem schmutzigen Stuttgarter Preßbüreau stammenden Angriffe im hiesigen„Amts- und Jntelligenzblatt" abgehalten, welche ziem- lich stark besucht war und in der Genosse Bronnenmaver unter dem Beifall der Anwesenden den Waschzettel Punkt fiir Punkt widerlegte. Die Gegner machten sich natürlich nur durch ihre Abwesenheit bemerkbar.— Ein- Reihe von Vorträgen, ge- halten von Mitgliedern des Agitationscomitös. hat begonnen und es ist zu hoffen, daß sich bei einiger Energie noch Manches besser gestalten wird. Freudige Erregung in hiesigen Partei- kreisen, wie wohl überall, brachte die Wahl Hasenclever's. Braves Berliner Proletariat! Wiestolz sind wirauf dich. Die Zweifel sind zerstört, auf's Neue ist der Arm gestählt. Ehre sei dir!— Ich habe die Ueberzcugung, in nächster Bälde erfteulichere Nachricht über den Stand unserer Sache an hiesigem Orte bringen zu können. A. Hera, 16. Juni. Sonnabend den 9. d. M. fand hier in Straube's Lokal eine gutbesuchte Volksversammlung statt, in welcher Parteigenosse K. Brätter über nachfolgende Tagesordnung sprach:„1) Die wirklichen Ursachen der Zunahme des Verbrecherthums im Gegensatz zu dem Vortrage des Kreisge- richtsdirektor Hirt. 2) Bericht des Delegirten vom Gothaer Sozialisten-Congreß."— Herr Kreisgerichtsdirettor Hirt hat in einer der letzten Versammlungen des Gewerbevereins einen Vortrag über„Die Zeichen einer vorschreitenden Verwilderung im Bezirk Gera" gehalten und sich dabei ungefähr folgender- maßen geäußert:„Die Grundursache der Zunahme der Ver- brechen hier müsse in dem allenthalben zu Tage tretenden Ma- terialismus, den„Irrlehren" sozialistischer Agitatoren, die den Menschen Dinge predigen und verheißen, welche unerreichbar sind, die ihnen ein bequemes Leben vorspiegeln, ohne es ihnen gewähren zu können, gesucht werden." Parteigenosse Brätter wies in der obenerwähnten Volksversammlung die Beschuldigung gegen die Sozialdemokratie scharf und entschieden zurück. Er betonte, daß nicht die Sozialdemokratie für die Ueberhandnahme der Verbrechen verantwortlich gemacht werden könne, sondern daß dieselben in den unseligen sozialen Zuständen der Gegen- wart wurzelten. Diese solle man dafür verantwortlich machen. Die Meinung des Herrn Hirt, daß die Zunahme der Verbrechen seit Anfang der 70cr Jahre dalire, hält auch Herr Brätter für richtig, aber daran sei nicht die Sozialdemokratie schuld, sondern der demoralisirende Einfluß der Kriege, deren Deutschland in zwölf Jahren allein drei geführt habe. Wenn in den Schulen bei Sedanfesten der Krieg als eine heilige Handlung dargestellt würde, da brauche man sich über die Verwilderung der Jugend nicht zu wundern. Woraus folgere überhaupt Herr Kreisge- richtsdirektor Hirt, daß die Sozialdemokratie für die Verbrechen verantwortlich zu machen sei? wo habe er die Beweise dafür? so fragte Brätter. So lange er diese nicht erbringe, erkläre er (Brätter) den Vorwurf für eine der stärksten Verleumdungen, der Sozialdemokratie, und müsse er diese durch nichts begründete Beschuloigung auf das entschiedenste zurückweisen.— Die Aus- führungen des Redners fanden den vollsten Beifall der Ver- sammelten, von denen schließlich nachstehende Resolution ein- stimmig angenommen wurde: „Die heutige Volksversammlung protestirt gegen die in dem Vortrage des Herrn Kreisgerichtsdirektor Hirt enthaltenen Be- schuldigungen gegen die Sozialdemokratte, die dieselbe der Mitschuld an der Zunahme der Verbrechen bezichtigen, und weist solche als vollständig unbegründet zurück." Hierauf erstattete Parteigenosse Brätter als Delegirter zum Gothaer Sozialistenkongreß in gedrängter Kürze einen Bericht über dessen Thätigkeit und den gegenwärtigen Stand der sozia- listischen Partei. Zum Schluß sei noch bemerkt, daß Herr Kreisgerichtsdirettor Hirt seinen Vortrag auf Ansuchen des Gewerbe- Vereins in Druck erscheinen lassen will. Nur immer zu, Schaden wird uns das nicht bringen.— Unser Lokalblatt, das„Ost- thüringische Volksblatt", erscheint vom 1. Juli an dreimal wöchentlich. Auch ein„Rückgang"! 14. sächsischer Wahlkreis. Die Parteigenossen werden hiermit für Sonntag, den 7. Juli, Vormittags 11 Uhr zu einer Conferenz nach Geithain eingeladen. Die Theilnehmer wollen sich, bei dem Genossen G. Stahl daselbst an- melden. Groitzsch. Pegau, den 25. Juni. Das Kreis-Agitations-Comitv. Briefkasteu der Expedition. H. Weber-Gordon, Barmbeck: Die Annonce kam für die Sonntagsnummer zu spät. Protokoll- Sendungen. Die eingegangenen Bestellungen auf Congreßproiokolle konnten vorige Woche nicht nach Wunsch erledigt werden, weil die Letzteren nicht in genügender Zahl und Sonnabend eine Partie erst kurz vor Postschluß geliefert wurden. Derosfi. Quittung. Wbr Grdn Barmbeck An. 3,00. Arbeiterverein Halle An. 0,3<). Hrdrf Cöln An. 1,50. Erlck London An. 2,10. Grnzg Neustrclitz Ab. 3,00. Kls Magdeburg Ab. 120,00. Arbeiter-Bild.-Vcr. Mürzzuschlag Ab. 3,22. Rsch Hajos Ab. 9,65. Ottnbch Stuttgart Ab. 6,80. ZchrdS Herrmannstadt Ab. 11,75. Bttchr hier Ab. 4,40. A. Krtschmr Dortmund Ab. 4,10. Bstr London Ab. 4,00, Schr. 1,00. Frnkl Budapest Ab. 22,40. Frtn Beauvais Ab. 4,00. Flr Schwb. Gmünd Ab. 15,00. Frnff Sachsenhausen Ab. 31,60. Thm hier Ab. 0,80. Red. d.„Mecklenburger Arbeiterfteund" Ann. jl,2v. Hnzl Kiel Ann. 1,50. Anzeigen ze* Annonce» für die Mittwochs-Nummer müsse» bis Man- tag Vormittags 9 Uhr; für die FreitagS-Nummer bis Mitt- woch BormittagS 9 Uhr; für die SountagS-Stummer bis Frei- tag Bormittags 9 Uhr hier sei», wen» solche noch bestimmt Aufnahme finden sollen. Annoncen, denen der Bettag nicht beiliegt» oder für welche der Einsender kein Depot bei nnS hat, könne» eine Aufnahme nicht finden. Die Expedition des„Vorwärts". QotVlim Freitag, den 30. Juni, Abends>/,9 Uhr, im Saale des Hrn. Michael, gr. Windmühlenstr. 7: Oeffentliche Sozialistenversammlung. Tagesordnung: Die politischen Parteien Deutschlands und die Or» ganisalion der Arbeiterpartei. Referent W. Hasenclever. 70) Der Agent. !! Aufgepaßt!! Im Laufe des Monates finden rhetorische Borttäge zum Besten der Parlamentswahlkasse in folgenden Orten statt: Hamburg, Altona, Barmbeck, Ottensen, Hamm, Kiel. Zum Vortrage gelangt: Franz von Sickwgen von Ferd. Lassalle unter Leitung und persönl. Mitwirkung von Hermann Weber-Gordon. Näheres die Lokalblätter und Zettel. Anträge der Parteiagenten zu ähnlichen Vorträgen sind zu senden: H. Weber-Gordon, Barmbeck postlagernd.(F 40)[300 Als Verwalter oder Disponent SZ oder Etablissements empfiehlt sich ein selbstständig gewesener Techniker reiferen Alters.(3a)[1,00 Näheres R. P. durch die Expedition. Verlag von A. Erlecke in London. Zvcds Monate in einem preußischen Centtalgefängnisse. Aus den Folgen eines modernen Justizmordes nebst einer Einleitung: Auszug aus den Prozeßatten. Bon einem Berbannten. gr. 8. Elegant ausgestattet Preis 1 Mark 50 Pfg. Einge-— jetzt Redakteur eines Partei wandtn �StyNsls etzer blattes- sucht zu sofort Stellung.(F. 260)[1,20 Offerten unter R. M. durch die Exped. ds. Bl. Den Partei- und Gewerksgenossen zur Nachricht, daß wir hier einen Centtal-Fremdenverkehr sämmtlicher Gewerke, verbunden mit unentgclt- lichem Arbeitsnachweis, errichtet haben, und ersuchen wir deshalb alle hier zureisenden Genossen nur dort zu verkehren. Der Fremdenverkehr befindet sich in der Bierbrauerei von H. Rauschen, Rothenberg 9, in! der Nähe der Schiffsbrücke. Cöln a. Rh., im Juni. dtL. Alle Parteiblälter werden um Abdruck obiger Notiz gebeten. zM" Billigste Tageszeitung Berlins! „Berliner Ireie presse" mit der Jllustrirten Sonntags-Gratis-Beilage„Z>ie Arne Welt" erscheint sechsmal wöchentlich in Berlin und nehmen alle Postanstalten Deutschlands, sowie die unterzeichnete Expedition Abonnements entgegen. Abonnements- Preis: Beim Abholen von der Post: 4 M.,— frei in's Haus: 4 M. 40 Pf per Quartal. Ins erat e: pr. 4gesp. Borgis-Zeile 25 Pf.,— Arbeitsmarkt nur 10 Pf. Die„Berliner Freie Presse" ist in der Zcitungs- Preisliste für 1877 unter Nr. 540 eingetragen. Die Expedition der„Berliner Freien Presse"» Berlin 80., Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8a. Das Protokoll des diesjährigen, zu Gotha stattgehabten Sozialisten-Congresses I ist heute erschienen. Preis pro Stück 25 Pfg, bei Bezug von mindestens 5 Exem- plaren 20 Pfg. Bestellungen, denen der Bettag nebst 10 Pfg Porto für je: i 5 Exemplare beizufügen ist, sind zu richten an C. Derossi, Hamburg, Pferdemarkt 37 III. Nur gegen baar oder Postvorschuß wird exprdittrt. Die Rundschau. Organ für sozialistische Propaganda. Dieses Blatt erscheint monatlich e i n Mal und kostet durch die Post bezogen(.0 Pf. pro Quartal excl. Bringegeld. Dirett von der Expedition bezogen kostet eine einzelne Nr. 20 Pf. Bei größeren Be- stellungen Rabatt nach Uebereinkunft. Versendung der ersten Nummer Ende dieses Monats. Verlag der„Rundschau" Hamburg, Amelungstraße 5. Bei der Volksbuchhandlung in Zürich ist erschienen und durch unS zu beziehen: Der Staat! vom sozialdemokratischen Standpunkt aus. Eine Auseinandersehung mit den„Anarchisten". Bon Hermann Greulich, Redakteur der„Tagwacht". 2>/z Bogen groß Oktav.— Preis 25 Pf. Abomlemcilts-Einiadmig. Mit dem 1. Juli 1877 beginnt ein neues Quartal, und fordern wir deshalb zu zahlreichem Abonnement auf das wöchent- lich dreimal erscheinende Parteiorgan auf. Der Preis beträgt 1 Mark 60 Ilff. pro Quartal, 54 pro Monat für ganz Deutschland. Alle Postanstalten und Buchhandlungen nehmen Abonnements entgegen. Denjenigen Abonnenten, welche das Blatt per Kre«z5an> beziehen, wird dasselbe bei wöchentlich dreimaliger Zusendung in folgender Weise berechnet: für Deutschland, Helgoland und Luxemburg 3 Mark per Quartal; für die Schweiz, Serbien, Belgien, Scandinavien, Italien,. die Niederlande, Großbritannien, Rumänien, Portugal, Frankreich, Spanien, Türkei und Bereinigten Staaten von Amerika 4 Mark; Couvertsendungen innerhalb des deutschen Postgebietes incl. Oesterreich- Ungarn, Luxemburg und Helgoland wöchentl. 3mal 10 Mark pr. Quartal, wöchentl. Imal 4,80 Mark pr. Quartal.- Der Abonnements-Betrag ist bei Bestellung einzusenden. In dem Zeitungskaralog steht der„Vorwärts" im Nachtrag XI, unter Nr. Z770ii, Seite 2. Für Leipzig und Umgegend ist der Abonnementspreis mit Bringerlohn) auf 1 Mark 80 Pf. pro Quartal und 60 Pf. pro Monat festgesetzt. Man abonnirt bei der Expedition d. Bl. Färberstraße 12/11, unserem Colhorteur Moritz Ulrich, Süd- straße 12, in den Filialen: Cigarrenladen des Hrn. Peter Krebs, Ulrichsg. 60, und Sattlerwerkstatt am Königsplatz l-r für die Umgegend von Leipzig bei den Filialexpedittonen:'Dotk» marsdorf, Reudnitz, Zleufchonefetd:c. rc. bei Frau Engel, Reudnitz, Täubchenweg 29, 2 Tr.; für Connewitz je. Hattert, Kurze Str. 10 pari.; für Kteinzschocher und Umgegend bei F. Tr ost Hauptstr. 10 l; für Thonberg bei B ösch, Hospitalstt. 39/11 dahier; für Zlenreudnitz bei Zschau, 15 1; für chohkis jc. bei A. Hermsdorf, Lmdenthalerstt. 7; für Stötteritz bei E. Grude, An der Papiermühle; für Utagwitz-Lindenan bei Frau. Grebenstein, Aureliensttaße 3. Für Rerkin wird auf den„Vorwärts" monatlich für 75 Pf. ei in's Haus) abonnirt, bei der Expedition der„Berliner eien Presse", Kaiser-Franz-Grenadier-Platz 8a und Rubenow, Brunnenstt. 34, im Laden. Die Leipziger Abonnenten werden noch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß bei allen Stadtpost-Filialcn sowohl Quartals- als MonatSabonuemrutS angenommen werden. Die Redaktion und Expedition des„Vorwärts". V«antwortlicher Rtdattnir: R. Seiffert m Leipzig. Redaktion und Ewedst sn Färberfiraße 12/11. in Ucip-hj. Druck und Lerlaa o« Gmoss.nsiansbuchdruckerei in Lechz?»